Der Mossadegh-Sturz 1953

Der Sturz des iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh 1953 durch eine amerikanisch-britische Aktion hat einen langen Nachhall, ist heute nicht nur historisch, sondern auch politisch relevant, wie nicht nur Obamas Erklärung dazu vor wenigen Jahren zeigt. Man kann sagen, die politischen Grosslager des Iran entstanden damals. Ohne 1953 hätte es auch kein 1979 gegeben, keine Revolution in dieser Form. In der jetzigen Islamischen Republik wird eine Geschichtspolitik betrieben, die nicht nur gegen den Schah und sein Regime, sondern auch gegen Mossadegh und seine Nationale Front gerichtet ist.

Grossbritannien hatte im 2. Weltkrieg seine Einflussnahme im Iran verstärkt und danach auch Sowjetrussland von dort verdrängt. Durch den Kalten Krieg gewann Iran für den Westen zur Bedeutung des Erdöls wegen eine dazu. Unter dem jungen Schah gab es eine dünne Oberschicht, die alle Macht innehatte. Opposition gegen die Schah-Autokratie, die ausländische Bevormundung, und die ungerechte Verteilung des Reichtums gab es von der kommunistischen Partei „Tudeh“ (was soviel wie „Massen“ bedeutet) und einer im Sommer 1949 entstandenen Koalition diverser Gruppen und Initiativen von Links bis Rechts, die einen anti-imperialistischen und progressiven Anspruch hatten, der „Jebhe Melli“ (Nationale Front). Entscheidend mitorganisiert hatte diesen Zusammenschluss der in Europa ausgebildete Jurist Mohammed Mossadegh (auch: Mosaddeq). Er stammte mütterlicherseits von der Kadscharen-Familie ab, die vor den Pahlevis (bis 1925) die Schah-Dynastie gestellt hat, väterlicherseits von der einflussreichen Ashtiani-Familie, die der Bachtiaren-Volksgruppe angehört. Er hat an der Konstitutionellen Revolution ab 1905 teilgenommen, in deren Folge erstmals der Absolutismus der Monarchen durch ein Parlament eingeschränkt wurde. Unter den letzten Kadschar-Schahs war Mossadegh Minister und Provinzgouverneur gewesen. Man kann ihn als nicht-kommunistischen, säkularen Nationalisten (oder Anti-Imperialisten) bezeichnen.

Bei der Parlamentswahl 1950 traten erstmals Kandidaten der Jebhe Melli an und bekamen grossen Zuspruch. Premierminister wurde wieder ein parteiunabhängiger Schah-Günstling, der Militär Ali Razmara. Ein politisches Hauptthema waren zu der Zeit die Besitzverhältnisse der iranischen Ölindustrie bzw. die wirtschaftliche Abhängigkeit des Iran. Die „Anglo-Iranian Oil Company“ (AIOC) war zu 51% im Besitz des britischen Staates. Razmara war gegen eine ihre Verstaatlichung, weil er die Fähigkeit des Iran zum alleinigen Betrieb seiner Ölindustrie bezweifelte und zu den „internationalen Verpflichtungen“ des Landes stand. Er wurde 1951 von einem schiitischen Fanatiker der „Fedayin-e Islam“ ermordet, einer Gruppe, die jene Strömung im Iran begründete, die den Islam politischer und die Politik islamischer machen wollte und auch einen anti-imperialistischen Anspruch hatte. Danach stimmte das Parlament, unter Premier Hossein Ala, für die Verstaatlichung der AIOC. Mossadegh, der Chef der Nationalen Front, war im betreffenden Parlamentsausschuss maßgeblich an der Ausarbeitung der Umsetzung der Verstaatlichung beteiligt, und steigerte dadurch seine Beliebtheit. Premier Ala sah sich an den Rand gedrängt und trat zurück. Mossadegh wurde daraufhin vom Parlament als neuer Premier nominiert, dem Schah blieb nichts anderes übrig als ihn dazu zu ernennen, was vom Parlament bestätigt wurde. Die Regierung bildete Mossadegh aus Leuten seiner Nationalen Front wie Gholamhossein Sadeghi, Karim Sanjabi, Hossein Fatemi. Ala wurde Hofminister in dem Kabinett, obwohl er aus einem anderen politischen Lager kam.

Die neue Regierung machte sich an die Umsetzung der Verstaatlichung der AIOC (zu der die Ölfelder und Raffinerien gehörten), sie sollte in die „National Iranian Oil Company“ (NIOC) übergeführt werden. Mossadegh war bereit, mit den Briten über eine Kompensierung für ihre „Investitionen“ zu verhandeln, aber Grossbritannien zog sein Personal ab und boykottierte den Kauf iranischen Öls. Die Churchill-Regierung brachte die Verstaatlichung auch vor den UN-Sicherheitsrat. Dieser gab die Sache an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag weiter, der zugunsten Irans urteilte. Mossadegh brach die Beziehungen mit GB ab. Allerdings, die iranische Ölindustrie kam zu einem Stillstand, der Westen hatte andere Lieferanten, war nicht angewiesen auf iranisches Öl; es war der Iran der wirtschaftlich angeschlagen, und die Mossadegh-Regierung, die destabilisiert wurde („Abadan-Krise“). Dass sie nebenbei auch Reformen in Richtung soziale Gleichheit im Lande unternahm, war für manche Kreise im Westen ein weiterer Grund, sie zu dämonisieren. Mossadegh wurde dort aber auch Achtung entgegengebracht, das amerikanische „Time“-Magazin kürte ihn ja 1951 zum „Mann des Jahres“, zwei Jahre nach Churchill übrigens. Mossadegh setzte zu dieser Zeit auf die USA, gegen die Briten und die Sowjetunion, eine Reise 1951 führte ihn in die USA. Die Truman-Regierung sah Mossadegh als Garant, die Kommunisten im Iran von der Macht fernzuhalten. Die Tudeh unter ihrem Generalsekretär Reza Radmanesh unterstützte Mossadegh zwar, und dieser war gegen ihr Verbot, aber er war im Grunde antikommunistisch, daher kam es auch immer wieder zu Konflikten. Die Öl-Verstaatlichung, die sozialen Reformen und die Zusammenarbeit mit der Tudeh dabei, waren in Wirklichkeit kein Ausweis kommunistischer Politik, sondern der einer vom Ausland teil-entmündigten Oligarchie, die der Iran war, was Mossadegh reformieren wollte.

Die innenpolitische Konfrontation wurde durch die Parlamentswahl 1952 verschärft. Mossadegh liess die Wahl (nachdem genug Abgeordnete für ein beschlussfähiges Parlament gewählt waren) abbrechen, entweder um eine Mehrheit von Kandidaten, die für ein absolutes Schah-Regime standen, zu verhindern, oder aber, weil die Wahlen bereits unter dem Zeichen britischer Manipulationsversuche standen. Wie die Tudeh unterstützten auch manche schiitische Geistliche Mossadeghs Politik, aus Opposition zum Schah-Absolutismus und zur britischen Einflussnahme, einer davon, der Ajatollah Abol-Ghasem Kashani, wurde nach der Wahl 1952 Parlamentspräsident. Mit Kashani verbunden war der Geistliche Navab Safavi, ein Führer der gewalttätigen Fedayin-e Islam; er soll Khomeini beeinflusst haben. Das geistliche Oberhaupt der schiitischen Bevölkerungsmehrheit Irans, Grossajatollah Burujerdi, verfolgte den traditionellen politischen Quietismus des Klerus, war jedenfalls gegen eine direkte Herrschaft der Geistlichkeit, stand anscheinend eine zeitlang den Reformen Mossadeghs wohlwollend gegenüber, dürfte dann aber eine säkulare Republik oder ein kommunistisches System als mögliche Folgeentwicklung befürchtet haben und daher eine Schah-Herrschaft wie gehabt als eher im Sinne der Religion gesehen und unterstützt haben.

1952 trat Mossadegh kurzzeitig zurück, weil der Schah ihm die Ernennung eines neuen Verteidigungsministers (den Posten füllte er eine zeitlang selber aus) und eines Generalstabschefs verweigerte. Die folgenden Demonstrationen für ihn versuchte das Militär, dem Schah mehr verbunden, niederzuwerfen (es gab viele Verletzte und Tote), der Druck führte aber zu einer Rückkehr Mossadeghs ins Amt. Dieser bekam nun die (nominelle) Kontrolle über das Militär, die er verlangt hatte. Er liess sich vom Parlament Sondermachten geben, die er dazu einsetzte, die Schah-Macht einzuschränken, etwa indem er diesem sein Budget kürzte oder dessen Möglichkeit, Aussenpolitik zu gestalten, einen Riegel vorschob. Mit einer Landreform erhöhte Mossadegh die Zahl seiner Freunde und Feinde.

Christopher de Bellaigue schrieb in „Rosengarten der Märtyrer“ über die Beweggründe der Mitwirkenden am Coup gegen Mossadegh: Der Schah befürchtete grundlos seinen Sturz und ein republikanisches System (wenngleich er mit einer Machteinschränkung rechnen musste; meine Anmerkung); die Regierungen Grossbritanniens und dann auch der USA befürchteten grundlos ein kommunistisches System bzw. Einfluss der Sowjetunion; die schiitische Geistlichkeit befürchtete, vielleicht zu Recht, die Entwicklung zu einem säkulareren und progressiveren System. Entscheidend war, dass sich 1953 Verbündete von Mossadegh und seiner Regierung abwandten. Kashani sah wohl ähnlich wie Burujerdi eine Gefährdung des „althergebrachten Systems“, in dem die religiösen Funktionäre allemal eine beträchtliche Macht ausübten. Navab Safavi, den ebenfalls v.a. Unmut über die britische Einflussnahme in das Mossadegh-Lager getrieben hatte, wandte sich schon vor Kashani von Mossadegh ab, weil die Erwartungen seiner Gruppe an diesen bezüglich der Freilassung des Razmara-Mörders und der Rolle der Religion nicht erfüllt wurden. Die Fedayin-e Islam führte einen Anschlag auf Aussenminister Fatemi durch, Safavi war eineinhalb Jahre inhaftiert, unterstützte dann den Sturz Mossadeghs. Neben religiösen Funktionären und Aktivisten wandten sich auch Mitstreiter aus seiner eigenen Partei und seinem politischen Umfeld gegen Mossadegh; z.T. hatten britische Intrigen hier Erfolg, z.T. führten die Auswirkungen der Wirtschaftskrise durch den Ölboykott zu einem Nachdenken über „Auswege“. Im Fall von Mozzafar Baghai, dessen Arbeiterpartei z.T. in der Nationalen Front aufgegangen war, sollen es Befürchtungen vor einem kommunistischen System gewesen sein, die ihn ein absolutistisches und z.T. fremdbestimmtes Schah-Regime unterstützen liessen anstatt einen gestärkten Parlamentarismus. Hussein Makki, ein Mitbegründer der Nationalen Front, er hatte die Übernahme der Raffinerie in Abadan mitgeleitet und wurde als Mossadegh-Nachfolger gesehen, auch er arbeitete 1953 an dessen Sturz mit.

Mosaddeg, Kashani, Makki
Makki, Kashani, Mossadegh

Mit dem Amtsantritt Eisenhowers 1953 bekam Churchill einen Verbündeten in der Sache Iran-Einflussnahme. Die Dulles-Brüder wurden unter diesem Chefs von Aussenministerium und CIA, und planten mit dem britischen MI6 (die Briten hatten nach dem Abbruch der Beziehungen keine Botschaft mehr in Tehran, operierten über ihren Auslandsgeheimdienst) den Sturz Mossadeghs. Für den CIA  reiste Kermit Roosevelt, der Enkel von Ex-Präsident Theodore, 1953 unter falscher Identität in den Iran. Die gemeinsame Kampagne beinhaltete die Ausnutzung von Unzufriedenheiten einflussreicher Iraner mit der Mossadegh-Regierung und die Anstiftung zu Unruhen. Dazu gehörte auch, dass von CIA oder MI6 rekrutierte Iraner gegenüber religiösen Funktionären aggressiv und als Mossadegh-Anhänger auftraten! Auch wurden Stammesführer in den Provinzen für ihre Unterstützung bezahlt, Politiker bestochen. Der Schah selbst, der der Öl-Verstaatlichung wohlwollend gegenüber gestanden sein soll, wurde anscheinend über seine Schwester Ashraf davon überzeugt, seine Einwilligung für den britisch-amerikanischen Plan zu geben. Die unter ihm allmächtige Oberschicht musste nicht erst überzeugt werden, Mitglieder der Rashidian-Familie etwa spielten bei der „Operation Ajax“ eine entscheidende Rolle.

Mossadegh bekam in Laufe des Jahres 1953 Wind von der Verschwörung gegen ihn, die auch Leute aus seinem eigenen Kreis miteinschloss. Im April wurde der von ihm eingesetzte Polizeichef Mahmud Afshartous ermordet, möglicherweise von jenen Kreisen, die dann den Putsch ausführten, darunter Zahedi und Baghai. Die Ermordung Ashartous‘ liess Spannungen zwischen Mossadegh und seinem politischen Umfeld deutlich werden. Der Premier setzte, Anfang August, ein Referendum über eine Ausweitung seiner Sondervollmachten an, die nun die Auflösung des Parlaments und die Übergabe der gesetzgeberischen Gewalt an seine Regierung beinhalten sollten. Er bekam zwar eine überwältigende Zustimmung, allerdings lief die Abstimmung mit getrennten Wahllokalen für „Ja“- und „Nein“-Stimmen ab. Damit gab er der CIA/MI6-Propaganda neue Nahrung. Mitte August wurde das Parlament auf Grundlage des Referendums aufgelöst.

In diesen Tagen begann auch die entscheidende Phase von „Operation Ajax“, der eigentliche Putsch nach der Destabilisierung der Regierung über geheimdienstliche Arbeit. Der Schah entliess Mossadegh per Dekret am 15. August und ernannte General Fazlollah Zahedi zum neuen Premier. Zahedi gehörte zu einer monarchistischen Offiziersclique, die wahrscheinlich mit USA/GB im Kontakt stand. Da sich an den Machtverhältnissen zunächst nichts änderte, Mossadegh sich weigerte, abzutreten (seine Verhaftung, über die er von Tudeh-Informanten im Militär gewarnt worden war, scheiterte), und seine Anhänger auf die Strassen gingen, flog der Schah sicherheitshalber ins Ausland, zuerst in den Irak, dann nach Italien. Zahedi musste im Land untertauchen. Der Militär und ehemalige Polizeichef, angeblich ein NS-Sympathisant, war unter Premierminister Ala Innenminister gewesen und behielt diesen Posten zunächst unter Mossadegh. Er soll von den ehemaligen Königshäusern Zand und Safawi abstammen, hatte eine Kadscharin geheiratet, sein Sohn Ardeshir heiratete später die Pahlevi-Prinzessin Shahnaz. Er hatte die Öl-Verstaatlichung unterstützt, dann aber mit dem Premier gebrochen weil ihm die „Nähe“ zur Tudeh suspekt war. Während Mosaddegh weiter eine konstitutionelle Monarchie wollte, versuchte sein Aussenminister Fatemi, nachdem man den Sturz abgewehrt zu haben glaubte, ihn zu veranlassen, eine Republik auszurufen. Zahedi traf sich währendessen im Geheimen mit anderen Unterstützern der Aktion wie dem Ajatollah Bebhahani und bereitete einen neuen Anlauf vor. Massenmobilisierungen für Mossadegh (ein Teil davon unter falscher Flagge, von MI6/CIA organisiert, zerstörte Moscheen u.ä.) und für Pahlevi (darunter auch bezahlter Mob unter dem Zurchaneh-Athleten Shaban „Bimuch“ Jafari) fanden statt.

Am 19. August (28. Mordad im persischen Kalender, der Sturz ist dort auch unter diesem Namen bekannt) waren es u.a. Infiltratoren, die sich als Tudeh-Aktivisten ausgaben (die KP stand tatsächlich bis zum Schluss zu Mossadegh) und, eine kommunistische Revolution vortäuschend, vandalierten (Operation Ajax hatte Züge einer Aktion unter falscher Flagge). Gegendemonstrationen, organisiert und spontan, formierten sich. Die Armee unter Zahedi griff auf deren Seite ein, übernahm alle Macht. Teile von ihr schlugen sich aber auf die Seite der Mossadegh-Regierung. Mindestens 300 Menschen kamen in diesen Tagen ums Leben. Mossadegh wurde in seinem Haus verhaftet, der Schah kehrte nach sechs Tagen im Exil zurück, Zahedi behauptete sich als sein Premier.

Mossadeghs Aussenminister 1951 bis 1953, Hossein Fatemi, davor ein Journalist, auch aus der Nationalen Front, eine treibende Kraft hinter der Öl-Verstaatlichung, ging nach dem Sturz der Regierung in den Untergrund, wurde schliesslich gefasst, des Verrats am Schah angeklagt und 1954 im Alter von 37 Jahren hingerichtet. Auch viele Andere ereilte dieses Schicksal, etwa Justizminister Lotfi, viele Offiziere. Der Vizechef der Nationalen Front, Ahmad Zirakzadeh, unter Mossadegh ebenfalls im staatlichen Dienst, war 2 Jahre auf der Flucht, dann etwa ein halbes Jahr im Gefängnis. Mossadegh kam vor ein Militärgericht und bekam lebenslangen Hausarrest. Die Autokratie des Schah wurde ausgebaut, der Einfluss der USA begann, sie wurde auf Kosten der Briten „Schutzmacht“ bzw. Marionettenspieler des Regimes. Mit Hilfe der Amerikaner wurde das Regime militarisiert (gegen die eigene Bevölkerung in erster Linie!), US-Militärberater im Land bekamen Sonderrechte. CIA, MI6 und Mossad halfen, den Geheimdienst „SAVAK“ aufzubauen, der ab 1957 zunächst von Teimur Bachtiar geleitet wurde, einem Stammesführer, der im Militär Karriere gemacht hatte, ein Verwandter der zweiten Schah-Frau Soraya.

Der Ölexport wurde nach dem Sturz der Mossadegh-Regierung wieder aufgenommen; die AIOC wurde 1954 in die BP und die staatliche iranische Ölgesellschaft übergeführt. Die Briten verloren gegen eine Entschädigung den Besitz der Anlagen und bekamen, wie andere Staaten, billiges Öl. Diese Staaten unterstützten den Schah dafür massiv; mit dem Geld aus den Ölexporten führte dieser in den folgenden Jahrzehnten eine Modernisierung von oben durch. Mit dem Coup hatte er die Basis für seine Unbeliebtheit gelegt, die er infolge der Arbeit der SAVAK, der amerikanischen Präsenz oder Parteiverboten ausbaute (die Jebhe Melli wurde etwa 1953 verboten). 1955 durfte der Iran dem gegen sowjetischen Einfluss gerichteten Bagdad-Pakt beitreten.

Safavi erwartete sich vom Schah nach seiner Unterstützung des Putsches 1953 u.a. die Einführung der Scharia, bekam das nicht, versuchte dann mit Gewalt gegen das Regime vorzugehen und wurde dafür exekutiert. Ähnlich ging es einem anderen, der sich als Stütze der absoluten Schah-Diktatur versuchte, sich dann aber von ihr abwandte bzw. in Ungnade fiel, Shaban „Bimuch“. Khomeini und Teile des Klerus waren spätestens mit Safavis Hinrichtung politisiert und gegen den Schah eingestellt. Linke und Liberale mussten in den Untergrund. Navab Safavi wird vom jetzigen Regime als der Held dieser Phase gefeiert.

In einem Buch rechtfertigte Kermit Roosevelt die Intervention mit der Flucht des Schahs („rechtmäßiger Herrscher“) und der „kommunistischen Gefahr“ (die manchmal ein Code für Bemühungen zur wirtschaftlichen Selbstbestimmung und ein Ende der Ausbeutung zu sein scheint). Erdöl als zentraler Machtfaktor der modernen Weltwirtschaft war ein zentraler Grund für diese westliche Intervention, die keinen Fortschritt brachte, im Gegenteil. Demokratie und Selbstbestimmung sind bis heute nicht in diesem Maß in den Iran zurückgekehrt, seit diese Koalition aus westlichen Imperialisten, reaktionären Monarchisten und Islamisten zum Sturz Mossadeghs zusammenwirkte. Als Schapur Bachtiar 1979 vom Schah zum Premier eingesetzt wurde, soll ihm dieser sein Bedauern über die damalige Behandlung von Mossadegh-Anhängern geäussert haben.

Die USA haben in dieser Region und anderswo entgegen vieler Behauptungen in den seltensten Fällen emanzipative und egalitäre Systeme unterstützt, viel öfters Demokratie und Menschenrechte abgewürgt. Während die Lumumbas, Qasims, Allendes, Mossadeghs gestürzt wurden (auch ein Karmal war kein so schlechter), dies bei Ortega oder Castro versucht wurde, und dabei diese Länder destabilisiert wurden, wurden Ferdinand Marcos, Saddam Hussein (!), Papadopoulos oder Pinochet unterstützt. Die USA liessen den Franco-Faschismus ebenso intakt, wie sie hochrangige Nazis schützten, soweit sie ihnen im Kalten Krieg nützlich waren. Während man sich Dissidenten wie Sacharow gegenüber gerne unterstützend darstellte und um die Menschenrechte in Ländern wie der Sowjetunion besorgt, leistete man der Verfolgung von Dissidenten in anderen Ländern Unterstützung. Bei den Demonstrationen in Berlin 1967 anlässlich des Schah-Besuchs wurde etwa auf einem Flugblatt auch an den Journalisten Karimpour Shirazi erinnert, einen Mossadegh-Freund, der nach dem Putsch verhaftet und 1954 verbrannt wurde.

2000 hat USA-Aussenministerin Albright eingestanden, dass die USA hinter dem Sturz Mossadeghs standen und dass dieser völkerrechtswidrig war. Barack Obama hat in seiner Rede in Kairo im Juni 2009 die amerikanische Rolle beim Staatsstreich 1953 im Iran ebenfalls bedauert: „In the middle of the cold war, the United States played a role in the overthrow of a democratically elected Iranian government.“ Auch der ehemalige Kongress-Abgeordnete Ron Paul verurteilte die Aktion, aus der zeitlichen Entfernung von ca. 50 Jahren.

Wenn manche Winston Churchill dafür in Erinnerung behalten wollen, dass er den Nazi-Stier bei Hörner gepackt habe (André Heller) und dabei davon ausgehen, dass die Briten 1939 in den Krieg zogen, um Deutschland vor Hitler oder den Kontinent vor dem Faschismus zu retten, sagen sie damit dass ihnen seine Aktionen und Kommentare bezüglich den Schwarzen und Afrikaanern in Südafrika, republikanischen Iren, Inder aller Religionen, dem Iran oder der britischen Arbeiterklasse egal sind oder sie sie nicht kennen (was aufs selbe hinauslaufen dürfte). Broder und andere sehnen bezeichnenderweise einen Churchill herbei, wieder gegen den Iran. „The only reason that Churchill himself was not named as one of the worst imperialistic fascist tyrants of the 20th century is by virtue of the fact that the Nazis and Soviets so enthusiasticly killed the title from him“ hat jemand bemerkt. Wenn Romney Obama im US-Wahlkampf 12 für seine Kairoer Rede attackiert („apology tour“) oder andere Rechte Erklärungen zum Mossadegh-Sturz und ähnliche Bemühungen als ein westliches „mea culpa“ diffamieren, welches Islamismus stärke, geht es ihnen ja genau darum, den Unterschied zwischen Mossadegh und jenem iranischen Lager, das bei seinem Sturz mithalf, zu verwischen und darum, westliche Einflussnahme zuungunsten demokratischer Entwicklungen wieder mal als Antwort auf etwas Totalitäres hinzudrehen. Westliche Politiker, die Menschenrechte auch im Süden, der 2. und 3. Welt ernstnehmen, keinen Kulturrelativismus vertreten, wie Carter, werden von Kulturkriegern als „schwach“ oder „naiv“ diffamiert.

„All the Shah’s Men“ von Stephen Kinzer ist eine empfehlenswerte Darstellung des Mossadegh-Sturzes; auf Deutsch kam es unter dem Titel „Im Dienste des Schah: CIA, MI6 und die Wurzeln des Terrors im Nahen Osten“ heraus. Von ihm stammen auch „Overthrow: America’s Century of Regime Change from Hawaii to Iraq“ (dt. „Putsch! Zur Geschichte des amerikanischen Imperialismus“; nach Kinzer war die Einverleibung des Königreichs Hawaii 1893 der erste amerikanische „Regimewechsel“) und „Bitter Fruit: The Story of the American Coup in Guatemala“ (dt. „Bananen-Krieg“), über den in vieler Hinsicht mit der Sache im Iran vergleichbaren Sturz von Arbenz-Guzman im folgenden Jahr; auch dieser wurde von den Dulles-Brüdern geleitet, auch hier kehrte Demokratie nicht so schnell zurück, auch dort wurde eine „kommunistische Gefahr“ herbeiphantasiert. Von dem erwähnten Christopher de Bellaigue erschien 2012 auch „Patriot of Persia: Muhammad Mossadegh and a Tragic Anglo-American Coup“, kommt vielleicht noch auf Deutsch heraus. Die Artikel auf der deutschsprachigen Wikipedia zu der Sache sind nicht brauchbar, sie tragen die „Handschrift“ des Benutzers „wvk“, der, gerade weil er sachkundig ist, weiss, wo er mit seinen perfiden Verdrehungen ansetzen muss um den Schah reinzuwaschen. Denn darum geht es ihm, daher ist ihm jede Diffamierung von Jebeh und Tudeh recht.

Relevant dazu ist auch „Frauen ohne Männer“, ein historischer Roman von Scharnusch Parsipur, in dem es um eine erfundene Handlung vor dem Hintergrund des Mossadegh-Sturzes 1953 geht; im Mittelpunkt steht die Figur der M(o)unis. Der Roman wurde von Shirin Neshat verfilmt. Neshat nannte die zugrundeliegende Sache damals richtigerweise ein Schlüsselereignis der iranischen Geschichte, sie weist darauf hin dass die Figur der im Film und Roman von Sicherheitskräften erschossenen Demonstrantin Munis mit der Neda Agha-Soltan von 2009 absolut zu vergleichen ist. „Die Parallelen zwischen 1953 und dem Sommer 2009 sind absolut frappierend. Die Menschen fordern Freiheit und Demokratie. Munis, im Film, ist eine mutige und schöne Kämpferin, wie die getötete Neda und all die anderen jungen Frauen, die in diesem Jahr mit Steinen in den Händen an vorderster Front der grünen Bewegung gekämpft haben. Männer und Frauen haben Seite an Seite protestiert, dann, leider, die Gewalt des Staates gegen diese Widerständigen. Die Geschichte wiederholte sich.“ Neda Agha-Soltan wird auch mit Isis Obed Murillo verglichen, einem Honduraner der fast zur selben Zeit wie sie bei einer Demonstration gegen den Sturz von Präsident Zelaya durch das Militär erschossen wurde und kaum Publizität bekam.

Die Bekanntheit Nedas geht auch z.T. auf die Versuche der Vereinnahmung der Proteste gegen die Wahlfälschung von 2009 und der iranischen Opposition seither zurück. Dass es im Iran schon lange demokratische Bestrebungen gab, diese mit westlicher Hilfe abgewürgt wurden, dass die Khomeini-Machtergreifung eine Vorgeschichte hatte, haben die neuen Iran-„Freunde“ noch immer nicht gelernt. Die plötzliche „Solidarität“ mit der iranischen Protestbewegung, die selektive Vereinnahmung der grünen Bewegung, geschieht natürlich auch um der Kriegstrommeln gegen Iran willen. „freeirannow.wordpress“ ist ein typisches Beispiel für die deutsche Variante dieser Vereinnahmung nach 09, mit altbekannten Figuren der „israelsolidarischen“ und „antiislamischen“ Szene wie Osten-Sacken, Hartmann, Feuerherdt/lizaswelt, Dahlenburg, Eiteneier und Alibi-Iranern wie Amirseghdi. Ein besonders dreistes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der Propagandafilm „Iranium“ von neokonservativen Kreisen in USA wie Michael Leeden, dem „Endowment for Middle East Truth“ (Joe Lieberman, Pipes, Glick, Gaffney, Woolsey,…), dem „Center for Security Policy“, „Horowitz Freedom Center“, Kenneth Timmerman (“Foundation for Democracy in Iran“, die schon 06 zur Bombardierung Irans aufrief) u.s.w, die auch schon hinter Filmen wie „Obsession“ standen. Die Macher des Films und ihre Anhänger arbeiten natürlich daran, dass es noch härtere Sanktionen gegenüber Iran gibt, die u.a. genau darauf abzielen, dass Kommunikationstechnologie, die die Anti-Regime-Bewegung dringend braucht, dort nicht erhältlich ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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