Die Bonner Republik

Der Beginn der Berliner Republik wird meist mit 1990 (Vereinigung) angesetzt, 1999 passt aber eher. Die Wende in der DDR 1989, der Hauptstadtbeschluss 1991, der Abzug der Alliierten 1994 und der Regierungswechsel 1998 eignen sich noch weniger als 1990 zur Begrenzung der alten Bundesrepublik, der Bonner Republik. Der Umzug von Regierung und Parlament 1999 von Bonn nach Berlin kennzeichnen den Anfang einer neuen historischen Periode; im Jahr davor ereignete sich zudem der Regierungswechsel von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün, im Jahr danach wurde Angela Merkel CDU-Vorsitzende. Auch wenn dazwischen noch Schäuble Chef dieser Partei war, der Übergang von Kohl zu Merkel “illustriert” den Übergang von Bonn nach Berlin. Die Phase von 1990 bis 1999 war davon gekennzeichnet, dass das BRD-Konzept über die angeschlossene Ex-DDR gestülpt wurde. Vor Merkel waren alle CDU-Chefs wie Kohl aus dem Südwesten, dem Schwerpunkt der alten BRD seit Adenauer (der Ostpreusse Barzel hatte sich in Köln niedergelassen); fast alle waren Katholiken, Kiesinger und Erhard stammten aus (gemischt) katholisch-evangelischen Familien, nur zweiterer (ausgerechnet der Bayer) war Lutheraner.

Zwischen Dönitz bzw dem Kriegs- und Reichsende und den BRD-Anfängen lagen die Nachkriegsjahre 1945 bis 1949, in denen Deutschland von den Besatzungsmächten (Alliierter Kontrollrat) regiert wurde, unter denen in dieser Zeit ein weltumspannender und -bestimmender Konflikt ausbrach. Der Kalte Krieg begann 1948/49 mit erster Berlin-Krise. Er kam Deutschland zu Gute, als beide Seiten ihren Teil des Landes nach ihren Vorstellungen formen wollten gegen den Gegner (statt weiter gemeinsam gegen Deutschland vorzugehen), aber auch die Deutschen für sich zu gewinnen trachteten. Für Truman wurde es oberste Priorität, einen Teil von Deutschland gegen den kommunistischen Ostblock in Stellung zu bringen. Die Zerschlagung Preussens (dessen Zentrum dann in der DDR lag) und die Schaffung neuer Länder fiel in diese Nachkriegszeit; Deutschland selber hatte die Reform der aus der Zeit der Fürstenstaaten stammenden Territorialgliederung zuvor nicht hinbekommen. Die Selbstverwaltung begann auf dieser Ebene. Auch Parteien entstanden in der Nachkriegszeit. Auf die Gründung der BRD aus den Besatzungszonen der westlichen Mächte folgte jene der DDR 1949, was das endgültige Ende des Deutschen Reichs wie auch der von Besatzung gekennzeichneten Nachkriegszeit markiert. 1955 wurden die meisten Alliiertenvorbehalte aufgehoben (1990 die restlichen).

Bonn als Hauptstadt und die BRD an sich waren als Provisorium gedacht. Die Teilung wurde auch von den alliierten Mächten als vorübergehend gesehen; 1955 gab es etwa eine Vier-Mächte-Konferenz zur Deutschlandfrage, das Land war aber im Kalten Krieg zu entscheidend als dass sich Ost und West hätten einigen können. Mit den Grenzen, in denen diese BRD entstand, ergab sich das Rheinland als Zentrum bzw Schwerpunkt. Zum ersten Mal nach Jahrhunderten wieder wurde es ein Zentrum Deutschlands (kein geografisches). Die dominierende Schiene des Staates wurde jene mit den beiden ebenfalls katholischen Südstaaten. Der “Rückzug” in den rheinisch-frohsinnigen Westen, der an andere westliche Staaten gut angebunden war, war nach der preussischen Hegemonie folgerichtig und willkommen. Dass die Zentrum-Nachfolgeparteien in diesem Staat vorherrschend waren, rundete das Bild ab.

Adenauer hatte in der Weimarer Republik als Kölner Bürgermeister die verwaltungsmäßige Trennung des Rheinlands von Preussen (und überhaupt eine Aufteilung Preussens, ein Ende seiner Vormachstellung in Deutschland) angestrebt. Nach dem 2. Weltkrieg hat er – für den Sibirien schon auf der anderen Seite des Rheins begann, wie man zugespitzt sagte – die Gelegenheit genutzt, das Rheinland zum Schwerpunkt Deutschlands zu machen. Er soll sich dafür eingesetzt haben, dass West-Berlin nicht ein westdeutsches Bundesland wird, weil sonst für ihn die Gefahr eines sozialdemokratischen Übergewichts in Westdeutschland entstanden wäre. Er wäre 1949 im Bundestag nicht zum Bundeskanzler gewählt worden, wenn die Stimmen der (West-)Berliner Abgeordneten mitgezählt worden wären. Und, die Westintegration war für ihn wichtiger als die deutsche Einheit, wie sich auch an seiner Antwort auf die Stalin-Noten zeigte.

Die SPD-Opposition zu Adenauer agierte wiederum lange nationalistisch, fuhr eine gesamtdeutsche Linie! Ihr Vorsitzender 1946-52 Schumacher war aus Westpreussen (und evangelisch). Im Bundestags-Wahlkampf 1953 thematisierte die SPD die Einstellung des Rheinländers Adenauer zu Ost (bzw Mittel)-Deutschland, es ging dabei auch um die Wähler-Stimmen der Vertriebenen. Noch am Parteitag 1964 tagte die SPD unter einer grossformatigen Landkarte Deutschlands in den Grenzen von 1937 (vor den illegalen Gebietserweiterungen). Nachdem die KPD 1956 verboten wurde (1968 wurde eine DKP gegründet), gab sich die SPD am Parteitag in Bad Godesberg 1959 ein neues Programm, dem der Wandel von einer sozialistischen Arbeiterpartei zu einer Volkspartei Rechnung getragen wurde.

Während die BRD von der katholischen, konservativen Südwest-Schiene dominiert war, bestand die DDR aus dem evangelischen, grossteils sozialdemokratischen Kern Preussens sowie Mitteldeutschland; die DDR war in gewisser Hinsicht näher an deutschen Traditionen, an jenen des untergegangenen Deutschen Reichs, als es dessen anderer Nachfolgestaat war, wie sich z.B. an der NVA und seinen preussischen Traditionen zeigte. Beide deutsche Staaten bzw ihre “Schutzmächte” wollten den jeweils anderen an sich gliedern und mit ihrem System und Blockzugehörigkeit beglücken. Die BRD erhob den Alleinvertretungsanspruch für Deutschland (Hallstein-Doktrin). Die Herrscher in den deutschen Staaten wollten die Vereinigung aber entgegen ihren Ansprüchen nicht wirklich; das jeweilige Staatskonzept auf den anderen Teil Deutschlands auszudehnen war nicht so leicht.

Das aus Sicht der BRD exterritoriale West-Berlin war auch kein “echtes” Bundesland von ihr, auch die West-Alliierten bestritten das lange; die SU wollte die Stadt ganz für ihre Zone. West-Berlin wurde für “Wessis” eine Ausweich-Destination (etwa bei Wehrdienst-Verweigerung), für “Ossis” ein Zufluchtsort. 1952 wurde Baden-Württemberg geschaffen. In Nordrhein-Westfalen waren zwei unterschiedliche Landesteile zusammengefasst, deren Grenze auf die fränkisch-sächsische Stammesgrenze zurückgeht. Mit der Wiedereingliederung des Saarlands 1957-59 standen die Grenzen der BRD erst fest; Ansprüche gab es darüber hinaus. Die Grenzen Nachkriegsdeutschlands waren aber eigentlich “nur” im Osten, zu Polen hin, umstritten (niemand erwartete, Elsass behalten zu können), und das betraf die BRD nur indirekt, auch wenn sie bis zum Warschauer Vertrag (1970, Brandts Ostpolitik) Ansprüche auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches stellte. Die DDR anerkannte die Oder-Neisse-Grenze 1950.

Die Teilung zum anderen Teil Deutschlands wurde eigentlich erst durch den Mauerbau eine echte. Reste deutscher Einheit bestanden bis in die 1970er im Sport (gemeinsame Olympia-Mannschaften) sowie der Kirche (Zuschnitt/Zusammensetzung katholischer Kirchenprovinzen und evangelischer Kirchentage staatsübergreifend); in den ehemaligen deutschen Ostgebieten im nun kommunistischen Polen spielte die katholische Kirche auch eine “nationale” Rolle, dort hat der aus Schlesien stammende Warschauer Erzbischof Hlond in der Nachkriegszeit deutsche Bischöfe (wie Kaller im ehemaligen Ostpreussen) abgesetzt und auf ihre Ausweisung gedrängt.

Deutschland war mit der BRD im Westen angekommen, nicht nur, weil es Mitglied von EWG und NATO wurde. Nazis wie Gehlen konnten weiterhin die Sowjetunion und den Kommunismus als das Böse bekämpfen, nun an der Seite der USA und des Westens allgemein. Der BND mauserte sich vom Befehldempfänger zum Partner der CIA. Die USA gestanden dem weissen West-Deutschland auch die volle innere Selbstbestimmung zu (bzw sahen es als Partner), im Gegensatz zu Iran oder Guatemala, obwohl es Deutschland gewesen war, das den Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte. Die USA war gegenüber Deutschland auch in einer ganz anderen Position als die Sowjetunion; die USA war nicht total zerstört worden, seine Bürger nicht als “Untermenschen” gesehen und behandelt worden. Viele amerikanische Firmen hatten auch die 1930er und 1940er hindurch Geschäfte mit Deutschland gemacht.

1955, als die letzten Kriegsgefangenen aus der SU entlassen wurden, wurden die ersten Gastarbeiter angeworben, zunächst in Italien. Der Wirtschaftsaufschwung bewirkte einen Bedarf an Arbeitskräften, der auch durch die Flucht bzw Übersiedlung aus der DDR nicht gedeckt werden konnte. In dem Jahr, als der “Marshall-Plan” der USA auslief, 1952, engagierte sich die Bundesrepublik Deutschland erstmals konkret in Entwicklungshilfe, im Rahmen eines Programms der UN. Etablierte Konzerne wie etwa Bayer hatten ihren Betrieb nach dem Krieg wieder aufgenommen, neue entstanden, etwa Adidas und Puma 1948/49 (Dassler-Brüder).

Die Einwanderung war im Grunde etwas sehr kapitalistisches. Es begann mit Italienern und anderen Südeuropäern, dann kamen Türken, die die grösste Gruppe wurden, und Nordafrikaner. Der einmillionste Gastarbeiter Rodrigues aus Portugal war noch aus der “Generation”, die zurückging, auch wenn bei ihm die Rückkehr aufgrund seiner Krankheit erfolgte. Alles, was der Gewöhnung an die deutschen Verhältnisse und der Integration diente, sollte nach bundesdeutschen Vorstellungen im Leben der Gastarbeiter und ihrer Familien unterbleiben. “Multi-Kulti”-Utopien und -Forderungen waren Minderheiten- und Oppositionspositionen, sind nicht schuld an heutigen Defiziten. Es kamen auch Flüchtlinge, auch aus Ländern die Opfer Nazi-Deutschlands gewesen waren, etwa Solschenizyn aus der Sowjetunion. Unter den Besatzungssoldaten, die kamen, war (1954 in Hessen) der amerikanische Musiker Elvis Presley.

Einige Jahre später traten die “Beatles”, am Beginn ihrer Laufbahn, in Hamburg auf. Allgemein setzte sich Mitte der 60er englischsprachiger Rock/Pop (Elvis, Beatles, Cliff Richard, Connie Francis,…) gegen deutschen Schlager (meist von Ausländern gesungen: Roberto Blanco, Gitte Haenning, Udo Jürgens, Costa Cordalis, Bata Illic, Howard Carpendale, Karel Gott,…) durch. Zur selben Zeit wurde auch der Marktanteil amerikanischer Filme in den Kinos gegenüber “selbstgemachten” erstmals höher. Der deutsche Film (wieder mit Albers oder Knef) war durch die Zerschlagung der UFA durch die Alliierten und die Importfreigabe für ausländische in die “Defensive” geraten. Amerikanische Filme wurden nun synchronisiert (Wenzel Lüdecke hatte 1949 die “Berlin Synchron” gegründet) und kamen in grosser Zahl in westdeutsche Kinos, was die BRD mindestens so beeinflusste wie die Medien des Axel Springer, die vierte Gewalt dieses Staates. Äusserlich etwa dahingehend, dass sich Jeans, von amerikanischen Soldaten mitgebracht und in Hollywood-Filmen promotet, durchsetzten. Die Anfänge von deutschem Pop/Rock liegen in den 70ern (Maffay, Scorpions, BAP,…).

Viele ehemalige Nazis konnten weiter wirken, solange sie antikommunistisch waren, wurden zum Aufbau der Republik eingespannt, mit westalliiertem Sanktus. Die Bindung an Westeuropa & USA sowie das Grundgesetz wurden Ersatz für einen positiven Nationsbezug (daneben v.a. regionale Identitäten). Die Wiedergutmachungsbemühungen gegenüber Juden gingen über in die enge Zusammenarbeit mit Israel, eine Art Ablasshandel entstand; auch die Projektion eigener nationaler Sehnsüchte spielt dabei eine Rolle. Auch bei RAF-Opfer H. M. Schleyer wurde/wird, quasi als Apologetik für seine Tätigkeiten im deutschbesetzten Prag, sein nachkriegliches Eintreten für Israel vorgebracht – so in dem Doku-Film von H. Rütten über RAF-Opfer, der folgerichtig mit einem “Axel-Springer-Preis” ausgezeichnet wurde. Mindestens so wichtig wie die Aussöhnung mit Frankreich auf politischer Ebene war, dass ehemalige Wehrmachts-Soldaten in der französischen Fremdenlegion willkommen waren, im Kampf um den Erhalt französischer Kolonien, in Indochina und Algerien. Jene, die offen am altem Gedankengut festhielten, wurden eine kleine Minderheit. Von Bedeutung war dabei in erster Linie der “zweite Adolf”, von Thadden, ein Adeliger aus Pommern, der für die Deutsche Rechtspartei im ersten Bundestag saß, eine Partei, in der auch Otto Remer mitwirkte, und von der sich die SRP abspaltete, die 1952 verboten wurde. 1964 war v. Thadden einer der Begründer der NPD, für die er in den Landtag von Niedersachsen gewählt wurde.

Monarchisten gab es noch weniger als Nazis. Louis Ferdinand von Preussen, Enkel des letzten Kaisers wurde 1951 nach dem Tod seines Vaters Chef der Familie und in den Augen der nicht allzu zahlreichen Monarchisten Thronanwärter, bis zu seinem Tod 1994. Er hatte Kontakte zu Kreisen des militärischen Widerstands gegen das NS-Regime unterhalten; was zeigt wie konservativ dieser eigentlich war.

Der BND liess dann irgendwann die Details seines nationalsozialistischen Hintergrunds untersuchen, von einer Historiker-Kommission. Nur wenige Angehörige des Widerstands gegen Hitler, wie v. Schlabrendorff, konnten sich in der BRD etablierten. In geringerem Maß als “Beteiligte” wie Globke oder Filbinger. Die KZ-Prozesse ab den späten 1950ern führten wahrscheinlich erst zu einer Beschäftigung mit dem NS. Eine wichtige Bezugsfigur für Rechtsextreme wurde Rudolf Hess; als der 1946 ins Gefängnis in Berlin-Spandau kam, gab es noch gar keinen Kalten Krieg, als er 1987 dort starb, war er fast schon zu Ende.

In vieler Hinsicht war/ist die BRD so gestrickt, dass Lehren aus der Nazi-Diktatur bzw dem Weg dorthin eine Grundlage bilden sollte. Das konstruktive Misstrauensvotum, dass denjenigen, der die Regierung im Parlament stürzen will, zwingt, es besser zu machen. Der vom Parlament und nicht vom Volk gewählte Staatspräsident, der kein zweites Machtzentrum neben der Regierung darstellen sollte. Beides Lehren aus dem Scheitern der Weimarer Republik. Als infolge der Einnahme des Medikaments “Contergan” missgebildete Kinder auf die Welt kamen, gab es eine Scheu, diese zentral zu erfassen, wegen der NS-Euthanasie. Zunächst wurden übrigens Atomwaffentests als Ursache der Missbildungen vermutet.

Von ihr benutzte Drogen sagen natürlich viel über eine Gesellschaft aus, im Falle der BRD waren/sind es Mittel, die zur Flucht aus einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft dienen sollten oder zum Antrieb in ihr. Zu Alkohol und Tabak kamen diverse Arzneimittel, sowie Cannabis, Heroin und Kokain.

Zu jenen, die aus der DDR “rübermachten”, gehörten auch Günter Guillaume und seine Ehefrau, 1956. Wenn die alte BRD von 49 bis 99 ging, also 50 Jahre, war 74, als seine Spionagetätigkeit durch das BfV aufflog, genau in der Mitte. Der zweite Fussball-WM-Sieg ereignete sich natürlich auch in dem Jahr. Auswanderung in die DDR kam viel seltener vor, Leute machten diesen Schritt aus unterschiedlichsten Gründen. 1976 wurde Wolf Biermann nach Konzerten im Westen (auf denen er die DDR nicht nur kritisiert, sondern auch verteidigt hatte), nicht mehr eingelassen.

1983 kamen die aus der 1968er-Bewegung hervorgegangenen Grünen ins nationale Parlament. 1953 war eine 5% Hürde dafür eingeführt worden, 1961-83 gab es drei Parteien im Bundestag (4, wenn man CDU und CSU als 2 zählt). In den 1980er-Jahren erfolgte ein grundlegender Wandel im westdeutschen Fernsehen, der private Rundfunk wurde zugelassen und infolge das duale Rundfunksystem etabliert (öffentlich und privat), das 2-Sender-TV-Zeitalter ging zu Ende. Homosexualität musste man in den 1980ern noch geheimhalten. Als 1982 die FDP unter Genscher sie Seite wechselte und Kanzler Schmidt “gestürzt” wurde, fürchteten manche um die Errungenschaften der liberalen Bundesrepublik. Unter Kohl wurde aber etwa die Gewissensprüfung für Wehrdienstverweigerer abgeschafft. Islam(ismus) war damals nicht nur in Afghanistan noch eine positive „Alternative“ zu Kommunismus, wenngleich seit der Revolution im Iran 1979 gewisse künftige Konfliktlinien schon erkennbar wurden. Und Boris Becker war wohl der wichtigste Sportler der alten BRD der nicht Fussballer war, vor Michael Schumacher in den 1990ern.

Franz Josef Strauss steht mehr für die alte BRD als die D-Mark. Er spielte von Anfang der Bonner Republik bis fast zu ihrem Ende eine (ge)wichtige Rolle, war an fast allen wichtigen Stationen dabei: beim Aufbau der Bundesrepublik und der Bundeswehr, als Verteidigungsminister unter Adenauer und eine der ersten Führungspolitiker der CSU, bei der Einführung der Atomkraft, bei der Affäre um die Festnahme der Verantwortlichen eines kritischen Artikels von Augsteins “Spiegel” über die Bundeswehr, als Finanzminister unter Kiesinger während der ersten Rezession, beim Misstrauensvotum gegen Brandt in der Opposition, im Krisenstab während des Deutschen Herbstes 1977 (wo er die Exekution von RAF-Häftlingen angeregt haben soll), als Ministerpräsident eines Bundeslandes, das in bzw mit der BRD wichtiger geworden war, bei den Untersuchungen zum Oktoberfest-Anschlag 1980, als Kanzlerkandidat in diesem Jahr,… Seine politische Karriere hatte als kriegsgefangener Oberleutnant der Wehrmacht und nationalsozialistischer Führungsoffizier begonnen, der von einem deutschstämmigen US-Soldat aufgrund seiner Englischkenntnisse zur Unterstützung bei Übersetzungen herangezogen wurde und vom USA-Militär dann zum stellvertretenden Landrat des Landkreises Schongau bestellt wurde. Der USA blieb er auch treu. Seine Rivalität mit CDU-Chef Kohl schlug sich u.a. im (zurückgenommenen) Kreuth-Trennungsbeschluss und im von ihm vermittelten Kredit an die DDR (der eine Abspaltung der “Republikaner” von der CSU bewirkte) nieder. Kohl verglich Strauss mit einem Fahrzeug das einen LKW-Motor hatte und die Bremsen eines Kleinwagens. Bei ihrem Streit wegen Kohls Treffen mit Honecker erwiderte Kohl auf Strauss’ Vorhaltung, dessen Freunde in Afrika (in erster Linie waren die in Pretoria) hätten auch Blut an den Händen

Die Wende in Osteuropa 1989 rettete Kohl, der auch parteiintern nicht unumstritten war (CDU-Parteitag 89), machten ihn zum grossen Sieger. Dass die SU unter Gorbatschow den Wandel in ihren “Brüderstaaten” hinnahm bzw förderte, legte er dieser als Folge ihrer Schwäche aus. Kohl war/ist etwas provinziell, wie die Bonner Republik, er war der erste Kanzler der kulturell von der Bundesrepublik geprägt worden war, wenngleich er auch vom neuen Lebensstil infolge 68 unberührt war. Die Barschel-Affäre fiel auch in seine Ära, es ist unklar, was er darüber weiss. Er hat die Bonner Republik neben Adenauer, Strauss und Brandt am stärksten geprägt. Seine Ära stellt die Endphase der Bonner Republik dar, ihr Ende hing auch mit seinem Abtritt zusammen. Kohls grösster Sieg, die Vereinigung, brachte zwar vorübergehend die Herrschaft der alten BRD über die ehemalige DDR, aber auf mittlere Sicht eine Verschiebung des „Schwerpunkts“ Deutschlands weg vom Südwesten (und Kohls „Machtbasis“).

Für Erika Steinbach (BdV, CDU) ist es eine rein westeuropäische Sicht, das Kriegsende am 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung zu bejubeln, der 9. November 1989 sei der Tag der Befreiung, erst mit dem Fall der Mauer (die Grenzöffnung infolge von Schabowskis Missverständnis) sei die Freiheit auch für die Menschen in Osteuropa erreicht worden. Die DDR befand sich damals in einer Phase der Veränderungen und Reformen, die auch anders als mit dem Ende dieses Staates hätte ausgehen können.

Die “Republikaner” waren 89/90 für ein vereintes, neutrales (unabhängiges), atombewaffnetes Deutschland, am besten noch um Ostgebiete vergrössert. Neonazis wurden im Gebiet der antifaschistischen DDR besonders stark, ob aus sozialen Gründen oder unterdrücktem Nationalismus.

1990 bis 99 war die Phase der Neuorientierung Deutschlands nach der Wiedervereinigung. Die alte BRD wurde zunächst um die ehemalige DDR erweitert, und die Berliner Republik entstand erst allmählich. Aus zwei Staaten sollte eine Nation werden, ohne dass man sich darüber im Klaren war, wie diese aussehen sollte. Das BRD-Konzept wurde zunächst über die Ex-DDR gestülpt. Kohl war plötzlich der Kanzler von Ex-DDR-Bürgern und diese Bundesbürger.

Während die DDR fast wie in Horrorvorstellungen einer Vereinigung von westdeutschen Konzernen geschluckt wurde, wurden die Sozialversicherungen bei der Herstellung der sozialpolitischen Einheit stark gefordert. Der Westen verhielt sich ähnlich wie gegenüber Afrika, wo er lieber “Entwicklungshilfe” leistet, als die Zollschranken für afrikanische Produkte abzubauen (bzw dessen wirtschaftliche Eigenständigkeit durch Gleichberechtigung fördert).

Der Sitz des Bundestags, das Bundeshaus in Bonn, wurde während dem “Mauerfall” gerade umgebaut. Nach der Renovierung hatten zudem im Reichstag in West-Berlin 1971-91 vereinzelte BT-Sitzungen stattgefunden. 1991 wurde, in Bonn, über die künftige Hauptstadt entschieden. In der Hauptstadtdebatte ging es auch um die Identität des Landes bzw das Selbstverständnis als Nation, ähnlich wie 1949 bei der Entscheidung für Bonn und gegen Frankfurt. Der Beschluss für Berlin leitete möglicherweise die Verschiebung hin zu einem positiveren Nationsbezug ein, eine Versöhnung mit der Vergangenheit. Zwölf Stunden lang diskutierten die Abgeordneten am 20. Juni 1991 im Plenarsaal des Bonner Wasserwerks, seinem Ausweichquartier, unter Leitung von Rita Süssmuth, die Fronten gingen quer durch die Parteien. Mit einer Mehrheit von 18 Stimmen beschloss der Bundestag seinen Umzug sowie jenen der Regierung und anderer Bundesbehörden nach Berlin. Nach der Entscheidung erfolgte dann zunächst der Umbau des Reichstag-Gebäudes.

Der letzte DDR-Ministerpräsident De Maizière wurde nach der Vereinigung wie andere “Ossis” als Minister für besondere Aufgaben ins Kabinett Kohls übernommen. Kurz nach der vorgezogenen Neuwahl Ende 1990 trat er zurück, wegen Stasi-Gerüchten. Angela Merkel war stellvertretende Sprecherin seiner Regierung gewesen, kam mit der Vereinigung in den BT, wurde 1991 nach der ersten freien gesamtdeutschen Wahl seit 1933 Ministerin für Frauen und Jugend in Kohls Regierung. Sie stieg zur wichtigsten Ostdeutschen in der Regierung bzw der Republik auf. Andere wichtige Ossis im vereinten Deutschland der 90er waren Lippert, van Almsick, Weissflog, Sammer, Witt, Maske, Gauck, Thierse, Ortleb.

Joannah Caborn: “Die bescheidene föderalistische BRD verstand sich als Antipode des nationalistischen, zentralistischen NS-Staats, während in der DDR der Sozialismus und der Internationalismus als staatstragende Pfeiler den Nationalismus ersetzen sollten.” Das Selbst-Verständnis der BRD änderte sich im Laufe der 1990er. Die Berliner Republik, anfangs von einer rot-grünen Regierung geführt, erlaubte sich mehr aussenpolitische Unabhängigkeit, und einen neuen Nationalismus.

Seit 1990 sind es 5 Parteien im Bundestag. Bei den Grünen setzten sich nach der Vereinigung endgültig die Realos (wie Joschka Fischer) durch. 1994 der Abzug der Truppen der Alliierten des 2. Weltkriegs. Dann die Wahl 98, der SPD-Sieg, der Regierungswechsel. Am 19. April 1999 nahm der aus Schlesien stammende Wolfgang Thierse, ein Befürworter des Umzugs, als Bundestagspräsident aus den Händen von Architekt Norman Foster den 50 Zentimeter langen Schlüssel zum Reichstagsgebäude entgegen, dann fand dort die erste Sitzung nach dem Umbau statt. Kohl war als CDU-Chef nach der Wahlniederlage 98 abgetreten, mit dem CDU-Spendenskandal und seinem Abtritt als Ehrenvorsitzender 2000, im Streit mit seiner Partei, endete seiner “Ära”; Merkel wurde Nachfolgerin Schäubles als CDU-Chefin.

Zur Ära Kohl

Im alternativgeschichtlichen Roman “Die Mauer steht am Rhein” von Christian v. Ditfurth (1999) wird in der Sowjetunion 1988 Gorbatschow gestürzt, die Westmächte beugen sich dem Druck der nun dort regierenden Hardliner (sehr unrealistisch) und es kommt am 3. 10. 1990 zu einer Wiedervereinigung zu einem Staat, auf den die SU erheblichen Einfluss ausüben kann (extrem unrealistisch), die ehemalige BRD wird praktisch ein Teil der DDR.

Heribert Schwan/Rolf Steininger: Die Bonner Republik 1949-1998 (2009). Begleitband zur achtteiligen gleichnamigen Fernsehdokumentation von Dieter Weiss, Rolf Steininger und Heribert Schwan; letzterer hat auch eine Biografie über Helmut Kohl geschrieben.

Frank Goosen: “Liegen lernen” (2003). Der Debütroman des Bochumer Kabarettisten spielt in der Bonner Republik, genauer in der Kohl-Ära, ist (vordergründig) unpolitisch. Thomas Brussig schrieb dazu im „Spiegel“, eigene Erfahrungen würden von “Wessis” dieser Generation meist nicht als weitergebens-/verarbeitenswerter Stoff gesehen, in dem Roman geht es aber um solche. Er bringt Kolorit der (westlichen) 80er, ist eine Zeitreise da hinein, behandelt auch das Erwachsenwerden.

Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten (2009). Zeitgeschichtlicher Roman vor dem Hintergrund der alten Bundesrepublik.

Bernd Stöver: Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler (2009). Sachbuch über die Auswanderung in die DDR .

Über den Computer-Hacker Karl Koch, aus Hannover, der von 1985-89 aktiv war, auch in der Spionage, und den CCC

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Admiral, der Hitler nachfolgte

Karl Dönitz, das letzte Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs, polarisierte die Bonner Republik. Für die einen personifizierte er die “saubere Wehrmacht”, war er der Retter von Millionen Soldaten und Zivilisten, die er am Kriegsende in das Besatzungs-Gebiet der Westmächte holen liess, und Opfer der “Siegerjustiz“ in Nürnberg. Von der anderen Seite die Vorwürfe, dass er die nationalsozialistische Ideologie tief verinnerlicht habe, mit seinen Befehlen den Krieg künstlich verlängert habe, ein willfähriger Handlanger Hitlers gewesen sei – und deshalb auch von diesem in seinem Testament zum Präsidenten des untergehenden Nazi-Staates bestimmt wurde. Beim eigentlichen Untergang des “Dritten Reiches” (aber auch des Deutschen Reichs an sich), der sich nicht in Berlin, sondern in Flensburg vollzog, spielte er eine Hauptrolle.

Dönitz kam aus einer brandenburgischen Familie, die gerade in die Mittelklasse aufgestiegen war, manche erklären seine militärische Karriere vor diesem Hintergrund. Er begann in der kaiserlichen Marine, geriet im 1. Weltkrieg in Gefangenschaft von Deutschlands Marine-Hauptgegner Grossbritannien. Der Kieler Matrosenaufstand im November 1918, am Ende des Kriegs (als er in Gefangenschaft war), soll Dönitz ultrakonservativ gemacht haben. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft baute er die deutsche Unterseeboot-Flotte neu auf, wurde 1939 Befehlshaber der Unterseeboot-Flotte. 1942 wurde er in den Admirals-Rang erhoben, im Jahr darauf zum Grossadmiral und Chef der Kriegs-Marine im Oberkommando der Wehrmacht, als Nachfolger von Erich Raeder. Dönitz leitete auch das “Heranpirschen” deutscher U-Boote an die Ostküste der USA („Operation Paukenschlag“), auch wenn er sie nicht initiierte.

In der Endphase des Krieges schickte er mit seiner offensiven Strategie viele U-Boot-Besatzungen in den Tod. Seine zwei Söhne fielen in diesem Krieg als Angehörige der Marine, seine Tochter heiratete einen Marine-Offizier. Den Widerstands-Kreis in der Wehrmacht um Stauffenberg verurteilte er nach dem Auffliegen infolge des gescheiterten Attentats auf Hitler; im Nürnberger Prozess blieb er dabei, begründete es aber nun rein militärisch. Admiral Wilhelm Canaris, Leiter der Abwehr (Geheimdienst der Wehrmacht), der zu den konservativen Widerstandskämpfern Kontakte hielt, wurde im September 1944 durch Dönitz entlassen. Dönitz ordnete im Jänner 1945 die Evakuierung mit der „Wilhelm Gustloff“ aus Westpreussen (Gdynia/ “Gotenhafen”) an, das Schiff (auch Soldaten an Bord, militärische Begleitschiffe dabei) wurde ja von einem sowjetischen U-Boot durch 3 Torpedos versenkt, ca 6000 Menschen ertranken.

Gegen Kriegsende wurden zwei unter Dönitz’ Befehl stehende Kriegsschiffe von den Briten versenkt. Zu dieser Zeit brachten alliierte Heere Verwüstung und Tod in einem ähnlichen Maß nach Deutschland, wie die Wehrmacht zuvor fast überall in Europa, begünstigt durch die “Durchhaltepolitik” der faschistischen Führer. Im April 1945 wurde Dönitz von Hitler auch zum Wehrmachts-Oberbefehlshaber Nord gemacht und war daher in Plön in Schleswig-Holstein stationiert. Zu diesem Zeitpunkt war der Krieg für Nazi-Deutschland längst verloren, zog sich bereits die alliierte Schlinge um Berlin. Ein Teil von Hitlers Ministern war am 20. April auf dessen Geheiss von Berlin ebenfalls nach Plön ausgewichen. Dönitz gehörte anscheinend zu jenen Machthabern, die Hitler vergeblich davon überzeugen wollten, vor der anrückenden Roten Armee aus Berlin nach Bayern auszuweichen, um dort den Krieg fortsetzen zu lassen. Es heisst, Dönitz wollte Hitler dann auch in/aus Berlin “befreien” lassen.

Am 30. 4., als die Rote Armee wenige 100 Meter von seiner Reichskanzlei entfernt war, am Tag nachdem Mussolini von Partisanen erschossen worden war, erschoss sich Hitler im Bunker der Kanzlei. Hitler soll bereits am 21. April, als sowjetische Truppen in Berlin eindrangen und Einschüsse im Führerbunker zu hören waren, zum Selbstmord bereit gewesen sein und von Martin Bormann sowie einigen Generälen davon abgehalten worden sein. Bruno Brehm: „So endete der Mann, der namenloses Unheil über die Welt gebracht hat. Nicht den Soldatentod wählte er, den er Millionen Deutschen abverlangte, sondern den Selbstmord des Verantwortungslosen.“ Im Frühling 1945 haben sich aber nicht nur viele Nazi-Führer das Leben genommen, sondern etwa 100 000 Deutsche.

Göring (der eigentlich vorgesehene Nachfolger) und Himmler waren in den Tagen davor wegen Angebot der Übernahme bzw. Kontakten zu den Alliierten vom “Führer” verstossen worden und befanden sich in Gefangenschaft bzw. auf der Flucht. Im Hitlers Testament wurden die Posten des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers wieder getrennt; Goebbels wurde darin als Kanzler (und eigentlicher Machthaber) bestimmt, als Minister viele aus der letzten Hitler-Regierung (etwa Schwerin von Krosigk als Finanzminister). Marinechef Dönitz wurde im Testament zum Reichspräsidenten (und damit Oberbefehlshaber der Wehrmacht) ernannt. Hitler tat dies auf Grundlage des “Gesetzes über den Nachfolger des Führers und Reichskanzlers” vom Dezember 1934.

Dönitz ist aber nur bedingt als Reichspräsident und letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs anzusehen. Hitlers testamentarische Verfügungen bezüglich der Nachfolgeregierung gingen von einer Macht aus, die verbrecherisch errungen worden war. Die Grundlage für die Errichtung der Diktatur (und alle von ihr erlassenen Gesetze) war das Ermächtigungsgesetz von 1933; dieses war illegal in seinem Zustandekommen (Terror gegen Abgeordnete) und in seinem Charakter (widersprach Prinzipien der Weimarer Verfassung wie jenem der Gewaltenteilung). Gemäß der Weimarer Verfassung war der Reichspräsident durch allgemeine Wahl zu bestimmen, eine Ernennung durch den Amtsvorgänger war keinesfalls vorgesehen.

Bormann übermittelte Hitlers Verfügungen per Funk aus dem Führerbunker an Dönitz im Norden; nach anderen Angaben telegraphisch. Dönitz trat mit einer Rundfunkansprache über den Reichssender Hamburg am 1. Mai das Amt an, nachdem ein Rundfunksprecher den Deutschen Hitlers Tod mit geteilt hatte1, und dass der “Führer” den Grossadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernannt hat. Dönitz kündigte die Fortsetzung des Kampfes im Osten gegen den „bolschewistischen Feind“ an. An diesem Tag brachte sich in Berlin auch Goebbels um, samt seiner Familie, mit Zyankali, kurz bevor Einheiten der Roten Armee kampflos den “Führerbunker” einnahmen. Er hatte noch versucht (gegen Hitlers Willen), eine Teilkapitulation mit der Sowjetunion auszuhandeln.

So wurde Dönitz „Nachlassverwalter“ des Reichs; nachdem die Goebbels-Regierung nicht wirklich zustande gekommen war, ernannte er Finanzminister Schwerin von Krosigk zum Reichskanzler bzw. Leitenden Reichsminister, liess diesen eine neue Regierung zusammenstellen, auch, weil manche die Hitler in seinem Testament vorgesehen hatte, nicht verfügbar waren, abgeschnitten durch die Alliierten oder ebenfalls aus dem Leben desertiert, wie Bormann. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess sagte Dönitz, dass er mit einigen unter Goebbels vorgesehenen Ministern nicht zusammenarbeiten hätte wollen. Albert Speer, der Ende April, Anfang Mai nach Schleswig-Holstein kam, war in der Göbbels-Regierung nicht vorgesehen, wurde unter Schwerin Wirtschaftsminister. Am 3. Mai wich die Dönitz-Schwerin-Regierung vor den vorrückenden britischen Truppen nach Flensburg aus, in die Marineschule Mürwik. Dort hatte Dönitz’ Laufbahn in der Marine auch begonnen!

Dönitz und Schwerin hielten auch Ressorts, daneben gab es die sechs Minister Speer, Stuckart (hoch belastet bzw. schuldig als Schreibtischtäter, u.a. am Holocaust, dann milde bestraft), Thierack, Seldte, Dorpmüller und Backe sowie Hunderte Militärs, Beamte und Hilfskräfte, darunter Otto Meissner. Auch die Wehrmachts-Spitzen Keitel und Jodl bezogen dort Quartier. Die Führungsleute zogen auf die “Patria”, ein Wohnschiff der deutschen Marine vor Flensburg, Speer ins Schloss Glücksburg. Die Wehrmacht kämpfte noch beim Antritt dieser “geschäftsführenden Reichsregierung”, Dönitz sah dann aber ein dass sie nicht mehr in Lage war, Widerstand zu leisten, daher wurde der Plan eines Kampfes gegen die Sowjetunion bei gleichzeitiger Verwirklichung eines Separatfriedens mit den West-Alliierten (der schon von anderen Nazi-Führern am Kriegsende, wie auch etwas früher von einigen Widerstandskämpfern, angestrebt wurde) fallengelassen.

Auch die nun vollzogenen Kapitulationen waren gegen Hitlers Willen. Herrscher in Nordwest-Deutschland waren die Briten geworden. Admiral Hans-Georg von Friedeburg, der nach Dönitz Ernennung zum Reichspräsidenten zu dessen Nachfolger als Marine-Befehlshaber aufgerückt war, verhandelte in dessen Auftrag in Lüneburg mit dem britischen Feldmarschall Bernard Montgomery über die Kapitulation Nordwestdeutschlands sowie Dänemarks (eine der Teilkapitulationen), die am 4. Mai unterzeichnet wurde. Am 5. Mai untersagte Dönitz weitere Aktionen der Werwolf-Organisation, die in den besetzten Gebieten des Deutschen Reiches ab September ’44 Sabotage gegen alliierte Truppen verüben sollten, meist aber gegen Deutsche vorgegangen waren, die mit diesen zusammenarbeiteten. Keitel und Jodl unterzeichneten in den Tagen darauf (in Abstimmung mit bzw. im Auftrag von Dönitz) die Gesamt-Kapitulationen, kamen dann nach Flensburg zurück. Schwerin-Krosigk verkündete mit einer Ansprache über den Sender Flensburg am 7. Mai das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und die deutsche Niederlage, Dönitz bestätigte einen Tag später dort die bedingungslose Kapitulation. Seine Regierung bestand aber über die Kapitulationen hinaus.2

Bald darauf, am 12. 5., traf in Flensburg eine „Alliierte Kontrollkommission beim Oberkommando der Wehrmacht“ ein, die die Durchführung der Kapitulationsbedingungen überwachen sollte. Zunächst bestand sie nur aus Briten und Amerikanern unter der Leitung von Brigadegeneral Foord und Generalmajor Rooks, später kamen Sowjets hinzu. Hauptquartier der Kommission wurde die “Patria”, anscheinend sind die Nachlassverwalter des 3. Reichs dann von dort ausgezogen. Der Umgangston zwischen Siegern und Besiegten soll höflich gewesen sein. Infolge kamen auch britische Truppen in die Gegend (in den ersten Mai-Tagen hatte es auch noch britische Luftangriffe auf Flensburg gegeben), das “Regierungsviertel” von Flensburg (der “Sonderbereich Mürwik”) blieb unbesetzt. Am 10. Mai musste die Dönitz-Regierung auf Druck der Engländer die Reichskriegsflagge über der Marineschule einholen. Keitel wurde nun von britischen Truppen verhaftet, Jodl von Dönitz zu dessen Nachfolger als Chef der Wehrmacht ernannt. Die Briten sorgten auch dafür, dass in Flensburg keine Todesurteile gegen Deserteure der Wehrmacht mehr vollstreckt wurden, was noch in den letzten Kriegstagen vorgekommen war.3

Das letzte Aufgebot des zusammenbrechenden Dritten Reiches zog sich also in den Norden zurück, nicht in die “Alpenfestung”. Die Reichsregierung ohne Reich amtierte weniger als ein Monat, von Anfang bis Ende Mai 1945, ihr Einfluss ging wegen der alliierten Besetzung nicht weit über den hohen Norden Deutschlands hinaus, die Briten sprachen vom “Pocket Reich”. Die Wehrmachts-Kapitulationen am 7. und 8. 5. bedeuteten eigentlich schon die Übergabe der Macht an die Alliierten, die deren Kontrollrat erst Anfang Juni “offiziell” übernahm. Wenn nicht schon der Sieg in Berlin am 2. 5., von wo die meisten NS-Bonzen geflüchtet waren. Die Alliierten erkannten Dönitz bis zum 8. Mai pragmatisch als Oberbefehlshaber der Wehrmacht und Verhandlungspartner für ihre bedingungslose Kapitulation an, bestritten danach jedoch seine Autorität als Reichspräsident; weil er diese nur auf Kopien von Funksprüchen stützen konnte und weil sie ja eigentlich einen Regimewechsel wollten.

Der in den frühen Mai-Tagen in Österreich von amerikanischen Soldaten festgenommene Göring anerkannte die Flensburger Regierung nicht. Zum Zeitpunkt der Kapitulationen wurde bereits an den Grundlagen für die künftigen deutschen Staaten gearbeitet. Konrad Adenauer wurde von den Amerikanern Anfang Mai 1945 wieder als Oberbürgermeister von Köln eingesetzt und begann auch, an der Gründung einer christlich-demokratische Partei zu arbeiten. Walter Ulbricht und andere im NS in der Sowjetunion exilierte KPD-Führer kehrten ab Ende April zurück, in die SBZ, und machten sich an die Neugründung der Partei. Die Regierung Dönitz blieb aber noch über die Kapitulation der Wehrmacht hinaus im Amt bzw. in Freiheit, ohne Einfluß und ohne Anerkennung. Am 2. Mai stellte sich Wernher von Braun zusammen mit seinem Team in Österreich den US-Streitkräften. Reinhard Gehlen tat dies am 22. Mai in Bayern.

Die Flensburger Regierung unter Dönitz bemühte sich, Wehrmachts-Soldaten in amerikanische oder britische Kriegsgefangenschaft zu bringen, sowjetischer zu entgehen, sowie deutsche Flüchtlinge aus Ost- und Westpreussen und Pommern mit der Marine über die Ostsee nach Schleswig-Holstein zu bringen. Dieter Hartwig, Ex-Marine-Offizier, Militärhistoriker und Enkel Friedrich Ruges, schrieb aber in seiner 2010 erschienen Dönitz-Biografie auf Basis von Originalquellen, Dönitz habe erst am 6. Mai den Rettungsschiffen Brennstoffreserven zur Verfügung gestellt und viele wurden sogar gegen seine Befehle gerettet. Jedenfalls kamen nun Hunderttausende Flüchtlinge/Vertriebene in den Norden (zunächst in Auffanglager), mehr als in jede andere Gegend Deutschlands. Hinzu kamen britische Internierungslager für Wehrmachtssoldaten.

Die Dönitz-Regierung verfügte auch die Auflösung der NSDAP und plante einen Wiederaufbau Deutschlands. Kanzler Schwerin wollte offenbar sämtliche Kabinettssitzungen nachholen, die in den Jahren unter Hitler ausgefallen waren. Hohe Offiziere und Beamte erfreuten sich in Flensburg an Luxus (Top-Offiziere liessen sich etwa in der Stadt neue Uniformen anfertigen), niedere an Alkohol und Sex. Albert Speer wollte seinen Posten als Minister wieder loswerden, er hielt eine Reichsregierung für überflüssig und störte sich an der Zusammenarbeit mit betrunkenen Beamten. Nach Keitel wurden auch die Minister Backe und Dorpsmüller im Laufe des Mai in Flensburg von den Briten verhaftet. Auch der NS-Ideologe Rosenberg, der ins Lazarett der Marineschule gekommen war, wurde dort verhaftet. Flensburg war im Mai 1945 ein Fluchtziel für diverse Drahtzieher des NS-Staats geworden.

Auch SS-Führer Himmler setzte sich auf der Flucht vor den Alliierten zum Rest der ehemals Hitler-Treuen im Norden ab, mit 150 Personen seines Stabes (auch Ex-Auschwitz-Kommandant Höss), kam dort am 2. 5. an, etwas vor dem OKW. Dönitz nahm Himmler nicht in seine Regierung auf, aber sein Beamtenapparat in der Marineschule und im Flensburger Polizeipräsidium half ihm, für SS- oder Gestapo-Leute falsche Papiere auszustellen. Viele von jenen, die dadurch zu einfachen Soldaten und Polizisten wurden (und den Alliierten nicht ins Netz gingen), blieben in Schleswig-Holstein und fanden in der Nachkriegszeit Anstellung im Landesdienst. Am 6. 5. nahm Himmler an einer Kabinettssitzung teil, wurde dann von Dönitz seiner Ämter enthoben (wie schon von Hitler) und verliess den Ort, mit falschen Papieren.

Am 20. Mai lief ein sowjetisches Kriegsschiff in den Flensburger Hafen ein und ankerte neben der Patria. Am 22. Mai wurden Dönitz, Jodl und von Friedeburg für 9:45 Uhr des Folgetages auf die Patria beordert. Es waren dort Ford, Rooks, und der sowjetrussische General Truskow anwesend. Rooks verlas ein Schreiben von Eisenhower, das die Geschäftsführende Reichsregierung und das Oberkommando der Wehrmacht für aufgelöst und zu Kriegsgefangenen erklärte.4 Dönitz feilschte noch um die Anzahl der Koffer, die er in die Gefangenschaft mitnehmen durfte. Währenddessen wurde nun auch das “Regierungsviertel” mit der Marineschule von den Briten gestürmt, besetzt und die dort Residierenden festgenommen. Dabei wurden Leibesvisitationen durchgeführt, nicht zuletzt, um Selbstmorde zu verhindern (wie jenen Himmlers an diesem Tag in Lüneburg), von Friedeburg gelang es aber, sich mit einer Zyankali-Kapsel das Leben zu nehmen.

Speer wurde in Glücksburg geschnappt. Dönitz, Jodl und Speer wurden noch zu Pressevorführung in den Innenhof des Flensburger Polizeipräsidiums gebracht (Foto). Sie und andere führende Militärs, Politiker, Beamte des NS-Staates wie Schwerin oder Meissner wurden auf LKWs zum Flugplatz und von dort aus nach Bad Mondorf in Luxemburg gebracht. Dort wurden die gefangenen Nazi-Größen, auch Göring, Keitel oder von Ribbentrop, unter Aufsicht der US-Armee in einem Kurhotel (Palace Hotel) interniert. In diesem „Camp Ashcan“ blieben sie von Mai bis September, ehe sie, als der Krieg endgültig zu Ende war, ins Nürnberger Zellengefängnis gebracht wurden.5

Wie das Deutsche Reich ging auch das Königreich Italien durch den Faschismus unter, König Vittorio Emanuele blieb aber über Mussolinis endgültige Entmachtung hinaus am Ruder (unter alliierter Kontrolle), trat 1946 zurück, sein Sohn Umberto wurde so für einen Monat, den Mai 1946, König, ehe die Monarchie durch eine Volksabstimmung abgeschafft wurde.

Im Hauptkriegsverbrecherprozess erschien Dönitz meist mit dunkler Brille. Sein Anwalt war Otto Kranzbühler, ein Marine-Veteran. Er reklamierte ab Nürnberg eine unpolitische, rein militärische Rolle für sich unter dem NS (ähnlich wie Speer, der sich als unpolitischer Technokrat darstellte). Die Annahme der Ernennung zum Präsidenten und die Regierungsarbeit sei erfolgt aufgrund der “Zugehörigkeit des deutschen Volkes zum christlichen Westen” und dem Streben nach der Rechtssicherheit für die Person… 1946 wurde er bezüglich Befehlen zur Behandlung von Schiffbrüchigen (Laconia-Befehl) und zum Seekrieg gegen Handelsschiffe freigesprochen (was ihn vor der Todesstrafe bewahrte), für die Durchführung des Angriffskriegs schuldig befunden. Er bekam eine Strafe von 10 Jahren Haft. Der Einsatz von KZ-Häftlinge in Werften zum U-Boot-Bau wurde ihm nicht zur Verantwortung gelegt.

Die sieben dort zu Freiheitsstrafen verurteilten (darunter auch Dönitz’ Vorgänger Raeder) wurden 1947 zur Verbüssung nach Berlin-Spandau gebracht, als der Kalte Krieg zwischen den Alliierten des Krieges schon dabei war, auszubrechen. Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1954 wurde für Dönitz, obwohl er nicht nominiert und noch in Haft war, in der Bundesversammlung eine Stimme abgegeben. Er hat sich laut Speers Memoiren in Spandau bei diesem beschwert, dass er es war der Hitler vorschlug, ihn als Nachfolger einzusetzen, wodurch er erst als “sauberer Wehrmachtsoffizier” mit der “schmutzigen Politik” in Verbindung gebracht worden sei und dadurch zu dieser Strafe gekommen. Andererseits soll er auch (vor seiner Haft, nachher) darauf herum geritten sein, als Staatsoberhaupt unrechtmäßig abgesetzt worden zu sein (in Bad Mondorf im Juli 1945 schrieb er eine Erklärung zu Kapitulation, Gefangennahme, Reich). Einerseits verteidigte er sich damit, ein “unpolitischer Offizier” gewesen zu sein, andererseits war er Hitler bis zum Ende ergeben und hat auch im Nachhinein nichts kritisches über den Nationalsozialismus gesagt.

1956 wurde er freigelassen und liess sich in Schleswig-Holstein nieder. Dönitz erhielt nur die Pension eines Kapitäns, da die Beförderungen ab der nationalsozialistischen Ausschaltung der Demokratie diesbezüglich nicht anerkannt wurden. Er schrieb zwei autobiografische Bücher, mehrere militärische. Mit Hitler und dem NS glaubte er nicht brechen zu müssen, da er nur als Offizier gedient habe. 1958 musste sich das Verteidigungsministerium von ihm distanzieren, nachdem sich Bundeswehr-Offiziere der Marine gegen die Distanzierung eines SPD-Politikers von Dönitz und Raeder verwahrt hatten. Dönitz beschwerte sich daraufhin schriftlich bei Kanzler Adenauer, der gab die Sache an Verteidigungsminister Strauss weiter, der soll Dönitz für seinen Standpunkt von der Wehrmacht, die mit NS-Verbrechen nichts zu tun hatte, kritisiert haben. Der positive Bezug auf Ex-Offiziere wie ihn fiel der Bundeswehr leichter als auf Widerständler in der Wehrmacht.

Rudolf-Christoph von Gersdorff, der den Krieg als einer von wenigen Wehrmachtsangehörigen des aktiven Widerstandes überlebte ohne aufzufliegen, scheiterte mit einigen Versuchen, in die Bundeswehr aufgenommen zu werden, am Widerstand des Adenauer-Vertrauten, Staatssekretär Hans Globke sowie Kreisen ehemaliger Offiziere der Wehrmacht in der Bundeswehr. Gersdorff wollte 1943 im Berliner Zeughaus ein Sprengstoff-Selbstmordattentat auf Hitler (sowie die anderen anwesenden Naziführer Göring, Himmler, Keitel und Dönitz) unternehmen, in Absprache mit dem Widerstands-Kreis in der Wehrmacht um v. Tresckow, scheiterte aber weil Hitler nur durch die Ausstellung hastete (es gelang Gersdorff gerade noch, den bereits aktivierten Säurezünder rechtzeitig zu entschärfen). Beim Attentat vom 20. Juli 1944 war er auch aktiv beteiligt. Konteradmiral Gerhard Wagner, einer der am 23. Mai 1945 in Mürwik verhafteten Offiziere (die nicht als Nazi-Grösse eingestuft wurden), wurde dagegen einer der führenden Leute in der Marine der BRD. Wie der erste Inspekteur der Bundesmarine Friedrich Ruge war er dazwischen im amerikanischen “Naval Historical Team”, das die Kriegserfahrung der NS-Marine gegen die Sowjetunion für die USA abzuschöpfen trachtete. Dönitz nahm gemeinsam mit Ruge (der auch sonst in der Hinsicht immer wieder herumeierte) 1960 an Raeders Begräbnis teil.

1963 trat er in einer Schule in Schleswig-Holstein auf, auf Einladung von Schülersprecher Uwe Barschel, erzählte von der NS-Zeit. Nach der Aufregung darüber, die entstand nachdem ein anwesender Journalist den Auftritt bejubelte (“Genauso, wie er im Krieg seine U-Boot-Soldaten begeisterte und zu höchsten Leistungen anspornte, zog er auch diese Jugend schnell in seinen Bann”), verübte der Direktor des Gymnasiums in Geesthacht Selbstmord. Durch den “Gegenwind” wurde Dönitz noch stärker eine Bezugsfigur für Rechtsextreme. Die Schule lud dann den Historiker Karl Dietrich Erdmann ein, um den Dönitz-Auftritt nachträglich “zurechtzurücken”. Erdmann erklärte dabei, dass (auch) Dönitz einer jener führenden Offiziere sei, die Hitler verfallen gewesen seien.

Nach Dönitz’ Tod zu Weihnachten 1980 entschied Verteidigungsminister Apel (der 1982 neue Traditionsrichtlinien erliess, die stärker mit der Wehrmacht brachen) für das Begräbnis im Jänner 1981 gegen eine Teilnahme der Bundeswehr und gegen die Erlaubnis zum Uniform-tragen von ihren Angehörigen bei privatem Erscheinen. 4000 Leute kamen zum Begräbnis, darunter Soldaten in Zivil (einige auch in Uniform) und angeblich Uwe Barschel (damals Innenminister von Schleswig-Holstein), der mit Dönitz seit dessen Schul-Auftritt in Kontakt gestanden haben soll, sowie Angehörige der britischen Marine.

Die Mürwiker Marineschule wurde nach dem Auszug der letzten Reichsregierung zunächst als Krankenhaus genutzt, dann ein Teil als Zollschule, ab Mitte der 1950er wieder von der Marine. Im 1973 erschienenem Roman „Das Boot“ von Lothar-Günther Buchheim sind die Erlebnisse des Autors als Kriegsberichterstatter auf verschiedenen U-Booten im Hitler-Stalin-Krieg verarbeitet. Diverse ehemalige Marine-Offiziere waren nicht erfreut über die Darstellungen; auch Dönitz wird darin kritisch dargestellt. Dönitz ist übrigens bei weitem nicht das kürzest regierende Staats-/Regierungsoberhaupt (wenn man ihn überhaupt als Herrscher über das Deutsche Reich sieht, was er eigentlich weder de jure noch de facto war). Goebbels ist da mit seinem 1 Tag als Reichskanzler näher dran

 

23. 5. 1945 Flensburg, Jodl, Speer, Dönitz
Flensburg, 23. 5. 1945: Jodl, Speer, Dönitz, britische Soldaten

 

Dieter Hartwig: Großadmiral Karl Dönitz. Legende und Wirklichkeit (2010)

Peter Padfield: Dönitz. The Last Führer (2013; Englisch). Vom selben Autor: Dönitz – des Teufels Admiral (1984)

Michael Salewski, Marineoffizier in der BRD sowie Professor für Geschichte an den Universitäten Bonn und Kiel, arbeitete die Buchheim-Kontroverse in seinem 1976 erschienenen Werk „Von der Wirklichkeit des Krieges“ auf

Klaus Hesse: Das „Dritte Reich“ nach Hitler: 23 Tage im Mai 1945. Eine Chronik (2016)

Francois-Emmanuel Brézet: Dönitz. “Le dernier Führer” (2011; Französisch)

Jörg Hillmann: Der „Mythos“ Dönitz – Annäherungen an ein Geschichtsbild. In: Bea Lundt (Hg.): Nordlichter. Geschichtsbewußtsein und Geschichtsmythen nördlich der Elbe (2004)

Walter Görlitz: Karl Dönitz. Der Großadmiral (1972)

Walter Lüdde-Neurath, der persönliche Adjutant des Grossadmirals in jener Zeit, berichtete mit Walter Baum über “Regierung Dönitz: die letzten Tage des Dritten Reiches”.

Joachim Fest: Der Untergang (2003)

“Eine deutsche Karriere. Rückblicke auf unser Jahrhundert.” Dokumentarfilm, DDR 1987, Karl Gass, soll empfehlenswert sein

www.youtube.com/watch?v=hNCrXc5880Q Über die Verhaftungen in Flensburg (Englisch)

www.youtube.com/watch?v=M6lvfL_2k0M&list=PL2d3cEu3bkorHNN6KetWWJndd4UdxdOT6&index=1 Dönitz in Nürnberg

www.youtube.com/watch?v=D505WKDrrHM Interview mit Dönitz und Speer 1973

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. „Bis zum letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend für Deutschland gefallen“
  2. Und einzelne Verbände der Wehrmacht, wie die 8. Armee, kämpften noch einige Tage über die Gesamt-Kapitulationen hinaus gegen sowjetische Truppen; dies vor allem in dem Bestreben, Militärverbände und Zivilisten noch in die Westgebiete zu transportieren und sich nicht gegenüber der Roten Armee zu ergeben. Darüber hinaus waren manche Einheiten noch selbstständig aktiv: in Norwegen, Tschechien, Teilen Frankreichs, auf den britischen Kanalinseln, in Lettland. Und, Wehrmachts-Soldaten agierten nach Kriegsende in Teilen Deutschlands unter alliierter Kontrolle als Polizei-Kräfte, auch im Nordwesten, für die Briten
  3. Im März ’45 wurde der Matrose Walter Gröger aus Schlesien, der desertiert war, in Norwegen von Marine-Richter Filbinger zu Tode verurteilt, und erschossen
  4. Den Alliierten ging es u.a. darum, den Eindruck zu vermeiden, es habe nur eine militärische Kapitulation gegeben, gegen den Willen der politischen Führung. Im 1. WK hatte es eine politische, aber keine militärische Kapitulation Deutschlands gegeben, und dies hatte die Dolchstosslegende genährt, welche auch Hitler dann politisch ausnützte
  5. Im August ’45 die Atombomben-Abwürfe auf Japan; in diesem Monat wurde auch die Wehrmacht aufgelöst