Israel und die Apartheid

 

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Rima Khalaf, eine der UN-Unter-Generalsekretäre, verfasste 2017 einen Bericht, in dem sie eine Apartheid-Politik Israels gegenüber den Palästinensern konstatierte. UN-Generalsekretär Antonio Guterres liess den Bericht zurückziehen bzw von der UN-Webseite verschwinden… Israels UN-Botschafter “Danny” Danon (marokkanischer Herkunft) nannte Khalaf prompt eine “Antisemitin”. Danon, der sich dafür ausspricht, die israelische Souveränität (auch offiziell) über die “Westbank” auszudehnen, gegen eine Friedenslösung mit den Palästinensern ist, der für jede “Rakete” die aus Gaza abgefeuert wird, eine Wohngegend in diesem “Streifen” “auslöschen” lassen will. Und das sind nur jene Äusserungen von ihm, die im englischen Wikipedia-Artikel über ihn trotz entsprechender Bemühungen (noch) nicht gelöscht worden sind. Zu ihm und seiner Reaktion zur Attestierung der Apartheid kann man aufgrund seines “Hintergrunds” sagen, “QED”. Aber er ragt aus seiner Partei diesbezüglich nicht heraus, ist ein normaler Likudnik.2 In diesem Artikel geht es um die Zusammenarbeit von Israel mit Südafrika zu Apartheid-Zeiten; die Gemeinsamkeiten dieser Systeme bzw die Analogie; Entwicklungen im Post-Apartheid-Südafrika mit Relevanz bezüglich Israel; Israels Politik gegenüber Afrika; diesen Systemen zugrunde liegende Denkweisen, Entwicklungen, Querverbindungen, sowie den Diskurs über Zionismus und Apartheid.

Die Zusammenarbeit von Israel und Apartheid-Südafrika

Südafrika war zu Apartheid-Zeiten einer der wichtigsten und engsten Partner Israels, was sich ja auch daran zeigt, dass sich diese Partnerschaft sehr tief in den “Sicherheits”-Bereich hinein erstreckte. Mit der Demokratisierung Südafrikas gab es einen scharfen Bruch in der Beziehung dieser Länder, vor allem fehlte jetzt das gemeinsame ideologische Fundament, das man zuvor sah.

Ein Blick zurück: Als 1910 die Südafrikanische Union (als britisches Dominion) entstand, waren Nicht-Weisse (die Bevölkerungsmehrheit) bereits klar Bürger zweiter und dritter Klasse. Innerhalb des weissen Bevölkerungssegments gab es eine Trennlinie, die nicht (ganz) deckungsgleich mit jener zwischen Afrikaans- und Englisch-Sprachigen war, jene zwischen den Anhängern der SAP (South African Party) und der NP (Nasionale Party, Vorgängerin der Apartheid-Partei). Dieser Konflikt drehte sich hauptsächlich um das Verhältnis zu Grossbritannien und entzündete sich im 1. Weltkrieg vollends. In der Zwischenkriegszeit wurde die NP öfters an Regierungen der SAP beteiligt, vereinigte sich schliesslich 1934 mit ihr zur United Party (UP). Ein Teil der NP, unter Daniel F. Malan, gründete aber 1935 die Gesuiwerde Nasionale Party (GNP). Als in Europa der “2. Weltkrieg” ausbrach, spaltete sich die UP, Premierminister James B. Hertzog3 war dafür, dass Südafrika neutral bleibt, der Flügel um Jan C. Smuts für den Kriegs-Eintritt an der Seite von GB bzw den Alliierten. Smuts setzte sich durch, wurde Premier, Hertzog einigte sich zunächst mit Malan und der GNP, auf die Gründung der Herenigde Nasionale Party (HNP).

Zu den Differenzen zwischen Hertzog und Malan gehörte, dass zweiterer für einen Kriegseintritt an der Seite des nationalsozialistischen Deutschen Reichs bzw der Achsenmächte war. Daher spaltete sich eine Fraktion unter Hertzog von der HNP ab, gründete die Afrikaner Party (AP). Während südafrikanische Truppen in Afrika, Europa und Asien an der Seite der Alliierten kämpften, gab es in Südafrika viel Aktivismus für Nazi-Deutschland, von Organisationen wie der Ossewabrandwag (OB), aber auch der oppositionellen HNP unter Malan.4 Das Hitler-Regime sah ausser-europäische Kolonien nicht als Priorität (eher die Weltherrschaft), erwartete aber von einer mit ihm sympathisierenden Regierung Südafrikas eine Rückgabe von Südwestafrika, des ehemaligen deutschen Schutzgebiets (das wichtigste), das seit dem 1. WK von Südafrika verwaltet wurde. “Dafür” sollte sich Südafrika britische Kolonien im südlichen Afrika einverleiben, wie Swaziland, Bechuanaland (> Botswana), Basutoland (> Lesotho) und Southern Rhodesia (> Zimbabwe).

Aber, bei der Wahl 1943 setzte sich nochmal klar die UP vor der HNP durch; und das war einige Monate nach der Kriegswende in der Schlacht von Stalingrad. In beiden weissen Lagern gab es Sympathie für die Sache der Zionisten in Palästina (die zu jener Zeit auch konkretisiert wurde), sah man Gemeinsamkeiten zu Anliegen der Weissen in Südafrika. Jan Smuts (SAP, UP), der probritische, in der Zwischenkriegszeit dominierende Politiker, hatte Kontakte zu Chaim Weizman und der zionistischen Bewegung. Er unterstützte die Gründung Israels, über seine Verbindungen mit wichtigen britischen Politikern. Die engen Beziehungen zwischen Südafrika und Israel wurden von ihm begründet. Südafrika war unter den 33 Staaten, die 1947 für den umstrittenen UN-Teilungsvorschlag für Palästina stimmten, einer von nur 4 Commonwealth-Staaten. Und es war einer der ersten Staaten, die die Ausrufung “Israels” in Palästina anerkannten. Diese Proklamation geschah am 14. Mai 1948, wenige Wochen später wählte Südafrika, bzw seine weissen Bürger5, ein neues Parlament.

Die HNP besiegte die UP, bildete eine Koalition mit der AP, Daniel Malan wurde Premier. Die beiden Parteien vereinigten sich einige Jahre später zur (neuen) Nationalen Partei (NP). Während in Südafrika auf Grundlage einer sauberen (nicht geschobenen) Wahl6 die Apartheid-Politik begann, lief in Palästina die entscheidenden Phase der Nakba an. Und in diesem “israelischen Unabhängigkeitskrieg” gab es schon eine Unterstützung durch Südafrika für die zionistische Seite. Jedenfalls liess die südafrikanische Regierung tausende Juden aus Südafrika nach Palästina ziehen, wo sie für die Gründung Israels kämpften.7 Israel war bzw wurde Teil des global vorherrschenden weissen Systems. Die Apartheid in Südafrika brachte ein Ende einer “milden” Rassentrennungs- (und -diskriminierungs) politik, brachte für die Nicht-Weissen weitere Verschlechterungen, Entmachtungen; nicht umsonst hatte auch ein Wahlkampf-Slogan der NP gelautet “Die kaffer op sy plek”.8 Sie brachte aber auch eine schrittweise Machtübernahme der Afrika(an)ner/ Buren auf Kosten der Englisch-Sprachigen. Buren standen von nun an vorwiegendst hinter der regierenden NP, englischsprachige Weisse hinter der oppositionellen UP. Die Juden Südafrikas standen meist an der Seite der Englischsprachigen, mit denen sie Vieles teilten, bzw waren (sind) Teil davon.

Die NP vertrat einen Afrikaaner-Nationalismus, der sich nicht nur gegen die Schwarzen im Lande richtete, sondern auch WKII-revisionistisch bzw prodeutsch war, im Grunde auch anglophob und antijüdisch. Die nun von der NP gestellten südafrikanischen Regierungen sahen die Juden im Land als Weisse, was auch kohärent war, da der allergrösste Teil davon aschkenasisch war, die meisten litauischer Herkunft. Und somit hell genug9, im Gegensatz zu vielen Israelis, die damals (meist frisch umgesiedelt) selbst noch Bürger zweiter Klasse waren. Ausserdem konnte man es sich angesichts der demographischen Verhältnisse nicht leisten, einen Teil der Bevölkerung den “Farbigen” zuzuschlagen, der für die “Weissen” in Frage kam. Man wollte Juden auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht vergraulen. Es gab auf der Seite der Buren/Afrikaaner die typische rechte Bewunderung für Israel10, hier verstärkt durch die Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und den (zum Teil fundamentalistischen) Calvinismus. Der klassische Antisemitismus bei rechten Afrikaanern trat unter diesen Umständen in den Hintergrund, auch dies klassisch.

Buren haben die Portugiesen einst als „Seekaffer“ verachtet… dann aber viele von ihnen “eingevolkt”11. Und die portugiesische Kolonialherrschaft im südlichen Afrika wurde nun auch ein Verbündeter der weissen Minderheitsherrscher Südafrikas; nach ihrem Ende strömten auch wieder portugiesische Siedler von dort nach Südafrika. In der Not frisst der Teufel Fliegen. Zu Apartheid-Zeiten waren in Südafrika natürlich nur weisse Einwanderer erwünscht. Aber: Katholiken, Anglosachsen sowie Ost-Europäer waren eigentlich unerwünscht. Es blieben Niederländer, Deutsche, Skandinavier…12 Die heutigen Schwierigkeiten von burischen Rechten bei der internationalen Zusammenarbeit und dem Allianzen-bilden im Inneren stehen auch in diesem Zusammenhang.

Malan besuchte Israel das erste Mal 1953.13 Jener Malan, der 1930 als Innenminister ein Einwanderungsgesetz ausarbeitete, das Nordwest-Europäer bevorzugte und jüdische Einwanderung erschwerte. Als 1937 unter einer UP-Regierung ein neues Gesetz die Einwanderung nach Südafrika betreffend kam, protestierte der damalige GNP-Chef und Oppositionsführer Malan dagegen, forderte u. a. das Verbot jüdischer Einwanderung, die Streichung von Jiddisch als anerkannte europäische Sprache die Einwanderung betreffend, keine weiteren Einbürgerungen jüdischer Immigranten, das Verbot der Ausübung gewisser Berufe für Juden.14 Malans Nachfolger als Premier, Johannes G. Strijdom, klagte in seinen früheren Jahren über den “britisch-jüdischen Kapitalismus“. Hendrik F. Verwoerd wurde während seines Studiums in Deutschland (vor der NS-Zeit) mit völkischen Ideologien bekannt. Später protestierte er in Südafrika gegen den Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten und gegen die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge. Johannes B. Vorster war zu dieser Zeit in der Ossewabrandwag aktiv. Auch Pieter W. Botha beteiligte sich an Aktionen, die sich gegen die Beteiligung Südafrikas am Kampf gegen Nazi-Deutschland richteten. Sie alle fuhren dann als Herrscher Südafrikas eine pro-israelische Politik. Auf den ersten Blick ein Widerspruch.

Die Zusammenarbeit zwischen Südafrika (wo Nicht-Weisse Menschen zweiter und dritter Klasse waren) und Israel (das sich damals über ein Gebiet erstreckte, das von Nicht-Juden grossteils “gesäubert” war) war in den 1950ern und frühen 1960ern hauptsächlich eine wirtschaftliche. Jene im „Sicherheits-” (Unterdrückungs-) Bereich kam erst danach auf Touren. Südafrika hatte für die Weltwirtschaft wichtige Bodenschätze, Gold, Diamanten, Uran, und der Handel mit den grossteils von “farbigen” Arbeitskräften geförderten Rohstoffe war seit Ende des 19. Jh die Stütze der Wirtschaft des Landes. Der Handel mit Diamanten war zentral in der israelisch-südafrikanischen Partnerschaft, und diese schloss die südafrikanischen Juden zu einem Dreieck mit ein. Anglo-American/DeBeers (Ernest Oppenheimer) kontrollierte die Förderung in Südafrika und ihre Verarbeitung in Israel (v.a. von Industriediamanten) sowie in Antwerpen (v.a. für Schmuck), dominiert(e) den Weltmarkt. Theophilus E. Dönges, damals Innenminister des Apartheid-Regimes15, hat zB 1953 bei einer Feier der jüdischen Gemeinde von Worcester (damals Kap-Provinz) gesagt, es gäbe sicherlich eine “Verwandtschaft” zwischen Juden und Afrikaanern und gratulierte zu den wirtschaftlichen Errungenschaften der Juden.

Den South African Jewish Board of Deputies (SAJBD) befriedigten solche Bezeugungen bezüglich der Lage der Juden in Südafrika unter NP/Apartheid-Regierungen. Die Beziehung war aber nicht unkompliziert. Zumal die Juden Südafrikas englisch geprägt waren und auch überwiegend die Oppositionspartei UP wählten. In der UP gab es verschiedene Flügel, die sich hauptsächlich an der Haltung zur Apartheid bzw zur Mitbestimmung der Nicht-Weissen schieden. 1959 spaltete sich der liberale Flügel der UP, mit Helen Suzman und anderen Juden, ab und gründete die Progressive Party (PP).16 Als Suzman 1959, noch als UP-Abgeordnete, im (weissen) Parlament die Behandlung von schwarzen Arbeitern auf weissen Farmen thematisierte, kam von NP-Abgeordneten gleich der Hinweis auf die jüdische Identität von ihr und anderen UP-Politikern. Ein gewisses Ressentiment hielt sich bei rechten Afrikaanern gegenüber Juden, bei aller Bewunderung für Israel, kam hie und da zum Vorschein.

Israel konnte sich an den Westen anlehnen (anfangs hauptsächlich Frankreich, ab dem Krieg 67 die USA), ging Allianzen mit “antikommunistischen” Regimen wie der Militärdiktatur über Argentinien ein17, versuchte Verbündete in der weiteren Region zu finden18 (wie Iran unter dem letzten Schah19), und, es versuchte auch, in der “Dritten Welt” Einfluss zu gewinnen20 – so auch in Schwarz-Afrika ab den 1950ern. In dieser Phase stimmte es zweimal, 1961 und 1966, in der UN gegen Südafrika, ging auf Distanz zur Apartheid, um Alliierte unter den unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten zu finden. 1961 ging es um eine Resolution zur Verurteilung der Apartheid21, 1966 um die Aberkennung des Mandats über Südwestafrika (Namibia). Dadurch wurde die Beziehung mit Apartheid-Südafrika kühler, konkret von Anfang der 60er bis 73, wobei 67 schon eine Rückverschiebung brachte.22 Südafrikas Premier 1958-1966, Hendrik Verwoerd, empörte sich 1961:

“Israel is not consistent in its new anti-apartheid attitude … they took Israel away from the Arabs after the Arabs lived there for a thousand years. In that, I agree with them. Israel, like South Africa, is an apartheid state.”

Ausserdem schrieb Verwoerd damals einen privaten Brief, der öffentlich wurde, in dem er Israels aktuelle Politik mit den Juden Südafrikas in Verbindung brachte, deren Unterstützung der PP, ihren Verbindungen zu Israel, und ausschloss, dass seine Regierung/Partei jemals “antisemitisch” agieren würde. Der SAJBD hat danach seine Loyalität “zu Südafrika” bekundet, beziehungsweise zu dem Regime, das gut zwei Drittel der Südafrikaner von politischer und ökonomischer Partizipation ausschloss. Israel hat aber auch damals mit diesem Regime an einem Strang gezogen. Etwa beim Versuch der Sezession Biafras von Nigeria 1967-70; dass auch Portugal dabei mit an Bord war, unterstreicht, dass es nicht um afrikanische Anliegen ging, im Gegenteil.23 Und, entgegen der diplomatischen Offensive gegenüber Afrika begann Israel in den 1960ern auch mit einer nuklearen Zusammenarbeit mit dem Apartheid-Regime. Uran-Lieferungen Südafrikas gegen nukleare Technologie und Know-how von Israel. Südafrika begann sein (zunächst ziviles) Atomprogramm so, Israel (das schon einige Schritte näher bei der Atombombe war) fand einen Partner der Frankreich ersetzte. Bei Israels Krieg 1967 half Südafrika unter Premierminister Vorster u.a. mit der Lieferung von Kampfflugzeugen.

Die Apartheid wurde nicht selten mit dem Kalten Krieg und Antikommunismus argumentiert; die globale Block- bzw Systemkonfrontation begann auch ziemlich parallel zum Apartheid-System in Südafrika. Die Vorenthaltung staatsbürgerlicher bzw politischer Rechte für Menschen, die man als “rassisch minderwertig” betrachtete, konnte so etwas beschönigt werden – heute verwendet man dafür gerne das “Islamismus”-Etikett. Dass die (erste) kommunistische Partei Südafrikas, die CPSA, auch für Nicht-Weisse offen war und Gleichberechtigung der schwarzen Völker Südafrikas (Zulus, Xhosas,…), der Asiaten und “Farbigen” befürwortete, sagt aber etwas Gutes über diese Partei aus, nicht etwas Schlechtes über diese Gleichberechtigung… Der NP-Propaganda fiel es aber so leichter, politische Rechte für Schwarze mit Kommunismus zu verbinden. Die CPSA wurde 1950 verboten, einige Jahre später im Untergrund als SACP neu gegründet.

Brian Bunting’s Vater war einer der Gründer der CPSA gewesen, er engagierte sich in der SACP. Im 2. WK diente Brian Bunting im südafrikanischen Militär; er weigerte sich zunächst an diesem Krieg teilzunehmen, in dem “zwei imperiale Mächte um mehr Territorium kämpften”, änderte aber seine Meinung, nachdem Nazi-Deutschland die SU angegriffen hatte. 1952/53 war er einer von drei (weissen) Abgeordneten, die Schwarze wählen durften – etwas, das dann auch bald abgeschafft wurde. 1953 verlor er seinen Parlamentssitz wegen seines kommunistischen Aktivismus’. Er arbeitete fortan als Journalist, und im Zentralkomitee der SACP, die sich im Untergrund mit dem African National Congress (ANC) verbündete. 1963 musste er ins Exil gehen, wie viele andere Anti-Apartheid-Aktivisten, nach GB. 1964 kam von ihm „The Rise of the South African Reich“ heraus, eine Analyse des Apartheid-Systems (siehe Literatur). 1991 konnte er nach Südafrika zurück kehren, durch die erste freie Wahl 1994 wurde er wieder Abgeordneter.

Die meisten südafrikanischen Juden unterstützten die Apartheid nicht, forderten sie aber nicht heraus. Die Juden Südafrikas (deren Zahl sich seit Jahrzehnten konstant bei etwas über 100 000 hält) unterstütz(t)en Israel durch immense Geld-Überweisungen (Schenkungen). Da das Apartheid-Regime Südafrikas und Israel sehr lange eng zusammen arbeiteten, gab es, wie erwähnt, ein Dreieck zwischen diesen und den südafrikanischen Juden (dem Hauptstrom). Der Hauptstrom der südafrikanischen Juden lehnte sich an die englischsprachigen Weissen an, und deren “elastische” Liberalität.24 Die offizielle Organisation der Juden in Südafrika, der SAJBD, hielt sich zur Apartheid-Zeit dieser gegenüber sehr zurück mit Kritik; mit Kritik an (echter) jüdischer Opposition zur Apartheid tat man sich schon leichter. Juden, die die Apartheid offen bzw aktiv unterstützten, waren selten. Vera Reitzer ( 1921–2006, geborene Schön), eine Holocaust-Überlebende aus Europa, war so eine.25

Sie schloss sich der NP an, als diese Rassengesetze erliess, die an die Nürnberger Gesetze von 1935 erinnerten. Rassengesetze auf Grundlage der Einteilung der Bevölkerung in vier Rassen (s.o.). Verteidigte die Apartheid auch mit der “Gefahr des Kommunismus”, liess aber gegenüber McGreal vom “Guardian” durchblicken, dass sie Schwarze für minderwertiger hielt. Sie war ein respektiertes Mitglied der jüdischen Gemeinde Johannesburgs, im Gegensatz zu jenen Juden, die die Apartheid bekämpften. Der Grossteil unterstützte aber weder NP noch SACP, sondern PP oder UP (bzw ihre Nachfolgeparteien). Nachdem Premier Verwoerd 1966 im Parlament getötet wurde, sagte der damalige Verteidigungsminister Pieter Botha dort zur PP-Abgeordneten Suzman auf Afrikaans, „Ihr Liberalen habt es getan, wir kriegen euch.“ Es war aber ein Parlamentsdiener mosambikanisch-griechischer Herkunft gewesen, im Apartheid-System als „Farbiger“ eingestuft, nicht privilegiert wie Suzman. Und die Liberalen sind eben immer davor zurückgeschreckt, das Apartheid-System wirklich heraus zu fordern, die Grenzen zu überschreiten, die ihnen dieses System setzte. Und Botha (der 1977 auf einem NP-Parteitag sagte, Südafrika entwickle sich in eine Richtung in der sich Israel seit 1948 befinde) entschuldigte sich dann bei Suzman.

Der Vice-Chancellor (also Rektor) der Universität Stellenbosch, J. S. Gericke, sagte 1968 auf einem Kongress des FAK (wie der Afrikaner Broederbond/AB, dem Gericke ebenfalls angehörte, ein wichtiges Afrikaaner-Netzwerk) vor einem Trend zu offenen Diskussionen und schädlichen Einflüssen aus dem Westen, nannte dabei den (jüdischen) französischen Studentenführer Daniel Cohn-Bendit. Von Israel hatte aber auch Gericke eine hohe Meinung. Cohn-Bendit ist heute auch auf zionistischer Linie. Und eine Diskriminierung von Juden gab es nicht unter der Apartheid. Der Patient, dem Christiaan Barnard 1967 als erstem Menschen ein Herz transplantierte, war ein ebenfalls aus Litauen stammender Jude, der von dort aber erst spät auswanderte, zur frühen SU-Zeit.26

Südafrikanische Juden die aktiv gegen die Apartheid kämpften, wie die Slovos, Dennis Goldberg oder Ronald Kasrils, machten einen überproportionalen Anteil in diesem Kampf aus (zumindest unter Weissen, als die sie galten); diese Juden waren/sind meist auch antizionistisch und weich(t)en nicht nur in dem Punkt von der Linie der offiziellen Organe der Juden Südafrikas ab. Diese Juden waren in CPSA bzw SACP aktiv und radikaler Widerstand gegen die Apartheid von Weissen gab es eigentlich nur dort (oder direkt im ANC, mit dem die SACP verbunden war). Als der damalige südafrikanische Präsident Jacob Zuma in einer Grussbotschaft zur Konferenz des SAJBD 2015 der jüdischen Gemeinschaft Südafrikas eine historische Rolle beim Kampf gegen die Apartheid gutschrieb, hat er die Definition von diesem Widerstand wahrscheinlich auch auf die Progressive Party und die Suzmans ausgedehnt. Es gab/gibt auch solche, die “dazwischen” standen/stehen; wie Arthur Goldreich, ein Künstler, der bei der Schaffung Israels militärisch mithalf, nach Südafrika auswanderte, sich dort gegen die Apartheid engagierte (nicht in der PP sondern in der SACP und im Umkreis von Mandela), 1963 verhaftet wurde, über Swasiland flüchtete, wieder nach Israel ging, diesen Staat aber auch kritisierte27, ein moderater/kritischer Zionist wurde/blieb.

Die Ent-Kolonialisierung Afrikas nach dem 2. WK kam ja besonders in den frühen 1960ern in Gang. Südafrika war ein Sonderfall, eine Art innere Kolonialherrschaft, ähnlich wie in (Süd-) Rhodesien, wo sich die Siedler unabhängig von der Kolonialmacht erklärten. Algerien (in “Braunafrika”) wurde von der Kolonialmacht als Teil des Mutterlands gesehen – nicht aber das Gros der Bevölkerung…28 Während dort 1962 ein blutiger Unabhängigkeits-Kampf zu Ende ging, wurde die DR Kongo (nach der Unabhängigkeit 1960) Opfer von westlichem Neo-Kolonialismus. Die globale Entkolonialisierung bewirkte, dass es in internationalen Gremien (von den UN bis zum IOC) zunehmend nicht-weisse Mitgliedsstaaten gab, die die “Beseitigung” der Reste des westlichen Kolonialismus andernorts vorantrieben. In Südafrika war es hauptsächlich der ANC, der den Kampf aufnahm und, nach der Verhaftung von Nelson Mandela und Anderen, vom Untergrund bzw dem Exil weiter führte. Die Situation im südlichen Afrika radikalisierte sich in den 1960ern, der ANC tat sich mit der SWAPO (Südwestafrika/Namibia, von Südafrika beherrscht), MPLA (Portugiesisch-Westafrika/Angola), FRELIMO (Portugiesisch-Ostafrika/Mocambique), ZANU (Rhodesien/Zimbabwe) zusammen, die ähnliche Kämpfe führten.

Und, die SU (bzw der Ostblock) begann, antiimperialistische Kräfte in Afrika zu unterstützen29, während die Kräfte der weissen Vorherrschaft in der Region mit dem Westen verbündet (bzw Teil von ihm) waren, somit wurde das südliche Afrika für einige Jahrzehnte Schauplatz des Kalten Kriegs. Viele unabhängige afrikanische sowie asiatische Staaten unterstützen den “antiimperialistischen Block”, auch manche arabische und islamische Staaten (nicht zB Iran unter dem Schah oder Saudi-Arabien). Israel war aber ohnehin längst auf der Gegenseite. Arbeitete mit Apartheid-Südafrika auch schon eng zusammen bevor Gamal-Abdel Nasser in Ägypten an die Macht kam (1952 bzw 1954) und zB den Unabhängigkeitskampf Algeriens unterstützte. Dem Apartheid-Regime gelang es aber sogar in Schwarzafrika “Partner” bzw nützliche Idoten zu finden, mehr zur Detente-Politik unten.

Ja, Nelson Mandela hatte die Courage und den Stolz, sich am Guerilla-Krieg gegen die Apartheid-Politik in seinem Land zu beteiligen. Das wurde durch sein Versöhnungswerk nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1990 (während seiner Präsidentschaft, davor und danach) ganz in den Hintergrund gedrängt (und auch diese Unterdrückungspolitik selbst…), aber es gab vor dem grossväterlichen, milden Nelson Mandela (glücklicherweise) einen anderen.30 Als Mandela 1962 verhaftet wurde (angeblich nachdem die CIA die Apartheid-Behörden über seinen Aufenthaltsort informierten), hatte er bei den Verhören mit dem Polizei-Offizier “Rooy Rus” Swanepoel zu tun, einem grossen Israel-Freund. Mandela bekam den Friedens-Nobel-Preis 1993 nicht für seinen Widerstand gegen das Apartheid-System, sondern für seine Verhandlungen bzw die Einigung mit diesem…

Sein Haupt-Verhandlungspartner, der damalige südafrikanische Präsident Frederik W. de Klerk, bekam zusammen mit ihm den Preis.31 Beim aktuellen Dalai Lama (T. Guatso) oder Aung S. S. K. war Widerstand gegen ein diktatorisches System ausreichend (in diesen Fällen zwei nicht-westliche), nicht eine Einigung mit diesem. Widerstand gegen westliche Diktaturen wird selten belohnt, auch literarischer nicht. Mandela bekam Rettungsringe zugeworfen, als er das rettende Land bereits erreicht hatte. Ende der 1980er, Anfang der 1990er war die Ablehnung der Apartheid schon ziemlich konsensfähig und hegemonial (auch) im Westen geworden – und leitete De Klerk ihr Ende ein.32

Nach dem “Nahost”-Krieg von 1973 brachen die meisten schwarzafrikanischen Staaten die Beziehungen zu Israel ab. Und Israel tat sich mit dem in Afrika ebenfalls isolierten Südafrika wieder enger zusammen, enger als vor der israelischen „Entwicklungshilfe“-Offensive. Die DR Kongo/ “Zaire” unter Diktator Mobutu brach 73 für 10 Jahre die Beziehungen zu Israel offiziell ab, unterhielt aber auch in dieser Phase enge Beziehungen. Israel hatte wie die USA auf Mobutu (und das Militär) gesetzt, Belgier auf Franzosen auf Tschombé (und Katanga), und sich unter diesem militärisch und wirtschaftlich stark im Land involviert (siehe auch unten). Aber hauptsächlich wurde die Kollaboration mit Apartheid-Südafrika enger. Und man sah dieses von israelischer Seite zunehmend als “verwandten” Staat, von einer heuchlerischen Welt unfair verlassen und verurteilt, Opfer eines Bündnisses der Dritten Welt, der Araber, der Kommunisten,…, vom Westen nicht genug wertgeschätzt.33

Yosef “Tommy” Lapid, als Tomislav Lampel in Jugoslawien geboren, 1948 nach Israel ausgewandert, war, bevor er Ende der 1990er, Anfang der 2000er Politiker wurde (03/04 Justizminister und Vize-Premier für seine Shinui-Partei) u.a. Journalist. Der im Westen als “liberal” geltende schrieb 1974 in ”Maariv” (14. März) eine Tirade gegen Afrika und eine Anpreisung Apartheid-Südafrikas mit dem Titel “Le’maan D’rom Africa Lo Esheshe” – transkribiert aus Hebräisch, “Um Südafrikas willen will ich nicht schweigen”, in Abwandlung eines jüdischen Gebets. “Die angeblich befreiten afrikanischen Staaten sind zum grössten Teil ein schlechter Witz und ein Affront gegenüber der menschlichen Würde… Vor einigen Wochen wurde Professor Bakers Forschung in Grossbritannien veröffentlicht, darin wird u.a. die Geschichte von Juden und Negern in New York verglichen… Offensichtlich gibt es einen vererbbaren Unterschied im Intellekt zwischen jemandem, dessen Vater im Dschungel lebte und jemandem, dessen Vorfahren Priester im Tempel waren, wie es D’Israeli schon ausgedrückt hat… Es ist sehr schade, dass es Südafrikas weisse Herrscher nicht fertiggebracht haben, der schwarzen Mehrheit in ihrem Land den grössten Teil der Bürgerrechte zuzugestehen. Ich denke, sie hätten es getan, wenn sie nur darauf vertrauen hätten können, dass die schwarze Mehrheit nicht die weisse Minderheit unterdrückt, sie beraubt und ein reiches und prosperierendes Land in eine weitere Parodie von politischer Unabhängigkeit zu verwandeln…

…Um alles in der Welt, wenn ich wählen muss zwischen der Freundschaft des jetzigen Schwarzafrika und jener eines weissen, organisierten und erfolgreichen Landes mit einer blühenden jüdischen Gemeinschaft, dann wähle ich Südafrika. Es ist nur schade, dass wir gewartet haben bis uns die Neger hinausgeschmissen haben.”34

Eine Resolution der UN-Generalversammlung 1975, die den Zionismus als rassistisch verurteilte, ging hauptsächlich auf die neue arabisch-afrikanische “Allianz” zurück. Mit der portugiesischen Entkolonialisierung infolge des Sturzes der Diktatur im Jahr davor wurde das südafrikanische Regime für die USA bzw den Westblock wichtiger, als Bekämpfer von Kommunismus in Angola und Mocambique. Und Südafrika brauchte dafür (mehr) israelische Unterstützung. An der Spitze des Apartheid-Regimes stand nach Verwoerds Ermordung 1966 Johannes Vorster, als Premier bis 1978. Vorsters Besuch in Israel im April 1976 machte die engen Beziehungen zwischen den Regimen deutlich. Beit-Hallahmi beginnt sein Buch “Schmutzige Allianzen” nicht umsonst mit dem Kapitel “Vorster in Jerusalem”. Viele geheime gemeinsame Projekte wurden bei dem Staatsbesuch in die Wege geleitet, darunter auch die Vertiefung der nuklearen Zusammenarbeit (s.u.). Vorster machte mit seinen Gastgebern auch den Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte “Yad Vashem” in Jerusalem, er der während des Holocausts in Europa in den Reihen der Ossewabrandwag für die Nazis Stimmung gemacht hatte (und dafür interniert worden war), legte dort einen Kranz nieder, verhielt sich taktvoller als seine israelischen Gastgeber, wie Beit-Hallahmi schrieb.

Premierminister Yitzhak Rabin liess Vorsters Vergangenheit auch beim Staatsbankett (mit Verteidigungsminister Peres, Oppositionschef Begin,…) unerwähnt und kein schlechtes Haar an dessem gegenwärtigen Wirken. Im Gegenteil, er pries diesen als “Kämpfer für Freiheit”, sprach von “gemeinsamen Idealen” von Israel und Südafrika35, die sich beide gegen “von aussen gesteuerte Destabiliserung” erwehren müssten. Vorster wiederum schwärmte davon dass Israel und Südafrika “Opfer der Feinde der westlichen Zivilisation” seien. Währenddessen herrschte Israel nicht nur über die nach der Nakba gebliebenen Palästinenser, sondern auch über die 1967 besetzten Gebiete (und ihre Einwohner), und Südafrika nicht nur über die Nicht-Weissen im Land und über Südwestafrika, seine Armee war 1975 auch in Angola eingefallen. Das Jahrbuch der südafrikanischen Regierung 197636 charakterisierte die Gemeinsamkeiten der beiden Staaten so:

“Israel and South Africa have one thing above all else in common: they are both situated in a predominantly hostile world inhabited by dark peoples.”

Die nächsten 10 Jahre lief die Beziehung intensiv weiter, mit Staatsbesuchen, Abkommen, Zusammenarbeit auf den verschiedensten Gebieten (von Atomwaffen bis zu den Homelands), abgestimmtem Stimmverhalten in der UN und anderen internationalen Organisationen,… Die Niederschlagung des Soweto-Aufstands im Juni 1976 geschah wahrscheinlich mit israelischen Waffen. Die Zusammenarbeit wurde intensiver, als die USA unter Präsident Carter (1977-1981) Südafrika nicht mehr alles durchgehen liess. Es war hauptsächlich eine Liebesaffäre der “Sicherheits”-Establishments der beiden Länder; darin war diese Zusammenarbeit auch ziemlich unumstritten. Und Israel war der wichtigste Unterstützer des Apartheid-Regimes. In Israel gab es wenig Opposition dazu, am ehesten in den aus der Mapam-Partei hervor gegangenen Gruppierungen.37 Das UN-Waffenembargo bezüglich Südafrika von 1977 kümmerte Israel nicht.

Nach 1973 gab es eine mehr oder weniger direkte Teilnahme an den Kriegen des anderen Partners. Etwa israelische Berater in der südafrikanischen Armee in   Angola. Beide Regime wollten die Nachbarn und die Region (“Frontstaaten”) destabilisieren. Und, was für Israel die Peripherie-Strategie war, “Verbündete” in der weiteren Region zu finden, war für das Apartheid-Regime die Detente-Politik; Malawi unter Banda kollaborierte mit ihm, Savimbis UNITA war ein Werkzeug von ihm,… In Zaire/Kongo stützten Südafrika und Israel beide Mobutu. Dass Südafrika im südlichen Afrika eine Regionalmacht war (trotz oder wegen der Apartheid), auch wirtschaftlich, hatte auch stark mit dem Wirken von Anglo-American zu tun.38 Es gab auch eine Einwanderung von Israelis nach Südafrika (zT in offizieller „Mission“). Und eine Auswanderung von Juden aus Südafrika nach Israel.

Die nukleare Zusammenarbeit war die pikanteste und geheimste der beiden Regime und basierte auf ihren Ähnlichkeiten. Durch das 2010 veröffentlichte Buch von Sasha Polakow-Suransky, “The Unspoken Alliance”, wurde eigentlich nichts Neues darüber bekannt, eher das Bekannte weiter verbreitet. Israel hatte während des “Yom-Kippur-Krieges” bereits Atomwaffen und soll erwogen haben, diese einzusetzen, als es in die Defensive geriet. Südafrika begann in den 1970ern, sein ziviles Atomprogramm zu einem militärischen “aufzuwerten”. Beide Staaten hatten den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet, Israel bis heute nicht. Die nukleare Zusammenarbeit der Apartheid-Regime umfasste die Bereitstellung von Uran (in Form von “Yellowcake”) durch Südafrika, israelische Weitergabe von Know How für Raketen (als Träger) und gemeinsame Tests dieser Raketen. Wahrscheinlich auch einen gemeinsamen Atomtest, 1979, vor den südafrikanischen Prince-Edward-Inseln; u.a. haben amerikanische Satelliten etwas registriert, was darauf hindeutet. Und, Israel hat dem Apartheid-Regime Südafrikas auch Atomwaffen zum Kauf angeboten.

Und zwar mit Nuklearsprengköpfen versehene “Jericho”-Mittelstreckenraketen, 1975, also sogar vor Vorsters Besuch in Jerusalem. Der Codename für das Unterfangen war “Chalet” und Shimon Peres war als Verteidigungsminister auf israelischer Seite führend beteiligt. Sein südafrikanisches Gegenüber Pieter Botha soll das Angebot durch eine Nachfrage initiiert haben, lehnte das Angebot ab, hauptsächlich weil er glaubte, Südafrika können diese Waffe selbst entwickeln (was dann auch geschah). 2003 wurde ein Memorandum eines Apartheid-Top-Militärs, Raymond Armstrong, an einen anderen, Hugo Biermann, aus 1975 öffentlich. Darin wird das Angebot erwähnt, in Zusammenhang mit der “Bedrohung” Südafrikas, welche nach einer Abschreckung mit eigenen Atomwaffen und Trägerraketen rufe. Auch Dieter Gerhardt, der südafrikanische Militär, der Apartheid-Geheimnisse an die SU weitergab, hat nach seiner Freigelassung von so etwas berichtet. Sasha Polakow-Suransky stammt aus einer jüdischen Anti-Apartheid-Familie aus Südafrika, wuchs in der USA auf, wo er akademisch und journalistisch tätig ist, 2010 brachte er wie erwähnt “The Unspoken Alliance: Israel’s Secret Relationship with Apartheid South Africa” heraus. Die Weitergabe der Atomsprengköpfe kam nicht zu Stande, was aber nichts an der Fülle von militärischer (auch nuklearwaffentechnischer!) Zusammenarbeit ändert.

Polakow-Suransky “beschliesst” sein Buch mit 2 Karten, die die Homelands inmitten Südafrika sowie die palästinensischen Autonomiegebiete im israelisch beherrschten Gebiet zeigen. Shimon Peres spielte einst in Israels Nuklearprojekt eine wichtige Rolle, u. a. bei der Einfädelung verschiedener Abkommen, zur Zeit der Veröffentlichung dieses Buchs war er israelischer Staatspräsident. Von ihm kam eine scharfe Leugnung des Verkaufsangebots; auch der langjährige Leiter der südafrikanischen Atomic Energy Corporation, Waldo Stumpf, und der israelische Autor Avner Cohen zweifelten ein solches Angebot an. Laut „The Mini-Nuke Conspiracy. Mandela’s Nuclear Nightmare“ von Peter Hounam und Steve McQuillan (1995) hat die südafrikanische Regierung unter Frederik de Klerk bei der Beendigung und Offenlegung des Atomprogramms des Apartheid-Regimes in den frühen 1990ern nicht alles deklariert (und einiges “behalten”), darunter “Mini-Nukes” auf Grundlage einer Substanz namens “Red Mercury”. Einige ungeklärte Morde stünden in Zusammenhang damit, der in diesen Fällen ermittelnde Polizeibeamte Charles Landman hat den israelischen Geheimdienst Mossad dafür verantwortlich gemacht, die Opfer hätten Handel mit “Red Mercury” in nahöstliche Staaten betrieben. Auch Post-Apartheid-Verteidigungsminister Johannes “Joe” Modise (ANC) brachte die Sache in Verbindung mit der israelischen Verbindung zum Apartheid-Regime. Die israelische Botschaft in Südafrika dementierte.

Die Anti-Apartheid-Bewegung machte das südafrikanische Atomprogramm mit zum Gegenstand ihrer Kampagne. Apartheid-Präsident Botha hat in der späten und heissen Phase des Krieges in Angola, 1987/88, als das kubanische Militär Angola gegen die Apartheid-Kräfte (UNITA, SADF,…) half, anscheinend einen Einsatz von Atomwaffen erwogen. Auch andere Staaten bzw Firmen aus anderen Staaten als Israel haben Apartheid-Südafrika bei seinem Atomprogramm geholfen, darunter die BRD und die USA; aber es ist sehr zweifelhaft ob von anderswo als von Israel wissentliche Unterstützung für das Atomwaffenprogramm des Apartheid-Regimes kam. Die Atomwaffenprogramme der beiden Apartheid-Regime wurden seit den 1970ern vom Westblock toleriert. Südafrika gab wie gesagt Anfang der 90er (gemeinsam mit der Apartheid) sein militärisches Nuklearprogramm auf, mache es öffentlich, und trat dem Atomwaffensperrvertrag bei; Israel ist weit von solchen Schritten entfernt, pflegt vielmehr seinen Opferkult. Seine Unterstützung des südafrikanischen Atomprogramms nimmt dem Zionismus etwas den Heiligenschein, den er sich im Atomstreit mit dem Iran (nicht zuletzt bezüglich verantwortungsvollem Umgang mit Atomwaffen) aufgesetzt hat. In einem “Spiegel”-Interview39 wurde Polakow-S. gefragt, “Warum wollte das Apartheid-Regime nuklear aufrüsten?” >

“Es ging darum, strategisches Gewicht zu gewinnen. Pretoria wollte von den Amerikanern und den Briten ernst genommen werden und feindlich gesinnte Nachbarländer abschrecken. Es war die gleiche Logik, die heute wohl auch Iran antreibt.”

Vor der Wahl 1977 entstanden in Südafrika die New Republic Party (NRP), als Nachfolgepartei der UP40, und die Progressive Federal Party (PFP), als Nachfolgepartei der PP41. Harry Oppenheimer42, Sohn und Nachfolger von Ernest, unterstützte die PFP. Wie die NRP war sie weiss, englisch, mehr oder weniger liberal. Überraschenderweise kam die PFP bei der Wahl vor die NRP, wurde offizielle Oppositionspartei. In diesem Jahr wurde der Anti-Apartheid-Kämpfer Stephen Biko in Polizeigewahrsam getötet; in Israel kam nach der Wahl (von der die Palästinenser in den 10 Jahre zuvor besetzten Gebieten natürlich ausgeschlossen waren) erstmals der Likud an die Macht. In dieser Zeit (genau 77-79) flog in Südafrika der “Informations-Skandal” auf.

Nach Cornelius P. Mulder, dem damaligen Informationsminister in der Regierung von Premierminister Vorster auch “Muldergate” benannt43, ging es bei der Affäre um eine Propaganda-Offensive des Regimes ab 1973 in Südafrika und international, mit dem Ziel, die Meinung über die Apartheid zu verbessern. 75 Millionen Rand wurden dafür aufgewendet. Sie führte zum Rücktritt von Vorster als Premier, der 1978 zunächst Staatspräsident wurde, ’79 auch als dieser zurücktreten musste; zum Aufstieg von P. W. Botha, der Premier wurde, bis zur Verfassungsreform, dann Präsident; und zum Ende der politischen Karriere von Mulder, der als einer der aussichtsreichsten Anwärter auf die Nachfolge von Vorster (als Premier und NP-Chef) gegolten hatte. Beteiligt an der Propaganda für die Apartheid war auch Arnon Milchan, israelisch-amerikanischer Filmproduzent (“Pretty Woman”,…), Lobbyist, Waffenhändler (gute Beziehungen zu Peres). Milchan, der mit der ehemaligen südafrikanischen Tennisspielerin Amanda Coetzer verheiratet ist, wurde kürzlich als illegaler Spender für Premier Netanyahu bekannt.44

Durch die 1984 in Kraft getretene Verfassungsreform wurden Parlamentskammern für Inder und Farbige eingerichtet (die nichts an der weissen Vorherrschaft änderten); für die schwarzen Völker, so das Regime, gäbe es ohnehin die 10 Homelands. Schwarzen, die beinahe drei Viertel der Gesamtbevölkerung Südafrikas ausmachten, wurden weniger als 15 % der Landesfläche (wirtschaftlich unattraktive) dafür zugewiesen; und Leute teilweise zwangsweise dorthin umgesiedelt. Ausserdem wurde auf eine Präsidialsystem umgestellt. Die kosmetische Korrektur der Parlamentsreform war Manchen in der NP schon zu viel, sie gründeten die Konserwatiewe Party van Suid-Afrika (KP). Dieser wurde bei der Wahl 1987 stärkste Oppositionspartei; blieb dies 89, somit bis zum Ende der Apartheid. Die PFP nahm Ende 80er (liberalere) NP-Abspalter auf, ausserdem den grössten Teil der NRP (der in den ID aufgegangen war), wurde zur Democratic Party (DP).

Die Allianz der beiden Staaten war wie gesagt sehr intim, umfasste nicht nur das Militärische, sondern auch Nuklearwaffen. In den 1980ern lebte eine grössere Zahl von Israelis in Südafrika, Regierungsangestellte (Militärs,…), aber auch Geschäfts- und Privatleute,…, und umgekehrt Südafrikaner in Israel. Das Gefühl, in einer ähnlichen Situation zu sein, ein Gefühl der Verwandtschaft, war sehr verbreitet, wobei viele Israelis bemüht waren, ideologische Distanz zur Apartheid an den Tag zu legen. Ariel Scharon war keiner davon. Der im damals britisch beherrschten Palästina als A. Scheinerman Geborene mit Wurzeln in Ost-Polen bzw Weissrussland war nach seiner militärischen Karriere45 ab 77, als Begin kam, unter allen Likud-Premiers Minister, bis er 01 selbst Premier wurde. Als er 1981-83 Verteidigungsminister war, war Magnus Malan sein südafrikanisches Gegenüber, wie er ein Ex-Militär. Die intime Beziehung zum Apartheid-Staat blieb unter dem Likud und Scharon so intim. Scharon setzte sich auch bei der USA (Reagan) dafür ein, dass Südafrika von ihr mehr und bessere Waffen bekam.

Natürlich im Namen des “Kampfes gegen den Kommunismus”, was damals eine Art Wild Card war. Und, Scharon leitete in den 1980ern als Minister diverser Ressorts eine Kampagne zur Rückeroberung von Kontakten und Einfluss in Afrika, machte Israel dort stärker als vor 73, heisst es. Mobutu-Zaire war dabei am wichtigsten, von dort aus konnte man auch den Kampf gegen die angolanische Regierung aufbauen, natürlich an der Seite des Apartheid-Regimes. Scharon besuchte Südafrika 1981 (geheim), als Verteidigungsminister, besuchte das südafrikanische Militär (SADF) an der Grenze von Südwestafrika zu Angola. Die SADF kämpfte dort auch mit israelischen Waffen; zT solchen, die nach israelischer Vorlage in Südafrika hergestellt wurden. Israelis und Südafrikaner sahen den Kampf, den Israel ab 1982 im Libanon führte, als analog zu jenem der Südafrikaner in Angola und anderen “Frontstaaten”.46

Die PLO hatte damals ihr Hauptquartier im Libanon (und wurde vom israelischen Militär von dort vertrieben, nach Tunesien), der ANC hatte seines in Sambia, das auch vom südafrikanischen Militär angegriffen wurde. Darüber hinaus hatten beide den Anspruch, in der Region mitzubestimmen, gegebenenfalls als Ordnungsmacht aufzutreten. Die militärische Durchschlagskraft des jeweils Anderen wurde von den Partnern bewundert. Von Scharon stammt eine bewunderungsvolle Einschätzung des Apartheid-Militär-Geheimdienstes (DMI), aus seiner Zeit als Verteidigungsminister.47 Magnus Malan wiederum schrieb Scharon nach dessem Abgang aus diesem Ministerium einen bedauernden Brief, betonte die gemeinsamen Interessen (“mutual interest”).

Die “schwarzen” Völker Südafrikas wollte das Apartheid-Regime wie erwähnt in Homelands/ Bantustans /Reservate aussiedeln, deren Anspruch auf politische Mitsprache damit abfertigen, und diese gleichzeitig aus Südafrika ausschliessen. Ausserdem konnte man die schwarze Bevölkerungsmehrheit so schön entlang der ethnischen Linien teilen. Und, die traditionellen Herrscher der Zulus, Xhosas, Sothos, Tswanas,… wurden als eine Art Konkurrenz zur Anti-Apartheid-Bewegung (hauptsächlich dem ANC) aufgebaut. Israel war auch an diesem Apartheid-Projekt mit von der Partie. Bophutatswana, eines der 4 nominell unabhängigen der 10 Homelands, war wichtigster Israel-Partner der Homelands. Bophuthatswana-“Präsident” Lucas Mangope wurde zB 1981 uA vom damaligen Avodah-Chef bzw Oppositionsführer Shimon Peres herzlich empfangen. Israel war das einzige Land, das in den südafrikanischen Homelands nennenswerte Investitionen getätigt hat. Wobei Apartheid-Südafrika die “unabhängigen” Homelands eben auch als “Ausland” sah; dennoch gab es dort weisse Südafrikaner in Schlüsselpositionen wie zB als Armeechefs. Beit-Hallahmi schrieb, israelische Künstler, die in der eigenen Gesellschaft als liberal und linksverdächtig gelten, arbeiteten in etlichen Homelands an Projekten, die sie als „Wiederbelebung authentischer Stammeskulturen“ deklarierten… Auch KwaZulu-Chefminister Mangosuthu Buthelezi hatten Unterstützung durch Israel.48

Er, der in den 1980ern als “Gegenfigur” zum inhaftierten Nelson Mandela aufgebaut wurde, von konservativen Kreisen im Westen, durfte seine “Sicherheitskräfte” in dieser Zeit durch das Apartheid-Regime und in Israel ausbilden lassen. In den frühen 1990ern, in den Übergangsjahren von der Apartheid zur Demokratie, wurde Buthelezis inzwischen südafrika-weit agierende Inkatha Freedom Party (IFP) vom “Sicherheitsapparat” des Apartheid-Regimes gegen den ANC aufgerüstet, mit blutigen Folgen. Ganz am Ende der Apartheids-Zeit schlossen sich einige Homeland-Herrscher (darunter Buthelezi und Mangope) und die afrikaansen Rechtsextremen (KP,…) zusammen.49 Etwa eineinhalb Monate vor der südafrikanischen Wahl 1994 kam es in Bophutatswana zu einem “Showdown” zwischen den Leuten des Diktators Mangope und seinen weissen rechtsextremen Verbündeten einerseits und dem südafrikanischen Militär (SADF) andererseits.

Das Apartheidregime bekam gewisse Unterstützung auch von USA, GB, BRD,… , besonders wenn dort Mitte-Rechts-Regierungen an der Macht waren. Und diese hatte begonnen, bevor die SU den Gegnern der Apartheid Unterstützung zukommen liess. In den 1980ern war Bothas Regime auch im Westblock zunehmend isoliert, trotz Reagan, Thatcher, Kohl. Auch, weil man gegenüber dem Ostblock mit “Menschenrechten” protzen wollte, die Heuchelei nicht mehr so weiter laufen lassen konnte. Man war schliesslich “Führer der freien Welt” und selbstverständlich waren Menschenrechte nicht an Rasse gebunden…50 In der Spätphase der Apartheid musste auch Israel zwangsläufig auf Distanz gehen. Es schloss sich 1987 den Sanktionen des Westens an. Bereits abgeschlossene Verträge blieben aber aufrecht… Nach dem gegen Reagans Willen vom Kongress erlassenen Comprehensive Anti Apartheid Act hätte Israel bei weiteren Brüchen des Waffenembargos gegenüber Apartheid-Südafrika Hilfe der USA verlieren können/müssen. Alon Liel, damaliger Botschafter Israels in Pretoria, sagte darüber, das Security-Establishments seines Landes bäumte sich gegen das späte Einnehmen von taktischer Distanz (Einhaltung diverser Embargos und Resolutionen) auf.

Ende 80er entspannte sich die Situation im südlichen Afrika: Perestroika (in) der SU, 1988 das Angola-Namibia-Abkommen51, 1989 wurde De Klerk Präsident Südafrikas und begann bald mit Reformen: die schrittweise Abschaffung der Apartheid52, Verhandlungen mit der echten Opposition (ANC,…), aber auch die Unterstützung der IFP, mit der man u.a. den ANC “umgehen” wollte. Israels Sorge bei der Demontage der Apartheid war nicht nur, dass man einen Verbündeten verliert; sondern auch dass durch die Demokratisierung in Südafrika Informationen über die eigene Rolle bei Apartheid-Projekten, nicht zuletzt dem Atomprogramm, bekannt werden könnten – und nicht etwa die Aneignung der Atomwaffen durch weisse Rechtsextremisten oder deren Einsatz in Angola, was damals beides für möglich gehalten wurde. Im November 1991 besuchte De Klerk Shamir (der keine Siedlungen aufgeben wollte), damals wurden die noch laufenden gemeinsamen Projekte eingestellt. Das Ende der Apartheid kam mit der Wahl im Frühling 1994; die Homeland-Herrscher lenkten dazu noch ein bzw wurden dazu gezwungen, ein Teil der weissen Rechten blieb abseits.

Wenig später wie die Verhandlungen der NP-Regierung Südafrikas mit dem ANC begannen, begannen auch jene zwischen der Avodah-Regierung Israels mit der PLO, anfangs allerdings geheim. Das Oslo-I-Abkommen wurde im August 1993 unterzeichnet, das Multi Party Negotiationing Forum in Südafrika kam im November dieses Jahres zum Abschluss (machte den Weg zur Wahl frei). Die Afrikaaner waren bereit, die Apartheid aufzugeben, die Macht im Land wirklich zu teilen. Das geschah (ab) 1994 auch. Die Zionisten waren nicht dazu bereit, halten die Palästinenser bis heute hin. Die Haltung, dass das nationale Überleben durch den Feind gefährdet ist, dieser “zivilisatorisch” anders ist, man ihn kleinhalten muss, et cetera – wovon sich die Afrikaaner grossteils verabschiedet haben, dominiert nach wie vor für Israel. Dort nimmt man auch Reaktionen auf die Unterdrückung als Bestätigung dieser Unterdrückung bzw der zugrundeliegenden Geisteshaltung.

Es gibt seit Herzl eine zionistische Realpolitik der Art wie ggü der Apartheid. Zusammenarbeit mit “schmutzigen” Partnern um des eigenen Vorteils (“Überleben”) Willen, die man selbst meist als gar nicht so schmutzig sieht. Beit-Hallahmi sagt, Israel stellt sich immer auf die Seite der Stärkeren. Im Fall Apartheid-Südafrika kam das Wahrnehmen von Gemeinsamkeiten ja auch durch den Charakter als Kolonialvolk – was Zionisten ansonsten brüsk von sich zurückweisen, man habe jahrtausende alte Wurzeln in diesem Land, sei nur “zurück gekehrt”. Der eigenen Gruppe im Land Vorrechte gegenüber den “Eingeborenen” bzw “Farbigen” abzusichern, diese gewaltsam durchzusetzen, ist aber etwas was Israel viel Sympathie von Rechten in vielen Teilen der Welt einbringt. Und man hat von israelischer Seite immer Parallelen zwischen dem eigenen Kampf ggü den Palästinensern und der Region, und gewissen anderen gesehen und unterstützt.

Israel exportiert seit Jahrzehnten militärische Ausrüstung und Know How in alle Welt, an Regime und Gruppe, die meist mit der Bezeichnung “pro-westlich” zusammengefasst werden53, im Kalten Krieg und danach, meist mit Unterstützung oder zumindest Billigung der Supermacht USA. Dies half auch der israelischen Wirtschaft (nicht nur der Rüstungsindustrie) und beim Gewinnen von Freunden. So wurde Israel wichtigster Verbündeter der rechten Militärdiktaturen Lateinamerikas, Vorbild seiner Herrscher. 1983 schrieben der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel und Andere einen offenen Brief, der Israel zur Beendigung der Unterstützung u.a. des guatemaltekischen Regimes aufrief; ca 10 Jahre später richtete Rigoberta Menchu einen ähnlichen Appell. Menchus Dämonisierung aus dem philozionistisch-neokonservativen Bereich ist auch dadurch zu erklären; wahrscheinlich hat aber schon ihr Engagement gegen das Regime und den Krieg in Guatemala dazu gereicht.

Ausgehend vom Sturz von Präsident Arbenz 1954 durch die USA und einer kleinen Elite (die Nutzniesser der Aktion) kam es in Guatemala zu einer Reihe von rechten Militärdiktaturen54, gegen die sich Guerilla-Gruppen wie MR-13, FAR oder PGT auflehnten, die sich hauptsächlich aus der unterdrücktesten Bevölkerungsgruppe, den Mayas, rekrutierten. Im Bürgerkrieg 1960-96 unterstützte die USA natürlich die eine Seite, etwa über „Militärberater“. Spätestens als Carter (auch hier! wie bei Apartheid-Südafrika oder Pinochet) die Hilfe strich, engagierte sich Israel auch dort. In den 1980ern unterstützten die Reagan-USA und Israel zusammen das guatemaltekische Regime. Nach der Entscheidung Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen bzw seine Botschaft dorthin zu verlegen, kündigte mit Guatemala nun ein weiterer Staat an, diesen Schritt vollziehen zu wollen. Dessen Präsident James „Jimmy“ Morales ist ein Rechter und Evangelikaler, wie der Präsident 82/83, E. Rios Montt (der auch ein School of Americas-Absolvent).

Apartheid-Südafrika war Israels wichtigster schmutziger Verbündete, war fast so wichtig wie die USA. Aber es gab eben auch die Diktaturen in Kongo/Zaire, Chile, Argentinien, Guatemala, die Philippinen unter Marcos, die Republik China (Taiwan) vor ihrer Demokratisierung, oder jahrzehntelang die kemalistische Türkei, der man auch bei der “Verschleierung” des Völkermords an den Armeniern half55,… Bewaffnete Einheiten dieser Staaten wurden ebenso mit “Uzi”-Maschinengewehren oder “Galil”-Sturmgewehren ausgerüstet wie die nicaraguanischen Contras, die angolanische UNITA oder die afghanischen Mujahedin. Nach Beit-Hallahmi und Victor Ostrovsky hat Israel auch in Konflikte eingegriffen, deren Ausgang ihm egal sein konnte, wie dem Bürgerkrieg auf Sri Lanka (und dort beide Seiten unterstützt…).

Der zionistische Umgang mit der intimen Beziehung Israels mit Apartheid-Südafrika bewegt sich heute zwischen Vertuschungen, Schönrednerei, Herunterspielen der Kollaboration (Leugnung funktioniert hier nicht), aggressiven “Antisemitismus”-Vorwürfen (bezüglich der Thematisierung dieser Kollaboration) und offenen anti-afrikanischen Ressentiments und Apartheid-Verteidgung wie einst Lapid sen. Diese Muster an Reaktionen gibt es allerdings bei jedweder Kritik an israelischer Politik (zu beobachten). Eine offensive Apologetik der Apartheid ist selten geworden, hegemonial ist das Eingeständnis, dass Apartheid schlecht/ungerecht war(, aber…).56

Chris McGreal schrieb 2010 in „The Guardian“ 2010, im Artikel „Israel and apartheid: a marriage of convenience and military might“57:

„… when the spotlight occasionally flickered over one of the most intimate and enduring alliances of the postwar years, Israel was quick to underplay its deep military ties with apartheid South Africa as nothing more than a necessity of survival without a flicker of ideological affinity…”

Die Beziehung zwischen Israel und Apartheid-Südafrika war nie problemlos, aber Gemeinsamkeiten zwischen den Systemen wurden von ihren Führern/ Vertretern und Intellektuellen immer wieder herausgestrichen. Das Apartheid-Regime konnte durch eine Anlehnung an Israel nur gewinnen, Israel hatte dabei ein bisschen was zu verlieren. Ein Israeli, der unapologetisch zu der Zusammenarbeit war (an der er entscheidend beteiligt war), war Rafael Eitan, Militär (78-83 Generalstabschef), dann rechter Politiker (Minister in den 90ern), ein anti-arabischer Rassist. Er war führend beim Feldzug im Libanon 1982, mit Verteidigungsminister Scharon Hauptverantwortlicher dafür, die Kataib-Miliz in das palästinensische Flüchtlingslager bei Beirut zu lassen, wo sie ein Massaker anrichtete. Die Schwarzen in Südafrika, so Eitan einst, wollten Kontrolle über die weisse Minderheit erlangen, genau wie die Araber über die Juden. Und man müsse genau wie die Weissen Südafrikas so etwas verhindern.

Der Unterschied im Umgang mit der Allianz zwischen Scharon und Peres spiegelt eben den zwischen Links und Rechts im Zionismus wieder. Leugnung der ideologischen Gemeinsamkeiten oder dazu stehen. So wie es eben jene gibt (zB in IT-Foren oder in den Kommentaren unter Youtube-Videos), die Verachtung ggü Palästinensern und anderen Völkern dieser Region offen und stolz zeigen (zB israelische Aktionen gegen sie bejubeln), und jene die die Existenz einer solchen Verachtung empört als “antisemitisch” abtun und zB Propaganda machen, wie gut Palästinenser von Israel behandelt werden würden (es gibt auch Mischformen). Netanyahu sagte als UN-Botschafter (84-88) zu Vorwürfen der Apartheid-Kollaboration, präpotent wie gewohnt, er wisse von diesen und jenen (europäischen) Staaten, dass sie auch starke wirtschaftliche Beziehungen mit Südafrika pflegten, aber “wieder mal” werde Israel “herausgehoben”; kam also mit verstecker “Antisemitismus”-Keule.58

Dies kommt, offen, als Rechtfertigungs (und Ablenkungs-) manöver bezüglich der Apartheid-Unterstützung, oft: “Alle haben das gemacht, daher ist es antisemitisch dies zu thematisieren”. Dazu ist zunächst zu wiederholen, dass die Beziehung von Israel zu dem Apartheid-Staat viel intensiver und intimer war als die eigentlich aller anderen Staaten; wer sonst hat Südafrika wissentlich bei seinen Atombomben geholfen, wer sonst hat Apartheid-Funktionäre an seine eigenen Geheimnisse herangelassen? Und, diese Intimität und die ideologische Gemeinsamkeit wird ja auch von vielen israelischen (politischen/militärischen) Funktionsträgern nicht geleugnet, im Gegenteil… Und dann: Was ist der Punkt dabei, darauf zu verweisen, andere hätten auch dieses Unrecht getan? Was, wenn Kroaten zur damaligen Kollaboration ihres Landes mit dem NS-Staat sagen würden, Rumänien unter Antonescu und Spanien unter Franco haben das auch gemacht, und ihr seid Anti-Kroatisten?

Wie hat der Berliner in Wien der einen “wissenschaftlichen Berater” macht, posaunt: „Mit Repräsentanten der iranischen Diktatur gibt es keinen Dialog zu führen. Diese Antisemiten und Todfeinde jeglicher emanzipatorischen Bestrebung müssen unter allen Umständen bekämpft werden.” Lobbyismus im (vermeintlichen?) Sinn Israels als “moralisch”, “emanzipatorisch”, “fortschrittlich” et cetera zu firmieren, wird noch lächerlicher, wenn man sich die Heuchelei dieser Lobbyisten, Israels Bündnisse und die westliche Politik in dieser Region anseht. Eben absolvierte Trumps neuer Aussenminister Pompeo seinen Antrittsbesuch in Saudi-Arabien und Israel. Bei Saudi-Arabien sehen wir das mit Menschenrechten und Islamismus und so nicht so streng, gell, sondern ein bisschen pragmatischer.

Zumal es da ums Erdöl geht. Bei Saddam Hussein war es so, der wurde vom Westen unterstützt, als er in den 1980ern den Iran angriff. Später wurde der Angriff auf den Irak auch mit Husseins Menschenrechtsverletzungen argumentiert. Heute führt man die Politik des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung an; nahm diese in der Vergangenheit (unter dem letzten Schah) aber nicht nur hin, man unterstützte dieses Regime auch. Und das Hinnehmen oder Unterstützen von Menschenrechtsverletzungen (absurdes Beispiel: wenn ein Staat zwei Drittel der Bevölkerung aufgrund der “Rasse” von Mitgestaltung ausschliessen würde) wenn es im eigenen Interesse ist?! Sonst wird die Sache ja so “gedeutet”, dass ein Bündnis viel über die Partner aussagt, nach dem Motto “Zeig’ mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist”; zB wenn es darum geht, Antiimperialismus über vermeintliche Bündnisse mit dem Islamismus zu diffamieren, oder bei allen tatsächlichen/vermeintlichen Bündnissen “gegen” Israel.

Beim Bündnis Israels mit Apartheid-Südafrika (historisch) oder mit dem Regime von Aserbeidschan (aktuell) wird die Sache gerne so gedreht, dass es etwas Positives über diese Partner Israels aussage, dass sie eben seine Partner geworden sind! Und wird eine “Zwangslage” behauptet, wird hier jede Menge “Kontextualisierung” gebracht, die man sonst ausblendet.59 Der “latente Antisemitismus” der Afrikaaner zB, wird angeführt. Es gab aber Juden in Südafrika, die trotzdem oder gerade deshalb mit der Waffen in der Hand das Apartheid-Regime bekämpften. Es gab die vielen Sympathiebekundungen ggü Apartheid-Südafrika von israelischer Seite, auch aus dem dortigen linken und liberalen Lager (und eine sehr intime Beziehung). Man könnte dann auch sagen, Rumänien hätte im 2. Weltkrieg keine andere Wahl gehabt, als sich mit NS-Deutschland zusammenzutun: Sein traditioneller Verbündeter Frankreich war von diesem Deutschland selbst besetzt, ein Eingreifen von Grossbritannien in Südosteuropa war nicht zu erwarten und von der stalinistischen Sowjetunion war keine Hilfe zu erwarten, im Gegenteil, aufgrund des von beiden Ländern beanspruchten Territoriums Bessarabien sowie dem sowjetischen Willen zur Ausdehnung des Machtbereichs in Osteuropa.

Und: Die Isolation in der Region kam in den Fällen von Apartheid-Südafrika und Israel ja auch nicht von ungefähr, eher von ihrer Gegnerschaft zur Region… Der Umgang von Linkszionisten mit der israelischen Partnerschaft mit dem (anderen?) Apartheid-Regime (und auch anderen, “vergleichbaren” Systemen) ist meist dahingehend, dass sie die Zusammenarbeit herunter spielen (“Zwangslage”, “Kontextualisierung”,…) und die “Antisemitismus”-Keule schwingen (gegen den Verkünder der schlechten Nachricht), Rechtszionisten verteidigen sie meist offensiv. Es gibt aber auch hier den “Antisemitismus”-Vorwurf. Dieser Dichotomie entspricht auch das “Wir würden so gern Teil dieser Region sein aber man lässt uns nicht” oder aber das “Wir gehören nicht zu dieser unzivilisierten Region”. Shimon Peres war sehr wichtig für die Zusammenarbeit Israels mit Apartheid-Südafrika; als Verteidigungsminister während Vorsters Besuch in Jerusalem, als Premier in den 80ern,…

2005 oder 2006 sagte er zu McGreal vom “Guardian”60 zur Moral der Verbindungen mit dem Apartheid-Regime, eine Entscheidung sei meist nicht zwischen “perfekten Situationen” zu treffen, sondern zwischen mangelhaften Alternativen; damals sei die “Bewegung des schwarzen Afrikas” mit der PLO “gegen uns” gewesen, man habe keine grosse Wahl gehabt; aber man sei immer gegen die Apartheid gewesen. McGreal erinnerte in seinem Artikel daran, dass der damalige (zur Zeit des Interviews) israelische Staatspräsident, der nun davon spreche, dass sein Land widerwillig in eine Allianz mit diesem System, das eigentlich ein ideologischer Gegner war, “gezwungen” worden sei (und dabei noch den Opfermantel anzieht), in dessen Brief an den (General)sekretär im südafrikanischen Informationsministerium, Eschel Rhoodie61 aus 1974 enthusiastische Formulierungen von gemeinsamen Idealen wie der “gemeinsamen Ablehnung von Ungerechtigkeit” verwendete.

Apartheid-Propaganda-Chef Rhoodie, Rabin, Apartheid-Geheimdienst-Chef Vandenbergh, Peres 1975 in Jerusalem

Polakow-Suranskys Buch gewährt intime Einblicke in die Beziehungen zwischen Israel und dem Apartheid-Regime. Daher kamen wütende Reaktionen dazu von zionistischer Seite. Peres persönlich schrieb einen Leserbrief an den “Guardian”, in dem er abstritt, dass es 1975, als er Militärminister war, das Angebot von “Jericho”-Raketen mit Nuklearsprengköpfen an Südafrika gab. “Selektive Interpretation” südafrikanischer Dokumente lägen der “Behauptung” zu Grunde. Polakow-Suransky konnte darauf in “Haaretz” antworten, nannte Peres’ Stellungnahme ausweichend. “Auslassend” könnte man es auch nennen, und seine Stellungnahme an McGreal (s.o.) eine verlogene Rechtfertigung. Zwischen Israel und Apartheid-Südafrika war so viel Gemeinsames, nicht zuletzt in der Ideologie, so viel Intimität, so viel Substanz, so gravierende Folgen – dass man nicht von einem „Zweckbündnis“ sprechen kann.

Zum Argument des “Gegenbündnisses”: Israel arbeitete seit seiner Gründung 1948 mit Südafrika (in dem im selben Jahr die Apartheid kam) zusammen, durch Israels Bemühungen in Schwarzafrika wurde das in den 50ern und 60ern etwas schwächer. Es hat auch anderswo mit Kräften der westlichen Vorherrschaft zusammengearbeitet, und mit diktatorischen Systemen (auch mit dem frühen Mullah-Regime des Iran). Wie war die Anti-Apartheid-Bewegung mit der palästinensischen Nationalbewegung verbunden? James Adams (s.u.) schreibt, Aktivisten des ANC bzw seiner Miliz Umkhonto we Sizwe (MK) seien von der PLO im Libanon und Süd-Jemen trainiert worden; die Information geht allerdings auf den israelischen Geheimdienst Mossad zurück, dem es auch gelungen sein soll, diese Lager zu infiltrieren. Aber die beiden waren schon irgendwie auf der selben Achse; und das sagt definitiv etwas Gutes über die PLO aus.

Peres sagte zur Nakba bzw “Plan Dalet”, Ben Gurion habe keine „Säuberung“ gewollt, er habe es erlebt, glaube nicht Historikern, die anderes schreiben.62 Ab 1953, als ihn sein politischer Ziehvater Ben Gurion zum Generaldirektor im Verteidigungsministerium machte, spielte er eine entscheidende Rolle in der israelischen Politik. Er fädelte die französische Unterstützung für das israelische Atomprogramm ein, den Suez-Krieg. Mit seinem Freund Jacques Soustelle (auch ein proisraelischer Rechtsaussen) redete er über die israelische Kolonialisierung von Französisch-Guyana.63 Der islamistische Terrorangriff in Kenia (Kenya) 2013 war für ihn eine Steilvorlage, sich als Freund der Afrikaner zu geben. Israel stehe “Schulter an Schulter” mit Kenya, zumal es selbst so oft Opfer von Terror gewesen sei. Das was er früher zu Rhoodie oder Vorster gesagt oder geschrieben hat, wie er sie umschmeichelte, hat er später zu Buthelezi und Mangope gesagt, den kemalistischen Herrschern der Türkei (zB über den Völkermord an den Armeniern oder dass das Militär das Rückgrat der “türkischen Demokratie” sei), oder Aserbeidschans Alijew…

Wenn man der heutigen Apologetik zur israelischen Zusammenarbeit mit Apartheid-Südafrika (der dominierenden) folgt, waren „Schwarze“ im südlichen Afrika nur Delphine im Thunfisch-Fangnetz, das aus einer “Zwangslage” entstand. Ob Percy Yutar einer der südafrikanischen Juden war, die die Apartheid unterstützten, dazu gehen die Meinungen auseinander. Er war Ankläger/Staatsanwalt in dem Prozess gegen Nelson Mandela und 9 weitere ANC/SACP-Aktivisten (7 Schwarzafrikaner und 3 Juden!), 1963/64 in Pretoria.64 Yutar beschuldigte die Anti-Apartheid-Kämpfer vor Gericht, der Welt Lügen darüber zu erzählen, dass Schwarze in Südafrika verfolgt werden. Nach dem Prozess, als Mandela und sechs weitere Verurteilte auf Robben Island geflogen wurden, um ihre lebenslange Freiheitsstrafen abzusitzen, wurde Yutar von der Pro-Apartheid-Presse in Südafrika gefeiert65, u.a. als Verteidiger der Zivilisation gegen die Kräfte der Dunkelheit…

Der damalige Jusizminister Vorster nannte Yutar einen “echten Patrioten”. Nach dem Ende der Apartheid sagte Yutar nun, er habe das Leben der Angeklagten gerettet, indem er sie nicht wegen Hochverrat sondern wegen Sabotage angeklagt hat. Mandela, der einen seinen Gefängniswärter zu seiner Amtseinführung als Präsident einlud und Pieter Botha für seine “Reformschritte” lobte, verzieh auch ihm, und das öffentlich. Yutar war ein geachtetes Mitglied der jüdischen Gemeinde in seiner Heimatstadt (Johannesburg, war dort Vorsitzender der United Hebrew Congregation), im Gegensatz zu den Angeklagten im Rivonia-Prozess Denis Goldberg, Lionel Bernstein, James Kantor. Und, wie erwähnt wird heute abgestritten, dass Yutar der Apartheid nahe stand, wird behauptet, er habe eine gänzlich unpolitische Rolle inne gehabt, eine “rein juristische”. So wie Hans Filbinger? Zumindest Yutars Aussagen nach dem Prozess und Lob für ihn durch höchste Vertreter des Regimes waren höchst politisch.66

Der en.wikipedia-Artikel “Israel–South Africa relations” (bzw die von organisierten Teams dort getätigten Bearbeitungen) sagt ja auch einiges über den heute hegemonialen Umgang im Zionismus mit der Partnerschaft. Die (damals so gerne hervor gehobene) gemeinsame Grundlage wird unter den Tisch gekehrt, der scharfe Bruch in den Beziehungen Israels zu Südafrika während der Apartheid und nachher fällt auch der Hasbara zum Opfer. Die unverschämtesten Propaganda-Behauptungen, “belegt” durch lächerliche Quellen bzw lächerliche Interpretationen von Quellen:

“Israeli leaders’ ideological hostility made Israel took a strong and unequivocal stance against South Africa. Israel even offered asylum to South Africa’s most wanted men.”

Was das “Asyl” betrifft: Südafrikanische Juden, die die Apartheid wirklich bekämpften, kamen oft vorzeitig frei, aufgrund der engen Beziehungen des Apartheid-Regimes zu Israel – und weil sich Israel für alle Juden auf der Welt zuständig fühlt. Und durften nach bzw über Israel ausreisen. So wie Denis Goldberg, der im Rivonia-Prozess zu Lebenslänglich verurteilt wurde, nach 22 Jahren (in einem “weissen” Gefängnis) freigelassen wurde, in Israel nur kurz seine Tochter besuchte und das System dort kritisierte, dann nach GB ausreiste, wo er sich wieder voll dem Kampf gegen die Apartheid (in Südafrika) widmete. Arthur Goldreich ging nach seiner Flucht wieder nach Israel, kritisierte aber wie erwähnt den Zionismus und seine Gemeinsamkeiten mit der Apartheid.

Dann wird in dem Artikel auch wieder eine Zwangslage behauptet. “…it was long apprehensive about the punitive measures, stemming from Israel’s own vulnerability to international embargoes by the United Nations and Third World–dominated bodies…”. “Israel’s condemnation of apartheid was based on opposition to the racist nature of the practice, and its maintenance of mutually beneficial commercial and military ties was rooted in a concern for South African Jews and a realpolitik attitude that Israel was too isolated to be selective about partners in trade and arms deals.” Ja, die Henne und das Ei, was war zuerst, die “Isolation” oder die Politik die es in diese Isolation brachte?

Eine “Notsituation”, wie die Südtiroler, die sich Hitler andienten. Aber eigentlich war Hitler ja auch in einer Zwangslage, denn er brauchte (in seiner Isolation) ja Mussolini. Und, “Third World–dominated bodies” ist an sich eine Formulierung die die ganze Verachtung für diese Staaten herüber bringt. Aber auch in dem Zusammenhang schreibt man sich eine Vulnerabilität zu… Auch in der Apartheid-Rhetorik sah man sich immer der “3. Welt” und seinem Druck ausgesetzt. Dass jetzt dort retrospektiv eine Gegnerschaft Israels zur Apartheid behauptet wird, macht deutlich, dass diese Variante des Umgangs nun hegemonial ist. “Israel and the apartheid analogy” ist ein Artikel, von dem auch anzunehmen ist, dass er heftig von Aktivisten von GIYUS/CAMERA/Israel sheli/JIDF/Megaphone/… bearbeitet worden ist und durch das “Spielen” mit Regeln so gehalten wird. Mit der Schönfärberei soll natürlich etwas verdeckt werden…

Der Deutsche Hans Grimm, der im südlichen Afrika gelebt hatte, jammerte in der Zwischenkriegszeit von den Deutschen als ein „Volk ohne Raum“, was die Nazis dann hauptsächlich in Osteuropa zu ändern versuchten. Das osmanische Palästina galt Zionisten um die Jahrhundertwende als „Land ohne Volk“. Dass Palästina ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land sei, wurde nicht von Theodor Herzl in die Welt gesetzt. Sondern erstmals wahrscheinlich vom schottischen presbyterianischen Geistlichen Alexander Keith (1792-1880), der die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina durch die Bibel “verordnet” sah, ein christlicher Zionist war. Anthony Ashley-Cooper, Earl of Shaftesbury, ebenfalls ein Brite und im 19. Jh, war ein evangelikaler Anglikaner, trat für die christliche Missionierung von Juden ein… Er sagte/schrieb (auch) so etwas ähnliches, nannte das Land (welches ohne Volk/Nation sei und den Jude zustehe) Gross-Syrien. Dann kam der englische Jude Israel Zangwill an die Reihe, er hat den Satz „Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“ wahrscheinlich “in Umlauf gebracht”. Dieser Zangwill, ein Bekannter von Herzl, war übrigens einer jener Zionisten, die den jüdischen Staat nicht unbedingt in Palästina verwirklicht haben wollten, und zB ein Gebiet in Afrika anvisierten. Die eurozentrische Illusion, dass sich alle aussereuropäischen Territorien in einem politischem Vakuum befänden, verbindet Kolonialismus67 und Zionismus.

Nirgendwo sind sich Zionismus und klassischer europäischer Faschismus (darunter das Erbe des deutschen Nationalsozialismus) nach der Hitler-Herrschaft in Europa so nahe gekommen wie bei der südafrikanischen Apartheid! Apartheid-Südafrika war für Beide eine wichtige positive Referenz. Wie erwähnt waren die späteren führenden Politiker der NP währen der Nazi-Herrschaft für ein Bündnis Südafrikas mit Nazi-Deutschland. Der spätere Premierminister Strijdom war in den 1930ern auch für die Rückgabe Südwestafrikas an das Deutsche Reich. Ein anderer Afrikaaner-Politiker, Strijdoms Vorgänger Malan, hat sich zB mit einer Thyra Denk, Ehefrau eines deutschen Agenten namens Hans Denk (damals in Portugiesisch-Ostafrika), 1940 im Auftrag mit Hitlers Aussenminister von Ribbentrop getroffen. Was den Nazi Leopold von Mildenstein und seine Reise nach Palästina betrifft und seine Begeisterung für das zionistische Projekt dort, dies ist ein Tabu… In diesem Kontext haben auch Nazis Juden in einem anderen Licht gesehen.

Nach dem von Hitler losgetretenen und verlorenen Krieg haben Afrikaaner in Südafrika deutsche Waisenkinder adoptiert, es mussten deutsche sein. Unter jenen, die 1948 in Kapstadt ankamen, war auch der 13-jährige Lothar P. Tietz aus (dem nunmehr sowjetrussischen) Ostpreussen. Er wurde vom Chef des Kinder-Adoptionsfonds (Dietse Kinderfonds, DKF), J. C. Neethling, adoptiert, einem ehemaligen Aktivisten der Pro-Nazi-Organisation Ossewabrandwag. Dieser Lothar Neethling, wie er dann hiess, machte Karriere in der südafrikanischen (Apartheid-) Polizei (SAP), wurde deren stellvertretender Chef; als solcher hat er auch mit Israel zusammengearbeitet. Ein Regime, dessen frühere Protagonisten allesamt Nazi-Sympathisanten gewesen waren (als die Nazis in grossen Teilen Europas an der Macht waren), unterhielt engste Beziehungen mit dem jüdischen Staat. Nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Die Gegenüber von Malan, Strijdom, Verwoerd, Vorster, Botha waren Politiker, die von den Palästinensern und den anderen Völker der Region eine ähnliche Meinung hatten wie die NP-Leute von den Zulus, Xhosas, Tswana, Shona,…

“Ein Wall gegenüber Asien” (Herzl) und eine Mauer zu Afrika. Und, besonders im Lager der lange oppositionellen zionistischen “Revisionisten” (Herut/Likud/…) gab es Rassen-Theoretiker und selbsterklärte Faschisten wie Ahimeir/Geisonovich. Terroristen waren (bzw galten für die Briten) auch viele Politiker der “Arbeiterpartei” (Mapai/Avodah/…). Der Chauvinismus der zionistischen “Linken” und “Liberalen” (> Lapid senior 1974) ist ein anderer. Der Zionismus ist dem westlichen Nationalismus entsprungen, steht ihm bis heute nahe.68 Wie im Südtirol IV-Artikel ausgeführt wurde, hat etwa der ÖVP-Rechtsaussen Felix Ermacora in einem Buch, in dem er sich für ein österreichisches Südtirol einsetzt, den Freiheitskampf in Namibia (gegen Apartheid-Südafrika) und Palästina attackiert. In Apartheid-Südafrika gab es auch ein Nebeneinander von einem gewissen Antijudaismus und Philozionismus; gegen die religiösen und die linken Juden (die “Sepharden”/Mizrahis zählten gar nicht als Juden), aber für die “wehrhaften” und unterdrückenden und nationalen; ähnlich wie die Evangelikalen in der USA.

Die genannten Probleme in der Beziehung zwischen Israel und dem Apartheid-Regime lagen auch hauptsächlich hier. Bezüglich Diaspora-Juden hat Israel andere Erwartungen als gegenüber seinen Bürgern und ggü den Nicht-Juden unter sich. Das ändert aber nichts an der Begeisterung, die bei rechten Afrikaanern von einer zu den Nazis zu einer für Zionisten überging. Dass Vieles an der südafrikanischen Apartheid an das Nazi-Regime gemahnte, wird nicht nur durch die “Rassengesetze” (s.o.) deutlich; zB auch daran, dass Schwarze durch den Namenszusatz “Bantu” gleich erkenbar sein sollten, wie Juden im NS durch die Beinamen “Israel”/”Sarah”. Apartheid-Südafrika wurde Bezugspunkt für Rechte und Rechtsextreme hauptsächlich aus “weissen” Teilen der Welt. Oswald Mosley, Gründer der British Union of Fascists (BUF), 1940 bis 1945 interniert, lebte nach dem Hitler-Stalin-Krieg hauptsächlich im Ausland, weil er sich in GB kaum mehr politisch betätigen konnte.69

Er war ein häufiger Besucher im Südafrika der Apartheid, wo er von Regierungsmitgliedern empfangen wurde. Trotz der Abneigung der nationalistischen Afrikaaner gegenüber allem Britischem. Was rechtsextreme Briten und diese Afrikaaner verband, war zB Rhodesien (neben den Afrikanern, den Kommunisten,…). Die Candour League von Arthur Chesterton, einem Biografen von Mosley, war eine der britischen Organisationen, die sich der Sache der Weissen im südlichen Afrika annahm. Auch NPD-Chef Adolf von Thadden besuchte Südafrika damals häufig, wo seine Mutter gelebt haben soll, traf sich mit NP-Politikern und deutschen Auswanderern, die sich 1967 zum “Deutschen Arbeitskreis Volkstreuer Verbände in Südafrika” zusammenschlossen. Die rassistische Internationale mit ZA-Connection “traf” sich nicht über Israel, das zu behaupten wäre übertrieben. Aber der “Antikommunismus”, der gelegentlich vorgeschoben wurde um die Rassenkategorien nicht beim Namen zu nennen70, verband mit den weiter in der Mitte stehenden Rechten, wie dem “Western Goals Institute”, und von dort war es nicht weit zum Philo-Zionismus.

Zu jenen, die sowohl den Nationalsozialismus wie Israel schätzten, gehörte Panamas Machthaber Manuel Noriega. Der “legendäre” Mossad-Agent Michael Harari war offiziell Panamas Honorarkonsul für Israel, de facto aber Noriegas Berater. Es heisst, Noriega trug ein israelisches Fallschirmjäger-Abzeichen auf seiner Uniform und besass eine Villa in Herzliya. Als das USA-Militär 1989 in Panama einfiel, um Noriega zu stürzen, wollte es auch Harari schnappen.71 US-Truppen fanden in Noriegas Gemächern Hitler-Bilder. Eine ähnliche Verbindung gab es auch bei anderen lateinamerikanische Rechtsdiktatoren, Wertschätzung für den NS wie für das militärisch ebenso bewundernswerte Israel – zu dem man meist auch “militärische Beziehungen” hatte.

In Apartheid-Südafrika tummelten sich Einwanderer aus der BRD wie aus IL, Geschäftsleute,… Manche Deutsche schwärmten davon, dass es nirgendwo sonst auf der Welt gegenüber dem Kriegsverlierer Deutschland so grosse Sympathien gäbe wie dort. Sowohl diese Deutschen wie diese Israelis waren Apologeten des dortigen Systems. Und man gehörte allesamt zum Westen; das bedeutete auch, dass jene die man bekämpfte, entweder mit dem Kommunismus unter der Decke steckten oder Terroristen waren; oder kommunistische Terroristen, wie es P.W. Botha formulierte, als er sich weigerte, vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission zu erscheinen.72 Mit dem Ende der Apartheid ist das Pro-NS-“Sentiment” unter Buren zu rechtsradikalen Splittergruppen “abgedrängt” worden, wie zur Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), die offen modifizierte Nazi-Symbole verwendet. Als der damalige südafrikanische Präsident De Klerk, der dabei war, die Apartheid abzuschaffen, 1991 in der AWB-Hochburg Ventersdorp (damals Transvaal) eine Rede halten wollten, griff diese paramilitärische Gruppe die Sicherheitskräfte des (Noch-) Apartheid-Staates an.

Gemeinsamkeiten, Israel als Apartheid-Staat

Die Afrikaaner, die “ewig Unterdrückten” kamen 1948 in Südafrika an die Macht, knapp vorher im selben Jahr gründeten die sich ebenfalls oft so sehenden Juden ihren Staat in Palästina. Für beide Völker war es wichtig, der Boss, der Herr in dem Land zu sein. Im Fall Südafrika war die Staatsgründung 1910 im Gegensatz zu Israel nicht das Problem (gewesen), obwohl sie auch über die Köpfe der angestammten Bevölkerung hinweg erfolgte. Sowohl Weisse in Südafrika als auch Juden in Palästina haben diese Bevölkerung nach ihrer Ankunft sukzessive zurückgedrängt. Aber sie haben ja die Zivilisation in das Land gebracht. Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Zionismus und Apartheid.

Dass Eliahu Yishai als israelischer Inneminister vor einigen Jahren davon sprach, dass “das Land” (womit er wohl auch die von Israel nicht annektierten aber von ihm regierten Gebiete meint) “uns”, dem “weissen Mann”, gehöre, soll hier nicht verharmlost werden – das geschieht ohnehin andauernd mit Äusserungen von israelischen Politikern wie Bennett, Feiglin, Shaked, Netanyahu. Aber ich ziehe es nicht heran, um eine Parallele bzw Gemeinsamkeit von Israel zur Apartheid aufzuzeigen; schon allein, weil dieser Yishai (und seine Wähler, die ebenfalls grossteils aus Nordafrika stammen) für einen grossen Teil der westlich geprägten, aschkenasischen Juden selbst nicht weiss (und westlich) genug ist (sind).

Die allermeisten Afrikaaner gehören einer der Niederländisch-Reformierten Kirchen an (NGK, NHK, GK), deren Mitglieder zusammen vielleicht 5% der Bevölkerung Südafrikas ausmachen, der Anteil der Afrikaaner eben; im Laufe der Jahrzehnte hat sich das demografisch etwas nach unten verschoben73. Christen machen zwar 80-90 % der Bevölkerung Südafrikas aus, aber die meisten davon sind Angehörige unabhängiger afrikanischer Kirchen (wie der Zion Christian Church)74 und englischsprachiger protestantischer Kirchen (Pfingstler, Methodisten, Anglikaner,…). In diesen zweiteren Kirchen sind sowohl Schwarze als auch (englischsprachige) Weisse (auch Inder, Farbige,…) vertreten, und die Apartheid wurde durch sie grösstenteils nicht gestützt, teilweise wurde sie von ihren Mitgliedern bekämpft.75 Die afrikanischen Kirchen waren klarerweise gegen die Apartheid eingestellt. In Israel, das infolge der Nakba entstand76, ist das Staatsvolk (für den der Staat konzipiert ist) durch die Religion definiert.

Es gibt das Märchen von Israel als der einzigen Demokratie in “seiner” Region. Und die Realität von einer Bevorzugung von Juden, die weltweit einzigartig ist. Wie Apartheid-Südafrika klassifiziert Israel seine Bürger aufgrund einer Ethnizität und privilegiert bzw diskriminiert auf dieser Grundlage. Gegenüber Palästinensern (mit oder ohne israelischer Staatsbürgerschaft) und anderen Nicht-Juden gibt es in allen Bereichen schlechtere Standards, in zahlreichen Gesetzen (formal) und in der Praxis (informell). Zu den diskriminierenden Gesetzen gehört zB das über den Status der Jewish Agency von 1952 (das Israel als Staat des jüdischen Volkes definiert, nicht als Staat seiner Bürger), das Staatsbürgerschaftsgesetz von 1948 (das geflohene/vertriebene Palästinenser ausschliesst) und auch das “Rückkehrgesetz” von 1950, das Juden und zum Judentum übergetretenen Personen das Recht auf Einwanderung und Staatsbürgerschaft zuspricht und vertriebene Palästinenser bzw ihre Nachfahren wiederum ignoriert, oder verschiedene Gesetze, die es Nicht-Juden verunmöglichen, Land- oder Immobilien-Besitz in Israel zu kaufen. Die Privilegierung von Juden betrifft das international anerkannte Israel (mit den “israelischen Arabern” als Haupt-Leidtragenden) sowie das (seit) 1967 besetzte Westjordanland mit den israelischen Siedlungen, Militärstützpunkten, Strassen,…

Israel ist eine Demokratie für Juden77 und eine Militärdiktatur für Palästinenser in deren Restgebieten78. Hier sind die Parallelen zur südafrikanischen Apartheid zu erkennen, welche für das weisse Bevölkerungssegment alle Merkmale einer Demokratie aufwies. Wenn man das Pech hat, zum falschen Kollektiv zu gehören, sind die Rechte als Einzelner aufgehoben, ist man mit der Willkür einer rassistisch agierenden Besatzungsmacht konfrontiert. Ahmad Tibi, Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft und Parlamentarier79, sagte,

“Israel ist demokratisch gegenüber Juden und jüdisch gegenüber Palästinensern”

In Apartheid-Südafrika behauptete man, mit der Schaffung der Homelands habe man den Ansprüchen der Schwarzafrikaner auf Selbstverwaltung Genüge getan; bei Israel ist es die palästinensische Autonomieverwaltung auf die man verweist. Aber nicht einmal im Gaza-Streifen kann man von einer wirklichen Selbstverwaltung reden. Und im Westjordanland? Die PNA darf zB nicht einmal in den winzigen A-Zonen nach Wasser graben… Das letzte Wort hat überall Israel bzw dessen Militär; und darauf (auf ihre Be-Herrscher) haben die Palästinenser keinerlei Einfluss. Im damaligen Südwestafrika, von Südafrika verwaltet, hat die weisse Minderheit Selbstverwaltung gehabt (u.a. ein eigenes Budget) und wählte jahrzehntelang Vertreter ins südafrikanische Parlament (representation without taxation)80; in Südafrika hatte die nicht-weisse Mehrheit staatsbürgerliche Pflichten wie die Abfuhr von Steuern, aber keine politische Mitsprache (taxation without representation); in Rest-Palästina nimmt Israel für die Palästinensische Autonomiebehörde (PNA) Steuern und Abgaben ein und leitet diese weiter (oder auch nicht)81.

Die Palästinenser in ihren Restgebieten, und nur sie, leben quasi in einer Bürgerkriegs-Situation, für sie sind Elemente einer Diktatur verwirklicht. Demokratie sagt noch nichts über das Verhalten ggü Anderen aus, der demokratischer Charakter Israels (für Juden) verhinderte nicht die Nakba oder die Besatzung – ganz im Gegenteil: Das Militär führt(e) sie durch, auf Anordnung der gewählten Politiker.82 Auch alle “Apartheid”-Regierungen waren demokratisch gewählt, mit der Einschränkung dass etwa 3/4 der Bevölkerung von diesen Wahlen ausgeschlossen war. Ab 1953 bekam die NP bei allen Wahlen absolute Mehrheiten, bis 1989 (da nur mehr an Mandaten). Die Angeklagten im Rivonia-Prozess in Pretoria ’63/64, wenn sie Palästinenser unter israelischer Herrschaft gewesen wären, sie von israelischen Geheimdiensten der Sabotage, des Verrats et cetera, müssten sie (auch in der Gegenwart) mit lebenslänglichem Gefängnis rechnen, würden vielleicht nicht einmal einen Prozess bekommen, oder sehr lange nicht (“Administrationshaft”); solche werden aber auch durch gezielte oder geheimdientliche Tötungen “exekutiert”.

Israel hat sich nie über das Territorium definiert oder dessen Demos, immer über das Ethnos (Juden, auch jene die woanders leben), im Gegensatz zu den „rückständigen“ arabischen und moslemischen Staaten der Region. Die Existenz der “israelischen Araber” ändert nicht den monoethnischen Charakter Israels. Der Grund, warum Israel nicht zu 100% jüdisch ist, ist dass sich viele Palästinenser 1947-49 den Vertreibungen von zionistischen Terrororganisationen (Haganah, IZL, LEHI) widersetzten bzw ausharrten. Später hat Israel ihnen auf internationalen Druck widerstrebend die Staatsbürgerschaft gegeben und nach fast 2 Jahrzehnten auch die Militärverwaltung über sie aufgehoben. Phyllis Bennis:

„Unlike any other country in the world, Israel does not define itself as a state of its residents, or even a state of its citizens, but as a state of all the Jews in the world. Jews from anywhere in the world, like me, can travel to Israel, declare citizenship, and be granted all the privileges of being Jewish that are denied to Palestinians who have lived in the area for hundreds of years.“

Was Azmi Bishara und seine Partei Balad anstreb(t)en/vorschlugen, die Ent-Zionisierung Israels (ein Staat für alle seine Bürger anstatt eines jüdischen Staats), macht irgendwie wenig Sinn, Israel ohne Zionismus ist wie alkoholfreies Bier, da macht eine Abschaffung und Staats-Neugründung mehr Sinn.

Israel ist für die Palästinenser in den besetzten Gebieten zumindest ein autoritärer Staat83, nicht für die dort angesiedelten Israelis natürlich. Welche spezielle Form von autoritärem Regime? Ethnokratie oder ethnische Demokratie? Der Begriff “Ethnische Demokratie” bzw “ethnic democracy” wurde vom israelischen Soziologen Sammy Smooha eingeführt, und er betrachtet Israel als eine solche. In einer ethnischen Demokratie sind strukturelle Dominanz einer Ethnie mit demokratischen Rechten für Alle kombiniert – im Gegensatz zur Ethnokratie (oder Rassendemokratie)84, in der bestimmte ethnische Gruppen von der politischen Partizipation ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich ist Israel für die “israelischen Araber” (Palästinenser in jenem Gebiet das 1948 “Israel” wurde) eine ethnische Demokratie, für die Palästinenser in den Gebieten, die 1967 von Israel besetzt wurden, eine Ethnokratie – kombiniert mit Elementen einer Militärdiktatur.

Ein Staat bzw eine Nation und seine “illegtimen Mitglieder”, Araber bzw Schwarzafrikaner. Genau genommen gab bzw gibt es sowohl in Apartheid-Südafrika als auch in Israel eine Art Kastensystem, mit diversen Zwischenstufen, mit einer klaren Hierarchie, mit unterschiedlichen Standards für die unterschiedlichen “Bevölkerungsgruppen”, die man geschaffen hat. Nicht nur 2 Gruppen, eine privilegierte und eine unterdrückte, und eine Trennung (Apartheid) dazwischen. In Israel/Palästina betrifft das Kern-Israel, wie es also vor dem Krieg 1967 existierte. In Südafrika wurden die Inder und “Coloureds” über die Schwarzafrikaner gestellt, und auch gegen sie ausgespielt. In Israel gibt es die Mizrahis, die aus Äthiopien gebrachten Juden85, die ausländischen Arbeiter,… und die säuberlich in verschiedene Gruppen aufgeteilten Palästinenser in diesem Kern-Israel (“israelische Araber”, Drusen, Beduinen,… zur Zeit gibt es Bestrebungen, die christlichen Palästinenser gegen die anderen in Stellung zu bringen).

Dennoch bzw gerade deshalb gibt es Phrasen der “Gleichberechtigung”, Bekenntnisse zu Diversität, Protzereien wie gut es den “israelischen Arabern” doch ginge. Sie haben sich eben (zT) mit ihrer zweitrangigen Rolle bzw der abverlangten Unterordnung abgefunden. Israels rassisch-ethnische Diskriminierung trifft die allermeisten Palästinenser (die nicht im Exil leben) täglich. Die südafrikanische) Apartheid wurde (und wird) gerne als “Politik der guten Nachbarschaft“ verharmlost (bzw verfälscht); ähnlich verhält es sich mit der Definition von „Frieden“ vom zionistischen Standpunkt. „Frieden“ bedeutet für Manche, dass sich die Palästinenser damit begnügen, unter Militärherrschaft zu leben bzw Bürger 3. Klasse zu sein

Ein Kalman Katzenelson, aus Russland, revisionistischer Zionist (Anhänger des Likud-Vorläufers Herut), Schwager von “Kanaaniter-Gründer Ratosh/Halperin, brachte 1964 sein Buch “Ha-Mahfekha ha-Ashkenazit” (transkripiert, “Die aschkenasische Revolution”) heraus. Darin schreibt er, die Mizrahis (“orientalische” Juden, nach Israel gebracht) seien genetisch minderwertig, gefährdeten die Überlegenheit des aschkenasisch-zionistischen Staates, forderte die Errichtung eines Apartheid-Systems86, in dem auch die politischen Rechte der Mizrahis beschnitten bzw abgeschafft werden sollten. Weiters wollte er ein Verbot “gemischter Ehen” (zwischen Aschkenasen und Mizrahis) und die Abschaffung von Hebräisch als Staatssprache, da es zu sehr dem Arabischen ähnelte. Stattdessen solle Jiddisch Staatssprache werden, aufgrund seiner “überlegenen” deutschen Einflüsse.87 Das Buch verkaufte sich sehr gut in diesem Prä-1967-Israel88, bevor es Ben Gurion verbot.

Der aus dem damals russischen Ost-Polen stammende Ben Gurion (Grün) gab diese aschkenasisch-chauvinistische Linie selbst vor89, sprach von den Mizrahis (die er nach Israel bringen liess) als “Wüstengeneration”, von Leuten denen es an jüdischer Erziehung mangle. Als er in den frühen 1950ern sagte, die Israelis dürften nicht Araber werden und dass ein Kampf gegen den “Geist der Levante” zu führen sei, kann er Palästinenser oder Mizrahi-Juden gemeint haben. In dieser Zeit wurden ins Lande gebrachten Familien jemenitischer Juden Neugeborene weg-genommen, und diese an aschkenasische Familien übergeben.90 Die Familien wurden als primitiv gesehen, die Kinder könnten in den “richtigen” Familien gerettet werden, für den zionistischen Staat erzogen; ausserdem könnten sich so grosse Familien ein oder zwei Kinder weniger leisten. Auch aschkenasische Familien, die den Holcocaust überlebt hatten, waren an den Entführungen beteiligt.91 In der “Mini-Intifada” (seit) 2015 kam es zu Fällen, in denen Mizrahi-Israelis nach Messerattacken von Palästinensern (oder vermeintlichen) von einem Mob (darunter Soldaten) attackiert wurden, weil sie für Palästinenser gehalten wurden.92 Bei Übergriffen gegen afrikanische Einwanderer wurden auch äthiopische Juden attackiert.

Manche Mizrahis versuchen aus dem ihnen Auferlegten, Verachtung an die Palästinenser und andere Völker der Region weiterzugeben, auszubrechen. Der Author Sami Michael zB, ein aus dem Irak stammender (jüdischer) Israeli, plädiert dafür, dass sich Israel in die Region integriert. Als Alternative zum Abgrenzen, sich als Aussenposten der westlichen Welt zu sehen, zur Kleinhaltung der Anderen, mit den hochentwickeltsten Waffen, dem Anprangern, sie Überlisten,… Israel, das der schlimmste Apartheid-Staat auf der Welt geworden sei, müsse beweisen, dass es nicht ausführender Arm oder Ausläufer westlicher Politik in seiner Region sei93 und nicht nur gegen die Region bestehen könne. Israeler die nicht die ganze Region hassen, wie Sami Michael, werden diffamiert, sind Aussenseiter in ihrer Gesellschaft.

In der Hierarchie der Bevölkerungsgruppen in Apartheid-Südafrika waren Weisse natürlich ganz oben, und unter ihnen die Afrikaaner/Buren; in Israel sind das Juden, insbesondere (noch immer) die Aschkenasen. In Südafrika 1948-1994 hörte die Freiheit für Weisse dort auf, wo man die Grundsätze der Apartheid in Frage stellte.94 In einer Ethnokratie, heisst es, wird nicht nur Druck auf die benachteiligte Bevölkerung ausgeübt, sondern auch auf Dissidenten aus der privilegierten Schicht, die die Trennungspolitik bekämpfen und in Frage stellen. Das trifft auch auf Israel zu. Die südafrikanische Schriftstellerin Nadine Gordimer sagte, in keinem anderen Land der westlichen Welt gab es weniger Freiheit als in Südafrika, nicht zuletzt in der Kunst.95 Die Publikationen, die in der Apartheid-Zeit in ZA verboten waren, sind im “Jacobsens index of objectionable literature” (1996) aufgelistet; er umfasst fast 15 000 Publikationen. Und die israelische Militärzensur?

Das Zusammenleben mit den “Dunkelhäutigen” aus der Region auf gleichberechtigter Grundlage war/ist für beide Systeme das eigentliche Problem, kam/kommt nicht in Frage. “Die kaffer op sy plek”. Es gibt getrennte Wohngebiete (de facto, hauptsächlich) bzw gab sie de jure. Die Unterworfenen dürfen in gewisse Gebiete nicht hi(nei)n. Apartheid-Regierungen waren bereit, Teile des Territoriums Südafrikas “aufzugeben” (als Homelands), anstatt Schwarzen im Land gleiche Rechte zu geben. Ähnlich verhält sich Israel gegenüber den Palästinensern in den 1967 eroberten Gebieten, die de facto Teile Israels wurden; auch in den “Homelands”, in denen Palästinenser seit 1993/94 Selbstverwaltung haben, hat Israel das letzte Wort. Die Homelands in Südafrika waren wie gesagt etwa 15% (unattraktives) Land für 75% der Bevölkerung; in den Städten gab es die Townships. Das beste und meiste Land blieb/bleibt den Privilegierten vorbehalten. Es gibt Siedlungen, Umsiedlungen, Zerstörung von Stadtvierteln,… Sophiatown in Nord-Johannesburg oder Ost-Jerusalem.

In Hebron, der grössten Stadt im Westjordanland, ist die israelische Apartheid am schlimmsten bzw am deutlichsten. Dort entstand 1968 die erste israelische Siedlung in den neu eroberten Gebieten, durch religiöse Fanatiker um Mosche Levinger. Bezeichnenderweise steht dieses Projekt bis heute unter dem “Motto”, “an 1929 anzuknüpfen”96, für das “Recht der Juden, in dieser Stadt zu leben” zu kämpfen. Die Ereignisse in Hebron 1929 standen im Rahmen des palästinensischen Aufstands gegen die aggressive zionistische Siedlungs- und Vertreibungspolitik. Und, es sind diese Siedler und ihre Beschützer und Apologeten, welche kein Gemeinsam mit der dortigen Bevölkerung (den Palästinensern) wollen, im Gegenteil! Der Diskurs bzw die Apologetik ist typisch; man hängt der Gegenseite all das um, was man ihr entgegen bringt bzw dreht die Verhältnisse anklagend um. Die Anderen seien Fanatiker, man müsse verhindern, dass die Stadt “judenrein” werde,…97 Wären diese Siedlungen auch für Palästinenser offen, wären sie nicht darauf angelegt, Palästinenser zu vertreiben und zu schikanieren, nicht Teil des Besatzungsregimes, würden die israelischen Siedler im Westjordanland nicht in jeder Hinsicht über den Palästinensern stehen,… sähe die Sache ganz anders aus. Das gilt für das gesamte zionistische Projekt in Palästina, seit mehr als 100 Jahren.

Eine Annexion der “Westbank” wird, genau wie einst beim “Gaza-Streifen” wegen den dortigen Palästinensern nicht gemacht, weil man ihnen dann einen Status ähnlich der “israelischen Araber” geben müsste, das Wenige ist ihnen schon zuviel. Naftali Bennett ist einer jener, die weitere Annexionen wollen.98 Die Zionisten kontrollieren 100% Palästinas, haben u.a. ein “demografisches Problem” in Gestalt der Palästinenser, wie immer wieder betont wird. Der damalige Premier Olmert malte als Schreckgespenst an die Wand, dass sein Land eines Tages einen Kampf wie in Südafrika um gleiche Wahlrechte erleben könne…

Nachdem infolge der Perestroika und des Auseinanderfalls (in) der Sowjetunion Anfang der 1990er Hunderttausende Juden (und auch Nicht-Juden…) in das Land strömten (hauptsächlich Aschkenasen), jubelte man (Vertreter der Jewish Agency,…) “Endlich eine jüdische Mehrheit in Galiläa“. Die Aufrufe von Netanyahu zur Einwanderung von Juden, v.a. aus dem „antisemitischen Europa”99, sind auch gegen die „israelischen Araber“ bzw gegen die Palästinenser an sich gerichtet. Nebenbei, US-Amerikaner, Deutsche oder andere “Westler”, die Juden oder Israelis heiraten und einwandern, werden vom Zionismus nicht als demografische Bedrohung gesehen…und auch anders behandelt.100

Die Zionisten wenden bezüglich der Beherrschung der Palästinenser die selben Methoden wie die Apartheid-Herrscher Südafrikas gegenüber den Schwarzen an. Darunter eine Politik des “Teile und herrsche“, das Gegeneinander-Ausspielen der Unterworfenen, die Inkorporation von Teilen von ihnen (die gegen die anderen in Stellung gebracht werden), welche auch gegenüber der “internationalen Gemeinschaft” die Illusion von “Harmonie” erzeugen soll. Das Apartheid-Regime wollte die “schwarze” Bevölkerung entlang ihrer ethnischen Linien (Zulus, Xhosas, Sothos, Tswana,…) teilen101 und sich dabei der traditionellen Herrscher bedienen, teilweise erfolgreich. Die Palästinenser wurden wie erwähnt in mehrere ethnisch-religiöse Kasten (mit unterschiedlichem Status) geteilt, dazu kommt die Teilung zwischen jenen, die schon seit 1948 unter israelischer Herrschaft lebten und jene die die das seit 1967 tun. Es gibt Palästinenser in den IDF102, es gab Schwarze und andere Farbige in der SADF. Es gab auch Schwarze in der NP, am Ende der Apartheid, als dies möglich war (ab 1993), am prominentesten John Mavuso.

Woran keine Kollaboration und keine Beschönigungsmassnahme etwas ändern kann/konnte, ist die Ungleichheit, wer der Boss ist/war; und wenn es darum geht, “den Anderen” etwas substanziell zuzugestehen bzw sie als grundsätzlich ebenbürtig anzuerkennen… Die israelische Polizei kam zB 2017 in ein beduinen-arabisches Dorf, um Häuser zu zerstören, die ohne Genehmigung gebaut worden waren; ging aggressiv vor, es gab Tote und Verletzte, darunter der Knesset-Abgeordnete Aiman Auda. Und die Beduinen dienen teilweise im israelischen Militär – wo sie gegen andere Gruppen unter den Palästinensern eingesetzt werden, oder gegen afrikanische Einwanderer an der Grenze zum Sinai. Das Vorgehen von Polizei und Militär gegen die “Eigenen” (die privilegierte Bevölkerunsggruppe) oder aber gegen “die Anderen” (die Unterworfenen)…auch hier eine Gemeinsamkeit mit Apartheid-Südafrika. Gegen die israelischen Siedler in den palästinensischen Restgebieten würde nie so vorgegangen werden – auch wenn einmal ein Landraub von ihnen von Israel selbst als “illegal” erklärt wird und sie gegen Soldaten Widerstand leisten.103 Weisse konnten öffentlich gegen die Apartheid auftreten (solange sie nicht Taten dagegen setzten), Schwarze nicht; genau so verhält es sich mit Juden und Palästinensern.

Und, jener Soldat, der im März 16 in Hebron einen (nach einer Messerattacke auf einen anderen Soldaten) angeschossenen Palästinenser mit einem Kopfschuss exekutierte, wurde zu 9 Monaten Haft verurteilt (2 Mal wurde die Strafe reduziert, obwohl er nie Reue für seine Tat zeigte). Für Viele ist er ein Held, von Netanyahu abwärts traten viele Politiker für seine Begnadigung ein; aber auch ein anderer Chauvinismus lebte auf, die Selbstbeweihräucherung; die Botschaft der Verurteilung sei, „dass wir uns nicht auf das unmoralische Niveau derer herunterziehen lassen dürfen, die uns auslöschen wollen“. Was nicht diskutiert wird, ist die Rolle der Soldaten und Siedler in Hebron, die Ursachen des „Terrors“ bzw Widerstands.104 Die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi beschrieb das Strafmaß im Militärprozess als „Hohn auf die Gerechtigkeit“, die leichte Haftstrafe beweise, dass palästinensisches Leben als wertlos angesehen werde. Am Ende wird die 16-jährige Ahed Tamimi wahrscheinlich länger im Gefängnis sein als dieser Elor Azaria.

Israel tötet und sperrt Leute ein, mit denen es verhandeln sollte. Selbes galt für das Apartheidsystem und seine Gegner. Dieses hat zB Ruth First 1982 durch eine Paketbombe im Exil getötet, versuchte Frank Chikane zu vergiften. Die Verantwortlichen wurden nach dem Ende der Apartheid milde “bestraft”. Und der Regierungschef 1978 bis 1989, Pieter Botha, zeigte der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) bildlich gesprochen den gestreckten Mittelfinger, was für ihn aber praktisch keine Konsequenzen hatte. Er verbrachte einen ruhigen Lebensabend, mit Bodyguards die ihm die Post-Apartheid-Regierungen zur Verfügung stellten. Die erste dieser Regierungen wurde von Nelson Mandela geleitet, der es vom Gefangenen zum Präsidenten geschafft hat. Weitere zwei südafrikanische Post-Apartheid-Staatspräsidenten waren auf Robben Island Gefangene gewesen.

Politiker und Aktivisten der Gegenseite wurden als “Terroristen” gebrandmarkt, und diese eingesperrt, Mordanschläge auf sie verübt. An dieser Stelle sei die Frage aufgeworfen, wann wem gegen wen Widerstand gestattet wird. Gegen das Nazi-Regime vielerorts in Europa, gegen das Apartheid-Regime in Südafrika, gegen die Sklaverei? Samuel Sharpe, der Anführer eines Aufstandes 1831/32 in Jamaica105, wurde damals als einer von über 300 Versklavten zur Strafe getötet (gehängt). Auch Nelson Mandela wurde mal als Terrorist gesehen, von gewissen Kreisen, und nicht die Angehörigen von südafrikanischen Terroreinheiten wie C1(0), Koevoet, CCB, BOSS. Für Pretoria und Tel Aviv waren Mandela und Arafat “Terroristen-Führer”, die Weisse bzw Juden “in das Meer jagen” wollten und gegen die man sich entsprechend zu “verteidigen” hatte. Das israelische Militär (ZAHAL/IDF) entstand einst aus drei Terrorgruppen und ist heute eine Besatzungsarmee. Der Widerstand von Palästinensern kommt nicht, „weil sie Juden hassen“, sondern aus Jahrzehnte-langen Erfahrungen, bzw aus der Tatsache, was Israel für sie bedeutet.106

Linda Sarsour, eine palästinensische Amerikanerin, mit Engagement für afro-amerikanische und palästinensische sowie moslemische Belange, kommentierte 2015 auf Twitter ein Foto, auf dem ein palästinensischer Junge einer Gruppe schwerbewaffneter israelischer Soldaten mit einem Stein in der Hand gegenübersteht: „Die Definition von Mut. #Palästina.“ Widerspruch eines jüdischen New Yorker Stadtrats: „Nein, die Definition von Barbarei“. Rechtsextreme Afrikaaner haben vor ihrer “Machtübernahme” 1948 den südafrikanischen Staat bekämpft und taten dies nach dem Ende dieser Phase 1994 auch wieder. Widerstand von den Haupt-Leidtragenden in dieser Phase (oder von jenen, die mit ihnen solidarisch waren) galt als “Terrorismus”. Und in Palästina, 1948 und danach? Ein 16-jähriges palästinensisches Mädchen (Ahed Tamimi), die (schwerbewaffnete) israelische Soldaten mit der Hand geschlagen haben soll, wird auch von Israel als Terrorist behandelt.107

Es gab und gibt den Anspruch, dass Weisse/Juden die Zivilisation/Kultur in eine in jeder Hinsicht dunkle Region brachten, zu den schwarzen/arabischen Horden. Der israelische Sieg über die Armeen arabischer Staaten 1967 wurde (auch) vom Apartheid-Regime und seinen Anhängern gefeiert; der “Mythos der militärischen Macht der dritten Welt” sei in sechs Tagen zerstört worden, hiess es da. Ein Beispiel für Südafrika, das ebenfalls numerisch überlegenen Feinden gegenüber stehe, aber eben auch waffentechnisch haushoch überlegen sei und im Gegensatz zum (“fanatischen”) Feind eine disziplinierte Armee habe, sprich, man war zivilisatorisch überlegen. „Ayn Rand“ (Alisa Zinovyevna-Rosenbaum)108 sagte zB zum “Yom-Kippur-Krieg” 1973, dass sich die Israelis als zivilisierte Männer gegen die Wilden durchgesetzt habe; passenderweise war sie auch der Meinung, dass europäische Kolonisten das Recht gehabt hätten, das Land von den amerikanischen Indianern zu nehmen.109

Der faschistische israelische Politiker Naftali Bennett sagte 2010 zum palästinensisch-israelischen Politiker Ahmad Tibi, als “ihr noch auf Bäumen herum geklettert seid, hatten wir hier schon einen jüdischen Staat”. Der “liberale” Lapid senior hat sich ja einst ähnlich ausgedrückt, mit dem Dschungel, allerdings gegenüber den Schwarzafrikanern…sein Sohn war auch Bennetts Koalitionspartner in einer Netanyahu-Regierung.110 Bennett hat übrigens Kurse geleitet, mit seiner Organisation “Israel Sheli” (mit seiner Ayelet Shaked), in der Anleitungen dazu gegeben wurden, Wikipedia-Artikel im zionistischen Sinn umzuschreiben.111 Der aus Russland eingewanderte revisionistische Zionist Wladimir Jabotinsky sagte 1923, die in Palästina ansässigen “wenigen” Araber seien “kulturell 500 Jahre hinter den Juden zurück”.

Zumindest im Fall Südafrikas hat man die “Eingeborenen” auch über 100 Jahre lang (schon vor der Apartheid) von Allem ausgeschlossen und ihnen eine Bildung zukommen lassen, die die ganze Verachtung für sie zum Ausdruck bringt. Bei Apartheid-Südafrika wie bei Israel gibt es gleichzeitig Verachtung ggü der Region und Gegreine über Ablehnung. Gibt es den Anspruch, in der Region eine Art Oberherrschaft auszuüben und das Eingehen von Bündnissen. Im Fall der NP-Regierungen Südafrikas waren das nicht nur die Homeland-Herrscher; Premierminister Vorster begründete auch die Détente-Politik des Apartheid-Regime. Bei der Eröffnung des Kohlekraftwerks in Camden (heute Provinz Mpumalanga) 1967 sagte er, dass die Republik Südafrika dazu bestimmt sei, Führer in Afrika zu sein; es sei eine himmelschreiende Ungerechtigkeit dass man unterentwickelten Ländern Geltung in der Weltpolitik gegeben habe, Ländern die noch in der Krabbelphase seien… Geltung und Akzeptanz in Afrika wollte man bekommen indem man noch einmal die ganze Verachtung für den Kontinent und seine Bewohner (die sich schon allein in der inneren Politik ausdrückte) zum Ausdruck brachte.

Ab 1967 liess Vorsters Kabinett ja die Sezession Biafras von Nigeria unterstützen; auch hier war Israel der Partner (daneben auch u.a. die portugiesische Diktatur, die ihre Kolonien in Afrika zu behaupten trachtete). Die Führer Biafras, wie Chukwuemeka Ojukwu, wenn sie nach Südafrika gekommen wären – in welchen Hotels hätten sie dann übernachten dürfen, welche Restaurants benutzen, welche Toiletten…? Probleme und Zwist unter den Afrikanern (bzw in der Region) waren jedenfalls gut für das Apartheid-Regime. Auch das verband mit Israel. In der DR Congo/ “Zaire” unterstützte Pretoria zunächst Tschombé dann Mobutu. Peres-Partner Rhoodie war ein Befürworter eines südafrikanischen Interventionismus bzw Expansionismus in Afrika, schrieb darüber “The Third Africa”. 1974 verkündete Vorster in einer Parlaments-Rede, das südliche Afrika sei an einem Punkt an dem es zwischen friedlichen Verhandlungen und eskalierender Gewalt wählen müsse.112 Sambias Präsident Kenneth Kaunda reagierte positiv. Der eigentliche Beginn der Detente. Der ANC (unter Oliver Tambo) hatte ja sein Exil-HQ in Sambias Hauptstadt Lusaka, für ihn war die Annäherung die dann folgte, Grund zu grosser Sorge.

1975 trafen sich Vorster und Kaunda auf einer Brücke über den Victoria-Wasserfällen, an der Grenze zwischen Südafrika und Rhodesien, um das es hauptsächlich ging. Daher waren auch Rhodesiens DeFacto-Machthaber Ian Smith und Delegierte des schwarzen Widerstands dabei. Dass Kaunda gegenüber dem Apartheid-Regime Appeasement übte, die UNITA in Angola unterstützte, und dem ANC in seinem Land Beschränkungen auferlegte, bewahrte Sambia nicht vor Angriffen der südafrikanischen Luftwaffe, 1986 und 1987, auf ANC-Ziele. Vorsters Verteidigungsminister und Nachfolger Botha nannte in diesem Zusammenhang Israel als Vorbild, und dessen Überfälle auf Ziele in “Nachbarstaaten”. Südafrika hatte damals ja die Herrschaft über Südwestafrika (Namibia) und damit über den Caprivi-Zipfel. In dessen Osten kamen 5 afrikanische Staaten zusammen, und das südafrikanische Militär, die SADF, hatte dort eine Luftwaffenbasis, von der sie die meisten Ziele im südöstlichen sowie teilweise im zentralen Afrika angreifen konnte. Auch Mocambiques Samora Machel liess sich auf Detente/Appeasement mit Pretoria ein (Nkomati-Abkommen 1984 mit Pieter und Roelof Botha), dennoch kam er bei einem Flugzeugabsturz (?) ums Leben.113

Israel versteht sich gerne als Aussenposten der westlichen (=weissen?) Welt, wird oft (von seinen Apologeten!) als solcher gesehen.114 Und es fühlt sich oft missverstanden und ungerecht beurteilt von diesem Westen, wie einst Apartheid-Südafrika, sind beide doch die erste Vertedigungslinie des Westens, in einer Region mit Ländern, die noch in der Krabbelphase sind. Wenn aus dem Westen, dem man sich zugehörig fühlt, ein kleines bisschen auf halbwegs faire Bedingungen für die unter israelischer Herrschaft lebenden Palästinenser kommt, spricht Netanyahu vom “internationalen Diktat”, wird von “Antisemitismus” geredet.

Vertreter des Apartheid-Regimes haben sich immer wieder als Retter der westlichen Zivilisation gegenüber den afro-asiatischen “Massen” und Staaten präsentiert, die Berechtigung dieser Staatlichkeiten angezweifelt, sich eine Mission zugeschrieben. Südafrikas Aussenminister Eric Louw sprach nach der Gründung der Organisation für afrikanische Einheit (OAU) durch die damals unabhängigen Staaten des Kontinents 1963 in Äthiopien von “burn and beggar”-Nationen, und nahm die Sache zum Anlass, den Transfer der Macht von europäischen Ländern an ihre bisherigen Kolonien in Afrika zu attackieren, als einen “Betrug am weissen Mann”, als Ermunterung für die “Kräfte der Barbarei”. Nico Diederichs (Staatspräsident 75-78): “Wir sind die Träger der Werte, die den Westen gross gemacht haben. Wir sind Europa in Afrika.”115 Nun, die Definition des Westens ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Europa, v.a. dessen Westen, Nord-Amerika, die zwei grossen, “weiss” besiedelten Inseln Ozeaniens, und dann? Israel? Japan? Südafrika solange es dort eine weisse Vorherrschaft gab? In den Aussenposten Europas gab es ggü „Eingeborenen“/ “Farbigen“ ähnliche Einschränkungen wie in Südafrika, ab der Ankunft des weissen Mannes dort, und diese wurden gar nicht so viel früher als in Südafrika geändert! Im Süden der USA gab es Apartheid-Zustände bis in die 1960er116, auch im Militär gab es erst im Vietnam-Krieg (theoretische) Gleichberechtigung.117 Miriam Makeba zu Apartheid-Zeiten: „Ich sage immer, der Unterschied zwischen USA und Südafrika ist sehr gering. Nur dass Südafrika zugibt, das es ist, was es ist“. Wenn hiesige Figuren wie Tobias Jaecker oder Andrei Markovits über „Antiamerikanismus“ faseln, dann geht es immer nur um die USA bestimmter Bevölkerungsschichten… In Australien existierten bis in die 1970er apartheid-artige Gesetze gegenüber den Aborigines. In Südafrika war nur anders, dass Nicht-Weisse in der Mehrheit waren.118

Die nationalistischen Afrikaaner, die die Apartheid in Südafrika etablierten, standen eigentlich im Widerspruch zu den Anglo-Weltmächten, die den Westen führ(t)en. Besonders, als in den 1960ern auch GB ent-kolonialisierte119 und von diesen Ländern zaghafter Widerspruch zur Apartheid kam. Seit die Verbindungen zur niederländischen Kolonialgesellschaft VOC (Vereenigde Oost-Indische Compagnie) gekappt wurden und die Konfrontation mit den Briten begann (also Anfang des 19. Jh), gibt es unter Afrikaanern etwas Anti-Imperialistisches, Anti-Koloniales. Sie sehen sich durchwegs als in Afrika beheimatet, mehr als die englischsprachigen (-stämmigen) Weissen des Landes.120 Was sie aber nicht abgehalten hat, die Schwarzen des Landes noch mehr zu entrechten als unter britischer Vorherrschaft. Aber auch unter Apartheid-Apologeten weltweit gab und gibt es diese Opposition zur vermeintlich vorherrschenden “liberalen” Ausprägung der Anglo-Weltmächte; die sich zB in einer Verachtung für die UN ausdrückt.

Bezeichnend war, dass ggü der palästinensischen Sache früher auch Kommunismus-Vorwürfe kamen, wie bei der Opposition zur Apartheid in RZA. Hier wurde die „kommunistische Gefahr“ gerne vorgeschoben, zur Rechtfertigung der Bekämpfung dieser Opposition. Es gab früher diese Kombination aus rassischem Imperialismus, und einem, der aus dem Kalten Krieg heraus argumentiert wurde. Bei „Ayn Rand“ verband sich das Antikommunistische/ Turbo-Kapitalistische mit Bellizismus, Elitismus, Westismus. Und, damals wurden Faschisten (ob Franco oder Gehlen) und Islamisten (ob in Afghanistan oder Palästina) gg (tatsächliche/ vermeintliche) Kommunisten unterstützt. Ob zwischen Apartheid und Kapitalismus ein Gegensatz besteht, ist eine andere Frage. Allister Sparks schrieb 1993: “Die eigentliche Achillesferse des südafrikanischen Unterdrückungssystems war von jeher die vollkommene Abhängigkeit der Herrschenden von den Unterdrückten.” Die meisten Weissen konnten nicht ohne schwarze Arbeitskräfte auskommen, nicht im Bergbau, nicht in der Landwirtschaft, nicht in ihren Haushalten. Streiks sowie Sanktionen des Auslands erschütterten die Wirtschaft auch. Auch Israel braucht Palästinenser als billige Arbeitskräfte.

“Jimmy” Carter hat sich in seinem 06 erschienen Buch mit der israelischen Apartheid auseinander gesetzt. Carter, der einst die USA-Politik von “Sicherheit”(!) zu Menschenrechten verschoben hat, für 4 kurze Jahre. Der damalige UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in den besetzten palästinensischen (Rest-) Gebieten, Richard Falk (ein jüdischer Amerikaner), sagte am Ende seines Mandats 2014, die israelische Besatzungspolitik trage Merkmale von Kolonialismus, Apartheid und ethnischen “Säuberungen”. Ahmed Kathrada, ein früherer politischer Gefangener auf Robben Island (wo er dann das zu einer Gedenkstätte umgewidmete frühere Gefängnis leitete), schrieb, ein farbiger Südafrikaner brauche nicht mehr als einen Tag in Palästina, um in das Vor-1994-Südafrika zurückgeworfen zu werden. John Dugard, ein weisser südafrikanischer Jurist, der Widerstand gegen die Apartheid leistete, 01 von der UN-Menschenrechtskommission (Vorgänger des Menschenrechtsrats) mit einer Untersuchung israelischer Verstösse gegen Menschenrechte ggü Palästinenser beauftragt, schrieb 07 in einem Bericht, das israelische Walten in den palästinensischen Restgebieten sei in vielen Aspekten der südafrikanischen Rassentrennung ähnlich.

Jon Soske and Sean Jacobs brachten 2015 “Apartheid Israel: The politics of an analogy” heraus (leider noch nicht auf Deutsch übersetzt), darin behandeln 20 Wissenschafter aus Afrika und seiner Diaspora die Analogie zwischen der Apartheid in Südafrika und der israelischen Herrschaft über die Palästinenser. Darin heisst es,

“The parallels are unmistakable. Apartheid South Africa and Israel both originated through a process of conquest and settlement justified largely on the grounds of religion and ethnic nationalism. Both pursued a legalized, large-scale program of displacing the earlier inhabitants from their land. Both instituted a variety of discriminatory laws based on racial or ethnic grounds…in South Africa itself, the comparison is so widely accepted that it is generally uncontroversial”

Die kanadische Autorin und Aktivistin Naomi Klein hat während des israelischen Feldzugs gegen Gaza 08/09 dazu aufgerufen, israelische Unternehmen und Marken zu boykottieren bzw BDS zu unterstützen. Dies sei das effektivste Werkzeug im gewaltfreien Arsenal und habe bereits das Apartheidregime in Südafrika (mit) zu Fall gebracht. Im Sommer darauf besuchte sie Israel, die Westbank und den Gazastreifen und bekräftigte (und präzisierte sie) ihre Unterstützung für die BDS-Kampagne.

Das Propaganda-Mantra (bzw Entschuldigungs-Narrativ) „Geht ihnen so gut unter uns, besser als allen anderen Afrikanern/Arabern“ verbindet auch. Apartheid-Südafrika (und seine Verteidiger) hat seine Politik immer damit gerechtfertigt, dass die Schwarzen dort einen höheren Lebensstandard hätten als anderwo am Kontinent. Und das wurde der weissen Führung des Landes zugeschrieben, welche notwendig sei, um (auch) diesen Standard zu halten. Wenn man in den vorangegangenen 2 Sätzen “Apartheid-Südafrika” durch “Israel” ersetzt, “Schwarze” durch “Araber”, “Kontinent” durch “Region” und “Weisse” durch “Juden”, dann hat man eine wichtige heutige zionistische Apologetik.121 Verwoerd musste sein Bantustan-Konzept einst gegen Kritiker in den eigenen Reihen verteidigen, für die die “Bantus” dadurch zu viel bekamen. So ähnlich geht es auch Netanyahu manchmal (> Bennett,…). Die Forderung nach echter Gleichberechtigung wurde im einen Fall abgewehrt mit „Schwarze haben ihre Bantustans/ Homelands“, im anderen Fall wird sie das mit „Palästinenser haben ihre Autonomie-Gebiete/ihre Regierung“.

Wie die Zionisten zeterten auch die (südafrikanischen) “Apartheidler” davon, dass ihre Existenz bedroht sei (ihr tolles System, ihr Leben), von den bösen Unzivilisierten. Die “Sie wollen uns ins Meer jagen”-Unterstellung kam dort wie sie hier kommt, auch um die Unterdrückung zu rechtfertigen, zu verschleiern. Um sich davor zu retten, ist ja nun jedes Mittel recht. Informationsminister Cornelius “Connie” Mulder 1977 zur “Bild”-Zeitung: „Wenn wir angegriffen werden und es um unsere Existenz geht, werden keine Regeln gelten. Wir werden alle Mittel, die uns zur Verfügung stehen…anwenden”. Und er schloss mit einem verklausulierten Hinweis auf die südafrikanischen Atomwaffen.122 Ein einigermaßen gerechter Ausgleich mit den “inneren Feinden” wäre das beste Mittel gegen deren „Widerstand“ (gewesen), hier wie dort. Was ja von israelischer Seite auch als Antwort auf den Apartheid-Vorwurf bzw die diesbzgl. Feststellung kommt, ist so etwas wie “We are proudly apartheiding the terror”. Man reagiert also nur auf etwas, der Ausschluss bzw die Diskriminierung erfolgt nur aus Gegenwehr, man ist das Opfer.

Man könnte sich das zB anhand Gaza detailliert ansehen, wie das ablief und -läuft. Aber vielleicht ist es erhellender, wenn man sich ansieht, dass beim Zionismus, genau wie bei der südafrikanischen Apartheid einst, die Vernichtungsunterstellungen (die aus dem Kampf gegen das Unterdrückungs-System “gedreht” werden) nahtlos in Unterstellungen der Unzivilisiertheit, Unterlegenheit,… übergehen (oder aus diesen kommen?). Widerstand gegen die Besatzung (die den Gaza-Streifen weiter betrifft, wenn auch anders als das Westjordanland) wird propagandistisch in den Kontext des Wütens des “IS” (ob in der Region oder in Europa) gestellt, womit man davon ablenken will, dass man normalen Palästinensern die Gleichberechtigung versagt, seit Jahrzehnten. Islamismus und Terrorismus lässt sich (heutzutage) leichter als Ausschlussgrund anführen als Demografie, Rasse oder diverse Aspekte der Kultur. Bei israelischen Fussball-Liga-Spielen (oder bei Umzügen in palästinensische Viertel diverser Städte) wird dann wieder gerufen “Tod den Arabern” (Mavet le Aravim), nicht “Tod den Moslems” (oder: den Islamisten/den Terroristen/…).

Als Frederik W. de Klerk 1990, einige Monate nach seinem Amtsantritt, damit begann, die Apartheid “abzubauen”123, sah er das nicht als Kapitulation der Weissen oder Afrikaaner, sondern als das Einnehmen einer neuen Rolle, machte er das aus der Intention, die Zukunft der Afrikaaner in Südafrika zu sichern, wie er später schrieb. Die rechts von der NP stehende Konservative Partei erhielt bei der letzten “Apartheid-Wahl” (1989) 31%; diesen Anteil gab es auch an “Nein”-Stimmen bei De Klerks Referendum über seine Reformen 1992. Ein Teil dieser ca. 31% Weissen, die keine Reform oder Abschaffung der Apartheid wollten124, nahm an der Wahl 1994, mit der die Apartheid abgeschafft wurde, mit der VF teil, die als KP-Abspaltung gesehen werden kann.

Die KP nahm nicht teil, ihr Chef125 Ferdinand Hartzenberg sagte damals, “unsere126 Kultur und ganze Existenz ist bedroht, soll ausgelöscht werden”. Dieser Rhetorik gibt es auch heute immer wieder. Aber die Afrikaaner und ihre (damaligen) “Führer” haben den Schritt gemacht, sich darauf einzulassen, mit den Schwarzen auf gleichberechtigter Grundlage zusammenzuleben. Die Apartheid-Nostalgiker und -Apologeten stilisieren sich als Opfer der schwarzen Mehrheit in Südafrika, die ihre Existenz bedrohe. Etwa jene, die auf Youtube Videos hochladen, in dem Nelson Mandela beschuldigt wird, über das “Töten von Weissen zu singen”. Darin sieht man Mandela das MK-Kampflied singen (mit Ronnie Kasrils), das nach MEMRI-Art “übersetzt” bzw verdreht wird, um zu diffamieren und anzuprangern.

Die beiden Staaten haben bei ihren Atomwaffenprogrammen nicht nur zusammen gearbeitet, für beide ging es darum, sich (“ihre Existenz”) mit überlegener Technologie und Waffen gegen die “farbigen” Horden zu behaupten. IL war etwas schneller am Ziel als ZA, das die Entwicklung seiner Atombomben dann auch als “Reaktion” deklarierte, auf das Engagement des Ostblocks im südlichen Afrika. Die Apartheid in Südafrika begann aber lange vor einem direkten oder indirekten Eingreifen der SU in der Region, und das südafrikanische Militär intervenierte in Angola (bevor kubanischen Truppen dorthin kamen) und destabilisierte das Land, es war nicht so, dass angolanische Truppen Südafrika bedrohten. Südafrika besetzte auch Südwestafrika, setzte auch dort eine Apartheid-Politik durch, arbeitete mit allen Kräften in der Region zusammen, die gegen schwarze (afrikanische) Selbstbestimmung bzw Gleichberechtigung arbeiteten, ob portugiesische Kolonialherren oder Rhodesien nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung von GB,… Die kommunistische Partei Südafrikas (CPSA bzw SACP) hatte Mitglieder aus allen Bevölkerungsgruppen und hatte mitnichten das Ziel eines Ausschlusses der Weissen von der Macht. Es war die Nationale Partei (bzw die von ihr gestellten Regierungen), die die Nicht-Weissen schwer diskriminierte.

Im südlichen Afrika (eigentlich in ganz Afrika) hatte die Republik Südafrika das nukleare Monopol, wie Israel in der Region Westasien und Nordafrika. Im Fall Südafrika sahen schwarzafrikanische Politiker, wie Nigerias damaliger Aussenminister A. Bolaji Akinyemi in den 1980ern, ein rassisches Monopol auf Atomwaffen, das herausgefordert werden sollte. Auch Israel bedroht die Region, und duldet keine Entwicklung von Atomwaffen durch einen anderen Staat darin. Der israelischer Historiker Benny Morris forderte wiederholt einen Präventivangriff auf den Iran, wegen dessen Atomprogramm, wenn “nötig” mit Atomwaffen. ”Ich denke, alle rundherum wären sehr ruhig danach.“ Eine kleine Belehrungsaktion für die braunen Untermenschen. Der verstorbene kenianische Wissenschafter Ali Mazrui war ein starker Kritiker von Israel bzw seiner Politik ggü den Palästinensern und der Region. Unnötig zu erwähnen, dass er dafür immer wieder attackiert wurde, als “antisemitisch”, auch “antiwestlich” sei er. Mazrui vertrat die kontroversielle Position, dass der einzige Weg, einen nuklearen Holocaust zu verhindern, die nukleare Bewaffnung der “Dritten Welt” (insbesondere Afrikas) sei; dies hat er etwa in seinem Buch “The Africans” argumentiert.

Inwiefern Apartheid-Apologetik, Zionismus-Apologetik und Rassismus (in Post-Apartheid-Zeiten) zusammen hängen, darum geht’s (u.a.) im letzten Abschnitt.

Südafrika nach der Apartheid

Nach den Wahlen in Südafrika Ende April 1994 wurde Nelson Mandela, Parteichef des Wahlsiegers ANC, Anfang Mai vom Parlament zum Staatspräsidenten gewählt, und stellte dann seine Regierung der nationalen Einheit zusammen, aus den drei stärksten Parteien, ANC, NP und IFP. Den ANC-Ministern ging es anfangs in ihren Ministerien ähnlich wie jenen der De Maiziere-Regierung 1990 in der Schlussphase der DDR.127 Namibia war einige Jahre voraus gegangen, 1990 unabhängig von Südafrika geworden; in Zimbabwe, dem früheren Rhodesien, hat man bereits 1980 begonnen, eine nicht-rassische Gesellschaft aufzubauen.128 Afrika war von Kap bis Kairo frei, aber Mobutu und andere Diktatoren waren noch an der Macht, und in Ruanda lief zur Zeit der Demokratisierung Südafrikas gerade das grosse Morden (wie auch in Bosnien-Herzegowina). Manche sahen ein Potential für so etwas auch in Südafrika.

Politische Gewalt kam mit dem Ende der Apartheid in Südafrika129 aber nur ausnahmsweise, zeitlich und örtlich eng begrenzt, vor.130 Mit den Abkommen zwischen Israel und der PLO 1993/94 bekamen die Palästinenser einige Homelands; dort ging die Gewalt nicht zu Ende. Denn dort blieb eine Art Apartheid, während Südafrika demokratisch wurde. Das Ende der Apartheid in Südafrika brachte auch ein endgültiges Ende der speziellen Beziehungen zu Israel (das eigentliche Ende hatten De Klerk und Shamir einige Jahre davor besiegelt); Verteidigungsminister “Joe” Modise, ein früherer Kommandant der ANC-Miliz MK, sagte, diese Beziehungen gelte es nun zu beenden. Wobei Israel ohnehin, so bereitwillig es mit dem Apartheid-Regime Waffen-Handel betrieb und Geheimnisse teilte, mit dem demokratischen Südafrika nicht viel im “Sicherheitsbereich” zusammenarbeiten wollte… Israel fand andere Verbündete, seine Rüstungsindustrie andere Abnehmer.

Und, auch im Post-Apartheid-Südafrika war Inneres und Auswärtiges in vielerlei Hinsicht verbunden. Unter der Regierung der nationalen Einheit unter Präsident Mandela sollte eine neue Verfassung ausgearbeitet werden. Als dies 1996 geschehen war, stieg die NP aus der Regierung aus. Der nunmehrige Oppositionsführer De Klerk kündigte die Umwandlung der NP in eine nicht-rassische, christlich-demokratische Partei an. Beim Parteitag 1997 nannte sie sich in Nuwe Nasionale Party/ New National Party (Neue Nationale Partei, NNP) um, wählte mit Marthinus van Schalkwyk einen neuen Vorsitzenden, und gab sich ein neues Programm. Aus der burisch-nationalen, weiss-rassistischen Partei in einem Land der grossen Gegensätze eine werte-orientierte zu machen, war aber nicht einfach – auf das Christentum zB beziehen sich auch die meisten Schwarzafrikaner, wie gezeigt wurde. Die Democratic Party (DP) war bei der Wahl 1994 weder für einen grossen Teil der Weissen noch einen grösseren der Schwarzen attraktiv, schnitt schlecht ab. Zacharias De Beer, auch letzter Führer der PFP, dann 89-94 einer von drei der DP, trat zurück, wurde Botschafter in der Niederlande, Anthony “Tony” Leon übernahm die noch ziemlich linksliberale Partei.131

Unter Leon verabschiedete die DP 1998 ein Dokument namens „The Death of the Rainbow Nation: Unmasking the ANC’s Programme of Re-racialisation“, in dem der „Wiedergutmachung“ der Resultate der Apartheid eine entschiedene Absage erteilt wurde, die Weissen als schutzbedürftige Minderheit neuerfunden wurden, die im Begriff seien, ausgeplündert & entrechtet zu werden. Wirtschaftswachstum und Bildung seien Schlüssel für das Glück für Alle bzw die Heilung für die von der Apartheid  verursachten Wunden. Dort stand zB, “Racial transformation means that individuals cannot compete as individuals”; daran ist etwas Wahres, aber auch was Verlogenes. Diese(s) Richtungsfestlegung bzw Signal war mit-ausschlaggebend für das Gewinnen auch der meisten Stimmen der Afrikaaner bei der Wahl im Jahr drauf, und das sollte wohl auch bezweckt werden. Die DP positionierte sich als in Opposition zur Apartheid (gewesen) und als Opposition zum ANC. Sie zog bei der Wahl ’99 konservative wie liberale Weisse an, Briten wie Buren, gewann dazu, wurde zweitstärkste Partei und damit “offizielle” Oppositionspartei. Bei dieser Wahl saß nun die NNP zwischen den Stühlen, verlor enorm (-13,5%), war nur noch in der Provinz Westkap eine Grösse – dank der “Farbigen” dort.

Die DP übernahm Ende der 90er, Anfang der 00er Personal, Inhalte und Wähler der (N)NP. Die VF positionierte sich als Partei der konservativen Afrikaaner, in ihr ging dann der grösste Teil der KP auf, aber auch ein Teil des Erbes der NP. Leon war unapologetisch über den rechten Zufluss in die DP. In einem Interview mit dem konservativen “Focus”-Magazin, das von der Helen Suzman Foundation herausgegeben wird, beschrieb er die Weissen in Südafrika als Minderheit, die unter der neuen Demokratie “ausgeschlossen” werde, auch die anderen Nicht-Schwarzen (Asiaten, Mischlinge) nannte er als “Zielpublikum”.132 2000 taten sich DP und NNP zusammen (ausserdem die kleine Federal Alliance/FA), damals nahm die DP den Namen Democratic Alliance (DA) an. FA und NNP brachen aber weg, bevor die Vereinigung vollzogen war, die FA tat sich mit der VF zusammen, die NNP mit dem ANC.133

Die DA, die auf die teil-liberalen Parteien der englischen/jüdischen Weissen zurückgeht, wurde Sammelpartei der Nicht-Schwarzen, ist die Partei der meisten Afrikaaner, Asiaten (Inder, Chinesen,…) und Mischlinge134, sowie eines Teils der bürgerlichen Schwarzen.135 Die DA sucht ihre Identität, wozu auch die Positionierung zur Apartheid bzw ihrer Rolle in dieser Zeit gehört; zumindest ein Teil will sich Widerstand dagegen an die Fahnen heften. Die DA ist Mitglied der Liberalen Internationale, betrachtet die ’59 von der UP abgespaltene PP als früheste Vorgängerin, nicht die UP oder die SAP. Die DA und viele Weisse wollen möglichst wenig Apartheid-Aufarbeitung (in der einen oder anderen Hinsicht, materiell oder geistig), eine Minderheit verteidigt sie offensiv. Auf die Idee, den ANC mit der NP zu vergleichen und Sharpeville mit Marikana, kam eindeutig die “Mehrheitsfraktion”.136

Leons Nachfolgerin als DA-Chef (07-15), Helen Zille137, seit 09 Premierministerin der Provinz Westkap, ist etwas fortschrittlicher als Leon, anerkennt, dass auf dem Weg zu einer nichtrassischen Gesellschaft Folgen der jahrzehntelangen rassischen Diskriminierung beseitigt werden müssen. Inzwischen ist die DA etwas “schwärzer” geworden, 2015 wurde der junge schwarze Nebenjob-Prediger (in der konservativen “Liberty Church”) Mmusi Maimane zum Parteichef gewählt. Das heisst, sie wurde attraktiver für gewisse Schichten der schwarzen Bevölkerung; inwiefern hat sie sich wirklich für schwarze Anliegen geöffnet, auf Kosten der Erhaltung “weisser” Privilegien? Im “Mail & Guardian” 2014 die wunderbare Analyse einer Christi van der Westhuizen über die DA; V. d. Westhuizen weist auch darauf hin, dass schon Vorgängerparteien der DA ähnlich fuhren, Helen Suzman’s Progressive Party lange nur ein eingeschränktes Wahlrecht fü Schwarze wollte, wie der britische „Liberalismus“ im 19. Jh. in der Kapkolonie. Ein Liberalismus, der eine Art weisse Vorherrschaft beinhaltete.

Das Ende der “Regenbogen-Nation”, das Scheitern der “nicht-rassischen” Demokratie, wurde seit 1994 öfters voraus gesagt. Vor der Präsidentschaft Jacob Zumas (zwischen der ANC-Konferenz in Polokwane 07, auf der Zuma Mbeki als Parteichef ablöste und der Wahl 09)138 etwa, und nach dem kürzlich erfolgten Abgang Zumas. Oder, ebenfalls seit gut 10 Jahren, im Zusammenhang mit Julius Malema. Weisse haben da durch das Entgegenkommen von Mandela und seinen Nachfolgern viel von ihren Apartheid-Privilegien behalten, sehen das selbst meist aber anders. Die hohe Kriminalität erklärt sich hauptsächlich dadurch, dass es keinerlei Umverteilung gab. Es gibt eine Auswanderung von weissen Südafrikanern nach der Apartheid.  Die Initialen der PFP wurde auch in “Packing for Perth” umgedeutet, und nach wie vor emigrieren Leute aus der Bevölkerungsgruppe der Englischsprachigen gerne nach Australien, inzwischen auch Afrikaaner.

Der SAJBD setzte seinen Apartheid-Kurs nach 1989/94 gewissermaßen fort, ggü Zionismus-Kritikern unter jüdischen Südafrikanern. Die in der Regel jene waren, die die Apartheid besonders entschieden bekämpft hatten. Am Ende der Apartheid gab es eine kurze Umarmung (bzw Vereinnahmung) für Ronnie Kasrils oder Joe Slovo durch die jüdischen Organisationen (neben dem SAJBD ist die mit ihm eng verbundene South African Zionist Organization/SAZF zu nennen). Diese Südafrikaner (die als “Weisse” gegolten hatten) nahmen ab 1994 zum Teil hohe Positionen im Staat ein) – was für Juden in Zeiten der NP-Regierungen nie möglich gewesen wäre… Kasrils, der lange in der SACP und der ANC-Miliz MK aktiv war, wurde Vizeminister, dann Minister, in verschiedenen Ressorts. Yossel Joe Slovo, aus einer jüdischen Familie aus Litauen, die in der Zwischenkriegszeit nach Südafrika auswanderte, war ebenfalls im MK aktiv und 84-91 Generalsekretär der SACP. 1963 bis 1990 war er in Grossbritannien und Afrika im Exil (in dieser Zeit tötete das Regime seine Ehefrau Ruth First), 1994/95 war er Wohnbauminister.

Die demokratischen Regierungen Südafrikas versuch(t)en das Land nach der Apartheid in Afrika zu (re-) integrieren, in der Aussenpolitik aber auch Brücken zu bauen, zwischen Nord und Süd, 1. und 3. Welt, den Anglo-Staaten (Australien, GB,…) und den aufstrebenden Mächten der 2. Welt (Indien, Brasilien,…) – ein schwieriger Ausgleich, genau wie im Inneren. Es gibt im Land wie auch international immer wieder hysterische Reaktionen, wenn die Regierung gewisse Staaten und Personen nicht als “Pariah” behandelt bzw gemäß einem vom Westen vorgegebenen Schema einer Art globaler Apartheid. Mit guten Diktaturen wie Saudi-Arabien oder Israel und bösen wie Iran oder China. Und Israel ist für manche Weisse nach wie vor ein wichtiger “Bezugspunkt”, nicht nur für die jüdischen. Es ist nach wie vor der zivilisierte Flecken in einer Region der Dunkelheit, der sich (dank seiner Überlegenheit in allen Bereichen) behauptet, trotz stärkstem Gegenwind. Und auf die UN und die dortigen Mehrheitsverhältnisse “scheisst”.139

Der SAJBD ist auch nach dem Ende der Apartheid blind loyal zu Israel. Und attackiert Kritiker israelischer Politik und Realität, nicht zuletzt solche in den eigenen Reihen. Wie den früheren Geheimdienst-Minister Ronnie Kasrils. Als Kasrils vor einigen Jahren in einem der Goethe-Institute in Südafrika auf Einladung von NGO’s über den “Nahost-Konflikt” reden sollte, gab es eine Kampagne dagegen. Und das Institut sagte die Veranstaltung ab. Auch die ehemalige Politikerin Helen Suzman beteiligte sich daran, Kasrils zum Schweigen zu bringen. Gerade bei Kasrils (bzw, als Negativ dazu, bei Suzman) zeigt sich, dass die antizionistischen bzw zionkritischen Juden Südafrikas meist auch entschiedener gegen die Apartheid eingestellt waren/sind. Auch Polakow-Suransky hat nicht die Israel-Verteidigungs-Reflexe. Tony Leon, der langjährige DA-Leader, ist mit einer Israelin verheiratet, und liegt auf der Linie des SAJBD.

01/02 gab ANC-Politiker Kasrils eine Erklärung über die israelische Politik ggü den Palästinsern ab, die von anderen jüdischen Südafrikanern wie Max Ozinsky unterstützt wurde, daraus wurde eine Petition. 07 initiierte Kasrils einen offenen Brief jüdischer Südafrikaner zur israelischen Politik, der u.a. von Raymond Suttner, Steven Friedman, Sue Goldstein unterschrieben wurde. Es folgte wieder ein Diffamierungssturm von SAJBD und SAZF, ohne wirkliche Argumente. Über diese “Krise” (oder Kluft) unter den ZA-Juden hat ein Joel Pollak ein Buch geschrieben, “The Kasrils Affair: Jews and Minority Politics in the New South Africa (2009)”. Pollak war bei der DA (Redenschreiber für Leon!)140 und (zunächst) Unterzeichner. Inzwischen ist er ein Rechter und wirkt er in der USA, bei “Breitbart”… Israel-Kritik wird vom “Mainstream” der südafrikanischen Juden nicht geduldet, wie auch der Zeichner Jonathan Shapiro (“Zapiro”) erfahren hat. Und Richard Goldstone.

Helen Suzman starb mit 91 Jahren am 1. 1. 09 in Johannesburg. Der damalige Staatspräsident Motlanthe ordnete das Hissen der Nationalflaggen auf Halbmast an, der ehemalige anglikanische Erzbischof Desmond Tutu und Andere forderten ein Staatsbegräbnis. Ein solches gab es dann in der jüdischen Abteilung von Johannesburg’s West Park – Friedhof, mit Präsident Motlanthe, den Ex-Präsidenten Mbeki und De Klerk, Oppositionschefin Zille, COPE-Chef Lekota, Prominenten; fast alle Verwandte kamen aus dem Exil angereist. Nelson Mandela musste sich durch seine Tochter “Zindzi” vertreten lassen. Oberrabbiner Warren Goldstein sprach beim Begräbnis von „antisemitischen“ und „sexistischen“ Attacken des Apartheid-Regimes auf sie.

Der Antisemitismus von weissen Südafrikanern galt aber Juden wie Slovo und nicht solchen wie Suzman… Sie hat einen Anti-Apartheid-Kampf aus der privilegierten Position, in der Juden in dem System waren, geführt, während Andere wie Kasrils ein grosses Risiko eingingen. Und dabei immer auch den Zionismus im Blickfeld gehabt, und gegen Ende ihres Lebens kritisierte sie das Post-Apartheid-Südafrika wiederholt. Die Sängerin Miriam Makeba starb 2 Monate zuvor, als Kämpferin gegen die Apartheid durfte sie Jahrzehnte nicht in ihrer Heimat Südafrika leben. De Klerk bezeichnete Suzman als eine der “grossen Ikonen Südafrikas”. Die VF+/FF+ nannte sie “ein Beispiel, wie Oppositionspolitik funktionieren konnte”, aus einer Minderheitenposition. Die Partei also, deren Wurzeln rechts von der NP liegen… Nun war nicht die politische Position ausschlaggebend bzw das Verbindende, sondern die politischen Grössenverhältnisse (und irgendwie auch die Rasse). Ronald Kasrils hat sich inzwischen vom ANC abgewendet, wegen Marikana und der dem Massaker zu Grunde liegenden Politik. Im Wikipedia-Artikel „Political repression in post-apartheid South Africa“ wird auch Kasrils angeführt, wegen seiner Lossagung vom ANC. Nur, er kritisiert den ANC für eine Politik, die (ihm) zu unternehmer-freundlich ist und der weissen Elite zu weit entgegenkommt – während die Verfasser und Initiatoren dieses Artikels die seit 94 regierende Partei von einer völlig konträren Position heraus kritisieren…

Israels Offensive gegen den Gaza-Streifen um den Jahreswechsel 08/09, das zweite derartige “Rasenmähen”, hat auch in Südafrika für Empörung und Proteste gesorgt. Präsident Kgalema Motlanthe (ANC) sagte in einem Interview, die Angriffe gegen Gaza, die Tötungen von Zivilisten, seien pure Brutalität, die in Menschen Abscheu hervorrufen müssten. Israelis und Palästinenser hätten das Recht, nebeneinander zu existieren. Er rief in dem Zusammenhang zu einer Reform der UN auf. „The problem is that if a country has powerful friends on the Security Council they can sometimes act with impunity”, so Motlanthe. “All you have to do is listen to the minister of foreign affairs or defence of Israel to know that you are dealing with people who believe they can cock a snook with impunity.” Die UN und ihr Sicherheitsrat müssten repräsentativer für die Weltbevölkerung werden. Das lobbyistische und parteiische Verhalten von “Vetomächten” wie der USA sei gegen die Idee der Vereinten Nationen.

Der Gewerkschaftsbund COSATU rief dazu auf, den israelischen Botschafter auszuweisen und israelische Güter zu boykottieren. Dieser Botschafter, Dov Segev-Steinberg, wurde in das Parlament geladen, um die Position seiner Regierung zum Blutvergiessen und Zerstören zu erklären. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Nationalversammlung, Job Sithole vom ANC, zu den Rahmenbedingungen für Palästinenser:

“When Palestinians have to go through checkpoints like cattle through a dip, this is apartheid. When they cannot drive on the roads by virtue of the fact that they are Palestinian, this is apartheid”

Albertinah Luthuli, Enkelin des verstorbenen ANC-Führers und Friedensnobelpreisträgers Albert Luthuli, hielt Segev-Steinberg die israelische Weigerung, internationale Journalisten in den Gaza-Streifen zu lassen, vor. Und, zu den Geschossen die von Hamas-Leuten aus Gaza gefeuert wurden, müsse man sagen dass sie sehr wenig Schaden anrichteten, im Vergleich zu den israelischen, so Luthuli… Andere Abgeordnete attestierten Israel “ethnische Säuberungen” und eine Politik, die die (südafrikanische) Apartheid wie ein Sonntags-Schul-Picknick aussehen lasse.

Ein aufgebrachter Segev-Steinberg nannte Apartheid-Vergleiche “Blödsinn” (rubbish), spulte das Standard-Propaganda-Programm dazu ab. Kein Staat würde erlauben, dass seine Bürger solchen Raketen-Angriffen ausgesetzt seien. Wie die palästinensische Autonomiebehörden mit der israelischen Blockade oder den Raketen-Angriffen auf Gaza umgehen solle und ihre Bürger schützen könne, sagte er nicht. Und, was die Herrschaften wohl sagen würden, wenn Raketen auf Kapstadt niedergingen.141 Die Analogie wäre aber eher, wie sich die Einwohner von Gugulethu (einem “Township” von Kapstadt) fühlen würden, könnten sie diesen nicht mehr verlassen (in das restliche Südafrika), et cetera, wie die Palästinenser vom Gaza-Gebiet (wo zB 01/02 der Flughafen durch Israel zerstört wurde). Südafrika hätte einen einseitigen Zugang zu “dem Konflikt”, mit einer “ausbalancierteren” Politik könne es mehr Einfluss darauf nehmen. Es müsste also zuerst einmal Appeasement üben, verschiedenens unter den Tisch fallen lassen, wie das zB Deutschland tut. Tja, die Regierungen, die solches Vorgehen sehr “billigten” (und auch deshalb Israels Verbündeter waren), sind Geschichte in Südafrika, seit das Wahlrecht nicht mehr an die Rasse gebunden ist. Vor allem Abgeordnete der wichtigsten einstigen Anti-Apartheid-Bewegung ANC widerprachen, dass Israels Vorgehen eine “Antwort” sei und proportional bzw adäquat.

Die jüdischen Organisationen Südafrikas stellten sich hinter die israelische “Militäroperation” gegen Gaza. In der Glenhazel-Synagoge in Jo’burg versammelten sich dann 2000 Juden zu einem “Friedensgebet” für den “Mittleren Osten” und zur Darstellung von Solidarität mit Israel, darunter Avron Krengel, Chef der SAZF, die dazu geladen hatte, SAJBD-Chef Zev Krengel, Oberrabbiner Goldstein, Botschafter Segev-Steinberg. Paul Trewhela (Vater britischer, Mutter jüdische Südafrikanerin), ein Anti-Apartheid-Kämpfer (in SACP, MK), der ins Exil (GB) ging und dort blieb, sich von der Linken abwandte, meldete sich auf politicsweb.co.za zur Haltung des ANC ggü Israel zu Wort bzw attackierte diese. Indem er auf jüdische Anti-Apartheid-Kämpfer hinwies (wie seinen alten „prison comrade“, Ben Turok), dass das ANC-Lob für Suzman jetzt unglaubwürdig sei,… Als ob sich aus Gegnerschaft zur Apartheid eine Pro-Israel-Haltung ergeben würde; als ob jene südafrikanischen Juden die die Apartheid bekämpften, nicht in “ihrer Gemeinschaft” ausgegrenzt worden wären, als ob es keinen Kuschelkurs Israels mit der Apartheid gegeben hätte.

Rabbiner Goldstein sagte in einer Radio-Diskussion mit einem moslemischen Theologen auch, die jüdische Gemeinschaft Südafrikas sei “leidenschaftlich” davon überzeugt, dass Israel in diesem Konflikt das Opfer ist und gegen seinen Willen einen Krieg der Selbstverteidigung führe. Nun, das galt aber wiederum nicht für die gesamte jüdische Gemeinschaft des Landes. Die “üblichen Aussenseiter” schrieben bzw unterzeichneten einen offenen Brief an “The Star”, in dem sie sich von der SAJBD/SAZF-Position distanzierten und die Gewalt des israelischen Militärs als disproportional bezeichneten. Eine grosse Demonstration (3000 Teilnehmer) gegen das Massaker, in Kapstadt, führte zum Parlament, wo Vize-Aussenministerin Sue van der Merwe ein Memorandum übergeben wurde, in dem u.a. die Ausweisung des israelischen Botschafters und die Verhängung von Sanktionen gegen diesen Staat gefordert wurde.

(Die andere) Vize-Aussenministerin Fatima Hajaig, eine indische Südafrikanerin, zitierte Segev-Steinberg zu sich, dieser klagte danach, wie schlecht er von ihr behandelt worden sei.142 Auf einer Veranstaltung knapp nach dem “Krieg” kritisierte Hajaig den Einfluss von Juden, auch unter Obama in der USA, sprach auch Israels Alibischwarzen an der Botschaft in ZA, einen Äthiopien-stämmigen, an. Darüber gab es grosse Aufregung, die Politikerin musste sich entschuldigen. Die Democratic Alliance (Leon) zürnte über die Aussagen, der SAJBD reichte eine Beschwerde bei der Menschenrechtskommission SAHRC ein, stellte die Aussagen Hajaigs in eine Reihe mit “antijüdischen” von NP-Politikern zu Apartheid-Zeiten – diese waren aber glühende Israel-Anhänger gewesen. Auf Wikipedia sollte Hajaig auch gleich gebrandmarkt werden, auf Facebook wurde eine “Gruppe” gegen sie gegründet,…143

Botschafter Segev-Steinberg klagte, dass das Image von Israel in Südafrika “unangemessen schlecht” sei. Das stimmt aber gar nicht so. Grosse Teile des weissen Südafrikas (das die Medien des Landes noch immer dominiert), fühlt in Post-Apartheid-Zeiten erst recht mit Israel.144 Die zweite Frau vom letzten echten Apartheid-Führer P.W. Botha145, Barbara Botha, hat interkonfessionelle Gebete für Israel organisiert, die u.a. in der Kirche der Nederduitse Gereformeerde Kerk in George (Westkap) stattfanden. “I feel incredibly strongly about this. This is a biblical response that as Christians we support Israel and take action against the violence towards them“, so Botha. Und, es gibt weisse, burische Südafrikaner, die nach der Apartheid zum Judentum konvertierten und nach Israel auswanderten. Und unter die Siedler in den palästinensischen Restgebieten gingen. So konnte man “auserwähltes Volk” bleiben. Diese Leute mussten gar nichts von ihrem Rassismus und ihrer Apartheid-Mentalität aufgeben, noch weniger als andere weisse Auswanderer (die zB nach Australien gingen).146

Tja, und dann kam der Goldstone-Bericht. Richard Goldstone war zunächst Anwalt, dann in den 1980ern Richter in der Provinz Transvaal. Am Ende der Apartheid wurde er an die Berufungsabteilung des Obersten Gerichts berufen, wo er 1990 bis 1994 arbeitete. Danach diente er an den UN-Tribunalen für die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien sowie in Ruanda. 1996 wurde er vom damaligen südafrikanischen Präsidenten Mandela an den Verfassungsgerichtshof dieses Landes berufen. Nach dem Ende des Massakers in Gaza 2009 wurde Goldstone vom UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) mit der Leitung einer Fakten-Findungs-Mission an Ort und Stelle beauftragt. Der Bericht, United Nations Fact Finding Mission on the Gaza Conflict, befand dass Israel wie die Hamas Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.

Dies rief Entrüstung in Israel und von jüdischen Gemeinden weltweit (nicht zuletzt in Südafrika) hervor, und eine persönliche Kampagne gegen Goldstone. Der Jurist, der selbst jüdisch ist, wurde 2010 von der Bar Mitzwa seines Enkels im Johannesburger Vorort Sandton ausgeschlossen, auf Druck hauptsächlich der South African Zionist Federation (SAZF)… Goldstone knickte darauf etwas ein, schrieb 2011, dass der Bericht anders gelautet hätte, wenn er damals gewisse Beweise/Hinweise gehabt hätte. Beim nächsten israelischen “Rasenmähen” in Gaza 2012 nahmen wieder Kasrils, “Zapiro” und Andere Stellung gegen Israel (verglichen es mit Apartheid-Südafrika) und die Linie des SAJBD. Beim bislang letzten grossen israelischen Gaza-Massaker 2014 kam es in Südafrika wiederum zu grossen Demonstrationen, zu einigen der grössten Aufläufe seit Nelson Mandelas Freilassung 1990, mit bis zu 100 000 Teilnehmern. Von jüdischen und zionistischen Organisationen initiierte Kundgebungen für Israel brachten zwischen 3 000 und 5 000 auf die Strassen.

Auch Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission, musste (des öfteren) die Erfahrung machen, dass jeder Widerspruch zum (und Widerstand gegen den) Zionismus diffamiert wird, als “antisemitisch”,… 2014 schrieb ein Leon Reich, Vorsitzender von Likud South Africa147 im “South African Jewish Report”, dass Erzbischof Tutu nicht besser als Hitler und Stalin sei (Titel des Artikels: “Arch no better than Hitler or Stalin”). Tutu wolle zusammen mit der Hamas den Staat Israel zerstören, wolle Juden töten,… Zu insinuieren, dass Hamas die Kapazität hat, Israel zu zerstören, ist unseriös (oder blöd). Tutu so etwas zu unterstellen ist pure Hetze, die es gegen ihn nicht einmal zu Apartheid-Zeiten gab. Es sind (hauptsächlich) die Likud-Regierungen, die die Palästinenser täglich terrorisieren (lassen). Die ihre Existenz in mehrerer Hinsicht in Frage stellen. The pot calling the kettle black. Sogar der SAJBD hat sich von dem Artikel distanziert. Unter der Meldung über den Vorfall im “Mail & Guardian” kamen Kommentare (anscheinend von weissen Südafrikanern), mit verklausulierten Apartheid-Apologetiken, offenen Zionismus-Apologetiken, rassistischen Angriffen auf Tutu – es sei ein Fehler von der Anglikanischen Kirche gewesen, Tutu 1985 als Nachfolger des Engländers Timothy Bavin zum Bischof von Johannesburg zu ernennen.

Wenn es passt, werden aber auch christlich orientierte Schwarze angeführt, dann wird der Anti-Apartheid-Kampf instrumentalisiert und verdreht (und nicht die Apartheid apologetisiert). So wie bei Kenneth Meshoe, der immer wieder angeführt wird für die Behauptung, Israel sei kein Apartheid-Staat. Meshoe, der in diesem Kontext als „Mandela era legislator“ angepriesen wird, ist Vorsitzender der African Christian Democratic Party (ACDP), 1993 gegründet, seit dem Ende der Apartheid148 stellt sie zwischen 2 und 7 Abgeordnete von 400 in der National Assembly. Die ACDP ist für ein Verbot der Abtreibung, für die Todesstrafe, gegen die Homosexuellen-Ehe, und gegen die Verwendung von Kondomen für die Verhütung von AIDS – das beste Mittel sei Abstinenz und Sex innerhalb der Ehe.

Ein 19-jähriger Barack Obama gab seine erste öffentliche Rede 1981 an seinem Occidental College in Los Angeles, die sich um einen Boykott von Apartheid-Südafrika drehte. Obama hat ja nicht nur afrikanische Wurzeln, diese sind auch moslemisch, und in den Jahren seiner Präsidentschaft und davor wurde sein zweiter Vorname (Hussein) auch immer wieder genannt um das in Erinnerung zu rufen – nicht zuletzt von Israel-Freunden in der USA.149 Als er 2013 Südafrika besuchte, seinen Amtskollegen Zuma traf, et cetera, gab es auch Demonstrationen gegen ihn in mehreren Städten, organisiert von einem Bündnis linker, gewerkschaftlicher (u.a. Cosatu) und islamischer Gruppen, unter der Parole „Nobama“, vor allem wegen des Gefangenenlagers Guantanamo, des Drohnenkriegs und seiner Unterstützung für Israel. Ex-Präsident Mandela war damals schon sehr krank, starb einige Monate später. Zu seinem Begräbnis sollte Israels Präsident Peres kommen, der wahrscheinlich mehr als jeder andere (damals) Lebende das Apartheid-System unterstützt hatte; es kam dann aber weder er noch Premier Netanyahu, sondern Knesset-Präsident Edelstein, ein Rechtsaussen, der aus der Sowjetukraine eingewandert ist.

Es kam der damalige britische Premier David Cameron, der der Federation of Conservative Students angehört hatte, welche 1985 “Hang Mandela”-Posters produziert hat. Der 1989 für die Parteizentrale der britischen Konservativen Partei (CUP) nach Südafrika reiste, um gegen Sanktionen zu lobbyieren und dabei von einer Pro-Apartheid-PR-Firma zusammenarbeitete. Er sei von Mandela inspiriert worden, sagte Cameron gleichwohl. Er stammt ausserdem von Leuten ab, die in der Karibik Sklaven hielten. Mandela galt (besonders) in den 80ern für Viele im Westen als „Terrorist“; als er starb, nicht einmal für Rechtszionisten. Die „Jerusalem Post“ attackierte ihn damals „nur“ dafür, den „Terroristen“ Yassir Arafat unterstützt zu haben. Diese Zeitung greinte früher mal darüber, dass Mandela bei seinem Besuch im Land zu müde für einen Besuch an der “Westmauer” gewesen war und an diesem Tag dann aber Arafat getroffen hat.150 Jener Mandela, der den ANC Anfang der 1990er (nach seiner Freilassung) dazu brachte, den bewaffneten Kampf (gegen die Apartheid) einzustellen, war dessen Hauptstratege gewesen, ja, und das zeichnet ihn aus.

Ist Nelson Mandela mit seiner Politik der Versöhnung sowie mit seinen Kompromissen am Ende und nach der Apartheid zu weit gegangen? Hat er Entscheidungen getroffen, die zu noch mehr Ungleichheit und Armut geführt haben? Vielleicht ist er nach seiner Freilassung 1990 den Weissen Südafrikas (jenen, die möglichst viel Privilegien behalten wollten) zu weit entgegen gekommen, hat Apartheid-Sündern und -Profiteuren im Land und international zu leicht Absolution gegeben, zu wenig Umverteilung ausgehandelt. Auch manche Zionisten wollen Mandela und seine versöhnlichen Worte auch ihnen ggü als Absolution für ihre jahrzehntelange enge Zusammenarbeit mit dem Apartheid-Regime heranziehen.

In den De Klerk-(Präsidentschafts-)Jahren (1989-1994) bekamen jene rechten Afrikaaner, den die NP längst zu “liberal” war, grossen Zulauf. Diese sammelten sich hauptsächlich in der Konservativen Partei (KP). 1991 wurde die Siedlung “Orania” in der (damals) nördlichen Kapprovinz gegeründet, von Verwoerd-Schwiegersohn Carel Boshoff. Boshoff, der also eine Tochter von “Apartheid-Apostel” Verwoerd geheiratet hatte, war calvinistischer Theologieprofessor an der Universität Pretoria, und in den 80ern Vorsitzender des Afrikaner Broederbonds, somit eine einflussreiche Persönlichkeit im Apartheid-Staat. Als De Klerk mit seinen Reformen begann, wandte er sich von diesem Staat bzw der NP ab, ging in rechte Opposition zum ihm/ihr. Die Gründung Oranias durch Boshoff und andere Leute aus dem Umfeld der KP manifestierte diesen Bruch. Boshoff musste damit leben, dass ein Sohn Selbstmord beging und dass sich Verwoerd-Enkel Wilhelm Verwoerd (sein Neffe) dem ANC anschloss.

Es gab einen Treck nach Westen151, auch die Verwoerd-Witwe wurde geholt, aus Transvaal. Es war der “Kern” der “Volkstaat”-Idee, einer Apartheid reloaded, einem Staat im südlichen Afrika nur für burische Weisse152, mit einem calvinistischen Fundamentalismus. Es kamen hauptsächlich Arbeitslose, Rentner, Fanatiker153 in die neue Wagenburg. Man versuchte, weisse Bauern in der Gegend zu “missionieren” – die aber schwarze (billigere) Arbeiter hatten (haben) und nicht auf diese verzichten wollen. Und, die “Abhängigkeit” von schwarzer Arbeit war/ist für die Orania-Leute der Beginn des Übels. “Nur eine Nation, die ihre Drecksarbeit selber macht, kann überleben”, dieser Ausspruch von David Ben Gurion wurde absorbiert. Israel wieder als Vorbild, der “Pioniergeist”, das Urbar-Machen der Wüste, die Wilden in Schranken weisen, eine rigide Einwanderungs- und Siedlungspolitik.154

Anfang der 90er “malten” Boshoff und seine Leute Distopyen von einer Mandela-Regierung über Südafrika. Als “Madiba” dann Präsident war, besuchte er auch Orania, zeigte auch dort guten Willen und Versöhnungsbemühungen.155 Und liess den Volkstaat-Rat einrichten. Als ein Teil der weissen (burischen) Rechten 1994 den Wahlboykott dieses Lagers durchbrach (die VF unter Constand Viljoen, einem ehemaligen General), liess sich dieser die Zusage der Einrichtung dieses Gremiums geben, das die Möglichkeiten einer Afrikaaner-Selbstbestimmung innerhalb oder ausserhalb Südafrikas ausloten bzw Empfehlungen dafür geben sollte. Die Mitglieder des Volkstaatraad / Volkstaat Council standen näher bei der VF als bei der KP, die sie als Verräter bezeichnete. Das (offizielle!) Gremium tagte von Juni 1994 bis 1999, umfasste 20 Mitglieder, allesamt Volkstaat-Anhänger, darunter Johann Wingard (ein ehemaliger Industrieller), Carel Boshoffs Frau Anna Boshoff (Tochter von Hendrik Verwoerd), ihr Sohn Carel, der Atomwissenschafter „Wally“ Grant,…

Wingard, der damalige Vorsitzende dieses Rates, gab dem rechten Online-Magazin globalpolitician.com 05 ein (Promotion-) Interview.156 Dieses Magazin wird von David Storobin gemacht, einem jüdischen Amerikaner, der schrieb zB über “The Nazi roots of Palestinian nationalism”… Kommentare schreiben dort auch der offen faschistische israelische Politiker Benjamin Elon (“Nationale Union”), der rechtsextreme Norweger „Fjordman“, der anti-afrikanische Hetzer Jan Lamprecht, der britische Rassist “Mike” Smith,… Das Interview zeigt ein bisschen die grösseren Zusammenhänge auf, in denen sich das Post-Apartheid-Südafrika bzw die Diskurse darüber befinden. Das Oszillieren  der weissen Rechten zwischen “unschuldigem” Selbstbestimmungs-Wunsch (für Afrikaaner, deren grosse Mehrheit längst bei der DA ist) und Apartheid-Apologetik (war Vorherrschaft über andere!), zwischen Universalismus-Bekenntnis und offenem Partikularismus (wobei Englisch-sprachige oder liberale Weisse “dazuzunehmen” schon die erste Allianz, der erste Kompromiss ist).

Ich könnte einen eigenen Artikel über dieses Interview schreiben und seine Subtexte, will hier Weniges herausnehmen. Wingard jammerte über die Nicht-Umsetzung der Volkstaatrat-Empfehlungen durch die Regierung unter Mandela, Verfassungsminister Meyer, die Verfassungsgebende Versammlung unter Ramaphosa. Er baut nicht auf Orania (ist ihm zu klein, isoliert). Der heutige Afrikanerbond (Nachfolger des Broederbond) oder die FAK (Federasie van Afrikaanse Kultuurvereniginge) sind für ihn keine echten Afrikaaner-Organisationen. Das Ende der Apartheid (die durch Atombomben und Geheimdienst geschützt gewesen sei) sei durch “Verräter” wie De Klerk gekommen. Der Schmerz über den Untergang des Regimes, den Verlust der Privilegien, der Vormachtstellung, die Angst vor Umverteilung, ist spürbar. Und die Heuchelei. „Black empowerment is blatant racial discrimination – even worse than under the apartheid government“ – also war die Apartheid nicht so toll? Und war sie nicht Sache der Afrikaaner? Wurde nicht jahrzehntelang jemand bevorzugt, empowered?

Oder: „The ANC is now turning out to be a cynical, power-hungry group of politicians, in which the Moslem community, as well as the communists have a level of influence way beyond their numerical relevance“. Das kennt man doch von irgendwo, Einfluss weit über die numerischer Bedeutung…; ausserdem, bedeutet das doch das Kommunisten im ANC eine kleine Minderheit sind, entgegen der Apartheid-Propaganda; die Moslems, also Kap-Malaien, wurden, als Teil der “Coloureds”, über Apartheid-Zeiten hinaus von Afrikaanern gegen Schwarze ausgespielt, als Teil der Farbigen; Wingard ging mit der Zeit, bringt auch den “clash of civilizations”, aber in Zhg mit Schwarzafrikanern; im Trio des Bösen neben Moslems und Kommunisten fehlen noch die Nazis, warum er die wohl nicht erwähnt.. Wingard auch: “Unless Afrikaners soon deal with that scenario in an organised manner by means of a statutary Afrikaner Council (similar to the Jewish Board of Deputies) so as to present a coherent and credible front to the government and the international community…“. Das offene Verachten der Umgebung einerseits (zB verachtungsvoll über „die afrikanische Psyche“ und die „Terroristen des ANC“) und Geklage über ein Nicht-akzeptiert-werden andererseits (zB: „South Africa’s whites are born and bred in Africa and want to stay and make the country a success“) verbindet ebenfalls mit dem Zionismus.

Boshoff starb 2011, sein Sohn Carel Boshoff junior ist in seine Fussstapfen getreten. Dieser, ehemaliges Volkstaat-Rat-Mitglied, ist bei der VF+ in Nordkap engagiert, war 04-09 war er Abgeordneter im dortigen Provinzparlament.157 In Orania gibt es einen Jan Joubert, der dort Parteichef der VF+ sein dürfte und auf Facebook einen Beitrag aus einem Fachmagazin geteilt hat, über Israels Erfolge in der Meerwasserentsalzung, angesichts der Dürre im Westkap 2018, Wasserrationierungen in Kapstadt. Begeisterung für den Zionismus hier, eine andere Sicht darauf von einer anderen Südafrikanerin.

Israel und Afrika

Wie erwähnt war Israel ab den 1950ern in Afrika unterwegs, als Teil einer Strategie, weltweit (ausserhalb der Peripherie “seiner” Region sowie des Westens) Verbündete/Partner/Idioten zu finden, u.a. mit der „Entwicklungshilfe“-Agentur MASHAV. Die DR Congo und Mobutu (der das Land in “Zaire” umbenannte) waren dabei der wichtigste Partner – abgesehen von Apartheid-Südafrika, das man aber nicht als afrikanisches Land sah. Meir Meyouhas, ein Jude aus Ägypten (ein Mossad-Mann), war ab ’61 Israels-Vertreter im Kongo, typischerweise am Schnittpunkt von diplomatischer, geheimdienstlich-militärischer, wirtschaftlicher Interessensvertretung. Israels Kriege gegen “seine” Region 1967, besonders aber 1973, brachten ein Ende für diese “Beziehungen”. Mit der Ausnahme Südafrikas natürlich, und auch jene zum Kongo lief verdeckt weiter. In geringerem Maß auch mit Liberia, Kenia, Ghana.

In Uganda hatte Israel, durch den Militär Chaim Brotzlewsky (“Bar Lev”) aus Österreich, 1971 Idi Amins Militärputsch gegen Präsident Milton Obote unterstützt, der “zu links” geworden war, mit Unterstützung von CIA und MI6. Amins Machtübernahme leitete die blutige Periode Ugandas ein, bedeutete eine Terrorherrschaft, eine der schlimmsten in Afrika – wie auch jene von Mobutu in “Zaire” übrigens, oder Vorster und die anderen Apartheid-Herrscher. ’72 brach Amin die Beziehungen zu seinen bisherigen Gönnern, darunter auch den Zionisten, ab, wandte sich der SU und arabischen Staaten zu. 1976 dann die nach Uganda (Flughafen in Entebbe) führende Flugzeug-Entführung von PFLP und RZ, und die israelischen Heldentaten – die die Vorgeschichte in den Hintergrund rücken (sollen).158 In den 1990ern gab es wieder etwas Aufschwung in den Beziehungen Israels zu afrikanischen Ländern…und zum demokratischen Südafrika einen Abschwung.

In diesem Zusammenhang sind natürlich auch die nach nach Israel eingewanderten Afrikaner zu sehen. Die hauptsächlich aus Eritrea, Sudan (Darfur) und Süd-Sudan stammenden Flüchtlinge kommen in der Regel über Ägypten und dem Sinai. An dieser Grenze baut Israel mittlerweile auch einen Grenzwall, eine Sperranlage, wie an alllen anderen Grenzen auch (und die Mauer auf dem palästinensischen Restgebiet). An der Grenze zu Afrika. Die afrikanischen Flüchtlinge kommen in das Internierungs-/Abschiebelager “Holot” in der Negev/Nagab-Wüste; die mit zeitweiligem Aufenthaltsrecht ziehen oft in den armen Süden Tel Avivs. Israel nimmt in der Regel keine nicht-jüdischen Flüchtlinge/Einwanderer auf, nur gelegentlich Arbeitskräfte, sieht die Afrikaner als “illegale Einwanderer”. Es hat auch die Internationale Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet; so wie auch den Atomwaffensperrvertrag oder das Abkommen zur Ächtung von Landminen nicht.

Netanyahu greinte, dass Israel das einzige “Erste-Welt-Land” sei, in das Flüchtlinge aus der “Dritten Welt” “reinspazierten”. Wenn Israel Teil der “1. Welt” (=Westen?) ist, dann ist es aber so ziemlich das einzige, dass keine Füchtlinge aufnimmt. Und: Hier ist auch wieder dieses Nase-Rümpfen, diesmal nicht über die Region, sondern die “3. Welt”, man ist etwas besseres als die Leute von dort. Die israelische Regierung möchte mit ihrer (Nicht-) Einwanderungspolitik den jüdischen Charakter des Staates Israel erhalten, heisst es. Es habe nicht die „demografische Tiefe“, diese Afrikaner aufzunehmen. Die Einwanderer werden von den Israelis als “Bedrohung für die Sicherheit Israels” gesehen. Netanyahu: ”A stream of refugees threaten to wash away our achievements and harm our existence as a Jewish and democratic state”. Immer wieder geht es um “demografische Gefahren”. Eliahu Yishai: Das Heimatland muss vor diesen Fremden gerettet werden. Sie seien für Israel eine ebenso grosse Bedrohung wie Irans „Atomwaffenprogramm”. Afrikaner gleich Iran gleich Hitler (mondoprinte). Bennett sprach von „Eindringlingen“. Man habe „keine Kapazitäten“ zur Aufnahme. Manche sehen in den Massenabschiebungen eine Bedrohung für das internationale Ansehen des Staates. Und: Die Probleme der Afrikaner seien nicht unsere (israelischen), hiess/heisst es dazu auch.

Von 1944 bis 1948 wurden Mitglieder der zionistischen Terror-Organisationen IZL und LEHI aus dem britischen Gefangenen-Lager Latrun in Internierungslager in britische Kolonien in Afrika gebracht, nach Eritrea, Sudan und Kenya (Kenia)… Und, bekanntlich kamen ab den 1880ern Juden aus verschiedenen Teilen der Welt nach Palästina (das zuerst unter osmanischer, dann unter britischer Herrschaft war), darunter auch alle Staats- und Ministerpräsidenten Israels bzw ihre Eltern.159 Damals wäre es für die Palästinenser um die Sicherung des Charakters des Landes und um die Frage der demografischen Tiefe gegangen…

Schwarzafrikaner, christliche Russen, Südostasiaten sind einige der Bevölkerungsgruppen in Israel/Palästina ohne Wurzeln im Land. In den ärmlichen Vierteln im Süden von Tel Aviv gibt es immer wieder Übergriffe und Hetze gegen die Afrikaner. Ein Video von so einer “Ausländer raus (aus Israel)”-Veranstaltung aus 2011 im so weltoffenen und liberalen Tel Aviv. Immer wieder dabei sind Politiker der israelischen Rechten, 2012 etwa Michael Ben-Ari, als ein rassistischer Mob u.a. „Tel Aviv den Juden! Sudan den Sudanesen!“ skandierte. Die (dort hauptsächlich lebenden) aus Nordafrika stammenden Mizrahi-Juden geben die erfahrene Diskriminierung durch Aschkenasen eben an jene weiter, die in der Hierarchie (Israels) deutlich unter ihnen stehen. Hinweise auf Rassismus in Israel werden natürlich als “antisemitisch” gebrandmarkt. David Sheen setzt sich immer wieder mit der Behandlung von Afrikaner in Israel auseinander; wegschauen und verleugnen macht es nicht besser. Es gab auch Übergriffe gegen äthiopische Juden, die man für Einwanderer aus Eritrea hielt. Dies zB relativiert zB Gil Ofarims kürzlich in einer TV-Diskussion gemachte Aussage “Israel ist das einzige Land, wo wir 160 nicht beleidigt und verfolgt werden”.161

Ein eritreischer Flüchtling/Migrant wurde 2015 vom israelischen Mob gelyncht. Haftom Zarhum hatte sogar eine Arbeitserlaubnis und lebte in Beersheva. Als er gerade am dortigen Busbahnhof war, attackierte ein israelischer Beduine einen Soldaten, erschoss ihn und eröffnete das Feuer auf Andere. Während dieser Mann floh, wurde Zarhum für einen Komplizen gehalten, von einem “Sicherheitsmann” angeschossen und dann von Passanten lange und schwer misshandelt; er starb an seinen Verletzungen. Nun scheint es so, dass die vier dafür angeklagten Israeler mit Sozialarbeit davon kommen… So wie die Mizrahis normalerweise alles tun, um sich von den Palästinensern abzugrenzen, haben die aus Äthiopien geholten Juden Angst, mit diesen Einwanderern in einen Topf geworfen zu werden, und handeln entsprechend. Es gibt im südlichen Afrika noch die Lemba, in Südafrika, Zimbabwe, Mocambique und Malawi, die sich für Juden halten.162 Sollte es eine Einwanderungsaktion für sie geben, dürften sie sich im israelischen Kastensystem ganz unten einordnen.

Als der ghanaische Fussballer John Paintsil bei der WM 06 ein Tor mit einer kleinen Flagge Israels (wo er damals spielte) zelebrierte, war das ein grosser Propagandaerfolg für die Zionisten. Nicht zuletzt wegen der (angeblichen) arabischen Empörung darüber. ynet/”Yedioth Ahronot” jubelte über “fury in egypt”.. und weil Paintsils Familie in Ghana von Moslems bedroht worden sei. Paintsil Verwandte durften nach Israel nachkommen, hiess es damals. Nun, mittlerweile sind die Paintsils ja eine Bedrohung für den jüdischen und demokratischen Staat… Werden sie auch ausgewiesen werden, von der Netanyahu-Regierung? Oder Opfer der Furie der “Strasse” dort werden? Auch die Bürgerkriege in Sudan, zwischen dem arabisierten, nubischen Zentrum und dem schwarzafrikanisch-christlichen Süden sowie dem schwarzafrikanisch-moslemischen Westen (Darfur) waren Propagandamittel für die Sache Israels.

Wie kann man einen Boykott Israels wegen seiner Politik gegen die Palästinenser unterstützen, wenn im Sudan soundsoviele Menschen getötet worden sind, hiess es da.163 Auch Entlastung für die Kollaboration mit der südafrikanischen Apartheid brachte es, denn im Sudan war ja auch irgendwie eine Apartheid, auf die man verweisen konnte. Als Leute aus Süd-Sudan164 und Darfur dann nach Israel kamen, wurde auch Propaganda mit ihnen gemacht; die Opfer der “Araber” und Moslems, die in Israel Zuflucht gefunden hätten… Dann hiess es aber, die Probleme der Afrikaner seien nicht “unsere” Probleme (der Juden).165

Auf (israelischen!) Propagandavideos auf Youtube mit Süd-Sudanesen in Israel finden sich längst Kommentare wie “Geht nun bitte wieder heim”, manchmal auch ohne “bitte” und so. Und, der damalige Innenminister Yishai sagte vor einigen Jahren (zu “Ma’ariv”), die meisten der afrikanischen Einwanderer seien Moslems und glaubten dass das Land nicht uns, dem weissen Mann, gehöre.166 Abgesehen von der patriarchalen Ausdrucksweise, dem Chauvinismus wonach ein Land (nur) einer bestimmten Ethnie gehöre, und dem Rassismus wonach Juden “Weisse” seien und sie das von Afrikanern unterscheide: Mit den Süd-Sudanesen und den Darfurern wurde Propaganda gemacht, weil sie Opfer der “Araber” und “Moslems” seien, und sie dagegen in Israel so gut behandelt werden würden! Und nun… Dies zeigt schön, wie gern und leicht man heutzutage Ressentiments und Diskriminierung mit dem “Islam” rechtfertigen will, man von dort den Bogen zum “Islamismus” spannen kann, und schon eine Tarnung für jeden Rassismus hat. Man sieht das ja auch, wenn man die Hamas vorschiebt, um die Behandlung der Palästinenser zu rechtfertigen.

In einer Gesellschaft, die schon Probleme hat, orientalische Juden (wie Yishai) als gleichrangig zu behandeln, sind Schwarzafrikaner höchstens zeitweiliges Propaganda-Kanonenfutter. Inzwischen wird auch von Eritrea und Sudan als “Problemländern” gesprochen, welche an Länder wie Ägypten grenzten. Zuvor hiess es ja, Ägypten sei so schlecht wegen der dortigen Behandlung von (durchziehenden) Flüchtlingen/Emigranten. 2012 beschloss die Netanyahu-Regierung die Massen-Abschiebungen von Afrikanern, die seither teilweise umgesetzt wurde. Anfang dieses Jahres gab es einen neuen Plan dazu, für Abschiebungen in die Drittländer Ruanda und Uganda, Länder mit deren Regierungen Netanyahu Beziehungen pflegt. Mit dieser Drittstaatenregelung wurde indirekt anerkannt, dass den Betroffenen in ihren Ländern Verfolgung droht. Nun haben aber sowohl die UNHCR als auch diese Regierungen bekannt gegeben, dass es keine Übereinkunft gibt. Netanyahu wurde ausserdem in seiner Rechtskoalition mit Protest konfrontiert, wegen der Gewährung eines Aufenthaltsstatus’ für einen Teil und Zahlungen für die Ausreisewilligen. Ein Teil der Afrikaner wurde auch in europäische Länder abgeschoben.

Netanyahu bemüht sich um afrikanische Staaten, damit seine genozidäre Politik ggü den Palästinensern und Kriegstreiberei ggü der Region international noch weniger kritisiert wird. Es geht bei seinem Rapprochement u.a. um die Mehrheitsverhältnisse in den UN, nicht um Brückenbau, Hilfe, Verständigung. Oder um Länder die die Afrikaner aufnehmen, die Israel nicht haben will. Ruandas Präsident Paul Kagame ist jetzt Israel wichtigster “Partner” bei seinem neuen Griff nach Afrika. Daneben auch Uhuru Kenyatta in Kenya, sowie politische Kräfte in Angola, Senegal, Äthiopien, Ägypten (Sisi…), Südafrika (die DA und noch weiter rechts Stehende), Congo, Nigeria, Süd-Sudan. Diese Instrumentalisierung ähnelt jener gegenwärtigen der Kurden. Bei der Herzliya-“Konferenz”167 2017 rief die rechtsextreme Justizministerin Ayelet Shaked von der Bennett-Partei zur Gründung eines kurdischen Staates auf, dies wäre integral für Israels Bemühungen zu einer “Umgestaltung” der Region. Genau, darum gehts. Für die (damals kemalistische) Türkei Öcalan in Kenya fangen, oder der Türkei bei der Verschleierung des osmanischen Völkermords an den Armeniern helfen, oder auf die “kurdische Karte” setzen – ganz nach Bedarf und gegen die Region.

Teil eines zionistischen Propaganda-Clusters ggü Afrika ist Moshe Terdiman, der im wissenschaftlichen Gewand auftritt, als “Expert on Islam in Africa” deklariert wird und gut vernetzt in jener Industrie ist, die sich zB in Herzliya trifft. Der aschkenasische Israeli mit USA-Hintergrund (> Carol Grosman) macht RIMA (“Research of Islam and Muslims in Africa”), eine “Denkfabrik” in Jerusalem, und die dazugehörige Website muslimsinafrica.wordpress, mit Haggai Erlich, Arye Oded, Timothy Furnish; und mit ein paar Alibiafrikanern wie einem Nwosu und Hussein Solomon. Terdiman ist auch bei Green Compass Research, PRISM und wikistrat(.com). In dieser neokonservativen islamophoben “Hasbara” wird der eigene (zionistische und westlicher) Rassismus und Imperialismus verleugnet, die Moslems werden (hauptsächlich) Schwarzafrikanern gegenüber als Quelle von Übel angeprangert. Hetze wird als “Engagement gg Rassismus” oder “gg Islamismus” gebracht. Moslemischer Sklavenhandel in Afrika wird von Terdiman & Co thematisiert, nicht um ihn aufzuarbeiten, sondern um politisches Geld damit zu machen, um “Schwarze” gegen “Braune” gegeneinander auszuspielen und erstere an “Weisse” zu binden.

Die Plattform heuchelt Respekt für Afrika vor, Interesse für afrikanische Belange, wissenschaftliche Objektivität, versucht aber nur die Islamkrise für ihre Belange auszunutzen. Besonders gerne würde man das neue Südafrika (ein Schlüsselstaat Afrikas, zweifellos) gegen “den Islam” aufbringen, und überhaupt Palästina-Solidarität in der farbigen Welt sabotieren. Hier kommen beosnders viele Widersprüche, Stolpersteine; u.a. dass Israel den weissen Apartheid-Nostalgikern gleichzeitig als Bezugspunkt dient, oder die Politik der DA, der “Korrespondentin” zionistischer Interessen in Südafrika, als Interessesvertretung der weissen Minderheit. Terdiman sollte vielleicht bei Lapid junior nachfragen, ob sich der von den Ausfällen seines Vaters über Afrika distanziert, oder sich von den anti-afrikanischen Rassisten in Israel. Der (israelische) Nationalismus à la Lapid junior lehnt die (eigenen) Religiösen und Orientalen ab (diese hätten sich zu integrieren), propagiert einen Westismus, will den Kampf der “israelischen Mittelklasse” kämpfen; ihm sind auch die Siedler suspekt, nicht wegen dem was sie für die Palästinenser bedeuten sondern weil sie zu wenig westlich sind bzw dem Land einen nicht-westlichen Stempel aufdrücken.

Ja, und dann gibt’s eben Hussein Solomon, der für Terdiman und dessen Belange arbeitet. Solomon ist ein moslemischer indischer Südafrikaner, auch so eine Art Wissenschafter (an der Uni. Pretoria). Er spricht sich nicht gegen Islamismus oder salafistischen Islamismus aus bzw “Auswüchse” des Islams, daran wäre nichts schlecht, im Gegenteil. Sondern er unterstützt jene, die andere über den Islam bzw Islamismus diffamieren wollen, was eigentlich das Wesen der Islamophobie ausmacht. Der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, der einen Krieg gegen die Bosniaken führen liess, erfand sich in Den Haag neu als Vorkämpfer gegen den islamistischen Terrorismus. „Weder die EU noch die internationale Gemeinschaft haben nach (den Anschlägen in) Paris und Brüssel begriffen, mit wem es die bosnischen Serben in den 90er Jahren zu tun hatten“, so Karadzic 2016 in den Tagen vor seiner Urteilsverkündung. Er hatte die muslimischen Bosniaken immer wieder als “Terroristen” und Gefahr für das christliche Europa bezeichnet.168

Nach dem islamistischen Terror-Anschlag in Nairobi 2013 triumphierte Solomon, “Ich habs euch gesagt”. Er hat auch den Tunesier Bouazizi, der sich aus Protest gegen das Ben Ali – Regime verbrannte und die dortige Revolution lostrat, wegen eines “Märtyrerkults” angegriffen. Er wird von einigen Medien und rechten “think tanks” aus und in Israel hofiert – Solomon macht auch keine Versuche, seine Verbindungen zu Israel zu verhüllen. Für sein neuestes Buch169 kamen Empfehlungen vom Global Research in International Affairs Centre (GLORIA; Barry Rubin) und Anderen aus dieser Ecke. 07 durfte er auch bei der Herzliya-Konferenz auftreten. Solomon war Teilnehmer beim “limmudjohannesburg” 2016, schreibt Gastartikel für die “Jerusalem Post”,…

Aber, dass Solomon bei aller Beteiligung an Hasbara nicht die Akzeptanz gewisser Kreise bekommen wird, zeigen die Ausführungen von einem Ilya Meyer, einem “israelisch-schwedischen” Lobbyisten (xxxx://ilyameyer.com/english/tag/hussein-solomon/). Ein Zionist von der Sorte „Ich gönne den Palästinensern gar nichts“ und nicht von der Sorte „Wir würden so gerne mit ihnen zusammenleben, aber sie…“. Nahe bei tundratabloid (wo über Afrikaner, egal ob christlich oder nicht, auch etwas “andere” Haltungen vorherrschen dürften…), macht der Siedlerfreund von seiner Abscheu für alles Orientalische gar keinen Hehl, engagiert sich zB gegen “integration, multiculturalism and immigration”, und Juden sind bei ihm einfach “Weisse”, Teil des Westens (der geschützt werden muss). Er heuchelt nicht gegenüber Afrika wie Terdiman. Jene, die Leute wie Richard Goldstone (die über den Tellerrand schauen) ausgrenzen und schikanieren, als “selbsthassend” diffamieren, sind zum Teil von einem wie Solomon entzückt, zum Teil nutzt so einem bei denen alles Appeasement nichts.

Zu Grunde liegende Denkweisen und Entwicklungen, Querverbindungen

Dass Palästina nicht wirklich ein Land ohne Volk war (s.o.), dürfte Herzl und seinen Mitstreitern klar gewesen sein. Aber die lange Tradition der Nicht-Wahrnehmung der Palästinenser war wahrscheinlich eine Vorbedingung für die ethnischen “Säuberungen” um 1948. Der ehemalige israelische Parlamentspräsident Avraham Burg (Avodah) hat das in seinem Buch „Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss“ kritisiert; er meint allerdings, dass solche “Fehlentwicklungen” Abweichungen von Theodor Herzls Träumen sind – während für Andere Herzl die zionistische Sichtweise auf das Land und seine Leute geprägt hat. Immerhin hat dieser gemeint, die „eingesessenen Stämme” sollten entweder “mit dem Schwert verjagt werden”, “wie es unsere Vorfahren taten“, oder man werde mit dem “Problem einer grossen fremden Bevölkerung” zu kämpfen haben. Das “Problem einer grossen fremden Bevölkerung” sahen auch viele Weisse in Südafrika.170

Dennoch dürften die meisten afro-amerikanischen Intellektuellen und Aktivisten (jene in der USA, in der Karibik,…) vom frühen 20. Jh bis zum Krieg 1967 pro-zionistisch gewesen zu sein, auch jene auf der extremen Linken. Dies hatte zum Einen mit der starken jüdischen Mitwirkung in der “Bürgerrechtsbewegung” der USA zu tun171, zum Anderen mit der Rolle, die die extreme Linke in der zionistischen Bewegung (Palästinensische Kommunistische Partei) in den Jahrzehnten vor der Staatsgründung spielte – eine grössere Rolle als danach, und sie wollte als einzige politische Organisation die Palästinenser nicht ausgrenzen sondern einbinden. Ausserdem sahen auch Leute wie Marcus Garvey den Zionismus damals als Antwort auf europäischen Antisemitismus und den Holocaust.

Im Kongo setzte sich ja nach der Unabhängigkeit der Neokolonialismus der USA , mit Mobutu, gegen jenen Belgiens mit Tschombé durch. 1960 gab es nach der Unabhängigkeit eine belgische Militär-Intervention „zum Schutz seiner Staatsbürger“ bzw zum Schutz der Sezession Katangas; 1964 intervenierten belgische und amerikanische Truppen gegen die Simbas. Die “Krise” nach der Unabhängigkeit begann ja mit der Meuterei in der Force Publique. In deren Folge zogen “enthemmte” Soldaten durch die Strassen verschiedener Städte und überfielen Schwarze und Weisse. Die “Bild”-Zeitung schrieb: „Neger-Meuterer jagen und schänden weiße Frauen“.172 In diesem Zusammenhang ist der Kommentar von David van Reybrouck über das „Anathema“ der Sexualität von Siedlern mit Einheimischen relevant. Auch das Apartheid-Regime Südafrikas hat Bilder und Berichte von der Gewalt gegen Belgier ggü seinen Bürgern bewusst zur Stimmungsmache eingesetzt. Unnötig zu sagen, dass es die Springer-Medien sind, die Israel sakrosankt machen und verehren, damals wie heute. Malcolm X / Malik Shabazz173 hat nach der westlichen Intervention im Kongo 60, die mit der Gewalt an Frauen dort begründet wurde, gesagt, wenn diese Mächte in Afrika für Weisse intervenierten, könnten afrikanische Armeen zB in der USA anlässlich von Gewalt an Schwarzen174 dort intervenieren…175

Malcolm X und seine “Black Muslims” waren ja wie die Black Panther Party gewissermaßen eine Konkurrenz zur Strategie des Martin Luther King von der friedlichen Integration. Von King gibt es ein Märchen bezüglich einer Aussage über Israel-Kritik, Anti-Zionismus und “Antisemitismus”. Dieses wurde von einem Seymour Martin Lipset in die Welt gesetzt. Kings mutmaßlicher Mörder, James E. Ray, war 1967 der Ausbruch aus einem Gefängnis gelungen, in das er als Kleinkrimineller gekommen war. Danach engagierte er sich als Helfer bei der Präsidentschaftswahl-Kampagne von Alabamas langjährigem Gouverneur George Wallace (nunmehr AIP) von 1968, der (damals) ein Verteidiger von Rassentrennung war. Nachdem er in diesem Jahr Martin L. King in Memphis (Bundesstaat Tennessee) erschoss176, gelang ihm die Flucht, über Kanada, Portugal und Grossbritannien; Ray wollte nach Rhodesien, wo sich das Apartheid-Regime 1965 unabhängig von GB erklärt hatte; er wurde auf dem Londoner Flughafen Heathrow festgenommen. Israel half auch in Rhodesien (dem späteren Zimbabwe) dem weissen Minderheitsregime (dem auch das südafrikanische Apartheid-Regime half), militärisch, in dessen “Buschkrieg” gegen ZANU und ZAPU (1964-1979), die wiederum mit ANC und FRELIMO verbündet waren.177

Die 1966 gegründeten Black Panthers gingen nach dem “Nahost”-Krieg 1967 Bindungen mit der PLO ein. Dies erklärte sich u.a. dadurch, dass Israel von vielen Linken nach diesem Krieg als Kolonialmacht und Besatzungsstaat wahrgenommen wurde, und als Teil eines Westens der über Farbige herrscht – etwas dass bis heute viele Israelis und Israel-Unterstützer begeistert unterschreiben würden (siehe den letzten Abschnitt). Die Black Panther waren ausserdem in dem von Frankreich unabhängigen Algerien aktiv, bzw wichen aufgrund der Verfolgung in der USA auch dorthin aus – was ihr sozialistisches, antikoloniales, antiimperialistisches Profil weiter schärfte. Durch den Krieg 67 wurde Israel den Linken suspekt und bei den Rechten (noch) beliebt(er). Etwa bei den Politikern und Wählern der NP in Südafrika. Oder den Evangelikalen in der USA. Daran änderte auch nichts, dass unter den Palästinensern auch viele Christen waren, die um 1948 ihre Heimat verloren, wie der griechisch-orthodoxe George Habash (der spätere PFLP-Gründer), der im Libanon studierte, als zionistische Truppen seine Stadt Lydda einnahmen und die Palästinenser von dort vertrieben, Habashs Schwester und Andere töteten.

Der Afro-Amerikaner Andrew Young wurde unter James Carter amerikanischer UN-Botschafter (77-79). Young spielte bei der Verhandlungslösung, die den Rhodesien-Krieg 1979 beendete, eine entscheidende Rolle. Young hatte das Internal Settlement, mit dem Ian Smiths Regime ’79 die schwarze Bevölkerungsmehrheit im Land und die internationale Gemeinschaft und ihre Forderungen nach Gleichberechtigung der Ersteren abspeisen wollte, nicht als genügend akzeptiert. Nach der Wahl unter Ausschluss der wichtigsten politischen Kräfte und bei Fortführung des Kriegs gegen diese wurde der methodistische Bischof Abel Muzorewa 79 Premierminister von Zimbabwe Rhodesia, wie das Land nun hiess. Muzorewa von der UANC wurde in manchen Kreisen als “gemäßigter afrikanischer Führer” bezeichnet, so wie Buthelezi in Südafrika; diese beiden hatten übrigens gute Verbindungen zu Israel.178 Durch Andrew Youngs Vermittlung kam das Lancaster House Agreement zu Stande, mit Einbindung von Robert Mugabe (ZANU) und Joshua Nkomo (ZAPU). Zimbabwe unter Mugabe als Premier und dann Präsident unterstützte in den 1980ern die PLO und übte gegenüber Apartheid-ZA kein Appeasement.

Young musste noch 1979 zurücktreten als UN-Botschafter der USA. Weil er sich mit Zehdi Terzi, dem UN-Gesandten der PLO, getroffen hatte. Dies deshalb, weil er ihn davon überzeugen wollte, den Bericht einer UN-Kommission, die zur Schaffung eines palästinensischen Staates aufrief, vorerst zurückzuhalten. Der Mossad gab die Kunde von diesem Treffen und Details des Gesprächs an seinen Boss Begin sowie an das US-amerikanische Magazin “Newsweek”. Carter hatte den Israelis versprochen, dass mit der PLO nicht verhandelt werde, solange sie Israel nicht anerkenne. Von Israel wurde und wird nicht verlangt (als Vorbedingung für irgend etwas), dass es die Rechte der Palästinenser in den 67 von ihm besetzten Gebieten anerkennt, auf einen Staat oder sonst etwas. Und auch hier wurde die Diskussion über ein Palästina an der Seite (nicht an statt) von Israel abgewürgt, mit der “Durchsetzung” der Vorbedingung dass die eine Seite zunächst ihren Besatzer “anerkennt” (bevor dieser die Rechte der Besetzten anerkennt). Der USA-Schwarzen-Rechts-Aktivist Jesse Jackson hat in den 1980ern die Schaffung eines palästinensischen Staates unterstützt. Er hat ausserdem Äusserungen über die Instrumentalisierung des Holocausts gemacht, über die jüdisch-israelische Lobby in der USA und die Stellung der Afroamerikaner dazu. Für seine Bezecihnung von New York City as “Hymietown”179 hat er sich entschuldigt. Der einflussreiche Schreiber Norman Podhoretz hat das zB nicht getan, für seinen “Essay” aus 1963 mit dem Titel “My Negro Problem – And Ours”. Podhoretz, einer der radikalsten Neokonservativen und Zionisten in der USA, hetzt für einen vorbeugenden US-Krieg gegen Iran.

Die “special relationship” zwischen Israel und der USA180 nimmt die Form von ungefähr 125 Milliarden Dollar Hilfe ein, die bislang von zweiteren Staat an ersteren geflossen sind, seit dessen Gründung. Oder die bald 100 Mal, die die USA im UN-Sicherheitsrat ihr Veto zugunsten Israels einlegten.181 Oder die regionale Hegemonie die die USA Israel zugesteht. Auch wenn Manche aus “christlichen Gefühlen” heraus zu Israel stehen182, viele Afro-Amerikaner sehen zwischen ihren Anliegen und jenen der Palästinensern einen “Zusammenhang” (oder, anders herum, zwischen ihren “Gegnern”). Auf der “Al Jazeera”-Website stand 2014 ein Kommentar über den Unterschied zwischen Ferguson in Missouri, wo damals “rassische Unruhen” zwischen der Polizei und “schwarzen” Bürgern herrschten, und Gaza, und der rassistischen Gewalt von Polizisten und Soldaten hier und dort. “For one, Ferguson is not Gaza or even the West Bank. As events spun out of control, an African American president and attorney general spoke out against the images of militarized police. And a black state police captain from the community assumed control of the police effort and marched along with the town’s residents… However fitfully,

America recognizes its race problems. Israelis are still living in the American 1950s, while Gazans remain trapped in a ghetto in which no Ferguson resident would want to live…”

Bei Protesten von marginalisierten Schwarzen in Detroit 2014 kam der Ruf: “Occupation is a crime from Detroit to Palestine!” Das Movement for Black Lives, eine Gruppe innerhalb der Black Lives Matter – Bewegung, hat 2016 Israels Behandlung der Palästinenser als “Genozid” beschrieben, Israel als Apartheid-Staat bezeichnet und zu einer Unterstützung der Boycott, Divestment and Sanctions – Kampagne (BDS) aufgerufen. Es ist auch kein Zufall, dass Angela Davis, eine der wichtigsten Kämpferinnen gegen die Diskriminierung von Afro-Amerikanern in der USA (eine frühere Black Panther), eine aktive Befürworterin von BDS und der palästinensischen Sache ist. Und auch keiner, dass Apartheid-Nostalgiker/Apologeten auch heute oft auf Seiten Israels sind.183 Wobei es von (pro-) zionistischer Seite eben die 2 “Denkarten” gibt: Die (südafrikanische) Apartheid war nicht so schlecht und auch was wir machen nicht; oder: Sie war schlecht, aber Israel ist darüber erhaben (dominant).184

Was man auf Youtube so an Kommentaren unter Videos findet… Zum Beispiel “SUPPORT – ISRAEL – AND – THE – WHITES – IN – AFRICA!!!“ und „Ulster will always remain british; NO surrender!!!“ von einem Benutzer. Ein anderer: “exterminate allahs piglets” & “nelson mandela was a terrorist”. Kommentare zu einem Video über zum Judentum konvertierte Afrikaaner, die als israelische Siedler in der “Westbank” leben: “South Africans have first hand experience in dealing with Savages incapable of reason”, “Geluk en voorspoed my Joode Boere. Slaan daardie arabiere stukkend.”, “Israelis nd Afrkaaners have much in common, both are persecuted and heavily outnumbereed by terrorists that want to drive them into the sea”, “Long live Israel long live Boers. Brothers forever”, “Independence of the Cape from ZA!”,…

Der kanadische Aktivist Yves Engler schrieb einen Artikel, “What explains Harper’s slavish support for Israel?“: “Canada opposed calls for the withdrawal of Dutch troops from Indonesia in the late 1940s. For decades Canada supported British colonialism in Africa while throughout the late 1950s it sided with France against the Algerian liberation movement. Into the 1970s, Ottawa backed Portugal as it waged a colonial war against the people of Angola, Mozambique and Guinea Bissau. It took decades of struggle within Canada — and a shift in the international climate — for Ottawa to withdraw its backing for the apartheid regime in South Africa. Considering this history, it’s not surprising that Ottawa opposes the Palestinian national liberation struggle. To focus on the Jewish lobby is to downplay Canada’s broader pro-colonial, pro-empire foreign policy. It is a mistake to view Ottawa’s support for Israel in isolation. That support should not be divorced from a wider foreign-policy discussion. The Palestinian solidarity movement needs to make its critique of Canadian foreign-policy more explicit.”

Der französische Philosoph polnisch-jüdischer Herkunft Alain Finkielkraut ist einer jener, die einen Verfall “westlicher Werte und Traditionen” durch “Multikulturalismus” sehen. Wie er den “Westen“, dessen Werte und “Multikulturalismus” genau definiert, da würde es ja interessant werden.185 Jedenfalls ist er einer jener, der zB die “Schwarzen” mit den Moslems, also den Schlechten, zusammentut. Zum Beispiel bei seinen rassistischen Aussagen geegnüber “Haaretz” 05 im Zusammenhang mit dem französischen Fussball-Nationalteam. Der europäische Kolonialismus hätte den “Wilden” Zivilisation gebracht, hätte in Afrika nur Gutes getan. Der westliche “Diskurs der Selbstkritik” bezüglich Slaverei und Kolonialismus hält er für “abscheulich”, und stellte für ihn eben so einen Werteverfall dar. Der israelische Filmemacher Eyal Sivan klagte Finkielkraut, nachdem ihn dieser einen “selbsthassenden, antisemitischen” Juden genannt hatte. Als Roman Polanski 09 in der Schweiz wegen der Vergewaltigung einer 13-jährigen Amerikanerin verhaftet wurde, verteidigte Finkielkraut diesen damit, dass das Mädchen ein Teenager, kein Kind gewesen sei. Hier sieht er offensichtlich keinen Werteverfall. Er attackierte u.a. “Le Monde diplomatique” als antijüdisch/antizionistisch.

In vieler Hinsicht also ein französischer Broder. Bei beiden stellt sich die Frage, wie weit sie einen französischen bzw deutschen Nationalismus unterstützen, den sie fordern bzw dem sie sich andienen. Was die Meinungsfreiheit betrifft, diese hat bei beiden enge Grenzen. In Deutschland gibt es diese “Hohmann-Grenze”, bis zu der man rechts sein kann wie man will. In Frankreich wird man Auguste Mercier (Kriegsminister zur Zeit der Dreyfus-Affäre) oder Henri Petain vielleicht einmal von “antifranzösischer Selbstkritik” befreien wollen und stolz zu den von ihnen vertretenen Werten stehen wollen. Der aus der SU stammende Israeli Avigdor Eskin (ein Kahanist) sagt, es gäbe in Südafrika heuet einen Genozid an Weissen, Juden sollten die Afrikaaner und ihre “Freiheitskämpfer”186 unterstützen. Stepan Bandera und Roman Shukhevych (OUN bzw UPA) müssten ihm eigentlich ideologisch nahestehen; jedoch, er führte eine Kampagne gegen die (posthume) Verleihung eines hohen Ordens der Ukraine an die beiden.187

Diskurse über Zionismus und Apartheid

Die Weltsicht, die sich in Südafrika zeigt(e), zeigt sich auch bei Israel und seinen Unterstützern. Das “Wissen”, was gut für diverse Eingeborene ist zB, was sie brauchen, was ihnen zusteht,… das bestenfalls paternalistische, kolonialistische Denken. Die eiserne Mauer von Jabotinsky hier, die Wagenburg dort. Die “Eingeborenen” im Lande, das man für sich beansprucht, die so “zurückgeblieben” (und doch “furchterregend”) sind, die aus weiten Teilen des Landes verdrängt werden, und aus seiner Geschichte verdrängt werden sollen. Und Widerstand bzw Auflehnung  hat keine Grundlage, kommt im Fall der Palästinenser nur aus “Antisemitismus” oder “islamistischer Aufstachelung”, im Fall der Zulus, Xhosas, Sothos,… war es hauptsächlich der Kommunismus. Wenn sie doch nur ihren Platz im Apartheid- bzw Kastensystem akzeptieren würden, könnten alle zusammen in Frieden leben. Aber so lange das nicht der Fall ist, muss “man” (die vorherrschende ethnische Gruppe und ihre Kollaborateue) sich verteidigen, mit diesen Leuten in einer Sprache reden, die diese Leute verstehen. Das „Wissen“ um die arabische/afrikanische Mentalität.

Es gab und gibt die Personalunion von Apartheid- und Zionismus-Apologeten, sowie andererseits von Kritikern dieser Systeme. Michael Sürmer zB: Der Historiker und Journalist und Kohl-Berater ist ein typisches Kind der (alten) BRD. Er vertritt eine eurozentristische Sicht, in der alle Völker die nicht zu dem gehören, was er als “Westen” definiert, keine legitimen Ambitionen jenseits der Unterordnung haben. So verachtungsvoll der mit einer Israelin Verheiratete gegenüber den Einen ist, so zärtlich ist er, wenn es um Juden geht. Oder Richard Crossman, ein Politiker der britischen Labour Party von den 1940ern bis zu den 1960ern (gegen Ende seiner Karriere wurde er auch Minister). Der langjährige Israel-Freund und -Lobbyist war ein Anhänger der Durchsetzung “weisser” kolonialer Interessen (als Weisse sah er auch die Juden) gegenüber „Eingeborenen“. Bei einem Vortrag in Israel 1959 sagt er das zB explizit, empörte sich, dass vor dem 20. Jh niemand ernsthaft das Recht und “die Pflicht” des weissen Mannes zur “Zivilisierung” anderer Weltgegenden in Frage gestellt hat. Auch der Rassismus seines Parteikollegen Hugh Dalton war nicht auf Palästinenser begrenzt…

Es gibt eine lange Tradition der Bewunderung von Rechtsextremen für den Zionismus, seit Mildenstein, und zumindest faschistische und kolonialistische Elemente in ihm. Es gibt nicht nur Übereinstimmungen mit Apartheid-Südafrika, sondern auch dessen Apologetik über den Philo-Zionismus.188 Es gibt einen Rassismus, der mit (Philo-) Zionismus legitimiert bzw aus ihm heraus-argumentiert wird. Dieser politisch korrekte Rassismus (einer der sich hinter fortschrittlichen Werten versteckt) findet sich zB bei Sarrazin, Heinsohn, Huch, Fest. In diesem Sinn wird auch Palästina-Solidarität im Westen zu diffamieren versucht.189 Und auch Antirassismus und Emanzipation des Südens…

“Anti”deutsche schwafeln von „Antiimperialismus von Teheran bis Caracas“, um dann zB auszuführen, dass der Nord-Süd-Konflikt nur noch einer “des Islams” gegen den Westen sei. Na freilich. Wenn die Niederlande ihren Giftmüll an der Cote d’Ivoire ablädt, ist das auch “der Islam”. Ohne Kakao-Bohnen von der Cote d’Ivoire hat (zB) die Schweiz für “ihre” Schokolade nur Kuhmilch, und die Umstände unter denen der entsprechende Handel stattfindet, das ist die Ausbeutung des Südens durch den Norden. Und die Herablassung gegenüber Palästinensern oder Persern ist eine Variante jener gegenüber Afrikanern oder Lateinamerikanern. Und, Europa hat noch immer wenig Vorstellung davon, dass es nicht nur Nord-Süd-Beziehungen, sondern auch so etwas wie Süd-Süd-Beziehungen gibt. Die globale Weltordnung in der ein paar wenige weisse Staaten über den Rest bestimmen190, ist glücklicherweise endgültig im Untergang begriffen. Die Lamenti über eine “Inflation am Staatlichkeit” seit den Entkolonialisierungswellen nach dem 2. WK oder “third world dominated bodies” sagen viel über die Nutzniesser der langwährenden Ordnung aus.191

Die “berechtigten Eigeninteressen der Mehrheitsgesellschaft”, von denen Ralph Giordano schwadronierte, gelten dann eher nicht für Südafrika und seine “schwarze” Bevölkerung. Es gibt viel Hass und Hetze gegen das demokratische (Post-Apartheid) Südafrika; wobei hier (zB) jeder politische Korruptionsfall herangezogen wird, in Frage zu stellen, dass das aktive und passive Wahlrecht auf alle Bürger ausgedehnt wurde… Das Gegeifer gilt den jetzigen Politikern, hauptsächlich jenen des ANC, sowie Mandela und De Klerk, die, wenn man so will, zusammen die Apartheid abgeschafft haben.192 In Europa bewegt sich diese Hass-Szene im Umfeld von VB, PVV, FPÖ, FN, LN,.. und folgerichtig ist hier auch die Israel-“Solidarität” nicht weit. Auch bei Storobin zB sieht man ja die “Fronten”. „Why we are white refugees“ ist einer der Hass-Blogs gegen das neue Südafrika, und wofür es steht (…). “The majority of Black South Africans did not want Black Rule. …regarding Israel and Palestine; and that a majority of Palestinians do not want Arab rule.”

Der Apartheid-Vorwurf ggü Israel wird dort empört zurückgewiesen, wobei man nicht so recht weiss, ob man nicht doch lieber die Apartheid vereteidigen soll (anstatt sie zu leugnen)… Lustig wird’s auch, wenn sich die Macher über das Wort “Kaf(f)ir” auslassen: Von seinem Ursprung ist es ja ein arabisch-islamisches Wort für “Ungläubige(r)”193, das von (sunnitischen oder schiitischen) Islamisten auch heute verwendet wird. Von Arabern wurde es in der Neuzeit für (nicht-moslemische) Schwarzafrikaner verwendet, und diese Verwendung wurde von den europäischen Kolonialherren in Afrika übernommen. Von weissen Rassisten im (oder aus dem) südlichen Afrika ist “Kaffer” bis heute das ultimative Schimpfwort für Schwarzafrikaner. Die Hass-Blogger sind im Dilemma. Einerseits: “It is time that South Africans, are educated that the word ‘kaffir’ has many different meanings, besides the one and only meaning that white-guilt liberals194 assign to the word, as that used by ‘right wing white racists’ to refer to a black person.” Andererseits will man ja die Opferrolle einnehmen und sich als positiver Gegenpol zum Islamismus definieren.195

Lamprecht und seine “africancrisis”, eine andere Hetzseite, leben von den Problemen in Afrika, so wie MEMRI, Middleeastforum, sultanknish, kritiknetz.de,… von jenen in islamischen Regionen. Und, immer interessant sind die Verbindungen die hier hergestellt werden. Dan(iel) Roodt ist einer, von dem rechts nichts Platz hat196 In seinem Buch “Lethal Weakness of Altruism: Europe Overrun & South Africa’s Extreme Unrest” stellt er die Demokratisierung Südafrikas in einen “Zusammenhang” mit den Einwanderungsströmen nach Europa und dem Missverhalten eines Teils der Flüchtlinge. Allgemeiner Rassismus hat sich nicht nur hier mit Anti-Islam verbunden. Und da sind Kommentare, dass die Apartheid ja doch nicht so schlecht war, nie weit. Der “Kronen Zeitung”-Leserbriefschreiber S. Pestitschek aus Strasshof197 schrieb zB “Nach dem Ende der Apartheid machen schwarzafrikanische Horden das ganze Land unsicher, Anarchie herrscht im Land, das ist das Ziel der 68er,ein bisschen Südafrika ist auch bei uns..” Wenn Wolfgang Drechsler in „Der Tagesspiegel“ schreibt (2015), „Die Buren werden vom Unterdrücker zum Unterdrückten“, ist das zwar nicht die Realität, aber sein Artikel war noch einigermaßen im Rahmen; Buren haben eben ihre Stellung an der Spitze eines Kastensystems verloren, und Deutsche wie Drechsler haben in Südafrika auch nicht mehr den Status wie zu Apartheid-Zeiten…

Ilana Mercer (Isaacson) ist eine aus Südafrika stammende Jüdin, die in die USA ging (dazwischen war sie auch in Israel). „My grandfather fled the Latvian town of Riga after the pogroms that followed the Bolshevik Revolution” – Die Pogrome waren eher vor dieser Revolution… “Grandfather Jack, RIP, settled in South Africa, where Jews thrived until the recent ascendancy of the pro-PLO and pro-Islamist ANC“. Der Vater hätte die “petty apartheid” durchbrochen – das haben aber, alle die schwarze Hausangestellte hatten. Nun schreibt sie auf vdare.com, worldnetdaily198 frontpagemagazin,… Mercer ist paläokonservativ/- libertär; d.h. zB, die Affirmierung des Bösen mit dem Islam und jüdisch-zionistischer Chauvinismus ist bei ihr nicht so stark im Vordergrund, sie übt(e) auchKritik an militärischen Interventionen der USA, und an den neokonservativen Juden in der USA (an den liberalen sowieso); dem „jüdisch-christlichen Westen“, dem die Wilden gegenüberstünden, redet sie schon das Wort. Lob bekommt von ihr nicht nur Geert Wilders, sondern auch zB Jörg Haider.199

Bezüglich Südafrika: „South Africa is being dismantled and dropped bit-by-bit down a black hole. The almost-overnight disintegration of that Christian civilization at the tip of Africa has sharpened my understanding of how fragile such western outposts are and how quickly they can crumble in culturally inhospitable climes.“ Sie schreibt sowohl gegen südafrikanische Schwarze (pauschal, rassistisch) als auch gegen Zuwanderer nach Südafrika aus afrikanischen Staaten UND sie prangert die Gewalt von schwarzen Südafrikanern an schwarzafrikanischen Einwanderern, die es gab, an. Ein Buch von ihr heisst „Into the Cannibal’s Pot: Lessons For America From Post-Apartheid South Africa“.200

Oder Richard Littlejohn, ein Brite mit jüdischen Vorfahren, der für Channel 4 sowie “Daily Mail”201 arbeitet. Vor wenigen Jahren gestaltete er eine Doku über “anti-semitism” (“The War on Britain’s Jews”). Da ist er ganz sensitiv, über Worte, über Entwicklungen, macht aus Israel-Kritik gleich “Antisemitismus”, stellt Querfronten von Moslems über Linke zu Rechtsextremen her.202 Der selbe sagte über den Genozid in Rwanda: “Does anyone really give a monkey’s about what happens in Rwanda? If the Mbongo tribe wants to wipe out the Mbingo tribe then as far as I am concerned that is entirely a matter for them”. Und, er nannte Palästinenser die “Pikeys (abschätzige Bezeichnung für fahrendes Volk/Zigeuner) des Mittleren Ostens”. Auch über Asylsuchende und Schwule äusserte er sich abfällig.203 Littlejohn lebt meist in einer schwer “gesicherten” Villa in Florida, Entwicklungen in GB bekommt er hauptsächlich aus der rechten Presse mit.

Der Artikel sollte gegen Ende nicht zu weit abschweifen, vom Thema Israel und Apartheid, aber ein paar Dinge gilt es, aufzuzeigen. In West-Deutschland wurde nach dem Nationalsozialismus „Kommunismus“ eine Art Black Box/ Metapher/ Variable, in die jedes Ressentiment passte; dann nahm Islam bzw Islamismus diese Rolle ein, dem alles (subjektiv/objektiv) Böse zugeschrieben wird, auch der NS. Im Zeitalter der Islamkrise ist inzwischen fast alles an traditionellen rassistischen Stereotypen ist sagbar, solange es sich in das Mäntelchen der Islamkritik zu kleiden weiss. Imperialismus und Rassismus, die früher als „Antikommunismus“ daher kamen, sind heute „Anti-Islamismus“. Wenn Wolfgang Fellner in „Österreich“ zB schreibt, „Die Türken wollen Europa islamisieren – mit Kopftüchern und Moscheen“204, ist das noch harmlos. Es gibt auch Rechte wie Andreas Koller (“Salzburger Nachrichten”), die sich über „Israel“ (+) und „Islam“ (-) „liberal“ machen (wollen).

Kay Sokolowsky:

“Alt ist der Fremdenhass, der sich hier manifestiert. Neu sind die scheinaufgeklärten Gründe, mit denen er sich auftakelt. Ein perfider Trick, der es auf den ersten Blick so aussehen lässt, als habe es mit Ausländerfeindlichkeit nichts zu tun, was die Muslimhasser treiben.

Es ist gesellschaftlich nicht konform, gegen ‘die Kümmeltürken’, ‘die Kameltreiber’ oder ‘die Knoblauchfresser’ zu hetzen. Also weichen die Fremdenhasser auf Schimpfwörter wie ‘Mohammedaner’, ‘Musel’ oder ‘Kulturbereicherer’ aus.…Die Motive sind dieselben wie bei jeder anderen Form des Rassismus: Hier wird ein Kollektiv von schlechten, minderwertigen, ‘unsere Kultur und Nation bedrohenden’ Menschen konstruiert, damit der Rassist sich selbst erhöhen kann. Ohne sagen zu können, was ihn zu einem moralisch und intellektuell makellosen Wesen macht, ohne überhaupt darüber nachzudenken, was denn die Überlegenheit seines Charakters und seiner Lebensführung ausmacht, definiert der Rassist sich positiv über all das Negative und Böse im Bild seines Feindes. Wichtig ist dem Fremdenhasser allein, dass er selbst ‘nicht so’ ist. Ob aber die Menschen, die er in sein Feindbild hineinpresst, tatsächlich ‘so’ sind, überprüft der Rassist nicht. Er setzt es einfach voraus. Seine Ideologie ist hermetisch, für Fakten und rationale Argumente nicht erreichbar. …Muslimfeindliche Polemiker genießen eine erheblich größere Aufmerksamkeit in den Medien als seriöse Migrationsforscher wie Werner Schiffauer oder aufgeklärte Muslime wie Navid Kermani.”205

Es gibt einen Unterschied zwischen Kritik an diversen Zuständen im neuen Südafrika206 und rassistischer Apartheid-Apologetik. Und es gibt einen Unterschied zwischen Islamkritik sowie Islamismuskritik und Islamophobie. Mark Gabriel ist ein Ägypter, der vom Islam zum Christentum konvertiert ist207, früher Mustafa geheissen hat (vielleicht hat er auch den Nachnamen geändert) und ein Imam war, sogar an der al Azhar. Er pocht auf eine Unterschiedung zwischen Islam als politische Ideologie und Moslems als Menschen. Wehrt sich dagegen, dass seine Islamkritik von Rechtspopulisten und Rassisten verschiedener Art zur Legitimation herangezogen wird. Bei Hamed Abdel-Samad ist das anders. Der ist ein orientalisches Schau- und Vorführobjekt für jene Westler (geworden), die ein Feigenblatt für ihre rassistisch-kulturalistische Nacktheit brauchen. Bei den meisten, die Abdel-Samad heranziehen, wird klar, dass Islamophobie nur eine Variante von Rassismus ist (und etwas anders als Islamkritik), und sich der Geist der Islamophobie auch leicht gegen Andere (Nicht-Moslems richten kann).

Auf der Internet-Seite des FPÖ-Akademikerverbandes waren im Sommer 15 Postings zu lesen wie „Millionen Neger wollen selbst aus Afrika weg, nach Europa, wo alles hier gratis und ohne Arbeit zu erhalten ist. Sie flüchten vor sich selbst, sie bringen ihr Unwissen, ihr Analphabetentum, ihren Haß und Streit unter sich und ihren Haß auf uns Weiße nach Europa mit und Europa wird spätestens in 50 Jahren im Chaos und Sumpf enden, wie wir es heute in Südafrika sehen“.208 Als Mireille Ngosso (aus Kongo stammend, SPÖ) vor Kurzem neue stellvertretende Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt wurde, überschlugen sich im IT rassistische (und auch sexistische…) Anfeindungen gegen sie, wie „Ab in den Dschungel zum Bananenpflücken“. Das ist, was so in der unmittelbaren Nachbarschaft der Islamophobie blüht, mit ihr verwandt ist. Oder die Aussagen der Kleinpartei Christliche Bayerische Volkspartei (CBV) im Bundestags-Wahlkampf 1987. Darin verlangte der Parteivorsitzende Volkholz unter anderem Waffenlieferungen an das südafrikanische Apartheidregime und forderte, dass das „ewige englische Negergebrülle in Rundfunk und Fernsehen“ aufhören und stattdessen „wieder gesundes Volkstum“ gefördert werden solle.209

Es gibt jene, die sagen, die Wahl Obamas sei ein schwarzer Tag für die USA gewesen, oder sie schämten sich damals, Amerikaner zu sein. Pamela Geller, die ja “Ayn Rand” so verehrt, schrieb, “Our civilization is at stake”. Mit den “Bedrohern” meint sie nicht nur Moslems (bzw ihre Vermischung von Islam, “Orient”, Moslems, Islamismus), sondern auch (christliche) Schwarzafrikaner. Schwarze würden in Südafrika einen Genozid an Weissen begehen. Milo Yiannopoulos, ein Brite (u.a.) jüdischer Herkunft, Israel-Fan, Trump-Fan, ehemaliger “Breitbart”-Blogger210, spannt den Bogen von afrikanischer Einwanderung nach Europa zu Islam(ismus), von Rechtskonservatismus zu Neonazis. Von „Europa/ Deutschland ohne Scharia“ und ähnlichem, eigentlich emanzipatorischen /humanistischen „Anliegen“, kann man leicht so ziemlich alles andere „herausargumentieren“ (zB „Kanaken raus“), ebenso aus „kick some hamas assess“.

Dieser Schritt von der Zuschreibung „fanatisch“ zu „schmutzig“, mit der Zwischenstufe „primitiv“. Gerade noch wird über “westliche Werte” gefaselt, und schon ist man bei “Kameltreiber” oder „Ab in den Dschungel zum Bananenpflücken“.211 Die Verwischung der Grenze zwischen Berechtigtem und Hetzerischem geschieht auch durch Islamisten immer wieder; man denke an den austro-ägyptischen Salafisten Mohammed Mahmoud und seine Mona S., die wegen ihres Vollgesichts-Schleiers beim Prozess wegen der Anschlagsdrohung in Wien 08 ausgeschlossen wurde, was von den beiden als “islamophob” und “diskriminierend” skandalisiert wurde (was es nicht war). Die Übergänge zur offenen Verwendung von rassistischen Stereotypen und Klischees gibt es auch in anderem Kontext. „South Africa used to be a wonderful place – they didn’t let blacks walk on the pavements“, hört man “plötzlich” von einem Teil jener, die die ANC-Regierungen kritisieren.

Oder, dieser Schritt vom Shitstorm über das Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan (“Özil raus aus dem Nationalteam”)212 zu “Özil und Boateng raus aus dem Nationalteam weil sie keine echten Deutschen sind”.213 Oder der Tweet von Roseanne Barr (Borisofsky), der jüdischen US-amerikanischen Schauspielerin kürzlich, die pro Trump und überhaupt wirr (geworden) ist. Sie hat Valerie Jarrett, einst Beraterin von Barack Obama als Präsident als “Baby von Muslimbruderschaft und Planet der Affen“ bezeichnet. Jarretts Vorfahren sind zwar Amerikaner, aber zum Teil “schwarze” und sie ist im Iran geboren, weil ihr Vater im Rahmen der damals guten Beziehungen der Länder als Arzt in einem Krankenhaus arbeitete. Was Leute aus moslemisch geprägten Regionen und aus Afrika Stammende verbindet, ist ja, das sie irgendwie “höhere Affen” sind.

Stellungnahmen für bzw “Solidarität mit” Israel aus Deutschland/Österreich sind in der Regel (auch) eine bewusste oder unbewusste Entlastungsstrategie von der NS-Vergangenheit oder der Verstrickung der Eltern- oder Grosselterngeneration darin. Im “Nahost-Konflikt” hat man die Möglichkeit, sich an die Seite Israels und der Juden zu stellen, man kann sich als besonders humanitär und abgeklärt zeigen und muss sich nicht mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, man kann Parallelen zum eigenen Land ziehen (“Ja, die Türken hier…”).214 Dabei kommt es häufig zu rassistischen Grenzüberschreitungen gegenüber den “Feinden Israels”. Von ehemaligen Soldaten der deutschen Wehrmacht gab und gibt es für Israels Armee seit dem Krieg 1967 Bewunderung, wie vom langjährigen „Krone“-Kommentator „Staberl“ (Richard Nimmerrichter). Dieser äusserte ’67 zB Bewunderung für das „tapfere, kleine Land“, wünschte dass es nicht dem Schicksal anheim fällt, dass „Ahmed Shukeiri215 ihm zugedacht hat“.216

Wie Broder und viele “Antisemitismus-Experten” war/ist auch “Staberl” der Meinung, dass einen eine Parteinahme für Israel über jeden “Antisemitismus”- und auch “Rassismus”-Verdacht erhebe (umgekehrt, mit “Israel-Kritik” wird man zum “Antisemit”). Die positive Sicht auf Israel ermöglicht einen sehr rassistischen Blick auf “die Araber“, “die Moslems”. Begeisterung, wenn die israelische Armee Widerstandsnester aufspürt und vernichtet, wie einst die Wehrmacht in Osteuropa, so effizient und tapfer und kühl. Begeisterung von manchen Deutschen (und Österreichern), die nach den zwei Weltkriegen “nur” noch in der Fremdenlegion richtig töten konnten (oder neuerdings in Afghanistan),217. Rechte sind in der Regel für die Durchsetzung von nationalen Interessen (gegen andere solche) mit Gewalt, haben Sympathie für das Kleinhalten von Ethnien, für das Recht des Stärkeren. Philo-Zionismus ist eine Möglichkeit, sich reinzuwaschen (zB durch die Etikettierung von Israel-Kritik als “Antisemitismus”) und aus der Schmuddelecke zu kommen, einen politisch korrekten Nationalismus und Rassismus zu betreiben; und (neuerdings) die eigene Menschenverachtung anderen umzuhängen.

Zionisten sind immer wieder Allianzen mit aktiven/ehemaligen Faschisten eingegangen, nicht nur zu den von der NP gebildeten Apartheid-Regierungen Südafrikas. Parteinahme für die Achsenmächte des 2. WK und ihre Ideologie und ein klassischer Antijudaismus sind auch keine Hindernisse für Israel-Begeisterung…218 Heute sind “Islamkritik” und „Israel-Solidarität“ eben auch Alibis bzw Vorwände für die Auslebung von Rassismus. In bzw ggü Österreich/ Deutschland wird das Verhältnis zu Israel immer mit dem Holocaust verbunden, womit auch Parteinahme für Palästinenser unterbunden bzw diffamiert werden soll.219 Auch die Verschiebung des NS in den Orient steht in diesem Zusammenhang. Rechte Zionisten (die nicht unbedingt [nur] Israelis sein müssen) und “Westler” sehen oft einen gemeinsamen Feind. Ersteren geht es dabei hauptsächlich darum, berechtigte Anliegen der Palästinenser über den Islamismus zu diffamieren, zweiteren darum, Zuwanderer (aber auch generell nicht-Weisses) politisch korrekt anzugreifen.

Die FPÖ sucht nun, im Gleichschritt mit den anderen west-europäischen Rechtsparteien, den Schulterschluss mit Israel im “Kampf gegen den Islam(ismus)”, affirmiert “Westen” nun auch positiv, machte ihn zum Bezugspunkt. Für die Strache-FPÖ sind Juden nun gut für den Westen (und Teil von ihm), Moslems sind das Andere (Afrikaner und andere Nicht-Europäer werden zT dazu genommen). Und Israel sei ein Stück Westen in einer dunklen Region, sei die Antithese zum Islamismus. Strache war ja als junger Mann in der Neonazi-Szene unterwegs; ist seine Hinwendung zu Pro-Zion wirklich eine Wandlung?! Oder eher eine Kontinuität?220 Ein anderer Pseudo-Saubermann ist Sebastian Kurz, seit einigen Monaten Senior-Koalitionspartner der Strache-FPÖ. Was Rechten in Westeuropa von zionistischer Seite angeboten wird, ist “Pro-Israel” gegen “Holocaust-Absolution”, Anerkennung von Holocaust-Aufarbeitungs-Bemühungen gegen Pro-Israel und Anti-Orient, bzw: Österreich rehabilitiert Israel, Israel rehabilitiert Österreich. Kurz: Gerade für ein Land mit der Geschichte von Österreich müsse es immer ein Ziel sein, einen ganz starken Kontakt und eine ganz starke Partnerschaft mit Israel zu haben.

Und das hat Kurz als Aussenminister und Bundeskanzler (u.a.) bei Reisen und Empfängen auch “beherzigt”. Als er übrigens 2016 zum 60-jährige Bestehen der bilateralen Beziehungen” zwischen Österreich und Israel hinreiste, befand man sich zwischen der Wahl und der ersten Stichwahl um die österreichische Bundespräsidentschaft, mit Chancen des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer; israelische Politiker sagten damals, sie blieben bei ihrer Politik, offizielle Kontakte zu FPÖ-Politikern abzulehnen. Das Flüchtlingsthema war bei dieser Wahl ein bestimmendes, Hofer sagte, der Islam gehöre nicht zu unserer Kultur221 und schlug Flüchtlingslager in Afrika vor (was Barroso damit kommentierte, dass ihn das an die Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg erinnere). Nun ja, und Israels Umgang mit Flüchtlingen aus Afrika, die Haltung von Netanyahu und seinen Partnern dazu… Kurz hat(te) ja auch so Ideen zum Umgang mit Flüchtlingsströmen; und ein gutes Verhältnis mit Netanyahu.

Als der Schriftsteller Michael Köhlmeier vor einigen Wochen beim Gedenken im Parlament an den Anschluss Österreichs an NS-Deutschland 1938 eine Rede hielt, warf er der FPÖ Heuchelei im Umgang mit den Juden vor und verglich die Schließung von Fluchtrouten (Balkan) mit der Judenverfolgung (zumindest wurde das so interpretiert). Nur, die FPÖ bekommt aber immer wieder den “Koscher”-Stempel, und im Umgang mit Flüchtlingen aus Afrika sowie Moslems stehen die allermeisten israelischen Politiker “rechts” von der FPÖ; und auf Israel (und den Umgang damit) kommt es an bei NS-Aufarbeitung und Antisemitismus-Bekämpfung, wie immer betont wird, von Netanyahu bis Brauer.222 Jedenfalls, die Bemühungen von Kurz und teilweise auch jene von Strache werden anerkannt; der World Jewish Congress (WJC, R. Lauder) hat Kurz zu seiner Kür zum Bundeskanzler im Dezember ’17 gratuliert, zugleich „starke Besorgnis“ und Erschütterung über dessen Entscheidung, eine Koalition mit der FPÖ zu bilden, geäussert. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien ebenso.223 Nun, ohne die Stimmen der FPÖ-Abgeordneten wäre Kurz nicht zum Kanzler gewählt worden, und wenn man eine so grundlegende Entscheidung von ihm (die Koalitionsbildung) mißbilligt, müsste man ihn eigentlich an sich in Frage stellen.

Zumindest Strache-Fans sehen Kurz auf einer Linie mit ihrem Idol

Das staatliche Israel hat nach der Regierungsbildung in Österreich auf eine Abberufung seiner Botschafterin „verzichtet“, verkündete aber einen Boykott der FPÖ-Minister. Dies betreffe auch die parteilose (aber von der FPÖ nominierte) Aussenministerin Kneissl; damit kann auch jedwede „Einmischung“ in die israelischge Politik ggü Palästinensern verhindert werden. Insbesondere am rechten Rand der Regierungspartei Likud gibt es aber Kräfte, die sich für eine “Normalisierung” der Beziehungen zur FPÖ einsetzen. Der Likud-Abgeordnete Yehuda Glick (aus der USA, anscheinend nicht mit Caroline verwandt, ein religiöser Fundamentalist und Siedler) traf zB ’18 auf einem “privaten Besuch” in Österreich FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache, weitere FPÖ-Politiker sowie Kneissl. Strache war auch oft in Israel, zuletzt 16, traf damals auch Mitglieder der Netanyahu-Regierung; er hat kein Einreiseverbot, wie Günter Grass oder jene Palästinenser, die die Stätten ihrer Vorfahren besuchen wollen, ist auch längst pro-israelisch.224 Rassismus ggü Moslems bringt Likud-Politiker dazu, Antisemiten reinzuwaschen, könnte man sagen; aber auch das von der Avodah dominierte frühe Israel hat ja mit den NP-Regierungen Südafrikas bestens zusammen gearbeitet.

Auch von der Türkei kam Kritik an der ÖVP-FPÖ-Regierung, davon zeigte sich Kurz „unbeeindruckt“, wie er sagte. „In der Türkei werden systematisch Menschenrechte verletzt, und diese Türkei hat keinen Platz in der Europäischen Union.“ Das sei zu Recht im Regierungsprogramm so niedergeschrieben worden. Abgesehen von der Frage, ob der Platz der Türkei in der EU ist, Menschenrechtsverletzungen dort sind für Kurz/Strache eher ein Vorwand. Und: Eigentlich müssten sich Repräsentanten eines doch demokratischen Landes wie Österreich225 überlegen, ob sie mit Netanyahu, Lieberman, Shaked, Bennett Kontakte aufrecht halten sollen, aufgrund ihres Rechtspopulismus, der von ihnen begangenen (angeordneten) Menschenrechtsverletzungen (die für Palästinenser alltäglich geworden sind), ihres Rassismus’. Aber nicht nur die Rechte Österreichs findet nichts an so einer Zusammenarbeit; unter Bundeskanzler Kern (SPÖ) wurde die auch schon intensiver; Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil hat damals etwa “Zusammenarbeit” im “Sicherheits”-Bereich mit seinem Kollegen Avigdor Lieberman eingeleitet, bei “Cyberabwehr” oder “Schutz gegen digitale Bedrohungen”.

Kurz wird demnächst (Juni 18) wieder einmal Israel besuchen226, „Ziel Vertiefung der bilateralen Beziehungen“, „Österreich ist der Sicherheit Israels und seiner Bürger verpflichtet“, „bilateralen Beziehungen sollen insbesondere im Bildungs- und Wissenschaftsbereich vertieft werden”,… Wird in Jerusalem auch vor dem Weltforum des American Jewish Committee (AJC) sprechen, dessen Vorsitzender ihm im Vorfeld Blumen streute („erwiesener Freund von Israel und des jüdischen Volkes“, zähle zu jenen Politikern Europas, die eine besonders deutliche Sprache sprechen,…). Es ist, wie gesagt, Opportunismus von beiden Seiten zu beobachten bei diesem “Flirt”. Der palästinensische Gesandte in Österreich sagte, man habe es in Österreich jetzt mit einer rechtskonservativen Regierung zu tun, die alles unternehme, um ihre Freundschaft zu Israel zu zeigen. “Wenn ich mir die Reaktion von Strache auf den Beschluss von US-Präsident Donald Trump (für die Verlegung der USA-Botschaft nach Jerusalem) anschaue, da wird einem mulmig.“227

Die IKG, auch unter Oskar Deutsch stramm zionistisch228, dreht die Israel-Bejahung der Rechten (bzw die Querfront) um, jene der FPÖ ist gewissermaßen zu wenig, um das andere wieder gut zu machen. Die totale Verkennung/Verleugnung des Charakters des Zionismus und der Solidarität zu ihm. So habe FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky “noch 2009” nach der “israelischen Militärintervention im Gazastreifen” von einem „geplanten Vernichtungsfeldzug“ der israelischen Regierung gegen die Palästinenser gesprochen. Und wenn Vilimsky das israelische “Vorgehen” gegen die Palästinenser in Gaza (bei diesem “Krieg” und überhaupt) gutgeheissen oder dazu geschwiegen hätte, dann wäre alles gut, ja? Auch würden die österreichischen Parteien bezüglich „muslimischen Antisemitismus” “die Augen verschliessen” – „sei es aus Angst, des Rassismus beschuldigt zu werden, oder aus politischem Kalkül in Bezug auf Stimmengewinne durch die muslimische Gemeinde“. Die Realität, die islamophobe Linie der FPÖ (für die auch “moslemischer Antisemitismus” herangezogen wird), und das folgerichtig Philoisraelische der Partei, wird ausgeblendet. Ausserdem ist hier der Versuch der Desavouierung von Anti-Rassismus zu erkennen, und das Ausspielen von Rassismus gegen Antisemitismus.

Die offizielle Linie der IKG Wien, internationalen jüdischen Organisationen, der israelischen Regierung zur Regierungsbeteiligung der FPÖ ist ein “Besorgt sein”. Auf “unteren Ebenen” sieht das ja anders aus.229 Bei einem staatlichen Festakt zur Beendigung des Weltkriegs und der Nazi-Herrschaft Anfang Mai 18 trat der Künstler und Holocaust-Überlebende Arik Brauer als Redner auf. Gegenüber dem Radio-Sender Ö1-Reihe äusserte dieser, es für einen Fehler zu halten, dass FPÖ-Vertreter zum zweiten Teil der Veranstaltung nicht eingeladen wurden. Er hält
Bemühungen Straches, “mit dem NS-Erbe in der FPÖ aufzuräumen”, für glaubwürdig. „Ich persönlich nehme dem Strache seine absolut faire und richtige Einstellung zum Judentum ab.“ Was aber keine Überraschung ist, wenn man Straches Gespräch mit Brauer für “Der Standard” vor einigen Jahren gelesen hat (ich glaube, es war vor einer Wahl), und überhaupt Brauers Aussagen zum “Nahost-Konflikt” und “Antisemitismus” seit Anfang der 00er.230 Die Haltung zu Israel ist (Brauer hat auch die Mauer in den palästinensischen Rest-Gebieten verteidigt), was für ihn zählt, und da war Strache brav (diverse Soli-Reisen, Jerusalemer Erklärung 2010 mit anderen westeuropäischen Rechtsextremisten,… Hetze in die richtige Richtung). Es ist auch eine weitere Neuausrichtung der FPÖ zu erwarten, bzw eine weitere Verschiebung bei ihrem Rassismus.

Rechts ist im Kontext der Beziehungen mit Israel und jüdischen Gemeinden nicht gleich rechts. Der ungarische Premier Viktor Orban (FIDESZ) ist zur Zeit gerade dabei, jenen Stempel zu bekommen, den Strache von Brauer bekommen hat. Orban, der zu den Flüchtlingsströmen nach Europa sagte, er könne sich vorstellen, dass Bürger westlicher Länder, die vor “Liberalismus, politischer Korrektheit und Gottlosigkeit in ihrer Heimat fliehen”, in Ungarn aufgenommen werden, zeigte sich kürzlich mit Netanjahu in Budapest einig. Bei den polnischen Rechtskonservativen von der PiS ist das anders, die von dieser Partei hauptsächlich gestellte Regierung hat zum Ärger Israels ein Gesetz erlassen, das es verbietet, Polen mit dem Massenmord an Juden im 2. WK in Verbindung zu bringen. Manche “Westisten”, die über Putin die Nase rümpfen (und sich klamm-heimlich über Wilders freuen), sind bei Orban in einem Dilemma… Kommt es darauf an, wer die Feindbilder sind? Wie nahe FIDESZ und Jobbik zu einander sind, ist umstritten. Jedenfalls, vor Jobbik alarmieren jüdische Organisationen wie WJC. Im “Kurier” war vor einer Wahl in Ungarn ein Artikel über Ängste” von Juden in Ungarn – Und jene in den Niederlanden, gegen die Wilders hetzt? Und Palästinenser vor Likud, HaBeit HaYahudi,…? In der AfD gibt es übrigens auch einen pro-israelischen Flügel. Und Berlusconi hat sogar einen Preis von der Anti-Defamation League (ADL) bekommen; von jener Organisation, die auch Trainings von US-Polizeibehörden mit israelischen sponsert.231

Es scheint so, dass Deutschen/Österreichern eine Pro-Israel-Haltung als Holocaust-Wiedergutmachung angerechnet wird, egal wie rassistisch man gegen Andere ist. Und in diesen Ländern hat Israel oft die Funktion eines Nationalismus-Surrogats. Ex-Politiker Hubert Kleinert, der ein reaktionärer Scharfmacher geworden ist, sagte, die Grünen hätten sich anfangs „einseitig auf die Seite der arabischen Massen“ geschlagen, was ihnen in jenen Jahren in Israel „nicht ganz zu Unrecht den Ruf der Kinder Hitlers eingebracht hat. Publizisten/ Propagandisten232 geiselten im Kalten Krieg ggü Deutschen kommunistische und anarchistische Neu-Linke, doch ging NS-Aufarbeitung hauptsächlich von denen aus, und die Alternative waren hauptsächlich jene Ex-Nazis, die sich hin zu “pro-westlich” gewandelt hatten. Auch Amos Oz phantasiert immer wieder eine mächtige und blinde westeuropäische Linke im Bündnis mit einer ebensolchen “Dritten Welt” herbei, zB in “Hier und da im Lande Israel”.

Ja, der Zionismus (auch der “linke”) war immer mit der westlichen Rechten verbunden, in Deutschland mit Strauss (v.a. als er Verteidigungsminister war) oder Springer.233 Und Südafrika war nicht das einzige Land, in dem ein Teil der Bevölkerung die Auswirkungen des Bündnisses von Machthabern mit Israel zu spüren bekam. Und Kommentare über Mehrheitsverhältnisse in den UN (und in Bezug zu IL) lassen oft viel Verachtung für “farbige” Menschen/Staaten durchschimmern. Die dem vorgegebenen Universalismus-Anspruch entgegen steht. Ein “Anti”deutschen-Video auf Youtube preist den Mord an “Che” Guevara in Bolivien – dessen damaliges Regime auch Nazis Zuflucht gewährte und mitarbeiten liess.

Die ewigen Widersprüche des Zionismus zeigen sich in den Rechtfertigungen zur Zusammenarbeit mit Apartheid-Südafrika von Eitan und Peres (s.o.). Auch im entweder dazu Stehen dass der Zionismus brutal und rassistisch ist oder aber dies empört in Abrede stellen. “Wir hassen sie” oder “Sie hassen die Juden”. Die IKG Wien hat kürzlich die Proklamation Israels vor 70 Jahren im Rathaus der Stadt gefeiert. „Israel ist ein Licht unter den Nationen“, sagte IKG-Präsident Deutsch und behauptete, dass der jüdische Staat die einzige stabile und pluralistische Demokratie des “Nahen Ostens” sei. In Israel hätten alle Minderheiten dieselben Rechte wie Juden, selbst Muslime hätten dort mehr Rechte als in islamisch geprägten Ländern. Das stimmt natürlich nicht, nicht für die Palästinenser in den Grenzen Israels 1948-1967, und noch weniger für jene, die 1967 unter israelische Herrschaft kamen… Aber es ist eindeutig ein Chauvinismus der einen Sorte; und einer der Marke “Den Palästinensern geht es eigentlich eh gut genug”; IL sei eigentlich ein Segen für die Region, und die Menschen in der Region werden über die Religion definiert.234

Jacques Kupfer, Vorsitzender des französischen Likud und des World Likud, bezeichnete die Palästinenser als “Horde von Barbaren” und “arabische Squatter in Eretz Israel”. “Man kann nicht mit ihnen zusammenleben, falls sie überhaupt das Recht auf Leben haben”, sagte er ebenso offen wie er eine Ausweisung fordert: “Wir dürfen die Gelegenheit nicht wieder so ungenutzt verstreichen lassen, wie wir es 1948 und 1967 getan haben.”235 Das ist der andere Chauvinismus, nicht dieses Wir-sind-heiliger-als-die-Jungfrau-Maria.236 Rassismus von israelischer oder pro-israelischer Seite wird fast immer ausgeblendet. Zum Beispiel der im israelischen Fussball, gegen Palästinenser und Andere; da gibt es eine Kultur des Schweigens. Und andere Standards als für Antisemitismus irgendwo in Europa.

Islamismus wird gerne vorgeschoben, um Verachtung und Unterdrückung zu rechtfertigen. Aber manchmal wird darauf verzichtet. Ein Benutzer-Kommentar auf Youtube (“John Sparks”): “I hear people griping about Israel getting arms from the USA, so I decided to do something about it as an American. I bought a IWI Jericho 941 from Israel. Fantastic gun and great for shooting Palestinians as is my 9mm Glock. No two pistols have killed more Palestinians than the ones I own and I am proud. I challenge any gun enthusiast to match them. I am not a Jew but you are damned right I am a Zionist! Long live Israel!” Ein “Popeye” schrieb dort: “Sounds all good to me, killing Fakestinian children is only a bit fun.” Der andere Chauvinismus: “Seanán Sèitheach”: “Misinformation repeated over and over by the enemies of Israel doesn’t make it true…”. Die beiden chauvinismen kommen auch oft in EINEM vor: “yes, iran hates to see civilians killed, that is why iran kills its own civilians regularly. muslim pig.“

Siedler-Graffito “Westbank”

Diese 2 Chauvinismen korrelieren mit der Haltung, wonach Israelis “Kolonialisten” sind, oder doch “Eingeborene” (in der Region verwurzelt). Einerseits keine Orientale sein wollen (sondern etwas besseres), andererseits darüber klagen, in der Region abgelehnt zu werden. 2006 hat die israelische Botschafterin in Australien, Naftali Tamir, gesagt dass Israel und Australien wie Geschwister seien, beide lägen in Asien und ihre Einwohner hätten nicht die asiatischen Charakteristiken von “gelber Haut und Schlitzaugen”, sondern gehörten der weissen Rasse an. Sie wurde darauf hin anderswo hin versetzt.237 Ein Kommentar aus dem Forum von derstandard.at, von dem pro-israelischen User “mucosaproleps”: “Israel ist eine europäische Kolonie; sie ist überwiegend im Besitz von weißen Europäern, die aufgrund ihrer Religion vertrieben wurden, genau wie die USA früher; Israel wird regiert von überwiegend weißen Europäern; Israel ist eine Demokratie nach europäischem Vorbild. Wie jemand dann ncoh auf die Idee kommen kann, diejenigen zu wählen, die immer noch die NS-Diktatur (die Israels Gründung mit verursacht hat) bewundern und schwachsinniges Rassedenken pflegen, kann ich in keiner Weise nachvollziehen.”238

Auf der einen Seite das “Wir sind das technologisch fortgeschrittenste Land der Religion und werden mit ihnen allen locker fertig…”239, auf der anderen Seite “Wir sind klein und arglos und unser Herz ist rein und wir würden gerne mit ihnen in Frieden leben..”. Wenn Gefen (oder Lapid oder Eldad Beck) vor “iranischen Zuständen” in Israel warnt, meint er übrigens Leute wie Yishai; der ist aber auf eine andere Art anti-iranisch bzw gegen die Region. Die Siedler und andere rechtsextreme Israelis verbrennen nicht nur gern die palästinensische Flagge, sie sitzen auch in Schulen nach Geschlechtern getrennt, bewerfen auch ihre Soldaten gelegentlich mit Steinen. Die “linken”, “liberalen” Zionisten können am Strand von Tel Aviv den Militärhubschraubern zusehen, wenn sie zum Einsatz in Gaza fliegen.

Die zionistische Dichotomie zeigt sich auch in den Haltungen von Chaim Noll und Dieter Graumann zum Buch von Thilo Sarrazin mit den Vererbungs-Thesen. Hier fielen die Positionen grossteils mit “Israel” und “Diaspora” zusammen. In der Diaspora ist es ein Tabu über jüdische Gene (und Juden als Ethnie) zu reden, in Israel dreht sich alles um die die Juden als Ethnie (unabhängig von der Religiosität der Einzelnen)240, die Abgrenzung zu Nicht-Juden, ihre (vermeintlichen) Wurzeln in diesem Land,… “Während Israel im Inneren seit Beginn seiner Existenz immer das Bild des neuen Juden propagiert hat, des wehrhaften Juden, des ‘Muskeljuden’, wie Max Nordau ihn nannte, der mit Abscheu auf die europäischen Juden blickt, die zum Opfer geworden sind, wird nach außen das Bild des ‘Ewigen Juden’, des ewigen Opfers beschworen, der in der Welt nur mit Antisemitismus zu kämpfen hat. Und dieses Bild beansprucht Israel für sich als Staat. Israel hat also ein Problem mit seiner Identität.” (“encolere” via mondoprinte) Die Vermengung von „israelitisch“ (jüdisch) und „israelisch“ wird von jüdischen Organisationen, Gemeinden und Lobby-Initiativen vollzogen…nicht von “Antisemiten”.

Die grundsätzliche Doppelnatur des Zionismus zeigt sich auch zB im Artikel über  “Grossisrael” auf de.wikipedia. Einerseits will man (die üblichen deutschen Israel-Apologeten) das “Recht” eines jüdischen Staats auf alle Gebiete, die er jetzt kontrolliert, und einige mehr, hineinschrieben (“Unteilbarkeit von Eretz Israel”); andererseits sind es ja nur “islamische Verschwörungstheorien”, in denen Juden diese Länder beanspruchen… Gewundene Bemühungen zur Quadratur des Kreises sind da zu beobachten; jedenfalls sollen die Orientalen als “hysterisch” und ihre Befindlichkeiten als “ungerechtfertigt” dargestellt werden. Ja, es wäre die ideale Grenzziehung, aber es will doch niemand unter den Zionisten wirklich. Immerhin wird der zionistische Umgang mit dem Existenzrecht Jordaniens (nicht aber Palästinas) thematisiert (angebliche Anerkennung durch Friedensvertrag).

Die geschilderten Widersprüche gibt es auch bei den Israel-Fans bzw werden von ihnen wiedergespiegelt. Bei den Rechts-(Philo)-Zionisten werden neben der israelischen Fahne die des Regenbogens241 geschwungen, bei den Links-Zionisten die deutsche (oder amerikanische,…). Für Rechte in vielen Ländern ist Israel (mit seinem ausgrenzenden, kompromisslosen Nationalismus) ein grosses Vorbild, wichtiger Bezugspunkt, ob in der Ukraine, Deutschland oder bei Afrikaanern in Südafrika. Hier werden normalerweise nur Israelis geschätzt, keine Diaspora-Juden, keine religiösen, linken,… Eigentlich wird Israel hier richtig gesehen, und auf der “linken” Seite wird ein geschöntes Israelbild gemalt. Ethnisch-kultureller Pluralismus – auch bekannt als Multikulti – ist das genaue Gegenteil der Staatsdoktrin/der Realität des jüdischen Staates Israel. Und, Israel als antifaschistische Institution und Antithese auf den NS ist so, wie sich „Doris Day“ i-wann als keusche Jungfrau neu “erfand”. Daher ist zur hier gerne zur Schau gestellten Pseudo-Widerstandskämpferattitüde zu sagen “Wehret der Lächerlichkeit”.

Oder “der Heuchelei“, bei dieser Mischung aus progressiven “inneren” Positionen und dem West-Imperialismus und Paternalismus bezüglich Weltregionen, die als “rückständig” eingestuft werden. Interessant wird’s, wenn man zB einen “Schwulenrechtler” wie Marco Schreuder und einen von der anderen Seite, wie Nicolaus Fest, gegenüber stellt.242 Fest macht (auch) den Islam zum NS, um aus seinem Rassismus etwas „antifaschistisches“ machen zu können. In einem Video-Kommentar wütete der AfD-Politiker gegen die Ehe für Alle. Homosexuelle könnten keine echte Familie gründen. Und: “Vor allem jedoch für eine Gruppe ist die Ehe für alle super: für Päderasten. Sie können sich zu Paaren zusammentun und Knaben adoptieren.“ Die Ehe für alle würde so auch bedeuten “Päderastie für alle“.243 Es wird über “Homosexuellenrechte” und “Antisemitismus” geredet, “Feminismus” vorgeschoben und “Terror”, und um die Ecke wartet dann ein Dan Roodt, der auch mal über blonde Afrikaaner-Kinder schreibt, welche das “arische” Ideal verkörpern würden. Oder Herr Fest von der AfD, die Neonazis den Weg in die Mitte der Gesellschaft ebnet.244 Linke “Solidarität mit Israel”, aber die kommt auch von Strache oder aus Orania.

Die Einbindung von Israel/Juden in einen “Westen” (und der Ausschluss Anderer), der das Recht habe, über diese Anderen zu herrschen, erfolgt heute in der Regel nicht über „gemeinsame Rasse“, sondern über „gemeinsame Kultur/Werte“. Die Einen wollen das Westliche auf das Fortschrittliche (Toleranz für Homosexuelle,…) reduzieren (womit man auch insinuiert, dass man selbst niemanden aus rassischen Gründen ablehnt), die Anderen definieren “das Fortschrittliche” (wie Toleranz für Homosexuelle) als unwestlich245. Die 2 Varianten von West-Chauvinismus. Küntzel hat in seiner Interpretation des Breivik-Massakers der rechten Islamophobie quasi unterstellt, mit Moslems/Islamisten unter einer Decke zu stecken; für Breivik oder Glick gilt das für die “linke” Islamophobie – wobei es viele “Brücken” gibt, zB Broder, auf den sich beide “Lager” beziehen. Linkschauvinisten wettern gegen „homophobe Rapper“ (und HipHopper), haben kein Problem mit der jahrhundertelangen Diskriminierung von Schwarzen in der USA .

Nach dem “Echo”-Preis 18 an Farid Bang & Kollegah kam ein Entrüstungssturm, von Helene Fischer bis zu den Geissens, über “Homophobie”, “Frauenverachtung”, “Antisemitismus”. Carmen Geiss („Die Geissens“) hat Farid „Bang“ El Abdellaoui auf Facebook unter anderem als “eine arme Seele und wirklich eine kranke Person” bezeichnet. Ihr Mann Robert regte sich unterdessen bei Instagram über die Rapper auf und wetterte gegen Ausländer. “Die ganzen Ausländer die uns so beschimpfen in Deutschland alle ihre Gelder beziehen,warum seid ihr denn noch dort??”. Das ist es, was zum Vorschein kommt, unter der politisch korrekten Maske, oft entpuppt sich die propagierte “Fortschrittlichkeit” als der reaktionäre Mist, der sie ist. Beim diesem Skandalisieren, Anprangern, kommt mehr oder weniger unterschwellig eine gewisse Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit mit, ein „Wir sind besser“. Die “Universalität der Aufklärung” machte oft vor Nicht-Europäern Halt; nicht nur weil der Philosoph Hegel in “Philosophie der Weltgeschichte” 1830 schrieb, Afrika sei ein Kontinent ohne Geschichte. Der säkulare Charakter Deutschlands verhinderte nicht den NS. Und die Vorfahren von Richard Dawkins, dem atheistischen Aktivisten, haben ihr Vermögen durch den Einsatz von Sklavenarbeit gemacht.

Der israelische Transportminister Israel Katz (Likud) hat 2009 angeordnet, auf Strassenschildern neben den hebräischen Städtenamen nur noch ihre direkte Transkription/Transliteration in Englisch und Arabisch zu verwenden, anstatt der Namen dieser Städte in diesen Sprachen. Also zB für Jerusalem nur “Jeruschalaim” in hebräischer, lateinischer, arabischer Schrift, statt wie bis dahin auch “Jerusalem” und “al Quds”.246 Und, ein Mitarbeiter der Kärntner Post hat vor ca. 15 Jahren eine Postkarte nicht zugestellt, weil als Zustelladresse die slowenische Bezeichnung von Klagenfurt, “Celovec”, angegeben war. Das war zur Zeit von Landeshauptmann Jörg Haider, der sprach dabei von “gelebtem Patriotismus”. Mehrheiten, Minderheiten, Machtverhältnisse, ausschliessender Nationalismus (bzw völkisches Denken) hier und dort.

Apropos: Haider hat sich einst nach einem Besuch in Namibia abfällig über das Land geäussert (“…ehemaliges Deutsch-Südwestafrika…dort bringen die Schwarzen auch nichts zustande…”). Wie bei Terdiman, Paintsil,… erwähnt, gibt es zionistische Bemühungen, Schwarze gg Moslems in Stellung zu bringen, sie nicht Opfer seines Chauvinismus werden zu lassen, sondern sie zum Instrument seines Chauvinismus zu machen. Grundsätzlich sieht man ja die umgebende Region (und die im Lande verbliebenen Palästinenser) genau so wie von Apartheid-Protagonisten (den damaligen Verbündeten) das schwarze Afrika und seine “Vertreter” im Land. Und die “3. Welt” auch nur annähernd gleichwertig mit dem “Westen” zu sehen, dagegen sträubt sich vieles.247 Man hat ja schon seine Probleme mit den maghrebinischen Juden (und diese mit Schwarzafrikanern), den “Falashas”, den Black Hebrews im Land oder den Afro-Amerikanern. Aber es gibt diese Bemühungen um Einflussnahme und “Partnersuche” in Afrika. Peres, der einen Riecher für “so etwas” hatte, hat sich gegen Ende seines Lebens in die Richtung gedreht. Verbunden damit ist auf zionistischer Seite meist, sich selbst als (in der Region) Eingeborene darzustellen.

Für ein geschöntes Westbild braucht man zwangsläufig Verbündete unter Afrikanern sowie ein Geschichtsbild (bzw eine Geschichtspolitik), in dem der jahrhundertelange weisse Umgang mit Afrika gedreht wird. Der moslemische Sklavenhandel in Afrika ist diesbezüglich seit Langem ein Entlastungsventil (dann wird sogar afrikanisches Leiden anerkannt). Die Fakten dazu sind die248: Es waren v.a. Suaheli-sprachige Schwarz-Afrikaner in/aus Ost-Afrika, islamisiert durch den Kontakt mit Arabern an der Küste einst, die meisten davon nicht mal partiell arabischer Herkunft, die diesen betrieben. Verkauft wurden die Betroffenen nach Nordost-Afrika (Ägypten) oder Südost-Afrika (Sansibar,…), wo sie blieben, oder auf die Arabische Halbinsel oder anderswo hin verkauft wurden. Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha, der zweite belgische König dieses Namens, jener also der den Congo (Kongo) unterwerfen liess, empörte sich über den “arabischen Sklavenhandel”, dem “das christliche Europa ein Ende bereiten müsse” – zum Auftakt seiner Inbesitznahme Kongos.

Einer, der ihm dabei half, Henry Stanley (John Rowlands), war auch einer, bei dem sich Befürwortung sklavenähnlicher “Haltung” der Kongolesen, Ausbeutungsabsichten, Missionseifer mit der Anprangerung der Sklaverei Anderer trafen. Oder Otto von Bismarck beim Aufstand gegen die Übernahme des Küstenstreifens von Tanganjika gegenüber Sansibar durch das Deutsche Reich (1888-1890).249 Ausbeutung und Unterwerfung wurde auch damals mit einem Fortschrittschauvinismus legitimiert, es gehe um “freien Handel”, “Mission des Christentums”,…, um das “Wohl” der Unterworfenen.

Was seit Herzl immer wieder wiederholt wird, ist dass sich der jüdische Staat von der ihn umgebenden Region abhebt (abheben soll). Dass er dort ein Vorposten des Westens darstellt/ darstellen soll. Dass die Menschen in der Region so zurückgeblieben seien. Man muss dazu sagen, dass Israel einen Ethnozentrismus “lebt”, der im Westen glücklicherweise schon lange der Vergangenheit angehört, und auch sonst jene Werte verletzt, die es vorgibt hochzuhalten. Dennoch wirft das “Doppelpass”-Spiel Israels mit dem Westen auch auf diesen kein gutes Licht. Und, die Entwicklung des Westens ist mitnichten die Erfolgsgeschichte, als die sie jetzt immer dargestellt wird. Wenn man Kolonialismus, Sklaverei, Faschismus, Kriege auslagert, vielleicht. Das 20. Jh hat Krieg und Zerstörung in einem noch nie da gewesenem Maß gebracht, hauptsächlich von der westlichen “Welt” ausgehend. Harry Belafonte, Teilnehmer des 2. Weltkriegs250:

“Es ging für uns Schwarze nicht nur um Hitler und Europa, sondern auch um die USA”.

Dort gab es auch nach diesem Krieg noch Rassendiskriminierung oder Lynchjustiz. Die USA beteuerten, (zB) in Vietnam einzugreifen, um „Demokratie dort zu schützen“, im eigenen Land aber mussten jene, die zur „falschen Rasse“ gehörten, damals um demokratische Grundrechte, Gleichberechtiung und Anerkennung kämpfen. Mohammed Ali, der sich weigerte, in Vietnam für das Militär der USA zu kämpfen: “Wenn ich jemanden bekämpfe, dann euch.”

Aber bei den Beziehungen zwischen Israel und dem Westen gehe es ja um “jüdisch-christliche” sowie “universale menschliche” Werte… “Der Westen” hat im “Nicht-Westen” jahrhundertelang alles andere getan als Menschenrechte und Gleichheit zu fördern und tut das auch gegenwärtig nicht! Menschenrechte einer Menschheit erster und einer Menschheit zweiter Klasse, wie es Israel gegenüber den Palästinensern praktiziert.251 Jacob Zuma hat 2006 zum „Spiegel“ bzgl. Zimbabwes Mugabe gesagt: „…In Angola, Kongo, Ruanda, und anderswo sind Millionen Schwarze gestorben,… in Zimbabwe sind unglücklicherweise einige wenige Weisse ums Leben gekommen, und schon steht der Westen Kopf.“ Dieser “Salon-Liberalismus”, Menschenrechtsverletzungen zu verteidigen oder zu ignorieren, solange sie ggü den “Richtigen” passieren. Wie bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)252, Jeffrey Toobin, Roger Köppel,… Bei Niall Ferguson, Andrew Roberts oder Rodney Stark kommt der Chauvinismus zumindest mit weniger Heuchelei daher, von ihnen kommen Bekenntnisse zur Privilegienabsicherung von “Menschengruppen” im globalen und regionalen Kontext.

Zuma253 2006 über Chinas Engagement in Afrika: „Afrika hat über Jahrhunderte unter Europa gelitten, der Kolonialismus hat unseren Kontinent ausgesaugt. Er wurde 1885 auf der Berliner Kongo-Konferenz aufgeteilt, während des Kalten Krieges hat der Westen dann übelste Diktaturen unterstützt. Wir mussten gegen die Europäer um unsere Unabhängigkeit kämpfen, und die Auflagen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds haben die Menschen in Afrika vielerorts noch ärmer gemacht als sie ohnehin schon waren. Nun kommt China – eine riesenhafte, wachsende Wirtschaftsmacht, die sich kaum jemals in Afrika eingemischt hat. Es gibt kein Land auf der Welt, das derzeit nicht mit China Geschäfte machen will, auch Deutschland gehört dazu. Und niemand interessiert sich ernsthaft für Menschenrechte. Aber wenn die Afrikaner mit China handeln wollen, werden sie kritisiert.“254 Die ORF-Journalistin Margit Maximilian ist nicht eine Reihe mit genannten Chauvinisten bzw Heuchlern zu stellen, aber sie hat bei einer Podiumsdiskussion zu Afrika vor einigen Jahren gesagt, Chinas Engagement in Afrika sei zweifelhaft, Europa bzw dem Westen gebühre hier aufgrund seiner Menschenrechtspolitik der Vorrang. Aus afrikanischer Sicht (und es geht hier um Afrika…) ist das höchst grotesk und absurd.

Donald Trump redet nicht von „gemeinsamen westlichen Werten“, er stellt US-amerikanische darüber. So verachtungsvoll er (der im Wahlkampf 2016 schon grosse Mühe hatte, sich vom Ku Klux Klan zu distanzieren) gegenüber Afro-Amerikanern und der nicht-westlichen Welt (zB Mexiko) ist, so sehr unterstützt er Israel. Seine Rassenhierarchie zeigte sich auch, als er die Aufnahme von Migranten aus Haiti und afrikanischen Staaten in Zweifel zog und diese als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet; stattdessen sollten mehr Einwanderer aus Ländern wie Norwegen in der USA aufgenommen werden.255 Als im Jänner 17, kurz vor Trumps Amtsübernahme, in Paris nach Ansätzen für neue Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis gesucht wurde256, konnte Netanyahu spotten, die Konferenz seien die „letzten Zuckungen der Welt von gestern“, „das Morgen“ sei nahe und werde „anders aussehen“, der Übergang von Obama zu Trump. Natürlich gibt es Entzücken über seine Verlegung der USA-Botschaft nach Jerusalem, die Aufkündigung des Iran-Atomabkommens, das Veto in den UN gegen eine Verurteilung der israelischen Massaker an der Grenze zum Gaza-Ghetto.257

Natürlich gibt es die Trumpisten international, auch wenn sie es schwieriger haben als bei Bush, gibt es jene, die sein verschissenes Hardliner-Gesülze anspricht. Sarrazin, Köppel, Le Pen,…oder Bolsonaro in Brasilien. Dass gegen ihn wegen sexueller Belästigung, Steuerhinterziehung, Korruption, der “Russland-Affäre” ermittelt wird (und Trump die ermittelnden Behörden verbal attackiert), stört diese nicht. Hauptsache, mit John Bolton ist ein wichtiger Bushist wieder am Ruder. Bezüglich der Bevölkerungen von „Drecksloch-Ländern“ wie Venezuela oder Syrien spielt Trump dann doch den “Menschenrechtler”. In Venezuela dachte er laut eine Intervention an (natürlich zum Wohle der Bevölkerung)258, nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff des Assad-Regime in der Stadt Duma (Region Ostghuta) sprach Trump von einem „abscheulichen Angriff auf Zivilisten“, wie bei früheren solchen mutmaßlichen Giftgasangriffen in Syrien gab es auch diesmal Jene im Westen, die Sorge um Syrer vorheuchelten und eine Intervention forderten. Die ja dann kam. Zur Freude (und Stärkung) von Israel und Saudi-Arabien.259

Guttenberg kritisierte, dass sich Deutschland an dem Militärschlag nicht beteiligte, “Wenn Menschen abgeschlachtet werden, muss man auch einmal eingreifen”, sagte der CSU-Politiker zur “Bild”. Die Bundesregierung mache es sich zu leicht, wenn sie sage, “die Drecksarbeit machen die anderen für uns”. Wie Bismarck bezüglich Ostafrika 1888. Die Achse zwischen Trump, Netanyahu und Mohammed bin Salman al Saud funktioniert jedenfalls. Saudi-Arabien unterstützt in Syrien hauptsächlich die Nusra-Milizen, richtet viel Leid in Jemen an; und sein regierender Kronprinz teilt die israelischen Unterstellungen, wonach das iranische Regime irrational agiere, es plane eine Übernahme Mekkas… Auch gegen Obama treffen sich Zionisten und Saudis; diesem hat auch hier sein Appeasement nichts genützt. Bei der Anfachung einer Belutschen-Sezession im Iran arbeiten die Drei auch zusammen.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hat zuletzt (im Westen) für “die Öffnung” seines Landes viel Lob erhalten. Kinos waren in Saudi-Arabien Anfang der 1980er verboten worden, 2018 ist wieder ein öffentliches entstanden… Im Iran hat es auch unter dem (schiitisch-)islamistischen Regime seit 1979 immer Kinos gegeben, nebenbei auch immer Filmemacher, die etwas produziert haben und sich gegen die Zensur zur Wehr gesetzt haben. Die Frauen-Aktivistin Ludschain al-Hathlu wurde kürzlich in Saudi-Arabien verhaftet, unter dem “Reformer” Mohammed, weil sie sich für das Recht von Frauen auf Autofahren starkmachte – auch etwas, das im Iran selbstverständlich ist (wie auch Wählen – da gelten für sie die selben Einschränkungen für Männer). In einem Monat will Saudi-Arabien nun als letztes Land der Welt Frauen das Autofahren erlauben, heisst es. Das ist eben die höchst selektive „Menschenrechts“-Politik des Westens, der immer wieder undemokratische und autoritär-reaktionär Herrscher und Systeme unterstützt, bei Menschenrechtsverletzungen mit zweierlei Maß misst.

Linke wie rechte Islamophobe geben vor, dass ihnen so viel an Frauen in/aus der moslemischen Welt liege, sie können aber nur solche nach Art von Ayaan Hirsi-Ali oder Saba Farzan akzeptieren; bei Enissa Amani oder Schirin Ebadi wenden sie sich angewidert und pikiert ab.260 Entsprechendes gilt für Rassisten anderer Art, die „ihre“ Afrikaner/Schwarzen haben; wenn diese unterwürfig sind, haben sie auch nichts gegen diese (so wie andere gegen Iraner). So wie Fritz Sitte dem Chef der angolanischen UNITA, Jonas Savimbi, hofierte, der den Bürgerkrieg in Angola mit westlicher Unterstützung “anfachte”, sonst aber ein von rassistischen und kolonialistischen Vorurteilen geprägtes Bild von Afrika hatte bzw verbreitete. Jene, die sich gewisser exil-iranischer “Figuren” bedienen (nicht nur gegen die Diktatur, sondern gegen den Iran an sich), sind „Freunde“ des Iran wie die weisssen Söldner in Katanga Freunde des Kongo oder Afrikas waren. Ja, und mit Ahmed Mansour oder Mossab H. Yousef gibt es auch Palästinenser, die sogar ein Flo Niederndorfer schätzen kann.

Scharfe Kritik an der Haltung der österreichischen Parlamentsparteien, die – mit Ausnahme der ÖVP – 2011 den palästinensischen Anspruch auf Anerkennung als Staat und UN-Mitgliedschaft befürwortet haben, kam damals von IKG-Präsident Muzicant. SPÖ, Grüne, BZÖ und FPÖ wüssten wohl nicht, “wofür sie da eintreten”, nämlich für einen “judenreinen islamischen Apartheidstaat” Palästina, hiess es in einer Presseaussendung (bzw einem Propaganda-Sermon); dort zählte er alles auf, was Israel in Wirklichkeit macht, von der Regelung der Einwanderung und Wohnsitznahme aufgrund ethnisch-religiöser Kriterien bis zur Rechtsprechung auf diesem Fundament. Das Umdrehen der Apartheid-Analogie gehört mittlerweile zum zionistischen Standard-Repertoire. “Judenreines Palästina”… Nicht ethnisch exklusive Siedlungen, die durch Enteignungen und Vertreibungen zu Stande kommen, sind das Problem, nicht Yishais “Land des weissen Manns“, dass in dem Land laut Umfragen 75% der Juden nicht “Araber” als Nachbarn haben wollen, nicht die261 Apartheid-Mauer, sondern dass es noch ein paar Flecken gibt, die noch nicht voll in das Besatzungsregime eingebunden sind.

Unter Youtube-Videos kann man Kommentare wie „how many jews live in gaza?“ lesen… Es war im Zionismus fast nie ein Thema, gleichberechtigt mit Palästinensern zusammen zu leben, und auch im Gebiet um die Stadt Gaza (das 1948/49 nicht an Israel fiel) war das so, dorthin kamen Israelis als Soldaten und Siedler, schikanierten die Palästinenser jahrzehntelang. Ehe sie das Gebiet aufgaben, ohne die Kontrolle darüber abzugeben. Und Juden wird nicht zugemutet, unter den Bedingungen zu leben, wie das die Palästinenser im Gaza-Streifen tun (müssen). Das was “Israel” darstellt, erstreckt sich, wie gesagt, de facto über das ganze historische Palästina, über Ramla wie auch Ramallah. KKK-Leute in der USA werfen Afro-Amerikanern (u.a.) vor, diese würden Andere ausschliessen, weil sie eigene Kirchen haben; auch hier diese Verdrehung, man liess sie nicht in “weisse” Kirchen, sie mussten eigene “machen”. Bei Netanyahu wird aus dem Siedler etwas in Schranken weisen zu “Juden entwurzeln”. Auch Kritik an der Siedlungspolitik kann mit solchen Umdrehungen delegitimiert werden. Israelis (zumindest jüdische) sind in den von Israel besetzten und besiedelten Gebieten überall Bürger 1. Klasse. Zur Frage der Anerkennung Rest-Palästinas durch Israel hat ein(e) Wikipedia-User(in) eine Übersicht der Haltung der verschiedenen Parteien dazu gemacht.

Zur Hasbara-Ausrüstung in Zusammenhang mit dem Apartheid-Vorwurf gehören auch: “einzige Demokratie”; die „israelischen Araber“ (die so viel dürften); die äthiopischen Juden (> Vielfalt); friedliebende Zionisten unschuldige Opfer von palästinensischem Antisemitismus, Islamismus, Terror, Rückständigkeit; Anführung des Holocausts und westlicher Judenfeindlichkeit (um Kritik an Israel abzuwehren)262; Relativierung des Leids der Palästinenser durch Einbettung Israel/Palästina in die geografischen/demografischen Grössenverhältnisse der “Region” (alle Araber, alle islamischen Staaten, auch noch die Schwarzafrikaner dazu,..) oder Vergleich mit anderen “Krisenherden”.

Es herrscht helle Aufregung in Deutschland, weil Kuwait Airways einen Israeli nicht mitnehmen wollte; dass Palästinensern jeden Tag tausendfach entsprechendes durch Israel widerfährt, wird als selbstverständlich hingenommen. Leute, die gewisse Verkehrswege nicht benutzen dürfen, sich am Weg zur Arbeit oder nach Hause langen Prozeduren an „Checkpoints“ unterziehen müssen, Gegenden nicht betreten dürfen, gelegentlich von der Mitfahrt in Bussen ausgeschlossen werden, deren Reisefreiheit arg beschränkt ist, und so weiter.263 Und wenn ein Kuwaiti mit El Al fliegen wollte oder nach Israel einreisen, müsste er sich stundenlangen erniedrigenden Prozeduren unterziehen, und am Ende würde ihm Mitflug bzw Einreise möglicherweise doch verwehrt bleiben… Wehret ungleichen Standards.

Links & Literatur

Ilan Pappé und Ronnie Kasrils: Israel and South Africa: The Many Faces of Apartheid (2015)

Jimmy Carter: Palestine. Peace not Apartheid (2007)

Benjamin M. Joseph: Besieged Bedfellows: Israel and the Land of Apartheid (1987)

Brian Bunting: The Rise of the South African Reich (1964)

Sasha Polakow-Suransky: The Unspoken Alliance. Israel’s Secret Relationship with Apartheid South Africa (2010)

Sean Jacobs, Jon Soske (Hg.): Apartheid Israel: The Politics of an Analogy (2015)

Ben White: Israeli Apartheid. A Beginner’s Guide (2014)

Ran Greenstein: Genealogies of Conflict: Class, Identity, and State in Palestine/Israel and South Africa (1995)

Angela Davis: Freedom is a Constant Struggle: Ferguson, Palestine, and the Foundations of a Movement (2015)

Benjamin Beit-Hallahmi, Schmutzige Allianzen. Die geheimen Geschäfte Israels. (1988)

Petra Wild: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat (2013)

James Adams: The Unnatural Alliance (1984)

Adrian Guelke: Rethinking the Rise and Fall of Apartheid: South Africa and World Politics (2004)

Andrew James Clarno: The Empire’s New Walls: Sovereignty, Neo-liberalism, and the Production of Space in Post-apartheid South Africa and Post-Oslo Palestine/ Israel (2011)

Judith Butler: Am Scheideweg: Judentum und die Kritik am Zionismus (2013)

Hennie van Vuuren: Apartheid, guns and money: A tale of profit (2017)

Ali Mazrui: The Africans (1986)

Firoz Osman and Suraya Dadoo: Why Israel?: The Anatomy of Zionist Apartheid – A South African Perspective (2015)

Ronald S. Roberts: No Cold Kitchen. A Biography about Nadine Gordimer (2016)

Keith P. Feldman: A Shadow over Palestine. The Imperial Life of Race in America (2017)

John Bunzl: Die Vereinigten Staaten, Israel und Südafrika: Eine Untersuchung ihrer Beziehungen (1981)

Alex Lubin: Geographies of Liberation: The Making of an Afro-Arab Political Imaginary (2014; The John Hope Franklin Series in African American History and Culture)

Robert Windrem, William E. Burrows: Critical Mass. The dangerous Race for Superweapons in a fragmentic world (1994)

Christoph Marx: Im Zeichen des Ochsenwagens: Der radikale Afrikaaner-Nationalismus in Südafrika und die Geschichte der Ossewabrandwag (1998)

Peter Hounam und Steve McQuillan: The Mini-Nuke Conspiracy. Mandela’s Nuclear Nightmare (1995)

Gerhard Weinberg: The Foreign Policy of Hitler’s Germany (1994). Auch über die Kontakte zwischen radikalen Afrikaanern und Nazi-Deutschland, und die Karrieren dieser Afrikaaner im Apartheid-Südafrika

Avraham Burg: Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss (2009)

Naomi Klein: Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus (2009; Original 2008)

Brian Lapping: Apartheid: A History (1986)

Sam C. Nolutshungu: South Africa in Africa: A Study in Ideology and Foreign Policy (1975)

Nancy Mitchell: Jimmy Carter in Africa: Race and the Cold War (2018)

Joel B. Pollak: The Kasrils Affair. Jews and Minority Politics in Post-apartheid South Africa (2009)

Desmond Stewart: The Palestinians: Victims of Expediency (1982)

Norman G. Finkelstein: Knowing Too Much: Why the American Jewish Romance with Israel is Coming to an End (2012)

Magdel Le Roux: The Lemba – A Lost Tribe of Israel in Southern Africa? (2003)

Ahmad Farag Thiab: Zionism and Apartheid: a comparative study of the
ideologies of Israel and South Africa (1990; Dissertation an der Clark University Atlanta in Politologie)

Chris McGreal: Brothers in arms – Israel’s secret pact with Pretoria. In “The Guardian” 7. 2. 2006

Daniel Lieberfeld: Post-Handshake Politics: Israel/Palestine and South Africa Compared

Chris McGreal: „Israel and apartheid: a marriage of convenience and military might“. In „The Guardian“ 23. 5. 2010

Azim Husain: “The West, South Africa and Israel: A Strategic Triangle”. In “Third World Quarterly” Jänner 1982

Yarden Skop: “Knast oder Ausreise”. In “Die Zeit” 18. 2. 2016

Lindie Koorts: If neither capitalism nor communism, then what? DF Malan and the National Party’s economic rhetoric, 1895–1954. In “Economic History of Developing Regions” Ausgabe 2/2014

Black-Palestine Solidarity: Towards an Intersectionality of Struggles

When Israel invited a South African Nazi on a State Visit

http://mondoweiss.net/2013/06/israeli-apartheid-unstuck/

https://www.nbcnews.com/news/world/israeli-leader-who-mourned-mandelas-death-helped-white-regime-get-flna2D11712294

“Separate and unequal”

https:// wolfwetzel.wordpress.com/2017/06/07/50-jahre-israelische-besatzung-in-palaestina-was-ist-daran-kritik-und-was-antisemitismus/

Über den angeblichen King-Ausspruch zu Anti-Zionismus

Liste von Überfällen des Apartheid-Militärs auf die Nachbarstaaten Südafrikas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. 1997; Es steht auch eine Statue von ihm in Ramallah
  2. Danon schaukelte in der USA auch Eier mit einem dortigen Rechtsaussen, Glenn Beck, “Israel besetzt nichts”, waren sich die Beiden einig
  3. Wie Smuts und auch Malan ein Bure/Afrikaaner
  4. Beziehungsweise, starke personelle Überschneidungen
  5. Wenige Schwarze, Asiaten und Mischlinge, die verschiedene Kriterien erfüllten, durften einige weisse Abgeordnete wählen
  6. So wie die zionistischen Wahlen 1944 oder 1949
  7. Bunting schrieb, Südafrika war das einzige Land, das so etwas gestattete
  8. Afrikaans “Der Kaffer auf seinen Platz”
  9. Um durch die Bank als Weisse eingeteilt zu werden, was auf Grundlage des Bevölkerungsregistrierungsgesetzes (Population Registration Act/ Wet op Bevolkingsregistrasie) von 1950 mit allen Südafrikanern geschah
  10. Wie (auch) heute von vielen Deutschen, u.a. für sein Militär, eine Bewunderung die manchmal zu legitimieren versucht wird, indem man die Opfer delegitimiert – und in Zeiten des Islamismus ist das leicht
  11. Noch zu VOC-Zeiten, daher auch viele portugiesische Namen unter ihnen
  12. Auch in der USA gab es im frühen 20. Jh eine Einwanderungspolitik die zwischen Weissen bzw Europäern hierarchisch unterschied
  13. Damals wurde sein Name in das Goldene Buch der World Zionist Organization geschrieben
  14. Zur Zeit der Nazi-Herrschaft über Deutschland und weitere Teile Europas standen in Südafrika diverse burische Organisationen noch weiter rechts als Malans HNP bzw noch näher bei Hitler. Etwa die Nuwe Orde von Oswald Pirow, einem deutschstämmigen Weissen, der als NP- und SAP-Politiker Justizminister (29-33) und Verteidigungsminister (33-39) war, zweiteres auch nach seinem Wechsel zur HNP blieb. Die Nuwe Orde war zunächst eine Fraktion innerhalb der HNP, spaltete sich 1942 ab, nachdem sich Malan von Hitler distanzierte. Pirow traf sein Idol Hitler in Europa, wälzte nach dem Krieg mit Rechtsextremisten wie Oswald Mosley Pläne für eine Aufteilung Afrikas und erfand sich als “Anti-Kommunist” neu
  15. Er wurde später Finanzminister, dann nach Verwoerds Ermordung amtierender Premier, wurde ’67 zum Staatspräsidenten gewählt, starb vor der Amtsübernahme 68
  16. Nach der Wahl 1961 zog die PP mit einer Abgeordneten, Suzman, ins Unterhaus des Parlaments ein. Suzman blieb bis 1974 einzige Abgeordnete der PP, wurde aber nie deren Chefin. Die PP landete bis 1977 immer hinter NP und UP, in den späteren Jahren auch hinter der neuen HNP, die noch rechts von der NP stand
  17. Das Regime Südafrikas war so ein rechtes Regime, gehört auch irgendwie zum Westen
  18. “Peripherie-Strategie”
  19. Dessen Vater, eine Querverbindung, war übrigens 1941 von den Alliierten abgesetzt worden, ins britsche Mauritius gebracht worden, dann ins (ebenfalls noch ziemlich britische) Südafrika, dort, in Johannesburg, starb er 1944
  20. In Mikronesien hat es etwa seit Langem einen Fuss in der Türe
  21. Nur das (diktatorische) Portugal, das damals begann, sich “verzweifelt” als Kolonialmacht in Afrika zu behaupten und dabei enger Verbündeter Pretorias war, stimmte dagegen
  22. Die Etablierung einer ständigen diplomatischen Mission Südafrikas in Israel hatte indirekt mit dem Gegenwind zu tun, der dem Apartheid-Regime in den 1960ern entgegenblies: Da dies auch im Commonwealth der Fall war, trat Südafrika aus dem Staatenbund aus (was aber ohnehin ein lang gehegter Wunsch der Afrikaaner war), 1961, und wurde Republik. Nun wurde es auch in Israel nicht mehr von Grossbritannien vertreten, etablierte ein Generalkonsulat dort
  23. Der deutsche Legionär Rolf Steiner kämpfte damals auch auf der Seite Biafras; auch bei dessen anderen Kampfschauplätzen war er auf jener Seite, die Israel unterstützte: die französische Kolonialherrschaft über Algerien, Süd-Sudan im Ersten Sudanesischen Bürgerkrieg. In Algerien machten Weisse etwa 10% der Bevölkerung aus, in Südafrika damals fast 25%
  24. In der Föderation von Rhodesien und Njassaland, dem von 1953 bis 1963 existierenden (davor und danach waren Südrhodesien, Nordrhodesien und Njassaland einzelne britische Kolonien) von GB semi-unabhängigen Staat im südlichen Afrika, war der britisch geprägte Jude Roland “Roy” Welensky 56-63 Premier. Der Befürworter weisser Vorherrschaft nannte die UN, in der ein Block afro-asiatischer Staaten Entkolonialisierung forderte, “Nazis”. Welensky half auch bei der Destabilisierung Kongos nach dessen Unabhängigkeit, über dessen an Nordrhodesien grenzende Provinz Katanga
  25. www.theguardian.com/world/2006/feb/07/southafrica.israel
  26. Was Barnard betrifft, dieser soll kritisch ggü der Apartheid gewesen sein, heisst es; es sind aber nur Äusserungen von ihm zu finden, in denen er diese verteidigt (indirekt), schönredet, ihre Kritiker angreift, eine Opferrolle für Apartheid-Südafrika beansprucht
  27. Den “Bantustanismus” ggü den Palästinensern, den Rassismus in der Gesellschaft und von Politikern,…
  28. Frankreich war zur Zeit des Unabhängigkeitskampfes Algeriens enger Verbündeter Israels, das auch dort die Kolonialherrschaft unterstützend eingriff
  29. Dass das “relativ” ist, zeigt sich schon durch den Rassismus ggü Afrikanern und anderen “Dunklen” im heutigen Russland; oder durch die russisch-slawische Herrschaft in der SU über Kasachen, Georgier, Litauer,… Dennoch sollte man sich die damalige Haltung des Westens vor Augen halten, wenn es heute um Menschenrechts- und Imperialismus-Kritik an Russland geht
  30. You can’t separate peace from freedom because no one can be at peace unless he has his freedom (Malcolm X)
  31. De Klerk war der erste Regierungschef des Apartheid-Staates (die Staatspräsidenten waren ab 84 mit Exekutivgewalt ausgestattet), der nicht für Nazis aktiv gewesen war, als diese in Europa an der Macht waren. Und er hat das Ende der Apartheid eingeleitet
  32. Im US-Film „Lethal Weapon 2“, der 1989 herauskam, waren Buren die Schurken (südafrikanische Drogendealer in der USA die sich hinter diplomatischer Immunität verstecken) und einer der 2 (guten) Polizisten ein Schwarzer (nebenbei ein langjähriger politischer Aktivist, Danny Glover)
  33. Ernst Bergmann, treibende wissenschaftliche Kraft des israelischen Atomprogramms, pries bereits 1968 in einer Rede vor dem Südafrikanischen Institut für internationale Angelegenheiten die wissenschaftlichen Beziehungen der beiden Länder und sprach von „gemeinsamen Problemen“
  34. Nur 3 Anmerkungen dazu: “Professor Baker” ist dieser hier. Und jene, die hauptsächlich in den Bergwerken geschuftet haben, haben wohl zumindest einen Beitrag zu diesem Reichtum geleistet. Lapid hat in den 00ern dann auch von “westlicher Zivilisation” gefaselt
  35. Von welchen Teilen der Bevölkerung in diesen Ländern?
  36. Nach anderen Angaben war es jenes von 1978
  37. Auch hier gab es diese Korrelation zwischen der Haltung zur Apartheid und jener zu den Palästinensern bzw der israelischen Variante von Apartheid
  38. Etwas darüber: articles.latimes.com/1990-07-09/news/mn-192_1_anglo-american
  39. www.spiegel.de/spiegel/print/d-70701716.html
  40. Eigentlich aus der UP und einer NP-Abspaltung
  41. Genau genommen entstand sie aus aus der PRP und UP-Überläufer; die PRP war aus PP und RP hervorgegangen
  42. War für seine Heirat christlich geworden
  43. Auf Afrikaans Inligtingsdebakel
  44. Gegen Netanyahu wird in Israel ermittelt, nicht wegen Völkermords (in Gaza), sondern Korruption; da wird er einmal nicht die “Antisemitismus”-Keule herausholen bzw verwenden können
  45. Beziehungsweise davor in der Haganah, die eine der Terrororganisationen war, aus denen das israelische Militär hervorging
  46. Sich als Zivilisierte in einer Region von Wilden wieder mal behaupten zu müssen, gegen Gegner die nur die Sprache der Gewalt verstehen…
  47. www.dailymaverick.co.za/article/2014-01-21-ariel-sharon-apartheid-south-africa-and-mutual-military-interests/#.Vc4WVige5lk
  48. Es wurden auch Partnerschaften zwischen israelischen und südafrikanischen Städten geschlossen und vieles andere. Aber dieser Aspekt der Zusammenarbeit war ein wichtigerer
  49. Auch die schwarzen Radikalen von PAC und AZAPO waren damals gegen eine Demokratisierung. Der PAC („Kein Platz für Weisse in Südafrika“) war wegen seines Antikommunismus (der aus einem afrikanischen Nationalismus kam) einst auch als Alternative zum ANC angepriesen… Heute sagt die Partei, Südafrika gehöre allen jenen, deren Loyalität Afrika gehöre
  50. Die DDR machte eine andere Afrikapolitik als die BRD, aber das gehört anderswo hin. Hans-Georg Schleicher schrieb über die DDR-Afrikapolitik (in der auch die ehemaligen Schutzgebiete keine Rolle spielten): www.vip-ev.de/text558.htm
  51. Lieberfeldt: “…the ANC’s military options also diminished as South Africa forced neighboring states to withdraw aid and sanctuary. The agreement in late 1988 that led to Namibia’s independence required ANC forces to relocate from bases in Angola to Uganda and Tanzania, roughly as far from South Africa as PLO forces in Tunis were from Palestine.”
  52. Darunter die Aufgabe der Atomwaffen, hauptsächlich 90/91
  53. Das waren zB die Mujahedin in Afghanistan in den 1980ern
  54. Kapitalismus ist nicht mit Demokratie verbunden, und das Modell von  Marktwirtschaft und Demokratie nicht allen gestattet
  55. Dieser Völkermord war eigentlich mehr ein osmanischer als ein türkischer, aufgrund der entscheidenden Mitwirkung von Kurden und Tscherkessen
  56. Wer sich dafür interessiert: Auf www.haaretz.com/opinion/.premium-1.562792 gibt’s einen zahlungspflichtigen Artikel (“Premium content”) mit dem Titel “Why Israel Supported South Africa’s Apartheid Regime (‘..which was in this case not entirely our own fault’)”
  57. McGreal glaubte übrigens, sich für solche Artikel mit einem rehabilitieren zu müssen, in dem er “neuen Antisemitismus” durch Moslems an die Wand malte
  58. Mehr hat er zu Südafrikas Atomprogramm und Israels Unterstützung nicht zu sagen, er der bezüglich des iranischen Atomprogramms seit Jahren hetzt und zetert und droht und sagt was die Welt nicht alles zu machen habe
  59. Wobei schon diese Begeisterung und Bewunderung der damals in Südafrika regierenden rechten Afrikaanern eine Menge über Israel aussagt
  60. Möglicherweise auch in einem TV-Interview
  61. Ein Hauptbeteiligter an dem Informationsskandal
  62. In einem TV-Interview, ganz der wütende abblockende Peres
  63. Keine Verschwörungstheorie, siehe zB www.haaretz.com/1.4953633
  64. “Rivonia-Prozess” genannt, nach dem Johannesburger Vorort, in dem die Angeklagten ’63 festgenommen wurden, auf einer Farm, die dem erwähnten Arthur Goldreich gehörte
  65. Die wenigen kritischen Blätter waren englischsprachig und sie sollten eben durch die als “Informationsskandal” aufgeflogenen Bemühungen auch auf Linie gebracht werden
  66. Das passt hier auch dazu: In einem Prozess vor dem Landgericht Hamburg berief sich Veit Harlan darauf, dass die Nationalsozialisten seine Kunst missbraucht, ihn zur Regie von “Jud Süß” gezwungen hätten und dass eine Weigerung ihn in eine bedrohliche Lage gebracht hätte. Das Gericht folgte dieser Argumentation und sprach Harlan am 29. April 1950 frei
  67. Leopold II. behandelte den Kongo zB so, als wäre er ein unbewohntes Grundstück, über das der Eigentümer nach Belieben verfügen konnte
  68. Davon soll abgelenkt werden
  69. Als es Ende der 1950er in London zu “Rassenunruhen” kam, zwischen schwarzen Einwanderern aus der Karibik und rechten Briten, wollte er Kapital daraus schlagen, kehrte vorübergehend zurück
  70. So wie heute manchmal “Islamismus”
  71. Übrigens, Nelson Mandela hat die Invasion 1990 nach seiner Freilassung verurteilt, im Zusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait in diesem Jahr; diese irakische Invasion rief eine westliche Militäraktion hervor, aber die US-amerikanische Invasion in Panama Monate zuvor…? Die Panamaer und die Iraker seien eben für den Westen “Braunhäutige”
  72. Und während Kommunistinnen wie Anahita Ratebzhad in Afghanistan für Fortschritt in diesem Land kämpften, unterstützten Teile des Westens, darunter Israel, ihre islamistischen Widersacher
  73. Hinzu kommen die reformierten Farbigen und Schwarzen, sie hatten in der Apartheid-Zeit eigene Kirchen, die sich 1994 zur VGKSA/URCSA vereinigten (aber weiterhin abseits der weissen Reformierten stehen)
  74. Es ist nicht so klar zu trennen zwischen diesen afrikanischen Kirchen und verschiedenen Pfingstkirchen; ausserdem praktizieren manche Christen auch traditionelle afrikanische Kulte
  75. Nelson Mandela war zB Methodist; zum ehemaligen anglikanischen Bischof Desmond Tutu später noch etwas
  76. orf.at kürzlich: „Anlass für die Unruhen (an den Grenzen des Gaza-Streifens) ist der Jahrestag der Gründung Israels, die die Palästinenser nicht akzeptieren…” Auf die Idee, dass die Nakba/Azma’ut darin bestand, dass man die Palästinenser dort nicht akzeptierte, kommen Tiefenthaler, Zimmer, Wieselberg & Co nicht
  77. Und mit Abstrichen für andere israelische Staatsbürger; zur Hierarchie innerhalb der israelischen Gesellschaft unten
  78. In denen Juden wiederum Bürger erster Klasse sind
  79. Der Mediziner, dessen Eltern durch die Nakba Binneflüchtlinge wurden, wurde 1987 aus dem Hadassa-Krankenhaus in Jerusalem/Quds entlassen, nachdem er sich gegen den Angriff eines KH-Wachmanns (ein jüdischer Einwanderer aus der USA namens Rothstein) gewehrt hatte; der KH-Direktor der ihn entliess war anscheinend ein Einwanderer aus Frankreich
  80. > Unabhängigkeitskampf der USA von GB
  81. Zum Beispiel wurde das Geld im Jänner 2015 nach dem palästinensischen Antrag für einen Beitritt zum Internationalen Strafgerichtshof einbehalten
  82. Eine Erinnerung an Esther Schapira, die bei einer “Woche der Brüderlichkeit” die Palästinenser dafür attackierte, dass sie verantwortlich seien, wen sie wählten…ohne auf die Umstände einzugehen
  83. Autoritarismus gilt in der Politikwissenschaft als eine Form der Herrschaft, welche zwischen Demokratie und dem diktatorischen Totalitarismus liegt
  84. Apartheid kann vielleicht als eine Sonderform gesehen werden
  85. Die sehr gerne zur Abwehr der Rassismus-Feststellung eingesetzt werden, etwa von der IKG Wien kürzlich bei der Feier zum israelischen Nationalfeiertag, eine Sängerin mit äthiopischen Wurzeln (die die israelische Nationalhymne sang)
  86. Das zumindest ansatzweise ohnehin bestand
  87. Nicht wenige deutsche Israel-Fans sind von so einer ähnlichen Sichtweise nicht so weit weg. Übrigens gab es in der zionistischen Siedlergesellschaft in Palästina Bestrebungen, Deutsch zur Sprache der “Gemeinschaft” zu machen, um 1913 und 1933
  88. Nach Krieg und Besatzung von Rest-Palästina nahmen die Palästinenser in den “Gebieten” dann die Rolle der Mizrahis ein
  89. Sein Problem mit dem Buch war, dass es zu deutlich war
  90. Es betraf hauptsächlich Jemeniten, aber auch andere orientalische jüdische Gemeinschaften, und auch solche vom Balkan, Sepharden (die eigentlichen Sepharden, die Bezeichnung wurde auch für die Mizrahis verwendet)
  91. Siehe zB www.aljazeera.com/news/2016/08/shocking-story-israel-disappeared-babies-160803081117881.html
  92. Nicht umsonst hat Rachel Shabi ihr Buch über die Mizrahim “We Look Like the Enemy” genannt
  93. Wie es das zB beim Suez-Krieg 56 war
  94. Wie zB Donald Woods erfahren musste
  95. Anlässlich ihres Todes ’14 wurde geschrieben, dass ihre Apartheid-Kritik für viele apartheid-kritische südafrikanische Weisse zu scharf war, sie dafür eher im Ausland Anerkennung bekam; Ronald S. Roberts schrieb eine Biografie über sie, Titel “No Cold Kitchen”, Gordimer arbeitete zuerst mit ihm zusammen, wollte dann aber die Veröffentlichung des Buchs verhindern, wegen der darin geschilderten Haltung der südafrikanischen Jüdin zu Israel
  96. Und natürlich an die Zeit vor dem Exil vor 2000 Jahren
  97. Es gibt Siedlungen, die sich rühmen, “Araber” (also Palästinenser) nicht einmal für untergeordnete Arbeiten herein zu lassen. Ansatzweise gibt es so etwas auch im israelischen Kernland gegenüber “israelischen Arabern” (Geschäfte in denen sie nicht bedient werden, Busse in die sie nicht gelassen werden, Jobs die ihnen vorenthalten werden, Wohngebiete die für sie Tabu sind,…)
  98. Netanyahu und Bennett frohlockten nach Trumps Wahl 2016, dass damit eine Zwei-Staaten-Lösung bzw die Unabhängigkeit auch eines schwerst amputierten Palästinas vom Tisch sei. Eine Anerkennung der “Existenz Israels” wird immer verlangt, es gibt aber keine reziproke Anerkennung der Existenz der Palästinenser, weder als historische Einwohner des Landes, noch in den Ghettos die ihnen noch bleiben
  99. “Prophezeiungen” wie von Leon de Winter, „Wir erleben die letzte Phase der jüdischen Existenz in Europa“, kommentierte Ludwig Watzal: Wie erklärt dann de Winter die 30 000 Zuwanderer aus Israel nach Berlin?
  100. Auch hier lässt Apartheid-Südafrika grüssen
  101. Obwohl sie für die Schwarzen generell Verachtung hatten…
  102. Die als “Drusen” oder “Beduinen” gelten
  103. Als etwa 50 Siedler 2011 etwa den (israelischen…) Militärstützpunkt “Ephraim” im Westjordanland stürmten, dabei Fahrzeuge beschädigten, Reifen anzündeten und Nägel verstreuten, einen General attackierten der in einem Jeep saß, wurden zwei festgenommen. Von Verletzten war keine Rede. Auslöser war übrigens ein Gerücht, wonach die Armee in Kürze illegale Siedlungen räumen werde. Wenn sich Palästinenser dem Stützpunkt auch nur genähert hätten…
  104. Was auch nicht unter den Tisch fallen sollte: In diesem Fall kam es zu einem Prozess, weil die Tat gefilmt und ins IT gestellt wurde, es internationale Aufmerksamkeit gab
  105. Die Baptist War slave rebellion/ Christmas Rebellion
  106. Nicht das selbe wie für Touristen aus Deutschland oder Österreich, die für die Sünden ihrer Grosseltern Buße tun wollen und auch schwärmen können, dass sie dort lecker Schrimps gegessen haben, wie Marianne Kreutzer. Sie wird bei ihren Aufenthalten dort auch nicht mit Exkrementen beworfen, wie die Palästinenser am Markt in Hebron/Al Khalil öfters, wird nicht willkürlich verhaftet, ihre Bewegungsfreiheit ist nicht drastisch eingeschränkt,…
  107. Die Politikerin Miriam “Miri” Regev (Likud) sagte, Tamimi sei kein kleines Mädchen, sondern ein Terrorist und solle im Gefängnis sein, für ihren “Rassismus” (!) und ihre Subversion gegen den Staat Israel… Auf Wikipedia sind schon ganze Geschwader unterwegs, um die „Sache“ im zionistischen Sinn hin zu drehen
  108. Die Soziopathin, sie war beeindruckt vom Mädchenmörder Hickman, war nicht auf ganzer Linie zionistisch, weil ihr die Bewegung zu “sozialistisch” war und der Einfluss der Religion darin zu gross
  109. Die deutschen Israel-Fans sehen das ja auch so; zum zweiteren: für Solche waren ja auch die Spanier und Portugiesen im südlichen Amerika irgendwie Wilde…so wie die Wähler und Politiker der Schas-Partei für die Lapids
  110. Der israelische Rabbiner Yitzhak Yosef, Sohn des Ovadia Yosef (Oberrabbiner Israels und Mentor der Schas-Partei), ist in vielerlei Hinsicht in die Fussstapfen seines Vaters getreten. Schwarzafrikaner hat er im März 2018 in der Predigt in einer Synagoge in Jerusalem als “Affen” bezeichnet. Auch seine Aussagen über Nicht-Juden und Tötungen der “Feinde Israels” sind bemerkenswert. Bemerkenswert ist auch: Lapid und Yosef senior waren im zionistischen Spektrum gewissermaßen Gegenpole, ihre Söhne folgten ihnen politisch nach, jeder den Chauvinismus des Vaters übernehmend. Bezüglich Afrikanern (und ggü Palästinenser natürlich auch) sind sich die Lapids und Yosefs seltsam (?!) einig
  111. Bennett ist bekannt für die Aussage: „Ich habe in meinem Leben schon viele Araber getötet, das ist gar kein Problem.“ > Libanon 06
  112. Die Rede könnte von Netanyahu sein, wenn man “südliches Afrika” durch “Nahen Osten” ersetzt, etc
  113. 1983 stürzte eine israelische Beobachtungs-Drohne über Mocambique ab, siehe www.csmonitor.com/1983/0606/060633.html
  114. Um nur 3 Beispiele zu nennen für die diesbezügliche Rhetorik: Daniel Ayalon, wenn er davon redet, dass “unsere” (die israelische) Existenz bedroht werde und “der Rest der westlichen Zivilisation”. Oder Lieberman: “In Europa versteht man den Konflikt … völlig falsch. Es ist nur ein Teil einer weltweiten Konfrontation zwischen extremistischen, irrationalen Akteuren und der westlichen Gesellschaft. Es gibt einen Kampf der Kulturen…”. Yehuda Bauer: Nationalsozialisten, Kommunisten und Islamisten seien nicht zuletzt deshalb alle drei so gegen die Juden (gewesen), weil diese so eng mit dem Westen verknüpft (gewesen) seien…
  115. Auch Nazi-Deutschland spielte sich propagandistisch als Verteidiger des christlichen Abendlands auf, beim Angriff auf die SU ’41, als es gegen “gottlose bolschewistische Untermenschen” ging, sowie gegen Franzosen und Briten mit ihren farbigen Kolonialsoldaten. Auch am Kriegsende wurde propagiert, dass es nun gegen den “bolschewistischen Feind” ginge – auch zur Rechtfertigung dessen, was dem Vorrücken der Roten Armee ins Deutsche Reich voraus gegangen war
  116. Durch die “Jim-Crow”-Gesetze
  117. Jesse Owens etwa erfuhr in der USA Rassismus vor und nach Olympia 36 (wo er Hitler beschämte); nur weisse Medailliengewinner wurden danach zu Franklin Roosevelt eingeladen, nicht Owens, der 4 goldene gewonnen hatte. Owens sagte, nicht Hitler habe ihn brüskiert, sondern Roosevelt…
  118. In der Apartheid war dort übrigens hin und wieder (zB auf Tafeln die die Petty Apartheid regelten) dezidiert von “Europäern” die Rede, wenn Weisse gemeint waren
  119. “Wind of Change”-Rede des konservativen britischen Premiers Macmillan im südafrikanischen Parlament 1960
  120. Die Eigenbezeichnung Afrikaner (auf Afrikaans mit einem a) bringt das auch zum Ausdruck; eben so wie die manchmal verwendete Bezeichnung für die Englischsprachigen, “Soutpiel”, was “Salzpimmel” bedeutet. Jemand, der mit einem Bein in Afrika steht und einem in Europa, dessen Penis hängt ins salzige Wasser des Mittelmeeres oder des Atlantiks…
  121. Vorgebracht auch von Schapira bei ihrer Ansprache in der “Brüderlichkeits”-Woche, die Palästinenser seien so gut ausgebildet, es gehe ihnen so gut; nach ihrer Rede wurde die Journalistin auch vom israelischen Botschafter getätschelt
  122. Mulder ging nach dem Informationsskandal übrigens zur (noch rechteren) Konservativen Partei (KP); sein Sohn Pieter Mulder war ’94 einer der Mitbegründer der Vrijheidsfront (VF; später VF+), und deren Führer 01-16, nach Viljoen und vor Groenewald
  123. Wie integer er dabei agierte, ist nicht unumstritten; darum wird es hier mal in einem Artikel gehen
  124. Dieser Anteil entspricht ziemlich den KP-Wählern, die ähnlich ausgerichtete HNP bekam ’89 0,2%, die BSP trat damals nicht an
  125. Von ’93 bis zum Aufgehen in die VF ’04
  126. Also jene der Afrikaaner, aber irgendwie auch jene aller Weissen; und manchmal werden auch die Farbigen und Asiaten “dazu genommen”, die man zu Apartheid-Zeiten sorgsam von den Schwarzen zu trennen trachtete
  127. Noch eine Parallele (?): Der Umgang mit dem Erbe der DDR, die mit der Vereinigung im Oktober 1990 abgeschafft worden war, entsprechend dazu Umgang mit und Aufarbeitung des Apartheid-Staates in Südafrika
  128. Was unter Präsident Mugabe bis 2000 auch recht gut ging
  129. Und 1994 gingen dort nicht nur 46 Jahre Apartheid, sondern 300 Jahre Dominanz von Weissen über Schwarze zu Ende
  130. Die Kriminalität wird teilweise als “Gewalt gegen Weisse” eingestuft – obwohl die meisten Opfer Schwarze sind. Als der Führer der (offen) NS-nahen AWB, Terre Blanche, 2010 nach einem Streit mit einem schwarzen Arbeiter um Löhne getötet wurde, schrien Leute inner- und ausserhalb Südafrikas plötzlich auf, redeten von besorgniserregenden Anzeichen, etc; Leute die kein Problem damit hatten, dass das Apartheid-Regime Anti-Apartheid-Aktivisten inner- und ausserhalb Südafrikas tötete, wie Stephen Biko oder Ruth First, folterte und einsperrte
  131. Wobei schon die Entstehung der DP ’89 schon mit einem gewissen Rechtsruck verbunden war, durch den Zustrom der ehemaligen NRP
  132. In mancher Hinsicht nimmt die VF(+) eine konstruktivere Rolle ein als die DP/DA, ist weniger konservativ; die VF+ (bzw FF+) hat mehrere Flügel
  133. Die NNP verlor bei der Wahl 04 weiter, 05 ging sie praktisch im ANC auf
  134. Womit hauptsächlich die “Farbigen”/Coloureds in der Provinz Westkap gemeint sind
  135. Bei der Parlaments-Wahl 09 gab es eine Handvoll Stimmen in Soweto für die VF+, in Orania (wo Julis Malema kurz zuvor gewesen war) für den ANC, auf Robben Island eine Mehrheit für die DA
  136. 2012 gab es blutige Arbeitskämpfe bei der Marikana-Platin-Mine bei Rustenburg (NW). Dabei erschoss die Polizei 34 Bergarbeiter. Cyril Ramaphosa, einst in der Minenarbeiter-Gewerkschaft, nun Anteilshalter (u.a.) beim Lonmin-Konzern (Besitzer dieser Mine), wird für das Marikana-Massaker mitverantwortlich gemacht; er ist heute Südafrikas Staatspräsident. Dass Justizminister Jeff Radebe (ANC) anordnete, dass Polizei und Justiz gegen illegale Versammlungen, Waffenbesitz und Aufrufe zu Gewalt hart vorgehen würden, müsste eigentlich nach dem Geschmack der DA-Klientel sein. Hier versuchte man aber politisches Kapital heraus zu schlagen
  137. Wie Leon jüdisch
  138. Was weisse Beobachter Mbeki ankreideten, war meist etwas Anderes, als Schwarze ihm ankreideten
  139. Veto im Sicherheitsrat, das zählt
  140. Er ist ausserdem ein Freund der Familie von Helen Zille
  141. Peres zu Erdogan in Davos damals: “Was wenn Istanbul beschossen werden würde”, diverse Zeitungskommentare: “Wie wir uns fühlen, wenn Berlin…”,…
  142. So wie der türkische Botschafter bei Ayalon?
  143. Sentletse Diakanyo hat auf “Mail & Guardian” (thoughtleader) einen Kommentar dazu geschrieben: “…current brouhaha about the alleged comments made by the Deputy Minister of Foreign Affairs…intended to whip up the emotions of the Jewish…these comments have no relevance whatsoever to Jews in South Africa…tirade against the Deputy Minister…The behaviour and over-reaction of the SA Jewish Board of Deputies is tantamount to fear mongering and a despicable attempt at playing victim to some invented threat to their dignity and human rights. The question we should all ask is whether or not Jews wield immense power and influence in the US…There is this fear to speak truth to power that is prevalent everywhere and so is the risk present of having one’s voice silenced with a nauseating anti-Semitism card”
  144. Und “pro-israelisch” heisst zB, die Unterdrückungspolitik ggü den Palästinensern und die Verachtung ggü der Region als “Existenzkampf” darzustellen
  145. Sein Nachfolger De Klerk hat das System ja, vereinfacht gesagt, abgeschafft. Botha starb 06, erlebte noch das erste israelische Rasenmähen in Gaza
  146. Es gibt auch eine weisse Einwanderung nach Südafrika (zB aus Deutschland), und es gibt eine israelische. Darunter sind Angehörige der israelischen Mafia (die dort ihren Geschäften weiter nachgehen). Das organisierte Verbrechen Israels ist in den Händen von aus Nordafrika und der Ex-SU stammende Clans. Manche flüchten vor Gesetzesverfolgung sogar in das Land ihrer Vorfahren, Marokko
  147. AKP in Österreich oder Deutschland…> Pfui, Integration; Likud in ZA oder NL?
  148. Vorher durfte sie nicht kandidieren und ihre allermeisten Wähler nicht wählen
  149. Oder, der rassistische Witz über Obama, den die Ehefrau des langjährigen israelischen Top-Politikers Silvan Schalom (Likud), auf Twitter gepostet hat. „Wisst ihr, was Obama-Kaffee ist? Schwarz und schwach.“
  150. Die vielen Besucher, die Abgesandte des Apartheid-Regimes waren, haben für die Belange der Palästinenser klarerweise kein offenes Ohr gehabt
  151. Die Vorfahren zogen aus dem Willen zur Selbstbestimmung einst in die Gegenrichtung, wegen den Briten
  152. Waisenkinder aus Europa sollten importiert werden
  153. Oder sollte man sagen, “Idealisten”?
  154. Die Zersplitterung der afrikaansen Rechte ergibt sich u.a. durch die Frage von “Allianzen” mit Nicht-Weissen und den Faktor “Dekadenz”
  155. Ansonsten kommen an Besuchern hauptsächlich sich mit der Idee solidarisch deklarierende rechte Weisse aus vielen Teilen der Welt, auch aus Deutschland
  156. Er schreibt dort auch Gastkommentare, widersprach dort auch mal der Hetze gegen das neue Südafrika und pries Zuma
  157. 07 hielt er dort eine Rede, in der er aus kritischen Songs von weissen Bänds/Sängern über das neue Südafrika zitierte (u.a. Schwermetallgruppe “Kobus!”, auch Rian Malan), aber nicht respektlos
  158. Amin reiste nach seinem Sturz 1979 nach Saudi-Arabien, wo er bis an sein Lebensende blieb
  159. Hauptsächlich aus Osteuropa. Nur Yizhak Navons Vorfahren waren länger als eine Generation in diesem Land
  160. Juden
  161. Er ist wahrscheinlich deutsch-israelischer Doppelstaatsbürger, kann damit bzgl Israel wählen und mit-bestimmen, obwohl er in München lebt, im Gegensatz zu den Palästinensern unter israelischer Militärverwaltung, die ein “Spielzeugtelefon” namens Autonomieverwaltung wählen dürfen
  162. Möglicherweise aber zu den Venda oder Shona gehören
  163. Die Bürgerkriege im Kongo zB sollten dann aber auch das Eine oder Andere relativieren – wieso tun sie das nicht?
  164. Der Süd-Sudan, wo schwarzafrikanische (nilotische) Christen und Animisten leben, wurde ebenso wie Darfur vom ägyptischen Khediven Ismail erobert und so Teil des Sudans, in dem der islamisierte, arabisierte “Norden” dominierte; 55-72 der erste Bürgerkrieg um Gleichberechtigung (der schon vor der Unabhängigkeit begann), der Aufstand v.a. der Anyanya-Organisation wurde von Israel unterstützt; 83-05 der nächste, diesmal um Trennung (dazwischen Integration der Rebellen in die sudanesische Armee); Garang war im 1. Krieg in der Anyanya gewesen, dann im sudanesischen Militär, dann Gründer der SPLA/SPLM; 2011 die Unabhängigkeit und bald Ausbruch innerer Kämpfe im Südsudan… Flüchtlinge und Emigranten von dort kamen (auch) nach Israel
  165. Wenn Netanyahu oder ein Anderer aber sagt, “Die ganze Welt muss geeint sein und den Iran stoppen”, dann weil es die (vermeintlichen) Anliegen Israels sind (die zu Anliegen der Welt werden sollen)
  166. Siehe zB https://www.thedailybeast.com/white-like-me . Dass MEMRI den Artikel aus „Maariv“ nicht übersetzt und verbreitet hat, war sicher nur Zufall
  167. Die jährliche Party für Israels “Sicherheits”-Establishment
  168. Ein Islamismus unter diesen Bosniaken wurde erst nach diesem Krieg mit genozidären Zügen lebendig, der Krieg wurde aber (auch) damit legitimiert dass sie “Islamisten” u.ä. seien
  169. “Jihad – A South African Perspective”
  170. Auch ab Ende des 19. Jh
  171. Amerikanische Juden, die sich für Afroamerikaner einsetzten, waren zB Michael Schwerner und Andrew Goodman
  172. 9. 7. 1960
  173. Wird auch des „Antisemitismus“ usw beschuldigt
  174. Von staatlicher wie “privater” Seite
  175. Von einer Zeitung nach ihrer Meinung zum Syrien-Konflikt bzw einer US-amerikanischen Intervention darin befragt, gab eine Amber Zirkelbach aus Ohio kürzlich eine kurze, sarkastische Antwort: „Ich bin einfach dankbar, dass Syrien uns nicht bombardiert hat, als wir die Kinder in Flint vergiftet oder gegen Eingeborene in Standing Rock Tränengas eingesetzt haben“
  176. Von der Pension, die jener Kings gegenüber lag. Es gibt einige Fragen um diesen Mord, besonders um mögliche Hintermänner
  177. Sowohl Verwoerd als auch Vorster waren zurückhaltend gegenüber Smith’s Siedlerregime, aus verschiedenen Gründen, aber das änderte nichts an den Fronten
  178. Auch palästinensische “Führer”, die sich gegen die Interessen ihres Volkes stellen, werden gerne als “gemäßigt” bezeichnet; und wenn von gemäßigten arabischen Staaten die Rede ist, dann ist in erster Linie Saudi-Arabien (!) gemeint…
  179. “Judenstadt”
  180. In Deutschland spricht von der “Staatsräson”, von der “besonderen Verantwortung”,…
  181. Und wenn sich in der UN die globalen Mehrheitsverhältnisse wiederspiegeln und dort eine “Politik” abseits von westlicher Vorherrschaft ausgeübt wird, kommen Organisationen wie UNwatch von Hillel Neuer und prangern das an
  182. Bei vielen christlichen Äthiopiern ist es die Auffassung der eigenen Geschichte, die dazu führt; und daran ändert auch Israels Afrika-Politik nichts
  183. Ein rechter niederländischer DJ namens Hans Dekkers schrieb auf Twitter: „#blacklivesmatter is racist bullshit. ALL lives matter. Being black is nothing special!“. Aber speziell genug, dass man u.a. in der USA dafür getötet wird; alle Leben zählen, ja. Und wer bei Kampf gegen rassistische Polizeigewalt mit der „Farbenblindheit“ beginnt, dem geht es um eine Verteidigung des Rassismus. Und  passenderweise ist dieser Dekkers auch ein grosser Israel-Fan
  184. Und eigentlich werde sie von gewissen moslemischen Gesellschaften und Staaten praktiziert
  185. Gehört das christliche, schwarze Afrika zB zum Westen? Wenn nein, ist dieser also rassisch definiert? Und, warum ist es eigentlich kein Multikulturalismus, wenn Leute wie seine Eltern aus Polen in Frankreich aufgenommen wurden? Hat, sagen wir, eine Vietnamesin auch die Möglichkeit, durch Einwanderung und Integration Teil des Westens zu werden, oder ist das Multikulturalismus?
  186. Gruppen wie die AWB?
  187. Der 2010 ursprünglich durch den damaligen Präsidenten Yuschchenko verliehene Titel “Held der Ukraine” wurde wieder aberkannt, wurde ein Streitfall zwischen den pro-russischen und pro-westlichen Kräften im Land
  188. Auch bezüglich Algerien wird eine “Siedler-Idylle” den heutigen Zuständen ggü-gestellt, als ob das Gros der Bevölkerung davon etwas gehabt hätte, daran hätte partizipieren können – aber auch den Einheimischen/Farbigen sei es im Vergleich so gut gegangen sei…also eigentlich sind sie ja “minderwertig”…aber
  189. > “Mourir pour Danzig?”
  190. Oder eine weisse Minderheit in einem Staat über eine nicht-weisse Mehrheit
  191. Wie hat es Arik Brauer ausgedrückt, die Araber haben einen halben Kontinent voller Staaten und können nichts damit anfangen. Es ist ein Jammer mit diesen Afrikanern und Arabern, die mit ihren Ländern nichts anfangen können
  192. Ein Kommentar am Wiki-Artikel über De Klerk: “Filthy race traitor who needs to be shot”
  193. Jemand der (tatsächlich/vermeintlich) den Islam zurückweist
  194. Die Entsprechung zum “selbsthassenden (israelkritischen) Juden”
  195. Diese Apartheid-Fans, die zu Afrikanern “Kafer” sag(t)en, sind nahe bei Islamisten, die Nicht-Moslems so nennen
  196. Die AWB macht(e) vielleicht mehr Krawall, ist aber wahrscheinlich nicht so radikal wie Roodt
  197. > Priklopil
  198. Das von einem Evangelikalen arabischer Herkunft, Joseph Farah, gemacht wird. Das rechte Online-Magazin hat die Kampagne um Obamas Staatsbürgerschaft mitgemacht, ebenso gegen seine Gesundheitsreform; der ermordete Litvinenko soll zum Islam übergetreten sein und “sein” Plutonium für Terroristen gedacht gewesen sein; der kanadische Evangelikale Tristan Emmanuel beklagte dort den “Anglo-Saxon self-hatred” und die Einwanderung nach Nord-Amerika; ein anderer Kolumnist ist Anthony Lo Baido, der 9/11 als eine Art Strafe Gottes darstellte, auch Ann Coulter schreibt dort, Aaron Klein (auch Breitbart) über Nahost,…; Immer wieder aufschlussreich, in welches ideologische Milieu Israel-Solidarität eingebettet ist
  199. Bei den linken Islamophoben/linken Zionisten ist es ja so, dass zumindest Haider in einen Gegensatz zum „jüdisch-christlichen Westen“ gestellt wird, und eine Querfront hergestellt wird
  200. Das macht auf einen Unterschied zu Segev-Steinberg (bzw der auch von diesem vertretenen Linie) aufmerksam: Der hat ja lamentiert, dass (schwarze) Südafrikaner (ungerechterweise) so ein schlechtes Bild von Israel hätten, machte auf Freund; Mercer steht für jene, die dazu stehen, kein Freund dieses Landes und seiner Bevölkerung zu sein, rassistisch zu sein
  201. Die während WKII für Hitler und Mosley gewesen sein soll
  202. Das Übliche, muss man sagen, wenn Antisemitismus/Antijudaismus behandelt wird
  203. Was zweitere betrifft, die werden sonst gerne in Stellung gebracht, gegen Moslems etc, von Schreuder & Co…
  204. Oder das TR-Veto gg Plassnik als OSZE-Chefin kommentiert „Vermutlich weil sie eine Frau ist“
  205. Übrigens auch Islamisten, von Bin Laden bis Dabbagh
  206. Wie sie zB Kasrils übt
  207. Das früher in Ägypten war als in Europa und früher als der Islam (in Ägypten)…
  208. Wolfgang Caspart, damals Obmann dieses Akademikerverbandes, musste sich als Administrator der Seite wegen Verhetzung 2016 vor Gericht verantworten, gab mehrere Ausreden an, wurde freigesprochen. Man kann ruhig vergleichen, wer noch so über Einwanderer und Südafrika redet
  209. Das mit den Waffenlieferungen hat ja Israel zur Genüge erledigt; die CSU ist verbal gemäßigter als die CBV
  210. Der Kämpfer gegen die politische Korrektheit musste ja nicht wegen seines Rassismus’ gehen, sondern weil er Pädophilie zumindest verharmloste, wenn nicht verteidigte
  211. Poggenburg von der AfD hat über Türken in Deutschland gesagt, “Diese Kameltreiber sollen zurückgehen in ihre Lehmhütten zu ihrer Vielweiberei…”
  212. Weidel von der AfD: Özil sei das Produkt gescheiterter Integration, auch weil er das Singen der National-Hymne bei Länderspielen „verweigert“
  213. Ein SPD-Lokalpolitiker kommentierte den vorläufigen deutschen Kader für die WM heuer mit “25 Deutsche und zwei Ziegenficker.”
  214. So wie 2014, als während des Krieges gegen Gaza während eines Testmatches mit einer israelischen Mannschaft in Bischofshofen einige Türken mit einer palästinensischen Flagge über das Feld rannten und ein Entrüstungssturm losbrach
  215. Damaliger PLO-Vorsitzender
  216. “Staberls” Chef Dichand war ein Freund vom aus Österreich stammenden Jerusalemer Bürgermeister Kollek (der nach diesem Krieg BM auch des Ostteils dieser Stadt wurde), sagte über dessen Arbeit, Jerusalem sei wegen den Arabern schwer zu regieren (gewesen)
  217. Wo “man” in den 1980ern die Islamisten noch als “Freiheitskämpfer” sah und unterstütze
  218. Übrigens: Das Nazi-Gold in der Schweiz wurde aufgearbeitet, spätere Gold-Transaktionen über die Schweiz wie von Apartheid-Südafrika nicht
  219. Bringt entweder Nazi-Entlastungs-Solidarität oder Scham-Soli. Wer nach der Erfahrung der Schoah ein „Nie wieder“ sage, müsse auch “Ja” zum Staat Israel sagen, so O. Deutsch von der IKG Wien. Das gelte umso mehr, als Israel sowohl bei seiner Gründung vor 70 Jahren als auch heute von verschiedenen Kräften und Staaten das Existenzrecht abgesprochen werde. So wird normalerweise die Verbindung hergestellt
  220. Heute redet Strache vom “weltweiten Kampf gegen Islamismus, nach jenem gegen NS und Kommunismus“, als sei er M. Küntzel
  221. Übrigens, 6 Jahre zuvor hat FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz (wie auch CPÖ-Kandidat Gehring) im BP-Wahhlkampf gg. die “Islamisierung Österreichs” gewettert
  222. Und viele “Antisemitismus”-Jäger sind Relativierer von (anderen) Rassismen, aber darum wird es in einem anderen Artikel gehen. Jedenfalls: Einen Netanyahu als Kapazität in “Anti-Rassismus” zu sehen, ist wie “Hannibal Lecter” zu einem Vegetarismus-Experten zu machen
  223. Bei den Gedenkfeiern zur Befreiung des NS-Konzentrationslagers Mauthausen kritisiert der Präsident der IKG, Oskar Deutsch, offen die FPÖ und die Tatsache, dass mehrere Burschenschafter in und für die Regierung aktiv seien. Einige der am weitesten rechts aussen stehenden FPÖ-Politiker, wie der nunmehrige Innenminister Kickl, waren/sind aber keine Burschenschafter
  224. Wenn man sich den Artikel über diesen Glick auf der deutschen Wiki ansieht, stellt man fest, dass der maßgebliche Autor dieses Artikels einer der erwähnten Deutschen sind, die Israel und sein Militär verehren
  225. Und demokratisch und rechtsstaatlich ist es nicht zuletzt deshalb, weil Politiker der FPÖ für ihren Machtmissbrauch aus der letzten Phase, als die ÖVP mit ihr eine Koalition bildete, noch immer angeklagt und verurteilt werden
  226. Wieder begleitet von journalistischen Groupies
  227. Der Gesandte, Abdel-Shafi, hat Österreich wegen der Teilnahme des österreichischen Botschafters bei einem Festakt zur Verlegung der US-Botschaft vorübergehend verlassen
  228. Israel-Kritiker werden dort ausgegrenzt, darum muss sich zB der jüdische FPÖ-Politiker David Lasar (will “Heimat” hier und dort verteidigen, in Österreich wie in Israel, gegen die gleichen Gegner vermutlich) keine Sorgen machen
  229. Bei Front National und den Anderen ist es ähnlich
  230. Dazu noch mehr
  231. Womit man wieder bei der Intersektionalität der Situationen der Afro-Amerikaner und der Palästinenser ist
  232. Wie zB die aus Südafrika stammende Jillian Becker
  233. Immerhin hat Oz, und das passt sehr zu diesem Thema, den Gaza-Streifen mit Soweto verglichen
  234. Nicht nur die: Mit Blick auf die Freude über den Sieg Israels beim Song Contest sagte Deutsch: „Eigentlich wollen wir nur in einem Staat leben, in dem sich alle unabhängig von ihrer Religion freuen können.“
  235. monde-diplomatique.de/artikel/!1073090
  236. Die weisse Rechte im Post-Apartheid-Südafrika ist auch gespalten, bei der Frage, ob man sich eher als Rassist oder Rassismus-Opfer verstehen soll, und, damit verbunden, was man Schwarzafrikanern überhaupt zubilligen soll, inwiefern man Verbündete unter ihnen suchen soll
  237. Warum eigentlich? Weil sie etwas laut gesagt hat, was man lieber leise sagen sollte? Weil sie gesagt hat, dass Israelis Nachfahren von Kolonialisten aus Europa ohn Wurzeln in dem betreffenden Land sind? (damit, und auch mit der “weissen Rasse”, ignoriert sie die gut 50% jüdischen Israelis, die Mizrahim sind…) Weil sie einen Blödsinn über Asien geredet hat (abgesehen von der Frage, ob Australien dazu gehört, oder nicht doch eher zu Ozeanien), Asien geht vom Bosporus bis nach Tschukotka, und vielleicht ein Drittel seiner Einwohner hat die ostasiatischen Charakteristika
  238. Fragt sich nur, WER hier schwachsinniges Rassedenken pflegt…; und auch, wer die NS-Diktatur aus der jüngeren Geschichte Europas auslagern will (neben den anderen inhaltlichen Fehlern). Der Westen hier rassi(sti)sch definitiert, nicht über “Werte” und so…; die Ausbreitung dieses Westens mit der Verfolgung einer seiner “Teilgruppen” durch andere gerechtfertigt
  239. Dieser Chauvinismus kommt auch ggü Afrikanern zum Einsatz; auch: “As long as Israel is not provoked or attacked, no one is in danger, everyone free to fuck his goats and camels…”
  240. Wie bei den Feinden des Judentums
  241. Als Symbol der Friedensbewegung zur Zeit des Irak-Kriegs 03 bei Zionisten übrigens diffamiert…
  242. Man könnte auch “Ayn Rand” und ihre Haltung zur Homosexualität nehmen
  243. Christoph Rehage fragte mit Recht auf Twitter, „Hätte Joachim Fest weniger Zeit mit Albert Speer und mehr Zeit mit Kindererziehung verbringen sollen?“
  244. Ganz nebenbei, Fest hatte 2014 in Zhg mit der Verteidigung des israelischen Massakers in Gaza ja einen “islamkritischen” Kommentar in der “Bild” getippt, in diesem hatte er auch “die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle“ angeprangert…
  245. Wie zB Eliahu Yishai und viele politische Kräfte Israels
  246. Übrigens, dieser Katz ist einer Aufforderung des obersten Gerichts Israels 2011, Geschlechter-Trennung (wie sie von streng religiösen Juden bzw in deren Wohngebieten praktiziert wird) in öffentlichen Bussen einstellen zu lassen, nur halbherzig nachgekommen
  247. Zu stark ist man da in der Rolle des westlichen Kolonialisten. Und, wenn es in einem Schulbuch aus Südwestafrika von 1973 von einem Otto von Weber zum Völkermord an den Herero und Nama 1904-1908 heisst, der „Aufstand der Herero sei entscheidend geschlagen worden“, dann bringt das die Einstellung rüber, die auch heute von (philo)zionistischer Seite ggü Palästinensern vorherrscht
  248. Siehe zB Adam Hochschild: “Schatten über dem Kongo” (englisches Original 1998)
  249. Das Sultanat Sansibar, zu dem diese Küste bis dahin gehörte, war ein Haupt-Betreiber des moslemischen Sklavenhandels. Wie auf Sansibar leb(t)en an der Küste hauptsächlich eine arabisch-afrikanisches Mischbevölkerung. Es gab in Deutsch-Ostafrika dann noch den Maji Maji-Aufstand 1905-08 gegen die Kolonialherren, zur selben Zeit wie der in SWA, auch dieser wurde durch die Schutztruppe (mit Askaris) unter grossen Opfern nieder geschlagen
  250. Der wie der erste ein Krieg der weissen Welt war…
  251. Doppelte Standards, Kulturrelativismus
  252. Die zu Zeiten des Kalten Kriegs alle Menschenrechtsverletzungen ausserhalb der kommunistischen Sphäre ignorierte bzw als Teil des Kampfes gegen den Kommunismus verteidigte, darunter jene in Südafrika und Nachbarstaaten gegen Nicht-Weisse, und heute so ggü Menschenrechtsverletzungen im islamischen Raum sowie im “Rahmen des Kampfes gg Islamismus” verfährt
  253. Sein Abtritt aufgrund von Korruptionsvergehen heuer zeigt, dass die südafrikanische Demokratie funktioniert
  254. Der chinesische Admiral Zhèng Hé (Cheng Ho) hat mit grossen Flotten zwischen 1405 und 1433 sieben Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean unternommen und möglicherweise eine Weltumsegelung durchgeführt. Gefördert von den frühen Ming-Kaisern, v.a. Ch’eng-tsu; doch China hat sich nicht Afrika unter den Nagel gerissen, sondern nach innen gewandt
  255. > Aufnordung
  256. Ergebnis: ein Bekenntnis zu einer Zweistaatenlösung
  257. Südafrika hat übrigens seinen Botschafter aufgrund dessen von Israel zurück berufen
  258. Übrigens, bei aller berechtigten Kritik am iranischen Regime, dass es mit Venezuela zusammen arbeitet, ist absolut in Ordnung. Dies zeigt auch, dass es die Mehrheit des globalen Südens, von BRICS bis NAM (Blockfreie) auf seiner Seite hat, nicht isoliert ist. Jene Rechtsaussen in der USA und anderswo, die von einer Teheran-Caracas-Achse-des-Bösen reden, haben ein Problem damit, dass sie über solche Beziehungen keine Kontrolle haben
  259. Siehe den Kommentar von Malcolm X 1960
  260. Amani redete in „Hart aber fair“ auf ARD im April 18 über die nun andauernd vorgebrachte Floskel von der „jüdisch-christlichen Zivilisation“, die sie mit der jahrhundertelangen europäischen Politik ggü Juden in Verbindung brachte…
  261. Vom Internationalen Strafgerichtshof als völkerrechtswidrig verurteilt
  262. Wenn die „Jüdische Allgemeine“ eine palästinensische Konferenz in Deutschland zu einem (Pro-) Hamas-Treffen macht, ein Foto von maskierten martialischen Männern dazu bringt, will sie nicht nur palästinensische Anliegen treffen, sondern auch deren Unterstützer hier. Isabelle Daniel brachte in “Österreich“ 13 zur palästinensischen Unabhängigkeits-Erklärung ein Foto von ein paar Gestalten, die so aussehen/wirken wie sie sich Palästinenser vorstellt (oder darstellen will), maskiert, bewaffnet,…
  263. Sogar Präsident Abbas braucht eine Bewilligung der israelischen Militärverwaltung, wenn er das Land verlassen will