Geschichtsirrtümer

Man muss dabei zwischen Fehlern von Historikern (eigentliche Geschichtsirrtümer) und solchen von Laien unterscheiden. In der Geschichtsschreibung oder -auffassung sind die Grenzen zwischen Revisionismus, Fälschung, Irrtum und Legende fliessend. Die Dolchstosslegende um Deutschland im 1. Weltkrieg geht auf eine Geschichtspolitik zurück, der Glaube daran ist eine Form von Geschichtsirrtum. Dass Linke hinter den Gladio-Anschlägen standen, sollten diese falsche-Flagge-Aktionen nahelegen. Manche irr(t)en sich insofern als sie das glaub(t)en und evtl sogar weiter verbreiteten. Wo es Rätsel gibt, gibt es meist auch Irrtümer und Lügen, zB rund um den Tod der russischen Zarenfamilie oder beim Turiner Grabtuch, auch nach der Radiokohlenstoffdatierung von 1988. Ein Sonderfall sind Fehler von Handelnden mit Folgen, zB Napoleons russische Invasion im Winter, der russische Verkauf Alaskas an die USA, Columbus’ Glaube wie geplant den Seeweg nach Indien bzw Asien auf dem Westkurs gefunden zu haben und nicht einen “neuen” Kontinent, oder Schabowski mit dem falschen Datum für das Inkrafttreten des Rechtes auf Westreisen.

Geschichtsirrtümer von Laien sind meist Mythen und (nicht als solche verstandene) Legenden, diese werden aber auch von vielen Historikern weiter-/wiedergegeben. Etwa die Ritterlichkeit des “Roten Barons” Von Richthofen (vom Feind angeblich zwar gefürchtet, aber auch geschätzt) oder die Existenz der Päpstin Johanna. Dass es den legendären Wilhelm Tell tatsächlich gab, ist ein Irrtum, der lange geglaubt wurde. Interpretationen von Ereignissen oder Entwicklungen können den Charakter eines Irrtums einnehmen, zB ob Deutschland 1945 besiegt oder befreit wurde, dass die Revolution im Iran um 1979 eine islamische (und nicht eine von Islamisten gestohlene) war, der USA-Bürgerkrieg um die Sklavenbefreiung geführt wurde (und nicht wegen der Sezession). Weiters: Wenn Illig mit seinen revisionistischen Behauptungen Recht hat, ist zB die Existenz Karls d. Gr. ein Geschichtsirrtum; wenn Marco Polo ein Lügner war, irrt die Geschichtsforschung über ihn, entsprechend verhält es sich mit der ersten Mondlandung 1969. Dass vor Columbus andere Europäer Amerika entdeckt haben, wissen inzwischen die Meisten, ebenso dass Jesus nicht im Jahr Null zur Welt kam, sich da jemand (Dionysius Exiguus) verrechnet hat – diese Irrtümer sind inzwischen auch bei Laien weitgehend als solche bekannt. Nun einige Beispiele für Geschichtsirrtümer, zunächst der “Kanon“:

Beim Sturm auf die Bastille, dem Auftakt der Französischen Revolution 1789, ging es den Aufständischen nicht um die Befreiung der wenigen Gefangenen, die dort damals unter relativ guten Bedingungen einsaßen und keine Justizopfer oder politischen Gefangenen waren, sondern hauptsächlich um die Erbeutung der dort lagernden Kanonen und Munition. Die Stürmung, die auch eine Befreiung der Gefangenen brachte, war daneben symbolisch wichtig als ein Sieg über eine Befestigung des Regimes. Die Besatzung der Burg kapitulierte auch, bevor die Menge hereinstürmte. Donatien de Sade wurde übrigens einige Tage vor dem 14. Juli 1789 in eine geschlossene Anstalt in der Nähe von Paris gebracht.

Der nach unten gebogene Daumen in römischen Gladiatorenkämpfen bedeutete (ziemlich sicher) nicht das Todesurteil für den Besiegten, der nach oben gestreckte nicht die Begnadigung. So viel gilt als gesichert: Wenn der Kampf zwischen zwei Gladiatoren nicht mit dem Tod des Verlierers geendet hatte, bat der Unterlegene um Gnade, indem er einen Zeigefinger ausstreckte oder seine Waffen niederlegte. Der Schiedsrichter wandte sich dann an den Veranstalter der Spiele, meist der Kaiser, der das Urteil zu fällen hatte. Dieser übertrug die Entscheidung aber gewöhnlich den Zuschauern. In der allgemeinen Vorstellung, geprägt durch Hollywood-Filme wie Ridley Scotts “Gladiator” sowie Comics wie “Asterix”, zeigten diese ihre Entscheidung über die Begnadigung mit dem nach oben oder unten zeigenden Daumen an. Bis heute ist unter Historikern umstritten, ob und wie die Römer in der Arena Daumenzeichen gaben, aber historisch überliefert ist ein Daumen-an/in-die-Faust drücken (nach unten also) als Begnadigung (so wie man heute jemandem “die Daumen drückt”), als Symbol für das Schwert in der Scheide oder für ein Verbleiben auf dieser Erde. Für ein Todesurteil dürfte der an die Brust (evtl auch an die Kehle) gerichtete Daumen gestanden haben, der den Todesstoss mit dem Schwert vom Schlüsselbein in das Herz symbolisierte, vielleicht auch die Entfernung von Mutter Erde. Ein aufgerichteter Daumen hat (bis) heute in Italien und anderen südlichen Ländern keine positive Bedeutung.

Das Colosseum in Rom heute
Das Colosseum in Rom heute

Marie Antoinette, durch ihre Heirat mit dem Bourbonen Louis Königin von Frankreich, hat nicht gesagt “S’ils n’ont pas de pain, qu’ils mangent de la brioche” (”…, sollen sie doch Kuchen essen”). Das Zitat legte der Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau in “Les Confessions” schon um 1766 einer “grossen Fürstin” in den Mund – als Maria Antonia von Habsburg-Lothringen, wie sie damals noch hiess, erst zehn Jahre alt war. Es brachte die kalte Gleichgültigkeit, den Zynismus und die Dummheit von Herrschenden gegenüber den Nöten des Volkes zum Ausdruck und kam in der Frühphase der Französischen Revolution zu seiner Verwendung.

Nero musizierte nicht während Rom 64 nC brannte. Es ist umstritten, ob der Kaiser den Brand legen liess, wahrscheinlich wurde er gar nicht gelegt. Gerüchte (von Tacitus verbreitet bzw wiedergegeben) besagten, er wollte Platz für einen riesigen Palast schaffen, habe vom Brand  zumindest profitiert. Nero verdächtigte Christen oder aber brauchte einen Schuldigen für den Brand, schon allein um den Verdacht von sich abzulenken. So kam es zur ersten Christenverfolgung (die Todesstrafen wurden u.a. durch Kreuzigung oder Auslieferung an Tiere in der Arena vollstreckt), welche später sein schlechtes Image festigte. Wie bei Marie Antoinette wird mit der Geschichte ein Bild „transportiert“.

Napoleon war nicht klein, er erreichte mit etwa 1,68 m eine für Männer seiner Zeit durchschnittliche Körpergrösse. Die Fehlzuschreibung geht entweder auf einen Umrechnungsfehler von Maßeinheiten oder britische Kriesgpropaganda zurück; sie hat den österreichischen Psychotherapeuten Alfred Adler sogar dazu veranlasst, den Minderwertigkeitskomplex kleingewachsener Männer und dessen Überkompensation “Napoleon-Komplex” zu nennen.

Die Wandalen, die 455 in Rom einfielen, waren nicht die Zerstörer und Barbaren, die der Begriff  “Vandalismus” nahelegt. Der seither verwendete Begriff (sprachlich von diesen Germanen abgeleitet aber historisch wenig begründet) ist wahrscheinlich zur Zeit der Französischen Revolution entstanden.

Im Mittelalter glaubte man nicht an die Scheibengestalt der Erde. Die damaligen Wissenschafter wussten, dass sie eine Kugel ist, etwas das schon in der griechischen Antike festgestellt wurde. Die entsprechende Mär soll im 19. Jh aufgekommen sein, als damalige “Fortschrittler” die damaligen Konservativen bzw das “christliche Denken” diffamieren wollten; dem amerikanischen Historiker Jeffery B. Russell zufolge, und er nennt dabei u.a. Thomas Paine. Der Byzantiner Kosmas Indikopleustes hat zB im Mittelalter die Kugelgestalt der Erde angefochten. Geglaubt hat man im MA, aus verschiedenen Gründen, dass auf der gegenüberliegenden Erd-Seite (Antipode) keine Menschen leben. Aus der Sicht der Flat Earth Society ist die Kugelgestalt der Erde ein Irrtum (kein historischer).

Albert Einstein, der Schutzpatron aller Schulnieten, dürfte kein schlechter Schüler gewesen sein. Die “Legende” dürfte auf eine falsche Interpretation des Schweizer Notensystems zurückgehen.

Das Folterinstrument Eiserne Jungfrau dürfte es nicht gegeben haben, es gab Schandmäntel, ohne Nägel nach innen; ähnlich verhält es sich mit dem Keuschheitsgürtel, der Mythos darum dürfte in der frühen Neuzeit entstanden sein, vermutlich um ein besonders düsteres Bild des Mittelalters zu zeigen. Bei der Eisernen Jungfrau dürften sich die Historiker bzw Ur-Heber der “Legende” selbst geirrt haben, beim Keuschheitsgürtel saß man einer verbreiteten Legende auf.

Kleopatra dürfte nicht so schön gewesen sein

Julis Caesars angeblich letzte Worte “Et tu, Brute?” (“Auch du, Brutus?”), zu einem der Mörder, haben keine historische Basis. Sie gehen auf den Historiker Suetonius zurück, der aber davon berichtete, dass anderen zufolge Caesar diese Worte auf Griechisch (“Kai su, teknon?”) sagte. Shakespeare griff die Worte in seinem Stück über den römischen Diktator und Konsul auf, brachte sie auf Latein. Vermutlich waren seine Verletzungen durch die zahlreichen Dolchstiche zu schwer, um noch sprechen zu können. Auch Goethes angeblich letzte Worte vor seinem Tod 1832, “Mehr Licht”, und jene Luthers 1521 am Reichstag inWorms (“Hier stehe ich,…”) gehen auf unverlässliche Quellen zurück und dürften den Betreffenden in den Mund gelegt und bzw dort verdreht worden sein. Gandhi dürfte den ihm zugeschriebenen Aus-Spruch über die westliche Zivilisation nicht getätigt haben.

Die ersten deutschen Autobahnen wurden nicht unter Hitler gebaut

Archäologen haben viele Wikinger-Artefakte ausgegraben – ein mit Hörnern verzierter Helm war aber nicht darunter

Charles Lindbergh überflog nicht als Erster den Atlantik, auch nicht Non-Stop, aber als Erster allein

Kapitän Bligh war kein Tyrann

Die römischen Kriegsschiffe wurden nicht von Sträflingen gerudert

Und jetzt einige seltener aufgeklärte Annahmen:

Joseph McCarthy war nicht Mitglied im Ausschuss für „unamerikanische Untriebe“; dieser war ein Ausschuss des Repräsentanten- Hauses, wogegen McCarthy dem Senat angehörte. Der Republikaner aus Wisconsin war dort u.a. im Unterausschuss “zur Überprüfung der Staatstreue von Angestellten des Aussenministeriums“, besser bekannt unter der Bezeichnung Tydings Committee, aktiv. McCarthys aggressive Paranoia bezog sich auf die “Unterwanderung” des amerikanischen Regierungsapparats durch Kommunisten, der “sein” Komitee auch “nachging”; der Ausschuss der unteren Kammer des US-amerikanischen Parlaments veranstaltete dagegen eine Hexenjagd um vermeintliche Kommunisten in anderen Bereichen der Gesellschaft, nicht zuletzt Künstler und Einwanderer. Dennoch, beide Parlaments-Ausschüsse entsprangen der selben Geisteshaltung und waren in derselben “Ära” aktiv und diese wurde von diesem Alkoholiker geprägt und nach ihm benannt.

Die Motivation der japanischen Führung für ihre Kapitulation am Ende des 2. Weltkriegs kam nicht allein von den amerikanischen Atombombenabwürfen, sondern auch von der Kriegserklärung der Sowjetunion in den selben Tagen. Schon in den Wochen vor den Atombombenabwürfen hatte das USA-Militär mehr als 60 Städte, darunter Tokio, mit den heftigsten Bombardements der Kriegsgeschichte überzogen. Am 6. August der Abwurf der Atombombe über Hiroshima. Es gab danach keine Krisensitzung des obersten japanischen Kriegsrats. Am 8. August gab die Sowjetunion ihren Nichtangriffspakt mit Japan auf und erklärte ihm den Krieg; noch in der folgenden Nacht marschierte die Rote Armee in die Mandschurei ein, wo die Japaner einen Marionettenstaat errichtet hatten, sowie auf den Kurilen. Später am 9. August die nukleare Bombardierung Nagasakis. Danach veranlasste Kaiser Hirohito den Kriegsrat und die Regierung, die in Potsdam festgehaltenen Bedingungen für eine Beendigung des Kriegs zu akzeptieren. Premierminister Admiral Suzuki stimmte zu, es gab aber ein langes Ringen, die meisten Militärs waren gegen die Kapitulation, in den frühen Stunden des 10. dürfte die Entscheidung gefallen sein. Japan kapitulierte am 15. 8. Es war wahrscheinlich die Kombination aus dem sowjetischen Kriegseintritt gegen Japan (der zu einer baldigen Invasion führen “musste”) und den Atombomben (von denen man weitere erwarten musste), die dazu führten. In der Nacht zum 15. versuchten Teile des Militärs noch, mit einen Putsch die Kapitulation zu verhindern, Premier Suzuki zu töten. Ein interessanter Ansatz für ein kontrafaktisches Szenario (Gelingen dieses Putsches)

Über den NS-“Lebensborn” gab und gibt es den “Mythos”, diese Heime seien “Bordelle” bzw Zuchtanstalten zur qualitativen und quantitativen “Verbesserung” des Nachwuchses gewesen. In Wirklichkeit war es so, dass ledige Mütter, die NS-Kriterien entsprachen und/oder ein Kind von einem SS-Mann erwarteten, dort Aufnahme fanden, zur Entbindung und teilweise zum Aufziehen. Hinzu kamen aus besetzten Gebieten verschleppte blonde Kinder. Dort dann nicht als “rassisch wertvoll” erachtete Geborene kamen in ein KZ.

Einige Mythen und Irrtümer rund um den „Titanic“-Untergang sind bis heute kaum entlarvt, etwa:

– dass Kapitän und Reederei auf Rekordfahrt für das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung waren, hochmütig für einen Temporekord das Leben ihrer Passagiere aufs Spiel setzten. Diese Behauptung geht auf den 1939 erstmals erschienenen Roman „Titanic“ von Josef Pelz von Felinau zurück (eine Art Tatsachenroman), in dem der Autor diese angebliche Wettfahrt und weiteres aus rein dramaturgischen Gesichtspunkten erfand.

– dass der Eisberg den Rumpf der „Titanic“ über Dutzende Meter Länge aufschlitzte – allein schon durch die Gegenüberstellung der spezifischen Dichte von Eis und jener von Stahl eine physikalische Unmöglichkeit. Es gab vielmehr sechs kleine Lecks durch die Kollision mit dem Eisberg.

–  dass die Eigentümer das Schiff als „unsinkbar“ angepriesen hätten und der Untergang damit nachgerade „bestrafter Hochmut“ sei, stimmt auch nicht. Es wurde von Medien so charakterisiert, wegen den abschottbaren Abteilungen

– dass Eisbergwarnungen ignoriert wurden. Es wurde vielmehr deshalb der Kurs des Schiffs geändert.

– Kaum jemand weiss, dass beim Untergang der „Dona Paz“ auf den Philippinen 1987 über 4 300 Menschen ums Leben kamen, ein Vielfaches der Opfer der Titanic

Anne Frank ist im KZ (Bergen-Belsen) an Typhus gestorben, wurde nicht vergast. Die Verantwortung für den Tod liegt natürlich trotzdem bei den Initiatoren dieses ethnischen Genozids

Alfred Redl, der österreichisch-ungarische Generalstabsoffizier, der u. a. für das Russische Reich spionierte, wurde anscheinend nicht mit seiner Homosexualität erpresst und er trat selbst an die Russen heran. In den Unterlagen über Redl in russischen Archiven finden sich keine Hinweise auf seine Homosexualität. Er brauchte Geld für seine Partner bzw seinen aufwändigen Lebensstil.

Dass die Swastika aus Indien stammt und von deutschen Nazis zweckentfremdet wurde und nicht erfunden (selbiges gilt für den Ausdruck “Arier”), weiss die Geschichtsforschung,  wissen zumindest die meisten Gebildeten, ist aber ein unter vielen “Laien” verbreiteter Irrtum

Im jüdisch-christlichen Geschichts-Mythen-Komplex gibt es “Märchen”, die noch immer von Manchen als faktisch gesehen werden; dieser Komplex ist Gegenstand von Geschichtspolitik. Moses galt bis in die Zeit der Aufklärung als historische Person und Verfasser der Bücher des Pentateuch/der Thora. Es gibt dort Geklautes aus anderen Kulturkreisen. Es gibt Irrtümer bezüglich dem was in Bibel/Tanach steht; bei Adam und Eva ist etwa nicht von einem Apfel die Rede.

Vorislamische National-Geschichten heutiger islamischer Staaten werden sowohl von Islamisten wie Islamophoben gern unterschlagen, auch von Historikern,  v.a. bei Ägypten, Iran, Irak, Palästina. Es ist zB ein Irrtum, dass palästinensische Ansprüche auf ihr Land von der Erwähnung Jerusalems im Koran abhingen oder dass die Vorfahren der heutigen Palästinenser mit den arabischen Eroberungen im 7. Jh in dieses Land kamen

Die gefälschten Hitler-Tagebücher sollten Geld einbringen, aber auch Geschichts-Revisionen bewirken bzw das vorherrschende Narrativ als Irrtum überführen

Geschichtliche Irrtümer in Vorhersagen/Erwartungen > zB Fukuyamas “Ende der Geschichte” mit dem Ende des Kalten Kriegs

Andere Arten von Irrtümern: Die Mär dass man die Chinesische Mauer aus dem All sieht, ist auch ein Irrtum/Mythos, aber eben kein historischer. Der Piltdown-Schädel war eine wissenschaftliche Fälschung aus einem anderen Bereich, die man irrtümlicherweise eine Zeit lang nicht erkannte. In Georgien gibt es wahrscheinlich nicht überproportional viele Alte. Moderne Sagen, urbane Mythen, Grossstadtlegenden, Schauermärchen, Zeitungsenten, erfundene Anekdoten sind auch Arten von Irrtümern; zB: “Harry, fahr schon mal den Wagen vor” soll “Derrick” so wörtlich nie gesagt haben. Lange glaubte man auch, ein hervorstehendes Kinn hinge mit einem starken Charakter zusammen. Strausse stecken nicht bei Gefahr den Kopf in den Sand. Justizirrtümer: Galilei musste etwa im 17. Jh unter dem Druck der Inquisition seinem “Irrtum” abschwören, dem heliozentrischen Weltbild; rund 400 Jahre nach dem Urteilsspruch wurde er von Papst Johannes Paul II. 1992 rehabilitiert.

Literatur:

Frank Fabian: Die größten Lügen der Geschichte. Wie “historische Wahrheiten” gefälscht wurden (2009)

Friedemann Bedürftig: Als Hitler die Atombombe baute. Lügen und Irrtümer über das Dritte Reich (2004). Legenden und Irrtümer zur Nazi-Zeit werden richtig gestellt, etwa dass man mit dem Angriff auf die SU dieser zuvorzukommen wollte/musste, oder um den Reichstagsbrand

Bernd Ingmar Gutberlet: Irrtümer und Legenden der deutschen Geschichte (2002)

Frank Fabian: Die größten Fälschungen der Geschichte. Was nicht in unseren Schulbüchern steht (2013). Auch über die Misskonzeptionen über Urheberschaften antiker Kulturen

Stephan Conermann (Hg.): Mythen, Geschichte(n), Identitäten. Der Kampf um die Vergangenheit (1999)

Reiner Ruffing: Kleines Lexikon wissenschaftlicher Irrtümer (2011)

Jörg Meidenbauer: Lexikon der Geschichtsirrtümer (2004). Sehr populärwissenschaftlich; anscheinend schreibt er dort, dass der Attentäter von Sarajevo “Kroate war”, nicht Serbe – was ein irrtümlicher Irrtum wäre, Princip war (je nach Sicht) serbischer Bosnier oder Serbe

Gerhard Prause: Niemand hat Kolumbus ausgelacht – Populäre Irrtümer der Geschichte richtiggestellt (erste Ausgabe 1995)

Klaus Waller: Lexikon der klassischen Irrtümer. Wo Einstein, die katholische Kirche und andere total danebenlagen (1999)

Jean-Francois Bouvet: Vom Eisen im Spinat und anderen populären Irrtümern (2002; Original Du fer dans les épinards. Et autres idées reçues Poche, 2000)

Walter-Jörg Langbein: Lexikon der biblischen Irrtümer (2003)

Ralf Höcker: Lexikon der Rechtsirrtümer (2004)

Udo Pollmer, Susanne Warmuth: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer (2004)

Christa Pöppelmann: Die neuen Irrtümer der Allgemeinbildung (2009)

Walter Krämer, Götz Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer (1996)

Werner Fuld: Das Lexikon der Fälschungen (1999)

Oliver Ernst, Jan Claas Freienstein, Lina Schaipp: Populäre Irrtümer über Sprache (2011)

Rainer Köthe: 120 populäre Irrtümer über Sonne, Mond und Sterne. Von funkelnden Fixsternen, kleinen grünen Männchen und dem unendlichen Universum (2005)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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