Berühmte verschwundene Menschen

* Kapitän Benjamin Briggs und neun weitere Menschen von Bord der „Mary Celeste“, einem Segelschiff (Brigantine), das 1872 auf dem Weg von New York nach Genua war und vor der  portugiesischen Küste verlassen im Atlantik treibend aufgefunden wurde. Dieser Fall eines Geisterschiffs gibt bis heute Rätsel auf. Die Mary Celeste wurde vom ebenfalls amerikanischen Schiff „Dei Gratia“ teilweise überflutet, jedoch ohne Hinweise auf eine Meuterei oder Gewalt an Bord, gefunden und dann von einem Teil ihrer Besatzung zunächst nach Gibraltar gesegelt. Der geladene Industriealkohol, der nach Genua gebracht werden sollte, und schlussendlich auch wurde, war intakt. Es wurde dort allerdings festgestellt, dass einige Fässer leer waren. Der letzte Logbucheintrag gab eine Position nahe der Azoren-Insel Santa Maria an und datierte neun Tage vor der Sichtung durch die Dei Gratia. Das Fehlen des Rettungsbootes und einiger Navigationsinstrumente deuten darauf hin, dass die Besatzung damit (absichtlich) dass Schiff verlassen hat. Aber warum? Die Theorien dazu greifen die Versicherungssumme auf, die die „Retter“ des Schiffes und seiner Ladung, die Dei Gratia-Leute, kassierten, den fehlenden Alkohol, der auf eine Verpuffung zurückzuführen sein könnte, vor der sich die Crew in Sicherheit bringen wollte oder auch natürliche Erklärungen (Seebeben, das die Besatzung ins Meer geschleudert hätte und anderes). Die Sache wurde oftmals künstlerisch verarbeitet (Bücher, Filme), das erste Mal von Arthur C. Doyle wenige Jahre danach in seiner Geschichte „J. Habakuk Jephson’s Statement“, in der das Rätsel um die Mary Celeste mit fiktiven Begebenheiten ausgeschmückt wird.

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* D. B. (auch Dan) Cooper war das Pseudonym eines Flugzeugentführers, der 1971 mit einem Fallschirm samt dem erhaltenen Lösegeld (200 000 $, heute etwa der fünffache Wert) aus einer „Boeing 727“ der „Northwest Airlines“ über dem Nordwesten der USA (Bundesstaat Washington) absprang – und über dessen Identität und Verbleib keine weiteren Anhaltspunkte auftauchten. Flugsicherheitsregeln wie Ausweis- und Gepäckkontrollen (auch bei Inlandsflügen) wurden erst infolge dieser und anderer Flugzeugentführungen in den 1970ern eingeführt (sonst meist politisch motivierte, es gab aber auch einige Nachahmer Coopers in den USA). Dieser Entführer musste damals einfach einen Namen beim Schalter angeben, er nannte sich „Dan Cooper“, bevor er das Flugzeug zusammen mit 36 anderen Passagieren und sechs Crewmitgliedern in Portland in Oregon mit Bestimmung Seattle bestieg. Bald nach dem Abflug überreichte er einer Stewardess einen Briefumschlag, in dem ein Zettel mit einer schriftlichen Bombendrohung war. Um sein Anliegen zu unterstreichen, zeigte er ihr auch Drähte und rote Stangen in seiner Aktentasche. Nachdem der Pilot Rücksprache mit der Flugaufsicht gehalten hatte, wurde wie geplant in Seattle gelandet und dort wie von „Cooper“ angewiesen die Passagiere freigelassen und das Geld sowie vier Fallschirme (wie er angab, für ihn und die drei Besatzungsmitglieder, die mit ihm weiterfliegen sollten) an Bord gebracht. Der Flug ging dann Richtung Mexiko weiter, doch irgendwann öffnete Cooper die Heckklappe und sprang (in Mantel und Strassenschuhen) in die stürmische Nacht ab. Er liess im Flugzeug eine Krawatte zurück, die eine DNA-Probe hergab. An Hinweisen tauchten danach nur noch drei Bündel verwitterter Banknoten auf, die von einem Kind 1980 am Flussufer des Columbia River in der Nähe des vermuteten Absprungortes gefunden und als Teil des Lösegelds identifiziert wurden. Natürlich gibt es auch hier etliche Theorien, darüber was nach diesem Absprung geschah und wer Cooper ist/war. Sein tollkühner Absprung wurde ursprünglich als Zeichen besonderer Beherrschung des Fallschirmspringens gedeutet, inzwischen aber eher als das Gegenteil, zumal er unter den zur Verfügung stehenden Fallschirmen den unpassendsten für sein Vorhaben wählte. Der Flugzeugentführer scheint solide Kenntnisse über den Flugbetrieb gehabt zu haben, daher wurde er auch beruflich in diesem Bereich vermutet.

* James „Jimmy“ Hoffa, US-amerikanischer Gewerkschaftsführer. Er stieg zum Präsidenten der Transportarbeiter-Gewerkschaft „Teamsters“ (vertritt v.a. LKW-Fahrer) auf und knüpfte Kontakte zum organisierten Verbrechen. Robert Kennedy war, als Senator und Justizminister, lange hinter Hoffa und anderen Gewerkschaftern her, die krimineller Verbindungen verdächtigt wurden. Erst 1967 wurde Jimmy Hoffa, u. a. wegen Betrugs, verurteilt, zu 13 Jahren Haft, doch bereits 1971 unter Präsident Nixon begnadigt. Hoffa, der sein Präsidentenamt bei den Teamsters im Gefängnis behalten hatte, fand sich bald danach in einem gewerkschaftsinternen Machtkampf wieder. Er verschwand am 30. Juli 1975 im Alter von 62 Jahren von dem Parkplatz eines Restaurants bei Detroit. Er soll dort mit den Mafiabossen Anthony Provenzano und Anthony Giacalone verabredet gewesen sein. Sieben Jahre nach seinem Verschwinden wurde er 1982 für tot erklärt. In den meisten Spekulationen spielt sein Ziehsohn Charles O’Brien eine Rolle.

* Lionel Crabb war ein Taucher für die britische Marine und den Auslandsgeheimdienst MI6 (SIS). Als 1956 die sowjetische Staatsspitze um Nikita Chrustschow zu Verhandlungen nach Großbritannien kam, sollte er ihr vor Portsmouth liegendes Schiff unter Wasser untersuchen, auf technische Details hin, wie es heisst. Und wurde nach seinem Abtauchen nie mehr gesehen. Ein etwa ein Jahr später im Wasser treibend gefundener Körper ohne Kopf und Hände könnte Crabb gewesen sein. Auch wenn dem so ist, sind die Todesumstände völlig unklar.

* Antoine de Saint-Exupéry sah sich selbst als schriftstellernden Berufspiloten. Kurz nach seiner erfolgreichsten Erzählung „Der kleine Prinz“ begab er sich 1943 aus Süd-Frankreich, das in der „nationalsozialistischen“ Machtsphäre lag, nach Algerien, wo inzwischen Amerikaner, Briten und die französische Gegenregierung des „Freien Frankreich“ das Sagen hatten. Er ließ sich dort für Aufklärungsflüge nach Frankreich reaktivieren. Von seinem letzten Flug am 31. Juli 1944 Richtung Grenoble kam Saint-Exupéry nicht mehr zurück. Über die Ursache seines Verschwindens gibt es nur Vermutungen und wage Hinweise: Abschuss, technischer Defekt oder Selbstmord.

* Charles Horman, amerikanischer Journalist. Genannt für Tausende andere. Etwa 3000 Menschen „verschwanden“ unter der von den USA unterstützten Diktatur von Pinochet in Chile, wurden gefoltert und ermordet, von vielen blieb das Schicksal ungeklärt. Auch eine Art des Verschwindens. Auch in anderen lateinamerikanischen Diktaturen gab es diese „Desaparecidos“. Horman wurde kurz nach Pinochets Putsch 1973 entführt und ermordet, ohne dass es (aus der Sicht der Militärjunta) dafür einen „Grund“ gab. Verfilmt von Costa-Gavras.

* Frank Morris war ein amerikanischer Krimineller, der 1962 aus dem berüchtigten Gefängnis Alcatraz entkam und nie wieder gesehen wurde. Zusammen mit den Anglin-Brüdern grub er sich einen Weg durch einen Lüftungsschacht ins Freie und verschwand mit einem Schlauchboot, das sie aus Regenmänteln angefertigt hatten. Ihr Verschwinden wurde erst bemerkt, als sie bereits über neun Stunden Vorsprung hatten. Es wird meist angenommen, dass die 3 bei dem Fluchtversuch ertrunken sind; allerdings wurden die Leichen nie gefunden.

* Der Schwede Raoul Wallenberg rettete als Diplomat in Ungarn durch die Ausstellung von Schutzpässen Juden vor dem Holocaust. Als die sowjetische Rote Armee in Budapest einmarschierte, wurde Wallenberg als „Spion“ festgenommen und verschwand.

* Der Norweger Roald Amundsen war der erste Mensch am Südpol, möglicherweise auch am Nordpol. 1928 brach er mit seinem Flugboot auf, um seinen Freund Umberto Nobile in der Arktis zu retten, der mit seinem Luftschiff dort abgestürzt war. Vermutlich ist er dabei ebenfalls abgestürzt, sein Flugzeug wurde aber bis heute nicht gefunden.

* Bruno Manser ging in den 1980ern aus der Schweiz in den malaysischen Teil von Borneo (Sarawak), studierte dort Fauna und Flora des Regenwaldes und die Lebensweise der nomadisch lebenden Penan und begann, sich für sie und gegen die Abholzung zu engagieren. Damit zog er den Zorn malaysischer Behörden auf sich. Von seiner letzten Reise nach Sarawak 2000 kehrte er nicht mehr zurück.

Mohammad Ibn Hassan „al Mahdi“: der bei den schiitischen Moslems als 12. (und letzter) Imam und Mahdi (bzw Mehdi) Verehrte soll in eine andere Welt verschwunden sein, seine Wiederkehr dereinst ein messianisches Zeitalter einleiten. Seine Historizität ist umstritten. Das Konzept eines verschwundenen Imams und das des Mahdis gab es auch schon vor diesem und nach ihm, auch bei Sunniten. Existierte dieser Mahdi als historische, tatsächliche Person oder ist er eine religiös-mythische Figur? Der 11. Imam, der sein Vater sein soll, wurde unter den Abbasiden in Mesopotamien gefangengehalten bzw umgebracht. Dieser Mahdi soll im 9. Jh gelebt haben, in Mesopotamien, wo damals die Macht der abbasidischen Kalifen (Peiniger der Schiiten) zu Ende ging. Wenn er existierte, ist er wahrscheinlich nie öffentlich aufgetreten, wurde Imam als Erbe seines Vaters, hielt angeblich (aus der Gefangenschaft) Verbindung zu den (niedrigeren) Notabeln/Führern/Geistlichen der schiitischen Gemeinschaft, die ihr Zentrum in Mesopotamien hatte.

Weitere interessante Fälle: über 100 (mit Indianern „zusammen“lebende) englische Siedler auf der Roanoke-Insel vor dem heutigen North Carolina, Ende des 16. Jh.; Ettore Majorana (italienischer Wissenschafter), Wallace Fard (Gründer der „Black Muslims“), Charles C. Taylor (und 13 weitere Teilnehmer des Fluges 19, der den Ruf des Bermuda-Dreiecks begründete), Heinrich Müller (NS-Scherge), Madelaine McCann (und andere Kinder wie die Beaumonts), Glenn Miller, Musa Sadr, Amelia Earhart, Mehdi Ben Barka, Michael Rockefeller, Emanuela Orlandi, Harold Holt, Fritz Wenzel, Jacques Vergès (tauchte nach 8 Jahren wieder auf), Heber Jentzsch (Scientology-Führer, seit 04 nicht in Öffentlichkeit gesehen), J. F. Crater, Subhas C. Bose, Giovanni Caboto, Camilo Cienfuegos, Yllenia Carrisi, Ambrose Bierce, Herschel Grynszpan, Natalee Holloway, Sylvester Matuska, F. Valentich, K. Abovian, T. H. Boggs, Horst Seidel & Otto Reinicke, John Bingham of Lucan, Benjamin Bathurst, Richard Cox, Ambrose Small, Tibor Foco (Flüchtiger evtl. zu Unschuld Verurteilter), John Gosch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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