Das American Indian Movement und die heutige Situation der „Indianer“ in der USA

Im europäischen Bild der Indianer stehen meist die nordamerikanischen im Mittelpunkt, obwohl diese im Gegensatz zu jenen in Mittel- und Südamerika keine Hochkulturen hervor brachten. Ein weiterer Unterschied: Die „Vermischung“ mit „Weissen“ und „Schwarzen“ war in Lateinamerika viel grösser. Die Kolonisation der Briten, die Ausbreitung der Siedler bzw Erschliessung des Landes, bedeutete für die Originalbevölkerung der heutigen USA einen Völkermord; ähnlich wie das palästinensische Narrativ bzw Erfahrung das Negativ des zionistischen ist.

Die Ausbreitung und die „Indianerkriege“ (ca. 1622-1890) liefen parallel, das eine bedingte das andere. Die Briten bzw später die USA „übernahmen“ Gebiete von Franzosen, Spaniern, Niederländern, Mexikanern, Russen und Schweden, wo es auch Indianer und diese Gewalt gegeben hat. Diese Auseinandersetzungen werden teilweise mit zu den Indianerkriegen der USA (Indian Wars) gerechnet. „Dee“ Brown hat in seinem bekanntesten Werk „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“ (Originaltitel: „Bury My Heart at Wounded Knee“, 1970 herausgekommen) das Leiden und den Untergang der Indianer Nordamerikas unter der europäischen Expansion beschrieben, aus dem Blickwinkel der Ureinwohner. Es gibt Gemeinsamkeiten zur Ausbreitung Russlands in Bezug auf dessen Ureinwohner in Sibirien („Indigene kleine Völker des russischen Nordens“, wie Nenzen, Ewenken oder Inuit), auch in der Kultur und Ethnizität dieser.

Nach der Unabhängigkeit der USA ging die Expansion los. In den britisch-französischen Kolonialkriegen in Nord-Amerika gingen beide Seiten Bündnisse mit Indianer-Völkern/Stämmen ein, mit denen sie auch Handels-Beziehungen pflegten (Pelze,…). Eine Symbiose zwischen Europäern und den aus Asien stammenden war aber sehr selten. Die Shawnee unter Tecumseh gingen ein Bündnis mit den Briten gegen die USA im Krieg Anfang des 19. Jh an, wurden betrogen. Seminolen und Creek verbündeten sich mit entlaufenen Sklaven im Südosten. 1824 wurde das Bureau of Indian Affairs (BIA) gegründet, das bis heute besteht und dem US-Innenministerium untersteht. 1830 der Indian Removal Act, der systematische Zwangsumsiedlung in Gebiete westlich des Mississippi bedeutete, den Trail of Tears, und wieder Widerstand. Mitte des 19. Jh waren die Indianer-Völker in der Osthälfte der späteren USA unterworfen und die USA bis in den Westen ausgebreitet; dieser war eben ein „Wilder Westen“, in dem die Indianer noch unterworfen werden mussten. Die grössten Konflikte gab es dann im Norden der Great Plains, auch weil hier viele Flüchtlinge/Vertriebene aus dem Osten lebten.

Wann endete die Expansion der USA und begann ihr Imperialismus? Mit den Aneignungen mexikanischen Territoriums, die die kontinentale Ausbreitung abschlossen, vermutlich. Die Quasi-Ausrottung der Bisons, der Bau der transkontinentalen Eisenbahnverbindung und die Unterwerfung der Indianer kamen ungefähr zur selben Zeit zum Abschluss und hatten auch inhaltlich miteinander zu tun: Der Bau der Eisenbahn zur USA-Westexpansion half bei der vollständigen Unterwerfung der Indianer; siehe dazu das berühmte Foto von 1868, von einem A. A. Hart, von der Sierra Nevada in Kalifornien. Während des Eisenbahn-Baus wurden Bisons, für einige Völker Lebensgrundlage, für die Ernährung der Bahnarbeiter in großer Zahl abgeschossen; nach der Eröffnung der Central Pacific Railroad 1869 oft zum Vergnügen, vom Zug aus mit dem Gewehr. Dank der Gründung des Yellowstone-Nationalparkes 1872 erhielten die Bisons noch rechtzeitig ein Rückzugsgebiet. USA-Präsidenten wie Andrew Jackson waren persönlich an Indianer-Unterwerfung bzw dem Genozid beteiligt. Auch die Einschleppung von Krankheiten spielte dabei eine Rolle, dazu hier etwas. Der Little Big Hoorn-Sieg 1876 brachte nur eine Atempause. Das Massaker in Wounded Knee (im heutigen Bundesstaat South Dakota) 1890 an Kriegsgefangenen und Zivilisten bedeutet so etwas wie den Abschluss der Unterwerfung.

Massengrab in Wounded Knee
Massengrab in Wounded Knee

Bis in die 1920er liefen noch letzte Scharmützel, v.a. im Südwesten (in ehemals mexikanischen Gebieten), Widerstand und Guerilla-Aktionen, bzw Vergeltung, etwa von den Bedonkohe-Apachen und Verbündeten unter Geronimo. Dann der Übergang zu Polizei- und Justizaktionen sowie zu Assimilation. Die Reservate (ursprünglich Gefangenenlager) spielten dabei eine wichtige Rolle; manche gingen in die „Diaspora“ der Städte. Der Kampf um Emanzipation war der nächste Entwicklungsschritt. Angesichts der Tatsache, dass auch Spanier oder Franzosen in übernommenen Gebieten oder irische oder deutsche Einwanderer zeitweise angefeindet wurden und von der WASP-Herrenschicht als „unechte“ Amerikaner, hyphenated Americans, gesehen wurden, war/ist dies entsprechend schwer. 1924 kam ein Gesetz, dass den Indianern Staatsbürgerschaft und Wahlrecht ermöglichte. Genau so ungeheuerlich wie dieser späte Zeitpunkt war, dass darüber hinaus in vielen Bundesstaaten noch Gesetze gegen Rassenmischung (Anti-miscegenation laws) in Kraft waren. Die letzten wurden erst 1967 als verfassungswidrig aufgehoben… Integration unter dem Recht der Eroberer. Manche Indianer gingen zum US-amerikanischen Militär, folgten den früheren Scouts und Buffalo Soldiers – Integration oder Kollaboration?

Tipis in Nevada
Tipis in Nevada

In den Lederstrumpf-Geschichten von Cooper, die zwischen den 1820ern und 1840ern erschienen, wurden die „Indianer“ vergleichsweise augewogen dargestellt; die „Guten“ waren bei ihm allerdings jene, die sich mit den Engländern (gegen die Franzosen) verbündeten. In Deutschland war es v.a. Karl May mit seinen „Winnetou“-Romanen, mit Apachen im Mittelpunkt, der ab Ende des 19. Jh das Indianer-Bild prägte. Auch einige Sprachbegriffe aus diesem Kulturkreis und jenem des „Orient“, die May (teilweise nicht ganz korrekt) verwendete, fanden Eingang in die deutsche Umgangssprache. Es folgten andere Autoren im deutschsprachigen Raum, wie Käthe Recheis, die Ausstellung von Indianern im Rahmen von „Völkerschauen“, die teils in Zoos stattfanden, und (auch in Deutschland) die Wildwest-Shows von „Buffalo Bill“, der seinen Beitrag zur Ausrottung der Bisons geleistet hatte. Sie alle thematisierten die nordamerikanischen, meist nomadisch lebenden Indigenen, nicht die heutigen Azteken (Nahua) oder Inkas (Quechua). Es folgte ihr Einzug in den Film und die globale Populärkultur.

Der „Buffalo Bill“ genannte William Cody hatte an er Verlängerung der Eisenbahn in den Westen der USA mit gearbeitet, nicht zuletzt, indem er massenhaft Bisons erschoss. Durch die Eisenbahnlinie war das Vorkommen der Büffel in eine Nord- und eine Südherde geteilt worden. Zuerst wurde die Südherde ausgerottet, dann auch der grösste Teil der Nordherde. Nur im Nordwesten mit den noch nicht unterworfenen Lakota und Cheyenne konnten sich vorerst noch grössere Bisonherden halten. Um den Stämmen dieser Plains-Indianer die Lebensgrundlage zu nehmen und sie durch Hunger in ihre Reservate zu zwingen, dezimierten die Amerikaner auch diese Bisonherden stark. Sie wurden zB gtötet, indem man an Wasserlöchern Scharfschützen aufstellte. Cody war Teilnehmer am Bürgerkrieg der USA, nahm dann auch an den „Indianerkriegen“ Teil, in deren Endphase. Er verübte Morde bzw Kriegsverbrechen, hatte seine Beteiligung an dem Genozid. Dann begann er, Geschichten davon zu erzählen, fand Interesse, veranstaltete ab 1883 seine Wild West-Shows, unrealistische Völkerschauen, die auch nach Europa kamen. Der Maler Schreyvogel malte für diese Shows monumentale Leinwände, tat dies dann auch für die ersten Western-Filme; diese stellen auch eine inhaltliche Anknüpfung dar, sind eine Verlängerung der Unterwerfung der ersten Amerikaner.

indianerDer Wikipedia-Artikel „Indianerbild im deutschen Sprachraum“ ist sehr deutsch, die Begriffe „Antisemitismus“ oder „Antiamerikanismus“ tauchen einige Male darin auf. Das geht v.a. auf die Benutzer P. und R. zurück, die etwa auch jenen über das AIM oder Aquash dort mitgeprägt haben. Die Obsession der beiden mit Relativierung und Diffamierung in Bezug auf Indianer in der heutigen USA passt zu ihren (neo)konservativen und rassistischen sonstigen Tendenzen, z.B. Sarrazin. Das „Antiamerikanismus“-Geklage bedeutet in dem Zusammenhang auch, die Indianer aus der US-Gesellschaft herauszudividieren (in die sie ja auch nie als gleichwertig integriert wurden); es zeigt einen Sündenstolz, bezüglich des deutschen Genozids. Indem sie über die deutschen Haltungen „zugunsten“ der Indianer lamentieren, zeigen sie ihre (deutschen) Sehnsüchte, an der Seite eines siegreichen weissen Imperiums zu stehen. Wie im Nationalsozialismus und anderen Faschismen wird die Gleichheit Nicht-Weisser oder die „Rassenmischung“ abgelehnt. Und dabei stehen sie in schlechter Tradition, denn, wie andere Einwanderer beteiligten sich auch Deutschamerikaner an der Verfolgung der Indianer.

Unter den Einwanderern aus Lateinamerika, die ab den 1960ern in grosser Zahl kamen, sind viele „Indios“ oder Personen mit indianischem „Einschlag“, v.a. unter den Mexikanern, die in den Südwesten der USA (der früher zu Mexiko gehörte) gingen, zB Cesar Chavez. Einer der ersten „Latinos“ im Kongress der USA, „Dennis“ Chavez, hatte einen indianischen Einschlag, er stammte aus New Mexico, war in USA-Zeit geboren. Zuvor schon, zu Beginn des  20. Jh, wirkte im Kongress Charles Carter aus Oklahoma (ein Chicksaw/Cherokee).

Der Bundesstaat mit dem höchsten Anteil an Ureinwohnern ist Alaska, das spät zur USA kam. Der Siedlungs-Schwerpunkt der Nachkommen der Ureinwohner bzw Völkermord-Überlebenden ist aber eher der Südwesten, die Mitte des 19. Jh von Mexiko eroberten Gebiete, v. a. New Mexico (darunter viele Einwanderer aus Mexiko) und Arizona. Die grössten Völker bzw Nationalitäten leben auch in dieser Region: Navajo, Hopi, Cherokee (teilweise in den Great Plains), Apachen, Komanche,… Dann sind die nördlichen „Great Plains“ zu nennen, wo Sioux-Gruppen wie die Lakota und Dakota, Cheyenne, oder Schwarzfuss leben. Im Osten leben u.a. Irokesen/Iroquois/Haudensaunee (u.a. Mohawk) und Creek. Es sind rund 2 Millionen Angehöriger dieser Völker in der USA heute, das ist weniger als 1% der Gesamtbevölkerung.

Es kommt darauf an, wie man zählt. Teilweise werden nur die traditionell, in Reservaten, lebenden dazugerechnet. Viele zeigen bzw leben ihre Zugehörigkeit zu den Indianern bzw einem bestimmten Volk aber nicht mehr über Kleidung, Sprache, Wohnen, etc, und leben mehr oder weniger assimiliert an die Mehrheitsgesellschaft. Dann die Frage der Aussengebiete: Alaska mit seinen Inuit (Eskimos) und Aleut ist zu berücksichtigen, bei Puerto Rico (Taino, Caraib) ist das schon fraglicher. „Eingeborene“ in Hawaii (polynesische Hawaiianer) oder Guam (spanisch geprägte Malaio-Polynesier) sind ethnisch mit den aus Nordost-Asien nach Amerika eingewanderten „Indianern“ nur entfernt verwandt. Einwanderer aus Lateinamerika zählen meist als „Latinos“, auch wenn sie „reinblütige“ Indianer sind. Auch die mit anderen Amerikanern „Vermischten“ (wie Don Johnson, Jessica Biel oder Jimi Hendrix) werden nicht zu den „Native Americans“ (oder „American Indians“) gezählt.

indians
„Indianische“ Völker in Nord- und Mittelamerika

Die traditionelle Kultur der nordamerikanischen Indianer (Schamanismus,…) war auch für viele 1968er ein Gegenentwurf zur modernen westlichen Zivilisation; sie wird aber auch, teils an den Indianern vorbei, für Tourismus und Folklore vermarktet. 1968 wurde das American Indian Movement (AIM) von neuen Aktivisten wie Clyde Bellecourt und Dennis Banks gegründet, die sich ausserhalb der Grenzen der Reservate, Stämme und Völker engagieren wollten, gegen die Indianerpolitik der USA. Das COINTELPRO-Programm des FBI richtete sich neben Black Panthers u.a auch gegen das AIM.; nicht aber gegen Nazi-Organisationen, die in USA legal sind. Ward Churchill, aktiv für indianische Anliegen u.a. im AIM, brachte 1988 zusammen mit Jim Van der Wall „Agents of Repression“ heraus, in dem er Methoden des Programms beschrieb, u.a. Unterwanderung. Ein neues Gesetz 1975, der Indian Self-Determination Act, brachte einige Verbesserungen. Marlon Brando war ein Unterstützer des AIM. Der Grosse Gang 1978 war eine weitere AIM-Aktion.

Tribalisierung ist auch hier ein Mittel zur Kontrolle; Tradition wird gegen Selbsbestimmung und Fortschritt ausgespielt, wie in Südafrika zu Apartheid-Zeiten und in anderen Zusammenhängen; auch irgendwie in Afghanistan, wo in den 1980ern traditionelle, religiöse, rurale Kämpfer vom Westen gegen die Kommunisten unterstützt wurden. Widerstand ist nur durch Zusammenhalt über Volks-/Stammesgrenzen möglich, und diese Grenzen werden von den Herrschenden möglichst aufrecht gehalten. Zersplitterung in Völker und Stämme macht(e) Widerstand schwierig. In Südafrika war die „Grosse Apartheid“ die Errichtung von Homelands für die Völker, deren Auslagerung aus Südafrika in diesen Begrenzungen, und Priviligien für traditionelle Führer, die Verbündete des Apartheid-Regimes wurden und gegen die schwarze Widerstandsbewegung ausgespielt wurden. In der Spätzeit der Apartheid wurde die Homeland-Partei Inkatha als Zulu-Nationalpartei und Konkurrent zum ANC aufgebaut. Bei den amerikanischen Indianern werden Zusammenschlüsse über Stämme und Reservate hinweg zu verhindern versucht, werden Gräben hergestellt, und gibt es ein Frohlocken darüber.

Logo des AIM
Logo des AIM

Russell Means (Oyate Wacinyapin in der Lakota-Sprache) wurde 1939 in der Pine Ridge Reservation der Oglala Sioux in South Dakota geboren. Die Oglala sind ein Stamm der Lakota welche ein Zweig der Sioux sind. Heimat der Lakota sind v.a. die Dakota-Staaten bzw der Norden der Grossen Plains, besonders die „Black Hills“, wo auch Little Big Hoorn liegt. Means ging mit den Eltern nach San Francisco, lebte dann in diversen Reservaten. Er „verfiel“ Alkohol und Drogen ehe er mit Aktivismus für die Indianer, besonders die Lakota, im Rahmen der US-Bürgerrechtsbewegung, begann. Anfang der 1970er wurde er zum wichtigen Anführer im AIM, das auch militante Aktionen durchführte. Means nahm an den AIM-Besetzungen der Alcatraz-Insel 1969 bis 71 (mit seinem Vater), von Mount Rushmore, einer Mayflower-Nachbildung, der BIA-Zentrale (zum Abschluss des Trail of Broken Treaties 72/73), und Wounded Knee 1973 teil.

Wounded Knee liegt im Pine Ridge Reservat, die Protest-Aktion 73 an der Stelle des 1890er-Massakers richtete sich gegen häufige Gewalt gegen Indianer ausserhalb des Reservats, den Häuptling Wilson und die Indianerpolitik der USA. Eine Belagerung durch bewaffnete staatliche Kräfte der USA führte zu einer Schiesserei. 1975 gab es in Pine Ridge wieder Gewalt, dabei wurde Leonard Peltier verhaftet, dann des Mordes an zwei FBI-Beamten verurteilt. Es wurden in dieser Zeit Kollaborateure/Spitzel für das FBI im Reservat aufgedeckt bzw verdächtigt (auch in Bezug auf Peltiers Verhaftung); der Mord an der kanadischen AIM-Aktivistin Anna Mae Aquash soll damit in Zusammenhang stehen. Means engagierte sich dann wieder in seinem Reservat, in dem er in Führungskämpfe verstrickt wurde. Er unternahm auch Versuche, die Sache der USA-Indianer/Ureinwohner im Rahmen der UN zu einer internationalen Angelegenheit zu machen. Der UN-Spezialberichterstatter zu Indigenen, James Anaya, US-Indianer (Apache u.a.), hat auch Kritik an den diesbezüglichen Verhältnissen in der USA geübt.

In den 1980ern kam es zu einer inhaltlichen Spaltung im AIM, v.a. aufgrund der Frage, inwiefern Widerstand der Meskito-Indios (im Rahmen der Contras) in Nicaragua gegen die sandinistische Regierung berechtigt war bzw. inwiefern eine Unterdrückung eines verwandten Volkes vorlag. Der Hintergrund war dieser: Nicaraguas Meskito-Küste im Osten (Karibik/Atlantik) war lange unter britischer Herrschaft gewesen. Die dortige Bevölkerung, die Mosquito/Miskito-Indianer, sind etwas mit Schwarzen vermischt (aber so gering dass sie zu den Indianer-Gruppen Nicaraguas gezählt werden und nicht zu den Mischlingen, wie die Garifuna) und vorwiegend englischsprachig und protestantisch. Die Miskitos im Landesinneren sind hingegen nicht britisch geprägt, sind katholisch. Jene an der Küste wurden schon von den Briten gegen Neu-Spanien instrumentalisiert; waren im frühen Nicaragua eine zeitlang autonom. Anfang des 20. Jh ersetzte für die Miskitos die Bindung an die USA jene an GB.

Bald nach dem Sturz der Diktatur Somozas 1979 schieden die Bürgerlichen aus der neuen Regierung aus. Reagan baute die „Contras“ gegen die FSLN-dominierte Regierung unter Ortega auf. Und, die Miskitos schlugen sich auf die Seite der Contras. Es ging u.a. um einen Zwist mit der sandinistischen Regierung wegen Autonomieansprüchen der Miskitos, die die Somozas oder andere frühere Herrscher nie zuliessen. Means reiste nach Nicaragua und unterstützte die Miskito-Organisation „Misurasata“, andere Teile im AIM (die Bellecourt-Brüder) dagegen die Sandinisten. Der inhaltliche Zwist führte Anfang der 1990er zu einer heute noch bestehenden organisatorischen Spaltung: Zum einen ist da das Grand Governing Council (GGC) um die Bellecourt-Brüder Clyde und Vernon sowie Dennis Banks in Minneapolis; zum anderen das ICAC mit lokalen Führern wie Means oder Robert Robideau als Führung.

Verbunden mit der Nicaragua-Sache ist der Konflikt um den Aquash-Mord; Means beschuldigte die Bellecourts, ihre Ermordung in Auftrag gegeben zu haben. Er engagierte sich auch in/für Drittparteien, u.a. Libertarians und Grüne, sowie für Ron Paul. Er bevorzugt die Bezeichnung „American Indian“, u.a. wegen den Verträgen der Indianer mit US-Regierungen. 07 verkündete er den Rückzug der Lakota von diesen Verträgen, proklamierte eine von der USA unabhängige Lakota-Republik, in den Grenzen des Fort Laramie-Vertrags von 1851, einem Territorium das sich auf 5 Bundesstaaten erstreckt. Ein Garrison vom BIA zur Lakota-Republik: ”It’s not like we haven’t had individual groups that have declared independence from the federal government all the way from Montana to Texas; and as long as they want to go out and sit on a hill and play paramilitary and be independent, that’s fine. That’s every American’s right. But the bottom line is when they begin the process of violating other people’s rights, breaking the law, they’re going to end up like all the other groups that have declared themselves independent – usually getting arrested and being put in jail”. Die Regierung der Republik befindet sich in Pine Ridge. Means bezeichnete Indianer die nicht mitmachen, als „Vichy-Indianer“. Der Vorwurf der Komplizenschaft mit der USA-Regierung gegen Indianer-Interessen wird aber auch vom AIM-GGC gegen die Means-Gruppe erhoben, wenn auch nicht in Fragen wie dieser. Er war auch als Schauspieler tätig. In 4. Ehe war er mit einer Navajo verheiratet. Er starb im Oktober ’12.

Unabhängigkeits-Bewegungen von der USA gab und gibt es tatsächlich einige. Vorwiegend in den Bundesstaaten ausserhalb des geschlossenen Staatsgebietes (Hawaii, Alaska), sowie in Aussenbesitzungen ohne Bundesstaat-Status, v.a. Puerto Rico. Im Staatsgebiet ausserdem von diversen anderen Indianer-Völkern und anderen Minderheiten. Und auch innere Gewalt hat es nach dem Ende der Expansion und dem Bürgerkrieg immer wieder gegeben. Der Puerto Rico-Unabhängigkeits-Kampf, heute von einer Partei geführt (der PIP), wurde früher von Guerilla-Organisationen geführt. Militante Indianer-Aktionen wurden meist von AIM unternommen. Dann der Kampf der Schwarzen um Gleichberechtigung in den 1950ern & -60ern, zT  in den Südstaaten. In der damals amerikanischen Panamakanal-Zone gabs ’64 Unruhen; dieses Gebiet ist eines jener, das die USA nach langer Herrschaft abgegeben haben, wie Philippinen oder Mikronesien (in solchen Gebieten sind heute meist US-Militär-Basen). Und, auf Guam gab es 1944 (2. WK) rassische Unruhen zwischen weissen und schwarzen USA-Soldaten…

Wenn es um staatliche Unterstützung geht, wird die Selbstständigkeit der Indianer gerne betont, wenn es um die Ausbeutung von Bodenschätzen geht, wird diese gern relativiert/unterminiert. Die 1946 gegründete Indian Claims Commission hat juristische Ansprüche von Stämmen an den Staat behandelt. Viele Fälle zogen sich bis in die 1970er, manche bis ins 21. Jh. Etwa jener, in dem Indianerstämme um Entschädigung für entgangene Einnahmen aus der Förderung von Öl und Erdgas auf ihrem Land gekämpft hatten, das seit 1887 vom Innenministerium verwaltet wurde. Hauptklägerin im Verfahren gegen Innenminister Ken Salazar war die Schwarzfussindianerin Elouise Cobell, die Urenkelin eines legendären Häuptlings aus Montana. Die Regierung hat sich dabei zur Zahlung der Summe von 3,4 Mrd. Dollar bereiterklärt. Obamas Innenminister Salazar sprach von einer „historischen Entwicklung“.

Barack Obama hat sich mehr als jeder andere Präsident für die Belange der Indianer eingesetzt – sagte David Archambault, Stammeschef der Standing Rock Sioux Tribal Nation in Cannon Ball (North Dakota), als dieser erstmals während seiner Amtszeit ein Indianerreservat besuchte. Bei einem traditionellen Powwow, einem Indianertreffen, machte sich Obama damals für bessere Wirtschaftsförderung sowie Bildungs- und Jobchancen für die Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner stark. Archambault  erinnerte damals an Sitting Bull, der einst die Regierung in Washington gebeten habe, ihm einen „ehrlichen Mann“ zu schicken. Bei einer Konferenz mit den mehr als 560 von Washington anerkannten Stämmen in der Hauptstadt sagte Obama vorsichtig, Washington habe den indianischen Gemeinden nicht immer „den Respekt von Nation zu Nation gezollt, den sie verdienen“.

http://www.aimovement.org/ (GGC)

http://www.republicoflakotah.com/

Nicht-anerkannte Stämme

Das war der wilde Westen

Thomas Jeier: Die ersten Amerikaner. Eine Geschichte der Indianer (2011)

Renate Kiefer, Lenelotte Möller: Die grossen Reden der Indianer (2012)

Ulrich van der Heyden: Indianer-Lexikon. Zur Geschichte und Gegenwart der Ureinwohner Nordamerikas (1992)

Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas (1981)

David Fermer (Hg.): Nordamerika. Mythen, Märchen und andere Geschichten (2013)

Siegfried Augustin: Die Geschichte der Indianer. Von Pocahontas bis Geronimo 1600-1900 (1995)

Roxanne Dunbar-Ortiz, Dina Gilio-Whitaker: “All the Real Indians Died Off“: And 20 Other Myths About Native Americans (2016)

Martin Cruz-Smith: Der andere Sieger (1991). Kontrafaktischer Roman mit einem Sieg der Indianer nach Little Big Hoorn, der Gründung eines Staats mitten in der USA, mit Unterstützung von GB

Die indianisch-US-amerikanische Schriftstellerin Louise Erdrich, deren Vater deutscher Abstammung ist, thematisiert in ihren Werken immer wieder das Zusammenleben von „Weiss“ und „Rot“, insbesondere auch das Schicksal deutscher Einwanderer. Nennenswert u.a. ihr Roman „Love Medicine“ (1984), Deutsch „Liebeszauber“

Der kanadische Cree Neil Diamond hat eine aufschlussreiche Dokumentation über die Darstellungen der Indianer in Western und anderen Hollywood-Filmen gestaltet („Reel Injun“, 2009)

Robert Altman hat 1976 (zum 200-Jahr-Jubiläum der United States of America) den Film „Buffalo Bill und die Indianer“ („Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull’s History Lesson“) gedreht, einen revisionistischen Western, in dem er den amerikanischen Mythos des Heldentums, wonach edle weisse Männer blutrünstige Wilde niederrangen, aufspiesst. Der Film basiert auf einem Theaterstück von Arthur Kopit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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