Literarische und spekulative Griffe in die Geschichte

Möchte etwas über die Genres Alternativgeschichte und Kontrafaktische Geschichte schreiben, die eng miteinander verwandt sind. In der kontrafaktischen Geschichte (lat.: contra facta = entgegen den Tatsachen) wie auch in der Alternativ(welt)geschichte wird spekuliert, was geschehen wäre, wenn bestimmte historische Tatsachen nicht oder anders eingetroffen wären. In beiden Genres kann sichs um den alternativen Verlauf eines Ereignisses drehen („Wie hätte es auch verlaufen können“) oder dessen Folgen (also „Was hätte sein können, wenn …?“). Oder auch um beides. Der Ansatzpunkt kann also z.B. die Gettysburg-Schlacht im USA-Bürgerkrieg sein (bzw. die Schilderung, wie der Krieg von den Konföderierten Staaten gewonnen hätte werden können) oder der (andere) Ausgang dieses Kriegs, aufgrund dessen eine alternative Entwicklung etwa in Nordamerika ausgemalt wird.

Während Alternativgeschichten eher eine literarische Gattung sind (der Unterhaltung dienen), ist kontrafaktische Geschichte eigentlich eine geschichtswissenschaftliche Methode (dient dem Erkenntnisgewinn). Dennoch kann auch erstere seriös und zweitere unterhaltsam sein. Die Grenzen werden auch schon mal verwischt, für beide wird auch die Bezeichnung Uchronie verwendet. Um beim amerikanischen Bürgerkrieg zu bleiben, die kontrafaktische Fragestellung hiesse „Wie wäre die Geschichte verlaufen (hätte sie verlaufen müssen), wenn die Südstaaten den Sezessionskrieg gewonnen hätten?“ (oder: „Wie wäre der Krieg weiter verlaufen, hätten sie die Gettysburg-Schlacht gewonnen?“). In alternativgeschichtlichen Szenarien heisst die Frage eher, wie hätte die Geschichte weiter verlaufen können?

Die Herangehensweise und der Anspruch sind andere, in der Ausführung gibts Überschneidungen. Die Geschichte wird in diesen Genres meist an ihren Wendepunkten umgeschrieben, wo neue Weichenstellungen (auch kulturell, wirtschaftlich,…) vorgenommen werden können. In beiden Gattungen ist der Wunsch der Autoren oft der Vater ihrer Gedanken. Die wichtigsten Revisionsmöglichkeiten setzen bei Protagonisten ein (meist früherer/späterer Tod), bei einem anderen Ausgang entscheidender Schlachten/Kriege sowie beim Zufall. Aufgrund der Änderung (meist) einer Variable wird eine Kettenreaktion ausgemalt.

Ziel der kontrafaktischen Geschichte (auch „Konjekturalhistorie“ u.a. Bezeichnungen werden verwendet) ist, wie Wikipedia sagt, ein Erkenntnisgewinn über Kontinuitäten und Brüche, über Zwangslagen und Handlungsspielräume in historischen Situationen oder über die Bewertung von deren Akteuren. Von vielen Historikern als unwissenschaftlich abgelehnt, werden sie doch häufig angewendet und spielen kontrafaktische Aussagen und Betrachtungen in der Geschichtswissenschaft gleichwohl eine erhebliche Rolle, liefern Kausalitäts-Befunde, Aussagen über Bedeutung von Ereignissen und Personen, dienen dem Erkennen von Fehlern von Handelnden, versetzen in deren Lage. Eine Reihe von geschichtswissenschaftlichen Kontroversen kreisen um kontrafaktische Aussagen. Manche meinen, Schicksal ist unabänderbar, es war, wie es war, und die Folgen, wäre es anders gewesen, sind nicht Aufgaben des Historikers.

Eine mutige eigene klare Schlussanalyse einer historischen Untersuchung hat aber meist etwas spekulatives, fiktives, am kontrafaktischen Denken orientiertes. Kontrafaktisches Denken kann beim Verstehen von Geschichte helfen. Nachdenken über unverwirklichte Möglichkeiten in der Geschichte ist so alt wie diese selbst, schrieb Alexander Demandt (s.u.). Wenn Krösus den Halys nicht überschritten hätte, dann hätte er sein Reich nicht zerstört, hiess es schon bei Herodot. Und, das (ernste) Nachdenken über alternative Geschichtsszenarien kann Spass machen, wie Alternativgeschichten auch Erkenntniswert haben können.

Alternativ(welt)geschichten werden auch Allohistoria, Parahistorie, Virtuelle Geschichte, Imaginäre Geschichte, Ungeschehene Geschichte, Potentielle Geschichte oder Eventualgeschichte genannt, auf Englisch meist Historical Fiction oder Alternative History. Im Vergleich zur kontrafaktischen Geschichte ist hier grösserer Spielraum für Unterhaltungs-Elemente gegeben, auf Kosten von wahrscheinlichen/fundierten Szenarien bzw. experimenteller Geschichtsforschung. Das Szenario wird etwa gern mit fiktiven Personen ausgeschmückt, ein lockererer Geschichtston wird angeschlagen. Auch in Alternativgeschichten zeigt sich aber durch das bis ins Äusserste Fantasierte plötzlich wieder das Wahre. Es kann sich um ein spekulatives Sachbuch oder leichtere Unterhaltung handeln. AG funktionieren der engeren Definition nach ohne naturwissenschaftliche Abweichungen, aber manchmal spielt etwa das Science-Fiction-Element Zeitreisen eine Rolle; die Nähe zu SF ist durch die Schilderung einer Parallelwelt, einer alternativen Realität, ohnehin gegeben. Die Übergänge zur Polit(ical) fiction sind fliessend, wie Zeitgeschichte eben an die Politikwissenschaft grenzt.

Politische Fiktion (wozu auch Polit-Thriller zählen) grenzt sich von Geschichtsfiktionen in der Regel dadurch ab, dass ein politischer Zustand oder eine politische Entwicklung geschildert (erfunden) wird, keine geschichtliche, der zeitliche Raum also kleiner ist. Beispiele sind „Der Manchurian Kandidat“, der Roman zum (bzw. vor dem) Film, 1959 in USA erschienen, als ein Kampfbuch im Kalten Krieg. Der israelische Autor Schabtai Schoval, ein ehemaliger Mossad-Mitarbeiter der über Mossad-Operationen im Iran „nachdenkt“, hat den Roman „Ich, der Auserwählte“ geschrieben. Darin greift Israel Iran mit nuklear bestückten „Jericho“-Raketen von „Dolphin“-Unterseebooten aus an, weil es sich bedroht fühlt und nachdem es nicht gelungen ist, die USA dafür einzuspannen. Schoval könnte sich mit dem deutschen Journalisten Casdorff zusammensetzen und das Szenario weiter ausmalen, Deutschland nicht nur ein Lazarettschiff sondern auch einen neuen Rommel schicken lassen.

Das Science Fiction-Genre, das von Jules Verne mit-begründet wurde, ist von den hier besprochenen geschichtsfiktiven dadurch abzugrenzen, dass in ihm die Grundanlage unserer Welt abgewandelt ist, Naturgesetze abgeändert sind. Während kontrafaktische und alternative Geschichte mit dem Irrealis operiert (stellt also die Frage: „Was hätte sein können, wenn …?“), operiert Science-Fiction mit dem Potentialis („Was wäre wenn…“). „Warlords of Utopia“ von L. Parkin ist eher SF, obwohl es Elemente von Alternativgeschichte enthält – diese Abgrenzung ist manchmal schwierig, als weiteres Unterscheidungsmerkmal könnte ausgemacht werden dass bei SF nicht die Abänderung von Geschichte zentral ist, sondern die von Verhältnissen. Ray Palmer behandelte bzw. kommerzialisierte Rätsel und Verschwörungstheorien und machte daraus (zB aus UFO-Sichtungs-Berichten) z.T. SF. „Steampunk“-Geschichten können als Subgenre von SF aufgefasst werden, haben aber auch etwas von AG und KG (also eine Art Genrehybrid). Sie spielen in Dampfkraft-Zeiten, meistens in USA oder GB des 19. Jahrhunderts, enthalten Fantasy-Elemente, manchmal werden darin auch Ideen über den vermeintlichen Bauplan des Universums aus der Zeit vor Isaac Newton wahr.

Die heute sehr beliebten Historischen Romane sind Geschichten zu bzw. vor tatsächlich geschehener grosser Geschichte, Erzählungen vor historischer Kulisse. Im Unterschied zu den Geschichtsfiktion-Genres wird Geschichte hier nicht umgeschrieben und bleibt schön im Hintergrund, während fiktive Personen im Vordergrund stehen. Die Vermittlung (eines) historischen Stoffs kann aber Hauptzweck sein, die Geschichtsauffassung des Autors kann gut rüberkommen. Beispiele hierfür sind „Der Glöckner von Notre-Dame“, „Der Name der Rose“ oder „Hundert Jahre Einsamkeit“. Der 2. Weltkrieg und der USA-Bürgerkrieg sind, wie in KG und AG, auch hier oft verwendete Topoi.

Filmische Entsprechungen bzw. Umsetzungen zu/von diesen Gattungen sind etwa „Saving Private Ryan“ (erfundene Handlung vor historischem Hintergrund, also Art filmischer historischer Roman), „Inglourious Basterds“ (erzählt eine Alternativgeschichte), „Von Winde verweht“ (Verfilmung eines historischen Romans). Die „Meuterei auf der Bounty“-Filme sind dagegen Verfilmungen eines historischen Stoffes mit mehr oder weniger grossen künstlerischen Freiheiten (bzw. Abweichungen). Im Zeichentrickfilm über Pocahontas hat diese eine Romanze mit einem Engländer, in Wirklichkeit war sie mit einem zwangsverheiratet und zwangskonvertiert. „Krieg der Welten“ ist eine SF-Geschichte von H.G. Wells, die Orson Welles als Hörspiel umsetzte.

Einige bedeutende kontrafaktische/alternativgeschichtliche Werke und Autoren:

Der römische Geschichtsschreiber Titus Livius (1. Jh. v.C.) schrieb in „Ab Urbe condita“ darüber, wie es ausgesehen haben könnte, wenn Alexander d. Gr. sein Reich nicht in den Osten sondern in den Westen expandiert hätte und in Konflikt mit Rom gekommen wäre.

Im von J. C. Squire herausgegebenen Sammelwerk „If it had happened otherwise“ (1931) scheint sich zu zeigen, dass Autoren kontrafaktischer Geschichte gerne ihren (alternativen) Wunschverlauf geschichtlicher Entwicklungen ausformulieren; z.B. Emil Ludwig, wie es mit Deutschland weitergegangen wäre, wenn Friedrich III. nicht Krebs bekommen (oder ihn überlebt) hätte, nicht nach 99 Tagen als deutscher Kaiser gestorben wäre, und statt seinem Sohn länger regiert hätte – es hätte demnach ein liberal-humanistisches Regime gegeben und keinen 1. Weltkrieg. Winston Churchill schrieb darin über eine gelungene Abspaltung der USA-Südstaaten, die bei ihm dann eng mit GB und der verbliebenen USA zusammenrücken. Mit Squires Sammelband begann das kontrafaktische Genre eigentlich erst.

Der Ansatz mit dem Hohenzollern Friedrich III. führt zum Ausmessen der Rolle von einzelnen Personen, wie auch von „Zufällen“ (auch Wetter > Napoleonischer Feldzug gegen Russland) in der Geschichte. Auch Perikles starb an einer Krankheit und hätte noch etwas bewegen können. Ein längeres Leben oder ein früherer Tod bedeutender Personen ist Potential für kontrafaktisches/alternativgeschichtliches Denken, siehe auch den Abschnitt über Attentate unten.

Hitler nicht geboren, anderen Weg genommen, ermordet, wurde oft durchgedacht bzw. ausgemalt. Von Norman Spinrad stammt „Der stählerne Traum“, eine Alternativgeschichte in der Science Fiction verpackt ist. Darin wandert Hitler nach dem 1. Weltkrieg in die USA aus und wird SF-Autor (Rahmenhandlung), die Binnenhandlung bildet eine SF-Geschichte, die vorgeblich von Hitler geschrieben wurde. Jerry Yulsman hat in „Elleander Morning“ ein Szenario entworfen, in dem Adolf Hitler 1913 in Wien ermordet wird, wodurch der Zweite Weltkrieg nicht statt findet. Der Tod im 1. WK hätte Hitler auch stoppen können, dass der Kunsthändler Hanisch ihn als Maler grossgemacht hätte, seine Abschiebung nach Österreich, die nach dem Putschversuch in München eigentlich vorgesehen war, Widerstand Hindenburgs gegen seine Ernennung, ein Vorgehen der Wehrmacht 1938 gegen ihn oder natürlich ein Attentat (s.u.); die Folge könnte auch sein dass er in Deutschland noch heute ein Held ist.

Der vom US-Militärhistoriker Robert Cowley herausgegebene Sammelband „What if“ (dt. „Was wäre geschehen, wenn?“) enthält Essays mit klassischen (oft verwendeten) Revisionsszenarien dieses Genres, wie: ein anderer Ausgang der Perserkriege; eine Niederlage Alexanders beim Versuch der Eroberung Persiens; Sieg der Römer gegen die Germanen in der Schlacht im Teutoburger Wald; Scheitern der Spanier bei der Eroberung des Azteken-Reichs; Erfolge der Araber (8. Jahrhundert, Tours/Poitiers), der Mongolen (13. Jahrhundert, Wien, kein Tod Ogadai Khans), der Osmanen (Herbst 1529, vor Wien, nach dem Marsch durch vom Regen aufgeweichten Boden in Ungarn – was, wenn der Sommer nicht so nass gewesen wäre) beim Vorstoss nach Mitteleuropa; Sieg der spanischen Armada 1588 im Ärmelkanal gegen die englische Flotte, der den britischen Aufstieg zur Weltmacht behindert; anderer Ausgang des USA-Unabhängigkeitskrieges, der Napoleonischen Kriege, des USA-Bürgerkrieges; andere Bedingungen für den Verlauf des 1. Weltkriegs; ein nazi-deutscher Sieg im 2. Weltkrieg; Republik bzw. Kuomintang und nicht Kommunisten gewinnen chinesischen Bürgerkrieg; ein Erfolg der Assyrer auch beim Versuch der Einnahme Judäas (anstatt von einer Seuche gestoppt zu werden). In „What if American and not Soviet forces had taken Berlin in 1945?“ wird eine andere Ausgangsbasis für den Kalten Krieg gelegt. In den Geschichten wird jeweils ein Divergenzpunkt gewählt, der verändert wird, und meist alternativer Verlauf und Ausgang (Folgen) ausgemalt.

Von „What If…“ gibt es einen Teil 2 (2001 herausgekommen; dt. „Was wäre geschehen wenn“). Darin formuliert Andrew Roberts ein Appeasement-Szenario für den 2. Weltkrieg (eine Churchill-Apologetik), Carlos Eire lässt Pilatus Jesus begnadigen, in Japan findet zu Kriegsende die geplante Invasion anstelle von Atombomben-Abwürfen statt, die „Enigma“ bleibt „uncracked“1, Japan dringt im 2. WK nach Australien vor, Lenins Rückkehr nach Russland 1917 wird vereitelt, Luther wird zum Tode verurteilt, Zheng Hes Entdeckungen (s. u.) werden als Kontrafaktik ausformuliert, Hitler verantwortet sich nach dem Krieg vor Gericht, Napoleon verändert die Geschichte Nord-Amerikas. A. Horne ändert viele Variablen über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (gegenseitige Provokationen um Treffen/Depesche führen nicht zum Krieg oder dieser wird nicht so schlimm), packt viele Nebenentwicklungen rein (zB heilt der französische Okkultist „Allan Kardec“ das Blasenleiden von Napoleon III.), malt Folgen bis weit ins 20. Jh aus.

In Eric G. Swedins „When Angels Wept: A What-If History of the Cuban Missile Crisis“ eskaliert die Kuba-Krise von 1962 bis hin zum Atomkrieg. Die Variable, die er ändert, ist die Reaktion Chrustschows auf die Entdeckung der Raketen durch die USA und Kennedys Ultimatum. Er bringt eine detailreiche und seriöse Schilderung der Eskalation, des Krieges und dessen Folgen. Preis für den besten Alternativwelt-Roman (Sidewise Award) 2012. Wird auch als AG oder SF eingeordnet.

Im Band „Columbia & Britannia“ werden neun Geschichten aus einer Welt erzählt, in der keine „Amerikanische Revolution“ und kein Unabhängigkeitskrieg der britischen Kolonien in Amerika stattfand. Der Divergenzpunkt ist jeweils, dass der britische Premierminister William Pitt (d. Ä.) der „No taxation without representation“-Forderung der amerikanischen Kolonisten nachgibt und ihnen eine Vertretung im britischen Parlament ermöglicht.

Der rechte britische (schottische) Historiker Niall Ferguson bedient sich der kontrafaktischen Methode und soll einer ihrer Hauptbefürworter sein, stellt etwa ein Heraushalten GBs aus dem 1. WK und einen deutschen Sieg in diesem (bzw. die  Folgen davon) als gut für Deutschland und Europa dar. Zur europäischen Kolonialisierung Afrikas behauptet er: „the counterfactual idea that somehow the indigenous rulers would have been more successful in economic development doesn’t have any credibility at all“. „Virtual History: Alternatives and Counterfactuals“ ist ein Buch von ihm mit Überlegungen zur Kontrafaktik sowie mit Szenerien aus bzw. für das 20. Jahrhundert.

Ein anderer bedeutender britische Historiker, Ian Kershaw, schrieb ein Buch („Wendepunkte“) über zehn Entscheidungen 1940/41 von entscheidender Bedeutung für den 2. Weltkrieg. Etwa, was geworden wäre, wenn es den Alliierten im Mai 1940 nicht gelungen wäre, ihre Streitkräfte aus Dünkirchen zu retten.

Carl Amery schildert in „An den Feuern der Leyermark“ (1981) eine europäische Großmacht Bayern, die 1866 über Preussen gesiegt hat.

Der Amerikaner Harry Turtledove ist einer der Grossen dieses Genres, hat etwa über die Unabhängigkeit der US-Südstaaten durch einen Sieg im Bürgerkrieg eine ganze Reihe von Büchern, eine Anthologie, geschrieben. In „Bring the Jubilee“ von Ward Moore (1953; dt. „Der grosse Süden“, 01) hat die Schlacht von Gettysburg 1863 einen anderen Ausgang, die CSA behauptet sich dadurch im Krieg. In der Gegenwart (daher der Gegenwart beim Verfassen des Romans, also um das Jahr 1955) gibt es zwei amerikanische Staaten, die Konföderation und die Union. Enthält Elemente von Phantastik & Spass.

Philip K. Dick schrieb meist SF, „Das Orakel vom Berge“ („The Man in the High Castle“) handelt von einer Ermordung Roosevelts und einem Kriegssieg der Achse. Es spielt im Erscheinungsjahr 1962 und in der von Deutschland und Japan beherrschten USA. Auch Atlantropa kommt vor. In dem Kontrafaktik-Roman kommt ein Kontrafaktik-Roman vor, aber nicht in Form einer Rahmenhandlung. Eigentlich ein Beispiel für ein historisch-politisch ziemlich belangloses Alternativszenario. Die Dystopie enthält natürlich verschiedene Aussagen, darunter angeblich auch anti-deutsche und anti-japanische.

Eine Welt nach einem Sieg Hitlers beschreibt auch Robert Harris im Bestseller „Vaterland“ (Fatherland). Anhand eines Kriminalfalls im bzw vor der Kulisse eines von Nazi-Deutschland dominierten Europas.

„Crimson Skies“, erfunden von Jordan Weisman und Dave McCoy, spielt in einer alternativen Version der USA, die sich aufgrund der Weltwirtschaftskrise, des Ersten Weltkrieges und der Prohibition in viele einzelne Staaten zersplittert hat; ausser in Romanen wurde diese Welt u. a. in (Brett-, Computer- Rollen-) Spielen ausgearbeitet.

Der Schweizer Christian Kracht, früher Popliterat, hat sich auf geschichtsfiktive Literatur verlegt. In der Alternativgeschichte „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ verpasst Lenin im  April 1917 den Zug und macht aus der Schweiz eine Sowjetrepublik anstatt in die russische Revolution einzugreifen. Was mit Russland bezüglich Revolution(en) geschehen hätte können, wenn das Deutsche Reich Lenin und Entourage nicht die Durchreise erlaubt hätte, wurde öfters gefragt. „Imperium“ von Kracht ist ein historischer Roman, der sich an August Engelhardt orientiert, welcher Anfang des 20. Jh. mit anderen Aussteigern aus Deutschland eine „Kommune“ im Bismarck-Archipel (damals ein Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea, heute bei Papua-Neuguinea) gründete.

Wadim Davydov schrieb „Das Jahr des Drachens“ und andere AG-artige Romane, in denen es mehrere Abweichungspunkte gibt; sie sind nur in seiner Heimat Russland verbreitet.

Vom australischen Science-Fiction-Autor A. Bertram Chandler erschien 1983 der Alternativweltroman „Kelly Country“ (dt. Titel „Die australische Revolution“), in dem beschrieben wird, wie der Rebell „Ned“ Kelly einen Aufstand der Australier gegen die Briten bzw. der dortigen Iren gegen die dortigen Briten anführt und dabei erfolgreich ist.

„Les Miserables“ gilt als historischer Roman, ist aber eigentlich eine Alternativgeschichte, da tatsächliche Geschichte verändert wurde (ausserdem erlebte der Autor die Zeit mit, was bei historischen Romanen eigentlich nicht vorkommen darf); es spielt von der Zeit Napoleons I. bis zu der des Bürgerkönigs Louis Philippe I. Einzelpersonen die etwas politisches personifizieren, wie der ehemalige Sträfling Jean Valjean, „bestreiten“ die Handlung, die politischen Aussagen und historischen Betrachtungen sind der „eigentliche“ Inhalt.

„Roma eterna“ von Silverberg ist nahe beim historischen Roman, darin überlebt das Römische Reich bis in die Gegenwart.

In „South Africa 1994-2004. A popular History“ von Tom Barnard alias Deon Geldenhuys, einem Politikwissenschafter, werden die Folgen des Wandels in Südafrika von der Apartheid zur Demokratie, der zum Zeitpunkt des Schreibens und der Veröffentlichung (1991) hochaktuell war, ausgemalt – und zwar so, wie sich dieser Geldenhuys ein Scheitern des Post-Apartheid-Südafrikas gewünscht hätte.

Fred Allhoffs alternativgeschichtliches „Lightning night“, um 1940 als Fortsetzungsroman in einem USA-Magazin erschienen (später Neuauflage als Buch), propagierte vor Pearl Harbor den Kriegseintritt der USA, u.a. indem es die Folgen eines Hitler-Sieges ausmalte. Eine spezielle Form von AG (spielt in der Zukunft, hat politische Absicht), nahe bei polit fiction.

Pitt von Bebenburg und Matthias Thieme: Deutschland ohne Ausländer. Ein Szenario (2012)

Weitere kontrafaktische/alternativgeschichtliche Szenarien:

* Napoleons Kriege und da besonders die Waterloo-Schlacht gehören zu den meist-behandeltsten Themen der Kontrafaktik. Trevelyan hat zB dazu etwas geschrieben. Die Waterloo-Schlacht 1815 zwischen dem napoleonischen Frankreich und Truppen der 7. Koalition (Grossbritannien, Preussen,…) unter Wellington setzte der revolutionären Ordnung in Frankreich und Europa ein (vorläufiges) Ende. Ein anderer Ausgang hätte diese Folgen aber höchtswahrscheinlich nur hinausgezögert, Frankreich war schwer in der Defensive und hatte einen Grossteil seiner wehrfähigen Bevölkerung „verheizt“. Napoleon hätte nach einem Sieg bei Waterloo noch weitere Schlachten siegreich ausfechten müssen, da die Gegner nicht gleich aufgegeben hätten. Revisionspunkt müsste eigentlich eine alternative Weichenstellung (etwa eine andere Entscheidung Napoleons) an einem früheren Punkt sein. Ähnlich verhält es sich bei der Ardennen-Offensive 1944/45, die nur mehr ein Verzweiflungsangriff Hitler-Deutschlands war. Ein Eingreifen des Marschalls De Grouchy in Waterloo hätte Napoleon, entgegen Stefan Zweigs Einschätzung, nicht retten können. Auch Victor Hugo hat in „Les Misérables“ eine kontrafaktische Behauptung bezüglich der Schlacht aufgestellt: „Hätte es in der Nacht des 17. Juni 1815 nicht geregnet, wäre Europas Zukunft anders verlaufen“. Andere wollen wissen, dass die Niederlage am Scheitern des Unbrauchbar-machens der von Franzosen vorübergehend erbeuteten britischen Kanonen lag. Napoleon hatte 1815 aber ausgespielt, wie Hitler 1945.

Napoleon betrachtete sein Wirken übrigens selbst in kontrafaktischen Überlegungen, zumindest gegenüber seinem Mitarbeiter De las Cases. Für ein Weiterwirken Napoleons über Waterloo hinaus hätte es also etwas anderes gebraucht als einen Sieg in dieser Schlacht; was hätte es gebracht? Einen Griff nach der „Weltherrschaft“ (Nordamerika, nochmal Russland, Indien,…)? Schon im 19. Jahrhundert erdachte der französische Schriftsteller Louis Geoffroy in „Napoleon und die Eroberung der Welt“ einen Endsieg Napoleons, dieser unterwirft auch China und macht das Reich zu einer asiatischen Provinz. Und für die liberalen und nationalen Ideen der damaligen Zeit, für die Machtstruktur in Europa (nicht zuletzt für Deutschland)?

* Gavin Menzies, ein pensionierter britischer U-Boot-Kommandant, behauptet in seinem Buch „1421″, dass die Chinesen Amerika vor Columbus entdeckt hätten, auch Australien vor den Europäern. Menzies nennt den chinesischen Admiral Zhèng Hé (Cheng Ho), der mit grossen Flotten zwischen 1405 und 1433 sieben Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean unternahm und laut ihm 1421 bis 1423 eine Weltumsegelung durchführte. Die frühen Ming-Kaiser, v.a. Ch’eng-tsu, förderten diese Erkundungsfahrten, danach wandte sich China nach innen. Hinweise auf seine Behauptungen sieht Menzies in Spuren chinesischer Zivilisation, wie Porzellan, Wracks und Werkzeuge, an den Küsten Australiens und Amerikas. Menzies meint es ernst (geschichtsrevisionistisch), die Hypothese wird aber als Geschichtsfiktion, als Alternativ- oder Pseudogeschichte eingeordnet. Jedenfalls führt die Frage „Haben Chinesen Amerika und Australien entdeckt?“ (die notwendige Technologie hatten sie) zu der „Wenn ja, warum haben sie nicht versucht, diese Kontinente zu kolonialisieren?“ (sie kannten auch Schiesspulver, verwendeten es jedoch vornehmlich für Feuerwerke und andere rituelle Zwecke…) sowie zur kontrafaktischen Fragestellung „Was, wenn China dies getan hätte?“ – sehr wahrscheinlich wäre eine Konkurrenz zu europäischen Mächten entstanden, die den Lauf der Welt in der Neuzeit entscheidend geändert hätte. Bei Garnet V. Portus entdecken die Chinesen Australien, die Briten später, es kommt zu einer Rassenmischung.

* Nicht weit davon ist die Frage, was wenn Columbus 1492 nicht Amerika entdeckt hätte, etwa aufgrund eines Sturms. Hätte sich die Entdeckung mit allen Folgen einfach um ein paar Jahre verschoben? 1495 traf der Seefahrer bei seiner zweiten Reise vor der Karibik auf einen der gefährlichen Hurrikans, drei Schiffe gingen in den reißenden Fluten unter.

* Was, wenn Russland Alaska nicht 1867 an die USA verkauft hätte, was hätte das für Alaska, Russland, USA, die Welt gebracht?

* Die Ausmalung eines Hitler-Stalin-Bündnisses durch den Krieg hindurch, eine Achse mit der Sowjetunion, wäre aufgrund der Unwahrscheinlichkeit eher ein alternativgeschichtliches als kontrafaktisches Szenario.

* Entscheidende Schlachten des 2. Weltkriegs, nach dem Gelingen des Blitzkrieges, waren jene von Stalingrad, El Alamein, bei Caen (Landung der West-Alliierten in der Normandie; bzw. dann der Durchbruch bei Falaise) oder die Luftschlacht um England. Über Rumänien drang die Rote Armee in den Balkan vor, was bedeutsam war, aber Schlachten wie jene von Iasi 1944 muss man eigentlich als Folge von Stalingrad sehen. Bei den Schlachten wie jenen von Monte Cassino oder Kursk kann man davon ausgehen, das ein anderer Ausgang, wie auch bei der Ardennenoffensive, die Niederlage Deutschlands nur verschoben hätte, ganz zu schweigen bei jener um Berlin.

In Bezug auf Japan haben die amerikanischen Atombombenabwürfe die Niederlage besiegelt, aber die Entscheidung fiel eigentlich schon mit der Eroberung von Okinawa und vorher Iwojima. Hier gäbs einige Ansatzpunkte für kontrafaktische und alternativgeschichtliche Überlegungen: Hätte die (eigentlich geplante) Invasion auf Japan statt den Atombombenabwürfen eine anderen Ausgang bringen können? Basis für den Iwojima-Sieg war der in Leyte auf den Philippinen einige Monate zuvor. War also diese Schlacht oder eine noch frühere (Midway 42 wird als das „Stalingrad“ im Pazifik-Krieg angesehen) die eigentlich entscheidende? Eine wichtige allgemeine Frage bei kontrafaktischen Szenarien: Wo in Kausalketten bzw. Schicksalslawinen müsste eingegriffen werden? Die Märzrevolution in Deutschland 1848 wäre ohne die Februar-Revolution in Frankreich evtl. nicht möglich gewesen (Marx sagte, schon). Wäre daher in Paris einzugreifen, um ein deutsches 1848 zu verhindern?

* Der japanische Angriff auf Pearl Harbor, Anlass für das Eintreten der USA in den 2. Weltkrieg, lädt zu alternativgeschichtlichen Denkspielen ein, aufgrund der weltgeschichtlichen Folgewirkungen. Bei Harry Turtledove erobern die Japaner ganz Hawaii und der Krieg nimmt eine andere Wendung. Daneben halten sich (Verschwörungs-)theorien, dass man in der amerikanischen Regierung im Voraus vom Angriff wusste und ihn geschehen liess um eine „Berechtigung“ für einen Kriegseintritt an der Seite Grossbritanniens zu haben (Hinweise auf Übungen bzgl. eines solchen Angriffs, Verlegung der Flotte weg von dort, knacken der japanischen Kommunikation,…; Bücher von Bröckers u.a.). Konkret hätte eine 3. Angriffswelle (die eigentlich eingeplant war) mit einer Zerstörung der Treibstofftanks und Docks den Unterschied machen können, das Ausschalten von Pearl Harbor als Flottenstützpunkt also. Admiral Nagumos Entscheidung zum Abbruch kam, nach dem was man weiss, wegen der Gefahr, dabei Flugzeugträger, Flugzeuge und Piloten zu verlieren.

* Wenn Mohammeds Hedschra oder Luthers Reformation nicht stattgefunden hätte, gestört worden wäre, die Stiftung diverser Religionen und Konfessionen nicht zustande gekommen wäre. Eine Beschäftigung mit solchen Möglichkeiten zwingt zur Auseinandersetzung mit dem Wesen von Religion, aber auch mit ihrer Historizität. Bezüglich Luthers Reformation gibt’s „The Alteration“ von Kingsley Amis, wo eine Welt des Jahres 1976 geschildert wird, in der keine Reformation stattgefunden hatte. Martin Luther wurde Papst, und die katholische Kirche herrscht immer noch unangefochten über die westliche Christenheit.

* Die Perserkriege, die im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. von den persischen Achämenidenkönigen Dareios I. und Xerxes I. unternommenen Versuche, von Kleinasien aus in das europäische Griechenland einzudringen (490 v. Chr. die Schlacht bei Marathon), endeten infolge der Seeschlacht von Salamis 480 v. Chr. bzw. 479 v. Chr. nach der Niederlage von Platäa. Ungefähr einen Monat vor Salamis siegten persische Truppen bei den Thermopylen in Mittel-Griechenland über Truppen des Hellenenbundes unter dem spartanischen Herrscher Leonidas, bestehend aus 300 „Elitesoldaten“ aus Sparta und Tausenden „Mitkämpfern“; eine Schlacht, die den persischen Vormarsch nicht einmal verzögerte (Xerxes nahm dann Athen ein), aus der aber aufgrund des (angedichteten?) Heldenmuts der Griechen Kultur- und Morallehren gezogen werden. Die Salamis-Schlacht hatte weitreichende Auswirkungen auf die weitere persische und griechische Geschichte. Athen setzte sich in Griechenland durch, wurde Geburtsstätte der Demokratie.

Der Mythos des griechischen Sieges über eine persische Übermacht geht grossteils auf den antiken griechischen Geschichtsschreiber Herodot zurück und hat teilweise bis ins 20. Jahrhundert überlebt, wird gerne als historische Verteidigung der „Freiheit des Abendlandes“ gegen „orientalische Despotie und Gewaltherrschaft“ gedeutet. Ein anderer Ausgang des Krieges hätte demnach einen Untergang des Abendlandes bedeutet, noch bevor es entstand. Gedankenspiele über einen persischen Sieg in diesen Kriegen begannen mit Friedrich Schlegel. Ende Januar 1943 hielt Göring anläßlich der Niederlage von Stalingrad eine leidenschaftliche Rede um Parallelen zur historischen Schlacht an den Thermopylen zu ziehen. Max Weber war in seiner Beurteilung der Perserkriege gar nicht so weit von diesem entfernt… Auch Plutarch, Hegel, J.S. Mill urteilten so. Ob der Film „300“ aus 2007 kulturkämpferisch beabsichtigt war, ist fraglich; ausgelegt wurde er jedenfalls so. In „What if“ (s.o.) dreht sich ein Essay von Victor D. Hanson um die Frage, was wenn die Perser die Salamis-Schlacht gewonnen hätten, auch bei ihm ging es um die „westliche Zivilisation“. Widerspruch zu dieser Einschätzung kam von Platon, Nietzsche, J. Beloch: Der Sieg hätte Griechenland und Europa auf lange Sicht fett und überheblich gemacht; es hätte auch eine grosszügige Perserherrschaft geben können, wie gegenüber den Juden von Babylon; Hellenismus und persische Kultur hätten sich gegenseitig befruchten können; der griechische Bürgerkrieg hätte bei einem Sieg der Perser ausbleiben können. Nietzsche war fasziniert von der Möglichkeit, der Zoroastrismus hätte Griechenland beherrscht. Eine Form von Kulturtransfer von Persern zu Griechen gab es wohl, wahrscheinlich inklusive zoroastrischer Elemente

* Der Untergang von Byzanz gegen die Osmanen war zweifellos von weltgeschichtlicher Bedeutung, die Niederlage 1453 war aber nur mehr der Endpunkt, eine Wende hätte früher kommen müssen. Eine Niederlage der Seldschuken 1071 in Mantzikert gegen Byzanz wäre ein Ansatzpunkt. Demandt spekuliert dazu, dass die Wanderung/Expansion der Türken in diesem Fall vielleicht nach Russland ausgewichen wäre. In „Tirant lo Blanch“ des Spaniers Joanot Martorell (1490) rettet ein Ritter aus der Bretagne Konstantinopel vor der Eroberung. Anders herum hätte Byzanz‘ Untergang auch früher kommen können, wenn die Araber nach Kleinasien vorgestossen wären.

Die Hagia Sofia zu byzantinischer Zeit.
Die Hagia Sofia zu byzantinischer Zeit

* Das britische Schiff „RMS Lusitania“ wird 1915 nicht von einem deutschen U-Boot-Torpedo im Atlantik versenkt. Oder auch: Das Zimmermann-Telegramm 1917 wird nicht vom britischen Geheimdienst abgefangen. Jedenfalls treten die USA nicht in den Ersten Weltkrieg ein. Hätten dann die Mittelmächte den Krieg gewonnen?

* Auch ohne den Mordanschlag auf den österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand von Habsburg-Este 1914 in Sarajevo wäre es höchstwahrscheinlich früher oder später zum grossen Krieg der europäischen Mächte gekommen – daher sind Spekulationen über eine Verhinderung der Schüsse etwa durch eine frühere Routenänderung nach dem ersten Anschlag auf den Konvoi müßig. Es gab die Konkurrenz zwischen den Mächten, etwa um das osmanische Erbe, und auch starke „zentrifugale“ Kräfte (die z.T. von aussen unterstützt wurden) in den multinationalen Reichen Russland und Österreich-Ungarn. Der Krieg wäre wohl durch ein anderes Ereignis ausgelöst worden, hätte anders begonnen, wäre vielleicht anders verlaufen. Was aber wäre gewesen, wenn Franz Ferdinand Kaiser geworden wäre, was wären die Folgen für Österreich-Ungarn und Europa gewesen, wenn er die Gelegenheit zum regieren bekommen hätte? Während sich für die meisten Historiker die geschichtliche Rolle Franz Ferdinands mit dem Attentat schon erledigt hat, hat der französische Historiker Jean–Paul Bled eine Biografie über den Thronfolger geschrieben, in der dieser kontrafaktische Ansatz eine Rolle spielt. Der Thronfolger lehnte Demokratie ab und befürwortete einen stark zentralisierten Staatsaufbau mit Dominanz der Deutsch-Österreicher (über andere Volksgruppen) und des Katholizismus. Schlechte Voraussetzungen für sinnvolle Lösungen der Probleme von Österreich-Ungarn bzw. ein Fortbestehen dieses Reichs.

Ö1 kürzlich über das Jahr vor Beginn des Kriegs: Hitler, Stalin, Lenin, Trotzki und Tito waren alle im Jahr 1913 in Wien. „Da könnte man die Phantasie entwickeln, ob einander vielleicht einmal Hitler und Stalin im Schönbrunner Schlosspark begegnet sind, während zur gleichen Zeit bei der Einfahrt zum Park ein Mercedes-Testfahrer namens Josip Broz am Automobil des später in Sarajevo ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand vorbeigefahren ist.“

* 1944 bei Rastenburg wurde der durch seine Kriegs-Verletzung stark bewegungsbehinderte von Stauffenberg hektisch, als ihn der Feldwebel vom Dienst beim Scharfmachen der ersten Bombe überraschte und versäumte so das Scharfmachen der zweiten, das die Geschichte verändern hätte können. Dass man einen Bunker, wo die Druckwelle nicht entweichen konnte, statt der Baracke erwartet hatte, dürfte dagegen nicht stimmen. Wenn er die zweite Bombe einfach neben die scharf gemachte mit in die Aktentasche gelegt hätte, wäre die Detonation wohl auch so stark gewesen, dass Hitler keine Chance gehabt hätte (auch nicht die übrigen anwesenden 23 Mann). Vielleicht hätte zu einem Gelingen schon genügt, dass Adolf Heusinger im Moment der Detonation Hitler nicht gerade die Lage im Norden der Sowjetunion erläuterte und daher beide fast über der Landkarte am Tisch lagen und durch dessen dicke Platte geschützt waren.

Wäre bei einem Gelingen des Attentats dem (abgeänderten) „Unternehmen Walküre“, das einen Macht- bzw. Systemwechsel in Deutschland bringen sollte, ein Erfolg beschieden gewesen? Was wären die Auswirkungen auf Deutschland und den Krieg gewesen? West-Alliierte waren schon in der Normandie, in Mittel-Italien stand ein Durchbruch bevor, dies galt auch für die Rote Armee in Ost-Polen (darüber redete Hitler beim Attentat gerade mit seinen Generälen; die Attentats-Verschwörer waren nicht zuletzt durch die prekäre militärische Lage und Hitlers Anteil daran motiviert). Die West-Alliierten wären zu diesem Zeitpunkt kaum bereit gewesen, wegen einer neuen Staats- und Militärführung in Deutschland den Krieg gegen dieses fallen zu lassen oder gar, sich mit ihm gegen die Sowjetunion zu verbünden; darauf deuten z.B. Churchills Kommentare über das Attentat hin. Ausserdem, wenn die Todesumstände Hitlers bekannt geworden wären, hätten die neuen Machthaber leicht ihre Legitimität, ihren Rückhalt verlieren können, wie Demandt schrieb. Auch ein Bürgerkrieg wäre möglich gewesen. Und eine Verlängerung des Krieges hätte evtl. zum Atombombenabwurf auf Deutschland geführt.

Auch ein Gelingen des Attentats Elsers 1939 (kurz nachdem Hitler den Weltkrieg vom Zaun brach) ist eine reizvolle Grundlage für Spekulationen; auch hier scheiterte das Vorhaben knapp und unglücklich (man kann es aufs Wetter herunterbrechen, aufgrund dessen Hitler nicht mit dem Flugzeug von München nach Berlin zurückreiste, stattdessen mit der Bahn, deshalb die Veranstaltung früher als geplant verliess). Dieter Kühn schrieb in „Ich war Hitlers Schutzengel“ über vier Fiktionen über Hitlers Ende. Christian von Ditfurth, arrivierter Autor von alternativgeschichtlichen Romanen, spielt in „21. Juli“  drei oft aufgegriffene Szenarien aus der NS-Zeit durch: ein geglücktes Stauffenberg-Attentat auf Hitler, ein erfolgreiches deutsches Atomprojekt und ein anderer Kriegsausgang. Das Glücken des deutschen Uranprojektes wäre ein Szenario für sich. Was hätte es dazu gebraucht?, Gab es einen Wettlauf mit dem amerikanischen?, Was wären die Auswirkungen auf den Krieg gewesen?

* Hier schliesst sich die Frage nach den Folgen anderer gescheiterter Attentate für den Fall ihres Gelingens an: Napoleon Bonaparte 1800 oder 1809, Victoria von Hannover 1840, Lenin 1918, Churchill 1931 (Unfall, in NY von Taxi angefahren), Adenauer 1952, De Gaulle 1962, Dutschke 1968, Wojtyla 1981, Reagan 1981, Elizabeth of Windsor-Mountbatten 1981 (wenn Marcus Sarjeant nicht mit Platzpatronen geschossen hätte), Thatcher 1984, Schäuble 1990. 1974 erschien Eberhard Jäckels „Wenn der Anschlag gelungen ware…“.

Oder, wenn geglückte Attentate, politische Morde, fehlgeschlagen wären: Julius Caesar, Ali Ibn Abi Talib, Shaka, A. Lincoln, die Romanovs, Rosa Luxemburg, Dollfuss, Trotzki, Mahatma Gandhi, Folke Bernadotte, Lumumba, Hammarskjöld, John und Robert Kennedy (> Vietnam, Nahost, Kalter Krieg,…), Carrero Blanco (> wurde die Transicion durch die Tat erleichtert?), Faisal al Saud, Verwoerd, Moro, Sadat, B. Aquino, B. Gemayel, Palme, Indira oder Rajiv Gandhi, Hani, Habyariamana, Rabin, Dzindzic, R. Hariri, L. Kabila, Fortuyn, A. Massud, B. Bhutto.

Was, wenn Mahatma Gandhi, hier mit Pakistans Staatsgründer M. A. Jinnah, nicht ermordet worden wäre?
Was, wenn Mahatma Gandhi, hier mit Pakistans Staatsgründer M. A. Jinnah, nicht ermordet worden wäre?

* Ein anderes Ende des Kalten Kriegs, weil die Öffnung der DDR-Grenze nicht zustande kam oder der Putschversuch in der Sowjetunion 1991 gelang.

* Wenn Österreich und Deutschland nach dem 1. WK zusammengegangen wären (mit Erlaubnis der Alliierten oder gegen sie) wie wäre es mit ihnen, mit Mitteleuropa, usw. weitergegangen.

* Wenn die Spanische Grippe (1918-20) ein paar Jahre früher ausgebrochen wäre, wäre es zum 1. WK gekommen, wie wäre er anders gelaufen?

* Wenn der Sevres-Vertrag nach dem 1. WK umgesetzt worden wäre, entweder weil die Alliierten/die Entente dahinter waren oder weil der Türkische Unabhängigkeitskrieg anders oder nicht gekommen wäre.

* Wenn sich in Afghanistan die kommunistische Regierung über 1992 hinaus durchgesetzt hätte.

Hätten die USA den „Mujahedin“ nicht auch „Stinger“-Flugabwehrraketen geliefert, hätten sich diese gegen die Kommunisten möglicherweise nicht durchgesetzt.

* Wenn die die arabische Eroberung Persiens missglückt wäre, indem die Kedisia/Qadisiyah-Schlacht oder die in Nehawend anders ausgegangen wäre, die Folgen wären weltgeschichtlich bedeutend gewesen, vorausgesetzt die Eroberung wäre auch in den folgenden Jahrhunderten nicht gelungen (der Islam wäre nicht so massiv nach Persien, Zentralasien und Indien eingedrungen,…). Eine frühere Allianz zwischen Persien und Byzanz hätte im Jahr 636 den Unterschied machen können, als beide Mächte, in Qadisiyah (Mesopotamien) bzw. Yarmuk (Syrien), gegen die Araber entscheidende Niederlagen hinnehmen mussten. Oder eine andere Taktik vom persischen Feldherr Rostam in Qadisiyah, die mit dem Wissen über den Verlauf der Schlacht natürlich leicht zu entwerfen ist. Ein alternativer Ausgang der arabischen Angriffe auf Persien wurde von Persern oft und lange danach ausgemalt und herbeigesehnt; davon zeugt auch die „Verarbeitung“ Rostams im Nationalepos „Schahnameh“ oder die zoroastrische Zeitrechnung, deren Beginn durch den Regierungsantritt König Yazdgerds III. (gestürzt durch die Niederlage in dem Krieg) markiert wird; umgekehrt wurde Kedisia von Saddam in den 1980ern im Krieg gegen Iran rhetorisch „verwertet“.

* Wenn es Karl den Grossen nicht gegeben hätte – Heribert Illig behauptet in seiner geschichtsrevisionistischen Chronologiekritik ja, dass dem so ist. Oder, wenn die byzantinische Kaiserin Irene 802 seinen Heiratsantrag angenommen hätte…

* Alternative Wahlausgänge, z.B. bei einer der Reichstagswahlen 1932 (zuungunsten der NSDAP; ein weiteres Gedankenspiel in dem es darum geht, Hitler aufzuhalten) oder der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl 1988 (Bush sen. gegen Dukakis). Was hätte es dazu gebraucht, was hätte sich dadurch geändert? Im Fall von 1988 wäre die aggressive Medienoffensive von Bush-Berater Harvey Leroy „Lee“ Atwater ein Ansatzpunkt. Darin war etwa der Fall Willie Horton ausgiebigst ausgeschlachtet worden; Horton, ein zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilter Mörder in Massachusetts, hatte während eines Freigangs eine Frau vergewaltigt. Michael Dukakis war während des Freigangs Gouverneur von Massachusetts gewesen, die Freigang-Regelung war vor seiner Zeit beschlossen worden. Die Kampagne half George Bush, den anfänglichen Vorsprung seines Konkurrenten von 17 Prozentpunkten in Umfragen zu überwinden. Atwater verstand sich auf das gezielte Verbreiten rufschädigender Anschuldigungen, Andeutungen und Gerüchte. Er war auch ein politischer Mentor und naher Freund von Bush jun. (dessen politische Karriere von einer Wahlniederlage seines Vaters sicherlich auch betroffen gewesen wäre) und Karl Rove, wurde Vorsitzender des Republican National Committee und versuchte sich in R&B-Musik. Kurz vor seinem Tod 1991 aufgrund eines Tumors konvertierte er zum Katholizismus und entschuldigte sich öffentlich und schriftlich unter anderem bei Dukakis für die Angriffe während seiner Beratertätigkeit.

Oder auch: Die Manipulationen zugunsten Bushs bei der USA-Wahl 2000 greifen nicht, Gore wird Präsident

* Wenn Frankreich durch einen anderen Ausgang des Kolonialkriegs mit den Briten Mitte des 18. Jahrhunderts seinen Kolonialbesitz in Nordamerika behalten hätte

* Wenn Spanien unter Franco für die Achse in den 2. Weltkrieg gezogen wäre

* Ein Schwedisch-Polnischer Sieg über Russland im Nordischen Krieg Anfang des 18. Jahrhunderts.

* Wenn Rainer Barzel beim konstruktiven Misstrauensvotum gegen den westdeutschen Kanzler Brandt zwei Stimmen mehr bekommen hätte… Heute geht man ja davon aus dass zwei Abgeordnete der CDU/CSU von der ostdeutschen Stasi gekauft waren.

* Was, wenn der letzte Habsburger am spanischen Thron, Carlos (Karl) II., nicht kinderlos geblieben wäre? Infolge der Thronbesteigung der Bourbonen in Spanien (aufgrund dieser Kinderlosigkeit) hätte es im absolutistischen, vor-nationalen Zeitalter auch zu einer Vereinigung des Landes mit Frankreich kommen können (im Spanischen Erbfolgekrieg sollte u.a. das verhindert werden)

* Der Bourbone Henri gibt 1873 sein insistieren auf der Wiedereinführung der Königsflagge auf, anerkennt die Trikolore und wird König von Frankreich

* Die Gruppe um Von Braun wird im April 1945 am Weg von Nordhausen nach Süddeutschland aufgehalten und fällt in die Hände der Roten Armee…

* Stefan Zweig brachte in „Sternstunden der Menschheit“ Miniaturen von Ereignissen/Entwicklungen, die seiner Meinung nach historische Wendepunkte waren, wie der Waterloo-Schlacht, auch aus der Kunstgeschichte, Scotts Niederlage am Südpol, dem Ende von Byzanz (kritisiert Resteuropa, nicht eingegriffen zu haben) oder dem Fund von Gold auf der Farm des Schweizer Auswanderers Sutter in Kalifornien – ein kontrafaktisches Szenario in Zusammenhang mit dem letzteren Ereignis ist meines Wissens nach noch nicht für die breitere Öffentlichkeit durchgespielt worden, würde aber dazu einladen. Sehr spannend wäre dieses, wenn man den russischen Aussenposten Fort Ross bei San Francisco 7 Jahre länger als tatsächlich bestehen lässt, womit ein russisches Mitmischen im Goldrausch ermöglicht wird…

* Der iranische Schah M. R. Pahlevi lenkt früher ein, Schapur Bachtiar wird ein Jahr früher als tatsächlich geschehen, also im Jänner 1978, Ministerpräsident > keine Revolution, dafür eine Demokratisierung des Landes unter dem Schah, kein Auftrieb für den modernen Islamismus wie unter Khomeini?

* Die Möglichkeit einer Atomwaffen-Konfrontation zwischen USA und Sowjetunion bzw ihren Blöcken bestand infolge der Kuba-Krise 1962 und bei anderen Eskalationen im Kontext des Kalten Kriegs, etwa den Berlin-Krisen und den Konflikten zwischen den Chinas. Sowie 1973, als Israel einen Einsatz seines Arsenals erwogen zu haben scheint, und mehrmals zwischen Indien und Pakistan (1984, 1987, 1990).

* Ohne den Unfall bei der Chappaquiddick-Insel 1969 (oder bei einem anderen Ausgang) hätte Edward Kennedy gute Chancen gehabt, irgendwann Präsident der USA zu werden, wahrscheinlich schon 1972

* Wenn Jinnahs Grossvater nicht zum Islam übergetreten wären; am wahrscheinlichsten hätte jemand Anderer die Muslim League geführt und Pakistans Schaffung vorangetrieben

* Die Annahme der Stalin-Noten aus 1952 durch den Westen, unter der Voraussetzung dass sie ernst gemeint waren

* Ein Scheitern der Reconquista in Iberien (> Islam in Europa, kein Spanien und Portugal?, andere Kolonialgeschichte Amerikas). Über den Zusammenhangg Reconquista (Iberien) und Conquista (Amerika) schrieb der spanische Historiker und Politiker (2. Republik) C. Sanchez Albornoz.

* Oder: Schottland gelingt ein Kolonialprojekt in Mittelamerika, es kommt zu keine Vereinigung mit England…; Ungarn wird in Trianon in seinen bisherigen Grenzen anerkannt;

Kontrafaktisches oder alternativgeschichtliches Denken macht auch bei seiner eigenen Geschichte Sinn, findet da Anwendung. Oder im Sport; was, wenn dieser Treffer (nicht) gegeben worden bzw. gefallen wäre, wird bei fast jedem Fussball-Match diskutiert (z.B. der von Lampard im Achtelfinale der WM 2010 gegen Deutschland, beim Stand von 1:2). Ich fand einmal ein Fussball-Diskussionsforum, in dem belgische Fans diskutierten, wie ihr Team 1986 Weltmeister hätten werden können – wenn der damalige Anderlecht-Spieler Lozano für Belgien gespielt hätte und sich Vandenbergh nicht verletzt hätte, wurde da gemeint. Bei Kriegsspielen, v. a. auf dem Computer, spielen kontrafaktische Kampfverläufe auch eine Rolle. Das Grossvaterparadox bei Zeitreisen-Gedankenspielen, das sich um paradoxe Folgen von Eingriffen dreht, zeigt nicht nur in die Anwendung von Kontrafaktik in Naturwissenschaften, sondern enthält auch grundlegende Überlegungen zu ihr.

Alexander Demandt hat mit „Ungeschehene Geschichte. Ein Traktat über die Frage: Was wäre geschehen, wenn“ ein wichtiges Stück Sekundärliteratur über kontrafaktische Geschichte geschrieben und darin auch einige interessante Szenarien angerissen: z.B. einen Erfolg der Aufständischen im deutschen Bauernkrieg 1525; wenn Louis XIV. sich hinter die Reformpläne Turgots gestellt hätte; wenn der preussische König Friedrich Wilhelm IV. 1849 die von der Nationalversammlung angebotene Kaiserkrone angenommen hätte; wenn Zar Nikolaj II. Romanov 1916 Rasputin fallengelassen und sich mit der Opposition in der Duma verständigt hätte. Er scheint selbst ein Befürworter der kontrafaktischen Methode zu sein, geht aber auch auf Einwände ein (etwa, wonach die Folgen des Abänderns einer Variablen oft nicht genug durchdacht seien). Das 1984 heraus gekommene Buch markiert den „Beginn“ der Uchronie in Deutschland.

Weitere Literatur über Kontrafaktik/Alternativgeschichten: Johannes Dillinger: Uchronie. Ungeschehene Geschichte von der Antike bis zum Steampunk (2015); Emmanuel Carrière: Kleopatras Nase. Kleine Geschichte der Uchronie; Uwe Durst: Drei grundlegende Verfremdungstypen der historischen Sequenz, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte DVjs, 2/2009, S. 337-358; Kai Brodersen (Hg.): Virtuelle Antike; Michael Salewski (Hg.): Was wäre wenn?; Benedetto Croce: Die Geschichte als Gedanke und Tat; Alexander Batzke: Was wäre gewesen, wenn…?; Hans-Peter Peschke: Was wäre wenn. Alternative Geschichte (2014); Hugh Trevor-Roper: Die verschollenen Krisenmomente der Geschichte; Jörg Helbig: Der parahistorische Roman. Ein literaturhistorischer und gattungstypologischer Beitrag zur Allotopieforschung; Magisterarbeit zum Thema von Hermann Ritter

Diskussionsforen und andere IT-Auftritte betreffend alternative/kontrafaktische Geschichte, auf Englisch: www.changingthetimes.net (todayinah.co.uk), alternatehistory.netuchronia.net

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Die Verschlüsselung der deutschen Enigma-Maschine wurde von den Alliierten (v.a. den Briten) im 2. Weltkrieg, 1940, geknackt, durch Fehler der Deutschen und kluge Köpfe (v.a Alan Turing) auf ihrer Seite – was NS-Deutschland nie bemerkte. Nach Einschätzung u.a. Eisenhowers war die Entschlüsselung des Codes entscheidend für den alliierten Sieg in dem Krieg, auch Churchill soll sich so geäussert haben. Andere sehen darin „nur“ eine Verkürzung des Krieges. Im Luftkrieg um England und im U-Boot-Krieg im Atlantik wirkte sich die Entschlüsselung entscheidend aus. Nach dem Krieg wurde die Maschine von den Alliierten in die „3. Welt“ verscherbelt um dort „mitlesen“ zu können. Ein geschichtsfiktives Szenario für den 2. WK ohne Entschlüsselung bietet sich also an

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