Von Links nach Rechts

Die Unterscheidung „links“ – „rechts“ als politische Richtungsbegriffe geht auf die Französische Revolution und die Entstehung der Nationalversammlung aus den Generalständen von 1789 zurück. Die Sitzordnung wandelte sich dort vom Abbild gesellschaftlicher Hierarchien zu einem der politisch-ideologischen Auseinandersetzungen. Auf der rechten Seite (vom Rednerpult aus gesehen) nahmen jene Abgeordneten Platz, die die Monarchie und das mit ihr verbundene gesellschaftliche System erhalten wollten, auf der linken Seite die Republikaner, Anhänger der Revolution; die “Extremisten” dieser Lager aussen, die “Moderaten” innen. Bald wurden die räumlichen Adjektive „links“ und „rechts“ substantiviert und man sprach von “la gauche” (der Linken) und “la droite” (der Rechten). Die wiederum in mehrere Gruppen/Flügel zerfielen, die sich in Klubs organisierten, wie Feuillants oder Girondisten. Das Ende der Revolution (und des Pluralismus) wird ja meist mit Napoleons “Militärputsch” 1799 (Beginn seines Konsulats) angesetzt.1 Doch unter der Herrschaft der Jakobiner (Jacobins)2 1793/94 gab es schon mal eine rigorose Beschneidung des als legitim geltenden politischen Spektrums. Nach der Restauration (der absoluten Monarchie) 1814/15 kam es allmählich zu einer Revitalisierung von politischen Richtungen/Gruppen, in ggü der Revolutionszeit abgewandelter Form.3

Das Rechts-Links-Schema breitete sich von Frankreich aus aus, im Paulskirchen-Parlament von Frankfurt 1848 etwa wurde die Sitzordnung danach ausgerichtet. Das Schema hielt sich ja auch nach dem Übergang von lockeren Vereinigungen zu festen, institutionalisierteren Parteien. “Rechts”, “links”, “liberal”, “konservativ” bedeutet aber nicht überall das selbe. Hier geht es also um Menschen, die von der linken auf die rechte politische Seite wechselten, in verschiedenen Zeiten, Ländern, Umständen.4 In manchen Fällen war damit nicht nur ein inneres “Überlaufen” oder ein Parteiwechsel verbunden, sondern eine tatsächlich, physische Abwanderung. In diesem Artikel geht es ja um militärische Desertionen und Ähnliches; diese weisen gewisse Parallelen zum Verlassen eines politischen Wertesystems auf. Wobei es von der Perspektive abhängt, ob es sich bei so einem Wechsel von Links nach Rechts um Apostasie, Verrat, Läuterung, Erweckung, oder etwas Anderes handelt.

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Nun noch einige Abgrenzungen. Es geht hier nicht um die Querfronten-Thematik, also Zusammenarbeit von Rechts und Links, oder auch Berührungspunkte/Gemeinsamkeiten dieser Lager/Ideologien. Abzugrenzen von dem hier behandelten politischen Seitenwechsel sind auch innere Widersprüche Doppelbödigkeiten oder Heucheleien bei Linken. Also etwa bei den Schriftstellern John „Jack” London und Charles Dickens, die sich zwar für Arbeiter und Arme engagierten, aber grosse Vorbehalte ggü Nicht-Weissen hatten; auch im Werk von Karl Marx oder dem Baron von Montesquieu findet man Rassismus und Kulturalismus. Von Justin Trudeau wird gesagt, dass er immer links blinkt und dann rechts abbiegt; bei Barack Obama war es ähnlich.5 Von ihnen ist hier auch nicht die Rede. Amir Peretz sah sich anscheinend ausserstande, als (israelischer) Verteidigungsminister liberal/links zu agieren; ein Seitenwechsel ist nicht auszumachen.

Jemand wie Apartheid-Spion Williamson hat sich als links ausgegeben, um den Feind zu infiltrieren (siehe). Es gab in Frankreich Leute, die in der Résistance gegen Nazi-Deutschland aktiv waren, dann später bei der OAS6, wie Jacques Soustelle; daraus ist aber zu schliessen, dass es in diesem Widerstand auch sehr Rechte gab. Sarrazin war nie ein Linker, wenn auch in der SPD. Brigitte Bardot, die sich mit 40 aus dem Filmgeschäft zurückzog, nahm sich zwar des Tierschutzes an, ist aber “ansonsten” eine Rechte7, und mit dem FN/RN-Mann und Algerien-Veteranen D’Ormale zusammen. Was Osama bin Laden betrifft, sein Islamismus war zwar (zumindest) faschistoid, aber er war “davor” nie links, auch wenn es ein Foto mit ihm und seiner Familie in Schweden gibt, auf der er als “Blumenkind” erscheint. Paul Hewson (Bono Vox) lobte zwar George Bush jun. (was der für Afrika getan hätte), wurde aber insgesamt nicht rechts. Der US-amerikanische Sänger Barry McGuire (“Eve of destruction”) wurde ein „wiedergeborener Christ“; die (Wieder-) Entdeckung von Religion ist zwar ein häufiger “Anlass” für einen Rechtsruck, bei McGuire scheint sich ein solcher aber nicht vollzogen zu haben.

Bei Milton Friedman drehte sich ja Alles um die Wirtschaft (nannte sich selbst “Liberaler”, hob die Vorteile eines freien Marktes und die Nachteile staatlicher Eingriffe hervor), sind die Dinge auch etwas “anders”. Er war kein Seitenwechsler (obwohl einst Anhänger des New Deal, dann Libertarist). Er war jemand, der sich unpolitisch-liberal-expertenhaft gab (was Wirtschaft betrifft). Und der Mentor der Gruppe von chilenischen Ökonomen war, den nach der Chicagoer Schule benannten Chicago Boys, die in der Militärdiktatur Pinochets die Wirtschaftspolitik Chiles bestimmten. Bei seinem Besuch in Chile 1975 traf Friedman auch mit Pinochet zusammen. Orlando Letelier, ein Minister der von Pinochet gestürzten Allende-Regierung, warf Friedman in einem Beitrag für “The Nation” 1976 in dieser Hinsicht Doppelmoral bei seinem Verständnis von „Freiheit“ vor.

Der West-Berliner Polizist Karl-Keinz Kurras (der 1967 einen Demonstranten erschoss) war ein vermeintlicher Rechter der in Wirklichkeit Stasi-IM und SED-Mitglied war. Es gibt Leute, die diesbezüglich nicht so leicht einzuordnen sind, wie Slavoj Žižek oder Dimitri Kitsikis. Es gibt solche bei denen man nicht erwarten würde (bzw nicht wusste), dass sie rechts sind, wie Alain Delon (der zwischendurch die FN unterstützte, meist aber Gaullist war).8 Abzugrenzen vom Gegenstand des Artikels sind auch unterschiedliche politische Haltungen in einer Familie. Es gibt Menschen, die aus einer liberalen/linken Familie kommen und rechts wurden und es gibt das Umgekehrte. Was Ersteres betrifft, bei David Horowitz war nicht nur das gegeben, er wurde selbst ein Linker, vollzog dann einen Rechtsruck, daher ist er für den Artikel relevant. Die US-amerikanische Atheisten-Führerin Madalyn Murray-O’Hair (die durch einen ehemaligen Angestellten entführt und ermordet wurde) hatte einen Sohn, dieser wurde Aktivist einer evangelikalen Erweckungsbewegung – nicht relevant für hier.

Bei der Familie Meinhof-Röhl ist nicht relevant, dass sich das Paar entzweite oder die eine Tochter sowohl mit der Mutter als auch mit dem Vater politisch brach, sondern dass “er” sich von Links nach Rechts bewegte. Das Paar Pflüger (CDU) – Mathiopoulos (SPD) ist also auch kein Thema für hier, ebenso wenig wie die Beziehung des österreichischen Grünen Voggenhuber mit einer Tochter des Rechtsextremisten Scrinzi, oder der One Night Stand der Schweizer Markus Hürlimann (SVP) und Jolanda Spiess-Hegglin (Grüne). Etwas Anderes ist auch die Wendung von Links zur Mitte wie sie zB Alfred Gusenbauer vollzog, oder die Übernahme (der Transfer) von Inhalten oder Slogans von der Linken zur Rechten. Die FPÖ drehte sich in mehrerer Hinsicht, in den 1960ern war sie noch für den Bau von Atomkraftwerken in Österreich gewesen, bei der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme von jenem in Zwentendorf 1978 schon nicht mehr, und das hat sie anscheinend beibehalten. Lockl von den Grünen vor ein paar Jahren über diese Gemeinsamkeit: “Die FPÖ ist gegen Zwentendorf – sollen wir jetzt dafür sein?”. Die Front National hat bei der französischen Präsidenten-Wahl 2012, als Marine Le Pen Dritte wurde, den Slogan „Debut d’une lutte prolongee“ aus dem französischen 1968 hervor geholt.

Ein Rechtsruck liegt auch nicht vor wenn sich Rechte nur neu ausgerichtet haben, wie die “Internationale Gesellschaft für Menschenrechte” (IGFM) nach dem “Kalten Krieg”. In Brasilien hat die Partei MDB von Michel Temer das Lager gewechselt, von Links (“Lula”, PT) nach Rechts (Bolsonaro), ohne sich aber zu verändern. Leute aus kommunistischen Systemen im Ostblock sind hierfür nur relevant, wenn sie überzeugte, aktive Kommunisten waren und sich dann auch aktiv nach rechts bewegten (zumindest rechtskonservativ wurden), nicht einfach (hier wie dort) mitliefen. Das betrifft sowohl jene, die zu Zeiten des Kalten Kriegs “rüber machten”9 als auch jene, die nach der Wende aktiv wurden bzw blieben. Günter Schabowski oder Wolf Biermann finden sich daher in dieser Auflistung, Angela Merkel nicht. Sie war mehr oder weniger zwangsweise in FDJ usw aktiv, dann in der CDU, war dort und da Mitläuferin. Wendehälse dieser Art gab es viele, in verschiedenen “Metiers”, Agenten, Journalisten,… sie waren nicht wirklich links, wurden nicht wirklich rechts. Putin oder Jelzin werden hier auch als solche gesehen, sind aber -zugegebenermaßen – nahe bei den Grenzfällen (s.u.).

Angela Kasner als FDJ-Pionierin bei einer Zivilschutzübung 1972

Und, es kommen nur einigermaßen Prominente vor, also keine Arbeiter die bei Wahlen von der SPÖ zur FPÖ gingen, von der KPD zur NSDAP, der PCF zum FN, von der Linken zu AfD gehen,… Vielleicht wird’s mal einen Artikel über Leute geben, die sich in die Gegenrichtung bewegten, über Rechte die Linke wurden. In Rumänien etwa gingen rund um den 2. Weltkrieg Faschisten zu den Kommunisten, hauptsächlich von TPT zur PCR bzw FND. Oder Jürgen Todenhöfer, Gert Bastian, Carlos U. di Borbone-Parma, J. Manuel Zelaya, Ronald Kovic,… Reinhard Gehlen oder George Wallace bewegten sich von rechts aussen in die Mitte, wenn man so will. Für weltanschauliche Paradigmenwechsel gibt es natürlich unterschiedliche Gründe, wie auch die Umstände (und die Arten) des Wandels bzw Wechsels unterschiedlich sind. Der Spruch, wonach man kein Herz hat, wenn man mit 20 (Jahren) kein Sozialist ist, und kein Hirn wenn man es mit 40 noch immer ist, wird u.a. Winston Churchill zugeschrieben. Demnach ist der Wechsel nach Rechts Ausdruck eines Reifungsprozesses, Begeisterung für Linkes dagegen von jugendlicher Unerfahrenheit. Ja, das könnte von Churchill sein.

Klar ist, dass man “die Dinge” mit zunehmendem Alter anders sieht, sich die Sicht und manche Eigenschaften verändern. Das muss aber nicht auf’s Konservativ-werden hinauslaufen, und bei diesem spielen oft spezifische zeitgeschichtliche Entwicklungen und individuelle persönliche Erlebnisse eine entscheidende Rolle. Bei den hier behandelten Personen (es sind Tote wie Lebende darunter) zeigt sich auch, dass die Verschiebung nicht immer gleich offensichtlich wird.10 Noch eine Erklärung zur Reihung bevor es losgeht. Entscheidend ist die “Abenteuerlichkeit”, die Drastik des Wechsels, der Weg den eine/r zurück gelegt hat, nicht von wo er/sie kam oder wo er hin kam; und auch die allgemeine Relevanz der Person. In gewissen Fällen werden “Zusammengehörende” (wie französische Ex-68er) gemeinsam behandelt bzw mit einem “Herausragenden” dieser “Gruppe” mit. Am Ende dann einige Grenzfälle, hauptsächlich Leute die nicht besonders links gewesen sind oder nicht besonders rechts geworden sind.

 

Oriana Fallaci war in der Resistenzia aktiv, dann als Journalistin und Autorin, die nicht zuletzt durch ihre Interviews bekannt wurde. Ihre frühere linke Haltung kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sie mit ihrem Gesprächs-Partner Alexandros Panagoulis, der im Widerstand gegen die griechische Militärdiktatur aktiv war, dann (in den frühen 1970ern) eine Liebes-Beziehung hatte. Ihr Roman “Ein Mann” (“Un Uomo”, 1979) ist eine Pseudo-Biografie von Panagoulis; Fallaci gehörte zu jenen, für die sein “Unfalltod” 1976 ein Anschlag von “Überbleibseln” der griechischen Militärjunta war. Im September 1979 interviewte sie in Teh(e)ran Ruhollah Khomeini, der damals gerade die Macht im Iran “ergriff”. Sie nahm während des Gesprächs den “Tschador” ab, es heisst er hätte nichts dagegen gehabt. Fallaci sah auch den letzten Schah (Mohammed Reza Pahlevi), den sie ebenfalls interviewte, als frauenfeindlich. Ab den 1980ern hatte sie Uni-Lehraufträge, lebte in der USA und Italien, verlor etwas von der Bedeutung die sie (hauptsächlich in den 70ern) gehabt hatte.

Ihre Krebserkrankung und die Anschläge vom 11. 9. 01 (v.a. in New York, wo sie vorwiegend lebte) hatten sicher einen Einfluss auf ihren Rechtsruck in den letzten Jahren ihres Lebens (sie starb 06), der sich sich bei ihr hauptsächlich über Anti-Islam ausdrückte. Sie schrieb 3 Bücher in dieser Zeit, die sich darum drehten. Das erste und wichtigste davon war “Die Wut und der Stolz” (2001 kam das italienische Original heraus). Auf Deutsch im List-Verlag erschienen, war es eines der meistverkauftesten Bücher seiner Zeit (00er-Jahre) im Westen. Es traf genau den Zeitgeist. Das was es zur Hetzschrift macht (und was nicht wenige Leute daran so schätzen), ist dass sie ihren Wunsch äussert, ein Zelt mit somalischen Flüchtlingen anzuzünden, das “muslimische Wesen” als “hinterhältig”, “gewalttätig”, “verschlagen” und “schmutzig” beschreibt, davon schreibt dass sich “Allahs Söhne wie Ratten vermehren”,… Da traf sie eben nicht die Unterscheidungen die im Zeichen der Islamophobie sonst gerne hochgehalten werden, im anderen Chauvinismus.

Das “Eurabia”-“Konzept” von Frau Littman (“Bat Yeor”) hat sie übernommen (wie auch Anders Breivik), und die Behauptung, dass der Westen ggü Moslems zu tolerant sei, äussert auch sie. Fallacis letztes Buch vor “Die Wut…” war, 1990, “Inschallah” gewesen, ein Tatsachenroman/ZG-Roman, über Soldaten des italienischen Kontigents der multinationalen Streitkräfte im Bürgerkrieg des Libanon in den frühen 1980ern. Darin und früher hat sie Kritik am Westen und an Israel geübt, in den 2000ern dann zu ihrer IL-Kritik etwa gesagt “Ja, ich weiss, ich habe sie oft kritisiert, aber ich war in Wirklichkeit immer auf ihrer Seite”…und Yassir Arafat hätte beim Interview mit ihr eine feuchte Aussprache gehabt. Der islamische Fundamentalismus sei ein Wiederaufleben des Faschismus, den sie ihrer Jugend bekämpft hat11. Sie hat aber auch das Europäische Sozialforum (ESF), als es 2002 in ihrer Heimatstadt Florenz/Firenze tagte, mit der einstigen Nazi-Besatzung der Stadt verglichen. Und, die italienische Regierung wurde in ihren letzten, “rechten” Jahren hauptsächlich aus Forza Italia (FI), Alleanza Nazionale (AN), Lega Nord (LN) gebildet. Die AN geht auf die MSI zurück, in der sich nach dem Ende des Faschismus in Italien alte und neue Faschisten sammelten; die LN steht/stand in mancher Hinsicht noch rechts davon; und Ministerpräsident Berlusconi (AN) hat Mussolini mehrmals gelobt bzw verteidigt.

Politiker dieser italienischen Rechtsparteien bezogen sich öfters positiv/lobend auf Fallaci. Kritik an Berlusconi kam von ihr nur, nachdem sich dieser für eine Bemerkung über die “Überlegenheit westlicher Kultur” über die islamische “entschuldigte”. Rechte Zeitschriften wie “Junge Freiheit” oder “bahamas” in Deutschland veröffentlich(t)en begeistert aus Fallacis Schriften. Sie kehrte nicht zur katholischen Kirche zurück, blieb Atheistin, nannte sich nun “christliche Atheistin”, nahm gegen Abtreibung oder Homosexuellen-Ehe Stellung. Und traf sich (2005) mit „Benedikt“ Ratzinger, pries ihn. Ratzinger hatte vor seinem Pontifikat, 2004, einen Essay geschrieben, “Wenn sich Europa selbst hasst”, der es Fallaci besonders angetan hatte. 2001 (mit den islamistischen Anschlägen, die eine neue “Ära” einleiteten) bewirkte bei vielen Linken einen Rechtsruck, bzw liess diesen zum Vorschein kommen. Da war Fallaci nicht die Einzige; sie schaffte es zur Ikone der Linken, dann der Rechten (und für diese war es ein besonderer Triumph, das sie eine bedeutende Ex-Linke “einkassiert” hatten). Noch etwas, was bei Fallaci beispielhaft war: auch ihre Rechtswendung war verbunden mit einer Wendung zu Pro-Israel (manchmal wurde diese Wendung auch so garniert).12 Wenn man sich die Zeit nimmt, kann man vermutlich herausarbeiten, was bei ihr die Kontinuitäten von ihrer früheren in ihre späten Zeit sind.

Oriana Fallaci ’79 im Iran, rechts der spätere Präsident A. Bani Sadr (der sich als solcher dann mit Khomeini “zerkrachte”)

Bei David Horowitz sieht man, dass Ex-Linke zumindest oft die schlimmsten Reaktionäre werden.13 Das linke Engagement des US-amerikanischen Publizisten/ Propagandisten14 gipfelte in der Unterstützung der Black Panther und dabei kam es zu seiner “Bekehrung”. Seine Eltern stammen aus dem Russischen Reich, Juden die in New York lebten, Lehrer waren und die kommunistische Partei der USA (CPUSA) unterstützten. Sie verliessen die Partei 1956 nach (aufgrund) der Abrechnung von Chrustschow mit Stalin, nicht etwa wegen Stalins Verbrechen (die nicht zuletzt an Kommunisten stattfanden). David Horowitz studierte wie sein Vater Englisch, ging nach Grossbritannien und arbeitete dort für Bertrand Russells Friedens-Stiftung. Ende der 1960er wurde er Mit-Herausgeber des neo-linken Magazins “Ramparts”, liess sich in California nieder.

Und, in den frühen 1970ern schloss er Freundschaft mit Huey Newton, einem der Gründer der Black Panther Party (BPP).15 Einen Teil ihrer Arbeit widmete die BPP einer Schule für Arme in Oakland (wo die Organisation 1966 gegründet worden war). Horowitz vermittelte Newton eine (weisse) Buchhalterin namens Betty Van Patter, die für “Ramparts” arbeitete. Van Patter arbeitete noch nicht lange bei den Schwarzen Panthern, als sie (Ende 1974) tot vor San Francisco treibend gefunden wurde. Sicher ist, dass sie ermordet wurde, sicher ist dass niemals jemand dafür belangt wurde. Es handelt sich um einen ungeklärten Mord, der ein politischer sein dürfte/könnte. Wie bei Bohdan Piasecki, Daniel Casolaro, Jill Dando, Alois Estermann,… Horowitz war (und ist) sich sicher, dass die “Panther” dafür verantwortlich waren, und er ist da nicht der Einzige. Als mögliches Motiv wird angeführt, dass Van Patter Steuerhinterziehungen der BPP öffentlich machen wollte. Horowitz hatte sie zu den Panthern gebracht; für ihn wurde der Mord das was etwa für Koestler (>) und Andere die stalinistischen Schauprozesse in der Sowjetunion waren.

Horowitz wandte sich in der Folge von der BPP und allgemein von der Linken ab. 16 Weil er ein Abdriften der BPP in “Gangsterismus” sah oder sich von ihr getäuscht, wie auch immer. Er hielt seine Umorientierung über ein Jahrzehnt “geheim”, angeblich weil er sich vor Repressalien fürchtete. 1976 war er ein Mitgründer des Magazins “In These Times”, das aber anscheinend bis heute links geblieben ist. 1987 sein coming out als Konservativer, mit der ersten “Second Thoughts Conference”, in Washington, zusammen mit Peter Collier, einem anderen rechtsgewendeten Ex-Linken. Für ihn war die Abwendung von der Linken ja auch eine Auseinandersetzung mit den stalinistischen Eltern; diese machte er auf dieser Konferenz zT öffentlich. Die Hinwendung zum Reaganismus bzw zum Hauptstrom der Republican Party war aber nur eine Zwischenstation, inzwischen ist er eigentlich noch viel weiter rechts.

Die Korrelation zwischen seinen kommunistischen Idealen und Anliegen der Afro-Amerikaner, des Anti-Rassismus, des globalen Südens, die er früher sah, sieht er noch immer, “nur” aber ins Negative gedreht. Israel/Palästina wurde aber kein sehr wichtiges Anliegen für ihn, sein Focus liegt auf der USA. Und da auf Schwarzenrechtlern, Linken, Einwanderern (und jenen die sich für sie engagieren), Moslems. In Zeiten wie diesen kann man zumindest gegen Letztere politisch korrekt agitieren, man ist ja nur gegen Islamismus und so. Ein grosser Teil seiner Publikationen ist gegen die Linke (alte und neue) gerichtet, nicht zuletzt gegen Jene an US-amerikanischen Universitäten die er dafür hält. Er verteidigt und promotet etwa S. Jared Taylor, einen offenen Rassisten, über den man über höchstens eine Ecke bei Ku Klux Klan, stormfront.org, “white pride” ist, und diese “Ecke” ist Don(ald) Black; Horowitz kritisierte die USA auch als “anti-weiss”. 2018 verteidigte er zwar nicht das Lynchen von Afro-Amerikanern, attackierte aber eine Initiative die sich dem Gedenken an diese Opfer widmet, als “rassistisch” und “anti-weiss”, behauptete dass ein Drittel der Lnych-Opfer in der USA Weisse gewesen seien. Auf en.wikipedia haben organisierte Teams dafür gesorgt, dass Verschiedenes in einem kurzen Absatz mit dem Titel „Allegations of racism” zusammengefasst ist…

Horowitz, der mit einer Krauthammer verheiratet war17, sieht sich nicht als Neokonservativer. Kam aber zu Zeiten des jüngeren Bush zu etwas Bedeutung. Er ist hauptsächlich über/ in sein(em) David Horowitz Freedom Center aktiv, und dessen Publikation, “FrontPage Magazine”. Auch über Webseiten wie “truth revolt” (> Ben Shapiro) und “Discover the Networks”, Organisationen wie “Students for Academic Freedom18, Projektnamen wie “Terrorism awareness”. Eine kritische Auseinandersetzung mit Horowitzs gegenwärtigen Aktivitäten scheint das Buch “Cold Breezes and Idiot Winds. Patriotic Correctness and the Post-9/11 Assault on Academe” von Valerie Scatamburlo-D’Annibale (2011) zu beinhalten.

Nach Horowitz gleich noch jemand, der sich bei den “Schwarzen Panthern” engagiert hat und sie dann verliess, Leroy Eldrige Cleaver war aber länger dort und viel enger mit der Organisation verbunden. Wegen seines politischen Aktivismuses musste er die USA verlassen, vollzog nach seiner Rückkehr eine Rechtswendung, die ins Geschäftsleben, zu Reagans Republikanern und der Mormonischen Kirche führte. Cleaver war ein Führer der Black Panther Party, bekam die Funktionen des Minister of Information sowie Head of the International Section. Davor war er anscheinend bei den “Black Muslims” (Nation of Islam) aktiv gewesen.19 Im Frühling 1968, im Zuge der Unruhen nach dem Mord an Martin L. King, verübten die “Panther” Cleaver und Robert Hutton einen Angriff auf eine Polizei-Station in Oakland (2 verletzte Polizisten); Hutton wurde getötet, Cleaver gefasst. Er konnte dann aber entkommen, zunächst nach Cuba, wo er etwa ein halbes Jahr verbrachte.

Bei der Präsidenten-Wahl 1968 wurde er dennoch von der Peace and Freedom Party (PFP) als Kandidat aufgestellt, konnte nur in einigen Bundesstaaten kandidieren aufgrund zu geringen Alters.20 Cleaver wollte als seinen Vizepräsidentschafts-Kandidaten übrigens Jerry Rubin (s.u.). 1969, in dem Jahr, in dem FBI-Direktor J. Edgar Hoover die BPP die “grösste Gefährdung für die innere Sicherheit” der USA nannte (als ob es keine handfesten Ursachen für diese Art des Aktivismus gegeben hätten) und sie in sein COunter INTELligence PROgram (COINTELPRO) aufnahm, das u.a. die Infiltration “solcher” Organisationen umfasste, wurde Panther-“Führer” Fred(erick) Hampton in seiner Wohnung in Chicago von Polizisten getötet. Cleaver zog 1969 von Cuba nach Algerien um. In dieser Zeit gehörte es in manchen Kreisen fast zum guten Ton, die Black Panther zu unterstützen, siehe Horowitz, und Leonard Bernstein hielt 1970 eine Benefizveranstaltung für sie ab; darüber hat sich Thomas “Tom” Tom Wolfe in seinem Buch “Radical Chic & Mau-Mauing the Flak Catchers” mokiert.

Zu Beginn der 1970er kam es zu einem grundlegenden Richtungsstreit unter den Führern der BPP, hauptsächlich zwischen dem exilierten Eldridge Cleaver (blieb anscheinend Herausgeber der “Panther”-Zeitschrift) and Huey Newton in der USA. Es ging hauptsächlich um die Notwendigkeit eines bewaffneten Kampfes (Aufbau einer Stadt-Guerilla), als Antwort auf COINTELPRO und andere Staats-Aktionen gegen sie; Cleaver befürwortete diesen, während Newton dafür plädierte, auf politischem und sozialem Weg um Verbesserungen für Afro-Amerikaner zu kämpfen. Hinzu kam, dass Cleaver starke Verbindungen zu globalen Gegnern des USA-Imperialismus aufbauen wollte. Er zog den Kürzeren, wurde aus dem Zentralkomitee der Partei ausgeschlossen, wurde in der Black Liberation Army aktiv, die usrprünglich der bewaffnete/paramilitärische Flügel der Partei gewesen war – inwiefern sich die BLA unter Cleaver und “Assata O. Shakur” dann selbstständig machte, ist nicht ganz klar. Cleaver beschuldigte Newton, ein “Uncle Tom” zu sein, der lieber mit Weissen kooperieren wolle als sie zu “stürzen”. Zu den internen Streitigkeiten (die die Gruppe schwächten) kamen noch jene aufgrund der Morde an Alex Rackley 1969 und Betty Van Patter 1974, die den “Panthern” zur Last gelegt wurde.

Rackley, ein schwarzes Mitglied, soll von ihnen getötet worden sein, da er als Polizei-Spitzel verdächtigt wurde. Die Konflikte in der BPP ähneln in mancherlei Hinsicht denen im American Indian Movement (AIM), die etwas später losgingen, einer Organisation, die ebenfalls in’s Visier des CONINTELPRO genommen wurde. Die Black Panthers und die BLA gingen Bindungen mit diversen “antiimperialistischen” Staaten und Organisationen ein, wie Cuba, Algerien (wo Cleaver von 1969 bis 1972 war), Nordkorea, China, Nord-Vietnam, PLO21. 1972 bis 77 hielt sich Cleaver in Frankreich auf, wurde dort ein “wiedergeborener Christ” und begann eine Modefirma. Dann kehrte er in die USA zurück (nach anderen Angaben bereits 1975). 1977 kehrte auch Newton zurück, der sich seit 1974 in Cuba aufgehalten hatte22, weil er wegen Mordes gesucht wurde. Newton wurde in seinem Prozess freigesprochen, Cleaver kam nach einem “Deal” bzw einer Reduzierung der Anklage mit Sozialarbeit davon.

Cleaver machte mit seinem Modelabel weiter, auch mit seinem Christentum, war in mehreren, hauptsächlich evangelikalen, Gruppen aktiv, auch in einem Zweig der “Moon-Sekte”. In diesen Jahren, den frühen 1980ern, löste sich auch das, was von der BPP noch übrig war, auf (1982)… 1983 schloss sich Cleaver dann der konservativen “Mormonen-Kirche” (Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) an. Damit nicht genug, wurde er auch noch aktiver Republikaner, ausgerechnet Cleaver, der Führer des radikalen Flügels der Panther. Landete dort, wo auch Horowitz damals war, bei Reagan, der 1967 als Gouverneur von Kalifornien ein Gesetz veranlasst hatte, das BPP-Mitglieder im Waffenrecht diskriminierte. Anscheinend hat Cleaver dann auch noch eine eigene Religion/Sekte gegründet, Eldridge Cleaver Crusades, eine Synthese aus Christentum und Islam. Seine letzten 10 Jahre, 1988 bis 1998, waren von Drogen, Gesetzeskonflikten, Krankheit gekennzeichnet. Newton ist 1989 von einem Drogendealer getötet worden. Von den BPP-Führern lebt nur noch Robert “Bobby” Seale.

Der Neokonservativismus entstand Ende der 1960er, Anfang der 1970er, durch vormalige Linke/Liberale23, die von der Democratic Party oder der “Wildnis” links davon kamen. Irving Kristol, so eine Art Gründervater der Neocons, war ein Trotzkist gewesen; er sagte mal, der Neokonservative sei ein Liberaler, den die Realität heimgesucht habe.24 Bereits in den 1950ern entstand durch Ex-Kommunisten wie James Burnham die “National Review”, die zu einer Art Zentralorgan des Neokonservativismus wurde. Burnham, der in den 1930ern als trotzkistischer Philosoph aktiv gewesen war, war gewissermaßen ein Wegbereiter der Neocons. Die Neocons der ersten Generation setzten sich in den frühen 1970ern (zur Zeit der Präsidentschaft Nixons von der traditionellen Rechten) noch u.a. mit David Horowitz von der Neuen Linken auseinander… Damals war der Kalte Krieg das Ausschlaggebende.

Es stellt sich die Frage, ob die Neokonservativen durch ihre Rechtswendung (bzw Entstehung als solche) Pro-Israel wurden oder ob Sorge für Israel ihre Rechtswendung (mit) bedingte. Sicher ist, dass der Krieg 1967 viele Juden und Nicht-Juden (da hauptsächlich Rechte) “solidarisch” mit Israel verband. Viele der Neocons der ersten Generation waren/sind Juden, und Israel wurde für diese “Bewegung” ein wichtiges Anliegen, ist es bis zur Gegenwart geblieben. Paul Wolfowitz sprach sich in seiner Doktorarbeit in Politikwissenschaft an der Universität Chicago 1972, in der es um “Nuclear Proliferation in the Middle East: The Politics and Economics of Proposals for Nuclear Desalting” geht, noch entschieden gegen eine atomare Aufrüstung Israels aus (die damals gerade zum Abschluss gekommen ist). Wurde erst in den Jahren danach jener „Falken“, als der er (als Funktionär der Bush-Regierung) bekannt wurde. Wolfowitz besuchte an dieser Uni noch einige Vorlesungen von Leo Strauss, einem (ebenfalls jüdischen) politischen Philosphen, der als ein Ahnvater der Neocons gilt. Mehr beeinflusst wurde Wolfowitz aber von seinem Doktorvater Albert Wohlstetter; ab dem Studium gingen Wolfowitz und Richard Perle gemeinsame Wege, so als Gehilfen beim rechten DP-Senator Henry Jackson.

Unter Bush dem Jüngeren kamen die Neocons dann zu Macht und Einfluss; grossteils nach den Anschlägen von 2001, also etwa ein dreiviertel Jahr nach Bush’s Amtsantritt (dem eine umstrittene Wahl zugrunde liegt).25 Seit damals (10 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs) wird propagiert, dass die USA, der Westen und Israel auf einer Seite stünden, dem selben Feind gegenüber, dem Islamismus, bei gleichzeitiger Unterstützung Saudi-Arabiens. Neokonservative gibt es natürlich auch längst (zB) in Deutschland. Norman Podhoretz war nicht so links gewesen wie viele Neokonservativismus-Begründer, dennoch soll er herausgegriffen werden. Er wuchs in einer jüdischen Familie aus Osteuropa in New York auf. Die Familie war linksgerichtet, nicht religiös; dennoch machte er im tertiären Bildungsbereich auch eine jüdische theologische Ausbildung. Neben einem Abschluss in englischer Literatur. Dann, 1960, wurde er Chefredakteur von “Commentary (Magazine)”, der Zeitschrift des American Jewish Committee (AJC), blieb dies bis zu seiner “Pensionierung” 1995, wurde dann anscheinend Herausgeber des Magazins.

Dass er nie wirklich links/liberal war zeigt sein “Essay” aus 1963 mit dem Titel “My Negro Problem – And Ours”. Er war in einem multikulturellen und ärmeren Viertel von Brooklyn aufgewachsen, konnte nicht verstehen was das Erbe der Sklaverei für eine Gesellschaft/ein Land tatsächlich bedeutet. Sein damaliger Freund war der 07 verstorbene Autor Norman Mailer26, der war schon in den 1960ern talentierter und erfolgreicher. Das zeigte sich auch anhand von Podhoretz’ Memoiren, “Making It” (1967; wo er seinen Willen zu Erfolg, Geld, Einfluss bekundete). In den frühen 1970ern begann er sich gegen die bzw das Linke zu wenden, nahm “Commentary” (das er in den 60ern etwas liberal gemacht hatte) mit mit ihm. Die USA befände sich im “Vierten Weltkrieg” (Titel eines Buchs von ihm) gegen den “Islamofaschismus”, als nächstes solle der Iran drankommen (mit Krieg überzogen zu werden), Bush und er streuten sich gegenseitig Rosen27, von Giuliani wurde er Berater,… Deshalb hat die Springer-“Welt” auch einen Gastkommentar von ihm gebracht28; alles Andere ist ja “Antiamerikanismus”.

Podhoretz wurde einer der radikalsten Neokonservativen, die Wendung  an sich ist bei ihm nicht so abenteuerlich wie bei Anderen. Seine Tochter und noch mehr sein Schwiegersohn Elliott Abrams sind so radikal wie er (geworden), dieser Abrams auch noch um einiges mächtiger. Podhoretz endete als Cheerleader von Bush, Palin, Trump – letzterem hält er die Stange, während sich Bush, Wolfowitz, Romney, McCain, William “Bill” Kristol29 abwandten… Was sagte Podhoretz’ früherer Freund Mailer (der gemäßigt links blieb) zu Bushs Irak-Krieg 03: “Fascism is more of a natural state than democracy. To assume blithely that we can export democracy into any country we choose can serve paradoxically to encourage more fascism at home and abroad. Democracy is a state of grace that is attained only by those countries who have a host of individuals not only ready to enjoy freedom but to undergo the heavy labor of maintaining it.”

Der australische Historiker Keith Windschuttle war in den 1960ern und 1970ern ein Angehöriger der Neuen Linken, ein Rechtsruck zeigte sich bei ihm mit dem Buch “The Media”, über die Medien in Australien. Während die erste Ausgabe 1984 noch für staatliche Regulationen im Medienwesen plädierte (das politische Programm der Rechten kritisierte), sah er in der dritten Ausgabe (1988) die Dinge anders: „Overall, the major economic reforms of the last five years, the deregulation of the finance sector, and the imposition of wage restraint through the social contract of The Accord, have worked to expand employment and internationalize the Australian economy in more positive ways than I thought possible at the time.“ 1994 stieg Windschuttle dann mit “The Killing of History” in den Historikerstreit (history wars) um die Entwicklung Australiens seit der Ankunft der Briten 1788 (und was sie für die Aborigines und Torres Strait Islanders bedeutete/brachte) ein; seine Rechtswendung scheint also vor Beginn seiner Beschäftigung mit den Aborigines geschehen zu sein. Die history wars waren 1968 vom Anthropologen William Stanner angestossen/ losgetreten worden, als er in einer Fernseh-Sendung das australische Selbstverständnis (bzw die im Land vorherrschende Geschichtsauffassung) kritisierte.

Mit dem australischen Referendum 1967 wurde die Emanzipation der Aborigines (keine ideale Bezeichnung) in die Wege geleitet, konkret wurde damit eine Verfassungsänderung angenommen, auf deren Grundlage in den 1970ern Bundesgesetze kamen, welche die Lage der Ureinwohner verbesserten. Es ist kein Zufall, dass der Historikerstreit (der einer innerhalb der weissen australischen Gesellschaft ist) parallel zu dieser Gleichstellung auf Touren kam. Historiker (auch andere Wissenschafter sowie Journalisten waren beteiligt) stiessen mit ihren Bestrebungen zu einer Revision der australischen Historiographie klarerweise auf Widerstände. Der Historiker Geoffrey Blainey höhnte 1993 im Magazin “Quadrant”, es hätte sich mit den “neuen Historikern” eine Geschichtsschreibung mit schwarzem Armband etabliert, was dem modern gewordenen Vorwurf des “Selbsthasses” nahe kommt.30 Es geht um den Charakter der Inbesitznahme und Besiedlung Australiens durch GB, inwiefern das friedlich geschah, schlechte Behandlung der indigenen Bevölkerungen Ausnahmen oder Regel war, ob evtl sogar ein Genozid vorliegt. Der Zeitraum der dabei behandelt wird, ist die Zeit der “Grenzkriege”, die die Ausbreitung der Weissen dort mit sich brachten, die etwa 150 Jahre vom späten 18. Jh bis zu den 1930ern. Aber die Diskussion betraf und betrifft natürlich die lebenden Aborigines und ihre Situation.

In “The Killing of History: How a Discipline is being Murdered by Literary Critics and Social Theorists” (erste Auflage 1994) attackiert Windschuttle die australische Aufarbeitung der Massaker, Vertreibungen, Drangsalierungen,… der (bzw gegen) Aborigines, verteidigt die Praktiken und Ergebnisse der “traditionellen” weiss-australischen Geschichtsschreibung. Er beschäftigt sich seither fast nur noch mit den Aborigines des Landes, bzw der Geschichtsschreibung sie betreffend. Wurde führend auf der “rechten” Seite fes “Geschichtskriegs”, neben Geoffrey Blainey; von der “Gegenseite” sind Henry Reynolds oder Stuart MacIntyre zu nennen. Es ist diese Auseinandersetzung eine unter “weissen” Australiern; was sie jedenfalls gebracht hat, ist eine gewisse Integration der Indigenen/Aboriginals in die australische Geschichte, ein anderer Status als geschichtslose unterworfene Objekte für sie, zumindest eine gewisse Anerkennung der Verbrechen an ihnen. Die Geschichtskriege um die (Neu-) Beurteilung der Vergangenheit betreffen natürlich auch die Identität Australiens, seinen Charakter, können deren/dessen Neudefinition bewirken, die Anerkennung dass das Land mehr als nur die britische(n) Tradition/ Wurzeln hat.

Die Auseinandersetzung ist so politisch, dass sich Politiker in sie eingeschaltet haben, voran John Howard (Liberal Party/ LP), Premierminister 1996–2007, der natürlich für die konservative Seite Partei ergriff, die dem Magazin “Quadrant” nahe steht.31 Von der Australian Labor Party (ALP) hat sich dazu v.a. Ex-Premier Keating zu Wort gemeldet. Mit der Haltung zu den Aborigines bzw zu einer gemeinsamen Geschichte mit ihnen korrelieren in Australien für gewöhnlich eine Reihe weiterer Standpunkte, entlang der Links-Rechts-Scheide.32 Der erste Band von “The Fabrication of Aboriginal History” von Windschuttle kam 2002 heraus. Darin beschuldigt er “linke” Historiker, Quellenmaterial “verdreht” zu haben, um ihre politische Agenda zu stützen. Sich und die mit ihm “assoziierten” Historiker sieht er auf der Seite der unvoreingenommenen Geschichtsforschung.

Klaus R. Röhl, der deutsche Historiker und Publizist, war ja privat und politisch in den 1960ern mit Ulrike Meinhof zusammen, zusammen brachte man die Zeitschrift “Konkret” und Zwillingstöchter hervor.33 Man übte radikale Kritik an der BRD, hatte Einfluss auf die “APO” (die hauptsächlich von Studenten getragen wurde). 1964 die Trennung von “konkret” von der DDR bzw der (damals illegalen) KPD, ’67 die Trennung zwischen Röhl und Meinhof (68 Scheidung), 69 jene Meinhofs von “konkret”. Während Röhl in Hamburg um die Leitung der linken Zeitschrift kämpfte, zog Meinhof mit den Zwillingstöchtern Bettina und Regine nach West-Berlin, ging auch politisch eigene Wege. Meinhof beteiligte sich 1970 an der Befreiung des zuvor als Kaufhausbrandstifter bekannt gewordenen Andreas Baader, ging in den Untergrund, schloss sich der kurz danach gegründeten “Roten Armee Fraktion” (RAF) an; Röhl kritisierte diesen Weg von Teilen der “Neuen Linken” zur Gewalt (mit Repräsentanten des Systems, oder was dafür gehalten wurde) entschieden.

Röhl musste 1973 “konkret” verlassen, bald danach wurde die Zeitschrift eingestellt; 1974 kam es zu einem Neustart unter Hermann Gremliza. Röhl machte weiter als leitender Redakteur bei anderen linken Magazinen, “das da” und “Spontan”. Wann er genau sein Geschichte-Studium begann, ist nicht so einfach zu eruieren, möglicherweise war er auch ein “Ultra”-Langzeitstudent, dessen Studienzeit sich über Jahrzehnte hinzog. Mit der Trennung von “konkret” scheint bei Röhl jedenfalls die politische Kehrtwende eingeleitet worden zu sein. Und, 1993 schloss er sein Studium bei Ernst Nolte an der FU Berlin mit einer Dissertation über “Nähe zum Gegner. Die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nationalsozialisten beim Berliner BVG34-Streik von 1932″ ab.

Das diese Kehrtwende damit zu einem Abschluss gekommen ist, zeigt sich auch durch das Buch “Linke Lebenslügen”, das 1994 von ihm herauskam, auch weil er dort schrieb: „Im Sommer 1987, zwei Jahre vor der Wende, habe ich angesichts der maßlosen und ungerechtfertigten Kampagne gegen Ernst Nolte beim sogenannten Historikerstreit‚ an diesen geschrieben und ihm den Vorschlag gemacht, solidarisch, gewissermaßen demonstrativ bei ihm zu promovieren. Die Wahl des Doktorvaters war also keineswegs ein Zufall.“ Hier sieht man auch schön, dass Orientierung an früheren Positionen ein Charakteristikum dieser “Gewendeten” zu sein scheint, man dreht sich in gewissen Fragen um 180°, wie Röhl zu Nolte.

Er sieht sein Schreiben auch als “Aufklärung” über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und linksutopischen Aktivitäten, an denen ich als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“. 1994 war er einer der Autoren des Sammelbands “Die selbstbewusste Nation”, 1995 trat er der FDP bei. Er engagierte sich dort im nationalliberalen Flügel der Partei um Rainer Zitelmann, Alexander von Stahl, Heiner Kappel („Liberale Offensive“). Mit Zitelman sowie weiteren Springer-“Welt”-Journalisten (Ulrich Schacht, Heimo Schwilk) initiierte Röhl in diesen Jahren “Aufrufe” deutsch-nationalen Charakters. Röhl, der aus Westpreussen ist, schreibt heute u. a. für die “Preußische Allgemeine Zeitung” (ehemals “Ostpreußenblatt”). Nun ja, er wurde weniger “transatlantisch” (oder “israel-freundlich”) als deutsch-national, weniger verlogen als so manche Schreiber gerade bei “Die Welt”… Missfelder oder Stürmer propagier(t)en eben einen anderen National-Chauvinismus, einen der auf einer breiteren Grundlage steht. Viele, wenn nicht die meisten, 68er sind reaktionär geworden, in der einen oder anderen Form, es kommen auch noch welche vor, hier (ausserdem  “Anti”Deutsche, Ex-Grüne); Röhl ist nicht so rechts geworden wie Rabehl oder Mahler aber mehr als Aust, Enzensberger oder Schily, und offener rechts als die etwas jüngeren Küntzel oder Ditfurth.

Der Kanadier Patrick Moore war Umweltaktivist, einer der Greenpeace-Mitbegründer, bis 1986 Präsident von Greenpeace Canada. Es heisst, er begann mit der Politik zusammen zu arbeiten, um seine Vorstellungen von Umweltschutz umzusetzen, was ihn in Konflikt mit Greenpeace brachte. 1986 verliess er die Organisation bzw wurde dazu aufgefordert; wie bei Trennungen im Schlechten auch privat so üblich, stellte er dies dann so dar, dass er von sich aus gegangen sei (“Extremisten” hätten Greenpeace übernommen). Laut Greenpeace war es anders. Moore wechselte die Seiten, stellt sich als “Umweltexperte” Allen gegen Geld zur Verfügung, wurde Lobbyist/ PR-Berater/ “Botschafter” v.a. der Atom-, Papier- und Gentechnik-Industrie. Bei David MacTaggart, einem anderen Mitgründer von Greenpeace war es umgekehrt, er war ein Unternehmer bevor er sich dort engagierte. Moore bestreitet einen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel, dafür gäbe es keinen wissenschaftlichen Hinweis; ausserdem seien CO2-Emissionen gut für den Planeten und die Menschheit. Er ist Kritiker von GP geworden, nennt die Umweltbewegung “destruktiv” (sie hätte falsche Richtung eingeschlagen, nicht er). Er versteht sich weiterhin als Umweltschützer bzw gibt sich als solcher aus (ist als solcher zu buchen), gründete 1991 das PR-Unternehmen Greenspirit, das seine Aktivitäten koordiniert.

Arthur Koestler (Artúr Kösztler) wurde 1905 in Budapest geboren, war Sohn eines deutschsprachigen jüdischen Industriellen, erlebte als Kind in Ungarn das Ende der Habsburger-Monarchie (Österreich-Ungarn) 1918, die kommunistische Revolution unter Béla Kun (Kohn) 1919, und die rumänische Besetzung von Budapest im selben Jahr. In diesem Jahr zog die Familie nach Wien und er tudierte dort ab 1922 parallel etwas Technisches und etwas Geisteswissenschaftliches. Wurde während seines Studiums Mitglied der schlagenden jüdischen Studenten-Verbindung “Unitas”. Er ist einer Jener, die als Geistesgrössen gelten, die ihr Studium abgebrochen bzw nicht abgeschlossen haben. Köstler tat das 1926, als er in das damals britische Palästina ging, um am zionistischen Projekt dort mitzumachen. Er kam zunächst in einen Kibbuz in Nord-Palästina (“Heftziba”), der einige Jahre zuvor entstanden war, durch Juden aus Mitteleuropa wie ihm; hielt sich etwa ein Jahr in Palästina auf. In dieser Zeit begann er zu schreiben, Reportagen, die in Deutschland veröffentlicht wurden. Dorthin, nach Berlin genau, zog er 1930, schloss sich der KPD an, reiste in den Spanischen Bürgerkrieg, berichtete von ihm,…

Unter dem Eindruck der stalinistischen “Säuberungen” und Schauprozesse in der Sowjetunion 1936 bis 1938 (die sich hauptsächlich gegen “abweichlerische” Kommunisten richteten!) wandte sich Koestler vom Kommunismus ab. 1939/40 reiste er über Frankreich nach GB aus. In den Jahren des 2. WK diente er im britischen Militär, begann auf Englisch zu schreiben, besuchte wieder Palästina – Köstler entschied sich schliesslich für Grossbritannien als sein Land der Zukunft, eine gewisse Verbindung zum revisionistischen Zionismus (> Herut, Likud) blieb. Das englische Original von “Diebe in der Nacht” kam 1946 heraus, ein Roman der teilweise auf seinen eigenen Kibbuz-Erfahrungen basierte, und der den entstehenden zionistisch-arabischen Konflikt aus zionistischer Perspektive darstellt. Irgendwann wandte er sich von Belletristik und Politik/Zeitgeschichte ab und naturwissenschaftlichen und parapsychologischen Themen zu, hier ist  “Roots of Coincidence”/”Wurzeln des Zufalls” (1972) hervor zu heben. Eines seiner letzten Bücher war “Der dreizehnte Stamm” (1976), in dem er den aschkenasischen Juden eine Abstammung von den Khasaren statt von den alten Israeliten zusprach. 1983 verübte er mit seiner Frau angesichts schwerer Krankheiten gemeinsamen Selbstmord in London. Posthum kamen Vergewaltigungsvorwürfe ihm ggü.

Benny Morris war einer der „neuen Historiker“ Israels, die mutig die Massaker und Vertreibungen der Nakba (die um die israelische Staatsgründung herum statt fand) untersuchten. Er wurde linientreuer israelischer Historiker, steht nun rechts der Mitte, rechtfertigt längst Vertreibungen von Palästinensern. Aber das ist längst nicht Alles. Auf einer dropthebomb-“Konferenz” 08 hat Morris (wie auch schon 07 in “Die Welt”) einen präventiven atomaren Angriff Israels auf den Iran gefordert, wegen dessen Atomprogramm. Wobei, die Einladung durch Grigat & Konsorten allein schon aussagt, wo und für was er steht. ”Ich denke, alle rundherum wären sehr ruhig danach“, so Morris damals über einen Nuklearkrieg gegen Iran. Die Iraner hätten das Regime zu verantworten und seien damit selber schuld. Widersprochen hat ihm dort niemand. Dort waren auch Leute, die propagieren, dass die Iraner eigentlich für “ihre Befreiung” seien, was auch auf ein Kriegs-Plädoyer hinausläuft, nur verkaufen ihn diese nicht als “Strafe” für Iraner, sondern “Befreiung”. Von ihm kommen am laufenden Band Kommentare, Prophezeiungen, Einschätzungen, die sich an Zynismus und an Rassismus und Verachtung ggü “Arabern” (oder was er dafür hält) übertreffen.

Morris selbst hat seinen “Wandel” so kommentiert, dass er seine Ansichten nach der palästinensischen Zurückweisung des Barak-Angebots in Camp David 2000 und dem Beginn der Zweiten Intifada bald danach geändert hätte. “My turning point began after 2000. I wasn’t a great optimist even before that. True, I always voted Labor or Meretz or Sheli and in 1988 I refused to serve in the territories and was jailed for it, but I always doubted the intentions of the Palestinians. The events of Camp David and what followed in their wake turned the doubt into certainty.” Die Palästinenser wollten Alles, habe er da gewusst. Während dieser Intifada bezeichnete er die Palästinenser dann als “wilde Tiere”, die weggesperrt werden müssten, am Holocaust haben sie praktischerweise auch Mitschuld,… Bei Morris sieht man, wie relativ das ist, was Windschuttle postuliert hat (und für sich in Abrede stellt), bei Morris änderten sich mit den Ansichten über die Palästinenser die “Forschungsergebnisse”, die “Befunde” über sie35, seine Texte sie betreffend. Dazu auch hier einige grundlegende Gedanken.

Ilan Pappe, einer jener neuen Historiker, die mutig weiterforschten in der eingeschlagenen Richtung, sagte über Morris, dieser habe dem Druck der in Israel auf ihn ausgeübt wurde, nachgegeben, darum gebeten, wieder in den Stamm aufgenommen zu werden, mache nun ein Mea culpa. Pappe selbst hat Israel unter diesem Druck verlassen. Jedenfalls wäre Morris bei Weitem nicht der einzige Zionist, der um 2000 seine Haltung (ggü Palästinensern usw) änderte, bzw bei dem “aus Zweifeln Gewissheit wurde”, die sich dann rühmten wie grosszügig und gleichzeitig naiv sie doch gewesen seien.

Sita Ram Goel (1921–  2003) war ein indischer Autor und Aktivist. Dass er Hindu war, hatte für ihn lange kaum eine Bedeutung. Er fühlte sich in seiner Jugend zu den Lehren von Karl Marx hingezogen, wollte der indischen kommunistischen Partei (CPI) beitreten. So wie Sri Aurobindo (Ghose) den Schlüssel zu einer harmonischen menschlichen Persönlichkeit bot, dachte Goel damals, stand Marx für ein harmonisiertes soziales System. Er stammt aus dem Punjab, studierte Geschichte (mit Abschluss) in Delhi, zog dann nach Kalkutta/ Kolkata – alles Gebiete in denen Hindus, Moslems und Andere zusammen lebten. Lange kämpfte man zusammen um die Unabhängigkeit Indiens von Grossbritannien. Gleichzeitig wurde aber eine Entzweiung zwischen Hindus und Moslems stärker, zwischen dem Indian National Congress (der eigentlich auch die Anliegen der moslemischen Inder vertrat) und der All-India Muslim League.36 Nach dem Wahlsieg der Labour Party unter Attlee in GB und der Wahl zur Legislativversammlung in Indien jeweils 1945, war die Unabhängigkeit Indiens bereits ziemlich nahe.

Mitte ’46 wurde in den Regionen Britisch-Indiens gewählt37, auf Grundlage dessen dann eine Verfassungsgebende Versammlung zusammengestellt, aus der eine provisorische Regierung gebildet wurde. Es gab im Sommer 46 Streit um einen (möglichen) Vorrang des INC bzw der Hindus, die Muslim League unter Mohammed A. Jinnah boykottierte die Konstituante.38 Jinnah rief Moslems in Indien für den 16. August zum “Direct Action Day” auf, der eigentlich aus Streiks und Demonstrationen bestehen sollte. In Bengalen, neben Punjab jenes Gebiet, in dem Hindus und Moslems am stärksten mit einander “verwoben” waren, wurde der Tag zu einer der Gewalt zwischen den Volksgruppen, hauptsächlich in Kolkata/Kalkutta, wo sich damals ja auch Goel aufhielt. Es ist natürlich umstritten, welche Seite angefangen hat, welche sich nur verteidigte und wer die meisten der an die 10 000 Opfer zu beklagen hatte. Der Tag war für die weitere Geschichte Indiens einschneidend und entscheidend; hier erst legte sich die Muslim League definitiv auf die Forderung nach einem eigenen Staat für Moslems in Indien fest, ab hier war nicht mehr die Unabhängigkeit im Vordergrund sondern die Teilung.39 So auch beim Engagement von Mochandas Gandhi.

Sita Goel schrieb später, er wäre am 16. August 1946 von einem moslemischen Mob gelyncht worden, wenn er sich nicht als Moslem verstellt hätte, was ihm durch seine Beherrschung von Urdu gelang.40 Am Tag danach brachte er sich und seine Familie in Sicherheit, so Goel in seiner Autobiografie “How I Became a Hindu” (erstmals 1982 veröffentlicht). Er wurde ausgesprochen anti-kommunistisch und zunehmend hindu-nationalistisch (auch unter dem Einfluss von Ram Swarup). Die meisten seiner Bücher schrieb er auf Englisch, weniger auf Hindi. Hervor zu heben ist etwa “The Story of Islamic Imperialism in India” (1. Auflage 1982). Auf der en.wikipedia-Seite über Goel sind am Ende bei “See also” Verweise zu Koenraad Elst, Oriana Fallaci, Robert Spencer, “Ibn Warraq”, Andrew Bostom, Srdja Trifkovic,… Man will aus ihm eine Ikone der Islamophobie machen. Über die Fallstricke bei der diesbezüglichen Einbindung des Hindu-Nationalismus steht in den Antisemitismus-Artikeln schon Einiges. Evangelikale wie “Pat” Robertson können ja auch Hinduismus und Buddhismus nicht akzeptieren, Goel wiederum hat sich als Kritiker des Christentums in Indien und generell hervor getan41; Vielen in diesen Milieus sind Inder an sich zu “orientalisch” und “dunkel”,… Es ist im Grunde das selbe wie mit Griechen ggü Türken, es gibt (westliche) Versuche, sie als “positive Antithese” zu deklarieren, sie werden dann aber doch immer wieder als ihnen (den Türken) zu ähnlich aufgefasst.42 Goel scheint sich nicht gedreht zu haben, um jemandes Anerkennung zu bekommen, schon gar nicht von Rassisten aus dem Westen.

Der politische Philosoph Pascal Bruckner, ein Franzose, ist etwas zu jung um ein bedeutender 68er zu sein, wurde in diesem Milieu aber politisch sozialisiert, blieb ihm die 70er hinweg treu. Er ist einer der Ex-68er die sich nach Rechts drehten. 1983 kam ein Buch von ihm auf den Markt, “Le Sanglot de l’Homme blanc” (Die Tränen des weissen Mannes), in dem er eine “antiwestliche”, “antiweisse” Haltung in der Linken beklagt. Der Titel ist abgeleitet von Ruyard Kiplings Gedicht “Des Weissen Mannes Bürde”, von dessen Geist ist Bruckner nicht so weit weg; damit hat er u.a. Michel Thomas (“Houellebecq”) beeinflusst. Zu Bedeutung kam er erst als Rechter, als „neo-reac“ der er geworden ist (so etwas wie “Neocons” in Frankreich), als Abendlandretter gegen Farbige, Moslems, Linke, mit/für Zionisten. Er spricht/schreibt von “islamo-gauchisme”, einer “Allianz” zwischen der areligiösen (westlichen) Linken und dem Islamismus. In “La Tyrannie de la Pénitence: Essai sur le Masochisme Occidental” beklagt er die Haltung westlicher Intellektueller, die aus “Schuldgefühl” ggü Vergangenem den Westen für Massen-Einwanderung öffnen würden, von Afrikanern und Moslems, welche eben diesen Westen (von “Innen”) zerstören könnten.

Das “Schuldgefühl” sei natürlich auch unangebracht, und eine damit verbundenen “Romantisierung” und “Viktimisierung” des “Südens”. Inzwischen sei “West-Hass” etwas zutiefst westliches. Gelobt sei die USA, wo man, anders als in Europa, noch nicht in “Selbsthass” versunken sei. Israel werde vom/im Westen ungerecht negativ beurteilt/behandelt, aus diesem “Schuldkomplex” heraus – den Holocaust versucht er nicht den Moslems “überzustreifen”, nein, aber jene die Israel kritisierten (im Westen), arbeiteten an einer Befreiung dieser historischen Schuld. Wenn er schreibt, Europa sei “der kranke Mann des Planeten”, könnte das auch von einem Islamisten sein. Wie er jetzt Westen/Europa definiert (gehört Russland dazu?,…), ob er Frauen- oder Homosexuellenanliegen als “westlich” sieht oder schon eine “Abweichung” von den westlichen Werten, oder Gruppen wie AfD/PEGIDA als in seinem Sinne..?

Alain Finkielkraut war in seiner Jugend in kommunistischen Gruppen aktiv, wurde ganz rechts (auch ein Abendlandretter), garniert seine reaktionären Haltungen wenigstens nicht mit Frauenrechtsengagement, steht zu einer gewissen Frauenfeindlichkeit. Bruckner arbeitet(e) passenderweise mit Finkielkraut zusammen, bläst in das selbe Horn wie Alexandre del Valle oder Pierre-André Taguieff. Ähnlich wie Bruckner hat sich André Glucksmann entwickelt, weniger reaktionär wurde Bernard Kouchner (der im französischen 68 schon wichtig gewesen war), bei Stéphane Courtois, dem Ex-Maoisten, dreht sich heute Alles um Antikommunismus (ohne Abendlandrettung), Renaud Camus oder Alain de Benoist43 waren nie links. Im “Cercle de l’Oratoire” werden sich die meisten der Genannten wahrscheinlich treffen. Regis Debray wurde ein moderater Konservativer bzw Mitte Links, Alain Geismar ist anscheinend nicht konservativ/rechts geworden.

Unter jenen Ostblock-Überläufern, die das nicht aus “Pragmatismus” taten, befindet sich Arkady Shevchenko. Der Ukrainer machte Karriere im diplomatischen Dienst der SU, wurde Vize-Generalsekretär der UN, Berater von Aussenminister A. Gromyko. Er wurde zur Zeit der Annäherung zwischen Ost- und Westblock in den 1970ern mit der SU-Politik unzufrieden; erwog Rücktritt und einen Versuch der Richtungsänderung in der SU, nahm dann aber mit der CIA in der USA Kontakt auf – die wollten, dass er weitermachte… Nachdem er 1978 in die SU zurückbeordert wurde, quittierte er den Dienst, blieb in der USA, machte sein Überlaufen öffentlich. Er war wahrscheinlich der höchstrangige Ostblock-Funktionär der das getan hat. Seine Frau in der SU machte nicht mit, starb dann unter ungeklärten Umständen; er bekam einen Prozess in Abwesenheit. Er starb 1998 in der USA an Leberzirrhose, nachdem er eine Autiobografie heraus gebracht hatte.

K. Wolf Biermann ist in Hamburg geboren, jüdischer Herkunft, wuchs in der DDR auf; nach einer Konzerttour durch die BRD 1976 wurde dem regimekritischen Liedermacher die Wiedereinreise verweigert und er ausgebürgert. So landete er wieder in Hamburg. In einem Interview hat er davon geredet, dass er auch danach noch an den Kommunismus geglaubt hat, irgend einen “wahren”, der im Ostblock nicht verwirklicht war – eigentlich ist nur dadurch hier nennenswert. Erst durch die Begegnung mit Manes Sperber in Paris sei ihm da etwas klar geworden. Er wurde ein spiessiger Ex-Kommunist, der es sich rechts gemütlich gemacht hat. 1998 trat er bei der CSU-Klausurtagung in Kreuth auf, am Kamin mit Waigel & Co. Merkel stuft er als nahezu ideale Politikerin ein, welche höchstens den Fehler gemacht habe, dem “Mehrheitsdruck des Mobs” beim Atomausstieg nachzugeben. Zu 25 Jahre Mauerfall 2014 hetzte er im Bundestag gegen die Linke, redete vom “Sieg über die Drachenbrut”.

Comer Vann Woodward (1908 – 1999) war ein US-amerikanischer Historiker, der sich hauptsächlich mit den Südstaaten der USA und mit Rassenbeziehungen beschäftigte. Woodward war ein Linksliberaler, Aktivist für Bürgerrechte. Von Bedeutung war v.a. sein Buch “The Strange Career of Jim Crow” (1955), in dem er das späte 19. Jh als Beginn der Rassentrennung in den Südstaaten ausmachte. Es heisst, aufgrund von Attacken von Neuen Linken auf ihn in den späten 1960ern “rutschte” er nach Rechts. Er engagierte sich gegen Kommunisten, im historischen akademischen Betrieb. Aber auch bezüglich des Rassischen änderte er seine Haltung, er schrieb ein Lob auf Dinesh D’Souza’s „Illiberal Education: The Politics of Race and Sex on Campus“. Es dürfte ihm allgemein um bzw gegen „politische Korrektheit“ gegangen sein.

Die deutsch-österreichischen “Anti”deutschen entstanden Anfang der 1990er, was schon mal eine Rechtswendung war (mehr als ein Richtungswechsel innerhalb der Linken). 2001 kam es zu einer Radikalisierung, zum Bruch mit anderen Linken, in vieler Hinsicht einer Abwendung vom Linken, seither zu weiteren Rechtsrucken.44 Auch “A”D-“Vordenker” bzw Bezugsfiguren wie “Jean Amery” (Hans Mayer) waren gewendete Linke. Die Führungsfiguren der ersten “A”D Anfang der 1990er kamen vorwiegendst vom (maoistischen) Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) und anderen K-Gruppen, so wie Matthias Küntzel. Auch hier stellt sich die Frage, ein Bruch mit der Ideologie oder konsequente Weiterentwicklung? Küntzel beansprucht, als Wissenschafter ernst genommen zu werden. Hans-Gerhart “Joscha” Schmierer war im SDS führend tätig, dann im KBW (bis zu dessen Selbstauflösung 1985); er ging zu den Grünen, wurde auch eine Art “A”D. Schmierer kam unter “Joschka” Fischer ins Aussenministerium, versuchte, seine früheren Positionen umzudeuten, und lobte George W. Bush.

Die “bahamas” hat ja bereits 09 die Bezeichnung “antideutsch” von sich gewiesen (> AS IV) und Manche in dem Milieu stehen auch dazu, rechts geworden zu sein, andere (noch) nicht. Deutschland-schelte hatte dort jedenfalls immer die Funktion einer Tarnung, für einen offenen, neuen, hässlichen Deutsch-Nationalismus. Sören Pünjer promotet zB die rechtsextreme britische Hooligangruppe “English Defence League” wie auch die FPÖ, bezeichnet Neofaschisten als “von links Getriebene”, was Demonstrationen gegen sie “immer lächerlicher und überflüssiger” mache. Maul schwärmt für die AfD, sieht das ja nicht als “Übertritt”, im Gegenteil… An solchen Fällen sieht man, wie nahe “Anti”deutsche und Recht(sextrem)e einander sind.45 Aber es gibt ja noch immer jene “Anti”deutschen, die sich als „Linksradikale“ sehen bzw präsentieren, Seite an Seite mit den offen Rechten agieren, so wie bei den drop-“Konferenzen”.46

Der Engländer Christopher Hitchens durfte als Journalist um die Welt reisen und seine Meinungen zu Geschehenem an Zeitungen schicken, die es veröffentlichten. In Zypern lernte er eine Frau kennen, mit der er dann Kinder hatte, in der USA blieb er länger, wurde auch ihr Staatsbürger. Politisch gehörte er in den 1960ern der Labour Party an, wurde mit Anderen ausgeschlossen, angeblich wegen Gegnerschaft zur Unterstützung des Vietnam-Kriegs durch Premierminister Harold Wilson. Hitchens war dann in kleinen trotzkistischen Gruppen aktiv. In späteren Jahren schrieb er hauptsächlich für die liberale amerikanische Wochenzeitschrift “The Nation”, Bücher, hielt Vorträge. Noch 2001 kam von ihm ein kritisches bzw angemessenes Buch über Henry Kissinger (“The Trial of Henry Kissinger”) heraus; der sich nicht zuletzt dadurch schuldig gemacht hat, dass er den Pinochet-Putsch in Chile, am 11. September 1973, unterstützt/ermöglicht hat. Nach den Anschlägen vom 11. 9. 2001 verliess er “The Nation”, ätzte dabei, dort sähe man John Ashcroft  (Bushs Justizminister) als grössere Plage denn Osama bin Laden.

Hitchens sprach/schrieb von “Faschismus mit islamischem Gesicht”, der von einer interventionistischen Politik (also einer Anglo-Weltpolizei) herausgefordert werden sollte. Er stellte sich auf die Seite von Bush und den Neokonservativen, begrüsste den Irak-Krieg, distanzierte sich von der Linken, die er in einer Art “Appeasement” sah – das war unter Linken in dieser Zeit gang und gäbe, besonders jenen die um 1968 herum politisch sozialisiert worden sind. Was er sich nicht fragte, ist warum man im Westen Bin Laden erst in den 1990ern als Problem aufgefasst/behandelt hat, und in den 1980ern mit ihm zusammengearbeitet, als er von Pakistan aus islamistischen Terror gegen Afghanistan und seine Regierung organisierte. Oder, bezüglich der Khomeini-Fatwa gegen Salman Rushdie, den er seinen Freund nannte: Wann der Westen in Ländern wie Iran (oder Türkei) jemals emanzipatorische Bewegungen/Herrscher/… unterstützt hat. Hitchens bestand aber darauf, kein Neocon geworden zu sein.

So wie er ein un-orthodoxer Linker gewesen war, wurde er dann auch kein orthodoxer Konservativer. In einem BBC-Interview 2010 gab er an, noch immer wie ein Marxist zu denken und sich als Linken zu betrachten. Mit Gore Vidal hat sich Hitchens jedenfalls in seinem letzten Jahrzehnt politisch-menschlich zerkracht. Und, seine “Ausweitung der Kampfzone” (nennen wir seine Wendung so, nach dem Titel eines Houellebecq-Romans) brachte ihm insgesamt eine Erweiterung seiner Leserschaft und seiner Anerkennung. Hitchens wurde aber Keiner, der das Abendland mit Israel-Unterstützung retten wollte und wurde auch “bzgl Frauen” nicht unbedingt politisch korrekt. Er, der teilweis jüdischer Herkunft war, blieb auch konsequent (und nicht selektiv) ein Atheist bzw eher Antitheist. Der starke Trinker und Raucher erlag der Krankheit, die sich daraus “ergab” 2011.

Auch George Robert Conquest47 zog es aus Grossbritannien in die USA und ihn definitiv vom Kommunismus weg. Er war zum Beginns eines Studiums in Oxford „offenes“ Mitglied in der Communist Party of Great Britain (CPGB) aber auch im Conservative Carlton Club. Als die CPGB den Kriegseintritt von GB 1939 als “imperialistisch” und “kapitalistisch” ablehnte, brach Conquest mit ihr. 1940 wurde er selbst in’s Militär eingezogen, blieb dort bis 1946. Danach arbeitete er für das Information Research Department (IRD) des britischen Aussenministeriums, im Zeichen von Propaganda-Bemühungen im beginnenden Kalten Krieg. Conquest blieb dem Anti-Kommunismus als Historiker/Politologe treu, zT in staatlichen Diensten. 1968 veröffentlichte er sein “Opus magnum”, „The Great Terror: Stalin’s Purges of the 1930s“, über die stalinistischen “Säuberungen” in der SU, die ja zB Köstler vom Kommunismus abgebracht haben.48 Er unterstützte die Holodomor-These, wonach der Hungertod von Millionen Ukrainern unter Stalin absichtlich in die Wege geleitet worden sei.

Seine wissenschaftliche Arbeit scheint eine Art Fortsetzung seiner Propaganda-Tätigkeit für das Aussenministerium in der Nachkriegszeit und in einem Militär-Geheimdienst in der Kriegszeit gewesen zu sein (auch wenn sicher viel Wahres dran ist an dem was er über den Terror Stalins schrieb). Conquest veröffentlichte auch, zusammen mit seinem Freund Kingsley Amis, die fünfbändige “Spectrum”-Reihe von SF-Anthologien. In „What to Do When the Russians Come: A Survivor’s Guide“ entwickelt er die Idee einer Besetzung der USA durch die Rote Armee…49 Conquest war Mitglied bei konservativen Denkfabriken wie dem Center for Strategic and International Studies. Er kritisierte auch linke Persönlichkeiten im Westen, wie Jean-Paul Sartre und Bertolt Brecht, als “Apolgeten Stalins”. Er wirkte an der Stanford-Universität in Kalifornien, bekam von Bush 05 einen USA-Orden, zusammen mit Aretha Franklin und Alan Greenspan. Dafür war Hitchens vermutlich noch zu jung und ausserdem insgesamt zu un-konservativ geworden. Der bekam bei seinem Tod eine Würdigung von GB-Premier Blair. Conquest ist ein Beispiel für einen Kommunisten der ein Anti-Kommunist wurde, wobei nicht ganz klar ist, inwiefern er, als Student, einer geworden war.

Salvatore „Sonny“ Bono, Italo-Amerikaner, war Pop-Sänger, Partner von „Cher“ (Cherilyn Sarkisian) in der Hippie-Zeit. Er ging in die Politik nachdem er beim Versuch, in Palm Springs (California) ein Restaurant zu eröffnen, von der Bürokratie der Gemeinde frustriert worden war. Und zwar über die Republikanische Partei. Zunächst, 1988, liess er sich zum Bürgermeister von Palm Springs wählen. 1992 dann die Wahl in’s Repräsentanten-Haus nach Washington. Ausserdem ging er noch zu Scientology… 1998 starb er nach einem Unfall beim Ski-Fahren in Kalifornien. Seine Frau Mary Bono sagte, er sei süchtig von Medikamenten wie ” Vicodin” (siehe) und “Valium” gewesen, dies habe ihrer Ansicht nach den Unfall ausgelöst. Sie folgte ihm ’98 als Abgeornete in dem Wahlkreis.

Jay V. „Whittaker“ Chambers (1901-1961) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Redakteur, der sich angesichts Stalins Wirkens vom Kommunismus abwandte und eine scharfe Rechtswendung machte, zu einem Repräsentanten des Antikommunismus wurde. Er wurde (1925) Mitglied der CPUSA und spionierte für die SU (1932-1938). Es war auch bei ihm in erster Linie Stalins Vorgehen gegen Kommunisten, die ihn umdenken liessen. Chambers’ Freundin und Ko-Spionin Juliet Stuart-Points (Mitgründerin der CPUSA) reiste in den späteren 1930ern in die SU, als durch Stalins „Säuberungen“ auch einige ihrer Freunde getötet wurden, überlebte die Reise, trat danach anscheinend aus der Partei aus…und verschwand 1937 in New York City. 1939 bekam Chambers, nunmehr Ex-Kommunist, eine Stelle beim “Time”, stieg dort bis zum Chefredakteur auf, und schrieb scharf antikommunistische Artikel. Auch das Christentum soll er (wieder)entdeckt haben.

Nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt) 1939 erzählte Chambers dem amerikanischen Vize-Aussenminister Adolf Berle, was er von den kommunistischen Aktivitäten in der USA wusste. Nachdem der junge Abgeordnete Richard Nixon auf ihn aufmerksam geworden war, sagte Chambers 1948 darüber vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) aus, einem Untersuchungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses50. Er nannte dabei auch den Namen des Regierungsbeamten Alger Hiss. Der wehrte sich gegen die Beschuldigungen der kommunistischen Spionage u.a. mit “Vorwürfen”, Chambers sei homosexuell. Chambers musste in den beiden Prozessen gegen Hiss 1949/50 aussagen, verlor in dieser Zeit seine Stelle bei “Time”. Er unternahm einen Selbstmordversuch, brachte seine Autobiografie heraus, wurde Herausgeber der “National Review”. Ronald Reagan verlieh ihm posthum 1984 die “Presidential Medal of Freedom”.

Der US-Amerikaner Jerry Rubin war in den 1960ern an der Universität in Berkeley politisch engagiert, war einer der Gründer der Youth International Party (YIP) bzw der Yippies, zusammen mit Abbot “Abbie” Hoffman (wie Rubin jüdisch). Rubin spielte eine wichtige Rolle bei den Demonstrationen gegen das Establishment der Democratic Party anlässlich des DP-Parteikonvents in Chicago 1968. Demos die sich hauptsächlich gegen den Vietnam-Krieg bzw das amerikanische Mitmischen (Johnson/Humphrey) richteten. Nach dem Ende des Vietnam-Krieg 1973 (Rückzug USA) bzw 1975 (ganz) wurde Rubin Geschäftsmann. Die ersten 68er (ob Hippies oder Yippies/Spontis), die eine “Wende” machten, taten dies bereits in den 1970ern, Jerry Rubin war einer davon. In den 1980ern machte er mit Abbie Hoffman eine Diskussionstour namens “Yippie versus Yuppie”. Rubin sagte dort, dass die Gegenkultur durch den Missbrauch von Drogen, Sex und Privateigentum “schaurig” geworden sei, und dass die Erreichung von Wohlstand für Alle die wahre “amerikanische Revolution” sei. Daniel Cohn-Bendit hat über diese Debatten geschrieben, sie diskutierten miteinander und verweigerten gleichzeitig, sich zu verstehen, es handle sich um eine “Taubstummendiskussion”. Als Hoffman 1989 Selbstmord verübte, kam Rubin zu dessen Begräbnis. 1994 wurde er beim Überqueren einer Strasse von einem Auto erfasst und getötet. Noch etwas über Rubin und seinen Wandel

Charlton Heston (früher John C. Carter) war ja in seinen späteren Jahren ein Aushängeschild der Waffenlobby NRA und für weitere rechte (republikanische) Anliegen. Weniger bekannt (bzw schon sehr lange her) ist, dass er einmal typischer Unterstützer liberaler (demokratischer) Anliegen war. Heston/Carter, der in der Schlusssphase des 2. WK im Militär der USA zum Einsatz kam und sich wenige Jahre später in Hollywood durchsetzte, war in den 1960ern Unterstützer der Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner, die nach dem Ende der Sklaverei ein Jahrhundert auf formale Gleichberechtigung “warten” mussten, nahm am Bürgerrechtsmarsch 1963 teil. Ende der 1960er setzte er sich auch für Einschränkungen von Waffen”freiheit” in der USA ein… 1965 bis 1971 war er Präsident der Screen Actors Guild, eine der Kino-Schauspieler-Gewerkschaften. In der Präsidenten-Wahl 1968 unterstützte Heston nach der Ermordung von Robert Kennedy Hubert Humphrey, den konservativsten der verbliebenen Kandidaten der DP, aber immer noch einen Demokraten. 1969 wurde er von dieser Partei gefragt, ob er für einen der Senats-Sitze von Kalifornien kandidieren würde, gegen George Murphy (RP), einen anderen Schauspieler.

In seiner Autobiografie “In the Arena” (1995) erzählt Heston, dass er bei einer Autofahrt eine Reklamewand mit einer Wahlwerbung für Barry Goldwater sah, das muss 1964 gewesen sein, als dieser für die Präsidentschaft gegen Johnson kandidierte. Die Aufschrift: “In Your Heart You Know He’s Right”; er habe damals zu sich selbst gedacht “Eigentlich hat er Recht”. Wenn das so war, dauerte es aber noch etwas, bis sich das bei ihm durchsetzte. Er hat sich nämlich erst 1972 zur “GOP” hingewendet, nicht zuletzt aus Abneignung gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten dieses Jahres, George McGovern. Demnach hat er 1972 Richard Nixon gewählt (aber noch nicht öffentlich unterstützt). Eigentlich waren die Republikaner ja die linkere der zwei amerikanischen Grossparteien, die Partei die für die Abschaffung der Sklaverei war und diese (unter Präsident Lincoln) umsetzte. Die diesbezügliche Verschiebung vollzog sich etwa in der Zeit von 1910 bis 1968, in der Zeit von Theodore Roosevelt bis Lyndon Johnson. Entscheidend dabei war die Präsidenten-Wahl 1964. Der RP-Kandidat 1964, Goldwater, bekannte sich “in Theorie” zu “Desegregation” (also gegen die Apartheid in den Südstaaten), seine Gegnerschaft zu Bürgerrechtsgesetzen erklärte er damit, Föderalist zu sein, der gegen “Einmischung” der Bundesregierung in Angelegenheiten der Bundesstaaten sei.51

Goldwaters wichtigster RP-interner Gegenkandidat ’64 war Nelson Rockefeller, Gouverneur von New York, der den Nordstaaten-Republikaner repräsentierte. Bei der Wahl 64 gewann Goldwater mehrere Staaten des Südens52 mit seiner Wahlkampagne gegen das in diesem Jahr (unter seinem Gegenkandidaten Johnson) erlassene Bürgerrechtsgesetz. Konservative Weisse im Süden zog es damals zur RP, ebenso solche Politiker, wie Strom Thurmond, die RP wurde die rechtere der beiden Parteien, und die Afro-Amerikaner zog es zur DP. Bei der Wahl 68 machte Nixon eine verklausulierte Kampagne, wenn er über “law and order” sprach, meinte er (meistens) die Afro-Amerikaner. Um zu Heston zurück zu kommen, der hatte den Vietnam-Krieg (bzw das US-amerikanische Mitmischen bzw Anheizen) in dessen früheren Stadien noch abgelehnt, Anfang der 1970er änderte er auch hier seine Meinung; 1973 zog sich die USA unter Nixon ja von dort zurück.

In den 1980ern unterstützte Heston Ronald Reagan, das Recht aus Waffenbesitz, wurde Mitglied der RP,… Er sagte dazu, “I didn’t change. The Democratic Party changed.” Ganz ähnlich hat es Reagan selbst formuliert (> Politiker die von der DP zur RP wechselten), der etwa 10 Jahre vor Heston, damals selbst noch Schauspieler, das politische Lager wechselte. Das stimmt sogar i-wie (s.o.), aber Heston hat sich ja auch gedreht (s.u.). 1998 bis 2003 war er Präsident der Waffenlobby National Rifle Association (NRA). Ehe er sich aufgrund seiner Alzheimer-Krankheit aus der Öffentlichkeit zurückzog. Bei der NRA-Convention 2000 machte er “natürlich” Wahlwerbung für George Bush, hob ein Gewehr über seinen Kopf und erklärte dass ein Präsident Al(bert) Gore dieses (nur) aus seinen kalten, toten Händen wegnehmen (können) werde. Als ob es bei strengeren Waffengesetzen um solche historischen Flinten gehen würde und nicht um Waffen wie jene, die beim Schulmassaker von Columbine (Colorado) 1999 verwendet wurden… Elf Tage nach diesem Amoklauf fand, wie geplant, die Jahresversammlung der NRA in Denver (ebf. Colorado) statt. Der Vater eines Columbine-Opfers sagte bei einer Demonstration dort „Es gibt viele verantwortungsvolle Waffenbesitzer. Aber es ist an der Zeit zu begreifen, dass eine halbautomatische TEC-9-Waffe53 nicht zur Wildjagd genutzt wird.“54 Für den Dokumentationsfilm “Bowling for Columbine”55, der 2002 herauskam, interviewte Michael Moore Heston.

Dort sagte Heston zu Gründen der Schusswaffen-Gewalt in der USA, “we have probably more mixed ethnicity”.56 Die Gewaltkriminalität in der USA hat sicher damit zu tun, dass ein Teil der Bevölkerung jahrhundertelang (vor der Staatsgründung schon) als Sklaven leben musste, und über die Befreiung davon hinaus lange als Bürger zweiter (dritter?) Klasse behandelt wurde (zT noch wird); das zeigt sich ja zB bei der Lynchkriminalität gegen Afro-Amerikaner. Und das Nebeneinander von Arm und Reich in diesem Land ist eine Folge dieser Behandlung/Diskriminierung, und eine Grundlage für diese Gewaltkriminalität; die meisten Amokläufer sind aber Weisse. In Reden/Interviews in seinen späten Jahren hat Heston in der Regel Politisches und Rassisches vermischt, in unappetitlicher Weise, dabei stellte er Weisse, besonders rechte rurale protestantische männliche heterosexuelle, als eigentlich Unterdrückte der USA dar, als Missverstandene, Nicht-Geschätzte, Opfer einer political correctness, eines “Kulturkrieges”. Wenn sein Rechtsruck tatsächlich um 1972 erfolgte, war er damals 50 Jahre alt, was die These vom Alters-Faktor dabei stützen könnte. 2008 konnte das Gewehr aus seinen kalten, toten Händen entnommen werden.

Elizabeth Terrill-Bentley (1908 – 1963) war eine US-amerikanische Spionin für die SU, von 1938 bis 1945. 1945, als der Kalte Krieg bereits im Entstehen war, verliess sie die CPUSA und den damaligen SU-Geheimdienst NKGB, dann wurde sie eine Informantin für USA-Behörden. Sie enttarnte ein “Netzwerk” von etwa 80 Amerikanern die dort für die Sowjetunion arbeiteten, heisst es. Sie war zur SU “übergelaufen” als diese noch kein richtiger Feind für die USA war, “kehrte zurück” als sie dies wurde.

Es gab im früheren Jugoslawien Jene, die beim Auseinanderfall den “Kommunismus verliessen” (in gewisser Hinsicht bedingte das den Auseinanderfall), und jene die das schon vorher taten. Wenn man die Präsidenten der Teil-Republiken zur Zeit des Auseinanderfalls 1991/92 nimmt, Tudjman und Izetbegovic gehören zur ersteren Katgorie, Milosevic, Kucan, Gligorov, Bulatovic zur zweiteren. Franjo Tudjman war bei den Partisanen und in der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) aktiv gewesen; an einem Punkt sah er Kroatien in einem sozialistischen Jugoslawien nicht mehr gut aufgehoben und kam in Dissidenz zu diesem. Seine Geschichtsauffassung und sein politisches Engagement bedingten einander, wie schon hier angemerkt. 1989/90 gründete er die christlich-konservative-nationalistische HDZ mit; bei der Wahl zum kroatischen Parlament im Frühling 1990 siegte diese, das Parlament wählte Tudjman zum Präsidenten Kroatiens, noch immer Teilrepublik Jugoslawiens.57 1991 die Unabhängigkeits-Erklärung, dann der Krieg gegen die Abspaltung der mehrheotlich serbisch besiedelten Gebiete Kroatiens. Anton Tus, unter dem die kroatischen Streitkräfte entstanden (im Krieg), war General der jugoslawischen Luftwaffe gewesen, und wenn kein überzeugter Kommunist, zumindest Partei-Mitglied.

Wie im entsprechenden Artikel bereits geschrieben, Überlaufen zur “Gegenseite” stand am Anfang und am Ende von Jugoslawien, das betraf Politiker, Militärs,… Eine Reform Jugoslawiens scheiterte 1990/91, und der Auseinanderfall 1991/92 wurde blutig, nachdem die Volksgruppen nicht fein-säuberlich nach Teilrepubliken aufgeteilt waren. Soldaten liefen zT in Kriegen über, von der JNA zur entstehenden Armee ihrer unabhängig werdenden Republik. Nachdem sich die Delegationen aus den Teil-Republiken am Parteitag der kommunistischen Partei SKJ nicht auf eine Reform von Land/Partei einigen konnten (1990), war diese Partei bzw der Kommunismus/Sozialismus kein einigendes Band mehr. Slobodan Milosevic, seit 1989 Präsident Serbiens, machte es ähnlich wie Racan in Kroatien, die Teilorganisation der KP in Serbien (SKS) wurde in eine eigenständige, sozialdemokratische Partei umgewandelt, in diesem Fall die SPS. Milosevic agierte aber nationalistischer als die nationalistische Opposition in Serbien (und war auch nicht bereit, Macht abzugeben). Für ihn bekam die Schaffung eines Gross-Serbiens Priorität über den Erhalt (eines serbisch dominierten bzw zentralistischen) Jugoslawiens, damit setzte er sich auch bezüglich der JNA durch.

Milosevic, der Machthaber im späten Jugoslawien, und dann in Rest-Jugoslawien wurde58 ist gewissermaßen der Prototyp Jener im YU-Raum, die sich Anfang der 1990er vom Kommunismus ab- und dem (ihrem) Nationalismus zuwandten. Jenem Kommunismus, den Tito ggü der SU bzw dem Ostblock behaupten wollte, weshalb er (ab) 1948 mit Stalin brach. Ein Wendehals? Wie schon hier angemerkt, Präsident von “Rest”-Jugoslawien (der Bundesrepublik YU) wurde 1992 der Schriftsteller Dobrica Cosic. Dieser hatte sich im 2. Weltkrieg den Partisanen angeschlossen, weil er glaubte, dass der Kommunismus den serbischen Interessen am besten diente. Aus dem selben Motiv wandte er sich um 1968 vom kommunistischen System ab – es soll ihm damals primär um (gegen) die Autonomie von Kosova und Vojvodina innerhalb Serbiens gegangen sein. Ante Markovic, ein kroatischer Bosnier, wurde 1989, noch als Kommunist bzw SKJ-Mann, Ministerpräsident Jugoslawiens; 1990 gründete er eine neue Partei (SRSJ), mit dem Ziel, Jugoslawien zu reformieren (und zu erhalten). Auch eine Abwendung vom Kommunismus also, aber nicht hin zum Nationalismus.

Beim amerikanischen Historiker Eugene D. Genovese (1930-2012) gibt es starke Parallelen zum genannten Woodward. Auch er war Historiker mit Focus auf dem Südosten der USA und ihrer Sklaverei. Er nahm vielleicht weniger “Partei” als Woodward, brachte aber eine marxistische Perspektive ein. Kam daher in den 1960ern unter Beschuss von rechten Politikern wie Richard Nixon. Mit „The Southern Tradition: the Achievements and Limitations of an American Conservatism“ (1994) wurde ein Wandel im Denken Genoveses sichtbar, bezüglich seines Forschungsobjekts (Südstaaten,…) und darüber hinaus. Der Kritik am Kapitalismus blieb er treu, aber in seinen späteren Jahren sah er die Sklavenhalter des Südens gewissermaßen auch als sein Opfer, nahm den Konservativismus des Südens an; den agrarischen Patriarchalismus, als positives Gegenstück zum Arbeitsethos der “liberalen”, industriellen Demokratie des Nordens (der USA), die für den Kapitalismus steht. Diese Wendung schloss auch eine “Rückkehr” in die Katholische Kirche mit ein. Seine Frau Elizabeth Fox-Genovese, ebenfalls Historikerin, ging diesen Weg mit ihm.

Einige prominente/führende 68er landeten ganz rechts aussen; nicht bei den “Anti”deutschen sondern im Milieu von NPD und “Junge Freiheit”. Horst Mahler und Bernd Rabehl bei der NPD. Mahler kam als Rechtsanwalt zur RAF, dann ins Gefängnis; gegen Ende der 1990er wandte er sich zum Rechtsextremismus/ Deutschnationalismus. Eine Art Coming out war die Laudation für den Sozialphilosophen Günter Rohrmoser, die er 1997 bei dessen Geburtstagsfest hielt.59 Er schloss sich (für einige Jahre) der NPD an, zog nach Brandenburg (weniger Ausländer dort). In einer seiner Erklärungen für seinen Weg sagt er, Heimat sei eben eine Grundkonstante des menschlichen Seins. Ende der 00er-Jahre stand er andauernd vor Gericht, wegen Holocaust-Leugnung und Anderem, ist seither meist im Gefängnis, war zeitweise auf der Flucht, ist gesundheitlich angeschlagen. Es muss Schluss mit dem deutschen Selbsthass sein, so Mahler.

Auch Bernd Rabehl war ein linker Akademiker, vollzog Ende der 1990er einen Schwenk nach Rechts, wegen „kultureller Überfremdung“ und so. Günter Maschke war wie Mahler und Rabehl im SDS aktiv gewesen; und in der (seit 1956 illegalen) KPD, und mit Johanna Ensslin, der Schwester von Gudrun, verheiratet. Die Fahnenflucht vor seinem Bundeswehr-Dienst “trieb” ihn über Österreich (R. Schindel) nach Cuba. Die Zeit dort, 1968/69, brachte eine erste Abwendung von der Linken, Rückkehr in die BRD, Arbeit als Journalist (“FAZ”,…). In den 1980ern eine zweite Rechtswendung, seither schreibt er für Zeitungen wie “Staatsbriefe” oder Bücher im Antaios-Verlag. wiki: „Die antirevolutionäre Wende ging einher mit dem Studium des Werkes von 60 Carl Schmitt“. Zusammen mit dem ebenfalls vom Links- zum Rechtsextremismus gewechselten Horst Mahler veröffentlichte Günter Maschke 1998 eine Erklärung zur Bewegung von 1968, worin sie dieser eine nationalrevolutionäre Deutung geben. So ähnlich hat es Rabehl auch ausgedrückt.

Nicht alle Ex-68er sind natürlich so weit nach rechts gerückt wie Rabehl oder Röhl; aber Hans M. Enzensberger oder Stefan Aust sind auf eine andere Art auch sehr reaktionär geworden. Der Bayer Enzensberger, der auch mit Maschke (bevor dieser ganz rechts wurde) zu tun hatte, konnte 03 auch nicht widerstehen, Bush und seinem Irak-Krieg zu bejubeln, und das auch noch mit moralischer Geste.61 Stefan Aust (früher „konkret“, später „Spiegel“, Springer) hat den “Spiegel” einer gewissen Selbstüberhöhung bzw einem Chauvinismus geöffnet, mit Titeln wie „Stille Islamisierung Deutschlands“ (nach der zurückgenommenen Entscheidung einer Richterin) oder „Unverschleierte Würde des freien Westens“, Autoren wie Broder. Vorgänger von Aust als “Welt”-Herausgeber war Thomas Schmid, auch mal 68er, dann Grüner. Die Freunde Fischer und Cohn-Bendit haben einigermaßen die “Balance gehalten”, auch wenn Ersterer nach seiner politischen Karriere Berater vom Gross-Kapital (bzw seiner Besitzer) geworden ist, USA- und IL-Freund. Wolfgang Kraushaar zeigt mit seiner Laufbahn, seinem Engagement, auch, was aus der „Bewegung“ so geworden ist, er ein konformistischer Bundesrepublikaner.

Elia(s) Kazan(zoglou) wurde 1909 in Istanbul, damals Osmanisches Reich geboren, in eine griechische Familie (aus Kappadokien)62. Während des 1. WK Auswanderung in die USA, wurde Schauspieler (Theater), Regisseur > Hollywood. In seinen 20ern, von 1934 bis 1936, war er Mitglied der CPUSA, in New York; nach eigener Aussage verliess er die Partei aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts – der aber erst 1939 war. Er wurde nicht wirklich rechts; aber: er musste 1952 vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) aussagen, dem Untersuchungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses, der v.a. Anfang der 1950er eine “Hexenjagd” auf Kommunisten (?) in Hollywood veranstaltete. Kazan sollte Kommunisten unter Schauspielern/Regisseuren aus seiner Zeit in der CPUSA nennen, weigerte sich zunächst, Namen zu nennen, nannte dann 8 frühere Theater-Kollegen, wie Clifford Odets, der die Partei zur selben Zeit wie er verliess. Die Personen waren dem Ausschuss bereits bekannt, dennoch haben ihm Viele v.a. in Hollywood die Aussage nicht verziehen, diese als Denunziation gesehen.63

Übertritte von Politikern der Democratic Party zur Republican Party der USA sind meist keine so grosse Sache, kein so grosser Schritt, da die beiden US-amerikanischen Grossparteien nicht so weit auseinander sind, bzw die Democrats nicht wirklich links. Zur diesbezüglichen Verschiebung, siehe den Heston-Abschnitt. Ronald Reagan sagte mal, er habe die Democratic Party nicht verlassen, sie habe ihn verlassen. Er stieg 1962 zur RP um. Es ist die Rede von “Reagan Democrats”, Demokraten die 80 und 84 für ihn stimmten, hauptsächlich Weisse im Süden sowie Arbeiter im Norden. Und ziemlich am Beginn des Artikels war ja von zwei ehemaligen Black Panthern die Rede, die unter Reagan RP-Anhänger wurden, sie sind nicht die einzigen ehemals Linksextremen, auch Rubin wird dazu gehören. John Connally, Strom Thurmond, Elizabeth Dole, “Rick” Perry, Jesse Helms, Trent Lott, Philip Gramm, Jeane Kirkpatrick, David Duke, Condoleeza Rice sind Politiker die von der DP zur RP wechselten. In der Aufzählung sind jene bis Lott solche, die aufgrund der genannten Verschiebung im politischen Koordinatensystem das Lager wechselten. Joseph Lieberman wurde 06 ein Unabhängiger, nachdem er die Untertützung seiner Partei für die Wiederkandidatur zum Senat in Connecticut nicht bekam, war zumindest 2008 ein grosser Unterstützer vom RP-Präsidenten-Kandidaten John McCain.

Günter Schabowski machte im November 1989 bei einer Pressekonferenz in Ost-Berlin irrtümlich falsche Angaben zum geplanten Reisegesetz der DDR, löste damit ungewollt die Grenzöffnung (“Mauerfall”) am selben Tag in Berlin aus. Schabowski, damals eine Art Regierungssprecher, vorher u.a. Chefredakteur der Regimezeitung “Neues Deutschland”. Er verlor dann Anfang Dezember 89 seine Macht bzw Position, durch den geschlossenen Rücktritt von Politbüro und Zentralkomitee der SED; bald darauf wurde er von der SED auf dem Parteitag auf dem sie sich in PDS umbenannte, mit anderen bisherigen Grössen ausgeschlossen. Im wiedervereinten Deutschland (oder der vergrösserten BRD?) musste er als Redakteur bei Kleinblättern neu anfangen; und er musste sich in den Politbüro-Prozessen, die ab 1992 liefen, verantworten, bekannte sich zu einer Mitverantwortung für das DDR-Regime. Er verbrachte schliesslich 1999/2000 ein knappes Jahr im offenen Strafvollzug. Danach leistete er Wahlkampf für die CDU, kritisierte die PDS. Die PDS-Spitzenpolitikerin Petra Pau hielt Schabowski vor, vom 150-prozentigen Kommunisten zum 150-prozentigen Antikommunisten mutiert zu sein.64 Da er sich aktiv vom Kommunismus abgewandt hat, ist er relevant für diesen Artikel.

Oleg A. Gordijewski (Gordievsky) trat 1963 in den KGB ein und wurde 1974 vom britischen Geheimdienst MI6 angeworben, agierte fortan als Doppelagent. 1982 wurde er stellvertretender Resident des KGB in London, informierte den MI6 über die sowjetische Fehlinterpretation des NATO-Manövers “Able Archer 83” als potentiellen atomaren Erstschlag gegen die Sowjetunion. Dies soll dazu geführt haben dass das Manöver nicht bis ins letzte Detail ausgespielt wurde. Dann war es aber ein “Maulwurf” bzw Doppelagent im CIA, Aldrich Ames, der ihn enttarnte.65 Als Gordijewski 1985 plötzlich in die SU zurück beordert wurde, riet ihm die MI6 zum “Desertieren”. Der KGB-Oberst hörte aber nicht, wurde nach der Ankunft verhört (und natürlich seines Postens enthoben), dann aber nicht eingesperrt, sondern überwacht. Dennoch gelang es ihm, einen mit dem MI6 abgemachten Fluchtplan zu aktivieren, die Sache lief Berichten zufolge wie in einem Agentenkrimi und über die finnische Grenze. Neben Arkady Shevchenco (>) ist er wohl der höchstrangige bekannte SU-Überläufer. Inwiefern er an den Kommunismus geglaubt hat und dann davon abkam, zu Gunsten einer anderen, “rechteren” Ideologie, ist aber auch hier nicht so leicht auszumachen.66

Joseph Roth, ein galizischer Jude, der nach Wien ging, dann nach Berlin, ein Trinker, wandte sich in der Zwischenkriegszeit vom Sozialismus ab und dem Monarchismus zu. Die Wandlung dürfte sich 1925/26 vollzogen haben. de.wikipedia dazu: “Uwe Schweikert … ordnet Roth im Nachhinein als Sozialromantiker ein und beschrieb seine spätere Abkehr von linker Position als typisch für einen nicht genügend durch sozialistische Theorie gefestigten bürgerlichen Intellektuellen.” Jedenfalls kam es bei ihm zu einer nachträglichen Verklärung der Habsburger-Monarchie, auch in seinem literarischen Werk, wie “Radetzkymarsch” (1932) und “Kapuzinergruft” (1938). Je mehr sich die Diktatur in Österreich und Deutschland festsetzte, ab 1933, desto mehr dürfte sich diese Haltung verhärtet haben. Aus dem Berliner Exil sah er auch klar den Unterschied zwischen der Strenge Preussens und der österreichischen “Lässigkeit”. 1933 ging er nach Paris, wo er 1938 starb. Anscheinend war nicht ganz klar, ob er zum Katholizismus übergetreten war.67

Ryszard Kuklinski war Offizier der polnischen Armee, und anscheinend überzeugter Kommunist. Um 1970 änderte er seine Haltung, u.a. wegen der Niederschlagung des Prager Frühlings. 1972 diente er sich auf einer dienstlichen Auslandsreise dem CIA an. 1981 beendete er das “Doppelspiel” und setzte sich in die USA ab.

(Ehemalige) Grüne, die rechts wurden: Schmierer, der bei den “Anti”deutschen behandelt wurde, hätte auch hier hin gepasst.68 Und Schily der hier vermerkt ist, zu den Ex-68-ern. 2008 trat die ehemalige Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Margareta Wolf aus Brandenburg bei den Grünen aus, wegen deren Haltung zur Atomkraft. Sie war intern in “Bedrängnis” geraten, weil sie für einen Kommunikationsberater arbeitet, der auch Öffentlichkeitsarbeit für die Atomenergie-Lobby macht. Wolf sagte: “Ich sage nur, man kann nicht aus opportunistischen Gründen die Kohle ablehnen, weil sie klimaschädlich ist, und gleichzeitig die Kernkraft abschalten wollen.” Die Behauptung, nur aus erneuerbaren Energien könne die Energieversorgung einer Industrienation wie Deutschland sichergestellt werden, grenze an “Volksverdummung”. Mit ihrer Tätigkeit habe diese Auffassung nichts zu tun. Sie sei “nur ganz am Rande” für den “Arbeitskreis Kernenergie” tätig. Sie wurde allerdings eindeutig eine Atomenergie-Lobbyistin.

Matthias Berninger aus Hessen, wie Wolf ein “Realo”, wie diese in der schwarz-grünen „Pizza-Verbindung“ (Nähe zu Missfelder…), und unter Schröder/Fischer Parlamentarischer Staatssekretär gewesen, natürlich wirtschaftsliberal, wurde ebenfalls Lobbyist, für den Nahrungsmittelkonzern Mars, dann für Bayer. Er hat die Partei aber anscheinend nicht verlassen. Für Jutta Ditfurth, die 1991 mit dem Hardcore-“Fundi”-Flügel bei den Grünen austrat, waren diese allesamt zu angepasst, grundsatzlos, “verdorben”,… Sie selbst ist inzwischen eine “Anti”deutsche und damit wahrscheinlich rechts von diesen Grünen-Rechtsabweichlern. Otto Schily hatte vor seiner Zeit bei den Grünen die als Anwalt von RAF-Leuten; wie nahe er dieser “Szene” stand, sei dahin gestellt. Ende der 1980er ging er jedenfalls zur SPD, dort dann zum rechten Flügel. Bei Hubert Kleinert, in den 1980ern ein enger Fischer-Mitarbeiter im Bundestag, ist auch nicht klar, ob er die Grünen verlassen hat. Er steht jedenfalls in mehrerer Hinsicht für einen rechts-gewendeten Grünen. Was Ilka Schröder nun macht, das Wohlstandskind das sich über Hetze gegen Palästinenser zu profilieren trachtete? Jürgen Trittin nimmt inzwischen an Bilderberger-Treffen teil.

Wo Antje Hermenau inzwischen steht? So weit rechts wie Vera Lengsfeld, die zur Zeit der Wende zu den Ost-Grünen ging (dann zur CDU, dann nach ganz rechts)? Zur Volkskammer-Wahl im Frühling 1990, der letzten und einzigen freien, waren vier grüne Gruppierungen entstanden, die in zwei “Listen” antraten: Bündnis 90, bestehend aus dem Neuen Forum (NF)69, der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) und Demokratie Jetzt (DJ), und kam auf 2,9%. Die Grüne Partei in der DDR und der Unabhängige Frauenverband  (UFV) kamen gemeinsam auf 2%. Zusammen bildet man eine Fraktionsgemeinschaft (Bündnis 90/Grüne), schloss sich dann zu einer Partei zusammen und diese mit den West-Grünen.70 Unter den Grünen-Volkskammer-Abgeordneten befanden sich Joachim Gauck (NF), Vera Wollenberger (Grüne/UFV), Marianne Birthler (IFM), Jens Reich (NF), Matthias Platzeck (Grüne/UFV)71, Günter Nooke (DJ),… Die antikommunistisch geprägten Ost-Grünen und die neo-linken West-Grünen trennt(e) so Manches.72 Gauck war unter jenen 144 VK-Abgeordneten, die nach der Vereinigung in den BT übernommen wurden, aber nur für einen Tag, dann wurde er Regierungsbeauftragter für die Aufarbeitung der “Stasi”-Unterlagen; er war immer überparteilich(-konservativ) unterwegs, B’90 war damals keine Partei ieS. Die Thüringerin Wollenberger, seit 1991 wieder Lengsfeld, gehörte dem Bundestag von 1990 bis 2005 an.73

Lengsfeld, Nooke und andere Ost-Grüne traten 1996 zur CDU über, weil sie bei ihrer Partei zu wenig Abgrenzung zur PDS sahen.74 Lengsfeld schreibt heute für die AfD75, ist Verteidigerin von Martin Hohmann, auf Broders “Achse des Guten”, Initiatorin einer Anti-Einwanderungs-Erklärung76. Stellt sich die Frage, welcher dieser (vier) Fakten eine rechtere Gesinnung ausweist… Aber noch einmal: als Ost-Grüne ist sie nicht von all zu weit links “gestartet”. Lengsfeld sprach auch auf einer Veranstaltung von EIKE, einem Verein, der den wissenschaftlichen Konsens bezüglich der menschengemachten globalen Erwärmung ablehnt.

Während Fischers Krise bzw der Diskussion um seine Vergangenheit, 2001, plauderte sie aus der Grünen-Fraktion von früher aus. Andere wie Werner Schulz blieben den gesamtdeutschen Grünen treu, nahmen dort aber “Sonderpositionen” ein, zu 68, DDR, RAF,… Und Boris Palmer ist ja auch bei den Grünen. Angelika Beer ist die Tochter eines GB/BHE-Politikers, war im KB, war Friedensaktivistin und hat sich zunehmend zur Militärfreundin entwickelt (auch privat), ging zu den Piraten. Grüne in Deutschland und Österreich, die sich rein auf den Umweltschutz konzentrieren wollten, wie Herbert Gruhl und Josef Buchner, waren schnell weg. A propos Österreich, da gibt es natürlich noch einige Kandidaten für hier. Von Novomatic-Glawischnig über E. Dönmez (> ÖVP) bis “Heimat Österreich”-Pilz.

Wilhelm S. Schlamm wurde 1904 in Galizien (damals Österreich-Ungarn, heute Polen) geboren, in eine jüdische Familie, die nach Wien ging. Er schrieb bis in die 1930er Jahre für kommunistische Zeitschriften, gehörte der KPÖ an, lernte den Psychoanalytiker Wilhelm Reich kennen. Ab 1933 bestimmten extreme politische Ideologien sein Leben. In diesem Jahr wechselte er zur “Weltbühne”, die wegen dem Nationalsozialismus von Berlin nach Wien übersiedelt war; 1934 ging die Zeitschrift wegen dem Austrofaschismus nach Prag, Schlamm blieb auch dort, als er aus ihrer Redaktion heraus gedrängt worden war. 1938, als Hitler die zT deutschsprachigen Randgebiete der Tschechoslowakei annektierte, emigrierte Schlamm in die USA. Dort war er weiter journalistisch tätig, verabschiedete sich aber von seiner linken Haltung, wurde ein politischer Freund von Senator Joseph McCarthy, wurde ziemlich rechts.

1959 kehrte William S. Schlamm, wie er nun hiess, nach Europa zurück, als politischer Publizist/Autor im deutschsprachigen Raum, der er auch vor der Emigration gewesen war, nur nun eben einer der Rechten. Als solcher wurde er von Axel Springer für seine “Welt” verpflichtet, jener deutsche Verleger/Herausgeber, der wegen Untauglichkeit nicht in die Wehrmacht musste, dessen vom Vater geerbte Zeitung vom NS-Regime wegen Papierknappheit eingestellt wurde, der sich 1938 von seiner halbjüdischen Frau trennte; und der Israel für eine Art Ersatz-Nationalismus entdeckte. Der „Kalte Krieg“ wurde für Schlamm ein wichtiges Betätigungsfeld, auch die 1968er-Bewegung attackierte er. 1972 gründete er mit Otto Habsburg-L. die “Zeitbühne”, im Seewald-Verlag brachte er einige Bücher heraus.

Die iranischen Mujahedin-e Kalq (MEK; Volks-Mujahedin) unter Massud und Maryam Rajavi entstanden in den 1960ern im Bemühen, Islam und Sozialismus zu verbinden. Sie kämpften gegen die Monarchie (das Schah-Regime), waren an der Revolution gegen dieses beteiligt, auch in der ersten Jahren von Khomeinis Herrschaft über den Iran, auch bei der Stürmung und Gefangennahme (in) der USA-Botschaft in Iran 1980, waren international mit anti-imperialistischen Kräften verbündet; 1981 die Entzweiung der Mujahedin mit den Mullahs. Wobei: Viele (Parteien und Personen) haben sich gegen den Schah mit dem Ajatollah und den anderen Mullahs eingelassen, im Glauben dass es nur besser werden konnte, und dass Khomeini die Macht zumindest teilen werde. Und wurden dann eines Besseren belehrt. 81 versuchten die MEK den Sturz der Mullahs bzw die Verhinderung ihrer Marginalisierung, mit Bombenanschlägen auf Führer des klerikalen Regimes, darunter Mohammad Beheshti und Mohammad Rajai; danach wurden tatsächliche/vermeintliche Mujahedin im Iran und ausserhalb Irans gejagt, und das Regime stabilisierte seine Macht, auch über den Krieg gegen den von Saddam Hussein anders reaktionär-faschistoid regierten Irak.77

Die MEK verlegten ihr Hauptquartier in den Irak, kämpften an der Seite von Husseins Armee gegen die iranische. Als das Baath-Regime 2003 vom Heer der USA und ihrer Verbündeten gestürzt wurde (nun mit Rumsfeld als Verteidigungsminister von Bush dem Jüngeren), hatten sich die MEK bereits gedreht, und die Gruppe (die einst als islamisch inspirierte Terrororganisation galt, sich als antiimperialistisch sahen) hatte in der USA unter Neokonservativen Verbündete. Bis 2016 wurden die MEK aus dem Irak gebracht, sie haben längst im Westen diverse “Stützpunkte”. Sind ein Ansprech-Partner des zionistisch-neokonservativen Lagers unter Iranern geworden. Das “Fussvolk” hat bei den Richtungs-Entscheidungen nicht mitzureden, sondern zu gehorchen. Und die Führung ist ideologisch flexibel, wird auch in Zukunft versuchen, ihre neuen Meister zu beeindrucken.78

Leszek Kołakowski erlebte die nazideutsche Besatzung Polens, studierte im kommunistischen Nachkriegs-Polen Philosophie, wandte sich aktiv zum Kommunismus hin…Und in den 1950ern wieder ab, er unterstützte die polnischen “Aufstände” 1956 und 1968. Musste/durfte daher in’s westliche Ausland gehen, liess sich in Oxford nieder.

(Auguste-)Maurice Barrés: 1862-1923, französischer Autor und Politiker: War boulangistischer Abgeordneter (1889–93), ehe er unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre 1896/97 nach Rechts “rutschte”. Dazu ist zu sagen, dass es hier bezüglich Rechts-Links “kompliziert” wird. Das Rechte war in Frankreich historisch die Aristokratie, wohin gegen der Boulangismus eine Massenbewegung war, die Klassenhierarchie ignorierend bzw umschmeissend… Daher muss/kann man den Boulangismus trotz seines nationalistischen Charakters als eher “links” einstufen. Im Rahmen der Frankreich spaltenden Dreyfus-Affäre (1898) bezog er Position als „Anti-Dreyfusard“. Es heisst, die französische Rechte wurde grossteils Ende des 19. Jh von ehemaligen Boulangisten geformt. Barras wurde Abgeordneter für die Federation republicaine, schloss sich der Ligue des Patriotes an. Er war antideutsch, antijüdisch, antidemokratisch. In seinem Magazin “La Cocarde” versuchte er eine Art Querfront zur extremen Linken zu bauen. Der Süden Frankreichs war für Barras ein Fremdkörper in seiner Nations-Auffassung von Frankreich. Bezüglich seines Antijudaismus‘ ruderte er in seinen späten Jahren, nach dem 1. WK, zurück, stellte sich damit gegen die Action Française.

Der Schauspieler Ronald Silver war die längste Zeit seines Lebens Anhänger der Democratic Party (DP)79, das änderte sich angesichts der Anschläge in der USA von 2001; da wurde er Bush-Anhänger. 2000 mit-begründete er bereits die Organisation “One Jerusalem”, in Protest gegen Friedensverhandlungen Israels mit den Palästinensern bzw möglicher Aufgabe von Territorialkontrolle durch Israel zugunsten der Palästinenser. Er sprach am Wahlparteitag (National Convention) der Republican Party (RP) 2004, natürlich in Form einer Unterstützung für George Bush d. J.80 Rudolph Giuliani ernannte ihn dort zum Vorsitzender eines Partei-Komitees. Silver war in den 00er-Jahren Erzähler in den Propaganda-Filmen “Fahrenhype 9/11” (gegen Michael Moore und Bush-Kritik) und “The Arab and Iranian Reaction to 911: Five Years Later” (aus der MEMRI-Ecke, mit Generalisierungen und Hetze ggü Iranern und Arabern).81

Er sprach die Hörbuch-Versionen von verschiedenen Philip-Roth-Romanen, darunter “Verschwörung gegen Amerika”, eine Art Dystopie-Kontrafaktik. Bush ehrte Silver durch Aufnahme in das United States Institute of Peace, nahm ihn mit zu einer Reise in das ungeteilte Jerusalem. Silver soll auch Mitglied des Council on Foreign Relations geworden sein. In seinem Blog auf Pajamas Media jammerte Silver, dass Freunde und Kollegen auf seine Bush-Unterstützung so negativ reagierten. In einem seiner letzten Interviews (er starb 09 infolge einer Krankheit) nahm er 08 für das Kandidatenpaar John McCain/Sarah Palin für die Präsidentschaftswahl in diesem Jahr Partei.

Die britische Journalistin Julie Burchill war eine “militante Feministin”, “fand” dann Gott und wurde zuerst “christliche Zionistin”, konvertierte dann anscheinend zum Judentum. Das wirkte sich natürlich auf ihre Sicht auf Israel aus, sie wurde diesbezüglicher rechter/nationalistischer als die die dortigen (zionistischen, israelischen) Rechten, und warf dem “Guardian” Antisemitismus vor. Und, das zieht sich jetzt wie ein roter Faden durch diese Aufzählung von Ex-Linken, sie war begeistert über Bushs Irak-Krieg 03; und in der Bush-Kamarilla war Condoleeza Rice ihre Favoritin.

Bei der US-Amerikanerin Norma McCorvey war auch die neu gefundene Religiosität Angelpunkt der politischen Wandlung (oder war es eher eine persönliche?). Unter dem Pseudonym “Jane Roe” erstritt sie (mit Anderen) in den frühen 1970ern das Abtreibungsrecht in der USA. 1995 entdeckte sie das Christentum neu, wurde entschiedene Abtreibungs-Gegnerin, nannte ihre Rolle bei der Legalisierung von Abtreibungen einen grossen Fehler. Dabei ging sie so weit, sich sogar für den Fall einer Vergewaltigung gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch auszusprechen.

Der US-amerikanische Film-Schauspieler Jon(athan) Voight war am Höhepunkt seiner Karriere (1970er) wie Viele in Hollywood ein Linksliberaler, zumindest für amerikanische Massstäbe – das dürfte sich in den frühen 2000ern gedreht haben, zu Zeiten des jungen Bush. Bei ihm sind manche Parallelen zu Heston zu erkennen, Voight ist halt nur etwas jünger. Gegnerschaft zum Vietnam-Krieg sei “marxistische Propaganda” gewesen, sagte er nun. Bush sei der Führer der “freien Welt”, dessen Kritiker in der USA seien unpatriotisch; er steht sogar der Tea-Party-Bewegung nahe, unterstützte Rudolph Giuliani, Michael Huckabee, Sarah Palin,… Und, er wurde natürlich auch christlicher Zionist, bezeichnete Israel als „moralisches Leuchtfeuer“, attackierte Barack Obama als “Förderer des Antisemitismus” und dafür, eine “sozialistische Agenda” zu verfolgen.

Vor der israelischen Parlamentswahl 2015 rief er zur Wahl des Likud/Netanyahu auf, mit “Appeasement”-Vorwurf ggü Isaac Herzog (Avodah)… Bei der USA-Präsidentenwahl 2016 warb er für Donald Trump, warf Gegenkandidatin Hillary Clinton unter Anderem vor, die Einwanderungspolitik von Obama zu befürworten und die “Religionsfreiheit” einschränken zu wollen. Bei Voight zeigt sich schön, wie Rechtes heutzutage daher kommt, mitunter auch in einem “antifaschistischen” Mäntelchen, man ist ja gegen Antisemitismus, gegen Appeasement (gegenüber dem Bösen), für Israel, für die Moral, für die freie Welt, für die Religion, für den Patriotismus bzw die Nation (welche),… Von Trump bekam er ’19 auch einen Orden.

Matthias Matussek war früher in leitenden Positionen bei „Spiegel“, hatte eine TV Sendung bei SWR („Matussek trifft…“), war dann bei „Welt“ (erster Schritt seiner Radikalisierung), wurde ’15 nach einem vergnügten “Tweet” zum Pariser Terror („Debatten nun in frische Richtung…“) entlassen. Ganz früher war er ein Marxist gewesen, nun hat er sich u.a. zum Katholizismus hingewandt (klagte darüber dass „Gläubige“ unter „Blödheitsverdacht“ stünden), wurde „identitär“, homophob, leicht misogyn, ein Neorechter. Er landete folgerichtig auf Broders “Achse”, sowie bei Tichys “Einblick“.

Yves Montand (Ivo Livi) rückte im Lauf seines Lebens von ziemlich weit links nach ziemlich weit rechts; in den 1980ern wollten ihn viele Franzosen in einer politischen Funktion haben

Wolfgang Gedeon, AfD-Rechtsaussen, Arzt, war mal Kommunist; als solcher war er ohne Bedeutung, im Ggs zu jetzt

Mehrmals gedreht hat sich Alfred Mechtersheimer: Bundeswehr, Politologie-Studium, RCDS, CSU, Ausschluss dort durch Friedensengagement Anfang 80er, Linksruck, Grüne, für die im Bundestag, Kontakte zu Ghadaffi-Libyen, “National-Pazifismus”, > Rechtsruck, heute bei der rechtspopulistischen Pro-Köln-Bewegung; auch Jürgen Elsässer ist eine Art politisches Chamäleon, hat sich auch von links nach rechts gedreht

Herbert Röttgen/ Victor Trimondi, der mit seinem Buch zum Dalai Lama (zusammen mit seiner Frau) bekannt wurde und weiteren zu “exotischen Religionen”, scheint sich auch in diese Richtung gedreht zu haben

Der Schriftsteller Saul Bellow galt in früheren Jahren als “Liberaler” (was im US-amerikanischen Kontext ja etwas Anderes bedeutet als hier), in seinen späteren als “Neocon”

Der Bund gegen Anpassung 82 von Fritz Hoevels und der mit ihm verbundene Ahriman-Verlag, der auch die “Ketzerbriefe” des Bundes heraus bringt. Die politisierende Psychosekte wurde bereits in den 1980ern rechts, noch in den 1990ern wurde Saddam als „unangepasster Held“ gefeiert, Islam wurde in den 2000ern Feindbild (“Bomben auf Teheran für Rushdie!“), Anti-USA ist man dort anscheinend noch immer, aber von Pro-Palästinenser ist man zu Pro-Israel geschwenkt, in bundesrepublikanischer Manier83

John Dos Passos, US-amerikanischer Schriftsteller (1896-1970), zT portugiesischer Herkunft: es heisst, es waren seine Erlebnisse im Spanischen Bürgerkrieg, die ihn zum Rechten machten; er unterstützte in seinen späteren Jahren Joseph McCarthy, Barry Goldwater, Richard Nixon

Christa Zöchling: österreichische Journalistin, war früher beim Kommunistischen Studentenverband (KSV), wurde konservativ und westistisch, auch über Zionismus-Promotion, wie Andere

Hans Püschel war nach der deutschen Wiedervereinigung Gründungsmitglied der SPD in Sachsen-Anhalt und war von 1990 bis 1994 sowie von 2001 bis 2013 Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011 wechselte er zur NPD; diese scheiterte dann knapp an der Fünf-Prozent-Hürde

Jan Fleischhauer soll ein Ex-Linker gewesen sein, wie auch sein Freund Broder

Peter Sichrovsky, ebenfalls Journalist: “linker” “Standard”-Ressortleiter, dann FPÖ-Politiker, nun ist er irgendwo dazwischen

Seymour M. Lipset, ein amerikanischer Soziologe, der das angebliche King-Zitat über Israel-Kritik aufbrachte, wurde vom Sozialisten zum Neocon

Weiters: Samuel Schirmbeck, Melanie Phillips, Ignazio Silone, André Gide, John R. Chamberlain (US-amerikanischer Journalist), Raymond Moley, Tajar Zavalani, Bella Dodd, Max Eastman, Morrie Ryskind, Frank Meyer, Will Herberg, Sidney Hook,…

Grenzfälle bzw leichtere Verschiebungen: Hier geht es wie oben erwähnt, um solche, bei denen die Verschiebung nicht so gross war

Thomas Manns Sohn Angelus “Golo” Mann (Bruder von Klaus), machte anscheinend einen Abschluss in Philosophie (Karl Jaspers, Heidelberg), in Geschichte nicht – die Arbeit für das Staatsexamen mit einem Wallenstein-Thema84 war bereits eingereicht, zur Prüfung kam es nicht mehr, denn Mann verliess 1933 wie andere Mitglieder seiner Familie das Deutsche Reich wegen der Hitler-Diktatur, war demnach ein Amateurhistoriker. Exil in der USA, in New York lebte er einige Zeit in einer Wohngemeinschaft mit Wystan H. Auden, Benjamin Britten, Paul Bowles. Ging zum US-amerikanischen Militär, kehrte so nach Deutschland zurück. Etablierte sich akademisch in der BRD; 1963 wurde Manns geplante Berufung als Professor an die sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt durch die dort wirkenden Max Horkheimer und Theodor Adorno verhindert.85 Umzug in die Schweiz. Mann war Adenauer etwas zugetan, lange Zeit seines Lebens aber SPD-Unterstützer, und Brandt-Redenschreiber! Die 68er brachten ihn nach rechts, nach den Ostverträgen löste er sich von Willy Brandt, die RAF-Aktionen der 1970er radikalisierten ihn weiter. Schliesslich “landete” er dann bei Franz J. Strauss, der Politiker der “die linke Bewegung eindämmen” könnte. 1979/80 unterstützte er diesen als Spitzenkandidaten der CDU/CSU bei der Bundestagswahl

Paul Rassinier war ein französischer Linker (Kommunist/Sozialist), Historiker (Lehrer) sowie Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im 2. WK, war daher in den KZs Buchenwald und Dora-Mittelbau interniert. Er überlebte als Invalide, war nach dem Krieg kurz Abgeordneter für SFIO (Vorgängerin der PS) im Parlament. In seinen ersten 2 Büchern kritisierte er dann vornehmlich die kommunistisch dominierte Häftlingsführung in KZs, nahm gegen „selbstgerechte Deutschland-Verurteilungen“ Stellung und äusserte Zweifel an Gaskammern und dem Ausmaß des Holocausts. Danach wurde er verklagt und von SFIO ausgeschlossen. Nach Veröffentlichungen in den 50ern u.a. zum Pazifismus nahm er sich in den 60ern verstärkt das Thema Holocaust und Krieg vor. Er verurteilte NS-Prozesse von Nürnberg bis Jerusalem. 1964 stellte er in einem Buch den Holocaust als solchen in Abrede, mit Kritik u.a. an Zeugenaussagen und technischen Möglichkeiten (diese seine Ausführungen sollen sachlich widerlegt worden sein), unterstellte dabei Juden, aus Nazi-Verbrechen Kapital für den Zionismus schlagen zu wollen. Nach Hochhuths historischem Theaterstück „Der Stellvertreter“ schrieb der Atheist ein Buch zur Verteidigung von Pius XII. Er starb relativ früh, an den Spätfolgen der Folter im KZ. Er wurde so etwas wie ein Vater der Holocaust-Leugnung; die Frage ist, inwiefern er mit jenen (Rechtsextremen) zu assoziieren ist, die sich auf ihn berufen, die das NS-Regime entlasten wollen

Der KGB-Agent Bogdan Staschinski tötete 1959 in der BRD im Auftrag seiner Behörde den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, der mit Wehrmacht und BND zusammenarbeitete, mit einer Blausäurepistole. Stas(c)hinski stellte sich später in W-Berlin, wollte wegen einer Liebe überlaufen, bekam in der BRD eine milde Strafe (“nur Beihilfe“)86, dann eine neue Identität. Es hatte aufgrund der Tätigkeit von Banderas OUN neben dem KGB auch andere Kandidaten für den Mord gegeben. Jedenfalls, Staschinski lief wegen einer Frau über, so weit bekannt ist, nicht weil er den Kommunismus “fallen liess”. Bandera ist evtl. als Überläufer von Ost nach West zu sehen, auch wenn er das vor Ausbruch des KK tat, Stashinski jedenfalls als Überläufer vom Osten in den Westen

Gianfranco Corsi (“Franco Zeffirelli“) war im 2. WK als Student bei den Partisanen sowie als Dolmetscher für britische Militär-Einheiten aktiv.87 Dann wurde er Theater-, Opern- und Film-Regisseur.88 Shakespeares Werke inszenierte er immer wieder, „Romeo und Julia“ etwa im Theater und im Film (1968). 1969 erlitt er einen schweren Autounfall, zusammen mit (Lui)gina Lollobrigida89, in Orvieto, mit Kopfverletzungen. Es heisst, er wurde danach sehr katholisch. Sein Franz-von-Assisi-Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ (1973) soll vor dem Hintergrund entstanden sein; und auch die 1977 erschienene Miniserie “Jesus of Nazareth” (“Gesù di Nazareth”). 1991 äusserte er sich negativ über die “arabische Kultur” und den islamischen Fundamentalismus, ähnlich wie Fallaci und Andere 10 Jahre später. Von 1994 bis 2001 (zwei Legislatur-Perioden) war Corsi/Zeffirelli  für Silvio Berlusconis Forza Italia im Senat, in der Zeit nach dem Ende der Ersten Republik (siehe). Die Frage ist, ob er konservativer geworden ist, und wenn ja, durch den Unfall. Er war vorher Christdemokrat, also auch Mitte Rechts90

“Nick” und “Bobbi” Ercoline, das Pärchen vom Cover der Woodstock-LP (1970 heraus gekommen), zwei aus 500 000 bei dem Konzert in Bethel, waren schon zur Zeit des 20-Jahre-Jubiläum des Konzerts 1989 für Bush senior und “Pershing II” -Raketen, das dürfte sich kaum gedreht haben. Das Foto stammt von Burk Uzzle, der für die Agentur Magnum fotografierte, wurde am Morgen des dritten von vier Konzerttagen aufgenommen. Die Beiden betonten später, dort keine Drogen genommen zu haben, nur Wein und Bier; sie waren damals nicht Teil einer “linken Subkultur”, später schon gar nicht

Leute in der Democratic Alliance (DA) von Südafrika, die als liberal galten, aus einem solchen Milieu kommen, sich gegen die Apartheid engagierten (in den Vorgänger-Parteien der DA, wie der DP), nach dem Ende Apartheid ein Stück nach rechts rutschten bzw sich als konservativ herausstellten („bewahrend“; ohne sich viel zu verändern). Die DP (Democratic Party) wurde 1999 wichtigste “weisse” Partei Südafrikas, v.a. durch den Zustrom von Afrikaanern – weil sie unter “Tony” Leon nach rechts gerückt war oder rückte sie durch den Zustrom bisheriger NP-Wähler und -Politiker nach rechts?

Im ANC gibt es Politiker, die von der linken Seite kommen und nach dem Ende der Apartheid eine gewisse Wandlung machten, zumindest im wirtschaftspolitischer Hinsicht. So wie Cyril Ramaphosa, der zwar nicht im Bergbau arbeitete, aber in der (schwarzen) Gewerkschaft der Minenarbeiter anfing, als Rechtsberater, nach seinem Übergangen-Werden als Mandela-Nachfolger (das entschied sich bereits 1994) in die Wirtschaft ging, zum Minenbesitzer wurde, ehe er wieder in die Politik ging. Paul Trewhela ist ein Weisser, der im ANC gegen die Apartheid kämpfte, ins Exil (GB) ging und dort blieb, sich von der Linken abwandte. Es gibt eine bunte Liste von Politikern, die vom ANC zu anderen Parteien gingen (oder diese mit-gründeten), Sobukwe (PAC), Buthelezi (IFP), Mavuso (NP), Holomisa (UDM), Lekota (COPE), Malema (EFF),…91

Arlo Guthrie wurde wie sein Vater (Woodrow “Woody” Guthrie, christlicher Anglo-Amerikaner, dessen Vater beim KKK in Oklahoma) Protest-Folk-Sänger; Mutter war Jüdin, wurde für seine Bar Mitzwa von Rabbiner Meir Kahane vorbereitet, der dann u.a. die faschistische Jewish Defense League (JDL) gründete. “Rabbi Kahane was a really nice, patient teacher”, so Arlo Guthrie später, “but shortly after he started giving me my lessons, he started going haywire92. Maybe I was responsible.” Guthrie trat 1977 zum Katholizismus über, interessierte sich später für andere Religionen. Er stand der DP nahe, hat einige Zeit die RP unterstützt (hauptsächlich Ronald Paul), soll dies begründet haben “We had enough good Democrats. We needed a few more good Republicans. We needed a loyal opposition.” Francis “Frank” Sinatra ist ein anderer Nicht-Politiker, der von DP zu RP wechselte. Auch “Easy Rider” Dennis Hopper unterstützte zeitweise die Republikaner

Roland Freisler geriet 1915 an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft, verbrachte den Rest des Krieges in einem Offizierslager in der Nähe von Moskau. Nach der Oktoberrevolution und dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurden diese Lager einer deutschen Selbstverwaltung übergeben, Freisler wurde zu einem ihrer Kommandanten ernannt. Er war den russischen Sozialdemokraten (Bolschewiki) beigetreten. Obwohl die Gefangenen 1918 in die Heimat entlassen wurden, blieb Freisler noch zwei Jahre länger in Sowjetrussland. War in der Zeit des Russischen Bürgerkriegs Kommissar für Nahrungsmittelverteilung, scheint ein Bolschewik gewesen zu sein, nicht nur zwangsweise. Er kehrte 1920 nach Deutschland zurück und schloss sein Jus-Studium ab. Bald hatte er eine eigene Anwaltskanzlei, verteidigte zunächst NSDAP-“Aktivisten”. Bis er selbst ein solcher wurde, und nach der Machtergreifung 1933 Karriere machte, die ihn an den Volksgerichtshof führte, dessen Präsident er 1942 wurde. Dort ging es ja um “Hochverrats”-Sachen, Freisler fällte selbst über 2500 Todesurteile… Im Februar 1945 wurde er bei einem US-Luftangriff im “Volksgericht” getötet, was u.a. Fabian von Schlabrendorff rettete93

Wilhelmus „Pim“ Fortuyn, der niederländische Soziologe der in die Politik ging, interessierte sich in seiner Jugend für den Kommunismus, sympathisierte mit der Communistische Partij Nederland (CPN), wurde später aktives Mitglied der sozialdemokratischen PvdA. Ab 1989 engagierte er sich in der rechtsliberalen VVD. Sein politisches Wirken beschränkte sich auf wenige Monate, die Zeit von Ende 2001 bis Mai 2002, für LN und LPF.94 Kurz vor den Parlamentswahlen im Mai 02 wurde Fortuyn in Hilversum von einem Tierschützer erschossen.95 Fortuyn war als Politiker kontrovers-kontroversiell; er war bekennender Homosexueller sowie Islamgegner, stammte aus einem katholisch-konservativen Haus, attackierte die Reformierten/Calvinisten, war Gegner der Monarchie und Anhänger eines 2-Parteien-Systems nach USA-Vorbild, Gegner des Tierschutzes und der Einwanderung, Populist aber kein wirklicher Nationalist; und hatte einen tiefen Impakt in der Niederlande

Der österreichische Publizist Günther Nenning (1921-2006) erlebte Erste Republik, Austrofaschismus, Nazi-Diktatur, Zweite Republik. Als Wehrmachts-Soldat wurde er (nach Kriegsende) von der Roten Armee gefangen genommen und kam in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Studierte Sprachwissenschaft sowie Religionswissenschaft (wurde Doppel-Doktor). Schrieb für das ,,Forvm” des Friedrich “Torberg” (Kantor-Berg), das vom CIA ausgehalten wurde, übernahm dieses dann; später schrieb er für “Profil”. Moderierte im Rundfunk u.a. die Sendung “Club 2” im ORF. War als Journalisten-Vertreter im ÖGB wichtig, wurde dann dort rausgeschmissen. War bei der SPÖ, dann Mitgründer der Grünen in Österreich. Nenning wechselte auch “seine” Frauen oft, wurde als Senior nochmal Vater, bezeichnete sich als „Feministen“. Relevant für diesen Artikel wird er durch gewisse “Metamorphosen” gegen Ende seines Lebens. Schrieb für “Krone”. Wurde angeblich ein Monarchist. Und: Nenning, der evangelisch war und zur katholischen Kirche übertrat, wurde religiös. Ach ja, und der Wiener starb schliesslich in Tirol

Jorge Mario Vargas Llosa, peruanischer Autor und Politiker, 2010 Literatur-Nobelpreis-Gewinner: wie andere lateinamerikanische Intellektuelle war Vargas Llosa ein “Unterstützer” von Fidel Castro und dessen System in Cuba. Und wie bei  Anderen war der Umgang mit dem Autor Heberto Padilla mit ausschlaggebend für eine diesbezügliche Kehrtwende. Padilla wurde aufgrund regimekritischer Inhalte drangsaliert, bis er 1980 ausreisen/emigrieren durfte (in die USA…).96 1987 stieg er ja mit der Gründung des Movimiento Libertad in die Politik ein. Die Partei ging mit zwei anderen Rechtsparteien die Dreier-Allianz Frente Democrático (FREDEMO) ein. Und Vargas trat bei der Präsidenten-Wahl 1990 als ihr Kandidat an, verlor gegen Alberto Fujimori (Cambio 90). Das Buch über “den Kelten” zeigte jedenfalls, dass Vargas kein Rechter wurde

Michael “Mikis” Theodorakis ist ein Linker, wurde mit der Wahl 1964 Abgeordneter für die EDA. Diese Legislaturperiode wurde ja durch den Militärputsch 1967 unterbrochen, der zum rechten Militärregime bis ’74 führte. Gegen dieses engagierte sich Theodorakis, wofür er eingesperrt wurde und seine Lieder verboten. Nach dem Abtritt der Junta 1974 war er Kandidat der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) für das Amt des Athener Bürgermeisters. 1981 wurde er Abgeordneter der KKE, bis 1985 oder 1989. 1989 ein kleiner Rechtsruck, er kandidierte (als Parteiloser) für die Mitte-Rechts-Partei ND von Konstantinos Mitsotakis, wurde gewählt, war 1990-92 Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung von Mitsotakis, die mit dem Aufräumen des Erbes der Skandale der Regierung von Andreas Papandreou (PASOK) beschäftigt war. In dieser Funktion setzte er sich u.a. für eine Verbesserung der Beziehungen zur Türkei ein, was er auch danach immer wieder tat. Theodorakis ist politisch nicht leicht einzuordnen. Er setzte sich in den 1990ern für Serbien bzw Rest-Jugoslawien ein, gegen den Krieg der USA im Irak 03 (> vgl. Voight), Israels Besatzungspolitik97

Die brasilianische Politikerin “Marina” Silva hat vier Mal die Partei gewechselt. Die längste Zeit war sie eigentlich bei der Arbeiterpartei (PT), für die Grünen (PV) und die Sozialisten (PSB) ist sie bei Präsidentenwahlen angetreten, unter “Lula” war sie Ministerin. Bei einer Rechtspartei ist sie nicht gelandet, aber bei einer evangelikalen Kirche, wurde eine Pfingstlerin. Worauf sich manche Inhalte änderten, so ist sie seitdem gegen das Recht auf Abtreibung. Und bei der Präsidentenwahl ’14 unterstützte sie im zweiten Wahlgang den PSDB-Kandidaten Neves über Rousseff von der PT

C. Vadim Tudor war Hofpoet von Rumäniens Diktator Ceaucescus, sagt man. In postkommunistischer Zeit wurde er Gründer und Führer der rechtsextremen Partei PRM, holte sich auch israelische Berater (siehe). Man kann sagen, er blieb reaktionär…oder ein Mitläufer/Wellenreiter98

Der deutsche Filmemacher Volker Schlöndorff engagierte sich einst für faire Haftbedingungen für RAF-Gefangene, ist heute Merkel-Unterstützer, hat dies in dem Film von Felix Möller erklärt; ebenfalls ein Grenzfall bzw ein moderater Rechtsruck

Auch Rainer Langhans wird bei den Grenzfällen bzw Fragezeichen angeführt. Mit DDR-Erfahrung hinter sich kam er nach West-Berlin, wurde dort einer der “führenden” deutschen 68er. Wobei er das Politische ja im Privaten sah. Aus Berlin ging er nach München (wo er sich einen “Harem” aufbaute) und zur Esoterik. Aus diesem Blickwinkel deutete er dann den Nationalsozialismus. Eine Zeit lang war er der Piratenpartei zugetan. Der Burda-“Focus” hat ihm eine Plattform gegeben. Auch Kontakte mit Rechtsextremen soll er (gehabt) haben. Richtig arbeiten tut er ja nicht, regelmäßiger Teil seines Einkommens ist eine Rente, die auf seine 2- jährige freiwillige Bundeswehr-Zeit zurückzuführen ist

Die Sängerin “Michelle Shocked” schockierte Manche mit Aussagen gegen Homosexualität (als deren “Proponentin” sie gesehen wurde), aus einer christlichen Ideologie heraus; Parallelen zu Marina Silva

Friedrich Hayek, der Ökonom österreichischer Herkunft, wichtiger Theoretiker des Wirtschafts-Liberalismus, begeisterte sich in seiner Jugend für den fabianischen Sozialismus und planwirtschaftlichen Vorstellungen Walther Rathenaus; es heisst, infolge der Lektüre des Buches “Die Gemeinwirtschaft” von Ludwig von Mises wandte er sich von sozialistischen Ideen ab

Papst Pius (Pio) IX. (Giovanni M. Mastai-Ferretti): 1846 Papst, anfangs Liberaler, erlebte 1848 im Zuge des Risorgimento die Römische Republik G. Garibaldis > Bruch mit italienischer Nationalbewegung, wurde stockkonservativ > Römische Frage (> 1870), 1. Konzil > Unfehlbarkeit

1983
1983

Franz Morak? Künstler, dann Politiker. War er links? Wurde er rechts?

2000
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Der deutsche Historiker Götz Aly99…noch ein ehemaliger 1968er, einer der Kritiker der Bewegung wurde. Fraglich ist aber, ob er rechts wurde und wenn ja, wie

Bob Dylan” (Robert Zimmerman) hat auch so manche Wandlung absolviert (welcher Mensch nicht?), wie sein Übertritt vom Judentum zum Christentum (mit der Aussage, diesbzgl “wiedergeboren” zu sein)

Eric A. Blair (“George Orwell“) war eine Art Sozialist, und ein Gegner von Totalitarismus. 1936 nahm er auf republikanischer Seite am Spanischen Bürgerkrieg teil; schrieb darüber 1937 “Mein Katalonien” (engl.: “Homage to Catalonia”). Darin thematisiert er auch das Wirken stalinistischer Kräfte auf republikanischer Seite in Spanien. In GB gehörte er zeitweise der Independent Labour Party (ILP) an, und nicht der CPGB. In “Der Löwe und das Einhorn” (1941) brachte Orwell seine Vorstellung von britischem Sozialismus vor. In “Farm der Tiere” und “1984” ging es natürlich auch um anti-autoritäre und -totalitäre Prinzipien. Er wurde von britischen Behörden für seine linken Aktivitäten beobachtet, auch schon vor dem Kalten Krieg

In den 1990ern oder 2000ern wurde bekannt, dass “Orwell” nach dem 2. WK (im beginnenden KK) dem Information Research Department des britischen Aussenministeriums, der Behörde für die George Conquest damals arbeitete, einer Bekannten zuliebe, die Conquests Mitarbeiterin war, eine Einschätzung von als “kommunistisch” verdächtigten britischen Künstlern abgab, darunter war auch “Charlie” Chaplin. Orwell hat Einige, bei denen er “fehlende Distanz” zur SU bzw zum Stalinismus sah, der Behörde ggü diesbezüglich eingeschätzt, Andere zB als “Mitläufer”. Unter Ersteren waren auch solche, die sich später als SU-Spione (hauptsächlich dem Ring um Philby zugehörig) heraus stellten. Welche Konsequenzen das für die Betroffenen hatte, ist eine andere Frage. Nicht wirklich eine Rechtswendung von Orwell, andererseits auch nicht so weit entfernt von dem was zB Kazan tat

Über Victor Farias und sein Anti-Allende-Buch hier. Die Motivlage und die Ausrichtung von Farias ist unklar

Monte Melkonian, Armenier aus der USA, ging als Jugendlicher in den “Orient” (Vorderasien), um sich dort anti-imperialistisch zu betätigen; ungefähr da als Sowjet-Armenien unabhängig wurde, zog er dort hin, machte sich die armenische nationale Sache zu eigen, wurde Kommandant im Karabach-Krieg mit Aserbeidschan, in dem er 1993 getötet wurde

Ursula “Uschi” Glas, die Schauspielerin. Nun ja, sie wandte sich in den 1970ern Franz Josef Strauss und der CSU zu, wie in ihrem Milieu üblich, und davor war sie irgendwie linksliberal gewesen, der Zeit entsprechend

 

Noch einige Buchhinweise:

Mary Eberstedt: Why I Turned Right: Leading Baby Boom Conservatives Chronicle Their Political Journeys (2007). Einigermaßen Prominente (wie Dinesh D’Souza), aber nicht solche die links waren, sondern solche die mit ihrer Politisierung rechts wurden

Richard Wolin: The Seduction of Unreason: The Intellectual Romance with Fascism from Nietzsche to Postmodernism (2006)

Tom Garrison: Why We Left the Left: Personal Stories by Leftists / Liberals Who Evolved to Embrace Libertarianism (2001). Über Nicht-Prominente

Richard Crossman: The God That Failed. A Confession (1949). 6 ehemalige Kommunisten schildern darin ihre Erfahrungen: Arthur Koestler, André Gide, Ignazio Silone, Richard Wright, Louis Fischer, Stephen Spender

Daniel Oppenheimer: Exit Right: The People Who Left the Left and Reshaped the American Century (2016). Von Christopher Hitchens bis Whittaker Chambers

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. A propos: Napoleon(e) B(u)onaparte ist vielleicht ein Kandidat für diese Liste. Wurde gross in der Revolution, die er dann gewissermaßen beendete. Militärischer Aufstieg unter dem Direktorium – das er dann 1799 beseitigte. 1804 krönte er sich ja zum Kaiser. Nach seinem erzwungenen Abtritt 1814 die Restauration der alten Monarchie. Bei Barres bzw Boulanger zeigt sich aber die Problematik der Einteilung Rechts-Links im Frankreich des 19. Jh
  2. Ein Klub der Montagnards
  3. Bei den drei Umstürzen 1830, 1848 und 1870 waren hauptsächlich Republikaner aktiv, 1830 ausserdem moderate (konstitutionelle) Monarchisten
  4. Es gab es vor der Französischen Revolution schon Menschen, die etwas derartiges vollzogen, aber die heutigen Kategorien sind eben (ab) damals entstanden
  5. In einer Nahost-Rede etwa kritisierte Obama zwar die bahrainische Regierung, nicht aber das saudische Königshaus. Dafür wird der langjährige Bündnispartner in der Region offenbar noch als zu wichtig gesehen; nicht zuletzt wegen Iran. Und Obama hat an mehreren Fronten Appeasement ausgeübt, auch ggü jenen die ihm ggü rassistisch sind
  6. Damit nicht nur gegen algerische Unabhängigkeits-Kämpfer aktiv, sondern auch gegen den französischen Staat
  7. Wettert u.a. in ihrem 2003 erschienenen Buch „Ein Ruf aus der Stille“ ähnlich wie Le Pen gegen eine “Islamisierung Frankreichs”
  8. Er pflegt(e) aber Freundschaften mit Persönlichkeiten der Linken, wie Luchino Visconti
  9. Wie Rudolf Nurejev oder Milos Forman oder Conrad Schumann
  10. Es werden in der Zukunft solche “Verschiebungen” evident werden, die sich gerade vollziehen…
  11. Hier also ging es um islamischen Fundamentalismus, nicht um den Ratten-artigen Charakter von Muslimen/Migranten
  12. Ang Swee Chai, eine chinesische Malaysierin, wanderte von Pro IL zu Pro Palästinenser (bzw einer realistischeren Betrachtung des “Nahost-Konflikts”, ohne Rechts/Links-Konnotationen
  13. Das trifft auch auf manche Leute zu, die sich noch nicht von der Linken verabschiedet haben. Auch solche sind oft reaktionärer und menschenverachtender als gestandene Rechte
  14. Diese, zweitere Bezeichnung verdient(e) er sich zB mit einem Buch wie “The Professors: The 101 Most Dangerous Academics in America” (2006)
  15. Newton war 1970 in der Berufungsverhandlung von einer Mordanklage frei gesprochen worden
  16. Eher in der Form von Selbst-Bezichtigungen (“Wie konnte ich nur…?”) als von Selbst-Lügen (“Eigentlich war ich nie dafür!”). Auch wenn er über das “Kriegsverbrechens-Tribunal”, dass die Russell-Stiftung in den 1960ern bezüglich des US-amerikanischen Mitmischens im Vietnam-Krieg abhielt, dann Jahrzehnte später sagte, dass er Vorbehalte dagegen gehabt und nicht teilgenommen hätte
  17. Also möglicherweise einer Verwandten von Charles Krauthammer, dem verstorbenen Neocon, der auch von der Linken/Liberalen kam
  18. Vergleiche “Scholars for peace in the middle east”, „Liga für Aufklärung und Freiheit im Nahen und Mittleren Osten“,…
  19. In “Soul on Ice”, einer Sammlung von Essays, die Cleaver 1968 heraus brachte, schrieb er: “If a man like Malcolm X could change and repudiate racism, if I myself and other former Muslims can change, if young whites can change, then there is hope for America.”
  20. Staaten legten die Erreichung des Mindestalters von 35 unterschiedlich aus, bezüglich der Nominierung, der Wahl oder aber der Amtsübergabe
  21. Es war nicht so, dass man sich auf der “Gegenseite” nicht zusammenfand/-tat. Und Praktiken der Unterwanderung wie vom FBI ggü der BPP ähnelten israelischen (Mossad, Shin Bet) ggü palästinensischen Organisationen
  22. Dort, in Havanna, hat ihn James “Jim” Jones besucht, der Führer des Peoples Temple (of the Disciples of Christ). Der Kontakt zwischen den Beiden blieb aufrecht, auch nachdem sich der “Volkstempel” nach Guyana “zurückgezogen” hatte. Ein Cousin von Newton zog auch dorthin nach Jonestown, entkam dem erzwungenen Massenselbstmord von 1978
  23. „Liberal“ bedeutet in der USA und anderen Anglo-Staaten eher was Linkes, anderswo was Rechtes
  24. “a liberal who has been mugged by reality”
  25. Wolfowitz war etwa Vize-Verteidigungsminister unter Bush, 01-05
  26. Sohn eines aus Südafrika in die USA eingewanderten Geschäftsmanns und der Tochter eines Rabbiners
  27. “Sie haben die enorme Verantwortung, einen neuen Holocaust zu verhindern. Sie sind der Einzige, der den Mumm hat, das zu tun”. Bush verlieh ihm die „Presidential Medal of Freedom“
  28. Gerüchten zufolge nicht über sein/ unser “Negerproblem”
  29. Sohn von Irving und gleich ausgerichtet; bei Donald und Robert Kagan ist es ähnlich
  30. Oder dem Lamento über “white guilt“. Immerhin anerkannte er im selben Satz, dass vor dem Aufkommen dieser Auseinandersetzung die Historiographie Australiens gewissermaßen zu unkritisch war (“the Three Cheers View”)
  31. Windschuttle hat “The Breakup of Australia: The Real Agenda Behind Aboriginal Recognition” (2016) bei Quadrant Books, dem dazu gehörenden Verlag publiziert
  32. Wie die Haltungen zur Umwandlung Australiens in eine Republik, zur Einwanderungspolitik, Aussenpolitik, Umwelt- bzw Klimapolitik,… Die Gesetze zugunsten der Aborigines in den 1970ern wurden unter der Labor-Regierung von Gough Whitlam erlassen, die Entschuldigung an die Aborigines für die staatliche Entführungen ihrer Kinder kam Ende der 2000er von Kevin Rudd
  33. Bei ihm kommt eine Tochter aus erster Ehe dazu, Anja Röhl, diese warf ihm vor, sie als Kind sexuell belästigt zu haben. Derartiges wurde unter “68ern” damals jedenfalls anders gesehen
  34. Berliner Verkehrsbetriebe
  35. Ja, die Veranstaltung in Wien 08 war ja auch eine Art “wissenschaftliche Konferenz”…
  36. Warum, das ist eine längere Geschichte; es wäre zu einfach, das auf langdauernde britische Intrigen zurück zu führen, aber auch, die Moslems bzw die League als Abkömmlinge der Invasoren darzustellen
  37. Diese Wahlen kamen Volkszählungen gleich, Gegenden in denen der Congress gewann, waren überwiegend hinduistisch, die von der League gewonnenen mehrheitlich moslemisch; es zeigten bzw bestätigten sich jene Gebiete im Norwesten und Nordosten in denen Moslems die Mehrheit bildeten
  38. Die kleineren Religionsgruppen Indiens, Sikh, Christen, Parsen/Zoroastrier, Buddhisten, Jainas,…, sind in der Regel eher mit den Hindus “verbündet”
  39. Im September 46 kam dann die provisorische Regierung zu Stande unter Jawaharlal Nehru, im Oktober gab die Moslem-Liga den Boykott von Konstituante und Regierung auf
  40. Auch wenn dies in gesprochener Form nicht allzu grosse Unterschiede zu Hindi aufweist
  41. Und hat Robertson ein Buch von ihm über Jesus geschickt nach dessen Kommentaren über den Hinduismus
  42. Mehr dazu in Teilen dieses Artikels
  43. De Benoist, der nach einer Reise nach Apartheid-Südafrika auf Einladung der Verwoerd-Regierung 1965 den Essay “Vérité pour l’Afrique du Sud” geschrieben hatte, und auch Rhodesien bereist und gelobt hatte, als “Aussenposten des Westens” zu Zeiten der “schändlichen” Entkolonisierung und “Negrifizierung”, wurde mit der Zeit etwas kritischer ggü dem Anglo-Imperialismus, besonders jenem der USA
  44. Die “A”D-Recken der “bahamas” haben 03 ihren “Abschied von der Linken” erklärt
  45. Auch mit Islamisten gibt es Gemeinsamkeiten, Korrelationen. Wie leicht diese Übertritte von Islamisten zu Islamophoben (Zionismus, Neokonservativismus,..) immer gehen… > Mossab Youssef, Mehdi Khalaji, Hamed Abdelsamad, Maajid Nawaz,…
  46. In Österreich gibt es da einen Kurt Wendt in der KPÖ, der ein Organisator von Demonstrationen gegen die erste ÖVP/FPÖ-Regierung war (Anfang der 00er, Schüssel), dann von der “anti”deutschen Strömung in der Partei (Peham,…) erfasst wurde, sagte dass es ein Fehler gewesen sei, diese Demos auch auf bzw gegen die Bush-Kriege auszudehnen…zur Zeit der neuen ÖVP/FPÖ-Regierung (Ende der 10er, Kurz) pudelte er sich dann wieder als Linker und als Held der Arbeit auf
  47. Sohn eines Amerikaners und einer Norwegerin
  48. In der Zeit nach dem 2. WK gab es in diversen Ostblock-Staaten nochmal so eine “Inquisitions”-Welle gegen kommunistische “Abweichler”. Zusätzlich zum Vorgehen gegen Demokraten, das oft als eins gegen “Faschisten”/”Kollaborateure” deklariert wurde
  49. Siehe die Überlegungen bei Morris/Windschuttle zur Arbeit eines Historikers. Mit der Frage beschäftigte sich auch Peter Novick: That noble dream: the “objectivity question” and the American (1988)
  50. Nicht zu verwechseln mit den Aktivitäten von Joseph McCarthy im Senat, hauptsächlich im Government Operations Committee, 1953-55
  51. Mit dem 1965 von Präsident Lyndon Johnson unterschriebenen Voting Rights Act wurde dann das bisherige Wahlrecht ausser Kraft gesetzt, dem zufolge etwa nur solche Bürger ins Wählerverzeichnis aufgenommen wurden, die einen Lesetest erfolgreich absolviert hatten
  52. Wenn bezüglich der USA vom “Süden” die Rede ist, ist meistens eigentlich der Südosten gemeint, etwas mehr als der “Old South” (der etwa Georgia nicht inkludiert) und etwas weniger als der “Solid South” (der bis Texas geht)
  53. Wie sie von den beiden Mördern benutzt wurden
  54. Heston verwischte auf dem NRA-Kongress gerade solche Differenzierungen… “It implies that 80 million honest gun owners are somehow to blame.”
  55. Eine kräftige “Antithese” zum Bushismus, das Columbine-Massaker war eine Art Aufhänger im Film
  56. Das Interview fand 2001 statt, bevor Heston seine Erkrankung öffentlich machte
  57. Die Vorgänger Tudjmans in dieser Funktion waren alle von der kroatischen Sektion (SKH) der kommunistischen Partei Jugoslawiens (SKJ). Die SKH wandelte sich 1990 unter Ivica Racan in eine sozialdemokratische und eigenständige Partei namens SDP um
  58. Sein Ziel, auf Kosten der Bosnier und Kroaten ein Gross-Serbien zu schaffen, war 1995 gescheitert, 2000 wurde er gestürzt
  59. Rohrmoser hat ihn übrigens in seiner ersten (“linksextremen”) Haftzeit im Auftrag einer Kommission der Bundesregierung im Gefängnis besucht. Rohrmoser erklärte 1998, bezüglich der „die Religion und die sittliche Substanz zerstörenden Wirkung der 68er“ seien seine und Mahlers Positionen identisch
  60. dem „politischen Philosophen“
  61. Es gab/gibt viele Alt-Linke, die (ab) Anfang der 00er in der “Islamkrise” Stellung in einer ähnlichen Art bezogen, bis hin zu Manfred Deix. Bei Anton Pelinka ist es vermutlich etwas komplexer. Ralph Giordano hat nicht wie Enzensberger erst 03 aggressive und pseudomoralische Werbung für den Irak-Krieg gemacht, sondern bereits 91; als Saddam Hussein in den 1980ern sein Heer den Iran angreifen liess, blieb er dagegen ruhig
  62. Siehe
  63. In den 1960ern ermittelte das HUA-Committee gegen die Neuen Linken, Betroffene wie Jerry Rubin und Abbie Hoffman hatten viel weniger zu verlieren als Regierungs-Beamte oder Künstler in der Filmindustrie; sie verwandelten die Befragungen in Shows, dadaistische Happenings
  64. Es ist nicht bekannt, ob Pau diese Aussage bei einem ihrer Besuche in der israelischen Botschaft in Berlin oder in Jerusalem/Quds getätigt hat
  65. Erinnert an den Spielfilm “Departed/Unter Feinden”, mit Matt Damon und Leonardo di Caprio, als Polizei-Agenten in Boston, der Eine als Spitzel in die irische Mafia eingeschleust, der Andere Spitzel für diese Mafia in der Polizei…dort kommt es ja aber zu keiner Enttarnung
  66. Beim KGB-Mann Oleg Kalugin war es so, dass er mit dem System der SU in den 1980ern unzufrieden war, dies auch äusserte, an seiner Reform mitwirkte; übergelaufen ist er nicht und er hat auch solche wie Gordijewski scharf dafür kritisiert. Er lebt jetzt in der USA. Auch nicht so leicht einzuordnen
  67. “Bei der Beerdigung kam es beinahe zu Zusammenstößen zwischen den sehr heterogenen Beteiligten der Trauergesellschaft: österreichische Legitimisten, Kommunisten und Juden reklamierten den Toten jeweils als einen der ihren.”
  68. Er ging zu den Grünen, während viele Andere aus den K-Gruppen eine Beamten-Laufbahn einschlugen
  69. Der andere Teil der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum trat als Deutsche Forumpartei (DFP) zusammen mit LDP und FDP der DDR als BFD an
  70. Erst 1993 gingen Bündnis 90 und Die Grünen in der heutigen Partei Bündnis 90/Die Grünen auf, bis dahin gab es nur eine Art Allianz
  71. Später bekanntlich SPD
  72. Repression und Umweltverschmutzung kamen dort von einem linken Regime, die Kirchen waren Orte des demokratischen Widerstands, Ex-Nazis waren auch dort ins Regime gegangen
  73. Bei der vorgezogenen Wahl nach der Vereinigung Ende 90 wurden die Grünen nur im Osten gewählt> Wollenberger, Schulz, Poppe, Ullmann,… 05 scheiterte Lengsfeld/Wollenberger mit ihrer Kandidatur um Vorzugsstimmen auf der CDU-Liste mit einem Dekoltee-Bild
  74. Ex-Bürgerrechtler haben die CDU auch ein Stück weit verändert. So ähnlich wie Ismail Cem der für die CHP zu liberal war, nach einer “Tour” zu SHP, DSP, YTP (seine Gründung) zu ihr zurück kehrte, ihren liberalen Flügel stärkte
  75. “Freie Welt”, ausserdem für „eigentümlich frei“ (IfS), die “Preußische Allgemeine Zeitung“ sowie für das CSU-Organ „Bayernkurier“
  76. „Gemeinsame” Erklärung 2018, mit Broder, Sarrazin, Matussek, Herman, Tellkamp, Flaig,…; seit 2014 tritt sie als Kritikerin der „flüchtlingsfreundlichen Politik“ von Bundeskanzlerin Merkel auf
  77. Der Westen unterstützte damals den Irak, Donald Rumsfeld kam in dem Zhg als Reagans Beauftragter nach Bagdad
  78. In Afghanistan gab es Kommunisten, die zu den Taliban hinüber wechselten, hauptsächlich von der (paschtunischen) Khalqi-Fraktion der Demokratischen Volkspartei Afghanistans, was auch eine Art “Rechtsruck” ist. Es gibt im Irak einen hohen Anteil von Ex-Baathisten im IS, darunter die Nakschbandi-Miliz unter Issat Ibrahim al-Duri (der wegen seiner roten Haare “Karotte” genannt wurde), aus Angehörigen oder Anhängern des alten Regimes. Die Baath war irgendwie links (strebte neben arabischem Nationalismus eine Form von Sozialismus an), Salafisten i-wie rechts
  79. In einem 1989 gedrehten Film über Claus von Bülow spielte er passenderweise bzw “vorausschauend” Alan Dershowitz. Auch Henry Kissinger hat er mal gespielt
  80. Er setzte sich auch für den Handlanger von Bushs Vize Cheney, Libby, ein
  81. Vielleicht muss man es so sehen, dass in diesem Milieu wenigtens zwischen Arabern und Iranern unterschieden wird, ist ja auch schon was
  82. Auch “Bund zur Verbreitung unerwarteter Einsichten”, “Zegg” und weitere Tarnnamen
  83. Der Ahriman-Verlag (Name ist aus der zoroatrischen Theologie) verlegt auch den in der Schweiz (als Drogenhändler) lebenden Serbo-Faschisten „Alexander Dorin“ vulgo Boris Krljić, mit einem Buch in dem der Srebrenica-Genozid geleugnet wird, diesbezüglich von einem “Lügen-Auschwitz der Nato” geschrieben wird…
  84. Eigentlich hiess der Mann Waldstein
  85. In einem Fernsehinterview 1989 bezeichnete Golo Mann beide als „Lumpen“, Adorno und Horkheimer hätten ihn beim damaligen hessischen Kultusminister als „heimlichen Antisemiten“ angeschwärzt, nachdem er sich um den Lehrstuhl beworben hatte. Eine Schilderung der Vorgänge gab der Historiker Joachim Fest, der ausser der Antisemitismus-Unterstellung auch Manns Homosexualität nennt
  86. > Als Staschinski-Fall bekannt gewordene Entscheidung des Bundesgerichtshofs
  87. Sein Aufwachsen ohne Mutter, unter Mussolini und mit englischen Erzieherinnen verarbeitete er im Film „Tee mit Mussolini“
  88. 1958 interpretierte er Verdis Oper „La Traviata“ an der Mailänder Scala “unorthodox”, machte 1983 auch einen Film daraus
  89. Die bei der Berlinale 1986 über den Sieger des Goldenen Bären, einen Film über RAF-Häftlinge in Stammheim, Abfälliges sagte
  90. Er sah keinen Gegensatz zwischen seiner Homosexualität und seinem Katholizismus
  91. An dieser Stelle: war das radikale Eintreten für die Rechte der unter der Apartheid Entrechteten des PAC eigtl. rechts (nationalistisch) oder links?
  92. verrückt
  93. Hitler selbst war nach dem 1. WK anscheinend in einem Soldatenrat der Räterepublik in Bayern gewesen; was aber wahrscheinlich mehr von Mitläufertum als von linker Gesinnung zeugt
  94. Bei 2 Wahlen 02, der Kommunalwahl in Rotterdam und der nationalen Parlamentswahl. Zu den Traditionslinien der niederländischen Rechten hier
  95. Man muss nur auf de.wiki gehen, um diesbezügliche Verschwörungstheorien zu lesen; Versuche, Verbindungen zu Moslems herzustellen, und -“unschuldig-naiv” formuliert- „Es schloss sich eine Diskussion darüber an, ob linke Kritiker von Fortuyn eine Art indirekter Mitschuld an dem Attentat hätten.“
  96. Eine Querverbindung in diesem Artikel: Der genannte Günter Maschke war ja auch in Cuba gewesen (und dort nicht froh geworden), durfte dann auf Vermittlung von Hans M. Enzensberger (ebf hier genannt) bei Suhrkamp eine Übersetzung eines Gedichtbands von Padilla rausbringen
  97. Er schalt auch George Papandreou für seine Etablierung engerer Beziehungen Griechenlands mit Israel bzw Netanyahu
  98. A propos: Der Titel Conducător, den sich der rechte Diktator Antonescu (40-44) zulegte, wurde auch für den linken Diktator Ceaucescu (65-89) verwendet
  99. Der von “Kammertürken” abstammt

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