RFK 68 nicht erschossen

 

32441_medWas, wenn Robert Kennedy nicht ermordet worden wäre? Hätte er in diesem Jahr (1968) die Nominierung seiner Demokratischen Partei gegen Hubert Humphrey gewonnen? Und wäre er dann gegen Richard Nixon zum Präsidenten der USA gewählt worden? Wenn ja, was wäre in USA und darüber hinaus anders gelaufen? Dass Kennedy mit seinem Sieg bei der Vorwahl in Kalifornien kurz vor seiner Ermordung die Nominierung sicher hatte, ist ein Irrtum. Und auch ein Sieg über Nixon wäre sehr fraglich gewesen. Der damalige Nominierungsprozess und die durch den Ablauf des Kandidatenrennens bedingte Spaltung der Partei benachteiligten Kennedy. Es wurden schon einige alternativgeschichtliche Szenarien ausformuliert, in denen RFK locker Vor- und Präsidentenwahlen gewinnt und dann ein „goldenes Zeitalter“ schafft; hier eine Analyse dazu.

Robert Francis Kennedy hat CIA-Chef McCone 1963 gefragt, „Hat die CIA meinen Bruder umgebracht?“, wird berichtet. Unter seinem Bruder war er Justizminister geworden, hat als solcher das Gefängnis auf Alcatraz schliessen lassen. 1964 liess er sich (für New York) in den Senat wählen; unter Johnson weiter Minister zu sein oder Vizepräsident zu werden, kam für beide nicht in Frage.

Das direkte amerikanische Eingreifen im Krieg zwischen Nord- und Südvietnam begann unter Johnson nach dem Zwischenfall im Golf von Tonkin vor der Küste Nordvietnams 1964. Ein USA-Kriegsschiff war angeblich in ein Gefecht mit nordvietnamesischen Schnellbooten verwickelt worden; keine falsche Flagge, eher ein willkommener bzw. falsch deklarierter Anlass. Andere aussenpolitische Engagements unter Johnson war die Unterstützung des Sturzes des linken, demokratischen Präsidenten von Brasilien, João Goulart, sowie der Militärputsch und die nachfolgende Diktatur in Griechenland unter Papadopulos.

Lyndon Johnson durfte 1968 erneut für die Präsidentschaft kandidieren; mit dem Nachrücken für Kennedy 1963 hatte er nicht eine ganze Amtsperiode „verbraucht“. Ein amtierender Präsident wird in seiner Partei bei Neu-Wahlen normalerweise nicht ernsthaft herausgefordert; Ausnahmen waren Ford 1976 (von Reagan) – oder Johnson 1968. Eugene McCarthy, Senator von Minnesota, nicht zu verwechseln mit dem antikommunistischen Hexenjäger Joseph, war gegen Johnsons Kriegspolitik in Vietnam und wollte für und mit den Kriegsgegnern inner- und ausserhalb der Demokratischen Partei einen Kurswechsel herbeiführen. Als Johnson bei der ersten Vorwahl im März in New Hampshire gegen McCarthy überraschend schlecht abschnitt (aber gewann), ein starker Hinweis auf die Kriegsgegnerschaft in der Partei, begannen die Turbulenzen im Vorwahlkampf der Demokraten.

Robert Kennedy, der als Senator auf Distanz zur Vietnam-Politik von Johnson gegangen war, aber – zur Enttäuschung mancher Anhänger – gezögert hatte, diesen bei dieser Präsidentschaftswahl herauszufordern, meldete wenige Tage nach dieser Vorwahl nun auch seine Kandidatur an – was die Partei weiter spaltete wie auch das Anti-Kriegs-Lager. Der Vietnam-Krieg spaltete die USA wie zuletzt wahrscheinlich der Bürgerkrieg; im März 1968 ereignete sich auch das Massaker US-amerikanischer Soldaten in My Lai in Süd-Vietnam mit Hunderten Toten.

Am Ende dieses Monats kündigte dann Präsident Johnson an, seine Kandidatur zurückzuziehen; die Herausforderung aus der eigenen Partei war ein Grund dafür, seine Gesundheit ein anderer. Johnson hatte bis zu einem Herzanfall 1955 3 Packungen Zigaretten pro Tag geraucht, hörte dann abrupt auf; fing nach seinem Auszug aus dem Weissen Haus im Jänner 1969 wieder damit an. Er starb 2 Tage nach dem Ende von Nixon’s erster Amtszeit. Nach Johnsons Ausstieg stieg Vizepräsident Hubert Humphrey in die demokratischen Vorwahlen ein.

RFKinfrontofJFKpicture19661Humphreys offizieller Eintritt in den Wahlkampf erfolgte jedoch erst Ende April und damit zu spät, um noch an den restlichen Vorwahlen teilnehmen zu können. In Vorwahlen einzutreten war bis 1968 nicht der alleinige Weg zur Nominierung, galt sogar leicht als ein Zeichen von Schwäche. Humphrey, der Nachfolger von LBJ als Kandidat des Partei-Establishments wurde, konzentrierte sich darauf, die Delegierten-Stimmen jener Bundesstaaten zu gewinnen, in denen keine Vorwahlen stattfanden (die meisten). In diesen Bundesstaaten wurden die Delegierten für den Parteikonvent durch den Parteiapparat dieses Staates bestimmt (durch Ernennung, Konferenzen oder auch kleinere Abstimmungen). Der Vizepräsident wurde vom Parteiapparat unterstützt, er hatte auch den Präsidenten, den Grossteil der Gewerkschaften und des Südens sowie viel Anti-Kennedy-Geld (das Geld von Leuten, die ihn unterstützten, um RFK zu verhindern) für seine Kandidatur. In die Vorwahlen schickte er einige Günstlinge als „Zähl-Kandidaten“.

Nur in 14 Bundesstaaten (sowie in DC) fanden bei der DP in diesem Jahr Vorwahlen statt, manchmal wird auch 13 genannt, das dürfte an West Virginia liegen bzw an der Frage der Unterscheidung zwischen Vorwahl und anderer Delegiertenauswahl. Nach 1968 konnte bei den beiden Grossparteien kein Präsidentschaftsanwärter mehr nominiert werden, ohne sich in den Vorwahlen durchgesetzt zu haben. In den demokratischen Vorwahlen 68 duellierten sich hauptsächlich die beiden Liberalen McCarthy und Kennedy, beide katholisch und irischer Herkunft, beide sprachen ein ähnliches Wählersegment an. Der besonders konservative Teil der DP im Süden (genauer Südosten) brach mit dem ehemaligen Gouverneur Alabamas, George Wallace, weg, der für eine American Independent Party kandidierte. Kennedy bemühte sich, im Gegensatz zu McCarthy (der wahrscheinlich wusste, dass für ihn dort nichts zu holen war), aber recht erfolglos, um die Partei-Funktionäre in den Staaten ohne Vorwahlen. Johnson nutzte seinen ganzen Einfluss, Kennedy zu verhindern und Humphrey durchzubringen, der tatsächlich den Grossteil der Delegierten für den Konvent aus den Staaten ohne Vorwahlen gewann.

RFK wahlkampfRobert Kennedy war in der Democratic Party kein Liebling, für das Partei-Establishment war er zu „liberal“, auch für Johnson, für Südstaatler ohnehin, was die Gewerkschaften betraf, so war es sein Eintreten für „Schwarze“ und „Latinos“, das grosse Teile der weissen Arbeiterschaft „vor den Kopf stiess“. Der Historiker Arthur Schlesinger, ein Unterstützer von ihm, schrieb in seiner Biografie von Kennedy: „Manche sahen ihn als erbarmungsvollen Heiland, andere als skrupellosen Opportunisten oder als unverantwortlichen Demagogen, der in die wunden Punkten der amerikanischen Gesellschaft griff – Rasse, Armut, Krieg. Wenige waren ihm gegenüber neutral oder gleichgültig.“ Kennedy hat tatsächlich Themen behandelt, die die meisten Politiker mieden und mit 42 Jahren machte er sich nun auf den Sprung zur Macht bzw zur Umsetzung seines Programms. Er war, genau so wenig wie sein älterer Bruder, nicht die heilige und mutige Gestalt, als die er gerne dargestellt wird.

Dass unter John F. Kennedy das US-amerikanische „Engagement“ in Vietnam begonnen hatte, ist aus der Logik des Kalten Krieges heraus irgendwie nachvollziehbar. Die ebenfalls unter ihm vorgenommenen Eingriffe in die Politik bzw. in die Geschichte des Irak (der Sturz von Premier Qasim) und des Kongo (der Sturz von Premier Lumumba) haben bis heute destruktive Folgen für diese Länder und ihre Regionen, und in beiden Fällen war eine Nähe der Regierung zum Kommunismus und zur Sowjetunion nicht wirklich gegeben. Heutige westliche Politik gegenüber diesen beiden Staaten versucht eigentlich, das zu erreichen, was auch von diesen damals gestürzten Regierungen angestrebt wurde… Da es hier ja um einen kontrafaktischen Ansatz geht: Wenn John Kennedy nicht ermordet worden wäre (wird öfter durchgedacht als eine Präsidentschaft Roberts), hätte das seinem Bruder für dessen eigene Karriere genützt oder geschadet?

Robert Kennedy hat, wiegesagt, „Tabus“ der amerikanischen Politik wie Rassismus, Armut und Imperialismus kritisch behandelt. Hat etwa (weissen) Medizin-Studenten, die ihn bei einer Vorwahl-Veranstaltung fragten, woher er das Geld für Gesundheitsversorgungs-Programme für Arme nehmen wolle, geantwortet „Von euch.“ Er ist nicht nur in die Wohngebiete der Schwarzen gegangen, er hat das Thema der rassischen Ungleichheit auch vor weissem Publikum angesprochen. Zur Bürgerrechtsbewegung bzw ihren Entstehungsgründen, neben dem Vietnam-Krieg das zweite wichtige Thema der Wahl, hatte er eine klare Haltung. 1966 hatte er Südafrika bereist, und dabei die Apartheid verurteilt, wie damals nur sehr wenige westliche Politiker. Als im April 1968 Martin Luther King ermordet wurde, war er gerade in Indianapolis im Wahlkampf, gab dann eine ziemlich improvisierte Rede dazu ab, in der er zur Versöhnung zwischen den Rassen aufrief. In Indianapolis sollen die Unruhen, die es damals in vielen anderen Städten gab, deshalb auch ausgeblieben sein. Dennoch, anders als Nelson Mandela 1993 nach der Ermordung Chris Hanis, konnte Kennedy durch seinen Umgang mit dem Attentat nicht entscheidend, über „sein“ Wählersegment hinaus, Macht dazu gewinnen.

Vietnam war damals der Brennpunkt des Kalten Kriegs, und der Stellvertreter-Krieg zwischen Nord- und Südvietnam eskalierte 1968 im Zuge der Tet-Offensive der nordvietnamesischen Armee und des Vietcong. Für Amerikaner war der Krieg schon aufgrund der damals aktuellen Wehrpflicht ein unmittelbares. Kennedy war nicht dezidiert für einen amerikanischen Abzug aus Vietnam oder einen sofortigen Frieden, aber für eine Delegierung der Kriegsführung an das südvietnamesische Militär, durch ihre Unterstützung sowie Friedensverhandlungen. McCarthy war entschiedener gegen den Vietnam-Krieg bzw. die Teilnahme der USA daran (bzw die Anfachung durch sie); so wie er auch dezidiert J. Edgar Hoover als FBI-Chef ablösen wollte. Robert Kennedy wollte CIA, FBI wie auch der (teilweise mit der Gewerkschaft verbundenen) Mafia stärker Einhalt gebieten, was er schon als Justizminister versucht hatte. Bezüglich der Todesstrafe bezog er eindeutig Stellung zugunsten einer Abschaffung, die damals diskutiert wurde. Zu Fragen wie Abtreibung nahm er dagegen eine konservative Haltung ein.

Das Versprechen Kennedys am Rande des Vorwahlkampfes, im Falle eines Wahlsiegs 50 Kampfjets an Israel zu liefern, spielte für diesen auch deshalb keine grosse Rolle, da auch die anderen Kandidaten hier ähnliche Positionen vertraten. Er hatte Palästina 1948, einen Monat vor der Ausrufung „Israels“ (nach dem britischen Abzug dann), besucht, für die „Boston Post“ aus dem Land berichtet. Damals begann seine prozionistische Haltung; die Zionisten hätten überhaupt erst etwas aus dem Land gemacht, schrieb er damals, würden ums Überleben kämpfen, die Araber einen ideologisch verblendeten Kampf gegen sie führen, usw., Klischees die sich bis heute im Westen halten. Dass die Nakba damals schon einige Monate lief, nahm er nur insofern wahr, als im Land „enorme Spannungen“ herrschten. Sein Bruder hatte Israel Anfang der 1960er nicht zuletzt bezüglich ihrer Atomwaffen kontra gegeben; unter Johnson setzte sich während des Kriegs 1967 (in dem Israel das von ihm kontrollierte Territorium weiter erweiterte, auch über Palästina hinaus) eine Allianz der USA mit Israel durch – trotz der israelischen Bombardierung der USS Liberty.

RFK bestritt nicht alle der Vorwahlen, gewann nicht alle die er bestritt. Nachdem in Oregon McCarthy gewonnen hatte, fanden am 4. Juni drei Vorwahlen statt. Entscheidend war das bevölkerungsreiche Kalifornien, wo Kennedy mit 46 zu 42% gegen McCarthy gewann, der an diesem Tag noch einen weiteren Bundesstaat verlor. Der Sieg in Kalifornien bedeutete eigtentlich die Entscheidung für Kennedy in den Vorwahlen. McCarthy gab aber noch nicht auf, bereitete sich auf New York vor, wo keine offiziellen Vorwahlen stattfanden, dort wurden Delegierte für den Parteikonvent direkt gewählt, ohne dass sich die Wähler direkt für einen Kandidaten entschieden.

RFK flyerKennedy und sein Tross feierte die Siege in Kalifornien und South Dakota im „Ambassador Hotel“ in Los Angeles. Damals stellte das Secret Service nur für amtierende Präsidenten Personenschutz zur Verfügung, nicht für Kandidaten, auch etwas das sich durch die Wahl 1968 änderte. Kennedy’s eigene Leibwächter waren der ehemalige FBI-Agent William Barry und zwei ehemalige Athleten (Grier, Johnson). Das Hotel hat anscheinend über eine Sicherheitsfirma („Ace Guard Service“) einen Wachmann für das Ereignis engagiert, Thane Eugene Cesar, und das weniger als Schutz für den Kandidaten als für die Kontrolle der Menschen-Mengen, die ins Hotel kamen. Kennedy und seine Begleiter verliessen, kurz nach Mitternacht, nach einer Siegesrede einen Festsaal durch die Küchenräume des Hotels, um in einen anderen Saal zu wartenden Journalisten zu gelangen. In der Küche wurde Kennedy von drei Schüssen getroffen; auch fünf andere Personen wurden getroffen, die sich aber dann erholten. Juan Romero, aus Mexiko eingewanderter Küchengehilfe, war der letzte der RFK die Hände schüttelte, und einer der ersten die sich nach dem Attentat um ihn kümmerten. Kennedy erlag 26 Stunden nach dem Attentat im Krankenhaus seinen Verletzungen.

rfk at ambassadorDer Schütze, der gleich überwältigt wurde, war Sirhan Sirhan, ein christlicher (griechisch-orthodoxer) Palästinenser aus Jerusalem. Sirhan, zur Zeit der Nakba 4 Jahre alt, hatte wegen der jordanischen Verwaltung von Ost-Jerusalem und der Westbank 1948 bis 1967 die jordanische Staatsbürgerschaft. In dieser Zeit wanderte die Familie in die USA aus, ein Teil kehrte wieder zurück. Sirhan arbeitete u.a. als Pferdepfleger in Kalifornien, schloss sich diversen Sekten wie den Rosenkreuzern an. Er erlebte den erfolgreichen israelischen Angriffskrieg ’67 aus der Distanz, als der Rest von Jerusalem und Palästina (sowie Teile Ägyptens und Syriens) unter zionistische Kontrolle kamen, auch seine Familie. Auch diese Palästinenser erlebten nun israelische Militärverwaltung und Vertreibungen, wie in der Altstadt im eroberten Osten Jerusalems. Er erlebte in Amerika die „Heirat“ amerikanischer und zionistischer Interessen unter Johnson, Feiern nach dem Krieg. Er lebte nie unter israelischer Herrschaft, erlebt die weitere Besetzung und Zerstückelung seiner Heimat aus etwas Distanz. Für Palästinenser bedeutete 67 etwas anderes als für die amerikanische Mehrheitsbevölkerung, und westliche Solidarität mit Christen in Palästina und der Region gibt es in der Regel nur dann, wenn man sie gegen Moslems in Stellung bringen kann… Sirhan soll auch psychische bzw. neurologische Probleme gehabt haben, vom Fall von einem Pferd.

Im Jänner 1968 war der israelische Premier Eschkol (Shkolnik) bei Johnson gewesen, was damals schon ein Besuch unter Alliierten war. Er wollte 50 Kampfflugzeuge kaufen, die Sache zog sich dahin, das amerikanische Aussenministerium war dagegen, weil es eine derart eindeutige Positionsbeziehung in dem Konflikt nicht wollte, eine Eskalation dieses Konfliktes durch eine „Einbettung“ in den Kalten Krieg sowie ein Wettrüsten in der Region befürchtete. Das Ringen bzw. der Entscheidungsweg über den Verkauf kam in einer Wahlkampf-Debatte zwischen Kennedy und McCarthy in der Woche vor der kalifornischen Vorwahl zu Sprache, dort sprach sich Kennedy dafür aus (ob es hier Widerspruch von McCarthy gab, ist mir nicht bekannt). Sirhan soll Kennedy bis dahin sehr geschätzt haben und nun sehr enttäuscht gewesen sein. In seinem Notizbuch, das die wichtigste Informationsquelle über seine Mord-Motive war/ist, fand sich ein Eintrag dazu (nicht direkt auf die Debatte bezogen).

Der war allerdings vor der Debatte bzw. Kennedy-Aussage datiert (18. Mai). Im Mai hatte es eine TV-Doku gegeben („The Story of Robert Kennedy“), in der RFK selbes über den Verkauf der Waffensysteme für Israel sagte (dort dürfte auch sein Besuch im Land 1948 vorgekommen sein). Diese wurde in Kalifornien aber ebenfalls nach der Notiz (sofern diese richtig datiert war) ausgestrahlt. Sonst hatte es nur im Jänner des Jahres, anlässlich des Eschkol-Besuches, möglicherweise eine Aussage Kennedys dazu gegeben. Die Entscheidung für den Verkauf fiel übrigens im Oktober, nach Druck der zionistischen Lobby, unter Johnson, kurz vor der Wahl; und die Sowjetunion lieferte darauf hin MIG-Kampfflugzeuge an Ägypten, von dessem Territorium Israel damals auch einen grossen Teil besetzte. Dass sich der Mord am ersten Jahrestag des Beginns des Sechs-Tage-Kriegs ereignete, kann in jedem Fall eigentlich nur ein bizarrer Zufall sein.

In Alternativtheorien zum Mord wird darauf hingewiesen, dass Kennedy Schusswunden nur auf der Rückseite seines Körpers gehabt habe, Sirhan jedoch direkt vor ihm gestanden sei. Der kurzfristig angeheuerte Wachmann Thane E. Cesar, ein Gegner der Kennedys, seine Waffe wurde nach dem Attentat nicht sichergestellt und untersucht, wird als zweiter, von hinten feuernder Schütze verdächtigt. Manchmal wird auch über eine Manipulation Sirhans durch Andere spekuliert. Hinter jeder Verschwörungstheorie steckt irgend eine Wahrheit; und die Herausforderung des konservativen, etablierten Amerikas durch „Bobby“ Kennedy, durch sein Entreten für die Armen oder gegen den Krieg, ist ein Fakt. Sirhan wurde 1969 zunächst zu Tode verurteilt, die Strafe wurde durch die Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien 1972 in lebenslängliche Haft umgewandelt, die er heute noch absitzt.

Circa 1 Woche ruhte der Wahlkampf nach dem Mord. In New York wurde eine Mehrheit von Delegierten gewählt, die am Konvent McCarthy wählen sollten, auch einige für den toten Kennedy. Der Parteivorstand der DP im Bundesstaat New York (das New York State Democratic Committee) durfte dann den Rest der Delegierten (etwa ein Drittel der gesamten) auswählen bzw. zuteilen, und wie auch in anderen Staaten wurde hier Humphrey bevorzugt, und seine Gegner, nun v.a. McCarthy, benachteiligt. Nachhher war nur noch die Vorwahl in llinois, wo McCarthy gewann. Es war klar, Humphrey würde beim Konvent zumindest im ersten Wahlgang eine Mehrheit haben. Kurz vor dem Beginn des Konvents überfielen Truppen der Warschauer Pakt-Staaten die Tschechoslowakei und beendeten den „Prager Frühling“ genannten Reformversuch des dortigen kommunistischen Systems.

Zum Zeitpunkt von Kennedys Tod, also kurz vor Ende des Nominierungsprozesses, sah die Delegierten-Verteilung so aus: Humphrey, der nicht an Vorwahlen teilnahm, hatte über 1000 zugeteilt bekommen; Robert Kennedy hatte etwas unter 700 sicher; McCarthy etwas über 300. Für die Nominierung waren 1312 Delegierte nötig. In der Hochrechnung, die den Rückzug der Humphrey-Günstlinge und anderer schwächerer Kandidaten mit-berücksichtigte, war Humphrey schon deutlich über dieser Marke. Es hätte schon einiges eintreffen müssen, dass Kennedy (ohne Attentat natürlich) die Nominierung noch bekommen hätte, anstelle von Humphrey:

  • Kennedy hätte die Vorwahl in Illinois gewinnen müssen (was wahrscheinlich gewesen wäre, aufgrund der Gegenkandidaten) und in New York einen guten Teil der Delegierten zugeteilt bekommen müssen (schwierig). Dann hätte es beim Konvent in Chicago wahrscheinlich einen zweiten Wahlgang gegeben (und nicht schon eine absolute Mehrheit für Humphrey im ersten). In den letzten Jahrzehnten gab es nur zwei Konvents der beiden grossen Parteien, wo der Nominierte nicht vor Beginn feststand bzw. wo die Abstimmung eine Art „Kampfabstimmung“ wurde, so genannte open conventions: 1976 bei den Republikanern zwischen Ford und Reagan, 1980 bei den Demokraten zwischen Carter und Edward Kennedy; in beiden Fällen gabs aber keinen zweiten Wahlgang. Den gab es letztmals 1952 beim DP-Konvent, der wie 1968 im International Amphitheatre in Chicago abgehalten wurde. Damals gabs vier Kandidaten und drei Wahlgänge, schliesslich setzte sich Adlai E. Stevenson gegen Estes Kefauver durch, mit Unterstützung von Noch-Präsident Truman, der einen Kandidaten aus Südstaaten mit Rassendiskriminierungsgesetzen verhindern wollte.

Im Fall eines 2. Wahlgangs im Sommer 1968, der eine Art Stichwahl zwischen Kennedy und Humphrey gewesen wäre, hätten andere Kandidaten wahrscheinlich aufgegeben. Kennedy hätte gute Chancen auf die Stimmen der McCarthy-Delegierten gehabt (auch ohne Aufgabe), was aber keineswegs sicher gewesen wäre, angesichts der Animosität, die in diesem Vorwahlkampf zwischen den beiden Lagern entstanden war, gerade wegen ihrer ähnlichen politischen Ausrichtung. Aber auch wenn RFK die McCarthy-Stimmen und jene für McGovern gedachten bekommen hätte, wäre das nicht genug gewesen.

  • Kennedy hätte Humphrey-Delegierte gewinnen müssen.

Dazu ist zu sagen, dass die aufgrund der Vorwahl-Ergebnisse oder von lokalen Parteiorganisationen ausgewählten Delegierten verpflichtet werden, bei der Convention für einen bestimmten Kandidaten abzustimmen. Hinzu kommen die ungebundenen Delegierten („Super Delegates“ und ähnliche), Parteiprominenz der Bundesstaaten. Die „normalen“ haben aber theoretisch auch eine Freiheit, schliesslich soll die Versammlung bzw. die Wahl irgendwie auch lebendig sein (sie sind „pledged“, verpflichtet, aber es gibt keine Sanktionen wenn sie anders abstimmen). Sie werden auch nicht zuletzt nach Zuverlässigkeit ausgewählt. Von dieser Freiheit machen Delegierte manchmal Gebrauch, wenn „ihr“ Kandidat abgeschlagen ist (und seit Jahrzehnten steht der Nominierte vor der Convention fest) und sie den kommenden Kandidaten stärken wollen. Oder ein Kandidat gibt am Konvent auf, dann sind „seine“ Delegierten „frei“. 08 hat Obamas scharfe Kontrahentin in diesem Jahr, Hillary Clinton, selbst während der Convention beantragt, das Nominierungsprozedere abzuändern und Obama per Akklamation zu nominieren. Bei einem zweiten Wahlgang sind Delegierte jedenfalls ungebunden und frei in ihrer Wahlentscheidung.

Aus dem Humphrey-Lager wäre ein Hinüberwechseln von Delegierten zu Kennedy grundsätzlich eher vorgekommen als umgekehrt. Arthur Schlesinger und andere glauben, dass Kennedy’s Charisma und der Mythos seines Namens ein Gewinnen von anderen Delegierten möglich gemacht hätte. Es wird auch für möglich gehalten, dass der Chicagoer Bürgermeisters Richard Daley, eine Parteigrösse und Humphrey-Unterstützer, zu Kennedy hinübergewechselt wäre und einen grossen Teil der Delegierten mitgenommen hätte (ein paar Telefonate hätten genügt, sagen manche), während des Konvents oder in den Wochen davor. Das damalige System der „Widmung“ der Delegierten ohne Vor-Wahl hätte sich auch als nachteilig für Humphrey erweisen können. Richard Nixon vertrat in seinen Memoiren die Ansicht, dass Kennedy nach dem Vorwahlsieg in Kalifornien einen Teil der Delegierten McCarthys hinzugewonnen und seine Kampagne in den verbleibenden zweieinhalb Monaten eine unwiderstehliche Eigendynamik entwickelt hätte, die auf dem Parteitag nicht mehr zu stoppen gewesen wäre. Andere Historiker/Politologen/Journalisten gehen davon aus, dass Humphreys Unterstützung durch diverse einflussreiche „Parteibosse“ und der Vorsprung bei den Parteitagsdelegierten nicht so schnell ins Wanken gekommen wären.

Ein anderes Szenario, eine Einigung hinter den Kulissen vor/während des Konvents zugunsten Kennedys wäre viel unwahrscheinlicher gewesen. Im Falle eines Nicht-Gelingens des Attentats wären Kennedys Chancen wahrscheinlich drastisch gestiegen. Jedenfalls hätte es bei einem Antreten von ihm am Konvent eine scharfe Auseinandersetzung zwischen seinem und Humphreys Lager gegeben, was die Unruhen „draussen“ wahrscheinlich verstärkt hätte.

Mit dem Tod Kennedys stand Vizepräsident Humphrey als demokratischer Kandidat de facto fest, zumal Kennedys Delegierte nicht bereit waren, sich „einheitlich“ hinter McCarthy zu stellen. Die meisten von ihnen stimmten für den spät gestarteten Senator George McGovern, der im Frühling noch Kennedy in den Vorwahlen unterstützt hatte. Die anderen sind möglicherweise eher zu Humphrey als zu McCarthy gegangen! Noch-Staatspräsident Johnson behielt als Druckmittel gegen Humphrey die Präferenz der Delegierten von Texas und Illinois lange offen, ihre Unterstützung sollte er nur bekommen, wenn er nicht von Johnson’s Vietnam-Kriegskurs abwich; was er auch nicht tat.

Auf dem Nominierungsparteitag/Konvent vom 26. bis 29. August bekam Humphrey im 1. Wahlgang weitaus genug Delegierten-Stimmen für die Nominierung (1761 und drei Viertel); McCarthy (601) und McGovern waren weit abgeschlagen. Unter den anderen Kandidaten, die noch Stimmen bekamen, war der baptistische Geistliche Channing E. Phillips aus Washington, D.C., der erste „Schwarze“ der auf einem Konvent der beiden Grossparteien in USA Stimmen bei der Präsidentschaftskandidaten-Nominierung bekam; diese DC-Delegierten waren ursprünglich zur Wahl Kennedys vorgesehen. Edward „Ted“ Kennedy war 68 nach der Ermordung seines Bruders ernsthaft als Vizepräsidenten-Kandidat im Gespräch, auch bei Humphrey. Der Konvent wählte aber Edmund Muskie, Senator aus Maine, als Humphreys „running mate“.

Die Nominierung auf dem Parteitag in Chicago wurde von schweren Auseinandersetzungen zwischen linken Vietnamkriegsgegnern und der (auf Anweisung des Bürgermeisters Richard J. Daley extrem hart agierenden) Polizei überschattet. Anders als meist angenommen, ereigneten sich diese Unruhen nicht gleich ausserhalb des International Amphitheatre (dem Veranstaltungsort) sondern weit entfernt in der Stadt. Das Zustandekommen der Nominierung (des Vietnam-Kriegs-Befürworters) Humphreys ohne Teilnahme an Vorwahlen trug zu den Unruhen um den Parteitag bei. Die Auseinandersetzung über Vietnam fand aber auch im Amphitheater statt, auf dem Konvent ging es neben den Kandidaten für die Präsidentenwahl schliesslich auch um so etwas wie ein Parteiprogramm. Und die Polarisierung „drinnen“ entsprach gewissermaßen jener „draussen“. Chicago war so etwas wie der Höhepunkt des amerikanischen 68. Der DP-Vorwahlkampf 1968 war, so wie er abgelaufen war, der Grund, dass der parteiinterne Auswahlprozess dann reformiert und geregelt wurde, durch eine Kommission unter McGovern – der 1972 dann auch selbst als Kandidat ausgewählt wurde. Humphrey war der letzte Präsidentschafts-Kandidat, der die Nominierung ohne Vorwahlen gewann

democratic-national-convention-1968So chaotisch und turbulent das Rennen der DP um die Nominierung zum Kandidaten war (mit dem Konvent als Kulmination), so glatt lief jenes der RP ab. Dazu de.wikipedia: „Die Republikanische Partei nominierte Richard Nixon, der zwar von Anfang an als Favorit gegolten hatte, aber auch von der Schwäche und Unentschlossenheit seiner Gegner profitierte, die ihren Vorwahlkampf entweder frühzeitig abbrachen (wie George W. Romney, Gouverneur aus Michigan, der wegen seiner Behauptung, er sei vom US-Militär in Vietnam einer ‚Gehirnwäsche‘ unterzogen worden, heftig kritisiert und verspottet wurde), zu lange mit ihrer Kandidatur zögerten (wie der New Yorker Gouverneur Nelson Rockefeller) oder diese nur halbherzig betrieben (wie der kalifornische Gouverneur Ronald Reagan). Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten wurde der Gouverneur von Maryland Spiro Agnew.“ 1962 schien Nixons politische Laufbahn schon ihr Ende gefunden zu haben, als er nach einer erneuten Niederlage bei den Gouverneurswahlen in Kalifornien auf einer von ihm selbst so bezeichneten „letzten“ Pressekonferenz die Journalisten beschimpfte und seinen Abschied von der Politik bekanntgab. Die Republikaner hätten auch gegen RFK wohl keinen Anderen ins Rennen geschickt, da zum Zeitpunkt dessen Ausscheidens ihre Auswahl auch schon im Endstadium war. Nixon und andere in der RP sahen eine Chance bei jenen Arbeitern, denen RFK zu „minderheitenfreundlich“ war.

Der eigentliche Wahlkampf beginnt ja nach den Konvents im Sommer, geht etwa drei Monate. Der „turbulente“ Vor-Wahlkampf in seiner Partei wirkte sich nachteilig für Humphreys Kampagne aus. Nixon begann seine Kampagne mit einem grossen Vorsprung in den Meinungsumfragen, der jedoch zusehends schrumpfte, als sich Humphrey mehr und mehr von Johnson emanzipierte und dieser zudem am 31. Oktober, sechs Tage vor der Wahl, einen endgültigen Stopp der Bombardierungen Nordvietnams anordnete. Die American Independent Party nominierte als „Running Mate“ für George Wallace den Luftwaffen-General Curtis LeMay, der vorschlug, in Vietnam Nuklearwaffen einzusetzen. Bei einem starken Abschneiden von Wallace und einem knappen Rennen zwischen Nixon und Humphrey (im Bereich des Möglichen) hätte es dazu kommen können, dass kein Kandidat die absolute Mehrheit der Wahlmänner erringen würde. Dann hätte (wie schon 1824) das Repräsentantenhaus den Präsidenten wählen müssen, worauf Wallace auch hoffte. Zu jenem Zeitpunkt verfügte die Demokratische Partei über eine deutliche Mehrheit in dieser Kongresskammer.

Kennedy als Kandidat (nicht getötet, Nominierung auf Convention gewonnen) hätte auch das Problem mit Wallace gehabt, der damals für Rassentrennung war und deshalb im „tiefen Süden“ (Südosten) gewann, damit den Republikanern nutzte, und auch im Norden Humphrey Stimmen weg nahm. Eines von vielen Problemen. 1968 war das Wahlalter 21, somit hätte sich Kennedys Beliebtheit bei Jungen nicht so stark in Stimmen umgesetzt. Dass die meisten aus dem Showbiz und Kunstbetrieb für ihn waren, auch nicht. Da ihm die „liberalen“ Stimmen angesichts der beiden Gegenkandidaten ziemlich sicher waren, hätte er wahrscheinlich einen ziemlich „konservativen“ Wahlkampf geführt, um jene zu gewinnen, die nicht seine logische Klientel waren. Über „sein“ Segment hinaus Wähler zu gewinnen, wäre jedenfalls für einen Sieg notwendig gewesen. Der Ex-Gouverneur von North Carolina, Terry Sanford, hätte Running Mate von RFK sein können, einen relativ konservativen Südstaatler auszuwählen, hätte hier Sinn gemacht („balancing out the ticket“). Gut, die Antikriegs-McCarthy-Wähler hätten Kennedy mehr unterstützt (gewählt) als sie das mit Humphrey getan haben. Vermutlich wäre es ein sehr schmutziger Wahlkampf geworden, zwischen RFK und Nixon.

Wenn man sich Humphreys tatsächliches Abschneiden ansieht, und das auf Kennedy „umlegt“, ergibt sich folgendes Bild: RFK hätte Texas (das Humphrey gewann) kaum gewinnen können. Wenn er dafür in jenen Bundesstaaten gewonnen hätte, in denen Nixon 3% oder weniger vor Humphrey war, also Alaska, Kalifornien, Illinois, Missouri, New Jersey und Ohio, sowie jene (abgesehen von Texas) auch gewonnen hätte, in denen Humphrey ebenso knapp vor Nixon lag (Washington, Maryland), wäre sich ein Sieg für Kennedy gut ausgegangen (290 zu 215 Wahlmänner; statt 191 zu 301 für Humphrey/Nixon); er hätte nicht mal alle gewinnen müssen. Während Humphrey bei konservativen Wählern eine Chance hatte (wie in Texas), hätte Kennedy andere Wählerschichten gewonnen (z. B. in Kalifornien).

Bei Wählerstimmen schlug Nixon Humphrey zweieinhalb Monate nach Chicago mit 43,4% zu 42,7; bei der Zahl der gewonnen Staaten endete es 32 zu 13. Wallace schnitt erwartungsgemäß stark im Südosten ab, errang landesweit 13,5% der Stimmen, gewann 5 Bundesstaaten, bekam 45 Wahlmännerstimmen (und dann eine „untreue“ von einem Nixon-Wahlmann dazu). Im gleichzeitig gewählten Kongress behielten die Demokraten Mehrheiten in beiden Kammern (Senat-Mehrheitsführer Mansfield war ein Vietnam-Kriegsgegner). Im Dezember 1968 kam übrigens R. Kennedys 11. und letztes Kind, Tochter Rory, zur Welt.

Am Ende des Jahres 1968 war also Richard Nixon der Sieger. Er konnte sich revanchieren, für seine Wahlniederlage gegen JFK 1960; oder an Lateinamerika, wo er 1958 als Vizepräsident Eisenhowers bei einer Südamerika-Reise vom Volk ablehnend empfangen wurde, als Repräsentant der USA, in Venezuela die Limousine mit seiner Frau und ihm von Demonstrierenden geschaukelt wurde (anscheinend hat ihn die venezolanische Polizei gerettet). 15 Jahre später durfte er als US-Präsident den Pinochet-Putsch in Chile einfädeln, wobei hier natürlich die Geschäftsinteressen von ITT und Kommunismus-Paranoia die Motive waren, auch ein Hegemonie-Anspruch über Lateinamerika. Die nächste Wahl, 1972, gewann er gegen McGovern, nachdem er in das Hauptquartier der Demokratischen Partei (des Democratic National Comittee) im Watergate-Gebäude in Washington einbrechen hat lassen (seine Auffassung von „Law and order“). Es war Nixon, unter dem sich die USA dann aus Vietnam zurückzogen. Und, im Vorwahlkampf 68 hatte man Eugene McCarthys Präferenz, die Volksrepublik China anzuerkennen, noch als „unrealistisch“, „ultraliberal“ und „Kapitulation vor dem Kommunismus“ attackiert; dies geschah dann auch unter Nixon.

Anti-Vietnam-Kriegs-Demo, zur Zeit der Präsidentschaft Nixons
Anti-Vietnam-Kriegs-Demo, zur Zeit der Präsidentschaft Nixons

Kennedy hätte als USA-Präsident sicher Einfluss auf den Vietnam-Krieg genommen, was auf die Dynamik des Kalten Kriegs grosse Wirkung gehabt hätte, mehr als auf Vietnam selbst. Ob es ihm wirklich gelungen wäre, die Politik der USA im Inneren und Äusseren gerechter zu machen? Mit der Mehrheit seiner Partei im Kongress wären einige Vorhaben umzusetzen gewesen. Vielleicht wäre er 1972 wiedergewählt worden, oder aber erst 72 drangekommen, nach einer Nixon-Amtszeit, gegen diesen. Bei einer Nominierung Humphreys 68 und einer Niederlage dieses gegen Nixon hätte Kennedy leicht die Wiederwahl in den Senat schaffen können und in der zerstrittenen DP dann eine der dominanten Figuren werden können. Im demokratischen Vorwahlkampf 72 gab es ja wieder ein Attentat auf einen Kandidaten, den diesmal wieder für diese Partei kandidierenden George Wallace (ein unpolitisches, wie es aussieht). McGovern, der tatsächlich 72 die Kandidatur gewann, hätte für RFK wahrscheinlich verzichtet. Auch ohne Präsidentschaft wäre dieser wohl auf Jahrzehnte hinaus ein wichtiger Politiker in Washington gewesen, z.B. als Senator, wie es dann Ted war.

Der Spielfilm „Bobby“ von Emilio Estevez aus 2006 zeigt fiktive Ereignisse im Ambassador Hotel in Los Angeles in der Nacht zum 5. Juni 1968, vor dem Hintergrund realer. Von Robert Dornhelm erschien 2002 die TV-Dokumentation „RFK“.

„Shampoo“ (1975) mit W. Beatty u. a. spielt am Tag von Nixons Wahlsieg 68, wurde zur Watergate-Zeit gedreht/veröffentlicht, es geht vordergründig um Sex. Die Hauptperson, ein Friseur, soll an Jay Sebring angelehnt sein, der von der Manson-Familie umgebracht wurde

Mitchell J. Freedman: A Disturbance of Fate. The Presidency of Robert F. Kennedy (2010). Eine kontrafaktische/alternative Geschichte über ein Überleben und einem Wahlsieg dieses Kennedys. Scheint darauf abzuzielen, die Erwartungen ggü einer Präsidentschaft Kennedys als übertrieben darzustellen

Michael Bishop: Dieser Mann ist leider tot (1993): kein Watergate (aufgeflogen), Nixon bekommt freie Bahn, etabliert  ein autoritäres Regime.

Im Comic „Watchmen“ wird Nixon Führer der USA

Über den Mord

Über die DP-Vorwahl 68

Über den Konvent

Amerikanische TV-Berichte nach der Vorwahl in Kalifornien, im 2. Teil eine kontrafaktische Einschätzung

Alternativgeschichtliche/kontrafaktische Szenarien und Diskussionen:

Bei PBS

Auf althistory.wiki

Auf alternatehistory mehrere

(alles auf Englisch in diesen links)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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