Die Aborigines Australiens

Die Vorfahren der Aborigines in Australien wie auch anderer Australoide haben Genanalysen zufolge Afrika früher verlassen als die aller anderen heute lebenden Menschen. Die „Aboriginals“ oder „Aborigines“, wie sie von den Briten getauft wurden, haben als Selbstbezeichnungen die Namen ihrer Untergruppen, etwa der Anangu, Koori, Noongar, Yorta Yorta. Sie werden zu den Melanesiern gerechnet, was aber eigentlich ebenfalls ein europäisches Konzept ist. Auf der australischen Inselgruppe gibt es neben ihnen an „Urvölkern“ noch die Torres Strait Islanders, auf der Inselgruppe von der sich ihr Name ableitet, im Nordosten (zu Queensland), sie sind Polynesier, wie die Maoris Neuseelands. Auf die europäischen Entdeckungen in der Region im 17. und 18. Jahrhundert (Niederländer, Briten) folgte die Landnahme im 18. und 19. Jahrhundert.

Das Muster der britischen Landnahme dort entspricht jenem des europäischen Siedlerkolonialismus‘ anderswo: Ausbreitung der Siedler, Besitzergreifung des Landes (im Fall Australiens entstanden anfangs hauptsächlich Straflager)1, Unterwerfung und Zurückdrängung der „Farbigen“/“Eingeborenen“, „Kampf“ um Nahrungsquellen und Wasser mit ihnen (auch das Foltern von Aborigines, damit sie Wasserquellen verraten), Unterwerfung dieser. Auch das, was Australien genannt wurde, wurde als terra nullius (Land, das niemandem gehört) bestimmt und ohne irgend eine Anerkennung der Rechte des Existenz der Einwohner kolonisiert. An der Küste gründeten die Briten Gross-Städte, dahinter (landeinwärts) findet die landwirtschaftliche Nutzung statt (Farmen), dahinter ist das Outback, das heisse und trockene Landesinnere. Dorthin wurden die Aborigines verdrängt; der Schwerpunkt des weissen Australien ist der Südosten (gemäßigtes Klima). Westliche Pracht und Reichtum hat sich immer auf Kosten Anderer entfaltet. Aborigines galten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht als Menschen, schon gar nicht als ebenbürtige.

1789 sollen die Briten mit ihrer ersten Flotte, die eine Niederlassung auf Australien (nahe dem späteren Sydney) errichtete, absichtlich Pocken gegen die Aborigines verbreitet haben, die Widerstand gegen ihre Verdrängung leisteten. Eine Pocken-Epidemie (evtl. auch Windpocken) hat in dem Jahr Tausende Aborigines getötet. Die britischen Soldaten von der Flotte hatten die nach Australien deportierten Sträflinge zu bewachen sowie die Siedlung gegen Aborigines, gegen die sie sich schwer taten. Waren die durch Krankheiten Getöteten also (teilweise) Opfer biologischer Kriegsführung? Ende des 18. Jahrhunderts, zur selben Zeit als die Briten den Südosten besiedelten, haben Seefahrer aus Makassa auf Sulawesi (unter niederländischer Kontrolle) an Australiens Nordküste vorübergehende Niederlassungen errichtet, sie werden auch der Einschleppung der Pocken verdächtigt; dann hätten sie sich aber quer über die Insel verbreiten müssen, wogegen einiges spricht.2

Pocken waren auch in Amerika jene Krankheit, die Indianer (die ebenfalls keine Resistenz dagegen hatten) am meisten dezimierten, Millionen von Toten brachte. Auch hier ist die Frage der Absicht (also des Einsatzes als biologische Waffe) gegeben. Briten könnten diese Kampfmethode auch schon in Nordamerika angewandt haben, etwa bei Fort Pitt im Grossen Seen-Gebiet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bereits festgehalten dass die Geschichte der Verbreitung der Krankheit in Liedern der Aborigines erzählt wurde. Henry Reynolds hat sich in „An Indelible Stain?“ mit der Pocken-Epidemie um Sydney befasst.

In der australischen Geschichtsschreibung hat sich für die Gewalt bei der Ausbreitung der Briten in Australien der Begriff „Grenzkriege“ (frontier wars) durchgesetzt. Auseinandersetzungen gab es z.B. im frühen 19. Jahrhundert mit dem Noongar-Stamm im Westen unter ihrem „Häuptling“ Yagan (er wurde dabei getötet, sein Kopf dann in London ausgestellt), 1824 in Bathurst in New South Wales (Südosten) mit den Wiradjuri, oder in Gippsland in Victoria (ebenfalls SO) 1840-1850. Die Grenzen zwischen Kämpfen und reinen Massakern (wie jenem vom Jänner 1838 an den Kamilaroi im SO) sind fliessend. Mindestens 20 000 Aborigines wurden allein bei dadurch getötet. Auch die aus Aborigines rekrutierte Native Police war daran beteiligt. Viele verloren auch durch eingeschleppte Krankheiten (v.a. Pocken) ihr Leben.

Oder durch Zerstörung von Lebensgrundlagen; Nutztiere wie Hasen wurden eingeschleppt (die sich aufgrund mangelnder natürlicher Feinde rasant vermehrten), während der Beutelwolf auf Tasmanien ausgerottet wurde. Auf Tasmanien sind auch die Aborigines ausgerottet, zumindest das ursprünglich dort lebende Volk, die Palawa. Wie auch die amerikanischen Indianer war die Unterwerfung der Aborigines Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts abgeschlossen, zu einer Zeit, als der westliche/weisse Imperialismus global am Höhepunkt stand; dazu gehörte auch die Errichtung von Reservaten (Protektoraten) und die Missionierung zum Christentum. Diese Unterwerfung bedeutete den Tod für ihre traditionelle Lebensweise (nomadisches Jägertum), die nur in Resten weiterlebt(e) und leitete eine Assimilation ein.

Gewalt und Widerstand liefen auf kleiner Flamme bis in die 1930er weiter. 1928 noch verübte die australische Polizei in Coniston im Northern Territory ungestraft ein Massaker an Anmatyerr Aborigines, das zwischen 30 und 100 Tote forderte, nachdem 2 Weisse in der Gegend angegriffen worden waren. Ein Überlebender des Massakers, Billy Stockman Tjapaltjarri, wurde später Teil der ersten Generation der Maler in Papunya.3 Die Massaker des späten 19. und des 20. Jahrhunderts fanden alle im Norden statt, wohin Weisse spät kamen, und der das letzte „Hoheitsgebiet“ der Aborigines war.4 Eine Parallele zu Nord-Amerika, wo sich nach dem Wounded Knee-Massaker von 1890 fast alle Gewalt im Südwesten zutrug, in Gebieten die zu Mexiko gehört hatten. Die Caledon Bay-Krise von 1932 bis 1934 im Arnhem Land (der Nord-Zipfel des Northern Territory) stellt einen Wendepunkt dar; nach gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Aborigines auf der einen Seite und japanischen Fischern und weissen Siedlern auf der anderen wurde eine geplante Strafexpedition abgeblasen und die Sache auf eine gerichtliche Ebene verlegt (die natürlich auch eine schiefe war).

Aborigines wurden auch im Outback und in Reservaten bedrängt, durch Erschliessung von Bodenschätzen, britische und australische Atomwaffentests, Deportationen/ Umsiedlungen, Formen von Zwangsarbeit, und Entführungen. Diese liefen bis Ende der 1960er, die Opfer, die gestohlenen Generationen, wurden in weissen Familien erzogen. Auch die „Protector of Aborigines„, die im 19./20. Jh. in den Teilstaaten existierten, offiziell zu ihrem Schutz spielten dabei eine unrühmliche Rolle (wie in Brasilien der „Indianerschutzdienst“ SPI). Das grossteils wüstenhafte Northern Territory wurde eine Art Rückzugsgebiet für die Aborigines, ist es bis heute. Mit der Assimilierung einer „Elite“ begann eine neue Phase des Widerstands gegen Diskriminierung und Entrechtung, mit den Worten und Mitteln der weissen Kultur. Anfang des 20. Jahrhundert wurden erste überregionale Aborigines-Organisationen gegründet.

Ein Aktivist war etwa der Schrifststeller David Unaipon vom Ngarrindjeri-Stamm, dessen Vater schon verwestlicht gewesen war (der Name anglisiert, der Presbyterianischen Kirche beigetreten). Die Infos über die gesetzlichen Grundlagen der Diskriminierung sind so versteckt wie diese selbst. Nicht auf Bundesebene (die mit der Vereinigung der britischen Kolonien in Australien 1901 geschaffen wurde), aber in den Teilstaaten existierten bis in die 1970er Apartheid-ähnliche Gesetze (Beschränkungen, Sondergesetze), die die Bürgerrechte der Aborigines einschränkten, wie den Erhalt der Staatsbürgerschaft (theoretisch waren sie mit der Einführung einer eigenen australischen 1949 dazu berechtigt), das Wahlrecht (das föderal geregelt war, die Diskriminierungen waren daher dort festgeschrieben), die Wahl des Wohnortes, die Wahl des Partners (in drei Teilstaaten bestanden zu verschiedenen Zeiten Beschränkungen von „Vermischungen“ mit Weissen). Vor allem in jenen Staaten/Territorien, in denen Aborigines noch relativ zahlreich waren, blieben diskriminierende Gesetze gegen sie aufrecht, etwa in Queensland bis 1965 das Wahlverbot.

Ein Wendepunkt war das australische Referendum von 1967, das mit grosser Zustimmung angenommen wurde; in dessen Folge bekamen die Aborigines erst die vollen Bürgerrechte bzw. die formale Gleichstellung. Formal handelte es sich um zwei Verfassungsänderungen in Bezug auf die Aborigines: das Verbot der Spezialgesetzgebung in Teilstaaten bei Ermöglichung dieser auf Bundesebene sowie die Inklusion von Aborigines bei Volkszählungen (von denen sie bis dahin ausgeschlossen waren). Während der zweite Punkt v.a. gesonderte Werte über die Aborigines in Gesundheits- oder Bildungsstatistiken brachte, bewirkte der erste eine Verschiebung der Aborigines-Materie auf die Bundesebene. Bundesgesetze auf Grundlage dieser Verfassungsänderung, welche die Lage der Ureinwohner verbesserten, wurden aber erst Mitte/Anfang der 1970er, unter der Labor-Regierung von Premier Gough Whitlam erlassen.

Whitlam setzte sich auch für die Abschaffung der Todesstrafe, die Schliessung der USA-Militärbasen im Land, ein loseres Verhältnis zu Grossbritannien, ein und beendete die „White Australia Policy“, die aus einer Reihe von Gesetzen bestand, die sich gegen nicht-weisse Einwanderung, v.a. gegen Ost-Asiaten, richtete. 1975, nach einer Kampagne der Murdoch-Presse und des CIA („Der Falke und der Schneemann“…), wurde er aus Anlass eines Streits um Geld mit dem Senat durch den Generalgouverneur abgesetzt. Er engagiert sich heute für die Umwandlung Australiens in eine Republik. Die unter Whitlams Regierung erlassenen Gesetze betrafen etwa die Abschaffung der in einigen Staaten für Aborigines bestehenden Verpflichtung, bei Bedarf ohne Bezahlung zu arbeiten, die Verschleppungen, Landrechte.

Jetzt erst konnten die Aborigines aus ihrer Untermenschen-Rolle heraus treten, wenngleich die Anwendung diskriminierender Praktiken (Bevormundung, Kontrolle, Benachteiligung) natürlich weit darüber hinaus läuft. Das Referendum kam in einer Zeit zunehmenden Selbstbewusstseins der Aborigines und der Solidarität eines Teils der australischen Gesellschaft. 1971 wurde mit Neville Bonner ein erster Aborigine Parlaments-Abgeordneter; 1971 wurde auch die Aborigines-Flagge von Harold Thomas geschaffen. Der Whitlam-Nachfolger Fraser änderte das wichtigste der neuen Gesetze zur Verbesserung der Lage der Aborigines, die Landrechte betreffende Aboriginal Land (Northern Territory) Bill, zu ihrem Nachteil ab. Unter Premier Howard (der auch gerne vom „jüdisch-christlichen Erbe“ sprach) wurde 1996 die 1967 errungene Bundes-Vollmacht für Aborigines-Angelegenheiten gegen sie ausgelegt, bei einem Bauvorhaben.

In der weissen Mehrheitsgesellschaft Australiens begann Ende der 1960er mit der Kritik des Anthropologen Stanner an der Ausblendung der Urbevölkerung in der Geschichtsschreibung eine Aufarbeitung. Es entstand ein Historikerstreit (History wars) um die Frage, inwiefern in der europäische Besiedlung Australiens Massaker und andere Scheußlichkeiten gegen die Aboriginals die Ausnahme waren oder die Regel. Dass ein Völkermord vorliegt, wird von den meisten in Abrede gestellt. „Neue Historiker“, u.a. Harry Reynolds, korrigierten aber in der Folge Auslassungen und Umschreibungen. Konservative Historiker, v.a. Keith Windschuttle (ein Ex-Linker, es gibt keine grösseren Reaktionäre als diese) in „The Fabrication of Aboriginal History“ und im Magazin „Quadrant“, attackierten diese Aufarbeitung. Windschuttle zweifelt Opferzahlen unter Aboriginals an, fordert „Beweise“ für Gewalttaten gegen sie ein, führt Massaker auf „Attacken von Aboriginals“ zurück (z.B. in Tasmanien) oder auch auf interne Streitigkeiten, Todesfälle auf Krankheiten, stellt Rassismus unter Weissen in Abrede, unterstellt ihnen (Für-)Sorge um Aborigines.

Andrew Bolt schreibt von „obszönen Behauptungen“ der neuen Historiker, behauptet, Entführte z.B. waren vernachlässigt worden. Geoff. Blainey kanzelte die Arbeit der neuen Historiker als Geschichtsschreibung mit „schwarzem Armband“ ab. Ken. Minogue konzentriert sich auf Deutung des Historikerstreits als Auseinandersetzung innerhalb der weissen australischen Gesellschaft. Der rechte australische Journalist Andrew Bolt hat oft mit dem Historiker Robert Manne über die gestohlenen Generationen gestritten, die er relativiert, aus „rein rassistischen Gründen“ habe es keine Entführungen bzw. Umsiedlungen in grösserem Maß gegeben. Aborigines nahmen an der Debatte nicht Teil weil ihre Wortführer ihre gegenwärtigen Probleme/Anliegen vom historischen Hintergrund trennen wollen. Windschuttle beschuldigt die Revisionisten der australischen Historiographie, eben diese Anliegen mit der Revision zu verfolgen. Die akademische löste eine politische Debatte aus.

Der Aktivist Michael Mansell, ein Mischling, aus Tasmanien, westlich ausgebildet, initiierte in den 1980ern eine Unabhängigkeits-Bewegung von Aborigines vom australischen Staat; mit-begründete 1990 die Aborigines Provisional Government, eine Art Gegenregierung für Australien), mit Sitz in Tasmanien. Die APG stellt eigene Pässe aus, die von Libyen unter Ghadaffi anerkannt wurden.5 Früher stellte der australische Staat eigene Pässe für Aborigines aus, in Western Australia bis 1963; früher liess man sie nicht Australier sein, nun werden jene, die das nimmer sein wollen, dafür verfolgt… Die Lenkung dessen, was die australische Regierung als „Aborigines-Angelegenheiten“ sieht, geschah lange über ein eigenes Ministerium (Department of Aboriginal Affairs), dann von 1990 bis 2005 über die Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC), nun durch das Office of Indigenous Policy Coordination, im Ministerium für Familien, Soziales und Indigene.

Heute machen die Ureinwohner 2,5 bis 3% der australischen Bevölkerung aus, Siedlungsschwerpunkt ist der Norden, im Northern Territory (NT) stellen Aborigines etwa ein Drittel der Bevölkerung. Das NT ist nicht zufällig nur ein Territorium, das weniger Selbstverwaltung als ein Staat hat. Chefminister des Northern Territory ist seit 2013 Adam Giles, der teilweise von Aborigines abstammt, im rechten politischen Lager steht. Im NT ist auch die heilige Stätte der dortigen Anangu, der Uluru. Die traditionelle Lebensweise konnte dort im Outback noch teilweise aufrecht erhalten werden, dazu gehören auch die Sprachen der Aborigines. In absoluten Zahlen gibt es in New South Wales mehr Aborigines; in weissen, urbanen Regionen leben sie assimiliert, an den Rändern der Städte und in Kleinstädten existieren auch Mischformen.6 Australiens Premier Kevin Rudd hat 2007 eine Entschuldigung des Staates für die Behandlung der Aborigines und Torres Strait Islanders durchgesetzt (was neben der Unterzeichnung des Kyoto-Klimaschutz-Protokolls eine seiner ersten Amtshandlungen war).

Die Rechte übt sich diesbezüglich im Herunterspielen und Verdrehen, wobei die Behandlung der Ureinwohner entweder als für diese „gewinnbringend“ konstruiert wird oder aber ein Gewinn für sie offen abgelehnt wird. Eine gewisse Integration hat zweifellos stattgefunden, siehe etwa die Leichtathletin Cathy Freeman (mit einem Aborigines- aber auch einem Baha’i-Hintergrund) oder der Rugby-Spieler Wendell Sailor (ein Torres-Strait-Islander) oder die Musik-Gruppe Yothu Yindi (bei Olympia 2000 Auftritt bei der Abschluss-Feier). Es stellt sich jedoch die Frage, wem diese mehr nützt, der kleinen Minderheit der Ureinwohner oder der weissen australischen Mehrheitsgesellschaft, die sich mit ihnen schmücken kann und ihre Folklore touristisch vermarkten – ohne deren Probleme wie Diskriminierung, Armut, mangelnde Achtung vor bzw Zurückdrängung ihrer Kultur, Arbeitslosigkeit, anzugehen. Das in Ozeanien stärker verwurzelte und harmlosere Kava (das aus Fidschi eingeführt wurde und sich v.a. im NT verbreitete) ist etwa stark reglementiert, im Gegensatz zum Alkohol. Wenn in der politischen Auseinandersetzung heutzutage gegen Aborigines (oder Asiaten) „polemisiert“ wird, dann nur noch von der rechts aussen stehenden One Nation-Partei.

1972 wurde nahe dem Parlamentsgebäude in Canberra die Aboriginal Tent Embassy errichtet, die bis heute besteht und seit über 40 Jahren ein Symbol für den Aktivismus gegen die Ungleichbehandlung der Aborigines ist. Am Nationalfeiertag 2012 (Australien feiert da die Ankunft der ersten weissen Siedler im Jahr 1788) haben etwa 200 Aborigines-Aktivisten die damalige Ministerpräsidentin Julia Gillard sowie Oppositionsführer Tony Abbott (heute Premier) bedrängt, sodass sie aus einem Restaurant flüchten mussten. Auslöser für die Proteste war Abbots Forderung am Nationalfeiertag, das Protestzelt der Ureinwohner abreißen zu lassen. Gilliard ist übrigens, wie die Labor-Partei an sich, eine Republik-Befürworterin – diese Umwandlung Australiens wird früher oder später kommen, spätestens wohl mit dem Abgang der jetzigen britischen Königin.

Australien ist seit seiner Entstehung 1901 Laufbursche britischer Politik, ab der Teilnahme im Südafrikanischen Krieg, bis in die Gegenwart (03 Irak). Aborigines waren von Anfang an dabei, wurden für die anglo-australische Politik eingespannt; im 1. Weltkrieg wurden solche in die Armee aufgenommen, die hell „genug“ waren. Ein Teil der Linken Australiens strebt eine andere Selbstedfinition bzw Orientierung an als integraler Bestandteil einer weissen Anglo-Weltpolizei zu sein. Bei der seit 13 wieder regierenden Liberale Partei (die mit einigen kleineren Parteien verbunden ist) unter Abbott und Turnbull korrelieren die Behandlung der Aborigines mit ihrem militärischen Aufrüstungsprogramm (16 Auftrag an Frankreich zum Bau und der Betreuung einer neuen U-Boot-Flotte), der Aussenpolitik, der Umgang mit bzw die Beschränkung von Einwanderung 7 und der Umwelt- bzw Klimapolitik.

J. Olaf Kleist: Die australischen History Wars und was dazu gehört: Grenzen historischer Anerkennung und Versöhnung. In: Peripherie Nr. 109/110 (Vom Erinnern und Vergessen) 2008

www.koorimail.com

Sabine & Burkhard Koch: Aborigines gestern und heute. Gesellschaft und Kultur im Wandel der Zeiten (2013)

Long Walk Home (2002): Film über die Umerziehung der Aborigines in den 1930er Jahren in Australien, basierend auf einem authentischen Fall

Der Film "Walkabout" von Nicolas Roeg (1971) mit Jenny Agutter und David Gulpilil behandelte das Verhältnis zwischen Aborigines und weissen Australiern eher subtil
Der Film „Walkabout“ von Nicolas Roeg (1971) mit Jenny Agutter und David Gulpilil behandelte das Verhältnis zwischen Aborigines und weissen Australiern eher subtil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Zwischen 1788 und 1850 brachten die Engländer über 162 000 weisse Kriminelle bzw Verurteilte aus dem Britisch-Irischen Archipel nach Australien
  2. Händler und Fischer von den indonesischen Inseln, “Makkassan“, traten im frühen 16. Jh in Kontakt mit den „Aborigines“. Die Begegnungen, die auch biologische „Vermischung“ mit einschloss, spielte sich im heutigen Arnhem Land ab
  3. Sein Onkel war Gwoya Jungarai, ein Überlebender des Coniston-Massakers. Für einen Magazin-Artikel über das Massaker viele Jahre später wurde von ihm ein Foto mit Speer gemacht, das Vorlage für sein Porträt auf einer Briefmarke sowie einer Münze wurde
  4. Und jene Weissen, die kamen, waren lange Eigenbrötler und Schatzsucher gewesen
  5. Dieser anerkannte auch Pässe, die nordamerikanische Indianer ausstell(t)en
  6. Bei Sydney gibt es einen Aborigine-Vorort
  7. Die zwangsweise Festhaltung von „illegalen Einwanderern“ dürfte unter Keating begonnen haben. 2001 schwenkte die Regierung unter Howard auf neue, hermetische Linie in der Asylpolitik ein: Das Lager bei Woomera in Süd-Australien wurde geschlossen, es wurden Flüchtlingslagern auf den Inseln Papua-Neuguineas und Naurus errichtet („Pacific Solution“). Flüchtlinge, die mit ihren Booten Australien erreichen oder auf See aufgegriffen werden, dürfen das Festland nicht betreten, sondern werden in Lagern weit draußen im Indischen Ozean interniert, während ihre Asylanträge geprüft werden. Selbst Jene, die als Flüchtlinge anerkannt werden, werden nicht ins Land gelassen, müssen sich in PNG/Nauru niederlassen

Ein Gedanke zu „Die Aborigines Australiens“

  1. Nachtrag: Das letzte Rückzugsgebiet das man den Aborigines gelassen hat, der Norden Australiens, scheint schwer gefährdet zu sein!

    Die konservative („liberale“) Regierung unter Abbott hat 2015 einen Plan in Form eines Weissbuchs für den Norden (Queensland, Western Australia und Northern Territory) konzipiert, der diesen in ein „wirtschaftliches Boomgebiet“ verwandeln soll. Hinter den Plänen (mit staatlichen Fördergeldern von 800 Millionen Euro und hohen privaten Investitionen) stehen einflussreiche Wirtschaftslobbys wie die libertäre Ideenschmiede „Institute of Public Affairs“. Dahinter steckt Australiens reichste Frau Georgina Rinehart beteiligt, die mit ihrem Hancock Prospecting ein Milliardenvermögen im Bergbau in der eisenerzreichen Region Pilbara, ebenfalls im Norden Australiens, gemacht hat.

    Im Herbst ’15 wurde Abbott als Premier parteiintern von Turnbull (wenigstens ein Republikaner und wahrscheinlich irischer Herkunft) gestürzt. Turnbull hält an dem Weissbuch fest und beauftragte zunächst Josh Frydenberg als Minister für Ressourcen, Energie und Nordaustralien mit dem Thema. Nach wenigen Monaten der neuen Regierung wurde die entsprechenden Agenden aus diesem Ministerium ausgekoppelt und nach 37 Jahren wieder ein eigenständiges Ministerium für Nord-Australien eingerichtet, Minister wurde Matt Canavan. Als eine seiner ersten Amtshandlungen startete Canavan eine Kampagne, die den Tourismus in Australiens Norden abseits vom Great Barrier Reef (Queensland), Cable Beach und Kakadu-Nationalpark ankurbeln soll. Hauptverkehrsrouten sollen ausgebaut werden, Arbeitskräfte in die Region gebracht werden,…
    Grosse Teile des Nordens sind im Grundbesitz der Aborigines oder mit einem ungewissen Anspruch ihrerseits behaftet – dieser soll aufgeweicht werden.

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