Des Weissen Mannes Bürde

Die Europäisierung der Welt begann in der frühen Neuzeit, mit den Entdeckungen und den darauf folgenden Eroberungen. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war so um 1900 erreicht. Die Entkolonialisierung setzte nach dem 2. Weltkrieg ein, oft nur, um vom Neokolonialismus (wirtschaftliche u.a. Abhängigkeit/Einflussnahme danach) ersetzt zu werden, bestes Beispiel ist die DR Kongo. Die Etablierung der weissen Weltherrschaft (z.T. verbunden mit einer Verbreitung des Christentums, wie auch des Kapitalismus’), dann auch die Aufrechterhaltung, war sehr gewaltsam, verbunden mit “ethnischen Säuberungen”, Völkermorden, Sklaverei,…

Die Opiumkriege gegen China waren ein Höhepunkt des britischen Imperialismus. Mit der Unabhängigkeit der angelsächsischen/anglokeltischen Kolonien in Nordamerika und Ozeanien von Grossbritannien entstand sowas wie ein “Westen”, dessen Zentren nicht nur auf Europa beschränkt sind und der die Welt führte. Der 1. Weltkrieg brachte ein mehr oder weniger gemeinsames Auftreten dieser Führungsmächte und bewirkte eine Machtverschiebung von Grossbritannien zur USA. Spätestens nach dem 2. Weltkrieg war Osteuropa von diesem Westen abgetrennt. Beide Weltkriege waren Kriege der europäischen Mächte sowie ihrer Ableger untereinander, nur Japan und das Osmanische Reich waren mit Eigeninteressen erheblich involvierte “Nicht-Weisse”. Auch der Kalte Krieg war ein “weisser” Konflikt. Die Vorherrschaft basiert(e) auf Ausbeutung, zumindest dem Ausschluss, Nicht-Weisser.

Europa und die von ihm errichteten “Aussenposten” (der “Westen”) sehen sich global als Vorbilder für Demokratie und behaupten gerne, dass westliche Werte universelle bzw. universalisierbar sind. Verachtung für und Ausbeutung von Anderen („Farbige“, „Naturvölker“,…) werden vom „fortschrittlichen“ Westen seit jeher mit deren „Rückschrittlichkeit“ gerechtfertigt, als deren „Rettung“ verstanden, so auch Gräuel des Kolonialismus. Westliche Imperialisten begründen ihr Wirken meist “humanistisch” – das war auch bei der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 schon so, die Aufteilung Afrikas diene der Zivilisation, dem freien Handel, den Afrikanern,… Im gegenwärtigen Diskurs müssen Moslems (bzw., was darunter verstanden wird) dorthin kommen, wo der Westen jetzt ist, dies sei die einzige Möglichkeit, ihren “Rückstand” aufzuholen.

Der USA wird trotz Völkermord an den „Indianern“ oder Sklaverei von Afro-Amerikanern ein ununterbrochen demokratischer Charakter zugebilligt, als Paradebeispiel westlicher Demokratie. Ein grosser Teil der Gründerväter der USA – Führer der Unabhängigkeitsbewegung der britischen Siedler gegen das Mutterland und erste Führer der USA – waren Sklavenhalter, und jene, die keine waren, waren das deshalb nicht, weil sie keine Plantagen hatten, in anderen Berufen waren; Thomas Jefferson hielt zB Sklaven auf seiner Tabak-Plantage in Virginia. Der Westen wird gerne als jene Staaten definiert, die Demokratie entwickelten, aufrecht erhielten; bei den europäischen Ablegern geschah das aber lange über Ausschluss des nicht-weissen Teils der Regierten.

Das Konzept des „Westens“ beinhaltete entgegen seiner protzenden Eigendefinitionen immer Vorherrschaft über andere und manchmal wird es auch explizit so definiert (auch rassisch). Indem ein Selbstverständnis als Hort von Fortschritt und Vernunft kultiviert wird, werden Irrationalität, Stagnation und dergleichen an das nicht-weisse „Andere“ veräussert. Der Westen im Allgemeinen und die USA im Besonderen haben nicht universalistische Werte der Aufklärung anderswo gefördert, selten irgendwo Demokratie gestärkt, im Gegenteil. In Wirklichkeit hat die Welt für die westliche(n) Entwicklung bzw. Werte bezahlt. Die „weisse“ Fortschritts- und Wachstumsideologie hat auch auf die Natur nicht mehr zu ignorierende Folgen. Der aus Indien stammende und in den USA lehrende Dipesh Chakrabarty fordert eine komplexe Geschichte der Moderne, die ihre eigenen repressiven Fundamente und Ausschliessungsmechanismen mitdenkt, nicht nur ihr emanzipatorisches Potential.

Die europäische Kolonialisierung bedeutete so etwas wie einen ersten Globalisierungsschub (Beginn einer Weltwirtschaft). Die Globalisierung im eigentlichen Sinn wurde nach dem 2. Weltkrieg v.a. durch die WTO vorangetrieben, setzte sich nach dem Ende der kommunistischen Systeme in Osteuropa voll durch und bedeutet in letzter Instanz die wirtschaftliche Vorherrschaft der USA. Ein System für Viele das wenige kontrollieren, eine global unsoziale Wirtschaftspolitik. Der Dritte Welt – Begriff (und – Diskurs) entstand auch nach dem 2. Weltkrieg, mit der Entkolonialisierung. Entwicklungshilfe ist gewissermaßen die Krankheit, deren Therapie sie zu sein vorgibt, in Afrika und anderswo: Europa, der Westen, hilft und fördert gleichzeitig Unterentwicklung und Armut, etwa indem EU-Agrarprodukte auf afrikanische Märkte geworfen werden (wo sie billiger als lokale Produkte sind), umgekehrt gibts keine Öffnung eigener Märkte für afrikanische Produkte. Vom Westen investiertes Geld wird oft für Projekte, die „eigene“ Firmen abwickeln oder die eigener Wirtschaft helfen, verwendet. Westliche Hilfe stabilisiert, willentlich oder nicht, korrupte Regime und bringt sie in Abhängigkeit. Die Herstellung von Abhängigkeit und die Destabilisierung demokratischer Herrscher in postkolonialer Zeit ist nicht immer so deutlich wie im Fall Kongo. Entwicklungshilfe-Kritikerin Dambisa Moyo aus Zambia schrieb dazu das Buch “Dead Aid: Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert und was Afrika besser machen kann”.

Natürlich gibt es eine Eigenverantwortung, Nelson Mandela hat diese 1997 bei einem Staatsbesuch in Zimbabwe so formuliert: “Für Afrika ist es an der Zeit, die volle Verantwortung für all seine Schwierigkeiten zu übernehmen.” Ob China in Afrika ohne Bevormundung investiert, ist noch nicht abschliessend zu beantworten, aber, wie Südafrikas heutiger Präsident Jacob Zuma 2006 zum “Spiegel” sagte, China hat sich kaum jemals in Afrika eingemischt und sobald es dort Geschäfte macht, kommt Europa, das den Kontinent einst unter sich aufteilte, mit “Menschenrechts-Bedenken”. Das Thema 3. Welt/Entwicklungs“hilfe“ ist auch eng verbunden mit der Bewertung kolonialer Vergangenheit und der westlichen/weissen Vorherrschaft (bzw. dem Anspruch darauf) in der Gegenwart. Europa kann tatsächlich nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, die kommen wollen, es könnte das Problem an der Wurzel bearbeiten. Den Süden/die 3. Welt ausbeuten/entmündigen, dann Entwicklungshilfe leisten ist genau das Verkehrte. Unter den Flüchtlingen aus dem Senegal sind etwa viele Fischer, deren Lebensgrundlage durch internationale Fangflotten vor den Küsten des Landes entzogen wurde (auch durch den gestiegenen Meeresspiegel infolge der Klimaerwärmung). So gesehen “Wirtschaftsflüchtlinge”.

Von der Betrachtung der antiken Perserkriege mit den Griechen hinauf zu Montesquieu und seinem „orientalischen Despotismus“, Hegels Geschreibe vom „asiatischen Prinzip“, über Marx, Herzl, gibts eine uralte Tradition eurozentrischer Feind- und Angstbilder bzw. Überlegenheitsauffassungen. Edward Said formulierte in seinem 1978 erschienenen Werk “Orientalismus” Kritik am eurozentrischen, westlichen Blick auf den Orient, wozu nicht nur die islamisch geprägten Gesellschaften in West-Asien und Nord-Afrika zählten, sondern etwa auch Indien, als einen Stil des Herrschaftsanspruchs über diese Regionen. Dieses Denken drücke sich in einem Überlegenheitsgefühl gegenüber dem “Orient” aus, der dem „aufgeklärten Westen“ als ewig rückständig (und unveränderlich) gegenüberstehe. Said wies darauf hin, dass die moderne Konfrontation zwischen “Westen” und “Orient” mit der französischen Invasion unter Napoleon in Ägypten begann. Dass Europäer das „Licht der Zivilisation“ überall hin gebracht hätten, ist Ausdruck vom kolonialistischen Rassismus, dessen Geist in den Faschismus Eingang fand.

Die Auffassung von dem europäischen Weg als Ideal/Modell wird von nicht Wenigen in der 2./3. Welt geteilt, ein Teil der Eliten in aussereuropäischen Staaten stützt das noch immer ziemlich weisse globale System. Peinlich ist’s, wenn die vollzogene Annahme von „westlichen Werten“ etwas Unangenehmes über den Westen aussagt. Der Westen, die USA, spielen eine Liberalität vor, die sie nicht haben. Japan begann im 19. Jahrhundert eine totale Verwestlichung, nachdem es im Begriff war, vom Westen unterworfen zu werden. Dies führte zum Versuch der Unterwerfung seiner Region (Ostasien, Teile Ozeaniens), zum Bündnis mit NS-Deutschland und Pearl Harbor.

In Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum hat die Zugehörigkeit zum und das Bekenntnis zum Westen nochmal eine andere Bedeutung. Nach 1938 kam hier der Sprachgebrauch des „demokratischen Westens“ auf bzw. die Vorstellungen von den Westmächten als Gegensatz zu den nicht-demokratischen Staaten Mittel- und Osteuropas. Der Westen quasi als Alternative zum NS und Totalitarismus überhaupt. Eine bequeme Verschiebung, zumal auch Amerikaner auf NS-Errungenschaften wie Gehlens Unterlagen zur Sowjetunion bauten und es vorkam, dass deutsche Kriegsgefangene im bzw. nach dem 2. Weltkrieg mit weissen amerikanischen Soldaten aßen, während die schwarzen draussen sitzen mussten.

NS-Deutsche Kriegsgefangene wurden, etwa in Fort Hunt, auch anders behandelt als gefangene Terrorverdächtige heutzutage; manche, wie von Braun, durften ihre Arbeit dann auch dort fortsetzen. Für Deutschland spielt(e) es auch keine Rolle, dass Schwarze in den US-Südstaaten auch nach der Befreiung Europas von Hitler in den Bussen hinten sitzen und sich ihr Wahlrecht erkämpfen mussten. Dass Churchill und Eisenhower mithalfen, Europa von seinem Faschismus zu befreien, ändert nichts an ihren Verbrechen gegenüber Nicht-Weissen, wie im Fall Iran 1953. Wie auch Stalins Beitrag dazu nicht an seinen. Berlin wurde für die USA „über Nacht“ von Zentrum des Bösen zur Frontstadt der „freien Welt“ (für manche in Deutschland wandelte sich das USA-Bild ebenso schnell), islamistischen Akteuren in Afghanistan ging es, wie auch dem irakischen Baath-Regime, umgekehrt.

George Wallace, der langjährige Gouverneur des USA-Bundesstaats Alabama, der noch in den 1970ern Wahlen mit Rassentrennungspolitik gewann, hat im Zweiten Weltkrieg Kampfeinsätze über Japan geflogen. Hippies, die ihm während seiner Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 1968 (wo er fünf Bundesstaaten gewann, 10 Millionen Stimmen bekam) vorwarfen, ein Nazi zu sein, antwortete er: „Ich habe schon Faschisten getötet, als ihr Punks noch in den Windeln lagt.“ Das ist aber keine Entlastung für Wallace sondern bestätigt den Charakter des amerikanischen Engagements im 2. WK, Faschisten wurden nicht wegen ihrer Rassenpolitik bekämpft sondern aus Machtinteressen. Wallace bekam im Wahlkampf 68 auch nicht nur Unterstützung von offen rassistischen Gruppen (wie der “White Citizens’ Councils”) sondern auch von Neo-Nazi-Gruppen wie der “Liberty Lobby”.

Der Bau und die Kontrolle der intermarinen Kanäle, der Welthandel sowieso, auch die Erschliessung des antiken Erbes diverser Kulturen und Regionen, geschah hauptsächlich durch „Weisse“, v.a. im 19. Jahrhundert. Die Umstände des Baus und Betriebs der Kanäle zwischen Atlantik und Pazifik (durch Panama) und zwischen Mittelmeer und Rotem Meer (durch Ägypten) zeigen mehr als 100 Jahre skrupelloser westlicher Bevormundung auf. Im Fall Ägyptens gipfelten sie im Krieg und der Besetzung durch eine Allianz aus Grossbritannien, Frankreich und Israel 1956. Vor jenem in Panama wurde in Nicaragua ein Kanal geplant, in den 1820ern zunächst von der Zentralamerikanischen Konföderation, zu der Nicaragua damals gehörte. Das Land ersuchte in USA und Europa um Hilfe, bekam sie aber nicht. Stattdessen einigten sich die Amerikaner 1850 mit Grossbritannien im Clayton-Bulwer-Vertrag, in dem sie sich gemeinsam das Recht auf den Bau eines interozeanischen Kanals durch Nicaragua einräumten – ohne Nicaragua irgendwie miteinzubeziehen… Acht Jahre später beauftragten die Nicaraguaner den Franzosen Félix Belly mit dem Kanalbau. Die US-Regierung schickte daraufhin Kanonenboote an die beiden Küsten Nicaraguas und erzwang einen Vertrag zu ihren Gunsten.

Doch die favorisierte Investorengruppe bevorzugte den Kanalbau durch Panama. Die USA erzwangen 1903 die Abtrennung Panamas von Kolumbien (wo ein erster französischer Bauversuch gescheitert war), um gleich alle “Widerstände” aus dem Weg zu räumen. Nachdem der nicaraguanische Präsident José Santos Zelaya Verhandlungen mit der deutschen und japanischen Regierung über den Bau des interozeanischen Kanals unter nicaraguanischer Souveränität aufgenommen hatte (der eine Konkurrenz zu dem amerikanischen durch Panama gewesen wäre), zwangen die USA 1909 Zelaya durch einen Militäraufstand, hinter dem US-Marines standen, zum Rücktritt. Den Panama-Kanal kontrollierten die USA fast ein Jahrhundert (ein Verdienst von Carter, die Rückgabe eingefädelt zu haben). Solche Bevormundungen werden heute gerne mit der Gefahr des Islamismus begründet, zu Zeiten des Kalten Kriegs mit der des Kommunismus (die rooi gevaar, von der das südafrikanische Apartheid-Regime sprach, war auch eine Art Code für die swart gevaar, die man damit meist meinte). Siehe dazu auch jene Kommentare, wonach mit Obamas Wahl das Abendland untergegangen ist.

Obamas Sieg bei der US-amerikanischen Präsidentenwahl 08 wird manchmal als Anzeichen einer welthistorischen Veränderung gesehen. Eine rassistische Komponente ist in vielen Kritiken an ihm zumindest unterschwellig dabei. Nicht nur bei den Behauptungen, er sei verkappter Moslem oder in Indonesien geboren. Obama selbst übte Appeasement gegenüber den Vertretern des Anspruchs der Führungsrolle des Westens in der Weltpolitik; während seines Staatsbesuchs in Grossbritannien untermauerte er (in einer Rede vor beiden Parlaments-Kammern) vordergründig diesen Anspruch während er das Aufstreben von China oder Indien damit zu versöhnen versuchte. Im Präsidentschafts-Wahlkampf 12 hatte sein Konkurrent Romney bei einem Besuch in London geklagt, dass die jetzigen Bewohner des Weissen Hauses das “angelsächsische Erbe”, welches USA und GB verbände, nicht genug würdigen würden.

Im eurozentrischen Selbstbild beginnt spätestens mit der Aufklärung eine Erfolgsgeschichte – die dort meist auch eine der Entwicklung hin zu einer Überlegenheit gegenüber anderen ist. Dabei begann in diesem Zeitalter erst die Unterwerfung Afrikas so richtig, die Vollendung der Europäisierung der Welt, die Rassentheorien, der Nationalismus,… Der trinidad-tobagische Marxist C. L. R. James wies in seinem Buch “The Black Jacobins” (1938) darauf hin, dass der Sklavenaufstand unter Toussaint L‘Ouverture auf Santo Domingo/Haiti nicht als Resultat der Aufklärung eingeordnet werde (von der Louverture beeinflusst war), obwohl (oder: weil) hier Auswirkungen der Französischen Revolution die Abschaffung der Sklaverei von Nicht-Europäern berührten. Immanuel Kant, Philosoph der Aufklärung, war auch einer jener, für die mit der Unterscheidung von Rassen eine Über- bzw. Unterordnung verbunden war, an der Spitze der Vernunftbegabten standen die weißen Europäer. „In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen… Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“

Samuel Huntington hat Südamerika und Osteuropa klar von seiner Definition des “westlichen Kulturkreises” ausgeschlossen, auch bei den katholischen Ländern Europas tat er sich schon schwer. Bei ihm gabs auch isolationistische Ansätze; Israel, Japan, Russland sollten “fallengelassen” werden da „fremde Kulturen“. Das “westliche Modell”, sagte er klar, sei nicht für alle geeignet. Er sah auch eine kommende sino-islamische Weltverschwörung. Während andere versuch(t)en, etwa den Zorn der kubanischen Auswanderer in Florida gegen die Castro-Regierung zu instrumentalisieren, aus ihrer Präsenz einen Charakter der USA als toleranter Hafen für Verfolgte abzuleiten, oder sie den in der Regel ärmeren und farbigeren mexikanischen Einwanderern im Südwesten der USA positiv gegenüberzustellen, sah er in ihnen schlicht eine schlecht integrierte Minderheit, eine Gefährdung für die angelsächsische USA. Lateinamerika war mit der europäischen Moderne durch die Entdeckungen und Eroberungen von Anfang an engstens verknüpft.

Fehl-Entwicklungen und der “Abstand” zum Westen dort sind aus eurozentrischer Perspektive meist auf eine den südlichen Gefilden bzw. den Nicht-Weissen (manchmal auch den Romanen…) innewohnende Rückständigkeit zurückzuführen und nicht auf eigene „Interventionen“. Jean Ziegler brachte „Der Hass auf den Westen“ heraus, u.a. über das Indio-Revival in Lateinamerika. Er gehört zu den “selbstkritischen” (bzw. wahrhaftig universalistischen) Stimmen im Westen, die aussereuropäische Stimmen als gleichberechtigt im Diskurs ansehen und nicht zu unpolitisch-abstrakt sind.

Der Brite Rudyard Kipling, Literaturnobelpreisträger 1907, schrieb um die Jahrhundertwende, zum Höhepunkt des westlichen Imperialismus’, das Gedicht „The White Man’s Burden“ (Des weissen Mannes Bürde). Anlass war der Spanisch-Amerikanische Krieg, der dazu führte, dass die USA die Herrschaft (u.a.) über Kuba, die Philippinen und Puerto Rico übernahmen, nachdem sie die Unterdrückung der dortigen Einheimischen unter den Spaniern angeprangert und zum Vorwand genommen hatten sowie sich die Unabhängigkeitsbewegungen zunutze gemacht hatten. Kipling feierte in dem Gedicht den amerikanischen Sieg, beschrieb die Philippinos als halb Wilde, halb Kinder. Ob er wenigstens die Spanier als ebenbürtige “Weisse” akzeptierte, ist fraglich (andere haben da schon mit Russen ihre Probleme).

Auch deutet er Kolonialisierung als humanitären Akt um, forderte eine weitere Expansion der USA (wiederum als “Befreiung”), “Licht” in den “dunklen Orient”, schrieb von “Undankbarkeit der Befreiten”, einer Mission der “Weissen”. Aktuelle Imperialismus-Rechtfertigungen sind nicht so weit von Kipling entfernt… Pankaj Mishra tritt der bis heute währenden Apologetik des Gedichts entgegen, bezeichnete es als “weinerische Rechtfertigung von von Überheblichkeit geprägter Ungerechtigkeit”. Henry Labouchère, ein (weisser) Brite hugenottischer Herkunft ist unter jenen, die Kiplings “Gedicht” aufs Korn nahmen (“The Brown Man’s Burden”).

Der britische Historiker Andrew Roberts verteidigt alle Grausamkeiten britischer Herrschaft irgendwo: das Massaker von Amritsar in Indien, die Konzentrationslager für Buren im Südafrikanischen Krieg, Masseninternierungen in Irland. Er steht der Konservativen Partei, anscheinend aber auch der National Front, nahe. Er machte von Anfang an bei Aznars “Freunde Israels”-Initiative mit und ist gerngesehener Gast im “Springbok Club”, einer Apartheid-nostalgischen Vereinigung von weissen Auswanderern aus dem südlichen Afrika. Die Apartheid in der Republik Südafrika verteidigt er dann doch nicht, dabei ging es auch nicht nur um weisse Vorherrschaft, sondern auch um jene der Buren/Afrikaaner gegenüber den englischsprachigen Weissen. Er sagte, dass der Irak-Krieg 2003 von den Englisch-sprachigen als ein “existenzieller Krieg um das Überleben ihrer Lebensart” gekämpft werde (schob dabei auch Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen vor) und dass “dieser Kampf gegen den Islamofaschismus” der 4. Weltkrieg sei (der Kalte Krieg als der 3.), in dem sich die “Englischsprachigen an vorderster Front zur Verteidigung der Zivilisation” befänden.

Bush, hofft Roberts, werde eines Tages “gerechter” beurteilt werden. Einen solchen „4. Weltkrieg“ (dessen Beginn in der Zeit der Welt-„Alleinherrschaft“ der USA nach Ende des Kalten Kriegs anzusetzen wäre) sieht auch N. Podhoretz, einer der radikalsten Neokonservativen, bzw., er sehnt ihn herbei. US-Politologe Benjamin Barber sah Anfang der 1990er auch einen Konflikt USA-Islam kommen, der bei ihm Teil eines grösseren zwischen Westen und 2./3. Welt ist; bei ihm ist aber eine gewisse Seriosität zu erkennen und nicht nur politische Polemik, durchdrungen von der Befangenheit des Autors. „Islam“ ist oftmals Platzhalter/Sündenbock für eigentlich gemeinte andere „Ärgernisse“, ob andere Zuwanderer oder aufstrebende Mittelmächte des Südens; “Islamkritik” dient gerne der Stigmatisierung des “gefährlichen Orientalen”. Rückständigkeit, oft in Form von “Judenhass”, wird Leuten aus moslemischen Kulturkreisen als “systemimmanent” unterstellt.

Was USA vorgibt zu wollen, die globale Verbreitung von liberaler Demokratie und industrieller Marktwirtschaft (Fukuyama nannte das Gelingen dessen das „Ende der Geschichte“) würde ihr (und dem Westen allgemein) die Führungsrolle sowie die Möglichkeit zur Ausbeutung rauben, welche sich durch Unordnung und Unruhe anderswo, Ungleichheit, ergibt. Und, die Politik der USA hat oft genug klar gemacht, dass sie an einer wirklichen Ausbreitung von Demokratie und Wohlstand nicht interessiert ist, dabei zu verlieren hätte. Die USA liessen Initiativen scheitern, die dem Geist des Freihandels entsprachen, aber ihrer Ausbeutungspraxis zuwiderliefen, wie jene von Honduras unter Zelaya, als es Rechte für Ölbohrungen ausschrieb um das Oligipol internationaler Ölriesen wie “Chevron” und “Shell” zu brechen.

Mobutu, Hussein, Pinochet, Franco, die al Sauds (die noch immer) sind nur einige jener Herrscher die von den USA im Kalten Krieg gegen “ihre” Völker gestützt und z.T. an die Macht gebracht wurden. Oder Ferdinand Marcos. “We stand with the Philippines,” sagte der ältere Bush, damals Vizepräsident, bei einem Staatsbesuch dort 1981. “We love your adherence to democratic principles and democratic processes. We will not leave you in isolation.” 1986 schickte die Reagan-Regierung dem gestürzten Diktator einen Hubschrauber um ihn vom belagerten Präsidentenpalast nach Hawaii auszufliegen, wo er 1989 starb. Oder: Obwohl die USA die damals herrschende Militärdiktatur Argentiniens unterstützte, im Malvinas-/Falklands-Krieg 1982 schlug sie sich auf die Seite Grossbritanniens, sobald es ernst wurde – was viel über den eigentlichen Geist der Monroe-Doktrin aussagt, gegen die die britische Intervention ja verstiess…

Nach dem Ende des Kalten Kriegs kam die Welt-Vorherrschaft der USA erst zu einem Höhepunkt; unter Bush jun. verstärkte sie nach dem 11. 9. 01 im Kampf gegen islamistischen Terrorismus Unilateralismus, Interventionismus, Allmachtstreben, Neo-Imperialismus. Nun mehren sich Anzeichen für eine Überdehnung (overstretch), die einen Abstieg einleitet, einen Verlust der (alleinigen) Weltmachtstellung, die Entstehung eines neuen Machtsystems, ein endgültiges Ende der Nachkriegsordnung. Die „Zeit“ brachte nach dem 2. Obama-Wahlsieg eine Titelgeschichte über das „Ende der Vorherrschaft des weissen Mannes“, in den USA und global. Etwa Mitte der 00er-Jahre wurde spürbar dass sich die USA als noch einzige Weltmacht künftig auf eine neue Rolle einstellen müssen. Emmanuel Todd brachte 2002 “Weltmacht USA. Ein Nachruf” heraus. Die USA, so Todd, schöpft den Reichtum anderer Länder ohne Gegenleistungen ab. Andere als gleich anzusehen würde deren Ausbeutung ausschliessen; die USA kennen verschiedene Formen der Machtausübung über andere. Die nicht-weissen Regionen Lateinamerika, Asien, Afrika werden von ihnen am schlechtesten behandelt. Länder wie Deutschland und Japan müssen für Unterkunft und Verpflegung der amerikanischen Truppen in ihren Ländern aufkommen. Auch in den USA sind nicht alle Bürger gleich. Wenn die USA einen Universalismus vertritt, so Todt, dann einen angelsächsischen Universalismus, in den z. Zt. Juden eingeschlossen sind. Der vorgebliche Universalismus war nur eine Propaganda gegen die Sowjetunion z. Zt. des Kalten Kriegs.

Ein Merkmal der Weltreiche, schrieb Todd, ist es dass Eroberer und Eroberte im selben Reich leben. Rom gewährte immer mehr Unterworfenen die Bürgerrechte, irgendwann gingen unter ihnen auch Kaiser hervor. Entgegen Todds Ausführungen begann die Expansion der USA aber spätestens mit dem Krieg gegen Mexiko Mitte des 19. Jahrhunderts. Huntington habe wie der „Gegenpol“ Khomeini an den Kampf der Kulturen geglaubt. Das Thema Umwelt streift er nur kurz, dafür bringt er ausführliche anthropologische und soziologische Erklärungen, z.B. über den Einfluss von Familienstrukturen oder Alphabetisierung auf politische Prozesse. Der gegenwärtige Islamismus sei Teil eines Prozesses, vor einer Stabilisierung, eine Übergangskrise. Im Buch das er mit Youssef Courbage verfasste, “Die unaufhaltsame Revolution”, gehts um den (kommenden) demografischen Niedergang in der islamischen Welt und die Alphabetisierung von Frauen dort, als Symptom wie Ursache eines breiten Wandels (er zeigt einen Zusammenhang zwischen Bildung, Rückgang von Geburtenzahlen und politischer Modernisierung auf). Die Aufstände im Iran und arabischen Ländern ab 2009 waren möglicherweise ein Anzeichen bzw. ein Beginn einer solchen Entwicklung.

Niall Ferguson ist nicht gerade ein linksliberaler Historiker, und auch kein unpolitischer. Der Hirsi-Ali-Partner, eigentlich ein Wirtschaftshistoriker (ausgebildet in Oxford, z. Zt. in Harvard), unterstützte Bush und den Irak-Krieg (der den Menschen dort Gutes brächte), verteidigt den britischen Imperialismus bzw. versucht ihn zu rehabilitieren, ist gegen europäische Selbstkritik in Bezug auf Kolonialismus, glaubt an eine „Islamisierung Europas“, ist gleichzeitig gegen Säkularismus, behauptet dass der Westen mehr „importiert“ als “exportiert”, schwingt gerade die Werbekeule für einen („Präventiv“-)krieg gegen Iran (u.a. in „Die Welt“), hat das „Eurabia“-Konzept begeistert angenommen. Betet also die Mantras des Neo-Konservativismus nach (oder vor?), mit all ihren Widersprüchen – dazu gehört zum Beispiel die frühere westliche Unterstützung für das Baath-Regime im Irak oder die Mujahedin in Afghanistan; auch, dass die Bush-Kriege dort mit zum Niedergang der USA geführt haben.

Der Schotte (er dürfte eher kein Unabhängigkeits-Befürworter sein) befürwortet ein neues amerikanisches Imperium, in „Colossus. The Rise and Fall of the American Empire” (dt. 2004: Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht) tritt er für die Notwendigkeit eines “globalen Hegemons“ ein. Dennoch (oder anders herum: aufgrund dieses Befunds kommt er vielleicht zu seinem Bekenntnis), für Foreign Affairs 2/2010 schrieb er einen Artikel über den Niedergang der USA: “…From ancient Rome to the Soviet Union, history suggests that great powers fall swiftly and without warning…fiscal deficits and military overstretch are evidence that the United States could be the next empire to fall.”

Steht also ein Niedergang der weissen, westlichen Welt-Hegemonie bevor, bzw. ein spürbarer Machtverlust? Von 7 Milliarden Menschen sind nur 1 Milliarde “Weisse”. Was ist die Alternative zu amerikanischer/weisser Weltherrschaft? Rassisch gemischte Schwellen-Staaten wie Brasilien und Südafrika, die endlich eine gewisse Stabilität gefunden haben, könnten Gewicht bekommen. Der Aufstieg Chinas und Indiens ist auch nicht mehr zu übersehen. Auch Russlands Einfluss dürfte wieder deutlich zunehmen, wobei das Land auch vom Klimawandel profitieren könnte. Eine Studie von zwei einflussreichen US-Thinktanks riet kürzlich den USA und seinen Alliierten, gezielt um vier Staaten zu werben, um die eigene weltweite Vormachtachtstellung in Politik, Militär und Wirtschaft zu halten: Diese „globalen Swing-States“ sind Brasilien, Indien, Indonesien und die Türkei. Der Neocon R. Kagan (McCain-Anhänger,…) hat in einem Buch über über seine Sicht der Weltlage Russland, China, Indien als (kommende) Feinde/Konkurrenten des Westens ausgemacht und erst an 4. Stelle den Islam(ismus) mit dem Iran an der Spitze.

Das 1944 von den Alliierten des 2. Weltkriegs beschlossene Währungsordnungs-System von Bretton Woods und die darauf basierenden Institutionen IWF und Weltbank sind Werkzeuge der westlichen Vorherrschaft über Lateinamerika, Afrika, Asien. Die Weltwirtschaftskrise ab 2007, die die globale Finanzkrise und die Schuldenkrise der USA und von Teilen Europas (Eurokrise) umfasst, bedroht ebenfalls die bestehende, westlich dominierte Weltordnung, bringt auch ein Ideal ins Wanken. Die „linke“ Erklärung der Krisen sieht die Banken mit ihrem Streben nach Gewinnmaximierung als Schuldige, die noch dazu ungestraft davonkämen. In der „rechten“ Erklärung sind die Regierungen verantwortlich, die zu sehr in die Märkte eingriffen, Rettungspakete und Sozialprogramme schnürten, die das Haushaltsdefizit weiter ausufern liessen.

Die Krise brachte schon eine wirtschaftliche Machtverschiebung zugunsten von Schwellenländern wie China. Von der chinesischen Regierung kam 2011 ein Hilfsangebot an die USA und Europa bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise… Bis 2020, schätzt das Centre for Economics and Business Research in London, werden Indien und Russland gemeinsam mit China und Brasilien in den Rang der sieben grössten Wirtschaftsnationen, den G-7, aufrücken. Niall Ferguson: „Für den größten Teil der 500 Jahre waren es die westlichen Staaten auf beiden Seiten des Atlantiks, die sagen konnten, dass sie das beste Wirtschaftssystem hatten, dass sie das beste politische System entwickelt hätten und so weiter.“ Diese Ansprüche klängen jedoch zunehmend hohler.

Peter Scholl-Latour schrieb „Die Angst des weissen Mannes“, gestaltete auch eine TV-Doku zum Thema. “Die Vorrangstellung des Westens ist zu Ende”, befindet er. In dem Buch stellt er auch die nicht unwesentliche Frage “Wer ist überhaupt ein Weisser?”. Der deutsch-französische Journalist und Autor mit jüdischem Einschlag kämpfte einst mit dem französischen Heer in Indochina. Er ist in mehrerer Hinsicht reaktionär, ist auch für die Aufrüstung Deutschlands mit Atomwaffen. Zum Arabischen Frühling sagt er einmal, es habe nie einen gegeben, Islamisten würden sich durchsetzen, die alten Regime wären besser gewesen. Er hat Recht wenn er sagt, “Es ist absurd dass der Westen Saudi-Arabien als Verbündeten betrachtet, mit Waffen unterstützt und zur Vormacht des Orients aufbaut, wo es das reaktionärste und intoleranteste Land der ganzen Region ist, dessen Regime nur mit dem der Taliban verglichen werden kann.“

Die indische Ethnologin Shalini Randeria versucht, die Welt konsequent aus einer nicht-europäischen Warte zu sehen. “Europa ist kein Hort des weltweit zu lernenden Guten. Wenn westliche Wissenschaft Begriffe wie Zivilgesellschaft, Gerechtigkeit oder Staat als universell gültig ansieht, verfehlt sie das Spezifische anderer Gesellschaften. Das Aufoktroyieren europäischer Werte, Normen und Ideen basiert auf einer langen imperialen und kolonialen Geschichte. Heute wird mancherorts sehr selektiv im großen Stil interveniert – aus humanitären oder militärischen Gründen und je nach geostrategischen Interessen.

Die Weltbank oder der IWF gestalten zum Beispiel Rechtssysteme und finanzielle Institutionen in Entwicklungsländern um. Kreditnehmerstaaten sind zwar freiwillige Mitglieder dieser Institutionen, haben aber kaum Einfluss auf die Politik des IWF, der WTO oder der Weltbank. Verkürzt könnte man die eurozentristische Sicht so formulieren: Wie im Westen so auf Erden. Paradox daran ist, dass man einerseits glaubt, dass der Westen universalisierbar sei, andererseits wird aber darauf beharrt, dass er auch einzigartig in seiner historischen Entwicklung ist. Meine Eltern haben beide nie einen Tempel betreten und sind überzeugte Atheisten.” Zusammen mit Andreas Eckert brachte sie “Vom Imperialismus zum Empire: Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung” heraus.

Der Inder Pankaj Mishra fordert westliches Narrativ und Hegemonie verbal heraus. Früher schrieb er Prosa, heute Reiseliteratur und historische Werke, allerdings oft verwoben mit philosophischen Fragen. Das erzählende Schreiben, ob literarisch oder historisch, lehrte er auch als Gastprofessor in den USA und Grossbritannien. Für “Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens” erhielt er auf der Leipziger Buchmesse kürzlich den Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2014. Weil er den Hindu-Nationalismus in Indien kritisiert, wird ihm von dieser Seite auch vorgeworfen, für ein weisses Publikum im Westen zu schreiben und “Islam-Verharmlosung” zu betreiben. Dabei übt der Hindu auch oft Islamkritik, grenzt die islamische Welt aber nicht aus. Der eigentliche Star der Leipziger Buchmesse, Yahya Hassan, ein palästinensisches Einwandererkind in Dänemark, attackiert sein Milieu, dies ist für manche leichter zu verdauen (so hat auch ein Palästinenser die Chance, ein “talentierter, junger Mann” zu sein, in den Augen des „Jyllands Posten“ und seiner Leser), ist bekömmlicher als Mishra, der den westlichen Imperialismus kritisiert und manche Dinge beim Namen nennt.

In seinem aktuellen Buch beginnt er mit der britischen Machtübernahme in China und Indien im 19. Jahrhundert. Er schildert auch, wie Asien die “Geheimnisse der westlichen Macht” wie neue Technologien, überlegene Informationsbeschaffung, Handelsvorzüge, moderne Ideen, aufnahm und gegen die westliche Welt wendet. Der Westen stecke mittlerweile tief in der Krise, und er tue gut daran, auf den Osten zu schauen, wo sich neue Perspektiven eröffnen könnten, meint er. Mishra kritisiert aber auch den auch in Asien längst vorherrschenden Nationalismus. “Menschen wie Rabindranath Tagore etwa pflegten Freundschaften mit Menschen in Kairo und Tokio und Shanghai, doch diese Zeit des Weltbürgertums wird heute durch die nationalistischen Historien unterdrückt”. Nachdem er eine Kritik von Niall Ferguson’s Buch “Civilisation: The West and the Rest” geschrieben hatte, drohte dieser, ihn zu verklagen.

Weitere Literaturhinweise zur Thematik: Johann Schelkshorn und Jameleddine Ben Abdeljelil brachten 2012 “Die Moderne im interkulturellen Diskurs. Perspektiven aus dem arabischen, lateinamerikanischen und europäischen Denken” heraus. Von Domenico Losurdo kam “Kampf um die Geschichte. Der historische Revisionismusund seine Mythen” heraus. Der westliche Sieg im Kalten Krieg, so der Wissenschaftler der Universität Urbino, brachte eine Revision in der Geschichtsbetrachtung (verstärkt durch 11/9/01), so etwa bei Hillgruber, die Erfindung eines “liberalen Westens” (Vereinnahmung von 1789) und eine Verdrängung der Verantwortung für Kolonialismus, Weltkriege, Faschismus. Und: Noam Chomsky und David Barsamian: Imperial Ambitions. Conversations on the Post-9/11 World (2005)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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