Islamophober Rassismus in Film und Fernsehen

Einleitung

Dass das System Oscar bzw Hollywood weiss ist, bestätigte sich heuer, als bereits zum zweiten Mal in Folge kein(e) Schwarze(r) in maßgeblichen Kategorien nominiert wurde. In den Jurys der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für die einzelnen Kategorien befinden sich auch kaum Schwarze (und Frauen). Darin spiegeln die Jurys die Chefetagen der Hollywood-Studios wider. Und in amerikanischen Filmen spiegeln sich politische Trends wider.1 Dies betrifft auch die Auswahl aktueller Bösewichte und ihre Darstellung.

Nicht immer waren Hollywood-Filme mit Rassismus so explizit bzw plump wie „Die Geburt einer Nation“ (1915 fertiggestellt und veröffentlicht) über den amerikanischen Bürgerkrieg und den Wiederaufbau. Zugegeben ein extremes Beispiel, auch weil der Film damalige gesellschaftliche Urteile und Schranken widerspiegelte (die sich später änderten), aber ein Mainstream-Film, zu dem damals ausserhalb von der NAACP anscheinend wenig Kritik kam. Im Unterschied zu „Jud Süss“ war dies ein Propagandafilm ohne staatliche Lenkung; dieser bedurfte es hier nicht. Der Film nimmt nicht nur entschieden für Rassentrennung Partei, diese wurde bei seiner Herstellung auch praktiziert. So wurden die Afro-Amerikaner darin von (geschminkten) Weissen dargestellt. Die glorifizierende Darstellung des Ku Klux Klan führte zu dessen Neu-Gründung.

Mexikaner, Schwarze (Afro-Amerikaner) und Indianer wurden in amerikanischen Filmen bis in die 1960er bestenfalls paternalistisch-herablassend dargestellt. Zwischendurch waren auch Deutsche und Japaner die Bösen. Dann wurden v.a. Russen bzw Kommunisten das Andere, seit dem Ende des Kalten Kriegs, spätestens ab den Anschlägen in USA 01, sind es Moslems, Orientale. Um die Spezifika ihrer Darstellung gegenüber jener von Afrikanern oder Latinos geht es hier. Im Islamophobie-Artikel habe ich schon ein wenig über das amerikanische Kino geschrieben sowie über das israelische; dieses wird hier ausgeklammert, auch Bollywood und europäische Filme/Fernsehen sind hier nicht das Thema. Als Islamophobie werte ich eine spezielle Form von Rassismus, nicht die Gegnerschaft zu einer Religion oder gar nur zu ihrer politischen Instrumentalisierung.

„Casablanca“

Dieser Film bekommt ein eigenes Kapitel, da Vieles in ihm enthalten ist, was auch in den folgenden Jahrzehnten aktuell war. Auch die Zusammenhänge zwischen Rassismus gegen „Schwarze“ und jenem gegen „Braune“.

Der Film spielt 1941, wurde 1942 gedreht (fast ausschliesslich in Studios in der USA, von den Warner Brothers). Französisch Marokko, wo der Film spielt, stand wie das restliche französische Nordafrika von 1940 an bis zur alliierten Landung dort 1942 unter Vichy-Frankreich; Sultan Mohammed V. übte darunter eine gewisse Autonomie aus. Nachdem 1941 die USA-Intervention in den Krieg beschlossen wurde, begann man mit der Einstimmung darauf, auch über Filme. Das United States Office of War Information (OWI; „Amt für Kriegsinformationen“) übernahm die Koordinierung der Verbreitung der diesbezüglichen „Regierungsinformationen“, auch über Spiel-Filme. „Casablanca“ ist gewissermaßen ein Propagandafilm. Der Kriegseinsatz gegen die Achsenmächte und die Vorbereitung darauf ist aber nicht das Problem.2

Der amerikanische Club in Casablanca ist im Film Treffpunkt vieler Europäer, die dorthin geflüchtet sind. Sein Chef, der Bogart-Charakter Blaine, ist ein Guter; er hat sogar im Spanischen Bürgerkrieg die republikanische Seite unterstützt. Man entschied sich damals, diese als die richtige Seite darzustellen, obwohl die USA nach dem Krieg dann das Franco-Regime (Estado Español) massiv unterstützten… Europäer und weisse Amerikaner, auch jüdische, bestreiten die Handlung. Marokkaner und schwarze Amerikaner bleiben schön im Hintergrund, treten bestenfalls in (den Weissen) dienenden Funktionen auf. Am Beginn gibts einen Streifzug durch das Casablanca abseits des amerikanischen Clubs, in einer Gasse ist ein einheimischer Schwarzer neben einem Affen zu sehen. Subtext: Dort ist sein Platz.

„Sam“, gespielt von Dooley Wilson, der Musiker in dem Club, ist ein Quasi-Sklave. Seine Aufgabe ist das Klavier-spielen und seinem Herren (Blaine) zu dienen; er singt und spielt und steht ihm bei, und er ist glücklich damit. An einer Stelle fragt Ilsa im englischen Original Renault: „Captain, the boy who’s playing the piano …“; in der deutschen Fassung wurde daraus: „Kapitän, der Mann, der da Klavier spielt …“.3 „Boy“ war im Süden der USA zu jener Zeit eine verbreitete aber nichtsdestotrotz rassistische Anrede für Schwarze jeden Alters. Im Angesicht nennt sie ihn dann nicht so.

Für die Rolle des Musikers/Sängers in Rick’s „Cafe Americain“ war ursprünglich eine weibliche Jazz-Künstlerin wie Ella Fitzgerald oder Hazel Scott vorgesehen. Doch, die unterschwellige Sexualität der Nähe einer jungen Afro-Amerikanerin zu Blaine/Bogart… Das wäre vor allem im Süden der USA nicht gut angekommen – wo Schwarze auch nach dem Sieg über die Nazis dann um ihre Bürgerrechte kämpfen mussten, sie noch in den 1950ern von Soldaten der Nationalgarde in Universitäten begleitet werden mussten, etc. Interrassische Sexualbeziehungen waren eines der grössten Tabus des damals gültigen Hays/Production Code. Was nun Wilson/Sam betraf, so galt das natürlich für seinen Umgang mit Ilsa/Bergman.

Rick behandelt Sam respektvoll, aber ihre Beziehung ist keine ebenbürtige. Sam kümmert sich um die privaten Belange von „Mister Rick“ und „Miss Ilsa“ (so hat er sie anzureden). Sams Privatleben ist dagegen kein Thema. Sam half Rick aus Paris raus zu kommen, bevor die Nazis dort sind, geht mit ihm nach Französisch-Marokko für 1 oder 2 Jahre. Und wie dankt er ihm die Loyalität? Indem er den Klub verkauft und von Sam erwartet, dort weiter in die Tasten zu hauen – und weiter Weisse glücklich zu machen. Dooley Wilson, einer der besten Jazz-Schlagzeuger seiner Zeit, musste für den Film Klavierspielen erlernen. Es heisst, Wilson hat 2500 € für seine Rolle bekommen.

Was marokkanische Charaktere betrifft, die Anzahl jener mit Sprechrollen im Film beläuft sich auf drei: der Club-Türsteher Abdul und zwei Strassenverkäufer. Marokkaner sind Subjekte, ihre Anliegen kommen nicht vor. Der marokkanische Unabhängigkeitskampf ist kein Thema in der politisch-historischen Kulisse, hat keine Relevanz, den „Eingeborenen“ werden keine legitimen Eigeninteressen zugestanden, ihr Land hat Schauplatz für Auseinandersetzungen der Europäer und Amerikaner zu sein. Auch in der Wirklichkeit: die Istiqlal-Partei (Ḥizb Al-Istiqlāl) rechnete sich mit einem alliierten Sieg Chancen auf die Unabhängigkeit aus, es änderte sich aber nichts für sie. Auch marokkanische Juden kommen nicht vor (nur europäische/amerikanische). Oder dass der marokkanische Sultan diese beschützte. „Schwarze“ und „Braune“ stehen in dem Film eine Stufe unter Weissen. Sie haben für Weisse zu kämpfen und sie zu unterhalten.

Die Orientalen wurden/werden aber danach beurteilt, wie sie sich gegenüber der siegreichen westlichen Seite verhielten, und diese Urteile kommen heute vorwiegend aus dem Land der damaligen Gegenseite; auch eine Art von Geschichtsaufarbeitung. Die weisse Macht, im Film wie in der damaligen Realität gegeben, schliesst auch Nazi-Deutsche mit ein. Und Juden fanden damals in Französisch-Marokko Schutz vor deutscher/europäischer Verfolgung.

Italiener werden durchwegs negativ dargestellt; das hat sicher damit zu tun, dass Italien Verbündeter Nazi-Deutschlands war. Allerdings: der Offizier Tonelli wird, ähnlich wie der Franzose Casselle übrigens, entsprechend negativen Klischees über Südländer dargestellt: unüberlegt, überschwenglich, zu schnell und zu viel redend, nebenbei ungepflegt. Und, der Taschendieb zu Beginn des Films, der einen leichtgläubigen, gutmütigen Engländer bestiehlt (gespielt von Curt Bois). Er wird als „dunkler Europäer“ gezeichnet und bezeichnet4. In der Farbenhierarchie stehen Südeuropäer schon eine Stufe unter … den Zivilisierteren?

Hollywood vor 11/9/01

Frühe Hollywood-Darstellungen von Arabern oder Iranern, wie in Stummfilmen, in „Dolche in der Kasbah“, „Lawrence of Arabia“ (1962) oder Verfilmungen aus „Geschichten aus 1001 Nacht“ (wie Ali Baba) hatten zwar die hässlichen, grossnasigen Orientalen, die eine andere Kultur haben, aber diesen wurden meist noch keine verderblichen politischen Absichten untergeschoben. Die Konstruktion orientalistischer Fremdheit und okzidentaler Eigenheit begann freilich früh.

Hollywoods frühe Juden, wie Samuel Goldwyn, waren in der Regel weder zionistisch noch rassistisch. „Exodus“ und „Schatten des Giganten“ waren in den 1960ern frühe Behandlungen (Förderungen) des zionistischen Themas (Anliegens) durch das US-amerikanische Kino. Nach dem Krieg 1967 erst wurde Israel für viele „Diaspora“-Juden ein Thema. Und Israel hielt in Hollywood Einzug. Einer der ersten Filme des Israelis Menachem Golan (Goldmann) war „Einer spielt falsch“/“Trunk to Cairo“, 1965 gedreht, 1966 in die Kinos gekommen. Israel und die „freie Welt“ auf der einen Seite, auf der anderen Seite der dunkle, gefährliche Orient. Ägypten (unter Nasser Israels Hauptgegner) strebt Atomwaffen und die Weltherrschaft an, mit Hilfe deutscher Wissenschafter. Aber die Dinge kommen zu einem guten Ende, da sich die Bundesrepublik bzw ihre Repräsentanten auf die richtige Seite stellen. Mit-produziert hat Artur Brauner.

Golan war dann in Hollywood aktiv, leitete von 1979 bis 1989 zusammen mit seinem Cousin Joram Globus die Produktionsfirma „Cannon Group“. In vielen Golan-Globus-Filmen geht es um Action in Verbindung mit einer Rettung von Israel und der freien Welt vor dem bösen Orient – wie in jenem von 1965. Etwa „Delta Force“ (1985 in Israel gedreht) mit „Chuck“ Norris. Wikipedia zitiert dazu aus dem „Lexikon des internationalen Films“: „Klischeehafter, dilettantischer Action-Reißer mit vorgeschobener moralischer Botschaft, der mit politischen Verzerrungen, Feindklischees und Racheinstinkten operiert.“

In „Sahara“ (1983 erschienen) gehts um eine flotte Amerikanerin (Brooke Shields) die dort von einem Scheich entführt wird. Neben Golan wirk(t)en auch weitere Israelis wie Chaim Saban, Boaz Davidson oder „Avi“ Lerner in Hollywood, in verschiedenen Funktionen.5

Islamisten, im Kalten Krieg gegen Kommunisten unterstützt, wurden noch in den 1980ern in Mainstream-Filmen positiv dargestellt. Vor allem die Mujahedin Afghanistans, in „Rambo III“ oder „James Bond“ („The Living daylights“/“Hauch des Todes“). Diesbezüglich ist „9/11“ eine deutliche Wasserscheide; Verdrehungen dieser Art kommen nicht mehr vor. In den 1980ern wurden Islamismus und Terror aber auch schon oft unseriös und diffamierend dargestellt; wie in der Anfangsszene in „Leben und Sterben in L. A.“ (William Friedkin), einem unpolitischen Film.

Der Film „Nicht ohne meine Tochter“, 1991 vor dem „2. Golfkrieg“ rausgekommen, war rassistischer, hetzerischer als das zu Grunde liegende Buch (Erscheinungsjahr 1987). „Moody“ Mahmoody ist darin das Produkt seiner Kultur, der Stereotyp des dämonischen Persers, eines gewalttätigen und intoleranten Mannes. Aber auch die anderen iranischen Charaktere sind böse, Fanatismus ist der iranische Nationalcharakter. Der Film porträtiert nicht das iranische Regime negativ, sondern vor allem die iranische Bevölkerung/Kultur. Die Iraner sind darin genau so anti-westlich und religiös, wie sie sich das iranische Regime wünscht… Ausserdem schmutzig, unehrlich, aggressiv, etc. Es ist nicht (nur) die Darstellung von Betty Mahmoodys Version der Ereignisse, es ist die Beschreibung einer ethnischen Gruppe. Gleichwohl behaupten Verteidiger des Films, dass es ihnen um die Rechte „islamischer Frauen“ ginge – Iranerinnen werden aber darin im Endeffekt genau so negativ dargestellt, propagiert, wie die Männer.

Das Casting, die Besetzung der Rollen, dieses Films ist ein Paradebeispiel für „Whitewashing“ in der amerikanischen Filmindustrie, die Praxis, nicht-weisse Charaktere durch weisse Schauspieler spielen zu lassen. Der spanisch-italienische Engländer Alfred Molina spielt den bösen Perser (in einem „Prince of Persia“-Film“ durfte er wieder einen spielen), der griechische Franzose Corraface einen anderen Iraner, die Amerikanerin Sheila Rosenthal die Tochter des Paares,… Gedreht wurde u.a. in Israel.

„True Lies“ (1994, „Wahre Lügen“, James Cameron, Arnold Schwarzenegger,…) ist einer der prägendsten Prä-11/9-Hollywood-Filme mit stereotyper, dämonisierender Darstellung von „Moslems“. Der Rassismus findet im Schatten der eigentlichen Geschichte statt. Die Darstellung der Orientalen zwischen Dummheit und Gefährlichkeit erinnert an schwarze Charaktere in „Birth of a Nation“, die entweder den Weissen einfältig ergeben oder böse sind.

„Rules of Engagement“ / „Rules – Sekunden der Entscheidung“ (Richard Zanuck, Jim Webb, William Friedkin; Tommy L. Jones, Samuel L. Jackson; Paramount) kam 2000 in die Kinos, quasi am Vorabend von Bush und Bin Laden. Es geht um Vietnam-Veteranen und die USA-Botschaft in Jemen. Amerikanisches Militär wird zu ihrem Schutz eingeflogen, jemenitische Zivilisten getötet. Der Einsatzleiter (Jackson) muss sich verantworten. Die Aussage ist, dass es die getöteten Zivilisten nicht anders verdient haben, sie gefährlich waren/sind. Damit das auch alle kapieren, taucht ein behindertes Mädchen (Jihane Kortobi) auf, das die zu grossherzigen amerikanischen Soldaten mit einer Schusswaffe angreift. Das rechtfertigt Opfer auch unter Frauen und Kindern, denn diese greifen ja zuerst an.

Zeitlich an der Schwelle zum Zeitalter von Islamismus und Islamophobie stand „The Order“, Ende 01 herausgekommen, gedreht (und geschrieben) vor 11/9 und wohl während der (2.) Intifada. Es geht zwar auch um Fanatismus und Gewalt, aber aus einer Sekte (in Israel/Palästina) heraus, die jüdische, christliche und moslemische Komponenten hat und eigentlich friedlich ist – und auf die Kreuzritter zurück geht. Jean-Claude van Damme als Europäer, der dort hinein gerät (sowie als Kreuzritter) und den Frieden rettet.

Im neuen Jahrtausend

Zu den vielen tendenziösen Filmen in den letzten 15 Jahren gehört „Five fingers“ (2006) von Laurence Malkin, mit Laurence Fishburne als „Ahmat“. In „300“ war das vor-islamische, zoroastrische Persien der Feind der westlichen Zivilisation, Orient bleibt eben Orient. Zu diesem Film und den Hintergründen auch Einiges im Griechenland-Artikel.

„You Don’t Mess with the Zohan“ (08, „Leg dich nicht mit Zohan an“) von und mit Adam Sandler erhebt anscheinend den Anspruch auf Satire, in seiner Darstellung der Arbeit des Mossad. Die Palästinenserin wird von einer kanadischen Jüdin marokkanischer Herkunft gespielt, Emmanuelle Chriqui. Sayed Badreya, um den es hier noch eingehender gehen wird, spielt einen der Bösewichte; er hat Chriqui während der Dreharbeiten auch etwas Arabisch beigebracht.

In „Zero Dark Thirty“ (2012, Regie Kathryn Bigelow) geht es um die amerikanische Jagd auf Osama Bin Laden nach den Anschlägen ’01 sowie seine Liquidierung. Ohne jetzt nachzurecherchieren – die Zusammenarbeit der US-amerikanischen Behörden mit Bin Laden und seinen Leuten gegen die Kommunisten in Afghanistan wird darin wohl nicht gross thematisiert werden. Den Machern des Films wurde vorgeworfen, Folter zu legitimieren

„Syriana“, auf den Aufzeichnungen des Ex-CIA-Mitarbeiters Baer basierend, differenziert. „The Kingdom“ angeblich auch, mit Jamie Foxx als saudischem Offizier. Die Khaled Hosseini-Verfilmung „Drachenläufer“ kann auch diesen Anspruch erheben. Oder „Machtlos“/“Rendition“ von Gavin Hood, mit Reese Whiterspoon. „House of Sand and Fog“, über Exil-Iraner in USA, ist auch relativ ausgewogen; die weibliche Hauptdarstellerin Shohreh Aghdashloo, die 1978 den Iran verliess und in Los Angeles lebt, wirkte auch in einem sehr fragwürdigen Propagandafilm mit, dazu unten mehr.

US-Scharfschütze Chris Kyle hat im Irak 160 Menschen gezielt getötet und galt als Kriegsheld. Nach mehreren Einsätzen im Irak kehrte er in die Heimat zurück, gründete eine Sicherheitsfirma („Craft International“), machte sich nach Schulmassakern als Befürworter des privaten Waffenbesitzes und der Bewaffnung von Lehrern stark und kümmerte sich nebenher um kriegstraumatisierte Soldaten. Einer von ihnen erwies sich als „paranoid“ und tötete Kyle an einem Schießstand. Über die USA hinaus bekannt wurde er durch seine Autobiografie, die Einblick in seinen „Kriegsalltag“ gab; dabei stellte sich die Frage, ob es sich bei Kyle um einen Helden oder um einen Verbrecher handle. Kyles „Kriegstrauma“: nicht, dass er so viele Menschen getötet hat, sondern dass er nicht noch mehr Menschen getötet (und dadurch noch mehr US-Soldaten „geschützt“ hat). „American Sniper“ ist die 2014 rausgekommene filmische Umsetzung der Memoiren Kyles, eine Heldendarstellung von Clint Eastwood, unkritisch natürlich auch in Bezug auf die Haltung des Protagonisten zum Waffengebrauch „zu Hause“, dem er selbst zum Opfer fiel.

„Argo“ (2012) erhebt auch den Anspruch auf Authentiziät, darauf, ein Historienfilm zu sein. Ben Affleck spielt den CIA-Agenten Mendez (zT mexikanischer Herkunft, aus Nevada), der die Evakuierung der Botschaftsmitarbeiter aus Iran auf diesem Weg ausdachte/organisierte. Grant Heslov ist ein Mitproduzent. Der Film ist nicht als islamophob zu verdammen, aber einige Aspekte sind zu kritisieren. Was viel zu kurz kommt, ist die iranische Opposition zu der Botschafts-Geiselnahme, nicht zuletzt von Premierminister Bazargan, der dann zurücktrat, der inner-iranische Kampf bzw Diskurs während dieser Revolution. Kritiker haben darauf hingewiesen, dass Iraner hauptsächlich als Masse religiöser, gewalttätiger Fanatiker porträtiert werden. Wirklich differenziert werden nur die Amerikaner und Kanadier gezeichnet.

Sacha Baron-Cohen ist nicht nur in Hollywood „zu Hause“, auch im Fernsehen und in Grossbritannien. Bezüglich „Ali G“ hat er gesagt, dieser sei die Parodie eines privilegierten weissen Jugendlichen, der wie ein Schwarzer wirken möchte. „Borat Sagdiyev“ soll ein kasachischer Reporter sein, „Brüno Gehard“ ein österreichischer Schwuler; beide sind Antisemiten. In „Der Diktator“ geht es um „Admiral General Aladeen“, die Karikatur eines orientalischen Despoten. Baron-Cohen zieht zweifellos auch die Amerikaner oder die Briten durch den Kakao, wenn er diese mit „Ali“ oder „Borat“ konfrontiert. Dennoch ist es bemerkenswert, wen er sich zur „Parodie“ aussucht und wie er diese gestaltet. Bezüglich Ali G. hat der Komiker Felix Dexter angemerkt, auch wenn dieser ein „Weisser“ sei, werde letztlich über schwarze „Strassenkultur“ gelacht, von den liberalen Mittelklassen, die dies aus dem sicheren Gefühl ihres Verständnisses von politischer Korrektheit tun. Die anderen drei dieser fiktiven Charaktere sind „Antisemiten“, zwei davon „Orientale“. Was Baron-Cohen nicht zur internationalen Lachnummer macht, nicht zum Lachen freigibt, wo er keine politische Inkorrektheit erlaubt, das spricht ja auch für sich.

Auch islamische Opfer von Islamismus sind Zielscheibe von Islamophobie bzw werden mit Islamismus in Zusammenhang gebracht. Der aus Syrien stammende Moustapha Akkad hat in USA als Filmemacher gearbeitet, etwa ”Lion of the Dessert” gemacht (über Omar Muchtar). Er wurde 2005 in Jordanien Opfer eines Sprengstoffanschlags von Salafisten aus dem Irak, eines von 60, in 3 Hotels. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete er an einem Film über Salahaddin und die Kreuzritter.

Serien

Auch bei TV-Serien begann mit den Anschlägen 2001 ein neues Zeitalter. Bezüglich „Bonanza“-Koch-Darsteller Philip Ahn („Yes, Mistel Caltwlight“) ist zB zu sagen, dass er als koreanischer Amerikaner dort den Chinesen, davor oft Japaner spielte. Japaner hat er in WKII-Kriegsfilmen nach eigenen Angaben gern und böse dargestellt, da diese damals auch sein Herkunftsland Korea besetzt hielten.

Zur US-amerikanische Fernsehserie „Homeland“ (Sender Showtime> CBS) ist auch der Artikel von salon.com unten zu beachten. Die Hamra-Stasse in Beirut, eine mondäne, belebte, urbane Strasse, wurde darin etwa als enge Gasse voller potentieller Terroristen dargestellt (die betreffenden Szenen wurden in Israel gedreht). Hisbollah und al-Qaida, die in Wirklichkeit Feinde sind, im Sinne der simplifizierten Drohkulisse kooperieren miteinander.

In die mit Emmys und Golden Globes preisgekrönte Serie konnten Sprayer Kritik hinein-schmuggeln. Als „Carrie Mathison“ in der zweiten Folge der fünften Staffel mit einem „Hisbollah-Führer“ in einem „syrischen Flüchtlingslager“ entlang geht, taucht auf einer Wand im Hintergrund Graffiti auf. Zuschauer mit Arabisch-Kenntnissen konnten da etwa „Homeland ist rassistisch“ lesen. Oder „Homeland ist KEINE Serie“, „Es gibt kein Homeland“, oder auch „#blacklivesmatter“. Das Flüchtlingslager war bei Berlin gebaut worden. Drei Graffiti-Künstler waren angeheuert worden, Dekoration für das „Homeland“-Filmset in Berlin in Form von arabischer Graffiti zu machen. Heba Amin, Caram Kapp und ihr Kollege mit dem Künstlernamen „Stone“ zögerten zunächst wegen des Charakters der Serie, erkannten dann aber die Chance auf eine subversive Aktion – die sich nur bot, weil die Macher so wenig von arabischer, islamischer Kultur verstehen.

Heba Amin schrieb auf seiner Internetseite, in „Homeland“ würden sich fotogene, vorwiegend weisse Amerikaner den „bösen und rückwärts gerichteten Moslems“ entgegenstellen. Das Trio kritisierte die Serie für ihre Scheinheiligkeit bei der Darstellung des Kampfes gegen den Terrorismus und ihrer falschen, undifferenzierten und ihrer „höchst voreingenommenen Darstellung von Arabern, Pakistani und Afghanen“. „Homeland“-Ko-Schöpfer Alex Gansa sagte dazu unter Anderem, seine Serie wolle selbst subversiv sein und Diskussionen anregen.

Künstlerische Sabotage gegen "Homeland"
Künstlerische Sabotage gegen „Homeland“

Vorlage für „Homeland“ war „Hatufim“, die israelische Serie über im Libanon gefangene Soldaten, die bei einer „Spezialmission“ gefangen genommen wurden. Die Serie und auch ihre Rezeption sagt viel über das israelische Selbstverständnis aus: Opfertum, Heldentum, „Sicherheit“ (> Ausschluss, Unterdrückung). Israel und die Region, Zivilisation und Barbarei. Das Dogma der Unvereinbarkeit ihrer aufgeklärten, wohlhabenden, zivilisierten, hochgerüsteten Welt mit jener der rückständigen Orientalen. Gewaltakte und Unterdrückungsmaßnahmen sind notwendige Handlungen bei der Verfolgung/Vermeidung viel schlimmerer Verbrechen. Kritisiert wurde in Rezeptionen allenfalls die in der Serie gezeigte Praxis des Gefangenenaustauschs – das also palästinensische Gefangene freikommen. Man zeigt auf „Foltergefängnisse“ im Libanon um von den eigenen abzulenken. Hier läuft die Serie auf Arte (!). Auf de.wiki ein völlig unkritischer Artikel dazu. Damit die israelische Note bei „Homeland“ auch nicht zu kurz kommt, ist „Hatufim“-Macher Gideon Raff dort als Executive Producer beteiligt.

Vor „Homeland“ gab es bereits „Sleeper Cell“, davor „Navy CIS“ und „24“. „Sleeper Cell“ (2005/06 erstmals ausgestrahlt), ebenfalls von Showtime, wurde u.a. von Ethan Reiff geschrieben. Der Israeli Fehr spielt den Oberterroristen (Faris/Saad), Ealy einen schwarzen FBI-Agenten der zum Islam übertrat, weiters gibt’s einen französischen Skinhead, eine blonde Amerikanerin mit liberalen Eltern, einen Latino und eine niederländische Prostituierte, die aus Gründen wie Liebe ebenfalls zum Islam konvertiert sind, der US-Iraner O. Abtahi spielt einen schwulen Iraker, Grant Heslov (in „True Lies“ ein Guter) spielt einen Moslem der gesteinigt wird…

Jack Shaheen (s.u.) wies darauf hin, dass in „Sleeper Cell“ und „24“ arabische Amerikaner als der innere Feind für die USA gezeichnet werden. Obama, auch hier mit einem lobenswerten Ansatz, hat vor einiger Zeit beim Besuch einer Moschee in Baltimore gemeint, es wäre eigentlich nicht so schwer , Moslems in der Populärkultur anders dar zu stellen. „Unsere Fernsehserien sollten einige moslemische Charaktere haben, die nichts mit nationaler Sicherheit zu haben.“

Bei „Tyrant“ wirken wieder Gideon Raff und Howard Gordon („Homeland“), wieder gehts um den Orient und den Westen, mit denselben Stereotypen der Islamophobie; einer der Orientalen wird durch den „israelischen Araber“ Barhum dargestellt.

Die Darsteller der Bösen

Der ägyptisch-stämmige Sayed Bedreya hat oft den arabischen Terroristen gespielt, auch in „Zohan“, auch Saddam Hussein hat er schon dargestellt. Er ist einer aus dem Pool der Schauspieler, die in Hollywood solche (und nur solche) Rollen spielen dürfen. “In the name of Allah I will kill you all”, diese Zeile (oder eine ähnliche), so Bedreya, hatte er früher oder später bei seinen Auftritten bringen müssen. Er hat sich davon distanziert und einen neuen Weg eingeschlagen – den des Selbst-Inszenierens. „Kein Weisser macht Filme über Harlem, das überlassen sie Spike Lee.“ Er wolle seinem Beispiel folgen und eigenes Material über seine Leute produzieren, um Stereotypen zu begegnen.

Bedreya wirkte bei „American East“ (2008) mit, in dem es hauptsächlich um die arabisch-amerikanische Erfahrung im Post-9/11 Los Angeles geht, als Drehbuchautor und Hauptdarsteller. Tony Shalhoub war dabei, Hesham Issawi führte Regie, Ahmad Zahra produzierte den Film. Metro-Goldwyn-Mayer brachte den Film zwar als DVD heraus, er kam aber kaum in Kinos… Bedreya machte mit Shalhoub und Issawi schon den Kurzfilm “T for Terrorist” (2003).

Im Pool der Schauspieler aus dem moslemischen Raum für orientalische Bösewichte ist auch Ahmed Ahmed, ebenfalls ein Ägypter in der USA. Er spielte zB in „Zohan“, und ohne auf Wikipedia oder IMDB nach zu schauen, kann man sich ungefähr denken, was für eine Rolle das war. Der pakistanisch-britische Schauspieler Athar Malik spielte zB in „True Lies“ den Terroristen. Der iranisch-amerikanische Schauspieler Maz Jobrani macht Comedy/Cabarett mit dem von Hollywood gepflegten Klischee des orientalischen Bösewichts, dem er sich auch nicht ganz verweigern kann/will.

Die palästinensisch-amerikanische Schauspielerin Nicole Pano sagte in einem Zeitungs-Interview, sagte, sie habe Probleme, Rollen zu bekommen, da man ihresgleichen Terroristen spielen lässt und dafür sehe sie zu gut aus, Terroristen (bzw Orientale) sind hässlich. Wenn sie Glück hat, kann sie eine Italienerin spielen, ihr Name klinge ein bisschen so. „Israelische Araber“ werden auch gerne für für die Darstellung des moslemischen Terroristen eingespannt; und Mizrahi-Juden.

Es gibt einige Schauspieler aus der „islamischen Welt“, die in amerikanischen Filmen (noch) etwas anderes spielen dürfen als islamistische Terroristen oder geschlagene Frauen, in Vergangenheit und Gegenwart. Omar Sharif etwa, Tony Shalhoub, oder Golshifteh Farahani.

Manchmal spielen Andere den orientalischen Bösewicht, wie Molina den Perser in „Nicht ohne meine Tochter“. Das gibt es auch bei der Darstellung anderer „Nationalitäten“; in „Air Force One“ spielte Gary Oldman etwa den russischen Terroristen (genau so plump und stereotyp angelegt). Der irisch-mexikanische Amerikaner Anthony Quinn spielte Eskimos, Indianer, Russen, Griechen oder Araber, aber in der Regel nicht respektlos.

Differenzierte Darstellungen von „exotischen“ Charakteren sind ebenso selten wie „differenzierte“ Rollen für exotische Darsteller. Auch Afro-Amerikaner, Latinos oder Inder weitgehend auf bestimmte Arten von Rollen festgelegt. Guy Aoki, ein japanischer Hawaiianer, engagiert sich bei (ost-)asiatisch-amerikanischen Belangen, auch bezüglich Film.

„Dokumentations-Filme“

Echte Dokus sind nie ein Problem; Ilan Ziv, ein meist in USA arbeitender israelischer Dokumentarfilmer, macht etwa recht ausgewogene Filme (jenseits von Schwarz-Weiss-Malereien und politischen Zielen), die die Klassifizierung „Dokumentation“ auch verdienen. Bezüglich Filmen, die so angelegt sind, dass sie Reaktionen provozieren sollen (die dann das eigentliche Thema sind!), wie dem „Innocence“-Film, habe ich auch im Islamophobie-Artikel etwas geschrieben, auch über den Fehler, diese Einladung zur Propaganda für die „andere Seite“ anzunehmen.

Hier geht es um Propagandafilme. Die angeblich so propalästinensisch und antiisraelisch berichtenden Medien sind ein immer wiederkehrendes Motiv. Esther Schapira und ein „Pierre Rehov“ haben zB Filme über den al Dura-Tod 2000 in Gaza gemacht, als „Dokus“, mit „Aufdecker“-Anspruch.6

Ein offenerer Propagandafilm als „Homeland“ oder solche Pseudo-Dokus ist etwa „Obsession (Radical Islam’s War against the West)“. Hier wirkte die „antiislamische“ Creme mit, Caroline Glick, Daniel Pipes, Martin Gilbert, Itamar Marcus (PMW), Steve Emerson, Alan Dershowitz7, Robert Wistrich, „Brigitte Gabriel“, dann der Ex-Nazi A. Heck, und ein paar Vorzeige-(Ex-)Moslems wie Walid Shoebat. Die Abgeordneten Deborah Wassermann-S. (DP) und Eric Cantor (Republican jewish coalition) sponserten eine Vorführung im USA-Congress.

Produziert wurde das Filmchen vom Clarion Fund (Rabbi Shore), der sich die Anschrift und das Personal mit „Aish ha Torah“ teilt; im Umfeld der Organisation wirken Pipes, Frank Gaffney („Center for security policy“), Robert James Woolsey, sie bekommt Spenden von Irving Moskovitz und Sy Sims, unterstützt u.a. israelische Siedlungen die im nördlichen Westjordanland einen Unruheherd bilden (sollen). Clarion machte auch den Propagandafilm „Iranium“ (2011), wiederum unter Mitwirkung gewichtiger Ziocons: „Endowment for Middle east truth“, AIPAC, Republican Jewish Coalition, Center for security policy, „David Horowitz Freedom Center“, Heritage Foundation und andere Lobby-Tanks, auch Michael Leeden, Kenneth Timmerman, John Bolton, Bernard Lewis, Richard Perle,…

Es geht den Machern dieses Films um einen Krieg gegen Iran; dabei werden ähnliche Argumente wie vor dem Irak-Krieg verwendet: „Mitwirkung an 9/11, Bau von Atomwaffen, Gefährdung für den Westen und die Region, Hilfe für das iranische Volk“. Ausgerechnet Aghdashlou, eine der Schauspielerinnen aus der nicht-weissen Welt, die es in Hollywood geschafft haben, machte bei der Propaganda-Hetze mit, als Sprecherin. Die iranische grüne (Anti-Regime-)Bewegung wehrte sich gegen ihre Vereinnahmung durch den Film (die auch vor der getöteten Neda Agha-Soltan nicht Halt machte), kritisierte Aghdashloos Mitwirkung. Auch das National Iranian American Council (NIAC) in der USA kritisierte den Film8 Neocons wie Timmerman und Pipes reagierten darauf mit einer Kampagne gegen das NIAC, die zT über die Zeitung der Moon-Sekte, „Washington Times“, und Eli Lake lief.

Aish/Clarion brachten dann „The third Jihad“, über die schockierenden Absichten der finsteren Muselmänner gegenüber dem Westen und besonders der USA (für diesen Markt ist der Propagandafilm bestimmt). Nur eine kleine Minderheit der Moslems sei radikal, heisst es am Anfang, der Rest des Films untergräbt aber diese Beteuerung. „Mutige Moslems“ wie Walid Phares oder Zuhdi Jasser werden gefeatured, Bernard Lewis kommt vor und von PMW übersetztes… Sogar im jüdisch-amerikanischen Magazin forward.com gab es einen kritischen Artikel darüber: http://forward.com/opinion/150677/islamophobic-film-and-its-jewish-backers/

Zu den Clarion/Aish-Werken gehören auch „Relentless. Struggle for peace in Israel“ (Glick, Marcus, J. Loftus, Joseph Farah, El. Mathias, Brian Spector, S. Mandel,…), „Honor Diaries“ (Hirsi-Ali), „Crossing the line: Intifada comes to Campus“ oder „Israel Inside: How a Small Nation Makes a Big Difference“. Auf Youtube veröffentlicht Clarion auch Filme („…mission is to educate people about the threat of radical islam“, „our way of life“, „western civilization“,…).

In „Islam – what the west needs to know“ (Quixotic Media) wirken Giselle Littman („Bat Yeor“), Robert Spencer, S. Trifkovic und Gregory Davis mit. Von Dan Setton oder Ted Anspach gibt es auch „Dokus“ dieser Art. Propagandafilme, in denen nicht „der Islam“ im Mittelpunkt steht, sind zB „Occupy Unmasked“ von Stephen Bannon und David Bossie („Citizens United“), der sich gegen die Occupy-Bewegung richtet, oder „Fahrenhype 9/11“, die konservative Antwort auf „Fahrenheit 9/11“ von Michael Moore, mit Ron Silver, David Frum, Ann Coulter,…

Hier her gehört auch das „Menschenrechts-Filmfestival“ von „thishumanworld“ in Wien, das zumindest 2013 eine deutliche Schlagseite hatte: Die Vorführung des Dokumentationsfilms der Exil-Iranerin Nahid Sarvestani-Persson, „My stolen Revolution“, über den Diebstahl der Revolution gegen den Schah durch Islamisten, wurde dort mit einer Propagandaveranstaltung von Dropthebomb (auf Iran) gekoppelt… Daneben wurden auch 2 Filme in „Kooperation mit der israelischen Botschaft“ aufgeführt, einer über einen „neuen Antisemitismus“, der andere über Holocaust.

Analyse

Die Darstellung und Verwendung von „Orientalen“ in Filmen spiegelt das Politische wieder, ob das die Darstellung der „guten“ Mujahedin in Afghanistan in den 1980ern ist (gegen die „bösen“ Kommunisten) oder im neuen Jahrtausend intensiv die Darstellung von Moslems als Fanatiker und Terroristen. Auch dass Moslems/Orientalen allgemein abseits vom rückständigen, gewalttätigen, abergläubischen Fanatiker kaum eine ROLLE  zugebilligt wird… Na ja, die der Malalas und Ayaans auch. Und die des „geläuterten Moslems“, à la Mossab H. Yousef, der die westliche Zivilisierungsmission gegenüber seiner Kultur bestätigt.

Viele Darstellungen von Arabern oder Iranern ähneln den „10 kleinen Negerlein“ in ihrer Darstellung der „Farbigen“/Orientalen als unzivilisiert, zurückgeblieben, ungeeignet für höhere Kultur. Und, es gibt natürlich Gemeinsamkeiten in diesem Kulturalismus/Rassismus mit jenem gegenüber „Latinos“, Afrikanern oder Südeuropäern. Wenn man sich etwa die Darstellung des brasilianischen Gewalttäters in „Murder One“ ansieht…

Etwas ganz anderes sind die Darstellungen von „Orientalen“ in „Hot Shots“ oder „Nackte Kanone“ – humorvoll und nicht-rassistisch, die („westliche“) „Gegenseite“ wird nicht als das leuchtende Gegenstück dargestellt, die (unausgesprochen) vorbildliche Norm, diese wird genau so durch den Kakao gezogen. In solchen Filmen wird die Darstellung von Orientalen in Hollywood-Filmen mitunter sogar parodiert.

Die türkische Serie „Tal der Wölfe“ („Kurtlar Vadisi“) läuft seit 2003. Im Gegensatz zur Serie „Das prächtige Jahrhundert“ („Muhtesem Yüzyıl“) geht es darin nicht um die osmanische Vergangenheit der Türkei, sondern um einen fiktiven türkischen Geheimdienst in der Gegenwart und seine(n) Agenten. Mehrere Folgen davon haben Israel (Politiker, Medien,…) erzürnt. Anfang 2010 ging es um die Darstellung israelischer Agenten die in der Türkei tätig sind. Anscheinend hatte sich die türkische Regierung geweigert, israelische Aufforderungen nach Zensur nachzukommen… Der türkische Botschafter Ahmet O. Celikkol wurde vom israelischen Vize-Aussenminister Daniel Ayalon einbestellt und vor laufender Kamera gedemütigt. Der sich danach entschuldigte, für die Verletzung diplomatischer Regeln. Das war einige Monate vor dem israelischen Massaker auf dem zur Gaza-Hilfsflotte gehörenden Schiff „Mavi Marmara“; danach wurde Celikkol abberufen und die Beziehungen „aufs Eis gelegt“.9

Israel werde darin dämonisiert, hiess es. So wie Araber, Türken oder Iraner in „Homeland“ oder „Nicht ohne meine Tochter“? Bei denen es sich nicht mal um Agenten oder Soldaten, sondern um Zivilisten handelt. Auch „memri“ prangert immer wieder Filme oder Serien an, die als „anti-israelisch“ oder „anti-semitisch“ dargestellt werden. Die doppelten Standards lassen sich auch im Umgang mit zwei „Tatort“-Folgen ablesen. Gross war die Aufregung bei der Folge „Tod im Jaguar“ 1996, in der ein einflussreicher jüdischer Geschäftsmann getötet wurde. Kritisiert wurde die wenig differenzierte Darstellung „jüdischer Geschäftemacher“ und „antijüdische Passagen“ in der Pressemitteilung des Senders Freies Berlin. In der Folge „Wem Ehre gebührt“ (2007) mit Maria Furtwängler als Kommissarin ging es um Inzest und Mord in einer alewitischen türkisch-kurdischen Familie in Deutschland. Aleviten warfen den „Tatort“-Machern vor, mit dem Film uralte Vorurteile wiederaufleben zu lassen und zu bestätigen. Diese Aufregung passte zu einem Muster, das Islamophobe für typisch moslemisch halten. Was auch insofern bemerkenswert ist, als Kurden und Alewiten von diesen gerne Moslems oder Türken positiv gegenüber gestellt werden.

Aus einem Diskussionskommentar unter einem der hier verlinkten Artikel: „Unlike race, or sexual preference, religion is a choice…“. Ein Ansatz zur Relativierung der Islamophobie (im Film). Kein stichhaltiger. Denn, es wird diskriminiert indem man einen zum religiösen Fanatiker macht (oder ihm/ihr eine Religiosität anhängt), nicht umgekehrt, dass einer aufgrund seiner Religiosität bzw seines Fanatismus‘ diskriminiert wird! Rasse und Kultur wird in der Islamophobie immer mit der Religion vermischt. Auch wenn dann gerne ein tapferer, emanzipativer Kampf gegen Islamismus aus diesem Rassismus gemacht wird, oder „Religionskritik“. „Den Moslem“ auf die Terroristen-Rolle festzulegen, wie es in diesen filmischen Darstellungen meist geschieht, hat aber nichts mit Kritik am Islamismus zu tun, sondern mit Hetze gegen Einzelne bzw die Allgemeinheit in bestimmten Kulturen. Auch Atheisten, Marxisten, oder Christen aus dem islamischen Kulturraum sind in der Regel mit eingeschlossen.

Der jüdisch-amerikanische Historiker Richard Landes hat in Zusammenhang mit Berichterstattung aus dem besetzten Palästina den Kampf-Begriff „Pallywood“ geprägt, sein (erfolgreicher) Beitrag zum PR-Krieg um Israel/Palästina. Auf seiner Homepage theaugeanstables.com finden sich auch Rechtfertigung und Relativierung von islamophobem Rassismus im Film. Etwa mit dem Hinweis, dass von der selben Organisation, die sich gegen Darstellung von Arabern als Terroristen in Filmen engagiert, kein Piep gekommen sei, als Araber als Terroristen tatsächlich tätig waren – somit sei der Kampf gegen Islamophobie das Streuen von Sand in Augen.

Sehr interessant. Wenn wir wieder auf „Geburt einer Nation“ zurück kommen, hiesse das umgelegt, wenn irgendwo ein Schwarzer wegen Vergewaltigung angeklagt oder verurteilt wird (in USA oder sogar darüber hinaus?), legitimiert das jede rassistische Hetze gegen Afro-Amerikaner (oder generell Schwarze), legitimiert das so einen Film und delegitimiert das die Arbeit der NAACP. Iraner oder Ägypter zu dämonisieren ist demnach berechtigt, weil es Islamisten oder Terroristen unter diesen Nationen gibt. So etwas wünscht sich auch Baghdadi von IS, alle Iraker, oder noch besser, alle (sunnitischen?) Moslems, zu repräsentieren, für sie zu sprechen.

In der islamophob-rassistisch-kulturalistischen Einstellung gegenüber Iran und Iranern lässt sich einiges ablesen. Geht man die Diskussionsseiten des englischen und des deutschen Wikipedia-Artikels von „Nicht ohne meine Tochter“ durch und schaut dann nach, bei welchen Artikeln sich Apologeten des Films sonst noch so in dieser Enzyklopädie engagier(t)en, so stellt man „überraschend“ fest, dass sie dies zB beim Artikel über O. J. Simpson (seine Schuld befürwortend) oder gegen den Bush-Gegenkandidaten von 04, John Kerry, tun…

Die iranische Anti-Regime-Bewegung, die sich auch in Filmen ausdrückt, wird entweder zu diffamieren versucht (Iraner seien so schlecht wie das Regime, iranische Regimegegner würden nicht die iranische Gesellschaft präsentieren10, die Bewegung hätte die falsche Richtung) oder zu vereinnahmen versucht (Iraner sind für ihre „Befreiung“, wollen uns, einen Militärangriff). Beides wurde und wird auch bei der Kriegspropaganda, wie „Stop dropthebomb“, herangezogen. Frauen aus dem Iran oder anderen Ländern moslemisch geprägter Regionen werden entweder auch dämonisiert oder als gegenüber dem Westen hilfsbedürftige Opfer wahrgenommen/dargestellt. Als stumme Opfer sind sie willkommen, als politische Subjekte bzw wenn sie ihre Interessen artikulieren, nicht.

Viele Filme iranischer Film-Regisseure (auch weiblicher) thematisieren Frauenrechte und ihre Verletzungen in der Islamischen Republik. Bevor man sich aber zB mit Filmen Samira Makhmalbafs beschäftigt, dämonisiert man lieber die Iraner als „schmutzig“ und „fanatisch“. Und tut sich mit solchen Iranern zusammen, die so ziemlich alle Maßnahmen gegen Iran unterstützen. Solchen, die das wider spiegeln, was Wlassow oder Quisling während des 2. WK gegenüber ihren Ländern waren. „An appeaser is one who feeds a crocodile, hoping it will eat him last.“ – Dieser Satz von Winston Churchill hat ja etwas für sich.

Iran ist genau so wenig nur durch oder mit „Islam“ zu erklären/verstehen, wie die brasilianische Kultur nur als „katholisch“ zu definieren ist oder die des Kongo als „christlich“. Aber normaler Rassismus und Imperialismus wird eben gerne als „Islamkritik“ getarnt

Jack Shaheen, ein ehemaliger Professor für Massenkommunikation, Sohn libanesischer christlicher Einwanderer in die USA, hat sich in seiner Arbeit Hollywoods Obsession mit rassisch-ethnisch-kulturellen Negativ-Stereotypen von Orientalen gewidmet. Er schrieb dazu die Bücher „The TV Arab“ (1984), „Arab and Muslim Stereotyping in American Popular Culture“ (1997), „Guilty? Hollywood’s Verdict on Arabs after 9/11“ (2008). Nichts davon ist auf Deutsch erschienen. Sein wichtigstes Buch wurde „Reel Bad Arabs: How Hollywood Vilifies a People“ (2001); daraus wurde, mit Sut Jhally, eine ’06 heraus gekommene Film-Dokumentation.

Shaheen studierte (und analysierte) tausende Filme und Serien, in denen Araber, Moslems, Orientale vorkommen, von den frühesten Hollywood-Tagen bis zu den heutigen. Zentral in deren Darstellung, so Shaheen, sind Bauchtänzer(innen), steinreiche Scheichs und Terroristen, auf Englisch die „drei B’s“ – belly dancers, billionaire sheiks and bombers. Und, diese Porträtierung werde kaum in Frage gestellt. Was es auch immer wieder gibt, so Shaheen, ist ein Perverser aus „solchen“ Kulturkreisen, der eine schöne weisse Frau begehre, und ein ungeschickter Idiot.11 Shaheen analysiert auch die Verbindungen Hollywoods mit der Politik und der Einfluss auf die Darstellungen von „Feind-Kulturen“.

Material

Neben dem bereits Genannten; deutsche Behandlungen des Themas habe ich gar nicht erst gesucht…

Blog „People of colour in classic film“

Artikel auf „Huffington Post“ zum Thema

http://islaminfilm.weebly.com

Über das Casten von Arabern als Darsteller von Terroristen

Stereotype Darstellungen und Castings

Islamophobie in Hollywood

Über Argo

Heba Amin

„Arab adventures in Hollywood“

http://www.academia.edu/6219114/Hollywood_Jews_and_Arabs

Über als orientalische Bösewichte gecastete Orientalen in Hollywood

Etwas über James Bond und Rassismus

Über Homeland

Anzeige in der „L. A. Times“ 06 zur Unterstützung des israelischen Vorgehens gegen Libanon und Palästina (in eine Pseudo-Friedensbotschaft eingepackt); neben einigen der im Artikel Genannten auch von Arnold Kopelson, „Larry“ Gelbart, Ivan Reitman, Branko Lustig, Rupert Murdoch unterzeichnet, dann Willis, Stallone, Douglas aber auch Cranson, Hopper, De Vito, Sinise,…

Casablanca: A Lament and a Riposte on Its Seventieth Birthday

Telling Real Stories: Filmmakers Hesham Issawi and Sayed Badreya Shatter Stereotypes in Hollywood.

John Tehranian: The Last Minstrel Show? Racial Profiling, the War on Terrorism and the Mass Media. In: Connecticut Law Review Februar 2009

John Tehranian: Whitewashed: America’s Invisible Middle Eastern Minority (2009)

Neal Gabler: An Empire of Their Own: How the Jews Invented Hollywood (1988)

Margaret R. Miles: Seeing and Believing: Religion and Values in the Movies‎ (1997)

T. Rasi: Nicht ohne meine Betty. Kurze Antwort (1991; Sohrab-Verlag)

Sut Jhally, Justin Lewis: Enlightened Racism (1992)

Ahmed Ould Meiloud: Image of Arabs in Hollywood Films (2007)

Anne R. Richards, Iraj Omidvar: Muslims and American Popular Culture (2 Bände, 2014)

Doku-Film „Casting Calls: Hollywood and the Ethnic Villain“ (2003)

Der finnische Filmemacher Alexis Kouros hat eine Doku als Antwort auf „Nicht ohne meine Tochter“ gestaltet, „Without My Daughter“

„Oh I come from a land, from a faraway place
Where the caravan camels roam
Where they cut off your ear
If they don’t like your face
It’s barbaric, but hey, it’s home“

Aus dem Titelsong vom Walt Disney-Zeichentrickfilm „Aladdin“ (1992)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Kriegsgerät wird auch vom Pentagon (USA-Verteidigungsministerium) für Hollywood-Filme nur zur Verfügung gestellt, wenn diese inhaltlich passen und nichts gegen die Macher vorliegt
  2. Captain Louis Renault ist am Beginn des Films ein Zuarbeiter des Vichy-Regimes, wird ein Anhänger des Freien Frankreichs, arbeitet mit dem Amerikaner Rick zusammen. So weit, so gut
  3. 1952, sieben Jahre nach Kriegsende, kam „Casablanca“ in die Kinos der noch jungen Bundesrepublik Deutschland, jedoch in einer signifikant veränderten Form. Es fehlen rund 23 Minuten Spiellänge und auch die ein oder andere Filmfigur wurde gestrichen. Auch die Übersetzung der Dialoge für die Synchronisation wich vom Original ab. Später kamen andere deutsche Filmfassungen von „Casablanca“. Siehe dazu: Lena Kötitz: Propaganda in „Casablanca“. Kürzung der ersten deutschen Fassung des Filmklassikers von 1952 (Studien-/Seminararbeit in Medienwissenschaft, Marburg 2015)
  4. Hier soll es auch zu Änderungen in späteren Fassungen gekommen sein, auch im englischen Original
  5. Arnon Milchan, Filmproduzent, Waffenhändler, Lobbyist, hatte enge Verbindungen zum südafrikanischen Apartheid-Regime, half ihm v.a. beim Versuch, sein Image in (den wenigen kritischen) südafrikanischen Medien sowie solchen in anderen Ländern aufzupolieren, eine Kampagne in den 1970ern, die als „Muldergate“ (nach dem damaligen Apartheid-Informationsminister) bekannt wurde. Milchan hat aber anscheinend keine Propaganda-Filme für das Apartheid-Regime gemacht und keine islamophoben Filme
  6. Zum Rehov-Film über das Jenin-Massaker 2002 werden auf Wikipedia Lobeshymnen eines israelischen Senders, der den Film möglicherweise mitproduzierte, als Kritik zu ihm angegeben
  7. „Der Unterschied zwischen Finkelstein und Dershowitz? Ersterer gilt hierzulande als Unperson, obwohl (oder gerade weil) er nichts als die Prinzipien des humanitären Völkerrechts, sprich: die vielgerühmten zivilisatorischen Mindeststandards verteidigt. Dershowitz dagegen ist der Liebling von philosemitischen Täter-Enkeln wie denen, die sich im BAK Shalom zusammengefunden haben, und erhält für sein Märchenbuch ‚Plädoyer für Israel‘ ein begeistertes Vorwort von Henryk M. Broder, obwohl (oder gerade weil) er Methoden im Umgang mit den Palästinensern propagiert, für die so mancher Kriegsverbrecher schon gehängt wurde“ (Lysis/rhizom)
  8. „Neoconservatives behind the propaganda film Iranium continue to mask their pro-war, pro-sanctions agenda as being somehow supportive of the people of Iran. The producers of the film, which has been criticized as using the struggle of the Iranian people to push for their war-agenda, recently released a clip arguing that Iranians need communications technology in order to foment a ’new revolution‘ in Iran. Problem is, the ‚Iranium‘ crowd and its supporters have worked ardently to expand sanctions and help ensure that Iranians cannot freely access this very technology. The clip in question tellingly links to a petition to ’support the Iranian people‘ but which actually focuses on the Iranian nuclear issue and calls only for ’stronger sanctions‘.”
  9. Zwischen der Entschuldigung und dem Massaker gab es anscheinend eine weitere Folge der Serie, die Israel empörte, die wieder als „antisemitisch“ eingestuft wurde, und Drohungen Israels bezüglich der diplomatischen Beziehungen. Ayalon warnte: „Wir sprechen nicht nur über die Türkei. Bei jedem Land, das Israel schadet, überlegen wir, den Botschafter auszuweisen. Alle Optionen sind offen.“
  10. Schirra, der gute Geschäfte mit Büchern über Islamismus macht, sagt das so ähnlich
  11. Der von Peter Sellers dargestellte Inder in „Der Partyschreck“ ist wohl eher noch eine harmlose Variante davon

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