Das Ende der Macht

Es gab Despoten, die ein schlimmes Ende verdient hätten, aber weder im eigenen Land noch von einer anderen Macht zur Rechenschaft gezogen wurde, eines natürlichen Todes starben. Andere kamen unverdient zu einem bösen Ende. “Stalin” ist der Grösste der Despoten, die ungestraft davon kamen, zumindest aus neueren Zeiten. Auch Franco, Mao, Dschingis Khan starben “im Amt”; das geschah natürlich auch mit weniger Schlimmen, von Tito bis Victoria (of Saxe-Coburg-Gotha). Pinochet, Churchill oder Ben Gurion (Grün; der Hauptverantwortliche der Nakba) hatten einen ruhigen Lebensabend, nachdem sie die Macht abgegeben hatten. Buonaparte, der freilich auch für einiges Positive verantwortlich war, wurde immerhin verbannt. Hitler entging durch Selbstmord einer Strafe.

* Der Offizier Samuel Doe stand 1980 an der Spitze eines Putsches in Liberia, mit dem Präsident Tolbert gestürzt wurde (dieser und seine Minister wurden erschossen), was das Ende von 133 Jahren Herrschaft der Americo-Liberianer brachte – und den Beginn von politischer Gewalt, die Liberia möglicherweise jetzt verlässt. Diese Americo-Liberianer, aus Amerika (USA und Karibik) im 19. Jh nach Afrika “zurückgekehrte” Schwarze bzw ihre Nachfahren, machen 2 bis 5% der Bevölkerung Liberias aus. Das ist so wenig, dass diese Gruppe bei der Absicherung ihrer Herrschaft immer auf  “einheimische Schwarze” angewiesen war, als Soldaten oder Polizisten. Und genau aus diesen Sicherheitskräften gab es 1980 die Erhebung, unter Doe.

1989 begann eine neue Erhebung, gegen Doe und sein Regime, der Beginn eines Bürgerkriegs. 1990 nahm die Miliz von Prince Johnson die Hauptstadt Monrovia ein, spürte auch Noch-Präsident Doe auf. Doe wurde unter Anleitung Johnsons zu Tode gefoltert (anscheinend wurden ihm verschiedene Körperteile abgeschnitten und er verblutete), die Sache wurde gefilmt. Johnson unterlag in diesem Bürgerkrieg dann der Miliz von Charles Taylor; er ging ins Exil nach Nigeria und soll dort religiös geläutert worden sein. Nach seiner Rückkehr nach Liberia entschuldigte er sich bei der Familie Does und trat vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission auf. Der ehemalige Warlord wurde dann ins Parlament Liberias gewählt. Kopien des Videos von der Ermordung Does zirkulierten in Westafrika, auch auf Youtube finden sich Ausschnitte davon. Der ivorianische Schriftsteller Ahmadou Kourouma schrieb über Does Ermordung im Roman “Allah n’est pas obligé” (2002).

Auch Libyens Herrscher Ghadaffi wurde zu Tode gefoltert, als er mit seinem Auto-Konvoi zum Abschluss des Aufstandes gegen ihn 2011 in Sirte (mit westlicher Hilfte) in die Hände von Aufständischen fiel. Er wollte anscheinend nach Niger fliehen. Auch davon gibt es Film-Aufnahmen, etwa wie ihm ein Messer in den Anus gestochen wird.

Ermordet im Rahmen oder in Folge von einem Umsturz wurden auch Abdelkarim Kasim im Irak 1963, Gaius Julius Caesar 44 vC (Römische Republik), Nikolai (II.) Romanov (die Geschehnisse von 1918 sind heute weitgehend aufgeklärt), Patrice Lumumba oder Benito Mussolini. Mussolinis Fall stand freilich im Zusammenhang mit einer militärischen Entscheidung, aber da italienische Kräfte an diesem Kampf gegen ihn und Nazi-Deutschland beteiligt waren, ist es etwas Anderes als ein Sturz durch eine Invasion/Besatzung gewesen. Mussolini wurde von Widerstandskämpfern gegen sein Regime gefangen genommen und exekutiert, dann ausgestellt.

* Infolge eines Umsturzes oder einer Besetzung abgeurteilt und exekutiert wurden etwa Amir-Abbas Howeida, Nicolae Ceausescu (Foto), Adnan Menderes, Nazis wie Ernst Kaltenbrunner, Zulfikar A. Bhutto oder Saddam Hussein. So unterschiedlich diese Fälle sind, vom Charakter des betreffenden Regimes bis zu den Umständen der Aburteilung, wenn man die Kategorie so definiert, gehören sie alle zu ihr. Hussein wurde von der Besatzungsmacht gefangen genommen und unter der “Nachfolge”-Regierung vor Gericht gestellt. Angesichts der Menge an (hauptsächlich) Irakern, die unter ihm getötet wurden, braucht man hier nicht anfangen, nach der Angemessenheit der Todesstrafe zu fragen oder über das Verhalten der anscheinend schiitischen Wärter bei der Exekution (https://www.youtube.com/watch?v=eqwTvHIU43c) diskutieren. Louis (XVI.) de Bourbon wurde 4 Jahre nach dem Umsturz verurteilt (durch das Parlament) und hingerichtet (durch die Guillotine).

25. 12. 1989, Targoviste, kurzer Prozess mit den Ceaucescus
25. 12. 1989, Targoviste, kurzer Prozess mit den Ceausescus. Innerhalb von 3 Tagen verlor der Despot Macht und Leben

* Der römische Kaiser (253 bis 260) Valerian (Publius Licinius Valerianus) bemühte sich um die Wahrung der Reichs-Grenzen, gegen Goten wie Perser, und liess Christen verfolgen. 53 vC fand das erste Aufeinandertreffen der Heere des Römischen Reichs und Persiens statt, in Mesopotamien, danach brachen bis zur arabisch-islamischen Expansion über Jahrhunderte hinweg immer wieder Kämpfe statt, in Mesopotamien, Syrien, und Armenien. Die Grenze der Reiche verlief meist am Euphrat. Valerian kümmerte sich selbst um die Abwehr in Syrien. 260 unterlag er mit seinen Truppen bei Edessa (Syrien) gegen die Perser unter dem Sasaniden Schapur I. Kaiser Valerian wurde dabei gefangen genommen, ein einmaliger Vorgang in der römischen Geschichte, auch die dort anwesenden römischen Politiker und Offiziere. Es zirkulieren diverse Geschichten über Valerians Gefangenschaft, etwa dass er jedesmal wenn der persische König ein Pferd bestieg, diesem als „Leiter“ dienen musste – wie es in einem “Triumphrelief” für Schapur in Naqsch-e Rostam dargestellt ist. Sicher ist, dass Valerian nie mehr frei kam und in der Gefangenschaft starb.

Odenathus/Udhainat von Palmyra griff die Perser auf ihrem Rückweg vom Edessa-Sieg an, siegte. In weiterer Folge wurde der Stadtsstaat (de facto) unabhängig vom Römischen Reich, übernahm die Herrschaft über Teile seines Orients. Palmyra wurde für einige Jahre Rivale der Perser in Syrien bzw an seiner Westgrenze.

Infolge eines Umsturzes oder einer militärischen Niederlage eingesperrt/verurteilt wurden auch Nawaz Sharif, Erich Honecker, Mohammed Nashid, Karl Dönitz, Slobodan Milosevic, Hosni Mubarak, Jorge Videla (lange nach der Demokratisierung), Miklos Horthy oder Philippe Petain. Napoleon (III.) Bonaparte musste infolge eines verlorenen Kriegs abtreten und ins Exil gehen, seinem Onkel war es ähnlich gegangen.

* Im Amt befindlich ermordet wurden u.a. Abraham Lincoln, der saudisch-arabische König Faisal al Saud (1975 von seinem Neffen im Palast), JFK, Hendrik Verwoerd, Yizak Rabin, Anwar Sadat, Rafik Hariri, Luis Carrero. In diesen Fällen war der Mord nicht mit einem Umsturz verbunden und wurde daher als Verbrechen geahndet. Engelbert Dollfuss wurde im Rahmen eines Putschversuchs getötet, gehört auch in diese Kategorie.

* Im Rahmen einer militärischen Aktion getötet wurden Ahmed Yassin (in Gaza), Osama Bin Laden oder Salvador Allende. Allende verübte wahrscheinlich Selbstmord im Präsidentensitz Moneda, der angegriffen wurde, kurz zuvor wurde ein Foto von ihm gemacht.

* Abgesetzt worden und dabei Exekution, Gefängnis und Exil entgangen sind zB Alexander Dubcek, Mohammed Mossadegh, Sukarno, Nikita Chrustchow, Necmettin Erbakan. Und Romulus August(ul)us, der letzte Kaiser des Weströmischen Reichs.

Die Krise des Römischen Reichs im Westen hatte schon vor der Reichsteilung begonnen, durch den Einfall germanischer Stämme infolge der Völkerwanderung.  Im Weströmischen Reich dominierte am Ende das Heer, und darin spielten Germanen eine wichtige Rolle. Die Umstände der Erhebung von Romulus Augustus zeigen schon die Machtlosigkeit des Kaisertums gegenüber dem Heer. Nachdem Heermeister Orestes 475 Romulus’ Vater als Kaiser Westroms abgesetzt hatte, erhob er diesen zu seinem Nachfolger. Dieser war damals 15 Jahre alt, sein Spottname “Augustulus” gibt seine Bedeutungslosigkeit und Unerfahrenheit wieder. Das Ende kam im Jahr darauf, mit einem Aufstand der “Barbaren” im römischen Heer wegen Benachteiligungen gegenüber den “echten Römern” dort, nachdem Heermeister Orestes die Forderungen abgelehnt hatte. Anführer war Odoaker, einer der Militärherrscher Westroms, in deren Schatten die Kaiser standen. Orestes, der sich den Aufständischen mit seinen Truppen entgegen stellte, wurde im Kampf getötet.

Der Putsch war erfolgreich, der Kaiser wurde abgesetzt. Für Romulus Augustus wurde kein Nachfolger mehr ernannt. Der Anführer der meuternden Germanen im weströmischen Heer, Odoaker, unterstellte sich dem Oströmischen Reich, wurde von diesem einstweilen als eine Art Lokalherrscher anerkannt. Romulus wurde aus der Hauptstadt Ravenna verbannt, auf ein Landgut bei Neapel, bekam eine Pension ausbezahlt. Es heisst, er habe sich dann der Gartenarbeit gewidmet. Die Abschaffung des Kaisertums wird meist als Ende des Weströmischen Reichs gesehen und als eines der Ereignisse, die das Ende der Antike markieren.

Odoaker wurden dann von den Ostgoten abgesetzt, dann griff Byzanz direkt in Italien ein, das Frankenreich dehnte vom Norden seinen Machtbereich aus,… Zu Beginn des Hoch-Mittelalters hatten sich dann in Italien (ein rein geografischer Begriff damals) die Verhältnisse ausgebildet, die die Region für Jahrhunderte prägen sollten: Byzantinische Herrschaft im Süden (Einfälle der Araber,…), der Kirchenstaat in der Mitte, das Ost-Frankrenreich im Norden (Bildung lokaler Herrschaften dort).

* Von einer gegnerischen Macht entführt und verurteilt wurden etwa Adolf Eichmann (lange nach seiner Machtausübung), Abdullah Öcallan (der relativ wenig Macht ausübte; auch hier war Israel beteiligt), Manuel Noriega.

* Ermordet nach der Zeit der Machtausübung, von privater oder staatlicher Seite wurden Talat Pascha, Haupt-Verantwortlicher für den osmanischen Völkermord an den Armeniern (wurde in der Zwischenkriegszeit in Berlin von einem solchen getötet), Schapour Bachtiar (ebenfalls im Exil; hatte sich nichts zu Schulde kommen lassen; Untertauchen bzw Rücktritt war erzwungen gewesen), Mohammed Najibullah (im Rahmen eines neuen Umsturzes; auch zu Tode gefoltert).

* “Normal” gestürzt wurden zB Tunesiens Ben Ali (> Exil Saudi-Arabien), Ferdinand Marcos (Exil USA), Georgios Papadopoulos (durch Demokratisierung; >Gefängnis), Manuel (II.) de Bragança (letzter König Portugals), Mehmet (VI.) Osmanoglu (der letzte Sultan des Osmanischen Reichs, 1918-1922, von der Atatürk-Regierung zu Rücktritt und Exil gezwungen),…

* Harold Holt verschwand im Meer als er australischer Premier war, starb wahrscheinlich eines Unfall-Tods (Ertrinken). Beim marokkanischen Oppositionellen Mehdi Ben Barka wurde das “Verschwinden” sicher vom Regime des Landes herbei geführt.

* Ohne Umsturz abgeurteilt und eingesperrt wurde Mosche Kazav, wegen sexuellen Vergehen. Philippiniens Ex-Präsident Joseph Estrada, ein früherer Schauspieler, wurde wegen Korruption verurteilt. Er wurde dann von seiner Nachfolgerin begnadigt und ist seither wieder als Politiker aktiv. Bettino Craxi entging einer Verurteilung, indem er nach Tunesien ging. Bei Strauss-Kahn kam der Rücktritt (als IWF-Direktor) aufgrund von Verhaftung und Anklage. Ivo Sanader trat wie Kazav vor seiner Verurteilung (zu einer Gefängnisstrafe) zurück.

* “Normale” Rücktritte: Wulff, Köhler, Profumo, Thatcher, Mbeki, Ter-Petrossian, Ratzinger, Edward (VII.) Windsor, Juan Carlos (I.) de Borbon, Ramiz Alia (er im Rahmen einer politischen Umwälzung),… Nixon kam mit seinem Rücktritt einer Amtsenthebung zuvor. Torontos Bürgermeister Robert Ford wurde “entmachtet”, nachdem 2013 bekannt wurde, dass er Crack geraucht hatte, er blieb aber de jure im Amt. Erst mit dem Ende seiner Amtszeit Ende 2014 änderte sich das. Zu dem Zeitpunkt war bereits seine schwere Tumor-Erkrankung bekannt, an der er vor kurzem starb. Nuri al Maliki wurde mehr oder weniger zum Rücktritt gezwungen. Auch Karl (von) Habsburg-Lothringen, letzter Kaiser Österreich-Ungarns, wurde zum Abtritt gedrängt. Alberto Fujimori ging ins Exil und erklärte von dort seinen Rücktritt. Belgiens König Baudouin/Boudewijn/Balduin I. trat 1990 aus Protest gegen ein Abtreibungsgesetz (bzw um seine Zustimmung zu diesem Gesetz nicht gegen zu müssen) für einen Tag zurück.

* In Australien gibt es eine Tradition der Abwahl von Regierungschefs durch die eigene Parlamentsfraktion, zuletzt erging es Anthony Abbott so. Öfters kommt es vor, dass Politiker vom Elektorat abgewählt werden. Von Silvio Berlusconis 4 Amtszeiten als italienischer Premier endete nur eine durch eine Abwahl, die anderen durch Rücktritte. Jedesmal wurde er danach wieder politisch aktiv.

* Dann gibt es Fälle, die in keine der angeführten Kategorien ganz passen:

Michail Gorbatschow trat am 25. Dezember 1991 als Präsident der Sowjetunion zurück, erklärte das Amt für aufgelöst. Am nächsten Tag erklärte sich das sowjetische Parlament, der Oberste Sowjet, für aufgelöst und anerkannte die Unabhängigkeit der 12 Staaten, die die GUS bildeten. SU-Regierung hatte es schon lange keine eigene mehr gegeben. Der grösste Teil der Macht war bereits vorher, in den Monaten seit dem Putschversuch im Sommer dieses Jahres, an den russischen Präsidenten Jelzin übergegangen. Gorbatschow verlor seine Macht weil sich der Staat, dessen Präsident er (gewesen) war, auflöste; oder anders herum: sein Rücktritt war einer der Schritte, die diesen Staat auflösten. Er, der am Ende des Kalten Kriegs Führer der kommunistischen Welt gewesen war, musste sich nun in einem Russland, das zur Marktwirtschaft überging, behaupten. Es heisst, dass sein Ansehen im Westen höher ist als im Russland. Einige Versuche, in der russischen Politik Fuss zu fassen, waren erfolglos. Im Westen verdient er sich etwas zu seiner “sowjetischen” Pension dazu, mit Vorträgen, Auftritten wie bei den “World Awards” oder der Mitarbeit an einer Kinder-CD, mit Bill Clinton.

Lothar de Maiziere verlor seinen Posten als Ministerpräsident der DDR auch, indem dieser Staat “abgeschafft” wurde – was er freilich maßgeblich mit betrieben hat. Seine politische Karriere im vereinten Deutschland war bald zu Ende, da Vorwürfe bezüglich “Stasi”-Mitarbeit erhoben wurden.

George VI. war der letzte britische König, der auch über (ganz) Irland herrschte; nachdem er diese Funktion verlor, behielt er genug andere. Nicht wirklich ein Fall.

Der letzte griechische König, Konstantin II. (aus dem Haus Glücksburg, das aus Dänemark stammt), arbeitete mit der Militärjunta, die sich 1967 an die Macht geputscht hatte, zusammen, ging nach einem versuchten Gegenputsch ins Exil, fiel bei den Offizieren im Laufe der Jahre in Ungnade und wurde abgesetzt, was nach der Demokratisierung in einem Referendum bestätigt wurde. Er gehört zu jenen Ex-Monarchen, die lange Kämpfe um die Möglichkeit der Rückkehr in ihr ehemaliges Herrschaftsland sowie um Restitution von Immobilien und mobilen Gütern führten. Wie auch Mihai de Hohenzollern, der einst zu Rücktritt und Exil gezwungen wurde

Mahatma Gandhi war nie ein Herrscher, eigentlich nur ein Aktivist des INC, als solcher aber doch sehr bedeutend. Er von einem “Eigenen” ermordet, einem hinduistischen Inder. In seinem letzten Lebensjahr musste er damit fertig werden,  dass die Unabhängigkeit Indiens in Form einer Teilung zu Stande kam, und kämpfte gegen die damit verbundene Gewalt an.

Viktor Yanukovichs Abtritt als ukrainischer Präsident 2014 passt auch in keine der Kategorien hier.

Der Abgang von P. W. Botha (Apartheid-Südafrika) 1989 war eine Mischung aus krankheitsbedingem und erzwungenen Rücktritt. Er zeigte nach dem Ende der Apartheid der Wahrheits- und Versöhnungskommission bildlich gesprochen den gestreckten Mittelfinger, was für ihn aber praktisch keine Konsequenzen hatte. Er verbrachte einen ruhigen Lebensabend, mit Bodyguards die ihm die Post-Apartheid-Regierungen zur Verfügung stellten. Die erste dieser Regierungen wurde von Nelson Mandela geleitet, der es vom Gefangenen zum Präsidenten geschafft hat.

Der Präsident der von der USA abgespaltenen CSA (Konföderierte Staaten Amerikas; “Südstaaten”), Jefferson Davis, verlor durch die Niederlage im amerikanischen Bürgerkrieg “seinen” Staat und seine Freiheit. Sein Fall passt irgendwie zu dem Honeckers oder aber Chrustschows, i-wie auch zu Eichmann (aus der Sicht jener, für die die CSA legitim waren), aber irgendwie auch nicht ganz. Davis, der Afro-Amerikaner “human beings of an inferior race” nannte, war am Kriegsende auf dem Weg ins Ausland, um eine Exilregierung zu bilden. Er wurde mit seiner Familie und weiteren Begleitern am 10. Mai 1865 nahe Irvinville, Georgia, von USA-Truppen gefangen genommen. Er wurde wegen Verrats angeklagt und blieb 2 Jahre in Untersuchungshaft in Fort Monroe, Virginia. Papst Pius IX., der sich selbst nach der Gründung Italiens als “Gefangener im Vatikan” sah, schrieb dem Episcopalisten Davis einen Brief. 1867 wurde Davis gegen Kaution freigelassen, die u.a. der Eisenbahn- und Schiffs-Magnat Cornelius Vanderbilt zahlte.

Es gab lange Diskussionen über Verrats-Prozesse gegen Davis und andere Führer der CSA, unter Präsident Johnson, der dem getöteten Lincoln nachgefolgt war. Es gab letztendlich keine. Ein Grund war, dass man (im Norden) nach Abspaltung und Krieg auf Versöhnung setzte. Dann setzte sich auch die Ansicht durch, dass der Norden bzw die Union dabei nur verlieren könne. Ein Freispruch würde diese(n) blamieren, ein Schuldspruch würde aus Davis oder General Lee Märtyrer machen. Manche Nord- UND Südstaatler wollten Prozesse, um ihre Sache zu argumentieren. Davis wurde angeblich freigelassen, nachdem Oberrichter Chase festgestellt hatte, dass es in der Verfassung der USA nichts gab, das die Sezession von Bundesstaaten verbat. 1868 erliess Präsident Johnson eine Amnestie für alle CSA-Führer, was Hochverrat betraf. Es hatte Todesstrafen für Deserteure gegeben und eine für Kriegsverbrechen, für den aus der Schweiz stammenden Gefängnisdirektor Henry Wirz. Das Verfahren gegen Davis wurde erst 1869 eingestellt, die Anklage blieb einige Monate über die Amnestie aufrecht.

1872 wurden Wahl- und andere Bürgerrechte von Kriegsteilnehmern wieder hergestellt, ausgenommen blieben militärische und politische Führer. Davis wurde einige Jahre später wieder in den Senat (der USA) gewählt, durfte den Sitz aber nicht einnehmen. Anscheinend hat er auch seine Plantage verloren. Um seine materielle Existenz musste er sich dennoch keine Sorgen machen. Die Zustände im Süden der USA bezeichnete er als “Yankee and Negros Rule”, aber “leise”. Er schrieb ein Buch über die CSA. Die Milde, die die Regierenden der USA über die Sezessionisten walten liessen, war eine auf Kosten der Schwarzen, deren echte Befreiung weitere 100 Jahre auf sich warten liess!

Es gibt zwei gute Bücher zur “Abrechnung” mit Davis und anderen CSA-Führern nach dem Krieg, von Albert T. Bledsoe’s “Is Davis A Traitor? or Was Secession a Constitutional Right Previous to the War of 1861” (1866) und “Why Didn’t The North Hang Some Rebels?” von William Blair; soviel ich weiss, nicht auf deutsch übersetzt.

Übrigens, die USA steckte einst hinter der Sezession eines Teils der mexikanischen Region Coahuila y Tejas, der als “Republic of Texas” zunächst 1836 als unabhängig proklamiert wurde und 1845 von der USA annektiert wurde. 1846 folgte auf das ein Krieg, infolge dessen Mexiko weitere Teile seines Gebiets an USA verlor. Auch die Sezession Panamas von Kolumbien wurde von der USA betrieben Und, als sich die USA von Grossbritannien abspaltete, war der spätere Nationalheld George Washington in der Rolle von Davis, mit dem Unterschied, dass diese Sezession gelang.

Auch Irland entstand durch einen Unabhängigkeitskampf (wieder), der aber keiner zwischen Kolonisten und Mutterland, sondern zwischen Autochthonen und Besatzern war. Der spätere Staats- und Ministerpräsident Eamon De Valera beteiligte sich am Osteraufstand in Dublin gegen die britische Herrschaft 1916 (mit dem der Kampf begann), wurde nach dessen Scheitern verhaftet und zum Tode verurteilt. Da er jedoch in der USA geboren war und deren Staatsbürgerschaft besaß, wurde dieses Urteil in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt (die er allerdings nur stark verkürzt verbüßte).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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