Möglicherweise geschobene Fussball-Spiele

Es geht hier nicht um Schiedsrichter-Fehlentscheidungen, etwa jene des Ecuadorianers bei Südkorea gegen Italien bei der WM 2002 (wobei gerade bei diesem Spiel möglicherweise nicht [nur] Inkompetenz im Spiel war…). Ein anderes Thema sind auch sicher geschobene Spiele. Manipulation geschieht in der Regel aus zwei verschiedenen Gründen, des sportlichen Erfolges halber oder wegen Wettgewinnen. Nicht immer sind die Akteure des betreffenden Spiels auch Profiteure der Schiebung.

Prominente Fälle aus der zweiten Kategorie ist etwa der Totonero-Skandal, in der italienischen Liga 1979/80, während dieser Saison von der von Guardia di Finanza aufgedeckt. Nationalspieler Rossi von Perugia oder Giordano waren involviert. Oder in der deutschen Bundesliga 1971 und 2005 (Hoyzer), ’06 wieder in Italien (rund um Juventus Turin), 09 in diversen europäischen Ligen, 1964 in England, in Österreich vor einigen Jahren um Kuljic und Taboga,…

Standard Lüttich half bei seinem belgischen Titelgewinn 1981/82 nach. Im letzten Meisterschaftsspiel gewann Standard gegen Thor Waterschei, und setzte sich damit gegen Anderlecht durch. Geld floss zuvor von Lüttich nach Waterschei. 2 Jahre später kam das heraus. Viele Standard-Spieler wie Gerets oder Preud’homme waren involviert und wurden bestraft. Olympique de Marseille wollte 1992/93 (als der Klub auch den Meistercup gewann) in der französischen Meisterschaft auch auf Nummer Sicher gehen, gegenüber dem Konkurrenten Paris SG. Dem Tapie-Klub wurde der Titel aberkannt.

Es geht hier auch nicht um Spiel-Absprachen im Irak unter Saddam Hussein, die geschahen, um nicht bestraft bzw gefoltert zu werden.1 Oder um die Schiebungen im kommunistischen Rumänien damit Rodion Camataru den Goldenen Schuh bekam (? 1987). Oder um Korruption bei der Vergabe von Turnieren.

Das Spiel zwischen den Mannschaften Argentiniens und Perus bei der Fussball-Weltmeisterschaft 1978 war entscheidend für dieses Turnier. Damals wurde die Zwischenrunde in Form von Gruppenspielen ausgetragen, die auch das Semifinale ersetzten. Argentinien, Veranstalterland der WM, und Brasilien hatten im direkten Aufeinandertreffen torlos gespielt und am letzten Spieltag der Gruppe besiegte Brasilien zunächst Polen, womit klar war, dass Argentinien gegen Peru zum Gruppensieg und Einzug ins Finale einen Sieg mit vier Toren Unterschied brauchte – Spiele wie dieses waren der Grund, dass letzte Gruppenspiele längst zeitgleich stattfinden. Argentinien gewann 6:0.

Für die Argentinien beherrschende Militärdiktatur unter Videla war die Ausrichtung der Weltmeisterschaft und das Abschneiden „ihres“ Nationalteams eine Prestigesache, international und zur Stabilisierung der Herrschaft im Land. Bei der Schiebung des Spiels sollen eine Lieferung Getreide an Peru (organisiert von Argentiniens Landwirtschaftsminister Zorreguieta), der in Argentinien geborene peruanische Tormann Quiroga, die Präsidenten der beiden Länder, die Auslieferung von Gefangenen und Druck auf die peruanischen Spieler eine Rolle gespielt haben. Videla war unter den Zusehern im Stadion in Rosario, wie auch Ex-USA-Aussenminister Kissinger, der dabei ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte.

Peru, mit Teofilo Cubillas, war regierender Copa America-Sieger und hatte eine grandiose Vorrunde gespielt. Die ersten 15 Minuten war dieses Team auch überlegen. Zur Pause stand es 2:0. Tormann Quiroga hat möglicherweise Schlimmeres verhindert. Unter https://www.youtube.com/watch?v=xH9HZWO7Ez4 ist das ganze Spiel zu sehen. Unter https://www.youtube.com/watch?v=x74qjazOp-I eine Zusammenfassung. Man achte hier etwa ab 3:25 bis zum Abstoss und auf die folgende Aktion, auf das Gegenwehr-Verhalten der Peruaner, deren Körpersprache überhaupt… Eine Möglichkeit ist natürlich, dass sie demotiviert waren für diese Partie. Sie hatten auch bei einem Sieg gegen Argentinien keine Chancen mehr auf das Spiel um Platz 3, waren fix ausgeschieden.

Eines kann man ziemlich sicher sagen, der französische Schiedsrichter Wurtz hatte bei einer möglichen Manipulation keine Rolle. Auch, weil es da ein Foul eines Peruaners gab, auf den es einen Elfer geben hätte können. Bei einer Absprache müssen auch nicht alle Peruaner eingeweiht gewesen sein. 4 Tage später fand das Finale statt. 2012 hat der peruanische Abgeordnete Genaro Ledesma gesagt, es habe einen Handel zwischen den Präsidenten der Staaten, Bermudez und Videla, gegeben: das peruanische Team verliert mit vier Toren Unterschied, Argentinien übernimmt 13 peruanische Dissidenten in Gefangenschaft.

Argentiniens erster WM-Sieg steht also unter einem schlimmen Verdacht. David Yallop behandelte die Sache seriös in „How They Stole the Game“. Eine Darstellung darüber (auf Englisch) auch hier.

Unter Verdacht steht auch Spanien gegen Malta, 1983. Es ging um die Qualifikation für die EM 1984. Die Spanier bekamen im letzten Match den hohen Sieg, den sie brauchten, um die Niederlande noch zu überholen.

Bei den WM-Turnieren 1974 und 1966 gab es möglicherweise absichtliche Schiedsrichter-Hilfe für die jeweiligen Gastgeber-Teams. 1974 eine rote Karte des Bundesdeutschen Tschenscher in der Zwischenrunden-Partie Niederlande gegen Brasilien. Es ging darum, gegen wen die BRD im Finale spielen würde. 1966 der Ausschluss für den Argentinier Antonio Rattin, im Viertelfinal-Match gegen England. Vom Deutschen Kreitlein, wegen seiner verbalen Provokationen. Kreitlein konnte gar nicht Spanisch, wird eingewandt. Berühmt wurde die Sache wegen dem folgenden Sitzstreik Rattins bzw seiner Weigerung, den Platz zu verlassen. Dieser Rattin wurde übrigens Abgeordneter für die rechte Partido Unidad Federalista, geführt von Luis Patti, der unter der erwähnten Jorge Videla folterte. Beide Fälle sind aber wahrscheinlich weit von Schiebung entfernt.

Dann gibts ein Match aus der chinesischen Liga, um das es Diskussionen gab, aber diese Liga ist (noch) zu unbedeutend, um sich darüber auszulassen.

Doping ist auch eine Form der Manipulation; zumal wenn es sich um negatives handelt. So etwas soll es im Achtelfinale der WM 1990 gegeben haben, zwischen Brasilien und Argentinien. Der Brasilianer „Branco“ sagte nach der Niederlage, dass ihm ein argentinischer Betreuer während einer Spielunterbrechung eine Flasche Wasser gereicht habe, nach dessen Konsum ihm übel geworden sei. Diego Maradona bestätigte das später, ein Beruhigungsmittel sei für einen Brasilianer in das Wasser gemischt worden. Trainer Carlos Bilardo sei dahinter gesteckt. Ob das spielentscheidend war, darf bezweifelt werden.

Was das EM-Finale 04 betrifft, Griechenland-Portugal, der Final-Schiedsrichter Markus Merk war Zahnarzt vom griechischen Trainer Otto Rehhagel. Er hat sich aber nichts zu Schulde kommen lassen. Das Match zwischen den Teams Österreichs und Deutschlands 1982 war nicht verabredet; es gab nach 10 Minuten den Spielstand, der Beiden zum Aufstieg genügte, und darauf hin so etwas wie einen unausgesprochenen „Waffenstillstand“.

Beschuldigungen gibt es diesbezüglich bald. Etwa in der Qualifikation für die WM 1994, als Bulgariens Star Christo Stoichkov behauptete, der schwedische UEFA-Präsident Johannsson hätte die Schiedsrichter unter Druck gesetzt, dem schwedischen Team zu helfen. In Jugoslawien gab es die Planinić-Affäre, nach dem Tormann benannt, der 1965 behauptete, dass 1963/64 in der Liga einige Spiele geschoben geworden sein. Man glaubte ihm und es gab einige Sperren, u.a. für Ivan Osim. Als dieser etwa 20 Jahre später jugoslawischer Nationaltrainer wurde, hat der Verband ihm gegenüber den Fehler eingestanden, heisst es.

Gegenüber Andres Escobar wurde der Vorwurf der absichtlichen Manipulation durch sein Eigentor bei der WM 94, im Spiel gegen USA, auch erhoben.

Gerade die Erwähnung der argentinischen Militärdiktatur zeigt, dass es Schlimmeres gibt als manipulierte Fussball-Spiele; etwa das Schicksal der unter Videla Gefolterten oder Ermordeten, oder der westliche Umgang mit dieser Junta oder jener in Chile unter Pinochet.

Falls jemand weitere „Kandidaten“ weiss, bitte um Mitteilung als Kommentar.

http://sportnet.at/home/fussball/bundesliga/4671350/Experte-erklaert_So-werden-FussballSpiele-manipuliert

 

Nachtrag: Das zweite genannte Video, die Zusammenfassung, ist auf Youtube nicht mehr abrufbar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Die Folterungen an irakischen Sportlern begann, als Saddams ältester Sohn Uday 1987 das nationale olympische Komitee übernahm

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