Mali Länderprofil – historische Übersicht – aktuelle Analyse

Geographisch-kulturell teilweise (der Süden des Landes) West-Afrika, teilweise (der Norden) der Sahel-Zone (südliche Sahara) zugehörig. Im Süden Schwarzafrikaner (v.a. Mande-Völker wie Bambara sowie Ful) die vorwiegend als  Viehzüchter, Ackerbauern, Fischer leben und den grössten Teil der Bevölkerung stellen, da der nördliche Landesteil zwar etwas grösser ist als der südliche aber, aufgrund der Wüste, sehr dünn besiedelt. Dort leben die berberischen Tuareg [1] und Araber sowie arabisierte Völker wie die Arma, vorwiegend als Nomaden. Die Religion (sunnitischer Islam) haben die beiden Landes- bzw. Bevölkerungsteile gemeinsam; es gibt daneben Gruppen von Animisten und Christen.

Das heutige Mali war Teil des Ghana-Reichs, im Hoch-Mittelalter [2] eroberten die berberischen Almoraviden aus Marokko das Land und leiteten seine Islamisierung ein. In der Folge entstand das teilweise islamisch geprägte Mali-Reich mit der Hauptstadt Timbuktu unter der Keita-Dynastie; die vorherrschende Sprache war Manding. Timbuktu war im 15. und 16. Jahrhundert ein intellektuelles Zentrum für Nord- und Westafrika. Daneben gehörten Teile Malis zum „schwarzafrikanischeren“ Songhai-Reich. In der frühen Neuzeit gab es erneut eine marokkanische Invasion die die bestehende staatliche Situation beendete. Danach war Mali auf lokale Kleinkönigreiche aufgeteilt (z. B. eines der Fulbe im 19. Jahrhundert).

Ende des 19. Jh. eroberte Frankreich das Land, nannte das spätere (und frühere) Mali „Französischer Sudan“ (war Teil Französisch-Westafrikas). Dieser durfte 1959 eine teil-autonome Föderation mit Senegal eingehen („Mali-Föderation“). 1960 wurde diese von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen und löste sich alsbald in die Staaten Mali und Senegal auf. Erster Staatspräsident Malis wurde Modibo Keita, der zwar stark französisch geprägt war (Absolvent der William-Pony-Schule in Dakar, wie viele andere künftige Top-Politiker ehemaliger französischer Kolonien in Westafrika; Abgeordneter im französischen Parlament), wandte sich aber von Frankreich ab und gründete einen sozialistischen Einparteienstaat, der sich an den damaligen Ostblock anlehnte, und auf die Verstaatlichung von Ressourcen (Baumwolle > Plantagen, Gold u. a. Bodenschätze [3]) setzte. Diese Phase ging 1968 mit dem Militär-Putsch unter Moussa Traoré zu Ende, der als Präsident einen authoritären Polizeistaat errichtete und ideologisch einen anderen Weg einschlug als sein Vorgänger. Anfang der 1990er erfolgte der Übergang zu Demokratie unter dem Historiker Alpha O. Konare. Die Politik ist wie in vielen afrikanischen Staaten von einem Klientelsystem geprägt, in dem Parteien bzw. Parteienbündnisse die Interessen bestimmter Schichten oder Volksgruppen vertreten, oft zum Nachteil der Allgemeinheit, und in dem Wahlmanipulationen und gewaltreiche Umstürze häufig vorkommen.

Aushängeschilder Malis sind der Musiker Mamadou Diabaté (lebt in USA), Fussballer wie Frederic Kanouté (in Spanien tätig) oder die Tuareg-Musikband “Tinariwen”, die beim ersten „Festival au Desert“ 2001 ihren Durchbruch schaffte und die Unabhängigkeit von “Azawad” unterstützt .

Die Tuareg im Norden erhoben sich 1958 und 1990 für Autonomie, gegen Benachteiligung. Der Konflikt zwischen Bamako (der Zentrale des Landes, im Süden, den herrschenden „Schwarzen“) und Timbuktu (der Peripherie, dem Norden, den „Braunen“) brach 2012 erneut aus und führte zum Sturz von Präsident A. T. Touré durch das Militär (obwohl es von Politikern aus Putschangst „ausgehungert“ wurde). Die Putschisten wollten den Aufständischen im Norden eigtlich besser kontra geben. Doch eine Offensive der in der MNLA („Nationale Befreiungsbewegung des Azawad“) organisierten Tuareg-Rebellen führte zu deren Machtübernahme dort. Die MNLA besteht zu einem großen Teil aus Tuareg die von Libyens Diktator Gaddafi aufgenommen worden waren und in seiner Armee gekämpft hatten, und nach seinem Sturz u.a. nach Mali zurückkehrten – mit den libyschen Waffen. Die MNLA nahm den Norden Malis samt den Städten wie Timbuktu praktisch kampflos von der malischen Armee ein. Die MNLA unter ihrem Generalsekretär Acherif riefen in Nord-Mali die Unabhängigkeit von „Azawad“ aus. Dann begann der Kampf zwischen den Islamisten (v.a. den „Ansar Dine“) und der MNLA. Ob sie davor, bei der Machtüberbahme, miteinander verbündet waren, ist umstritten. Nun nahmen die radikalen Muslime „Azawad“ ein, wo sie die Scharia einführten, jahrhundertealte geschützte Mausoleen oder eine Bibliothek mit einzigartigen Manuskripten zerstören. Mehr als 200 000 Menschen flohen aus dem Norden Malis.

Das Treiben der Islamisten in Nord-Mali und die Aussicht auf ein Rückzugsgebiet für „Al Kaida“ rief 2013 eine Militärintervention der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich an Seite der malischen Armee zur Rückeroberung des Nordens des Landes/ “Azawads“ hervor. [4] Die Islamisten sind dort keine Massenbewegung sondern bestanden aus nicht allzu starken Milizen, daher erfolgte ein rascher Rückzug, z.T. kampflos, als Frankreich Luftangriffe flog und die malische Armee auf dem Boden nachzog. Die Städte wurden von den Islamisten befreit und die MNLA musste sich ganz im Norden an die Grenze zurückziehen. Frankreichs Präsident Hollande kündigt den baldigen Abzug französischer Truppen an, allein die Kosten von 70 Millionen Euro für den Militäreinsatz werfen aber die Frage auf ob Frankreich Mali wirklich nur uneigennützig helfen wollte. Es könnte ihnen auch um Uranvorkommen, um geopolitische Interessen in der Region und um die Wüste als Testgebiet für Waffen gehen. Ag Assarid, Sprecher der MNLA im französischen Exil, sagt, die malische Regierung scherte sich nie um die Islamisten – sie wollte einfach den Norden zurückerobern und bei dieser Gelegenheit gleich auch mit der MNLA (bzw. den Tuareg-Interessensvertretern) aufräumen. [5]


[1] Diese sind neben Mali hauptsächlich auf den Niger, Libyen, Burkina Faso und Algerien aufgeteilt. Sie nennen ihren Lebensraum (die südöstl. Sahara bzw. östliche Sahelzone) Azawad.

[2] Ist eine Epoche der europäisch-christlichen Geschichte, aber zumindest zur „zeitlichen Angabe“ auch auf andere geographisch-kulturelle Räume anwendbar

[3] Die Verarbeitung erfolgt bis heute, wie so oft im Fall von Ressourcen von „3. Welt-Staaten“, anderswo.

[4] und eine neue Runde im „Kampf der Kulturen“. Obwohl auch der Süden Malis moslemisch ist, wurde die Militäraktion, die zur Beendigung der Sezession führte, oft in dem Zusammenhang gesehen, und zwar von beiden Seiten. Siehe den islamistischen Anschlag in Algerien bzw. das Lob für Hollande.

[5] www.orf.at/stories/2172900

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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