Girardelli, Mühlegg, Tchmil & Co – Nationswechsel im Sport

Ein Nationswechsel ist gegeben, wenn ein Sportler für 2 Staaten bzw Verbände bzw Nationalmannschaften antritt. Dies ist auch bei der Auflösung bzw Umwandlung eines Staats gegeben, wie beim Auseinanderfall der Sowjetunion, Jugoslawiens, der Tschechoslowakei, der Wieder-Vereinigung Deutschlands. Echte Nationswechsel sind das aber nicht. Man kann diverse Muster in den verschiedenen Sportarten über die Jahrzehnte hinweg ausmachen, Arten von Nationswechseln und Ähnlichem. Sportler, die die Nation wechseln, waren/sind immer wieder solche, die im Kalten Krieg aus dem Ostblock flohen, „Volksdeutsche“ die in die BRD gingen (auch nach Ende des Kalten Kriegs), Jene die der Konkurrenz im eigenen Land entgehen wollen, oder für die das Legionärtum in einer ausländischen Meisterschaft das Sprungbrett zu einem „vollständigen“ Wechsel in dieses Land wird. Bei Trainern ist bei der Arbeit für eine andere Nation die Hürde klarerweise viel niedriger.

Dann gibt es Jene, die einwanderten bevor sie Sportler wurden oder deren Vorfahren eingewandert sind. Oft aus ehemaligen Kolonien in die früheren „Mutterländer“, oder zu Kolonialzeiten, wie die Eltern von Zinedine Zidane oder der Vater von „Frank“ Rijkaard. Ein völlig anderes Thema sind eigentlich autochtone Minderheiten eines Landes, die dieses sportlich repräsentieren. So wie Südtiroler im Ski- oder Eishockeyteam Italiens, der Armenier Teymourian im Fussball-Nationalteam des Iran, oder der wolga-tatarische Finne Atik Ismail im jenem Finnlands. Bei den Wolga-Tataren Finnlands zeigt sich aber die Relativität von Autochthonie: Diese kamen zur Zeit der russischen Herrschaft (die vom frühen 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert ging) aus Russland. Auch die Latinos in der USA stammen hauptsächlich von Einwanderern ab. Oder die meist aus der Karibik stammenden Schwarzen in England, die in dessen Fussball stark vertreten sind. Einteilen könnte man die Nationswechsel nach Sportarten (wie es weiter unten dann auch geschieht), nach der Periode, nach den betreffenden Ländern.

* Marc Girardelli, ein Vorarlberger mit italienischem Namen/Wurzeln, verliess 1976 im Alter von 12 den Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) im Streit, bzw aufgrund von Vorwürfen seines Vaters Helmut an diesen. Er startete fortan für Luxemburg, wurde von seinem Vater betreut, eine echte Einbürgerung erfolgte später. 1979/80 fuhr er seine ersten Weltcup-Rennen, wenige Jahre später war er mitten in der Weltspitze, trotz einer zwischenzeitlichen Verletzung. Der Schweizer Pirmin Zurbriggen wurde sein grosser Konkurrent, v.a. im Kampf um den Gesamt-Weltcup. Den Girardelli 1985 erstmals gewann. An Olympia ’84 durfte er nicht teil nehmen, da er noch nicht luxemburgischer Staatsbürger war. Bei der Ski-WM 1985 in Bormio durfte Girardelli hingegen an den Start gehen; der Internationale Ski-Verband (FIS) erteilte ihm dazu die Erlaubnis, mit der Begründung, dass das Gesuch auf die Staatsbürgerschaft eingebracht worden war.

1987 wurde er schliesslich Staatsbürger Luxemburgs. In der zweiten Hälfte der 1980er wurde er auch in der Abfahrt Weltklasse. Es gab Verhandlungen mit dem ÖSV über eine Rückkehr, die dem Fahrer v.a. bei der Vorbereitung für Abfahrten geholfen hätte (für Abfahrtstrainings braucht man einen ganzen Berg,…) und dem Verband beim Kampf um den Gesamt-Weltcup, der für den ÖSV damals ausser Reichweite war. Sie scheiterten aber daran, dass Helmut Girardelli vom ÖSV eine Art Rückerstattung von Kosten forderte, die er in Marcs Training etc investiert hatte. Aufgrund seiner Allrounder-Qualitäten (er hat auch die Abfahrten in Kitzbühel und Wengen gewonnen, 5 Mal den Gesamt-Weltcup,…) und seiner langen Karriere, die Ende 96 endete, ist er der vielleicht beste Alpin-Skifahrer bis jetzt.

Höchster Berg in Luxemburg, wo Girardelli nie gelebt und schon gar nicht trainiert hat, ist ein Hügel namens Kneiff im Norden, an der Grenze zu Belgien, etwas über 500 Meter hoch. Das Interesse am Skisport hält sich in dem Grossherzogtum auch in Grenzen. Girardelli war aber nach der Sportler-Karriere Geschäftsführer der Skihalle in Bottrop in Deutschland, nicht so weit weg von dort. Zum Abschied vom ÖSV sagte Girardelli vor einigen Jahren „Es war wirklich eine unglückliche Entscheidung, Heutzutage würde man sagen: ‚Komm, wir holen alle Parteien an einen Tisch.‘ Aber die Situation war damals verfahren und verfeindet“.

* Der Ski-Langläufer Johann Mühlegg aus Bayern wurde in den 1990ern Mitglied des DSV-Weltcup-Teams. Und begann einen Streit mit Teamtrainer Georg Zipfel, dem Mühlegg vorwarf, sein Wasser spirituell zu verunreinigen. Dabei dürfte er unter dem Einfluss einer in Deutschland lebenden Portugiesin gestanden sein, die ihren Lebensunterhalt  als Putzfrau verdiente. Von der Weltmeisterschaft 1995 in Canada wurde Mühlegg nach Hause geschickt, nachdem er seinen „Wahn“ auch dort ausgelebt hatte. 1998 wurde er aus dem Team ausgeschlossen, ab 1999 startete er für Spanien (dessen Staatsbürger er damals auch wurde), gewann gleich den Gesamt-Weltcup. Dann Olympia 2002: Mühlegg gewann drei Rennen bzw 3 Gold-Medaillien, bekam Glückwünsche des spanischen Königs.

Dann wurde er des Blutdopings überführt (er bestritt es). Die Medaillien wurden ihm aberkannt, er 2 Jahre gesperrt. Der DSV, eben noch mit Vorwürfen konfrontiert, wie man einen solchen ziehen lassen konnte, durfte sich bestätigt fühlen. Kurz vor Ablauf der Sperre ’04 trat er zurück. Langlauf ist neben dem Radfahren und einigen Leichtathletik-Disziplinen der vom Doping am stärksten versauteste Sport. Mühlegg hat eine Autobiografie auf den Markt gebracht und soll nun in Brasilien leben. Vor einigen Jahren soll er auf Wikipedia versucht haben, den Artikel über sich zu verändern.1

* Andrei Tchmil wurde in Khabarovsk in Sowjet-Russland geboren. Die Familie übersiedelte, noch in Sowjet-Zeiten, in die Ukraine, wo er mit dem Radsport begann. So kam er in eine Radsport-„Kaderschmiede“ in der Moldawischen SSR. 1989 ermöglichte ihm Perestroika und sein Talent, für ein italienisches Team professionell zu fahren. Bei Weltmeisterschaften trat er noch für die SU an. 1991/92 wurde er Staatsbürger von Moldawien/Moldau. 1995 wurde er Ukrainer und 1998 Belgier, als er für ein Team aus diesem Land fuhr. 2006 bis 2008 war er in Moldawien Sport-Minister. Dort wird sein Name Cimili (rumänisch) bzw Чмиль (russisch-ukrainisch) geschrieben.

* In der Leichtathletik gibt es einen „massenhaften“ Nationenwechsel von Athleten in finanzstärkere Länder, v.a. in Staaten der arabischen Halbinsel bzw der Golf-Region, v.a. nach Bahrain und Katar. Der afrikanische Leichtathletik-Verband CAA will dieses Länder-Hopping stoppen. Eigentlich sind Athleten bei einem Nationenwechsel drei Jahre lang für internationale Wettbewerbe gesperrt, aufgrund der Regeln des Weltverbands IAAF. Werden sich die beteiligten Verbände aber über die „Ablösemodalitäten“ einig, muss man nur noch ein Jahr pausieren. Und in vielen Fällen hilft Geld dann bei der Einigung. Exemplarisch ist hier der Langstreckenläufer James Kwalia aus Kenia zu nennen, der 2004 nach Katar wechselte.

* Auch Katars Handball-Nationalmannschaft besteht zu einem grossen Teil aus hauptsächlich in Europa angeworbenen Spielern, machte mit ihnen einen internationalen Aufstieg (Silbermedaillie WM ’15). Danijel Saric, ein serbischer Bosnier, spielte in den 00ern für Serbien-Montenegro und Serbien, dann für Bosnien-Herzegowina. 2014, als er noch für den CF Barcelona spielte, wechselte er zum Nationalteam Katars. Inzwischen spielt er auch in der Handball-Liga dieses Landes. Ein anderes Beispiel hier ist der Ägypter Hassan Mabrouk.

* Der Eishockey-Spieler Peter Stastny hat 1980 aus der CSSR „rüber gemacht“, kam so in die NHL. Er hat bei einem Canada Cup für Canada gespielt, dieses Turnier (das heute World Cup heisst) zählt nicht als IIHF-Bewerb, daher war das kein Problem. Nach den Wenden in Osteuropa konnte er zu seinen Wurzeln zurück kehren, für die nun unabhängige Slowakei spielen. Er tat dies bei Olympia 94 und der B-WM 95, als er am Ende seiner Karriere war. Als das slowakische Team 96 erstmals bei einer A-WM antreten durfte, spielte er nicht mehr. Wie Tchmil ging er in die Politik, war 2 Perioden lang Abgeordneter im EP, für die SDKU-DS. Im Eishockey sind es ansonsten meist Kanadier, die für die NHL und/oder das Team Canada nicht gut genug sind, die die Nation wechseln. Oder Spieler aus Ex-SU-Republiken, die für Russland spielen, obwohl sie nicht von dort stammen. Es gibt aber auch die für Kanada Spielenden, die von anderswo stammen und die Russen, die für andere Nachfolgestaaten der SU spielen.

* Die fünf niederländischen Eisschnellläufer Jorrit Bergsma, Robert Hadders, Arjan Stroetinga, Frank Vreugdenhil und Christijn Groeneveld wollten der grossen Konkurrenz im eigenen Land in diesem Sport durch einen Nationenwechsel entkommen, sich so für Winter-Olympia 2010 in Vancouver qualifizieren. Von ihrem Trainer Jillert Anema geleitet, wurden sie wahrscheinlich 2009 Staatsbürger Kasachstans und liefen von da an für dieses Land. Ein Qualifikationsdruck war dort nicht gegeben, Eisschnellauf ist dort nicht verbreitet. Dann legte sich aber der Weltverband ISU quer, da er Betrug beim Nationenwechsel vermutete. Die kasachischen Pässe der 5 wurden offiziell 2008 ausgestellt. Für einen Start bei Olympia muss ein Sportler mindestens zwei Jahre lang im Besitz der Staatsbürgerschaft eines Landes sein. Das Quintett wurde aber tatsächlich erst im Frühjahr 2009 eingebürgert. Dann drohte den Eisschnelläufern auch zu Hause (denn das blieben die NL für sie) Ärger: der Verlust der niederländischen Staatsbürgerschaft, die Abschiebung,…

Bergsma und die Anderen beendeten das kasachische Abenteuer, starteten wieder für die Niederlande, zT ziemlich erfolgreich. Bergsma gewann zB 2012 zwei Weltcup-Rennen…in Astana, Kasachstan. Die Sache zeigt, zu was Niederländer/Holländer bereit sind, um ihren Sport (auch bei Olympia) auszuüben. Bart Veldkamp wechselte vor Olympia 1994 zu Belgien, da er mit den Qualifikations-Richtlinien in NL nicht einverstanden war. Dort gab und gibt es, wie in Kasachstan, keine Eisschnelllauf-Tradition, und Veldkamp wurde der ungekrönte Herrscher dieses Sports in Belgien. Wie Mühlegg und Girardelli als Nordisch- bzw Alpin-Skifahrer in Spanien bzw Luxemburg. Mit der Einschränkung, dass für diese Sportarten in den betreffenden Ländern nur geringes Passiv-Interesse gegeben ist. Aber spätestens, wenn es um Olympia-Medaillien geht, ist das egal, und wird man schnell zu einem Nationalhelden.

* Der Fussballer Alfredo Di Stéfano spielte von 1947 bis 1961 für die Nationalteams von Argentinien, Kolumbien und Spanien. Nachdem er 1949 aus seiner Heimat Argentinien von River Plate Buenos Aires zu den Millionarios in Bogota gewechselt war, wurde er auch in das kolumbianische Team berufen. Aufgrund eines Disputs zwischen den kolumbianischen Verband und der FIFA war damals aber sowohl kolumbianische Liga als auch Nationalteam ausserhalb der FIFA-Aufsicht, und diese 4 Länderspiele daher inoffiziell. 1953 ging er zu Real Madrid, wo er erst ein Weltstar wurde, mit 5 Europacup-Siegen. 1956 wurde er spanischer Staatsbürger und 1957 debütierte er in der spanischen Auswahl. Für die WM 1958 qualifizierte sich diese nicht. 1962 war er im spanischen Kader bei der WM in Chile, kam wegen einer Verletzung aber nicht zum Einsatz. Di Stéfano wurde, als gebürtiger Südamerikaner, auch Europäischer Fussballer des Jahres. Er lebte und arbeitete nach seiner aktiven Karriere meist in Spanien. Sein Länder-Wechseln als Fussballer war mit Anlass für die FIFA, die diesbezüglichen Regeln in den 1960ern zu ändern.

* Monica Seles wurde in der serbischen Vojvodina (damals Teil der SFR Jugoslawien) in eine ungarische Familie geboren. Wurde 1988 mit 14 Jahren Tennis-Profi, nachdem sie zuvor schon 2 Jahre in der USA bei „Nick“ Bollettieri trainiert hatte. Ihr Lebensmittelpunkt wurde die USA, in jenen Jahren in denen die Bundesrepublik Jugoslawien (mit der Vojvodina, ohne Kroatien,…) entstand und diese die serbischen Warlords in Kroatien und Bosnien unterstützte. 1994 wurde sie auch USA-Staatsbürgerin, das war in der Pause nach der Messer-Attacke eines Graf-Fans in Hamburg 1993. Für die USA spielte sie Fed Cup und Olympia. Seles, die 9 Grand Slam-Turniere gewann und 178 Wochen lang Nummer 1 der Weltrangliste war, wurde 07 auch ungarische Staatsbürgerin.

Jelena Dokic hat so manche Berührungspunkte mit Seles. Sie wurde im sozialistischen Jugoslawien im kroatischen Ost-Slawonien geboren, in eine serbisch-kroatische Familie. Als sich dort (in Osijek) im Juni 1991 Spannungen zwischen Kroaten und Serben zu Gewalt entluden, ging die Familie in die Vojvodina. Und 1994 nach Australien, wo Dokic Profi-Tennisspielerin wurde. Wie Seles wurde ihr Vater auch im Tennis eine wichtige Bezugsperson; bei den Australian Open ’01 stritt dieser mit den Veranstaltern. Danach ging die Familie nach Jugoslawien zurück, aus dem 03 der Staatenbund Serbien-Montenegro wurde. 05 trennte sich Dokic von ihrem Vater, ging wieder nach Australien, spielte wieder für dieses Land. Die Klasse bzw die Erfolge von Seles erreichte sie nicht.

* Der Gewichtheber Naim Suleymanov entstammt der türkischen Minderheit in Bulgarien. 1984 verpasste er Olympia in der USA, wegen des Gegen-Boykotts der Ostblock-Länder für 1980. Dann zwang das kommunistische Regime Bulgariens die türkische Volksgruppe auch noch zur Bulgarisierung der Namen, aus ihm wurde Naum Shalamanov. Die Reise zu einem Wettbewerb nach Australien 1986 nutzte er zum „Überlaufen“. Wie bei DDR-Sportlern die im Kalten Krieg rübermachten, ergab sich das Einwanderungsland wie von selbst. Er ging in die Türkei und aus ihm wurde Naim Suleymanoglu. Der bulgarische Staat musste vor Olympia 88 von der Türkei abgefunden werden, damit Suleymanoglu dort antreten durfte. Als Türke gewann er viele Medaillien, bei Olympia, WM, EM. Nach seiner Karriere kandidierte er (erfolglos) 2 Mal bei Wahlen zum türkischen Parlament und einmal als Bürgermeister einer Gemeinde bei Istanbul; als Unabhängiger und für die nationalistische MHP.

Fussball:

Wie erwähnt, waren Nations-Wechsel früher ziemlich problemlos. Bedeutende frühe solche Wechsel waren die der Oriundi aus Südamerika nach Italien (s.u.).  Das war in der Zwischenkriegszeit. Die „Wechsel“ des polnisch-deutschen Fussballers Ern(e)st Wilimowski (Prandella) ergaben sich durch den 2. Weltkrieg, eigentlich auch durch den Ersten. Geboren 1916 in Kattowitz/Katowice, damals Deutsches Reich (preussische Provinz Schlesien), in eine Familie, in der sich Deutsches und Polnisches vermischt hatte, wie häufig in Oberschlesien. Nach dem Krieg und einer Abstimmung kam das südliche (bzw östliche…) Drittel Oberschlesiens mit Kattowitz zu Polen. Wilimowski spielte beim 1. FC Kattowitz, dem Fussballverein der deutschen Minderheit der Stadt, in der polnischen Liga, dann in Königshütte/Chorzow.

Kam in das polnische Nationalteam, nahm an der WM 38 teil. Dann der Nazi-Blitzkrieg und die Besetzung ganz Polens. Mit einigen Kollegen deklarierte sich Wilimowski als Deutscher („Deutsche Volksliste“), spielte bei „zentral“-deutschen Vereinen und der deutschen Nationalmannschaft. Schoss Tore für Deutschland, nachdem er 34 für Polen welche gegen es geschossen hatte. Wurde in die Wehrmacht eingezogen, musste an der Besetzung Polens mitwirken… Er blieb 45 zunächst in Mittel-Deutschland (aus dem Ost-Deutschland wurde), war dort Amateur-Fussballer und Sportlehrer, ging dann in die Westzone, aus der die BRD wurde. Er starb 1997; es gibt einen Roman des bosnisch-kroatischen Autors Miljenko Jergovic über ihn.

Auch der Fall von Ferenc Puskas spiegelt europäische Geschichte des 20. Jh wieder. Der Vize-Weltmeister von 1954 war im Oktober 1956, als in Ungarn der Aufstand gegen die kommunistische Herrschaft ausbrach, wegen eines Europapokalspiels mit seinem Klub Honvéd Budapest in Spanien. Puskas und einige Kollegen aus der Mannschaft, wie Sandor Kocsis, kehrten nicht mehr nach Ungarn zurück, andere wie Tormann Grosics schon. Ab 1958 spielte er für Real Madrid, 1961/62 in der spanischen Auswahl, jeweils zusammen mit Alfredo Di Stefano. In Spanien traf Puskas auch einen Spieler wieder, den er aus der ungarischen Liga kannte und der ebenfalls im frühen Kalten Krieg rüber gemacht hat.

László Kubala, der in Ungarn in einer slowakischen Familie aufwuchs, war 1946 in die Tschechoslowakei gegangen, spielte für Slovan Bratislava und die Auswahl des Landes. 1948 ging er zurück nach Ungarn, spielte für dessen „Nati“, 1949 lief er nach Österreich über. Die FIFA sperrte ihn auf Begehren seines letzten Klubs im Ostblock, Vasas Budapest. Über Italien kam er nach Spanien, spielte ab 1951 für den CF Barcelona, dann auch für die spanische Auswahl. Zu dieser Zeit, späte 1950er, frühe 60er, spielte auch der Uruguayaner José Santamaría bei Real Madrid und im spanischen Nationalteam. Santamaria blieb nach der aktiven Karriere in Spanien, trainierte auch dessen Nationalteam, bei der WM 1982.

Larbi Ben Barek (und Andere) spielte(n) vor der Unabhängigkeit Marokkos für Frankreich und danach für dieses, auch bei einigen Algerier wie Ben Tifour war es so. Eusebio da Silva und Mario Coluna wurden beide in Mocambique (Portugiesisch-Westafrika) geboren, als Söhne von portugiesisch-afrikanischen Ehen, beide wurden in den 1960ern in Portugal bei Benfica Lissabon und im portugiesischen Nationalteam grosse Fussballer; beide sind nie Trainer geworden, beide 2014 gestorben. Liegt hier ein Nationswechsel vor?

Beim Tormann Ramon Quiroga, der als Fussballer aus Argentinien nach Peru ging, dort eingebürgert wurde und (nur) für dessen Nationalteam spielte, ergibt sich die Relevanz aus dem einen Spiel bei der WM 1978, zwischen Argentinien und Peru, das der argentinischen Mannschaft den klaren Sieg brachte, den es zum Einzug ins Finale des Turniers brachte, und das von ziemlich konkreten Schiebungs-Vorwürfen umrankt ist.

Bernd Krauss kam Ende der 1970er als Legionär aus Dortmund zu Rapid Wien, machte sich gut, wurde eingebürgert und ins österreichische Nationalteam geholt, wo nach dem Abgang von Robert Sara auf der Position des rechten Verteidigers eine „Lücke klaffte“. Sein erstes Länderspiel war ausgerechnet gegen  die Auswahl der BRD, in der Quali für die WM 1982. Und, er schoss auch gleich ein Tor, allerdings für sein Geburtsland, somit ein Eigentor… Krauss setzte sich aber dann im österreichischen Team durch; er ging einige Jahre später als österreichischer Legionär in die deutsche Bundesliga. Die österreichische Staatsbürgerschaft hat er dann aber nach einiger Zeit wieder aufgegeben.

Es gibt jene Fussballer, deren Eltern oder frühere Vorfahren auswanderten, die im Land in dem und für das sie spielten, auch geboren wurden und dort aufwuchsen. So wie Ibrahimovic, Köglberger, Keegan, Platini, Özil, Ravelli, Ince, Carew, Scifo,… Die Vorfahren von Maradona stammen zT aus (Süd-)Italien (wie bei einem sehr grossen Teil der Argentinier), Littbarski muss dem Namen nach welche aus Polen haben.2 In den Auswahlen westeuropäischer Länder sind seit etwa Mitte der 1990er vermehrt Einwandererkinder vertreten; auch Zidane wurde in dieser Zeit Nationalspieler. In den Nationalteams von USA, Canada, Australien, Neuseeland, wo Fussball nicht wichtigster Sport ist und die ausgesprochene Einwanderungsländer sind, ist das schon länger gegeben.

2004 kam eine neue Regelung der FIFA, wonach ein Spieler auf Nachwuchs- und A-Ebene für verschiedene Nationalteams spielen kann – unter der Voraussetzung dass der Wechsel vor dem 21. Geburtstag des Betreffenden statt fand. In dieser Zeit glänzte der Brasilianer Ailton (da Silva) bei Werder Bremen, schoss es 03/04 zur Meisterschaft. Da es für das brasilianische Team dennoch nicht reichte und Katar auch im Fussball Ausschau hielt nach verfügbaren Spielern, kam die Möglichkeit auf den Tisch, dass Ailton in Katar eingebürgert wird und mit dessen Nationalteam die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland bestreitet. Ohne in der dortigen Liga zu spielen oder sonst irgend welche Bindungen zu dem Land zu haben. Wahrscheinlich hat dieses Geplänkel einen Einfluss darauf gehabt, dass die FIFA 04 eine Neuregelung erliess, die darauf abzielte, dass ein Spieler eine Verbindung haben soll zu dem Land für das er spielt. Der Uruguayaner Sebastian Soria erfüllte das insofern, als er 04 zu al Gharafa in die Liga Katars wechselte und so konnte er auch bald auch für das Nationalteam von Katar spielen.

Ausserdem wurde festgelegt, dass Einsätze in Freundschaftsspielen kein Hindernis mehr für einen Nationswechsel darstellen würden. Jermaine Jones (Deutschland/USA) und Thiago Motta (Brasilien/Italien) haben davon profitiert. George Mourad, ein in Hasakah geborener christlicher (assyrischer/aramäischer) Syrer, ist in Schweden aufgewachsen, ist Bürger Schwedens und Syriens, spielte in schwedischen Nachwuchsauswahlteams und in der A-Mannschaft, dann auch für Syrien. Für Schweden hatte er nur 2 Freundschaftsspiele bestritten, jedoch hatte der syrische Verband nicht um den Wechsel bei der FIFA angesucht, wurde daher bestraft, von der Quali zur WM 14 ausgeschlossen.

Dann gibt es Fussball-Nationen die keine unabhängigen Staaten sind. Es gibt 25 FIFA-Mitgliedsverbände die zum selben Staat gehören wie zumindest ein weiterer Verband. Der Fussball-Verband von Puerto Rico zB hat ein Nationalteam dessen Spieler Staatsbürger der USA sind, schottische Nationalspieler sind britische Staatsbürger (was sich in absehbarer Zeit ändern könnte), die Färöer-Inseln gehören zu Dänemark, Hongkong ist seit 1997 wieder ein Teil Chinas, Curacao gehört zur Niederlande,… Dann gibt es jene Länder die ein Fussball-Nationalteam haben, (noch) nicht unabhängig sind aber auch nicht Bürger eines anderen Staates, wie Palästina. Jocelyn Angloma wurde im französischen Guadeloupe geboren und hat Karriere im französischen Fussball gemacht, auch im Nationalteam. Am Ende seiner Karriere durfte er auch für Guadeloupe spielen, das ein eignes Fussball-Nationalteam hat, 06/07, inklusive des CONCACAF Gold Cup 07. Dies deshalb, da Guadeloupe kein FIFA-Mitglied ist und nur an regionalen Bewerben teil nimmt.

Es gibt jene Fussballer, die auch für andere Nationalteams als tatsächlich3 spielen hätten können, von Daniele Dichio über Harald Cerny, von Ailton bis Juan Lozano. Hier ist auch Kontrafaktik, sind „Ifs“ des Fussballs anzusetzen: Wenn sich Vincenzo Scifo 83/84 entschieden hätte, für Italien zu spielen statt für Belgien… Wenn Steffen Hoffmann in den 00ern für Österreich hätte spielen dürfen (wie hätte sich das auf das österreichische Team ausgewirkt). Oder, auch ein Gedankenspiel: ein surinamesisches Team mit all jenen von dort Stammenden, die für die Niederlande spielten (siehe unten), von Gullit bis Wijnaldum…

Manchmal spiel(t)en Vater und Sohn für verschiedene Nationalmannschaften: Souleyman und Leroy Sané (Senegal und Deutschland), Kenneth und Patrick Kluivert, George und Ruud Gullit, Errol und Urby Emanuelson (jeweils Surinam und Niederlande), Peter Neustädter (SU-Deutscher bzw Kirgisistan-Deutscher, Fussballer in 1980ern u.a. beim kasachischen Alma Ata, 92 nach Deutschland > Karlsruher SC,…, kasachischer Staatsbürger > Deutsch-Kasache bzw deutscher Kasachstani, 1996 3 LS für kasachisches Nationalteam, dann deutscher Staatsbürger als Spät-Aussiedler bzw „Russland-Deutscher“) & Roman Neustädter (in der Ukrainischen SSR geboren, in Mainz aufgewachsen, deutsche Nachwuchs-Auswahlen, wurde russischer Staatsbürger und Nationalspieler), Andranik und Alecko Eskandarian (Iran und USA), Roger Lukaku („Zaire“/Kongo) und seine Söhne Romelu und Jordan (für Belgien)

Oder Brüder: Jerome und Kevin-Prince Boateng (Deutschland und Ghana), die Halb-Brüder trafen bei den WMen 10 & 14 aufeinander; Rafinha Alcantara und Thiago Alcantara (Brasilien und Spanien), die Söhne des brasilianischen Weltmeisters von 94, Mazinho; Paul, Florentin und Mathias Pogba (Frankreich und Guinea); John und „Archie“ Goodall (England und Nord-Irland), 19. Jh;
Christian und Max Vieri (Italien und Australien); Granit & Taulant Xhaka (Schweiz und Albanien), bei der EM 16 gegeneinander, Eltern übersiedelten zu YU-Zeiten aus dem Kosovo/Kosova in Schweiz

Bei Weltmeisterschaften für 2 verschiedene Teams haben bisher gespielt, so weit ich das überblicken konnte: Monti & DeMaria (Arg/Ita), Puskas (Hun/Esp),  Santamaria (Uru/Esp), Mazzola/Altafini (Bra/Ita), Prosinecki, Suker, Jarni (YU/Cro), Gorlukovich und Borodjuk (SU 90/Rus 94), Dejan Stankovic sogar für drei: BR Jugoslawien 98 und seine Nachfolgestaaten Serbien-Montenegro 06 und Serbien 10. Zigic und Vidic waren 06 und 10 dabei. „Pixi“ Stojkovic spielte 90 für die SFR YU, 98 für die Bundesrepublik YU; aber solche Wechsel der Staatsform ohne Änderung des Territoriums und ohne Änderung des eigentlichen Staatsnamens soll uns hier nicht interessieren.

Es gab Brasilianer wie Elber oder Jardel, die (obwohl sie Weltklasse-Fussballer waren) nicht gut genug waren, sich im brasilianischen Nationalteam voll durchzusetzen. Und es gibt jene brasilianischen Fussballer, die den Weg gingen, für ein anderes Nationalteam zu spielen, anstatt auf eine Einberufung in die Selecao zu warten. Meist war der Weg dahin ein Legionärs-Engagement in dem betreffendem Land. Eduardo da Silva (Kroatien), Paulo Rink (Deutschland), Donato (Spanien), Deco (Portugal), Thiago Motta (Italien), Wagner Lopes (Japan), M. Aurelio (Türkei), L. Oliveira (Belgien), Clayton (Tunesien) sind lange nicht alle, die das taten. Etwas

Nun zu einzelnen Ländern:

Das UK hat 4 Nationalteams, dazu kommt noch dass Bürger Nord-Irlands (auch) irische Staatsbürger werden können. Und britische Bürger mit irischen Wurzeln irische Staatsbürger. Ausserdem gibt es Aussenbesitzungen des UK of GB, wie Gibraltar oder Bermudas, die eigene Nationalmannschaften haben, britische Staatsbürger spielen somit auch für diese „Natis“. Ein britisches Team tritt im Fussball nur bei Olympia auf, zuletzt 2012. Ryan Giggs war damals dabei, kam damit doch noch zu seinem Turnier, und hat so gesehen für 2 Nationalmannschaften gespielt, Wales und Grossbritannien. Aus der Frühzeit des Fussballs gibt es einige britisch-irische Spieler, die das Nationalteam wechselten, wie John (Jack) Reynolds (England und Ireland), John Hawley Edwards (England und Wales), Robert Evans (England und Wales). James (Joe) Kennaway spielte in den 20ern und 30ern für Canada und Schottland evtl auch für USA. Kenneth „Ken“ Armstrong spielte in den  1950ern, 60ern für England und New Zealand.

Die Regelungen für die Berechtigung für Fussballer die Staatsbürger des UK sind, bezüglich der Bedingungen für Nationalmannschaften, haben sich geändert, heute ist eine Verbindung zum betreffenden Land verlangt (das kein souveränes ist). Maik Taylor, in Deutschland als Sohn eines englischen Soldaten und einer Deutschen geboren, konnte als im Ausland geborener britischer Staatsbürger in den 1990ern noch wählen, für welches der 4 Nationalteams des UK er spielt. Für das englische Team hätte es bei ihm wohl auch nicht gereicht. Zu Nordirland hatte er keinerlei Verbindungen. Auch Matthew Le Tissier, von der Kanal-Insel Guernsey (auch britischer Staatsbürger ohne territoriale Verbindungen zu einem der „Teilgebiete“), konnte auch frei wählen, entschied sich für England. Auch bei Owen Hargreaves, dem „bayerisch-walisischen Kanadier“, war es so ähnlich.

Zu den irisch-stämmigen Briten, die für England spielten, gehören Kevin Keegan oder Ray Kennedy, beide aus Liverpool, wo Iren über Jahrhundert lang einwanderten; die irische Diaspora beginnt eben in England. Die meisten Schwarzen in England (nicht nur im Fussball) stammen aus der Karibik. Viv Anderson war 1979 der erste Schwarze, der für England spielte. In den 1980ern machte der auf Jamaica geborene John Barnes von sich reden, dem noch öfters Bananen auf’s Spielfeld geworfen wurden. Als das englische Team 1993 in San Marino 7:1 gewann und schwarze Spieler (darunter Paul Ince) alle Tore der Engländer schossen, kommentierte die rechtsextreme National Front, die Torschützen seien alle „keine echten Engländer“, San Marino habe somit in Wirklichkeit 1:0 gewonnen.

Marcus Gayle war einer jener vielen Jamaikaner mit England-Verbindung, die bei der WM 1998 für Jamaica spielten; Gayle wurde in England geboren, hat immer dort gespielt und auch in englischen Nachwuchs-Auswahlen. Der auf Jamaica geborene Rahim Sterling entschied sich dagegen, für England zu spielen. Nachdem sich das Team von Trinidad-Tobago für die WM ’06 qualifizierte, lief dort der in England geborene Weisse Christopher Birchall auf, der eingebürgert wurde, weil seine Mutter von dem Archipel stammt. „Ugo“ Ehiogu wurde als Sohn nigerianischer Eltern in England geboren, spielte für dessen Fussball-Nati gespielt; er starb früh.

Einwanderer-Kinder oder Eingebürgerte die nicht vom Britisch-Irischen Archipel oder ehemaligen Kolonien des UK4 stammen, sind in dessen Nationalteams eher selten. 2004 wurde über die Einbürgerung des Italieners Lorenzo Amoruso und des Franzosen Didier Agathe, beide Legionäre in der schottischen Liga, für das schottische Team spekuliert. Dessen damaliger Teamchef „Berti“ Vogts schien dafür zu sein; der Kapitän des Teams, Christian Dailly, war dagegen: „I would rather lose with a team of Scots than win with a team of foreigners. This is not a club side we’re talking about it’s Scotland… I know the players will definitely be against it“. Der Vater des Nord-Iren „Lawrie“ Sanchez stammt aus Ecuador.

Bezüglich der Fussball-Auswahlen von Irland, des unabhängig gewordenen Landesteils und des Teil des UK of GB gebliebenen, gab es in der ersten Hälfte des 20. Jh diverse unterschiedliche Formate, parallel zu den politischen Veränderungen; die Unabhängigkeit Irlands war ein jahrzehnte-langer Prozess. In manchen Sportarten, wie Rugby, haben die Republik Irland und Nord-Irland, eine gemeinsame Struktur, ein gemeinsames Auswahlteam. John Carey und James Dunne sind unter Jenen, die für beide Irlands spielten, in der damaligen Zeit. 1965 begann das irische Team, in GB geborene/aufgewachsene irische Spieler sowie britische Spieler irischer Herkunft (die eingebürgert wurden) einzuberufen. John Aldridge ist zB in England (Liverpool) geboren und aufgewachsen, Ray Houghton in Schottland.5

Ähnlichkeiten zum erwähnten Wilimowski weist der Lebensweg von Friedrich Scherfke auf. Auch Posen, von wo er stammte, kam nach dem 1. WK von Deutschland zu Polen. Scherfke spielte in der ZKZ für Polen, nach dem nazideutschen Angriff auf Polen hatte er, wie viele andere Deutsche, in Polen keine Zukunft mehr. Im Rheinland, um den Faden weiter zu spinnen, gibts die Abramcziks, Deutsche polnischer Herkunft.6 Klose und Podolski stammen beide aus Ober-Schlesien aus teilweise deutschen Familien. Beide haben nie in und schon gar nicht für Polen gespielt. Sebastian Boenisch stammt ebenfalls aus Schlesien, hat anscheinend eine deutsche Urgrossmutter, die Familie nahm in Deutschland ihren Namen an. Er wurde Doppelstaatsbürger und entschied sich, für das polnische Nationalteam zu spielen. Kamil Glik ist zT schlesisch-deutscher Herkunft (der Name dürfte sich von „Glück“ ableiten), blieb in Polen, spielt für dessen Fussball-Auswahl.

Ulf Kirsten und 7 andere DDR-Nationalspieler haben nach der Vereinigung für die BRD gespielt, von Matthias Sammer bis Dirk Schuster. Dariusz Wosz ist polnisch-stämmig und wollte eigentlich lieber für Polen spielen. Jancker war 1998 einer der ersten BRD-Nationalspieler aus dem Osten, die nicht mehr für die DDR gespielt haben. Lutz Eigendorf und andere die rüber machten, wie Nachtweih, durften nicht für die BRD spielen. Gerhard Siedl einer jener Spieler, die für das Saarland und dann die BRD spielten. 1964 trat auch im Fussball ein gesamtdeutsches Olympia-Team an, es bestand aber nur aus Spielern aus der DDR, die Bronze-Medaillie gewann u.a. Eberhard Vogel, der eben auch DDR-Nationalspieler war. 1942 das letzte Länderspiel der Auswahl des (inzwischen längst nationalsozialistischen) Deutschen Reichs, ab 1950 begann die Spielserie des DFB bzw der BRD. Andreas Kupfer war einer von 3, die für die letzten Spiele der Auswahl des alten DFB (des Deutschen Reichs) sowie für die ersten von jener des neuen (der BRD) spielten.7

Miroslav „Mirko“ Votava wurde in Prag in der damaligen CSSR geboren, machte mit seinen Eltern im Alter von 12 rüber, in die BRD, wo er Fussballer wurde. Als er Ende der 70er, Anfang der 80er bei Borussia Dortmund spielte, kam er zu 5 Einsätzen für die DFB-Elf. Marcel Raducanu flüchtete aus Rumänien in die BRD rüber, hatte aber schon für Rumänien gespielt. Jörn Andersen, wurde gegen seiner Ende Karriere (auch?) deutscher Bürger, hat aber nur für Norwegen gespielt. Eingebürgerte bzw Einwanderer-Kinder kamen in den 00ern des 21. Jh verstärkt in das deutsche Nationalteam. Neuville, Kuranyi, Asamoah, Özil,… haben alle für kein anderes Nationalteam gespielt.8 „Uli“ Stein, Mitte der 1980er gegen „Toni“ Schumacher im Kampf um die Nr. 1 im Nationalteam unterlegen, hat später gesagt, er habe nicht einige Länderspiele für Deutschland zu wenig, sondern 6 zu viel, „da hätte es einige Möglichkeiten gegeben“. Rainer Rauffmann ging 1997 als Legionär nach Zypern, heiratete eine Zypriotin, wurde zypriotischer Nationalspieler.

„Oriundo“ kommt von oriri (entspringen..), bezeichnet Sportler, die für Italien antreten, von anderswo stammen, aber italienische Wurzeln haben, eingebürgert wurden, zT ihre erste Staatsbürgerschaft behielten. Es sind v.a. Fussballer, v.a. aus Südamerika (Argentinien, Uruguay, Brasilien), gingen meist den Zwischenschritt des Legionärs-Engagements in der italienischen Liga. Viele haben zuvor für das Nationalteam ihres Geburtslandes gespielt. Oriundi gibt es auch im Eishockey, dort v.a. aus Nordamerika. Die ersten zwei Sterne für die FIGC kamen durch einige südamerikanische Mitwirkung zu Stande.

Im WM-Sieger-Team der Italiener von 1934 standen Luis Monti und Atilio Demaría, die mit dem argentinischen Team 1930 das WM-Finale verloren hatten. Ausserdem Raimondo Orsi und Enrique/Enrico Guaita, ebenfalls gebürtige Argentinier, sowie Anfilogino Guarisi aus Brasilien. Als das faschistische Italien 1935 Abessinien (Äthiopien) den Krieg erklärte, fürchteten Guaita und andere Oriundi eine Einberufung in das Militär, verliessen Italien. 1938 bot Vittorio Pozzo, der Weltmeister-Trainer von 34 und 38, einen Oriundo auf, den in Uruguay geborenen Miguel Andreolo.

Juan A. Schiaffino war 1950 Weltmeister mit dem Team von Uruguay, als Italien-Legionär (AC Milan) machte er danach auch einige Länderspiele für Italien, nachdem er eingebürgert wurde. Genau so war es auch bei Alcides Ghiggia. José Altafini, der sich „Mazzola“ nannte, war 1958 mit Brasilien Weltmeister, spielte danach im und für das Land seiner Vorfahren. Omar Sivori, ein Argentinier italienischer Herkunft, wurde (als Italiener natürlich) sogar Europas Fussballer des Jahres, 1961. Beim vierten WM-Sieg der Italiener 2006 stand mit Mauro Camoranesi auch ein Oriundo im Team.

Davor war der Triumph 1982. Da gab es Claudio Gentile in der Mannschaft, 1953 in Libyen geboren, in einer sizilianischen Familie, die in die damalige italienische Kolonie Libyen ausgewandert war. Viele italienische Siedler blieben auch nach dem faktischen Ende der italienischen Herrschaft 1943, nach der Unabhängigkeit Libyens 1951, und gingen erst mit der Machtergreifung Ghadaffis 1969. Gentiles Familie ging schon 1961 nach Italien. Man kann ihn auch als Oriundo bezeichnen, auch wenn bei ihm die Dinge etwas anders waren als bei den „Südamerikanern“.

Ausserdem gab es da Edwin Firmani, in Südafrika geboren, kehrte auch ins Land der Vorfahren zurück und spielte für es, Roberto Di Matteo (Schweiz), Christian Vieri (in Australien geboren, Bruder blieb dort), Simone Perrotta (GB), Giuseppe Rossi (USA), Cristian Ledesma (Argentinien), Thiago Motta und Eder Martins (Brasilien),… Der Uruguayaner Alvaro Recoba wurde 2001, als er für Inter Mailand spielte, eines gefälschten italienischen Passes bzw der gefälschten Grundlagen dazu überführt (fingierte italienische Vorfahren) und ein Jahr gesperrt, eine Strafe, die dann auf 4 Monate reduziert wurde. Hintergrund der Aktion war die Begrenzung des Kontingents der Nicht-EU-Ausländer pro Klub.

Oriali, Vierchowod, Panucci, Balotelli, Montolivo, Sharaawy,… sind in Italien Geborene mit teilweise auswärtigen Eltern. Aus jenen Italienisch-stämmigen Fussballern, die anderswo für Nationalteams spielten, liesse sich zB dieses Team bilden: Pascolo (Schweiz), Caligiuri (USA), Aloisi (Australien), Vassalo (Äthiopien), Rivelino (Brasilien), Maradona (Argentinien), Platini (Frankreich), Scifo (Belgien), Cascarino (Irland), Gaudino (Deutschland), Forlan (Uruguay); Pizzi (Spanien), Guidetti (Schweden), Zuenelli (Österreich), Cremaschi (Chile), De Gregorio (Neuseeland), Denegri (Peru), Dolgetta (Venezuela), Lenarduzzi (Kanada), Cardoni (Luxemburg), Polverino (Liechtenstein)9

Frankreich hat als Kolonialmacht eine lange Geschichte der Zuwanderung sowie der Indienstnahme von Kolonialisierten (Armee,…). Ben Tifour und Andere aus den Kolonien spielten für Frankreich solange diese noch welche waren; Raoul Diagne aus Französisch-Guyana in Südamerika etwa spielte in den 1930ern für die Bleus. Dieses Land ist zwar nach wie vor französisch (ein Übersee-Departement), aber fussballerisch inzwischen unabhängig. Zuwanderer(-Kinder) sind seit Langem in Frankreichs Fussball überproportional vertreten, in der Nationalelf seit den 50ern. Damals waren es v.a. Polen, Italiener und Spanier, wie Kopa(szewski), Hidalgo, Colonna. Ende der 1970er kam dann der aus (dem nach wie vor französischen Überseegebiet) Guadeloupe stammende Marius Tresor, der sogar Kapitän wurde. Es folgten Larios und Ayache, die als französische Siedler im damals französischen Algerien geboren wurden.

Tigana stammt aus Mali, Fernandez aus Spanien. Michel Platini, Sohn italienischer Einwanderer, spielte nach seinem Karriereende ein inoffizielles (?) Länderspiel für Kuwait. Eric Cantonas Vorfahren stammen aus Spanien und Italien. Ab den 1990ern fand eine Verschiebung von europäischen Einwanderer(n-kinder) zu ausser-europäischen (meist aus ehemaligen/aktuellen Kolonien) statt, kamen farbige Spieler in grosser Zahl ins Team: Lama und Malouda aus Guyana, Karembeu aus Neu-Kaledonien, Zidane und Benzema aus Algerien, Thuram, Wiltord und Angloma aus Guadeloupe, Basile Boli aus der Cote d’Ivoire, Desailly aus Ghana, Viera und Evra aus Senegal, Loko und Makelele aus Kongo, Anelka aus Martinique,… Youri Djorkaeffs Vater Jean ist kalmückisch-polnisch (in Fra. geboren), war Fussballer, seine Mutter Armenierin.

Jean-Marie Le Pen kritisierte schon bei der EM 96 die Zusammensetzung des französischen Teams, thematisierte ihr Nicht-Singen der Hymne. Platini hatte die Marseillaise auch nicht mit gesungen, damals aber kein Spieler, nur die Fans. Der damalige PS-Chef Jospin wies darauf hin, dass zB Frz. Guyana und Neu-Kaledonien von wo Lama (der damals daran erinnerte, dass seine Vorfahren als Sklaven aus Afrika nach Südamerika gebracht worden waren) bzw Karembeu stammten, weiter französisch waren – und Le Pen war sicher der Letzte, der diesen Gebieten die Unabhängigkeit gewären würde.10 „Le Monde“ kommentierte damals, Le Pen unterminiere die nationale Identität die er zu schützen vorgibt, auch weil er nationale Erfolge schlecht mache; andere wiesen auf republikanische Werte hin.

Bei der (siegreichen) Heim-WM 1998 wurde die Hymne von den französischen Spielern mitgesungen. Le Pen sprach wieder davon, dass nur wenige echte Franzosen unter den 22 seien; genau 7, darunter Kapitän Deschamps, Guivarc’h (Bretone), Lizarazu (wenn man ihn als Basken als echten Franzosen zählt), Petit (aber langhaarig), Charbonnier (kein Einsatz). Es gab damals auch den armenisch-stämmigen Boghossian, Pires mit portugiesisch-spanischen Wurzeln, Trezeguet mit argentinischen11,… In der Euphorie nach dem WM-Sieg sprach Le Pen von Zidane aus dem „Französischen Algerien“.

Raymond Domenech (Vater Spanier der im Bürgerkrieg nach Frankreich flüchtete, Mutter Siedlerin aus Algerien) war der Nach-Nach-Nachfolger von Aimé Jacquet, dem WM-Siegertrainer, als französischer Teamchef (04-10). Viele fanden, dass das französische Team unter ihm zu „dunkel“ bzw „unfranzösisch“ sei.12 Und, der blond-braune Ribery war einer, der mit einer Algerierin verheiratet und zum Islam übergetreten war. 2011 kam die Meldung, dass Frankreichs Fussballverband (FFF) plane, in seinen Nachwuchsakademien rassische Quoten zur Aufnahme festzulegen, von maximal einem Drittel „dunkler“ Spieler. Der damalige Teamchef Blanc, 98 einer der echten Franzosen, soll sich dafür ausgesprochen haben. Bei der WM 14 waren 15 von 23 algerischen Spielern, darunter ihr Star Riyad Mahrez, in Frankreich geboren.

In der Liga und im Team der Niederlande gibt es viele Spieler mit Wurzeln in der Ex-Kolonie Surinam. Dies begann eigentlich nicht vor den 1980ern. Gullit (Dil), Rijkaard, Vanenburg, Roy, Kluivert, Seedorf, Wijnaldum,… sind in der Niederlande geboren; Winter, Davids, Haselbaink, Fraeser, van Gobbel, Menzo, Vink,… in Surinam (das 1975 unabhängig wurde). Manche wie Gullit haben auch weisse/niederländische Wurzeln/Elternteile, Kluiverts Mutter ist von Curacao (war Teil der Nl. Antillen), Winter ist zT (surinamesischer) Inder, Taument ist halb Afro-Surinamese, halb indonesischer Surinamese, Tahith Chong und Calvin Jong-a-Pin sind von den Wurzeln zT Afro-Surinamesen, zT chinesische Surinamesen.

Spannungen gab es im Oranje-Team zur Zeit der Kluivert-Generation (Seedorf, Davids,…) zeitweise, da die Surinam-Stämmigen da als Block auftraten. Humphrey Mijnals aus Surinam spielte in den 1960ern für die NL und Surinam. „Hans“ Nahar spielte in den 1930ern für Surinam und Curacao, damals beides NL-Kolonien. Die Indonesisch-Stämmigen im NL-Fussball sind meist Molukker, wie Tahamata, und teilweise Silooy, van Bronckhorst, Landzaat, Heitinga,… In jüngerer Zeit „kamen auch Marokko-stämmige wie van Hooydonk (Vater von dort), Boulahrouz. Jonathan de Guzmán wurde in Canada geboren, von einem philippinischen Vater und einer jamaikanischen Mutter. Nelisse spielte für die Niederländischen Antillen, von wo seine Vorfahren stammen.

Relevant in dem Zusammenhang ist der Absturz eines Flugzeugs 1989. Die 2. Reihe der surinam-stämmigen Fussballer in der NL reiste ins Land der Vorfahren zu einem Einladungsmatch, von Sonny Hasnoe organisiert. Der ersten Reihe, Spielern wie Gullit, war die Reise von ihren Klubs nicht gestattet worden. Die Maschine stürzte am Flughafen von Paramaribo ab; Grund waren schlechte Sicherheitsstandards der Fluglinie, des Flughafens. 176 Menschen wurden getötet, darunter 15 Fussballer. Etwa der in Surinam geborene Lloyd Doesburg, damals Ersatztormann von Ajax Amsterdam hinter Stanley Menzo. Menzo reiste auch an, nahm aber einen anderen Flieger.

Paulino Alcántara war ein spanisch-philippinischer Mischling, wurde in den damals noch spanischen Philippinen geboren, ging mit seiner Familie in der Zeit der US-amerikanischen Herrschaft nach Spanien, wurde Fussballer, spielte international für die Philippinen und Spanien. In den 1950ern gab’s wie erwähnt Puskas sowie einige gebürtige Südamerikaner im spanischen Team, wie Di Stefano, Santamaria und Hector Rial. Darunter also auch einige echte Nationswechsler, die für mehrere Nationalteams spielten. In den 70ern spielte der aus Argentinien stammende Ruben Cano für die Selección. Thomas Christiansen hatte einen dänischen Vater und eine spanische Mutter, ist in Dänemark geboren und aufgewachsen, übersiedelte dann nach Spanien, spielte dort in der ersten Liga, sowie in der U21-Auswahl des Landes, und 1993 2x im A-Team.

Donato (da Silva) stammt aus Brasilien, wie Marcos Senna und Diego Costa (der 2x für Brasilien spielte, ehe er sich für Spanien entschied). Vincente Engonga ist in Spanien geboren, stammt aus Äquatorial-Guinea, war einer der seltenen Fälle, wo jemand aus den ehemaligen spanischen Afrika-Kolonien im spanischen Fussball von sich reden machte. Ausserdem gibts die spanischen Regional-Auswahlen, die jedes Jahr einige inoffizielle Spiele machen. Der baskische Tormann Luis Arconada hat einst mit weissen Stutzen gespielt, um Distanz zum „Rest Spaniens“ zu signalisieren, ein richtiger Separatist dürfte er nicht (gewesen) sein. Ex-Spieler Josep Guardiola unterstützt eine Unabhängigkeit Kataloniens, von Pique wird das gemunkelt.

So wie Eusebio kam auch Rui Jordao zu Kolonialzeitennach Portugal, er aus Angola. Seine Fussball-Karriere war aber nach der Unabhängigkeit. Sheu Han ist ein chinesisch-afrikanischer Mischling aus Mocambique. Abel Xavier ist auch aus Mocambique. Oceano da Cruz ist von Cap Verde, „Nani“ ebenfalls, dessen Familie kam nach der Unabhängigkeit nach Portugal. Eder Lopes kam aus dem unabhängigen Guinea-Bissau. Renato Sanches‘ Eltern sind aus Cap Verde sowie Sao Tome e Principe. „Deco“ und „Pepe“ sind aus Brasilien, Bruno Alves hat Vorfahren von dort. „Petit“ und Guerreiro sind in Frankreich geboren, Cedric Soares in Deutschland. Bosingwa ist aus Kongo/Zaire. Cristiano Ronaldo Aveiro ist von Madeira, eine Urgrossmutter stammt von Cap Verde. Quaresma ist ein Sinti.

Im Fussball-Nationalteam von Schweden gab es in/ab den 80ern die aus Österreich stammenden Ravelli-Brüder (mit italienischem Namen, wie viele Kärntner), in den 90ern weiter Spieler mit einem Teil der Wurzeln im Ausland: Dahlin (Venezuela), Larsson (Cap Verde), Schwarz (Deutschland) sowie den kroatisch-finnischen Mischling Lucic. Ab den 00ern kamen weitere Emigranten-Kinder: Osmanovski (in Malmö geborener türkischer Makedonier), Ibrahimovic (Eltern aus den damals jugoslawischen Bosnien und Kroatien), Shaaban (Ägypten und Finnland), Majstorovic (Serbien), Jakup „Jimmy“ Durmaz (türkischer Assyrer, Doppelstaatsbürger),… Schwedische Elternteile haben zB Toivonen und Guidetti. Edward Gustafsson ist in der USA geboren, Safari im Iran, Zengin in der Türkei.

Die Sowjetunion löste sich ja 1991 auf; ihr Fussball-Nationalteam hatte sich für die EM 1992 qualifiziert, trat dort für den Staatenbund GUS an. Danach wurden Russland und die anderen Nachfolgestaaten der GUS fussballerisch unabhängig. Innerhalb von weniger als einem Jahr machte die SU-Auswahl eine Transformation zu jener der GUS und dann Russlands (das den grössten Teil des „Erbes“ bekam) durch. Alexandr Mostovoi ist einer jener, die für SU, GUS, Russland spielten. Andrei Kanchelskis wuchs in der Ukrainischen SSR in einer litauischen Familie auf. Er spielte 1989-91 für die SU (wurde 91 von Manchester United engagiert), ’92 für die GUS (darunter die EM) und entschied sich dann für das russische Team, anscheinend weil er sich dadurch mehr Chancen auf eine WM-Teilnahme ausrechnete (die aber nicht zu Stande kam). Stanislav Cherchesov, ein ossetischer Russe, spielte auch für SU, GUS, Rus. Viktor Onopko spielte 92 für die GUS, dann für Russland, hätte auch für die Ukraine spielen können, da von dort. Karpin ist ein Russe aus Estland, spielte für GUS & Russland.

Oleg Salenko spielte 92 1x für die Ukraine, dann für Russland, wurde 1994 WM-Co-Torschützenkönig. Nikiforov spielte für GUS, Ukraine, Russland. Sergej Mandreko ist ein in der Tadschikischen SSR aufgewachsener Russe, spielte für die U-20 der SU, die GUS, 92 1x für Tadschikistan, entschied sich dann für Russland, und wurde in seiner Zeit bei Rapid Wien (auch) österreichischer Staatsbürger. Andrey Pyatnitsky aus Taschkent (damals Usbekische SSR), spielte für SU, GUS, Usbekistan, Russland (nicht oft, aber bei der WM 94). Oleg Kusnezov spielte für SU (EM 88) und GUS, dann für die Ukraine, wie auch Michailichenko. Lhuzny und Protassov spielten für SU und Ukraine. Der Georgier Tsveiba spielte für SU, GUS, Ukraine, Russland. Zchadadse für GUS und Georgien. Alejnikov, Zygmantovich, Gotsmanov spielten für die SU und Weissrussland. Ivanauskas und Sukristovas spielten für die SU, dann Litauen.

Raschid Rachimov (ein ethnischer Tadschike) spielte für Tadschikistan und Russland, eben so Muhamadiev. V. Niederhaus, ein deutscher Kasache, spielte für Kasachstan und Russland. Albert Sarkisyan spielte für die SU und Armenien. Eric Assadourian, ein armenischer Franzose, der in der ersten französischen Liga spielte, wurde in den 1990ern Nationalspieler des unabhängigen Armenien. Michel Der-Zakarian, in Sowjet-Armenien geboren, in Frankreich aufgewachsen und Fussballer geworden, spielte dann auch für Armenien. Özbiliz war dagegen ein Türke armenischer Herkunft, der fussballerisch und staatsbürgerlich Armenier wurde, und als Legionär in die Türkei zurück kehrte.

In der Schweiz gibts den Röstigraben zwischen deutschen und romanischen Gebieten, und die Secondos. Es begann Ende der 1980er mit dem im Tessin aufgewachsenen Türkyilmaz, dann kamen Sforza und Pascolo, die in der Schweiz in italienische Familien geboren wurden. Marco Grassi ist dagegen ein Tessiner, kein Einwanderer-Kind. Zur WM 1994 kehrte das Schweizer Team auf die internationale Bühne zurück, mit einigen der Genannten, sowie dem eingebürgerten Argentinier Nestor Subiat. Dann kamen die Yakins, Vonlanthen, Behrami, Senderos,… Barmettlers Mutter ist aus der Dominikanischen Republik, er spielte für Schweizer Nachwuchs-Natis sowie ein A (09), dann für das Land seiner Mutter. Die Xhaka-Brüder sind in der CH geboren, von kosovo-albanischen Eltern. Bei der EM 16 standen in der Startelf meist 5 Albanisch-Stämmige und 3 weitere Secondos.

Im Nationalteam Belgiens gab es Scifo, Oliveira, Weber, Mpenza,… Seit Anfang der 10er ist das Team multikulturell, mit einigen Spielern, die Wurzeln in der Ex-Kolonie Kongo haben, wie Kompany, andere in Marokko (Fellaini), Spanien (Carrasco),…

Nun zum Fussball Ex-Jugoslawiens. Der Slowene Rupec spielte für die Auswahl von Österreich-Ungarn, dann für jene des SHS-Reichs (der Vorläuferstaat von Jugoslawien). Ivan Bek, in Belgrad aufgeachsener Sohn eines Deutschen und einer Tschechin, ging in den 1930ern als Legionär nach Frankreich und spielte auch für dessen Nationalteam, als so ein Nationswechsel noch einfach war. Vilmos Sipos wuchs in der serbischen Vojvodina auf, spielte für das jugoslawische Team, zur Zeit der Besetzung Jugoslawiens in den 1940ern spielte er in und für Ungarn. Kiril Simonovski, ein makedonischer Jugoslawe, spielte in dieser Zeit für Bulgarien, das sich diesen Teil Makedoniens (zuvor „Vardarska Banovina“) einverleibt hatte, änderte seinen Nachnamen auf „Simeonov“. Nach dem Krieg war er der erste Makedonier, der für das Nationalteam Jugoslawiens spielte. Für den (ebenfalls durch die Besetzung Jugoslawiens entstandenen) „Unabhängigen Staat Kroatien“ und dann für die SFR Jugoslawien spielten u.a. Cajkovsky und Wölfl. Der Kroate Kotokovic wiederum hat für das Königreich Jugoslawien und dann dieses Ustascha-Kroatein gespielt.

Robert Jarni und ca. 10 Andere spielten für (SFR) Jugoslawien und dann für das unabhängige Kroatien. Zlatko Kranjcar spielte für Kroatien nur inoffizielle Länderspiele. Einige Kroaten gingen zur Zeit des mit der Unabhängigkeit 1991 verbundenen Kriegs ins westliche Ausland, manche wurden dort eingebürgert. Goran Vidovic etwa, in Belgien. Josip Weber aus dem kroatischen Slawonien war noch zu jugoslawischen Zeiten in die belgische Liga gegangen, spielte inoffizielle Matches für Kroatien (vor dessen fussballerischer Anerkennung 1993), und dann für Belgien. Strupar ging nach der Unabhängigkeit Kroatiens nach Belgien, wo er eingebürgert wurde. Dann gibt es jene Kroatisch-Stämmigen, die anderswo geboren wurden und dort auch fussballerisch sozialisiert wurden, nicht zuletzt in Australien (Zelic,…) und Neuseeland (Vicelich,…). Manche Auslands-Kroaten kehrten nach dem Ende Jugoslawiens (zumindest fussballerisch) auch zurück, etwa Simunic (Australien), Kovac (Deutschland), Prso (Frankreich), Rakitic (Schweiz). Stanic ist dagegen einer der kroatischen Bosnier, die sich für das kraotische Team entschieden. Und Eduardo ist Teil der brasilianischen Fussball-Diaspora.

Von Stankovic und Stojkovic war schon die Rede. Savo Milosevic einer Jener, die für das Team der Bundesrepublik Jugoslawien, für jenes von Serbien-Montenegro (SCG) sowie für Serbien spielten. Kezman zB nur für die BR YU und für SCG. Einen Kosovaren, der für YU sowie Kosovo spielte, gibt es nicht. Dortmund-Spieler Subotic ist von seinen Wurzeln ein serbischer Bosnier, der mit der Familie im Bosnien-Krieg zunächst nach Deutschland ging, dann in die USA (dort für Nachwuchs-Auswahlen spielte), schliesslich wieder in die BRD, und international für Serbien spielt. Pedrag „Preki“ Radosavljevic ging noch zu Zeiten des alten Jugoslawiens in die USA, wo er fussballerisch und überhaupt heimisch wurde, spielte für deren Auswahl.

Für (das sozialistische) Jugoslawien und (das unabhängige) Makedonien spielten Pancev, Stanojkovic, Babunski, Najdoski, Djurovski, Savevski, Kanatlarovski. Für Jugoslawien und Slowenien Novak, Milanic, Katanec, Elsner. Und, viele der Fussball-Nationalspieler Sloweniens sind ethnische Serben, deren Vorfahren zu YU-Zeiten dorthin migrierten, wie Zahovic oder Novakovic. Für YU und Bosnien-Herzegowina spielte zB der jetzige BiH-Teamchef Mehmet Bazdarevic. Miralem Pjanic wurde als bosniakischer Bosnier in YU geboren, ging im Krieg mit der Unabhängigkeit nach Luxemburg, hat dort in Nachwuchs-Auswahlteams gespielt, dann aber für BiH. Salihamidzic ging im Krieg nach Deutschland.

Dejan Savicevic spielte nur für das Team von Jugoslawien, das in dieser Zeit aber einen Wandel (zu einem anderen Land) durchmachte; das unabhängige Montenegro erlebte er als Spieler nicht mehr. Für SCG und Montenegro haben zB Vucinic und Boskovic gespielt. Bleibt von den YU-Nachfolgestaaten noch Kosovo/Kosova. Valon Berisha ist in Schweden in einer kosovo-albanische Familie geboren, spielte in und für Norwegen, bevor er für Kosova spielen durfte. Ujkani hat für Albanien gespielt, bevor er Kosova-Nationalspieler wurde. Einige Kosovo-Stämmige spielen für andere Länder, Januzaj zB für Belgien.

Polen: Der ehemalige Tormann Jan Tomaszewski (WM 74 3. mit dem polnischen Team), der in die Politik gegangen ist (2011 für die von Kaczyński geführte Recht und Gerechtigkeit/ PiS ins Parlament gewählt), kritisierte vor der Heim-EM 16 die Einbürgerung von Spielern mit polnischen Wurzeln aus Deutschland und Frankreich, die dort auch in Nachwuchs-Nationalteams gespielt haben und kaum Polnisch könnten. Dies betraf den erwähnten Boenisch13, sowie Polanski, Obraniak und Perquis. „Das ist keine typische polnische Mannschaft mehr, sondern der Mülleimer Europas“. Beinahe 15 Jahre zuvor war der gebürtige Nigerianer Olisadebe eingebürgert worden, spielte bei der WM 02.

Josef Bican wurde in den letzten Jahren von Österreich-Ungarn in eine tschechische Familie in Wien geboren, war Fussballer u.a. bei Rapid, und in jenem österreichischen Team das bei der WM 34 Vierter wurde (das erste Wunderteam); ging als Legionär zu Slavia Prag, wurde tschechoslowakischer Staatsbürger, spielte für dessen Nationalteam, sowie für jenes der nazideutschen Protektorats „Böhmen und Mähren“, erlebte auch noch die CSSR. Franz „Bimbo“ Binder wurde mit Rapid nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich deutscher Meister, war einer jener Österreicher, die 38-42 im deutschen Team spielten (wie auch Karl Decker,..). Rudolf Hiden ging als Legionär nach Frankreich, machte dort 1 LS. Merkel ist halb „Ösi“, halb Deutscher, hat als Spieler meist in Österreich gelebt und gearbeitet, spielte vor dem Krieg für Deutschland, danach für Österreich; seine Kommentare über den österreichischen Fussball sind berüchtigt bzw legendär.

Helmut Köglbergers Vater war ein schwarzer USA-Soldat, der in Oberösterreich stationiert war, er ist am Land aufgewachsen. „Es war ja nicht so, dass nach dem Krieg die vielen Nazis sofort ihre Einstellung geändert hätten“, sagte er dazu. Manfred Braschler’s Eltern waren aus der Schweiz nach Tirol ausgewandert, er spielte in der Wiederaufstiegssaison 1981/82 für von Wacker Innsbruck. Als der damalige ÖFB-Teamchef Stotz an ihm Interesse zeigte, entbrannte ein Streit um seine Staatsbürgerschaft, Braschler entschied sich schliesslich für die Schweiz. Vastic ist bei Kroatien einmal auf der Bank gesessen, ehe er Österreicher wurde. Nach (der WM) 98 kamen mehr Eingebürgerte und Einwanderer-Kinder ins Nationalteam (Kocijan, Akagündüz, Sebastian Martinez, der zurückgeholte Auslands-Österreicher Lexa,…), richtig Viele nach (der EM) 08. Bei der EM 16 machten Alaba, Dragovic & Co schon einen grossen Teil der Mannschaft aus.

Für die Tschechoslowakei und dann für das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ spielten zB Puc, Burgr, und Bican, für die Tschechoslowakei und die Slowakei spielten Stastny oder Daucik, Reimann spielte für die Slowakei und dann die CSSR. Für die CSSR, die CSFR und Tschechien spielte zB Skuhravy, die CSSR und CSFR zB Stejskal, die CSFR & Tschechien zB Kuka, nur für Tschechien zB Nedved. Für die Tschechoslowakei und die Slowakei spielten Moravcik (CSSR und CSFR), Dubovsky, Tittel, Kinder, Weiss, Molnar, Glonek, Timko, Vencel, Pecko, Hyravy, Kristofik, Luhovy, Hipp.

Rumänien: in den 1940ern gab es durch die erzwungene Abtretung von Teilen Transylvaniens an Ungarn einige ungarische Rumänen die auch für Ungarn spielten, ua Bodola und Francisc Spielmann. Später waren die diversen nationalen Minderheiten im rumänischen Nationalteam vertreten: Bölöni (Ungarn), Klein (Deutsche), Belodedici (Serben), Halagian (Armenier), Hagi (soll Aromune sein),… Im Nationalteam von Albanien gab es in den letzten Jahren einige anderswo geborene/aufgewachsene Albaner (sowohl aus Gross-Albanien als auch Diaspora), wie Lenjani (aus Kosova), Mavraj (aus Deutschland), Aliji (aus Makedonien).

Innerhalb Südamerikas gab und gibt es weit weniger Nationswechsel als zwischen Südamerika und Europa. Ein Beispiel ist Alberto Spencer, der Jamaica-stämmige Ecuadorianer. Er wurde in den 1960ern Legionär bei Penarol Montevideo, wurde dort eingebürgert und spielte auch für das Nationalteam von Uruguay. Eulogio Martinez und Raul Amarilla wechselten beide zwischen Paraguay und Spanien hin und her, also auch zwischen Europa und Südamerika.

Bezüglich Afrika verhält es sich ähnlich. Es gibt mehr Wechsel mit Europa als innerhalb. Bruce Grobbelaar dürfte von der Wurzel afrikaanser weisser Südafrikaner sein (evtl mit einer Beimischung von i-wo, wie viele Afrikaaner), ist in Rhodesien aufgewachsen, machte dort auch Militärdienst, und 1 Länderspiel, 1979 ging er als Legionär nach Canada, ’81 zum FC Liverpool in GB, spielte in dieser Zeit international für Zimbabwe, wie das Land seit dem Ende der weissen Mnderheits-Herrschaft heisst. Er dürfte auch britischer Staatsbürger geworden sein. Viera Ellong wechselte von Kamerun zu Äquatorial-Guinea. Shabani Nonda, der bei Monaco, Roma und Galatasaray spielte, wurde in Burundi geboren, spielte aber für die DR Congo.

Michel (Mazingu-Sinda-)Dinzey ist teilweise Deutscher, teilweise Kongolese, lebte immer in Deutschland, spielte international aber für Kongo bzw Zaire, wie das Land unter Mobutu hiess. Ähnlich war es bei dem Deutsch-Kameruner Joel Matip. Pierre-Emerick Aubameyang wurde in Laval in Frankreich geboren, als sein Vater, gabunesischer Fussballprofi, dort spielte; seine Mutter ist Spanierin. Er hat mehrere Staatsbürgerschaften, spielt für Gabun. Peter Odemwingie wurde in der Usbekischen SSR geboren, als Sohn eines Nigerianers und einer Russin. Er „pendelte“ jahrelang zwischen Russland und Nigeria, auch als er schon Fussballer war. Spielte schliesslich international für Nigeria (u.a. WM 10 und 14) und auf Klubebene meist in England. Raschid Azzouzi ist ein in Deutschland geborener Marokkaner, spielte für Marokko. Der Malier Frederic Kanoute ist in Frankreich geboren. Hans Vonk, Niederländer, entschied sich fussballerisch auch für das Land der Vorfahren in Afrika, Südafrika.

Joseph Gaetjens aus Haiti („Mulatte“, mit etwas europäischer Herkunft auch), spielte dort, in USA und Frankreich, für die Nationalteams von Haiti und USA (WM 50); Stefan Szefer lief aus dem kommunistischen Polen in den 1960ern über, spielte dann auch für das Nationalteam der USA; Del Llano spielte für USA und Bolivien, Armas für Puerto Rico (das fussballerisch unabhängig ist) und USA. David Regis ist einer jener ehemaligen USA-Nationalspieler, die von anderswo stammen, er ist aus dem französischen Martinique. „Tab“ Ramos und Clavijo sind aus Uruguay, Fredua Adu aus Ghana, Wegerle aus Südafrika, Dooley ist in Deutschland geboren. Claudio Reyna ist in der USA geboren, die Eltern sind aus Argentinien und Portugal. Marcelo Balboa ist auch argentinischer Herkunft, Onyewu nigerianischer, Altidore haitianischer, Bocanegra mexikanischer,… Osvaldo Alonso hat aus Cuba in die USA rübergemacht, konnte aber nicht das Nationalteam wechseln.

Asien: Erdal Keser ist in Deutschland aufgewachsen, hat für die Türkei gespielt, wie die Altintops. Mustafa Izzets Vater ist ein türkischer Zypriote, der nach GB ging, eine Dortige heiratete, Izzet spielte für die Türkei, lernte während der EM 2000 Türkisch. Bei Colin Kazim-Richards ist es ähnlich, nur dass seine Mutter eine aus der Karibik (Antigua & Barbuda) stammende Britin ist. Lefter Kücükandonyadis war ein Istanbul-Grieche, der das „Kücük“ (klein) irgendwann an seinen griechischen Namen bekam. Somit kein Nationswechsler bzw Immigrant sondern Angehöriger einer Minderheit. Er spielte bei der WM 54 für die Türkei.

In Japan begann 1993 die J-League, es kamen Legionäre aus allen Teilen der Welt, manche, um dort ihre Karriere „auszulaufen“ und nebenbei etwas „Entwicklungshilfe“ zu leisten, wie Gary Lineker, andere liessen sich dort einbürgern, wie die Brasilianer Wagner Lopes, Alessandro Santos und Ruy Ramos. Im Iran gab/gibt es mit Dejagah, Zandi, Davari drei in Deutschland aufgewachsene Nationalspieler (mit teilweise deutschen Wurzeln). Andranik Teymourian ist dagegen Angehöriger einer Minderheit.

Fereydoun Zandi 2006 beim Training des iranischen Nationalteams („Team Melli“) vor der WM. Umgeben von den Deutschland-Legionären Mahdavikia, Hashemian (der sich anscheinend bemüht, Zandis Persisch zu verstehen), Daei

Jong Tae-se wurde in Japan in eine koreanische Familie geboren. Er identifiziert sich mit Nord-Korea, sagt dass die Familie von dort stammt. Wurde nordkoreanischer Staatsbürger und spielte für dessen Nationalteam, u.a. bei der WM 10; auf Klubebene in Japan, Deutschland, Südkorea. Bei der WM schluchzte er bei der nordkoreanischen Nationalhymne vor dem Match gegen Brasilien. Bhaichung Bhutia, einer der besten Fussballer, den Indien hervor brachte, stammt aus Sikkim, ist 1976 dort geboren, ein Jahr nachdem dieses Teil Indiens wurde.

Viele Israelis sind anderswo geboren (und aufgewachsen) oder im damals britisch beherrschten Palästina, bevor dort Israel entstand – darunter auch fast alle Staats- und Ministerpräsidenten. Solche waren klarerweise auch im Fussball vertreten, etwa Mordechai Spiegler, der aus der Sowjetunion stammt. Von späteren jüdischen Einwanderern (solchen die nach der Staatsgründung ins Land kamen) ist etwa Daniel Brailovsky zu nennen, der in Uruguay auch schon Fussballer war. Die um die Gründung Israels 1948 nicht vertriebenen Palästinenser, die „israelischen Araber“, sind in diesem Nationalteam auch vertreten; ein wichtiger solcher Spieler war Rafit Turk. Giangos Simantiris war anscheinend ein Grieche, der als Legionär in Haifa spielte und in dieser Zeit auch einmal für das israelische Team. Danach auch für Griechenland. Bei Colautti war es ähnlich, nur dass sich dieser einbürgern liess, nachdem er eine Israelin heiratete, und für kein anderes Nationalteam spielte.

Der Fussball in Australien war lange von späteren, nicht-britisch/irischen Einwanderern dominiert, anderen Einwanderer-Gruppen aus Europa, aus dem damaligen Jugoslawien, Griechenland, Italien, Polen, Deutschland,… Diese Gemeinschaften hatten/haben auch eigene Klubs. Die meisten dieser Fussballer mit Migrationshintergrund sind in Australien geboren und haben nur für dessen Nationalteam gespielt. Joseph Didulica ist da eine Ausnahme, er hat für die australische U23 gespielt, entschied sich dann aber für das Land der Eltern, Kroatien.

Auf rsssf.com eine Seite über Klubs, die in verschiedenen Ligen/Ländern gespielt haben. Im Eishockey hat das Wechseln von Klubs in andere Ligen eine lange Tradition. In diesem Sport sind es sehr oft Kanadier, die für andere Länder spielen. Das Mutterland des Eishockey hat gute Spieler im Überfluss, kann sie exportieren. Und was dort 3. Wahl ist, ist anderswo ein Leistungsträger. Kanadier (oder seltener, US-Amerikaner) haben teilweise Wurzeln in den Ländern, in die sie gehen, teilweise nicht. Kanadier, auch EH-Spieler, haben Wurzeln von fast überall in der Welt, v.a. aus allen Teilen Europas, und teilweise spielten sie auch für genau diese Herkunfstländer. Aber es gehen in der Regel nur Jene, die nicht gut genug für die NHL bzw das Nationalteam sind (ist meistens eins bzw kongruent).

Die Hürde für einen Nationswechsel von Seiten der IIHF war lange jene, dass niemand 2 Nationen bei einem IIHF-Turnier repräsentieren durfte. 1987 wurde sie noch nivelliert. Anlass war die WM in Österreich (Wien, Stadthalle), und der Einsatz des polnischstämmigen Miroslav Sikora für (West-) Deutschland. Finnland protestierte gegen seinen Einsatz, da Sikora im polnischen Team bei einer U20-WM gespielt hatte. Nachdem sich die IIHF auf die Seite Finnlands gestellt hatte, trug der deutsche Verband (DEB) die Sache zu einem Wiener Gericht. Dieses gab den Deutschen Recht, was seine Spielerlaubnis bedeutete, und die IIHF änderte ihre Regeln.

Zur kanadischen Eishockey-Diaspora: Reinhard Divis gilt als der erste Österreicher, der in der NHL gespielt hat (2001), es gibt aber einige Austro-Kanadier, die das vor ihm getan haben. Diese waren damals noch keine Austro-Kanadier, sie haben aber in ihrer Karriere für kein anderes Nationalteam als das österreichische gespielt, sind Eishockey-Österreicher (und vermutlich Doppel-Staatsbürger). Austro-Kanadier (bzw allgemein Kanadier oder US-Amerikaner die nach Europa gehen und für europäische Nationalteams spielen) zeichnen sich eigentlich dadurch aus, dass sie für die NHL nicht gut genug waren; dennoch gibt es einige, die dort zumindest hinein geschnuppert haben. Zum Beispiel Nienhuis, Lavoie, Viveiros, Strong. Andere, wie St. John oder Stankiewicz, haben in Nordamerika nur in Minor Leagues gespielt.

Die Eishockey-Deutsch-Kanadier sind meistens solche mit deutschen Wurzeln, wie Kreis, Kölzig (der aber in Südafrika geboren ist) oder Krüger. Das niederländische EH-Team hatte ein Allzeit-Hoch mit eingebürgerten Kanadiern und Amerikanern, wie Larry van Wieren und David Livingston. 1978 gewann man die C-WM, im Jahr darauf die B-WM, 1980 nahm das NL-Team an Olympia teil, ’81 an der A-WM (erstmals seit den 1950ern). Ab 82 (wieder B) ging es dann wieder abwärts. Als Grossbritannien 1936 Olympiasieger wurde, hatte das Team einige Spieler mit Canada-Verbindung (wie James Chapell), Carl Erhardt dagegen hatte EH in Schweiz und Deutschland gelernt. Auch später waren Teil-Kanadier, wie Timothy Cranston, im britischen Team sehr präsent. Der gestandene NHL-Spieler Kenneth Hodge ist in GB geboren, hat aber nie international (für ein Nationalteam) gespielt.

Die guten Italo-Kanadier (Kanadier mit italienischen Wurzeln) spielen in der NHL und im kanadischen Nationalteam. So wie Roberto Luongo und die Esposito-Brüder. Die weniger Guten kamen als Legionäre zu Klubs in der italienischen Liga, viele wurden eingebürgert, spiel(t)en im italienischen Nationalteam. So wie Camazzola, Chitaroni, Iob, Mansi, Muzzatti, Orlando, Rosati, Scandella, Zarrillo,… „Jim“ Corsi und „Bob“ Manno ragen hier heraus, hätten wohl auch für Canada spielen können. Ausserdem gab es einige US-Amerikaner, die diesen Weg gingen, wie Delfino, Nardella,… Martin Pavlu stammt aus Tschechien, hat weitgehend in Italien EH spielen gelernt.

Domenichelli und Di Pietro sind Italo-Kanadier, die in der und für die Schweiz spiel(t)en. Raphael Diaz hat spanische Wurzeln, Vrabec tschechische, Bezina ist aus Kroatien. Im Team Kasachstans gibt es auch einige gebürtige Kanadier, die zunächst als Spieler zum KHL-KLub Barys Astana kamen, dann eingebürgert wurden. Z. B. Kevin Dallman, Neffe von Marty Dallman, der für Österreich spielte. Platt und Lalande sind gebürtige Kanadier, die für das Team von Weissrussland spiel(t)en; Imoo und Keller für Japan; Galbraith Vater & Sohn für Dänemark; Henderson oder Peloffy für Frankreich; Radunske oder Dalton für Südkorea; Prpic oder Rendulic für Kroatien; Reddick für Slowenien; Sarauer für Ungarn.

Manche Kanadier sind auch ganz oder zeitweise Amerikaner geworden. Der Sohn von Robert „Bobby“ Hull, Brett, etwa, oder „Gordie“ Howe’s Sohn Mark, oder „Chico“ Resch. Kanadische Eishockeysieler, die wiederum anderswo geboren wurden, sind zB Petr Nedved, der aus der CSSR rübermachte, für Canada spielte, dann für Tschechien. Wolski und Popiel stammen aus Dänemark bzw Polen, haben aber für kein Nationalteam gespielt. Robyn Regehr wurde in Brasilien geboren (und ist in Indonesien aufgewachsen), ist aber waschechter Kanadier, seine Eltern waren als Mennoniten-Missionare dort unterwegs.

Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991/92 mussten sich auch viele EH-Spieler entscheiden. Manche Russen spiel(t)en für andere Nachfolgestaaten der SU, genau so aber auch Spieler aus diesen Staaten für Russland. Der Anteil von Russen an der Bevölkerung ist in Kasachstan besonders hoch, zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit waren Russen sogar in der Mehrheit! Im Eishockey dominieren sie immer noch stark, das kasachische Team besteht zu etwa 90% aus russischen Kasachen. Der Tormann Nabokov ist ein (ehemaliger) russischer Kasache, der die Nationalität wechselte, er spielt für Russland. Oleg Znaroks wiederum scheint ein Russe zu sein, der zu SU-Zeiten in Lettland spielte, 92 ins westliche Ausland ging, für Lettland international spielte, das Team dann auch trainierte, dann auch das russische, wurde (auch) deutscher Staatsbürger als er dort spielte. Petrenko und Zhitnik sind Ukrainer, die in Post-SU-Zeit für Russland spielten.

Der Litauer Kasparaitis spielte für Sowjetunion und GUS (Olympiasieger 92) und danach für Russland, ab 93, als er auch seine erste NHL-Saison spielte – in diesem Jahr versuchte sich ein litauisches Auswahl-Team erstmals seit 1938 bei einer EH-WM, schaffte nicht die Qualifikation für die C-Gruppe. ’94 ebenso, 95 spielte es in der C2-Gruppe, 96 in der D,… Seit Anfang der 00er ist das litauische Team meist in der Divsion I, Gruppe B, also in der dritthöchsten Klasse der jährlichen WM. Das litauische Team war Kasparaitis anscheinend zu schlecht. Er ging den umgekehrten Weg als Girardelli, der von einer ausgesprochenen Ski-Nation zu einer mit null Ski-Tradition ging.

Danius Zubrus wiederum, der auch den Sprung in die NHL schaffte, spielt(e) für Litauen. Zunächst aber für Russland, beim World Cup 04. „Litauen braucht mich mehr als Russland“, befand er dann richtig. Er spielte bei der WM 05 sowie der WM 14, jeweils in der 3. Leistungsstufe. Seine WM-Teilnahmen sind die „tiefsten“ eines NHL-Spielers. Zubrus‘ Entsprechung im Fussball ist vielleicht George Weah, der Liberia treu blieb, der wohl schlechtesten Fussballnation, die einen Weltklassespieler hervorbrachte. Für Arturs Irbe war es überhaupt keine Frage, dass er für Lettland spielte, sobald er konnte.

Viktor Tichonov (nicht der legendäre Trainer, ein namensgleicher Spieler) ist als Russe zu SU-Zeiten in Lettland geboren, spielt für Russland. Andrej Makrov, ein russischer Este, ist Estland treu geblieben. Mogilny lief in der Endphase der SU in den Westen über, spielte aber danach für Russland. Gelashvili ist ein georgischer Russe, dessen Vorfahren auswanderten. Jewgeni Gussin ist in der Russischen SSR geboren, war EH-Tormann, wanderte als Jude nach Israel aus, spielte für dessen Auswahl, wurde Präsident des Eishockey-Verbands.

Boris Blank ist wie sein Cousin Sachar ein Kasachstan-Deutscher, der in Post-SU-Zeiten nach Deutschland ging, dort Nationalspieler wurde. Lewandowski, Stefan, Dietrich und Kotschnew sind auch (mehr oder weniger) SU-Deutsche, die nach Deutschland gingen. Gerhard Kiessling war DDR-Nationalspieler, ging mit seinem Sohn Udo in die BRD, arbeitete dort u.a. als Bundestrainer. Zu jenen DDR-Spielern, die nach der Vereinigung für die vergrösserte BRD spielten, zählt zB René Bielke. Mirko Lüdemann gehört schon der Generation aus der Ex-DDR an, die in diesem wiedervereinigten Deutschland eishockey-mäßig „sozialisiert“ wurden. Martin Reichel und Kühnhackl sind Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei bzw Tschechien. Matthias Plachta und der erwähnte Sikora stammen aus Polen; ersterer ist Sohn eines bekannten Spielers von dort. Evan Kaufmann ist jüdischer Amerikaner mit teilweise deutschen Wurzeln, wurde Doppelstaatsbürger und spielte für Deutschland. Akdag ist türkischer Herkunft.

Mike Buckna war ein Kanadier slowakischer Herkunft, ging in der Zwischenkriegszeit ins Land der Eltern, die Tschechoslowakei, spielte für dessen EH-Team bei WM, ging dann wieder nach Canada. Die Ihnacak-Brüder haben aus der Slowakei rübergemacht, in die NHL, Peter’s Sohn Brian ist in Canada aufgewachsen, wurde Europa-Legionär ind in Italien eingebürgert. Der slowakische EH-Spieler Radivojevic hat einen serbischen Vater. Der Franzose Almasy stammt aus der (Tschecho)slowakei, aus einer ungarischen Familie von dort. Jaroslav Drobny pendelte in den 1940ern und 1950ern zwischen EH und Tennis, von der Tschechoslowakei bzw Böhmen-Mähren zu Ägypten und Grossbritannien. Thomas Vaneks Vater Zdenek ist Tscheche der rüber machte, nach Österreich, seine Mutter Slowakin. Leo Gudas ist einer Jener, die für die CSSR (bis 1989), dann für die CSFR, und ab 1993 für Tschechien spielten.

Der Schwede Ulf Samuelsson wurde in seiner NHL-Zeit in der USA eingebürgert, Thomas Steen in Canada, ging dort sogar in die Politik. Manche ungarische Rumänen spiel(t)en lieber für das ungarische EH-Nationalteam als für das rumänische, etwa Arpad Mihaly, etwas dass es auch in anderen Sportarten gibt. Komarov ging von Estland nach Finnland. Der Belgier Mike Pellegrims wurde auch deutscher Staatsbürger. Mustafa Besic stammt aus Bosnien-Herzegowina, spielte zu YU-Zeiten in Slowenien (wie fast das ganze YU-Nationalteam), dann auch in Italien.

Weitere afrikanische Leichtathleten, die die Nation wechselten, sind zB Wilson Kipketer (Kenya > Dänemark; er hat soviel verdient dass er heute in Monaco lebt), Lonah Chemtai (Kenya > Israel), Mohammed Farah (Somalia > GB). Zola Budd war eine der südafrikanischen Sportler, die zu Apartheid-Zeiten wegen Sanktionen auswichen; andere gingen nach Ende der Apartheid, Karin Melis-Mey etwa in die Türkei.

Merlene Ottey aus Jamaica, eine der besten Kurzstrecken-Läuferinnen, startete nach einem Doping-Fall für Slowenien. Ein Länder-Hopping machte der Läufer Mark McCoy: Guyana, GB, Canada, Österreich. Mark Handelsman ging zu Apartheid-Zeiten aus Südafrika zu Israel. Tamaz Mezei/Tommy Kafri tat dies aus Ungarn, kehrte wieder zurück. Eduard Hämäläinen trat für das durch die Auflösung der SU unabhängig gewordene Weissrussland an, ging dann nach Finnland zurück, von wo seine Urgrosseltern im 1. WK in die SU deportiert worden waren.

Andere Athleten aus der SU traten einfach für deren entsprechende Nachfolgestaaten an, wie Bubka für die Ukraine. Die Kubanerin Fiona May wechselte nach Italien. Nora Ivanova/Güner/Edletzberger wechselte von Bulgarien in die Türkei und nach Österreich. Tatyana Polnova aus Russland in die Türkei, wurde zu Tuna Köstem.

Im alpinen Skisport sind Österreicher am ehesten das, was Brasilianer im Fussball sind, Kanadier im Eishockey, Afrikaner in der Leichtathletik. Wobei der Grund für den Nationswechsel meistens der war, dass sich der/die Betroffene im eigenen Verband übergangen bzw schlecht behandelt fühlte. Das war bei Katharina Gutensohn so14, bei Josef Strobl und Bernhard Knauss (zu Slowenien), Markus Eberle (auch Deutschland), Elfriede Eder (Grenada), Kilian Albrecht (Bulgarien), Claudia Riegler (Neuseeland, von wo ihre Mutter stammt). Umgekehrt, Einwanderer(-Kinder) sind im ÖSV rar; schon der Niederösterreicher Thomas Sykora war eine Art Exot.

Die Deutsche Christa Kinshofer startete zeitweise für die NL, die Tlalka-Zwillingsschwestern gingen aus Polen nach Frankreich, der Schweizer Urs Imboden zu Moldawien, die ungarische Rumänin Miklos fährt für Ungarn. Huberts zu Hohenlohe hat eigentlich nicht die Staatsbürgerschaft gewechselt, seit er für Mexico fährt; seine andere ist die Liechtensteins. Der Schwede Johan Wallner ist zwar österreichischer Herkunft, aber in Schweden geboren, als Nachkomme von Einwanderern.

Ski Nordisch: Der Skispringer Andreas Goldberger wollte nach seiner Kokain-Affäre 1997 für die BR Jugoslawien antreten. Der russische Langläufer Michail Botwinow trat für Österreich an. Vladimir Smirnov (ebenfalls LL) für die SU, die GUS und Kasachstan. Die Gebrüder Jan und Thomas Schmid, in Norwegen in eine Schweizer Familie geboren, treten, als Nordische Kombinierer, für Norwegen (Jan) bzw die Schweiz („Tommy“) an. TV-Entertainer Stefan Raab hatte geplant, bei Olympia 2002 im Langlauf an den Start zu gehen, als Mitglied des moldawischen Olympiateams. Doch die moldawischen Staatsorgane stimmten einer Schnell-Einbürgerung für ein „Jux-Unterfangen“ nicht zu. Und Raab trat im Boxen gegen Regina Halmich, im Eisschnelllauf gegen Claudia Pechstein, im Wok-Rodeln gegen Georg Hackl und für „Schlag den Raab“ gegen un-prominente Kandidaten (in verschieden, auch sportlichen, Disziplinen) an.

Der deutsche Biathlet Michael Rösch wechselte nach bzw zu Belgien, da er für Olympia 10 in Vancouver in der starken deutschen Mannschaft keinen Platz bekam. In Belgien ist keine Rede von einer Biathlon-Mannschaft (genau so wenig im damaligen Dritten Jugoslawien von einem Skisprungsport oder in Moldawien vom ernsthaft betriebenen Skilanglauf), somit hat er dort zwar keine Konkurrenz in dieser Sportart, aber aus diesem Grund musste er sich auch nach dem Nationswechsel 12 erst für Weltcup-Bewerbe qualifizieren, da Belgien dafür eben keine Plätze zugewiesen bekommt…

Die Tennis-Spieler Ivan Lendl und Martina Navratilova gingen Beide zu CSSR-Zeiten in die USA, wurden dort Staatsbürger. Martina Hingis‘ Vater ist mährischer Tscheche, die Mutter ungarische Slowakin, sie ist auch in der CSSR aufgewachsen, 1988 ging sie mit 8 Jahren mit der Familie in die Schweiz. Jakob Hlasek ging einen ähnlichen Weg. Richard Krajicek ist dagegen in der NL geborener Sohn von Emigranten aus der CSSR. Manuela Maleeva wechselte von Bulgarien zu Schweiz, nachdem sie einen Schweizer heiratete.

Greg Rusedski ist Kanadier englischer und deutsch-polnischer Herkunft, der Brite wurde. Sabine Lisickis Vater ist ein zT deutscher Pole, die Mutter eine „echte“ Polin, die Eltern sind nach Deutschland ausgesiedelt. A. Kerbers Eltern sind aus der Posen-Region in die BRD eingewandert, sie unterhält viele Verbindungen zu Polen. Caroline Wozniackis Eltern sind aus Polen in Dänemark eingewandert. Die Zverev-Familie wanderte aus Russland nach Deutschland aus, Mischa ist noch in der alten Heimat geboren, „Sascha“ schon in der neuen. Johan Kriek und Kevin Curren wechselten zu Apartheid-Zeiten aus Südafrika in die USA. Liezel Huber ging aus dem Post-Apartheid-Südafrika dorthin. Anna Smashnova trat im Nachwuchs-Bereich noch für die SU an, wanderte dann nach Israel aus; zeitweise trug sie den Namen des italienischen Trainers, den sie heiratete, Pistolesi.

Die US-amerikanische Basketball-Spielerin „Becky“ Hammon spielte einige jahre in Russland, u.a. bei ZSKA Moskau. Nachdem sie für Olympia 2008 nicht für das amerikanische Team nominiert wurde, entschied sie sich, für Russland zu spielen. Die russische Staatsbürgerschaft soll sie bei der Vertragsverlängerung bei ZSKA bekommen haben. Im Basketball sind es häufig Amerikaner, die anderswo hin gehen. Der Franzose „Tony“ Parker ist in Belgien geboren, sein Vater war aber ein afroamerikanischer Basketballspieler. Ein Einwanderer in die USA ist dagegen der Nigerianer Hakim Olajuwon. Puerto Rico ist auch im Basketball unabhängig (hat ein eigenes Nationalteam), daher spielte zB Carlos Arroyo dort. Auch den Nations-/Nationalteamwechsel durch die Auflösung der multiethnischen, kommunistischen Staaten gibt es in dieser Sportart. Sabonis oder Kukoc etwa haben sowohl für SU bzw YU gespielt, als auch deren Nachfolgestaaten Litauen bzw Kroatien.

Handball: Talant Duschebajew ist ein Kirgise, der in der SU aufwuchs, für diese sowie GUS und Russland spielte. 1992 ging er als Legionär nach Spanien, wo er eingebürgert wurde. Die beiden Söhne des jetzigen Trainers sind auch Handballer und Spanier geworden. Nikola Karabatic wurde in Nis (damals SFR YU) geboren, Bruder Luka in Strasburg. Beide spielen für Frankreich. Bogdan Wenta, aus Polen, wurde in seiner Legionärs-Zeit in Deutschland eingebürgert und spielte auch für dessen Nationalteam. Eines seiner ersten Länderspiele für Deutschland wäre gegen Polen gewesen, dieses liess er aus. Auch bei Milena Foltynova, die Anfang der 1980er eine der ersten osteuropäischen Spielerinnen war, die zu Hypo Südstadt kam und im Zuge dessen in Österreich eingebürgert wurden, war die Begegnung mit ihrem Herkunftsland (Tschechoslowakei) in Form eines Länderspiels höchst emotionell. Rund um diesen Tag hat sie noch mehr geraucht als sonst. Nach ihr wurden Jez, Kolar, Topei, Fridrikas,… zum Prokop-Klub und ins österreichische Team gelotst.

Der Eiskunstläufer Samuel Gezalian repräsentierte die SU, Weissrussland, Deutschland, Armenien. Tanja Szewczenkos Eltern stammen aus der SU. Die Duchesnay-Geschwister Isabelle und Paul sind aus Canada nach Frankreich gegangen. Ilhan Mansiz wurde als Türke tatarischer Herkunft im bayerischen Schwaben geboren, wurde Fussballer, spielte u.a. bei Besiktas Istanbul und im türkischen Team (WM 02!), 06 das Karriere-Ende. 07 Auftritt in der türkischen Version eines internationalen TV-Show-Formats, in dem professionelle Eistänzer mit Prominenten tanzen und um den Verbleib bzw Sieg kämpfen, mit seiner slowakischen Partnerin Olga Beständigova (slawisierte Version eines deutschen Namens) gewann er nicht nur. Er kam mit ihr auch privat zusammen und begann mit 33 eine Karriere als Eistänzer im Paarlauf. Die Beiden trainierten in Deutschland, sie änderte aber anscheined nicht ihre Nationalität, Ziel war Olympia 14, für das sie sich aber nicht qualifizierten.

Motorsport: Mario Andretti wurde im damals italienischen Istrien geboren, das 1945 zunächst von jugoslawischen Partisanen besetzt wurde, 1947 offiziell Jugoslawien zugesprochen. Dort ist er mit seinem Bruder mit Seifenkisten-Wagen durch die hügeligen Gassen seiner Heimatstadt Montona/Motovun gefahren, heist es. Die Familie ging 1948 nach Italien, wie viele andere Italiener von dort in diesen Jahren, 1955 weiter in die USA. Jochen Rindt kam aus einer deutsch-österreichischen Familie, war deutscher Staatsbürger und trat mit österreichischer Lizenz an.

Rugby: Aus Südafrika gingen zu Apartheid- und Post-Apartheid-Zeiten einige Spieler in diverse andere Länder, Philippe de Villiers nach Frankreich, Christiaan Roets nach Wales, Dries Mehrtens nach Neuseeland,… Im australischen Team gab und gibt es einige Eingebürgerte aus anderen Teilen Ozeaniens, etwa den Samoa-Stämmigen Darrell Ioane. Italien hat auch hier Italienisch-Stämmige eingebürgert (aus Argentinien, Australien,…) und andere (wie Geldenhuys aus RZA). John Plumtree ging von NZL nach Südafrika, wegen seiner Frau. John Lomu war Angehöriger der autochthonen Minderheit Neuseelands.

Kricket: Abdul-Hafiz Kardar spielte für das (geeinte) Indien, als es noch britische Kolonie war, und nach der Unabhängigkeit und Teilung für Pakistan. Bei einigen Anderen, wie Amir Elahi, war es ähnlich. Kepler Wessels „wich“ zu Apartheid-Zeiten aus Südafrika nach Australien „aus“, kehrte wieder zurück. Kevin Pietersen von von Südafrika nach Grossbritannien/England, A. C. Botha nach Irland. Clive Lloyd ist ein ehemaliger Spieler des West Indies-Teams, das aus Spielern der anglophonen Karibik-Länder gebildet wird. Lloyd ist aus Guyana.

Im Fechten wechselte Nathalie Moellhausen von Deutschland nach Brasilien. Anja Fichtel war in erster Ehe mit dem österreichischen Fechter Merten Mauritz verheiratet und trat während dieser Ehe als Anja Fichtel-Mauritz an, lebte in Österreich; scheute auch nicht die Konfrontation mit ihrem langjährigen Förderer Emil Beck (Tauberbischofheim). Damals erwog sie sogar kurzzeitig, für Österreich zu fechten.

Hugo Simon wurde im damals deutsch annektierten „Sudetenland“ geboren, wuchs in der BRD auf, wurde Österreicher. Der deutsche Springreiter Ulrich Kirchhoff startete ür die Ukraine, seit er mit einem ukrainischen Millionär zusammen kam. Christian Ahlmann wollte die Nation wechseln als er wegen Dopings (seines Pferds) gesperrt war.

Der Gewichtheber Matthias Steiner wechselte bekanntlich von Österreich nach Deutschland. Bei Hossein Rezazadeh, Aseri-Iraner, Gewichtheber, stand mal ein Wechsel zur Türkei im Raum (oder in manchen Medien), er wurde aber Stadtrat in Teheran.

Im Boxen gibt es zB einige Deutsche mit Wurzeln anderswo, wie Michalczewski  (Polen), Krasniqi (Albanien), Abrahamian (Armenien), Riocchigiani (Italien). Die Klitschko-Brüder, in der SU aufgewachsen, leben dagegen nur zeitweise in Deutschland.

Eisschnelllauf: Emese Hunyady wechselte von Ungarn zu Österreich. Anna Friesinger hat zwar eine polnische Mutter und hat einen Holländer geheiratet, blieb aber Deutschland treu

Volleyball: Vjacheslav Zaytsev kam als Legionär aus der SU nach Italien, in dieser Zeit wurde sein Sohn Ivan geboren, der für Italien spielt.

Im Tischtennis sind Chinesen oft „Wanderspieler“, wie Ding Yi, der nach Österreich ging. Dimitrij Ovtcharev ging aus der Ukraine nach Deutschland

Christopher Froome fuhr früher in und für Kenia Rad, nun in GB

Die Golferin Miriam Nagl aus Berlin schlägt unter der Flagge Brasiliens ab, wo sie aufgewachsen ist

Die in Jugoslawien aufgewachsene Kroatin Mirna Jukic wurde in Österreich eine Weltklasse-Schwimmerin

Violetta Oblinger-Peters, deutsche Kanu-Fahrerin fuhr für Österreich, aufgrund ihrer privaten Liaison

Wendy Botha (Surfen) ging während der Apartheid von Südafrika nach Australien

Der Ringer Nazarian wechselte von Armenien zu Bulgarien

Die Turnerin Magdalena Brzeska zog von Polen nach Deutschland

Die Schach-Spielerin Zsuzsanna/Susan Polgár Schach wechselte von Ungarn in die USA, Schwester Zsofia zu Canada, dann Israel, Judit blieb in Ungarn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Etwas, das auch Matthias Rust gemacht haben soll
  2. 07 schossen in einem Länderspiel zwischen Österreich und Tschechien Martin Harnik (der nebenbei halber Deutscher ist) das Tor für Österreich und Jan Koller das für Tschechien; ohne das es einen Nationswechsel gegeben hätte oder das Eigentore gewesen wäre
  3. Das „tatsächlich“ war manchmal auch gar kein Nationalteam
  4. Leute aus dem indischen Raum sind dort zwar die grösste Einwanderer-Gruppe, sind aber im Fussball fast nicht vertreten, ihr Sport ist das Kricket
  5. Manchmal waren diese irischen Wurzeln aber reichlich „dünn“; „Bernie“ Slaven zB, ebenfalls aus Schottland, hatte gerade eine irische Grossmutter
  6. Man kann sagen, Deutsche und Polen haben zusammen die beiden Industriegebiete des Deutschen Reichs aufgebaut, im Rheinland und Schlesien, in der Kaiserzeit
  7. Das erste Länderspiel des DFV bzw der DDR war 1952; soviel ich weiss gab es keinen, der schon für das Reich gespielt hatte und dann auch für die DDR
  8. Die Türkei hätte Özil gerne gehabt
  9. Ausserdem fallen mir Bonini (San Marino) und Rosso (Kroatien) ein. Beide sind aber keine Auswanderer(-Nachfahren). Rosso ist aus einem Gebiet (Dalmatien), das früher italienisch war, Bonini aus einem Staat, der im Zuge des Risorgimento nicht in Italien aufging. Giovanni Rosso wollte übrigens für Israel spielen, wo er als Legionär engagiert war
  10. Erinnert an Netanyahu und die geplante Mauer in Jerusalem: Einerseits der Wille zur Abgrenzung (hier zu den Palästinensern), andererseits ist natürlich gaaanz Jerusalem jüdisch und israelisch…
  11. Der argentinische Stürmer Gonzalo Higuain wurde dagegen in Frankreich geboren, als sein Vater dort bei Brest Legionär war
  12. So wie Alain Finkielkraut, der 05 zu „Haaretz“ sagte, das von „Black, Blanc, Beur“ nur „Black, Black, Black“ übrig geblieben sei. In dem Interview ging es eigentlich um die Banlieu-Unruhen. Es ist anzunehmen, dass MEMRI nicht übersetzt und verbreitet hat. Auch auf „Politically Incorrect“ empörte man sich über die Zusammensetzung des französischen Teams
  13. Dass der Abschnitt über Deutschland und jener über Polen schwer ordentlich voneinander zu trennen ist, sagt etwas aus
  14. Die, als sie zum DSV wechselte, auch mit einem Deutschen verheiratet war; später wechselte sie dann auch die Sportart, zum Skicross

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