Fatimiden, Assassinen und Aga Khan. Die Ismailiten durch die Jahrhunderte

Konstanten in der Geschichte der Ismailiten, eines Zweigs des schiitischen Islams, sind ihre Lage „am Rande“ des Islams, die Bildung quasi-ethnischer und sektenähnlicher Gemeinschaften, (Ab)spaltungen (von anderen Schiiten, innerhalb ihrer Konfession) und Zäsuren, die Stellung „in Opposition“ zu jeweiligen herrschenden Mächten und Mehrheitsgesellschaften – ausser in einigen Jahrhunderten im Hoch-Mittelalter, als ihnen die Gründung einiger Staaten gelang. Mit diesen haben sie die islamische Welt allerdings stark geprägt, bis heute. Viele Quellen über sie sind von ihren einstigen Feinden verfasst worden; nicht nur war/ist ihr Islam vielen anderen Moslems verdächtig, durch Konfrontationen mit den Kreuzfahrern entstanden auch negative westliche Meinungen über sie, halten sich teilweise bis heute. Heute leben Ismailiten verstreut auf der Welt, zersplittert in mehrere Gruppen. Der Islam wirkt durch den Focus auf das Ismailitentum in einem anderen Licht.

Vorbedingungen, Entstehung, vor-fatimidischer Ismailismus 

Nach der Gründung des Islams und der Eroberung Arabiens unter Prophet Mohammed kam die Nachfolgefrage auf, es gab nun keine unbedeutende Sekte mehr zu führen, sondern ein bedeutendes Reich, das im Begriff war, noch bedeutender zu werden. Es setzten sich Leute aus dem Stamm, der Umgebung Mohammeds durch, die das Kalifat (Kalif/Chalifa bedeutet eigentlich „Nachfolger“) begründeten, was der Grundstein zum sunnitischen Islam (wenn man so will, der Hauptrichtung) war. In Opposition dazu standen jene moslemischen Araber, die die Führung der Religion und des Reichs in den Händen von Bluts-Verwandten des Propheten wissen wollten. Das war zunächst Ali, der als Imam ausgerufen wurde. Möglicherweise stand, wie bei den Karlisten-Kriegen im Spanien des 19. Jh, die Nachfolgefrage im Vordergrund, aber inhaltliche Differenzen im Hintergrund.

Bei den Eroberungen Persiens und grosser Teile von Byzanz unter den „rechtgeleiteten“ (raschidischen) Kalifen (jenen aus der Umgebung Mohammeds), war die Umma also bereits gespalten (das erreichte Unterworfene wie die Perser erst später). Das Imamat war quasi eine interne Gegenregierung, mit wenig Macht. Als drei Kalifen gestorben waren (zuletzt Kalif Osman, von seinen eigenen Leuten ermordet), lebte Imam Ali noch immer. Er und seine Anhänger hatten seine Ansprüche auf die tatsächliche Führung von Umma (Glaubensgemeinschaft) und Reich aufrecht erhalten, nun kam er dran. Ali wurde allerdings nur von Teilen der Führung als Kalif anerkannt. Zu seinen Gegnern zählte besonders Muawiya, der Statthalter von Syrien, aus Mekka, vom Clan der Omayaden (Umayyaden). Es kam zu einer Art Bürgerkrieg im Arabisch-Islamischen Reich, zwischen den Anhängern der Aliden (der Schi’at Ali, der Partei Alis) und der Omayaden, ausgetragen vor allem im mesopotamisch-syrischen Grenzbereich. Das Ergebnis war eine Art Unentschieden.1 Am Ende dieser ersten „Fitna“ (interne Auseinandersetzung) wurde Ali getötet.

Alis Sohn Hassan wollte auch als Kalif weiterherrschen, die Machtbefugnisse vom Vater erben, musste sie aber an Muawiya abtreten, der erster Kalif aus der Omayaden-Sippe wurde (was das Ende der raschidischen Kalifen markiert). Hassan wurde nur Imam, bestritt die Führung des Reichs und der Religion. In der Schlacht von Kerbala 680 kämpften die Schiiten unter ihm gegen die Sunniten unter dem omayadischen Kalifen Yazid (Teil der 2. Fitna, die sich auch während der Expansion des Reichs und der Religion, in Nordafrika, abspielte). Es kam zum entscheidenden Sieg der Sunniten (die das Kalifat nicht mehr aus der Hand gaben) und der entscheidenden Spaltung der Konfessionen im Islam (die auch eine politische war, die Schiiten unter den alidischen Imamen anerkannten die tatsächliche Regierung nicht).

Ali war der einzige der Imame der 12er-Schia, der über politisch-militärische Macht verfügte, weil er auch von Sunniten anerkannt wurde als Kalif. Ansonsten war bei den schiitischen Imamen spirituelle und weltliche Macht getrennt – etwas das die schiitische Theologie/Kultur prägte! Die Imame residierten bis 780 in Medina im Hejaz, dann in Mesopotamien (einer starb in Persien); die Kalifen regierten ab 661 nicht mehr in Medina, sondern in Damaskus, ab 750 in Bagdad; sie befanden sich also lange in der Nähe zueinander. Die meisten Imame wurden im Auftrag der Kalifen gefangen gehalten und/oder ermordet. Die erste Nachfolgekrise bei Schiiten gabs nach dem Tod von Imam Ali al Zain; ein Teil der Schiiten war für Said, ein grösserer für Mohammed-e Bakr, dieser setzte sich als 5. Imam durch. Said und seine Anhänger spalteten sich ab, die 5er-Schiiten, Saiditen, Zaidiyyah entstand(en), die das Imamat nach Said fortsetzte(n). Ihr Schwerpunkt wurde Süd-Arabien.

Bald darauf, nach dem Tod von Mohammed Bakrs Nachfolger Jafar (Dschafar), 765 in Medina, des 6. Imams (zur Zeit seines Imamats fand der Dynastiewechsel im Kalifat von Omayaden zu Abbasiden statt), kam die nächste Nachfolgekrise und Abspaltung, jene die für dieses Thema nun von Relevanz ist: Jafar, ebenfalls von den Sunniten vergiftet, hatte seinen Sohn Ismail (von einer berberischen Sklavin aus Nord-Afrika) als Nachfolger designiert (dies ist aber nicht unumstritten). Ismail war aber vor seinem Vater gestorben. Es setzte sich Jafars Halb-Bruder Musa als Imam durch; jener Teil der Schiiten, die (den toten) Ismail als rechtmäßigen Nachfolger, als siebenten Imam, sahen (ein Imam könne sich nicht irren, er sei gar nicht richtig gestorben), setzte sich ab. Hier ist der Beginn der Ismailiyya, des Ismailitentums. Dieser Teil war eine Gruppe namens Mubarakiyyah, eine der schiitischen Gruppen Mesopotamiens. Sie ist nach einem Anführer, einem gewissen Mubarak, benannt.

Ismail und sein Sohn Mohammed (Mohammed Ibn Ismail) spielen für die Ismailiten eine zentrale Rolle. Mohammed Ibn Ismail ging nach Jafars Tod von Medina nach Kufa. Nach seinem Tod 813 spalteten sich die Ismailiten. Beide Gruppen sahen Ismail als siebenten Imam; für einen Teil war Ismail der letzte Imam und Ismails Sohn Mohammed ein Mahdi (er war also nicht wirklich gestorben), für den anderen war dieser der 8. Imam, war gestorben, setzte sich das Imamat über ihn fort. Die Anhänger Ismails spalteten sich also früh das erste Mal. Welcher Teil der grössere war, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Aus jener Gruppe, die Ismail als letzten Imam und seinen Sohn als Mahdi sahen, gingen die Karmaten hervor, aus jener, die das Imamat über den Sohn fortführen wollten, die Fatimiden.

Der grösste Teil der Ismailiten, von beiden Gruppen, wanderte von Mesoptamien nach Salamiyah in Syrien, wo Mohammed Ibn Ismail gestorben war. Während das schiitische Haupt-Lager noch Anspruch auf die Macht in der Zentrale/im Ganzen hatte, begannen die Ismailiten, sich Macht abseits davon aufzubauen. Sie waren noch stärker als die anderen Schiiten gegen die Akzeptanz des (nun abbasidischen) Kalifats, trugen weiter zu dessen Machtverlust bei. Vom schiitischen Hauptstrom, von dem sie sich abgespalten hatten, wurden sie verachtet.

Abdullah, Sohn und Nachfolger (als Imam) von Mohammed Ibn Ismail, dürfte mit den anderen Ismailiten gewandert sein. Der „imamitische“ Teil der Ismailiten (für die Ismail nicht der letzte, sondern der divergierende Imam ist), wurde von ihm und seinen Nachfolgern/Nachfahren geführt. Salamiyah bei Homs wurde Hauptquartier der Ismailiten im 9. und 10. Jh, für beide Richtungen2; ein Teil der Anhängerschaft war wohl in Mesopotamien geblieben. Die Ismailiten agierten in Syrien wahrscheinlich wie ein Geheimbund, um Verfolgung zu entgehen, praktizierten eine Art Taqiya. Die ismailitische Theologie wurde zum Teil in Salamiyah entwickelt, synkretistische, gnostische Elemente integriert, eine allegorische Auslegung des Islams. Auch haben die Ismailiten von dort missioniert, Dai’s ausgeschickt. Der „mahdistische“ Teil missionierte in Mesopotamien und Persien (beide Gebiete wie Syrien Teil des abbasidischen Kalifats). Im Grenzgebiet dieser Gebiete, Khusestan, wurde ein Hamdan gewonnen, der den Zunamen „Karmat“ (Qarmat) bekam, wahrscheinlich ein arabisierter Nabatäer – er wurde ein Anführer der Mahdisten unter den Ismailiten.

Ende des 9. Jh kam es zum Bruch der beiden „Fraktionen“, als sich Imam Abdullah auch als Mahdi ausgab. Hamdan Karmat selbst ging zur imamitischen Gruppe über, der mahdistische Teil der Ismailiten bekam/behielt aber den Namen „Karmaten“, der von ihm kam. Es war die Zeit des Beginns des Untergangs der Macht des abbasidischen Kalifats (der Zentralmacht), ein Prozess, der erst im 13. Jh zum Abschluss kam. Diverse Lokalherrscher wurden tatsächliche Machthaber und spalteten sich zT dezidiert ab, das arabisch-islamische Reich zerfiel. Auch nicht-sunnitische und nicht-arabische Gruppen kamen nun im islamischen Bereich an die Macht – was unter den Abbasiden schon ansatzweise so gewesen war. Zur selben Zeit ging das das 12er-Imamat (Ithna Ashariya) „unter“, 878 „verschwand“ der zwölfte Imam dieser schiitischen Hauptrichtung, Mohammed Ibn Hassan („al Mahdi“), es wurde kein Nachfolger mehr gewählt. Persien und Mesopotamien wurden in den folgenden Jahrhunderten meist schiitisch regiert, zT von persischen Dynastien; Mesopotamien blieb Zentrum der (12er-)Schia, die abbasidischen Kalifen unterstanden zunehmend den Schiiten.

Zeit der ismailitischen Machtentfaltung

Aus dem „mahdistischen“ Zweig der Ismailiten (der Ismails Sohn Mohammed als Mahdi verehrte) wurden also die Karmaten (Qaramita), auch wenn der Namensgeber Hamdan Karmat nicht mehr dabei war. Sie errichteten das erste ismailitische Staatswesen, in Ost-Arabien, es hatte vom 9. bis zum 11. Jh Bestand , sein Zentrum war auf Bahrain. Von dort führten sie Eroberungszüge durch, u.a. nach Mekka, von wo sie die Ka’aba entführten. Vor allem Sunniten bekämpften sie. Auch mit dem Fatimiden-Reich in Syrien gab es Kämpfe. In umliegenden Gebieten hoben sie Tributzahlungen ein. Die Karmaten wandten sich von vielem Islamischen ab, dagegen wurden persisch-zoroastrische Elemente in ihren Kultus aufgenommen. Die Berichte über Sex- und Drogenorgien unter ihnen dürften aber ihnen feindseligen Quellen entspringen. Ihr Staat erfuhr Ausdehnung und Zurückwerfung; im 11. Jh wurden sie auf Bahrain von den Uyuniden besiegt, am ostarabischen Festland ebenfalls bald, von Uyuniden und Seldschuken. Karmatische Reste haben sich über den Untergang des Reichs hinaus bis ins Spät-Mittelalter in West- und Zentralasien gehalten, die Leute gingen schliesslich zu andern moslemischen Richtungen.

Nur etwas nach dem mahdistischen Teil der Ismailiten expandierte auch der imamitische (jener, der Mohammed Ibn Ismail als Imam sah), schuf ein grösseres, mächtigeres und länger bestehendes Staatswesen. Imam Abdullah al Mahdi (auch Billah, Ubaydallah genannt, urssprünglich Said Ibn al Hussein) musste ihm 10. Jh flüchten, vor Soldaten der abbasidischen Kalifen, es verschlug ihn nach Nordwest-Afrika. Ihm und seinen Anhängern gelang dort der Sturz der Toluniden und Aghlabiden, die Begründung eines eigenen Herrschaftsbereichs. Der ismailitische Imam Abdullah, Gründer dieses Staates, proklamierte sich zu seinem Kalifen (auch Ausdruck der Gegnerschaft zu den Abbasiden)3, wählte den Dynastienamen Fatimiden (Fatimiyyun), nach Alis Ehefrau Fatima.4 Ein Rest der mahdistischen Ismailiten blieb in Syrien zurück. Das Reich der Idrisiden (eine saidistische Dynastie) im äussersten Westen Afrikas wurde dem Reich der Fatimiden tributpflichtig. Ägypten, das noch den Abbasiden unterstand, wurde unter Imam-Kalif Abu Tamim al Muiz Mitte des 10. Jh erobert. Das Fatimiden-Reich wurde aber noch mächtiger: unter al Muiz wurden auch der Hejaz erobert, dann Syrien und die umliegenden Gebiete (Palästina, das frühere Nabatäa und Phönikien), von Hamdaniden und Karmaten.

Dort, wo die neue Residenz der Fatimiden-Herrscher sein sollte, wurde die Stadt Kairo gegründet (al-Qahira al-Muizziyya). Auch Sizilien wurde zeitweise von ihnen beherrscht. Das Fatimiden-Reich wurde eines der mächtigsten islamischen Reiche, zu seiner Zeit war es das wichtigste (auch, aber nicht nur, wegen der Herrschaft über Mekka). Das Fatimiden-Reich hatten mit den Reichen der Karmaten, Assassinen, Sulayhiden zu tun, den anderen ismailitischen Reichen, nicht immer im Positiven. Nach dem Untergang der Karmaten lag die Führung der Ismailiten unangefochten bei den Fatimiden – bis dann ihre Spaltungen kamen. Die Fatimiden wollten die Macht über die gesamte Umma bzw die Herrschaft über die ganze Grossregion, den Kalifats-Titel hatten sie sich ja schon zugelegt. Das Engagement gegen die immer machtloseren abbasidischen Kalifen hielten sie aufrecht.

Im Hoch-Mittelalter kam es zu einer Annäherung der drei schiitischen Richtungen (5er, 7er, 12er), zur Zeit ihres Vormarsches im islamischen Raum; in Iran und Mesopotamien herrschten damals die Buyiden. Hier wäre die kontrafaktische Frage anzusetzen, ob in dieser Konstellation eine „Übernahme“ des Islams durch Schiiten möglich gewesen wäre. Die Konstellation änderte sich durch das Vordringen türkischer Stämme und ihre Machtentfaltung unter Dynastien wie den Seldschuken.

Wie im Karmaten-Staat gab es bei den Fatimiden eine ismailitische Führungsschicht und Unterworfene – von denen ein Teil zu den Ismailiten übertrat. In der Fatimiden-Zeit wurde das Ismailitentum kultivierter, in vor-fatimidische Zeit war es hauptsächlich von Beduinen getragen worden. Und es wurde un-arabischer, obwohl die neu Hinzugekommenen einen „Arabisierungsprozess“ durchmachen mussten oder diesen schon hinter sich hatten. Es gab Söldnergruppen verschiedener Herkunft, Berber, Türken, Armenier, Schwarzafrikaner, viele mit einem sklavenähnlichen Status.5 Was die Frage der Toleranz bzw die Beurteilung der Herrschaftsausübung betrifft, so gab es unter den Fatimiden solche und solche Tatsachen. Christen (Kopten, Armenier, Jakobiten,…) und Juden wurden zeitweise ggü Sunniten bevorzugt, es gab auch christliche Wesire.6 Nicht-Moslems waren aber auch zeitweise schweren Diskriminierungen bzw Benachteiligungen ausgesetzt.

Bei den Sunniten gibt es 4 Rechtsschulen, bei den Imamiten/12er-Schiiten gibt es die Rechtsschule der Jafariyya/Dschafariya, vom 6. Imam Jafar begründet. Die Ismailiyya/7er-Schia hat auch eine eigene Rechtschule, sie wurde unter den Fatimiden begründet. Von Abū Hanīfa an-Nuʿmān ibn Muhammad at-Tamīmī (bekannt als Qadi al Numan), der aus NW-Afrika stammte und Sunnit gewesen war. Unter den frühen Fatimiden trat er zu deren Konfession über. Wichtige religiöse Führer/Funktionäre (unterhalb der Imame) wie er wurden unter den Fatimiden auch „Da’i“ genannt.

Der Höhepunkt der Herrschaft der Fatimiden war im 11. Jh. Und da gab es eine Abspaltung. Der fatimidische Kalif al Hakim (Abu ‘Ali Mansur al-Ḥākim bi-Amr-Allāh), der christenfeindlichste der Fatimiden, verschwand am Beginn dieses Jahrhunderts nach einem Ausritt. Die ismailitischen Gelehrten Hamza (wahrscheinlich persischer Herkunft) und Darazi (wahrsch. Türke) hatten bereits zuvor begonnen, eine neue Religion zu „zimmern“, auch (synkretistisch) mit nicht-islamischen Elementen. Sie sprachen Hakim Göttlichkeit zu. So entstand die Drusen-Religion (Drusentum/Duruziyya/Duruziyyun/Din al Tawhid/Bnei Maruf/Muahidin), als Abspaltung vom ismailitischen Islam, im fatimidischen Ägypten. Vor einer Welle der Verfolgung wichen die Drusen nach Syrien und in „den Untergrund“ aus.

Die Ziriden waren die Statthalter der Fatimiden in Ifriqya (das einen Teil Nordwestafrikas bezeichnet[e]), wo diese residiert hatten bevor sie Kairo begründeten und dorthin zogen. Im frühen 11. Jh machte sich im Westen dieses Ifriqya die Hammadiden-Dynastie unabhängig vom Machtbereich der Ziriden und damit letztlich von jenem der Fatimiden. Mitte des 11. Jh brachen die Ziriden dann mit den Fatimiden, orientierten sich an den abbasidischen Kalifen. Der Verlust NW-Afrika war ein erster grosser Rückschlag für die Fatimiden, sie verloren damit auch den Nachschub an berberischen Soldaten von dort. Die Fatimiden schickten nun arabische Beduinen-Stämme wie die Banu Hilal, die sich im 8. Jh in Ägypten niedergelassen hatten, nach Ifriqya, gegen die Ziriden. Diese verwüsteten Teile des Gebiets und nahmen Teile in ihren Besitz; die Ziriden wurden auf die Küste beschränkt, gingen zur Piraterie über. Auf Sizilien hatten die Fatimiden mit der Verlegung ihres Sitzes nach Ägypten die Kontrolle effektiv verloren, an ihre dortigen Statthalter, die Kalbiten. Mitte bis Ende des 11. Jh eroberten die Normannen Sizilien; Mitte des 12. Jh setzten sie nach Nordafrika über.

Ismailitische Missionare waren von Salamiya auch nach Jemen geschickt worden, hatten  etwas Erfolg. Anfang des 10. Jh gab es im Jemen zwei ismailitische Lokalherrscher, al Fadl im Süden, und Ibn Hawshab im Norden, die gemeinsam grosse Teile des Landes das formal weiter den Abbasiden unterstand, unter ihre Kontrolle brachten – und sie dann wieder verloren. Der Verlust kam ungefähr zu der Zeit, als die Führung des „imamitischen“ Teils der Ismailiten aus Salamiyah (dem sich die Ismailiten in Jemen unterordneten) in den Maghreb auswich und dort mit der Begründung des Fatimidenreichs begann. Imam Abdullah wäre auch beinahe nach Jemen gegangen statt dorthin. Eine ismailitische Präsenz blieb im Jemen nach dem Verlust der ersten Macht dort (unter der Führung von Da’is). Im 11. Jh trat im Süden ein Ali bin Muhammad as-Sulayhi zum Ismailitentum über. Und er eroberte mit seinen Kriegern fast ganz Jemen, begründete die Sulaihiden-Dynastie (Banu Ṣulayḥ). Ein weiterer ismailitischer Staat, einer der mit dem Fatimiden-Reich verbunden war, über den Hejaz (Mekka) sogar im wahrsten Sinn. Grösster Konkurrent wurden die zaiditischen Rassiden; im 12. Jh (1138) verloren die Sulaihiden Jemen, zunächst an diverse regionale Herrscher.

Im 11. Jh kamen im Grossraum Syrien Angriffe anderer Mächte, byzantinische Rückeroberungen, Kämpfe gegen Hamdaniden-Reste dort, gegen Seldschuken, Kreuzfahrer. Unter Kalif Mustansir (1036-1094; Abū Tamīm Ma’add al-Mustanṣir bi-llāh) verloren die Fatimiden Syrien an die türkischen Seldschuken, die sich auch als Verteidiger des sunnitischen Islams sahen. Reste an der östlichen Mittelmeer-Küste, die sie zunächst behielten, gingen an die Kreuzfahrer. Innere Konflikte und Zerfall des Reichs gingen in der späten Fatimiden-Zeit Hand in Hand. Nach Mustansirs Tod kam es zu einem Thron-Nachfolgestreit zwischen Nizar (dem Sohn Mustansirs) und Mustali (dem Bruder Mustansirs) bzw ihren Hinterleuten. Mustali setzte sich als Kalif und Imam durch. Nizar wurde bei einem Aufstandsversuch getötet, seine Anhänger (Nizariten) spalteten sich von den Fatimiden/Mustalis ab. Unter Nizars Sohn wanderten sie zu den Ismailiten in Syrien und Persien (s.u.)

2 Kalifen später gab es wieder einen Nachfolgestreit der eine Abspaltung brachte: Kalif Amir starb 1130, ein Teil der Fatimiden (die nun der Mustali-Richtung angehörten) sah seinen Sohn Tayib als Nachfolger, der andere wollte Amirs Cousin Hafiz. Diese Hafizis/Hafiziten setzten sich durch, stellten die weiteren Kalifen (die auch ihre Imame waren). Die Tayyibi spalteten sich ab von den Mustali-Fatimiden-Ismailiten, sehen Tayib als letzten Imam, der sich im Verborgenen aufhalte. Die Verluste Siziliens, Nordwest-Afrikas, Syriens, Jemens verstärkten die inneren Machtkämpfen (auch Kämpfe unter berberischen, afrikanischen, türkischen Soldaten; Wesire gg Kalifen), mündeten in den Untergang des Fatimidenreichs.

Die Zangiden/Zengiden, regionale Machthaber der Seldschuken in Syrien und Mesopotamien, wurden im 12. Jh in quasi-unabhängige Herrscher von Teilen Syriens und Konkurrenten der Kreuzfahrer dort – und Bedroher des fatimidischen Restreichs in Ägypten. Kreuzfahrer wie Zengiden griffen Ägypten mehrmals an. 1169 suchte der fatimidische Kalif-Imam al Adid die Hilfe der Zengiden gegen die Kreuzfahrer (Königreich Jerusalem).7 Zengiden-Kommandant Sherko, einer der Kurden bei den Zengiden, wurde so mit seinen Truppen der Einmarsch in Ägypten gestattet.

Sherko wurde Wesir des fatimidischen Ägyptens, an statt Schawar, der getötet wurde. Nach Sherkos Tod im selben Jahr wurde sein Neffe Sala(h)din Wesir (also eine Art Premierminister). Al Adid war der (14. und) letzte Fatimiden-Kalif und Hafiziten-Imam, war minderjährig Herrscher Ägyptens geworden. Er löste nach Strassenkämpfen in Kairo die Garden der Armenier und Nubier auf und entzog den Fatimiden damit ihre letzte militärische Stütze. Als er 1171 starb, beendete Saladin die Herrschaft der Fatimiden und erbte ihr Rest-Reich, machte sich zum Sultan von Ägypten. Salahdin machte sich auch von den Zengiden in Syrien unabhängig, begründete das Reich der Ay(y)ubiden (der Dynastie-Name wurde an seinem Vater Ayub „angelehnt“). Die Ayubiden eroberten dann (1174) auch Syrien, Hejaz, Jemen.

In Persien war im 11. Jh ein anderer ismailitischer Staat entstanden, der das Fatimiden-Reich dann überlebte. Der Perser Hassan Sabah (einige seiner Vorfahren waren Araber), aus einer Zwölfer-schiitischen Familie, wurde Mitte des 11. Jh von fatimidischen Missionaren vom ismailitischen Islam überzeugt. Er besuchte infolge den Kalifenhof in Kairo, wurde so etwas wie Anführer der Ismailiten in Persien, das damals unter die Herrschaft der Seldschuken kam (wie auch Mesopotamien, Teile Syriens, Kleinasien, Armenien). Mit seinen „Mitarbeitern“ gelang ihm die Konversion anderer Perser zur Ismailiyyah, man gründete eine Art Orden/Geheimbund. Sitz wurde die Festung Alamut (es ist nicht gewiss ob sie von ihnen erobert oder gebaut wurde), heute in der Stadt Mallem Kalaye in der Provinz Qazvin gelegen. Von dort führten die iranischen Ismailiten Eroberungen in der Umgebung (NW-Iran) durch, wurden Regionalherrscher, Ende des 11. Jh bis Mitte des 13. Bekämpft wurden v.a. die Seldschuken (als Sunniten und weltliche Herrscher), auch die Kreuzfahrer in Syrien, und die abbasidischen Kalifen in Mesopotamien. Dabei bedienten sich diese „Assassinen“ oft einer Terror/Guerilla-Taktik (sie werden von manchen Seiten als Vorfahren von Selbstmordattentätern gesehen). Sie sind wahrscheinlich für Morde am seldschukischen Wesir Nizam al Mulk, dem Kreuzfahrer-Führer Konrad von Montferrat und dem fatimidischen Kalifen Amir verantwortlich.

Ob wirklich Cannabis/Haschisch von den Kämpfern (Fedayin) konsumiert wurde, als Ansporn diente, ist umstritten (von Marco Polo gibt es einen Bericht darüber). Amin Maalouf, in seinem historischen Roman „Samarkand“, bestreitet, dass sich „Assassinen“ von „Haschischiyun“ (also etwa „Haschisch-Konsumenten“) ableitet8. Er glaubt, dass sich die Bezeichnung für diese ismailitischen Regionalherrscher vom persischen Wort „Assass“ (Fundament, Stiftung) ableitet. Die Bezeichnung für „Mord“ und „Mörder“ in Englisch und lateinischen Sprachen leitet sich jedenfalls von der Bezeichnung dieser Ismailiten ab. Ob diese Bezeichnung auf „Assass“ oder „Haschisch“ zurück geht und ob sie eine Eigen- oder eine Fremdbezeichnung war, ist fraglich. Umberto Eco wies darauf hin, dass die Geschichte der Assassinen in der Regel von ihren Gegnern verfasst wurde: westlichen Chronisten, die den Kreuzfahrern nahestanden, 12er-Schiiten oder Sunniten; bis Joseph von Hammer-Purgstall im 19. Jh.

Die Assassinen nahmen nach dem Schisma der Fatimiden Ende des 11. Jh für die unterlegene Nizariten Partei, wurden damit Gegner der regierenden Fatimiden. Die Nizariten kamen auch aus Ägypten zu ihnen (Nizar selbst wahrscheinlich nicht). Der erste Assassinen-Da’i Hassan Sabah, der 1124 starb, wird oft als der „Alte vom Berge“ gesehen, das war aber eigentlich Raschid ad-Din Sinan. Dieser war im 12. Jh nach dem Ende der Fatimiden-Macht in Syrien dort ein Anführer der Nizari-Ismailiten, die in dieser Zeit auch als syrischer Zweig der Assassinen gesehen werden. Diese kämpfte gegen Seldschuken, Ayubiden und Kreuzfahrer, zT mit den Assassinen zusammen. Mehr noch als diese, sie hatten keine grössere Machtbasis, waren sie gezwungen, als „Untergrund“-„Terror“-Organisation zu kämpfen. Sie müssen irgendwann im 12. oder 13. Jh von Ayubiden oder Mameluken ganz bezwungen worden sein. Bald nach dem Ende des Fatimiden-Reichs 1171 kam auch die Seldschuken-Herrschaft in Persien zu einem Ende (1194). Über Persien/Iran kamen nun diverse regionale Herrscher, am wichtigsten die Khwarezmier (wie die Seldschuken Türken). Im 13. Jh fielen die Mongolen ein, diese töteten den Führer/Da’i der Assassinen, Rukn al-Din Khurshah, und weitere nizaritische Ismailiten in Persien. Ein Teil der Gemeinde flüchtete nach Zentralasien.

Neubeginn am Ausklang des Mittelalters

Mit dem Untergang der Assassinen war die Phase der Machtentfaltung der Ismailiten endgültig vorüber. Ab dem Spät-Mittelalter hatten sie nirgendwo mehr politische Macht (oder politischen Schutz). Der Kampf ums Überleben begann wieder, wieder in der Zerstreuung, oft mit Verstellung. Sie waren nun (wieder) Verleumdungen und Verfolgungen der 12er-Schiiten und Sunniten ausgesetzt. Es sollte dauern, bis sie wieder etwas an Sicherheit und Struktur bekamen. Was die von ihnen im Mittelalter hinterlassenen Spuren betrifft, die Fatimiden haben sehr tiefe in ihrer Region hinterlassen: Die Gründung Kairos und von al Azhar (Moschee und Universität); die aus ihnen hervor gegangene Drusen-Gemeinschaft (die sich auch bis in die Gegenwart behaupten konnte); die Lenkung von (echten) Arabern nach NW-Afrika (s.o.) hatte für diese Region immense Auswirkungen; während einer Hungersnot in Ägypten im 11. Jh strömten koptische Bauern in die Städte, konvertierten in Folge zum Islam, auch dies eine bedeutende Entwicklung unter den Fatimiden.

Was Ägypten betrifft, unter Salahdin/den Ayubiden kam es zur Wiederherstellung sunnitischer Vorherrschaft, auch Rückkonversionen von Ismailiten (und anderen Schiiten; wie auch zuvor schon in Syrien nach dem Ende der Fatimiden-Herrschaft). Das zog sich über die Zeit der Mameluken (ab 13. Jh) bis in jene der Osmanen (16. Jh) hinein. Wenige Ismailiten blieben in Ägypten, ein grosser Teil wanderte nach Jemen. Was die Spaltung zwischen Hafizis und Tayibis bei den Mustali-Ismailiten aus Ägypten betraf, die einst unterlegenen Tayibiten wurden die dominierende Richtung; bis in das 16. Jh gingen die Hafiziten in ihnen auf, heisst es. Über Adid hinaus gab es noch einige als hafizitische Imame anerkannte Fatimiden (Nachfahren von ihm). An der Spitze der Tayibi-Mustali(-Fatimid-)Ismailiten stand, seit der Abspaltung, ein Da’i al-Mutlaq als das religiöse Oberhaupt. Die Fatimiden hatten bereits ab dem 11. Jh Dais (in diesem Zusammenhang „Missionare“) nach Indien geschickt, wo ihnen Konversionen unter den Bohras gelang, einer Ethnie in Gujarat (ursprünglich eine hinduistische Kaste).9 Nach der Abspaltung der Tayibis von den anderen Mustaliten kamen sie unter den Einfluss dieser (ersteren).

Was die Nizariten/Nizariyun betraf, der grösste Teil war unter den Assassinen/persischen Ismailiten aufgegangen; ansonsten gab es noch in Syrien Vertreter.10 Die Nizariyyah legte ihre Radikalität ab, nachdem sie mit der Mongolen-Invasion ihre kleine Machtbasis um Alamut verloren hatte. Die Anhänger verstreuten sich in Persien (das unter diversen Fremdherrschern stand), gingen teilweise in den Untergrund (bzw in die Tarnung), die Imame gingen nach Anjudan (nicht so weit von Alamut entfernt). Manche Nizari-Ismailiten gingen mit Sufis zusammen. Die Hurufiyya, eine im Spät-Mittelalter im Raum Persien, Aserbeidschan, Anatolien bestehende sufistische Gruppe, scheint ismailitisch beeinflusst gewesen zu sein. Die Nizariten in Persien missionierten in diesen turbulenten Jahrhunderten des Iran (bis zur Entstehung des Neu-Persischen Reich unter den Safawiden) in Indien und Zentralasien (Kaschgar,…), manche wanderte auch dorthin aus.

Von der früheren ismailitischen Mission und Machtentfaltung in Jemen waren dort v.a. im Norden Reste an ismailitischer Bevölkerung geblieben. Im Spät-Mittelalter kam nun ein grosser Teil der Mustalis aus Ägypten. Die meisten davon zogen, unter ihrem Dai al Mutlaq, nach Indien weiter, wo sie ja bereits missioniert hatten. Der Jemen (mit einer kleinen ismailitischen „Gemeinde“ und einer grossen saidistischen) kam in der frühen Neuzeit, wieder grösste Teil der islamischen Region, unter osmanische Herrschaft (die dort von den saiditischen Qasimiden heraus gefordert wurde). Unter osmanischer Herrschaft standen in der Neuzeit auch die Ismailiten in Syrien, Nord-Afrika, Mesopotamien/Irak. Die von den Ismailiten und vom Islam abgespaltene Drusen lebten auch in Syrien. Die anderen Teile der Ismailiten kamen in der Neuzeit in den anderen beiden grossen neuen islamischen Reichen zu leben: dem Persien der Safawiden (Nizariten) und dem Indien der Moguln (Mustalis und Nizariten). Daneben in Zentralasien, einem Gebiet, das in der frühen Neuzeit auf Persien, Buchara, Indien und das Tschagatai-Khanat (später Dsungaren-Khanat) aufgeteilt war. Auch im äussersten Westen Nord-Afrikas, der nicht unter osmanische Herrschaft kam, gab es wohl einige ismailitische Gemeinden.

Über die meisten Teile des indischen Raums kam ab dem Hoch-Mittelalter bis in das 19. Jh islamische Herrschaft, durch Invasoren aus dem Westen (Ghaznawiden, Delhi-Sultane, Moguln); die Islamisierung verlief aber so dass relativ wenige Inder konvertier(t)en (mussten), es waren rund 20% der Bevölkerung vom britischen Indien (also vor der Teilung) Moslems. Zum Teil lief die Konvertierung auch über Mission und Einwanderung – wie bei den Ismailiten. Der Mustali-, dann der Nizari-Ismailismus verbreitete sich ab dem Hoch-Mittelalter in Indien, durch Missionierungen bei den Bohras und Khojas. Das Mogul-Reich war eine gemäßigtere islamische Herrschaft für Nicht-Moslems in Relation zu den vorhergehenden. Ismailiten waren in der Herrscherklasse der Moguln nicht vertreten. Siedlungsschwerpunkt der mustalitischen wie nizarititischen Ismailiten war Gujarat (mit Mumbai/Bombay) – wo sie mit Hindus, Sunniten, Imamiten,… zusammen lebten. Die ismailitische Besonderheit von Jamat Khanas statt Moscheen dürfte schon früher eingeführt worden sein.

Die Must’alis/Mustaliten im Mogul-Indien waren Nachfahren konvertierter Bohras sowie Einwanderer. Wie erwähnt war der 25. Dai al Mutlaq der Tayibi-Mustalis mit seinem Gefolge aus Jemen gekommen. Nach dem Tod seines Nachfolgers kam es zur ersten Spaltung dieses ismailitischen Lagers. Es folgten später noch einige mehr, hauptsächlich über die Frage der wahren Führung. Die über Jemen aus Ägypten Eingewanderten und die Bohras dürften sich vermischt haben (wie später bei den Nizaris die entsprechenden Gruppen). Nizariten in Indien waren in der frühen NZ Nachfahren konvertierter Khojas. Im Spät-MA hatte der ismailitische Missionar und Da’i Pir Sadrudin/Sadardin Khojas vom Hinduismus zur Ismailiyya bekehrt (vor der Anjudan-Phase der Nizariten), in Nord-Indien. Andere Khojas konvertierten auch zum sunnitischen oder zwölfer-schiitischen Islam. Vor der Einwanderung des Nizariten-Imams aus Persien im 19. Jh haben Khoja-Ismailiten viele Hindu-Traditionen bewahrt (wie auch andere moslemische Gemeinschaften in der Indosphäre!).

In Persien war Anjudan (heute in der Provinz Markazi) vom 14. bis 16. Jh Zentrum der Nizari-Ismailiten (samt ihres Imams). Auch dort wurden sie anfangs noch von den Mongolen heimgesucht. Mit den Safawiden setzte sich endgültig die 12er-Schia in Persien durch.11 Persien wurde das Zentrum der 12er-Schia, herrschte in der frühen Safawiden-Zeit auch über die hierbei wichtigen Gebiete (Süd-)Mesopotamiens. Das machte Staat und Gesellschaft nicht unbedingt tolerant gegenüber der 7er-Schia. Ismailiten wurden in verschiedener Hinsicht verfolgt und diskriminiert. Zu den Gemeinden in Zentralasien gab es lose Verbindungen.

Im Osmanischen Reich lebten die Nizariten eher in (W-)Asien, die Mustalis vorwiegend in (N-) Afrika. Im 19. Jh siedelten die Osmanen syrische Ismailiten in ihrer mittelalterlichen Bastion Salamiyya wieder an, um sie von den verfeindeten Alawiten zu trennen, mit denen sie im Jabal Ansariyya, v.a. in Qadmos, zusammen (oder nebeneinander) gelebt hatten. Ägypten und Jemen kamen im 19. Jh unter britische Herrschaft; die Franzosen begannen in der Zeit, den Libanon von Syrien abzutrennen.

Das Gebiet im zentralen Zentralasien, wo sich Kaschmir, Kaschgar (Sinkiang), und Badachschan berühren, wurde im Hoch-MA Zufluchtsgebiet für Ismailiten aus Persien, vor seldschukischer Verfolgung, auch vor Ghaznawiden, Mongolen. Und Missionsgebiet ihrer Dais. Es wurde so ziemlich das einzige Gebiet ausserhalb ihres Machtbereichs, wo Ismailiten grossflächig missionieren konnten – noch ungehinderter als in Indien. Die meisten Konvertiten dort kamen wohl aus der Sunna. Eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung der Ismailiyya in Zentralasien spielte Nasir Khusraw (Nasir-I Chosrou, Qubādiyānī Balkhi), persischer Gelehrter aus Balch in Khorassan/Choresmien (unter Herrschaft der Ghaznawiden/Seldschuken) im 11. Jh. Er bereiste Mekka, dann Kairo, beides damals unter Herrschaft der ismailitischen Fatimiden, wurdet selbst zur Ismailiyya bekehrt, wurde ein Da’i/Missionar. Er fand in den Bergen Badachschans Zuflucht vor Anfeindungen/Verfolgungen, Ruhe und Aufmerksamkeit. Später setzten sich dort Assassinen zur Ruhe. Ab dem Spät-MA hatten manche Lokalherrscher in Badachschan und Umgebung, im Schatten der grösseren Herrscher, zumindest Verbindungen zur Ismailiyya/Esmailiya. In der frühen NZ kamen in der Region neue Grenzen und Herrscher (s.o.) und in der späten wurden sie von Briten und Russen neu gezogen; zwischen Afghanistan, China, Britisch Indien und dem Russischen Reich.

Zurück nach Persien: Im 18. Jh gab es einige Umbrüche, schliesslich setzten sich die Kadscharen als Herrscher durch. Die Ismailiten dort standen den Nematollahi-Sufis nahe. Hielten Verbindungen zu den Glaubensbrüdern in Zentralasien (v.a. Afghanistan), in Indien und im Osmanischen Reich. Es gab Diskriminierungen und Übergriffe; der 45. Imam wurde von fanatischen 12er-Schiiten ermordet. Das, obwohl die Imame mit den Kadscharen-Schahs recht gut standen. Der 46. Imam der Nizari-Ismailiten, Sohn seines Vorgängers, Hasan Ali Shah Mehalati (ab 1817)12, wurde Gouverneur der Provinz Kerman. Der persische König/Schah Fath-Ali verlieh ihm den Titel „Aga Khan“; es gibt noch immer Dissens darüber, was das damals für eine Bedeutung hatte. 1837 wurde er nach 2 Jahren als Gouverneur abgelöst.13 Hasan Ali Shah akzeptierte seine Abberufung nicht, zog sich mit ihm gegenüber loyalen Kämpfern in die Festung von Bam zurück. Nach einer langen Belagerung durch Regierungstruppen ergab er sich und geriet in Gefangenschaft. Wieder frei und zurück in Mahallat, bereitete er eine neue Rebellion gegen den Schah vor, konnte dann vor der (vorbeugenden) Niederschlagung ins Ausland entkommen.

Zunächst, 1841, nach Kandahar in Afghanistan, wo gerade der Erste Britisch-Afghanische Krieg (1838–1842) im Gange war. Der Ismailiten-Imam begann dort eine „enge Beziehung“ mit den Briten. Es heisst, einige enge Verwandte reisten mit ihm; und sonst noch Gefolgsleute? Er „ging“ von Afghanistan nach Indien, zuerst Sindh, dann (1844) nach Gujarat (Bombay) – wo ja Nizari-Ismailiten leb(t)en. Das war am „Vorabend“ der totalen britischen Machtübernahme in Indien, die damals noch einer von mehreren Machthabern dort waren (neben Moguln und weiteren Regionalherrschern sowie anderen europäischen Kolonialmächten). Der Aufstand der indischen Hilfssoldaten der Briten 1857 war der Anlass für diese, die schon recht machtlosen Moguln abzusetzen und die Ober-Herrschaft über ganz Indien zu erklären.14 Die islamische Herrschaft über Indien ging über in eine europäische. Der 46. Imam/1. Aga Khan der Nizari-Ismailiten war bestrebt, die Herren dieses Landes (und einiger benachbarter) nicht zu verärgern; ging auf ihren Geheiss nach Kalkutta (Bengalen). Nachdem er 1848 die Nachricht vom Tod des persischen Schahs (des Nachfolgers von Fath-Ali) bekommen hatte, bereitete er anscheinend seine Rückkehr nach Persien vor, blieb dann aber doch in Indien.

Eigentlich sind Ismailiten in Indien erst durch die Einwanderung des Aga Khans/Imams wichtig geworden; diese fiel wie gesagt ziemlich mit der britischen Machtergreifung zusammen. Der erste Aga Khan bewirkte auch eine Dominanz der Nizariya über die Mustaliya. Nicht alle bei den Nizaris (die ja v.a. Khojas waren/sind) waren mit der Präsenz des „Bosses“ und seiner Leitung ihrer Angelegenheiten angetan – bei einer rein geistlichen Führung hätte das wahrscheinlich anders ausgesehen. Ein Streit zwischen den Fraktionen der Khojas in Bombay ging 1866 vor ein Gericht („Aga Khan Case“), diejenigen die den Aga Khan nicht als Gemeindeführer anerkannten, strengten das an. Anscheinend war der Prozess (unter einem britischen Richter) eine Standort-/Identitätsbestimmung der (Nizari-)Ismailiten.

Die dissidenten Khojas sahen sich gar nicht als Ismailiten oder Schiiten, es wurde richtig historische Forschung betrieben, die das aber zu Tage brachte.15 Khojas wurden als als Nizari-Ismailiten bestätigt. Kleinere Teile von ihnen gingen zum sunnitischen oder 12er-schiitischen Islam, schüttelten die „Oberherrschaft“ des Aga Khans ab. Dann gibt es eine Gruppe namens „Satpanth“, die ismalitisch geblieben ist, den Aga Khan aber nicht anerkennt. Diese Gruppe, auch „Imam-Shahi“ genannt, hat schon ab dem 15. Jh ein Eigenleben geführt, als sie von Pir Sadruddins Enkel Pir Imam Shah gegründet wurde. Sie hat den nizaritischen Imam aber anscheinend nie anerkannt, auch als er noch nicht in Indien war. Die Satpanth ist sehr nah am Hinduismus.

Nachdem der Aga Khan/Imam als Oberhaupt der Nizariten von den britischen Herrschern Indiens anerkannt war, standen ihm Abgaben der Nizariten zu, die von den Briten eingetrieben wurden – die Grundlage des Reichtums der Aga Khan-Familie. Der 2. Aga Khan, Ali Shah, heiratete (u.a.) eine Enkelin des Kadscharen-Schahs Fath Ali (der seinem Vater den Titel verliehen hatte, aber auch ausser Landes vertrieben). Die meisten Ismailiten lebten wie erwähnt in Gujarat, also nicht in den moslemischen Mehrheitsregionen Indiens, dem Nordwesten und dem Nordosten, in jenen Teilen, die dann Pakistan ausmachten. Hinzu kamen die Nizariten im äussersten Norden Indiens, im Hunza-Tal im Kaschmir, das unter den Briten nach dem Sieg über die Sikh mit dem restlichen Indien wieder vereinigt worden war.16

Die indische Diaspora entstand v.a. im 19. Jh, durch Emigration in andere Teile des britschen Empires; auch viele Ismailiten gingen mit (aus ihrem Zentrum Gujarat), nach Ostafrika, den Karibik-Raum oder Grossbritannien selbst. So kam auch die Ismailiyya zu einer neuen Ausbreitung. In Indien entstand Ende des 19. Jh eine National-/Unabhängigkeitsbewegung, intensivierte sich nach dem 1. WK. Wichtigste inner-indische Trennlinie wurde jene zwischen Hindus und Moslems, nicht jene zwischen Ariern und Drawiden oder Reich und Arm. Möglicherweise hatte das mit der „Teile und herrsche“-Politik der Briten zu tun, die tendenziell eher Moslems gegen Hindus „halfen“; Mohammed Ali Jinnah, der Führer der Muslim League, wurde von ihnen während des 2. WK im Gegensatz zur Führung des Indian National Congress nicht inhaftiert.

Jinnah, dessen Grossvater in Gujarat vom Hinduismus zum ismailitischen Islam, zu den Khoja-Nizaris, übergetreten war17, trat zur 12erSchia über. Viele Ismailiten engagierten sich in der Muslim League und im Congress, was lange kein Widerspruch war, Jinnah selbst war bis 1920 auch Mitglied im Congress. Wirklich hegemonial wurde der moslemische Partikularismus wahrscheinlich erst 1946, durch den Bruch zwischen Congress und Liga, anlässlich der Wahl zu den Parlamenten der indischen Provinzen; hier begann auch die Gewalt zwischen Hindus und Moslems.

Auch der 3. Aga Khan, Mohammed Shah (1877–1957), engagierte sich in der Moslem-Liga, trotz der probritischen Ausrichtung seiner Familie. Er tat dies auch im Rahmen seiner Bemühungen um eine stärkere Integration der Ismailiten unter die Moslems Indiens. Er hat 1905 eine Art Verfassung für die Nizaris erlassen, mit örtlichen, regionalen, nationalen Räten. Zu seinen Anhängern in Afghanistan, den dortigen Nizaris, schickte er 1923 einen Emissär, (u.a.) um Abgaben einzusammeln und diese zu ihm nach Bombay zu bringen. Die Titeln „Prinz“ und „Prinzessin“ (prince und princess), welche die Aga Khan-Familie aufgrund der mütterlichen Abstammung vom persischen Schah Fath Ali beansprucht, wurden 1938 von den britischen Behörden anerkannt.

Die Pakistan-Forderung setzte sich bekanntlich durch, Indien wurde mit seiner Unabhängigkeit 1947 auch geteilt. Unter den „Mohajiren“, die damals von Pakistan nach Indien gingen, waren auch Ismailiten. Die meisten Nizaris gingen mit anderen Moslems aus Gujarat nach Pakistan (hauptsächlich nach Karachi in Sindh). Die meisten Bohras blieben dort. Die anderen Länder der Ismailiten waren grossteils früher entkolonialisiert worden, mit Ausnahme jener in Afrika und Amerika, in die sie mit der indischen Diaspora gekommen waren.

Gegenwart

Pakistan gehört zur islamischen Welt, Indien ist islamische Diaspora. Pakistan ist Schmelztigel der Invasoren und „Ureinwohner“, der sich über den Islam definiert. Zwischen Pakistan und Indien gab es bekanntlich mehrere Kriege. Circa 80% der Bevölkerung Pakistans sind Sunniten (in Rechtsschulen und Sufi-Orden „aufgeteilt“). Ungefähr 15% (die Angaben schwanken zwischen 5 und 25%) sind Schiiten, überwiegendst Imamiten/12er. Im Gegensatz zu den vor-herrschenden Sunniten (Orientierung an Saudi-Arabien) orientieren sie diese am Iran, die Führungsschicht bzw der Klerus ist (auch hier) überwiegend persisch(er Herkunft). Auch 12er-Schiiten sind in Pakistan Diskriminierungen und Angriffen ausgesetzt, obwohl der Gründervater des Landes Jinnah einer war und sie hin und wieder prominent in den Eliten des Landes vertreten sind.18

Ismailiten machen wahrscheinlich weniger als 1% der Bevölkerung aus; Nizariten dominieren gegenüber Mustaliten. Bei den Nizaris gibt es die Khojas in Karachi, die aus Gujarat stammen. Und, Pakistan bekam, fernab vom Schwerpunkt des Landes, die Hunza in den Northern Areas, aus denen Gilgit-Baltistan wurde. Die Hunza/Hunzukuc/Burusho waren vor ihrer Konvertierung (im zentralasiatischen Kontext, s.o.) Schamanisten gewesen (und wahrscheinlich nicht Buddhisten). Bei ihnen gibt es den Mythos über ihre gesunde Lebensweise. Wie die anderen Religions-Gruppen heiraten Ismailiten in der Regel innerhalb ihrer Gemeinschaften. Auch Ismailiten sind in Pakistan Terror-Angriffen von sunnitischen Salafisten ausgesetzt, wie 2015 auf einen Bus, wobei 50 getötet wurden. Die Ismailiten in Pakistan sind oft im Handel tätig, haben eine eigene Sozialfürsorge, viele sind wohlhabend.

Die Ahmadiyya steht noch unterhalb der Schiiten; die Religionsgruppe wurde in Pakistan 1974 offiziell aus dem Islam ausgeschlossen – Manche wollten selbiges mit Schiiten. Wie gegenüber den Ismailiten mischt sich hier zu religiösen Vorbehalten Sozialneid, heisst es. Ismailiten sind dem Islam eigentlich ferner als die Ahmadiyya> sie beten in Jama’at Khanas statt in Moscheen, der Ritus ist auf Gujarati (statt auf Arabisch), es sind 3 statt 5 Gebete vorgeschrieben, Frauen sind meist unverschleiert,… Andere Nicht-Moslems in Pakistan sind v.a. Hindus und Christen. In Ost-Pakistan, aus dem Bangla Desh wurde, gibt es kaum Ismailiten.

Auch im hinduistischen Indien machen Sunniten den grössten Teil der moslemischen Bevölkerung aus, und Imamiten (12er) den grösseren Teil der schiitischen. Die Ismailiten gehören vorwiegend Mustali-Bohra-Zweigen an, wichtigster ist jener der Dawoodi Bohra. Diese Mustali-Gemeinschaften haben zT einen Dai al Mutlaq an der Spitze. Sie leben überwiegend in Gujarat, wie die indischen Nizari-Ismailiten (Khojas; zu denen auch die Satpanth gehören). Seit den 1990ern gibt es in Indien beträchtliche Gewalt zwischen Hindus und Moslems, im indischen Kaschmir schon früher. Ismailiten werden von anderen Moslems oft nicht als solche anerkannt; von Hindu-Extremisten werden sie oft verschont. Während der anti-moslemischen Krawalle in Gujarat 2002 wurden Ismailis zum ersten Mal auch angegriffen, heisst es, aber weniger als andere Moslems, ihr Eigentum wurde zerstört aber ihre Leben „verschont“ – Anerkennung ihrer Distanz zum fundamentalistischen Islam? 2015 bekam der vierte Aga Khan den Padma Vibhushan, einen der höchsten zivilen Orden Indiens, und das unter einer hindu-nationalistischen Regierung, für seine Investitionen in Bildung und Gesundheit im Land.

Nach dem Tod des dritten Aga Khans 1957 wurde gemäß seinem Testament nicht sein ältester Sohn Ali Salman al Hussein Nachfolger, sondern dessen Sohn Karim. Es war das erste Mal in der 1300-jährigen Geschichte der Religionsgruppe, dass die Übergabe von Vater an den Sohn umgangen wurde, aus welchen Gründen auch immer. Ali, Sohn des Aga Khans und einer Italienerin (dort auch geboren), ab 1947 pakistanischer Staatsbürger, wurde in GB als Anwalt ausgebildet, diente in der französischen Fremdenlegion. Er war einige Jahre pakistanischer UN-Botschafter. Er war u.a. mit der amerikanischen Schauspielerin Rita Hayworth verheiratet, war Jet-Set-Playboy, besaß Rennpferde. Er starb 1960 bei einem Autounfall in Frankreich; wurde in Salamiyyah in Syrien begraben. Alis Halb-Bruder Saddrudin Aga Khan hatte diverse Staatsbürgerschaften, lebte meistens in Europa, war UN-Flüchtlingskommissar.

Karim al Hussein wurde 1957, damals gerade ein Studienanfänger an der Harvard-Universität, als Nachfolger seines Grossvaters IV. Aga Khan und 49. Imam der Nizari-Ismailiten. Er wurde 1936 bei Genf geboren, wuchs in Britisch Kenia, Südafrika, Grossbritannien, Schweiz (Internat La Rosey) auf. Er ist u.a. britischer Staatsbürger, trägt diverse weitere Titel, wie „Prinz“. Ausser in Harvard studierte er auch im britischen Cambridge, also auch hier die feinsten Adressen. Bei Winter-Olympia 1964 in Innsbruck trat er für den Iran als Skirennfahrer an. Er hat(te) mehrere Ehen, mit Europäerinnen, die zum ismailitischen Islam konvertiert sind (musste nach Scheidungen hohe Abfindungen zahlen), Affären, Kinder. Er ist einer der Reichsten der Welt, vermehrt sein Geld durch Unternehmungen, Anteile, Anlagen, gibt einen Teil davon in Wohltätigkeits-Stiftungen. Er lebt meistens in einem Chateau bei Paris oder auch auf den Bahamas, wo er eine private Insel hat (zu der er sicher mit seiner eigenen Yacht fahren kann). Er hat Verbindungen zu Sarkozy und vielen Mächtigen. Es scheint, er ist mehr Playboy und Unternehmer als Religionsführer, hat mehr materiellen als geistigen Reichtum.

Afghanistan ist das Land mit der zahlenmäßig grössten ismailitischen Gemeinde weltweit geworden: etwas mehr als 650 000, das sind ungefähr 2% der Bevölkerung – womit Afghanistan auch beim Anteil der Ismailiten an der Bevölkerung weltweit vorne liegen dürfte. Zumal Pakistan, das in absoluten Zahlen knapp weniger Ismailiten hat, eine viel grössere Gesamtbevölkerung hat. Die Ismailiten Afghanistans sind hauptsächlich Tadschiken in Badakhshan/Badachschan im Nordosten. An das afghanische Badachschan schliesst sich das Badachschan der Republik Tadschikistan an (mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 unabhängig), mit ebenfalls hauptsächlich tadschikischer ismailitischer Bevölkerung.19 Es handelt sich bei Badachschan um das einzige grossflächigere Gebiet der Welt, wo Ismailiten in der Mehrheit sind; sunnitische Moslems sind dort die Minderheit. Auch im östlich angrenzenden chinesischen Sinkiang gibt es eine grosse Zahl ismailitischer Tadschiken/Pamiris. Die Ismailiten in Zentralasien sind wie erwähnt Nizariten.

Es wären nicht die Ismailiten, wenn es nicht auch hier eine Abspaltung gäbe. Neben jenen in Badachschan im Norden gibt es in Mittel-Afghanistan in der Provinz Baghlan eine (nizaritische) ismailitische Gemeinschaft (ebenfalls Tadschiken) die nicht den Aga Khan/Imam als spirituellen Führer anerkennt; sie hat eigene mit den Sayeds von Kayan. Ein grosser Teil der Ismailiten Badachschans wie Baghlans unterstützte die kommunistischen Reformen ab 1978. Und folgten nicht dem Ruf der Mujahedin zu einem (vom Westen unterstützten) „heiligen Krieg“. Viele machten auch im kommunistischen Staat mit, Amirbig Jawan wurde etwa Gouverneur von Badachschan.

Ismailiten versprachen sich eine fortschrittliche Veränderung Afghanistans, die ein Ende ihrer Diskriminierung durch viele Sunniten oder 12erSchiiten bewirken sollte. Der Kayan-Sayed der Baghlan-Ismailiten, Mansur Nadiri (Naderi), diente davor der Monarchie, und nebenbei den Mujahedin, heisst es. Die Unterstützung für die Kommunisten führte nach deren Ende 1992 natürlich zu einer Gegenreaktion, bezweckte im Endeffekt das Gegenteil des Angestrebten, verstärkte ihre Diskriminierung. Naderi wurde nach dem Ende der Taliban-Herrschaft wieder politisch aktiv, er gründete die Hezb-e Paywand Milli (Nationale Solidaritätspartei), die als ismailitische Partei auch die Glaubensbrüder in Badachschan ansprechen will. Er wurde 2005 ins afghanische Parlament gewählt.20

In Syrien und Libanon sind islamische Sondergruppen, aus dem Islam hervorgegangene Glaubensgemeinschaften, wie auch nicht-islamische aber „orientalische“ Konfessionen sehr stark präsent. Was die Ismailiten betrifft, ist das erwähnte Salamiyya in Nord-Syrien seit dem 19. Jh wieder ihr Zentrum im vorderasiatischen und arabischen Raum. Die meisten der über 200 000 Ismailiten in Syrien (1 bis 2 % der Bevölkerung) sind zwar Nizariten, anerkennen den Aga Khan/Imam aber nicht an – wie jene in Baghlan in Afghanistan und die Satpanth in Indien. In Salamiyah machen Ismailiten etwas mehr als die Hälfte der 67 000 Einwohner aus; die anderen sind Alawiten, Sunniten, 12er-Schiiten. In der Stadt sind Dutzende Jama’at Khanas sowie das nationale Führungsgremium der Ismailiten in Syrien.

Dann gibt es in Salamiyah die Moschee des Imams Ismail, neben dem Grabmal des ismailitischen Imams Ismail. 1991 wurde auf Initiative der Mustali-Ismailiten (die in Syrien auch Mustafis genannt werden), genauer ihrem Dawoodi-Bohra-Zweig, unter derem Da’i al-Mutlaq Mohammed Burhanuddin (1965-2014), die Moschee gebaut, an einer Stelle wo früher ein Zeus-Tempel und dann eine byzantinische Kirche waren. Es heisst, sie wird gegenwärtig als sunnitische Moschee genutzt. Im Krieg in Syrien sind Ismailiten als Minderheit am Rande des Islams gefährdet, v.a. durch salafistische Milizen wie IS; die Alawiten sind in einer ähnlichen Situation, diese sind ausserdem durch die Angehörigkeit der „Herrscherfamilie“ zu ihrer Religion belastet. Das Baath-Regime unter Assad jun. lässt angeblich Angriffe auf diese Gruppen oder Christen bewusst zu, um durch Gräuel den Aufstand an sich zu diskreditieren.

Für den Iran brachte das 20. Jh zunächst Modernisierung und westlichen Einfluss, dann eine Re-Religionisierung, diese noch repressiver und aufgezwungener als das voran gegangene System, eben so an den Bedürfnissen der meisten Menschen und dem Charakter des Landes vorbei.21 Iran ist für die Ismailiten das Land von Alamut, das Land von wo aus Zentralasien missioniert wurde, das der Herkunft der Aga Khans, des grossen schiitischen Bruders, aber auch immer wieder von Verfolgungen. Der 3. und 4. Aga Khan besuchten Iran in der Zeit des letzten Schahs. Die meisten Ismailiten im Iran leben in Khorassan, in Dizbad haben sie eine Schule, die nach Nasir Khusro benannt ist, seit 1940. Es heisst, im Iran werden sie Muridan-i-Aga Khan (Anhänger des A. K.) genannt (es sind auch Nizariten), auch Bateni, Qermati, Saba’ie.

Jene Ismailiten, die mit anderen Indern in die Diaspora gingen, erlebten wie jene in Indien gebliebenen die Unabhängigkeit ihrer neuen Länder von Grossbritannien. In manchen Staaten mit indischer Diaspora waren/sind Ismailiten gut vertreten (zB Kenya, Tanzania), in anderen (zB Südafrika, Trinidad-Tobago) weniger. 1972 enteignete der Diktator von Uganda, Idi Amin, Asiaten und verwies sie aus dem Land.22 Diese Asiaten waren überwiegendst Inder, ein Teil davon auch Ismailiten. Viele davon gingen nach GB, Andere nach Canada, Australien, zurück nach Indien, ins nicht so weit entfernte Kenya, oder in die USA. Gerade die Ismailiten unter den Vertriebenen konnten sich auf ein gutes internationales „Netzwerk“ an Hilfe stützen. Das was die indische Diaspora ausmachte, und was westliche, vermischte sich.

Zu prominenten Ismailiten im Westen zählt etwa Yasmin Ratansi in Canada, die aus Tansania stammt, für die Liberale Partei im Parlament wirkt. Irshad Manji wurde in Uganda geboren, hat väterlicherseits einen indisch-ismailitischen Hintergrund, mütterlicherseits einen ägyptischen (sunnitischen?), wurde von ihren Eltern 1972 nach Canada gebracht. Sie hat sich als Islam-Kritikerin einen Namen gemacht, will sich nicht vom ihm lösen oder diesen auflösen, sondern ihm „Vereinbarkeit“ mit Feminismus oder Zionismus (sie kritiserte aber auch die Besatzungspolitik in den palästinensischen Restgebieten)23 verordnen. Der britische Schauspieler Ben Kingsley (Krishna Bhanji) ist von seiner väterlichen Seite ja Inder, die Vorfahren waren Nizari-Ismailiten aus Gujarat, die es nach Sansibar (später Teil Tansanias), Kenya, dann GB verschlug.

Im Jemen gibt es zwar einen hohen schiitischen Bevölkerungsanteil (ca. 40%), dieser besteht aber überwiegendst aus Saiditen, Ismailiten sind eine kleine Minderheit. Kleinere ismailitische Gruppen gibt es auch in Saudi-Arabien (Mustalis, in Najran), Vereinigte Arabische Emirate, Irak, Marokko oder Ägypten. Ägypten ist wahrscheinlich jenes Land, das am stärksten von den Ismailiten geprägt wurde! Es gibt dort aber (in Nordafrika generell) heute nicht den Pluralismus innerhalb des Islams (bzw um ihn herum) wie in Syrien und anderen Staaten West-Asiens. Schiiten bilden dort höchstens ein Prozent der Bevölkerung, Ismailiten (vorwiegend Mustalis) und Imamiten; auch Drusen oder Alawiten gibt es kaum. Hin und wieder hetzen salafistisch (also strengst-sunnitisch) ausgerichtete Medien und Prediger gegen die kleine schiitische Minderheit, wie auch gegen die christlichen Kopten. Aus der „Ecke“ der Moslembrüder gibt es das so nicht.24

Schlussbetrachtungen

Es gab viele schiitische Gruppen, Lehren, nicht alle haben bis in die Gegenwart Bestand. Die Ismailiten haben das geschafft, wenn auch mit vielen Brüchen und Spaltungen. Die Distanz zu anderen Moslems ist geblieben. Sie blieben aber innerhalb des (schiitischen) Islam, werden allgemein dort verortet. Teile des sunnitischen Islams (wie gross sie sind, ist die Frage) anerkennen aber den schiitischen Islam auf theologischer Ebene (die politische ist wieder eine andere) grundsätzlich nicht an, auch nicht seine „Hauptströmung“, die 12er-Schia. Besonders Salafisten/Wahabiten und die ihnen gewissermaßen zu Grunde liegende hanbalitische Rechtsschule lehnen Formen des schiitischen Islams in der Regel (als „nicht-islamisch“) ab.25

Ismailiten/7er-Schiiten werden von anderen Moslems teilweise der „Batiniyya“ oder den „Ghulat“ zugerechnet. Beides sind pejorative Begriffe bzw Konzepte für Gruppierungen im und um den Islam. Der eine für solche, die eine innere Bedeutungsebene (bāṭin) im Koran erkennen; der andere für „Übertreiber“, „Extremisten“, „Sektierer“ aus dem/im schiitischem Bereich – wie die (aus den Ismailiten hervor gegangenen) Drusen, Alawiten, Alewiten, Ahl-e Haqq/Yarsani, Baha’i. Auch bei manchen Gruppen aus dem und im sunnitischen Bereich (Yaziden, Ahmadiyya, Zikri,…) stellt sich die Frage der Zugehörigkeit zum Islam, als Selbstdefinition wie Fremdbetrachtung. Dies ist nirgendwo ganz eindeutig. Die Drusen stehen eher ausserhalb des Islams, werden aber etwa im Libanon in der Regel zu den moslemischen Konfessionen gerechnet; die Ahmadiyya sehen sich selbst als Moslems,…

Die Aga Khans der Nizariten rechnen sich den Banu Hashim, dem Clan des Propheten Mohammeds, zu. Über die früheren schiitischen Imame (beginnend mit Ali) dürften sie in männlicher Linie von Mohammed abstammen.26 Selbiges müsste für die Da’is al Mutlaq der Mustaliten gelten. Auch die in Jordanien regierenden Hashemiten und die in Marokko herrschenden Alawiden (beides Sunniten) führen ihre Abstammung auf den Propheten des Islams zurück; auch sie übrigens über Ali und Fatima. Der Nizarismus ist insgesamt weltlicher, reformatorischer, intellektueller, fortschrittlicher, undogmatischer als die Mustali-Ismailiyyah. Wohlhabende Inder und Pakistaner beider ismailitischer Richtungen unterstützen weniger wohlhabende Ismailiten anderswo. Die frühere Radikalität haben Beide längst abgelegt.

In der frühen Neuzeit verlegte sich der Schwerpunkt der Ismailiten vom islamischen Kernraum (Westasien, Nordafrika) nach Südasien. Pakistan wurde aber schliesslich nicht ganz „Weltzentrum“ der Ismailiten: viele Ismailiten sind mit der Teilung in Indien geblieben, die Aga Khans leben inzwischen lieber in Europa, und selbst die Nizariten anerkennen nicht alle den Aga Khan als Oberhaupt; es ist auch nicht das Land mit den meisten Ismailiten (weder in absoluten noch in relativen Zahlen). Zentralasien ist evtl mehr als Südasien Zentrum/Schwerpunkt der Ismailiten, besonders wenn man neben Afghanistan und Tadschikistan auch West-China und Iran dazu zählt. Der arabische Raum, wo es (mit dem Islam und der Schia) anfing, ist für Ismailiten Peripherie. Der Westen gewinnt immer mehr an Bedeutung für sie, zumal viele ihrer angestammten Länder Krisenregionen sind. Doch, auch Badachschan ist weit davon entfernt, ein neues Alamut oder gar Fatimidenreich zu sein. Eine politische Einheit, die unabhängig agiert und in der Ismailiten das Sagen haben. Der Aga Khan soll auch dagegen sein, so etwas anzustreben. Auf der anderen Seite, das messianische Geschichtsbild der Ismailiten…

Weiterlesen

Farhad Daftary: Kurze Geschichte der Ismailiten. Traditionen einer muslimischen Gemeinschaft (= Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften 4) (2003)

Heinz Halm: Die Kalifen von Kairo. Die Fatimiden in Ägypten 973–1074 (2003)

Farhad Daftary: The Isma’ilis. Their History and Doctrines (1992)

Heinz Halm: Die Schia (1988)

Farhad Daftary: A Modern History of the Ismailis: Continuity and Change in a Muslim Community (2010)

Werner Ende, Udo Steinbach (Hg.): Der Islam in der Gegenwart (5. Auflage 2005)

Shafique N. Virani: The Ismailis in the Middle Ages: A History of Survival, A Search for Salvation (2007)

Gudrun Krämer: Geschichte des Islam (2008)

Farhad Daftary: Historical Dictionary of the Ismailis (Historical Dictionaries of Peoples and Cultures) (2012)

Nadia Eboo: Surviving the Mongols. The Continuity of Ismaili Tradition in Iran (2002)

Heinz Halm: Das Reich des Mahdi. Der Aufstieg der Fatimiden (875-973) (1991)

Wladimir Ivanow: Studies in early Persian Ismailism (1948)

Farahnaz Ispahani: Purifying the Land of the Pure: Pakistan’s Religious Minorities (2016)

Hans Dieter Utz: Die Dynastie der Fatimiden (Afrikanistik-Diplomarbeit 2012, Universität Wien)

Wolfdieter Bihl: Islam. Historisches Phänomen und politische Herausforderung für das 21. Jahrhundert (2003)

Jonah Blank: Mullahs on the Mainframe: Islam and Modernity Among the Daudi Bohras (2001)

Joseph von Hammer-Purgstall: Die Geschichte der Assassinen aus morgenländischen Quellen (1818)

Amin Maalouf: Samarkand (1988)

Daniel Beben: Islamization on the Iranian Periphery: Nāṣir-i Khusraw and Ismāʿīlism in Badakhshan. In: Islamization: Comparative Perspectives from History (soll demnächst erscheinen, bei Edinburgh University Press)

Es gibt ein Buch von Bernard Lewis über die Assassinen; er thematisiert darin die Tradition des politischen Mordes im Islam. Lewis‘ politische Ausrichtung, die sich in seiner Geschichtsauffassung widerspiegelt (oder ihr zu Grunde liegt), zeigt sich ja deutlich in seinen nicht-wissenschaftlichen Aktivitäten, für MEMRI, JCPA, Gatestone Inst., etc

 

Ismaili.net, dürfte der Nizariten-Führung nahe stehen

simerg.com

Historischer Abriss über die Assassinen, auf Englisch

(Nicht sehr übersichtliche) Darstellung der schiitischen Zweige, auf Wiki

Die ismailitischen Imame

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Die Charidschiten spalteten sich daraufhin von den Schiiten (der Partei Alis) ab. Die Ibaditen gingen aus den Charidschiten hervor (heute in Oman von Bedeutung)
  2. Karmaten, Fatimiden und Assasinen stammen von dort
  3. Das omayadische Emirat von Cordoba in Iberien erhob sich nach dem „Auftauchen“ der Fatimiden ebenfalls zum Kalifat
  4. Von Ali und Fatima dürften die Fatimiden-Herrscher abgestammt haben
  5. Aus den unter den Abbasiden und Fatimiden für das Militär in Ägypten rekrutierten Türken gingen die Mameluken hervor. Als Militärsklaven hatten sie die Kavallerie/Reiterei gebildet
  6. Erinnert etwas an Saddam Hussein, der ausser Sunniten nur (christliche) Chaldäer an die Macht liess, diese gegen seine moslemischen Gegner in Stellung zu bringen versuchte
  7. Die Fatimiden hatten zuvor auch mit den Kreuzfahrern gegen sie zusammen gearbeitet
  8. Das soll der französische Orientalist Silvestre de Sacy etabliert haben
  9. Andere von diesen wurden auch zum sunnitischen Islam bekehrt
  10. Die Alawiten/Nusairier, die aus der 12er-Schia hervorgingen und einige Gemeinsamkeiten speziell mit den nizaritischen Ismailiten aufweisen (wie die synkretistische Einschmelzung von Elementen anderer Religionen), wurden in Syrien, wo sie sich an der Küste fest setzten, Konkurrenten der Ismailiten und Drusen
  11. Inwiefern die Safawiden als persische/iranische (oder auswärtige) Herrscherdynastie zu betrachten sind, darüber gehen die Ansichten auseinander. Das Land als solches gewann seine Souveränität zurück
  12. „Mehalati“ bezieht sich auf die Stadt wo er aufwuchs
  13. Es heisst, er hatte dort die schwierige Aufgabe gelöst, die Rebellion eines konkurrierenden kadscharischen Thronanwärters sowie afghanische Einfälle unter Kontrolle zu bringen
  14. Ein Prozess, der Ende des 18. Jh begonnen hatte (nach dem ihnen ein Teil Nordamerikas verloren ging), kam zu einem Abschluss
  15. Ein Teil aus den Ginans (einer Art Gebetsammlung), das Gedicht „Dasavatar“, das auf Pir Sadruddin, den „Gründer“ der Khojas, zurück ging, überzeugte: Neben starken hinduistischen Bezügen (die wohl zur Mission der Khojas hinein kamen) findet sich dort der Bezug auf den schiitischen Imam Ali
  16. Die Region war Anfang des 19. Jh von Afghanistan unter Sikh-Herrschaft gekommen; die Afghanen hatten sie im 18. Jh den Moguln abgenommen
  17. Das muss gewesen sein, bevor der Imam/Aga Khan der Nizaris aus Persien nach Indien kam
  18. Der Staatspräsident 1969-71 A. M. Yahya Khan war etwa ein 12er-Schiit; der Militär war Nachfahre von Soldaten die mit Nader Schah (Afshar) aus Persien nach Mogul-Indien kamen. Zulfikar Bhutto, in den 1970ern Staats- und Ministerpräsident, war mit einer Iranerin verheiratet, die anscheinend Schiitin blieb. Nach seinem Sturz durch das Militär (und vor seiner Hinrichtung) wurden gegen ihn auch Vorwürfe der Fraternisierung mit der Schia erhoben
  19. Es handelt sich in beiden Ländern grossteils um Pamiris, die als Untergruppe der Tadschiken oder als eigene Ethnie gesehen werden
  20. Auch seine Kinder sind politisch aktiv
  21. Khomeini brach mit Quietismus (sich in bestehende Verhältnisse fügen) der 12er-Schiiten (Klerus, Anhänger)
  22. Das betraf im Endeffekt auch jene, die Bürger dieses Staates waren, und nicht nur die britischen Staatsangehörigen unter ihnen. Nur Angehörige gewisser Berufe wurden ausgespart. Im Film „Mississippi Masala“ aus 1991 hat Mira Nair den „Nachhall“ der Ereignisse von damals dargestellt
  23. Hier spielt sie das Spiel mit, Ansprüche und Rechte in Palästina/Israel mit Religion und (vermeintlicher) Abstammung zu verknüpfen
  24. 2013 führte Hetze gegen Schiiten (7er od 12 er) zu einem Überfall Hunderter Sunniten auf eine schiitische Versammlung in einem Dorf südlich von Kairo, ein Geistlicher und 4 Anhänger wurden getötet. Die Polizei griff angeblich nicht ein. Ägyptens damaliger Regierungschef Hischam Kandil von den Moslembrüdern verurteilte den tödlichen Angriff scharf
  25. Obwohl der Gross-Imam der al-Azhar-Moschee, Mahmud Shaltut, 1959 die 12er-schiitische dschafaritische Rechtsschule mittels einer Fatwa anerkannt hat. Al Azhar gilt als höchste religiöse Instanz des sunnitischen Islams…und wurde von Ismailiten gegründet
  26. Die arabisch-alidische „Linie“ der Imame wurde durch deren Frauen „verdünnt“

Ein Gedanke zu „Fatimiden, Assassinen und Aga Khan. Die Ismailiten durch die Jahrhunderte“

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