Von Meinungsfreiheit und Tabus

Der “Fall” Böhmermann soll Anlass sein, die Tabus und die Toleranzgrenzen der anderen Seite unter die Lupe zu nehmen, jener die gerne auf der Meinungsfreiheit herum reiten, hinzuschauen wo diese selbst keinen Spass verstehen, wo es hier Zensur gibt, Tabus, hier die Meinungsfreiheit endet, und wo es ein Einknicken vor diesen Zensurversuchen und Empörungen gibt. Schwerpunkt ist der deutschsprachige Raum.

Im März 16 zunächst ein Erdogan-Schmäh-Lied in der NDR/ARD-Sendung “extra 3” („Erdowie, Erdowo, Erdogan“), Empörung der türkischen Regierung, dann in der ZDF-Sendung “Neo Magazin Royale” ein “satirisches” Gedicht über Erdoğan, von Jan Böhmermann, bezugnehmend auf das Lied. Böhmermann sagte seine nächste Sendung ab, stand unter Polizeischutz, der Clip wurde aus der Mediathek gelöscht. Man kennt diese Wechselwirkungen seit dem Rushdie-Buch. Erregungsstürme hier, Erregungsstürme anderer Art da. Merkel liess im April 16 ein vom türkischen Staat angestrengtes Strafverfahren gegen Böhmermann in Deutschland nach § 103 StGB (Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten) zu und erklärte gleichzeitig, dass die Bundesregierung den Paragraphen abschaffen wolle. AfD warf der Kanzlerin einen “Kniefall vor Erdogan” vor. Im Oktober gab die Staatsanwaltschaft Mainz bekannt, dass das Strafverfahren eingestellt wurde. Türkeis Präsident Erdogan soll auch eine einstweilige Verfügung gegen Springer-Chef Mathias Döpfner beantragt haben, wegen dessen Unterstützung für das Schmähgedicht.

orf.at damals: “Mit einem bizarren Fernsehbeitrag hat der türkische Sender A Haber auf das Schmähgedicht des ZDF-Satirikers Jan Böhmermann reagiert. A Haber ist auf Linie von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der wegen Böhmermanns Schmähgedicht Strafanzeige erstattet hat. Ein A-Haber-Reporter versuchte in Mainz nun, unter Berufung auf die Pressefreiheit mit laufender Kamera auf das Gelände der ZDF-Zentrale zu gelangen. Dass dem türkischen Team der Zutritt nicht gestattet wird, soll als Beleg für den schlechten Zustand der Pressefreiheit in Deutschland dienen. Das ZDF wies die Darstellung von A Haber zurück. Ein Sprecher erklärte in Mainz auf Anfrage: ‘Es hat keine Anfrage des türkischen Senders gegeben: weder nach einem Interview noch nach einer Drehgenehmigung.’ ” Fragwürdiges und Bemerkenswertes von mir hervor gehoben.1

Erdogan war 1999 wegen des Rezitierens eines politisch-religiösen Gedichts zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, eines Gedichts von Gökalp, das einen türkischen Nationalismus religiöser Note widergibt. Jene Kräfte in der Türkei, die damals dort herrschten (auf die, so gesehen, Erdogans damalige Strafe zurück ging), also hauptsächlich die Kemalisten (v.a. CHP), stehen Gökalps Gedankengut eigentlich näher als Erdogan bzw die AKP.

Die konservative britische Zeitschrift „The Spectator“ startete “aus Solidarität mit Böhmermann” einen Wettbewerb um das beste satirische Gedicht über Erdogan. Den Sieg holte sich der frühere Londoner Bürgermeister und jetzige Aussenminister Boris Johnson, Conservative and Unionist Party, früherer Herausgeber des Spectators, der sowohl (russisch-)jüdische als auch (tscherkessisch-)türkische Vorfahren hat. Im Limerick von Johnson geht es unter anderem um einem „jungen Typen aus Ankara“, der sich mit einer Ziege „die Hörner abstiess“. Dem Magazin sagte Johnson, wenn jemand einen Witz über die Liebe zwischen dem türkischen Präsidenten und einer Ziege machen wolle, solle er das in jedem europäischen Land tun dürfen, „auch in der Türkei“.

Einen deutschen oder englischen Politiker würde er aber nicht mit Sex mit einer Ziege zusammenbringen. Es ist salonfähig geworden, Muslime als “Ziegenficker” zu bezeichnen. Der Sohn der FPÖ-Politikerin Susanne Winter, in der Jugend-Organisation der Partei aktiv, schlug mal vor, “Ziegen und Schafe in Grazer Parks anzubinden, damit Moslems nicht Frauen vergewaltigen”.2 Unter dem Deckmantel von “Meinungsfreiheit”, “Islamkritik” oder “Provokation” soll jeder Rassismus erlaubt sein. Der Unterschied zwischen Religionskritik und Rassismus wird entweder bewusst vermischt oder blind übersehen. Der niederländische Filmemacher “Theo” van Gogh bezeichnete Moslems häufig als geitenneukers (Ziegenficker). Er wurde, nachdem was bekannt wurde, 04 nicht wegen diesen Rassismen von einem Islamisten ermordet, sondern wegen seinen “Gotteslästerungen”. Womit man schon mitten im Thema ist. Für Islamisten sind nicht (als „aufklärerisch“ maskierte) völkisch-rassische Ressentiments ein Problem sondern “Beleidigungen” des Islam.

Eine Topemeldung von orf.at: “Ein türkisches Gericht muss nun eine nur auf den ersten Blick erheiternde Frage klären: Wie böse ist Gnom Gollum aus J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“ eigentlich – und was hat er mit Präsident Recep Tayyip Erdogan gemein? Hintergrund ist eine harmlose Fotomontage eines türkischen Arztes, in der dieser die Tischmanieren der beiden verglich. Ihm droht deshalb…” Oder, ebenfalls dort: “Der für sein cholerisches Temperament bekannte türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei der Trauerfeier für die verstorbene Boxlegende Muhammad Ali für einen Eklat gesorgt. Er verließ vorzeitig die Feierlichkeiten in den USA, berichtete der „Spiegel“… Erdogan wollte … bei der Trauerfeier ein Stück des mit Koran-Versen verzierten Stoffes aus der großen Moschee in Mekka auf Alis Sarg legen. Weil ihm das nicht gestattet worden sei, sei der türkische Präsident sehr gekränkt, berichtete die Zeitung ‘Hürriyet’ unter Berufung auf Mitarbeiter Erdogans.” Vielleicht sind es eher seine Gegner, die hysterisch sind, nicht er. Vielleicht ist die Obsession hier auf der Gegenseite.

Bei den Yahoo-Nachrichten kürzlich: “Unfassbar, wegen dieses Bildes rasten die Leute aus, der schockierende Grund…, …brach wegen eines Urlaubsfotos ein Shitstorm über PSG-Keeper Kevin Trapp herein, …aufs Übelste beleidigt, weil er ein Foto seiner Israel-Reise via Instagram veröffentlichte, Wie die Bild-Zeitung berichtete, musste er sich vor allem von Arabern, die Israel als Staat nicht akzeptieren, beleidigen lassen, …rassistischer Shitstorm wegen einer Israel-Reise..”. Damit die Quellenlage nicht so einseitig ist, wurde auch auf “Die Welt” und die Twitter-Meldung der blonden Springer-Schreiberin Mirjam Fischer zurück gegriffen, die sich dem “Kampf gegen Antisemitismus” widmet.3

Das sind sie, die Empörungen über die Empörung, das Ausrasten über den Orientalen und seine Verklemmtheit, das sich Erfreuen darüber und “Entlarven” bzw Analysieren/Sezieren. Eng damit zusammen hängt der Entrüstungssturm über tatsächliches/vermeintliches Einknicken, Zurücknehmen und Zensieren. Bezüglich der (in der Tat schwerwiegenden) Übergriffe zu Sylvester 15/16 in Köln kamen zB Vorwürfe des Verschweigens, des Unter-den-Tisch-kehrens. Man muss es sagen dürfen, es darf keine Denkverbote, keine Tabus, Zensur und Redeverbote geben; es gäbe eine Selbstzensur der Medien im Hinblick auf Berichterstattung über Muslime, durch die Gutmenschen. „Kritik am Islam ist ein Tabu“ heisst es, während die Islamkritik-Industrie blüht. Weg mit dem Tabu-Katalog der politisch korrekten Meinungsdiktatur, kein Appeasement. Schluss damit dass man unschuldig ins rechte Eck geschoben wird, dass die Rassismuskeule geschwungen wird. Keine Sonderrechte und Verhätschelung mehr. Statt Kulturrelativismus bzw Toleranz gegenüber der Intoleranz die fortschrittlichen Werte der westlichen Aufklärung.

Von Rushdie bis Houellebecq

Das Muster, sich über die fanatische Erregung der Orientalen zu mokieren (und sich in der Rolle des aufgeklärten Westlers zu verorten), geht mindestens in die 1980er zurück, als “Rudi Carrell” eine Khomeini-Parodie machte und die “Bild” danach wusste, aus dem Iran sei ein Todeskommando für ihn unterwegs sei. Allerdings, Reaktionen wie auf Salman Rushdies Roman “Die Satanischen Verse” (1988 erschienen), in dem u.a. der Prophet Mohammed mit dem Engel Gabriel “schwulte”, haben diese Mokerie erst genährt bzw begründet. Die Todes-Fatwa des iranischen Staatschefs Khomeini 1989 kam zu einer Zeit, als Islamismus (bzw Islamkrise) und Islamophobie erst “aufblühten”. Seit damals gibt es das Muster der islamistischen hysterischen Reaktion sowie der westistischen Lust an der Provokation und des Weidens an der Hysterie.

Khomeini und andere Islamisten haben nicht nur für dieses Buch von Rushdie geworben, sie haben ihn überhaupt unsterblich gemacht… Die islamistische Erregung über ihn und die westlich-kulturkämpferische Vereinnahmung verdecken, dass dieser auch postkoloniale Kritik übt. Und: das iranische Regime und viele Moslems (darunter auch manche Iraner) empörten sich hier mehr als über echt Rassistisches, wie Betty Mahmoody (Buch, Film)4 oder von Oriana Fallaci. Diese hat in “Die Wut und der Stolz” Muslime/Migranten als Ratten beschimpft, nicht die Religion bzw deren Wurzeln, sondern die Menschen und ihre Kultur (bzw, was sie darunter verstand). So etwas löst(e) nicht so heftige Reaktionen in der islamischen Welt aus, obwohl diese Aussagen im Gegensatz zu Rushdies Roman rassistisch und hetzerisch sind. Und noch ein Aspekt hierzu: Gilles-William Goldnadel, Präsident der französischen “Anwälte ohne Grenzen” (die sich anders als etwa “Reporter ohne Grenzen” nicht für die Dritte Welt interessieren), verteidigte vor Gericht das Pamphlet von Fallaci, wie er zB „israelkritische“ Journalisten verklagt.

Oder die Aufregung und dann Gegen-Aufregung um die Regensburger Rede des damaligen Papstes Benedikt (J. Ratzinger) über den Islam 06, mit einem Zitat aus der Rede des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaologos an einen „gebildeten Perser“. Dies war voll im Zeitalter der Islam-Übergangskrise. Der damalige EU-Kommissionspräsident Barroso hatte vielleicht nicht ganz Unrecht, als er sagte, “Das Problem sind nicht die Äusserungen des Papstes, sondern die Reaktionen der Extremisten.” Da die Rede keine Inhalte des Islams behandelte, sondern seine geschichtliche Dimension, hielt sich die Aufregung hier aber in Grenzen. Barroso und auch die damalige italienische Opposition um Berlusconi warfen Europas Politikern vor, den Papst bezüglich der Kritik nicht genügend verteidigt zu haben. Manche machten eine “Verteidigung westlicher Identität” daraus. Die Kritik, auch jene im Westen, bezog sich auf die undifferenzierte Beurteilung der Religion bzw ihre kommentarlose Wiedergabe. Barroso ortete den Grund für die “Zurückhaltung” in einer “Besorgnis über eine mögliche Konfrontation” und in einer “Art politischer Korrektheit”.

In den 00er-Jahren wurde das IT Instrument sowohl von Islamisten wie auch Islamophoben, für Verbreitung ihres Hasses und ihrer Hetze. Und, die Sache mit dem “Einknicken” wurde ein Sujet der Islamophobie. Dabei begann sich das Muster zu entwickeln, Splitter in fremden Augen zu thematisieren, den Balken im eigenen aber nicht zu sehen. Auf der deutschen Hass-Seite PI (“politically incorrect”) etwa kommen hasserfüllte Angriffe gegen ihre Kritiker, wie die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan. Eine kritische Rezeption von ihr in der Blogosphäre, in Medien, von Wissenschaftern, Behörden, wird mit „Angriff auf die Pressefreiheit“, „NS-Methoden“, etc kommentiert. Die PI-Macher und ihre Fans sehen sich bedroht und verfolgt. Während dessen verabreden sich PI-„Ortsgruppen“ zB, um Online-Foren oder Auftritte wie einen von Wolfgang Benz aufzumischen.

Breivik schrieb, v.a. in Blogs Anderer, von einer „neuen Türkenbelagerung”, einem “neuen Kreuzzug”, “der Rettung des Abendlands”, einem “Kapitulieren vor den Moslems”, “Geld an Israel statt an Palästinenser”. Wo er Recht hat: “Die Zukunft der konservativen Bewegungen ist mit der Entwicklung der djihadistischen Bewegungen und/oder dem islamischen Einfluss in den westlichen Gesellschaften direkt verbunden. Es handelt sich um eine symbiotische Wechselbeziehung.” Ausser dass “konservativ” da vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist. Was etwa die “Eurabien”-Behauptungen betrifft, die Breivik begeistert aufnahm, Giselle Littman (“Bat Yeor”) hat infolge 11/9 etc (also islamistischen Terror) mächtig Aufwind und Akzeptanz bekommen. Viele versuch(t)en diesen Wind auszunutzen für ihre Ziele.

Robert Misik schrieb damals angesichtes des Massakers in der “taz”: “Um die Zirkel radikaler Spinner bildeten sich konzentrische Kreise normaler Bürger, die zwar nicht alle Postulate der Moslemhasser vertreten, doch manche ihrer Meinungen teilen und selbst die bizarrsten Wortmeldungen tolerieren. Durchaus angesehene Zeitungen gaben ihnen Raum, ihre Positionen zu vertreten, vom Boulevard ganz zu schweigen, wo Menschenhass sich hinter der Floskel ‘Das wird man doch noch sagen dürfen’ verschanzt. Kurzum: Die gesellschaftliche Immunabwehr hat ausgesetzt. Sicherheitsdienste und Verfassungsschutz durchleuchteten islamische Szenen, Linksradikale und die alten Neonazi-Kreise, aber dass sich das Milieu der rechtskonservativen Wutbürger radikalisierte, wurde übersehen – trotz dessen sichtbar wachsenden Grolls gegen Multikulti, Ausländer, Muslime, gegen alles, was anders ist, trotz deren zunehmend menschenfeindlicher Sprache, mit der sie sich über ‘Hinternhochbeter’ und ‘Schafficker’ auslassen.“ Breiviks Idole wiesen die Verantwortung von sich, taten so als ob nur die Tat und nicht auch das zu Grunde liegende Denken extremistisch wären.

Und, die Sache mit den doppelten Standards… Etwa die Hysterie um angebliche Drohungen des iranischen Regimes gegenüber Israel. Umgekehrt rede(te)n aber nicht nur israelische Politiker und Militärs fortwährend über Militärschläge gegen Iran. Oder die deutsch-österreichische Kampagne, der es vorgeblich um die Verhinderung einer iranischen Atombombe geht. Im USA-Präsidenten-Wahl-Kampf 08 stimmte der Kandidat der Republikanischen Partei ein fröhliches “Bomb, bomb Iran” an. Und in einem Werbevideo für die israelische Kabelfernseh- und Internetproviderfirma “Hot” wird per Samsung-Tablet ein Atomreaktor im Iran von als Frauen verkleideten Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad gezündet. Empörung von Iranern über diesen zynischen Kulturalismus, der Spass mit Angriffen auf ihr Land macht und dieses als „primitiv“ sowie Israel als „machtvoll“ darstellt, verstärkte diesen in der Wahrnehmung nur (smarte Zionisten, fanatische Perser). Ein Selbstläufer. Der Neocon Kenneth Timmerman konnte auch unbehindert ein Buch veröffentlichen, dass die Bombardierung Irans legitimieren soll.5

“Das Juwel von Medina” (“The Jewel Of Medina”) von der US-Amerikanerin Sherry Jones, eine Art historischer Roman über Aisha und Mohammed, sollte (08) bei Random House heraus kommen, der Verlag nahm aber die Veröffentlichung zurück, anscheinend aus Angst vor “negativen” moslemischen Reaktionen. Er erschien dann bei anderen Verlagen. Proteste gegen die Nichtveröffentlichung des britischen Verlags kamen u.a. von Salman Rushdie (“Zensur aus Angst”) und Kurt Westergaard.

Florian Klenk, inzwischen Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung “Falter” und mit Preisen ausgezeichnet, geriert sich gern als kritischer Aufdecker, Menschenrechts-Journalist, streitbarer Publizist, moralisches Gewissen, als der liberale Demokrat, der objektive Beobachter,… Ihm geht’s primär um Eins: was nicht alles zu machen sei um die FPÖ auszubremsen und wer nicht aller Schuld sei an ihrem Zulauf; die Welt aus der Bobo-Perspektive. Wenn er sich und die Textilindustrie als Opfer der militanten Tierschützer darstellt, er das Jauffret-Buch über Fritzl-Österreich diffamiert, über afrikanische Drogenhändler schreibt, über den ägyptisch-stämmigen Anwalt Farid Rifaat, oder über Integration, Flüchtlinge oder Islamismus schreibt, wird’s interessant. Was er über die Regensburger Rede des Papstes schrieb (“Nein, ich bin kein besonderer Freund des Papstes . Und vermutlich hätte er seine Worte auch bedächtiger wählen können. Doch die Reaktionen der muslimischen Welt zeigen, dass er so falsch nicht liegt…”), ist nicht ganz daneben, sagt aber auch etwas über ihn aus.

Vor einigen Jahren gab es von ihm den Artikel “Scharia in St. Joseph“6. Es ging darum, dass die deutsche Evangelikale Christine Schirrmacher in der Pfarre von Traun (St. Joseph) einen Vortrag über den Islam halten wollte/sollte (im Rahmen einer “…islamkritischen Veranstaltung…”). Dazu kam es schliesslich nicht – weil der Wiener SPÖ-Politiker Omar al Rawi dagegen interveniert habe, heisst es. Rawi, auch in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ) aktiv, stammt aus dem Irak. Die von Klenk hier an den Tag gelegte Rhetorik und Auslassungen verdienen Analyse.

Da heisst es uA: “Schirrmacher wurde auf Druck islamischer Funktionäre von einer Veranstaltung ausgeladen, weil sie sich kritisch über die Scharia äußern wollte.”, “…gegen eine deutsche Professorin agitierte, bis diese ausgeladen wurde.”,  “Diesen Vorfall kann man getrost als Skandal bezeichnen.”, “Ein SPÖ-Politiker verhindert die freie Rede einer deutschen Intellektuellen, weil die ihm zu kritisch ist.”

“Während muslimische Vertreter wie Al Rawi in öffentlichen Ansprachen das Wort vom ‘offenen und ehrlichen Dialog’ im Mund führen und damit Stimmen und Sympathie fortschrittlicher Kräfte gewinnen, interveniert er hinter den Kulissen gegen eine kluge, wenn auch umstrittene Frau, nur weil diese ein anderes Bild vom Islam verbreiten will, als er selbst…” – Warum Schirrmacher umstritten ist, dazu kommen wir noch. Diese Formulierung zeigt jedenfalls schon, wie stark er da in Klischees unterwegs ist. Und: Al Rawi, den scheren wir mit muslimischen Funktionären allgemein über den Kamm.

Klenk verweist dann auch völlig unkritisch auf “Memri” und seine Übersetzungen. Spätestens an dem Punkt ist klar, dass er ein höchst naiver Florian ist oder ein höchst ideologisierter. Zu diesem Institut kann man sich zB den Artikel auf der englischen Wikipedia anschauen. Dort ist noch ein bisschen was geblieben von kritischer Betrachtung, trotz aller Reinwaschungsversuche. Oder “Memri.org – A Tool of Enlightenment or Incitement?” von Schirin Fathi in: “Orientalism and Conspiracy: Politics and Conspiracy Theory in the Islamic World” von Arndt Graf (Hg.).

“Wer muslimische Funktionäre wie Al Rawi für ihre Methoden kritisiert, erlebt stets dasselbe Reaktionsmuster. Kaum kritisiert man sie, legen sie sich das unbefleckte Opferkostüm an. Al Rawi zum Beispiel verweist auf all die Drohbriefe, die er tagtäglich erhält. Zu Recht rügt er auch die hetzerischen Aussagen von Politikern wie der blauen Stadträtin Susanne Winter, die Mohammed einen Kinderschänder nannte…” – Ja, die muslimischen Funktionäre und ihre Methoden… Zu Winter habe ich schon was geschrieben hier und es kommt noch was. Jedenfalls: Ihre Hetze gegen jetzt lebende Menschen ist schlimmer als die gegen einen toten Propheten.

“Von anderen muslimischen Vertretern folgt dann auch noch ein Seitenhieb gegen die Kultusgemeinde, die doch auch interveniert und die man wohl nie so hart anfassen würde, wie die Muslime. Ja, die Juden! Schon wieder sind sie an allem schuld.” – Jemanden die Aussage “Die Juden sind an allem Schuld” unter zu schieben, ist schon ziemlich billig. Ich meine, moslemische Funktionäre reden viel Unsinn. Diese Aussage aber aus einem Verweis auf Interventionen Anderer abzuleiten, zeigt schon, dass man Angst hat, sich damit inhaltlich auseinander zu setzen.

“Ihre Meinung dürfen muslimische Gottesfürchtige natürlich äußern – aber sie sollen sich dabei nicht jener Methoden bedienen, die die katholische Kirche in diesem Land jahrelang praktizierte.” – Das passt zu dem was ich eingangs zu Klenk schrieb. Und was ich in dem Artikel über Deutschchauvinismus schrieb. Über die 2 Sorten von Abendland-Rettern; was das Abendland aber ist bzw ausmacht, darüber gehen die Meinungen eben auseinander. Für die Klenks sind zB Schwulenrechte oder Säkularisierung integraler Bestandteil bzw Charakteristikum des Abendlands, für die andere Seite aber dessen Untergang.

“‘Im Namen des Islam’, so steht dort geschrieben7, würden Frauen gesteinigt, vergewaltigt und unterdrückt. Das ist richtig, wie amnesty-Berichte aus Saudi Arabien, Afghanistan, Pakistan und dem Iran zeigen. Al Rawi, selbst gebürtiger Iraker, muss das wissen.” – Zu Saudi-Arabien komme ich noch. Wenn iranische Frauen etwas mehr für Sie sind, Klenk, als Referenzobjekt für Ihre edle Einstellung, dann lesen Sie doch zB das Buch von Frau Fathi, das ich Ihnen empfohlen habe. Selbiges gilt für Schirrmacher. Vor allem aber ist hier etwas über die Ebenen zu sagen, die da durcheinander gebracht werden. Islamophobie funktioniert eben genau so, dass Feindschaft ggü/Dämonisierung von Subjekten über diese Religion hergestellt wird…8 Islamophobie im Sinne der Feindschaft ggü einer Religion wäre nicht das Problem.

“Soll es nun anti-islamisch sein, diese Wahrheiten auszusprechen? Darf man die religiöse Arpartheid nur noch als Übel patriarchaler Strukturen bezeichnen – und nicht mehr als Konsequenz eines autoritären, religiös fundierten Gesellschaftsordnung, die keine Demokratie duldet, sonder letztlich nur Gottes Wort? Sollen selbst kleine Initiativen wie das Trauner ‘Personenkomittee Aufeinander Zugehen’ ab sofort nur noch Leute einladen, die auch Al Rawi passen?” – “Anti-islamisch” wäre nicht das Problem, wenn das hiesse, bei der Religion zu bleiben, bzw dort, wo diese Religion von ihren Fanatikern mit Politik vermengt wird. Es ist aber etwas Anderes, wenn Leute über diese Religion bzw ihre extremen Auslegungen definiert werden, die das selbst nicht tun. Oder wenn bei Ablehnung aus ethnisch-kulturellen (oder politischen) Gründen Islamismus vorgeschoben wird. Oder wenn Rassismus und eigener Fanatismus als Kampf gegen Islamismus und Rückständigkeit verkauft wird. Zu den Evangelikalen komme ich noch.

Wir merken uns also vorerst: “Kritisch, kritisch, kritisch” muss man sein; es können Reaktionsmuster bei Kritik erlebt werden (zB “unbeflecktes Opferkostüm” anlegen”); man hat sich mit dem Gegner (seinen Inhalten) auseinander zu setzen anstatt ihn als Feind zu behandeln; Wahrheiten müssen ausgesprochen werden; hinter den Kulissen Intervenieren gilt nicht; es ist illegitim, gegen die Einladung von Leuten zu agitieren, die Einem nicht passen

Von Klenk kam dann auch eine Schirrmacher-Verteidigungsrede, ebenfalls naiv oder bösartig verdrehend, diffamierend ggü Anderen, ein vorgeblich liberales Weltbild hochhaltend; weiters eine Broder-Verharmlosung (“Autor und Provokateur”) und ein Verweis auf andere Fälle des “Kapitulierens” vor dem Islam aus diesen Jahren. Ja, und man hat sich auch die Formulierung “Mobbing gegen Kritiker” zu merken und die Aufforderung, wenn man mit einem Inhalt ein Problem hat, möge man diesen doch widerlegen.

In den Kommentaren gab Einer der propagierten Sichtweise fundiert Kontra, Al Rawi als den Wolf und Schirrmacher als das Lamm (bzw die Märtyrerin) dar zu stellen. Von mir kommt jetzt keine Al Rawi-Verteidigungsrede, da ich nicht weiss was er wirklich gemacht hat. Und Klenk ebenso wenig als zuverlässige Quelle sehe wie Rainer Nowak von der „Presse“, der die Sache dann „aufgriff“ (aufblies), oder den Hassblog “gatesofvienna” (“islamophobic and proud of it“; der Titel ist eine Anspielung auf die Türkenkriege). Einer Angabe zufolge kam von Rawi als “Intervention” nur ein Brief an die Veranstalter, worin Schirrmachers Hintergrund nicht ganz falsch beleuchtet wurde.

Christine Schirrmacher ist „wissenschaftliche Leiterin“ der evangelikalen “Deutschen Evangelischen Allianz” (die u.a. das „Institut für Islamfragen“/ islaminstitut.de betreibt) und der “Ständigen Arbeitsgruppe Islam” der “Lausanner Bewegung – Deutscher Zweig”. Die “Lausanner Bewegung” ist eine auf den US-amerikanischen Fundamentalisten “Billy” Graham zurück gehende internationale evangelikale Bewegung (Teil der “World Evangelical Alliance”, betreibt u.a. “ERF Medien”, wozu ein eigener TV-Sender gehört). Ob es bei Klenk Unvermögen oder Unwille ist, zwischen “evangelisch” oder “evangelikal” zu unterscheiden, sei dahin gestellt. Dass sich die Organisation “evangelisch (e Allianz)” nennt, ist Absicht im Hinblick darauf, gemäßigt und neutral zu erscheinen. Und Schirrmacher (ihr Mann ist ein ebenfalls evangelikaler calvinistischer Theologe) vermittelt gerne den Anschein von Wissenschaftlichkeit und Ausgewogenheit.9

Evangelikale Organisationen wie die genannten heften sich in Europa gerne “linke” und fortschrittliche Anliegen wie Frauenrechte (im Islam) auf die Fahnen. Evangelikale Gruppen speziell in (bzw aus) der USA engagieren sich gegen die Evolutionstheorie, wollen dass der Kreationismus an Schulen unterrichtet wird, greifen Abtreibungsärzte körperlich an, veranstalten Lager für Kinder in denen “Hexerei” “ausgetrieben” werden soll (zB Harry Potter), unterstützen Fundamentalisten in Afrika (auch bei deren Angriffe auf Homosexuelle),… Aus dem früheren Anti-Jüdischen ist bei ihnen ein fanatisches Pro-Israel geworden.

Nach den Aufbrüchen des arabischen Frühlings und nachdem in der (Noch-Supermacht) USA Obama Präsident geworden war, eine zwischenzeitliche Entspannung in diesem Weltkonflikt eingetreten war, Ende der 00er-Jahre, Anfang der 10er, kam ja eine neue Welle des Islamismus und der “Gegenreaktion”, kam neue Aktivität von Islamofaschisten wie jenen des IS und Aufwind für ihren vermeintlichen Gegenpol (von Netanyahu bis AfD). Beide Seiten haben eine Obsession mit dem Islam bzw instrumentalisieren diese Religion für ihre Zwecke. Während Salafisten Korane verteilen, oder wie aktuell in Nordrhein-Westfalen, Mo-Biografien, machen die Anderen Karikaturen von oder Filme über diesen Propheten. Mit denen es ihnen um die Reaktionen von Moslems geht.

2012 entstand der Provokations-Film „Innocence of Muslims“; der Film (oder nur ein Trailer oder Ausschnitt davon, das ist unklar) wurde auf YouTube hochgeladen. Der mit kleinem Budget und in schlechter Qualität hergestellte Film scheint auf einen in USA lebenden koptischen Ägypter sowie evangelikale US-Amerikaner zurück zu gehen. Der Film über den Propheten Mohammed basiere auf einem Buch, das er 1994 veröffentlicht habe, sagte dieser Nakoula Basseley Nakoula, der auch „Sam Bacile“ genannt wird. Beteiligt an Produktion/Vertrieb des Films waren anscheinend die evangelikal-rechtsextremen Aktivisten Terry Jones aus Florida (Koran-Verbrennungen ’11) und Steve Klein. Dass die Darsteller selbst getäuscht worden ware, im Castingaufruf für den Film von einem „historischen Wüstendrama“ die Rede war, Dialoge nachsynchronisiert wurden, ist nicht das Thema.

Dieser Nakoula scheint eine arabische Version des Films auf seinem (anti-islamischen) Blog veröffentlicht zu haben und erst infolge dessen soll der Film Aufmerksamkeit in der islamischen bzw arabischen “Welt” bekommen zu haben, zunächst in Ägypten. So gab es, 2012, wieder Proteststürme und Tote, die Angriffe auf diplomatische Vertretungen v.a. der USA in Libyen (wobei vier US-Diplomaten getötet wurden; der Film/Clip war möglicherweise nur ein Vorwand für den bereits zuvor organisierten Anschlag), Ägypten, Jemen, Sudan, Tunesien,…

Wie der Titel schon sagt, sollte der Film ja etwas über DIE Moslems aussagen (fanatisch, gewalttätig,…), und es gab Jene wieder, die mit ihren Reaktionen die gewünschte Bestätigung lieferten. Eine syrische Satire-Facebook-Seite schrieb: „Wir wünschten, was gerade in Syrien passiert, wäre ein Film. Wenigstens dann würden die Araber etwas für uns tun.“ Dass Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt und als „Bastard“ beschimpft wurde, war für Viele ja tatsächlich schlimmer als das Kämpfen und Morden in Syrien.

Im USA-Präsidenten-Wahlkampf wurde die Sache aufgegriffen. „Pro Deutschland“ uA wollten den Mohammed-Film öffentlich vorführen. Ging es dabei um die künstlerische Freiheit oder um die Provokation? “Charlie Hebdo” in Frankreich brachte eine neue Mo-Karikatur (s. u.). Es gab in Teilen des Westens Diskussionen über eine „Zensur“ des Films, sowohl auf Youtube als auch bzgl. öffentlicher Vorführungen. Fanatiker beider seiten wollten verhindern, dass sich die Aufregung legt. Broder, der in „Hurra wir kapitulieren“ einen “Kniefall des Westens” gegenüber “dem Islam” polemisiert, durfte sich die Hände reiben.

Im jüngsten Roman von Michel Houellebecq, „Soumission“ („Unterwerfung“), geht es um ein Frankreich in nicht all zu ferner Zukunft, in dem ein aus Nordafrika stammender moslemischer Fundamentalist die Präsidentenwahl gewinnt, mit Hilfe der Linken sowie der UMP, und gegen Marine Le Pen, die als Einzige Widerstand leistet. Der Literatur-Professor der das alles erlebt, hat auch eine jüdische Partnerin. Sie geht nach Israel, er in ein Kloster mit Verbindung zu Karl Martell. Der dystopische (oder politsatirische?) Roman erschien im Jänner 15, zufällig am Tag des Massakers an der Redaktion von “Charlie Hebdo”. Der französische Autor wehrt sich dagegen, dass sein Buch als islamfeindlich eingestuft wird. Er stellte aber klar, dass man aber sehr wohl das Recht dazu hätte, ein islamfeindliches Buch zu schreiben. Damit hat er nicht Unrecht.

Das Recht auf ein Buch, in dem die Religion durch den Kakao gezogen oder kritisch analysiert wird. Ein rassistisches, gegen Menschen, ihre Kultur, gerichtes Buch verdient wie jeder andere Rassismus behandelt zu werden. Wozu sicher nicht physische Angriffe auf Autoren, Verleger oder Leser gehören. Sowohl Islamisten wie islamophobe Rassisten bemühen sich immer wieder, den Unterschied zu verwischen. Über dieses Buch von Houellebecq weiss ich zu wenig, um es einzuschätzen. Jedenfalls hat es unter moslemischen Fanatikern wenig Unruhe ausgelöst, da es nicht um die Inhalte ihrer Religion geht. Siehe Rushdie/Mahmoody.

Karikaturen

05/06 die „Karikaturen-Krise“, ausgehend von in der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ 10 veröffentlichten Mohammed-Karikaturen, die vom Kulturchef der Zeitung, Flemming Rose, in Auftrag gegeben wurden, um diesbezügliche “Selbstzensur” auf die Probe zu stellen. Es ist ein berechtigter Punkt, dass ein islamisches “Abbildungsverbot” (das in dieser Religionsgemeinschaft auch noch sehr umstritten ist) für Europa bzw Nicht-Moslems bzw Nicht-Religiöse keine Rolle zu spielen braucht. Nur: Es spielte ja für die Macher und Veröffentlicher und viele Verteidiger der Karikaturen eine Rolle. Sie haben sich an diesem “Tabu” orientiert, wollten bewusst Reaktionen provozieren. Sind nicht bei Illustrationen zu einem Islam-Artikel ahnungslos da hinein gestolpert. Sie legten es auf grösstmögliche Provokation und Öffentlichkeit an. Die Karikaturen wurden diversen moslemischen Geistlichen in Skandinavien unter die Nase gerieben. Als Medien in der islamischen Welt die Sache aufgriffen, entstand allmählich die Aufregung. Die Islam-Übergangskrise erreichte einen neuen Höhepunkt.

Es kamen genau jene Reaktionen, die gewünscht waren: gewalttätige Demonstrationen in diversen Teilen der islamischen Welt sowie Diaspora, Attacken auf westliche Botschaften dort (zB in Teheran, von Basidj-Gruppen), ein Mordanschlag auf einen (italienischen?) Priester in der Türkei, Drohungen (zB bei einer moslemischen Demo in London),… Die Welle ging vom Zentrum an die Peripherie (zuletzt Bosnien, Somalia,…). Im Westen wurde die Sache mit dem “Einknicken” und der künstlerischen Freiheit andauernd beschworen. Michel Friedman sprach von einem „zivilisatorischen Unterschied“. Viele sahen endgültig einen Kampf der Kulturen gekommen. Anders Breivik schrieb später vom “feigen Verhalten der [norwegischen?] Regierung bei den Mohammed-Karikaturen”.

Der Zeichner Westergaard wurde in seinem Haus angegriffen. Die Produzenten der US-Zeichentrickserie “South Park” (Prophet Mohammed in einem Bärenkostüm dargestellt) wurden von einer radikalen islamischen Gruppe bedroht, dass sie “wahrscheinlich so enden werden wie Theo van Gogh”.11 Jahre später gab es eine Ausstellung von Mohammed-Karikaturen in Texas (USA), einen bewaffneten Angriff darauf, die beiden Angreifer wurden von der Polizei getötet. Es gab aber auch Übergriffe in die andere Richtung deshalb, in Australien wurde etwa ein Taxifahrer iranischer Herkunft getötet. Es gab auf beiden “Seiten” absichtliches Schüren des “Feuers”.

Die Probleme mit den Karikaturen sind meiner Ansicht nach nicht darin, den Islam als Religion anzugreifen. Sondern: 1. Rassismus in den Zeichnungen (was Islamophobe wie Islamisten nicht sehen wollen), 2. die absichtliche Provokation (es wurde nicht unabsichtlich ein Tabu Anderer verletzt, man wollte Reaktionen), 3. ungleiche Standards im Umgang mit diesen und vergleichbaren “Äusserungen”.

Westergaards Karikatur, die berühmteste, zeigt Mohammed, bzw einen Orientalen, mit einer Bombe im Turban. Geht es da nicht darum, Moslems an sich dar zu stellen? Bei den anderen ist ähnliches zu sagen. Die meisten heftigen Reaktionen kamen wegen einem Verriss der Religion; dabei war der Verriss der “Anhänger” dieser Religion, egal wie religiös sie sind, das eigentliche Problem. Die Darstellungen der Menschen in und aus dieser Region, ihre vermeintlichen rassischen und kulturellen Merkmale. Und Islam(ismus) als eine Art Rechtfertigung dafür. 12 Der belgische Comic-Zeichner “Hergé” hat in seiner “Tintin”-Reihe 1930 über Tintin im Congo gezeichnet und geschrieben. Die Kongolesen werden da als kindliche Idioten gezeichnet, die eine “starke Hand” brauchen, die ihnen natürlich die damalige Kolonialmacht Belgien reicht.

Der wilde, intolerante, fanatische Muselman mit seinen Kern-Eigenschaften Zurückgebliebenheit, Primitivität, Gewalttätigkeit sollte sich auch in den Reaktionen auf die Karikaturen zeigen. Viele Moslems geben den Provokateuren genau das, was sie wollten. Jene, die fanatisch-gewalttätig reagierten, halfen der “Gegenseite”. Da war er, der Orientale mit seiner grossen Leidenschaft und seiner winzigen Vernunft.

Es hiess, “Jyllands Posten”-Kulturchef Rose wollte nach den Mohammed-Karikaturen auch die Holocaust-Karikaturen wiedergeben, zu denen der damalige iranische Präsident Ahmadinejad aufgerufen hatte. Deshalb sei er von Chefredakteur Juste beurlaubt worden.

Die südafrikanische Wochenzeitung “Mail & Guardian” hat 2010 gegen den Widerstand von Muslimen eine Mohammed-Karikatur veröffentlicht; ein moslemischer Verband versuchte dies gerichtlich verbieten zu lassen.13 Es war eine Zeichnung des Karikaturisten Jonathan Shapiro (“Zapiro”), die einen mürrischen Bartträger beim Psychiater zeigt, der sich darüber beschwert, dass “andere Propheten Anhänger mit Sinn für Humor haben”. Hier stand nicht die Darstellung (vermeintlicher) rassisch-kultureller Wesenszüge und die Provokation von Reaktionen im Vordergrund. Und, Zapiro ist nicht einäugig und steht auch nicht im Dienst neokonservativer Kampagnen. Selbst Jude, übt er immer wieder Israel-Kritik, er kritisierte auch die dänischen Mohammed-Karikaturen; er karikiert immer wieder Südafrikas Präsidenten Zuma, vor allem dessen früheren Umgang mit HIV/AIDS, aber nicht im Sinne einer Apartheid-Nostalgie.

“Charlie Hebdo” hat 2006 die “Jyllands-Posten”-Cartoons wieder gegeben, 2011 eine Sonderausgabe namens “Charia Hebdo” heraus gebracht (worauf hin es schon tätliche Angriffe gab) oder 2012 neue “Mohammed-Karikaturen”, anlässlich der Aufregung und Angriffe rund um den Mo-Film. Im Jännner 15 der Kalaschnikow-Angriff auf die “Charlie Hebdo”-Redaktion in Paris, das Massaker an 10 ihrer Mitglieder sowie 2 indirekt Beteiligten, durch 2 algerisch-stämmige islamistische Brüder.14 mondoprinte schrieb damals: “Doch fällt es mir schwer, diesen Mehrfachmord als einen Anschlag auf Meinungsfreiheit, Satire, Zivilisation, ‘uns alle’ etc. zu sehen. ‘Charlie Hebdo’ hat zahlreiche rassistische Witze gerissen und nur allzu oft Hass als Spaß maskiert.”

“Charlie Hebdo” hat tatsächlich eine rassistische Note und reaktionäre Züge (gehabt). Der auch ermordete Redaktionsleiter Stéphane “Charb” Charbonnier hatte anlässlich einer früheren Aufregung gesagt: “Wir müssen weiter machen, bis der Islam genau so banal wie der Katholizismus geworden ist.” War/ist das aber wirklich der richtige Weg dazu, darauf herum zu reiten, was den Gläubigen und Fanatikern dieser Religion ein Tabu ist, den Islam immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen? Die beiden Mörder haben jedenfalls nicht nur auch 2 Moslems umgebracht und den in Frankreich lebenden unbeteiligten Maghrebinern das Leben schwerer gemacht.15

“Charlie Hebdo” ist während der Flüchtlingskrise im selben Jahr wie das Massaker durch Zeichnungen des ertrunkenen Jungens Aylan Kurdi in die Kritik geraten. 16 2008 hat C. H. seinen Cartoonisten “Siné” mit “Antisemitismus”-Vorwürfen gefeuert. Siné hatte angedeutet, dass Sarkozy’s Sohn Jean zum Judentum konvertieren würde, um die schwerreiche Erbin heiraten zu können.”Siné Mensuel” hat sich von “Charlie Hebdo” abgespalten.

Die Auszeichnung der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ mit dem PEN-“Preis für Mut und Meinungsfreiheit” ’15 führte dazu, dass sechs Schriftsteller, darunter Michael Ondaatje und Rachel Kushner, aus Protest gegen die Ehrung ihre Teilnahme an der Preisgala absagten. Kushner begründete das mit der „kulturellen Intoleranz“ der Zeitschrift. Im August 16 machte „Charlie Hebdo“ Karikaturen über das Erdbeben in der mittelitalienischen Gemeinde Amatrice (295 Todesopfer), auf einer Zeichnung mit der Überschrift „Erdbeben auf italienische Art“ waren drei Erdbebenopfer als Nudelgerichte dargestellt. Später veröffentlichte „Charlie Hebdo“ auf Facebook eine weitere Zeichnung zum Erdbeben, darauf sagt eine verschüttete Frau: „Nicht ‚Charlie Hebdo‘ baut eure Häuser, sondern die Mafia.“17 Doch, bei aller Kritik an „Charlie Hebdo“ muss Eines klar gesagt werden: Natürlich verdient es niemand, wegen einer Zeichnung getötet zu werden. Und genau das ist geschehen.

Der kürzlich verstorbene österreichische Karikaturist Manfred Deix sagte 06 in einem Interview zur “Zeit”: “Ich zeichne jetzt nur noch mit der Burka. Man darf mit diesen Herrschaften mit den langen Bärten offenbar nicht spassen. Wir erleben hier eine neue totalitäre Bedrohung. Würde ich über Mohammed scherzen, wäre ich in Lebensgefahr. Mir versagt fast die Stimme. Ich leide wie ein Hund. Es ist eine Katastrophe. Ich habe mir die Finger blutig gezeichnet, um die Benachteiligungen der Ausländer anzuprangern. Ich hab Jörg Haider jahrelang verhöhnt. Und jetzt wollen mir die Muslime das Zeichnen verbieten? Da ist etwas passiert.” Ein bisschen arg vereinfacht, vielleicht auch nicht ganz ernst gemeint.

Deix, der auch nackte Bischöfe beim Schmusen gezeichnet und Jesus sowie den Papst unvorteilhaft dargestellt hatte, wurde 09 von katholischen Geistlichen angezeigt, wegen einer Zeichnung mit dem Titel “Entwurf für ein multikulturelles Kompromisskreuz”, das Symbole von Christentum, Islam und Buddhismus mit Symbolen von Nationalsozialismus und Kommunismus zusammenmontierte. Sie orten unter anderem einen Verstoss gegen das Verbotsgesetz. Der Künstler verglich das Vorgehen mit jenem von radikalen Muslimen.

Sein Kollege Gerhard Haderer brachte 2002 das Buch “Das Leben des Jesus” heraus. In Österreich forderte Weihbischof Andreas Laun dafür die Einhaltung des § 188 StGB, der für Blasphemie eine Freiheitsstrafe von bis zu 6 Monaten vorsieht. 2005 wurde er in Griechenland wegen Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft durch dieses Buch in Abwesenheit zu sechs Monaten Haft verurteilt. Dieses Urteil wurde jedoch im Berufungsverfahren korrigiert. 05, als auch die Mo-Karikaturen-Krise begann. Im Endeffekt keine Verurteilungen für die Beiden, keine Drohungen und Gewalt von fanatischen Christen (so weit ich das überblicke). Für manche Rechtskonservative ist diese „Gleichgültigkeit“ im Umgang mit der eigenen Religion aber ein Armutszeugnis bzw ein Alarmsignal, ein Zeichen für „Degeneration“.

Der brasilianische Karikaturist Carlos Latuff, christlich-libanesischer Herkunft, ist ein Unterstützer palästinensischer Anliegen, er zeichnet aber auch gegen Erdogan oder die Saudis. Latuffs israelkritische Cartoons rufen heftige Reaktionen hervor, wahrscheinlich gerade weil seine Karikaturen Wahrheiten zum “Nahost-Konflikt” ausdrücken, etwa den Unterschied der “Raketen” aus Israel nach Gaza und umgekehrt. So ist er dauerndem “Antisemitismus”-Geklage ausgesetzt, wurde etwa vom Wiesenthal Center (SWC) zum drittgrössten Antisemiten erklärt (~2012). Der Artikel über ihn auf der englischen Wikipedia ist auch gespickt mit derartigen Versuchen der Diffamierung. Inhalte seiner Zeichnungen erzürnen Manche so, dass sie auch vor rassistischen Angriffen auf Latuff nicht Halt machen. Wie war das beim Klenk: Man hat sich mit dem Gegner (seinen Inhalten) auseinander zu setzen, anstatt ihn als Feind zu behandeln.

Pakhtunkhwa/Emran Feroz verglich die Wahrnehmungen von Latuffs Zeichnungen mit jenen der Mohammed (bzw Moslem) -Karikaturen. “…wäre es interessant zu wissen, warum hier nicht plötzlich die sogenannte ‘Kunst- und Meinungsfreiheit’ ins Spiel kommt. Auf jener dänischen Karikatur, die den islamischen Propheten Mohammad darstellen soll, ist unter anderem der Schriftzug ‘la ilaha illallah wa muhammad rasul allah’ zu lesen. Dieser Schriftzug ist eine Art islamisches Symbol und steht im gleichen Verhältnis wie der Davidstern zum Judentum. Während Karikaturen mit Davidstern zu Recht als antisemitisch gelten, scheint dieses Argument für den Islam nicht gültig zu sein. Alle Cartoons und Comics mit islamisch-arabischen Aufschriften gelten offiziell nicht als islamfeindlich, sondern als Teil der westlichen Künstlerfreiheit.”

Eine Karikatur in einem Schulbuch in Baden-Württemberg zeigt einen Hund, der an eine Hütte mit der Aufschrift „Erdogan“ gekettet ist, hiess es. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)18 wies Kritik daran scharf zurück. Es handle sich nur um eine Karikatur, Erdogan wolle ablenken von „Rechtsstaatsproblemen“ im eigenen Land, Umgang mit Kritikern.

“Al-Quds-Tag Wien 2015“, die (gut organisierten) Zionisten Wiens nahmen eine “antisemitische” Karikatur auf dessen Facebook-Seite dankbar als Aufhänger, um gegen palästinensische Anliegen zu agitieren und ihren Chauvinismus heraus zu kehren, sowie um nach Zensur zu rufen, in schrillen Worten. orf.at schrieb verschämt betreffend der Karikatur von einem “antisemitischen Posting”. Die Karikatur hat über den “Konflikt” tatsächlich nichts treffendes ausgesagt, aber um das gehts gar nicht, denn das war auch bei anderen Karikaturen so; ach so, verhetzend war sie? Aber, man muss doch nicht übertrieben politisch korrekt sein, oder?

So ist hier eben eine gewisse Selektivität zu beobachten, eine gewisse Flexibilität bei den Standards. Josef Joffe regte sich über rassistische Karikaturen von Condoleeza Rice auf (in der Bush-Ära), am überbordenden Rassismus ggü Obama auf verschiedensten Ebenen hatte er dann nichts auszusetzen, hält er sich vornehm zurück. Auch bei anderen rassistischen und kulturalistischen Karikaturen, wie jenen in „Bahamas“ oder jene von Daniel Haw auf PI, aber auch bei rassistischen Kinderbüchern, drückt man Augen zu.

Deutschland

Es gibt Menschen in Deutschland, für die es ein Problem ist, dass es solche gibt, die “Menschen wie Boateng” nicht als Nachbarn wollen; dann es gibt solche für die das Problem darin besteht, dass das einer laut sagt; und jene, die eine Problem damit haben, dass man “das nicht sagen darf”. Gauland sei es „nur um eine Beschreibung von Gefühlen“ gegangen, „die wir alle überall in unserer Nachbarschaft wahrnehmen und die sich nicht dadurch vermindern, dass wir sie heuchlerisch nicht zur Kenntnis nehmen“.

Sarrazin hat mit seinem Buch in mehrfacher Hinsicht Tabus berührt. Die Verteidigungsargumentation von Sarrazin und den Seinen: „unbequeme Wahrheiten“ (mit denen man gleich ins rechte Eck gestellt werde), „sonst aus Angst zurück gehalten“, „Maulkorb“, „schlimme Vergiftung der Meinungsfreiheit fest zu stellen“, „berechtigte Unruhe in der Bevölkerung thematisieren“, “doch nur ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analyse geschrieben”,… Broder war vom Buch begeistert, fand es skandalös, wie “mit Sarrazin in der Öffentlichkeit umgegangen wird” und vermisste eine “Meinungsvielfalt” bei diesem Thema (welches ist das jetzt genau?), es gäbe eine „Hexenjagd” gegen Sarrazin (auch Köppel benutzte diese Formulierung), dieser hat das Recht sich zu äussern, klagte über die “Spielregeln der political correctness”, “Anlagen werden doch tatsächlich vererbt”, der “Rauswurf“ Sarrazins sei der grösste Fehler der Politik,…

Roger Köppel (“Weltwoche”, “Die Welt”, Schweizerische Volkspartei, ein Blocher-Ziehsohn) sagte zu Sarrazins Buch, ein Umfrageergebnis wonach viele Deutsche Türken nicht als Nachbarn wollten, sei Beleg für die Berechtigung der Ressentiments/Aussagen Sarrazins. Im Wiener Wahlkampf 2010 hat die FPÖ Köppel mit einer Pro-Sarrazin-Plädoyer (man ziele auf ihn mit politischen Sanktionen um sich mit seinen Argumenten nicht auseinandersetzen zu müssen, wer eine “der Obrigkeit” nicht genehme Meinung äussere, den treffe die “geballte Ausgrenzungsmacht”) angeführt bzw mit ihm geworben. In dem Inserat stellte sich die FPÖ/Strache als Opfer dar, von Mächtigen gejagt, weil sie die Wahrheit sage, „wie Sarrazin in Deutschland“. Auch Sarrazin trat für die FPÖ auf.

Ausgerechnet Jan Fleischhauer sagte über das 3. Sarrazin-Buch, über „neuen Tugendterror“ (u.a. Medienkritik, auch antifeministisch): „Die Mär vom armen Opfer Sarrazin. Machen Sie sich bereit für den neuen Sarrazin: Die Startauflage liegt bei 100.000 Exemplaren. Nicht schlecht für ein Buch mit der These, dass man in Deutschland seine Meinung nicht frei äußern dürfe…“. Der Erfolg von Sarrazins Büchern widerlegt indirekt seine Kernthesen (man dürfte nicht über gewisse Themen denken, reden, schreiben). Aber die Masche zieht. Das 2. Buch von ihm war gegen den Euro, die deutsche Hilfe für “Schwache” in der EU geschehe aus schlechtem Gewissen wegen dem Holocaust > da war bei Manchen die grosse Begeisterung weg. Ups

“Unbequeme Wahrheiten” werden von den Broders nur dann gefördert, wenn sie für sie bequem sind; Sarrazin hatte sich in seinem 1. Buch positiv über die jüdische Einwanderung nach Deutschland ausgesprochen, keinerlei Kritik an Israel geübt (bzw dort keinesfalls auch gleiche Standards für Palästinenser gepocht). “Meinungsfreiheit/-vielfalt” ist für sie eine Einbahnstrasse. Broder vertritt das Prinzip der “freien Rede” bei ihm gefälligen Inhalten (zB dem Sarrazin-Buch) ebenso vehement, wie er bei (ihm) unbequemen dagegen wütet (zB beim Grass-Gedicht). Bezüglich Grass oder Augstein (mit seiner milden Israel-Kritik) bläst er ins Jagdhorn, schäumt und hetzt, in hysterischer Sprache, mit Totschlag-Begriffen, ad personam-Attacken,… Bezüglich der Reaktionen zum 1. Sarrazin-Buch meinte er, die Eliten seien dumm und die Einfachen gescheit, weil diese Sarrazin gut fänden und Deutschland ihretwegen eine gereifte Demokratie; in einem Buch von ihm mit dem Titel “Israel ist an allem Schuld” (“Deutschland und die Endlösung der Israel-Frage”) finden auch ein paar Deutsche Gnaden in seinen Augen.19  Der sanfte Kommentar von Merkel (von der er sonst entzückt ist) zu Sarrazin “erinnerte” ihn an die Reichsschrifftumkammer (zumindest tat er so), bei der Anprangerung Augsteins war er dann führend dabei.

Der bayerische Kabarettist Jonas: „Broder hat Recht, es sind keine Witze über den Islam möglich“. Broder schaukelte ihm danach auch die Eier. Die Frage hier ist aber, geht’s um das ungestörte Witzemachen oder um die Provokation der Reaktion (auf die man aus ist)? Und um das politische Ausschlachten dieser Reaktionen. Geht es um Religionskritik oder um die “Karikatur” (vermeintlicher) rassischer und kultureller Merkmale von Menschen aus jenen Kulturkreisen, die durch diese Religion (mit) geprägt wurden?

Zurück zum Sarrazin-Buch über das Abschaffen Deutschlands. Broder also entzückt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) rückte Sarrazin vor allem wegen der Ausführung, alle Juden teilten ein bestimmtes Gen, in die Nähe der NS-Rassenlehre. Michel Friedman gewissermaßen dazwischen, als sanfter Kritiker. Die “Anti”deutschen waren verlegen. Chaim Noll, aus der DDR nach Israel ausgewandert, verteidigte Sarrazin, u.a. in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: “Nach der Halacha ist Judesein zum Teil genetisch definiert, indem nämlich jedes Kind einer jüdischen Mutter als jüdisch gilt. Daneben gibt es eine zweite Definition des Judeseins, über Konversion oder Annahme der jüdischen Religion.“ Und er kritisierte den ZdJ, dessen Äusserungen „werfen ein ernüchterndes Licht auf die Unbildung deutsch-jüdischer Funktionäre, denen offenbar das elementare Grundwissen über das Judentum abhandengekommen ist“.

“Die verschreckte Reaktion der deutschen Zentralrats-Funktionäre auf das Wort ,Gen’ findet in Israel wenig Verständnis. Ein Tabu, jüdische Identität mit Genetik in Zusammenhang zu bringen, besteht hierzulande nicht. An den israelischen Universitäten wird auf diesem Gebiet intensive fachwissenschaftliche Forschung betrieben, in zunehmendem Ausmaß. Es ist ein Thema, das viele jüdische Wissenschaftler und Laien interessiert und ausführlich in den Medien reflektiert wird. (…) Diese Themen sind auch in Israel umstritten. Aber die Debatte wird offen geführt und, anders als in Deutschland, ohne Hysterie”. Nolls Aussagen wurden auf PI gefeiert, auf Achgut etwas leiser, von Rechtszionisten und rechten Islamophoben immer wieder zitiert.

Im „Spiegel“-Streitgespräch bezichtigt Dieter Graumann vom ZdJ Jakob Augstein der „moralischen Asymmetrie“ und “Empathie aus dem Eisschrank“ für Israel. Grigat darf im “Standard” gegen Augstein (“israelfeindlich”) und Andere mit der Antisemitismus-Keule nachlegen. Köppel sagte ja, die Tatsache, dass viele Deutsche Türken nicht als Nachbarn wollten, sei ein Beleg für die Berechtigung der Ressentiments/Aussagen Sarrazins. Hier lautete der Vorwurf nun, dass Augstein Vielen (in D) aus dem Herzen redete. Wie jetzt? Also wird man mit den unbequemen Wahrheiten gleich ins rechte Eck gestellt, muss man diese aus Angst zurück halten, gibt es Denk- und Redeverbote? Ist “politische Korrektheit” doch angesagt?20 Das Wiesenthal-Zentrum (SWC) stellte Augstein, mit Berufung auf Broder, als einen der “grössten Antisemiten des Jahres” an den Pranger.

Der CDU-Politiker Martin Hohmann wurde von der evangelikalen “Nachrichtengentur” „idea” (Evangelikale, Hr. Klenk!) zum Politiker des Jahres 2001 gekürt, da er sich nach dem Terror vom 11. September 2001 „gegen ein falsches Toleranzdenken und eine christlich-muslimische Verbrüderung“ gewandt hatte; auch hatte er Abtreibung als “Holokaust” bezeichnet. Am 3. Oktober 2003 hielt Hohmann in Neuhof (Hessen) eine Rede zum Tag der Deutschen Einheit, die als als Ausdruck „antisemitischen Denkens“ ausgelegt wurde. Die Rede kann man vielerorts im IT nachlesen.21 Es gibt jedenfalls Passagen, über die zumindest die Broders (die offen Rechten unter den Zionisten und Islamophoben) entzückt gewesen sein müssten, wie auch über die Aussagen über den 11. 9. 01; etwa, als er moniert, „dass man als Deutscher in Deutschland keine Vorzugsbehandlung“ genieße. Broder greint ja, der Westen würde nach 11-9 kapitulieren, moslemische Einwanderer seien inländer-/deutschenfeindlich.

Erst nachdem der CDU-Ortsverband Neuhof die Rede auf seine Internetseite gestellt hatte, kam die Aufregung in Fahrt, beginnend mit einem Artikel auf Hagalil.com. Hohmann wurde von Bundestags-Fraktion und Partei ausgeschlossen. Auch ein Bundeswehr-General, der Hohmann verteidigte, musste zurücktreten.22

Diese Hohmann-Grenze gilt für alle Rechten in Deutschland. Auch Steinbach, Schönbohm, Stadtkewitz,… haben sich daran zu halten. Wie auch Möllemann oder Gedeon. Das sind die Grenzen des Deutschnationalismus, dort endet der erlaubte Rassismus. Sarrazin war grossteils im erlaubten Bereich, kam ungeschoren davon. Der rechte CDU-Flügel kann sich gegen “den Islam” austoben, damit ist man auf der sicheren Seite; Manche dort, wie Missfelder oder Kristina Schröder (Köhler), versuch(t)en sich zudem mit inquisitorischen Vorgehen gegen Israel-Kritik zu profilieren. Die Mantras von der “freien Rede, immer”, “offene Sprache”, “keine Denkverbote”, “endlich heikle Fragen ansprechen”, “Notwendigkeit, politisch unkorrekt zu sein”,  “zuviel mediale Herumdruckserei”, “falsch verstandener political correctness”, “Produkte einer falschen Toleranz”, dem Drängen auf “Meinungsvielfalt”, dem Verdammen von “Tabus”, erweisen sich bald als hohl bzw eingleisig. Und die Aufforderung, wenn man mit einem Inhalt ein Problem hat, möge man diesen doch inhaltlich widerlegen, hinter den Kulissen Intervenieren gilt nicht… Die AfD und die Hohmann-Grenzen 

Doppelbödigkeiten

Das 1975 von Rainer W. Fassbinder geschriebene Theaterstück “Der Müll, die Stadt und der Tod” geht auf einen Roman von Gerhard Zwerenz zurück, wurde 1976 verfilmt. Ein jüdischer Immobilienhändler will Rache für den NS über eine Prostituierte, auch seine Spekulationen (und die Anderer) werden thematisiert. Die Aufführung im Frankfurter Theater am Turm (dessen Intendant Fassbinder gewesen war) wurde auf Druck hin mit dem “Antisemitismus”-Vorwurf verhindert, schliesslich wurde das Stück durch Intervention vom Frankfurter Oberbürgermeister Wallmann abgesetzt. Auf de.wiki wird die Absetzung etwas verschleiert. Bei den Protesten tat sich Ignaz Bubis, jüdischer Funktionär aus Frankfurt und Immobilienhändler, hervor – die jüdische Figur in dem Stück soll an ihn und die(ser Teil der) Thematik an den Frankfurter Häuserkampf (> Joschka Fischer) angelehnt sein.

Aufführungen in Frankfurt wurde auch in 1980ern verhindert. Das Theaterstück konnte und kann in Deutschland nur auf ganz kleinen Bühnen und unter Protesten (etwa mit Hinweis auf den Holocaust) aufgeführt werden; im Ausland geschah/geschieht das hin und wieder, auch in Israel23. Eckhard Jesse, führender deutscher Extremismusforscher: “Warum wurde gegen die Störer des Stücks in Frankfurt nicht die Polizei gerufen? Und wieso ist es abgesetzt worden?” Befürworter der Aufführung wurden zu “Antisemiten” stilisiert. Manche Konservative/Rechte versuchten sich durch Unterstützung der “Antisemitismus”-Vorwürfe zu profilieren, die “Welt” etwa. Joachim Fest erhob den Vorwurf des “Linksfaschismus” bzgl des “Müll”-Theaterstücks und seiner Befürworter. Um mit Köppel zu reden, das Stück wurde wohl von der “geballten Ausgrenzungsmacht” getroffen.

Bei der als Spass maskierten rassistischen Hetze der israelischen “Comedytruppe” Latma tv (feat. [by] Caroline Glick) steht dann wieder die künstlerische Freiheit im Vordergrund. Die Erwähnung von Kritik an Glick auf en.wiki wird mit vereinten Kräften weggewaschen; während bei Helen Thomas (s.u.) zB gar nicht genug davon sein kann. Von moralischer Asymmetrie zeugen auch die Aktivitäten von Raimund Fastenbauer (Israelitische Kultusgemeinde Wien).

Fastenbauer stand, als IKG-Funktionär, an vorderster Front bei der Kampagne gegen die Ehrentafel für den ukrainischen Dichter Iwan Franko an der Universität Wien, der ein „Antisemit“ gewesen sei. Die Uni gab dem Druck nach und veranstaltete eine Überprüfung der Vorwürfe – was Fastenbaur schon zu wenig ist, er kritisierte auch die Zusammensetzung der Kommission. 24 Er agitierte auch gegen Roger Waters von Pink Floyd vor dessem Auftritt in Wien, weil bei einer Bühnenshow eine “antisemitische” Symbolik (ein Schwein mit “jüdischem” Stern) verwendet worden sei, brachte das mit der “Israel-Kritik” von Waters in Verbindung.25 Die Freiheit der Kunst ist in solchen Fällen sowieso kein Thema, da geht es um eine Hexenjagd.

Bei “Stop Drop the bomb” redete Fastenbauer von der “westlichen Zivilisation”, von palästinensischer Mitschuld am Holokaust wegen eines Aufstands aufgrund dessen die Briten jüdische Einwanderung nach Palästina drosselten26, von jüdischer Toleranz ggü Moslems. Ein ander Mal, dass die NS-Verfolgung in Österreich im Kalten Krieg eingeschlafen sei (die US-Amerikaner wollte er aber dafür nicht schelten, das war zu Bush-Zeiten).

Ein Körperverletzungs-Urteil eines Kölner Gerichts 2012 wertete die religiös motivierte Penis-Beschneidung, wie sie bei Muslimen und Juden üblich ist, als Körperverletzung. Die Empörung unter vielen Juden und Moslems war gross. 2013 bezeichnete die Parlamentarische Versammlung des Europarates auch die Beschneidung von Buben zusammen mit der genitalen Verstümmelung von Mädchen als Grund „besonderer Besorgnis“. Das israelische Aussenministerium forderte die sofortige Rücknahme der europäischen Resolution. Ariel Muzicant, langjähriger Präsident der IKG Wien sagte, ein Beschneidungsverbot sei wie die „Vernichtung der Juden“. Fastenbauer sagte “…Teil unserer Kultur, werden uns das nicht nehmen lassen”.

Die Debatte bzw Verbotsforderung wurde von Necla Kelek und der Giordano-Bruno-Stiftung27 voran getrieben. Die Sache brachte/bringt Atheisten, Rechtspolitiker, Blogger einer bestimmten liberalen Richtung zusammen. Die “Anti”deutschen sind in der Frage des Beschneidungsverbots gespalten… Wie hat Sarrazin gesagt? Man dürfe über gewisse Themen nicht denken, reden, schreiben. Und manch einer, der sonst auf “Religionskritiker” und “Aufklärer” macht, pocht hier dann doch auf Religionsfreiheit, und deren Vorrang vor rationalen und universale Kategorien

„Es werde Licht“ auf Okto TV (Jorit Posset,…) ist eine vorgeblich religionskritische Sendung, tatsächlich aber eine islamophob-pseudolinke. Fastenbauer war dort zB einmal (~2013) in einer Diskussion, mit einer jüdischen religiösen Kopfbedeckung, wo er sich mit anderen Gästen wie Grigat und Michael Ley gegenseitig zunickte. Eigentlich hätte in dieser Sendung über die Fragwürdigkeit von Beschneidungen kleiner Buben aus religiösen Gründen, den juristischen Graubereich in dieser Frage, und die Empörungen über die Diskussion geredet werden müssen. Aber, natürlich wurden Fastenbauer keine kritischen Fragen dazu (oder einem anderen Thema) gestellt, wurde der Fanatismus in der Beschneidungsdebatte ausgeblendet. Auch die Verquickung von Religion und Politik (bzw Nationalismus) in USA, der Einfluss der Evangelikalen dort (besonders unter Bush jun.) oder religiöse Rechtfertigungen für zionistische Ansprüche sind dort kein Thema.

Die “säkular-humanistische Analyse”, die dort vorgegeben wird, beschränkt sich auf den Islam bzw was dort darunter verstanden wird, auch das “Menschenrechte zuerst” macht vor “heissen Themen” Halt.28 Und auch bezüglich islamischen Ländern und islamischer Diaspora wird (dort, wie allgemein in diesen Kreisen) nach politischen Gesichtspunkten ausgefiltert. Das saudi-arabische Regime kommt weitgehendst ungeschoren davon – die Auffassung von Religion (Islam), die es in die Welt hinaus trägt, die Verletzungen von Menschenrechte dort, dass es vom Westen militärisch aufgerüstet statt sanktioniert wird; bei diesen Pseudo-Linken wie auch bei den Neokonservativen im Westen, mit derselben Doppelmoral.

Martin Walser warnte 1998 in seiner Rede u.a. vor einer Instrumentalisierung des Holokausts, hysterische Aufregung war die Folge. Ein Leserbrief im “Spiegel” 05 dazu: „Man sollte ihm dankbar sein, wenn er dem liebgewonnenen deutschen Selbsthass, der jederzeit in Hass nach aussen umschlagen kann, zutiefst mißtraut.“ Es gibt inzwischen eine wissenschaftliche (?!) Arbeit über Antisemitismus in Walsers Arbeit… Wo bleibt hier das Stöhnen über “political correctness” und “Denkverbote”, die Freude über den “Tabubruch”? In anderen Zusammenhängen wird gefordert, dass Wahrheiten ausgesprochen werden müssen, dass Debatten ohne Hysterie geführt werden.

Jene, die alternative Theorien zu den Anschlägen in USA vom 11. 9. 01 vorbrachten, wie Cynthia McKinney, Mathias Bröckers, Andreas von Bülow, Gerhard Wisnewski, Udo Holey, haben Zorn und Diffamierung auf sich gezogen. Die “Planetengirls” bekamen Todesdrohungen als Leserkommentare und schliesslich wurde die Einstellung ihres Blogs erzwungen. So wie es ja auch Hoder einst ergangen war. Ulfkotte klagt auch kritische Blogger, u.a. Jochen Hoff (duckhome). Hassblogs wie gegenstimme.net oder sultanknish.blogspot bleiben dagegen unbehelligt.

Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt musste kürzlich einen Shitstorm (vor allem in sozialen Netzwerken) über sich ergehen lassen. Ein Adventskalender der Firma hat eine vermeintliche Moschee als Motiv. In Zeiten wie diesen… Den Kalender gibt es bereits seit zehn Jahren. Ähnlich ging es dem Lebensmittelhändler Spar, der in 20 Wiener Filialen Fleisch mit Halal-Zertifikat anbot. Spar reagierte, indem es das Angebot zurück nahm. Die Supermarkt-Kette knicke vor den Bedürnissen von Moslems ein, komme diesen zu weit entgegen, hatte es geheissen. Dann hat Spar aber gegenüber den rechten Hetzern Appeasement geübt.

Vor einigen Jahren gab es Aufregung um den Bürgermeister von Gföhl (Bezirk Krems), er soll in einer Stadtratssitzung gesagt haben: „Mir gehen die scheiß Asylanten sowieso am Oarsch, aber Schuld sind die Pressefritzen. Die gehören aufgehängt, de san wia de Juden“. In Medien wurde dann daraus: “der Bürgermeister soll sich antisemitisch geäußert haben”. Was er über Flüchtlinge und Journalisten sagte… Eine andere Meldung: Eine pensionierte Philologin aus Polen in Wien wurde wegen Verhetzung zu neun Monaten bedingt verurteilt. Die selbst ernannte „Verteidigerin des Abendlands“ hetzte über Facebook v.a. gegen Moslems, aber auch gegen Juden. Tja, ist das, dieses Urteil nicht ein Schlag für die Meinungsfreiheit durch die gutmenschliche Meinungsdiktatur, bedeutet es nicht ausufernde Political Correctness, Ausgrenzung eines Andersdenkenden, ein Denkverbot sowie die schleichende Aufgabe westlicher Werte?

Nach einem Faschingsumzug in Maissau (Bezirk Hollabrunn) im Februar 16 herrschte große Empörung. Auf einem Wagen waren islamfeindliche und flüchtlingsbeschimpfende Plakate sowie Aufschriften zu lesen. Auch „Asyl 88“ war als Autokennzeichen auf dem Wagen zu lesen (88 gilt in Neonazikreisen als Kürzel für “Heil Hitler”). Das Landesamt für Verfassungsschutz ermittelte. Ui, ist das nicht eine Dämonisierung von freier Meinungsäusserung?

“Israel-Kritik”

Die Behauptung, dass Israel der meistkritisierteste Staat der Welt sei, “entsteht” auf der Grundlage dass hier in anderen Fällen selbstverständliche Kritik als “Israel-Kritik” firmiert und diffamiert wird. “Israel-Kritik” muss quasi erst genehmigt werden; man vergleiche dazu, wenn man in Deutschland oder anderswo Merkel, die CDU oder die deutsche Politik generell kritisiert. Echte Diskussion über israelische Politik29 wird unterbunden. Es könnte etwas Unangenehmes heraus kommen, wenn man sich mit den Wurzeln des Konflikts auseinandersetzt, daher wird der “Überbringer” der Kritik “erschlagen”, anstatt auf diese einzugehen.

Willst du den Hund loswerden, sagst du, er hat Tollwut; magst du den Befund nicht, nennst du ihn antisemitisch. Broder sagt gleich pauschal „Kritik an der israelischen Politik, das ist der einzige zeitgenössische Antisemitismus, der von Bedeutung ist”; Kritik an bestimmten Israelis (in verschiedenen Formen) und bestimmten politischen Richtungen im Zionismus kommen aber auch von den Broders und Grigats, meistens an (echten) Linken. Ansonsten wird Einem meist (theoretetisch) das Recht auf Israel-Kritik zugestanden – diese dann als “antisemitisch” diffamiert. Die Grenze der Diskursfreiheit ist hier jedenfalls bald erreicht. Der “Antisemitismus”-Vorwurf kommt in der Regel nicht umso eher die “Kritik” “antisemitisch” ist, sondern umso unangenehmer der Befund ist. Israel-Kritik, Antizionismus und Antisemitismus werden als ununterscheidbares Gespenst an die Wand gemalt. Gegen einen, der im Nahost-Konflikt bezüglich Palästinensern gleiche Standards anwendet, wird ins Horn getutet und eine ganze Meute hetzt los, besonders in Deutschland, nicht nur gegen Augstein.

In Deutschland und Österreich kann man mit „Israel-Kritik“ alles verlieren (aber nicht nur hier), besonders wenn man in der Öffentlichkeit steht. Die Kritik wird als Diffamierung oder Delegitimierung, aus finstersten Motiven, behandelt, der Kritiker als Deutscher oder Österreicher erkenntlich gemacht, die Kritik als deutsch/österreichisch markiert. Bei Israel-Apologetik (die oft im wissenschaftlichem Gewand daher kommt) findet diese Ethnisierung nicht statt.30 Dabei würde gerade die deutsch-österreichische Israel-Manie viel zu analysieren geben… Kritiker israelischer Politik und Unterstützer der Palästinenser im Westen sind immer “Antisemiten”, aber die Zion-Fans im Westen (von den westeuropäischen Rechtspopulisten bis zu den nordamerikanischen Evangelikalen) werden nicht analysiert, egal wie viel Rassismus, (Ersatz-) Nationalismus, Menschenverachtung hier im Spiel ist.

Es bleibt nicht beim Lamentieren über Darstellungen des israelischen Vorgehens ggü den Palästinensern, oder bei Diffamierungen, die nächste Stufe sind direkte Interventionsversuche und Bedrohungen. Initiatoren nahostpolitischer lnformationsveranstaltungen, die von Eiferern verschiedener Art als “antizionistisch” eingestuft werden, müssen mit massiven Störungen und Diffamierungen rechnen. Eine schlimme Vergiftung der Meinungsfreiheit ist also fest zu stellen. Mutige Recherche und kritische Fragen, das Anlegen gleicher Standards, wird hier bestraft, es können Reaktionsmuster bei Kritik erlebt werden (zB das “unbefleckte Opferkostüm” anlegen), politisch korrekte Zurückhaltung aus Angst vor dem Antisemitsmus-Vorwurf ist zu beobachten, eine Art Selbstzensur. Gerade jene, die greinen, dass “Islamkritik” nicht möglich sei, pochen hier auf ein Tabu, setzen ungleiche Standards durch.

Merkel hat sich “besorgt” über “den fortdauernden Antisemitismus in Deutschland” gezeigt. Anlässlich eines bevorstehenden Jahrestags der Reichspogromnacht von 1938 bekannte sich die deutsche Kanzlerin in einer Videobotschaft zu ihrer Aussage, wonach die Sicherheit Israels zur Staatsräson Deutschlands zähle. Kritik an der Politik Israels sei legitim, die gebe es auch in Israel selbst. Aber sie trete “entschieden” dagegen auf, wenn pauschalisiert werde und mit Kritik an Israel Antisemitismus und Antizionismus durch die Hintertür zum Ausdruck kämen. In Wirklichkeit wird bei Israelkritik pauschalisiert und ihre Diffamierung geschieht indem durch die Hintertür Antisemitismusvorwürfe kommen, während der sehr oft in Israelsolidarität enthaltene Rassismus so gut wie nie thematisiert wird.

Darstellungen israelischer Realität, etwa Rassismus gegenüber afrikanischen Flüchtlingen, sind ein Tabu. Im Zusammenhang mit Israel etwas zu thematisieren, das bzgl anderen Ländern selbstverständlich ist, zB soziale Ungleichheit (geschweige denn, die Politik ggü Palästinensern), ist ein Minenfeld. Den Überbringer der schlechten Nachricht attackiert man lieber, als sich mit der Nachricht auseinderzusetzen (zB auch dass es in einigen Bussen in Jerusalem Geschlechtertrennung gibt, dass sich jüdisch-orthodoxe Soldaten weigerten, an Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen Frauen singen,…). Wenn man die enge Zusammenarbeit Israels mit Apartheid-Südafrika thematisiert, ist man bald ein “Israel-Hasser”. “Kritisieren” wird hier als “Angreifen” ausgelegt. Ein kritischer Artikel ist ein „antiisraelischer“. Man wird angegriffen wie eben der Arzt, der eine schlechte Diagnose gestellt hat.31

Der ZdJ hat vor einigen Jahren empört auf Aussagen deutscher katholischer Bischöfe zur israelischen Besatzungspolitik reagiert. Die Bischöfe hatten in einer Pilgerreise Israel inklusive der nicht formal annektierten (aber okkupierten) palästinensischen Restgebiete besucht. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke verglich die Zustände in den Städten dieser palästinensischen Gebiete mit dem Warschauer Getto. Der Augsburger Bischof Walter Mixa sprach zudem von israelischem Rassismus im Umgang mit den Palästinensern. Der damalige Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, sprach von Äusserungen mit “antisemitischem Charakter.” Das ist die Höchststrafe in Deutschland. Der Zentralrat erwarte von Kardinal Karl Lehmann, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, eine “Klarstellung”. Der israelische Botschafter Stein warf den Bischöfen Demagogie und Dämonisierung Israels vor. Auch von Journalisten wie Schapira & Co kamen, zuverlässig, Diffamierungen und Empörungen, mit dem “Hinweis” auf den Nationalsozialismus.

Deutschland soll aus NS/Holocaust lernen, heisst es (das ist auch so), aber nicht universale Massstäbe anlegen. Dass Viertel europäischer Städte wegen den dortigen Nord- oder Schwarzafrikaner (tatsächlich/angeblich) gefährlich bzw unzugänglich seien, ist eine der “unbequemen Wahrheiten”, die “ausgesprochen werden müssen”, nicht aus “politischer Korrektheit” zurück gehalten werden sollen. Aber: Wie es den Leuten in Hebron geht, unter den Siedlern und ihrer Armee… “Empathie aus dem Eisschrank“ für die Palästinenser? Und: Meinungsfreiheit, meine Herrschaften!

Als Netanyahu 2011 im USA-Kongress sprach, störte eine amerikanische Jüdin auf der Zuschauertribüne seine Show, protestierte gegen dessen Politik, wurde deshalb von den sie umgebenden AIPAC-Aktivisten krankenhausreif getreten. Netanyahu/Mileikowsky selbst rief ihr zu, hier könne man das machen (protestieren), nicht in den Scheinparlamenten von Iran oder Libyen. Echte Opposition in islamischen Staaten wurde aber oft vom Westen mit allen Kräften ausgeschaltet (zB Kommunisten im Irak, Jebeh-ye Melli im Iran, Moslembrüder in Ägypten,…), tja und echte Opposition zur israelischen Landnahme in Palästina findet sich zum grossen Teil in Gefängnissen oder im Exil, und im israelischen Parlament wird “sie” des öfteren des Saals verwiesen.

Erhard Arendt ist einer jener Blogger, die in Emails für ihre Inhalte bedroht und beschimpft werden. Nicht zuletzt aus dem Kreis von “Honestly concerned”, jener Agitations/Lobbyplattform, die mittels ihrer E-mail-Liste mobilisiert, Artikel, die Israel in irgendwelcher Art “kritisieren”, mit Kommentaren zu diffamieren und Druck auf die Herausgeber_innen der jeweiligen Publikation auszuüben. Ins Fadenkreuz von H.C. gerät man auch, wenn man ihre rassistischen Witze thematisiert. Auch Andere bekommen aus dieser Ecke Hass- und Drohmails bzw -postings. Welchen Vergleich hat Broder da bemüht? „Reichsschrifftumkammer“.

Der britische Journalist Robert Fisk („Independent“) berichtete, dass er und andere Journalisten, die israelische Politik kritisieren, es mit Hass-Emails und Todes-Drohungen zu tun bekommen. Octavia Nasr, eine griechisch-orthodoxe Libanesin, verlor den Job bei CNN nachdem sie privat Hisbollah lobte; noch eine Frau aus der arabisch-moslemischen Welt, deren Meinungen bei angeblichen Frauenrettern nicht erwünscht ist. Ähnlich war es ja Helen Thomas ergangen. Diana Magnay wurde von CNN nach einem Tweet zu Israels Gaza-Massaker (bzw den Schlachten-Bummlern dazu) versetzt. Auch der “Jerusalem Post”-Korrespondent Derfner verlor seine Stelle, nachdem er Ungehöriges geschrieben hatte. Oder “Ken Jebsen”,  der 2011 beim RBB entlassen wurde, nachdem er “verschwörungstheoretische Positionen” vertreten hatte und der Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn erhoben wurde.

09 berichtete die schwedische Zeitung “Aftonbladet” über den möglichen Diebstahl von Organen getöteter Palästinenser durch israelisches Militär. Der Bericht löste in der israelischen Öffentlichkeit eine Welle der Empörung aus. Es gab Boykottaufrufe gegen den schwedischen Möbelhersteller Ikea. Israels Ministerpräsident Netanjahu verglich den Bericht empört mit der “mittelalterlichen Ritualmordlegende” und forderte die schwedische Regierung zu einer Verurteilung des Berichts auf. Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt lehnte eine Entschuldigung oder Verurteilung mit Hinweis auf die in der Verfassung verankerte Meinungs- und Pressefreiheit ab. Aussenminister Avigdor Lieberman verglich die “fehlende Reaktion” der schwedischen Regierung mit dem angeblichen “Schweigen” während des Holocaust, warf Schweden Heuchelei vor. Zwei unbeteiligten Journalisten des “Aftonbladet” wurde auf Anweisung von Innenminister Yischai (unterschiedliche Angaben dazu) die Verlängerung oder Erteilung der Aufenthaltsbewilligung bzw die Ausstellung von Presseausweisen, die für journalistische Arbeit unter israelischer Herrschaft (also im gesamten historischen Palästina) Voraussetzung sind, verweigert.32

Das dafür zuständige israelische Regierungs-Presseamt hat vielfältige Möglichkeiten, Druck auf ausländische Journalisten auszuüben. Und um gefällige Berichte zu bekommen, werden diese auch zB in die Gebiete gefahren, in denen “Kassam-Raketen” einschlugen; jene, die auf der israelischen Seite der Grenze Fotos von feuernden Artilleriegeschützen machten, werden oft vom Militär gezwungen, diese Bilder aus ihren Kameras zu löschen. Und die Einreise in den Gaza-Streifen wird in den seltensten Fällen gestattet. Daneben gibt es eine militärische Zensurbehörde, die entscheidet, was in israelischen Zeitungen erscheinen darf, “Sicherheitsbelange” betreffend (ein Begriff, der sehr weit gedehnt werden kann). Und, die Militärverwaltung über die palästinensischen Rest-Gebiete zensiert palästinensische Medien. Es darf zB nicht “Jaffa”, es muss “Yafo” verwendet werden.33 Natürlich gibt es auch viel vorauseilenden Gehorsam in diesen Bereichen, in dem letzt genannten noch am wenigsten.

Tja, wenn das IT allgemein oder soziale Medien in der Türkei oder im Iran eingeschränkt werden, und wenn dies gegenüber Palästinensern geschieht… Wenn da Journalisten verhaftet werden oder dort.

In Frankreich gibt es ein Netzwerk zionistischer Organisationen, das gegen Alles vorgeht, was als “anti-israelisch” aufgefasst wird. Die Website “La Mena” prangert Journalisten an, denen das unterstellt wird, auf amisraelhai.org wird zB zu Boykotten aufgerufen. Betar oder Ligue de défense juive (Ableger der JDL) gehen auch physisch gegen Gegner vor, zB auf Demonstrationen für Frieden in “Nahost”. Andere demonstrieren vor den Sitzen “feindlichen Medien”. An die Hauswand des Redaktionsgebäudes von “Le Monde” haben sie “Le Monde = antisemite” und “Plantu = Nazi” gepinselt (“Plantu” ist Karikaturist bei “Le Monde”; er hat auch zu dem Brüssel-Anschlag 16 eine Karikatur gezeichnet).

Der bereits erwähnte Gilles-William Goldnadel betreibt das ideologische Geschäft mit dem Antisemitismus, verklagt Journalisten, im Verein u.a. mit der Ligue internationale contre le racisme et l’antisémitisme (Licra) und der Union des étudiants juifs en France (UEJF). Etwa Daniel Mermet vom Radiosender France Inter, weil Anrufer die israelische Regierung in einer von ihm moderierten Sendung kritisiert hatten. Mermet: “Bei einem so massiven Angriff auf die Meinungsfreiheit hätten die Leute eigentlich auf die Barrikaden gehen müssen…Obwohl sie verloren haben, schüchtern meine Verfolger die Journalisten weiter ein.”

Wenn man objektiv berichtet, gibts Zores; wenn man zB Kinderverhetzung auf beiden Seiten des “Nahostkonflikts” behandelt. Das Israelische mit dem Palästinensischen auf eine Stufe zu stellen, Skandal. Da müssen auch die “Mena-watch”-Funktionäre getobt haben.

A propos: Es gibt eine ganze Infrastruktur an Organisationen oder Initiativen, die sich dem Beobachten und Anprangern der Berichterstattung Israel betreffend gewidmet haben. Von CAMERA über MEMRI bis zum NGO-Monitor. Der leider stillgelegte Blog Mondoprinte über das bereits erwähnte SWC: “Es ist dann auch nicht weiter schlimm, dass ein Zentrum, das sich den Kampf gegen Judenhass zur Aufgabe gemacht und sich nach dem wichtigsten und berühmtesten Nazijäger der Welt benannt hat, sich so unverblümt der Sache Netanyahus und Liebermanns andient, dass es die relativ milde Israelkritik eines Jakob Augstein in eine Reihe setzt mit Ahmadinejad und Co. Dass es auch dieses Zentrum ist, dessen Vertreter dann keine Probleme damit hatten, die Zerstörung eines alten muslimischen Friedhofs in Jerusalem zugunsten eines Toleranzmuseums (Orwell, ick hör Dir trapsen) in Kauf zu nehmen, mutet fast wie Firlefanz an.”34

Stichwort akademische Freiheit und Geschichts-Politik: Die wissenschaftliche Karriere des US-amerikanischen Historikers Norman Finkelstein “scheiterte” an den Standpunkten, die er vertritt. Und Engagements und Vorträge von ihm werden bis heute zu verhindern oder zu stören versucht. Die zu der Partei Die Linke gehörende Rosa-Luxemburg-Stiftung knickte vor einigen Jahren ein und sagte einen Vortrag von Finkelstein ab; selbiges machte die Universität Wien 09 auf proisraelischen Druck, von Seiten SPME/Contreras, Aktion gegen Antisemitismus in Österreich/Neugebauer und IKG. Honestly concerned veröffentlichte dann die Kontaktdaten von dem Hotel, wohin er auswich… (Schikanen durch Mails gehört zu deren Spezialitäten). Liberale Juden setzten sich für den Vortrag ein. Wie war das bei Klenk: Es ist illegitim, gegen die Einladung von Leuten zu agitieren, die Einem nicht passen. So wie es die ADL bei einem Vortrag von Tony Judt erfolgreich getan hat.

08 hat Israel Finkelstein die Einreise verweigert und ihn stundenlang am Flughafen von Tel Aviv festgehalten. Er wurde anscheinend hauptsächlich zu einer voran gegangenen Libanon-Reise verhört. Er habe dort vermutlich Kontakt zu “Israel-feindlichen Elementen” aufgenommen. Und da seine Antworten als “nicht zufriedenstellend” eingestuft wurden, wurde der Wissenschafter zurück geschickt. Noam Chomsky, wie Finkelstein ein jüdischer amerikanischer Wissenschafter abseits des jüdischen Mainstreams, geht es ähnlich. Auch seine Vorträge werden wegen Drucks/Drohungen abgesagt oder gestört. Und, vor einigen Jahren versuchte Chomsky von Jordanien aus in das Westjordanland einzureisen – auch ihm wurde dies von Israel verweigert, auch er wurde mehrere Stunden “befragt”, an der Grenze. Er wollte einige Tage lang in den palästinensischen Autonomie-Gebieten bleiben und an der Bir-Zeit-Universität in Ramallah einen Vortrag halten.

So ging es auch dem UN(HRC)-Sonderberichterstatter für die besetzten palästinensischen Gebiete, Richard Falk, ebenfalls ein amerikanischer Jude; ihm wurde die Einreise verwehrt weil er “parteiisch” sei. Dem ehemaligen USA-Präsidenten Carter wurde ein frostiger Empfang und Schikanen bereitet, er konnte aber in das Land, und sich auch mit palästinensischen Vertretern treffen. Die nord-irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire (Corrigan) wurde am Flughafen in Lod/Lydda festgehalten und dann ausgewiesen. Sie hatte vor, sich in dem Land mit israelischen und palästinensischen Friedensaktivisten zu treffen. Die Liste ist lang. Auch Steven Georgiou (“Cat Stevens”, “Yusuf Islam”) hatte Probleme dieser Art, 2000. Zu Grass kommt hier noch etwas. Strache oder Petry sind dort willkommen, Grass oder Chomsky nicht; Palästinenser die von dort stammen, schon gar nicht, höchstens unter härtesten Bedingungen.

Die Veranstaltung “Remapping Palestine” vom Dar al Janub in Wien 2011 löste Aufregung, Diffamierungs- und Verhinderungsversuche aus, u.a. beim KA Christlich-jüdische Zusammenarbeit, SPME, den “Anti”deutschen in der ÖH, ADA, IKG (Fastenbauer), ÖIG. Besonders die Teilnahme von Ilan Pappe, der Klartext über die Nakba und die Entwicklung seither redet und schreibt, und jene von Joseph Massad, erzürnte. Pappe referierte dort über über akademische Freiheit anhand des Nahostkonflikts. Er ist einer jener, die die Grenzen wissenschaftlicher Freiheit erfahren mussten. Er war von der Universität Haifa ausgeschlossen worden, nachdem er sich des Themas Nakba annahm. Das bewirkte überhaupt einen Bruch mit „Mainstream-Israel“. Kritische Standpunkte zu Israel wie seine bekommen den Stempel „antizionistisch“, was ganz bewusst mit “antisemitisch” gleich gesetzt wird. Ein wohlfeiles Instrumentarium.

Pappe damals im Albert-Schweitzer-Haus: Zensurversuche seien die selbe Kraft wie jene, die zb Häuser zerstört. Er wies auch darauf hin, dass israelische Wissenschaft oft im Dienste des Zionismus steht; in der Zwischenkriegszeit sollte etwa der britischen Peel-Kommission die Kontinuität jüdischer Besiedlung (des Landes) von Historikern  “bewiesen” werden (um Ansprüche darauf zu untermauern). „Reclaiming Palestine“ im November 2014 rief die selben Diffamierungen und Verhinderungsversuche hervor.

“Scholars for Peace in the Middle East” (SPME) ist an vorderster Front beim Mobbing gegen unbequeme Professoren wie dem Palästinenser (in der USA) Joseph Massad aktiv, während sie den akademischen Boykott gegen Israel anprangern. Dabei arbeitet die Lobby-Organisation eng zusammen mit “Campuswatch” (nicht zuletzt auch gegen liberale Juden) oder “Israel on campus coalition”. Von ihrer Homepage gibt es Links u.a. zu “jihadwatch” und “lizaswelt”. Das “Frieden” in ihrem Namen zeugt von Zynismus oder aber von der Verdrehung dieses Begriffs im Zusammenhang mit Israel/Palästina. Die Zwangsjacken, die von diesen Wachhunden bereit gehalten werden, sind die des “linken Antisemiten” und des “jüdischen Selbsthassers”, und wenn das nicht reicht, wird eine “Querfront zu Rechtsextremen” gefunden.

Der Politikwissenschafter Gerhard Mangott wurde 07/08 angeprangert von Dropthebomb/SPME (da gibt es grosse personelle Überschneidungen), nachdem er DÖW-Neugebauer im “Standard” mit dem Gastkommentar „Anti-Iran-Bellizisten missbrauchen Shoah“ geantwortet hatte. Eine Lesung von Mosche Zuckermann am Wiener Zeitgeschichte-Institut wurde trotz Empörung und heftiger Reaktionen (u.a. von C. Heni) wenigstens nicht abgesagt.

CAMERA-Mitbegründer Charles Jacobs produzierte 04  mit Martin Kramer vom WINEP den vorgeblichen Dokumentarfilm “Columbia Unbecoming” – der u.a. eine Kampagne gegen Joseph Massad darstellt(e). Gleichzeitig wurde Massad in dem Buch “The Professors: The 101 Most Dangerous Acadamics in America” dämonisiert. Verfasser dieses Buches war der neokonservative Aktivist David Horowitz (ein Ex-Linker). Finanziert wurde die Treibjagd von Aubrey Chernick, der auch das “David Project” (Leiter Jacobs), israelische Siedlungen oder die ADL unterstützt und die “Sicherheitsfirma” NC4 betreibt. Daniel Pipes ist ebenfalls in den Kampagnen gegen Massad aktiv und wird von Chernick unterstützt. Er betreibt Campus Watch (Online-McCarthyismus, unliebsame Akademiker an den Pranger stellen), das Middle East Forum, u.ä. IT-Kampagnen. Und, er tut das teilweise in einem wissenschaftlichen Mäntelchen.

Der ägyptisch-schweizerische Wissenschafter Tariq Ramadan verlor durch Druck u.a. des Wiesenthal-Zentrums seine Lehrstellen in USA und der Schweiz. Dass die Aufführung eines Voltaire-Stücks in Genf von ihm verhindert worden sei, wird immer wieder gebracht; dass seine Karriere aber verhindert wurde… Man muss nur unablässig diffamieren – etwas bleibt hängen.

Die kürzliche UNESCO-Resolution zu Jerusalem/Quds/Jebus/Jerusalam löste heftige Proteste aus35 – auch aus der Wissenschaft in Österreich. Die Leitung der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien protestierte dagegen. Die “Ausblendung der engen Beziehungen zwischen Jerusalem und dem Judentum” sei ein „Akt fahrlässiger Geschichtsvergessenheit“. Unterzeichnet ist die Stellungnahme von der Dekanin Siegrid Müller (Deutsche) und den beiden Vize-Dekanen Jan-Heiner Tück (Deu) und Johann Pock. Eine christliche Theologie, die „Auschwitz als Zeitindex ernst nimmt“ und auf der „Erinnerung an die dunkle Nacht der Shoah“ beharre, müsse mit „gesteigerter Wachsamkeit“ alle „judenfeindlichen Tendenzen der Gegenwart“ im Blick haben. So könne christliche Theologie auch „nicht gleichgültig bleiben, wenn Juden in ihrem Selbstverständnis irritiert oder verletzt werden“, wie dies durch die UNESCO-Resolution geschehe. Die Resolution provoziere „Irritationen“ und schüre Konflikte „anstatt dazu beizutragen, dass Jerusalem als ‚Stadt des Friedens‘ ein Ort sein kann, an dem Juden, Christen und Muslime friedlich miteinander leben und die heiligen Stätten aufsuchen können.“ Die Wiener Fakultätsleitung schließe sich daher „uneingeschränkt“ dem Protest der Laien-Gemeinschaft Sant’Egidio an und fordere eine sofortige Rücknahme der Resolution.

Wissenschaft wird da mit Politik vermischt, Geschichte mit Geschichtspolitik bzw Religionsmythen durcheinander gebracht, nationalen und politischen Gefühlen ein Primat über internationale Politik (bzw Diplomatie) und Wissenschaft eingeräumt. Und völlig einseitig, blind, naiv und mit Scheuklappen wird die Sache behandelt. Den “Konflikt” auf die religiöse Ebene herunter zu brechen, das verschleiert ohnehin nur. “Israel” dehnt sich über ganz Palästina, ganz Jerusalem aus, es ist nicht Israel, das in Jerusalem seiner “Rechte” beraubt wird. Und es macht Sinn, sich die selbstherrliche israelische Siedlungs-/Verdrängungspolitik in dieser Stadt anzusehen, bevor man über friedliches Zusammenleben redet.

Mit “Säuberungen” und Siedlungen in und um Jerusalem begann es nach der Eroberung unter Bürgermeister Kollek ab 67. Israelisches Hauptanliegen war und ist ein Ring von Siedlungen (“Har Homa”,…) zwischen Ost-Jerusalem und der (noch) palästinensischen Stadt Bethelehem. Wem wird die Verbindung zur Stadt abgesprochen und wem wird sie gekappt? Zum 44. Jahrestag der Besetzung des Ostteils von Jerusalem durch Israel hat Netanyahu weitere Baumaßnahmen in diesen Stadtteilen angekündigt. „Vor 44 Jahren wurde die Stadt wiedervereinigt, und wir sind auf die Erde unserer Vorfahren zurückgekehrt. Die ganze Welt weiss, dass das israelische Volk und seine Freunde stolz auf Jerusalem sind“. Ein “Bibelpark” oder Technologie-Einrichtungen dort sollen Ansprüche unterstreichen und (nach aussen) verschleiern, was die Siedlungspolitik für die Palästinenser bedeutet, nämlich Enteignungen und Abrisse ihrer Häuser. Netanyahu wollte eine Mauer zu Ostjerusalem bauen, so wie überall hin. Aber, eigentlich gehört der Osten ja auch uns, also doch nicht. “Wir bauen in ganz Jerusalem, dem Herz der Nation” tönte er im letzten Wahlkampf; das wäre relevant hier, auch für die Katholisch-Theologische Fakultät der Uni Wien. Die “unteilbare und ewige Hauptstadt”, “uns gehört ganz Jerusalem, das ganze Land” (> und wenn Palästinenser solche Ansprüche erheben…). Die Siedlungen im Westjordanland und Ostjerusalem sind Netanjahu, prononciertem Verfechter von “Wettbewerb” und “freier Marktwirtschaft”, so wichtig, dass er dort auch jenen Sozialstaat zulässt, den er sonst ablehnt.

Wenn man über Jerusalem redet, soll man auch darüber reden, dass ultra-orthodoxe Juden in der Stadt sowie in der Umgebung, wie in Beit Shemesh, eine strikte Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben fordern und zT praktizieren. Oder dass es einen Protestmarsch Hunderter Flüchtlinge aus Afrika gab, die sich weigerten, zum abendlichen Einschluss in das für sie eingerichtete Internierungs-/Abschiebelager “Holot” in der Negev-Wüste zurückzukehren.36 Und in Jerusalem haben Strache und einige internationale Konsorten vor einigen Jahren ihre “Erklärung” abgegeben, auch das sei erwähnt, wenn man Klartext redet.

A propos Siedlungsbau: Der UNO-Sicherheitsrat forderte kürzlich ja das sofortige Ende des israelischen Siedlungsbaus in den palästinensischen Rest-Gebieten. Die USA enthielten sich überraschend, legten nicht wie von Israel gewünscht und wie üblich ein Veto ein. Schon vor der Abstimmung war die Rede von einer „Anti-Israel-Resolution“ , einer “umstrittenen Resolution”, dann von einem Schlag Obamas gegen Netanyahu (weil dieser den anhaltenden Siedlungsbau kritisch und als Hindernis für den Friedensprozess betrachtet…). Netanyahu reagierte auch vorhersehbar, griff Obama an, redete von einer „beschämenden antiisraelischen Resolution“, man werde sich nicht daran halten, statt dessen das Verhältnis zu der UN überprüfen, einen „Aktionsplan“ gegen sie ausarbeiten. Ausserdem hat Israel die Botschafter all jener Staaten ein bestellt, die für den Beschluss gestimmt haben (und die Israel auch anerkennen). Die ausländischen Vertreter sollten „gerügt“ werden. Wenn man darauf pocht, dass sich Israel an seine international anerkannten Grenzen hält…

Nachdem 2012 SPD-Politiker mit solchen der palästinensischen Fatah gesprochen hatten, schäumte der der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann: “Die SPD macht sich gemein mit einer Terror-Organisation, die zu Hass und Hetze gegen Juden aufruft. Die Partei sollte sich schämen”, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück müssten “jetzt ganz schnell erklären, was das zu bedeuten hat und sich davon distanzieren. Ich hoffe, sie wissen überhaupt, mit was für einer Organisation sie es hier zu tun haben. So ist die SPD ganz sicher nicht regierungsfähig”. Mondoprinte dazu: “Ihm geht es offenkundig darum, nicht nur der israelischen Regierung seine Solidarität zu zeigen, sondern sich auch auf das Niveau von Likud und Co. zu begeben: Letzten Endes, so hat man den Eindruck, ist jeder Palästinenser – qua Existenz – eine Provokation.”

Auch Martin Schulz wurde nach seiner Knesset-Rede schlimm angegriffen, aus dem Eintreten für eine einigermaßen gerechte Lösung wird im nu propalästinensich, antiisraelisch, nazi… Das musste auch “Jean” Ziegler erfahren, nachdem er auf israelische Grausamkeiten in Gaza (nach dem Abzug) hinwies.

Von “israel-kritischen” Juden wie Finkelstein, Chomsky, Pappe, Zuckermann, Falk war schon die Rede. Jüdische Zionismus-Kritiker wie diese oder Bunzl oder Goldstone werden auch immer wieder angegriffen, riskieren die Quasi-Exkommunikation aus der jüdischen Gemeinde. Von den “Anti”deutschen und ihren Freunden wird auch die antisemitische Einteilung in “gute” und “schlechte” Juden vollzogen.37

Die vom deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete israelische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer wirft jüdischen Intellektuellen wie Ralph Giordano, die gegen die Ordensverleihung Sturm laufen, eine “Verleumdungskampagne” gegen sie vor. Giordano hat gedroht, sein eigenes Bundesverdienstkreuz und sein Großes Verdienstkreuz zurückzugeben, falls Felicia Langer das Bundesverdienstkreuz nicht aberkannt werde. “Niemand hat in den letzten 25 Jahren mit einer an Blindheit grenzenden Einseitigkeit Israel mehr geschadet als diese angebliche Menschenrechtsanwältin”. Es ging ihm um einen Schaden für Israel, das sagte er auch, und dieser “Schaden” bzw ihre “Blindheit” kommt für ihn davon, dass sie den israelischen Umgang mit den Palästinensern thematisiert, abseits von Lobbyismus, Apologetik, Partikularismus.

Den französisch-israelischen Journalisten Charles Enderlin (TV5) traf eine aggressive Kampagne weil er in der al Dura-Sache eine andere Meinung vertrat als etwa Schapira. In Zuge dessen musste sich der französische jüdische Dachverband CRIF von seinen “Ultras” distanzieren. Alexandra Schwartzbrod musste ihre Stellung als Korrespondentin von “Libération” in Jerusalem zur Zeit der zweiten Intifada aufgeben. Die Lobby-Organisation “La Mena” hatte ihr “Anstiftung zum Rassenhass” und “antiisraelische Propaganda” vorgeworfen.

2012 hat die deutsche Holocaust-Gedenk-Stiftung EVZ die Unterstützung für die israelische interethnische NGO Zochrot (die für echte Koexistenz ist) beendet, aufgrund deren Unterstützung für das Recht während der Nakba vertriebener Palästinenser (bzw ihrer Nachfahren) auf Rückkehr.

Den eigenen “Ansprüchen” bezüglich künstlerischer Freiheit wurden Viele bei Mel Gibsons angeblich “antisemitischem” Jesus-Film „Die Passion Christie“ oder bei “Paradise Now” nicht gerecht. Auch die  türkische TV-Serie “Tal der Wölfe” rief Empörung und Wut hervor. Wie auch Filme, die palästinensische Realität unter israelischer Herrschaft zeigen, wie “Five broken cameras”. Gegen Filme wie “Der Goldene Kompass” mit Nicole Kidman38 rufen nur bestimmte Gruppen, wie streng religiöse Christen, zum Boykott auf. Aber: Jene, die gegen “Passion Christie” oder “Broken cameras” zetern, sind in der Regel jene, die mit “Homeland” oder “True Lies” keine Probleme haben und diese Werke durch künstlerische Freiheit gedeckt sehen.

Wie kurz der Weg ist von der Zuschreibung “propalästinensisch” zu “israelkritisch”, “antiisraelisch”, “antisemitisch”, musste Vanessa Redgrave erfahren, als sie  aufgrund ihres propalästinensischen Engagements vor der Oscar-Verleihung 74 Gegenstand von Hasskampagnen der JDL und ähnlicher Gruppen wurde, inklusive Bilderverbrennungen und Druck gegen die Verleihung des Preises an sie, für einen Film, der in keiner Beziehung zu ihrem Engagement stand.

Der ungarische Beitrag zum Song Contest 15, “Wars for Nothing”, thematisierte u.a. das israelische Massaker in Gaza; die israelische Botschaft in Budapest und Andere intervenierten, das Video wurde geändert. Der (von Diaspora-Armeniern aufgeführte) armenische Beitrag in diesem Jahr thematisierte ihren Völkermord, musste entpolitisiert werden. Die “Dixie Chicks” wurden 03 nach ihrer Bush-Kritik von manchen Radio-Stationen nimmer gespielt, in öffentlichen Aktionen CDs von ihnen vernichtet. Zu Zeiten des jungen Bush waren auch in Deutschland Manche äusserst hochmütig und ungeniert, man denke an die vulgäre Veranstaltung gegen die Frankfurter Buchmesse 04 (Schwerpunkt arabische Literatur) mit dem Motto „Regime change statt kritischer Dialog“.

Oder die hysterischen Reaktionen auf das Grass-Gedicht. Günter Grass hat 2012 in einem in mehreren Zeitungen veröffentlichten Gedicht geschrieben, „die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“. Er wirft sich vor, zu lange dazu geschwiegen zu haben. In dem Zusammenhang kritisiert der Schriftsteller auch die Lieferung von U-Booten „aus meinem Land“ nach Israel, das diese als Träger für sein Atomwaffenprogramm einsetzt. Und das ganz ohne Broder um Erlaubnis zu fragen. Grass löste mit seinen Gedanken ja ein Entrüstungsritual in der deutschen Öffentlichkeit aus. Ein sattsam bekannter politisch korrekter (?) Mob attackierte Grass und die Meinungsfreiheit, rief nach Zensur, prangerte ihn an, erschoss den Überbringer der Botschaft.

Das Gedicht und einige Reaktionen bei Arendt. Der iranische Staatsrundfunk und die NPD sollen Grass gelobt haben, was sofort dankbar ausgeschlachtet wurde.39 Wie zu erwarten, gab es von Broder, in „Die Welt“, noch bevor das Gedicht bekannt wurde, eine verbale Blutgrätsche. Und für Viele wurde erst jetzt Grass’ Waffen-SS-“Zugehörigkeit” ein Thema. Grotesk war, dass ausgerechnet aus der Israel-Lobby in Deutschland Lamentos über die “einseitige Anklage” und “Dämonisierung” (Israels) kamen…

Auch Aussenminister Westerwelle schloss sich dem Shitstorm an, anstatt auf das von Israel wegen des Gedichts erlassene Einreiseverbot zu reagieren. Auch andere deutsche Politiker machten mit bei der inquisitorischen Aufregung, von Polenz bis Özdemir. Auch Tel Aviv war erbost, mehrere Regierungs-Mitglieder und Spitzenpolitiker schalteten sich ein; Innenminister Yishai (Schas) erliess ein Einreiseverbot für Grass. Er erhob auch die Forderung nach Aberkennung des Nobelpreises für ihn. Seine “Fatwa” war grossteils durch innenpolitische Profilierung motiviert. Lieberman dumm-hysterisch wie gewohnt. Beilin zeigte seinen „Liberalismus“: Grass solle “kommen dürfen” und sich Sederot anschauen. Und Beilin sollte sich Gaza anschauen. Auch israelische Autoren wie Kaniuk, Z. Shalev, E. Amiri sowie der dortige Pen-Klub stimmten in den Chor der Verurteilung mit ein.

Eine hysterische Tirade von Andreas Koller in den „Salzburger Nachrichten“, mit reichlich “Antisemitismus”-Anklagen. Am Tag des Erscheinens des Artikels bekam dieser den Marcic-Journalistenpreis, nach einem Ustascha-Funktionär und Chefredakteur von Kollers Zeitung. Lendvai, der im “Standard” Poster und Kommentatoren zu dem Thema attackierte, müsste sich im Sinne Brechts ein neues Volk bzw Publikum suchen 40; die “Interessen der Mehrheitsgesellschaft” (s.o.) waren hier nicht mehr berechtigt… Möchtegern-Gutmensch Rubina Möhring griff im “Standard” nicht den Pöbel an, der gegen Grass hetzte, sondern benutzte eine Anti-Sinti-Geschichte der „Weltwoche“ um Grass anzuklagen (weil sich dieser dort nicht zu Wort meldete), und nicht etwa Broder der bei der “Weltwoche” schreibt. Rauscher schrieb im “Standard” über eine „pseudo-moralische Pose“ –  bei Grass und nicht beim Mob.41

Grass in Schutz genommen hat indessen der Präsident der deutschen Akademie der Künste, Klaus Staeck: “Man muss ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israel-Feind denunziert zu werden. Die reflexhaften Verurteilungen als Antisemit finde ich nicht angemessen. Grass hat das Recht auf Meinungsfreiheit auf seiner Seite und nur seiner Sorge Ausdruck verliehen. Diese Sorge teilt er mit einer ganzen Menge Menschen”. Zuckermann kritisiert die Hatz gegen Grass in der “taz”: „…medialer Amoklauf gegen ihn…tatsächliches Tabu…Broder, Graumann, Wolffsohn, Giordano agieren nicht zum Wohl Israels”. Lüders sagte, die israelische Regierung benutze die Iran-Thematik. Auch Gabriel (SPD), Gehrcke (Linke), Strasser (PEN-Klub), die EJJP, J. Augstein („Aufschrei deshalb, weil er Recht hat”), Muschg, A. Grosser, Vanunu, U. Steinbach, Chomsky, U. Avinery, H. Dabashi42 verteidigten Grass. Mely Kiyak, eine Kurdin aus der Türkei in Deutschland43, konstatierte, hier gebe es im Gegensatz zum Sarrazin-Buch tatsächlich eine hysterische Reaktion.

Grass bekräftigte seine Kritik am zionistischen Kriegsgetrommel. “Es ist mir aufgefallen, dass in einem demokratischen Land, in dem Pressefreiheit herrscht, eine gewisse Gleichschaltung der Meinung im Vordergrund steht”. Er präzisierte seine Kritik an Israel: dessen Atomwaffen seien auch gefährlich und gemeint habe er in erster Linie die Regierung Netanyahu wegen ihrem Siedlungsbau.

Bei Schmok schrieb einer: “Als 1959 die Blechtrommel erschien, die die Pogromnacht 1938 in Danzig beschreibt und deren letzter Teil nicht in Danzig und nicht an der Front, sondern in Düsseldorf der Nachkriegszeit spielt, sprach man noch so gerne von der ‘Stunden Null’…Als er Anfang der siebziger Jahre in Israel war und Menschen aus der zerstörten Danziger jüdischen Gemeinde interviewete, als er dann darüber in Tagebuch einer Schnecke schrieb, hatte die Bundesrepublik Deutschland bereits einen Altnazi als Bundeskanzler gehabt 44. Praktika und Urlaub in Israel waren noch lange nicht so cool wie heute und von Versöhnung und Hebräisch-Kursen hat man noch kaum gehört. Das waren anfängliche Versuche, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. Mittlerweile haben aber die Eliten dieses Landes einen leichteren Weg gefunden: Sie schwören dreimal täglich ihren Beistand für Israel, liefern Waffen und laden das ultra-nationalistische israelische Kabinett zur gemeinsamen Sitzung in Berlin ein. Weg mit Reflexion über historische Kontinuitäten und heutigen Rassismus in Deutschland, immer her mit Israels Sicherheit, Israels Rechte, Israels Sorgen… bejubelt dann die ‘jüdisch-christliche Tradition’ Deutschlands…”

In der Tat: Als das angeblich in seiner Existenz bedrohte Israel im Juni 1967 einen Krieg gegen seine Nachbarn vom Zaun brach und in der Bundesrepublik eine Welle der Begeisterung für den militärisch überlegenen jüdischen Staat ausbricht, war Günter Grass einer der wenigen Linken, die pro-israelisch blieben. Die Rechte wurde das, die Linke brach weg, vereinfacht gesagt. Grass versuchte am 3. Juni 67, kurz vor Kriegs-Ausbruch und kurz nach der Tötung des Anti-Schah-Demonstranten Ohnesorg, eine Versammlung an der Freien Universität in West-Berlin zur Abgabe einer Solidaritätsbekundung mit Israel zu bewegen (vergeblich). Der Westpreusse unterzeichnete dann die von 20 Vertretern der deutschen Linken wie Ernst Bloch, Martin Walser, Alexander Mitscherlich, Walter Jens, Alfred Andersch, Uwe Johnson, Helmut Gollwitzer abgegebene Solidaritätserklärung. Das „Deutschland denken heisst Auschwitz denken“ ist auch von Grass.

Als früherer Israel-Apologet war Grass hoch angesehen in den entsprechenden Kreisen, das änderte sich auch nicht durch seine Bekanntgabe der Mitgliedschaft in der Waffen-SS; sondern mit dem israelkritischen Gedicht, dadurch wurde auch das mit der SS ein Thema. Herzl Chakak, der Vorsitzende des israelischen Schriftstellerverbands, sagte: “Würde Grass gegen die nukleare Aufrüstung des Iran aktiv werden, könnte er so die Spuren des Hakenkreuzes auf seiner Kleidung löschen. Aber sein Kreuzzug gegen das jüdische Volk und Israel geht weiter, und dafür kann man ihm nicht vergeben.” Dem de.wiki-Artikel über die betreffenden U-Boote, der Dolphin-Klasse, und der dazugehörigen Diskussion kann man auch entnehmen, wie sehr diese Sache der historischen Entlastung dient und wie Manche dort ihren Charakter ausleben.

Die aggressiven Reaktionen auf das harmlose Gedicht haben gezeigt, wie weit das deutsch-jüdische Verhältnis von Aufrichtigkeit und unverkrampften Umgang entfernt ist. Und wie unbequeme Ansichten in Deutschland stigmatisiert werden. Wie war das: Die Position gar nicht auf Stimmigkeit hin zu untersuchen, sie stattdessen von vornhinein zu stigmatisieren… Meinungen werden von “Politkommissaren” diffamiert, es wird nach Zensur gerufen.

Die Grenzen der Meinungsfreiheit

Jene, die einfache Rezepte geben (alles muss erlaubt sein), sind oft erst recht Jene, die doppelte Standards anlegen. Das “Credo” von der “Gedankenfreiheit” oder “Radikalkritik” erweist sich immer wieder als leer bzw Einbahnstrasse. „Das wird man wohl noch sagen dürfen!” sagen Jene, die Anderen diese Attitüde zum Vorwurf machen. Das “Provokative” wird gefeiert wenn es eine gewisse Tendenz hat, sonst verteufelt. Aggressivität liegt entweder dann vor, wenn klare Worte ausgesprochen werden, oder wenn gegen diese Stellung genommen wird. „Berechtigte Unruhe in der Bevölkerung thematisieren“ oder aber doch die “Unruhe” in der Bevölkerung dieser zum Vorwurf machen.

Yusuf Halacoglu von der türkischen “historischen Gesellschaft” TTK, dann Abgeordneter der nationalistischen MHP, der den Völkermord an den Armeniern entschieden in Abrede stellt, sagte, es solle diesbezüglich Meinungsfreiheit geben – in der Schweiz, wo die Leugnung dieses Holocausts verboten ist, nicht in der Türkei, wo seine Thematisierung verboten ist.

Hinter dem Verlangen nach Meinungsfreiheit steht oft jene nach Hetze, während differenzierte, berechtigte Kritik als Tabu behandelt wird. Rechte greinen auch wegen fehlender Meinungsfreiheit für Eva Herman, David Irving oder Lutz Bachmann. Als der PEGIDA-Führer, wegen „gewöhnlichen“, unpolitischen kriminellen Delikten in Dresden vor Gericht stand, wurde er von zahlreichen Unterstützern empfangen und kündigte an, dass er den Prozess, mit einer „Zensurbalkenbrille“,  zur Selbstdarstellung als Märtyrer der „Lügenpresse“ nützen wolle. “Tabubrecher” wie er, Sarrazin, Wertmüller, Zschäpe, Breivik und ihre Fans sehen sich dauernd mit Maulkörben konfrontiert.

Auch Straches Anhänger zeigten sich in Massen empört, über die Zwänge der political correctness. Während die FPÖ rund 40 000 Parteimitglieder hat, gibt es auf Facebook bereits über 100 000 Fans des Auftritts von Parteichef Strache. Unter den rechtspopulistischen Parteien halten die “Blauen” mit diesen Zahlen den Europarekord, heisst es. Und, wo in Mittel- und Westeuropa schon fast jeder Haushalt einen Computer mit IT-Zugang (und das dazu gehörige Know How) hat, ist das IT vielfach Stammtisch-Ersatz geworden. Dort gibt es noch die “freie Rede“, in gewissen Diskussionsforen, Kommentarspalten, Facebook-Seiten, Blogs.

Und Strache wird auf fb von seinen Fans als Retter des Abendlands gefeiert. Was ihr Beitrag zu diesem ist, zeigt sich auch, dort wird ja Klartext geschrieben. Zu Natascha Kampusch schrieb dort einer „sperrts die oide in kölla dasa rua is“. V.a. gegen Flüchtlinge, Einwanderer, Moslems, Linke richtet sich der Volkszorn. Bei Feministinnen oder Homosexuellen bemühen sich manche in Zurückhaltung, man ist ja besser als die Muselmanen. Bundeskanzler Kern wurde auf der Seite von Strache mit einer „9 mm“ bzw. einer „schnellen Kugel“ bedroht. So eine Polemik wird doch noch erlaubt sein. Nach einer Brandstiftung im Wiener Neustädter Dom, die von einem türkischstämmigen Burschen begangen wurde, hiess es von einem Wutbürger: “Ein Türk ein Strick ein Baum ein Genick billigste Lösung.” Nur keine Denk- und Sprechverbote.45 Nach dem Massaker des Islamophoben in Norwegen schriebt eine Strache-Anhängerin von einer „Mitverantwortung jener Politiker die für Zustände verantwortlich sind, über die sich der psychpathische Attentäter aufregte“. Natürlich, im Grunde hat er ja Recht gehabt.

Nach der (falschen) Strache-Behauptung, dass Moslems mit rot-grüner Unterstützung den Nikolaus in Wiener Kindergärten verhinderten, schäumt der Mob bei ihm auf fb, zB „glei bei der grenz gehörn die männer kastriert und frauen sterilisiert..“. Unter einen „Salafisten-kritischen“ Text postete Einer „Wir brauchen diese Untermenschen nicht!!! Affen sind für mich noch intelligentere Lebewesen als diese unterentwickelten Muslime!!!“. “Flüchtlingsgegner” fühlen sich auch in Deutschland ausgegrenzt, werden nicht mit Kritik an ihrer Kritik fertig. Der deutsche Justizminister Heiko Maas erhielt Morddrohungen, einige gingen über Zuschriften hinaus: „Jemand hat eine Neun-Millimeter-Patrone in den Briefkasten meiner Privatwohnung geworfen.“

Es ist ein Unterschied, ob Empörungen über etwas bewusst provoziert (hervor gerufen) wurden, oder ob diesen ein Übersehen zu Grunde liegt. Anlässlich der Fussball-WM 1994 etwa hat McDonald’s Flaggen aller (damals 24…) Teilnehmer auf ihren Papiertüten abgebildet, auch jene von Saudi-Arabien, dessen Team damals erstmals bei einer WM war. Islamistische Gruppen empörten sich, da ja diese Tüten irgendwann in den Mist geschmissen werden und damit auch das islamische Glaubensbekenntnis, die Schahada, die in weisser Schrift auf grünem Grund die saudische Flagge ausmacht. Somit sei eine Schändung des Islams gegeben. Das war kein grosser Aufregungs-Sturm, aber es war lächerlich; und anmaßend und fanatisch. Wenn man ernsthaft erwartet, dass auf so etwas Rücksicht genommen wird, muss man sein Fussball-Nationalteam abschaffen.

Aber es gibt eben auch Fälle, wo gezielt auf Aufregung und Empörung hin gearbeitet wird. Und diese Reaktionen werden dann als Beleg für die Verdorbenheit der “Gegenseite” angeführt. Und auch zur Relativierung und Legitimierung der eigenen Ressentiments. Zur De-Legitimierung der Anliegen dieser Seite.

Dieses westistische Überlegenheitsgehabe… Jauch liess einen herausgeschmissenen Störer in seiner Sendung zurückholen mit „Wir sind hier nicht in der Ukraine“; ähnliches geschah bei Lanz mit Barbusigen die angeblich gegen Arbeitsbedingungen in Katar protestierten.

Bei Filmen wie “Fitna” wird Kritik daran als Einschränkung der Meinungsfreiheit gesehen, bei Filmen wie “Passion Christie” sei Kritik Ausdruck von Meinungsfreiheit. Bei “Homeland” ist nicht der Rassismus das Problem, sondern der Hinweis darauf, die Thematisierung.

 

Von Anderen:

Causa Grass

Zu Böhmermann

Thomas Steinfeld: Unsere Hassprediger

Über die Schwierigkeiten von Veranstaltungen in Deutschland, auf denen Israel nicht nur als Objekt der Beschönigung behandelt wird

Warum es selbst in den USA keine ganz freie Rede gibt

Zensur bei “Das Leben des Brian”

Ausladung der palästinensischen Christin und Frauenrechtlerin Sumaya Farhat-Naser vom ARD 09

Zensur bei Alma – A Show Biz ans Ende

Carlos Latuffs Internet-Seite

Noam Chomsky: Media Control (dt. 2006)

Ilan Pappe: Out of the Frame: The Struggle for Academic Freedom in Israel (2014)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Es gab übrigens auch in Polen Aufregung über Böhmermann. In dessem Video „Be deutsch“, das rechte Politiker aufs Korn nehmen soll, wurde neben US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump, Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban und Frankreichs Front-National-Chefin Marine Le Pen auch die polnische Premierministerin Beata Szydlo kurz eingeblendet. In den Hauptnachrichten des mittlerweile auf Linie der rechtskonservativen Regierung gebrachten polnischen Fernsehens hieß es, der Clip „diskreditiert aggressiv Politiker, mit denen Berlin im Clinch liegt“
  2. Eigentlich war das viel schlimmer als dass seine Mutter Mohammed als “Kinderschänder” bezeichnete. Die geschändeten Kinder lehnt Winter übrigens genau so ab, so wie jene die die zu Tode Verurteilten im Iran anführen oder andere islamische/orientalische Islamismus-Opfer
  3. Irgendwo auf dem Foto von Jerusalem müsste auch das “Teddy-Stadion” zu sehen sein. Wenn man sich mit den Fans des dort spielenden Beitar-Klubs beschäftigt, weiss man was Rassismus und Rechtsextremismus ist. Dass bei Beschäftigungen mit tatsächlichem oder vermeintlichem “Antisemitismus” Rassismus in die andere Richtung immer ignoriert, darüber wird es in einem kommenden Artikel gehen
  4. Die iranischen Mullahs haben auch “Nicht ohne meine Tochter” “islam-feindlich” genannt; sie treffen sich dabei mit jenen rassistischen Kulturalisten die den Iran rein über den Islam definieren wollen und leisten jenen Vorschub, die ihren Rassismus hinter “Islamkritik” verstecken wollen
  5. Wenn man sich ansieht, worüber Timmerman sonst noch so schreibt, weiss man etwas mehr über dieses Milieu. Etwa ein Buch über westliche Waffenlieferungen an Saddam Hussein – die dieser hauptsächlich im Krieg gegen Iran eingesetzt hat. Oder eines, in dem der Kämpfer für die Rechte von Afro-Amerikanern, Jesse Jackson, diffamiert wird
  6. Jedenfalls auf seiner Homepage, möglicherweise auch im “Falter”
  7. In Schirrmachers Buch
  8. Also, wenn man zB nahelegt, verrücktes Beispiel, dass ein Irak-stämmiger Österreicher mit historischen oder aktuellen Sünden des Islams in einer Art Verbindung steht
  9. Nebenbei: Klenk hat auch zur Skandalisierung eines Romans von Thomas Steinfeld beigetragen, in dem ein anderer Schirrmacher, FAZ-Frank, als “Vorbild” für das Mordopfer ausgemacht wurde
  10. In den 30er/40er-Jahren profaschistisch
  11. Bei der Ausstrahlung wurden die zwei entsprechenden Folgen deshalb von Comedy Central “entschärft”
  12. (Christliche) Schwarzafrikaner, Griechen, Inder, oder Mizrahis sind hier des Öfteren implizit oder dezidiert mit gemeint
  13. Der Rat der muslimischen Theologen in Südafrika warnte auch davor, dass die Veröffentlichung der Zeichnung gewalttätige Folgen für die Fussball-WM in dem jahr in Südafrika haben könnte
  14. Im November dieses Jahres die noch schlimmere Terror-Attacke in Paris
  15. Netanyahu etwa nutzte das Hebdo-Massaker um gegen die Anerkennung Rest-Palästinas und für die Einwanderung französischer Juden nach Israel zu werben
  16. Die deutsche Bundespressekonferenz hat sich kürzlich für eine Satire über Flüchtlinge entschuldigt. Zum Bundespresseball war ein „Almanach“ über Schwimmkurse für Flüchtlinge im Mittelmeer erschienen und hatte für Empörung gesorgt. Ist das nicht schon ein Einknicken, sich zu entschuldigen?
  17. Ein Rechtsanwalt hat im Namen der Gemeinde eine Beschwerde gegen „Charlie Hebdo“ eingereicht
  18. Laut „Django Asül“ ein CDU-ler mit Russpartikelfilter. Kretschmann plädierte für eine Koalition der Grünen im Bund mit der CDU (wie in BW) und warnte vor einem Zusammengehen mit den Linken. Er war beim KBW, wie viele der ärgsten (ex-)linken Reaktionäre
  19. Aber: er hat ja zu Israel keine grössere Nähe als zu Island, nein
  20. Die tatsächliche/vermeintliche Hegemonialität eines Ressentiments bzw einer Haltung zeugt also in dem einen Fall von dessen Richtigkeit, im anderen ist es ein Grund für schlechtes Gewissen
  21. U.A. sagte er: „Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden?…Daher sind weder ‚die Deutschen‘ noch ‚die Juden‘ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts.“
  22. Während jener Oberst, der in Afghanistan Unschuldige beschiessen liess, befördert wurde
  23. Das erinnert an den Gegensatz zwischen dem ZdJ und Noll
  24. Wie war das mit den “Spielregeln der political correctness”, den verletzten Gefühlen? Zu jenen, die diese Kampagne mit-tragen, gehört, journalistisch, wie zu erwarten, Christa Zöchling vom “Profil”
  25. Auch A. Foxman von der ADL prangerte (u.a. auf Fox) Waters/Pink Floyd deshalb an; Waters antwortete, dass dies dessen Interpretation sei und zitiert das “Mission Statement” der ADL von 1913 wo es gegen Diffamierung auch von Nicht-Juden gehe, das sollte man beherzigen anstatt mit Steinen aufeinander zu werfen
  26. Er meinte wahrscheinlich den (von den Briten nieder geschlagenen) Aufstand 1936-39, der sich gegen die aggressive zionistische Siedlungs- und Vertreibungspolitik richtete, die schliesslich fortgesetzt wurde. A propos: Wie war das denn mit dem von den Briten angefachten Aufstand der Palästinenser und anderer arabischer Völker im 1. Weltkrieg?
  27. Die den neoliberalen Atheismus von R. Dawkins promotet, Teilnehmer der “kritischen Islamkonferenz”. Und Kelek arbeitet(e) u.a. mit Sarrazin und R. Giordano zusammen, ist Referenzfigur für Broder…
  28. Wie war das bei Broder & Co: “Anlagen werden doch tatsächlich vererbt” (zum Sarrazin-Buch), “Selbstzensur” ist abzulehnen,…
  29. Und “Israel” erstreckt sich seit 1967 auf das ganze historische Palästina, de facto. Das was die äusserste zionistische Rechte zu einem de jure-Zustand machen will, ist längst Realität, auch wenn man den Palästinensern ein paar “Inseln” gelassen hat, noch
  30. Auch die deutsch-israelische (auch militärische) Zusammenarbeit wird natürlich nicht in dieses Licht gestellt
  31. Auch “Haaretz” wird schon als “anti-israelisch” eingestuft, u.a. von der Partei Yesh Atid
  32. David Gall von “Hagalil” hat anlässlich der Karikaturenkrise (zu U. Sahm, der auch honestly concerned ist) gesagt, “Es ist doch verrückt, dass in Jemen 150 000 Menschen auf die Straße gehen, nur weil eine Zeitung in Aarhus ein paar Karikaturen veröffentlicht. Die dürften kaum wissen, wo Aarhus liegt. Ich weiß es selber nicht.” Irgend etwas sagte mir, dass er dann wusste, wo das “Aftonbladet” zu Hause ist
  33. Vor einigen Monaten hat die israelische Militärverwaltung auch einen Radiosender in Hebron mit Gewalt geschlossen, weil dieser Falschinformationen verbreitet habe, die zu Gewalt aufgestachelt hätten. – Aus der Sicht des Besatzers ist natürlich nicht die Drangsalierung der Bevölkerung durch Siedler und Soldaten das Problem. sondern die Unruhe, die diese Drangsalierung bewirkt
  34. Die organisierten zionistischen Aktivitäten auf Wikipedia, Youtube, Online-Foren sind ein benachbartes Thema, darum wird’s ein anderes Mal gehen
  35. Der israelische Vizeminister Kara bezeichnete die jüngsten schweren Erdbeben in Mittel-Italien als Strafe für die “gegen Israel gerichtete” Resolution der UNESCO. Ein italienischer Priester der Mitarbeiter des erzkatholischen Radiosenders Radio Maria ist, hat das Erdbeben ebenfalls als „Strafe Gottes“ bezeichnet, für die jüngst beschlossene Legalisierung von homosexuellen Lebenspartnerschaften
  36. Israel sieht sie als illegale Einwanderer ein und behauptet, es habe keine Kapazität, sie aufzunehmen
  37. „Bahamas“: “…diejenigen teile der jüdischen Gemeinde, die sich im Zuckermann-Diskurs verfangen” hätten. Auch “lizas welt” u.ä. schreiben gegen „falsche Juden“ wie Uri Avineri. Man vergleiche dazu den Umgang mit Mossab H. Youssef oder Nasrin Amirsedghi… Auch “Vaterlandsverräter”, “Renegaten” und “Selbsthasser”?
  38. Eigentlich ein bunter Fantasyfilm für die Familie, in dem es um Magie und sprechende Tiere geht. Aber die Buchvorlage des Atheisten Philip Pullman hat eine deutlich anti-klerikale Botschaft hat und Kirchenleute werden als Gedankenpolizisten dargestellt
  39. Wie war das bei Breivik? Wo sich dessen politische Bezugsfiguren und ihre Apologeten nach dem Massaker empört dagegen verwahrten, mit ihm in Zusammenhang gebracht zu werden. Robert Spencer, am öftesten in Breiviks Manifest genannt: “Wie Beatles von der Manson-Familie missbraucht”. Und die NPD, gegen wen hetzt die denn üblicherweise, und wer sind ihre Bezugsfiguren?
  40. A propos: Gegen Brecht gab es in der Nachkriegszeit aufgrund seiner politischen Haltung Boykott-Bemühungen, die auch von den „Salzburger Nachrichten“ mit getragen wurden
  41. Immerhin gab er zu: „Es gibt allerdings einiges, was zu Israel gesagt werden muss: dass Israel mit seiner Siedlungs- und Besatzungspolitik ins Unheil steuert; oder dass die Angriffspläne der Regierung Netanjahu gegen den Iran an Wahnsinn grenzen.” “Das muss allerdings von denen gesagt werden, die echte Freundschaft und Verantwortung für Israel empfinden. Aber nicht von Grass.“ – Ja, das Privileg auf Israel-Kritik hat nicht jeder
  42. US-amerikanisch-iranischer Columbia-Professor, auf der Blacklist von Pipes
  43. Frau und kurdisch; sie ist aber zu selbstbestimmt, als dass sie in Deutschland auf grössere Akzeptanz stossen könnte; so wird sie u.a. von PI und der Springer-Presse angegriffen
  44. Kiesinger
  45. Übrigens, die religiös-ethnische Markierung von Tätern/Opfern wird üblicherweise nicht konsequent, sondern sehr selektiv, durchgezogen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*