Von Links nach Rechts

Die Unterscheidung „links“ – „rechts“ als politische Richtungsbegriffe geht auf die Französische Revolution und die Entstehung der Nationalversammlung aus den Generalständen von 1789 zurück. Die Sitzordnung wandelte sich dort vom Abbild gesellschaftlicher Hierarchien zu einem der politisch-ideologischen Auseinandersetzungen. Auf der rechten Seite (vom Rednerpult aus gesehen) nahmen jene Abgeordneten Platz, die die Monarchie und das mit ihr verbundene gesellschaftliche System erhalten wollten, auf der linken Seite die Republikaner, Anhänger der Revolution; die “Extremisten” dieser Lager aussen, die “Moderaten” innen. Bald wurden die räumlichen Adjektive „links“ und „rechts“ substantiviert und man sprach von “la gauche” (der Linken) und “la droite” (der Rechten). Die wiederum in mehrere Gruppen/Flügel zerfielen, die sich in Klubs organisierten, wie Feuillants oder Girondisten. Das Ende der Revolution (und des Pluralismus) wird ja meist mit Napoleons “Militärputsch” 1799 (Beginn seines Konsulats) angesetzt.1 Doch unter der Herrschaft der Jakobiner (Jacobins)2 1793/94 gab es schon mal eine rigorose Beschneidung des als legitim geltenden politischen Spektrums. Nach der Restauration (der absoluten Monarchie) 1814/15 kam es allmählich zu einer Revitalisierung von politischen Richtungen/Gruppen, in ggü der Revolutionszeit abgewandelter Form.3

Das Rechts-Links-Schema breitete sich von Frankreich aus aus, im Paulskirchen-Parlament von Frankfurt 1848 etwa wurde die Sitzordnung danach ausgerichtet. Das Schema hielt sich ja auch nach dem Übergang von lockeren Vereinigungen zu festen, institutionalisierteren Parteien. “Rechts”, “links”, “liberal”, “konservativ” bedeutet aber nicht überall das selbe. Hier geht es also um Menschen, die von der linken auf die rechte politische Seite wechselten, in verschiedenen Zeiten, Ländern, Umständen.4 In manchen Fällen war damit nicht nur ein inneres “Überlaufen” oder ein Parteiwechsel verbunden, sondern eine tatsächlich, physische Abwanderung. In diesem Artikel geht es ja um militärische Desertionen und Ähnliches; diese weisen gewisse Parallelen zum Verlassen eines politischen Wertesystems auf. Wobei es von der Perspektive abhängt, ob es sich bei so einem Wechsel von Links nach Rechts um Apostasie, Verrat, Läuterung, Erweckung, oder etwas Anderes handelt.

marx engels forum berlin

Nun noch einige Abgrenzungen. Es geht hier nicht um die Querfronten-Thematik, also Zusammenarbeit von Rechts und Links, oder auch Berührungspunkte/Gemeinsamkeiten dieser Lager/Ideologien. Abzugrenzen von dem hier behandelten politischen Seitenwechsel sind auch innere Widersprüche Doppelbödigkeiten oder Heucheleien bei Linken. Also etwa bei den Schriftstellern John „Jack” London und Charles Dickens, die sich zwar für Arbeiter und Arme engagierten, aber grosse Vorbehalte ggü Nicht-Weissen hatten; auch im Werk von Karl Marx oder dem Baron von Montesquieu findet man Rassismus und Kulturalismus. Von Justin Trudeau wird gesagt, dass er immer links blinkt und dann rechts abbiegt; bei Barack Obama war es ähnlich.5 Von ihnen ist hier auch nicht die Rede. Amir Peretz sah sich anscheinend ausserstande, als (israelischer) Verteidigungsminister liberal/links zu agieren; ein Seitenwechsel ist nicht auszumachen.

Jemand wie Apartheid-Spion Williamson hat sich als links ausgegeben, um den Feind zu infiltrieren (siehe). Es gab in Frankreich Leute, die in der Résistance gegen Nazi-Deutschland aktiv waren, dann später bei der OAS6, wie Jacques Soustelle; daraus ist aber zu schliessen, dass es in diesem Widerstand auch sehr Rechte gab. Sarrazin war nie ein Linker, wenn auch in der SPD. Brigitte Bardot, die sich mit 40 aus dem Filmgeschäft zurückzog, nahm sich zwar des Tierschutzes an, ist aber “ansonsten” eine Rechte7, und mit dem FN/RN-Mann und Algerien-Veteranen D’Ormale zusammen. Was Osama bin Laden betrifft, sein Islamismus war zwar (zumindest) faschistoid, aber er war “davor” nie links, auch wenn es ein Foto mit ihm und seiner Familie in Schweden gibt, auf der er als “Blumenkind” erscheint. Paul Hewson (Bono Vox) lobte zwar George Bush jun. (was der für Afrika getan hätte), wurde aber insgesamt nicht rechts. Der US-amerikanische Sänger Barry McGuire (“Eve of destruction”) wurde ein „wiedergeborener Christ“; die (Wieder-) Entdeckung von Religion ist zwar ein häufiger “Anlass” für einen Rechtsruck, bei McGuire scheint sich ein solcher aber nicht vollzogen zu haben.

Bei Milton Friedman drehte sich ja Alles um die Wirtschaft (nannte sich selbst “Liberaler”, hob die Vorteile eines freien Marktes und die Nachteile staatlicher Eingriffe hervor), sind die Dinge auch etwas “anders”. Er war kein Seitenwechsler (obwohl einst Anhänger des New Deal, dann Libertarist). Er war jemand, der sich unpolitisch-liberal-expertenhaft gab (was Wirtschaft betrifft). Und der Mentor der Gruppe von chilenischen Ökonomen war, den nach der Chicagoer Schule benannten Chicago Boys, die in der Militärdiktatur Pinochets die Wirtschaftspolitik Chiles bestimmten. Bei seinem Besuch in Chile 1975 traf Friedman auch mit Pinochet zusammen. Orlando Letelier, ein Minister der von Pinochet gestürzten Allende-Regierung, warf Friedman in einem Beitrag für “The Nation” 1976 in dieser Hinsicht Doppelmoral bei seinem Verständnis von „Freiheit“ vor.

Der West-Berliner Polizist Karl-Keinz Kurras (der 1967 einen Demonstranten erschoss) war ein vermeintlicher Rechter der in Wirklichkeit Stasi-IM und SED-Mitglied war. Es gibt Leute, die diesbezüglich nicht so leicht einzuordnen sind, wie Slavoj Žižek oder Dimitri Kitsikis. Es gibt solche bei denen man nicht erwarten würde (bzw nicht wusste), dass sie rechts sind, wie Alain Delon (der zwischendurch die FN unterstützte, meist aber Gaullist war).8 Abzugrenzen vom Gegenstand des Artikels sind auch unterschiedliche politische Haltungen in einer Familie. Es gibt Menschen, die aus einer liberalen/linken Familie kommen und rechts wurden und es gibt das Umgekehrte. Was Ersteres betrifft, bei David Horowitz war nicht nur das gegeben, er wurde selbst ein Linker, vollzog dann einen Rechtsruck, daher ist er für den Artikel relevant. Die US-amerikanische Atheisten-Führerin Madalyn Murray-O’Hair (die durch einen ehemaligen Angestellten entführt und ermordet wurde) hatte einen Sohn, dieser wurde Aktivist einer evangelikalen Erweckungsbewegung – nicht relevant für hier.

Bei der Familie Meinhof-Röhl ist nicht relevant, dass sich das Paar entzweite oder die eine Tochter sowohl mit der Mutter als auch mit dem Vater politisch brach, sondern dass “er” sich von Links nach Rechts bewegte. Das Paar Pflüger (CDU) – Mathiopoulos (SPD) ist also auch kein Thema für hier, ebenso wenig wie die Beziehung des österreichischen Grünen Voggenhuber mit einer Tochter des Rechtsextremisten Scrinzi, oder der One Night Stand der Schweizer Markus Hürlimann (SVP) und Jolanda Spiess-Hegglin (Grüne). Etwas Anderes ist auch die Wendung von Links zur Mitte wie sie zB Alfred Gusenbauer vollzog, oder die Übernahme (der Transfer) von Inhalten oder Slogans von der Linken zur Rechten. Die FPÖ drehte sich in mehrerer Hinsicht, in den 1960ern war sie noch für den Bau von Atomkraftwerken in Österreich gewesen, bei der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme von jenem in Zwentendorf 1978 schon nicht mehr, und das hat sie anscheinend beibehalten. Lockl von den Grünen vor ein paar Jahren über diese Gemeinsamkeit: “Die FPÖ ist gegen Zwentendorf – sollen wir jetzt dafür sein?”. Die Front National hat bei der französischen Präsidenten-Wahl 2012, als Marine Le Pen Dritte wurde, den Slogan „Debut d’une lutte prolongee“ aus dem französischen 1968 hervor geholt.

Ein Rechtsruck liegt auch nicht vor wenn sich Rechte nur neu ausgerichtet haben, wie die “Internationale Gesellschaft für Menschenrechte” (IGFM) nach dem “Kalten Krieg”. In Brasilien hat die Partei MDB von Michel Temer das Lager gewechselt, von Links (“Lula”, PT) nach Rechts (Bolsonaro), ohne sich aber zu verändern. Leute aus kommunistischen Systemen im Ostblock sind hierfür nur relevant, wenn sie überzeugte, aktive Kommunisten waren und sich dann auch aktiv nach rechts bewegten (zumindest rechtskonservativ wurden), nicht einfach (hier wie dort) mitliefen. Das betrifft sowohl jene, die zu Zeiten des Kalten Kriegs “rüber machten”9 als auch jene, die nach der Wende aktiv wurden bzw blieben. Günter Schabowski oder Wolf Biermann finden sich daher in dieser Auflistung, Angela Merkel nicht. Sie war mehr oder weniger zwangsweise in FDJ usw aktiv, dann in der CDU, war dort und da Mitläuferin. Wendehälse dieser Art gab es viele, in verschiedenen “Metiers”, Agenten, Journalisten,… sie waren nicht wirklich links, wurden nicht wirklich rechts. Putin oder Jelzin werden hier auch als solche gesehen, sind aber -zugegebenermaßen – nahe bei den Grenzfällen (s.u.).

Angela Kasner als FDJ-Pionierin bei einer Zivilschutzübung 1972

Und, es kommen nur einigermaßen Prominente vor, also keine Arbeiter die bei Wahlen von der SPÖ zur FPÖ gingen, von der KPD zur NSDAP, der PCF zum FN, von der Linken zu AfD gehen,… Vielleicht wird’s mal einen Artikel über Leute geben, die sich in die Gegenrichtung bewegten, über Rechte die Linke wurden. In Rumänien etwa gingen rund um den 2. Weltkrieg Faschisten zu den Kommunisten, hauptsächlich von TPT zur PCR bzw FND. Oder Jürgen Todenhöfer, Gert Bastian, Carlos U. di Borbone-Parma, J. Manuel Zelaya, Ronald Kovic,… Reinhard Gehlen oder George Wallace bewegten sich von rechts aussen in die Mitte, wenn man so will. Für weltanschauliche Paradigmenwechsel gibt es natürlich unterschiedliche Gründe, wie auch die Umstände (und die Arten) des Wandels bzw Wechsels unterschiedlich sind. Der Spruch, wonach man kein Herz hat, wenn man mit 20 (Jahren) kein Sozialist ist, und kein Hirn wenn man es mit 40 noch immer ist, wird u.a. Winston Churchill zugeschrieben. Demnach ist der Wechsel nach Rechts Ausdruck eines Reifungsprozesses, Begeisterung für Linkes dagegen von jugendlicher Unerfahrenheit. Ja, das könnte von Churchill sein.

Klar ist, dass man “die Dinge” mit zunehmendem Alter anders sieht, sich die Sicht und manche Eigenschaften verändern. Das muss aber nicht auf’s Konservativ-werden hinauslaufen, und bei diesem spielen oft spezifische zeitgeschichtliche Entwicklungen und individuelle persönliche Erlebnisse eine entscheidende Rolle. Bei den hier behandelten Personen (es sind Tote wie Lebende darunter) zeigt sich auch, dass die Verschiebung nicht immer gleich offensichtlich wird.10 Noch eine Erklärung zur Reihung bevor es losgeht. Entscheidend ist die “Abenteuerlichkeit”, die Drastik des Wechsels, der Weg den eine/r zurück gelegt hat, nicht von wo er/sie kam oder wo er hin kam; und auch die allgemeine Relevanz der Person. In gewissen Fällen werden “Zusammengehörende” (wie französische Ex-68er) gemeinsam behandelt bzw mit einem “Herausragenden” dieser “Gruppe” mit. Am Ende dann einige Grenzfälle, hauptsächlich Leute die nicht besonders links gewesen sind oder nicht besonders rechts geworden sind.

 

Oriana Fallaci war in der Resistenzia aktiv, dann als Journalistin und Autorin, die nicht zuletzt durch ihre Interviews bekannt wurde. Ihre frühere linke Haltung kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sie mit ihrem Gesprächs-Partner Alexandros Panagoulis, der im Widerstand gegen die griechische Militärdiktatur aktiv war, dann (in den frühen 1970ern) eine Liebes-Beziehung hatte. Ihr Roman “Ein Mann” (“Un Uomo”, 1979) ist eine Pseudo-Biografie von Panagoulis; Fallaci gehörte zu jenen, für die sein “Unfalltod” 1976 ein Anschlag von “Überbleibseln” der griechischen Militärjunta war. Im September 1979 interviewte sie in Teh(e)ran Ruhollah Khomeini, der damals gerade die Macht im Iran “ergriff”. Sie nahm während des Gesprächs den “Tschador” ab, es heisst er hätte nichts dagegen gehabt. Fallaci sah auch den letzten Schah (Mohammed Reza Pahlevi), den sie ebenfalls interviewte, als frauenfeindlich. Ab den 1980ern hatte sie Uni-Lehraufträge, lebte in der USA und Italien, verlor etwas von der Bedeutung die sie (hauptsächlich in den 70ern) gehabt hatte.

Ihre Krebserkrankung und die Anschläge vom 11. 9. 01 (v.a. in New York, wo sie vorwiegend lebte) hatten sicher einen Einfluss auf ihren Rechtsruck in den letzten Jahren ihres Lebens (sie starb 06), der sich sich bei ihr hauptsächlich über Anti-Islam ausdrückte. Sie schrieb 3 Bücher in dieser Zeit, die sich darum drehten. Das erste und wichtigste davon war “Die Wut und der Stolz” (2001 kam das italienische Original heraus). Auf Deutsch im List-Verlag erschienen, war es eines der meistverkauftesten Bücher seiner Zeit (00er-Jahre) im Westen. Es traf genau den Zeitgeist. Das was es zur Hetzschrift macht (und was nicht wenige Leute daran so schätzen), ist dass sie ihren Wunsch äussert, ein Zelt mit somalischen Flüchtlingen anzuzünden, das “muslimische Wesen” als “hinterhältig”, “gewalttätig”, “verschlagen” und “schmutzig” beschreibt, davon schreibt dass sich “Allahs Söhne wie Ratten vermehren”,… Da traf sie eben nicht die Unterscheidungen die im Zeichen der Islamophobie sonst gerne hochgehalten werden, im anderen Chauvinismus.

Das “Eurabia”-“Konzept” von Frau Littman (“Bat Yeor”) hat sie übernommen (wie auch Anders Breivik), und die Behauptung, dass der Westen ggü Moslems zu tolerant sei, äussert auch sie. Fallacis letztes Buch vor “Die Wut…” war, 1990, “Inschallah” gewesen, ein Tatsachenroman/ZG-Roman, über Soldaten des italienischen Kontigents der multinationalen Streitkräfte im Bürgerkrieg des Libanon in den frühen 1980ern. Darin und früher hat sie Kritik am Westen und an Israel geübt, in den 2000ern dann zu ihrer IL-Kritik etwa gesagt “Ja, ich weiss, ich habe sie oft kritisiert, aber ich war in Wirklichkeit immer auf ihrer Seite”…und Yassir Arafat hätte beim Interview mit ihr eine feuchte Aussprache gehabt. Der islamische Fundamentalismus sei ein Wiederaufleben des Faschismus, den sie ihrer Jugend bekämpft hat11. Sie hat aber auch das Europäische Sozialforum (ESF), als es 2002 in ihrer Heimatstadt Florenz/Firenze tagte, mit der einstigen Nazi-Besatzung der Stadt verglichen. Und, die italienische Regierung wurde in ihren letzten, “rechten” Jahren hauptsächlich aus Forza Italia (FI), Alleanza Nazionale (AN), Lega Nord (LN) gebildet. Die AN geht auf die MSI zurück, in der sich nach dem Ende des Faschismus in Italien alte und neue Faschisten sammelten; die LN steht/stand in mancher Hinsicht noch rechts davon; und Ministerpräsident Berlusconi (AN) hat Mussolini mehrmals gelobt bzw verteidigt.

Politiker dieser italienischen Rechtsparteien bezogen sich öfters positiv/lobend auf Fallaci. Kritik an Berlusconi kam von ihr nur, nachdem sich dieser für eine Bemerkung über die “Überlegenheit westlicher Kultur” über die islamische “entschuldigte”. Rechte Zeitschriften wie “Junge Freiheit” oder “bahamas” in Deutschland veröffentlich(t)en begeistert aus Fallacis Schriften. Sie kehrte nicht zur katholischen Kirche zurück, blieb Atheistin, nannte sich nun “christliche Atheistin”, nahm gegen Abtreibung oder Homosexuellen-Ehe Stellung. Und traf sich (2005) mit „Benedikt“ Ratzinger, pries ihn. Ratzinger hatte vor seinem Pontifikat, 2004, einen Essay geschrieben, “Wenn sich Europa selbst hasst”, der es Fallaci besonders angetan hatte. 2001 (mit den islamistischen Anschlägen, die eine neue “Ära” einleiteten) bewirkte bei vielen Linken einen Rechtsruck, bzw liess diesen zum Vorschein kommen. Da war Fallaci nicht die Einzige; sie schaffte es zur Ikone der Linken, dann der Rechten (und für diese war es ein besonderer Triumph, das sie eine bedeutende Ex-Linke “einkassiert” hatten). Noch etwas, was bei Fallaci beispielhaft war: auch ihre Rechtswendung war verbunden mit einer Wendung zu Pro-Israel (manchmal wurde diese Wendung auch so garniert).12 Wenn man sich die Zeit nimmt, kann man vermutlich herausarbeiten, was bei ihr die Kontinuitäten von ihrer früheren in ihre späten Zeit sind.

Oriana Fallaci ’79 im Iran, rechts der spätere Präsident A. Bani Sadr (der sich als solcher dann mit Khomeini “zerkrachte”)

Bei David Horowitz sieht man, dass Ex-Linke zumindest oft die schlimmsten Reaktionäre werden.13 Das linke Engagement des US-amerikanischen Publizisten/ Propagandisten14 gipfelte in der Unterstützung der Black Panther und dabei kam es zu seiner “Bekehrung”. Seine Eltern stammen aus dem Russischen Reich, Juden die in New York lebten, Lehrer waren und die kommunistische Partei der USA (CPUSA) unterstützten. Sie verliessen die Partei 1956 nach (aufgrund) der Abrechnung von Chrustschow mit Stalin, nicht etwa wegen Stalins Verbrechen (die nicht zuletzt an Kommunisten stattfanden). David Horowitz studierte wie sein Vater Englisch, ging nach Grossbritannien und arbeitete dort für Bertrand Russells Friedens-Stiftung. Ende der 1960er wurde er Mit-Herausgeber des neo-linken Magazins “Ramparts”, liess sich in California nieder.

Und, in den frühen 1970ern schloss er Freundschaft mit Huey Newton, einem der Gründer der Black Panther Party (BPP).15 Einen Teil ihrer Arbeit widmete die BPP einer Schule für Arme in Oakland (wo die Organisation 1966 gegründet worden war). Horowitz vermittelte Newton eine (weisse) Buchhalterin namens Betty Van Patter, die für “Ramparts” arbeitete. Van Patter arbeitete noch nicht lange bei den Schwarzen Panthern, als sie (Ende 1974) tot vor San Francisco treibend gefunden wurde. Sicher ist, dass sie ermordet wurde, sicher ist dass niemals jemand dafür belangt wurde. Es handelt sich um einen ungeklärten Mord, der ein politischer sein dürfte/könnte. Wie bei Bohdan Piasecki, Daniel Casolaro, Jill Dando, Alois Estermann,… Horowitz war (und ist) sich sicher, dass die “Panther” dafür verantwortlich waren, und er ist da nicht der Einzige. Als mögliches Motiv wird angeführt, dass Van Patter Steuerhinterziehungen der BPP öffentlich machen wollte. Horowitz hatte sie zu den Panthern gebracht; für ihn wurde der Mord das was etwa für Koestler (>) und Andere die stalinistischen Schauprozesse in der Sowjetunion waren.

Horowitz wandte sich in der Folge von der BPP und allgemein von der Linken ab. 16 Weil er ein Abdriften der BPP in “Gangsterismus” sah oder sich von ihr getäuscht, wie auch immer. Er hielt seine Umorientierung über ein Jahrzehnt “geheim”, angeblich weil er sich vor Repressalien fürchtete. 1976 war er ein Mitgründer des Magazins “In These Times”, das aber anscheinend bis heute links geblieben ist. 1987 sein coming out als Konservativer, mit der ersten “Second Thoughts Conference”, in Washington, zusammen mit Peter Collier, einem anderen rechtsgewendeten Ex-Linken. Für ihn war die Abwendung von der Linken ja auch eine Auseinandersetzung mit den stalinistischen Eltern; diese machte er auf dieser Konferenz zT öffentlich. Die Hinwendung zum Reaganismus bzw zum Hauptstrom der Republican Party war aber nur eine Zwischenstation, inzwischen ist er eigentlich noch viel weiter rechts.

Die Korrelation zwischen seinen kommunistischen Idealen und Anliegen der Afro-Amerikaner, des Anti-Rassismus, des globalen Südens, die er früher sah, sieht er noch immer, “nur” aber ins Negative gedreht. Israel/Palästina wurde aber kein sehr wichtiges Anliegen für ihn, sein Focus liegt auf der USA. Und da auf Schwarzenrechtlern, Linken, Einwanderern (und jenen die sich für sie engagieren), Moslems. In Zeiten wie diesen kann man zumindest gegen Letztere politisch korrekt agitieren, man ist ja nur gegen Islamismus und so. Ein grosser Teil seiner Publikationen ist gegen die Linke (alte und neue) gerichtet, nicht zuletzt gegen Jene an US-amerikanischen Universitäten die er dafür hält. Er verteidigt und promotet etwa S. Jared Taylor, einen offenen Rassisten, über den man über höchstens eine Ecke bei Ku Klux Klan, stormfront.org, “white pride” ist, und diese “Ecke” ist Don(ald) Black; Horowitz kritisierte die USA auch als “anti-weiss”. 2018 verteidigte er zwar nicht das Lynchen von Afro-Amerikanern, attackierte aber eine Initiative die sich dem Gedenken an diese Opfer widmet, als “rassistisch” und “anti-weiss”, behauptete dass ein Drittel der Lnych-Opfer in der USA Weisse gewesen seien. Auf en.wikipedia haben organisierte Teams dafür gesorgt, dass Verschiedenes in einem kurzen Absatz mit dem Titel „Allegations of racism” zusammengefasst ist…

Horowitz, der mit einer Krauthammer verheiratet war17, sieht sich nicht als Neokonservativer. Kam aber zu Zeiten des jüngeren Bush zu etwas Bedeutung. Er ist hauptsächlich über/ in sein(em) David Horowitz Freedom Center aktiv, und dessen Publikation, “FrontPage Magazine”. Auch über Webseiten wie “truth revolt” (> Ben Shapiro) und “Discover the Networks”, Organisationen wie “Students for Academic Freedom18, Projektnamen wie “Terrorism awareness”. Eine kritische Auseinandersetzung mit Horowitzs gegenwärtigen Aktivitäten scheint das Buch “Cold Breezes and Idiot Winds. Patriotic Correctness and the Post-9/11 Assault on Academe” von Valerie Scatamburlo-D’Annibale (2011) zu beinhalten.

Nach Horowitz gleich noch jemand, der sich bei den “Schwarzen Panthern” engagiert hat und sie dann verliess, Leroy Eldrige Cleaver war aber länger dort und viel enger mit der Organisation verbunden. Wegen seines politischen Aktivismuses musste er die USA verlassen, vollzog nach seiner Rückkehr eine Rechtswendung, die ins Geschäftsleben, zu Reagans Republikanern und der Mormonischen Kirche führte. Cleaver war ein Führer der Black Panther Party, bekam die Funktionen des Minister of Information sowie Head of the International Section. Davor war er anscheinend bei den “Black Muslims” (Nation of Islam) aktiv gewesen.19 Im Frühling 1968, im Zuge der Unruhen nach dem Mord an Martin L. King, verübten die “Panther” Cleaver und Robert Hutton einen Angriff auf eine Polizei-Station in Oakland (2 verletzte Polizisten); Hutton wurde getötet, Cleaver gefasst. Er konnte dann aber entkommen, zunächst nach Cuba, wo er etwa ein halbes Jahr verbrachte.

Bei der Präsidenten-Wahl 1968 wurde er dennoch von der Peace and Freedom Party (PFP) als Kandidat aufgestellt, konnte nur in einigen Bundesstaaten kandidieren aufgrund zu geringen Alters.20 Cleaver wollte als seinen Vizepräsidentschafts-Kandidaten übrigens Jerry Rubin (s.u.). 1969, in dem Jahr, in dem FBI-Direktor J. Edgar Hoover die BPP die “grösste Gefährdung für die innere Sicherheit” der USA nannte (als ob es keine handfesten Ursachen für diese Art des Aktivismus gegeben hätten) und sie in sein COunter INTELligence PROgram (COINTELPRO) aufnahm, das u.a. die Infiltration “solcher” Organisationen umfasste, wurde Panther-“Führer” Fred(erick) Hampton in seiner Wohnung in Chicago von Polizisten getötet. Cleaver zog 1969 von Cuba nach Algerien um. In dieser Zeit gehörte es in manchen Kreisen fast zum guten Ton, die Black Panther zu unterstützen, siehe Horowitz, und Leonard Bernstein hielt 1970 eine Benefizveranstaltung für sie ab; darüber hat sich Thomas “Tom” Tom Wolfe in seinem Buch “Radical Chic & Mau-Mauing the Flak Catchers” mokiert.

Zu Beginn der 1970er kam es zu einem grundlegenden Richtungsstreit unter den Führern der BPP, hauptsächlich zwischen dem exilierten Eldridge Cleaver (blieb anscheinend Herausgeber der “Panther”-Zeitschrift) and Huey Newton in der USA. Es ging hauptsächlich um die Notwendigkeit eines bewaffneten Kampfes (Aufbau einer Stadt-Guerilla), als Antwort auf COINTELPRO und andere Staats-Aktionen gegen sie; Cleaver befürwortete diesen, während Newton dafür plädierte, auf politischem und sozialem Weg um Verbesserungen für Afro-Amerikaner zu kämpfen. Hinzu kam, dass Cleaver starke Verbindungen zu globalen Gegnern des USA-Imperialismus aufbauen wollte. Er zog den Kürzeren, wurde aus dem Zentralkomitee der Partei ausgeschlossen, wurde in der Black Liberation Army aktiv, die usrprünglich der bewaffnete/paramilitärische Flügel der Partei gewesen war – inwiefern sich die BLA unter Cleaver und “Assata O. Shakur” dann selbstständig machte, ist nicht ganz klar. Cleaver beschuldigte Newton, ein “Uncle Tom” zu sein, der lieber mit Weissen kooperieren wolle als sie zu “stürzen”. Zu den internen Streitigkeiten (die die Gruppe schwächten) kamen noch jene aufgrund der Morde an Alex Rackley 1969 und Betty Van Patter 1974, die den “Panthern” zur Last gelegt wurde.

Rackley, ein schwarzes Mitglied, soll von ihnen getötet worden sein, da er als Polizei-Spitzel verdächtigt wurde. Die Konflikte in der BPP ähneln in mancherlei Hinsicht denen im American Indian Movement (AIM), die etwas später losgingen, einer Organisation, die ebenfalls in’s Visier des CONINTELPRO genommen wurde. Die Black Panthers und die BLA gingen Bindungen mit diversen “antiimperialistischen” Staaten und Organisationen ein, wie Cuba, Algerien (wo Cleaver von 1969 bis 1972 war), Nordkorea, China, Nord-Vietnam, PLO21. 1972 bis 77 hielt sich Cleaver in Frankreich auf, wurde dort ein “wiedergeborener Christ” und begann eine Modefirma. Dann kehrte er in die USA zurück (nach anderen Angaben bereits 1975). 1977 kehrte auch Newton zurück, der sich seit 1974 in Cuba aufgehalten hatte22, weil er wegen Mordes gesucht wurde. Newton wurde in seinem Prozess freigesprochen, Cleaver kam nach einem “Deal” bzw einer Reduzierung der Anklage mit Sozialarbeit davon.

Cleaver machte mit seinem Modelabel weiter, auch mit seinem Christentum, war in mehreren, hauptsächlich evangelikalen, Gruppen aktiv, auch in einem Zweig der “Moon-Sekte”. In diesen Jahren, den frühen 1980ern, löste sich auch das, was von der BPP noch übrig war, auf (1982)… 1983 schloss sich Cleaver dann der konservativen “Mormonen-Kirche” (Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) an. Damit nicht genug, wurde er auch noch aktiver Republikaner, ausgerechnet Cleaver, der Führer des radikalen Flügels der Panther. Landete dort, wo auch Horowitz damals war, bei Reagan, der 1967 als Gouverneur von Kalifornien ein Gesetz veranlasst hatte, das BPP-Mitglieder im Waffenrecht diskriminierte. Anscheinend hat Cleaver dann auch noch eine eigene Religion/Sekte gegründet, Eldridge Cleaver Crusades, eine Synthese aus Christentum und Islam. Seine letzten 10 Jahre, 1988 bis 1998, waren von Drogen, Gesetzeskonflikten, Krankheit gekennzeichnet. Newton ist 1989 von einem Drogendealer getötet worden. Von den BPP-Führern lebt nur noch Robert “Bobby” Seale.

Der Neokonservativismus entstand Ende der 1960er, Anfang der 1970er, durch vormalige Linke/Liberale23, die von der Democratic Party oder der “Wildnis” links davon kamen. Irving Kristol, so eine Art Gründervater der Neocons, war ein Trotzkist gewesen; er sagte mal, der Neokonservative sei ein Liberaler, den die Realität heimgesucht habe.24 Bereits in den 1950ern entstand durch Ex-Kommunisten wie James Burnham die “National Review”, die zu einer Art Zentralorgan des Neokonservativismus wurde. Burnham, der in den 1930ern als trotzkistischer Philosoph aktiv gewesen war, war gewissermaßen ein Wegbereiter der Neocons. Die Neocons der ersten Generation setzten sich in den frühen 1970ern (zur Zeit der Präsidentschaft Nixons von der traditionellen Rechten) noch u.a. mit David Horowitz von der Neuen Linken auseinander… Damals war der Kalte Krieg das Ausschlaggebende.

Es stellt sich die Frage, ob die Neokonservativen durch ihre Rechtswendung (bzw Entstehung als solche) Pro-Israel wurden oder ob Sorge für Israel ihre Rechtswendung (mit) bedingte. Sicher ist, dass der Krieg 1967 viele Juden und Nicht-Juden (da hauptsächlich Rechte) “solidarisch” mit Israel verband. Viele der Neocons der ersten Generation waren/sind Juden, und Israel wurde für diese “Bewegung” ein wichtiges Anliegen, ist es bis zur Gegenwart geblieben. Paul Wolfowitz sprach sich in seiner Doktorarbeit in Politikwissenschaft an der Universität Chicago 1972, in der es um “Nuclear Proliferation in the Middle East: The Politics and Economics of Proposals for Nuclear Desalting” geht, noch entschieden gegen eine atomare Aufrüstung Israels aus (die damals gerade zum Abschluss gekommen ist). Wurde erst in den Jahren danach jener „Falken“, als der er (als Funktionär der Bush-Regierung) bekannt wurde. Wolfowitz besuchte an dieser Uni noch einige Vorlesungen von Leo Strauss, einem (ebenfalls jüdischen) politischen Philosphen, der als ein Ahnvater der Neocons gilt. Mehr beeinflusst wurde Wolfowitz aber von seinem Doktorvater Albert Wohlstetter; ab dem Studium gingen Wolfowitz und Richard Perle gemeinsame Wege, so als Gehilfen beim rechten DP-Senator Henry Jackson.

Unter Bush dem Jüngeren kamen die Neocons dann zu Macht und Einfluss; grossteils nach den Anschlägen von 2001, also etwa ein dreiviertel Jahr nach Bush’s Amtsantritt (dem eine umstrittene Wahl zugrunde liegt).25 Seit damals (10 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs) wird propagiert, dass die USA, der Westen und Israel auf einer Seite stünden, dem selben Feind gegenüber, dem Islamismus, bei gleichzeitiger Unterstützung Saudi-Arabiens. Neokonservative gibt es natürlich auch längst (zB) in Deutschland. Norman Podhoretz war nicht so links gewesen wie viele Neokonservativismus-Begründer, dennoch soll er herausgegriffen werden. Er wuchs in einer jüdischen Familie aus Osteuropa in New York auf. Die Familie war linksgerichtet, nicht religiös; dennoch machte er im tertiären Bildungsbereich auch eine jüdische theologische Ausbildung. Neben einem Abschluss in englischer Literatur. Dann, 1960, wurde er Chefredakteur von “Commentary (Magazine)”, der Zeitschrift des American Jewish Committee (AJC), blieb dies bis zu seiner “Pensionierung” 1995, wurde dann anscheinend Herausgeber des Magazins.

Dass er nie wirklich links/liberal war zeigt sein “Essay” aus 1963 mit dem Titel “My Negro Problem – And Ours”. Er war in einem multikulturellen und ärmeren Viertel von Brooklyn aufgewachsen, konnte nicht verstehen was das Erbe der Sklaverei für eine Gesellschaft/ein Land tatsächlich bedeutet. Sein damaliger Freund war der 07 verstorbene Autor Norman Mailer26, der war schon in den 1960ern talentierter und erfolgreicher. Das zeigte sich auch anhand von Podhoretz’ Memoiren, “Making It” (1967; wo er seinen Willen zu Erfolg, Geld, Einfluss bekundete). In den frühen 1970ern begann er sich gegen die bzw das Linke zu wenden, nahm “Commentary” (das er in den 60ern etwas liberal gemacht hatte) mit mit ihm. Die USA befände sich im “Vierten Weltkrieg” (Titel eines Buchs von ihm) gegen den “Islamofaschismus”, als nächstes solle der Iran drankommen (mit Krieg überzogen zu werden), Bush und er streuten sich gegenseitig Rosen27, von Giuliani wurde er Berater,… Deshalb hat die Springer-“Welt” auch einen Gastkommentar von ihm gebracht28; alles Andere ist ja “Antiamerikanismus”.

Podhoretz wurde einer der radikalsten Neokonservativen, die Wendung  an sich ist bei ihm nicht so abenteuerlich wie bei Anderen. Seine Tochter und noch mehr sein Schwiegersohn Elliott Abrams sind so radikal wie er (geworden), dieser Abrams auch noch um einiges mächtiger. Podhoretz endete als Cheerleader von Bush, Palin, Trump – letzterem hält er die Stange, während sich Bush, Wolfowitz, Romney, McCain, William “Bill” Kristol29 abwandten… Was sagte Podhoretz’ früherer Freund Mailer (der gemäßigt links blieb) zu Bushs Irak-Krieg 03: “Fascism is more of a natural state than democracy. To assume blithely that we can export democracy into any country we choose can serve paradoxically to encourage more fascism at home and abroad. Democracy is a state of grace that is attained only by those countries who have a host of individuals not only ready to enjoy freedom but to undergo the heavy labor of maintaining it.”

Der australische Historiker Keith Windschuttle war in den 1960ern und 1970ern ein Angehöriger der Neuen Linken, ein Rechtsruck zeigte sich bei ihm mit dem Buch “The Media”, über die Medien in Australien. Während die erste Ausgabe 1984 noch für staatliche Regulationen im Medienwesen plädierte (das politische Programm der Rechten kritisierte), sah er in der dritten Ausgabe (1988) die Dinge anders: „Overall, the major economic reforms of the last five years, the deregulation of the finance sector, and the imposition of wage restraint through the social contract of The Accord, have worked to expand employment and internationalize the Australian economy in more positive ways than I thought possible at the time.“ 1994 stieg Windschuttle dann mit “The Killing of History” in den Historikerstreit (history wars) um die Entwicklung Australiens seit der Ankunft der Briten 1788 (und was sie für die Aborigines und Torres Strait Islanders bedeutete/brachte) ein; seine Rechtswendung scheint also vor Beginn seiner Beschäftigung mit den Aborigines geschehen zu sein. Die history wars waren 1968 vom Anthropologen William Stanner angestossen/ losgetreten worden, als er in einer Fernseh-Sendung das australische Selbstverständnis (bzw die im Land vorherrschende Geschichtsauffassung) kritisierte.

Mit dem australischen Referendum 1967 wurde die Emanzipation der Aborigines (keine ideale Bezeichnung) in die Wege geleitet, konkret wurde damit eine Verfassungsänderung angenommen, auf deren Grundlage in den 1970ern Bundesgesetze kamen, welche die Lage der Ureinwohner verbesserten. Es ist kein Zufall, dass der Historikerstreit (der einer innerhalb der weissen australischen Gesellschaft ist) parallel zu dieser Gleichstellung auf Touren kam. Historiker (auch andere Wissenschafter sowie Journalisten waren beteiligt) stiessen mit ihren Bestrebungen zu einer Revision der australischen Historiographie klarerweise auf Widerstände. Der Historiker Geoffrey Blainey höhnte 1993 im Magazin “Quadrant”, es hätte sich mit den “neuen Historikern” eine Geschichtsschreibung mit schwarzem Armband etabliert, was dem modern gewordenen Vorwurf des “Selbsthasses” nahe kommt.30 Es geht um den Charakter der Inbesitznahme und Besiedlung Australiens durch GB, inwiefern das friedlich geschah, schlechte Behandlung der indigenen Bevölkerungen Ausnahmen oder Regel war, ob evtl sogar ein Genozid vorliegt. Der Zeitraum der dabei behandelt wird, ist die Zeit der “Grenzkriege”, die die Ausbreitung der Weissen dort mit sich brachten, die etwa 150 Jahre vom späten 18. Jh bis zu den 1930ern. Aber die Diskussion betraf und betrifft natürlich die lebenden Aborigines und ihre Situation.

In “The Killing of History: How a Discipline is being Murdered by Literary Critics and Social Theorists” (erste Auflage 1994) attackiert Windschuttle die australische Aufarbeitung der Massaker, Vertreibungen, Drangsalierungen,… der (bzw gegen) Aborigines, verteidigt die Praktiken und Ergebnisse der “traditionellen” weiss-australischen Geschichtsschreibung. Er beschäftigt sich seither fast nur noch mit den Aborigines des Landes, bzw der Geschichtsschreibung sie betreffend. Wurde führend auf der “rechten” Seite fes “Geschichtskriegs”, neben Geoffrey Blainey; von der “Gegenseite” sind Henry Reynolds oder Stuart MacIntyre zu nennen. Es ist diese Auseinandersetzung eine unter “weissen” Australiern; was sie jedenfalls gebracht hat, ist eine gewisse Integration der Indigenen/Aboriginals in die australische Geschichte, ein anderer Status als geschichtslose unterworfene Objekte für sie, zumindest eine gewisse Anerkennung der Verbrechen an ihnen. Die Geschichtskriege um die (Neu-) Beurteilung der Vergangenheit betreffen natürlich auch die Identität Australiens, seinen Charakter, können deren/dessen Neudefinition bewirken, die Anerkennung dass das Land mehr als nur die britische(n) Tradition/ Wurzeln hat.

Die Auseinandersetzung ist so politisch, dass sich Politiker in sie eingeschaltet haben, voran John Howard (Liberal Party/ LP), Premierminister 1996–2007, der natürlich für die konservative Seite Partei ergriff, die dem Magazin “Quadrant” nahe steht.31 Von der Australian Labor Party (ALP) hat sich dazu v.a. Ex-Premier Keating zu Wort gemeldet. Mit der Haltung zu den Aborigines bzw zu einer gemeinsamen Geschichte mit ihnen korrelieren in Australien für gewöhnlich eine Reihe weiterer Standpunkte, entlang der Links-Rechts-Scheide.32 Der erste Band von “The Fabrication of Aboriginal History” von Windschuttle kam 2002 heraus. Darin beschuldigt er “linke” Historiker, Quellenmaterial “verdreht” zu haben, um ihre politische Agenda zu stützen. Sich und die mit ihm “assoziierten” Historiker sieht er auf der Seite der unvoreingenommenen Geschichtsforschung.

Klaus R. Röhl, der deutsche Historiker und Publizist, war ja privat und politisch in den 1960ern mit Ulrike Meinhof zusammen, zusammen brachte man die Zeitschrift “Konkret” und Zwillingstöchter hervor.33 Man übte radikale Kritik an der BRD, hatte Einfluss auf die “APO” (die hauptsächlich von Studenten getragen wurde). 1964 die Trennung von “konkret” von der DDR bzw der (damals illegalen) KPD, ’67 die Trennung zwischen Röhl und Meinhof (68 Scheidung), 69 jene Meinhofs von “konkret”. Während Röhl in Hamburg um die Leitung der linken Zeitschrift kämpfte, zog Meinhof mit den Zwillingstöchtern Bettina und Regine nach West-Berlin, ging auch politisch eigene Wege. Meinhof beteiligte sich 1970 an der Befreiung des zuvor als Kaufhausbrandstifter bekannt gewordenen Andreas Baader, ging in den Untergrund, schloss sich der kurz danach gegründeten “Roten Armee Fraktion” (RAF) an; Röhl kritisierte diesen Weg von Teilen der “Neuen Linken” zur Gewalt (mit Repräsentanten des Systems, oder was dafür gehalten wurde) entschieden.

Röhl musste 1973 “konkret” verlassen, bald danach wurde die Zeitschrift eingestellt; 1974 kam es zu einem Neustart unter Hermann Gremliza. Röhl machte weiter als leitender Redakteur bei anderen linken Magazinen, “das da” und “Spontan”. Wann er genau sein Geschichte-Studium begann, ist nicht so einfach zu eruieren, möglicherweise war er auch ein “Ultra”-Langzeitstudent, dessen Studienzeit sich über Jahrzehnte hinzog. Mit der Trennung von “konkret” scheint bei Röhl jedenfalls die politische Kehrtwende eingeleitet worden zu sein. Und, 1993 schloss er sein Studium bei Ernst Nolte an der FU Berlin mit einer Dissertation über “Nähe zum Gegner. Die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nationalsozialisten beim Berliner BVG34-Streik von 1932″ ab.

Das diese Kehrtwende damit zu einem Abschluss gekommen ist, zeigt sich auch durch das Buch “Linke Lebenslügen”, das 1994 von ihm herauskam, auch weil er dort schrieb: „Im Sommer 1987, zwei Jahre vor der Wende, habe ich angesichts der maßlosen und ungerechtfertigten Kampagne gegen Ernst Nolte beim sogenannten Historikerstreit‚ an diesen geschrieben und ihm den Vorschlag gemacht, solidarisch, gewissermaßen demonstrativ bei ihm zu promovieren. Die Wahl des Doktorvaters war also keineswegs ein Zufall.“ Hier sieht man auch schön, dass Orientierung an früheren Positionen ein Charakteristikum dieser “Gewendeten” zu sein scheint, man dreht sich in gewissen Fragen um 180°, wie Röhl zu Nolte.

Er sieht sein Schreiben auch als “Aufklärung” über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und linksutopischen Aktivitäten, an denen ich als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“. 1994 war er einer der Autoren des Sammelbands “Die selbstbewusste Nation”, 1995 trat er der FDP bei. Er engagierte sich dort im nationalliberalen Flügel der Partei um Rainer Zitelmann, Alexander von Stahl, Heiner Kappel („Liberale Offensive“). Mit Zitelman sowie weiteren Springer-“Welt”-Journalisten (Ulrich Schacht, Heimo Schwilk) initiierte Röhl in diesen Jahren “Aufrufe” deutsch-nationalen Charakters. Röhl, der aus Westpreussen ist, schreibt heute u. a. für die “Preußische Allgemeine Zeitung” (ehemals “Ostpreußenblatt”). Nun ja, er wurde weniger “transatlantisch” (oder “israel-freundlich”) als deutsch-national, weniger verlogen als so manche Schreiber gerade bei “Die Welt”… Missfelder oder Stürmer propagier(t)en eben einen anderen National-Chauvinismus, einen der auf einer breiteren Grundlage steht. Viele, wenn nicht die meisten, 68er sind reaktionär geworden, in der einen oder anderen Form, es kommen auch noch welche vor, hier (ausserdem  “Anti”Deutsche, Ex-Grüne); Röhl ist nicht so rechts geworden wie Rabehl oder Mahler aber mehr als Aust, Enzensberger oder Schily, und offener rechts als die etwas jüngeren Küntzel oder Ditfurth.

Der Kanadier Patrick Moore war Umweltaktivist, einer der Greenpeace-Mitbegründer, bis 1986 Präsident von Greenpeace Canada. Es heisst, er begann mit der Politik zusammen zu arbeiten, um seine Vorstellungen von Umweltschutz umzusetzen, was ihn in Konflikt mit Greenpeace brachte. 1986 verliess er die Organisation bzw wurde dazu aufgefordert; wie bei Trennungen im Schlechten auch privat so üblich, stellte er dies dann so dar, dass er von sich aus gegangen sei (“Extremisten” hätten Greenpeace übernommen). Laut Greenpeace war es anders. Moore wechselte die Seiten, stellt sich als “Umweltexperte” Allen gegen Geld zur Verfügung, wurde Lobbyist/ PR-Berater/ “Botschafter” v.a. der Atom-, Papier- und Gentechnik-Industrie. Bei David MacTaggart, einem anderen Mitgründer von Greenpeace war es umgekehrt, er war ein Unternehmer bevor er sich dort engagierte. Moore bestreitet einen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel, dafür gäbe es keinen wissenschaftlichen Hinweis; ausserdem seien CO2-Emissionen gut für den Planeten und die Menschheit. Er ist Kritiker von GP geworden, nennt die Umweltbewegung “destruktiv” (sie hätte falsche Richtung eingeschlagen, nicht er). Er versteht sich weiterhin als Umweltschützer bzw gibt sich als solcher aus (ist als solcher zu buchen), gründete 1991 das PR-Unternehmen Greenspirit, das seine Aktivitäten koordiniert.

Arthur Koestler (Artúr Kösztler) wurde 1905 in Budapest geboren, war Sohn eines deutschsprachigen jüdischen Industriellen, erlebte als Kind in Ungarn das Ende der Habsburger-Monarchie (Österreich-Ungarn) 1918, die kommunistische Revolution unter Béla Kun (Kohn) 1919, und die rumänische Besetzung von Budapest im selben Jahr. In diesem Jahr zog die Familie nach Wien und er tudierte dort ab 1922 parallel etwas Technisches und etwas Geisteswissenschaftliches. Wurde während seines Studiums Mitglied der schlagenden jüdischen Studenten-Verbindung “Unitas”. Er ist einer Jener, die als Geistesgrössen gelten, die ihr Studium abgebrochen bzw nicht abgeschlossen haben. Köstler tat das 1926, als er in das damals britische Palästina ging, um am zionistischen Projekt dort mitzumachen. Er kam zunächst in einen Kibbuz in Nord-Palästina (“Heftziba”), der einige Jahre zuvor entstanden war, durch Juden aus Mitteleuropa wie ihm; hielt sich etwa ein Jahr in Palästina auf. In dieser Zeit begann er zu schreiben, Reportagen, die in Deutschland veröffentlicht wurden. Dorthin, nach Berlin genau, zog er 1930, schloss sich der KPD an, reiste in den Spanischen Bürgerkrieg, berichtete von ihm,…

Unter dem Eindruck der stalinistischen “Säuberungen” und Schauprozesse in der Sowjetunion 1936 bis 1938 (die sich hauptsächlich gegen “abweichlerische” Kommunisten richteten!) wandte sich Koestler vom Kommunismus ab. 1939/40 reiste er über Frankreich nach GB aus. In den Jahren des 2. WK diente er im britischen Militär, begann auf Englisch zu schreiben, besuchte wieder Palästina – Köstler entschied sich schliesslich für Grossbritannien als sein Land der Zukunft, eine gewisse Verbindung zum revisionistischen Zionismus (> Herut, Likud) blieb. Das englische Original von “Diebe in der Nacht” kam 1946 heraus, ein Roman der teilweise auf seinen eigenen Kibbuz-Erfahrungen basierte, und der den entstehenden zionistisch-arabischen Konflikt aus zionistischer Perspektive darstellt. Irgendwann wandte er sich von Belletristik und Politik/Zeitgeschichte ab und naturwissenschaftlichen und parapsychologischen Themen zu, hier ist  “Roots of Coincidence”/”Wurzeln des Zufalls” (1972) hervor zu heben. Eines seiner letzten Bücher war “Der dreizehnte Stamm” (1976), in dem er den aschkenasischen Juden eine Abstammung von den Khasaren statt von den alten Israeliten zusprach. 1983 verübte er mit seiner Frau angesichts schwerer Krankheiten gemeinsamen Selbstmord in London. Posthum kamen Vergewaltigungsvorwürfe ihm ggü.

Benny Morris war einer der „neuen Historiker“ Israels, die mutig die Massaker und Vertreibungen der Nakba (die um die israelische Staatsgründung herum statt fand) untersuchten. Er wurde linientreuer israelischer Historiker, steht nun rechts der Mitte, rechtfertigt längst Vertreibungen von Palästinensern. Aber das ist längst nicht Alles. Auf einer dropthebomb-“Konferenz” 08 hat Morris (wie auch schon 07 in “Die Welt”) einen präventiven atomaren Angriff Israels auf den Iran gefordert, wegen dessen Atomprogramm. Wobei, die Einladung durch Grigat & Konsorten allein schon aussagt, wo und für was er steht. ”Ich denke, alle rundherum wären sehr ruhig danach“, so Morris damals über einen Nuklearkrieg gegen Iran. Die Iraner hätten das Regime zu verantworten und seien damit selber schuld. Widersprochen hat ihm dort niemand. Dort waren auch Leute, die propagieren, dass die Iraner eigentlich für “ihre Befreiung” seien, was auch auf ein Kriegs-Plädoyer hinausläuft, nur verkaufen ihn diese nicht als “Strafe” für Iraner, sondern “Befreiung”. Von ihm kommen am laufenden Band Kommentare, Prophezeiungen, Einschätzungen, die sich an Zynismus und an Rassismus und Verachtung ggü “Arabern” (oder was er dafür hält) übertreffen.

Morris selbst hat seinen “Wandel” so kommentiert, dass er seine Ansichten nach der palästinensischen Zurückweisung des Barak-Angebots in Camp David 2000 und dem Beginn der Zweiten Intifada bald danach geändert hätte. “My turning point began after 2000. I wasn’t a great optimist even before that. True, I always voted Labor or Meretz or Sheli and in 1988 I refused to serve in the territories and was jailed for it, but I always doubted the intentions of the Palestinians. The events of Camp David and what followed in their wake turned the doubt into certainty.” Die Palästinenser wollten Alles, habe er da gewusst. Während dieser Intifada bezeichnete er die Palästinenser dann als “wilde Tiere”, die weggesperrt werden müssten, am Holocaust haben sie praktischerweise auch Mitschuld,… Bei Morris sieht man, wie relativ das ist, was Windschuttle postuliert hat (und für sich in Abrede stellt), bei Morris änderten sich mit den Ansichten über die Palästinenser die “Forschungsergebnisse”, die “Befunde” über sie35, seine Texte sie betreffend. Dazu auch hier einige grundlegende Gedanken.

Ilan Pappe, einer jener neuen Historiker, die mutig weiterforschten in der eingeschlagenen Richtung, sagte über Morris, dieser habe dem Druck der in Israel auf ihn ausgeübt wurde, nachgegeben, darum gebeten, wieder in den Stamm aufgenommen zu werden, mache nun ein Mea culpa. Pappe selbst hat Israel unter diesem Druck verlassen. Jedenfalls wäre Morris bei Weitem nicht der einzige Zionist, der um 2000 seine Haltung (ggü Palästinensern usw) änderte, bzw bei dem “aus Zweifeln Gewissheit wurde”, die sich dann rühmten wie grosszügig und gleichzeitig naiv sie doch gewesen seien.

Sita Ram Goel (1921–  2003) war ein indischer Autor und Aktivist. Dass er Hindu war, hatte für ihn lange kaum eine Bedeutung. Er fühlte sich in seiner Jugend zu den Lehren von Karl Marx hingezogen, wollte der indischen kommunistischen Partei (CPI) beitreten. So wie Sri Aurobindo (Ghose) den Schlüssel zu einer harmonischen menschlichen Persönlichkeit bot, dachte Goel damals, stand Marx für ein harmonisiertes soziales System. Er stammt aus dem Punjab, studierte Geschichte (mit Abschluss) in Delhi, zog dann nach Kalkutta/ Kolkata – alles Gebiete in denen Hindus, Moslems und Andere zusammen lebten. Lange kämpfte man zusammen um die Unabhängigkeit Indiens von Grossbritannien. Gleichzeitig wurde aber eine Entzweiung zwischen Hindus und Moslems stärker, zwischen dem Indian National Congress (der eigentlich auch die Anliegen der moslemischen Inder vertrat) und der All-India Muslim League.36 Nach dem Wahlsieg der Labour Party unter Attlee in GB und der Wahl zur Legislativversammlung in Indien jeweils 1945, war die Unabhängigkeit Indiens bereits ziemlich nahe.

Mitte ’46 wurde in den Regionen Britisch-Indiens gewählt37, auf Grundlage dessen dann eine Verfassungsgebende Versammlung zusammengestellt, aus der eine provisorische Regierung gebildet wurde. Es gab im Sommer 46 Streit um einen (möglichen) Vorrang des INC bzw der Hindus, die Muslim League unter Mohammed A. Jinnah boykottierte die Konstituante.38 Jinnah rief Moslems in Indien für den 16. August zum “Direct Action Day” auf, der eigentlich aus Streiks und Demonstrationen bestehen sollte. In Bengalen, neben Punjab jenes Gebiet, in dem Hindus und Moslems am stärksten mit einander “verwoben” waren, wurde der Tag zu einer der Gewalt zwischen den Volksgruppen, hauptsächlich in Kolkata/Kalkutta, wo sich damals ja auch Goel aufhielt. Es ist natürlich umstritten, welche Seite angefangen hat, welche sich nur verteidigte und wer die meisten der an die 10 000 Opfer zu beklagen hatte. Der Tag war für die weitere Geschichte Indiens einschneidend und entscheidend; hier erst legte sich die Muslim League definitiv auf die Forderung nach einem eigenen Staat für Moslems in Indien fest, ab hier war nicht mehr die Unabhängigkeit im Vordergrund sondern die Teilung.39 So auch beim Engagement von Mochandas Gandhi.

Sita Goel schrieb später, er wäre am 16. August 1946 von einem moslemischen Mob gelyncht worden, wenn er sich nicht als Moslem verstellt hätte, was ihm durch seine Beherrschung von Urdu gelang.40 Am Tag danach brachte er sich und seine Familie in Sicherheit, so Goel in seiner Autobiografie “How I Became a Hindu” (erstmals 1982 veröffentlicht). Er wurde ausgesprochen anti-kommunistisch und zunehmend hindu-nationalistisch (auch unter dem Einfluss von Ram Swarup). Die meisten seiner Bücher schrieb er auf Englisch, weniger auf Hindi. Hervor zu heben ist etwa “The Story of Islamic Imperialism in India” (1. Auflage 1982). Auf der en.wikipedia-Seite über Goel sind am Ende bei “See also” Verweise zu Koenraad Elst, Oriana Fallaci, Robert Spencer, “Ibn Warraq”, Andrew Bostom, Srdja Trifkovic,… Man will aus ihm eine Ikone der Islamophobie machen. Über die Fallstricke bei der diesbezüglichen Einbindung des Hindu-Nationalismus steht in den Antisemitismus-Artikeln schon Einiges. Evangelikale wie “Pat” Robertson können ja auch Hinduismus und Buddhismus nicht akzeptieren, Goel wiederum hat sich als Kritiker des Christentums in Indien und generell hervor getan41; Vielen in diesen Milieus sind Inder an sich zu “orientalisch” und “dunkel”,… Es ist im Grunde das selbe wie mit Griechen ggü Türken, es gibt (westliche) Versuche, sie als “positive Antithese” zu deklarieren, sie werden dann aber doch immer wieder als ihnen (den Türken) zu ähnlich aufgefasst.42 Goel scheint sich nicht gedreht zu haben, um jemandes Anerkennung zu bekommen, schon gar nicht von Rassisten aus dem Westen.

Der politische Philosoph Pascal Bruckner, ein Franzose, ist etwas zu jung um ein bedeutender 68er zu sein, wurde in diesem Milieu aber politisch sozialisiert, blieb ihm die 70er hinweg treu. Er ist einer der Ex-68er die sich nach Rechts drehten. 1983 kam ein Buch von ihm auf den Markt, “Le Sanglot de l’Homme blanc” (Die Tränen des weissen Mannes), in dem er eine “antiwestliche”, “antiweisse” Haltung in der Linken beklagt. Der Titel ist abgeleitet von Ruyard Kiplings Gedicht “Des Weissen Mannes Bürde”, von dessen Geist ist Bruckner nicht so weit weg; damit hat er u.a. Michel Thomas (“Houellebecq”) beeinflusst. Zu Bedeutung kam er erst als Rechter, als „neo-reac“ der er geworden ist (so etwas wie “Neocons” in Frankreich), als Abendlandretter gegen Farbige, Moslems, Linke, mit/für Zionisten. Er spricht/schreibt von “islamo-gauchisme”, einer “Allianz” zwischen der areligiösen (westlichen) Linken und dem Islamismus. In “La Tyrannie de la Pénitence: Essai sur le Masochisme Occidental” beklagt er die Haltung westlicher Intellektueller, die aus “Schuldgefühl” ggü Vergangenem den Westen für Massen-Einwanderung öffnen würden, von Afrikanern und Moslems, welche eben diesen Westen (von “Innen”) zerstören könnten.

Das “Schuldgefühl” sei natürlich auch unangebracht, und eine damit verbundenen “Romantisierung” und “Viktimisierung” des “Südens”. Inzwischen sei “West-Hass” etwas zutiefst westliches. Gelobt sei die USA, wo man, anders als in Europa, noch nicht in “Selbsthass” versunken sei. Israel werde vom/im Westen ungerecht negativ beurteilt/behandelt, aus diesem “Schuldkomplex” heraus – den Holocaust versucht er nicht den Moslems “überzustreifen”, nein, aber jene die Israel kritisierten (im Westen), arbeiteten an einer Befreiung dieser historischen Schuld. Wenn er schreibt, Europa sei “der kranke Mann des Planeten”, könnte das auch von einem Islamisten sein. Wie er jetzt Westen/Europa definiert (gehört Russland dazu?,…), ob er Frauen- oder Homosexuellenanliegen als “westlich” sieht oder schon eine “Abweichung” von den westlichen Werten, oder Gruppen wie AfD/PEGIDA als in seinem Sinne..?

Alain Finkielkraut war in seiner Jugend in kommunistischen Gruppen aktiv, wurde ganz rechts (auch ein Abendlandretter), garniert seine reaktionären Haltungen wenigstens nicht mit Frauenrechtsengagement, steht zu einer gewissen Frauenfeindlichkeit. Bruckner arbeitet(e) passenderweise mit Finkielkraut zusammen, bläst in das selbe Horn wie Alexandre del Valle oder Pierre-André Taguieff. Ähnlich wie Bruckner hat sich André Glucksmann entwickelt, weniger reaktionär wurde Bernard Kouchner (der im französischen 68 schon wichtig gewesen war), bei Stéphane Courtois, dem Ex-Maoisten, dreht sich heute Alles um Antikommunismus (ohne Abendlandrettung), Renaud Camus oder Alain de Benoist43 waren nie links. Im “Cercle de l’Oratoire” werden sich die meisten der Genannten wahrscheinlich treffen. Regis Debray wurde ein moderater Konservativer bzw Mitte Links, Alain Geismar ist anscheinend nicht konservativ/rechts geworden.

Unter jenen Ostblock-Überläufern, die das nicht aus “Pragmatismus” taten, befindet sich Arkady Shevchenko. Der Ukrainer machte Karriere im diplomatischen Dienst der SU, wurde Vize-Generalsekretär der UN, Berater von Aussenminister A. Gromyko. Er wurde zur Zeit der Annäherung zwischen Ost- und Westblock in den 1970ern mit der SU-Politik unzufrieden; erwog Rücktritt und einen Versuch der Richtungsänderung in der SU, nahm dann aber mit der CIA in der USA Kontakt auf – die wollten, dass er weitermachte… Nachdem er 1978 in die SU zurückbeordert wurde, quittierte er den Dienst, blieb in der USA, machte sein Überlaufen öffentlich. Er war wahrscheinlich der höchstrangige Ostblock-Funktionär der das getan hat. Seine Frau in der SU machte nicht mit, starb dann unter ungeklärten Umständen; er bekam einen Prozess in Abwesenheit. Er starb 1998 in der USA an Leberzirrhose, nachdem er eine Autiobografie heraus gebracht hatte.

K. Wolf Biermann ist in Hamburg geboren, jüdischer Herkunft, wuchs in der DDR auf; nach einer Konzerttour durch die BRD 1976 wurde dem regimekritischen Liedermacher die Wiedereinreise verweigert und er ausgebürgert. So landete er wieder in Hamburg. In einem Interview hat er davon geredet, dass er auch danach noch an den Kommunismus geglaubt hat, irgend einen “wahren”, der im Ostblock nicht verwirklicht war – eigentlich ist nur dadurch hier nennenswert. Erst durch die Begegnung mit Manes Sperber in Paris sei ihm da etwas klar geworden. Er wurde ein spiessiger Ex-Kommunist, der es sich rechts gemütlich gemacht hat. 1998 trat er bei der CSU-Klausurtagung in Kreuth auf, am Kamin mit Waigel & Co. Merkel stuft er als nahezu ideale Politikerin ein, welche höchstens den Fehler gemacht habe, dem “Mehrheitsdruck des Mobs” beim Atomausstieg nachzugeben. Zu 25 Jahre Mauerfall 2014 hetzte er im Bundestag gegen die Linke, redete vom “Sieg über die Drachenbrut”.

Comer Vann Woodward (1908 – 1999) war ein US-amerikanischer Historiker, der sich hauptsächlich mit den Südstaaten der USA und mit Rassenbeziehungen beschäftigte. Woodward war ein Linksliberaler, Aktivist für Bürgerrechte. Von Bedeutung war v.a. sein Buch “The Strange Career of Jim Crow” (1955), in dem er das späte 19. Jh als Beginn der Rassentrennung in den Südstaaten ausmachte. Es heisst, aufgrund von Attacken von Neuen Linken auf ihn in den späten 1960ern “rutschte” er nach Rechts. Er engagierte sich gegen Kommunisten, im historischen akademischen Betrieb. Aber auch bezüglich des Rassischen änderte er seine Haltung, er schrieb ein Lob auf Dinesh D’Souza’s „Illiberal Education: The Politics of Race and Sex on Campus“. Es dürfte ihm allgemein um bzw gegen „politische Korrektheit“ gegangen sein.

Die deutsch-österreichischen “Anti”deutschen entstanden Anfang der 1990er, was schon mal eine Rechtswendung war (mehr als ein Richtungswechsel innerhalb der Linken). 2001 kam es zu einer Radikalisierung, zum Bruch mit anderen Linken, in vieler Hinsicht einer Abwendung vom Linken, seither zu weiteren Rechtsrucken.44 Auch “A”D-“Vordenker” bzw Bezugsfiguren wie “Jean Amery” (Hans Mayer) waren gewendete Linke. Die Führungsfiguren der ersten “A”D Anfang der 1990er kamen vorwiegendst vom (maoistischen) Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) und anderen K-Gruppen, so wie Matthias Küntzel. Auch hier stellt sich die Frage, ein Bruch mit der Ideologie oder konsequente Weiterentwicklung? Küntzel beansprucht, als Wissenschafter ernst genommen zu werden. Hans-Gerhart “Joscha” Schmierer war im SDS führend tätig, dann im KBW (bis zu dessen Selbstauflösung 1985); er ging zu den Grünen, wurde auch eine Art “A”D. Schmierer kam unter “Joschka” Fischer ins Aussenministerium, versuchte, seine früheren Positionen umzudeuten, und lobte George W. Bush.

Die “bahamas” hat ja bereits 09 die Bezeichnung “antideutsch” von sich gewiesen (> AS IV) und Manche in dem Milieu stehen auch dazu, rechts geworden zu sein, andere (noch) nicht. Deutschland-schelte hatte dort jedenfalls immer die Funktion einer Tarnung, für einen offenen, neuen, hässlichen Deutsch-Nationalismus. Sören Pünjer promotet zB die rechtsextreme britische Hooligangruppe “English Defence League” wie auch die FPÖ, bezeichnet Neofaschisten als “von links Getriebene”, was Demonstrationen gegen sie “immer lächerlicher und überflüssiger” mache. Maul schwärmt für die AfD, sieht das ja nicht als “Übertritt”, im Gegenteil… An solchen Fällen sieht man, wie nahe “Anti”deutsche und Recht(sextrem)e einander sind.45 Aber es gibt ja noch immer jene “Anti”deutschen, die sich als „Linksradikale“ sehen bzw präsentieren, Seite an Seite mit den offen Rechten agieren, so wie bei den drop-“Konferenzen”.46

Der Engländer Christopher Hitchens durfte als Journalist um die Welt reisen und seine Meinungen zu Geschehenem an Zeitungen schicken, die es veröffentlichten. In Zypern lernte er eine Frau kennen, mit der er dann Kinder hatte, in der USA blieb er länger, wurde auch ihr Staatsbürger. Politisch gehörte er in den 1960ern der Labour Party an, wurde mit Anderen ausgeschlossen, angeblich wegen Gegnerschaft zur Unterstützung des Vietnam-Kriegs durch Premierminister Harold Wilson. Hitchens war dann in kleinen trotzkistischen Gruppen aktiv. In späteren Jahren schrieb er hauptsächlich für die liberale amerikanische Wochenzeitschrift “The Nation”, Bücher, hielt Vorträge. Noch 2001 kam von ihm ein kritisches bzw angemessenes Buch über Henry Kissinger (“The Trial of Henry Kissinger”) heraus; der sich nicht zuletzt dadurch schuldig gemacht hat, dass er den Pinochet-Putsch in Chile, am 11. September 1973, unterstützt/ermöglicht hat. Nach den Anschlägen vom 11. 9. 2001 verliess er “The Nation”, ätzte dabei, dort sähe man John Ashcroft  (Bushs Justizminister) als grössere Plage denn Osama bin Laden.

Hitchens sprach/schrieb von “Faschismus mit islamischem Gesicht”, der von einer interventionistischen Politik (also einer Anglo-Weltpolizei) herausgefordert werden sollte. Er stellte sich auf die Seite von Bush und den Neokonservativen, begrüsste den Irak-Krieg, distanzierte sich von der Linken, die er in einer Art “Appeasement” sah – das war unter Linken in dieser Zeit gang und gäbe, besonders jenen die um 1968 herum politisch sozialisiert worden sind. Was er sich nicht fragte, ist warum man im Westen Bin Laden erst in den 1990ern als Problem aufgefasst/behandelt hat, und in den 1980ern mit ihm zusammengearbeitet, als er von Pakistan aus islamistischen Terror gegen Afghanistan und seine Regierung organisierte. Oder, bezüglich der Khomeini-Fatwa gegen Salman Rushdie, den er seinen Freund nannte: Wann der Westen in Ländern wie Iran (oder Türkei) jemals emanzipatorische Bewegungen/Herrscher/… unterstützt hat. Hitchens bestand aber darauf, kein Neocon geworden zu sein.

So wie er ein un-orthodoxer Linker gewesen war, wurde er dann auch kein orthodoxer Konservativer. In einem BBC-Interview 2010 gab er an, noch immer wie ein Marxist zu denken und sich als Linken zu betrachten. Mit Gore Vidal hat sich Hitchens jedenfalls in seinem letzten Jahrzehnt politisch-menschlich zerkracht. Und, seine “Ausweitung der Kampfzone” (nennen wir seine Wendung so, nach dem Titel eines Houellebecq-Romans) brachte ihm insgesamt eine Erweiterung seiner Leserschaft und seiner Anerkennung. Hitchens wurde aber Keiner, der das Abendland mit Israel-Unterstützung retten wollte und wurde auch “bzgl Frauen” nicht unbedingt politisch korrekt. Er, der teilweis jüdischer Herkunft war, blieb auch konsequent (und nicht selektiv) ein Atheist bzw eher Antitheist. Der starke Trinker und Raucher erlag der Krankheit, die sich daraus “ergab” 2011.

Auch George Robert Conquest47 zog es aus Grossbritannien in die USA und ihn definitiv vom Kommunismus weg. Er war zum Beginns eines Studiums in Oxford „offenes“ Mitglied in der Communist Party of Great Britain (CPGB) aber auch im Conservative Carlton Club. Als die CPGB den Kriegseintritt von GB 1939 als “imperialistisch” und “kapitalistisch” ablehnte, brach Conquest mit ihr. 1940 wurde er selbst in’s Militär eingezogen, blieb dort bis 1946. Danach arbeitete er für das Information Research Department (IRD) des britischen Aussenministeriums, im Zeichen von Propaganda-Bemühungen im beginnenden Kalten Krieg. Conquest blieb dem Anti-Kommunismus als Historiker/Politologe treu, zT in staatlichen Diensten. 1968 veröffentlichte er sein “Opus magnum”, „The Great Terror: Stalin’s Purges of the 1930s“, über die stalinistischen “Säuberungen” in der SU, die ja zB Köstler vom Kommunismus abgebracht haben.48 Er unterstützte die Holodomor-These, wonach der Hungertod von Millionen Ukrainern unter Stalin absichtlich in die Wege geleitet worden sei.

Seine wissenschaftliche Arbeit scheint eine Art Fortsetzung seiner Propaganda-Tätigkeit für das Aussenministerium in der Nachkriegszeit und in einem Militär-Geheimdienst in der Kriegszeit gewesen zu sein (auch wenn sicher viel Wahres dran ist an dem was er über den Terror Stalins schrieb). Conquest veröffentlichte auch, zusammen mit seinem Freund Kingsley Amis, die fünfbändige “Spectrum”-Reihe von SF-Anthologien. In „What to Do When the Russians Come: A Survivor’s Guide“ entwickelt er die Idee einer Besetzung der USA durch die Rote Armee…49 Conquest war Mitglied bei konservativen Denkfabriken wie dem Center for Strategic and International Studies. Er kritisierte auch linke Persönlichkeiten im Westen, wie Jean-Paul Sartre und Bertolt Brecht, als “Apolgeten Stalins”. Er wirkte an der Stanford-Universität in Kalifornien, bekam von Bush 05 einen USA-Orden, zusammen mit Aretha Franklin und Alan Greenspan. Dafür war Hitchens vermutlich noch zu jung und ausserdem insgesamt zu un-konservativ geworden. Der bekam bei seinem Tod eine Würdigung von GB-Premier Blair. Conquest ist ein Beispiel für einen Kommunisten der ein Anti-Kommunist wurde, wobei nicht ganz klar ist, inwiefern er, als Student, einer geworden war.

Salvatore „Sonny“ Bono, Italo-Amerikaner, war Pop-Sänger, Partner von „Cher“ (Cherilyn Sarkisian) in der Hippie-Zeit. Er ging in die Politik nachdem er beim Versuch, in Palm Springs (California) ein Restaurant zu eröffnen, von der Bürokratie der Gemeinde frustriert worden war. Und zwar über die Republikanische Partei. Zunächst, 1988, liess er sich zum Bürgermeister von Palm Springs wählen. 1992 dann die Wahl in’s Repräsentanten-Haus nach Washington. Ausserdem ging er noch zu Scientology… 1998 starb er nach einem Unfall beim Ski-Fahren in Kalifornien. Seine Frau Mary Bono sagte, er sei süchtig von Medikamenten wie ” Vicodin” (siehe) und “Valium” gewesen, dies habe ihrer Ansicht nach den Unfall ausgelöst. Sie folgte ihm ’98 als Abgeornete in dem Wahlkreis.

Jay V. „Whittaker“ Chambers (1901-1961) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Redakteur, der sich angesichts Stalins Wirkens vom Kommunismus abwandte und eine scharfe Rechtswendung machte, zu einem Repräsentanten des Antikommunismus wurde. Er wurde (1925) Mitglied der CPUSA und spionierte für die SU (1932-1938). Es war auch bei ihm in erster Linie Stalins Vorgehen gegen Kommunisten, die ihn umdenken liessen. Chambers’ Freundin und Ko-Spionin Juliet Stuart-Points (Mitgründerin der CPUSA) reiste in den späteren 1930ern in die SU, als durch Stalins „Säuberungen“ auch einige ihrer Freunde getötet wurden, überlebte die Reise, trat danach anscheinend aus der Partei aus…und verschwand 1937 in New York City. 1939 bekam Chambers, nunmehr Ex-Kommunist, eine Stelle beim “Time”, stieg dort bis zum Chefredakteur auf, und schrieb scharf antikommunistische Artikel. Auch das Christentum soll er (wieder)entdeckt haben.

Nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt) 1939 erzählte Chambers dem amerikanischen Vize-Aussenminister Adolf Berle, was er von den kommunistischen Aktivitäten in der USA wusste. Nachdem der junge Abgeordnete Richard Nixon auf ihn aufmerksam geworden war, sagte Chambers 1948 darüber vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) aus, einem Untersuchungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses50. Er nannte dabei auch den Namen des Regierungsbeamten Alger Hiss. Der wehrte sich gegen die Beschuldigungen der kommunistischen Spionage u.a. mit “Vorwürfen”, Chambers sei homosexuell. Chambers musste in den beiden Prozessen gegen Hiss 1949/50 aussagen, verlor in dieser Zeit seine Stelle bei “Time”. Er unternahm einen Selbstmordversuch, brachte seine Autobiografie heraus, wurde Herausgeber der “National Review”. Ronald Reagan verlieh ihm posthum 1984 die “Presidential Medal of Freedom”.

Der US-Amerikaner Jerry Rubin war in den 1960ern an der Universität in Berkeley politisch engagiert, war einer der Gründer der Youth International Party (YIP) bzw der Yippies, zusammen mit Abbot “Abbie” Hoffman (wie Rubin jüdisch). Rubin spielte eine wichtige Rolle bei den Demonstrationen gegen das Establishment der Democratic Party anlässlich des DP-Parteikonvents in Chicago 1968. Demos die sich hauptsächlich gegen den Vietnam-Krieg bzw das amerikanische Mitmischen (Johnson/Humphrey) richteten. Nach dem Ende des Vietnam-Krieg 1973 (Rückzug USA) bzw 1975 (ganz) wurde Rubin Geschäftsmann. Die ersten 68er (ob Hippies oder Yippies/Spontis), die eine “Wende” machten, taten dies bereits in den 1970ern, Jerry Rubin war einer davon. In den 1980ern machte er mit Abbie Hoffman eine Diskussionstour namens “Yippie versus Yuppie”. Rubin sagte dort, dass die Gegenkultur durch den Missbrauch von Drogen, Sex und Privateigentum “schaurig” geworden sei, und dass die Erreichung von Wohlstand für Alle die wahre “amerikanische Revolution” sei. Daniel Cohn-Bendit hat über diese Debatten geschrieben, sie diskutierten miteinander und verweigerten gleichzeitig, sich zu verstehen, es handle sich um eine “Taubstummendiskussion”. Als Hoffman 1989 Selbstmord verübte, kam Rubin zu dessen Begräbnis. 1994 wurde er beim Überqueren einer Strasse von einem Auto erfasst und getötet. Noch etwas über Rubin und seinen Wandel

Charlton Heston (früher John C. Carter) war ja in seinen späteren Jahren ein Aushängeschild der Waffenlobby NRA und für weitere rechte (republikanische) Anliegen. Weniger bekannt (bzw schon sehr lange her) ist, dass er einmal typischer Unterstützer liberaler (demokratischer) Anliegen war. Heston/Carter, der in der Schlusssphase des 2. WK im Militär der USA zum Einsatz kam und sich wenige Jahre später in Hollywood durchsetzte, war in den 1960ern Unterstützer der Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner, die nach dem Ende der Sklaverei ein Jahrhundert auf formale Gleichberechtigung “warten” mussten, nahm am Bürgerrechtsmarsch 1963 teil. Ende der 1960er setzte er sich auch für Einschränkungen von Waffen”freiheit” in der USA ein… 1965 bis 1971 war er Präsident der Screen Actors Guild, eine der Kino-Schauspieler-Gewerkschaften. In der Präsidenten-Wahl 1968 unterstützte Heston nach der Ermordung von Robert Kennedy Hubert Humphrey, den konservativsten der verbliebenen Kandidaten der DP, aber immer noch einen Demokraten. 1969 wurde er von dieser Partei gefragt, ob er für einen der Senats-Sitze von Kalifornien kandidieren würde, gegen George Murphy (RP), einen anderen Schauspieler.

In seiner Autobiografie “In the Arena” (1995) erzählt Heston, dass er bei einer Autofahrt eine Reklamewand mit einer Wahlwerbung für Barry Goldwater sah, das muss 1964 gewesen sein, als dieser für die Präsidentschaft gegen Johnson kandidierte. Die Aufschrift: “In Your Heart You Know He’s Right”; er habe damals zu sich selbst gedacht “Eigentlich hat er Recht”. Wenn das so war, dauerte es aber noch etwas, bis sich das bei ihm durchsetzte. Er hat sich nämlich erst 1972 zur “GOP” hingewendet, nicht zuletzt aus Abneignung gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten dieses Jahres, George McGovern. Demnach hat er 1972 Richard Nixon gewählt (aber noch nicht öffentlich unterstützt). Eigentlich waren die Republikaner ja die linkere der zwei amerikanischen Grossparteien, die Partei die für die Abschaffung der Sklaverei war und diese (unter Präsident Lincoln) umsetzte. Die diesbezügliche Verschiebung vollzog sich etwa in der Zeit von 1910 bis 1968, in der Zeit von Theodore Roosevelt bis Lyndon Johnson. Entscheidend dabei war die Präsidenten-Wahl 1964. Der RP-Kandidat 1964, Goldwater, bekannte sich “in Theorie” zu “Desegregation” (also gegen die Apartheid in den Südstaaten), seine Gegnerschaft zu Bürgerrechtsgesetzen erklärte er damit, Föderalist zu sein, der gegen “Einmischung” der Bundesregierung in Angelegenheiten der Bundesstaaten sei.51

Goldwaters wichtigster RP-interner Gegenkandidat ’64 war Nelson Rockefeller, Gouverneur von New York, der den Nordstaaten-Republikaner repräsentierte. Bei der Wahl 64 gewann Goldwater mehrere Staaten des Südens52 mit seiner Wahlkampagne gegen das in diesem Jahr (unter seinem Gegenkandidaten Johnson) erlassene Bürgerrechtsgesetz. Konservative Weisse im Süden zog es damals zur RP, ebenso solche Politiker, wie Strom Thurmond, die RP wurde die rechtere der beiden Parteien, und die Afro-Amerikaner zog es zur DP. Bei der Wahl 68 machte Nixon eine verklausulierte Kampagne, wenn er über “law and order” sprach, meinte er (meistens) die Afro-Amerikaner. Um zu Heston zurück zu kommen, der hatte den Vietnam-Krieg (bzw das US-amerikanische Mitmischen bzw Anheizen) in dessen früheren Stadien noch abgelehnt, Anfang der 1970er änderte er auch hier seine Meinung; 1973 zog sich die USA unter Nixon ja von dort zurück.

In den 1980ern unterstützte Heston Ronald Reagan, das Recht aus Waffenbesitz, wurde Mitglied der RP,… Er sagte dazu, “I didn’t change. The Democratic Party changed.” Ganz ähnlich hat es Reagan selbst formuliert (> Politiker die von der DP zur RP wechselten), der etwa 10 Jahre vor Heston, damals selbst noch Schauspieler, das politische Lager wechselte. Das stimmt sogar i-wie (s.o.), aber Heston hat sich ja auch gedreht (s.u.). 1998 bis 2003 war er Präsident der Waffenlobby National Rifle Association (NRA). Ehe er sich aufgrund seiner Alzheimer-Krankheit aus der Öffentlichkeit zurückzog. Bei der NRA-Convention 2000 machte er “natürlich” Wahlwerbung für George Bush, hob ein Gewehr über seinen Kopf und erklärte dass ein Präsident Al(bert) Gore dieses (nur) aus seinen kalten, toten Händen wegnehmen (können) werde. Als ob es bei strengeren Waffengesetzen um solche historischen Flinten gehen würde und nicht um Waffen wie jene, die beim Schulmassaker von Columbine (Colorado) 1999 verwendet wurden… Elf Tage nach diesem Amoklauf fand, wie geplant, die Jahresversammlung der NRA in Denver (ebf. Colorado) statt. Der Vater eines Columbine-Opfers sagte bei einer Demonstration dort „Es gibt viele verantwortungsvolle Waffenbesitzer. Aber es ist an der Zeit zu begreifen, dass eine halbautomatische TEC-9-Waffe53 nicht zur Wildjagd genutzt wird.“54 Für den Dokumentationsfilm “Bowling for Columbine”55, der 2002 herauskam, interviewte Michael Moore Heston.

Dort sagte Heston zu Gründen der Schusswaffen-Gewalt in der USA, “we have probably more mixed ethnicity”.56 Die Gewaltkriminalität in der USA hat sicher damit zu tun, dass ein Teil der Bevölkerung jahrhundertelang (vor der Staatsgründung schon) als Sklaven leben musste, und über die Befreiung davon hinaus lange als Bürger zweiter (dritter?) Klasse behandelt wurde (zT noch wird); das zeigt sich ja zB bei der Lynchkriminalität gegen Afro-Amerikaner. Und das Nebeneinander von Arm und Reich in diesem Land ist eine Folge dieser Behandlung/Diskriminierung, und eine Grundlage für diese Gewaltkriminalität; die meisten Amokläufer sind aber Weisse. In Reden/Interviews in seinen späten Jahren hat Heston in der Regel Politisches und Rassisches vermischt, in unappetitlicher Weise, dabei stellte er Weisse, besonders rechte rurale protestantische männliche heterosexuelle, als eigentlich Unterdrückte der USA dar, als Missverstandene, Nicht-Geschätzte, Opfer einer political correctness, eines “Kulturkrieges”. Wenn sein Rechtsruck tatsächlich um 1972 erfolgte, war er damals 50 Jahre alt, was die These vom Alters-Faktor dabei stützen könnte. 2008 konnte das Gewehr aus seinen kalten, toten Händen entnommen werden.

Elizabeth Terrill-Bentley (1908 – 1963) war eine US-amerikanische Spionin für die SU, von 1938 bis 1945. 1945, als der Kalte Krieg bereits im Entstehen war, verliess sie die CPUSA und den damaligen SU-Geheimdienst NKGB, dann wurde sie eine Informantin für USA-Behörden. Sie enttarnte ein “Netzwerk” von etwa 80 Amerikanern die dort für die Sowjetunion arbeiteten, heisst es. Sie war zur SU “übergelaufen” als diese noch kein richtiger Feind für die USA war, “kehrte zurück” als sie dies wurde.

Es gab im früheren Jugoslawien Jene, die beim Auseinanderfall den “Kommunismus verliessen” (in gewisser Hinsicht bedingte das den Auseinanderfall), und jene die das schon vorher taten. Wenn man die Präsidenten der Teil-Republiken zur Zeit des Auseinanderfalls 1991/92 nimmt, Tudjman und Izetbegovic gehören zur ersteren Katgorie, Milosevic, Kucan, Gligorov, Bulatovic zur zweiteren. Franjo Tudjman war bei den Partisanen und in der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) aktiv gewesen; an einem Punkt sah er Kroatien in einem sozialistischen Jugoslawien nicht mehr gut aufgehoben und kam in Dissidenz zu diesem. Seine Geschichtsauffassung und sein politisches Engagement bedingten einander, wie schon hier angemerkt. 1989/90 gründete er die christlich-konservative-nationalistische HDZ mit; bei der Wahl zum kroatischen Parlament im Frühling 1990 siegte diese, das Parlament wählte Tudjman zum Präsidenten Kroatiens, noch immer Teilrepublik Jugoslawiens.57 1991 die Unabhängigkeits-Erklärung, dann der Krieg gegen die Abspaltung der mehrheotlich serbisch besiedelten Gebiete Kroatiens. Anton Tus, unter dem die kroatischen Streitkräfte entstanden (im Krieg), war General der jugoslawischen Luftwaffe gewesen, und wenn kein überzeugter Kommunist, zumindest Partei-Mitglied.

Wie im entsprechenden Artikel bereits geschrieben, Überlaufen zur “Gegenseite” stand am Anfang und am Ende von Jugoslawien, das betraf Politiker, Militärs,… Eine Reform Jugoslawiens scheiterte 1990/91, und der Auseinanderfall 1991/92 wurde blutig, nachdem die Volksgruppen nicht fein-säuberlich nach Teilrepubliken aufgeteilt waren. Soldaten liefen zT in Kriegen über, von der JNA zur entstehenden Armee ihrer unabhängig werdenden Republik. Nachdem sich die Delegationen aus den Teil-Republiken am Parteitag der kommunistischen Partei SKJ nicht auf eine Reform von Land/Partei einigen konnten (1990), war diese Partei bzw der Kommunismus/Sozialismus kein einigendes Band mehr. Slobodan Milosevic, seit 1989 Präsident Serbiens, machte es ähnlich wie Racan in Kroatien, die Teilorganisation der KP in Serbien (SKS) wurde in eine eigenständige, sozialdemokratische Partei umgewandelt, in diesem Fall die SPS. Milosevic agierte aber nationalistischer als die nationalistische Opposition in Serbien (und war auch nicht bereit, Macht abzugeben). Für ihn bekam die Schaffung eines Gross-Serbiens Priorität über den Erhalt (eines serbisch dominierten bzw zentralistischen) Jugoslawiens, damit setzte er sich auch bezüglich der JNA durch.

Milosevic, der Machthaber im späten Jugoslawien, und dann in Rest-Jugoslawien wurde58 ist gewissermaßen der Prototyp Jener im YU-Raum, die sich Anfang der 1990er vom Kommunismus ab- und dem (ihrem) Nationalismus zuwandten. Jenem Kommunismus, den Tito ggü der SU bzw dem Ostblock behaupten wollte, weshalb er (ab) 1948 mit Stalin brach. Ein Wendehals? Wie schon hier angemerkt, Präsident von “Rest”-Jugoslawien (der Bundesrepublik YU) wurde 1992 der Schriftsteller Dobrica Cosic. Dieser hatte sich im 2. Weltkrieg den Partisanen angeschlossen, weil er glaubte, dass der Kommunismus den serbischen Interessen am besten diente. Aus dem selben Motiv wandte er sich um 1968 vom kommunistischen System ab – es soll ihm damals primär um (gegen) die Autonomie von Kosova und Vojvodina innerhalb Serbiens gegangen sein. Ante Markovic, ein kroatischer Bosnier, wurde 1989, noch als Kommunist bzw SKJ-Mann, Ministerpräsident Jugoslawiens; 1990 gründete er eine neue Partei (SRSJ), mit dem Ziel, Jugoslawien zu reformieren (und zu erhalten). Auch eine Abwendung vom Kommunismus also, aber nicht hin zum Nationalismus.

Beim amerikanischen Historiker Eugene D. Genovese (1930-2012) gibt es starke Parallelen zum genannten Woodward. Auch er war Historiker mit Focus auf dem Südosten der USA und ihrer Sklaverei. Er nahm vielleicht weniger “Partei” als Woodward, brachte aber eine marxistische Perspektive ein. Kam daher in den 1960ern unter Beschuss von rechten Politikern wie Richard Nixon. Mit „The Southern Tradition: the Achievements and Limitations of an American Conservatism“ (1994) wurde ein Wandel im Denken Genoveses sichtbar, bezüglich seines Forschungsobjekts (Südstaaten,…) und darüber hinaus. Der Kritik am Kapitalismus blieb er treu, aber in seinen späteren Jahren sah er die Sklavenhalter des Südens gewissermaßen auch als sein Opfer, nahm den Konservativismus des Südens an; den agrarischen Patriarchalismus, als positives Gegenstück zum Arbeitsethos der “liberalen”, industriellen Demokratie des Nordens (der USA), die für den Kapitalismus steht. Diese Wendung schloss auch eine “Rückkehr” in die Katholische Kirche mit ein. Seine Frau Elizabeth Fox-Genovese, ebenfalls Historikerin, ging diesen Weg mit ihm.

Einige prominente/führende 68er landeten ganz rechts aussen; nicht bei den “Anti”deutschen sondern im Milieu von NPD und “Junge Freiheit”. Horst Mahler und Bernd Rabehl bei der NPD. Mahler kam als Rechtsanwalt zur RAF, dann ins Gefängnis; gegen Ende der 1990er wandte er sich zum Rechtsextremismus/ Deutschnationalismus. Eine Art Coming out war die Laudation für den Sozialphilosophen Günter Rohrmoser, die er 1997 bei dessen Geburtstagsfest hielt.59 Er schloss sich (für einige Jahre) der NPD an, zog nach Brandenburg (weniger Ausländer dort). In einer seiner Erklärungen für seinen Weg sagt er, Heimat sei eben eine Grundkonstante des menschlichen Seins. Ende der 00er-Jahre stand er andauernd vor Gericht, wegen Holocaust-Leugnung und Anderem, ist seither meist im Gefängnis, war zeitweise auf der Flucht, ist gesundheitlich angeschlagen. Es muss Schluss mit dem deutschen Selbsthass sein, so Mahler.

Auch Bernd Rabehl war ein linker Akademiker, vollzog Ende der 1990er einen Schwenk nach Rechts, wegen „kultureller Überfremdung“ und so. Günter Maschke war wie Mahler und Rabehl im SDS aktiv gewesen; und in der (seit 1956 illegalen) KPD, und mit Johanna Ensslin, der Schwester von Gudrun, verheiratet. Die Fahnenflucht vor seinem Bundeswehr-Dienst “trieb” ihn über Österreich (R. Schindel) nach Cuba. Die Zeit dort, 1968/69, brachte eine erste Abwendung von der Linken, Rückkehr in die BRD, Arbeit als Journalist (“FAZ”,…). In den 1980ern eine zweite Rechtswendung, seither schreibt er für Zeitungen wie “Staatsbriefe” oder Bücher im Antaios-Verlag. wiki: „Die antirevolutionäre Wende ging einher mit dem Studium des Werkes von 60 Carl Schmitt“. Zusammen mit dem ebenfalls vom Links- zum Rechtsextremismus gewechselten Horst Mahler veröffentlichte Günter Maschke 1998 eine Erklärung zur Bewegung von 1968, worin sie dieser eine nationalrevolutionäre Deutung geben. So ähnlich hat es Rabehl auch ausgedrückt.

Nicht alle Ex-68er sind natürlich so weit nach rechts gerückt wie Rabehl oder Röhl; aber Hans M. Enzensberger oder Stefan Aust sind auf eine andere Art auch sehr reaktionär geworden. Der Bayer Enzensberger, der auch mit Maschke (bevor dieser ganz rechts wurde) zu tun hatte, konnte 03 auch nicht widerstehen, Bush und seinem Irak-Krieg zu bejubeln, und das auch noch mit moralischer Geste.61 Stefan Aust (früher „konkret“, später „Spiegel“, Springer) hat den “Spiegel” einer gewissen Selbstüberhöhung bzw einem Chauvinismus geöffnet, mit Titeln wie „Stille Islamisierung Deutschlands“ (nach der zurückgenommenen Entscheidung einer Richterin) oder „Unverschleierte Würde des freien Westens“, Autoren wie Broder. Vorgänger von Aust als “Welt”-Herausgeber war Thomas Schmid, auch mal 68er, dann Grüner. Die Freunde Fischer und Cohn-Bendit haben einigermaßen die “Balance gehalten”, auch wenn Ersterer nach seiner politischen Karriere Berater vom Gross-Kapital (bzw seiner Besitzer) geworden ist, USA- und IL-Freund. Wolfgang Kraushaar zeigt mit seiner Laufbahn, seinem Engagement, auch, was aus der „Bewegung“ so geworden ist, er ein konformistischer Bundesrepublikaner.

Elia(s) Kazan(zoglou) wurde 1909 in Istanbul, damals Osmanisches Reich geboren, in eine griechische Familie (aus Kappadokien)62. Während des 1. WK Auswanderung in die USA, wurde Schauspieler (Theater), Regisseur > Hollywood. In seinen 20ern, von 1934 bis 1936, war er Mitglied der CPUSA, in New York; nach eigener Aussage verliess er die Partei aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts – der aber erst 1939 war. Er wurde nicht wirklich rechts; aber: er musste 1952 vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) aussagen, dem Untersuchungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses, der v.a. Anfang der 1950er eine “Hexenjagd” auf Kommunisten (?) in Hollywood veranstaltete. Kazan sollte Kommunisten unter Schauspielern/Regisseuren aus seiner Zeit in der CPUSA nennen, weigerte sich zunächst, Namen zu nennen, nannte dann 8 frühere Theater-Kollegen, wie Clifford Odets, der die Partei zur selben Zeit wie er verliess. Die Personen waren dem Ausschuss bereits bekannt, dennoch haben ihm Viele v.a. in Hollywood die Aussage nicht verziehen, diese als Denunziation gesehen.63

Übertritte von Politikern der Democratic Party zur Republican Party der USA sind meist keine so grosse Sache, kein so grosser Schritt, da die beiden US-amerikanischen Grossparteien nicht so weit auseinander sind, bzw die Democrats nicht wirklich links. Zur diesbezüglichen Verschiebung, siehe den Heston-Abschnitt. Ronald Reagan sagte mal, er habe die Democratic Party nicht verlassen, sie habe ihn verlassen. Er stieg 1962 zur RP um. Es ist die Rede von “Reagan Democrats”, Demokraten die 80 und 84 für ihn stimmten, hauptsächlich Weisse im Süden sowie Arbeiter im Norden. Und ziemlich am Beginn des Artikels war ja von zwei ehemaligen Black Panthern die Rede, die unter Reagan RP-Anhänger wurden, sie sind nicht die einzigen ehemals Linksextremen, auch Rubin wird dazu gehören. John Connally, Strom Thurmond, Elizabeth Dole, “Rick” Perry, Jesse Helms, Trent Lott, Philip Gramm, Jeane Kirkpatrick, David Duke, Condoleeza Rice sind Politiker die von der DP zur RP wechselten. In der Aufzählung sind jene bis Lott solche, die aufgrund der genannten Verschiebung im politischen Koordinatensystem das Lager wechselten. Joseph Lieberman wurde 06 ein Unabhängiger, nachdem er die Untertützung seiner Partei für die Wiederkandidatur zum Senat in Connecticut nicht bekam, war zumindest 2008 ein grosser Unterstützer vom RP-Präsidenten-Kandidaten John McCain.

Günter Schabowski machte im November 1989 bei einer Pressekonferenz in Ost-Berlin irrtümlich falsche Angaben zum geplanten Reisegesetz der DDR, löste damit ungewollt die Grenzöffnung (“Mauerfall”) am selben Tag in Berlin aus. Schabowski, damals eine Art Regierungssprecher, vorher u.a. Chefredakteur der Regimezeitung “Neues Deutschland”. Er verlor dann Anfang Dezember 89 seine Macht bzw Position, durch den geschlossenen Rücktritt von Politbüro und Zentralkomitee der SED; bald darauf wurde er von der SED auf dem Parteitag auf dem sie sich in PDS umbenannte, mit anderen bisherigen Grössen ausgeschlossen. Im wiedervereinten Deutschland (oder der vergrösserten BRD?) musste er als Redakteur bei Kleinblättern neu anfangen; und er musste sich in den Politbüro-Prozessen, die ab 1992 liefen, verantworten, bekannte sich zu einer Mitverantwortung für das DDR-Regime. Er verbrachte schliesslich 1999/2000 ein knappes Jahr im offenen Strafvollzug. Danach leistete er Wahlkampf für die CDU, kritisierte die PDS. Die PDS-Spitzenpolitikerin Petra Pau hielt Schabowski vor, vom 150-prozentigen Kommunisten zum 150-prozentigen Antikommunisten mutiert zu sein.64 Da er sich aktiv vom Kommunismus abgewandt hat, ist er relevant für diesen Artikel.

Oleg A. Gordijewski (Gordievsky) trat 1963 in den KGB ein und wurde 1974 vom britischen Geheimdienst MI6 angeworben, agierte fortan als Doppelagent. 1982 wurde er stellvertretender Resident des KGB in London, informierte den MI6 über die sowjetische Fehlinterpretation des NATO-Manövers “Able Archer 83” als potentiellen atomaren Erstschlag gegen die Sowjetunion. Dies soll dazu geführt haben dass das Manöver nicht bis ins letzte Detail ausgespielt wurde. Dann war es aber ein “Maulwurf” bzw Doppelagent im CIA, Aldrich Ames, der ihn enttarnte.65 Als Gordijewski 1985 plötzlich in die SU zurück beordert wurde, riet ihm die MI6 zum “Desertieren”. Der KGB-Oberst hörte aber nicht, wurde nach der Ankunft verhört (und natürlich seines Postens enthoben), dann aber nicht eingesperrt, sondern überwacht. Dennoch gelang es ihm, einen mit dem MI6 abgemachten Fluchtplan zu aktivieren, die Sache lief Berichten zufolge wie in einem Agentenkrimi und über die finnische Grenze. Neben Arkady Shevchenco (>) ist er wohl der höchstrangige bekannte SU-Überläufer. Inwiefern er an den Kommunismus geglaubt hat und dann davon abkam, zu Gunsten einer anderen, “rechteren” Ideologie, ist aber auch hier nicht so leicht auszumachen.66

Joseph Roth, ein galizischer Jude, der nach Wien ging, dann nach Berlin, ein Trinker, wandte sich in der Zwischenkriegszeit vom Sozialismus ab und dem Monarchismus zu. Die Wandlung dürfte sich 1925/26 vollzogen haben. de.wikipedia dazu: “Uwe Schweikert … ordnet Roth im Nachhinein als Sozialromantiker ein und beschrieb seine spätere Abkehr von linker Position als typisch für einen nicht genügend durch sozialistische Theorie gefestigten bürgerlichen Intellektuellen.” Jedenfalls kam es bei ihm zu einer nachträglichen Verklärung der Habsburger-Monarchie, auch in seinem literarischen Werk, wie “Radetzkymarsch” (1932) und “Kapuzinergruft” (1938). Je mehr sich die Diktatur in Österreich und Deutschland festsetzte, ab 1933, desto mehr dürfte sich diese Haltung verhärtet haben. Aus dem Berliner Exil sah er auch klar den Unterschied zwischen der Strenge Preussens und der österreichischen “Lässigkeit”. 1933 ging er nach Paris, wo er 1938 starb. Anscheinend war nicht ganz klar, ob er zum Katholizismus übergetreten war.67

Ryszard Kuklinski war Offizier der polnischen Armee, und anscheinend überzeugter Kommunist. Um 1970 änderte er seine Haltung, u.a. wegen der Niederschlagung des Prager Frühlings. 1972 diente er sich auf einer dienstlichen Auslandsreise dem CIA an. 1981 beendete er das “Doppelspiel” und setzte sich in die USA ab.

(Ehemalige) Grüne, die rechts wurden: Schmierer, der bei den “Anti”deutschen behandelt wurde, hätte auch hier hin gepasst.68 Und Schily der hier vermerkt ist, zu den Ex-68-ern. 2008 trat die ehemalige Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Margareta Wolf aus Brandenburg bei den Grünen aus, wegen deren Haltung zur Atomkraft. Sie war intern in “Bedrängnis” geraten, weil sie für einen Kommunikationsberater arbeitet, der auch Öffentlichkeitsarbeit für die Atomenergie-Lobby macht. Wolf sagte: “Ich sage nur, man kann nicht aus opportunistischen Gründen die Kohle ablehnen, weil sie klimaschädlich ist, und gleichzeitig die Kernkraft abschalten wollen.” Die Behauptung, nur aus erneuerbaren Energien könne die Energieversorgung einer Industrienation wie Deutschland sichergestellt werden, grenze an “Volksverdummung”. Mit ihrer Tätigkeit habe diese Auffassung nichts zu tun. Sie sei “nur ganz am Rande” für den “Arbeitskreis Kernenergie” tätig. Sie wurde allerdings eindeutig eine Atomenergie-Lobbyistin.

Matthias Berninger aus Hessen, wie Wolf ein “Realo”, wie diese in der schwarz-grünen „Pizza-Verbindung“ (Nähe zu Missfelder…), und unter Schröder/Fischer Parlamentarischer Staatssekretär gewesen, natürlich wirtschaftsliberal, wurde ebenfalls Lobbyist, für den Nahrungsmittelkonzern Mars, dann für Bayer. Er hat die Partei aber anscheinend nicht verlassen. Für Jutta Ditfurth, die 1991 mit dem Hardcore-“Fundi”-Flügel bei den Grünen austrat, waren diese allesamt zu angepasst, grundsatzlos, “verdorben”,… Sie selbst ist inzwischen eine “Anti”deutsche und damit wahrscheinlich rechts von diesen Grünen-Rechtsabweichlern. Otto Schily hatte vor seiner Zeit bei den Grünen die als Anwalt von RAF-Leuten; wie nahe er dieser “Szene” stand, sei dahin gestellt. Ende der 1980er ging er jedenfalls zur SPD, dort dann zum rechten Flügel. Bei Hubert Kleinert, in den 1980ern ein enger Fischer-Mitarbeiter im Bundestag, ist auch nicht klar, ob er die Grünen verlassen hat. Er steht jedenfalls in mehrerer Hinsicht für einen rechts-gewendeten Grünen. Was Ilka Schröder nun macht, das Wohlstandskind das sich über Hetze gegen Palästinenser zu profilieren trachtete? Jürgen Trittin nimmt inzwischen an Bilderberger-Treffen teil.

Wo Antje Hermenau inzwischen steht? So weit rechts wie Vera Lengsfeld, die zur Zeit der Wende zu den Ost-Grünen ging (dann zur CDU, dann nach ganz rechts)? Zur Volkskammer-Wahl im Frühling 1990, der letzten und einzigen freien, waren vier grüne Gruppierungen entstanden, die in zwei “Listen” antraten: Bündnis 90, bestehend aus dem Neuen Forum (NF)69, der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) und Demokratie Jetzt (DJ), und kam auf 2,9%. Die Grüne Partei in der DDR und der Unabhängige Frauenverband  (UFV) kamen gemeinsam auf 2%. Zusammen bildet man eine Fraktionsgemeinschaft (Bündnis 90/Grüne), schloss sich dann zu einer Partei zusammen und diese mit den West-Grünen.70 Unter den Grünen-Volkskammer-Abgeordneten befanden sich Joachim Gauck (NF), Vera Wollenberger (Grüne/UFV), Marianne Birthler (IFM), Jens Reich (NF), Matthias Platzeck (Grüne/UFV)71, Günter Nooke (DJ),… Die antikommunistisch geprägten Ost-Grünen und die neo-linken West-Grünen trennt(e) so Manches.72 Gauck war unter jenen 144 VK-Abgeordneten, die nach der Vereinigung in den BT übernommen wurden, aber nur für einen Tag, dann wurde er Regierungsbeauftragter für die Aufarbeitung der “Stasi”-Unterlagen; er war immer überparteilich(-konservativ) unterwegs, B’90 war damals keine Partei ieS. Die Thüringerin Wollenberger, seit 1991 wieder Lengsfeld, gehörte dem Bundestag von 1990 bis 2005 an.73

Lengsfeld, Nooke und andere Ost-Grüne traten 1996 zur CDU über, weil sie bei ihrer Partei zu wenig Abgrenzung zur PDS sahen.74 Lengsfeld schreibt heute für die AfD75, ist Verteidigerin von Martin Hohmann, auf Broders “Achse des Guten”, Initiatorin einer Anti-Einwanderungs-Erklärung76. Stellt sich die Frage, welcher dieser (vier) Fakten eine rechtere Gesinnung ausweist… Aber noch einmal: als Ost-Grüne ist sie nicht von all zu weit links “gestartet”. Lengsfeld sprach auch auf einer Veranstaltung von EIKE, einem Verein, der den wissenschaftlichen Konsens bezüglich der menschengemachten globalen Erwärmung ablehnt.

Während Fischers Krise bzw der Diskussion um seine Vergangenheit, 2001, plauderte sie aus der Grünen-Fraktion von früher aus. Andere wie Werner Schulz blieben den gesamtdeutschen Grünen treu, nahmen dort aber “Sonderpositionen” ein, zu 68, DDR, RAF,… Und Boris Palmer ist ja auch bei den Grünen. Angelika Beer ist die Tochter eines GB/BHE-Politikers, war im KB, war Friedensaktivistin und hat sich zunehmend zur Militärfreundin entwickelt (auch privat), ging zu den Piraten. Grüne in Deutschland und Österreich, die sich rein auf den Umweltschutz konzentrieren wollten, wie Herbert Gruhl und Josef Buchner, waren schnell weg. A propos Österreich, da gibt es natürlich noch einige Kandidaten für hier. Von Novomatic-Glawischnig über E. Dönmez (> ÖVP) bis “Heimat Österreich”-Pilz.

Wilhelm S. Schlamm wurde 1904 in Galizien (damals Österreich-Ungarn, heute Polen) geboren, in eine jüdische Familie, die nach Wien ging. Er schrieb bis in die 1930er Jahre für kommunistische Zeitschriften, gehörte der KPÖ an, lernte den Psychoanalytiker Wilhelm Reich kennen. Ab 1933 bestimmten extreme politische Ideologien sein Leben. In diesem Jahr wechselte er zur “Weltbühne”, die wegen dem Nationalsozialismus von Berlin nach Wien übersiedelt war; 1934 ging die Zeitschrift wegen dem Austrofaschismus nach Prag, Schlamm blieb auch dort, als er aus ihrer Redaktion heraus gedrängt worden war. 1938, als Hitler die zT deutschsprachigen Randgebiete der Tschechoslowakei annektierte, emigrierte Schlamm in die USA. Dort war er weiter journalistisch tätig, verabschiedete sich aber von seiner linken Haltung, wurde ein politischer Freund von Senator Joseph McCarthy, wurde ziemlich rechts.

1959 kehrte William S. Schlamm, wie er nun hiess, nach Europa zurück, als politischer Publizist/Autor im deutschsprachigen Raum, der er auch vor der Emigration gewesen war, nur nun eben einer der Rechten. Als solcher wurde er von Axel Springer für seine “Welt” verpflichtet, jener deutsche Verleger/Herausgeber, der wegen Untauglichkeit nicht in die Wehrmacht musste, dessen vom Vater geerbte Zeitung vom NS-Regime wegen Papierknappheit eingestellt wurde, der sich 1938 von seiner halbjüdischen Frau trennte; und der Israel für eine Art Ersatz-Nationalismus entdeckte. Der „Kalte Krieg“ wurde für Schlamm ein wichtiges Betätigungsfeld, auch die 1968er-Bewegung attackierte er. 1972 gründete er mit Otto Habsburg-L. die “Zeitbühne”, im Seewald-Verlag brachte er einige Bücher heraus.

Die iranischen Mujahedin-e Kalq (MEK; Volks-Mujahedin) unter Massud und Maryam Rajavi entstanden in den 1960ern im Bemühen, Islam und Sozialismus zu verbinden. Sie kämpften gegen die Monarchie (das Schah-Regime), waren an der Revolution gegen dieses beteiligt, auch in der ersten Jahren von Khomeinis Herrschaft über den Iran, auch bei der Stürmung und Gefangennahme (in) der USA-Botschaft in Iran 1980, waren international mit anti-imperialistischen Kräften verbündet; 1981 die Entzweiung der Mujahedin mit den Mullahs. Wobei: Viele (Parteien und Personen) haben sich gegen den Schah mit dem Ajatollah und den anderen Mullahs eingelassen, im Glauben dass es nur besser werden konnte, und dass Khomeini die Macht zumindest teilen werde. Und wurden dann eines Besseren belehrt. 81 versuchten die MEK den Sturz der Mullahs bzw die Verhinderung ihrer Marginalisierung, mit Bombenanschlägen auf Führer des klerikalen Regimes, darunter Mohammad Beheshti und Mohammad Rajai; danach wurden tatsächliche/vermeintliche Mujahedin im Iran und ausserhalb Irans gejagt, und das Regime stabilisierte seine Macht, auch über den Krieg gegen den von Saddam Hussein anders reaktionär-faschistoid regierten Irak.77

Die MEK verlegten ihr Hauptquartier in den Irak, kämpften an der Seite von Husseins Armee gegen die iranische. Als das Baath-Regime 2003 vom Heer der USA und ihrer Verbündeten gestürzt wurde (nun mit Rumsfeld als Verteidigungsminister von Bush dem Jüngeren), hatten sich die MEK bereits gedreht, und die Gruppe (die einst als islamisch inspirierte Terrororganisation galt, sich als antiimperialistisch sahen) hatte in der USA unter Neokonservativen Verbündete. Bis 2016 wurden die MEK aus dem Irak gebracht, sie haben längst im Westen diverse “Stützpunkte”. Sind ein Ansprech-Partner des zionistisch-neokonservativen Lagers unter Iranern geworden. Das “Fussvolk” hat bei den Richtungs-Entscheidungen nicht mitzureden, sondern zu gehorchen. Und die Führung ist ideologisch flexibel, wird auch in Zukunft versuchen, ihre neuen Meister zu beeindrucken.78

Leszek Kołakowski erlebte die nazideutsche Besatzung Polens, studierte im kommunistischen Nachkriegs-Polen Philosophie, wandte sich aktiv zum Kommunismus hin…Und in den 1950ern wieder ab, er unterstützte die polnischen “Aufstände” 1956 und 1968. Musste/durfte daher in’s westliche Ausland gehen, liess sich in Oxford nieder.

(Auguste-)Maurice Barrés: 1862-1923, französischer Autor und Politiker: War boulangistischer Abgeordneter (1889–93), ehe er unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre 1896/97 nach Rechts “rutschte”. Dazu ist zu sagen, dass es hier bezüglich Rechts-Links “kompliziert” wird. Das Rechte war in Frankreich historisch die Aristokratie, wohin gegen der Boulangismus eine Massenbewegung war, die Klassenhierarchie ignorierend bzw umschmeissend… Daher muss/kann man den Boulangismus trotz seines nationalistischen Charakters als eher “links” einstufen. Im Rahmen der Frankreich spaltenden Dreyfus-Affäre (1898) bezog er Position als „Anti-Dreyfusard“. Es heisst, die französische Rechte wurde grossteils Ende des 19. Jh von ehemaligen Boulangisten geformt. Barras wurde Abgeordneter für die Federation republicaine, schloss sich der Ligue des Patriotes an. Er war antideutsch, antijüdisch, antidemokratisch. In seinem Magazin “La Cocarde” versuchte er eine Art Querfront zur extremen Linken zu bauen. Der Süden Frankreichs war für Barras ein Fremdkörper in seiner Nations-Auffassung von Frankreich. Bezüglich seines Antijudaismus‘ ruderte er in seinen späten Jahren, nach dem 1. WK, zurück, stellte sich damit gegen die Action Française.

Der Schauspieler Ronald Silver war die längste Zeit seines Lebens Anhänger der Democratic Party (DP)79, das änderte sich angesichts der Anschläge in der USA von 2001; da wurde er Bush-Anhänger. 2000 mit-begründete er bereits die Organisation “One Jerusalem”, in Protest gegen Friedensverhandlungen Israels mit den Palästinensern bzw möglicher Aufgabe von Territorialkontrolle durch Israel zugunsten der Palästinenser. Er sprach am Wahlparteitag (National Convention) der Republican Party (RP) 2004, natürlich in Form einer Unterstützung für George Bush d. J.80 Rudolph Giuliani ernannte ihn dort zum Vorsitzender eines Partei-Komitees. Silver war in den 00er-Jahren Erzähler in den Propaganda-Filmen “Fahrenhype 9/11” (gegen Michael Moore und Bush-Kritik) und “The Arab and Iranian Reaction to 911: Five Years Later” (aus der MEMRI-Ecke, mit Generalisierungen und Hetze ggü Iranern und Arabern).81

Er sprach die Hörbuch-Versionen von verschiedenen Philip-Roth-Romanen, darunter “Verschwörung gegen Amerika”, eine Art Dystopie-Kontrafaktik. Bush ehrte Silver durch Aufnahme in das United States Institute of Peace, nahm ihn mit zu einer Reise in das ungeteilte Jerusalem. Silver soll auch Mitglied des Council on Foreign Relations geworden sein. In seinem Blog auf Pajamas Media jammerte Silver, dass Freunde und Kollegen auf seine Bush-Unterstützung so negativ reagierten. In einem seiner letzten Interviews (er starb 09 infolge einer Krankheit) nahm er 08 für das Kandidatenpaar John McCain/Sarah Palin für die Präsidentschaftswahl in diesem Jahr Partei.

Die britische Journalistin Julie Burchill war eine “militante Feministin”, “fand” dann Gott und wurde zuerst “christliche Zionistin”, konvertierte dann anscheinend zum Judentum. Das wirkte sich natürlich auf ihre Sicht auf Israel aus, sie wurde diesbezüglicher rechter/nationalistischer als die die dortigen (zionistischen, israelischen) Rechten, und warf dem “Guardian” Antisemitismus vor. Und, das zieht sich jetzt wie ein roter Faden durch diese Aufzählung von Ex-Linken, sie war begeistert über Bushs Irak-Krieg 03; und in der Bush-Kamarilla war Condoleeza Rice ihre Favoritin.

Bei der US-Amerikanerin Norma McCorvey war auch die neu gefundene Religiosität Angelpunkt der politischen Wandlung (oder war es eher eine persönliche?). Unter dem Pseudonym “Jane Roe” erstritt sie (mit Anderen) in den frühen 1970ern das Abtreibungsrecht in der USA. 1995 entdeckte sie das Christentum neu, wurde entschiedene Abtreibungs-Gegnerin, nannte ihre Rolle bei der Legalisierung von Abtreibungen einen grossen Fehler. Dabei ging sie so weit, sich sogar für den Fall einer Vergewaltigung gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch auszusprechen.

Der US-amerikanische Film-Schauspieler Jon(athan) Voight war am Höhepunkt seiner Karriere (1970er) wie Viele in Hollywood ein Linksliberaler, zumindest für amerikanische Massstäbe – das dürfte sich in den frühen 2000ern gedreht haben, zu Zeiten des jungen Bush. Bei ihm sind manche Parallelen zu Heston zu erkennen, Voight ist halt nur etwas jünger. Gegnerschaft zum Vietnam-Krieg sei “marxistische Propaganda” gewesen, sagte er nun. Bush sei der Führer der “freien Welt”, dessen Kritiker in der USA seien unpatriotisch; er steht sogar der Tea-Party-Bewegung nahe, unterstützte Rudolph Giuliani, Michael Huckabee, Sarah Palin,… Und, er wurde natürlich auch christlicher Zionist, bezeichnete Israel als „moralisches Leuchtfeuer“, attackierte Barack Obama als “Förderer des Antisemitismus” und dafür, eine “sozialistische Agenda” zu verfolgen.

Vor der israelischen Parlamentswahl 2015 rief er zur Wahl des Likud/Netanyahu auf, mit “Appeasement”-Vorwurf ggü Isaac Herzog (Avodah)… Bei der USA-Präsidentenwahl 2016 warb er für Donald Trump, warf Gegenkandidatin Hillary Clinton unter Anderem vor, die Einwanderungspolitik von Obama zu befürworten und die “Religionsfreiheit” einschränken zu wollen. Bei Voight zeigt sich schön, wie Rechtes heutzutage daher kommt, mitunter auch in einem “antifaschistischen” Mäntelchen, man ist ja gegen Antisemitismus, gegen Appeasement (gegenüber dem Bösen), für Israel, für die Moral, für die freie Welt, für die Religion, für den Patriotismus bzw die Nation (welche),… Von Trump bekam er ’19 auch einen Orden.

Matthias Matussek war früher in leitenden Positionen bei „Spiegel“, hatte eine TV Sendung bei SWR („Matussek trifft…“), war dann bei „Welt“ (erster Schritt seiner Radikalisierung), wurde ’15 nach einem vergnügten “Tweet” zum Pariser Terror („Debatten nun in frische Richtung…“) entlassen. Ganz früher war er ein Marxist gewesen, nun hat er sich u.a. zum Katholizismus hingewandt (klagte darüber dass „Gläubige“ unter „Blödheitsverdacht“ stünden), wurde „identitär“, homophob, leicht misogyn, ein Neorechter. Er landete folgerichtig auf Broders “Achse”, sowie bei Tichys “Einblick“.

Yves Montand (Ivo Livi) rückte im Lauf seines Lebens von ziemlich weit links nach ziemlich weit rechts; in den 1980ern wollten ihn viele Franzosen in einer politischen Funktion haben

Wolfgang Gedeon, AfD-Rechtsaussen, Arzt, war mal Kommunist; als solcher war er ohne Bedeutung, im Ggs zu jetzt

Mehrmals gedreht hat sich Alfred Mechtersheimer: Bundeswehr, Politologie-Studium, RCDS, CSU, Ausschluss dort durch Friedensengagement Anfang 80er, Linksruck, Grüne, für die im Bundestag, Kontakte zu Ghadaffi-Libyen, “National-Pazifismus”, > Rechtsruck, heute bei der rechtspopulistischen Pro-Köln-Bewegung; auch Jürgen Elsässer ist eine Art politisches Chamäleon, hat sich auch von links nach rechts gedreht

Herbert Röttgen/ Victor Trimondi, der mit seinem Buch zum Dalai Lama (zusammen mit seiner Frau) bekannt wurde und weiteren zu “exotischen Religionen”, scheint sich auch in diese Richtung gedreht zu haben

Der Schriftsteller Saul Bellow galt in früheren Jahren als “Liberaler” (was im US-amerikanischen Kontext ja etwas Anderes bedeutet als hier), in seinen späteren als “Neocon”

Der Bund gegen Anpassung 82 von Fritz Hoevels und der mit ihm verbundene Ahriman-Verlag, der auch die “Ketzerbriefe” des Bundes heraus bringt. Die politisierende Psychosekte wurde bereits in den 1980ern rechts, noch in den 1990ern wurde Saddam als „unangepasster Held“ gefeiert, Islam wurde in den 2000ern Feindbild (“Bomben auf Teheran für Rushdie!“), Anti-USA ist man dort anscheinend noch immer, aber von Pro-Palästinenser ist man zu Pro-Israel geschwenkt, in bundesrepublikanischer Manier83

John Dos Passos, US-amerikanischer Schriftsteller (1896-1970), zT portugiesischer Herkunft: es heisst, es waren seine Erlebnisse im Spanischen Bürgerkrieg, die ihn zum Rechten machten; er unterstützte in seinen späteren Jahren Joseph McCarthy, Barry Goldwater, Richard Nixon

Christa Zöchling: österreichische Journalistin, war früher beim Kommunistischen Studentenverband (KSV), wurde konservativ und westistisch, auch über Zionismus-Promotion, wie Andere

Hans Püschel war nach der deutschen Wiedervereinigung Gründungsmitglied der SPD in Sachsen-Anhalt und war von 1990 bis 1994 sowie von 2001 bis 2013 Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011 wechselte er zur NPD; diese scheiterte dann knapp an der Fünf-Prozent-Hürde

Jan Fleischhauer soll ein Ex-Linker gewesen sein, wie auch sein Freund Broder

Peter Sichrovsky, ebenfalls Journalist: “linker” “Standard”-Ressortleiter, dann FPÖ-Politiker, nun ist er irgendwo dazwischen

Seymour M. Lipset, ein amerikanischer Soziologe, der das angebliche King-Zitat über Israel-Kritik aufbrachte, wurde vom Sozialisten zum Neocon

Weiters: Samuel Schirmbeck, Melanie Phillips, Ignazio Silone, André Gide, John R. Chamberlain (US-amerikanischer Journalist), Raymond Moley, Tajar Zavalani, Bella Dodd, Max Eastman, Morrie Ryskind, Frank Meyer, Will Herberg, Sidney Hook,…

Grenzfälle bzw leichtere Verschiebungen: Hier geht es wie oben erwähnt, um solche, bei denen die Verschiebung nicht so gross war

Thomas Manns Sohn Angelus “Golo” Mann (Bruder von Klaus), machte anscheinend einen Abschluss in Philosophie (Karl Jaspers, Heidelberg), in Geschichte nicht – die Arbeit für das Staatsexamen mit einem Wallenstein-Thema84 war bereits eingereicht, zur Prüfung kam es nicht mehr, denn Mann verliess 1933 wie andere Mitglieder seiner Familie das Deutsche Reich wegen der Hitler-Diktatur, war demnach ein Amateurhistoriker. Exil in der USA, in New York lebte er einige Zeit in einer Wohngemeinschaft mit Wystan H. Auden, Benjamin Britten, Paul Bowles. Ging zum US-amerikanischen Militär, kehrte so nach Deutschland zurück. Etablierte sich akademisch in der BRD; 1963 wurde Manns geplante Berufung als Professor an die sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt durch die dort wirkenden Max Horkheimer und Theodor Adorno verhindert.85 Umzug in die Schweiz. Mann war Adenauer etwas zugetan, lange Zeit seines Lebens aber SPD-Unterstützer, und Brandt-Redenschreiber! Die 68er brachten ihn nach rechts, nach den Ostverträgen löste er sich von Willy Brandt, die RAF-Aktionen der 1970er radikalisierten ihn weiter. Schliesslich “landete” er dann bei Franz J. Strauss, der Politiker der “die linke Bewegung eindämmen” könnte. 1979/80 unterstützte er diesen als Spitzenkandidaten der CDU/CSU bei der Bundestagswahl

Paul Rassinier war ein französischer Linker (Kommunist/Sozialist), Historiker (Lehrer) sowie Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im 2. WK, war daher in den KZs Buchenwald und Dora-Mittelbau interniert. Er überlebte als Invalide, war nach dem Krieg kurz Abgeordneter für SFIO (Vorgängerin der PS) im Parlament. In seinen ersten 2 Büchern kritisierte er dann vornehmlich die kommunistisch dominierte Häftlingsführung in KZs, nahm gegen „selbstgerechte Deutschland-Verurteilungen“ Stellung und äusserte Zweifel an Gaskammern und dem Ausmaß des Holocausts. Danach wurde er verklagt und von SFIO ausgeschlossen. Nach Veröffentlichungen in den 50ern u.a. zum Pazifismus nahm er sich in den 60ern verstärkt das Thema Holocaust und Krieg vor. Er verurteilte NS-Prozesse von Nürnberg bis Jerusalem. 1964 stellte er in einem Buch den Holocaust als solchen in Abrede, mit Kritik u.a. an Zeugenaussagen und technischen Möglichkeiten (diese seine Ausführungen sollen sachlich widerlegt worden sein), unterstellte dabei Juden, aus Nazi-Verbrechen Kapital für den Zionismus schlagen zu wollen. Nach Hochhuths historischem Theaterstück „Der Stellvertreter“ schrieb der Atheist ein Buch zur Verteidigung von Pius XII. Er starb relativ früh, an den Spätfolgen der Folter im KZ. Er wurde so etwas wie ein Vater der Holocaust-Leugnung; die Frage ist, inwiefern er mit jenen (Rechtsextremen) zu assoziieren ist, die sich auf ihn berufen, die das NS-Regime entlasten wollen

Der KGB-Agent Bogdan Staschinski tötete 1959 in der BRD im Auftrag seiner Behörde den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, der mit Wehrmacht und BND zusammenarbeitete, mit einer Blausäurepistole. Stas(c)hinski stellte sich später in W-Berlin, wollte wegen einer Liebe überlaufen, bekam in der BRD eine milde Strafe (“nur Beihilfe“)86, dann eine neue Identität. Es hatte aufgrund der Tätigkeit von Banderas OUN neben dem KGB auch andere Kandidaten für den Mord gegeben. Jedenfalls, Staschinski lief wegen einer Frau über, so weit bekannt ist, nicht weil er den Kommunismus “fallen liess”. Bandera ist evtl. als Überläufer von Ost nach West zu sehen, auch wenn er das vor Ausbruch des KK tat, Stashinski jedenfalls als Überläufer vom Osten in den Westen

Gianfranco Corsi (“Franco Zeffirelli“) war im 2. WK als Student bei den Partisanen sowie als Dolmetscher für britische Militär-Einheiten aktiv.87 Dann wurde er Theater-, Opern- und Film-Regisseur.88 Shakespeares Werke inszenierte er immer wieder, „Romeo und Julia“ etwa im Theater und im Film (1968). 1969 erlitt er einen schweren Autounfall, zusammen mit (Lui)gina Lollobrigida89, in Orvieto, mit Kopfverletzungen. Es heisst, er wurde danach sehr katholisch. Sein Franz-von-Assisi-Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ (1973) soll vor dem Hintergrund entstanden sein; und auch die 1977 erschienene Miniserie “Jesus of Nazareth” (“Gesù di Nazareth”). 1991 äusserte er sich negativ über die “arabische Kultur” und den islamischen Fundamentalismus, ähnlich wie Fallaci und Andere 10 Jahre später. Von 1994 bis 2001 (zwei Legislatur-Perioden) war Corsi/Zeffirelli  für Silvio Berlusconis Forza Italia im Senat, in der Zeit nach dem Ende der Ersten Republik (siehe). Die Frage ist, ob er konservativer geworden ist, und wenn ja, durch den Unfall. Er war vorher Christdemokrat, also auch Mitte Rechts90

“Nick” und “Bobbi” Ercoline, das Pärchen vom Cover der Woodstock-LP (1970 heraus gekommen), zwei aus 500 000 bei dem Konzert in Bethel, waren schon zur Zeit des 20-Jahre-Jubiläum des Konzerts 1989 für Bush senior und “Pershing II” -Raketen, das dürfte sich kaum gedreht haben. Das Foto stammt von Burk Uzzle, der für die Agentur Magnum fotografierte, wurde am Morgen des dritten von vier Konzerttagen aufgenommen. Die Beiden betonten später, dort keine Drogen genommen zu haben, nur Wein und Bier; sie waren damals nicht Teil einer “linken Subkultur”, später schon gar nicht

Leute in der Democratic Alliance (DA) von Südafrika, die als liberal galten, aus einem solchen Milieu kommen, sich gegen die Apartheid engagierten (in den Vorgänger-Parteien der DA, wie der DP), nach dem Ende Apartheid ein Stück nach rechts rutschten bzw sich als konservativ herausstellten („bewahrend“; ohne sich viel zu verändern). Die DP (Democratic Party) wurde 1999 wichtigste “weisse” Partei Südafrikas, v.a. durch den Zustrom von Afrikaanern – weil sie unter “Tony” Leon nach rechts gerückt war oder rückte sie durch den Zustrom bisheriger NP-Wähler und -Politiker nach rechts?

Im ANC gibt es Politiker, die von der linken Seite kommen und nach dem Ende der Apartheid eine gewisse Wandlung machten, zumindest im wirtschaftspolitischer Hinsicht. So wie Cyril Ramaphosa, der zwar nicht im Bergbau arbeitete, aber in der (schwarzen) Gewerkschaft der Minenarbeiter anfing, als Rechtsberater, nach seinem Übergangen-Werden als Mandela-Nachfolger (das entschied sich bereits 1994) in die Wirtschaft ging, zum Minenbesitzer wurde, ehe er wieder in die Politik ging. Paul Trewhela ist ein Weisser, der im ANC gegen die Apartheid kämpfte, ins Exil (GB) ging und dort blieb, sich von der Linken abwandte. Es gibt eine bunte Liste von Politikern, die vom ANC zu anderen Parteien gingen (oder diese mit-gründeten), Sobukwe (PAC), Buthelezi (IFP), Mavuso (NP), Holomisa (UDM), Lekota (COPE), Malema (EFF),…91

Arlo Guthrie wurde wie sein Vater (Woodrow “Woody” Guthrie, christlicher Anglo-Amerikaner, dessen Vater beim KKK in Oklahoma) Protest-Folk-Sänger; Mutter war Jüdin, wurde für seine Bar Mitzwa von Rabbiner Meir Kahane vorbereitet, der dann u.a. die faschistische Jewish Defense League (JDL) gründete. “Rabbi Kahane was a really nice, patient teacher”, so Arlo Guthrie später, “but shortly after he started giving me my lessons, he started going haywire92. Maybe I was responsible.” Guthrie trat 1977 zum Katholizismus über, interessierte sich später für andere Religionen. Er stand der DP nahe, hat einige Zeit die RP unterstützt (hauptsächlich Ronald Paul), soll dies begründet haben “We had enough good Democrats. We needed a few more good Republicans. We needed a loyal opposition.” Francis “Frank” Sinatra ist ein anderer Nicht-Politiker, der von DP zu RP wechselte. Auch “Easy Rider” Dennis Hopper unterstützte zeitweise die Republikaner

Roland Freisler geriet 1915 an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft, verbrachte den Rest des Krieges in einem Offizierslager in der Nähe von Moskau. Nach der Oktoberrevolution und dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurden diese Lager einer deutschen Selbstverwaltung übergeben, Freisler wurde zu einem ihrer Kommandanten ernannt. Er war den russischen Sozialdemokraten (Bolschewiki) beigetreten. Obwohl die Gefangenen 1918 in die Heimat entlassen wurden, blieb Freisler noch zwei Jahre länger in Sowjetrussland. War in der Zeit des Russischen Bürgerkriegs Kommissar für Nahrungsmittelverteilung, scheint ein Bolschewik gewesen zu sein, nicht nur zwangsweise. Er kehrte 1920 nach Deutschland zurück und schloss sein Jus-Studium ab. Bald hatte er eine eigene Anwaltskanzlei, verteidigte zunächst NSDAP-“Aktivisten”. Bis er selbst ein solcher wurde, und nach der Machtergreifung 1933 Karriere machte, die ihn an den Volksgerichtshof führte, dessen Präsident er 1942 wurde. Dort ging es ja um “Hochverrats”-Sachen, Freisler fällte selbst über 2500 Todesurteile… Im Februar 1945 wurde er bei einem US-Luftangriff im “Volksgericht” getötet, was u.a. Fabian von Schlabrendorff rettete93

Wilhelmus „Pim“ Fortuyn, der niederländische Soziologe der in die Politik ging, interessierte sich in seiner Jugend für den Kommunismus, sympathisierte mit der Communistische Partij Nederland (CPN), wurde später aktives Mitglied der sozialdemokratischen PvdA. Ab 1989 engagierte er sich in der rechtsliberalen VVD. Sein politisches Wirken beschränkte sich auf wenige Monate, die Zeit von Ende 2001 bis Mai 2002, für LN und LPF.94 Kurz vor den Parlamentswahlen im Mai 02 wurde Fortuyn in Hilversum von einem Tierschützer erschossen.95 Fortuyn war als Politiker kontrovers-kontroversiell; er war bekennender Homosexueller sowie Islamgegner, stammte aus einem katholisch-konservativen Haus, attackierte die Reformierten/Calvinisten, war Gegner der Monarchie und Anhänger eines 2-Parteien-Systems nach USA-Vorbild, Gegner des Tierschutzes und der Einwanderung, Populist aber kein wirklicher Nationalist; und hatte einen tiefen Impakt in der Niederlande

Der österreichische Publizist Günther Nenning (1921-2006) erlebte Erste Republik, Austrofaschismus, Nazi-Diktatur, Zweite Republik. Als Wehrmachts-Soldat wurde er (nach Kriegsende) von der Roten Armee gefangen genommen und kam in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Studierte Sprachwissenschaft sowie Religionswissenschaft (wurde Doppel-Doktor). Schrieb für das ,,Forvm” des Friedrich “Torberg” (Kantor-Berg), das vom CIA ausgehalten wurde, übernahm dieses dann; später schrieb er für “Profil”. Moderierte im Rundfunk u.a. die Sendung “Club 2” im ORF. War als Journalisten-Vertreter im ÖGB wichtig, wurde dann dort rausgeschmissen. War bei der SPÖ, dann Mitgründer der Grünen in Österreich. Nenning wechselte auch “seine” Frauen oft, wurde als Senior nochmal Vater, bezeichnete sich als „Feministen“. Relevant für diesen Artikel wird er durch gewisse “Metamorphosen” gegen Ende seines Lebens. Schrieb für “Krone”. Wurde angeblich ein Monarchist. Und: Nenning, der evangelisch war und zur katholischen Kirche übertrat, wurde religiös. Ach ja, und der Wiener starb schliesslich in Tirol

Jorge Mario Vargas Llosa, peruanischer Autor und Politiker, 2010 Literatur-Nobelpreis-Gewinner: wie andere lateinamerikanische Intellektuelle war Vargas Llosa ein “Unterstützer” von Fidel Castro und dessen System in Cuba. Und wie bei  Anderen war der Umgang mit dem Autor Heberto Padilla mit ausschlaggebend für eine diesbezügliche Kehrtwende. Padilla wurde aufgrund regimekritischer Inhalte drangsaliert, bis er 1980 ausreisen/emigrieren durfte (in die USA…).96 1987 stieg er ja mit der Gründung des Movimiento Libertad in die Politik ein. Die Partei ging mit zwei anderen Rechtsparteien die Dreier-Allianz Frente Democrático (FREDEMO) ein. Und Vargas trat bei der Präsidenten-Wahl 1990 als ihr Kandidat an, verlor gegen Alberto Fujimori (Cambio 90). Das Buch über “den Kelten” zeigte jedenfalls, dass Vargas kein Rechter wurde

Michael “Mikis” Theodorakis ist ein Linker, wurde mit der Wahl 1964 Abgeordneter für die EDA. Diese Legislaturperiode wurde ja durch den Militärputsch 1967 unterbrochen, der zum rechten Militärregime bis ’74 führte. Gegen dieses engagierte sich Theodorakis, wofür er eingesperrt wurde und seine Lieder verboten. Nach dem Abtritt der Junta 1974 war er Kandidat der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) für das Amt des Athener Bürgermeisters. 1981 wurde er Abgeordneter der KKE, bis 1985 oder 1989. 1989 ein kleiner Rechtsruck, er kandidierte (als Parteiloser) für die Mitte-Rechts-Partei ND von Konstantinos Mitsotakis, wurde gewählt, war 1990-92 Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung von Mitsotakis, die mit dem Aufräumen des Erbes der Skandale der Regierung von Andreas Papandreou (PASOK) beschäftigt war. In dieser Funktion setzte er sich u.a. für eine Verbesserung der Beziehungen zur Türkei ein, was er auch danach immer wieder tat. Theodorakis ist politisch nicht leicht einzuordnen. Er setzte sich in den 1990ern für Serbien bzw Rest-Jugoslawien ein, gegen den Krieg der USA im Irak 03 (> vgl. Voight), Israels Besatzungspolitik97

Die brasilianische Politikerin “Marina” Silva hat vier Mal die Partei gewechselt. Die längste Zeit war sie eigentlich bei der Arbeiterpartei (PT), für die Grünen (PV) und die Sozialisten (PSB) ist sie bei Präsidentenwahlen angetreten, unter “Lula” war sie Ministerin. Bei einer Rechtspartei ist sie nicht gelandet, aber bei einer evangelikalen Kirche, wurde eine Pfingstlerin. Worauf sich manche Inhalte änderten, so ist sie seitdem gegen das Recht auf Abtreibung. Und bei der Präsidentenwahl ’14 unterstützte sie im zweiten Wahlgang den PSDB-Kandidaten Neves über Rousseff von der PT

C. Vadim Tudor war Hofpoet von Rumäniens Diktator Ceaucescus, sagt man. In postkommunistischer Zeit wurde er Gründer und Führer der rechtsextremen Partei PRM, holte sich auch israelische Berater (siehe). Man kann sagen, er blieb reaktionär…oder ein Mitläufer/Wellenreiter98

Der deutsche Filmemacher Volker Schlöndorff engagierte sich einst für faire Haftbedingungen für RAF-Gefangene, ist heute Merkel-Unterstützer, hat dies in dem Film von Felix Möller erklärt; ebenfalls ein Grenzfall bzw ein moderater Rechtsruck

Auch Rainer Langhans wird bei den Grenzfällen bzw Fragezeichen angeführt. Mit DDR-Erfahrung hinter sich kam er nach West-Berlin, wurde dort einer der “führenden” deutschen 68er. Wobei er das Politische ja im Privaten sah. Aus Berlin ging er nach München (wo er sich einen “Harem” aufbaute) und zur Esoterik. Aus diesem Blickwinkel deutete er dann den Nationalsozialismus. Eine Zeit lang war er der Piratenpartei zugetan. Der Burda-“Focus” hat ihm eine Plattform gegeben. Auch Kontakte mit Rechtsextremen soll er (gehabt) haben. Richtig arbeiten tut er ja nicht, regelmäßiger Teil seines Einkommens ist eine Rente, die auf seine 2- jährige freiwillige Bundeswehr-Zeit zurückzuführen ist

Die Sängerin “Michelle Shocked” schockierte Manche mit Aussagen gegen Homosexualität (als deren “Proponentin” sie gesehen wurde), aus einer christlichen Ideologie heraus; Parallelen zu Marina Silva

Friedrich Hayek, der Ökonom österreichischer Herkunft, wichtiger Theoretiker des Wirtschafts-Liberalismus, begeisterte sich in seiner Jugend für den fabianischen Sozialismus und planwirtschaftlichen Vorstellungen Walther Rathenaus; es heisst, infolge der Lektüre des Buches “Die Gemeinwirtschaft” von Ludwig von Mises wandte er sich von sozialistischen Ideen ab

Papst Pius (Pio) IX. (Giovanni M. Mastai-Ferretti): 1846 Papst, anfangs Liberaler, erlebte 1848 im Zuge des Risorgimento die Römische Republik G. Garibaldis > Bruch mit italienischer Nationalbewegung, wurde stockkonservativ > Römische Frage (> 1870), 1. Konzil > Unfehlbarkeit

1983
1983

Franz Morak? Künstler, dann Politiker. War er links? Wurde er rechts?

2000
2000

Der deutsche Historiker Götz Aly99…noch ein ehemaliger 1968er, einer der Kritiker der Bewegung wurde. Fraglich ist aber, ob er rechts wurde und wenn ja, wie

Bob Dylan” (Robert Zimmerman) hat auch so manche Wandlung absolviert (welcher Mensch nicht?), wie sein Übertritt vom Judentum zum Christentum (mit der Aussage, diesbzgl “wiedergeboren” zu sein)

Eric A. Blair (“George Orwell“) war eine Art Sozialist, und ein Gegner von Totalitarismus. 1936 nahm er auf republikanischer Seite am Spanischen Bürgerkrieg teil; schrieb darüber 1937 “Mein Katalonien” (engl.: “Homage to Catalonia”). Darin thematisiert er auch das Wirken stalinistischer Kräfte auf republikanischer Seite in Spanien. In GB gehörte er zeitweise der Independent Labour Party (ILP) an, und nicht der CPGB. In “Der Löwe und das Einhorn” (1941) brachte Orwell seine Vorstellung von britischem Sozialismus vor. In “Farm der Tiere” und “1984” ging es natürlich auch um anti-autoritäre und -totalitäre Prinzipien. Er wurde von britischen Behörden für seine linken Aktivitäten beobachtet, auch schon vor dem Kalten Krieg

In den 1990ern oder 2000ern wurde bekannt, dass “Orwell” nach dem 2. WK (im beginnenden KK) dem Information Research Department des britischen Aussenministeriums, der Behörde für die George Conquest damals arbeitete, einer Bekannten zuliebe, die Conquests Mitarbeiterin war, eine Einschätzung von als “kommunistisch” verdächtigten britischen Künstlern abgab, darunter war auch “Charlie” Chaplin. Orwell hat Einige, bei denen er “fehlende Distanz” zur SU bzw zum Stalinismus sah, der Behörde ggü diesbezüglich eingeschätzt, Andere zB als “Mitläufer”. Unter Ersteren waren auch solche, die sich später als SU-Spione (hauptsächlich dem Ring um Philby zugehörig) heraus stellten. Welche Konsequenzen das für die Betroffenen hatte, ist eine andere Frage. Nicht wirklich eine Rechtswendung von Orwell, andererseits auch nicht so weit entfernt von dem was zB Kazan tat

Über Victor Farias und sein Anti-Allende-Buch hier. Die Motivlage und die Ausrichtung von Farias ist unklar

Monte Melkonian, Armenier aus der USA, ging als Jugendlicher in den “Orient” (Vorderasien), um sich dort anti-imperialistisch zu betätigen; ungefähr da als Sowjet-Armenien unabhängig wurde, zog er dort hin, machte sich die armenische nationale Sache zu eigen, wurde Kommandant im Karabach-Krieg mit Aserbeidschan, in dem er 1993 getötet wurde

Ursula “Uschi” Glas, die Schauspielerin. Nun ja, sie wandte sich in den 1970ern Franz Josef Strauss und der CSU zu, wie in ihrem Milieu üblich, und davor war sie irgendwie linksliberal gewesen, der Zeit entsprechend

 

Noch einige Buchhinweise:

Mary Eberstedt: Why I Turned Right: Leading Baby Boom Conservatives Chronicle Their Political Journeys (2007). Einigermaßen Prominente (wie Dinesh D’Souza), aber nicht solche die links waren, sondern solche die mit ihrer Politisierung rechts wurden

Richard Wolin: The Seduction of Unreason: The Intellectual Romance with Fascism from Nietzsche to Postmodernism (2006)

Tom Garrison: Why We Left the Left: Personal Stories by Leftists / Liberals Who Evolved to Embrace Libertarianism (2001). Über Nicht-Prominente

Richard Crossman: The God That Failed. A Confession (1949). 6 ehemalige Kommunisten schildern darin ihre Erfahrungen: Arthur Koestler, André Gide, Ignazio Silone, Richard Wright, Louis Fischer, Stephen Spender

Daniel Oppenheimer: Exit Right: The People Who Left the Left and Reshaped the American Century (2016). Von Christopher Hitchens bis Whittaker Chambers

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. A propos: Napoleon(e) B(u)onaparte ist vielleicht ein Kandidat für diese Liste. Wurde gross in der Revolution, die er dann gewissermaßen beendete. Militärischer Aufstieg unter dem Direktorium – das er dann 1799 beseitigte. 1804 krönte er sich ja zum Kaiser. Nach seinem erzwungenen Abtritt 1814 die Restauration der alten Monarchie. Bei Barres bzw Boulanger zeigt sich aber die Problematik der Einteilung Rechts-Links im Frankreich des 19. Jh
  2. Ein Klub der Montagnards
  3. Bei den drei Umstürzen 1830, 1848 und 1870 waren hauptsächlich Republikaner aktiv, 1830 ausserdem moderate (konstitutionelle) Monarchisten
  4. Es gab es vor der Französischen Revolution schon Menschen, die etwas derartiges vollzogen, aber die heutigen Kategorien sind eben (ab) damals entstanden
  5. In einer Nahost-Rede etwa kritisierte Obama zwar die bahrainische Regierung, nicht aber das saudische Königshaus. Dafür wird der langjährige Bündnispartner in der Region offenbar noch als zu wichtig gesehen; nicht zuletzt wegen Iran. Und Obama hat an mehreren Fronten Appeasement ausgeübt, auch ggü jenen die ihm ggü rassistisch sind
  6. Damit nicht nur gegen algerische Unabhängigkeits-Kämpfer aktiv, sondern auch gegen den französischen Staat
  7. Wettert u.a. in ihrem 2003 erschienenen Buch „Ein Ruf aus der Stille“ ähnlich wie Le Pen gegen eine “Islamisierung Frankreichs”
  8. Er pflegt(e) aber Freundschaften mit Persönlichkeiten der Linken, wie Luchino Visconti
  9. Wie Rudolf Nurejev oder Milos Forman oder Conrad Schumann
  10. Es werden in der Zukunft solche “Verschiebungen” evident werden, die sich gerade vollziehen…
  11. Hier also ging es um islamischen Fundamentalismus, nicht um den Ratten-artigen Charakter von Muslimen/Migranten
  12. Ang Swee Chai, eine chinesische Malaysierin, wanderte von Pro IL zu Pro Palästinenser (bzw einer realistischeren Betrachtung des “Nahost-Konflikts”, ohne Rechts/Links-Konnotationen
  13. Das trifft auch auf manche Leute zu, die sich noch nicht von der Linken verabschiedet haben. Auch solche sind oft reaktionärer und menschenverachtender als gestandene Rechte
  14. Diese, zweitere Bezeichnung verdient(e) er sich zB mit einem Buch wie “The Professors: The 101 Most Dangerous Academics in America” (2006)
  15. Newton war 1970 in der Berufungsverhandlung von einer Mordanklage frei gesprochen worden
  16. Eher in der Form von Selbst-Bezichtigungen (“Wie konnte ich nur…?”) als von Selbst-Lügen (“Eigentlich war ich nie dafür!”). Auch wenn er über das “Kriegsverbrechens-Tribunal”, dass die Russell-Stiftung in den 1960ern bezüglich des US-amerikanischen Mitmischens im Vietnam-Krieg abhielt, dann Jahrzehnte später sagte, dass er Vorbehalte dagegen gehabt und nicht teilgenommen hätte
  17. Also möglicherweise einer Verwandten von Charles Krauthammer, dem verstorbenen Neocon, der auch von der Linken/Liberalen kam
  18. Vergleiche “Scholars for peace in the middle east”, „Liga für Aufklärung und Freiheit im Nahen und Mittleren Osten“,…
  19. In “Soul on Ice”, einer Sammlung von Essays, die Cleaver 1968 heraus brachte, schrieb er: “If a man like Malcolm X could change and repudiate racism, if I myself and other former Muslims can change, if young whites can change, then there is hope for America.”
  20. Staaten legten die Erreichung des Mindestalters von 35 unterschiedlich aus, bezüglich der Nominierung, der Wahl oder aber der Amtsübergabe
  21. Es war nicht so, dass man sich auf der “Gegenseite” nicht zusammenfand/-tat. Und Praktiken der Unterwanderung wie vom FBI ggü der BPP ähnelten israelischen (Mossad, Shin Bet) ggü palästinensischen Organisationen
  22. Dort, in Havanna, hat ihn James “Jim” Jones besucht, der Führer des Peoples Temple (of the Disciples of Christ). Der Kontakt zwischen den Beiden blieb aufrecht, auch nachdem sich der “Volkstempel” nach Guyana “zurückgezogen” hatte. Ein Cousin von Newton zog auch dorthin nach Jonestown, entkam dem erzwungenen Massenselbstmord von 1978
  23. „Liberal“ bedeutet in der USA und anderen Anglo-Staaten eher was Linkes, anderswo was Rechtes
  24. “a liberal who has been mugged by reality”
  25. Wolfowitz war etwa Vize-Verteidigungsminister unter Bush, 01-05
  26. Sohn eines aus Südafrika in die USA eingewanderten Geschäftsmanns und der Tochter eines Rabbiners
  27. “Sie haben die enorme Verantwortung, einen neuen Holocaust zu verhindern. Sie sind der Einzige, der den Mumm hat, das zu tun”. Bush verlieh ihm die „Presidential Medal of Freedom“
  28. Gerüchten zufolge nicht über sein/ unser “Negerproblem”
  29. Sohn von Irving und gleich ausgerichtet; bei Donald und Robert Kagan ist es ähnlich
  30. Oder dem Lamento über “white guilt“. Immerhin anerkannte er im selben Satz, dass vor dem Aufkommen dieser Auseinandersetzung die Historiographie Australiens gewissermaßen zu unkritisch war (“the Three Cheers View”)
  31. Windschuttle hat “The Breakup of Australia: The Real Agenda Behind Aboriginal Recognition” (2016) bei Quadrant Books, dem dazu gehörenden Verlag publiziert
  32. Wie die Haltungen zur Umwandlung Australiens in eine Republik, zur Einwanderungspolitik, Aussenpolitik, Umwelt- bzw Klimapolitik,… Die Gesetze zugunsten der Aborigines in den 1970ern wurden unter der Labor-Regierung von Gough Whitlam erlassen, die Entschuldigung an die Aborigines für die staatliche Entführungen ihrer Kinder kam Ende der 2000er von Kevin Rudd
  33. Bei ihm kommt eine Tochter aus erster Ehe dazu, Anja Röhl, diese warf ihm vor, sie als Kind sexuell belästigt zu haben. Derartiges wurde unter “68ern” damals jedenfalls anders gesehen
  34. Berliner Verkehrsbetriebe
  35. Ja, die Veranstaltung in Wien 08 war ja auch eine Art “wissenschaftliche Konferenz”…
  36. Warum, das ist eine längere Geschichte; es wäre zu einfach, das auf langdauernde britische Intrigen zurück zu führen, aber auch, die Moslems bzw die League als Abkömmlinge der Invasoren darzustellen
  37. Diese Wahlen kamen Volkszählungen gleich, Gegenden in denen der Congress gewann, waren überwiegend hinduistisch, die von der League gewonnenen mehrheitlich moslemisch; es zeigten bzw bestätigten sich jene Gebiete im Norwesten und Nordosten in denen Moslems die Mehrheit bildeten
  38. Die kleineren Religionsgruppen Indiens, Sikh, Christen, Parsen/Zoroastrier, Buddhisten, Jainas,…, sind in der Regel eher mit den Hindus “verbündet”
  39. Im September 46 kam dann die provisorische Regierung zu Stande unter Jawaharlal Nehru, im Oktober gab die Moslem-Liga den Boykott von Konstituante und Regierung auf
  40. Auch wenn dies in gesprochener Form nicht allzu grosse Unterschiede zu Hindi aufweist
  41. Und hat Robertson ein Buch von ihm über Jesus geschickt nach dessen Kommentaren über den Hinduismus
  42. Mehr dazu in Teilen dieses Artikels
  43. De Benoist, der nach einer Reise nach Apartheid-Südafrika auf Einladung der Verwoerd-Regierung 1965 den Essay “Vérité pour l’Afrique du Sud” geschrieben hatte, und auch Rhodesien bereist und gelobt hatte, als “Aussenposten des Westens” zu Zeiten der “schändlichen” Entkolonisierung und “Negrifizierung”, wurde mit der Zeit etwas kritischer ggü dem Anglo-Imperialismus, besonders jenem der USA
  44. Die “A”D-Recken der “bahamas” haben 03 ihren “Abschied von der Linken” erklärt
  45. Auch mit Islamisten gibt es Gemeinsamkeiten, Korrelationen. Wie leicht diese Übertritte von Islamisten zu Islamophoben (Zionismus, Neokonservativismus,..) immer gehen… > Mossab Youssef, Mehdi Khalaji, Hamed Abdelsamad, Maajid Nawaz,…
  46. In Österreich gibt es da einen Kurt Wendt in der KPÖ, der ein Organisator von Demonstrationen gegen die erste ÖVP/FPÖ-Regierung war (Anfang der 00er, Schüssel), dann von der “anti”deutschen Strömung in der Partei (Peham,…) erfasst wurde, sagte dass es ein Fehler gewesen sei, diese Demos auch auf bzw gegen die Bush-Kriege auszudehnen…zur Zeit der neuen ÖVP/FPÖ-Regierung (Ende der 10er, Kurz) pudelte er sich dann wieder als Linker und als Held der Arbeit auf
  47. Sohn eines Amerikaners und einer Norwegerin
  48. In der Zeit nach dem 2. WK gab es in diversen Ostblock-Staaten nochmal so eine “Inquisitions”-Welle gegen kommunistische “Abweichler”. Zusätzlich zum Vorgehen gegen Demokraten, das oft als eins gegen “Faschisten”/”Kollaborateure” deklariert wurde
  49. Siehe die Überlegungen bei Morris/Windschuttle zur Arbeit eines Historikers. Mit der Frage beschäftigte sich auch Peter Novick: That noble dream: the “objectivity question” and the American (1988)
  50. Nicht zu verwechseln mit den Aktivitäten von Joseph McCarthy im Senat, hauptsächlich im Government Operations Committee, 1953-55
  51. Mit dem 1965 von Präsident Lyndon Johnson unterschriebenen Voting Rights Act wurde dann das bisherige Wahlrecht ausser Kraft gesetzt, dem zufolge etwa nur solche Bürger ins Wählerverzeichnis aufgenommen wurden, die einen Lesetest erfolgreich absolviert hatten
  52. Wenn bezüglich der USA vom “Süden” die Rede ist, ist meistens eigentlich der Südosten gemeint, etwas mehr als der “Old South” (der etwa Georgia nicht inkludiert) und etwas weniger als der “Solid South” (der bis Texas geht)
  53. Wie sie von den beiden Mördern benutzt wurden
  54. Heston verwischte auf dem NRA-Kongress gerade solche Differenzierungen… “It implies that 80 million honest gun owners are somehow to blame.”
  55. Eine kräftige “Antithese” zum Bushismus, das Columbine-Massaker war eine Art Aufhänger im Film
  56. Das Interview fand 2001 statt, bevor Heston seine Erkrankung öffentlich machte
  57. Die Vorgänger Tudjmans in dieser Funktion waren alle von der kroatischen Sektion (SKH) der kommunistischen Partei Jugoslawiens (SKJ). Die SKH wandelte sich 1990 unter Ivica Racan in eine sozialdemokratische und eigenständige Partei namens SDP um
  58. Sein Ziel, auf Kosten der Bosnier und Kroaten ein Gross-Serbien zu schaffen, war 1995 gescheitert, 2000 wurde er gestürzt
  59. Rohrmoser hat ihn übrigens in seiner ersten (“linksextremen”) Haftzeit im Auftrag einer Kommission der Bundesregierung im Gefängnis besucht. Rohrmoser erklärte 1998, bezüglich der „die Religion und die sittliche Substanz zerstörenden Wirkung der 68er“ seien seine und Mahlers Positionen identisch
  60. dem „politischen Philosophen“
  61. Es gab/gibt viele Alt-Linke, die (ab) Anfang der 00er in der “Islamkrise” Stellung in einer ähnlichen Art bezogen, bis hin zu Manfred Deix. Bei Anton Pelinka ist es vermutlich etwas komplexer. Ralph Giordano hat nicht wie Enzensberger erst 03 aggressive und pseudomoralische Werbung für den Irak-Krieg gemacht, sondern bereits 91; als Saddam Hussein in den 1980ern sein Heer den Iran angreifen liess, blieb er dagegen ruhig
  62. Siehe
  63. In den 1960ern ermittelte das HUA-Committee gegen die Neuen Linken, Betroffene wie Jerry Rubin und Abbie Hoffman hatten viel weniger zu verlieren als Regierungs-Beamte oder Künstler in der Filmindustrie; sie verwandelten die Befragungen in Shows, dadaistische Happenings
  64. Es ist nicht bekannt, ob Pau diese Aussage bei einem ihrer Besuche in der israelischen Botschaft in Berlin oder in Jerusalem/Quds getätigt hat
  65. Erinnert an den Spielfilm “Departed/Unter Feinden”, mit Matt Damon und Leonardo di Caprio, als Polizei-Agenten in Boston, der Eine als Spitzel in die irische Mafia eingeschleust, der Andere Spitzel für diese Mafia in der Polizei…dort kommt es ja aber zu keiner Enttarnung
  66. Beim KGB-Mann Oleg Kalugin war es so, dass er mit dem System der SU in den 1980ern unzufrieden war, dies auch äusserte, an seiner Reform mitwirkte; übergelaufen ist er nicht und er hat auch solche wie Gordijewski scharf dafür kritisiert. Er lebt jetzt in der USA. Auch nicht so leicht einzuordnen
  67. “Bei der Beerdigung kam es beinahe zu Zusammenstößen zwischen den sehr heterogenen Beteiligten der Trauergesellschaft: österreichische Legitimisten, Kommunisten und Juden reklamierten den Toten jeweils als einen der ihren.”
  68. Er ging zu den Grünen, während viele Andere aus den K-Gruppen eine Beamten-Laufbahn einschlugen
  69. Der andere Teil der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum trat als Deutsche Forumpartei (DFP) zusammen mit LDP und FDP der DDR als BFD an
  70. Erst 1993 gingen Bündnis 90 und Die Grünen in der heutigen Partei Bündnis 90/Die Grünen auf, bis dahin gab es nur eine Art Allianz
  71. Später bekanntlich SPD
  72. Repression und Umweltverschmutzung kamen dort von einem linken Regime, die Kirchen waren Orte des demokratischen Widerstands, Ex-Nazis waren auch dort ins Regime gegangen
  73. Bei der vorgezogenen Wahl nach der Vereinigung Ende 90 wurden die Grünen nur im Osten gewählt> Wollenberger, Schulz, Poppe, Ullmann,… 05 scheiterte Lengsfeld/Wollenberger mit ihrer Kandidatur um Vorzugsstimmen auf der CDU-Liste mit einem Dekoltee-Bild
  74. Ex-Bürgerrechtler haben die CDU auch ein Stück weit verändert. So ähnlich wie Ismail Cem der für die CHP zu liberal war, nach einer “Tour” zu SHP, DSP, YTP (seine Gründung) zu ihr zurück kehrte, ihren liberalen Flügel stärkte
  75. “Freie Welt”, ausserdem für „eigentümlich frei“ (IfS), die “Preußische Allgemeine Zeitung“ sowie für das CSU-Organ „Bayernkurier“
  76. „Gemeinsame” Erklärung 2018, mit Broder, Sarrazin, Matussek, Herman, Tellkamp, Flaig,…; seit 2014 tritt sie als Kritikerin der „flüchtlingsfreundlichen Politik“ von Bundeskanzlerin Merkel auf
  77. Der Westen unterstützte damals den Irak, Donald Rumsfeld kam in dem Zhg als Reagans Beauftragter nach Bagdad
  78. In Afghanistan gab es Kommunisten, die zu den Taliban hinüber wechselten, hauptsächlich von der (paschtunischen) Khalqi-Fraktion der Demokratischen Volkspartei Afghanistans, was auch eine Art “Rechtsruck” ist. Es gibt im Irak einen hohen Anteil von Ex-Baathisten im IS, darunter die Nakschbandi-Miliz unter Issat Ibrahim al-Duri (der wegen seiner roten Haare “Karotte” genannt wurde), aus Angehörigen oder Anhängern des alten Regimes. Die Baath war irgendwie links (strebte neben arabischem Nationalismus eine Form von Sozialismus an), Salafisten i-wie rechts
  79. In einem 1989 gedrehten Film über Claus von Bülow spielte er passenderweise bzw “vorausschauend” Alan Dershowitz. Auch Henry Kissinger hat er mal gespielt
  80. Er setzte sich auch für den Handlanger von Bushs Vize Cheney, Libby, ein
  81. Vielleicht muss man es so sehen, dass in diesem Milieu wenigtens zwischen Arabern und Iranern unterschieden wird, ist ja auch schon was
  82. Auch “Bund zur Verbreitung unerwarteter Einsichten”, “Zegg” und weitere Tarnnamen
  83. Der Ahriman-Verlag (Name ist aus der zoroatrischen Theologie) verlegt auch den in der Schweiz (als Drogenhändler) lebenden Serbo-Faschisten „Alexander Dorin“ vulgo Boris Krljić, mit einem Buch in dem der Srebrenica-Genozid geleugnet wird, diesbezüglich von einem “Lügen-Auschwitz der Nato” geschrieben wird…
  84. Eigentlich hiess der Mann Waldstein
  85. In einem Fernsehinterview 1989 bezeichnete Golo Mann beide als „Lumpen“, Adorno und Horkheimer hätten ihn beim damaligen hessischen Kultusminister als „heimlichen Antisemiten“ angeschwärzt, nachdem er sich um den Lehrstuhl beworben hatte. Eine Schilderung der Vorgänge gab der Historiker Joachim Fest, der ausser der Antisemitismus-Unterstellung auch Manns Homosexualität nennt
  86. > Als Staschinski-Fall bekannt gewordene Entscheidung des Bundesgerichtshofs
  87. Sein Aufwachsen ohne Mutter, unter Mussolini und mit englischen Erzieherinnen verarbeitete er im Film „Tee mit Mussolini“
  88. 1958 interpretierte er Verdis Oper „La Traviata“ an der Mailänder Scala “unorthodox”, machte 1983 auch einen Film daraus
  89. Die bei der Berlinale 1986 über den Sieger des Goldenen Bären, einen Film über RAF-Häftlinge in Stammheim, Abfälliges sagte
  90. Er sah keinen Gegensatz zwischen seiner Homosexualität und seinem Katholizismus
  91. An dieser Stelle: war das radikale Eintreten für die Rechte der unter der Apartheid Entrechteten des PAC eigtl. rechts (nationalistisch) oder links?
  92. verrückt
  93. Hitler selbst war nach dem 1. WK anscheinend in einem Soldatenrat der Räterepublik in Bayern gewesen; was aber wahrscheinlich mehr von Mitläufertum als von linker Gesinnung zeugt
  94. Bei 2 Wahlen 02, der Kommunalwahl in Rotterdam und der nationalen Parlamentswahl. Zu den Traditionslinien der niederländischen Rechten hier
  95. Man muss nur auf de.wiki gehen, um diesbezügliche Verschwörungstheorien zu lesen; Versuche, Verbindungen zu Moslems herzustellen, und -“unschuldig-naiv” formuliert- „Es schloss sich eine Diskussion darüber an, ob linke Kritiker von Fortuyn eine Art indirekter Mitschuld an dem Attentat hätten.“
  96. Eine Querverbindung in diesem Artikel: Der genannte Günter Maschke war ja auch in Cuba gewesen (und dort nicht froh geworden), durfte dann auf Vermittlung von Hans M. Enzensberger (ebf hier genannt) bei Suhrkamp eine Übersetzung eines Gedichtbands von Padilla rausbringen
  97. Er schalt auch George Papandreou für seine Etablierung engerer Beziehungen Griechenlands mit Israel bzw Netanyahu
  98. A propos: Der Titel Conducător, den sich der rechte Diktator Antonescu (40-44) zulegte, wurde auch für den linken Diktator Ceaucescu (65-89) verwendet
  99. Der von “Kammertürken” abstammt

Antisemitismus (IV)

In diesem letzten Teil der Antisemitismus-Untersuchung geht es um tatsächlichen/vermeintlichen islamischen Antisemitismus, den Blick darauf, den Antisemitismus-Diskurs, “Untersuchungen” darüber.

Zunächst zum Islamismus allgemein: Amri, der Attentäter vom Weihnachtsmarkt in Berlin ’16, war u.a. als Drogenhändler aktiv, als er in die salafistische Islamistenszene kam. Tunesier, wie er, sind überproportional vertreten in diesem Djihadismus (IS,…), ob in Syrien/Irak oder Westeuropa – was nicht zuletzt auf die saudi-arabischen Bemühungen dort (siehe auch Teil III bzgl KSA) zurück zu führen ist. In diesem Zusammenhang stehen auch Anschläge auf Schiiten in Irak oder Pakisten oder auf Sufis. Die neue Welle des islamistischen Terrors (schlimmer als der von al Qaida) kam Anfang der 2010er-Jahre, zur Zeit des Arabischen Frühlings. Noch einmal etwas zu dieser islamistischen Heuchelei: Frauen ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit sei ein Skandal aber Unbeteiligte töten aus Fanatismus heraus sei OK (bzw kein Grund zur Aufregung), mit harten Drogen handeln ist kein Problem aber Schweinefleisch essen ist schlimm,…1

Die Berliner Politikerin (mit palästinensischen Wurzeln) Sawsan Chebli (SPD) wurde bei „Dunya Hayali2“ (ZDF) zu „moslemischem Antisemitismus“ gefragt. Sie sagte dass der Kampf gegen Antisemitismus auch Anliegen von Muslimen sein müsse. Wie immer die Frage genau war, welche Nachfragen kamen, welche Kommentare hinterher: Solche „Fragen“ gehen meistens in die Richtung „Unterschreiben sie meine/unsere Definition von Antisemitismus“ (gefälligst)?” Und, welche Antwort der/die Betreffende auch immer gibt, er/sie wird danach jedenfalls irgendwo angeprangert. Laut “Heise”-Artikel bekommt Chebli sehr viele Hasskommentare über das Internet und erstattet “20 bis 30 Strafanzeigen pro Woche”. Sie ist auf Twitter sehr aktiv, ihren Facebook-Account hingegen habe sie deaktiviert, da sich diese Plattform zu einem Tummelplatz für “Rechte, Islamgegner sowie Antisemiten” entwickelt habe, und das Unternehmen zu wenig gegen diese vorgehe. Sie hat nobel darüber geschwiegen (bei dieser Gelegenheit zumindest), aus welcher Ecke genau die Hasskommentare ihr ggü kommen bzw welchen Charakters sie genau sind; aber als Frau palästinensischer Herkunft (da ist egal ob sie sich für Palästina engagiert oder nicht) sicher auch “einige” aus der Pro-Israel-Kurve, daneben wohl von rechten Fremdenfeinden.3

Zurück zum moslemischen Antisemitismus. Dazu ist zunächst nochmal anzumerken, dass dafür auch Angehörige anderer Religion(sgrupp)en in Frage kommen, sofern sie aus der “betreffenden” Region (Vorderasien-Nordafrika) kommen, also Christen, Drusen, Baha’i, Alewiten, Alawiten, Zoroastrier,… Nicht zuletzt christlichen Palästinensern wird gerne derartiges angehängt. Dann: die “Bestandsaufnahmen” und “Analysen” gehen ja in der Regel dahin, dass die Sachlage auf ein vereinfachtes Modell von “Täter” (Moslems bzw Orientale) und Opfer (Juden) reduziert wird, und dass über diesen behaupteten/tatsächlichen Antisemitismus jede Menge Aussagen “abgeleitet” werden, über den Israel/Palästina-Konflikt, die Kultur der moslemischen (vorderasiatisch-nordafrikanischen) Staaten, die Rolle des Westens,… Was sicher ein Fakt ist, ist dass sich aus der Perspektive dieser Länder (bzw ihrer Bevölkerungen) etwa seit dem späten 19. Jh, vollends aber nach dem 1. WK, tiefe Umwälzungen vollzogen, durch “Impulse” aus dem Westen, welche sich mit dem Konflikt um Palästina verbanden.4

Für Vorderasiaten/Nordafrikaner ist Palästina (bzw dieses “Amalgam”) meist nicht Vorwand für “Antisemitismus” bzw für antijüdische Gefühle, sondern „Grund“. Es gibt auch einen Import von westlichem (europäischem) Antijudiasmus, was Thomas Schmidinger in manchen Texten und Vorträgen beleuchtet hat. Vom Westen lernen heisst was (genau)? In der jetzigen Zeit ist andauernd von einem “freien Westen” die Rede (von Grigat bis Strache), welcher sich durch Anti-Antisemitismus, Frauenfreundlichkeit, Toleranz,… auszeichne bzw definiere, wird versucht, dies rückwirkend in die Vergangenheit auszudehnen… Es kamen da aber auch andere Impulse. Die erste volle arabische Übersetzung der “Protokolle der Weisen von Zion” (Mu’amarat al al-Yahudiyya ‘ala-‘l-shu’ub) kam 1925 zu Stande, übrigens durch einen maronitischen Priester (Anton Yamin). Die Kataib/Phalange5, ebenfalls libanesisch und maronitisch (also christlich), wurde 1936 gegründet, nach Vorbildern des europäischen Faschismus. Es gibt schon Moslems, die aus dem Koran bzw aus der islamischen Frühgeschichte etwas Anti-Jüdisches beziehen, als ob die Auseinandersetzungen des Propheten Mohammed mit jüdischen Stämmen in Arabien vor 1400 Jahren etwas mit Palästina zu tun haben würde.6 Und es gibt sozial-wirtschaftliche Faktoren, genau wie beim Antisemitismus im Westen.

Faruk Hosny, ein Kunstmaler, war 87-11 ägyptischer Kulturminister, bewarb sich 07-09 für den UNESCO-Chefposten. Damals wurde er als “Antisemit” gebrandmarkt, wegen angeblicher Äusserungen über das „Verbrennen hebräischer Bücher“; neben jüdischen Organisationen war Deutschland hier an vorderster Front… Israel, das im UNESCO-Exekutivrat nicht vertreten ist und daher nicht an der Wahl teilnahm, zeigte sich in Sachen Hosny zurückhaltend, um Ägypten (> Mubarak, “Nahostfriedensprozess“) nicht zu “brüskieren”. Der rumänisch-amerikanische Friedensnobelpreisträger Elie(zer) Wiesel bezeichnete Hosni als einen “gefährlichen Mann”, das Simon-Wiesenthal-Zentrum (SWC) kritisierte seine Bewerbung als “Anathem für diesen Tempel der Kultur und des Dialogs”. Auf Arte ein Bericht, in dem ein israelischer Politologe namens Birenbaum über Antisemitismus in Ägypten („Schauermärchen über Mossad” u.a.) redete, dies unkritisch ergänzt wurde. Nichts über die Hintergründe, die Kriege 1948, 1956, 1967, 1973, die israelische Besetzung eines grossen Teils Ägyptens (Sinai) 1967-82 und israelische Aktionen wie die versuchten Anschläge auf US-amerikanische und britische Einrichtungen in Ägypten unter falscher Flagge 19547. Und nichts über die negativen Haltungen, die es unter Juden/Israelis ggü Ägyptern (oder anderen Völkern dieser Region) gibt.

Zuspruch erhielt Hosny dagegen vom “Nazi-Jäger” Serge Klarsfeld, der seine “öffentliche Reue” begrüsste. Andere wiesen darauf hin, dass er Synagogen in Ägypten renovieren hat lassen. Frankreich unter Sarkozy (der an einer Mittelmeerunion arbeitete) war für Hosny. Dessen Gegenkandidatin, eine Bulgarin, wurde schliesslich gewählt. Es ist möglich, dass dieser Hosny inakzeptable Dinge gesagt/geschrieben hat, möglicherweise wurde aber auch eine Hexenjagd auf ihn veranstaltet.8 Die Wikipedia-Artikel sind eher nicht heranzuziehen, um das herauszufinden. “Antisemitismus” generell (besonders aber der “neue” und der “islamische”) ist zu einer Art Black Box geworden. Es läuft in der Regel so, dass Juden absolut und fix in der Opferrolle (der Moslems) verortet werden, Israel der Massstab ist, und der fortschrittliche Westen dem zurückgebliebenen Orientalen zu zeigen hat, was Sache ist. Die Gier nach “antijüdischen Orientalen” zeigte sich zB beim Tod von Ariel Scharon (vielleicht war der Anlass auch sein Schlaganfall, der ihn ins Koma beförderte), als ein Kamerateam für irgend eine(n) westliche(n) Sender/Nachrichtenagentur Leute im Iran auf der Strasse dazu interviewte, nach Kommentaren fragte, versucht wurde, etwas “Antijüdisches” herauszukitzeln, etwas zu finden, das als „AS“ ausgelegt werden kann.

Diese versuchte Instrumentalisierung und Hysterie gibt es nicht zuletzt in Deutschland und Österreich. Matti Bunzl: „Sofern der neue Antisemitismus von Rechtsextremen propagiert wird, ist diese Logik immer noch am Werk. Wenn wir uns jedoch dem Phänomen von seiner islamischen Seite her nähern, sehen wir einen gänzlich anderen Plan. Wenn junge ausgegrenzte Muslime französische Juden angreifen, dann nicht aus dem Interesse heraus, ein ethnisch reines Frankreich zu schaffen. Auch behaupten sie nicht, dass Frankreichs Juden nicht zu Europa gehören. Im Gegenteil, sie greifen Juden eben deshalb an, weil sie sie als Teil einer europäischen Hegemonie begreifen, die sie nicht nur in Frankreich marginalisiert, sondern die in ihrer Sicht auch für das Leiden der Palästinenser verantwortlich ist. In der arabischen Welt wird Israel letztlich vor allem als europäische Kolonie begriffen. Die Gewalt von Muslimen gegen Juden in Europa als Ausdruck antikolonialen Kampfes zu bezeichnen, heißt nicht, sie zu verteidigen. Es macht jedoch klar, wie sehr sich alter und neuer Antisemitismus unterscheiden. Während ersterer darauf angelegt war, Juden aus den Nationalstaaten Europas auszugrenzen, greift letzterer Juden eben deshalb an, weil sie Teil Europas sind.“

Rolf Verleger: “Möglicherweise wären die Vorurteile der Muslime über Juden schlicht das Spiegelbild der Vorurteile der übrigen jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerung über Muslime…Es ist fraglich, ob negative Vorurteile der muslimischen Bevölkerung gegenüber Juden durch spezielle pädagogische Maßnahmen behoben werden können, die sich nur an Muslime richten und einseitig Vorurteile gegen Juden abbauen möchten…Die offensichtliche Asymmetrie zugunsten von Juden und zuungunsten von Muslimen, wie sie in heutigen ritualisierten Antisemitismus-Debatten zutage tritt, widerspricht dem Grundsatz der Gleichheit aller Menschen und der Gleichwertigkeit von Minderheiten…Wenn es denn zutrifft, dass Kritik an den Zuständen in Israel häufig aus Vorurteilen gegen Juden heraus erfolgt und/oder die Kritiker ein objektiv oder subjektiv Juden-schaden-wollendes Ziel verfolgen, dann müsste in ähnlicher Weise Kritik an der Türkei häufig aus islamophoben Motiven heraus erfolgen und/oder ein objektiv oder subjektiv Muslimen-schaden-wollendes Ziel verfolgen. Schließlich sind … negative Vorurteile über Muslime verbreiteter als über Juden, müssten also auch eher in solche politischen Urteile hineinspielen.”9

Da sind einige wichtige Punkte angesprochen worden. Wenn man zB liest und hört, was Caroline Glick von sich gibt, über Palästinenser und diese Region, trifft man auf nackten Hass und Hetze10, in dem über Hass und Hetze lamentiert wird. “Pierre Ro”: “Wem die antisemitischen Vorfälle auf pro-palästinensischen Demonstrationen, oder der anti-arabische Rassismus in Israel wirklich Sorgen machen (und diese nicht nur für seine Zwecke politisieren will), der würde erst Recht den Sinn darin erkennen, diese Rassismen gemeinsam zu behandeln.” Aber diese Schieflage gibt es eben. ORF-Bericht über „islamischen Antisemitismus“ > gemeinsamer KZ-Gedenkstätten-Besuch in Österreich mit Moslems, Juden seien in Angst, der Afghane hätte gelernt dass die Buchara-Juden (aus Usbekistan und auch Tadschikistan) die selbe Sprache sprechen wie er11; er hat was zu lernen, nur diese Seite, Vorurteile der anderen Seite werden ausgeblendet. Und es wird insinuiert, dass dieser anderen Seite immer an einem solchen Brückenbau gelegen sei… Das Gegenteil ist der Fall.

In welches Narrativ passt Verständigung von Juden (zumal orientalischen) und Moslems (die verschiedensten Nationalitäten angehören können) denn nicht?! Das “Projekt” (der Mauthausen-Besuch) geht auch am Problem des Israel/Palästina-Konflikts komplett vorbei, falls das “mit-behandelt” werden sollte… Vielleicht sollte man einen israelischen Besatzungssoldaten marokkanischer oder irakischer Herkunft zu einer palästinensischen Familie führen und ihn damit vertraut machen, dass diese Menschen die selbe Sprache sprechen wie seine Eltern bzw Grosseltern. Eigentlich geht es da um das System bzw die Befehle, die diese Soldaten bekommen, mit denen sie Palästinensern das Leben schwer machen. Oder: Der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz12 sagte 2017 zum Fernsehen: “Es gibt zum Beispiel junge Palästinenser, Männer, die zu uns kommen, die mit einem tief verwurzelten Antisemitismus erzogen worden sind, denen muss man in klaren Sätzen sagen: ‘In diesem Land hast Du nur dann einen Platz, wenn Du akzeptierst, dass Deutschland ein Land ist, das Israel schützt, dass das unsere Staatsräson ist.'” Auch hier: Der Westen bzw Deutschland als Lehrer (& edler Beschützer), die Orientalen Schüler (& Bösewichte).

Von David Ranan kam 2018 das Buch “Muslimischer Antisemitismus. Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland?” heraus. Ludwig Watzal darüber: “Ergebnisse, die Ranan präsentiert, stören das Image vom ‘muslimischen Antisemiten’. Was die deutschen Sittenwächter als ‘muslimischen Antisemitismus’ oder ‘Judenhass’ zu diagnostizieren scheinen, hat mit beiden Phänomenen nichts zu tun, weil es sich schlicht und ergreifend nur um Kritik an der brutalen israelischen Besatzungs- und Unterdrückungspolitik handelt. Deshalb kommt Ranans Buch auch schlecht bei der politisch-medialen Klasse an. Es passt einfach nicht ins Klischee vom ‘antisemitischen Muslim’. Folglich wird es negativ rezensiert oder lächerlich gemacht…. Ranans Ausführungen zeigen, dass die verquaste Antisemitismus-Debatte völlig neu vermessen werden muss. Wie verfehlt diese Diskussion ist, zeigt die Inthronisierung eines ‘Antisemitismus-Beauftragten’. Ein Antirassismus-Beauftragter wäre passender gewesen, da es sich beim Antisemitismus um eine Form des Rassismus handelt. Das antisemitische ‘Geheimwissen’ einiger weniger muss sich der öffentlichen Kritik stellen und von dem engstirnigen gesellschaftlichen Mief befreit werden, der das Thema umgibt. Das Thema ‘Antisemitismus’ muss neu angegangen werden und dem Dunstkreis der starren Ritualisierung und Instrumentalisierung entzogen und einer Fundamentalkritik unterzogen werden. Dafür hat Ranan eine exzellente Vorlage geliefert. Für die politische Bildung wäre dieses Buch bestens geeignet.”

In Teil I war ja schon die Rede von diversen Antisemitismus-Konferenzen und -Veranstaltungen. Im Februar 19 gab’s wieder eine, im Kursalon Hübner in Wien (wo immer wieder Burschenschafter-Veranstaltungen und Ähnliches stattfanden), veranstaltet vom damaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ)13, etwa 3 Monate bevor er zurücktrat, nachdem bekannt geworden war, dass er (in Ibiza 2017) vermeintlichen russischen Oligarchen/Geschäftsleuten u.a. Staatsaufträge für illegale Spenden und eine Umgestaltung der österreichischen Medienlandschaft in Aussicht gestellt hat. Es gab eine Diskussion über “islamischen Antisemitismus“. Dieser sei eine “Querschnittsmaterie und ein Thema von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung”, so Strache; Grigat hätte es auch nicht anders ausgedrückt, oder die anderen Antisemitismus-Kapazunder in Deutschland/Österreich.

Antisemitismus habe unter ihm in der FPÖ keinen Platz, „Es gibt Antisemitismus auf allen politischen Seiten – und es gibt Antisemitismus, der sich hinter dem Mantel von Religionen verbirgt“, so der ehemalige Neonazi. Der ja auch die Rechten als “die neuen Juden” sieht. Er sei „für freie Religionsausübung“, „gegen totalitäre Strömungen hinter dem Deckmantel der Religion müsse mit aller Härte und Konsequenz vorgehen“ > als ob es bei diesem Spiel um Religions-Ausübung, Toleranz und Totalitarismus gehe…und nicht um seine heuchlerische Selbst-Profilierung, eine Entsorgung der eigenen Geschichte auf Kosten Anderer, um ein neues Ausgrenzen (und ein Brückenbauen dabei), um ein Nutzen-Ziehen aus dem Islamismus, um ein Reiten auf einer Welle, um das Pressen von Menschen in konfessionelle Schubladen,… Mit dabei auf der Politshowbühne war Henryk Marcin Broder, der verkündete dass „von den 700 Gästen 690 wegen mir gekommen sind“ – eine Pseudoabgrenzung von Strache und den FPÖ-Anhängern im Publikum. Als die FPÖ vor einigen Jahren in einer Wahlwerbung in Form eines Zeitungs-Inserats Broder zitierte, tat der so als hätte er nichts zu schaffen mit denen14,…inzwischen haben sie also zueinander gefunden. Knapp zuvor war er in der Bundestags-Fraktion der AfD aufgetreten, Alice Weidel umarmte ihn bei der Gelegenheit und konnte sogar einmal lachen.

Michael Ley, ebenfalls so eine Art Publizist, sagte, der “Vormarsch” des politischen/radikalen Islams erinnerte an jenen des Nationalsozialismus. Da wird der eine oder andere von Straches Anhängern im ersten Moment nicht genau gewusst haben, ob er sich darüber freuen soll, dass ein neuer NS im “Anmarsch” ist, oder über die Abwälzung des NS in Richtung “des Islams”; man hat jedenfalls applaudiert. Ley ist bei diesem Abwälzen besonders motiviert, da er damit für seine rechten Aktivitäten und Inhalte Anerkennung bekommen möchte. Ley wurde für die Webseite der österreichischen Identitären von deren Co-Chef Martin Sellner interviewt. 2016 sagte er, es sei wichtig, “dass die Identitären stärker werden”. Ausserdem publiziert er im Verlag Antaios gemeinsam mit anderen Vordenkern/Nachbetern der Neuen Rechten. Er schreibt/schrieb auch Gastbeiträge für die rechtsextreme Zeitschrift “Info-Direkt”, die ebenfalls von „Identitären“ dominiert ist.

Auch Laila Mirzo, die Alibi-Orientalin in der Runde, schreibt für “Info-Direkt”, sie äusserte auch Sympathien für Identitären-Führer Sellner (klassischer Rechter, “Olympia”-Burschenschaft, Kontakte zu Höcke oder Kubitschek). Die „Islamkritikerin“ Mirzo prangerte vor allem die “Dominanz muslimischer Fundamentalisten” in bestimmten “sozialen Ghettos” in Europa an, wo die liberalen Muslime zunehmend unter Druck gerieten. Für sie stellen alleine die “vom Glauben abgefallenen Muslime” die Gruppe der Integrationswilligen dar. „Vom Glauben Abgefallen“ ist islamistische Diktion. Und, muss man da nicht auf Saudi-Arabien Rücksicht nehmen (> Teil III)? Und, die Nicht-Akzeptanz der Lossagung von Menschen vom Islam durch Islamophobe steht dem ja genau entgegen, die Einordnung über Religionszugehörigkeit, die Konfessionalisierung… Die Runde komplett machten Birol Kilic von der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, und „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak als (wunderbar in die Runde passender) Moderator. Wolfgang Sobotka (und sein Grinsen) oder Andreas Koller hätten noch dazu gepasst.

In “Der Standard” ausnahms-/überraschenderweise ein treffender Kommentar zur Veranstaltung (im Vorfeld): “Mit der rechtsextremen Identitären Bewegung will Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) nichts zu schaffen haben. Das wollte er zumindest in einem Prozess gegen den Politikberater Rudi Fußi klarstellen, der ein Foto von Strache und Identitären unter dem Kommentar ‘Gemütliches Beisammensein’ gepostet hatte – Strache zog die Klage zurück. Zu einem solchen gemütlichen Beisammensein könnte es am Mittwoch im Kursalon Hübner im Wiener Stadtpark kommen – zwar nicht mit Kadern der Identitären selbst, wohl aber mit Persönlichkeiten, die viele Berührungspunkte mit ihnen aufweisen und diese offen unterstützen.” Da sass die rechte Runde am Podium und diskutierte über “islamischen Antisemitismus”, “Islam”, “Islamismus”, “Intoleranz”,…, man nickte einander zu, urteilte, mahnte, fachsimpelte…als ob…

Broder promotet ja verschiedenes Rechte, wenn er über “Israel” oder “Islam” redet, im Kursalon schwafelte er etwa über “europäische Grundwerte statt genderneutrale Toiletten” (siehe III)15. Wenn er das seit bald 20 Jahren wiederholte Mantra vorbringt, man dürfe ggü Intoleranten nicht tolerant sein (als ob das etwas Neues sei)16, nicht liberal, setzt er wieder die Lager “Wir” und “Sie” voraus, setzt voraus dass (auch) Leute wie er im Grunde tolerant und liberal wären, es die “Gegenseite” aber nicht sei, spielt den Mahner der die “naiven Liberalen” im Westen belehren muss (und einmahnen dass man zu seinen “Grundwerten” steht17) – wenn er nicht gerade ein paar Schubladen tiefer greift und jemand zB als „linksreaktionäre Schlampe“ beschimpft. Allein schon seine Assoziation dort im Stadtpark-Kursalon mit den “Identitären” und dem Rechtspoulisten (es gibt viele ähnliche bei ihm, bzw seine Achse ist mindestens rechtspopulistisch) widerlegen seine (gelegentlich) pseudo-progressive Rhetorik ggü dem Islamismus.

Und: man könne “nicht leugnen, dass es einen Unterschied mache, zu welcher Glaubensgruppe man gehört”: Er als “atheistischer Jude” polemisiere seit 50 Jahre gegen Juden, mit der Konsequenz, “von diesen nicht gemocht zu werden”. Kritisiere aber jemand mit muslimischem Hintergrund “seine” Glaubensrichtung, müsse er mit Todesdrohungen und Verfolgung rechnen. Da steckt zunächst einmal ein Chauvinismus drinnen, eine Selbstbeweihräucherung (“Wir sind so viel besser als sie”), verbunden mit der Bemühung, Moslems als “zurückgeblieben” abzustempeln. Ob Broder wirklich ein “atheistischer Jude” ist, sei dahin gestellt; als israelischer Staatsbürger kann er sich das jedenfalls leisten. Diese Konfessionalisierung (Einteilen der Menschen nach ihrer Religion) macht er natürlich gern. Broder „polemisiert gg Juden“? Der Berliner Moraltheologe “polemisiert” v.a. gg IL-Kritiker… Und gegen liberale bzw israel-kritische-Juden wie Evelyn Hecht-Galinski, Tochter eines früheren ZdJ-Vorsitzenden, engagiert bei der Jüdischen Stimmen für einen gerechten Frieden, Kritikerin am ZdJ und führenden jüdischen Persönlichkeiten in Deutschland wie Broder. Leuten wie ihr wirft er „jüdischen Antisemitismus“ vor, gegen sie geht er machohaft-hysterisch vor. „Nicht gemocht werden“. Nicht gemocht (unter Juden) wird man, wenn man den Zionismus/ Israel kritisiert wie Ilan Pappe oder Uriel Avneri oder Richard Goldstone oder Norman Finkelstein.

Avneri, früher Helmut Ostermann, verliess mit seiner Familie 1933 Deutschland  um nach Palästina zu gehen. Er war sogar für die rechtsextreme zionistische Terrorgruppe IZL aktiv, wegen seines geringen Alters wahrscheinlich nur publizistisch; später stellte er das als „Kampf gg Briten“ dar. 1942 verliess er die Gruppe, wurde Anhänger des Kanaanismus, der vereinfacht gesagt, Israel und Juden mehr als Teil der Region sieht statt als Anhängsel des Westens. Er beteiligte sich an der Nakba (möglicherweise auch an späteren Kriegen), trommelte in der Zeitschrift „Ha Olam Haze“ 1952 für einen Präventivkrieg gg Ägypten, gründete eine eigene Partei (die so wie seine Zeitschrift hiess), war für diese und eine andere kleine Linkspartei in der Knesset, traf ’82 Arafat im Libanon, wurde Friedensaktivist. Ist auch antireligiös, begründete Gush Shalom, bekam den “alternativen Friedens-Nobelpreis” (RLA), schrieb u.a. für “Counterpunch”. Er war mit seiner Familie teilweise zerkracht, unter Zionisten angefeindet und ausgegrenzt, der rechtsextreme Siedler Baruch Marzel wollte ihn umbringen lassen.18 Broder wird unter Juden weder gehasst noch ausgegrenzt, auch nicht Caroline Glick oder die FPÖ-Politiker Lasar und Sichrovsky; ausgegrenzt werden Avneri, Abraham Melzer oder Judith Butler.

Gegen ihre Auftritte wird mobilisiert, diffamiert,… Während jeder Widerstand gegen das zionistische Projekt in Palästina als Art neuer Holocaust präsentiert ist, gelten für die Berichterstattung über dieses Projekt selbst vielerorts sehr enge Regeln. Broder stellt sich als „Enfant terrible“ unter den Juden dar (ggü dem man aber tolerant sei), in Wirklichkeit trägt er die Hetze gegen jene Juden mit, die gegen den Strom schwimmen („jüdische Antisemiten“); entscheidend ist die Haltung zu Israel. Mutig mit der Springer-Presse im Rücken, hofiert von Politikern, sowie rechten und linken Stammtischen. Dass er mit FPÖ und AfD gemeinsame Sache macht, passt hier ja auch dazu, und seine Ausführungen bei Auftritten für diese Parteien. Dagegen, Palästinenser müssen unter israelischer Besetzung mit allem Möglichen rechnen, jedenfalls mit der Militärzensur (ausgeführt durch die Behörde, die Frau Vaknin-Gil führte). Bei (auch nur leichtem) Widerstand gegen die Soldaten droht zumindest monatelange Haft, die kann aber auch ohne “Grund” verhängt werden (“Administrativhaft”). Der palästinensische Dichter Ghassan Kanafani aus Akko, 1948 (Nakba) in Libanon vertrieben, Mitglied der PFLP, wurde 1972 (zusammen mit seiner Nichte) in Beirut vom israelischen Mossad getötet. Yitzhak Rabin, israelischer Premier, wurde von Einem aus der rechtsextremen Szene seines Landes ermordet, nachdem er den Palästinensern einige Zugeständnisse gemacht hatte.

Es gibt immer wieder Mord-Aufrufe von israelischen Politikern, meistens Palästinenser betreffend. Yosef “Tommy” Lapid (Tomislav Lampel, aus der damals jugoslawischen Vojvodina) war noch nicht in die Politik gegangen und noch Journalist, als er 1995 in einem Interview mit einem kanadischen TV-Sender sagte, er hoffe, dass ein Jude in Canada den auskunftsfreudigen ehemaligen Mossad-Agenten Victor Ostrovsky töten werde… Ostrovsky hatte sich nach Canada zurück gezogen, und auf sein Haus wurde ein Brandanschlag verübt. Dabei hat Ostrovsky nicht einmal den Zionismus grundsätzlich in Frage gestellt, vielleicht gewisse Praktiken seines Auslands-Geheimdienstes… Lapids Sohn Yair ist ebenfalls ein Journalist der in die Politik ging und einen sehr chauvinistischen “Liberalismus” vertritt. Bei Juden, die sich in irgend einer Weise gegen den Zionismus stellen, ist es mit “nicht gemocht werden” nicht getan. Leute wie Gilad Atzmon sind so etwas wie „Brunnenvergifter“, auch solche wie Peter Beinart stehen schon unter schwerem “Beschuss” vom jüdischen Mainstream.

Der Journalist Gideon Levy, ein gemäßigter Zionist, ist der “meistgehasste Mann Israels”.19 Norman Finkelstein wird als “Nestbeschmutzer” gesehen und behandelt, wurde von der Israel-Lobby um akademische Aufstiegsmöglichkeiten gebracht, nachdem er sich gegen den jüdischen Hauptstrom gestellt hatte. Der Publizist Abraham Melzer stammt aus einer Familie, die zu einem grossen Teil im Holocaust getötet wurde; er hat auch in der israelischen Armee gedient. 2017 wurde verhindert, dass er in Frankfurt sein Buch „Die Antisemitenmacher” vorstellen konnte. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft München, Charlotte Knobloch, nannte ihn einen “berüchtigten Antisemiten” (wegen seiner Haltung zu Israel), worauf hin er sie klagte. Im Endeffekt kam heraus, dass sie ihn weiter so nennen darf. Oder das Theater, als Bundespräsident Köhler Felicia Langer das Bundesverdienstkreuz verlieh, als Alfred Grosser bei einer Gedenkfeier (an die Pogromnacht) in Frankfurt eine Rede hielt20,…

Im Grunde ging es dabei immer nur um den Einsatz für Gleichberechtigung der Palästinenser… Rolf Verleger: “Als ich im Zentralrat der Juden in Deutschland von 2005 bis 2009 Delegierter Schleswig-Holsteins war und in der Öffentlichkeit die Politik Israels kritisierte, brachte als letzter Tropfen das Fass zum Überlaufen und führte zum Entzug des Mandats durch meine Basis, dass ich beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschlands einen Vortrag gehalten hatte – beim ‘Feind'”. Charles Enderlin, ein anderes Beispiel, französisch-israelischer Journalist bei TV5, vertrat in der al Dura-Sache eine andere Meinung als der Hauptstrom, eine aggressive zionistische Kampagne traf daher auch ihn. Ariel Muzicant 06: “Der Herr Avneri vertritt seine Meinung, er vertritt sich selber und sonst niemanden. Ich habe keine Lust, das zu kommentieren. Herr Avneri ist in meinen Augen jemand, der immer die Mehrheit kritisiert, ganz gleich, um was es geht. Das ist so jemand, der immer außerhalb jeden Konsenses steht, der keine Gefolgschaft hat, aber der liebend gerne im Ausland als Paradejude zitiert wird. Da bin ich dann etwas sauer”. Wir werden noch zu Leuten aus moslemischen Gesellschaften kommen, die “ausserhalb jeden Konsenses” stehen und von Israel-Freunden “gehypt” werden. Dass ein Journalist Herrn Muzicant “sauer” macht, geht jedenfalls gar nicht. Arik Brauer hat Avineri einen „selbsthassenden Juden“ genannt.

John Bunzl, ebenfalls aus der IKG Wien zum „neuen Antisemitismus“: “So entsteht eine selbst immunisierende Waffe, mit der auch vernünftige Kritik entlegitimiert werden kann. Weiters ergibt sich analog dazu ein Bedürfnis, die Situation zu dramatisieren, weil daraus die Notwendigkeit eines jüdischen Exodus (‘Aliah’) abgeleitet und die zionistische Funktion des Staates Israel bekräftigt werden kann. Auf der anderen Seite gibt die auf den 11. September folgende amerikanische Nahostpolitik Vermutungen Nahrung, wonach der Krieg gegen den Terror und gegen den Irak auch im Interesse Israels geführt wurde – und es ist nicht schwer, auf entsprechende Lobbies und Personen hinzuweisen. Äußerungen in diesem Sinn gern automatisch in die Schublade klassisch-antisemitischer Verschwörungstheorien (Protokolle der Weisen von Zion etc.) geschoben…während im allgemeinen europäische Antisemiten Israel benützen, um ‘die’ Juden zu treffen, benützen umgekehrt arabisch-islamische Antisemiten in der Regel Judenfeindlichkeit, um Israel zu de-legitimieren…Aber man spielt mit dem Feuer, wenn man alle Formen von Feindseligkeit in einen Topf wirft…Antisemitismus richtet sich gegen Juden als solche, unabhängig von ihren Ansichten (einschließlich des Zionismus) oder Handlungen…Mit dem Antisemitismus-Vorwurf erschwert Israels Regierung ua eine Bekämpfung des Antisemitismus. In Israel selbst bleibt es – wie sollte es anders sein -, jemandem wie Uri Avneri vorbehalten, festzustellen, dass ‘die Scharon-Regierung ein einziges riesiges Labor zur Züchtung des Antisemitismus-Virus darstellt’. Und zurecht fährt Avnery fort, dass, indem man Leute, die die Verfolgung der Palästinenser ablehnen, als Antisemiten beschimpft, man gleichzeitig “dem Wort (Antisemitismus) den Stachel zieht. Man belegt es fast schon mit so etwas wie Respektabilität”.

Bunzl steht aufgrund solcher Überlegungen selbst “am Rande” “seiner” Gemeinschaft; Muzicant selbst hat ihn einmal abfällig “Johnny Bunzl” genannt…sind nur 2 Buchstaben, aber… Auf de.wikipedia über ihn: “Obwohl selbst jüdischer Herkunft, setzt sich Bunzl mit besonderem Engagement für Anliegen der Palästinenser ein und erntet dafür Anerkennung, aber auch scharfe Kritik. Ihm wurde mehrmals Antisemitismus vorgeworfen“. Belegt ist das mit einem Artikel von Grigat-Hilfssheriff Florian Markl im “Standard” (“Die angeblich katastrophale Gründung Israels”)… Der Täter-Enkel drückt dem Juden den Stempel „Antisemit“ auf, weil (ihm) dieser nicht zionistisch genug ist, in einem Aufwischen mit einer Relativierung der Nakba (herumtrampeln auf dem Leid der Palästinenser). Man ist wütend auf ihn, weil er zionistische Dogmen in Frage stellt, eine “gut geölte Maschinerie” versucht Leute wie ihn zu verleumden, achtet dass die völkischen Reihen geschlossen gehalten werden. Man findet etliches Abfällige über ihn im IT von Seiten der deutsch-österreichischen zionistischen Szene (Pfeifer, Samuel Laster, lizaswelt, bnai brith,…).21 Bunzl zeigte etwa als Herausgeber von “Der Nahostkonflikt. Analysen und Dokumente” (1981, Beiträge von Bernard Lewis bis Mosche Machover), dass er über Israel/Palästina (und was damit zusammenhängt) ausgewogen und sachkundig schreibt, nur eben nicht aus einer “Fankurve” heraus.

Die liberalen Muslime würden für die verfolgten Muslime zu wenig tun, bemängelte Broder im Kursalon Hübner auch. Da sind wieder die Verallgemeinerungen und Konfessionalisierungen. Einem Palästinenser bringt es nichts, ein liberaler Moslem zu sein; PFLP und DFLP sind etwa nicht nur säkulare (und linke) Organisationen, sie wurden auch von christlichen Palästinensern gegründet und geführt…während Israel versuchte, die (religiöse, islamistische) Hamas als Gegengewicht zur Fatah und ihnen zu stärken. Saudi-Arabien wird seit Langem vom Westen inklusive Israel unterstützt, obwohl es Muslime (auch liberale) verfolgt (direkt und indirekt). Liberale Moslems wie Schirin Ebadi (weil sie das iranische Atomprogramm unterstützt) oder Karim El Gawhray oder Bahman Nirumand werden von Zionisten angefeindet. Als Liberale/Verfolgte zählen für Broder nur die Hirsi-Alis und Abdelsamads. Relevant dazu ist auch der Abschnitt über die Alibi-Orientalen unten.

Nun noch ein kleiner Einschub zu Broder grundsätzlich. Für sich nimmt der Scharlatan Toleranz selbstverständlich in Anspruch, trotz seiner Intoleranz. In der Hysterie ggü Günter Grass wirkte er selbstredend führend mit, so engagiert wie er bei der Verteidigung von Thilo Sarrazin war. Eigentlich verachtet er das Liberale ja, und Linke sind ohnehin sein zweites Feindbild. Dass Deutschland/Europa “zu einem Irrenhaus verkommen” sei und dem „Gender-Wahn“ nachhänge, das könnte auch ein (salafistischer) Islamist so formulieren (so formuliert haben)… Wenn er klagt, dass der Westen “nicht mehr seine Grundwerte verteidige”, stellt sich die Frage, was diese (für ihn) sind. Für jemanden, der auch über „echte Männer“ redet, Greta Thunberg angreift, wahrscheinlich von “Me Too – Hysterie” redet, sind westliche Grundwerte was? Wie schon im III. Teil gefragt: Wieder Anderl-von-Rinn-Verehrung? Küntzel hat (wie auch Grigat und Ähnliche) in seiner Broder-Apologetik nach dem Breivik-Massaker davon gefaselt, dass Anders Breivik (der sich sehr positiv auf Broder bezog) in Wirklichkeit nahe beim Islamismus ist („beide Ekel vor Gleichberechtigung der Frau“,…); zwischen der rechten Spielart der Islamophobie und dem Islamismus gibt es tatsächlich Überschneidungen…nur haben sie da ihren Broder “ausgespart”.

Broders Haltungen waren für das vorgeblich liberale “stopthebomb”, wo er mitwirkt(e), natürlich eben so wenig ein Problem wie Christian Ortner oder Neocons wie Clawson. Ja, es gibt Übereinstimmungen zwischen (gewissen) Westisten und Islamisten, was den Westen betrifft, dass dieser in seiner derzeitigen “Form” „degeneriert“ sei, und auch bei den Begründungen/Erläuterungen dazu – das “Degenerierte” ergibt sie für sie aus dem Liberalen und “Multikulti”. Broder kann es kaum rechts genug sein, ist keiner, der Rechten so schnell etwas verübeln würde22. Rechte wie FPÖ oder AfD sind dankbar für die Alibis die er ihnen gibt23, seine “Thesen” werden auch von der NPD herangezogen (siehe). Natürlich geht es dabei um einen politisch korrekten Chauvinismus, “Wir sind gegen sie weil sie so rückständig sind” etc. Wenn Broder Antisemitismus, den NS oder den Holocaust thematisiert, dann im Zusammenhang mit deutscher Unterstützung bzw Kritik an Israel. 1986 erschien seine Polemik „Der ewige Antisemit“, in der er Israel-Kritik (und die kommt in der BRD in der Regel nur von echten Linken24) als “Antisemitismus” zu firmieren trachtet (bzw ihr „Judenfeindschaft“ umhängt), eine Linie die sich fortsetzte. Die Verharmlosung von Rechtsextremismus und Rassismus ist eine “Kernbotschaft” von ihm.25

Es gibt eine Linie von Broders Geschreibe/Gerede über Moslems (oder was er dafür hält) zur Verächtlichmachung von (anderen) Südländern, von seinen pseudomoralischen Argumentationsmustern bezüglich Israel zu jenen “Leistungsgesellschaft”, “verweiblichte Männer”, “liberale Justiz” betreffend. Das zeigt sich zB wenn er (zusammengefasst) über “faule Südländer” im Kontext der Griechenland-Krise schreibt (xxx.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article108470738/Nordeuropa-arbeitet-und-zahlt-fuer-den-Sueden.html) oder als er irgendwo einen Überfall in Berlin kommentiert, wo die Täter als „Südländer“ beschrieben wurden und er hämisch-süffisant anmerkt, dass damit wohl kaum “Patagonier” gemeint sein können…insinuiert, dass es um Türken oder Araber gegangen sein muss. Oder Kurden, die sind aber in seinen “Kreisen” nun die Guten. Seinesgleichen wird auch kaum serbische Sinti oder Nordmakedonier oder Mhallami erkennen können, sie unterscheiden (wollen). Das ist der unappetitliche Rassismus des Henryk Broder. Aber genau dafür wird er ja geliebt, er ist “der einzige der sich traut die Wahrheit zu sagen, der redet halt Tacheles.”

Der Hassrede normalisiert, “Fremden”feindlichkeit salonfähig macht, wenn er zB die Deutschen über “Bevorzugung von Zugewanderten” in Deutschland aufklärt. Jene, die differenzieren, müssen mit wüsten Beschimpfungen rechnen. Manche Apologeten, Sympathisanten und Beschwichtiger sagen auch “der meint das eigentlich gar nicht so, der wird oft auch nur missverstanden”.26 Dieser Übergang von aus Islamismus- oder “Nahost”-relevanten Urteilen und Kommentaren zu solchen Südländer generell betreffend, immer die Auffassung von einem “Westen” durchschimmernd, dem eine Führungsrolle zustehe (ggü der globalen Peripherie) und der auch rassisch definiert ist (wie bei Trump oder Steve King)… Aber er darf das, denn wenn er mal was schreibt, wofür er in Kritik gerät, kommen seine Apologeten mit absichernden Hinweisen auf seine jüdische Identität. Er ist im kommunistischen Polen aufgewachsen, in die BRD ausgewandert, in Israel nicht heimisch geworden. Polen ist für ihn kein positiver Bezugspunkt, auch nicht Kaczynski und die PiS (so rechts sie auch sind)…so eine Bühne hat er nur in der BR Deutschland.

Nochmals zu Westen (> III) und islamischer Antisemitismus, zur Vermischung von geopolitischem Denken mit rassischen Elementen. “Christlicher” Antisemitismus/Antijudaismus und Holokaust stehen eigentlich in einer Reihe mit europäischem Kolonialismus und Sklaverei, mehr als „islamischer” AS“ mit NS/Holokaust. Und, in Teil II wurde am Beispiel Niederlande der rote Faden zwischen Kolonialismus, Faschismus(-Kollaboration), Kalter Krieg – Parteistellung und Post-9/11-Westismus aufgezeigt. Wolfgang Schivelbusch brachte 2007 “Die Kultur der Niederlage: Der amerikanische Süden 1865 / Frankreich 1871 / Deutschland 1918” heraus. Im Teil über den Süden der USA geht es also über den Antagonismus zwischen Norden und Süden der USA im 19. Jh, im Norden Sklavenhandel und “Paria”-Stellung der Schwarzen, im Süden Sklavenarbeit. Schivelbusch meint, dass der Norden an der Sklaverei genau so beteiligt war, erst als er sie durch die Industrialisierung nicht mehr so „benötigte“, propagierte “er” die Abschaffung der Sklaverei, schob Moralisches hinterher… Und: „Heute wiederholt sich dieser Vorgang in der ‚Ermahnung’ der vollständig industrialisierten ersten Welt an die sich gerade auf den industriellen Weg machende dritte.“

Und die “zweite”! Bezüglich Menschenrechte und Antisemitismus ist es ganz ähnlich… Der Westen, der Rest, die Moral, die Belehrung, die eigene Vergangenheit, das Vorbild. Inuit und andere Eskimo-Völker etwa pflegten in der Arktis-Region ursprünglich eine umweltschonende Lebensweise (Jagd, Ernährung, Behausung, Abfälle,…..), dies wurde von Russen, Briten (dann Kanadiern), Dänen, US-Amerikanern zerstört, eine neue Lebensweise oktroyiert. Dann kamen aus diesen Nationen Regeln für Artenschutz und Umweltschutz, und der erhobene Finger. Nun, da Grönland autonom ist, die Grönländer das Recht auf die Ausbeutung ihrer Bodenschätze haben, dies auch bezüglich Uran tun wollen (noch dazu mit Hilfe Chinas), kommen (aus dem Westen) diesbezüglich Naturschutz-Bedenken. Natürlich kommen Bedenken auch von Grönländern (die zu 90% Inuit sind) und sind diese nicht an sich illegitim. L. B. Laursen, ein Däne in Grönland, Manager der Uran-Mine Kvanefjeld bei Narsaq, sagt: “It’s like windmills in Denmark – everybody wants sustainable energy, but they don’t want a windmill in their backyard…You cannot live in a museum – you have the right to sustain your people. Is it OK for Europe to cut down forests, but object to one project in Greenland? It’s not a banana republic. This country is huge – one or two mines will not destroy its purity.”

Es sind ja Bemühungen im Gange, Holocaust und Antisemitismus den Moslems (oder was dafür gehalten wird) umzuhängen. Und den Realkonflikt, den die Palästinenser mit Juden haben (bzw einem Staat der darauf besteht, ein dezidiert jüdischer zu sein), in die Kategorien des Nazi-Holocausts bzw des westlichen AS zu pressen. Um diese Thematik geht es in diesem Artikel. Angehörige “brauner” Völker kämpften in beiden “Weltkriegen” (Kriege westlicher Mächte gegen einander) sowie in weiteren Kriegen für die “weissen” Mächte; hätte im 2. WK die andere Seite (Achsenmächte statt Alliierte) gesiegt, hätten sie auch den “Schwarzen Peter” gehabt. Nach diesem Krieg bekamen sie wenig Anerkennung, wurden kaum Besserstellungen gewährt, schon gar nicht die Unabhängigkeit von den Kolonialherren, diese musste erst erkämpft werden. Algerier etwa kämpften zu Tausenden an der Seite der Franzosen; nach der Kapitulation des “Dritten Reichs” im Frühling 1945 eine Parade von Algeriern in Sétif, zum Sieg (zu dem viele von ihnen beigetragen hatten) und für mehr Selbstbestimmung – niedergeschossen von den europäischen Kolonialherren, Tausende Tote…

“Braun”- und “schwarz”afrikanische Soldaten kamen im Rahmen der französischen Streitkräfte nach dem 1. und 2. WK nach Deutschland , was dort zT als besondere Schmach aufgefasst wurde. Die diesbezügliche Besatzung nach dem 1. WK wurde von der Nazi-Propaganda aufgegriffen, als „Untergang des Abendlands“ dargestellt: Französische “Negerhorden” stünden am Rhein, es drohe von Frankreich her “ein gewaltiges, geschlossenes Siedlungsgebiet vom Rhein bis zum Kongo (…), erfüllt von einer aus dauernder Bastardisierung langsam sich bildenden niederen Rasse”. Die “Rheinlandbastarde” nach dem 1. WK und die Kinder schwarzer US-amerikanischer Besatzungssoldaten nach dem 2. WK hatten/haben es in Deutschland auch nicht gerade leicht. An dieser Stelle ein Exkurs zur ethnisch-kulturellen Ablehnung von nicht-weissen Völkern/Kulturen, zu der paternalistisch-geheuchelten Sicht auf sie, ihre Instrumentalisierung. Es ist ja leicht, Mitgefühl mit den Opfern der iranischen Diktatur vorzumachen – wenn man gleichzeitig das bejubelt, was israelische Soldaten Palästinensern antun.27

Im zionistisch-westimperialistischen Diskurs gibt es Alibi-Moslems/Alibi-Orientale (Feigenblätter), wie Mina Ahadi, Magdi Allam, Hamed Abdel-Samad, Saba Farzan, Kazem Mousawi, Ayaan Hirsi-Ali,…28 Die entsprechende Verachtung ist natürlich eingebettet in einen generellen Rassismus, und so verwundert es auch nicht, dass da die Diffamierung von “Antirassismus” nie weit ist, zB bei Udo Wolter (white man saving brown women from brown men), aber auch bei jenen, die offen Sorge um Weisse bzw den Westen (das “wird” da eins) äussern – auch dort gibt es ja heutzutage Elemente progressiv-liberalen Anscheins.29 In TV-Diskussionen zu Themen wie Islamismus werden gerne Extremisten eingeladen, Islamisten wie Hassan Dabbagh, die Broders als “Gegenpol” und dann noch einen wie Abdelsamad. Warum werden nicht gemäßigte und sachkundige Leute nach der Art von John Bunzl oder Navid Kermani eingeladen? Zu un-spektakulär?

Bassam Tibi war eigentlich ein seriöser Wissenschafter, ist aber dazu über gegangen, sich her zu geben, sich instrumentalisieren zu lassen, auch von offenen Fremdenfeinden. Davon zeugen seine Unterzeichnung der Lengsfeld-Erklärung (> II), seine Mitarbeit bei der Kriegslügen-Initiative dropthebomb oder die gemeinsame Sache mit Wolfgang Sobotka. Broder ist über die gebürtige Somalierin Hirsi-Ali30 ja auch deshalb entzückt, weil sie bezüglich Afrika keinerlei “Forderungen” an “den Westen” hat, diesen auch hier als Wohltäter sieht/darstellt… Asfa-W. Asserate ist auch nicht gerade ein Linker oder Anti-Imperialist, aber er thematisiert schon verhängnisvolles westliches Eingreifen in Afrika; Hirsi ist da bekömmlicher. Irfan Peci, ein Albaner aus Serbien (Presovo) der nach Deutschland gegangen ist, Islamist war (GMIF), tingelt nun als Ex-Jihadist durch Talkshows, schreibt Bücher, ist auf Broders “Achse des Guten” (weil er ihm auch sein Weltbild bestätigt)… Peci: „Linke Sozialarbeit hilft nicht gg Islamisten, ein starker Staat muss her“. Das liest “man” gerne. Vielleicht hilft es auch, Saudi-Arabien (und seine diesbezüglichen globalen Aktivitäten) etwas kritisch zu sehen und ihm entgegen zu treten.31

Islamophobie ist eigentlich Feindschaft ggü Subjekten, nicht Feindschaft ggü einer Religion, eher Feindschaft/Dämonisierung über diese Religion! So wie beim „Antikommunismus“ auch gelegentlich „der Charakter des Iwan“ hervor gestrichen wurde, da ging es auch um “das Slawische”, das Asiatische…und alte Rechnungen mit diversen osteuropäischen Völkern.32 Die Menschenfeindlichkeit und Xenophobie hinter “Islamkritik” zeigt sich zB, wenn auch gegen Nicht-Religiöse und gut Integrierte Ressentiments geäussert werden, zB ggü dem ÖVP-Politiker Habassi, von Leuten wie Ursula Stenzel. Über die Sache mit der Konfessionalisierung, dem Herunterbrechen von Thematiken auf die religiöse Ebene, ging es schon im Teil III der AS-Abhandlung. Aber auch in früheren Artikeln bei Tiara, etwa hier. IKG-Chef Deutsch hat, in Richtung Islamisten, gesagt, ein wahrhaft Gläubiger hat Achtung vor Andersgläubigen. Was eigentlich zu 100% stimmt; nur, für den Israel-Palästina-Konflikt ist das jedenfalls kein Lösungs- oder Erklärungsansatz. Dort geht es nicht um einen Religionskonflikt, sondern einen nationalen, wenn man so will. Nationalisten respektieren selten andere, nur wenn diese weit weg sind oder man einen gemeinsamen Feind hat, jedenfalls nicht wenn man um ein Land “streitet”.33

Es gibt jene Islamophoben, die sagen dass es keine Islamophobie gibt (und dass sie nur Fortschrittliches für die Moslems fördern und fordern) und jene, die sie voll ausleben und dazu stehen. “Ted” Cruz, sagte über Obamas Anti-IS-Strategie, dieser setze auf moderate syrische Rebellen, die aber wie „lila Einhörner“ nicht existierten. Andere haben bezüglich Syrien ihren Farid Ghadry oder unterstützen al Nusra (nicht weil sie glauben, dass die so gut für Syrien sind, sondern gut für sie) oder nehmen Partei für die dortigen Kurden. Islamismus dient leider immer wieder als Rechtfertigung/Vorwand für schonungslose Repression, ob bei Karimov in Usbekistan oder bei Netanyahu. Oder als Rechtfertigung bzw Entlastung des eigenen Nationalismus’/Rassismus’. Die Stunde des Islamismus ist die Stunde der Islamophoben, beide “Lager” wollen gerne die Grenze zwischen Islam und Islamismus einreissen, würden gerne eine Integration von Moslems im Westen verhindern; AfD wie Salafisten sind von Burka-Trägerinnen gewissermaßen entzückt, diese entsprechen ihrem Bild von Islam, beide haben ein Problem mit wirklich Fortschrittlichen.

Nun aber zu Jenen, die je nach Perspektive Reformer, Kollaborateure, Verräter, Helden, Selbsthasser, Feigenblätter, Opportunisten, ModerateÜberläufer (so wie diese), Meuterer,… sind. Jene, die Uzi(el) Davis, Mosche Hirsch, Uri(el) Avneri, Judith Butler,… vehement ablehnen (und jene “geisseln”, die das nicht tun), sind jene, die Mossab Youssef, Kazem Mousawi, Farid Ghadry, Najim Wali promoten. Jene, die Iraker dafür priesen, die nach dem Sturz Saddam Husseins jubelten, zeigen immer wieder verzerrte Bilder jubelnder Palästinenser… Jene die Azmi Bishara oder Mordechai Vanunu als “Verräter” (an Israel) verdammen34, sehen Jonathan Pollard als “Held” (und fordern seine Freilassung), oder Eli(ahu) Cohen.35 Und: Jene, die sich aktuell über das neue Staatsbürgerschaftsgesetz in Indien aufregen (das moslemische Einwanderer benachteiligt), dürften kaum Leute sein, die mit der tatsächlichen Diskriminierung von Christen, Hindus, Sikhs, Buddhisten, Jainas und Parsen/Zoroastriern ggü Moslems in Afghanistan, Bangla Desch und Pakistan (die dem Gesetz gewissermaßen zu Grunde liegt) ein Problem haben.

Oder Südafrika: Nelson Mandela wurde für “Hochverrat” verurteilt, bei Dieter Gerhardt (> II) war es ähnlich; das Apartheid-Regime und seine Unterstützer (in Europa,…) wiederum suchten unter den Nicht-Weissen des Landes “Kollaborateure”, die gewissermaßen ihre “nationalen” Anliegen verrieten.36 Wenn Apartheid-Befürworter alle Schwarzen so respektiert hätten wie jene, die sich gegen die allgemeinen Interessen der Schwarzen stellten, wäre der Konflikt dort eigentlich gelöst gewesen… Wenn Zionisten alle Palästinenser so respektieren würden wie “Aushängeschilder” wie Mossab Yousef und Ahmed Mansour, dann gäbe es gar keinen „Nahost-Konflikt“ (mehr). “Aushängeschilder”, die sich ausserhalb jeden Konsenses stellen, wie es Ariel Muzicant bezüglich Uri Avneri formuliert hat…gnadenlose Verneiner berechtigter Interessen der (ihrer) Mehrheitsgesellschaft (R. Giordano). Kollaborateure/Nutzniesser gibt es bei jeder noch so schlimmen Herrschaft, es gab auch Polen die mit Nazi-Deutschland kollaborierten. 1733 ein Sklaven-Aufstand auf den Inseln des damaligen Dänisch-Westindiens (siehe) in der Karibik, den heutigen US Virgin Islands.

Genauer auf St. Jan (heute St. John). Franz Claasen war ein Sklave, der damals loyal zur Van Stell-Sklavenhalterfamilie blieb…und als Lohn 1738 von dieser (nach der Niederschlagung der Rebellion) zum ersten farbigen freien Landbesitzer der Insel gemacht wurde. Man könnte das auch als “Appeasement” oder so sehen. Es ist aber oft nicht so einfach, zu urteilen, einzuteilen,… Michail Baryshnikov, der russisch-lettische Tänzer, setzte sich zu SU-Zeiten in die USA ab, fand dort sicher eine Form von Freiheit, die er in seiner alten Heimat nicht hatte. Edward Snowden aber setzte sich aus der USA nach Russland ab, um einer Verfolgung aufgrund seiner Veröffentlichungen über die Praktiken der NSA zu entgehen. Es gab/gibt viele Kubaner die sich in die USA absetzten, es gibt aber auch JoAnne D. Byron (Assata Shakur), eine US-amerikanische militante Politaktivistin, die in den 1970ern wegen Mordes verurteilt wurde und nach Cuba floh; dort einen sicheren Hafen fand. Es gibt, nebenbei, auch jene rechten Amerikaner, die auch mit den Exil-Kubanern in Florida (bes. Miami) keine Freude haben, obwohl die durch die Bank für einen Umsturz in ihrer Heimat sind; sie als Teil einer grösseren “Latino-Plage” sehen… (Res)sentiments dieser Art werden wir uns noch genauer ansehen. Fälle, wo auch eine Art Anbiederung nicht hilft, auch kein Abstreifen seiner ethnisch-kulturellen Identität, keine Unterwerfung.

Es gibt Leute aus/in der islamischen Welt, die in einer “Anbiederung” ggü Israel ihre nationalen Anliegen gut “aufgehoben” sehen, zB manche (Exil-)Iraner, die die Nase voll haben von der islamistischen Diktatur in ihrem Land (siehe). Oder der libanesische Schriftsteller Said Aql, der ein pan-arabisches Nations-Konzept ablehnte, einen libanesischen Nationalismus vertrat, mit Betonung auf dem vor-arabischen, vor-islamischen Erbe, v.a. jenem der Phönizier.37 Und solche, die diesen Weg gehen, legen oft (als eine Art Vorausleistung) eine Extraportion Verachtung ggü Palästinensern oder auch ihrem Herkunftsland oder … an den Tag, stellen sich in Diensten neokonservativer/nationalistischer/bellizistischer Kampagnen, die keine Abgrenzung zum rechten Milieu haben…und mit denen man am Ende erst recht beim Appeasement ggü Saudi-Arabien landet! Ja, es gibt auch solche, die Islamismus nicht verharmlosen (und gerade deshalb KSA kritisch sehen…), aber auch den hysterischen Hetzern der “Gegenseite” widersprechen. Malala Yousefzai verurteilte zB Donald Trumps Einreiseverbot für Bürger gewisser moslemischer Staaten in die USA; Salman Rushdie nahm auch gg Trump und so manches Andere Stellung…es waren Islamisten, die ihn zum Held der Islamophobie machten.

A propos Malala…so wie sie (vermeintlich ist) wünschen sich Leute wie Samuel Schirmbeck oder Stefan Herre Frauen aus der moslemischen Welt, wehrlos, ein Opfer bzw Instrument, von ihnen zu beschützen, für sie die Beteuerung weisser männlicher Vorherrschaft, gleichzeitig die Erfüllung einer Art exotischer Erotik. Wenn man “Ehrenmorde”, “Zwangsheirat” und “Dunkelziffer” schreibt, kann man eigentlich nur gewinnen, man ist automatisch auf der Seite der Guten und eine Art Aufdecker von Ungeheuerlichem, egal was man dabei im Schilde trägt. Jene Deutschen/Österreicher aus dem islamophob-zionistischen Milieu reden auch gerne über „Rechte von Muslimas“, wenn es aber zB um die junge Palästinenserin Ahed Tamimi geht…38 Oder um die Iranisch-stämmige Moderatorin und Kommentatorin Enissa Amani (nicht die Art von Exil-Iranerin, mit denen sich Grigat gerne schmückt), die den rassistischen AfD-Politiker Andreas Winhart das nannte, was er ist, und dafür von ihm geklagt wurde.

Da ist Gal Gadot39 als „Wonder Woman“ (2017 Hollywood-Film) bekömmlicher, und der der “Feminismus” der „weissen Herrinnen der Plantage“, der Hillary-Clinton-Feminismus – dazu ein empfehlenswerter Artikel. An der Puertoricanerin Alexandria Ocasio-Cortez und der Afro-Amerikanerin Ayanna Pressley (Congress-Abgeordnete USA für die DP) sieht man, wie Ressentiments ggü Leuten aus der moslemischen Welt auch auf andere Südländer(innen) “ausgedehnt” werden, in diesem Fall jene ggü Ilhan Omar und Rashida Tlaib, ihren Abgeordneten-Kolleginnen. Diese jungen US-amerikanischen Politikerinnen formulieren eine selbstbewusste Gegenpolitik zu Präsident Donald Trump, werden genau dafür von diesem, Fox, ihren Anhängern und Appeasern angegriffen, diffamiert. Manche wissen auch nicht genau, wie sie Frauenrechte ideologisch in Stellung bringen sollen; weil Feministinnen schwächen ja europäische Männer (so wie “Gutmenschen” Landesverräter sind, deren Liberalismus aber dennoch den „zurückgebliebenen Orientalen“ gegenüber gestellt.40

Die Einen sagen, das Problem mit moslemischen Frauen seien ihre Verhüllungen bzw dass sie dazu genötigt werden, die Anderen dass sie so hässlich sind… “Flexibel” sind auch Haltungen ggü Christen in Vorderasien-Nordafrika, nicht nur ggü Armeniern und dem Völkermord an ihnen. Denn, unter “Umständen” (welchen?) gilt ihnen nicht die “Solidarität”, die “man” bezüglich ihnen hier (angeblich) hat. Bei Azmi Bishara aus Nazareth zeigt sich zB, dass es einem Palästinenser gar nichts hilft, nicht moslemisch zu sein (oder israelischer Staatsbürger)…man ist trotzdem das Andere, bekommt das ab, was eigentlich für Moslems gilt, wenn man selbstbewusst palästinensische Anliegen formuliert. Es zeigt sich, dass sich bei Islamophobie Religion/Kultur/Rasse/Ethnizität/Politisches vermischt. Der katholische Palästinenser Bishara kämpfte um Gleichberechtigung, um Israel als „Staat für alle seine Bürger“, gegen das Primat von Israel als “jüdischem Staat”41. Nicht-Appeaser wie er werden als „radikal“ oder „provokativ“ abgestempelt. Zuerst die Versuche des Ausschlusses seiner Partei Balad von Wahlen42, es wurde angeführt dass Bishara „gegen Israel als jüdischer und demokratischer Staat“ sei… Genau gegen diese Vermengung (“jüdisch”, “demokratisch”) engagierte er sich, gegen die (undemokratische) Diskriminierung von Nicht-Juden.

Dann kamen Vorwürfe der Spionage für libanesische und syrische Organisationen bzw Staatsorgane, nach einer Reise in diese Länder nach dem Krieg 06 (Israel, Gaza/Hamas, Libanon/Hisbollah), und nachdem seine parlamentarische Immunität aberkannt wurde, ging er ins Exil.43 Wenn Bishara oder andere israelische Palästinenser Anliegen von Palästinensern im Westjordanland, dem Gaza-Streifen oder der Diaspora äusser(te)n, äusser(te)n israelische Politiker oder Kommentatoren auch immer wieder Vorwürfe wie “Terror-Propaganda”. Im IT (zB bei Youtube-Kommentaren) sieht man, wieviel Hass sich über ihn ergiesst. Ein anderer palästinensischer Christ, den Literaturwissenschafter Edward Said (der Protestant war, wahrscheinlich Anglikaner), war ebenfalls eine Hassfigur, ein Feindbild für jene Kreise, wo zB der österreichische “Anti”deutsche Gerhard Scheit wirken; der schrieb in „Bahamas“ mal gegen ihn.44

“Israel-Freunde” wie „feliks“ (> I) zB „thematisieren“ (in seinem Fall auf Wikipedia) Länge mal Breite Diskriminierungen von Christen unter den Palästinensern, um die „Araber“ als zurückgeblieben und unzivilisiert darzustellen, und die israelische Besatzung als das nicht eigentliche Problem. Obwohl diese Christen für sie auf einer ebenso niedrigen Stufe stehen, und um abzulenken von der israelischen “Behandlung” der Palästinenser. Es gibt Leute, die sich für Süd-Sudanesen oder Somalierinnen oder Berber oder Kopten oder Kurden „engagieren“, aus dem selben Grund wie (ein Teil der) Buren in Südafrika zu Apartheid-Zeiten die schwarzen Völker des Landes möglichst spalten wollten, oder die Belgier im Congo nach dessen Unabhängigkeit auf die Sezession Katangas setzten. Die Süd-Sudanesen wurden von Israel gegen Sudan unterstützt, ihr Schicksal und das der Darfurer wurde in Pro-Israel-Propaganda herangezogen (um die Schlechtheit der arabischen und islamischen Völker45 zu demonstrieren, und um von der Unterdrückung der Palästinenser abzulenken)…aber wie Südsudanesen und Darfurer dann (als Flüchtlinge) nach Israel kamen, wurden sie gleich einmal als Problemmacher gesehen und behandelt.46

Der Widerspruch zwischen jenen, die zumindest die Amirseghdis und “Brigitte Gabriels” anführen (wollen), grosse aussereuropäische Ansprüche haben, zB Chinesen (oder Schwarzafrikaner) Moslems positiv ggü-stellen, wissen das Schächten auch jüdisch ist, und der „Krone“-Stammtisch-Fraktion47“. Assmilationistischer oder ausgrenzender Rassismus. Auf “Counterpunch” dazu: “Malcolm X reminded us that we had to be careful about the difference between the wolf and the fox. The wolf for black people was the hardcore, racist white folks with the hoods and clearly articulated stance in support of white supremacy. The fox, on the other hand, was the liberals who were supposed to be our friends. Their ultimate support for white supremacy was always just as deadly but sugarcoated in diversionary language like ‘humanitarian intervention’ and the ‘responsibility to protect.’ The game, according to Malcolm, was that black folks would recognize danger of the wolf and run from the wolf straight into the jaws of the fox with the consequence being just as fatal because both the fox and the wolf are members of the same canine family.”48

Guttmensch: “‘Schade’ findet Yahoo zum Beispiel, wenn einem Folgendes ‘nicht gefallen hat’: Ein Kommentator begrüßte den gestrigen Terroranschlag in Kenia, weil er sich freut, wenn ‘die sich gegenseitig abschlachten’, dann kämen sie wenigstens nicht nach Deutschland.” Es gibt ja auch Jene, die versuchen, aus solchen islamistischen Anschlägen Profit zu ziehen und verkünden, man stehe “Schulter an Schulter” mit Kenia (Kenya) gegen diesen Terror. Im Baha’i-Artikel wurde schon eine gewisse Rhetorik bezüglich dieser Religionsgemeinschaft behandelt; zum Beispiel ein Kommentator auf “Der Standard”: „…wären erste wenn ich an gott glauben würde; sie sind zu zivilisiert und fortschrittlich und gut gebildet für die monster in Teheran; 300.000 könnten doch leicht fuss fassen in europa und-oder usa. der baha’ismus kann durch das christentum gut toleriert werden, aber im iran sind sie völlig ausgeliefert. also kommt in den westen baha’i brüder und schwestern..” Nun, es gibt hier Viele, bei denen sie nicht willkommen sind, aufgrund ihrer Rasse (“poop colour skin” > III), ihrer Sitten („Multikulti”), Gegnerschaft ggü jeglicher Einwanderung (aus nicht-weissen Ländern)…

Ein gegen den in Deutschland lebenden iranischen Rapper Shahin Najafi von islamischen Grossajatollahs verhängte “Todesdekret” zog einen Aufruf österreichischer Autoren nach sich, in dem sie sich mit dem Musiker solidarisch erklären. Es gibt aber auch jene (unter denen, die erklären den Islamismus bekämpfen zu wollen), die diesen Rapper aufgrund seiner Musik, Herkunft,… nicht akzeptieren könn(t)en.49 Hindus und Sikh’s: Im südasiatischen Kontext meist Gegner “der Moslems”, daher von Manchen positiv affirmiert; aber: Turbane, braune Haut, orientalische Sitten,… Und: In den “Yahoo”-Nachrichten mal: „Homeland“-Star 50 darf nie wieder in die Heimat…könnte in ihrer Heimat Iran verhaftet werden”. Es gibt auch Leute (wohl auch unter den Lesern dieses Artikels), die ein Problem mit Persern/Iranern hier haben…bzw mit dem Land an sich (auch ohne Mullahs an der Macht). Und: In „Homeland“ (wo Bonyadi also mitwirkte) gibt es eine Form von Hetze.51

Auf Youtube schrieb Einer: ”Wenn israelische Soldaten eine palästinensische Schwangere töten, sind 2 Fliegen mit 1 Schlag erlegt.” Die andere “Denkrichtung” ist es ja, Palästinenserinnen als Opfer ihrer Männer darzustellen, und israelische Soldaten gewissermaßen als antifaschistische Partisanen. Broder sagt in seinem „Kapitulieren“-Buch52, wenn ein Steirer seine Tochter umbringt, ist er dran wegen Mord, wenn ein Araber in Deutschland dies tut, bekäme er milderne Umstände, in “Berücksichtigung seiner Kultur”. Da also auch die Insinuation, dass einem die am Herzen lägen… Wenn “orientalische” Frauen aber den Mund aufmachen (wie Ilhan Omar), verlieren sie ihren Objektstatus, und Leute wie Ben Shapiro warten nur darauf, dass sie etwas daraus “machen” können. Ebenfalls auf Yt: “francisspencer”, ein AfD-Prolet, Osteuropäerinnen beschimpft er als “Kanakenweiber”, andererseits will er das “Abendland” in Griechenland/Nordmakedonien ggü Immigranten “geschützt” wissen.53 Über den schmalen Grat in der westlichen (insbesondere deutschen) Sicht auf Griechenland zwischen Abendland-Retter und Abendland-Gefährder hier. Die meisten von jenen, die Griechenland als das positive Gegenstück (zB) zur Türkei dargestellt/aufgefasst haben, sind durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Griechenlands hier weg gebrochen, Manche auch aus “Protest” gg angeblichen “antisemitischen” oder “antiwestlichen” Ressentiments/Aussprüche von Tsipras oder anderen Griechen. Südländer-Feindlichkeit dort wo kein Islam ist, zb bei Broder.

Noch ein Blick auf die gerade grassierende westliche Kurden-Solidarität. Eigentlich sind diese in der islamischen “Ecke”, jene in Deutschland etwa als Teil von “Jugendlichen mit ‚Migrationshintergrund’ in Neukölln“ verbunden mit einer „Linie mit al Qaida im Irak und die Intifada in Palästina” (Broder). Gilt die allgemeine Orient-Verachtung („Diarrhoestan“) auch ihnen. Saya Ahmad, eine Bezirksvorsteherin in Wien, ist (von der Herkunft) irakische Kurdin (oder kurdische Irakerin), für Rechts- und Linksislamophobe in dieser Stadt die das nicht so genau wissen, wird sie vorerst mal ein orientalischer Problemfall sein, nicht die Gute. Was die separatistischen Bestrebungen unter Kurden im 4-Länder-Eck Iran, Irak, Syrien, Türkei betrifft, der Grat zwischen Unterstützung oder Verdammung von Bestrebungen dieser Art (und in dieser Region besonders!) ist schmal, wie schon erwähnt (> Palästina), besonders wenn man “allgemeine” Demokratisierungs-Bemühungen mit berücksichtigt. Der Blick auf politische Gefangenen in Israel, Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran, und die Unterschiede dabei… Was sich bei Erdogan-Kritik so alles verbindet, wäre fast einen eigenen Artikel wert, aber wir wollen nicht zu weit abschweifen.54

Aber wir wollen noch einen Blick auf die deutsch-österreichische sowie zionistische Kurden-“Solidarität” werfen. Was Erstere betrifft, die geht von ganz Rechts bis Links, von Vilimsky (FPÖ)55 bis Kipping (Linke), überschneidet sich zT mit Israel-Soli. Gerade die „anti“deutsche Szenekombo stolpert dabei wieder mal über ihre eigenen Heucheleien und Widersprüche; instrumentalisieren verlogen die Baath-Regime-Giftgasangriffe auf Kurden im Nord-Irak, dabei wurde Saddam Hussein damals vom Westen unterstützt, haben die Briten in der Zwischenkriegszeit auch Giftgas gg irakische Aufstände eingesetzt, u.a. gg Kurden. Jene, die Diversität und Multikulturalismus (bei sich) bekämpfen/ablehnen, spielen deren Verfechter bzgl der Kurden in deren Ländern. Kurdische Ansprüche überschneiden sich auch oft mit solchen der Assyrer, beide erheben nationale Ansprüche auf das nördliche Mesopotamien. Zu separatistischen Bewegungen, Unterschieden zwischen ihnen und in der westlichen Haltung zu ihnen, im Tibet-Artikel.

Als Yahoo-Email-Konto-Inhaber kommt man ja immer wieder in die unangenehme Situation, die Meinung von Tobias Huch vorgesetzt zu bekommen, der sich Westasien/Nordafrika als Betätigungsfeld seines Chauvinismus’ ausgesucht hat, sich lieber darum “kümmert” als zB um das deutsche Kolonialerbe in Namibia. Spezielles Augenmerk widmet Tobias Israel (Projektionsfläche für viele Deutsche) und den Kurden (nur um sie gegen andere “Orientale” in Stellung zu bringen56). Er rühmt sich, die Gewalt “dieser Region” am eigenen Leib erfahren zu haben, behauptet regelmäßige Morddrohungen wegen seiner “journalistischen Arbeit” zu erhalten (“Daran habe ich mich beinahe schon gewöhnt“, meinte er tapfer). Vieles an ihm (auch die “Menschenrechts”-Heuchelei, oder, ein gefährlicher Deutsch-Chauvinismus hinter Deutschland-Schelte) erinnert an Osten-Sacken. Er idealisiert den kurdischen bewaffneten Kampf (besonders jenen in Syrien), ein Kommentar über Ausländerkriminalität zeigt dass er sich die kurdische Sache (oder was er dafür hält) so zu eigen gemacht hat, dass er dabei sogar bereit ist, innenpolitisch liberal zu tun, attackiert die Münchner Polizei und ihr Vorgehen gg kurdische und pro-kurdische Aktivisten. Es gibt ja auch Jene nach der Art von Sarrazin, die Kurden keinen Deut anders sehen als andere Orientale > “feindliche Übernahme durch den Islam” (auch durch sie).

Zum Beispiel Donald Trump. Der hat die militärische Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Militär und Kurden-Milizen in Nord-Syrien mit einem Gerangel zwischen zwei Kindern verglichen. „Manchmal muss man sie ein bisschen kämpfen lassen“, sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Texas… Huch glorifizierte Trump nach dessen Ausstieg aus dem Iran-Atom-Abkommen, schalt Obama, schrieb vom „Terrorstaat Iran“, versuchte Israel wieder sakrosankt zu machen. Zum von Trump heuer angeordneten USA-Truppenabzug aus Syrien jammerte er: “Mit Trumps Verrat an den Kurden57 scheitert die NATO”. Trump will das US-Militär nur noch solche Kriege kämpfen lassen, die der USA nutzen…58 Autsch! Die Kurden dort hätten ohnehin nur aus Eigeninteresse gegen den IS gekämpft und ein eigenes Territorium für sich gewollt. “Sie haben uns nicht im Zweiten Weltkrieg geholfen, sie haben uns nicht mit der Normandie geholfen.”

Huch, empört

Wenn Samuel Laster auf seiner IT-Seite über den kurdischen Musiker Siwan Perwer (“…seine Lebensfreude…”) schwärmt, ist das wie Günther Beckstein auf einer Veranstaltung von Griechen in München (“kulturelle Bereicherung”) – aus politischen Gründen etwas positiv affirmieren (im Moment), was man an Anderen ablehnt. Auf der “Herzliya-Konferenz” ’17 rief Israels Ministerin Ayelet Shaked zu einem kurdischen Staat auf, dieser sei integraler Teil von israelischen Bemühungen zu einer Umgestaltung des “Mittleren Ostens”… Ein (nuklear bewaffnetes) Israel, unterstützt von der Trump-USA, würde von Chaos in der Region profitieren. Auch weil die Sache der Palästinenser dabei von der “internationalen Gemeinschaft” noch weiter vernachlässigt werden würde. Auch kein Kurde würde unter diesen Bedingungen, die Israel geschaffen hat im “Gaza-Streifen”, leben wollen. Und es würde bei einem unabhängigen Kurdistan (in welchen Abgrenzungen?) einen weiteren “moslemischen” Staat geben (> III).59

Ein “Yehuda Mizrahi” auf Youtube: „WEST BANK IS THE LAND OF THE JEWS AND SAMARITANS WHOSE LAND WAS STOLEN WHEN THE ARABS INVADED OUR LAND IN 600 AD. Other Ethnic people that need to be Free from Arab oppression and occupation in the Middle East: THE PEOPLE OF ASSYRIA THE PEOPLE OF DARFUR, SUDAN THE BERBERS OF NORTH AFRICA, THE PEOPLE OF KURDISTAN“. Er versucht, diverses Orientalische als „israelisch“ zu affirmieren, und “Israel” als orientalisch, dabei auch dem Part eines Entmündigten, von aschkenasischen Zionisten Geretteten (vor den skrupellosen Moslems), des Kronzeugen für deren Schlechheit, zu entgehen. Im Gegensatz zu manchen anderen Mizrahis aber nicht durch Zugehen auf die Region (beginnend mit den Palästinensern), sondern durch eine andere Abgrenzung/Feindschaft zu ihr. Das steht im Gegensatz zum hegemonialen zionistischen Chauvinismus mit der Auffassung von Israel als Teil des (“freien”) Westens, Anprangerung/Ablehnung des “Orientalischen”. Dieser “Mizrahi” versucht, es zu verein-nahmen. 60

“Yehuda Mizrahi” kann es sich nicht leisten, Moslems generell auszuschliessen von den “Guten”, siehe Berber oder Kurden. Diese glaubt auch er, gegen deren Staaten “in Stellung bringen” zu können. Mit seinem „Araber“-Konzept versucht er einen Teil der Widersprüche die sich bei ihm auftun, zuzudecken. Also, die Palästinenser als Nachfahren der Araber die im 7. Jh von Syrien kommend das damals byzantinische Palästina einnahmen zu affirmieren (somit als “Invasoren”, “Besatzer”), die Juden die im 19./20. Jh kamen, als “Autochthone”, Nachfahren der durch die Römer grossteils vertriebenen Juden/Israeliten. Gegenwehr zum Zionismus/Israel stellt er in eine Reihe mit dieser arabischen Eroberung. Nun, Saudi-Arabien, das arabischste arabische Land ist ja der wichtigste israelische Verbündete in der Region (wird immer wichtiger)61. Aber, mit “Demokratie” oder “Schwulenrechten” argumentiert dieser “Mizrahi” ohnehin nicht, im Gegensatz zu anderen (v.a. deutsch-österreichischen) Zionisten, auch nicht mit der gewissen Sorte Exil-Iraner, oder palästinensischen Feigenblättern wie Mossab Youssef. Über jene Darfurer, die nach Israel gekommen sind, ging es hier ja schon… Bezüglich der Kurden gibt es zB auch noch die Option der Kemalisten (so wie ggü Ägypten Kopten oder aber Sisi/Mubarak als “Partner”).

Noch einmal zur Idealisierung der Kurden in manchen Kreisen: Die Sürücü-Familie ist kurdisch, ebenso jener türkische Asylbewerber der heuer in Vorarlberg einen Beamten ermordete, Susanna in Wiesbaden wurde von einem kurdisch-irakischem Täter ermordet (dieser Fall wurde auch gehörig politisch instrumentalisiert), und kurdisch sind zT auch jene arabische Clans in Deutschland/Berlin kriminell aktiv sind.62 Der syrische Kurde (oder kurdische Syrer) im Exil Rafi Rachek machte heuer bei „Bachelor in Paradise“ sein Outing als Homosexueller, mit Hinweisen auf „meine Kultur”, “meine Familie” (von ihr verstossen). Mely Kiyak, eine kurdische Türkin in der BRD, ist auch nicht eben das, was sich ein Ostensack von Kurden erwartet.

Teile der Völker der Region Vorderasien-Nordafrika befinden sich in einer Situation zwischen dem Amboss des Islamismus und dem Hammer des USraelischen Imperialismus. Nach dem Aufstand nach der Wahlmanipulation 09 sahen sich Manche gezwungen, Anti-Regime-Iraner von den Bösen auszunehmen, hier etwas zu differenzieren.63 Der Versuch der Vereinnahmung (auch hier), “meiste Iraner wollen Demokratie“ wurde/wird als Argument für einen Krieg gegen Iran eingesetzt, die Anliegen und Probleme der iranischen Bevölkerung, für die man sich angeblich interessiert, dien(t)en nur als Staffage/Kulisse zur Promotion eines Weltbildes. Manche Iraner geben sich in ihrem Engagement gegen das Regime zu “Bündnissen” mit Feinden des Landes an sich her. Manche behaupteten eine Deckung der Interessen der Grünen Bewegung Irans mit jenen der Zionisten; die USA war unter Obama nicht mehr der Gute.

Iranisches Pro-Israel sowie Pro-Israel allgemein geht ganz ohne Demokratie, und israelische Iran-Verbindungen (> letzter Schah, MEK,…) sowie ihre Orient-Verbindungen allgemein gehen auch ganz ohne Demokratie und dergleichen, wovon ja auch das Verhältnis mit Saudi-Arabien zeugt. Normalerweise wird da mit Despoten gekuschelt, nicht Dissidenten geholfen… Als sich um 2010 in einigen islamischen Ländern Leute erhoben um für eine Demokratisierung ihres Landes zu kämpfen, kam aus dem Westen und Israel verhaltene “Begeisterung”, wurde “gedämpftes” Interesse an einer Demokratisierung gezeigt, etwa bezüglich Ägypten, viel Skepsis und Furcht, auch von Linken. Viele plädierten dafür, um der “Stabilität” willen (welcher?) lieber weiter auf Autokraten zu setzen (manchmal geht’s um wirtschaftliche Interessen), die „Sicherheit Israels“ wurde dazu vorgebracht.

Ausgerechnet jene, die immer wieder das “Appeasement” des Westens gegenüber der “islamischen Welt” beklagen, waren (sind) nun auf der Seite von deren reaktionären Herrschern. So war und ist es ja auch bei der Türkei, mit den jahrzehntelang herrschenden Kemalisten und Militärs. Klaus-D. Frankenberger von der “FAZ” gab damals in einer TV-Journalisten-Diskussion ein Bekenntnis zu Bushismus, “Israel”, “Stabilität” ab, zur Durchsetzung westlicher Interessen ab – womit er ja sagt,  dass diese keine universalistischen sind, wie gerne behauptet, dass Demokratisierung und Unabhängigkeit von Nicht-Weissen64 im Gegensatz dazu stünden… In Diskussionsforen wurden um Demokratie kämpfende Libyer oder Ägypter nicht von der gewalttätigen Staatsmacht sowie Islamisten unterschieden, als “gewalttätig” markiert, sie sollten sich „gegenseitig umbringen“.

Es gibt unter Iranern die Volks-Mujahedin/Mujahedin-e Kalq (MEK), die mit Kräften wie Israel paktieren, aber auch manche Monarchisten, Separatisten und Nationalisten, Naive unter Demokraten. Die MEK hatten gegen das mit Israel verbündete Schah-Regime gekämpft, in den 1970ern mit der PLO gegen Israel zusammmen gearbeitet, waren bei der Stürmung, Besetzung und Gefangennahme (in) der USA-Botschaft in Iran 1980 (und überhaupt in der frühen Phase von Khomeinis Herrschaft über Iran) beteiligt, kämpften später an der Seite von Saddam Hussein, galten als islamisch inspirierte Terrororganisation… Heute werden sie vom zionistisch-neokonservativen Lager gehätschelt, gegen den Iran in Stellung gebracht. Sie sind übrigens auch unter den iranischen Kurden (die ja auch umworben werden) unbeliebt…65 Das ist einer der vielen Widersprüche hier.66 Es gibt ja Jene, die behaupten, dass sie es mit dem Iran gut meinen (und das woran sie arbeiten, in Wirklichkeit der “Befreiung” der Iraner diene), und dann gibt es solche: “israel and ans USA needs to start supporting the anti-iran,anti-regime elements in iran like PJAK and AZERI freedom seeking organizations there are 30 million azerbaijanis in iran who want liberation..and Kurds are already fighting..let iran divide and fall then attack it will be a piece of cake!”67

Wir kommen nun zum Antisemitismus-Diskurs; zunächst zu Unterschieden zwischen früher und heute. Der Fall Philipp Auerbach, und seine (heutige) Wahrnehmung/Wiedergabe: Als Jude (evtl war er mit Reich-Ranicki verwandt) kam Auerbach in ein KZ (wurde dann immer wieder als “Kapo” verdächtigt). Unter der Verwaltung der Alliierten über Deutschland (in Bayern war das die USA68) wurde er ’46 bayrischer Staatskommissar für Verfolgte, als solcher für Wiedergutmachung, Entnazifizierung und Flüchtlinge zuständig. Er war auch im jungen Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) aktiv. Auerbach agierte „unbürokratisch“ (kompetenz-überschreitend,…), brachte VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten), jüdische Funktionäre, das US-Militär, das Bundesland Bayern (Justizminister J. Müller) gg sich auf. Bekam eine Anklage u.a. wg Betrug, Untreue, Erpressung, wurde wg einiger der Anlagepunkte verurteilt zu einer Geld- und Gefängnisstrafe, verübte Selbstmord kurz nach Urteilsverkündung ’52.

Der de.wikipedia-Artikel gibt zT das wieder, was Historiker wie Kraushaar darüber schreiben, zT werden Sachen ohne Beleg behauptet und beurteilt. Auerbach wird im Sinne seiner eigenen Analogie zu Dreyfus, nicht als Betrüger sondern als Opfer deutschen Nachkriegs-Antisemitismus’ dargestellt, alle Prozess-Beteiligten hätten mehr oder weniger NS-Vergangenheit gehabt, auch Müller (obwohl im katholischen Widerstand), Gerichts-Zeugen wird die Glaubwürdigkeit abgeredet, auch die Medien hätten sich gg ihn verschworen, es wird von einer angeblichen späteren Rehabilitierung berichtet. Nicht erwähnt wierden, dass Auerbachs Anwalt Klibansky die Anklage darauf zurückführte, dass sich Auerbach mit jüdischen Organisationen und dem kommunistischen VVD zerstritt und die Konflikte innerhalb der jüdischen Gemeinde München, etwa zwischen dem “assimilierten” Auerbach69 und Rabbiner Ohrenstein, einem Freund Müllers; oder auch Auerbachs Mitarbeiter die ebenfalls in Betrügereien verwickelt waren (zB Ingster), evtl für einen Teil derjenigen verantwortlich waren, die Auerbach zu Last gelegt wurden.

Schnitt. Erich Kocina, österreichischer Journalist (“Die Presse”), nicht besonders hell: „Den wesentlichen Unterschied von Antisemitismus und ‘Islamophobie’ negieren [Wolfgang] Benz und seine Autoren: Während der Antisemitismus jeglicher Ratio entbehrt, gibt es im Islam – zumindest im Integralismus – sehr wohl kritikwürdige Ansatzpunkte, was im ggstl Jahrbuch durch eine wissenschaftlich nicht repräsentative Umfrage unter Jugendlichen in Berlin mit palästinensischem und libanensischem Hintergrund eigenartigerweise auch belegt scheint“. Das Wesen der Islamophobie besteht ja nicht zuletzt darin, Leuten aus islamischen Regionen Islamismus anzuhängen, sie (und ihre Anliegen) damit (p. c.) zu diffamieren. Islamophobie ist Feindschaft ggü Subjekten, nicht Feindschaft ggü Religion, Feindschaft/Dämonisierung über diese Religion. Und das Wesen des AS-Diskurses besteht nicht zuletzt darin, Leute/Anliegen zu diffamieren, indem man ihnen AS versucht anzuhängen.70

Wieso ein Kocina einen moslemischen Entlastungsantisemitismus braucht, wird (eigenartigerweise) auch klar. „Anstatt sich mit klaren Worten vom Holocaustleugner Williams zu distanzieren71 laviert der Geistliche herum und läßt durchblicken, dass seiner Ansicht nach das Verbotsgesetz die Meinungsfreiheit einschränken würde. Da lobe ich mir den Pfarrer Wagner in Windischgarsten, der sehr klare Worte der Ablehnung gegen Williams findet – ganz im Gegensatz zum von der Gutmenschenpartie zum Heiligen hochstilisierten Ungenacher Pfarrer Friedl, der offenbar ein Unterstützer Williams zu schein seint.“ Über diesen Wagner aus dem Islamophobie-Artikel: Der Windischgarstner Pfarrer Wagner, der Linzer Bischof werden sollte, zeigte seine erzkonservative Haltung gegenüber Frauen, Homosexuellen wie auch dem Islam. Den Hurrikan “Katrina” 05 interpretierte er, wie Islamisten, als Strafe für die USA. “Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden”. Bei der Erdbeben-Katastrophe in Haiti sah er auch das Werk eines strafenden Gottes: “Es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind.” Weiters wünschte er sich eine Volksabstimmung wie in der Schweiz, wo sich eine Mehrheit für ein Verbot von Minaretten aussprach.

Tja, und in Grossbritannien gab es in der Labour Party (LP) eine “Antisemitismus-Krise”. Es wurden/werden (von wem?) “Antisemitismus”-Vorwürfe gegen Parteiführer Jeremy Corbyn und die Partei erhoben. Corbyn wird eine “einseitige Unterstützung der Palästinenser” im “Nahost-Konflikt” vor geworfen72, nicht “entschlossen genug” gegen “antisemitische Tendenzen in den eigenen Reihen” vorzugehen. Und, es geht um um “Hassbotschaften”, die von vermeintlichen Labour-Mitgliedern in IT-Foren gepostet wurden; zumindest ein Teil der Postings gehen aber falsche Profile (hauptsächlich auf Twitter) zurück, hinter denen die selbe Person oder Organisation zu stehen scheint… In der “Krise” geht es hauptsächlich um Palästina-Solidarität bzw ihre Diffamierung. Corbyn hatte auf Twitter geschreiben, dass eine LP-Regierung Palästina als Staat anerkennen werde. Das sei ein Schritt zu einer wirklichen Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt. Dies und Kritik an der israelischen Besatzungspolitik hat u.a. Netanyahu wütend gemacht… Ausserdem hat sich die LP unter Corbyn geweigert, die “Antisemitismusdefinition” der International Holocaust Remembrance Alliance zu übernehmen…

Luciana Goldsmith (Berger) und Andere (Umunna,…) von den Labour Friends of Israel haben die LP nach dem “AS-Skandal” verlassen. Vor der britischen Parlamentswahl heuer hat Premier Boris Johnson (Conservative and Unionist Party/CUP) Corbyn ggü auch die Vorwürfe übernommen. Dieser hat zwar rassistische Äusserungen von Johnson thematisiert, ist aber insgesamt eingeknickt, brachte bzgl der AS-Vorwürfe mea culpas. Nach der Wahlniederlage vor Kurzem steht er ohnehin vor einer Ablösung, als LP-Chef und Oppositionsführer. Im März 19 haben führende Vertreter der jüdischen Gemeinden in Grossbritannien in einem Brief an Labour “offenen Antisemitismus” behauptet. Besonders Parteichef Corbyn ergreife immer wieder Partei für “antisemitische Positionen”, sei „ideologisch so sehr auf seine weit links stehende Weltsicht fixiert, dass er den jüdischen Gemeinschaften der Mitte instinktiv feindselig gegenübersteht“. Darum geht es also auch, ein LP-Chef, der etwas linker ist… Was ja wieder völlig unter den Tisch fällt, ist dass Pro-Israel-Einstellungen auch in GB bei der Rechten angesiedelt ist (> II), die “AS”-Keule auch hier (erfolgreich) zur Diffamierung von Palästina-Solidarität verwendet wird, und der Rassismus im Umfeld der CUP – auch im Grenzbereich zu noch Rechteren, zum “white nationalism”. Siehe zB jemanden wie Dennis Walker, und die Netzwerke, denen er angehört und in denen er partizipierte (Western Goals Instititute,…).

Der Artikel über die (Geschichte der) Juden in Nicaragua in der englischen Wikipedia, auch sehr aufschlussreich bzw anschaulich, da wurde auch versucht, ein Bild zu verbreiten. Zum Beispiel: “There was much hostility between the Sandinista government, which came into power in 1979, and the Jews. This was mostly due to the Sandinista government’s close relationship with the Palestine Liberation Organization.” Israel hat (wie die USA) das voran gegangene Somoza-Regime unterstützt; daraus ergab sich (zB) eine Verbindung zwischen der FSLN und der PLO. Auch im Fall Südafrika versuchte man das zu verdrehen73 Die sandinistische Regierung war auch nicht “feindselig” ggü den Juden Nicaraguas, sondern allenfalls ggü Israel. Es wird dann ein Erdbeben erwähnt, nach dem die sandinistische Regierung unter Ortega “jedes jüdische Eigentum konfiszierte und die Gemeindeführer einsperrte”. Das angesprochene Erdbeben war aber 1972, zu Zeiten Somozas, der Umsturz 1979… Und Gemeindeführer Gorn wurde, wie andere Somoza-Günstlinge, für seine Verbindungen mit dem Somoza-Regime (die Vermittlungen bei Waffenkäufen von Israel mit einschlossen) zur Rechenschaft gezogen, nicht für seinen ethnisch-religiösen Hintergrund. Genau das versucht man, durcheinander zu bringen.

Dieser Kniff spielt in der Regel eine Rolle in der israel-zentrierten “Antisemitismus”-Auffassung, man versucht verzweifelt, Israels Politik (auch die Verbindungen mit solchen Regimen) mit “AS”-Anschuldigungen in Schutz zu nehmen. Beziehungsweise, Thematisierungen dessen, Kritik daran, das Kleid des „Antisemitismus“ überzuziehen – siehe auch den Abschnitt über “AS-Studien”. Nachdem Jörg Haider 08 mit seinem Auto (am Weg von Klagenfurt ins Bärental) alkoholisiert mit überhöhter Geschwindigkeit tödlich verunfallte, blühte(n) unter seinen Anhängern nicht nur die Helden- bzw Heiligenverehrung, sondern auch Verschwörungstheorien bzgl seines Unfalltods, auch noch über 10 Jahre danach. Übrigens auch bei pi-news.de. Ein „Anschlag vom Mossad“ sei es gewesen, heisst es da, dass Haider ein Sündenbock gewesen sei,… Man fordert lieber “Aufklärung” darüber, wer ihm vor der Todesfahrt was ins Getränk getan haben könnte oder sein Auto abgedrängt, manipuliert,… Anstatt sich damit auseinander zu setzen, dass ihr Idol homosexuell war und schwer betrunken Auto fuhr. Ähnlich ist es bei “Israel-Kritik”, auch hier kommen immer solche Gegenbeschuldigungen, Verdächtigungen, Verschwörungstheorien, nur um sich nicht dem Tatsächlichen stellen zu müssen.74

Auch nach den „Ibiza-Enthüllungen“ und dem Zusammenbruch der Koalition mit der Kurz-ÖVP stellt sich die FPÖ als Opfer dar (v.a. in sozialen Netzwerken), wurde/wird „Jetzt erst recht“ als Parole ausgegeben. Jaja, eine „besoffene Geschichte“ war das, eine „Intrige von linken Gegnern“, eine Verschwörung gegen die erfolgreiche Regierungspartei. Dass Strache damit nicht durchkommt, oder dass Westenthaler ins Gefängnis musste, zeigt in Wirklichkeit, dass der österreichische Rechtsstaat trotz Allem einigermaßen funktioniert, und nicht, dass eine Jagd auf die Guten statt findet oder dass das Böse herrscht. Reinhard Rebhandl (FPÖ Salzburg) gilt als „rechtsextrem“ bzw wird dessen verdächtigt, im Landtags-Wahlkampf 18 hatte ihn Landespartei-Chefin Svazek massiv verteidigt. Sie bezeichnete diesbezügliche Medienberichte als „Menschenjagd“ und bezeichnete das Mauthausen-Komitee (MKÖ), das auf Rebhandl aufmerksam machte, als „linken Agitationsverein.“ Und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (der es ja zum Vizekanzler gebracht hat) fühlt sich medial verfolgt, im Zhg mit seinen Spesenabrechnungen, beklagt in einem Facebook-Posting „Hetze“…

Kritik israelischer Politik ist nicht mehr “antisemitisch”/”anti-jüdisch” als Kritik an Putins Regime “anti-slawisch”/”antirussisch”. Oder Kritik an Saudi-Arabien “islamophob”. Eine kritische Auseinandersetzung mit Merkel ist was? „Deutschland-Kritik“, “Anti-Germanismus”? Wenn israelische Mafiosi von einer rivalisierenden Bande in Mexico getötet werden (wie im Juli 19) oder es in Israel einen Banküberfall gibt, sind das auch antisemitische Aktionen? Darf man eigtl Netanyahus Korruptionsanklage in Israel thematisieren? Oder nur im Zhg mit einer Preisung des “israelischen Rechtsstaats”? Er selbst sagt ja, es gäbe eine “Hexenjagd auf ihn, von der israelischen Linken75, den Versuch einer Machtübernahme…”. Darf man eigentlich den von Parteien wie Schas und Yahadut HaTora vertretenen jüdischen religiösen Fundamentalismus und seine Implikationen (Homophobie,…) thematisieren/kritisieren? Seine Auswirkungen auf Palästinenser natürlich nicht.

Bei einer “Nahost-Konferenz” in Paris ’16 wollten Vertreter aus rund rund 70 Ländern über einen Ausweg aus diesem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung beraten. Israel sass allerdings nicht mit am Konferenztisch. Die Konferenz verfolge das Ziel, “Israels Sicherheit” und “seinem guten Namen“ zu schaden, so Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. „Es handelt sich nicht um eine Friedenskonferenz, sondern um ein Tribunal gegen den Staat Israel…Das eine moderne Version des Dreyfus-Prozesses mit dem Staat Israel und dem jüdischen Volk auf der Anklagebank“. Netanjahu wird das Mandat der internationalen Beobachtermission in Hebron (TIPH) nicht verlängern. „Wir werden den weiteren Einsatz einer internationalen Kraft, die gegen uns agiert, nicht erlauben“. Die TIPH-Mission ist seit 1997 in Hebron aktiv. Sie wurde von Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde einberufen. Die unbewaffneten Beobachter sollten zu einem „normalen Leben“ zwischen palästinensischen Einwohnern und israelischen Soldaten und Siedlern beitragen. Die Organisation kam unter israelischen Beschuss, weil sie den Terror gg Palästinenser nicht hinnehmen wollte.

Israel wollte auch die Untersuchung seiner Siedlungspolitik durch den UN-Menschenrechtsrat mit aller Macht blockieren. Den Mitgliedern der Untersuchungskommission wurde die Einreise nach Israel verweigert. Man sehe “keinen Sinn” darin, mit einem “politisch motivierten Gremium” zusammenzuarbeiten. Die Schlussfolgerungen stünden ohnehin von vornherein fest. Lieber die bedingungslose Solidarität von Trump/Bolsonaro/Merkel/… 2018 hat die USA erstmals gegen eine jährliche Resolution der UN gestimmt, die Israel wegen der Besetzung der syrischen Golan/Jawlan-Höhen kritisiert. 151 Länder stimmten in der Vollversammlung in New York dafür, damit wurde die Resolution, die Israel zu einem Ende der Besetzung auffordert, verabschiedet.  Die USA hatten sich in der Vergangenheit bei dieser Resolution immer enthalten. Unter Trumps UN-Botschafterin „Nikki“ Haley, die eine ausgeprägt unausgewogene israelfreundliche Politik verfolgt, änderte sich das; die Resolution sei „nutzlos“ und „schlicht voreingenommen gegen Israel“, so Haley. Medien schrieben von einer „israelkritischen Resolution“…76

„Feindselig und voreingenommen“, “antisemitisch”,… im Endeffekt sind das alle realistischen Thematisierungen israelischer Geschichte und Politik. Wenn es irgendwo heisst „Keinen Platz für antisemitische Aktionen!“, kann man sicher sein, dass es um eine Thematisierung der israelischen Besatzungs- und Blockadepolitik geht. Der AS-Vorwurf als Schild; das Herausstreichen wenn ein solcher tatsächlich in Behandlungen des „Nahostkonflikts“ vorkommt, das bringt Entlastung, häufiger: das so Hindrehen. Wo politische Kritik am jüdischen Staat (oder dem Lobbyismus für ihn) tatsächlich in Judenfeindschaft umschlägt oder aus dieser motiviert ist, ist so kaum noch festzustellen. Mit Missbrauch des „Islamophobie“-Vorwurfs verharmlost und stärkt man echte Islamophobie, so ist es auch mit Antijudaismus/Antisemitismus. So hat die Verwendung des AS-Vorwurfs zur Diffamierung kritischer Betrachtung des Zionismus’/Israels wie jede Inflation eine Entwertung (in diesem Fall des Begriffes) gebracht. Mit der Verwendung ist natürlich auch eine Machtaneignung verbunden. Wie bei Vorwürfen eines “Rassismus gegen Weisse” geht es dabei auch darum, eine Opfer-Rolle einzunehmen bzw zu vergeben, wobei es dabei auf Kenntnisse, Stimmigkeit und Genauigkeit nicht ankommt.

Die IL-bezogene AS-“Definition” sorgt für “Widersprüche”… Alois Scheibenreif etwa, verstorbener Politiker der ÖVP NÖ (Bauernbund), soll Bruno Kreisky mehrmals antijüdisch beschimpft haben. Kreisky wird aber, aufgrund seiner anti-zionistischen Haltung, von Zionisten beständig „Antisemitismus“ unterstellt, zB auf “Hagalil”. Kreisky war also eigentlich selbst ein Antisemit (in der zionistischen Sicht), daher soll/darf so etwas ggü ihm eigentlich nicht zu sehr thematisiert werden – zumal in Zeiten, wo die Kurz-ÖVP (in der zionistischen Sicht) die Guten in Österreich sind. Im Fall der Türkei brachte der nationalistische Kemalismus in den 1930ern (verstärkt durch den Faschismus in Europa) neben anderen minderheitenfeindlichen “Ausbrüchen” auch solche gegen Juden. Wobei die Türkei von Europa ja nur lernen kann, oder?, der Kemalismus der reinste Fortschritt bedeutet ggü dem osmanischen Islam, und Nationalismus zumindest nach Zionisten wie C. Glick ja etwas Gutes ist.

Wie auch schon in den voran gegangenen 3 Teilen dieser AS-Abhandlung aufgezeigt, finden sich Ressentiments aus dem Fundus des alten Antijudaismus bei Zionisten verschiedener Art, werden diese von ihnen gelegentlich ermutigt (zB wenn es um die Einwanderung von Juden nach Israel geht), werden diese gelegentlich hingenommen, wenn sie mit einer pro-israelischen/zionistischen Haltung kombiniert sind77. Die Aussagen deutscher katholischer Bischöfe zur israelischen Besatzungspolitik auf ihrer Reise vor einigen Jahren, einer verglich die Zustände in den Städten dieser palästinensischen Rest-Gebiete mit dem Warschauer Juden-Ghetto zur Zeit der nazideutschen Besatzung Polens. Grosse Aufregung, die Israelis wurden dabei auch wieder als Nachfahren der Opfer der Nazis definiert, dadurch ergäbe sich der Versuch einer Relativierung der Nazi-Verbrechen (Graumann äusserte sich in diese Richtung). Etwas “Unangenehmes” (Befund über israelische Politik ggü Palästinensern) wird in das “alte Schema (Verfolgung,…) zu pressen versucht; auch die Hinweis auf das “Deutschtum” der Bischöfe durften nicht fehlen. Nur, bei jenen, die Nazi-Vergangenheit mit Proisrael bzw auf dem Rücken Palästinenser abarbeiten (oder apologetisieren…), kommt das alles nicht.

Man kann Kritik an Israel üben, diese wird dann aber in der Regel als „antisemitisch“ diffamiert, was existenz-bedrohend sein kann (> Finkelstein,…); bei Israel-Kritik gibt es immer ein „Ja, aber…“. Dass da nicht all zu viel zugebilligt wird, zeigen zB die Reaktionen auf Martin Schulz’ Knesset-Rede oder Schwarz-Friesels diesbezügliche Definitionen/Grenzziehungen. Schulz kritisierte nicht IL an sich, nur seine Besatzungspolitik, ganz sanft, und ist er dem AS-Geschmiere entgangen? Natürlich nicht. Was Schwarz-Friesel als „legitime Kritik“ durchgehen lässt, und was nicht, dazu noch mehr. Im “Tonfall” der Empörung werden immer wieder “Israel-kritische” Demonstrationen und Verlautbarungen aus aller Welt angeprangert, auch wenn es nur darum geht, universale Lehren aus Faschismus, Krieg, Totalitarismus des 20. Jh ziehen zu wollen (anstatt Lobbyismus). Im Zeitalter von Islamismus und Islamophobie ist eine solche Diffamierung natürlich sehr einfach, und wie gezeigt geht es ja auch Recken der Republican Party (USA), der FPÖ oder der AfD ja nicht um “Fremden”feindlichkeit , sondern um Frauenrechte und gegen Antisemitismus.

Je mehr jüdische oder nicht-jüdische Israel-Fans in die Defensive kommen (also wenn ihr idealisiertes Israel-Bild Patzer bekommt), desto schriller werden ihre Anwürfe und Diffamierungen, desto hysterischer ihr Umgang mit Tatsachen. Entsprechende Thematisierungen werden aus Angst, des Antisemitismus beschuldigt zu werden, ohnehin oft vermieden. In der implodierten deutschen Piratenpartei (Boris Turovsky, “A”D wie Julia Schramm,…) wurde überhaupt ein Verbot von „IL-Kritik“ gefordert, diese Einschränkung der Meinungsfreiheit als Maßnahme „gg Antisemitismus“ deklariert; am vermeintlichen anderen Ende des politischen Spektrums, bei der AfD, gab/gibt es auch Bestrebungen in diese Richtung (Fiechtner,…).78 Hexenjagd und die Diffamierungen ggü jenen, die ggü den Palästinensern nicht kalte Gleichgültigkeit an den Tag legen, zeigte sich auch anlässlich des Doku-Films „The Occupation of the American Mind“ (2018). Darin geht es um die Lobbyismus- und Propaganda-Bemühungen von proisraelischer Seite hauptsächlich in der USA (oft von sehr weit Rechts…), die sich zB in den Medien-Darstellungen des Israel/Palästina-Konflikts niederschlagen.

Die aufgebrachten Reaktionen auf den Film (von israelischen Botschaftern bis Breitbart) bestätigten diesen eigentlich…und auch seine Ignorierung durch nordamerikanische Filmfestivals, Mainstream-Sender,… Antisemitismusvorwürfe und Verhinderungsversuche kamen auch beim Dokumentarfilm “The Lobby” des katarischen TV-Senders Al Jazeera. Auch darin geht es um Lobbyismus und Propaganda von zionistischer Seite, hauptsächlich in der USA. Ein jüdischer Brite recherchierte dazu undercover (und grossteils mit versteckter Kamera) in der Israel-Lobby, die Aktivitäten und die Zusammenarbeit vom israelischen Ministerium “für strategische Angelegenheiten”, AIPAC, Israel on Campus Coalition, Canary Mission (Adam Milstein),… Ihre Verleumdungen, Anprangerungen, Verdrehungen bzgl Anliegen und Rechten der Palästinenser, und jener die sich dafür einsetzen (etwa im Rahmen von BDS).79

Die Ausstrahlung des Films (auf Al Jazeera, wohlgemerkt) wurde lange hinaus gezögert, wahrscheinlich aufgrund US-amerikanischen Drucks. Ali Abunimah von Electronic Intifada: “Imagine if it was about Russian influence and pressure…”. Es war auch Electronic Intifada, die den Film dann publik machte. Bei Israels Politik endet die Meinungsfreiheit, diese Erfahrung mussten auch Mark L. Hill (s.u.) oder Shadi Alborini machen. “Israelkritiker” werden leicht das, was für Scientology eine “suppressive person” ist… Zum Beispiel durch Daniel Pipes, mit seinem “Middle East Forum”, seinem “Campus Watch” und ähnlichen IT-Kampagnen, in denen Wissenschafter angeprangert und gemobbt werden, die zB für palästinensische Belange eintreten – natürlich im Namen des „Kampfes gg Antisemitismus“ (und wenn das nicht reicht, „gg Islamismus“).80 Pipes arbeitet mit Adelson zusammen (bzw wird von ihm unterstützt), mit Wikistrat, SPME,… Was MEMRI betrifft, es war früher bzgl seiner Parteilichkeit offener, und hat Auftrieb durch den Islamismus bekommen, präsentiert sich nun als objektive quasi-wissenschaftliche Instanz – und respektable Medien nehmen diesem Institut das ab.81 MEMRI leugnet seine Parteilichkeit (und seine Apologeten tun das auch), seine ideologische Ausrichtung.

Die sich in den “Übersetzungen” des Instituts zeigt, dem Verdrehen dabei, dem Ausblenden von Kontext und eigenen Motiven; übersetzt werden fanatische Stimmen aus der islamischen Welt oder unterwürfige82… Yigal Carmon, aus Rumänien, kommt vom israelischen Militär-Geheimdienst, war Gegner des Oslo-Abkommens, leitet ein Netzwerk von Likudisten und Neocons, das entsprechend finanziert wird. Dem Beirat gehören u.a. an: Bernard Lewis, Steven Emerson, Nathan Sharansky, Norman Podhoretz, Edgar Bronfman, Stuart Eizenstat, John Bolton, Josef Joffe, Jose Aznar, Irwin Cotler, Deborah Lipstad, Jana Hybaskova. Im Umfeld finden sich auch Benny Morris, Daniel Pipes, Eliot Abrams, Alan Dershowitz,… Ebenfalls beobachten/anprangern und zT manipulieren tun PMW, PRISM (Project for the Research of Islamist Movements, Reuven Paz), Arab Media Review, CAMERA, uva. Die Proponenten von CAMERA (Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America) sagen, dass sie nur so eine Art „Kampf gg Antisemitismus“ führten (in der Berichterstattung über den “Konflikt”, gegen “Unrichtiges” dort), darüber hinaus keine Agenda hätten – was typisch ist für die aktuelle „Antisemitismus“-Behandlung.83

MEMRI und PMW (“associated with right-wing politics”) sollen laut “Haaretz”-Artikel 2012 von der israelischen Regierung (wahrscheinlich dem Ministerium für strategische Angelegenheiten) beauftragt worden sein, bisherige Aufgaben des Militär-Geheimdienstes (Abteilung “Hatzav”, die zur “Abteilung 8200” gehört) zu übernehmen, die Überwachung arabisch-sprachiger Medien. Die Überwachung palästinensischer Medien hat MEMRI-Carmon ja früher selbst gemacht; es gibt keine klare Trennlinie zwischen Militär-Zensurbehörde, Militär-Geheimdienst,… Israels einerseits und diesen Überwachungs/Verdrehungs/Propaganda-Instituten anderseits, auch wenn sie de jure privat und international sind. Auch das israelische Informations- und Diaspora-Ministerium (z Zt unter Frau Hotovely) mischt hier mit84, das IDC Herzliya (etwa mit „ambassadors online/on the web“, in Zusammenarbeit mit NUIS, mit Postings in IT-Foren weltweit), und neben Milstein finanzierte natürlich auch hier Adelson kräftig mit. Die Software des Besatzungsregimes gewissermaßen, die Propaganda-Kampagne zur Unterdrückung der Thematisierung der Unterdrückung (der Palästinenser).

“Exposing and combating antisemitism” > unter diesem Motto laufen ja auch diverseste Rassismen.85 ZB auf Youtube: Der zionistische Propaganda-Kanal “speedymedia”/ “israelfulltruth” ist einer Jener, der zb Palestinians in “” schreibt (und natürlich auch generell voller Verachtung), während “er” über “„hatred of jews” und Ähnliches lamentiert. “abbienetvision” auf youtube greint über den “puren Hass” der (wie er sie nennt) “Pali’s”.86 “1980newwave” nimmt sogar Nazis in Schutz, nimmt indem er sie den “primitiven” Arabern/Moslems als “smart”, wenn auch diabolisch, gegenüberstellt. Auch hier: das feine Schweigen von jenen, die andauernd über “islamischen Antisemitismus” reden und schreiben. Oder, ebenfalls auf dieser Video-Plattform im IT, “justicevspropaganda”, alias Zeev Galili, ein israelischer ehemaliger Journalist. „Land of Israel, or of some Radical Arabs who invented modern fiction (‘Taqiyya’87): ‘Palestinian ppl’? Such nation never existed, also not in Quran!”. Auch dort kommt (zT genozidäre Hasspropaganda) als “Aufklärung”, “Gegenpol” zu Hass & Terror, “Gerechtigkeit”, “Gegenwehr”,… daher.88

Auf der Kanal-Seite dieses “justicevspropaganda” auch: “Conflict is local or global [JIHAD]?” > die Einbettung des Israel-Palästina-Konflikts in den zwischen Islamisten und ihren Gegnern… Wobei es die entschiedensten Gegner des Islamismus wahrscheinlich in (aus) der “islamischen Welt” gibt, während vermeintliche Gegner in Vergangenheit und Gegenwart Allianzen mit Islamisten eingehen. Die Unterdrückung der Palästinenser als Gegenwehr zum Islamismus darzustellen, ist weit verbreitet. Und, im “Windschatten” des islamistischen Terrorismus eine Agenda voran zu bringen. Im IT-Kommentarbereich von “Profil”: Ein “kolovrat”, attackiert IL-Kritiker mit bekannten Mustern; plädiert dabei für die Abschiebung von Palästinensern (“arabische Nomaden und Moslems”) aus Israel/Palästina, schreibt gegen deren Rechte; legt dann nach, dass auch sie “in Israel” (für ihn das ganze Land vom Mittelmeer bis Jordan) “gut leben” könnten wenn sie “wollten” und wenn nicht, könnten sie “auswandern”, Viele seien froh dort (unter den Zionisten), besonders Frauen… Dieser Blick auf die Palästinenser89 ist bezeichnend, ist mit die Wurzel für den “Nahostkonflikt”. “kolovrat” auch: ”Wenn den rechten Recken die Argumente ausgehen,plärren sie weinerlich über die Anti-Semitismus-Keule,die sie selbst mit ihrer germanischen Steinzeit-Keule permanent in den Medien schwingen”. Seine Haltung ggü Palästinensern hat mit Rechtem natürlich nichts zu tun, und jene Rechten die pro-israelisch sind, sind auch kein Thema.90 Schlimm und rechts sind nur jene, die Israel in irgend einer Weise entgegen treten, dem Israel das einer wie er auffasst, als Herr über alle Palästinenser und ihre Gebiete.

Weiter im Diskurs. Während Nazis krampfhaft versuchten, alles Jüdische aus der deutschen und abendländischen Kultur herauszudefinieren, verfahren Philosemiten umgekehrt. Eckhard Jesse: “Philosemitismus ist eben nicht in jeder Hinsicht das exakte Gegenteil, die empfehlenswerte Alternative von Antisemitismus.” Der zur Schau gestellte Philojudaismus ist nur ein gewendeter Antijudaismus, hat viel mit Antisemitismus gemeinsam. Antisemitismus und Philosemitismus hätten eine gemeinsame Basis: Sie seien beide unfähig, Juden als normale Menschen anzusehen, so die Antisemitismusforscherin Eleonore Sterling. Treitschkes Satz “Die Juden sind unser Unglück”, liest sich zB bei den „Anti“deutschen: “Die Juden sind unser Glück”. Die Herrenmenschen-“Utopien” übertragen sie auf Juden. Und, die “Anti-Antisemiten” denken das antisemitische Ressentiment meist so umgehend mit wie die “Antisemiten”; etwa wenn die Kritiker des Finanzkapitals als “tendenzielle Antisemiten” diffamieren, sie gehen (wie auch die Antisemiten) davon aus, daß dieses “in jüdischen Händen” ist. Mosche Zuckermann: Der Philosemit projeziert in das „Böse“ das hinein womit er sich heimlich identifiziert, sich aber nicht eingestehen darf (u.a. antijüdische Regungen).91

Und, der Philozionismus soll als “Vergangenheitsbewältigung” dienen, auch im Sinne einer Selbstimmunisierung. Robert Kurz: “Und da sie nun zackig und mit der deutschen Grußhand an der Schläfe vor der kapitalistischen Konstitution stramm stehen, wird eben verbissen jeder als Antisemit definiert, der gerade in der jetzigen Weltlage gar nichts von einer angeblichen ‘Verteidigung der bürgerlichen Zivilisation’ hält, die der Quellgrund aller modernen Barbarei und vor allem des Antisemitismus ist. Wer sich der notwendig gewordenen Kritik der bürgerlichen Subjektform stellt, muß in dieser irren Logik sogar ganz besonders antisemitisch sein.
Wie einst der linke ‘Antizionismus’ mit PLO-Symbolen aufmarschierte (und sich heute in der Tat in eine bloße Unterabteilung des globalen Antisemitismus verwandelt hat), so marschiert nunmehr in bloßer Umkehrung die antideutsche Sekte mit Israel-Fahnen auf; übrigens in der durchaus passenden Gesellschaft der ‘Partei bibeltreuer Christen’, deren Motiv die Ankündigung des Jüngsten Gerichts durch den Sieg des Volkes Israel im gelobten Land bildet. Bei den Bahamas ist es das Armageddon der kritischen Theorie. Wie sich in den Analysen von Eike Geisel nachlesen läßt, ist der blinde, militante Philosemitismus von Erzdeutschen, der sich vor allem an den militärischen Leistungen Israels aufgeilt, nichts anderes als der bloß umgedrehte alte deutsche Antisemitismus, der allerdings sein wahres Gesicht nicht gänzlich verleugnen kann.”

Bezüglich Robert Kurz gäbe es Einges zu “relativieren”, was das hier Gesagte (der erste und der letzte Satz im zweiten Absatz) betrifft und Anderes. Wir sind bei den “Anti”deutschen, Kurz’ Beurteilungen von ihnen sind ja treffend. Die Entstehung der „A“D Anfang der 1990er geschah in einer Zeit der historischen Zäsur, die gewissermaßen eine Neu-Orientierung der Linken verlangte, ihre Radikalisierung und gleichzeitig ihr Bedeutungsgewinn etwa 10 Jahre später, infolge 11/9/2001. Zu beiden Zeiten gab es einen Krieg der USA und ihrer Verbündeten gegen den Irak Saddam Husseins (der in den 1980ern, bei dessen Krieg gegen Iran, vom Westen noch unterstützt wurde…), der von den “Anti”deutschen begeistert aufgenommen wurde, jeweils mit aggressiver und pseudo-radikaler Rhetorik gegen den Kriegsgegner der USA. Ralph Giordano, nicht wirklich ein “A”D gewesen, eher einer ihrer “Assoziierten”, wie Broder, machte 91 und 03 Werbung für die Irak-Kriege in Deutschland (bzw, wetterte gegen Linke, die das anders sahen), Enzensberger nur 03. Matthias Küntzel, Mitbegründer der „A“D und ihres Zentralorgans „Bahamas“, beschäftigt sich am liebsten mit jenen WKII-Kriegsgefangenen oder aktuellen Islamisten, die von deutscher Schuld wegdeuten, im Kleid des seriösen Wissenschafters.

Der Agitator ist gut vernetzt in der Zion-Lobby, nicht zuletzt über Scholars for Peace in the Middle East (SPME). Was er hervor bringt, ist bekömmlich für deutsche Wohlstandkids im linken Mäntelchen, die sich hauptsächlich Feindbilder innerhalb der radikalen Linken suchen und wirkliche Probleme unter den Teppich zu kehren versuchen. NS, AS, Holocaust, das war mal, mit dem haben wir nichts zu tun, das waren die Nazis, hat mit Rassismus nichts zu tun, hat mit uns nichts zu tun.92 Wir sind auf der pro-israelischen Seite und daher über jeden Verdacht erhaben, sind der freie Westen (bzw die jüdisch-christliche Zivilisation), alle ausser Mutti sind Antisemiten, und ganz besonders jene die wir mit dem Begriff “Muslim” assoziieren.93 Wobei natürlich nur zionistische Juden gute, echte Juden sind. Genau so wie an der USA auch nur bestimmte Aspekte gut und richtig sind…Wertmullah: „die amerikanische Gesellschaft hat auch schon orientalische Züge“, was damit wohl gemeint ist.

Eine Rhetorik ganz auf die Täter-Enkel zugeschnitten, eine sehr deutsche Angelegenheit, deutsche „Thematiken“ werden auf beliebige andere gesellschaftliche und historische Konstellationen übertragen, und am Ende landet man nicht nur bei der Springer-Presse (Jan P. Hein, Ostensack,..), sondern auch bei einem neuen, schlimmeren Deutsch-Nationalismus.94 Robert Kurz: “Sie kritisieren den BRD-Apparat nicht deswegen, weil er Teil der imperialen Machtstruktur ist, sondern im Gegenteil deswegen, weil er es momentan ihrer Meinung nach nicht überzeugt und militant genug ist.” Und die, die sich als “antiislamische Aufklärer” uÄ geben, enden als Unterstützer des saudischen Regimes und seines wahabitischen Islam-Verständnisses, das von Israel, USA und Deutschland als Verbündeter gesehen wird.

Otla: “…die Enkel der NaziGeneration konnten wohl den brutalen Schnitt, den die Kinder 1968 gegenüber ihren Eltern machten, für sich selbst emotional nicht bewältigen und trachten danach, sich ihr Seelenheil mit einer Art unkritisch pro-israelischem Ablasshandel zu erkaufen.95 Wesentlich geht es um die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus. Das ist Unfug, denn der Zionismus ist keine Religion, sondern eine politische Ideologie, der keineswegs alle Juden anhängen, dafür aber etliche fundamentalistische Christen; entsprechend umstritten ist diese Gleichsetzung. Nicht nur der Fraser-Prozess in England, mit dem der Kläger die Gleichstellung von Antizionismus mit Antisemitismus erzwingen wollte, wurde quasi mit Backpfeifen verloren, auch die angebliche Arbeitsdefinition Antisemitismuswurde von der EU sang-und klanglos zurück gezogen; ebenso verlor Ditfurth mit ihrem sehr weiten Gebrauch des Begriffs Antisemitismus den Prozess gegen Elsässer.”

Kurz: “…Konstrukt völlig absurd, denn hätten wir wirklich eine Situation wie vor 1914, dann könnte eine ‘radikale’ Position nie und nimmer darin bestehen, den ‘eigenen’ Nationalimperialismus dadurch bekämpfen zu wollen, daß man sich auf die Seite des anderen Nationalimperialismus schlägt. Flugs wird also das Muster der Anti-Hitler-Koalition irgendwie darüber geblendet, selbst wenn die Sache hinten und vorne klemmt. Wie hätten Sie’s denn gern, Erster oder Zweiter Weltkrieg, oder beides zusammen? Nur eins kommt nicht vor: die wirkliche Weltkonstellation des Jahres 2003. Um die haarsträubenden logischen, historischen, sachlichen Fehler und Widersprüche ihrer ‘Argumentation’ zu kaschieren, bauen die Antideutschen eine Drohkulisse von ideologischen Identifikationsmustern auf, die sie unangreifbar machen soll. Wer ihre lächerlichen Konstrukte widerlegt, gilt per se schon als ‘antiamerikanisch’ und ‘antisemitisch’.” Manche “A”D halten an linken Restbeständen bzw am linken Schein fest, andere stehen zum Schwenk nach rechts. Ihr jeden Sinns entleerte „Antisemitismus“-Vorwurf richtet sich in der Regel nur gegen Linke.96

Und, natürlich wird das Nicht-Deutsche von “Anti”-Deutschen (entsprechend auch von jenen in Österreich) ausgegrenzt und diffamiert…schlimmer als von klassischen Rechten.97 Bei Thomas v.d. Osten-Sacken oder Thomas Maul wird auch klar, dass das “Anti”deutsche (mit seinem Pseudo-Antifaschismus) nur eine Zwischenstufe zu etwas Passenderem, Deutlicherem sein kann.98 In einer Jubel-Veranstaltungs-Reihe zu „70 Jahre Israel“ 2018 sollte auch der “Bahamas”- und “Achgut”-“Autor” Maul auftreten, in der Leipziger Universität. Die zog ihre Einwilligung zurück, nachdem Maul eine Rede von AfD-Chef Alexander Gauland zu Israel auf seiner Facebook-Seite verbreitet hatte, diese mit den Worten lobte, die AfD erscheine “als einzige Stimme der Restvernunft”99, sei “von Wahrhaftigkeit geprägt” und werde “wahnhaft dämonisiert”.

Nach der Absage sprang das Leipziger Veranstaltungszentrum „Conne Island“ bereitwillig ein; dessen Geschäftsführer war ein anderer “Anti”deutschen-Führer, Sören Pünjer, ist dort nach wie vor wichtig. Und promotet schon seit Jahren offen Rechte von FPÖ bis EDL, agitiert gegen Antifaschisten. Maul100 sagt dann Dinge wie, er würde der AfD und ihrer “Polemik” “weitgehend zustimmen”, die AfD sei “die einzige antisemitismuskritische Partei im Deutschen Bundestag”, zu Recht lobe Beatrix von Storch die Flüchtlingspolitik von Viktor Orban, es gäbe ein “herrschendes Linkskartell”, und: da “Antiislamismus” wahrer “Antifaschismus” sei, mache die AfD “eine antifaschistische Volksfront überflüssig”… Die „Restvernunft“ war (für „A“D) zu Zeiten von Bush jun. bei diesem, nun schon bei der AfD. Die Trump-Fans wird es dort aber auch geben. Nun sind die „A“D wirklich schon nahe bei ihrer Endstation. Im Dezember 2017 haben afrikanische Asylbewerber im Transitzentrum von Deggendorf (Bayern) mit mehrtägigen Protesten und einem Hungerstreik eine bessere Unterbringung gefordert. Die lokale AfD postete damals einen Livestream der Proteste auf ihrer Facebook-Seite, dort liessen dann Menschen ihrem Hass freien Lauf und forderten etwa, die Asylbewerber zu vergasen oder ins Vernichtungslager Auschwitz/ Oswiecim zu schicken.

Aber es sind nicht nur solche Äusserungen des AfD-Fussvolks oder seines rechten Rands, und die NS-Beschönigung/-Apologetik die dort betrieben wird, es ist die AfD an sich, Gauland usw, die genug aussagt über ihre Freunde bei den “Anti”deutschen (und diese wiederum über jene die [noch] nicht diesen Schritt gemacht haben).101 Und jene im angeblich wissenschaftlichen Bereich, die keine Gelegenheit auslassen, sich mit “Querfronten” zwischen Moslems und Rechtsextremen zu “beschäftigen” (die sich gg “Israel” richten würden), bleiben zu so etwas natürlich stumm.102 Die “anti”deutsche Kombo in Wien unter Grigat versucht ja weiter, rechte Begeisterung für Israel herunterzuspielen, dem Zionismus ein antifaschistisches Mäntelchen umzuhängen, für sich den Eindruck von Seriosität und Respektabilität zu erwecken. Man beachte den Unterschied: “A”D wie Maul preisen die AfD weil sie so israelfreundlich und damit antiantisemitisch sei, solche wie Grigat schelten die AfD weil sie nur taktisch israelfreundlich und damit gar nicht antiantisemitisch sei (nehmen also eine taktische Abgrenzung zur AfD vor). Der Rassismus und Deutschnationalismus ist irgendwann anscheinend auch ganz offen da. Da gibt es “A”D die sich (weiter) als Linke geben, und als heroische Kämpfer gegen das Böse, am Ende promotet man dann auch Saudi-Arabien oder die AfD.103 Aber, um das zu bagatellisieren, kann man sich immer noch als Kämpfer gegen “islamischen Antisemitismus” stilisieren, oder für Rechte von Frauen.104

Geballte Kompetenz und Objektivität

„Dr. Heribert Schiedel“ vulgo Andreas Peham war Mitbegründer der „Anti“deutschen in Österreich105, ist eines der “Oberhäupter” der Israel-Lobby in Österreich (bzw Wien), tritt als “Historiker”, “Antifaschist” und “unabhängiger Experte” auf, wird als solcher von der Politik gehätschelt, darf zB Vorträge in Schulen abhalten. Peham ist aus Oberösterreich und es heisst, die räumliche Nähe zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie die “nicht unproblematische” Vergangenheitsaufarbeitung seiner Familie weckten sein “Interesse” an Geschichte und Politik, wo er nicht ganz sattelfest wurde. Er stellt gern „Antisemitismus“ in den Mittelpunkt bzw instrumentalisiert ihn, wird dabei von manchen Medien ernst genommen; „Andreas Peham erklärt im Interview, was Antisemitismus ist und wie er funktioniert.“ Der „islamische Raum ist Zentrum des Judenhasses” befindet er. Er ist (noch) nicht bei der FPÖ gelandet, aber natürlich bei der bedingungslosen Affirmation (gewisser) staatlicher Gewalt, der Unterstützung amerikanischer Kriege,… In seinen Kreisen rührt man noch etwas die Trommel gegen Ustascha-Gedenken in Bleiburg, Weltkriegsgedenken am Ulrichsberg, und so.

Nochmal zum “AS”-Diskurs. Eckhard Jesse schrieb, wer über Juden in noch so löblicher Absicht redet, bewege sich auf ungesichertem Terrain, auf einer Art Minenefeld. Und: Auf Kritik an „Islamkritik“ folgt Gejammer, dass man dieses und jenes nicht sagen dürfe. “Das wird man wohl noch sagen dürfen”, “Klartext reden ist angesagt”, “Probleme sollten/müssen in grosser Offenheit debattiert werden”, “Meinungsfreiheit darf nicht eingeschränkt werden”. Aber, wenn es um Israel oder seine Lobby (v.a. die in der USA) geht…dann dominiert Selbstzensur, Angst vor dem AS-Vorwurf, Einknicken aus politischer Korrektheit, werden Diskussionen abgewürgt. Ob falsche politische Korrektheit dieser Art (Juden sakrosankt/unangreifbar machen) nicht erst recht eine Form von Antijudaismus ist? Mit „IL-Kritik“ kann man in Deutschland z Zt Alles verlieren, diesbezügliche “Antisemitismus”-Beschuldigungen erinnern an das Gleichnis vom erschlagenen Boten.106

Melzer: “Die großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen, von der BILD, FAZ, taz, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung bis zu der ZEIT, dem Spiegel und manche Monatsmagazine – überall wird das Thema Antisemitismus mit zittrigen Händen und vollen Hosen behandelt, man überlässt es entweder den Hofjuden, die jede Zeitung inzwischen hat oder den Philosemiten, die auch nichts besseres sind, als die gewöhnlichen Antisemiten. Jede noch so absurde und geringfügige Sonderstellung der Juden innerhalb der Gesellschaft ist eine Form von Antisemitismus. Entweder sind die Juden vollkommen gleichberechtigt, mit allen Rechten und Pflichten, mit allen Vorteilen und Nachteilen einer demokratischen Gesellschaft, oder sie sind etwas Besonderes, eine Gruppe unter Denkmalschutz, für die im Guten wie im Schlechten besondere Gesetze gelten.”

Der Kampf gegen eine realistische Thematisierung israelischer Politik entspricht (in seiner Aggression,…) der Unterdrückunspolitik selbst, also dem Gegenstand der Kritik. Jede diesbezügliche Kritik wird zum weiteren Beweis für die Realität der unterstellten Verschwörung. Siehe oben über die Haider-Anhänger und der Unfall ihres Idols, oder gewisse Islamisten. Bei den Mo-Karikaturen wurden Reaktionen auf diese Art der „Thematisierung“ auch als Beleg für die eigene Richtigkeit und die “Verdorbenheit” der Gegenseite angeführt, oder auch beim Pipes-Stalking. Bei solchen T-Shirts zB ist ihre Thematisierung bedenklich (und “antisemitisch”), nicht die T-Shirts (bzw ihre Aufdrucke). Und natürlich bringt Einem auch die Thematisierung der “Antisemitismus”-Keule im Zusammenhang mit Kommentaren und Fakten zu Israel und Palästinensern diese ein.107 Die Praxis des Anprangerns aufgrund einer Kritik bzw Bestandsaufnahme (wie bei Schulz und seiner Knesset-Rede), das Einnehmen der Opferrolle anstatt einer Auseinandersetzung damit, diese dem eigentlichen Opfer wegnehmen,.. Es ist “antisemitisch”, auf das hinzuweisen, auf was ein Teil in diesem Lager ohnehin stolz ist.

Das mit der Nennung der religiösen/ethnischen Identität ist auch so eine Sache. Im israelischen Kontext dreht sich, wie schon erwähnt, Alles darum, ob jemand Jude ist oder nicht. Aber das zu thematisieren, oder die Jüdischkeit von jemandem im Zusammenhang mit seinem/ihrem Pro-Israel-Engagement oder mit Unangenehmen… Zur Viktimisierung wird es jedenfalls herangezogen (siehe auch II, Baruch Goldstein usw), zB von Küntzel als er eine grosse Broder-Verteidigungsrede schrieb nach dem Massaker in Norwegen von jemandem der (auch) für Broder schwärmte. So eine Art Joker. Oktober 19: Florian Horcicka in der Gratis-Boulevardzeitung „Heute“ (Krone-Konzern, Dichand) über eine „blutige Gewalttat gegen eine jüdische Familie mit zwei kleinen Kindern“; dem Artikel nach ging es darum, dass eine (religiöse) jüdische Familie nach dem Gebet in der Synagoge in Wien am jüdischen Feiertag Jom Kippur von einem „Ex-Bankmanager“ (wenn er ein Orientale gewesen wäre, hätte man das erwähnt) im Auto zuerst fast angefahren wurde, dann antijüdisch beschimpft, und dem Familienvater dann die Nase gebrochen.108

Es stellt sich die Frage (wenn die Geschichte in Grundzügen stimmt), inwiefern das Judentum dieser Leute für den tätlichen Angriff bzw insgesamt den Streit relevant war. Wenn etwas Entsprechendes in Israel/Palästina passiert, sieht der Blick bzw die Darstellung darauf in der Regel anders aus. Jener israelische Soldat, der einem dänischen Aktivisten die Nase brach, wurde zu einer Art Held, man kennt seinen Namen (Shalom Eisner), es würde als “antisemitisch” ausgelegt werden, wenn man dort darauf hinweisen würde, dass dieser Jude ist (“Jude verprügelt Dänen” oder so), und es wird eher dem Opfer “Antisemitismus” unterstellt, weil der Mann an einer “israelfeindlichen Aktion” beteiligt war… In (Süd-) Zypern hat der Prozess gegen eine junge Britin begonnen, die zwölf israelische Touristen (Teenager) „fälschlicherweise“ der Gruppenvergewaltigung beschuldigt hatte. Nach Angaben ihrer Anwälte hatte die Britin die Vergewaltigungsvorwürfe gegen die Israelis nur unter Zwang zurückgenommen. Die Israelis wurden freigelassen, sind zurückgekehrt.

Yahoo-Kommentare: „die vergaltiger sind zwar Israelis, aber alle sind araber und Moslems dies nur zur klarstellung“. Stimmt nicht, siehe zB www.standard.co.uk/news/world/israeli-teenagers-accused-of-rape-of-brit-woman-19-in-ayia-napa-to-be-released-as-she-is-arrested-a4199786.html . Da wird dann sogar einmal die Verbindung IL-Judentum weg-geleugnet…109 Oder: „Die Frau bewegt sich freizügig. Niemand haftet für ihren Leib oder ihre Seele.“ Aha… Oder das: „drecks judenhasserin. was für eine schande!! haben diese menschen nicht genug gelitten?? Die verrückte soll mal 1 Woche bei ein Flüchtlingsheim bleiben und dannach erzählen,was ihr schöne und unschöne Sachen passiert sind !!!! Die hat wohl schlechte Vorstellung zu ganz juden !!!“…Ganz wie zu erwarten: AS-Keule und Frauenfeindliches, zweiteres entgegen dem Selbstverständnis, das es sonst in diesen Milieus gibt (“freier Westen”, “Moslems unterdrücken Frauen, sind verklemmt und reaktionär”, manchmal auch “…das ist wahre Ursache für den ‘Nahostkonflikt'”, “Kampf dem Phallozentrismus”,…).110

Khomeini sagte in Interviews in Frankreich 1978, „Wir sind nicht gegen die Freiheit der Frau, wir sind gegen die Prostitution“ > Wenn man Frauen die ohne Kopftuch auf die Strasse gehen, als Prostituierte sieht, dann ist das sogar stimmig. Entsprechend ist es mit Zuschreibungen wie „Terroristen“ und „Antisemiten“. Als in der UN 2011 eine Resolution diskutiert wurde, die den israelischen Siedlungsbau (> Verdrängungen, Enteignungen, ethnische “Säuberungen”,…) „kritisch beurteilt”, kamen die Verteidiger Israels wie der US-amerikanische jüdische Politiker Jerrold “Jerry” Nadler (DP, NY, HoR), der sagte, die Vereinten Nationen seien eine „Brutstätte des Antisemitismus“ und “anti-israelischer Meinungen” geworden; die USA dürften “solchem Hass“ keinen Vorschub leisten.111 Dem Diskurs über die Unterdrückung der Palästinenser wird gerne die Verantwortung für (tatsächliche) antisemitische/antijüdische Gewaltakte zugeschoben; um die Politik von Netanyahu und Co freizusprechen.

Thematisierungen und Zuschreibungen von Antisemitismus kommen eben in der Regel aus einer Agenda heraus, manchmal ist das deutlicher, manchmal versteckter (und mit hochmoralischer Rhetorik). Bei Artur Brauner und Gerhard Bronner war es so, dass sie (und andere für sie) ihre Steuerprobleme so kommentierten, dass die Behörden diesbezüglich aus antijüdischem Antrieb agierten, bei Michel Friedman in seiner Drogen/Prostitutions-Affäre ohnehin, auch Ariel Muzicant hat “Behördenprobleme” bei seinem Penthouse-Bau so kommentiert. Als Franz Schandl Arnold Schwarzenegger wegen dessen “Ablasszahlung” (nicht sein Wort) an das SWC kritisierte, konstruierte Karl Pfeifer (in seiner üblichen Art) daraus einen “Antisemitismus”, die Kritik (an Schwarzenegger) impliziere ja, dass Juden (jene des SWC) einen solchen Ablasshandel betreiben würden. Es ging aber um Schwarzenegger und seinen Nazi-Vater. Von Iris Noah(-Weiss)112 erschien in „Jungle World“ ein Lamento über die Behandlung die ihr in einem arabischen Lebensmittel-Geschäft (~in Berlin) zuteil geworden sei; sie habe etwas für eine (jüdische) Speise einkaufen wollen, und vorurteilsfrei wie sie ist, habe sie ein arabisches Geschäft ausgewählt, dabei sei ihr die Halskette mit dem Anhänger, einem “Davidstern”, verrutscht (dieser sichtbar geworden), und mit einem Schlag sei man sehr unfreundlich zu ihr gewesen, usw.113

Alexia Weiss, die in der “Wiener Zeitung” für jüdische Themen zuständig ist, hat eine (im Grunde) ähnliche Geschichte geschrieben, von Türken in Wien die antijüdisch seien (und Erdogan sei i-wie mitverantwortlich dafür), Juden ihnen ggü dagegen grosszügig und vorurteilsfrei. Als Roman Polanski wegen seiner Vergewaltigung 2009 bei einem Schweiz-Besuch aufrund eines US-Auslieferungsantrags festgenommen wurde, schrammten viele Kommentare nur knapp am “AS”-Vorwurf vorbei, vielleicht sind auch welche gekommen. Wenn wir nun zu “Untersuchungen” und Behandlungen von Antisemitismus (und auch: Initiativen dagegen) kommen, dort geht es auch oft genug darum, “Israel-Kritik” darauf herunter zu brechen, dass es um “Juden” gehe, israelische Politik (und Geschichte) unkritisch in Schutz nehmen, sich mit ihr identifizieren, Juden “sakrosankt” zu machen. Gut drei Viertel dieser Untersuchungen/Studien/… sind solche, in denen Juden nicht als politische Subjekte ernst genommen werden (sondern einen Status als privilegiertes Opfer haben), eine kritische Betrachtung des Zionismus’/Israels ausgeblendet bzw diffamiert wird.

AS-Untersuchungen sind in der Regel politisch stärker unterfüttert als von wissenschaftlichen Kategorien getrieben, versuchen, die Realität mit Ideologien in Einklang zu bringen. Jene, die eine bestimmte Definition/Auffassung von Antijudaismus hochhalten, dürfen diese promoten, dominieren den Diskurs (> das Parteiische als das Objektive). Auf jeden Fall wird dann „Antisemitismus” im “Antizionismus“ „konstatiert“, ausserdem im “Antiamerikanismus”,… “Antisemitismus-Forscher“ fühlen sich meist auch als Bekämpfer ihrer Untersuchungs-Materie; so wird aber nicht Antisemitismus bekämpft, sondern werden gewisse herrschende Verhältnisse beschützt. “Antisemitismus”-“Untersuchung”/”Bekämpfung” findet oft an einer Schnittstelle von wissenschaftlichem, journalistischem, publizistischem und politischem Bereich statt. Es gibt da längst ein selbstreferentielles Ideologiekartell, Zahnräder greifen ineinander. Jutta Ditfurth konnte sich etwa in einem Prozess gegen Jürgen Elsässer auf ideologische „AS-Studien“ à la Schwarz-Friesel berufen…

In diesen monoperspektivischen „AS-Untersuchungen” wird IL-Lobbyismus als “Wissenschaft” (oder auch “Menschenrechtsengagement”) dargestellt, Parteilichkeit verschleiert; bezüglich Israel/Palästina wird mit permanenten Beschönigungen (oder Verdrehungen) der tatsächlichen Lage gearbeitet, dabei gerne auf Personen oder Institutionen nahe beim israelischen Staat verwiesen (MEMRI, IDC Herzliya,…), deren Sprachgebrauch übernommen. Standard ist es dabei, dass Verfechter der Mehrheitsmeinung zum “Antisemitismus” einen “Glaubenskrieg” gegen Abweichler führen, versuchen, diesen AS anzuhängen – im Namen der Wissenschaft natürlich.114 Dabei geht es auch um den eigenen Platz im Wissenschaftsbetrieb. Diese Thematisierer des “Antisemitismus” zu thematisieren, die hiesige IL-Apologetik zu beleuchten, tut daher not.115 Egal, ob diese in ihrer Urteilsfähigkeit durch ideologische Vorurteile beschränkt sind, oder bewusste Desinformation betreiben. Es gibt ja die verschiedensten “Ausformungen des Antisemitismus”, vom alten zum neuen, vom primären zum strukturellen, vom christlichen zum moslemischen,… Als “sekundärer” oder auch “struktureller” kann so so ziemliche Alles definiert (bzw diffamiert) werden.

Der „neue” und der “moslemische” überschneiden sich ziemlich116, auf ihnen liegt inzwischen das Hauptaugenmerk, bei den pseudo-wissenschaftlichen AS-Behandlungen, aber auch in Politikerreden, Leitartikeln, bei IT-Stimmungsmachern. Diese “Untersuchungen” (bzw ihre Verfasser/innen) beanspruchen eine Deutungshoheit über „Antisemitismus“, blenden ihre Agenda in der Regel aus. Zu den Gemeinsamkeiten bzw Charakteristika gehören auch die aufdeckerischer Geste, das dauernde „überführen“, „aufdecken“, „anprangern“, überall AS zu “finden” (besonders wenn dies Israels Agenda voranbringt), Befunde mit Sensationswert zu bringen (andernfalls würde man gleich der Beschwichtigung bzw des Appeasements beschuldigt werden), diese “Beschwichtigung” wird aber auch immer wieder “konstatiert”, im Zusammenhang mit irgend welchen Schauermärchen, und man bebt vor gerechtem Zorn.

Zur Tendenz solcher Erhebungen gehört auch, rassistische Taten oder Worte in IL (oder von IL-Freunden), private oder offizielle, nicht zu thematisieren. Und jene, die das tun, die Überbringer der schlechten Botschaft bzw Feststeller der Krankheit, zu attackieren. Bei Grigat geschehen (auch) die Thematisierungen von AS in propagandistisch-diskriminierender Absicht (Israel über alles) und im Bestreben, den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu erwecken. Als “harlan eiffler” lobt er im Kommentarbereich von “Der Standard” seinen eigenen Gastkommentar als „fortgeschrittene Antisemitismus-Forschung”, in einem Video von seinem “Cafe Critique” redet er grinsend vom „antisemitischen Massenmörder Saddam Hussein“ – dessen Opfer fast Alle Moslems waren: schiitische, kurdische, regimekritische Iraker, Iraner, Kuwaitis,… Instrumentalisierung des Antisemitismus im innerlinken Distinktionskampf ist bei “Anti”deutschen Standard, eben so, um für neue Kriege zu trommeln. Es ist halt ein einfaches Prinzip: Wenn man auf Andere zeigen kann, muss man sich nicht mit sich selbst beschäftigen… Uni Wien und Medien huldigen Grigat, nehmen ihn als “Forscher” ernst.

Clemens Heni schrieb seine Dissertation über „Antisemitismus und Antiamerikanismus” in der BRD anhand Eichberg bei Anton Pelinka, 07; auch dass er von Robert Wistrich gelernt hat, merkt man. Dass er auch für die “Jerusalem Post” schreibt, zeugt auch von seinem “Antisemitismus”-Verständnis. Im Gegensatz zu Broder oder Barry Rubin, die sich veranlasst sehen, strikten Antikommunismus klassischer US-amerikanischer Art in ihr Westkonzept einzubauen (anstatt die Rolle der SU beim Sieg über Nazideutschland hervorzustreichen), ist Heni jemand der einen linken Schein aufrecht erhalten (und seine IL-Apologetik darin “einbauen”) möchte. Die Islamophobie sei eine Erfindung Khomeinis, sagt Heni, und seine Tätigkeit erschöpft sich in PR, Pseudo-Problematisierungen und Pseudo-Betroffenheit. Ein Deutscher, der mit dem Totschlag-Vorwurf/ der Hetzvokabel “Antisemit(ismus)” operiert, und dabei ernst genommen wird. Ähnliches gilt auch für Samuel Salzborn, das hochgezüchtete Selbstbild von der allumfassenden Antisemitismuskompetenz, das Pseudolinke, die ideologisch eingefärbte Sicht, die Israel-Promotion aus dem „Antisemitismus“-Diskurs, dass er als Experte behandelt wird („Europäische Rundschau“,…).

Salzborn und Heni sind Zwei, die (im Gegensatz zu Maul oder Kühntopf) die AfD (noch) zu den Schlechten rechnen, anders als Broder auch nicht bei ihr auftreten, versuchen, sie in Gegensatz zu Israel zu stellen. Julius H. Schoeps gehört zB dem “Expertenkreis Antisemitismus” der Bundesregierung an, neben A. Kahane, F. Klein, J. Schuster,…, steht auch für eine von politischen Erwägungen geleitete „Wissenschaft“ mit wenig kritischer Distanz zum Untersuchungsgegenstand. Anton Pelinka, ein ex-linker117 Politikwissenschafts-Professor, ist Doktorvater nicht nur von Heni sondern auch zB von einem Andreas Maislinger118, wirkt beim “Vienna Wiesenthal Institute”, unterstützt “Stop drop the bomb”… Er ist einer jener, bei denen undifferenzierte USA-Apologetik (welche USA?, siehe dazu II119), und eben solche Israel-Verteidigung ineinander übergehen. Natürlich versucht er “Querfronten” auch anderswo zu konstruieren, rechte und linke Extremisten würden eine “unheilige Allianz” gegen Europa eingehen.

Fliessende Übergänge “vom linken zum rechten Extremismus” sieht Anton Pelinka natürlich auch gegen Israel (und nicht bei den Israel-Freunden).120 Pelinka attackierte Mearsheimer/Walt bzw ihr Buch in Wien („gibt eine anti-israelische Lobby in Österreich”). Was er in seinem Buch über Israel (“Ausnahme- oder Normalstaat”) schrieb, liegt auf der Hand. Nun ja, seinen Texten muss man wenigstens, im Gegensatz zu denen von anderen Genannten, nicht jegliche Wissenschaftlichkeit absprechen. Bezüglich der aktuellen Habsburger hat er auch Zu-Treffendes gesagt. Otto Habsburg-Lothringen hatte über seinen Sohn Karl gesagt: “Karl wird angegriffen, weil er den gewissen gelben Stern trägt, den Namen Habsburg”. Und: “Die armen Juden haben ja Entsetzliches mitgemacht. Ich denke oft an sie in diesem Zusammenhang.”121

Dieser Pelinka dazu: “Wer illegale Spendenflüsse aufdeckt, soll zum Nazi gestempelt werden, und die Habsburger, die einen Weltkrieg und millionenfaches Elend zu verantworten haben, verwandeln sich in verfolgte Juden.” Nur, das trifft auch auf die Israel-Apologetik von Leuten wie ihm (Pelinka) zu, auf die Zusammenhänge die da hergestellt werden zwischen Zionismus und Holocaust,… Karl Habsburg-L. verglich übrigens das Abtreibungs-Medikament “Mifegyne” mit der Todesstrafe. Ebenfalls aus Österreich: Maximilian Gottschlich (auch eifrig, wenn es darum geht, IL-Kritik als neue Erscheinungsform des Antisemitismus zu diffamieren und entsprechend vernetzt)122, Karin Stögner (beschäftigt sich “wissenschaftlich” mit dem was sie unter „Antisemitismus“ und „Feminismus“ versteht, ideologisch vernebelt im „anti“deutschen Sumpf)123, Hans Safrian.

Und Margit Reiter, Historikerin; 1991 Abschluss des Studiums mit der Diplomarbeit zum Thema “Ehrbarer Antisemitismus – Hilfloser Antifaschismus? Antizionismus und Palästina-Solidarität der Neuen Linken in der BRD im Schatten der NS-Vergangenheit.“, betreuet von Anton Staudinger, am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien (wo sie nun wirkt); dafür bekam sie den Ernst Fraenkel Prize. 1998 die Dissertation “Die österreichische Linke und ihr Verhältnis zu Israel im Kontext von Nationalsozialismus und Antisemitismus”.124 Der Beschäftigungs-Schwerpunkt blieb, es folgten mehrmalige Forschungsaufenthalte in Israel. Reiter nahm auch an einer Veranstaltung mit Frank Stern u.a. gegen Mel Gibsons Jesus-Film teil.125 Immer wieder arbeitet sie mit Helga Embacher (Uni Salzburg) zusammen. Diese brachte 2019 zusammen mit Alexandra Preitschopf und Bernadette Edtmaier das Buch “Antisemitismus in Europa: Fallbeispiele eines globalen Phänomens im 21. Jahrhundert” heraus (Böhlau-Verlag, gefördert von österreichischem Nationalfonds & Zukunftsfonds).

Umschlag des Buches von Embacher & Co

Nicht überraschend geht es darum um Israel, Kritik bzw Kritiklosigkeit dazu, Linke, Islam, „Antizionismus als gemeinsame Schnittmenge von radikalen Linken und Islamisten“126, „Universitäten als hot spots?”, Soral & Dieudonne, Ken Livingstone, Verschwörungstheorien (siehe dazu unten),… AS ist für Embacher ein Forschungs- (bzw Profilierungs-) schwerpunkt. Nahm zB an einer Veranstaltung von Attac Österreich, ÖH und Grüne Bildungswerkstatt über „Antisemitismus bei der Antiglobalisierungsbewegung, im Antiimperialismus“ teil, mit G. Scheit, M. Reiter, und Juliane Wetzel (diese ist eine ziemlich wissenschaftliche und un-hysterische „Antisemitismus-Forscherin“). Embacher ist nicht wirklich blind, geht aber mit der Zeit, macht israel-zentrierte und sensationslüsterne „AS-Forschung“ mit. In der ja die proisraelische Seite und deren rechten Charakter und Verbindungen in der Regel völlig ausblendet wird, und dass die Rechte (siehe Strache) inzwischen auch um der Fremdenfeindlichkeit willen AS “thematisiert”. Während Alles unter die Lupe genommen wird, was irgendwie israel-kritisch ist, wird der Mantel des Schweigens ausgebreitet über das, was sich hinter Israel-Unterstützung/Gefälligkeit verbirgt.

Eine Empfehlung des Embacher-Buches gab’s von Guido Tiefenthaler auf orf.at, bei den Weihnachtsbüchern 19. „Pflichtlektüre, um zu verstehen,…”. Die Querverbindungen werden eben nicht beleuchtet, sondern ausgeblendet und verdreht. Es gibt ja auch Israel-Freunde, die es nicht so sehr stört, dass Israel als Apartheid-System gesehen wird, sondern eher dass „man“ überhaupt gegen Apartheid (wie sie in Südafrika existierte) eingestellt ist… Die nicht nur die israelische Politik gegenüber den Palästinensern und der Region verteidigen, sondern auch die Thematisierung israelischer Zusammenarbeit mit Vorster oder Videla, auch diese Herrscher/Systeme an sich gg Kritik in Schutz nehmen wollen127; dafür eignet sich natürlich die “AS”-Keule. Jeffrey Herf schwafelt von einer “atlantischen Allianz” (Europa & USA), die einen “langen Krieg gegen den radikalen Islam“ führen müsse128, natürlich reeein defensiv, lädt Antijudaismus und Nazismus beim Islam und den Moslems ab (zu einem geringeren Maß bei den Linken), kleidet seinen Israel-Propagandismus in das Gewand von “wissenschaftlicher Arbeit“.

“Belässt” es Herf bei “Unterschwelligem”, wie der Behauptung dass die Wissenschafter “von Edward Said und der 3. Welt fasziniert” seien (und seinen apodiktischen Gegenüberstellungen Westen – islamische Welt, mit Juden auf ersterer Seite), zeigt sich bei David Horowitz schön, wie sich Moslemophobie, Orientalismus (in E. Saids Sinn), Israel-Unterstützung , Rassismus und Westimperialismus verbinden bzw ineinander übergehen; der Ex-Linke verteidigt und promotet inzwischen auch Samuel Jared Taylor129. Auf journalistisch-publizistischem Gebiet gibt es da im deutschsprachigen Raum u.a. Michel Friedman, Yves Pallade130, Doron Rabinoviczi, Josef Joffe, Esther Schapira, Thomas Ammann131,… Die Journalistin Schapira trat vor einigen Jahren, als Preisträgerin übrigens, bei der „Woche der Brüderlichkeit“ auf, mit einer Israel-Verteidigungsrede (eher Angriffsrede), wurde danach vom israelischen Botschafter Stein getätschelt.

Monika Schwarz-Friesel

Nun etwas eingehender zu einer “Antisemitismus-Studie”, an der exemplarisch Einiges aufgezeigt werden kann. Es geht um einen Aufsatz von Monika Schwarz-Friesel (“Antisemitismus 2.0”), der den Anspruch erhebt, eine Untersuchung zu Antisemitismus zu sein, auf Grundlage der Interpretation von Wortmeldungen zu Juden und Israel im IT im deutsch-sprachigen Raum. Tiara hat den Text nicht selbst gelesen, stattdessen den (unten verlinkten) Artikel “Wie das politische Weltbild der Antisemitismusforscherin Schwarz-Friesel zum Nahostkonflikt deren Forschungsergebnisse prägt”, von Franz Piwonka auf Arendts Palästina-Portal; Piwonka hat sich tapfer durch den Text von Schwarz-Friesel gekämpft. Die „Antisemitismus-Forscherin“ soll E-Mails, Leserbriefe und Texte im Internet mit “antisemitischen Inhalten” und “anti-jüdischen Klischees” untersucht haben (und nicht auf solche132). Dabei wurde jede als antisemitisch bewertete Aussage einer von drei Kategorien zugeordnet: „klassischer Antisemitismus“, „Post-Holocaust- Antisemitismus“ sowie „israelbezogener Antisemitismus“. Es wurde bald klar, dass die dritte Kategorie das eigentliches Thema der Studie ist, bzw die Deligitimierung von “IL-Kritik” (bzw realistischer/universalistischer Thematisierung Israels), es geht um „Empörungsinszenierungen bezüglich der Entlarvung scheinbarer Israel-Kritik als Antisemitismus“ (F. P.).

Piwonka zeigt auf, wie Schwarz-Friesel versucht, die Realität in ihr weltanschauliches Korsett zu pressen, zB Verhältnisse in Palästina/Israel mit westlichen gleichzusetzen. Wie sie “politische Botschaften transportiert, die sich durch eben diesen wissenschaftlich Duktus unangreifbar machen wollen”. Piwonka: “Sie benennt einige Indikatoren für Antiisraelismus: kollektive Schuldzuweisung, pauschale Negativattribuierungen, hyperbolische Übertreibungen, Monoperspektivierungen sowie unverhältnismäßige Analogien.” > Das könnte eine Einschätzung von Israel-Fans in Österreich, Deutschland, USA,… und ihrer Haltung zur “Region” sein. Piwonka weiter: “Zum Standardrepertoire proisraelischer Voreingenommenheit gehört das Unterfangen, Israelkritikern doppelte Standards vorzuwerfen.” (siehe dazu den Abschnitt unten) “Im Zusammenhang des Ausdrucks ‘Juden unter den Staaten der Welt’ erwähnt sie Stephan Grigat, der einen Artikel mit dem Titel: ‘Israel als Jude unter den Staaten’ geschrieben hat.” Spätestens hier weiss man, wo Friesel steht, wie sie ideologisch gepolt ist, wie subjektiv und voreingenommen…

Piwonka zitiert: “Die nichtjüdischen Bürger, gleich ob es arabische Christen, Drusen, oder Muslime sind, haben exakt die gleichen Rechte, Bildungs-,Entwicklungs-und Aufstiegschancen wie die jüdischen Staatsbürger. Entsprechend sind arabische Israelis in allen Bereichen der Gesellschaft vertreten, als Geschäftsleute, Ärzte, Polizisten, Soldaten, Rechtsanwälte, Abgeordnete“. Das (“exakt gleiche Rechte”) ist nicht nur POV, sondern ausgemachter Unsinn, inhaltlich wie formal (im Rahmen einer „wissenschaftlichen Studie“) demaskierend und eine Bankrotterklärung. Die Argumentation erinnert ausserdem an die Apartheid-Apologetik. In Apartheid-Südafrika war die Masse der dortigen Weissen (und ihre Unterstützer anderswo) der Meinung, dass es den Schwarzen (denen Grundrechte verweigert wurden) gut (genug) geht…es gab aber auch jene, die zur Meinung standen, dass es ihnen nicht gut gehen soll. Und die blatanten Diskriminierungen nicht wegleugneten oder schönschrieben, sondern damit protzten.133 Hetze gegen die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft, nicht zuletzt mit Vorwürfen der Illoyalität, kommt auch von israelischen Spitzenpolitikern; man denke an die Hetze während der Waldbrände in Haifa ’16 (> AS III).

Von Netanyahu selbst auch immer wieder…auch bei der Wahl 15, wo seine Relativierung dann auf eine andere Art genau so verlogen und chauvinistisch war. Zuletzt warnte er immer wieder davor, dass die Parteien/Abgeordnete der “israelischen Araber” eine Regierung seines Rivalen Gantz unterstützen würden, diese damit von den “Aravim” abhinge, und das laufe (wieder mal) auf die “Eliminierung des Staats Israel” hinaus. Natürlich geht es nicht nur um Worte. Israelische Rechtsextremisten marschieren zB regelmäßig mit Fahnen, Lärm, Hass-Sprüchen, Anpöbelungen,… durch Wohngegenden von Palästinensern (auch im Westjordanland); israelische(s) Militär und Polizei eskortieren diese Umzüge, bremsen sie nicht etwa ein, sind zu ihrem “Schutz” da. Ja, es geht ja darum, dass das Land nicht “judenrein” ist (> II).  Aber, darüber zu reden (oder zu schreiben), versucht eine Schwarz-F. ja mit dem „AS“-„Argument“ zu verhindern. Dieser Artikel ist bezüglich der „Gleichberechtigung“ der israelischen Palästinenser empfehlenswert.

Schwarz-Friesel weiter: „Mit Apartheid meinen viele auch die aus Sicherheitsgründen (nach exzessiven terroristischen Attentaten innerhalb der Staatsgrenzen Israels) vollzogene Abgrenzung und Kontrollpolitik134 in Bezug auf die Palästinenser (die nicht Bürger Israels sind)“. Oder: „Daß es sich um Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der israelischen Zivilbevölkerung handelt (die nach zahlreichen terroristischen Attacken eingeführt wurden), bleibt unerwähnt. Ausgeblendet wird auch stets, daß Raketenangriffe des israelischen Militärs auf Ziele der Hamas Antworten bzw. Gegenschlage auf zuvor erfolgte Raketenbeschüsse israelischer Gebiete sind“. Piwonka: „Damit verläßt sie nun den Boden der Wissenschaftlichkeit und breitet vielmehr ungehemmt ihre spezielle Sicht auf den Konflikt nicht nur aus, sondern verabsolutiert diese qua Wissenschaftlerin zum einzig gültigen und zulässigen Blick. Sie gibt im Wesentlichen die Sichtweise der israelischen Propaganda wieder, kombiniert mit einer Täter-Opfer-Umkehr.“

Schwarz rümpft auch (wissenschaftlich) ihre Nase darüber, dass es Leute wagten, “trotz der Entfernung von über 4000 Kilometern” zB Israel „unverhältnismäßige Gewalt“ vorzuwerfen. Piwonka weist hier darauf hin, dass sie selbst (unablässig) tut, was sie Andersdenkenden vorwirft, nämlich “sich eine allwissende Beobachter-Expertenposition anzumaßen”. Ja, Reisen nach Israel/Palästina wird Schwarz-Friesel schon unternehmen (das Foto oben zeugt auch davon), aber sie ist definitiv nicht willens/ fähig, einzuschätzen was das Leben dort für Nicht-Juden und Nicht-Westler bedeutet. Was Schwarz-Friesel grosszügigerweise als nicht-antisemitische, legitime Israelkritik sieht, demonstriert sie durch die Wiedergabe eines Auszugs aus einem Schreiben (anscheinend an die israelische Botschaft in Deutschland): „Wir sind erstaunt und befremdet darüber, daß Israel den dort arbeitenden Minenräumern die Abwurfkoordinaten nicht zur Verfügung stellt. Wir bitten Sie herzlich , Exzellenz, Ihren Einfluß für die Herausgabe der Daten bei Ihrer Regierung einzusetzen“. Das ist also gerade noch im zulässigen Bereich. Wenn ein Journalist also den Umgang Israels mit Minenräumern oder den Einsatz von Streubomben (zB im Gaza-Streifen) kritisiert/thematisiert, ohne Untertänigkeit und Deutschland-Verantwortung für Israel und “Eingeständnis” dass Palästinenser eigentlich die Bösen sind und Israel sich nur verteidigt, sieht die Sache gleich anders aus, das weiss man ja.

Piwonka: “Man müsse sich beim Antiisraelismus die Frage stellen, schreibt sie in gespielter Naivität, ‘warum ein kleines, demokratisches Land zum Weltenübel erklärt wird, das eine kritische Presse, ein unabhängiges Rechtssystem, eine frei gewählte Regierung hat,….das liberal und offen im Umgang mit Homosexuellen ist ….Warum nicht Länder, in denen Frauen entmündigt und gesteinigt und Homosexuelle umgebracht werden und in denen Kritik brutal unterdrückt wird. … Warum ist Israel das einzige Land der Erde, dem gegenüber sich ein ‘Ismus’ entwickelt hat (kein Anti-Chinaismus, kein Antikoreanismus, kein Anti-Sudanismus“. Nicht nur faktenfreier Unfug, hier tritt die anscheinend lange kunstvoll zurückgehaltene Israel-Bewertung der Autorin dann doch hervor.135 Aus Kritik an Korea (Nord- oder Süd-) oder Sudan (Nord- oder Süd-) wird in der Regel kein Gegenvorwurf gemacht, diese nicht pathologisiert, instrumentalisiert, umgedreht, kein “Antikoreanismus” oder so gemacht.

Sie behauptet, dass der Oberbürgermeister von Jena, Albrecht Schröter, Beifall von der NPD bekommen hat, nachdem er einen von “Pax Christi” initiierten Boykottaufruf gegen Obst und Gemüse aus israelischen Siedlungen in den palästinensischen Restgebieten unterzeichnet hat. Natürlich blendet sie aus, was das Hauptgeschäft der NPD ist, oder der AfD (oder PEGIDA,…), wann die NPD Broder Beifall zollt, bei der AfD auftritt, diese Israel anpreist, die starke Israel-Begeisterung gerade im deutschsprachigen Raum, die oft mit Verachtung und Hetze ggü der „Gegenseite“ und/oder politischen Zielen einher gehen; Aufmärsche mit Yishai gegen afrikanische Einwanderer oder Marzel gegen Palästinenser (bzw den dem zu Grunde liegenden Chauvinismus) thematisiert sie natürlich auch nicht.

Wie andere „Antisemitismus-Forscher“ immunisiert sich Schwarz-Friesel gegen Kritik an ihrer Forschung (?), reiht diese (potentiellen) Kritiker zu den Objekten ihrer „Forschung“. „Alle Strategien, die zur Diffamierung von Juden benutzt werden, finden auch bei der Diskreditierung der Forschung und der Forscher(innen) ihre Anwendung“. Piwonka: “…Kritik, daß Kritik an Israel an sich verpönt sei, sei auch tradiertes ‘judeophobes Klischee’.” Der Vorwurf des falschen Gebrauchs bzw der falschen Zuschreibung von “AS” ist für Schwarz auch Indikator einer “antisemitischen Einstellung”. Piwonka über die Linguistin auch: “Für Palästinenser hat sie nur Verachtung übrig und spricht in hämischem Ton von den ‘armen Palästinensern’“. Er fasst zusammen: “Aus der historisch langen Verfolgungsgeschichte der Juden sowie deren extremste Zuspitzung im Holocaust folgt für Schwarz-Friesel offensichtlich ein ewiger Opferstatus der Juden. Daher kann die Thematisierung Israels als Täter nichts anderes als eine Täter-Opferumkehr bedeuten, die in ihren Augen charakteristisch ist für antisemitische Haltungen.”

Schwarz-Friesels Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Es ist das Nachfolgeprojekt von einem unter Linda Giesel, oder umgekehrt. Man ist jedenfalls auf der sicheren Seite in Deutschland, mit Israel-Verteidigungschriften. Bzw Anklageschriften, wie diese, gegen praktisch jede kritische Auseinandersetzung mit Israel. Die Deutsche136 an der TU Berlin wird in ihrem Wirken respektiert. Tanja Malle, ORF, an Schwarz-Friesel: „Einige Kennzeichen des israelbezogenen Antisemitismus sind ja, dass dem 8.5 Millionen Einwohnerland seine Existenzberechtigung abgesprochen wird, es mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt und das Ziel von beispiellosen Boykottaktionen ist. Wird dem widersprochen, heißt es oft, dass die Antisemitismuskeule geschwungen werde und man keine Kritik Israels zulasse. Wie sehen Sie das?“ Keine kritische Nachfrage, stattdessen Übernahme ihrer Aussagen. Irgendwann wird es eine Untersuchung über die Friesels und Grigats geben, staatlich subventioniert.137

“Abi” Melzer rezensierte u.a. ein “überflüssiges Pamphlet von ‘Comedian’ Oliver Polak” im “Spiegel”, „Gegen Judenhass“. Melzer: “Er macht genau das, wovor andere warnen, nämlich alles in einem Topf werfen und kräftig mischen… dass Polak in diesem Zusammenhang auf die mittelalterliche Ritualmord-Beschuldigung herüberspringt, die bis in die Neuzeit, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders in Osteuropa, zu hören war, dass nämlich Juden gerne Christenblut an Ostern trinken, zeigt uns nur, wie wirr und absurd seine Ideologie ist”. Polak fragte Augstein (einer der grössten Antisemiten weltweit, wir erinnern uns) ob „er schon mal in Israel gewesen sei“, und (so berichtet Melzer) “kommentiert selbstgerecht und arrogant”: „Stille. Er räuspert sich und entgegnet, dass er noch nicht da war.“ Augstein könnte dort im Gegensatz zu Palästinensern frei herumreisen, wie auch Friesel, Polak kann sich in Israel und Westjordanland erst recht überlall hin bewegen unter Schutz des israelischen MIlitärs, während Palästinenser sogar im Westjordanland nur unter grössten Schwierigkeiten herumfahren können… Und, ob Polak nach einem Besuch in Hebron oder Gaza-Stadt mehr Verständnis für die  Not-Situation der Palästinenser unter israelischer Herrschaft hätte??!?! Wobei, in Hebron gehört Polak auch zu jenen, die vom israelischen Militär gegen die dortige Bevölkerung “geschützt” werden.

Oliver Polak hat dann dem Komiker/TV-Moderator Jan Böhmermann “Antisemitismus” vor geworfen. Es ging um eine Begegnung der beiden 2010. Böhmermann habe ihn “ironisch von der Bühne gejagt” und hinterher gesagt: “Habt ihr ihn angefasst?” Laut Polak ein Gag ohne Pointe – und für ihn damit Antisemitismus. In einer Ausgabe seiner ZDFneo-Sendung “Neo Magazin Royal” reagierte Böhmermann indirekt auf auf den Vorwurf – “wenig überzeugend”, wie manche Kommentatoren urteilten. Böhmermann hat ja einmal mit einem rassistischen Klischees spielenden “Schmähgedicht” über den türkischen Präsidenten Recep Erdogan (siehe) für Aufsehen gesorgt, wurde dafür gefeiert, ein “harmloses/satirisches Lied”, wie könne man sich nur darüber so aufregen, wie rückständig und verstockt muss man sein… Es zeigen sich wieder mal doppelte Standards, wie bei den Reaktionen von Broder & Co zu Sarrazin (oder Westergaard,…) oder aber zu Grass. Also doch ein Blatt vor den Mund nehmen…gegebenenfalls.138

Böhmermann hat noch im Mai 17 in seiner Sendung bei Manchen für Entzücken gesorgt, den neuen Song des (orf.at: „politisch nicht unumstrittenen“139) Sängers Xavier Naidoo, „Marionetten“, diffamiert > „Vox und Sky präsentieren die Hurensöhne Mannheims mit ihrem neuen, nicht antisemitischen Hit-Album ‚Death to Israel‘“. Was das Lied beinhaltet, dass Böhmermann (& Andere) mit „Antisemitismus“- & „Antizionismus“-Vorwürfen kommen, verriet orf nicht. Böhmermann hat bei der „Romy“-Verleihung ’18 immerhin auch gg verschiedene Formen von Rechtspopulismus und Islamophobie Stellung genommen. Bei Dieter Nuhr (auch so ein deutscher Comedian) war es 2019 ähnlich wie bei Böhmermann. Er wurde gefeiert für seine Kommentare zum Islam(ismus)140 und seine “Tabubrüche”, Kritik an ihm wurde empört niedergemacht (“Freiheit der Kunst” sei ein so hohes Gut und unantastbar, man müsse politisch “unbequem” sein, dürfe nicht wegen “Provokationen” jemandem den Munde verbieten,…). Erfrischend zu sehen.

Denn Nuhr sorgt mit einem Werbeclip für sein neues Programm auf ARD für Empörung. Der Grund: die vermeintliche Herabwürdigung eines historischen Datums. “Man sagt ja immer, der 9. November, das ist ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Der eigentlich wichtige Tag, das ist der 8. November. Da kommt nämlich Nuhr im Ersten“. Der 9. November ist (u.a.) Datum der Reichspogromnacht von 1938. Auserdem wurde Nuhrs Sendungsankündigung direkt nach einem “Antisemitismus-Report” ausgestrahlt. Manche meinten, dies war kein unglücklicher Zufall sondern gezielte Provokation. Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth übt auf ihrer Facebook-Seite scharfe Kritik an Nuhr und dem Sender. “Das Unbegriffene. Eine endlose Geschichte – die ARD und der Antisemitismus…”. Ditfurth wäre für Broder eigentlich Prototyp einer „linksreaktionären Schlampe“ wie er sich ausdrückt, da sie aber nun „anti“deutsch/zionistisch ist… Ein anderer Facebook-Nutzer versuchte da schon eher, das gesamte Bild zu sehen: “Der Kerl passt wunderbar ins Deutschland 2018. Er schaut eh gerne auf Minderheiten, macht sich auch über Migranten mit muslimischem Background lustig, ist antisemitisch und ein neoliberaler Knecht.”

Nuhr gehört jedenfalls auch zum wenig noblen Kreis derer, die die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg verächtlich machen wollen. Ja, und dann gibt es noch Modeschöpfer Karl Lagerfeld, dem es ähnlich ging wie Böhmermann und Nuhr… Lagerfeld 17 in einer französischen Talkshow: “Wir können nicht, selbst wenn Jahrzehnte zwischen den beiden Ereignissen liegen, Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen”. Es war eine Kritik an Merkels “Einwanderungspolitik”, in der manch andere Aussagen steckten, er fügte hinzu dass diese Einwanderung den Aufstieg der AfD ermöglichte – was mehr oder weniger das Selbstbild dieser Partei wiedergibt. Lagerfeld war dafür kritisiert worden, sexistisch zu sein, rassistisch, “lookistisch”. Dann kam von ihm eine Karikatur von einem “Harvey Schweinstein”, eine Anspielung auf den angeklagten, jüdischen, amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Und (mehr oder weniger) die selben, die Lagerfeld für seine Aussagen zu Einwanderern feierten, nahmen ihn sich nun als “antisemitisch” vor.141

Auch die diesbezüglichen Organisationen/Stiftungen/… vertreten strikt eine israel-zentrierten AS-Auffassung. Wie das “Bündnis gegen Antisemitismus” (BgA) oder das “Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy” (ISGAP). Oder der BAK Shalom, Teil der nicht existierenden Israel-Lobby in Deutschland, wie die Springer-Presse (besonders “Die Welt”). Die pseudo-antifaschistische Amadeo-Antonio-Stiftung betreibt auch immer Israel-Lobbying, wenn sie von „Antisemitismus“ („ungehemmtem Judenhass“) spricht. Salzborn ist einer ihrer Verteidiger gegen Jene, die sie als “links” sehen wie Lengsfeld (nun AfD); Springer ist hier im Zwiespalt… Von “honestly concerned”142 kommt der Lobbyismus, die Agitation, die Propaganda,… so plump, dass sie allemal mehr über ihre Macher aussagt als über die Realität. h. c. mobilisiert seine Anhänger mittels ihrer Email-Liste, Veranstaltungen, Artikel oder Sendungen, die als unangenehm für Israel empfunden werden, mit Kommentaren zu diffamieren oder zu verhindern.

In der TV-“Doku” eines Uri Schneider (SWR/ARD) über Juden im heutigen Deutschland („Jude. Deutscher. Ein Problem?“) wird h.c.-Boss Stawski als Kämpfer gg Antisemitismus” und ein “verzerrtes Israel-Bild in Deutschland” gefeiert… Diese unkritische verzerrte Darstellung steht gewissermaßen für den ganzen Film. Es wird auch ein Jude gezeigt der ein Friedensprojekt ggü Moslems initiiert habe, aber nicht jene die Orientalen in chauvinistischer Überheblichkeit und Ablehnung ggü stehen – solche kann man zB genügend bei Stawskis Verein finden. Und jene die wirklich für Frieden im Kontext von Israel/Palästina und global sind, müssten sich im innerjüdischen Kontext mit diesen (und der israelischen Besatzungspolitik…) auseinander setzen. Schneider zeigt auch nicht jene rechten und linken Deutschen, die im Zionismus einen Ersatz-Nationalismus gefunden haben. Jene die auch bzgl Palästinensern auf die viel zitierten universalistischen Werte pochen, werden ins Antisemiten-Eck gestellt. Das Übliche also, muss man eigentlich sagen, totale Viktimisierung von Juden und Exkulpierung Israels.

Die „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin“ (RIAS Berlin) ist eine stramm zionistische, mit den offiziellen jüdischen Verbänden verbundene Anpranger („Monitoring“)- und Lobbyorganisation. Nach ihrem Vorbild hat sich ein Verein mit dem Ziel einer „bundesweiten Erfassung antisemitischer Vorfälle“ gegründet, der Bundesverband RIAS, ausserdem entstand eine Landesstelle in Bayern. Das “Vienna Wiesenthal Institute” (VWI) gibt sich als wissenschaftliche Institution aus, steht unter direktem und indirektem Einfluss jüdischer Gemeinden und israelischer Stellen, stellt sich in den Dienst von Pro-Israel-PR. Das “Simon Wiesenthal Center (SWC) wirkt auch im Zusammenspiel mit Medien wie der “Jerusalem Post”, geht gegen jede Art von kritischer Betrachtung Israels mit “Antisemitismus-Vorwürfen” vor. 2012 listete die Organisation (mit Sitzen in Los Angeles, Jerusalem, Berlin,…) ja den Publizisten Jakob Augstein unter die Top 10 der weltweit schlimmsten Antisemiten des Jahres, neben Mahmud Ahmadinejad – mit Verweis auf Henryk Broder als ausgewiesenen “Experten”. le-bohemien.net dazu: “Bei soviel ‘Expertise’ kann die tragisch-komische Entwicklung einer Institution, die sich einst die Verfolgung hochrangiger Nazis auf die Fahnen schrieb, schwerlich verwundern. Sie ist aber symptomatisch für den Umgang jüdischer Lobbygruppen mit der Kritik an Israel.” Im „Museum of Tolerance“ des SWC darf zB Mossab H. Yousef auftreten, das sage noch Einer, dass man sich dort nicht um Palästinenser kümmert.

Österreich brauche eine “Beobachtungsstelle gegen Antisemitismus” – mit diesem Anliegen hat sich Ende 19 der “Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit” an Übergangs-Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein gewandt. In Teil II war ja auch vom Vorschlag (der Kurz/Strache-Regierung) einer “Dokumentationsstelle über den politischen Islam” die Rede. Staatliche Beauftragte, Kommissionen, Meldestellen143, und die neue schwarz-grüne Regierung in Österreich will Boykott-Aufrufe bzgl Israel kriminalisieren bzw als “antisemitisch” politisieren. Der Historiker und Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz hat sich kritisch über Meldestellen für antisemitische Vorfälle geäussert. „Wir haben eine Polizei, diese ist zuständig für alle kriminelle Taten, dazu gehört Gewalt gegen Minderheiten und Volksverhetzung. Warum brauchen wir dann speziell für antisemitische Vorfälle eine Meldestelle? Das ist Wasser auf die Mühlen der Alarmisten.“ Und mit diesbezüglichen Initiativen versuchen sich in Österreich und Deutschland Rechte zu profilieren. Benz vom Berliner “Zentrum für Antisemitismusforschung” wird genau für solche Erkenntnisse vielfach angegriffen (zB von Salzborn), auch weil sein Zentrum auch Islamophobie behandelt und keinen Antisemitismus-“kult” macht.

Eckhard Jesse vertritt die Ansicht, Antisemitismus und Rechtsextremismus seien in Deutschland „mehr Phantom als Realität“. Die Ursache für die Aufmerksamkeit in Bezug auf dieses „Phantom“ sieht Jesse unter Anderem in der „vielfach privilegierte(n) jüdische(n) Position“ in Deutschland: „Jüdische Organisationen brauchen Antisemitismus in einer gewissen Größenordnung, um für ihre Anliegen Gehör zu finden und ihre legitimen Interessen besser zur Geltung zu bringen.“ Jesse will, ähnlich wie Kristina Schröder/Köhler und andere Rechtskonservative, Äquidistanz zu “Extremisten” behaupten, Rechter in Abgrenzung zum Faschismus sein, tut das aber weitgehend ohne hysterisches Anti-Islam und Pro-Israel, wie sonst in Deutschland üblich > Fest, Stürmer, Ostensack,…; er benutzt den Israel-Topos aber schon auch gegen Linke. Und Jesse lobte Israel als einer der wenigen Staaten, welche ununterbrochen Demokratie aufrecht erhalten hätten; nun ja, nach den Vertreibungen der Nakba, mit einem Besatzungsregime für einen Teil der Unterworfenen, erheblichen Diskriminierungen für Nicht-Juden. “Antisemitismus-Forscher” Lars Rensmann (Bruder von Jörg > achgut, dropthebomb) verortet Jesse bei den neuen Rechten.

Relativ gemäßigte bzw seriöse Forscher/Publizisten auf diesem Gebiet sind Dan Diner, Alan Posener, Rafael Seligmann, Juliane Wetzel. Mos(c)he Zuckermann, Leiter der Wiener Freud-Stiftung, ist nicht auf „Linie“, lässt sich auch nicht so leicht einschüchtern, weist sich als Kenner der Materie aus. In seinem Buch „Antisemitismus! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ setzt er sich mit den “Anti”deutschen, deren Rassismus und Gewaltphantasien auseinander. In „Der allgegenwärtige Antisemit“ analysiert er den Vorwurf der jetzt so en vogue ist. Der „neue“ Antisemitismus, so Zuckermann, ist eine Erfindung bzw ein Kampfbegriff der Israellobby; und die beherrscht den diesbezüglichen Diskurs. Dieser Vorwurf kommt nach Zuckermann gegenüber Moslems sowie Allen, die es wagen, den Apartheid-Staat Israel und sein Besatzungs- und Unterdrückungsregime gegenüber dem palästinensischen Volk zu kritisieren. Der Vorwurf des Antisemitismus und die Instrumentalisierung der Holocaust-Erinnerung dienten israelisch-jüdischen Lobbys als „Totschlag-Ideologem“, als „Instrument, ihre Gegner mundtot zu machen“. Damit würde die israelische Politik u.a. von der „Besatzungsbarbarei“ ablenken, vom israelischen Alltagsrassismus (der sich nicht nur ggü die israelischen Palästinensern richtet).

Zuckermann charakterisiert auch hier genannte inkompetente Schwadroneure, wenn er über deutsche Philosemiten/-zionisten schreibt, nicht zuletzt die “Anti”deutschen. „…allein schon die Vorstellung, dass Deutsche sich anmaßen, Juden und erst recht jüdische Israelis wegen ihrer Israelkritik des Antisemitismus zu bezichtigen, ist als nichts anderes zu begreifen als ein zur Perversion verkommenes deutsches Befindlichkeitsproblem. Man kommt nicht umhin in diesem Zusammenhang von ‚Hitlers verlängertem Arm‘ zu sprechen (…). Nur Antisemiten können Juden als Antisemiten besudeln, um sich selbst von der erbärmlichen Unwirklichkeit ihres deutschen, allzu deutschen Antideutschseins zu erlösen.“ Und: „So wird Israel von solchen Pseudo-Philosemiten nicht in seiner Wirklichkeit wahrgenommen, sondern vor allem als Projektionsfläche ideologisch verformter deutscher und auch jüdisch-zionistischer Befindlichkeit. Sollte sich etwa die abstrakte Solidarität mit einem völkerrechtlich verkommenen und verbrecherischen Israel als eine psycho-ideologisch motivierte Entlastung der historischen Schuld der Deutschen erweisen?“.

Er zeigt auch auf, dass es in diesem Milieu Wut darüber gibt, nichts wiedergutmachen zu können; weiters die Tabuisierung von Juden/Israel (vor Kritik); die Privilegierung der Juden durch eine Sonderstellung des „Antisemitismus“ ggü anderen Rassismen; dass man dort Gewalt VON Juden willkommen heisst. Deutsche hätten, so Zuckermann, „,Juden‘ zu ihrem psychohistorischen Fetisch erhoben“, wollten damit „an Israel gutmachen, was sie an den Juden verbrochen haben“. Zuckermann zeigt auf, dass der Antisemitismusvorwurf als Ideologieinstrument eingesetzt wird, mit dem alles „Unliebsame“ derart besudelt wird, „dass das eigentliche (politische) Interesse des Besudelnden sich – gleichsam moralisch – hinter dem Besudelungsattribut verstecken kann“. „An Niedertracht steht …der skrupellose Antisemitismus-Vorwurf der herkömmlichen antisemitischen Besudelung des Juden in nichts nach.“ Zuckermann geht es wie Ilan Pappe oder dem Filmemacher Guy Davidi, Juden/Israelis die nicht mit “ihrem” Hauptstrom schwimmen. Pappe wusste, dass es Probleme geben wird, wenn er seine Forschungen in Israel abseits von Wissenschaft als Herrschaftsdienst fortsetzt.

In der “Zeit” gabs vor einem Jahr eine Reihe von Gesprächen mit Juden, von Ann-Kristin Tlusty, über Antisemitismus in Deutschland, der sich von dem Üblichen etwas abhob. “Ich bin es leid, Lieblingsopfer der deutschen Schlagzeile zu sein”, so eine der Interviewten. Diese plädiert für eine solidarische Bewegung aller Minderheiten in Deutschland, die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen wollen. Rassismus und Antisemitismus gegen einander ausspielen…tun meistens die Rassisten. Zweiteres ist geächtet, Ersteres nicht, was man auch am Gebahren von Strache oder Gauland oder Trump sieht. In der Sendung “Scobel” auf 3sat ’19 Bericht und Diskussion “zum neuen Antisemitismus”; immerhin wurde dieser darin gemeinsam mit Fremdenfeindlichkeit behandelt, und auch das diesbezügliche Spiel der Rechtspopulisten. Nicht aber der bundesrepublikanische Hauptstrom à la Michael Stürmer, Tobias Huch.144 Es gibt doppelte Standards bei Rassismus und Hetze. Auch wegen den Behauptungen, es gäbe keine Islamophobie (im Sinne von rassisch-kultureller Feindseligkeit/Ablehnung), nur eine “Islamkritik” (nun ja, aus dem Islamismus wird diesbezügliche Ablehnung meist heraus argumentiert); aber Israelkritik käme aus AS.

Welche Abgründe sich unter dem Deckmantel der “Islamkritik” auftun, wird wenig beachtet. “AS”-Vorwürfe/Hysterie kommen/kommt auch als “Immunisierung” gg IL-Kritik, um Abzulenken vom eigenen Rassismus (Vernebelungstaktik), und als Möglichkeit des Angriffs, der Hetze gegen Leute (man hängt ihnen, selbstgerecht, AS an). Es gibt Antisemiten unter Israel-Kritikern. Und es gibt Rassisten unter Israelis, Juden, Zionisten, Israelfreunden. Die Exil-Palästinenserin Viola Ragheb thematisierte in einer ORF-Diskussion zum „neuen Antisemitismus“ anlässlich 60 Jahren Israel/Nakba ganz leicht auch jüdische Vorurteile und Hass gg Araber, streifte auch Philosemitismus leicht.145 Wolffsohn hat ja die Gründung der Juden in der AfD als “Akt der Notwehr“ bezeichnet – so etwas wie eigene Ressentiments gibt es ja nicht, und das Anbiedern an deutsche Rechtsextremisten zeugt ja von etwas ganz Anderem.

Der Antisemitismus-“Vorwurf” ist ein Instrument zur Machtausübung, wird, wie Zuckermann gesagt hat, wird auch dazu verwendet, um Israel bzw seine Politik sakrosankt zu machen, eigene Gegner mundtot zu machen, politische Ziele zu befördern. Das selbe gilt oft genug für Holocaust-Thematisierung und IL-Solidarität. Wenn Strache eine Veranstaltung zum “islamischen AS” abhält (s.o.) oder Missfelder sich inquisitorisch die Linke-Partei für “AS” wegen Aktivitäten ihres pro-palästinensischen (kleinen) Teils146 vornahm, geht/ging es ja eigentlich um etwas Anderes. Und mit dem Islamismus in seinen verschiedenen Ausformungen ist das Alles noch um Einiges leichter geworden. Man versucht, die eigenen Vorurteile, den eigenen Rassismus mit Antisemitismus-Vorwürfen zuzudecken147, bzw, man bringt seine Ressentiments auch mit diesem Vorwurf zum Ausdruck148

Jüdischen ethnischen/rassischen/religiösen/kulturellen Suprematismus ignorieren (oder mit Weichwatte-Formulierungen zudecken), Juden (Israelis oder andere) rein als Opfer stilisieren. Mit der Beschäftigung mit tatsächlichem/vermeintlichem islamischen Antisemitismus kann die nicht-jüdische deutsche/österreichische Mehrheitsgesellschaft vom Makel des Antisemitismus entlastet werden, und ihre Ressentiments ausleben. Das Focussieren auf AS kann eine Verdrängung (zB) des eigenen Rassismus bieten/darstellen. Für die zionistische Seite bringt sie die Ausblendung oder Umdrehung der tatsächlichen Situation in Israel/Palästina. Palästinensern wird (nicht nur) in diesen Diskursen gewöhnlich die volle Schuld für die Gewalt dort zugeschoben. Gleichwohl wirft man der Gegenseite verkürzte „Nahost“-Analysen vor.

Esther Schapira hat zusammen mit Georg Hafner ein Israel-Verteidigungs-Buch verfasst, „Israel ist an allem schuld“. Melzer hat einiges Treffende über das aggressiv-realitätsverleugnende Buch geschrieben, auch über die nicht so heroische Geschichte Israels. “…an allem schuld”, also total unschuldig, machtloses Opfer, in Wirklichkeit. Nahe daran sind das “Jaja, Juden sind dein Unglück“ (bei Israel-Kritik), “Einverstanden, Israel ist der Teufel“ (M. Friedman), oder Isabelle Daniel mit ihrer “News”-Frage an Brauer, “Man bekommt den Eindruck, dass Israel verantwortlich ist für…”. Oder die Broder-Pamphlete die Israel anklagend in der Opferrolle verorten. Oder die Anschuldigungen, Israel vernichten zu wollen, die zB nach dem Massaker auf der Hilfsflotte für das eingeschlossene Gaza kamen, die vom israelischen Militär im Mittelmeer aufgebracht wurde. Von Awraham Burg oder Peter Menasse kamen Anstösse, sich kritisch mit dieser Haltung/Mentalität auseinander zu setzen. Worauf hin natürlich umgehend die Vorwürfe des Selbsthasses kamen149, verbunden mit Selbstbeweihräucherungen.

Es wird versucht, Grenzen zu verwischen zwischen echtem Antisemitismus und Israel-Kritik. Echter Antisemitismus/Antijudaismus und Islamismus geben eine Art Feuerschutz ab, werden dankbar vermischt mit berechtigten (und für Einen unangenehme) Anliegen. Als einige Türken (oder türkische Österreicher) 2014 in Österreich (Land Salzburg) während des “Gaza-Kriegs” ein Fussballspiel mit Maccabi Haifa störten (mit einer palästinensischen Flagge über das Spielfeld rannten, vom Zuschauerbereich aus Dinge riefen), wurde nicht nur versucht, daraus reinen Antisemitismus zu machen, sondern auch, das was die Menschen im Gaza-Streifen zu erdulden hatten, in den Schatten von Bischofshofen zu stellen…150 Nicht zuletzt in Österreich, von diversesten Medien, wie orf.at151 (“antisemitische Ausschreitungen”,…). Auf informellerer Ebene die p.c. Hetze gegen Türken und Migranten infolge des Platzsturms von Bischofshofen, auch von Heinz-Christian Strache und seinem Umfeld. Alarmistische Töne von Muzicant, Juden seien (für Moslems) “Freiwild”. Und “Vermischungen” mit dem damals aktuellen Massaker in Gaza, für das vielfach die Palästinenser verantwortlich gemacht wurden.

Die Protestierenden gegen das Gaza-Massaker, die ja beim Platzsturm von israelischen Fussballern attackiert wurden, standen im März 15 vor Gericht (orf.at: “Grossprozess nach Antisemiten-Randale”). Das Verfahren wurde mit dem Prozess gegen die Bande „La Familia“ zusammengelegt, von der einige am Platzsturm beteiligt waren. Insgesamt waren 29 Personen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen zahlreiche Delikte vor – wie Bildung einer kriminellen Vereinigung, Nötigung, Verhetzung, gefährliche Drohung oder schwere Körperverletzung. Zwei 19-Jährige mussten sich wegen Verhetzung im Internet zur Zeit des “Platzsturms” verantworten, ihnen wurden Facebook-Postings in dem Zhg zur last gelegt. orf.at schrieb vom “antisemitischen Platzsturm”, “mildem Urteil”. Ach ja, im Sommer darauf hielten sich Eintracht Frankfurt und Leeds United im Bundesland Salzburg zu Trainingslagern und einem Testspiel gegen einander auf; und beim Aufeinandertreffen in Eugendorf (Flachgau) gab es 25 festgenommene “Fussballfans” sowie verletzte Polizisten, Sicherheitsleute und Zuschauer. Und das ganz ohne Türken, sondern mit deutschen und englischen Fussball-Freunden.

Platzstürme gab es immer wieder, aus verschiedenen Gründen, in verschiedenen Sportarten, verschiedenen Orten. Der in Bischofhofen war eigentlich ein Laufen mit einer (palästinensischen…) Flagge über das Feld, wurde von Bedeutung weil Benayoun & Co angriffen, und weil versucht wurde, von dem was in Gaza vor sich ging, abzulenken. Bei der Tour der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft in Grossbritannien zu Apartheid-Zeiten, 1969/70, gab es viele Proteste (gegen das System für das diese Sportler standen), auch den einen oder anderen Platzsturm. „Springbok“ Francois D. “Mannetjies” Roux wurde bekannt, weil er dabei einen Anti-Apartheid-Protester am Spielfeld trat, den Ball auf einen anderen warf. Dafür wird er von manchen Apartheid-Nostalgikern noch heute verehrt…

Die Darlegungen zu „Antisemitismus im Fussball“ spiegeln den allgemeinen AS-Diskus wieder, ein Blick darauf lohnt sich. Im Herbst 14 wurde übrigens das Derby in Tel Aviv zwischen Maccabi und Hapoel nach einem Platzsturm abgebrochen. Das WM-Qualifikations-Spiel zwischen den Auswahlen Österreichs und Israels bei Tel Aviv 2001, nach spätem österreichischen Ausgleich (durch Andreas Herzog) wurde der ORF-Reporter H. Huber mit Gegenständen beworfen. Und, man lese und staune, in Israel gibt es auch eine „La Familia“. Dies ist ein Fanclub von Be(i)tar Jerusalem, der besonders rechts, rassistisch, anti-palästinensisch, gewalttätig ist. Dazu muss gesagt werden, dass die Beitar-Bewegung mit dem Likud (früher Herut) verbunden ist. Mitte 16 nahmen israelische Staatsorgane bei einem Großeinsatz 56 Mitglieder des rechtsextremen Fußballfanclubs „La Familia“ fest, nachdem ein Insider über Gewalttaten von Mitgliedern (“in ganz Israel”) ausgesagt hatte.  Der Rassismus bei Betar Jerusalem ist nicht auf die Fans beschränkt; nach dem israelischen Pokalfinale 09 sang der Spieler Amit Ben-Schuschan (israelischer Nationalspieler) mit den Fans (und vor TV-Kameras) ein rassistisches Lied gegen den “israelischen Araber” Salim Toama (der damals in Europa spielte), einem Nationalteam-Kollegen von ihm. Es ist dies ein beliebter Beitar-Jerusalem-Fan-Song. Aus dem en.wikipedia-Artikel über Ben(-)Schuschan wurde diese Tatsache ohne Begründung von jemand Unregistriertem gelöscht, und danach nicht wieder rein gestellt. Rassistische Sprechchöre oder Transparente in israelischen Stadien richten sich bevorzugt gegen Palästinenser (“israelische Araber”), auch oder gerade wenn diese für das israelische Nationalteam spielen… Was hier zu Lande zu einem “antisemitischen Skandal” gemacht wurde (Bischofshofen 14), Sprechchöre, Anpöbelungen und Ähnliches beim Fussball, ist in Israel besonders für israelische Palästinenser Alltag, von dem hier niemand Notiz nimmt (dort auch wenige). Ebenso, die oben erwähnten Zwischenrufe von Scheibenreif im österreichischen Parlament – nichts gegen das was sich israelische Palästinenser die Abgeordnete im israelischen Parlament (Knesset) sind, anhören müssen. Und, Randale und Vandalismus gegen pro-palästinensische Info-Stände (zB) in Wien (zB) könnten eigentlich auch mit Bischofshofen (Rennen mit einer Flagge über den Platz, Sprechchöre) verglichen werden.

Wie gesagt, jene gegen die sich Rassismus und Hetze im israelischen Fussball primärst richtet, sind die israelischen Palästinenser (auch oder gerade wenn sie für das israelische Nationalteam spielen), von denen Schwarz-Friesel ja sagt, dass sie “exakt die gleichen Rechte” hätten wie jüdische Israelis, was bzgl der Theorie schon nicht stimmt, für die Praxis aber schon eine hirnverbrannte Aussage ist. Auch gibt es beim Fernbleiben von iranischen Fussballern (Minavand, Hashemian, Dejagah,) von Europacup-Spielen mit ihren europäischen Klubs bei israelischen Klubs grosse Aufregung, wird von “Antisemitismus” und “Judenboykott” geschrieben. Obwohl dieses Verhalten aus der jetzigen Beziehung Irans zu Israel zu erklären ist, und obwohl moslemische/orientalische Fussballer152 dort regelmäßig Feindseligkeiten ausgesetzt sind. Als Rapid Wien zu einem EC-Spiel nach Israel kam (~frühe 10er), wurden die türkisch-stämmigen Spieler und ein ägyptischer Betreuer nach der Landung am Flughafen vom dortigen Personal “gepiesackt”. Jaja, man darf den Sport nicht politisieren.

Die vertraglich zugesagte Bewegungsfreiheit von palästinsischen Sportlern zwischen Westjordanland und Gaza-Streifen (wie auch für Wissenschafter,…) wird vom israelischen Militär immer wieder unterbunden. Der Fussball-Verband Palästinas hat deshalb Mai 15 eine Suspendierung Israels beim Kongress des Weltverbands (FIFA) beantragt. Der Antrag wurde nach der Einführung einer Vermittlungs-Kommission unter dem Südafrikaner M. Gabriel “Tokyo” Sexwale zurückgezogen, gegen eine Garantie auf Bewegungs-Freiheit der Fussballer; diese wurde mehrmals gebrochen. Der israelische Fussballverband warf Palästina damals “eine Vermischung von Politik und Sport” vor. Dieses Vorgehen sei „komplett gegen die Vision der FIFA“, so IFA-Präsident Ofer Eini. Nicht die Schikanen gegen die Fussballer bzw das Nationalteam eines FIFA-Mitgliedsverbands sind das Problem, stellt eine Politisierung des Sports dar, sondern die Reaktion, das darauf Aufmerksam-machen… “Der Konflikt” in einer Nussschale.

Der palästinensische Nationalspieler Mahmoud (al) Sarsak (Sarsouk) wollte 2009 den Gaza-Streifen verlassen (beim “Erez-Checkpoint”) um in das Westjordanland, zur palästinensischen Auswahl, zu reisen. Dabei wurde er von israelischen Staatsorganen verhaftet und in Folge 3 Jahre in sogenannter “Administrativhaft” festgehalten… Auch hier stellt sich die Frage, wo die Politisierung des Sports ist, beim Einsperren eines Fussballers oder beim Aufmerksam-Machen auf eben das. Bei Sarsouk oder Ben Schuschan wird mitunter schon die Thematisierung als “antisemitisch” ausgelegt, als das Problem dargestellt/aufgefasst, nicht als das zu Grunde Liegende. Da sind die doppelten Standards, da steckt Vieles aus dem allgemeinen AS-Diskurs drinnen. Bei Spielen von Leeds United waren früher Insignien der National Front sowie Hakenkreuze fester Bestandteil der Kleidung vieler Fans; damals waren Schwarze, heute Moslems, die Feindbilder. Als es 1987 eine Aktion dagegen mit Flugblättern gab, kam eine Beschuldigung der Vereinsleitung, damit Politik ins Stadion zu tragen…dennoch wurden mit der Aktion Änderungen bewirkt.

Nathan (früher Anatol) Scharansky ist aus der Sowjetunion nach Israel eingewandert, vor der diesbezüglichen grossen jüdischen Einwanderungswelle am Ende des Kalten Kriegs. Er gründete eine (rechte) israelische Partei, für diese Einwanderer aus Russland, Ukraine,…, wurde Minister, hoher Staatsfunktionär, wirkt(e) mit an der Besatzungspolitik. Dieser Scharansky hat irgend ein Buch geschrieben, das Bush junior begeistert hat; und er hat “Antisemitismus” neu (?) definiert. Die “3D”-Definition lautet: Aussagen, die eine Delegitimierung, Doppelstandards oder Dämonisierung in Bezug auf Israel enthalten, sind demnach antisemitisch. Dieser „Test“ hat erstaunlich viel Echo/Akzeptanz bekommen, wurde entsprechend promotet. Natürlich taugt er nicht, „Antisemiten“ auf die Spur zukommen. Die 3-D-Formel ist ein weiteres Werkzeug, um Israel gegen Kritik zu immunisieren. Wie eben gezeigt, werden Standards oft genug zu Gunsten Israels anders angelegt… Und S(c)haransky hat in israel/Palästina als Einwanderer mehr Rechte als die alteingesessenen Palästinenser.

Wie schon thematisiert, gab es Aufregung, dass einem Israeli von Kuwait Airways der Mitflug verweigert wurde, da sprangen auch deutsch-österreichische, hauptsächlich rechte, Politiker, auf und stimmten in den Chor der Empörung ein. Dann findet man so etwas: Nicht-jüdische (palästinensische) Israelis mussten auf Druck von jüdischen Israelis ein Flugzeug verlassen, ihnen wurde der Mitflug verweigert. Da kommt dann, sofern die Sache überhaupt thematisiert wird, der Vorwurf, diese Thematisierung an sich sei „antisemitisch“… Man dürfe Israel nicht so viel kritisieren. Wo sind die ungleichen Standards? Wer misst mit 2erlei Maß? Ludwig Watzal: “Was den Vorwurf der doppelten Standards betrifft, den die Kritiker der israelischen Regierungspolitik angeblich an Israel anlegen würden, verhält es sich genau umgekehrt, wie von den Israellobbyisten immer behauptet. Aktuell zeigen sich die doppelten Standards der ‘Freunde’ Israels bei der Präsentation einer Landkarte des Rappers Bushido, auf der Israel nicht zu sehen ist. Dies sei eine Infragestellung der Existenz Israels! Dagegen regt sich keiner dieser Kritiker auf, wenn auf allen offiziellen Landkarten Israels und den Straßenkarten Palästina nicht eingezeichnet ist, das heißt, inexistent ist.”153

Die Charta der Hamas und jene von Parteien wie Likud, und der Diskurs über Frieden und Vernichtung… “Zipi” Hotoveli hat sich, als Vize-Aussenministerin, von der Idee einer Zwei-Staaten-Lösung für Israel/Palästina distanziert. “Wir müssen zu der Grundwahrheit unseres Rechts auf das Land zurückkehren. Dieses Land gehört uns. Das ganze Land. Israel muss sich dafür nicht entschuldigen.” Palästinenser (oder Andere) sind bei entsprechenden Aussagen “Antisemiten”, “Islamisten”, “Fanatiker”, auf “Vernichtung” aus.154 Wolf Wetzel: “…was doppelte Standards angeht, so lieferte der Frankfurter OB Feldmann erst kürzlich ein weiteres Beispiel, wenn es um den Umgang mit Annexionen geht. Wenn das Russland macht, wie mit der Krim, dann hört man nicht auf, dies zu kritisieren und … mit Wirtschaftsboykott darauf antworten. Ganz anders sieht es hingegen mit der Annexion von Ost-Jerusalem durch den israelischen Staat aus. Darauf folgte bis heute kein lauter Ruf, diese aufzugeben, auch keine Wirtschaftssanktionen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann hatte vor zwei Wochen die Schirmherrschaft für Feierlichkeiten zu ’50 Jahre wiedervereinigtes Jerusalem’ übernommen.”

Wenn es um Anteilnahme an der Besatzungssituation der Palästinenser geht, kommt gerne auch der Verweis auf Syrien oder Sudan, dort sei es vieel schlimmer (das gilt natürlich nicht, wenn es um die Unterstützung für israelische Politik geht), Anteilnahme für Palästinenser (oder Libanesen,…) daher unberechtigt, heuchlerisch und letztendlich antisemitisch. Zum Teil wird das aus den vorgeblichen “doppelten Standards” abzuleiten versucht, zT behauptet dass die Motivation für das Engagement daraus käme, dass es um (bzw “gegen”) Juden gehe. Beim Anschlag auf eine Kundgebung der türkischen Kurden-Partei HDP 2015 schrieb orf.at: “Bombenanschlag auf eine regierungskritische Demonstration“. Im Falle von Israel, zB einer Demo israelischer Palästinenser, würde daraus eine “anti-israelische Demonstration“. Die aktuellen Proteste in Honkong gg (die VR) China werden im Westen zumindest publizistisch unterstützt; dabei haben Protestierende ein Feuer in einer U-Bahn-Station gelegt. Wenn etwas derartiges, sagen wir an einem Busbahnhof, in Israel geschehen würde…(die Reaktion israelischer Staatsorgane, die der Medien hier).

Kritik an israelischer Politik oder israelischen Militäraktionen wird in der Regel mit den behaupteten “doppelten Standards” zu diffamieren versucht. Aus einem Diskussionsforum: „Das ist Standardprogramm des Counter-Insurgency, der Aufstandsniederschlagung. Jetzt so zutun als wenn das was wäre was nur Israelis machen zeigt Dein wahres Gesicht. Eine von Hass zerfressene Fratze!!!” Der englische Begriff soll wohl davon ablenken, wessen Geistes Kind man ist, oder wessen Enkel… Der Opa der evtl schon mitgeholfen hat, Widerstand/Partisanen in Frankreich oder Jugoslawien zu unterdrücken, war evtl selbst noch entzückt von den diesbezüglichen Methoden in Palästina (gewesen sein). Dieses “als ob das nur die Israelis machen würden” ist auch hier völlig belanglos; bei Kritik (zB) an Aufstandsniederschlagungen der Briten in Nord-Irland kommt jedenfalls kein “die Anderen machens auch”. Gerne werden auch tatsächlich/vermeintlich antisemitische Filme/Serien in islamischen Ländern thematisiert, nicht aber solche (zB amerikanische), die sich durch Rassismus gegenüber den Menschen/Völkern in Westasien/Nordafrika auszeichnen, mit “trivialen” Charakterzeichnungen und “eindeutigen” Zuschreibungen. Solche mit (wie “Homeland”) oder ohne israelische “Mitarbeit”.

Ähnlich ist es mit Webseiten, solche wie “palestinefacts” oder “sultanknish” werden als über jeden Verdacht erhaben gesehen, nicht der Hetze geziehen. Doppelte Standards auch, wenn israelische Fanatiker ein palästinensisches Dorf mit Sprüchen wie “IL gehört von Arabern gereinigt” aufsuchen; so etwas würde im umgekehrten Fall als “bezeichnend”, “skandalös” etc dargestellt werden. Oder, wenn Siedler die palästinensische Flagge verbrennen (was nicht selten vorkommt)…da wird dann auch nicht die Frage gestellt, wie die immer wieder zu diesen Flaggen kommen. Am “Jerusalem-Tag” feiern Israelis/Juden die Eroberung von Ost-Jerusalem während des “Sechstagekrieges” 1967, das danach annektiert wurde, als “Wiedervereinigung”. An dem Tag ziehen immer auch “Aktivisten” (nennen wir sie mal so) durch das palästinensische Viertel in der Jerusalemer Altstadt sowie andere solche Wohngegenden im Osten Jerusalems (die noch irgendwie palästinensisch sind), siehe. Mit Sprüchen wie „Mavet le Aravim!“ (“Tötet die Araber”), Fahnen,… Das ignorieren natürlich (zB) die deutsch-österreichischen “Aktivisten”, die sich jährlich über einen anderen Jerusalem-Tag echauffieren, den von Khomeini eingeführten “Quds-Tag”. Es stellt sich die Frage, wie verbreitet unter diesen deutsch-österreichische (Philo-) Zionisten die Anteilnahme am (zionistischen) Jerusalem-Tag ist, inklusive dem was er jährlich für Palästinenser bedeutet…man muss ja nur an den Maul (s.o.) denken.155

Doppelte Standards sind natürlich auch gegeben, wenn Böhmermann (s.o.) so “gehypt” wird, mit „Satiren“ in die eine Richtung; wenn aber Gefühle von “Anderen” verletzt werden… Manch einer, der durch Günter Grass’ Gedicht 2012 in seinen seelischen Grundfesten erschüttert war (und vor heiligem Zorn bebte), war entzückt (zB) von Thilo Sarrazins “Abschaff”-Buch, war dort (und anderswo) ein glühender Verfechter der Freiheit der Meinungsäusserung, der Kunst, der Wissenschaft,…156 Bei einem Auftritt in Istanbul 2012 entblößte “Madonna” ihre Brust und zeigte dem Publikum ihren Rücken. „No Fear“ (Keine Angst) stand da auf nackter Haut geschrieben, was als “solidarischer Gruss” an die türkischen Frauen verstanden wurde, die damals gegen ein Verbot von Abtreibungen demonstrierten. Am französischen Nationalfeiertag trat sie in Paris (bzw St. Denis) auf, zeigte ein Video, in dem FN-Chefin Marine Le Pen kurz mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zu sehen war. Die Politikerin klagte die Sängerin, die dann auf das Video verzichtete. Auf der selben Tournee wurde Madonna dann in Israel angefeindet, weil sie als “Ungläubige” Kabbala “praktiziert”. Diese Aufregung ist aber erhaben, der Umgang mit ihr ein anderer.157

Als Irans Präsident Hassan Rouhani in Italien zu Besuch war, wurden die Nacktstatuen im Kapitolinischen Museum in Rom verhüllt (ein unnötiges “Entgegenkommen”), und zum Abendessen wurde kein Wein gereicht (akzeptabel). Gewisse Chauvinisten, die das anprangerten, nahmen keine Notiz bzw keinen Anstoss daran, dass Bushs Justizminister John Ashcroft zB eine halbnackte Frauenstatue in seinem Ministerium verhüllen liess. Oder an anderem Gebahren von mächtigen Evangelikalen in der USA, immer unterstellend dass das “Fortschrittliche” auf der einen Seite ist, das “Rückschrittliche” auf der anderen. Aber nicht nur das, in Bezug auf Saudi-Arabien, wo “Prüderie” (nennen wir das mal so) nicht nur staatlich strenger “formalisiert” ist, sondern auch in der Bevölkerung, der Gesellschaft viel tiefer verankert ist als im Iran, toleriert “man” Derartiges gerne; schliesslich ist dieser Staat ja ein Verbündeter des Westens, der USA, von Israel.

Am Beispiel des (afro-amerikanischen) Bildungswissenschafters (von CNN als Experte kontaktiert) Marc Lamont Hill zeigt(en) sich auch die doppelten Böden der Meinungsfreiheit. Hill hat im November 2018 am Nakba-Tag (begangen am Tag des UN-Teilungsvorschlags für Palästina) im Rahmen einer UN-Veranstaltung eine Rede gehalten, dabei zu Unterstützung für die Palästinenser aufgerufen, und  gesagt: “We have an opportunity to not just offer solidarity in words but to commit to political action, grass-roots action, local action and international action that will give us what justice requires and that is a free Palestine from the river to the sea”. Hauptsächlich wegen dieser Formulierung “freies Palästina vom Fluss (Jordan) bis zum (Mittel-) Meer” gab es eine Empörungswelle. Der israelische Militärsprecher Mayer brachte diese Aussage mit einem CNN-Bericht über Antisemitismus in Europa in Verbindung, legte also nahe dass sich Engagement gegen oder kritische Behandlung von Antisemitismus von einem Sender nicht vereinen liesse mit einem solchen Mitarbeiter. Tenor dieser und anderer Empörungsmeldungen war, dass der Aufruf einen/m djihadistischen/islamistischen zur Vernichtung Israels darstelle oder gleich komme. Auf Druck hin entliess CNN Marc L. Hill, die Universität in Pennsylvania an der er wirkt(e), wollte das auch tun, möglicherweise ist es auch schon geschehen.

Möglicherweise hat Hill ja etwas Anderes gemeint, als ihm unterstellt wird. Der Jordan begrenzt das Westjordanland (auch wenn Palästinenser aus dem Jordan-Tal weitgehend vetrieben worden sind und das Gebiet laut Trump/Netanyahu-“Friedensplan” auch formal Israel zugesprochen werden soll) und das Mittelmeer bekanntlich den Gaza-Streifen. Und zwischen diesen Gebieten (die von Israel belagert bzw besetzt werden) liegt das völkerrechtlich mehrheitlich so anerkannte Israel, mit einer palästinensischen Rest-Bevölkerung (“israelische Araber”), als Unterworfene. Möglicherweise hat er ja irgendwann erläutert, was er mit “freiem Palästina” meinte. Aber angenommen, er hat es im Sinn eines unabhängigen Staates der Palästinenser im Gebiet des gesamten historischen Palästinas gemeint: Dann zeigt sich der Unterschied zu jenem Echo das kommt, wenn Politiker (ob israelische wie Hotovely oder Bennett, oder andere), Journalisten, Wissenschafter Israel so definieren wie Hill Palästina definiert hat… Und, abgesehen davon, dass der Wunsch nach einer Annexion des Westjordanlands in Israel nicht wirklich eine Aussenseiterposition ist (Netanyahu redet etwas um den heissen Brei herum): die Realität (oder: die Ironie?) ist dass Israel seit der Besetzung dieses Gebiets seine Einwohner drangsaliert und vetreibt bzw grosse Teile von ihnen “säubert”158, und das ist mittlerweile seit über 5 Jahrzehnten im Gange.159

Um davon abzulenken, vom Essentiellen (dieses Konflikts) also, kam ja die ganze Aufregung. Dieser Hill habe zur Vernichtung Israels aufgerufen, nur nicht darüber reden was Anlass der Rede war (die Nakba), was er sonst noch so gesagt hat und was in Israel/Palästina vor sich geht. Da waren Einige dankbar für diese Formulierung von ihm. Nochmal: Eine Annexion der “Westbank” würde die Besatzungssituation für die Palästinenser dort weiter verschärfen, aber Israel herrscht (durch sein Militär) bereits wie ein “Besitzer” über dieses Land. Und, im zionistischen Diskurs ist in der Regel von “Judäa und Samaria” die Rede, wenn davon die Rede ist, eine Bezeichnung, die Besitz-Gefühl und -Anspruch zum Ausdruck bringt. All das wird aber allgemein nicht als genozidär ausgelegt, und auch nicht, wenn israelische Spitzenpolitiker oder Israel-Lobbyisten (in der USA) die Annexion dieser palästinensischen Restgebiete fordern/ankündigen, davon sprechen dass “uns das ganze Land gehört” und eine Zwei-Staaten-Lösung ablehnen…160 Und wenn Netanyahus Sohn schreibt, dass “Moslems” (Palästinenser) Israel verlassen sollten (und damit meint er wohl das Land vom Meer bis zum Fluss…), dann ist das höchstens eine “muslimfeindliche” Äusserung, oder gar nur eine “islamkritische”…(> III). Wo sind also die doppelten Standards?161

Wir bleiben bei den doppelten Standards. Diese gibt es auch beim Umgang mit ethnisch-religiösen Markierungen, racial profilings und Ähnlichem, dem Definieren von Menschen über ihre ethnische/religiöse Zugehörigkeit, Beurteilungen,… Jene, die Obama eine moslemische Identität (bzw “Loyalität”) anhängen woll(t)en und seine US-Staatsbürgerschaft anzweifel(te)n, plärren los wenn es um Rahm Emanuel (Obamas ersten Stabschef im Weissen Haus) geht, die Hervorhebung von dessen jüdischer Identität/”Loyalität” und dessen israelischer Staatsbürgerschaft (die er früher hatte). “The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life” ist ein 1994 erschienenes, “kontrovers diskutiertes” Werk des Politikwissenschaftlers Charles Murray und des Psychologie-Professors Richard Herrnstein von der Harvard University.

Der Titel bezieht sich auf die Glockenkurve der Intelligenztestwerte. Die Autoren analysieren unter Anderem die Daten einer umfassenden Längsschnittstudie zu den Lebensverläufen amerikanischer Jugendlicher im Zeitraum von 1979 bis 1990 (der “National Longitudinal Survey of Youth”). Schwarze/ Afro-Amerikaner werden darin als, genetisch veranlangt, weniger intelligent beschrieben/eingestuft. Zum Prozess gegen OJ Simpson rückte die “Jewish Defence League” (JDL) an, wies auf die Jüdischkeit des einen Opfers, dessen Mord Simpson zu Last gelegt wurde (Ronald Goldman), hin, zeterte gegen Simpson. Das “singling out jews” tun sie (zB hier). Dagegen, auf die Jüdischkeit des Autors der oben genannten Studie, Richard Herrnstein, hinzuweisen…

Oder: Zu Demonstrationen gegen Trump oder Bush zB in GB kann man lesen, dass dies mehrheitlich “Dunkelhäutige“ oder „Moslems“ gewesen seien. Als Otto Habsburg sagte, dass in der USA das Aussenministerium von Schwarzen und das Verteidigungsministerium von Juden dominiert sei, legte man bezüglich Afro-Amerikanern ebenfalls andere Standards an; Kritik bekam er nur für den zweiten Teil der Aussage. Weiter mit den doppelten Standards: Mehrmals angerissen wurde bereits die Abkanzelung/Diffamierung linker, zionkritischer Juden, bei gleichzeitiger Instrumentalisierung von Leuten aus dem “moslemischen Raum”, zB bei “Stop the bomb” dropthebomb. „Der Herr Avineri spricht nur für sich, niemanden anderen“ (bzw ist ein “Verräter”), aber: die „Grüne Partei des Iran“ (Kaboli), die „Reform-Partei Syriens“ (Ghadri) sind Ausdruck von “Reformwillen” (und es ist egal, für wieviele sie sprechen). Man sieht, wo (und von wem) die unterschiedlichen Standards angelegt bzw hochgehalten werden. Kein Universalismus sondern Lobbyismus, Doppelmoral.

Zum Abschluss des Abschnitts über Doppelstandards kommen wir zu „Verschwörungstheorien“ und dem unterschiedlichen Umgängen damit. Zunächst, nicht alle Verschwörungen sind Theorien, Angelegenheiten/Projekte wie “Cointelpro”, “Mkultra” oder „Operation Ajax“ haben sich längst als faktisch herausgestellt, auch wenn Manches daran noch unklar ist. Und nicht Alles, was Leuten missfällt, muss auch unseriös und perniziös sein. Alternativ-/Verschwörungstheorien zu den Anschlägen vom September 2001 in der USA, wie von Mathias Bröckers, Andreas von Bülow, Gerhard Wisnewski, Daniele Ganser wurden/werden gerne als “antisemitisch” gebrandmarkt. Dazu sei hier nur gesagt, dass man wohl davon ausgehen muss, dass es Islamisten gibt (bzw gab) mit dem Willen, solche Anschläge durchzuführen. Ob sie auch das “Können” (die Möglichkeiten) dazu hatten162, ist eine andere Frage, wird eben von Manchen abgestritten. Bülow hat sich zB den Zorn von Broder und “hagalil” zugezogen mit seinen Theorien. Es gab aber auch Theorien/Behauptungen anderer Art, und es gibt auch hier jene, die in die “eine Richtung” dämonisieren/diffamieren, in die andere verharmlosen/banalisieren.

Der bereits erwähnte Journalist Kocina, nach Beschmierung der Aussenmauer der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit “was unseren vätern der jud ist für uns die moslembrut seid auf der hut! 3. weltkrieg – 8. kreuzzug”, 2009: „Baghajati163 hat die angeblichen Täter der Schmierereien mE ein wenig zu schnell identifiziert.”… Jedenfalls ist die Verbindung von Nazi-Geist und Hass gegen Moslems (ob man ihn nun “Islamophobie” nennt oder anders) etwas, die manche nicht so gern sehen, lieber andere Allianzen “konstruieren”. 1993 kamen beim Brandanschlag (aus der Neonazi-Szene) in Solingen fünf Menschen türkischer Abstammung ums Leben. Die AfD fordert ’18 (25 Jahre danach) eine „unvoreingenommene Untersuchung“/ “ideologiefreie Aufklärung“ dazu.

Der argentinische Generalstaatsanwalt Alberto Nisman beschuldigte (ab 2006) das iranische Regime, hinter den Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Argentinien 1992 und 1994 zu stehen und die libanesische Hisbollah der Ausführung, die IR ausserdem, ein Terrornetzwerk in Südamerika aufgebaut zu haben. Es heisst, hochrangige argentinische Politiker wie die Präsidenten Menem und Kirchner hätten die Ermittlungen behindert (um das Verhältnis Argentiniens zu Teheran nicht zu belasten). 2015 wurde Nisman tot in seiner Villa gefunden, angeblich am Tag, als er sich im Parlament äussern und Beweise für seine Vorwürfe gegen Cristina Kirchner und ihren Aussenminister Hector Timerman präsentieren sollte. Es wurde ein Selbstmord festgestellt, aber die Verschwörungstheorien blühen. Wie gesagt, “man” ist flexibel mit seinen Beurteilungen/Einschätzungen. Wenn darüber spekuliert wird, wer Juliano Merr-Khamis oder Henri Curiel getötet haben könnte…

Tja, und Matthias Matussek hat zwei Dokumente “entdeckt”, die einen „Bevölkerungsaustausch“ bzw eine „Umvolkung“ im Westen (mit/durch “Nicht-Westler[n]”) beweisen sollen. Gegen Gräuelpropaganda dieser Art hat ein Broder ja nichts einzuwenden, im Gegenteil. Und Matussek findet sich durch Kritik in seinem Verschwörungsdenken bzgl “politischer Korrektheit” und dergleichen noch bestätigt. Etwas in der Art von einer feindlichen Übernahme des Abendlandes sieht auch Glenn Beck in Vorbereitung. Der US-amerikanische rechte Kommentator (TV-Sender Fox) dichtet eine Verschwörung von Islam und Kommunismus zu einer „neuen Weltordnung“. Andere (die mehr mit der Zeit gehen) sehen hier China mit am Werk bzw eine sino-islamische Weltverschwörung.164 Beck engagierte sich passenderweise gegen Barack Obama und warf diesem “anti-weissen Rassismus” vor, ist ein christlicher Zionist, kämpft gegen den „Zerfall nationaler und religiöser Werte“, auch mit der Tea Party zusammen. Die Verschwörungsbehauptungen von Giselle Littman (“Bat Yeor”) bzgl “Eurabien” sind hier ja auch nahe daran.165

Beim Krieg Israels 06 gegen Libanon (Hisbollah) und Gaza (Hamas) wurde ein UN-Stützpunkt im Dorf Kana/Qana im Süden Israels vom israelischen Militär angegriffen, dabei circa 60 Zivilisten (Libanesen, die dort Zuflucht gesucht hatten) getötet. Es hiess dann, Hisbollah-Kämpfer hätte sich darunter versteckt und die Leute seien zum Verlassen aufgefordert worden. Israel wurde auch vorgeworfen, einer UN-Forderung nach Waffenruhe zur Evakuierung der dortigen Zivilbevölkerung abgelehnt zu haben, auf Flüchtende geschossen und die Angriffe fortgesetzt zu haben, als die Bergearbeiten anliefen. Jedenfalls blüh(t)en die Kana-Verschwörungstheorien, nicht zuletzt in Blogs, die ähnlich “gepolt” sind wie Glenn Beck. Was andere israelische Operationen betrifft: Die versuchten Anschläge in Ägypten 1954 (unter falscher Flagge), die einen Abzug der Briten von dort hinauszögern/verhindern sollten, werden inzwischen nicht mehr geleugnet, sind gesichert.166 Die Anschläge im Irak 1950/51, ebenfalls unter falscher Flagge (auf jüdische Einrichtungen und mit dem Ziel, Juden dort zur Auswanderung nach Israel zu bewegen), werden schon lange nicht mehr energisch abgestritten, man kann davon ausgehen…

Anders verhält es sich mit dem False flag-Angriff auf die “USS Liberty” 1967. Dass Michael Oren, danach israelischer Top-Diplomat und Politiker, darüber vor ein paar Jahren ein Buch verfasste, in dem er Alles in den Bereich von bösartigen, widerlegter Unterstellungen zu schieben trachtete (und gebot, dass der “Case” nun “closed” sei), zeigt die Priorität der Zurückweisung dieser Sache für Vertreter Israels. en.wikipedia.org/wiki/Conspiracy_theories_in_the_Arab_world ist ein Wiki-Artikel, der im Grunde Vorwürfe erhebt, indem (in diesem Fall “den Arabern”) Böses unterstellt wird, das Spinnen von Verschwörungstheorien“. Wenn man die Bearbeitungsgeschichte durchgeht, dürfte man Einige finden, die zB auch im en.wiki-Artikel über “Racism in Israel” mitarbeiten/mitgearbeitet haben, natürlich mit der selben Agenda, nur eben dort nicht mehr so um “Vollständigkeit”, “Aufklärung”, “Abbildung der Realität” bemüht. Das Gatestone Institute brachte auf seiner hp einen Artikel zum israelischen Nationalstaatsgesetz, “The Secret Reason Arabs Reject the Jewish Nation-State Law”; auch das von und für Leute(n), die nur gewisse Verschwörungstheorien ablehnen bzw zum Gegenstand von Vorwürfen machen.

Manche, die bei Martin Hohmann (CDU, nun AfD) oder Susanne Winter (FPÖ) die “Islamophobie” bejubelten (“Meinungsfreiheit”, “unbequeme Wahrheiten”), jaulten bei deren “Antisemitismus” auf. Winter hat auf Facebook einen Link zu einem Artikel von „Der Spiegel“ geteilt, in dem der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban die Finanzindustrie für die Migration nach Europa verantwortlich macht, allen voran den (ungarisch- und jüdisch-stämmigen) US-amerikanischen Finanzinvestor George Soros. Auch Strache schoss sich auf Soros ein. Etwa im April 18, damals als Vizekanzler, in einer Radio-Diskussion mit Ex-Kanzler Kern (SPÖ). Als er erklärte, dass der Milliardär an der Unterstützung der Flüchtlingsbewegungen nach Europa beteiligt war/sei. Auf Kerns energische Einwände (Soros werde von Rechtsextremen zum Feindbild gemacht) zog Strache die Opferkarte (Kern versuche, „den Brunnen zu vergiften“), und: „Die Konfessionsebene spielt hier keine Rolle“. Kritik an Soros sei legitim und berechtigt, solche gebe es etwa auch vom israelischen Ministerpräsidenten. Womit er Recht hat.

Auch Andere in der FPÖ, wie Johann Gudenus, lehnen Soros mit diesen “Begründungen” ab. Als sich Bundeskanzler Sebastian Kurz, auch zur Zeit der schwarz-blauen Koalition, mit Soros traf, gab es im IT (soziale Medien, Diskussionsforen,…) einen “Shitstorm”; von „Verrat“ wurde da geschrieben, Soros als “einer der grössten Teufel unserer Erde“ bezeichnet, die Behauptungen wonach dieser mit seinem Geld Wirtschaftsmigranten nach Europa treibe wiederholt. Was “Verrat” betrifft, Kurz passt tatsächlich besser zu (Soros’ Gegnern) Trump und Netanyahu (und Strache). Soros wird (hauptsächlich in der USA) auch als Sponsor von Obama diffamiert, von jenen, die diesen auch als verkappten Moslem, als Förderer von Latinos, usw. darstellen. Zum Beispiel vom rechten Lobbyisten und Verschwörungstheoretiker Frank Gaffney (Center for Security Policy, Endowment for Middle East Truth,…), einem Trump-Unterstützer.167

Auch Trump griff natürlich George Soros, der ja liberale Anliegen unterstützt, an. Auch mit der Behauptung, dass Soros “Einwanderungs-Karawanen” finanziere. Bei Trump zeigt sich ja, wie nahe die Verachtung für Lateinamerikaner oder Schwarzafrikaner bei jener ist, die er für Moslems hat (die er mit Islamismus begründet)… Trump und seine Anhänger machen (wie auch Strache) einen Unterschied zwischen “schlechten”, liberalen Juden wie Soros und “guten”, zionistischen wie Netanyahu. So ist es auch in Orbans Ungarn, darüber bereits in Teil II. Die rechtsnationale ungarische Fidesz-Regierung von Viktor Orban betrachtet den Liberalen Soros als ihren Feind, wiederum hauptsächlich mit dem Vorwurf, einen Plan zur Ansiedlung von Migranten in Europa zu verfolgen; ausserdem würde er den ungarischen Nationalstaat unterminieren. Die Fidesz-Mehrheit im Parlament hat auch ein Gesetzespaket “gegen Soros” (der den Holocaust in Budapest überlebte, dann auswanderte) beschlossen; darin geht es u.a. um Strafen für jene die Flüchtlingen ausserhalb des staatlichen Rahmens helfen.168

Die Orban-Regierung liess auch Plakate mit Botschaften gegen Soros verbreiten. Es heisst, viele davon wurden beschmiert mit Worten wie “Dreckiger Jude”. Andras Heisler, Präsident der ungarischen Juden-Organisation MAZSIHISZ, schrieb einen offen Brief an Orban, in dem er um einen Stop der Anti-Soros-Kampagne bat. Diese, so MAZSIHISZ, sei nicht antisemitisch, fördere aber antisemitische Gefühle. Doch: Israels Regierung unter Netanyahu verteidigte Orban und dessen Anti-Soros-Kampagne… Israels Botschafter in Ungarn, Yosef Amrani, kritisierte auch die Kampagne gegen den 89-Jährigen (sie wecke “traurige Erinnerungen”,…); doch: seine Chefs im Aussenministerium distanzierten sich von dieser Kritik, in einer Stellungnahme in der Soros beschuldigt wurde, auch den Staat Israel zu unterminieren. Wie ja schon erwähnt, verachtet Netanyahu (und der zionistische Mainstream) Soros mindestens so wie Orban, Trump, Strache.

Natürlich stecken hinter den Ressentiments gegen Soros, den Auffassungen von ihm als Finanzier und Strippenzieher der globalen Linken, antisemitische (oder anti-jüdische) Vorbehalte. Aber der “Antisemitismus”-Diskurs ist inzwischen derart auf Diffamierung von Israel-Kritik ausgerichtet, dass Orban & Co nichts zu befürchten haben, sie bekommen ja von Netanyahu selbst den Segen, mit dem sie gute Beziehungen unterhalten. Gegen Juden, die in ihren Ländern oder international links engagiert sind wie Soros, Ronald Kasrils, Norman Finkelstein (oder früher Andrew Goodman) kann man sich also einigen. Der rechtsextreme Amerikaner, der 2018 in einer Synagoge in Pittsburgh 11 Menschen erschoss, übertrug gewissermaßen das was er Soros zum Vorwurf macht (“die weisse Rasse zu zerstören”), auf Juden generell. Wie schon erwähnt, die israelische Regierung und die grossen amerikanischen jüdischen Organisationen verteidigten Trump damals gegen Vorwürfe, eine Mitverantwortung für den Anschlag zu tragen. Manche versuchten auch, Anti-Soros-Hetze in ihre israelzentrierte AS-Definition aufzunehmen.169

Literatur & Links

Norman G. Finkelstein: Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte (2006). Englisches Original: Beyond Chutzpah: On the Misuse of Anti-Semitism and the Abuse of History

Moshe Zuckermann: „Antisemit!“ Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument (2010)

Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher (2017)

Arn Strohmeyer: Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt.
Hitlers langer verhängnisvoller Schatten (2015)

Ilan Pappe: Die Idee Israel – Mythen des Zionismus (2015)

John Bunzl und Alexander Senfft: Zwischen Antisemitismus und Islamophobie: Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost (2008)

Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemit. Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit (2018)

David Ranan: Muslimischer Antisemitismus. Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland? (2018)

Peter Novick: Der Umgang mit dem Massenmord (2001). Übersetzung von The Holocaust in American Life (1999).

Rolf Verleger: Hundert Jahre Heimatland. Judentum und Israel zwischen Nächstenliebe und Nationalismus (2017)

Avraham Burg : Hitler besiegen: Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss (2009)

Siad Abusiad, Hillel Schenker: Islamophobia and Anti-Semitism (2006)

Evelyn Hecht-Galinski: Das elfte Gebot: Israel darf alles. Klartexte über Antisemitismus und Israelkritik (2012)

Arne Hoffmann: Warum Hohmann geht und Friedman bleibt. Antisemitismusdebatten in Deutschland von Möllemann bis Walser (2005)

Allan Harris-Cutler, Helen Elmquist-Cutler: The Jew as Ally of the Muslim. Medieval Roots of Anti-Semitism (1986)

Arn Strohmeyer: Ist Antizionismus gleich Antisemitismus? Eine Antwort auf Kritiker meines Buches Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt. Hitlers langer verhängnisvoller Schatten (2016)

Joseph Massad: The Persistence of the Palestinian Question (2006)

John Bunzl: Der lange Arm der Erinnerung: Jüdisches Bewusstsein heute (1987)

Eckhard Jesse: Philosemitismus, Antisemitismus und Anti-Antisemitismus. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse und Rainer Zitelmann (Hg.): Die Schatten der Vergangenheit (1990)

Greg Shupak: The Wrong Story: Palestine, Israel and the media (2018)

Avi Shlaim: The Iron Wall: Israel and the Arab World (2001)

Birgit Rommelspacher: Anerkennung und Ausgrenzung. Deutschland als multikulturelle Gesellschaft (2001)

Yair Auron: Holocaust, Rebirth, and the Nakba: Memory and Contemporary Israeli-Arab Relations (2017)

Petra Wild: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina: Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat (2013)

Reza Zia-Ebrahimi: When the elders of Zion moved to Eurabia: conspiratorial racialization in antisemitism and Islamophobia. In: Patterns of Prejudice, 52:4, 314-337 (2018)

Ludwig Watzal über den heutigen “Antisemitismus”-Diskurs, besonders in Deutschland

Wie das politische Weltbild der Antisemitismusforscherin Schwarz-Friesel zum Nahostkonflikt deren Forschungsergebnisse prägt

Abraham Melzer über 4 Bücher zu dem Thema, darunter eines von ihm, und einige zentrale Punkte von ihm zum Thema

Über Traditionslinien in denen sich Antisemitismus/ Antijudaismus tatsächlich befindet

“Antonio-Stiftung enttarnt unerschrocken die neuste Form von Antisemitismus”

Mutiger Artikel von Ludwig Watzal über den aktuellen „Antisemitismus“-Diskurs

Für eine Definition von anti-palästinensischem Rassismus!

Über zionistische Argumentationsmuster, in denen der “Antisemitismus”-Vorwurf verwendet wird

“Linker Antisemitismus” und andere Schimären

Über die Koryphäe in Sachen „Antisemitismus“ (und vielem Anderen), Henryk Broder 

Über Ungarns Juden unter der nationalistischen und proisraelischen Regierung Orbans

Über die Joachim-Schröder-“Antisemitismus-Doku”

Über diverse Bücher zum Thema

“Antisemitismus 2.0”

Rolf Verleger über Vorurteile ggü Juden und Moslems

Grundlegendes zum Thema

Hass gegen eine jüdische Schule? Und, wer stellt die Verbindung von Juden zu Israel eigentlich her, wer bezieht eindeutig Position im Israel-Palästina-Konflikt, sieht sich quasi als Partei?

“Anti”deutsche

World Holocaust Forum at Yad Vashem: Hijacking the Shoah, Whitewashing Nakba

The Holocaust, BBC & Anti-Semitism Smears

It’s Media—Not Bernie Sanders—That Have an Antisemitism Problem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Der Afghane der in Oberösterreich mit einem Messer einen Betreuer schwer verletzte und einen Unbeteiligten tötete, hatte Medienberichten zufolge mit andern Flüchtlingen schweren Streit um Alkoholkonsum gehabt> Alkohol ne, Morden ok
  2. Die aus einer assyrischen Familie aus dem Irak kommt
  3. Und ja, es gibt da sicher Überschneidungen zwischen diesen beiden Gruppen…siehe Artikel II
  4. Dazu gehörten auch die aschkenasisch-zionistische Einflussnahme ggü den Mizrahis, und ihre Entwurzelung
  5. حزب الكتائب اللبنانية‎, Ḥizb al-Katā’ib al-Lubnānīya
  6. Nach dem Mord an der 85-jährigen Mireille Knoll in Paris im März 18, einer jüdischen Holokaust-Überlebenden, mutmaßlich durch ihren moslimischen nordafrikanischen/maghrebinischen Nachbarn, wurde in Frankreich ein “Manifest gegen einen neuen Antisemitismus“ verfasst, in dem gefordert wird, dass „die Verse des Koran, die zum Mord und zur Bestrafung von Juden, Christen und Ungläubigen aufrufen, von den theologischen Autoritäten für ungültig erklärt werden“. Dazu stellen sich die Fragen, ob der Täter wirklich von solchen Koran-Stellen motiviert war, inwiefern es theologische Autoritäten mit Anerkennung in der gesamten moslemischen Welt gibt, inwiefern religiöse Schriften an die Gegenwart “angepasst” werden können/sollen; im Tanach/Altes Testament der Bibel gäbe es da auch Einiges
  7. Die Briten sollten dazu gebracht werden, sich nicht aus der Suez-Kanal-Zone zurückzuziehen
  8. Möglicherweise gab es unter den Gegnern seiner Wahl auch jene, die generell ein Problem mit “Nicht-Westlern” in solchen Positionen haben
  9. Siehe Link zum Text im “Rubikon” unten
  10. Siehe Teile II & III
  11. Wenn er tadschikischer Afghane ist, dann sprechen beide eine Form des Persischen, siehe
  12. Der ja selbst mit seiner Knesset-Rede ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, > Teil I
  13. Bzw dem von ihm initiierte Thinktank „Denkwerk zukunftsreich“
  14. Nach dem Massaker des Norwegers Breivik, der Broder in seinem Bekennerschreiben Broder vielfach lobend erwähnte (neben Glick, Pipes,…), hakte er sich bildlich bei Sarrazin und Kelek ein, spielte das Unschuldslamm, machte sie zu Komplizinnen seiner Denkart
  15. Er hat etwa mit Pat Condell Einiges gemeinsam…
  16. Ggü Saudi-Arabien aber schon, die muss man schon tolerieren…
  17. Sind die bei den Identitären bzw in der FPÖ aufgehoben? Die Frage drängt sich auf angesichts dieser Runde
  18. Was auf de.wikipedia (wo selbsternannte “Wächterräte” und “Politbüros” herumtrollen) über ihn steht, kann man sich vorstellen
  19. Und ein “Thema” für die jüdische “Diaspora”. Karl Pfeifer in Wien nannte ihn zB „Kronzeugen der ‘National-Zeitung’“; der attackiert nicht zuletzt kritische/liberale (Ex-) Juden wie Levy, Baruch Wolski, John Bunzl,… bringt gleichzeitig Magdi Allam & Co (als Kronzeugen)
  20. Wobei sich wieder mal Dieter Graumann hervor tat
  21. Eine diesbezügliche “Keule” war: die „iranische Nachrichtenagentur“ würde gern Bunzl zitieren
  22. Seine „Abgrenzung“ von PI ist eine Geschichte für sich…
  23. Der Zionismus stellt für sie ein Angebot in mehrfacher Hinsicht dar
  24. Jene die universelle Standards hoch halten
  25. IL-Kritiker werden in die Rolle der “neuen Nazis” gedrängt, Fremdenfeindlichkeit stellt kein Problem dar bzw sei “mehr Phantom als Realität”, Deutschland ist eigentlich zu wenig rechts. Alle Neonazis sind ja Einzeltäter, die (noch) nicht kapiert haben, dass ihre Heimat die CSU/ÖVP sein sollte
  26. So ähnlich werden auch andere Hass-Prediger verharmlost
  27. Man kann das auch auf Lateinamerika “herunterbrechen”: Bolsonaro bejubeln (oder früher Pinochet) und gleichzeitig das Regime in Venezuela beklagen (weil es für die Venezolaner schlecht sei)
  28. Auch oder gerade Broder hat seine, beruft sich auf seine, manche “arbeiten” auch mit ihm zusammen
  29. Ende 19, nach einem der letzten Spieltage in der Qualifikation für die Fussball-EM 20: Jene, die die sich über den türkischen Salut-Jubel (bezogen auf den Kriegszug nach Syrien) aufregten, und über Äusserungen der türkischen Deutschen Gündogan und Can dazu, waren “zurückhaltend” zu Hitlergruss und “Affenrufen” aus dem Publikum in Bulgarien, beim Spiel gegen das englische Team (mit einigen “Schwarzen”). Und Yahoo Sport titelte: “Kaan Ayhan nach verweigertem Salut-Jubel aufs Übelste beschimpft”
  30. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: ihr Engagement gegen Zwangsverheiratungen und Genitalverstümmelungen von Frauen ist berechtigt
  31. Anstatt es zu unterstützen. Siehe Ägypten (Sisi), Libyen (Haftar) oder Tunesien (wo KSA Salafisten unterstützt anstatt Demokraten). Wie soll eine Demokratisierung arabischer Länder in die Gänge kommen, wenn man Gewählte stürzt, Destabilisierung bzw Undemokraten unterstützt? Die “schizophrene” Politik des Westens, zusammen mit Saudi-Arabien Islamismus zu unterstützen, gibt es mindestens seit den 1980ern (Afghanistan; und dort verbündete man sich gegen eine Regierung, die an einer Säkularisierung des Landes arbeitete). Und, wie schon geäussert, der “böse” Iran ist auch als Islamische Republik um Einges fortschrittlicher als KSA, als Staat, erst Recht aber als Gesellschaft
  32. Besonders aus deutsch-österreichischer Sicht. SU-Panzer in Prag 45, 68 > die eigene Schuld vor 45 wird von Deutschen/Österreichern gelegentlich mit dem SU-Eingreifen 68 zu relativieren versucht
  33. Ein IL-Freund auf seinem Youtube-Kanal: “ALL ZIONISTS AND PATRIOTS – WELCOME!” > ausser natürlich Palästinenser und “Ähnliche”. Auch bei jenen, die die Apartheid in Südafrika unterstützten, gab es natürlich keinen Respekt für die nicht-weissen Nationalitäten Südafrikas oder Nationen Afrikas (höchstens Bestrebungen, sie gegen einander auszuspielen), diese wurden als klar niederrangig gesehen
  34. Und zB auf Youtube kann man in Kommentaren lesen, was sie mit ihnen am liebsten machen würden, was sie ihnen wünschen
  35. Oder die Mustarabin (Duvdevan,…)
  36. Bei Mangosuthu G. Buthelezi und seiner Inkatha-Partei war es so, dass man Interessen des Zulu-Volkes über die allgemeinen der schwarzen Völker Südafrikas stellte, und die traditionellen Strukturen der Zulus (mit einem König) erhalten wollte; dies liess einen zum Gegner des ANC und Partner der NP-Regierungen werden. Apartheid-Südafrika hat sich (im Rahmen seiner “Detente-Politik”) auch in Schwarzafrika engagiert, zB in Nigeria, anlässlich der Sezession Biafras, und im darauf folgenden Bürgerkrieg (1967-70). Weniger weil man über die Biafrer (bzw die Ibo) eine bessere Meinung hatte als über andere “Schwarze”, eher aufgrund der Aussicht, Afrika zu spalten… Neben Apartheid-Südafrika unterstützten auch Israel und das Portugal des Estado Novo (Kolonialmacht in Afrika, die letzte grosse dort) die Sezession, und Deutsche von Rolf Steiner bis Tilman Zülch
  37. So etwas gibt es v.a. unter den Maroniten des Libanons, wie auch Aql einer war. Dieser “Phönizismus” korrespondiert mit dem “Pharaonismus” in Ägypten (den auch hauptsächlich Angehörige einer christlichen Minderheit, dort Kopten, vertreten) oder auch mit Formen des iranischen Nationalismus’ (der Iran wurde zwar nicht arabisiert, aber islamisiert, von den Arabern). Manche werden diese “Bewegungen” als Neo-Shu’ubiyya zusammengefasst
  38. Die ist ja eine “subversive Terroristin”, die ins Gefängnis gehört. Jene, die anhand Betty Mahmoody oder Hatun Sürücü den “Kampf der Kulturen” durchexerzieren möchten, sind bei Tamimi oder Omar ruhig
  39. Sie soll demnächst “Hedy Lamarr” in einer Serie spielen
  40. Der Fall der Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani war ein Beispiel, wie Islamisten (in diesem Fall das iranische Regime) Islamophoben Steilvorlagen zur Profilierung liefern. Mohammadi-Ashtiani wurde 06 wegen Beihilfe zum Mord an ihrem Mann und Ehebruch zum Tode verurteilt, was weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Die Strafe wurde umgewandelt und sie durfte 14 das Gefängnis verlassen. Um 06 herum gab es Engagement von “Bild”-Zeitung bis Sarkozy für sie, gab diesen die Chance, sich als fortschrittlich und um Menschenrechte besorgt zu zeigen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Sarkozy war einer, der Ben Ali, Ghadaffi, Mubarak bis zuletzt die Stange hielt
  41. Für Entsprechendes kämpf(t)en Juden in der Diaspora
  42. Initiiert vom Rechtsextremisten Michael Kleiner
  43. Bishara hatte in und nach diesem Krieg darüber geklagt, dass Israel die palästinensischen Gegenden im Norden wenig(er) bis nicht vor Beschuss aus Libanon schützte, und sogar Leute (israelische Palästinenser dort) als lebende Schutzschilder benützte, indem es Artillerie-Einheiten neben deren Dörfern positioniert
  44. Einen gebildeten und christlichen Palästinenser kann man nicht so leicht in die Islamisten-Ecke stellen, das macht zornig. Scheit schrieb übrigens in „Jungle World“ ein „Lob des Zinses“, was auch zeigt, dass in diesen Kreisen vom alten Antisemitismus gerne einfach das Negativ propagiert wird; mit der Deutschtümelei war es ähnlich, da gibt es aber längst eine Tendenz zu einem neuen Deutschchauvinismus
  45. Die arabisierten Länder bzw Völker sind nicht wirklich eine Nation, hier zum Beispiel Ägypten
  46. Afrikanern schlägt dort eine ähnliche Verachtung entgegen wie Arabern. Und es wird dabei von einer “Verteidigung ggü dem Islam” geredet, auch wenn es um Christen geht, wie bei den Südsudanesen
  47. „Heute“-Titel: „Strache (fordert): Schächten stark einschränken!“ > Was hat Isabelle Martens dazu gesagt?
  48. A propos: Richard Silverstein über das israelische Gezeter gegen Bishara, Einer warf ihm “provokative Mätzchen” vor. “To how many Jewish politicians would Baron attribute the dismissive label ‘antics?'(Mätzchen) And I’d like to remind you that southern Whites labeled Martin Luther King’s Montgomery bus boycott or Malcolm X’s speechifying in precisely the same terms. You dismiss what you fear and do not understand. But you do so at your peril because dismissing it will not make the issue or person go away.” Broder oder “Gabriel” werden übrigens gefeiert für ihre “Provokationen”, aber Aufmüpfigkeit in/ggü Israel ist eben eine andere Kategorie
  49. Vielleicht sogar einige Unterzeichner des Aufrufs, wenn sie ihm begegnen
  50. Nazanin Boniadi > Scientology!
  51. Und es gibt etliche Palästinenser sowie Israel-Kritiker, die nicht nach Israel/Palästina einreisen könn(t)en
  52. Oder, zumindest in einem Interview, in dem er über dieses Buch redete
  53. Es gibt ja auch Österreicher, die bei Leuten aus Ex-YU eigentlich auf “Tschuschen” oder so programmiert sind, und müssen sich erst an den neuen Status der Serben als “Abendlandretter (FPÖ, “Anti”deutsche,…) gewöhnen müssen
  54. Oder doch? Sebastian Kurz sagte als Aussenminister zu “Die Welt”: „Erdogan entwickelt das Land in eine falsche und gefährliche Richtung. Sein Umgang mit Kritikern, Andersdenkenden und Minderheiten ist absolut inakzeptabel. Präsident Erdogan zeigt definitiv diktatorische Züge“. Die Türkei bewege sich immer weiter von Europa weg. Bezüglich ethnisch-religiösem sowie politischem Pluralismus hat sich die Türkei unter der AKP entgegen verbreiteten Vorstellungen gegenüber der kemalistischen Herrschaft positiv entwickelt. Dass eine Entmilitarisierung der türkischen Politik nötig war, zeigte auch der Putschversuch 2016… Der Putsch 1980 passierte mit Unterstützung der USA (evtl gg Carters Willen), unter der folgenden Militärdiktatur wurden rund 650 000 Menschen verhaftet, rund 250 000 kamen vor Gericht, mehrere Hundert starben durch Hinrichtungen oder Folter. Diese Zeit ist für Kurz oder die Springer-Presse keine seriöse Betrachtung wert. Die Ablehnung türkischer EU-Ambitionen bewirkt eine Annäherung der TR an ihre Region (oder umgekehrt…) und eine Schwächung der Prowestlichen dort (CHP), die aber auch sehr nationalistisch sind, und die meisten Putsch/Militärdiktatur-Befürworter wird man dort finden… Auch Fox hat den Putschversuch 16 unterstützt (begrüsst), Saudi-Arabien bzw sein Kronprinz etwas diskreter. “News” stellt den Putschversuch in eine Reihe mit islamistischen Anschlägen sowie Amokläufen in Europa, als etwas mit dem man hier fertig werden müsse… Und Österreichs damaliger Innenminister Sobotka, über jene Türken, die hier gegen den Putschversuch demonstrierten: „Unter dem Deckmantel der Demonstrationsfreiheit innenpolitische Meinungsbilder aus der Türkei in Österreich zu verbreiten, ist inakzeptabel“. Wieso dann nicht auch, wenn gejubelt wird, dass die „Free Deniz-Welle durch Deutschland rollt“? Oder bei den Referenden über die türkischen Verfassungsänderungen 10 & 17 (ebf im Zeichen der inneren Polarisierung, Elite-Masse, Westküste-Anatolien, Stadt-Land; und der verzerrten westlichen Darstellung), wo “Nein” (Hayir)- Befürworter auch im westeuropäischen Ausland Kampagnen durchführten, da war der „Import türkischer Politik“ für diverse Journalisten (“Neue Kronen Zeitung”, “Jungle World”,…) oder Politiker (> v.a. in Deutschland) kein Problem, im Gegenteil, sie wurden promotet. Jene, die Türken (bes. Erdogan-Anhängern) vorwerfen, türkische Themen nach Deutschland/Europa zu importieren (bzw der Türkei, sich hier einzumischen), machen selbst genau das… Beim Vorgehen türkischer Polizei gegen Demonstranten unter Erdogan war auf einmal ist für den Westen autoritärer Staat und Polizeigewalt in der TR ein Problem, gibt es „Solidarität“ und Menschenrechtsbedenken mit Türken u.a. in Deutschland. Menschenrechte, Putsche, Demokratie,… das wird im Westen sehr flexibel gehandhabt, wie sich auch anhand des Mursi-Sturzes in Ägypten zeigt(e). Oder im Unterschied bei den Reaktionen zu den Verhaftungen/Verurteilungen/Inhaftierungen von Marwan Barghouti (Fatah) und Selahattin Demirtas (HDP), in Israel bzw Türkei. Und wieso gab es früher nicht diese Kritik bzw Thematisierung von Inhaftierungen/Verurteilungen in der Türkei; als das politische System dort “passte”, waren die Inhaftierten/Verurteilen selbst schuld. Es gibt westliche Kritik an türkischer Antiterrorgesetzgebung, man will eine präzisere juristische Definition von „Terror(ist)“ (eigtl zu begrüssen), wirft der Regierung vor, ihre Kritiker/Gegner als solche einzusperren > und manche westliche Staaten selbst, Israel?! Simon Hadler kürzlich auf orf.at über den türkischen Film „Tereddüt“ von Yesim Ustaoglu (mit Frauen im Mittelpunkt): “Ustaoglu hätte es sich leicht machen können und in eine narrative Kerbe schlagen, die von Populisten und Freizeitkommentatoren in ganz Europa gepflügt wird: gute Türken in den Städten, rückständige Türken auf dem Land; gute Säkulare, böse Islamisten; hier die postmoderne Glücksverheißung, dort das Mittelalter. Doch Ustaoglu lässt Grautöne zu.” Genau so undifferenziert werden Türken im Westen normalerweise eingeteilt, und das Ende der EU-Beitrittsverhandlungen (das nun stark gefordert wird) trifft die “aufgeklärten Stadttürken”… Es gibt angeblich viele Asylansuchen von türkischen Diplomaten und ihren Familien in Deutschland, nicht wenigen wird statt gegeben; was ansonsten als Beleg für die schleichende Unterwanderung westlicher Werte (und Überfremdung) durch die regierenden naiven Gutmenschen genommen worden wäre, wird nun zur eigenen Bestätigung herangezogen. Was bei Erdogan-Kritik so Alles mit erledigt wird…von westlichem Hegemonie-Anspruch bis zur politisch korrekten Fremdenfeindlichkeit; wenn Strache sagt, dass Doppelstaatsbürger „Scheinstaatsbürger“ sind, die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt werden soll, tanzt er mit seinem Hintern ja auf 2 Hochzeiten, geht es ihm auch darum, dass Türkisch-Stämmige rassisch-kulturell nie echte Österreicher werden können; “Schein-Österreicher”. Weg aus Westen/Europa sollen sie (Einwanderer unerwünscht, Nicht in EU,…) aber wenn sie das tun und sich dem Osten, ihrer Region zuwenden…wird auch aufgejault. Und Saudi-Arabien (wo bzgl Menschenrechte und Islamismus alles viel schlimmer ist) lässt man freudig gewähren. „Homophobie“ bei Moslems thematisieren, aber nicht bei den (zionistischen) Evangelikalen…je nach Bedarf…..so wie man auch auf Saudi-Arabien andere Massstäbe anlegt als auf Iran
  55. Brachte im Streitgespräch mit dem türkisch-österreichischen Autor Türkmen die kurdische “Sache” gg ihn vor, der ist selber teilweise Kurde (Grenzen sind nicht immer so klar)
  56. Wobei solche wie er dann erst recht vor Saudi-Arabien kapitulieren, und Iran dämonisieren
  57. “…deren SDF-Milizen als bisherige Verbündete Amerikas den IS in Syrien quasi im Alleingang besiegt haben.”
  58. War das wirklich jemals anders?
  59. Und, für jene mit für diese Milieus durchschnittlichen Kenntnissen über diese Region, einen weiteren “arabischen” Staat… Es würde auch Bemühungen geben, Kemalisten, gewisse Pan-Iranisten,… trotzdem und weiter “bei der Stange” zu behalten
  60. In “Nähe” zu jenen nicht-jüdischen West-Chauvinisten, wie Wilders, die auch Schächten oder Penisbeschneidung ablehnen… aus rein rationalen Gründen natürlich (Grausamkeit ggü Tieren, Gesundheitsüberlegungen)
  61. Nebenbei, von dort gingen damals die Entstehung des Islams, die Eroberungen in Persien und Byzanz und die Arabisierung der semitischen Bevölkerung Palästinas aus
  62. Wobei es nach wie vor umstritten ist, ob es sich bei den Mhallami um Araber, Aramäer/Assyrer oder Kurden handelt. Übrigens: Zumindest “grenzwärtig” war stellenweise ein Artikel von Dominique Bergson in der “FAZ” vor einigen Jahren über arabische und andere Clans in Deutschland und ihre kriminellen Praktiken (“Berlin gehört den Clans”); in einzelnen Formulierungen, etwa wenn er über “Dunkelhäutige” schrieb, und in seiner Tendenz (Deutschland werde von denen ausgenommen, müsse ohnmächtig zusehen)
  63. 2010 brachten zwei Führer der “Anti”deutschen Bücher dazu heraus, Osten-Sacken (mit Anderen) „Verratene Freiheit“, Grigat und sein Partner „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“…
  64. Wie ist bei Leuten wie diesem Frankenberger “Westen” denn definiert?
  65. Und nochmal: Anfang 17 traten auf einer Volksmujahedin-Veranstaltung in Paris nicht nur Newt Gingrich, Joseph Lieberman, Rudolph Giuliani und John Bolton auf; diese Herrschaften wären schon Gegengewicht genug zu den iranischen Mullahs gewesen, Gegengewicht im Sinne von “auf andere Art genau so schlimm”; es trat auch Prinz Turki Bin Faisal al Saud auf
  66. Auch einer: Efraim Karsh hat zum Iran-Irak-Krieg 02 ein Buch herausgebracht; dort einerseits der Versuch, die kurdische Karte zu spielen (> gg Hussein-Irak), andererseits der, den Iran als Schuldigen des Kriegs darzustellen (> indirekt Apologetik Hussein-Irak, der damals ja auch vom Westen unterstützt wurde). Die IR Iran beachtet internationale Urheberrechts-Abkommen nicht; weshalb dort zB Raubkopien von Kenneth Timmermans Buch über westliche Waffenlieferungen an Saddam Husseins Regime im Irak, während dessen Krieg mit Iran, zirkulieren. Timmerman ist aber ein Neocon, der dieses Buch herausbrachte, um einen Krieg gegen Irak zu promoten. Und inzwischen längst trommelt er für einen gegen Iran. Das Bild wird dadurch abgerundet, dass Timmerman ein ehemaliger “kalter Krieger” ist, gegen den afro-amerikanischen Bürgerrechtler Jesse Jackson hetzt…und seine Organisation “Foundation for democracy in Iran“ genannt hat
  67. Mit der belutschischen Jundullah wird auch wieder Islamismus unterstützt, wie in den 1980ern in Afghanistan…
  68. Unter der die politische Karriere des Wehrmacht-Führungsoffiziers Franz J. Strauss begann
  69. Ein Jude, der sich nicht über Religion definierte
  70. Während aus IL-Kritik “AS” gemacht wird, um den Gegenstand dieser Kritik zu apologetisieren
  71. Er meine anscheinend Richard Williamson, den britischen katholischen Vagantenbischof, der den Holocaust leugnet(e)
  72. Immerhin: Da gibt es dann wieder Palästinenser(innen), für die Israel-Freunde (> Meir, Gingrich,…). Auch dann, wenn von Palästinensern (oder Personen palästinensischer Herkunft) tatsächlich/vermeintlich Israel-Lob kommt. Nayib Bukele wurde heuer zum Präsidenten von El Salvador gewählt. Der vormalige Bürgermeister von San Salvador, der aus der FMLN ausgetreten bzw ausgechlossen (worden) ist, stammt von Palästinensern ab, die anscheinend im frühen 20. Jh aus dem damals osmanischen Palästina auswanderten. Sein Vater ist (sunnitischer) Moslem (ein Vorsteher der Moslems in El Salvador, er soll auch katholische Wurzeln haben), seine Mutter (katholische) Christin, er christlich, sein Bruder anscheinend Moslem. Der britische Zweig der evangelikalen US-amerikanischen Organisation Christians United for Israel (CUFI) jubelte über den salvadorianischen Präsidenten palästinensisch-christlicher Herkunft (www.cufi.org.uk/news/el-salvadors-new-president-is-a-palestinian-and-pro-israel/): Dessen Frau sei jüdisch-sephardischer Herkunft, er habe bei einer internationalen Bürgermeister-Konferenz in Jerusalem teil genommen und dabei auch die Klagemauer besucht (“gebetet”). Und: “Upon hearing that someone of Palestinian descent had been elected President in El Salvador, many Palestinians were quick to praise him on social media. However, some then withdrew their support after realising he was pro-Israel. President-Elect Bukele is a prominent user of social media, with over 528k followers on Twitter alone. He has been retweeting various posts pointing out his pro-Israel nature, including pictures of him at the Western Wall and also praise from Jewish organisations in America.” Bis auf das Genannte lassen sich keine Hinweise auf eine “pro-Israel nature” finden… Dass seine Frau jüdischer Herkunft ist, zeigt dass er keine diesbzeüglichen Vorurteile hat (und sie auch nicht), im Gegensatz zu den CUFI und anderen Israel-Freunden. In welches Narrativ passt Bukele nicht?! In jenes, das sonst gerne die Existenz von Palästinensern (als Nation, als Menschen,…) abstreitet, sie als “antisemitisch”, “fundamentalistisch”, “zurückgeblieben”,… porträtiert, auch El Salvador als “shithole country” einstuft, die “3. Welt” als “gefährlich” (für Israel) –  Triumphgeheul ist also nicht wirklich angebracht. Bei der Präsidenten-Wahl in El Salvador 04 traten sogar zwei Palästinensisch-stämmige gegen einander an, Saca (ARENA) gegen Handal (FMLN), ersterer war 04-09 dann Präsident. Was haben damals Organisationen wie CUFI wohl geschrieben, was den Salvadorianern palästinensischer Herkunft angedichtet, ihnen unterstellt…? Im Wahlkampf heuer gab es auch “Diskussionen” über Bukeles Religionszugehörigkeit, er der aus einer gemischten Familie kommt, wurde beim Beten in einer Moschee gezeigt. Wie die zionistische Haltung ggü katholischen Palästinensern aussieht (wenn diese ihre Interessen vertreten), zeigt sich bei Azmi Bishara
  73. Wie erwähnt gab und gibt es aber auch jene, die nicht über eine “Feindseligkeit” jammern, sondern zu ihrer stehen
  74. Oder, Haiders langjähriger Laufbursche Westenthaler, dieser stellte seine Verurteilung als „politisch motiviert“ dar, auch die bequeme Ausrede
  75. Bei der Wahl 15 hat er diese als im Bunde mit den “israelischen Arabern” dargestellt
  76. Und die Organisation/Bewegung Boycott, Divest and Sanctioning (BDS) agiert selbstverständlich aus Ablehnung von Juden, nicht aus Israels Menschenrechtsverletzungen ggü Palästinensern
  77. Nein, ich kann kein Antisemit oder Rassist sein, denn ich bin ja proisraelisch, sagt der Rassist
  78. Viele sind von den “Piraten” zur Linken weiter gezogen…
  79. “Juan” Cole: ”’Tony’ infiltrated a number of Jewish groups, so viewers don’t get as much of a sense of the role of Christian Zionism and Christian support for Israel in the US.It would be a wrong to conclude from this film that a few Jewish groups have disproportionate power; this can drift into an unhelpful narrative or one that gives credence to conspiracy theories. However, that’s how the groups are trying to spin it; they have claimed falsely, for instance, that Al Jazeera made a film about the ‘Jewish lobby,’ though the film never uses such language. What organizations like the Israel Project and the Israel on Campus Coalition do is fuel, feed, and try to take advantage of a narrative that is attractive to white Christian nationalists who are a strong part of President Trump’s base – and Christian Zionism is a cornerstone of this ideology.” Was “jüdische(n) Einfluss/Macht” und den Umgang mit der Behauptung betrifft, vergleiche dazu die Sache mit R. Camus und Finkielkraut in II
  80. Es geht bei ihm nicht nur um das Diffamieren und Mundtotmachen von Kritikern israelischer Politik; so nannte er beispielsweise die Führer der meisten muslimischen Institutionen in den USA “unamerikanische, fremde Elemente”, die im Verdacht stünden, “einen Geheimplan zu nähren, dessen Ziel es ist, aus den Vereinigten Staaten ein muslimisches Land zu machen”, und Obama sei vielleicht insgeheim Muslim
  81. ZB orf.at über den saudi-arabischen Luftwaffen-Piloten der in der USA (Florida) ausgebildet wurde und ’19 auf einem Militärstützpunkt drei Menschen tötete: “…hat vor der Tat möglicherweise ein Manifest auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht. Die SITE Intelligence Group und das Middle East Media Research Institute (MEMRI), die Onlinepropaganda von Extremisten untersuchen, veröffentlichten nach Angaben der ‘Washington Post’ Auszüge der Botschaft.”
  82. Zweitere arbeiten auch für MEMRI
  83. Vor einigen Jahren ist eine von CAMERA organisierte Gruppe auf der englischen Wikipedia aufgeflogen, die dort versuchte, Artikel zu ihren Gunsten zu bearbeiten – sicher nur die Spitze eines Eisbergs
  84. Vor einigen Jahren gab es eine Kampagne des Informationsministeriums, „Negativbildern“ über “das Land” entgegenzuwirken, promotet wurde das mit einem TV-Spot, in dem ein ausländischer (westlicher) Korrespondent Israelis auf Kamelen zeigt – als ob SIE es wären, die wörtlich/übertragen als Kameltreiber uÄ dargestellt würden!
  85. Es ist wie bei Tablettensüchtigen die über andere Drogensüchtige herziehen, auch, um von sich selbst abzulenken
  86. Der “Anti”deutsche Horst Pankow: “Mit den sogenannten Palästinensern steht Israel das derzeit wohl aggressivste antisemitische Kollektiv gegenüber”
  87. Der Vorwurf der „kollektiven Verlogenheit“ der Muslime, Bestandteil pseudowissenschaftlicher, pseudoaufgeklärter Muslimfeindlichkeit
  88. Zum “Argument” der “Nicht-Existenz” Palästinas Einiges in III. Natürlich geht es dabei auch darum, die Existenz der Palästinenser als (gleichrangige) Menschen in Frage zu stellen. Und um die Konstruktion der Palästinenser als Nachfahren des arabischen Heers, das Palästina im 7. Jh einnahm, und der modernen Juden als Nachfahren der antiken Israeliten. Damit nicht genug an fragwürdiger Geschichtspolitik, es wird auch noch der Koran heran gezogen, als ob der hier ausschlag-gebend wäre, so wie bei der Konstruktion jüdischer Ansprüche auf das Land aus religiösen Mythen heraus
  89. Und auf diese Region
  90. Herzl pries er dann noch als Österreicher an, wohl so eine Art Brückenbau zu hiesigen Rechten
  91. Angeblich existiert im Vatikan eine grosse Erotika-Sammlung, die auf Überprüfungen für den Index zurückgeht. Die Pornographie-Archive der religiösen Rechten, die Drogen-Asservate der Polizei…
  92. Tjark Kunstreich versuchte mal, vom Rassismus der “Anti”deutschen abzulenken und Deutungshoheit über Rassismus zu erlangen, der Rassismus gg Taubira und der Aktivismus von Dieudonné wurden dabei mit „Antisemitismus“, Rechtsextremismus, Homophobie in eine Reihe gestellt, Antizionismus eigtl richtig neben Antirassismus gestellt (auf einmal ist nicht mehr Israel DAS Kriterium > seine rechten Freunde…); dann wurde der Haken geschlagen, über den „AS“ der „Araber“ im Kampf gg den Zionismus vor der Staatsausrufung „Israels“
  93. Was an rassischen Merkmalen festgemacht wird und bei Begriffen wie “Kanaken” endet
  94. Der sich zB so ankündigt wie beim strunzndummen IL-fixierten „A“D-Blogger Thiel Schweiger aus Süddeutschland: „Rein klassenanalytisch sind diese Lumpenproletarier, Kleinstbürger und Bauern (die Palästinenser) garnicht in der Lage, einen rationalen, aufgeklärten Nationalismus zu begründen. Rhizom verlinkte vor kurzem ein Video, in dem sich eine alte Palästinenserin nach ihrem alten Haus in Ost-Jerusalem sehnte. Das ist doch eine zwar nachvollziehbare, weil menschliche, aber politisch nicht tolerierbare agrar-bornierte Einstellung, die automatisch an die deutschen Vertriebenenverbände erinnert.“
  95. Da ist man an den Historiker Wolfgang Kraushaar erinnert, einen Ex-68er, der für sich als Lösung gefunden hat, stramm pro-israelisch zu sein (und das wiederum heisst, kulturrealativistisch Grausamkeiten an Palästinensern u.a. zu dulden bzw jene die diese thematisieren, zu attackieren) und Linken „Antisemitismus“ umzuhängen
  96. „Bahamas“ hat den Begriff „antideutsch” 09 als Bezeichnung für ihre Ideologie zurückgewiesen: „Was einmal antideutsch geheißen hat, taucht heute als Apologie für das irgendwie widerständige Tun migrantischer Schlägerbanden, als Angriff auf den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr oder als vom Sozialneid erfülltes Ressentiment gegen deutsche Frührentner, die sich auf Mallorca niedergelassen haben, wieder auf”…
  97. Die Widersprüche der “Anti”deutschen gehören wo anders hin, aber: es gab/gibt die so eine Initiative, “I Can’t Relax In Deutschland” (ICRID), zur Kritik an „zunehmender Nationalisierung der Popkultur”, andererseits dann zB bei einer Veranstaltung gegen die Frankfurter Buchmesse (mit Schwerpunkt arabische Autoren) israelischer Pop (der im Programm auch als solcher ausgewisen wurde und deshalb gespielt wurde weil er hat israelisch ist, gewissermaßen die “Antithese” zum Arabischen). Die US-amerikanische Rock-Band Guns N’ Roses hat bei einem Auftritt in Israel sogar die dortige Nationalhymne angestimmt
  98. Auf de.wiki hat “eine IP” „Kontextualisierungen“ bzw Selbstbeweihräucherungen in den Maul-Artikel eingefügt: Der sei ein „umstrittener Autor“ (das ist zB David Irving auch), “Während seine Gegner seine Kritik am politischen Islam, linken Kulturrelativismus und zeitgenössischen Feminismus als Ausdruck von ‘Linkenhass’, ‘Rassismus und ‘Sexismus’ verwerfen, schätzen andere an Mauls ‘Provokationen’, dass durch sie ‘bundesweite Debatten losgetreten’ und ‘linke Gewissheiten hinterfragt würden.” „umstritten, provokativ, verwerfen, Debatten lostreten“, und bundesdeutsche Gewissheiten, deutsche Kontinuitäten. Weiter: “Maul beschrieb 2010 die islamische Weltanschauung als Symbiose aus Patriarchat, Eschatologie, Ritual, Djihad und Despotie. Geprägt sei die Religion demnach essenziell von einem ‘Phallozentrismus’, der den männlichen Trieb als ununterdrückbar kategorisiere.” Mauls Triebe und sein Chauvinismus, und seine Eigendarstellung
  99. Zuweilen gar als “parlamentarischer Arm materialistischer Ideologiekritik”; wofür die Rede Gaulands zur Gründung Israels ja nur ein Beispiel von vielen sei
  100. Vortrag „Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung“
  101. Dass die AfD pro Israel ist, ist keine Überraschung (siehe Teil II) und keine Entlastung für sie, sagt Einiges über IL aus
  102. So wie der Erfinder „kruder Allianzen“. Diese Querfronten schliessen den eigenen Bereich schliesslich auch mit ein. Der “österreichische Neokonservative” Christian Ortner arbeitet(e) bei dropthebomb oder achgut mit, ist für die Abschaffung des Nazi-Verbotsgesetzes, versucht den Mieterschutz Stalin unterzuschieben, ist leicht frauenfeindlich, und hetzte natürlich gg Griechenland wg derer „€-Sünde“. J. Agnoli, ein “A”D-Idol, war Faschist in Italien, dann Freiwilliger in der Waffen-SS, ging nach britischer Kriegsgefangenschaft nach West-Deutschland
  103. Stellt sich die Frage, wer wessen nützlicher Idiot ist
  104. Irgendwann hat Maul, passenderweise ggü “Die Welt”, seinen „Islamhass“ damit “begründet”, dass der Islam eine „menschenfeindliche Ideologie“ sei, unter der (teils in erster Linie) Menschen zu leiden hätten, die islamisch sozialisiert worden seien, redete über Rechte “migrantischer Mädchen und Frauen“,… Siehe dazu den Anti-Feminismus/Sexismus der “A”D und ihre Verbündeten und die Abschnitte oben über die Instrumentalisierung dieser Frauen und die Widersprüche dabei
  105. Bei denen ein Deutsch-Nationalismus perfekt verwirklicht ist, nicht nur bezüglich einer Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten in/aus BRD
  106. Einerseits Volkes Meinung ggü Moslems anpreisen bzw als Beleg für deren “gesunden Verstand” heranziehen, andererseits sich über Umfragen bzgl „antisemitischen Einstellungen” von Leuten in Europa entsetzt zeigen
  107. Es gab zB mal Leserbriefe im “Standard” von Ruth Wodak und Anderen zu einem Interview mit Ulrich Seidl über das Tabu der “Israel-Kritik”
  108. Es war in der Zeit von dem Anschlag in Halle, und dem Fussballspiel der Auswahlen Österreichs und Israels
  109. Ein Anderer der selbiges (?ab-) schrieb (die betreffenden Israelis seien keine Juden) in einem anderen Kommentar bei Yahoo: „Hinter Greta ‘neureich’ steht: die Open Society Foundations von George Soros! Soros steht als Galionsfigur der Eliten dieser Welt… aus diesem Grund darf auch Greta vor der Uno reden, bekommt Alternative Nobelpreise, wird medienmäßig hofiert!“. Das ist das Pro-Israel-Milieu
  110. Oder, wie hat Broder geschrieben: “Bei minderen Vergehen gegen Recht, Gesetz und Ordnung reicht der Hinweis auf den Migrationshintergrund gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit, um weitgehend Empathie mit dem Täter, Kritik am Verhalten des Opfers und die bewährte Frage zu evozieren: Was tun wir ihnen an, daß sie uns so hassen?“. Diverse andere Vergewaltigungs- und Belästigungsfälle bringen auch Risse in das Bild der Kulturkämpfer vom Westen als (sexuell) ungezwungen-freie und gleichzeitig frauenfreundliche Kultur. Und was von Rechts gegen G. Thunberg kommt…
  111. Siehe. Über diesen den globalen Süden verachtenden proisraelischen Diskurs bereits in Teil II der AS-Abhandlungen
  112. Auch bei “Hagalil”
  113. Erinnert an Jörg Haider, der sich während der Proteste gegen die Regierung mit FPÖ-Beteiligung 2000 mit seiner Familie in eine von Studenten besuchte Pizzeria in Wien setzte und sich dann als Opfer der “hinzugekommenen” Studenten gab
  114. Man sieht ja, wie gegen Unbequeme wie Watzal oder Schiffer gemobbt wird
  115. Zumal bei “IL-Kritik” vermeintliche Hintergründe hervor gezerrt bzw konstruiert werden, die Beweggründe bei IL-Apologetik aber…
  116. Der “neue AS” wird gerne als eine Art Querfront zwischen Moslems/Islamisten, Linken und gewissen Rechten (jene, die vom eigenen Brückenbau noch nicht erreicht sind) definiert
  117. Um solche wird es in einem der nächsten Artikel gehen…
  118. Der “seine” Artikel auf en. und de.wikipedia pfegt
  119. Diesbezüglich ist er zB in einem “Club 2” als Dummschwätzer aufgefallen, oder mit dem Buch über den “abgesagten Niedergang der USA” (“Wir sind alle Amerikaner“). Anstatt jenen entgegen zu treten die US-Amerikaner(innen) wie Alexandria Ocasio-Cortez oder Ayanna Pressley nicht als solche akzeptieren (wie Donald Trump) fordert er von Europäern eine Art Solidarität für die USA ein, für welche?
  120. Bei V. Orban sieht man zB wie daneben seine Einteilung der Welt ist: pro-israelisch, pro-amerikanisch (wenn kein “Neger” oder “Linker” dort Präsident ist) und in gewisser Hinsicht anti-europäisch und anti-demokratisch, jedenfalls anti-liberal; die Pelinkas versuchen ja weis zu machen, dass das Illiberale bei den “Antiamerikanern” und “IL-Kritikern” ist
  121. Zwei Brüder Otto Habsburgs haben sich auch mit jüdischen Nazi-Opfern verglichen und entsprechende Wiedergutmachungsforderungen gestellt. Dabei ging es um die Rücknahme (1938) der Rücknahme (1935) der “Habsburger-Gesetze” von 1919; wobei die Gesetzesänderungen ’35 ja zu Stande kamen, nachdem sich die Habsburger mit den damals in Österreich regierenden Austrofaschisten arrangiert hatten
  122. Andreas Koller pries in seiner Hysterie zum „antisemitischen“ Gedicht von Günter Grass 2012 2 Bücher an, von Broder und diesem Gottschlich; dass Koller keine “Berührungsängste” zum Broderismus hat, durfte nicht überraschen
  123. So etwas wie das oben über Zypern Geschilderte lässt sie natürlich aus
  124. Man ist an Norman Finkelstein erinnert
  125. Die IKG Wien verurteilte dessen Ausstrahlung im ORF
  126. > Gemeinsame Schnittmengen von Rechtsradikalen und Zionisten
  127. Andere nennen “antisemitisch”, was ihnen vor die pro-kapitalistische Flinte kommt
  128. Wen er (oder auch Joffe) von bzw in der USA und von/in Europa ausschliesst (von den Guten bzw den “Kriegführern”), sich das anzusehen, wäre seeeeeeeehhr aufschlussreich
  129. Taylor ist u.a. verbunden mit Dan(iel) Roodt, dem rechtsextremen südafrikanischen Weiss-Suprematisten. Roodt “legte nahe” (zB) dass Thabo Mbeki, Südafrikas zweiter Post-Apartheid-Präsident, kein Staatsmann sondern “ein kleiner afrikanischer Terrorist und Betrüger” sei. Das entspricht ziemlich der zionistischen Sicht auf palästinensische Politiker und Aktivisten, womit sich wieder ein Kreis schliesst
  130. Hat ein Thema, „Antisemitismus“ in Widerspruch zu Israel zu platzieren, Deutsche bekommen dabei die Chance, sich von den Orientalen abzuheben
  131. ZB „Von Auschwitz nach Entebbe – Israels Kampf gegen den Terror“…”die antisemitischen Wurzeln der palästinensischen Befreiungsbewegung in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts”…
  132. Es wurde also eine Vorauswahl getroffen, und alles Mögliche als “Antisemitismus” vereinnahmt
  133. Auch im Nachhinein. ZB: “Südafrika war ein wundervoller Ort, Schwarze durften nicht auf den selben Parkbänken sitzen wie wir, geschweige denn auf die selben Schulen gehen”
  134. Piwonka: “Man beachte die zynisch verharmlosende Formulierung”
  135. Zur chauvinistischen Affirmation von Israel als “liberal” auch in Teil II einiges
  136. 2013 erschien ihr zusammen mit dem US-amerikanischen Historiker Jehuda Reinharz verfasstes Werk „ Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert“,…
  137. Gerd Weghorn/Profiprofil: “Und Frau Schwarz-Friesel wird ihn entdecken, den Antisemitismus, der ja immer subtiler daherkommt – und wer weiß schon: woher? Und wer weiß: wohin er gehen wird, der ewig Wandernde?! Auf Schwarz-Friesel aber ist Verlass, sie wird den ‘latenten’, den flüchtigen, den virtuellen Antisemitismus der Zionisten für uns Steuerzahler dingfest machen – und für vierhundert mal tausend Euronen ist das doch wohl nicht zuviel verlangt….! Oder?”
  138. Ein Yahoo-Kommentar: “der völlig unbekannte Polak .. wenn Ich zu Ihm (berechtigterweise!) ‘Arsxxloch’ sagen würde, was bin ich dann? 1. unhöflich 2. Judenfeidlich 3. Jemand, der die Wahrheit sagt 4. Jemand, ohne Feingefühl 5. Taktlos 6. Er ein dünnheutiges, humorloser Dreckspenner, der blitzschnell die Opferkarte ‘Jude’ hervorholt, wenn es nicht nach seinem Gusto geht”
  139. Nun ja, Leute von der Antonio-Stiftung versuchen, “Antisemitismus” gegen Rassismus auszuspielen
  140. Wo er zB Recht hatte: CSU und Islamisten seien einander ähnlich
  141. Man sieht, die ansonsten vielbeschworene Streit- und Diskussionskultur fehlt, Rituale beherrschen die Szene, wenn erst einmal der AS-Vorwurf am Tisch ist
  142. Einer der Plattformen in denen Ulrich Sahm aktiv ist
  143. Reichen Polizei- und Justiz-Behörden nicht aus, Gesetzeswidriges zu verfolgen?
  144. Und auch nicht israelische Politik sowie Diskurse
  145. In einer Okto-“Nahost”-Diskussion hielt sie Doron Rabinoviczis Hinweisen auf eine “grössere Dimension” entgegen, wie sehr USA oder BRD IL (nicht zuletzt militärisch) unterstützten. Teilnehmer war auch Matthias Falter aus der “anti”deutschen Szene
  146. Wieso eigentlich “pro-palästinensisch”? Wenn es um den Einsatz für grundlegende Rechte geht. In Teil II ging es ja um rechtes Eintreten für Israel und Allianzen dorthin
  147. Bzw, seine Thematisierung damit zu ersticken. Und, auch jede Thematisierung der Besatzungssituation in Palästina und die ihr zu Grunde liegende Verachtung
  148. > Robert Wistrich, aber auch H.-C. Strache,…
  149. Es gibt einen Unterschied zwischen Selbstkritik und Selbsthass
  150. Die (hier bereits genannte) Journalistin einer rechten Gratis-Boulevard-Zeitung machte daraus eine “Story” mit einem “Terrorangriff
  151. Tiefenthaler, Wieselburg, Zimmer,…
  152. Das betrifft zB auch christliche Palästinenser…
  153. Aleksandra Bechtel von RTL zB warf “Bushido” “Antisemitismus” vor, weil dieser eine Landkarte Palästinas ohne Israel getwittert hatte
  154. Jener, der auf der Diskussionsseite des Wiki-Artikels des “Nahost-Korrespondenten” (für einige österreichische Medien) Segenreich schrieb “Ben segensreich ist korrespondent in ISRAEL, einen staat namens palästina gibt es nicht!! palästina bezeichnete vor der staatsgründung israels den betreffenden landstrich. der begriff palästina negiert explizit das existenzrech israels!” hat die Bezeichnung “(Korrespondent für Israel) und Palästina” gelöscht; dies wurde nicht rückgängig gemacht. Natürlich, Palästina hat kein Existenzrecht. Übrigens, die Berichte des Chemikers aus Wien für „Standard“ und ORF spiegelten seine privilegierte Stellung im israelischen System auch wieder
  155. Es gibt aber sicherlich auch jene, die die Randale als “Begleiterscheinungen” oder so sehen und da “nur” wegschauen, sie nicht befürworten
  156. Das betrifft natürlich nicht nur so etwas wie Grass’ Gedicht, sondern auch Sachbücher
  157. Und Manche nehmen Jean-Marie Le Pen nur seine Äusserungen über den Nazi-Völkermord an den Juden oder als er den Gazastreifen ein Ghetto nannte, übel
  158. Ja, es gibt (jüdische und nicht-jüdische) Israelfreunde die das ganz dezidiert als “Säuberung” im eigtl Sinn des Wortes verstehen
  159. Und es gab ja um 1948 eine grössere Vertreibungswelle, anlässlich dieser Nakba hat Marc Hill gesprochen
  160. Eher wird diese Thematisierung als “antisemitisch” ausgelegt
  161. Es sei an dieser Stelle auch angemerkt, dass der Empörungssturm über Martin Schulz’ Knesset-Rede, in der er das israelische Besatzungsregime über das Westjordanland sanft tadelte, nicht viel weniger schlimm ausfiel als der über Hills “genozidäre” Äusserungen. Nur nicht über das Essentielle reden… Und, jene politischen Kräfte in Israel, die den Palästinensern einen einigermaßen souveränen Staat, wenigstens in den Grenzen 48/49-67 zugestehen wollen, die sind eine sehr kleine Minderheit
  162. …Und ob in Folge die Gebäude mit ihren Stahlkonstruktionen durch die Hitzeentwicklung einstürzen konnten
  163. Er hat Tarafa B. gemeint oder dessen Frau Amina
  164. Samuel Huntington tat das etwa
  165. Und ähneln (tatsächlichen) antisemitischen Verschwörungstheorien
  166. Unter Anderem wurden die Täter/Handlanger vom offiziellen Israel geehrt
  167. Er wirkte mit Pipes, Glick, Dershowitz, Wistrich,… am Propaganda-/Hetzfilm “Obsession” mit
  168. Natürlich schätzt Orban Trump und umgekehrt, Strache nannte Orban “Mitstreiter und einsamer Verfechter eines christlichen Europas”, Seehofer lud ihn ein und Netanyahu ist hier natürlich auch nicht weit
  169. Und auf der fm4-hp jemand: “Kollegah und Farid Bang fabulieren von definierten Körpern von KZ-Insassen, eine Dokumentation wirft der deutschen Rapszene massiven Antisemitismus vor, europäische Regierungsmitglieder fahren Kampagnen gegen den jüdischen Mäzen George Soros – und Jüdinnen und Juden haben heute wieder Angst, in der Öffentlichkeit Kippa zu tragen. Es ist Zeit, wieder über Antisemitismus zu sprechen.” Und zwar mit (dem allgegenwärtigen “Experten”) Andreas Peham… Übrigens, seit wann tragen Jüdinnen Kipa? Dass es da für religiöse Frauen etwas Anderes gibt, darauf hat ja eine Kommentatorin kürzlich hingewiesen

Antisemitismus (II) – Israel und die Rechte

“Für Europa würden wir dort [in Palästina] ein Stück des Walles gegen Asien bilden. Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen. Wir würden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das unsere Existenz garantieren müßte” (Herzl). Europäer die Wilde unterwerfen, den wilden Orient beherrschen, das war und ist das vorherrschende Selbstbild des Zionismus… Israel als Mitglied der “1. Welt”, der Weissen, das sich gegen die unterentwickelten Orientalen behauptet (und nicht gegen die Holocaust-Urheber). Das bringt Sympathien und Bewunderung von westlichen Rechten. Und dann noch ein ethnischer Nationalismus, wie es ihn in Europa schon lange nicht mehr gibt. Und die Mythen von Bibel/Tanach. Und dann noch das scheinbar unschlagbare Argument der Solidarität mit den Juden nach dem Holocaust. Die “Araber” können mit ihren Ländern „nichts anfangen“, hat Erich/Arik Brauer gesagt, so sehen auch FPÖ & Co die Orientalen, deshalb bewundern Rechte Israel weil dort die einzigen vernünftigen, fleissigen,… Menschen weit und breit sind. „Konkret“ vor einigen Jahren: “Israel ist eine Agentur neuzeitlicher Aufklärung in einer Region weltgeschichtlichen Mittelalters“.1 So sahen es auch Mildenstein, Strauss, sieht es Trump,…!

Die Palästinenser als Teil einer grossen islam(ist)ischen Plage, die Muslime in Europa quasi die hiesige “Variante” davon. Und der Westen muss zusammenstehen dagegen. So ungefähr sehen das Deutsch-Nationale wie “Anti”deutsche, Nazis wie Zionisten, FPÖ wie JDL. Wobei “Islam” ein Platzhalter ist. So wie früher der “Kommunismus”. Jedenfalls, Rass(ist)isches, Kulturelles, Politisches vermischt sich stillschweigend. Man selbst ist natürlich aufgeklärt, Rückständigkeit ist Merkmal der Orientalen; man glaubt nur an hohe demokratische Standards bei Israel, in einer rückständigen Region. Und an israelische(s) “Sicherheits”-Lösungen/Know How. Und bewundert den israelischen Militarismus. Vielleicht auch das Kleinhalten Anderer damit. Europa ist jedenfalls so gleichgültig, apathisch, zu tolerant, steht nicht zu seinen Wurzeln. Und mit “Islamkritik” und Pro-Israel lässt sich sogar ein Deutsch-Nationalismus ausleben, ohne Ewiggestrige(r) zu sein. Die Sympathien westlicher Rechter für Israel wird erwidert2, aber die diesbezügliche neue Affinität ist nicht auf die Rechten hier und dort beschränkt.3 Der jüdische FPÖ-Politiker Lasar, der “Heimat hier wie dort schützen will”, ist da nur eine schwache Brücke, da gibt es ganz andere Verbindungen.4

Antisemitismus ist geächtet, hat als politischer Faktor ausgedient im säkularen, ethnisch durchmischten, postmodernen Westeuropa. Und Israel-Sympathie breitet sich im Westen weiter aus, und was sich hinter dieser versteckt, das wäre viele Analysen wert. Der Weg der bedingungslosen Solidarität mit Israel führt ebenso bedingungslos nach Rechts. An dieser Stelle sei Eines schon klar gesagt: islamistische Anschläge wie jene in Frankreich sind tatsächlich besorgniserregend; jene im Irak aber auch (muslimisch geprägte Länder leiden am heftigsten unter islamistischem Terror). Besorgniserregend ist es auch, wenn sich Moslems über Christchurch (den Anschlag) empören bzw Empörung erwarten, aber zu Colombo ruhig bleiben; jene Moslems die für sich Toleranz reklamieren, selbst aber keine haben/üben. Die jammern, dass “nackte Frauen” ihre Gefühle verletzten, aber so etwas wie zu Sylvester in Köln vor einigen Jahren nicht weiter schlimm finden. Und: Eigentlich ist es schlimmer, wenn Leute rein wegen biologischen Merkmalen oder der Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe angegriffen oder diskriminiert werden (wie Palästinenser von Israel) als für ein Kopftuch oder andere religiöse Bräuche.

Netanyahu, Lieberman, Bennett, Hotovely, Shaked,… sind im Grunde viel fragwürdigere Kreaturen als Strache oder Kneissl, Vilimsky. Der Rassismus des Netanyahu stellt jenen Straches (oder Berlusconis) locker in den Schatten, die von ihm ausgehende Gewalt ohnehin.5 Esther Shapira hat mal bei einer „Woche der Brüderlichkeit“-Veranstaltung gesagt, Palästinenser seien verantwortlich dafür, wen sie wählen (deutete an, sie seien zu messen daran).6 Eldad Beck sagte auch, die Hamas sei Stimme der Palästinenser, da von diesen gewählt. Israelis sind aber nicht verantwortlich dafür, wen sie wählen? Nein, sondern die die unter einer Besatzung leben, eine Besatzung die von gewählten Politikern angeordnet wird. Von Avigdor Lieberman zB, früher Evet Lvovich Liberman, aus Sowjet-Moldawien und von der Kach geprägt. Dass er sagt, Israel solle die “Westbank” annektieren, ist noch das wenigste; auch, weil israel de facto ohnehin über sie bestimmt, Palästinenser verdrängt. Er sprach auch davon, den Assuan-Staudamm zu bombardieren, Teheran mit Raketen anzugreifen.7

Da leuchten die Wangen

Haupt-Zielscheibe seines Chauvinismus’ sind aber die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft (die in den israelischen Grenzen 1948-67). Ihnen sollte bei “Illoyalität” die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Jene, die “Kollaborateure” seien, sollten hingerichtet werden. Palästinensische Politiker in Israel (“arabische Israelis”) beschimpft und bedroht er regelmäßig, nennt sie “Terroristen” oder “Kriegsverbrecher”, die “uns von Innen zerstören”…8 Zusammen mit Netanyahu versuchte er zunächst, mit einer  Erhöhung der Sperrklausel deren Parteien zu drangsalieren (die palästinensischen Parteien schlossen sich darauf hin zu einer Gemeinsamen Liste zusammen), dann erliessen sie ein Gesetz, das es der (jüdischen) Dreiviertelmehrheit im Parlament ermöglicht, einen (palästinensischen) Abgeordneten auszuschliessen, wenn ihr seine Ansichten nicht gefallen. Aber, die Zauberformel zur “Beschwichtigung” für all das: “Wir kämpfen um unser Überleben.” Sein Nachsatz “Aber nicht nur Israel, als Nächstes wird Europa an der Reihe sein.” Lieberman unterhält Kontakte u.a. mit Geert Wilders.9

Politiker wie Wilders können rassistisch sein, wie sie wollen, solange sie nicht israel-kritisch sind; bei Orban zeigt sich dass man auch in gewisser Hinsicht anti-jüdisch sein kann, nur eben nicht israel-kritisch (auf Israel gleiche Maßstäbe anlegen wie auf Andere)… Israel-Kritiker sind „Antisemiten“, Israelfreunde im Umkehrschluss Freunde der Juden. Rechtsextremismus, NS-Erbe, Zionismus, und das „Koscher“-Zertifikat. Das betraf früher auch Johannes Vorster oder Franz J. Strauss, heute auch Berlusconi, Trump oder Bolsonaro. Es gab und gibt da nicht nur eine “Honorierung” pro-israelischer Standpunkte, sondern durchaus auch Schnittmengen mit israelischen Politikern und Intellektuellen. Auch die AfD hetzt heute meist politisch korrekt, es gibt aber eine innere Auseinandersetzung diesbezüglich…und eine unter Juden sowie Israel-Freunden, dazu noch mehr. Gelegentlich kommt man ins Dilemma, da Antisemiten nur Israel-Gegner sein können. Auch bei Trump oder der FPÖ muss “man” gelegentlich Einiges in Kauf nehmen… Der von Israel praktizierte ethnische Nationalismus wird von jüdischen Interessensvertretern selbstverständlich verteidigt, überall woanders aber eigentlich abgelehnt; bezüglich Israel so rechts wie möglich, bzgl Diaspora-Juden so links wie möglich. Das korrespondiert mit der (vorgegebenen) Doppelnatur moderner Juden: Teil des Westens oder aber Opfer des Westens; Europa verlassen um Europäer zu werden.

Wie gesagt war/ist der Zionismus nicht die Antithese zum Faschismus, dennoch wird dies gerne behauptet, ja die Akzeptanz dessen eingefordert… Und wer Israel nicht unkritisch sieht, müsse aus dieser Ecke kommen, die Alternative zu (Philo-) Zionismus sei AS in irgendeiner Form, islamistischer oder klassisch-westlicher. Das Holokaust-Gedenken, seine Aufarbeitung, wird benutzt, IL sakrosankt zu machen und die AS-Definition auszudehnen, sich (auch) im Kontext des Zionismus) in die Opferrolle zu begeben. Der zionistisch konnotierte Pseudo-Antifaschismus, wie ihn etwa die “Anti”deutschen “beschwören”: Versuche einer Geschichtspolitik, hohle Gesten, Umdeklarierung des eigenen Rassismus… Heinz Brandt (* 1909 in Posen, † Januar 1986 in Frankfurt am Main, jüdisch) war kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, in der DDR zunächst SED-Funktionär und später politischer Häftling. Wandte sich gegen den SU-Kommunismus, 1979 war er Gründungsmitglied der Grünen. Über Teile der neuen Linken: “Wie mutig durchbohren sie immer wieder und wieder den längst toten Drachen, das Naziungeheuer, dem ihre Eltern huldigten – und unterlagen. Und wie munter kraulen sie die Zotten des lebendigen Drachens der Despotie, die aus dem Osten kommt – im Friedenspelz, im antifaschistischen Schafspelz.” Das trifft auch manche der hier Erwähnten zu.

Leopold von Mildenstein war SS-Offizier im SD, wurde dort “Judenreferent” (34-36), war Vorgänger Eichmanns (den er für sein Referat anwarb)…und pro-zionistisch. Sein Wirken stellt einen Aspekt der Nazi-Judenpolitik dar, der lange gut verborgen war, und bei dessen Thematisierung sich Manche nur dadurch zu helfen wissen, wild um sich zu schlagen. Er begrüsste den Zionismus aus einer Blut-und-Boden-Ideologie, wollte die “Judenfrage” mit deren Auswanderung nach Palästina lösen, traf sich hier mit deutschen Zionisten (damals eine Minderheit unter deutschen Juden), knüpfte positive Kontakte mit deren Vertretern. Und, im Herbst 1933 eine mehrmonatige Reise Mildensteins ins britisch kontrollierte Palästina, von deutschen Zionisten unterstützt, zusammen mit dem führenden deutschen Zionisten Kurt Tuchler (1. WK-Teilnehmer, jüd. Burschenschafter, Freund von W. Benjamin, L. Freud) samt Gattinnen. 1934 eine Serie darüber in der Nazi-Zeitung “Angriff”: “Ein Nazi in Palästina”, voller Bewunderung für zionistische Siedler, deutsche Zionisten und der Nazi sahen beide den Wilden Orient in dem man mit einem grossen Besen durchkehren müsste, eine passende Lösung der Judenfrage, Blut-und-Boden-Lösung. Die Nazis liessen sogar eine Medaillie prägen, die Hakenkreuz und Davidstern auf den 2 Seiten zeigte…

35 war Mildenstein in seiner Funktion Beobachter beim Zionistischen Kongress in der Schweiz, die Tuchlers auch dort, dort wurde ein Boykott von Nazi-Deutschland beantragt, v.a. die deutschen Delegierten waren dagegen, v.a. weil sie noch mit Unterstützung durch den NS rechneten. Von Mildenstein holte als Referent für seine Abteilung auch Adolf Eichmann aus einer anderen SD-Abteilung, der dann nach weiteren Stationen das Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt aufbaute. Mildenstein wird nach 45 eine Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung angedichtet, eine mit der CIA ist wahrscheinlicher, er arbeitete jedenfalls für Coca Cola in (West-) Deutschland… 1980 brachte die renommierte britische „History Today“ einen sachlichen, eher zionismus-freundlichen Artikel über diese Reise und die Umstände und löste damit wütende Proteste, Drohungen und Sabotageversuche aus. Es sind Charakterzüge des Zionismus (siehe dazu auch den Teil über den revisionistischen Zionismus unten), die man heute liebend gerne verbergen würde. Noch dazu, wo es hier um einen Zusammenhang mit Nationalsozialismus und Holocaust geht.

Ein Robert Schediwy hat im de.wiki-Artikel kommentiert: “Mildensteins Reise von 1933 und die danach geprägte Medaille werden ebenso wie das Ha’avara-Abkommen gelegentlich von rechtsgerichteten und israelfeindlichen Autoren als Beleg für ein konspiratives Zusammenarbeiten von Nationalsozialismus und Zionismus missverstanden.” So unenzyklopädisch diese Bearbeitung auch ist, so lange hatte sie auch Bestand. Hier bereits der Versuch der Umdrehung der nazi-zionistischen Zusammenarbeit (Diffamierung jener die sie thematisieren). So sehr man versucht, palästinensische Anliegen durch den NS-Versuch der Aufwiegelung von arabischen Völkern gegen Grossbritannien sowie moslemische Kollaborationen zu diffamieren, so sehr will man zB die Anerkennung des Zionismus in Deutschland durch den Nazi-Funktionär Mildenstein zum Anathema machen (bzw sein lassen). Das gilt auch für den aktuellen Kontext, Unterstützung für israel von ganz rechts, oder aber vermeintliche Querfronten gegen Israel. Der Westen (und auch Israel) hat NS-Sympathisanten unterstützt, wenn es ihm in den Kram passte.

Kaum irgendwo waren Post-Nationalsozialismus und Zionismus so nahe bei einander wie bei der Unterstützung der Apartheid in Südafrika, darüber ausführlich im entsprechenden Artikel. Im Teil über Trump und die Republican Party unten finden sich aber auch diesbezügliche Querverbindungen. Und wie ist das bei der FPÖ, der AfD,…? In der unmittelbaren Nachkriegs-/ Nachfaschismuszeit warfen Deutsche Palästinensern bereits vor, das Land über die Jahrhunderte “verfallen gelassen zu haben”, auch andere Ressentiments tauchten schon damals auf. Etwas was man (zuhauf) auch ggü Afrikanern und anderen “braunen Völkern” findet… Israel, eine Insel des Lichts in einer Region der Dunkelheit, in mehrerer Hinsicht, aus Sicht seiner Anhänger; Juden als Teil des Westens, der gegen den unterentwickelten Orient gewinnt; und wir Österreicher/Deutsche stehen diesmal auf der richtigen Seite.10 Jemandes Nazi-Vergangenheit wird bei Israel-Lob normalerweise nicht bemüht.

Nun zum revisionistischen Zionismus bzw der zionistischen Rechten. Ihr Mit-Gründer Vladimir Z. Jabotynski hat einst mit Petljura verhandelt, so wie Herzl mit Plehve, Tuchler mit Mildenstein, Rabin (und Andere) mit Vorster,… Ein wichtiger Wegbegleiter/Mitarbeiter von Jabotynski war Benzion Mileikowsky (nahm den Namen “Netanyahu” an) aus Polen, der Vater des jetzigen israelischen Führers. Christopher Hitchens (Islamkritiker aber nicht unbedingt Israelanhänger) hat einmal in einem Artikel aufgezeigt, wie Benzion Netanyahu (Mileikowsky), vom selbsterklärten Faschisten Ahimeir/Geisinovich beeinflusst wurde, und letztendlich auch Benjamin Netanyahu.11 Der “Revisionismus” war für die militärische Eroberung von ganz Palästina und Ausweisung/Unterwerfung seiner Einwohner, ausserdem die Inbesitznahme der Gebiete östliche des Jordans/Urduns (die nach dem 1. WK auch von osmanischer in britische Herrschaft übergingen und dann [Trans-]Jordanien wurden). Zu Benzion Mileikowsky/Netanyahu ist auch dieser “Haaretz”-Artikel informativ.

Wichtigste Organisation der Revisionisten war die Terrorgruppe/Miliz IZL, die sich 1931 von der (“sozialdemokratisch” dominierten) Haganah abspaltete, mit dem späteren israelischen Premier Biegun/Begin als Führer. Die Irgun Zwai Leumi war zeitweise mit den Briten verbündet, im Gegensatz zu LEHI anscheinend nie mit den Achsenmächten verbunden. 1948 ging der politische Arm der IZL in die Partei Herut über, der militärische in die israelischen Streitkräfte (ZHL). Die IZL verübte Terroranschläge auf britische und palästinensische Ziele, selten auf militärische Ziele. Wenn es um (gegen) Briten ging, hat sie auch gelegentlich vorher Warnungen geschickt. 1946 der Anschlag auf das “King David”-Hotel in Jerusalem/Quds, das auch britisches Hauptquartier war, wahrscheinlich war auch die Haganah beteiligt. Es ging um Rache für das britische Vorgehen gegen zionistische Milizen/Terrorgruppen. Der Vater der israelischen Politikerin Tzipora “Tzipi” Livni, Eitan Benozovich (ebenfalls aus Polen), ein führender “Aktivist” der IZL, war etwa 3 Monate zuvor festgenommen worden. Drei Monate nach seiner Festnahme legten Irgun-Mitglieder im Jerusalemer King-David-Hotel eine Bombe, die 91 Menschen tötete.

Nur 16 waren britische Soldaten oder Polizisten, der Grossteil war Hotelangestellte und Palästinenser. Die Täter dürften als “Araber” verkleidet im Hotel die Bombe gelegt haben; es ist bis heute der tödlichste Terroranschlag im ganzen Palästina-Konflikt und einer der tödlichsten im 20. Jh weltweit. Auf Repressalien der Briten danach reagierten Zionisten mit Hinrichtungen von gefangenen britischen Soldaten. Die telefonischen Warnungen im Vorhinein sind in Details umstritten. Die IZL übernahm die Verantwortung, schob sie wegen der Nicht-Evakuierung aber gleich an die Briten weiter und beklagte jüdische Opfer (angeblich 17). Der zionistische “Hauptstrom” distanzierte sich teilweise vom Attentat, begrüsste es teilweise heimlich. Begin behauptete in seinen Memoiren sogar, dass die Briten das Gebäude absichtlich (deshalb) nicht räumten und Zivilisten drinnen liessen um “jüdische militante Gruppen zu verteufeln”… Netanyahu junior redete anlässlich eines Jubiläums des Anschlags von einem “legitimen militärischen Ziel” und hob die Sache mit der Warnung heraus, um chauvinistisch einen “Unterschied” zu heutigen Anschlägen gegen Israel/den Zionismus hervor zu heben. Beschönigungen prägen den zionistischen Umgang mit dem Attentat bis heute, dies und die “zwiespältige” Haltung ggü den Briten drückt sich im Text auf der Erinnerungstafel zum 60-Jahr-Jubiläum aus, der in Hebräisch anders ausieht als auf Englisch.12

Die LEHI oder “Stern-Gruppe” war eine noch radikalere Abspaltung von der IZL. Die LEHI trug sich den Nazis an und anderen europäischen Faschisten, 1940/41, trotz deren Antijudaismus und damaligen Massentötungen von Juden in Europa (v.a. seinem Osten), gegen die Briten. Beide Kräfte waren gg die jüdische Diaspora, das Religiöse, das Orientalische,… Manche haben mit der faschistischen Terrorgruppe kein grösseres Problem, dass sie “abwertend” Stern-Bande genannt wird. Andere sehen schon Thematisierung ihres Charakters als “Antisemitismus”. LEHI-Leute töteten 1944 Walter Guinness (den Lord Moyne), damals britischer Resident in der Region.13 1948, im Palästina-Krieg, ermordete LEHI wie erwähnt UN-Vermittler Folke Bernadotte. Aus der Herut ging der Likud (und im Endeffekt alle zionistischen Rechtsparteien) hervor. In der Tradition von Jabotynski, dem Revisionismus und IZL stehen auch die Gruppen, die auf Meir Kahane zurückgehen, einen US-amerikanischen Rabbiner, also JDL, Kach,…

Das offene Eintreten für ein Gross-Israel (grösser als mit Westjordanland und so) und für Ausweisungen der Palästinenser findet sich dort, dazu kommt das Bekenntnis zu einem theokratischen Staat. Die aktuelle Kahanisten-Partei ist Otzma Yehudit, geführt von Michael Ben-Ari, der von der ersten Wahl heuer ausgeschlossen wurde. Und verbündet mit Netanyahus Likud. Kahanisten sind in zentralen Punkten offener als der Hauptstrom, zB was jüdische Vorherrschaft betrifft. Otzma bekam in der 2. Wahl 19 keine Mandate (und trat nicht mehr in einem Kleinbündnis mit anderen Rechtsextremisten/Faschisten an), ansonsten wären auch Kahanisten in der nächsten (israelischen) Regierung möglich gewesen. Der anti-arabische Rassismus des Kahanismus ist für Netanyahu schon mal gar kein Problem und für den israelischen Hauptstrom kaum.14

Auch heute knüpft der revisionistische Zionismus, also Likud, Kontakte zu Rechtsaussen-Parteien in Europa, mit “dem Islam” als gemeinsamen Feind. Das bringt diesen Rechtsparteien, wie FPÖ in Österreich, die Anerkennung (und das Selbstverständnis) “keine Antisemiten” mehr zu sein. Und der israelischen Rechten mehr Unterstützung aus dem Westen für ihre Vertreibungen von und Gewalt gegen Palästinenser. Dass sich Rassismus beider Seiten nicht nur gegen Moslems richtet, versteht sich von selbst. Gegen Christen wie Azmi Bishara oder Zoroastrier wie Trita Parsi wird ebenso gehetzt, wenn es politisch passt, Orientale sind eben “Ziegenficker“. Gerade aus der Likud-Ecke wurde immer gegen Barack Obama gehetzt, auch ein “Anti-Semit” sei er; da verbindet sich Israel-Lobbyismus, Rassismus, Islamophobie,… Und der FPÖ/ÖVP-Mensch aus Österreich kann jetzt auch kommen und den “Neger” den er ablehnt, politisch korrekt als “Antisemiten” aburteilen. Leider ist das inzwischen typisch für die Behandlung des “Antisemitismus”-Themas. Pirincci, Grass, Hamsun, Strache, Bernadotte, Pinochet, Obama,… – und die Einteilung in “Gut” und “Böse”.

Im israelischen/zionistischen politischen Spektrum ist Netanyahu bzw der Likud in der Mitte, was aber einiges über dieses Spektrum aussagt. Die Grundlagen für diesen Staat wurden von Politikern und Militärs (und Wissenschaftern) der Arbeiterpartei/Avodah (in der Mapai-Tradition) geschaffen. Die Sicht auf die Palästinenser und die Region als auf einer niedrigeren Stufe gibt es dort erst Recht. Ben Gurion (Grün) Führer des zionistischen Projekts in Palästina von den 1920ern bis in die 1960er, war, was Nicht-Juden/Palästinenser betrifft, kaum zu überbieten an Feindseligkeit. Oder Theodor “Teddy” Kollek, ebenfalls von der Avodah, der langjährige Bürgermeister von Jerusalem, nach der Eingliederung auch vom Osten der Stadt. Kollek war zuvor Haganah-Fädenzieher, dann Gurion-Handlanger. Der ebenfalls österreichisch geprägte Journalist Ari Rath über ihn: “Er hat mit seiner Toleranz und Menschlichkeit die Reibungen etwas ausgeglichen. Aber man soll sich nicht irren, was Jerusalem betrifft, war Teddy Kollek ein ganz starker, strenger, israelischer Patriot. Er hat den Bau der Siedlungen um Jerusalem unterstützt. Er hat auch immer gesagt, Jerusalem kann nie geteilt werden. Es soll palästinensische Bezirke mit Selbstverwaltung geben, aber Jerusalem sollte als ganzes israelisches Territorium bleiben.” Er war auch ein Freund des “Kronen Zeitung”-Herausgebers Hans Dichand, der auch einen jüdischen Preis bekam.15

Es ist leicht, Kahane als “Extremist” zu verurteilen, aber seine Anhänger hätten nicht die palästinensischen Restgebiete samt Einwohner als “Spielwiese” für ihren Chauvinismus, wenn nicht die von der Avodah/Arbeiterpartei dominierten Regierungen mit dem israelischen Militärapparat nach den Eroberungen 67 dort das Siedlungsprojekt begonnen hätten. Und Netanyahu bekommt im Westen erschreckend viel Akzeptanz… Die Führer des jetzigen (“blau-weissen”) Gegenbündnisses, Benjamin Gantz und Yair Lapid, sind aber bezüglich der Palästinenser kaum “besser”. Der nationale chauvinistische Konsens. Die rechten Zionisten (und rechte Anhänger vom Zionismus) heucheln nicht vor, dass Israel antirassistisch-universalistisch agieren bzw sein soll. Rechter und “linker” Zionismus, der Unterschied zeigt sich zB bei den Erklärungen von Rafael Eitan und Shimon Peres zur Kooperation mit Apartheid-Südafrika, die sie im Nachhinein dazu abgaben. Eitan stand dazu, auch zur damaligen Sicht wonach Israel und die Weissen in Südafrika viel gemeinsam hätten, nicht zu ihrer Region gehörten, diese bekämpfen müssten, etc; Peres & Co lamentieren, dass sie keine andere Wahl gehabt hätten, dass es “antisemitisch” sei, Israel diesbezüglich “herauszuheben”,…

Der Krieg Israels gegen die Nachbarländer 1967 markiert in mehrerer Hinsicht einen Wendepunkt – auch was die Haltung westlicher Rechter ggü Israel betrifft. Die (neue) Linke war zumindest in der BRD, Österreich bis 67 “aus Holocaust-Gründen” (primär) proisraelisch, dann übernahmen die Rechten diese Rolle. Der “Spiegel” damals: “Ausgerechnet Juden, die deutsche Nazis für feig, faul und verkommen hielten, gewannen im Gegensatz zu deutschen Herrenmenschen schon zum drittenmal einen [von ihnen begonnenen] Krieg gegen eine erdrückende Übermacht.” Israel wurde für Rechte ein positives Gegenstück zum eigenen satten, friedlichen, toleranten Land, in dem das Militärische weitgehend auf den Wehrdienst begrenzt war (und „Wachdienste“ für die USA), und zum (Diaspora-) Judentum, wie man es “gewohnt” war (darauf hat es der Zionismus auch angelegt). Ulrike Meinhof damals in “konkret”: “Nicht die Erkenntnis der Menschlichkeit der Juden, sondern die Härte ihrer Kriegsführung, nicht die Anerkennung ihrer Rechte als Mitbürger, nicht die Einsicht in die eigenen Verbrechen, sondern der israelische Blitzkrieg, die Solidarisierung mit der Brutalität, die Vertreibung, die Eroberung, führte zu Solidarität…Erfolg und Härte des israelischen Vormarsches lösten einen Blutrausch aus, Blitzkriegtheorien schossen ins Kraut, BILD gewann in Sinai endlich, nach 25 Jahren, doch noch die Schlacht von Stalingrad…der Einmarsch in Jerusalem wurde als Vorwegnahme einer Parade durchs Brandenburger Tor begrüßt. Hätte man die Juden, statt sie zu vergasen, mit an den Ural genommen, der zweite Weltkrieg wäre anders ausgegangen, die Fehler der Vergangenheit wurden als solche erkannt, der Antisemitismus bereut, die Läuterung fand statt, der neue deutsche Faschismus hat aus dem alten gelernt, nicht gegen – mit den Juden führt der Antikommunismus zum Sieg.“ Das Meiste davon ist nach wie vor aktuell… Bei einer Minderheit war der alte Antisemitismus doch stärker als die neue Begeisterung für die militärisch überlegenen Israelis.

Mit der Islamkrise ab etwa 2001 kam nicht nur die rechte Israel-Begeisterung zu neuen Höhen, auch die Linken im Westen wurden wieder pro-israelisch. Die Projektion eigener nationaler Wünsche auf Israel spielt beim “Philo-Zionismus” sehr oft eine entscheidende Rolle…nicht zuletzt bei Deutschen und Österreichern. Was Rechten an IL gefällt und wie rechts IL ist, zeigt sich zB am Nationalstaatsgesetz, das 2018 erlassen wurde und Teil der De-facto-Verfassung des Staates wurde. Die Definition Israels als jüdischer Staat, die de jure und de facto immer da war, wird darin „bekräftigt“. Es definiert Israel als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“, in dem allein Juden das “Recht auf Selbstbestimmung” haben. Es richtet sich v.a. gg die „israelischen Araber“, die aber ohnehin immer Bürger dritter Klasse waren. Hebräisch wurde alleinige Nationalsprache, Arabisch herabgestuft. Israel war ohnehin immer nur der Staat der Juden, hier wurde die Schein-„Gleichberechtigung“ der „israelischen Araber“ auch offiziell eingeschränkt. Und das geschieht mit der Umdrehung der Opferrolle, der Vernichtungsrhetorik des Zionismus. Es sei Ziel der Palästinenser, „den Nationalstaat der Juden zu vernichten“, das Gesetz solle sicherstellen, dass Juden „ein freies Volk in unserem Land“ sein können…, sagte der Likud-Abgeordnete “Avi” Dichter, ein ehemaliger Geheimdienst-Chef. Netanyahu postete auf Instagram, dass Israel nur seinen jüdischen Bürgern gehöre.

Wenn so etwas irgendwo anders (und mit Juden als Minderheit) verabschiedet werden würde… Im Westen haben Juden gleiche Rechte, Nicht-Juden unter israelischer Herrschaft nicht. Israel steht dafür, dass es keine Gleichberechtigung von Juden und Nichtjuden gibt. Israel ist als Ethnokratie attraktiv für Rechte im Westen, praktiziert einen Ethnonationalismus, sodass nicht jeder eingewanderte Chinese oder Afrikaner gleichrangiger Bürger werden kann, herrscht über “Niederrangige”. Israel ist auch/gerade in den offen rassistischen Kreisen hoch angesehen, mit seinem völkischen Nationalismus, mit seiner Privilegierung einer Bevölkerungsschicht, die Manche hier auch gerne hätten.16 Juden dort werden nicht mehr als gefährdete oder aber “schädliche” Minderheit wahrgenommen, sondern als Herrscher des Landes, das sie zudem “aufblühen” liessen. Rechte westliche Israel-Fans sind eigentlich Jene, die den Zionismus ganz richtig verstehen, nicht die (pseudo-) linken Israel-Fans.17 Wenn es um eine Neudefinition von Nation(alem) geht, spielt Israel (als Ethno-Staat, der über Andere herrscht, sich nicht um Gleichheit schert) gerne eine Vorbildrolle. Vor Allem für jene, die Hass auf „Multikulti“ und “Ethno-Pluralismus” empfinden.

Schnitt, in das Lettland der Zwischenkriegszeit. Karlis Ulmanis war im unabhängigen Lettland vor dem Einmarsch der Roten Armee und dann der Wehrmacht Minister-, dann Staatspräsident einem autoritären System. Es war eine von mehreren Halbdiktaturen in Europa damals. Ulmanis propagierte “Lettland den Letten”, führte Diskriminierungen der Minderheiten ein, das waren damals hauptsächlich Deutsche, Juden, Polen. Diese wurden toleriert, den ethnischen Letten aber klar untergeordnet. Ein solcher Nationalismus ist Normalität in Israel… Was das undemokratische Gebahren anbelangt, Ulmanis liess das privilegierte Volk, die ethnischen Letten, nicht mehr wählen und liess Protagonisten verschiedener politischer Richtungen inhaftieren, ein Unterschied. Von Israel werden “Protagonisten” des beherrschten Volkes (das in einer Besatzungssituation lebt) inhaftiert.

Zur rechten Freude über Israel trägt auch bei, dass sich die jüdische Härte nicht gg Verantwortliche des Holocausts sondern gg „unterentwickelte Völker“ richtet. Rechte, die Israel “in Schutz nehmen”, sich mit ihm identifizieren, es liebkosen, um mit ihrem Rassismus durchzukommen, um Progressivität, Aufgeklärtheit vorzuheucheln… Und da geht es nicht nur um “Islam” und “Moslems”, da vermischt sich Einiges, Hass ggü Obama, seiner Politik und seiner Herkunft, Nelson Mandela sei sehr wohl ein Terrorist gewesen18, Rigoberta Menchu eine Lügnerin19, man propagiert ein “weisses und islamfreies” Europa, Rassismus (im Westen) an sich wird verharmlost (von Leuten die das nicht einschätzen können)20, die Antikriegsbewegung mit Nazis gleichgesetzt,… Trump, Netanyahu, Strache, al Saud…und der „Schutz“ von Grenzen vor „Eindringlingen“. Zum “Ausgleich” sagt man dann, dass die “Weisen-Protokolle” in arabischen Ländern und Iran die grösste Auflage hätten, rümpft die Nase, man ist aufgeklärt, die sind es nicht. Frischzellenkur für Rechte…nicht um verräterische Ethnizität geht es, sondern “Kultur”. Manches aus diesem “Konglomerat” gab es früher im Zeichen des “Antikommunismus”.

Und natürlich das israelische Militär… Für den französischen Autor, Offizier, Militärtheoretiker Jean “Lartéguy” (Osty) waren die Israelis die Soldaten, die seinen Idealen und seiner Vorstellung von Effektivität am nächsten kamen. “Guerre d’Algérie” wurden in Hebräisch übersetzt und im israelischen Militär anscheinend zu Ausbildungszwecken verwendet, die Anerkennung war also gegenseitig. In den 1970ern warf er Israel gleichwohl vor, sich zu sehr von amerikanischer Waffentechnologie abhängig gemacht zu haben, dadurch “ihre frühere Qualität” verloren zu haben. Vor einiger Zeit eine ATV-Doku über “Selbstverteidigung” (in Österreich), gleich zwei Rechts-Machos mit Schusswaffen traten auf, mit IL-Sympathie/-Bewunderung/-Connection. Mit so etwas haben die “liberalen Zionisten” (Regenbogenfahne, Homosexuellenrechte…), wie es sie auch in Wien gibt, gleichwohl nie ein Problem. Ein Broder oder Finkielkraut wiederum können mit solchen Zionisten nicht viel anfangen.

Für Apartheid-Premier Vorster wurde in Jerusalem der rote Teppich ausgerollt, später kam Strache mit Burschenschafter-Kappe nach Yad Vashem…Norman Finkelstein aber zB wurde die Einreise in Israel verwehrt, Günter Grass bekam ein Einreiseverbot, von den Palästinensern, die von dort stammen, ganz zu schweigen. Ein Netanyahu stellt einen Strache mit seiner Politik und Rhetorik locker in den Schatten, mit seinen rassistischen Herabsetzungen von Menschen in der Region, in der “Israel” gegründet wurde. Auch den Holokaust würde er am liebsten den Palästinensern zuschieben (siehe Teil I), (echt) liberale Juden wie Soros gibt er für antisemitische Angriffe frei (s.u.). Über Israel-Solidarität wird eine Anschlussfähigkeit zu rassistischen Diskursen hergestellt; globalpolitician, vdare oder frontpagemagazine sind so Treffpunkte für Chauvinisten von hier und dort, was den englischsprachigen Raum betrifft. Alte europäische/westliche Rechtsextremisten wie auch rechtsextreme Zionisten sind besorgt, ihr Image zu modernisieren, und in Zeiten von Islamismus und Islamophobie geht das auch ziemlich leicht. Aber es gibt Zustrom und Akzeptanz aus der Mitte für die entsprechenden Diskurse.

Im deutschsprachigen Raum gibt es nicht nur Broder, der für so gut wie alle rechten Inhalte seinen Segen gibt, Blanko-Schecks verteilt. Ralph Giordano: “Was, Germania, ist hier falsch gelaufen? Damit komme ich auf jene professionellen Multikulti-Illusionisten, xenophile Anwälte aus der linksliberalen Ecke, wie Hans Christian Ströbele und Claudia Roth, gnadenlose Verneiner berechtigter Eigeninteressen der Mehrheitsgesellschaft und Großverhinderer jeglicher realistischen Lagebeurteilung des Immigrantenproblems – sie sind im Auge zu behalten.“ Fragt sich auch, was zu diesen berechtigten Eigeninteressen der “Mehrheitsgesellschaft” zählt und wie sie abgegrenzt ist… Es gibt mehr Buddhisten als Juden in der BRD (ca. 270 000 zu 200 000), und was folgern wir daraus? Mossab H. Yousef oder Ahmad Mansour kann man als “gnadenlose Verweigerer von berechtigten Interessen der (palästinensischen) Mehrheitsgesellschaft” sehen. Walter Zeev Laqueur, jüdischer Brite und Amerikaner deutscher Herkunft, ein Gelehrter, der u.a. als “Terrorexperte” gilt, schrieb das Buch „Die letzten Tage von Europa“; es gäbe hier eine “Entvölkerung” (niedrige Geburtenrate), Masseneinwanderung (> Moslems), „Appeasement“, Europa sei ängstlich, apathisch,… (> BHL, Broder,…).

Rechte Politik mit Pro IL verkaufen (zB Philipp Missfelder, Helmut Markwort) oder aber durch rechte Einstellungen auf Pro IL kommen (zB Christian Ortner, José Aznar), da gibt es einige feine Unterschiede. Jedenfalls muss man damit nicht auf seinen Rassismus verzichten. Der Kampf gegen Anti-Rassismus ist denn auch etwas, dass zionistische und westliche Rechte eint; was man auch an der Hysterie über die Antirassismus-Konferenzen unter UN-Auspizien (2001, 2009, 2011) sieht, die nach dem Tagungsort der ersten Konferenz in Südafrika “Durban-Konferenzen” genannt werden.21 Stolz wird berichtet, dem Mossad sei die Unterwanderung der französischen Organisation SOS-racisme (SOS-Rassismus) gelungen, damit die “Enttarnung” von Antirassismus und Palästina-Solidarität als “antisemitisch”… Und, der Rassismus im Fahrwasser der Israel-Solidarität ist etwas, vor dem normalerweise die Augen verschlossen werden. Dass und wie Antijudaismus über den „Umweg“ „Israel-Solidarität“ in Moslemophobie übergeht (übergegangen ist), kann man zB bei Gudrun Eussner anschauen > Es müsse nur jeder seine Erfahrungen mit Moslems abgleichen mit dem was (von Leuten wie ihr) über diese geschrieben wird.

Der Rechtsextreme Patrick Brinkmann hat “erkannt”: „Nicht Juden sondern Moslems sind das Problem“. Ja, in der “westlichen” Rassenhierarchie sind die Moslems/Orientalen eigentlich unter den Juden. Moslems sind keine Rasse und wie erwähnt, Nicht-Moslems aus “diesem” Kulturrraum wie Bishara oder Parsi werden da immer mit eingeschlossen. Manche sehen sich gezwungen, Anti-Regime-Iraner oder Kurden “auszuzunehmen, bzw welche heraus zu picken, versuchen zu vereinnahmen. Und, es geht hier oft im gleichen Maß gegen “Farbige” generell wie gegen „Moslems“. Mit dem “Antisemitismus”-Vorwurf stellt man sich in eine scheinbar hehre moralische Position, über “AS”-Hysterie werden rassistische Bedeutungsinhalte transportiert, Feinbilder konstruiert…Eigenen Rassismus und Ressentiments als “Kampf gg Antisemitismus” (und “für Frauenrechte”, “gegen Schwulendiskriminierung”,…) deklarieren, kommt nicht selten vor. Diese Ressentiments ausleben und gleichzeitig reinwaschen, auf scheinheilig.

Als Lega (Nord) – Chef Matteo Salvini wieder einmal nach Israel reiste, schrieb der jüdische italienische Künstler Stefano Levi Della Torre eine Art offenen Brief, an die Juden Italiens gerichtet; es sei alarmierend dass Netanyahu Salvini mit einer Pro-Israel-Lizenz ausstatte, die diesen von “Antisemitismus” freispreche während er mit seiner xenophoben, rassistischen Kampagne fortfährt, die auch Bündnisse mit antisemitischen Kräften in Italien und Europa inkludiere. Salvini sagte anlässlich dieses Besuchs brav, der “wachsende Antisemitismus” ginge Hand in Hand mit islamischen Extremismus, und (Alarmismus) niemand beachte das. Und zu Levis Brief, “Ich brauche mich nicht jedes Mal rechtfertigen, wenn ich nach Israel fliege”. Meinungsverschiedenheiten wie diese unter den italienischen Juden gibt es vielerorts, nicht nur in Europa. In Österreich hat zB der Künstler Arik Brauer Strache den “Segen” erteilt, während Andere in den jüdischen Gemeinden bemängelten, dass ein anderer FPÖ-Mensch (Vilimsky) während einer der letzten Gaza-“Kriege” Israel kritisierte… Gelegentlich wird auch thematisiert, dass eine Abkehr vom Antisemitismus nur zur Stärkung eines anderen Rassismus’ eigentlich widersprüchlich und heuchlerisch ist.22

Was dabei in der Regel unter den Tisch fällt: Wenn europäische Rechtsaussen Israel besuchen und die dort Regierenden wie Netanyahu, Bennett, Lieberman oder Yishai treffen, stellt sich die Frage, auf welcher Seite eigentlich die “unappetitlicheren” Rechtsaussen sind! Über den “Antisemitismus” von Salvini, Strache oder Le Pen wird gesprochen und geschrieben, und Islamismus und Terror und den Westen, aber nicht über die gemeinsamen Feindbilder der Rechtspolitiker beider Seiten… In den Pro-Israel-Kreisen wird auch unterschiedlich mit der Kollaboration israelischer und jüdischer Funktionäre mit westlichen Rechtspolitikern umgegangen, das geht von der Affirmation der Rechten als “antiantisemitische und antiislamistische Kräfte” (Maul, AfD, >) über Lippenbekenntnisse zur Abgrenzung bis zu Versuchen der Umdrehung (Rechte seien in Wirklichkeit mit Moslems/Islamisten gegen Juden/Zionisten verbündet, in Querfront mit Linken/Antiimperialisten; der Zionismus sei erhaben über Verbindungen dieser Art).

“AS”-Anklagen von Rechten dienen meist der eigenen Reinwaschung/Profilierung, der Formulierung eines neuen Fremdenhasses sowie Abrechnungen mit Linken. Der der sich zum Inquisitor macht, braucht sich nicht mit seinen eigenen Sünden auseinander zu setzen, will ablenken was für ein Drecksschwein er selber ist (und nicht Saubermann). Man entsorgt quasi die Nazi-Vergangenheit über die Moslems, und packt Leute wie Grass zu Ersteren dazu. Mit der “AS”-Beschuldigung erscheinen Rowdies zivilisiert, obwohl es sich dabei oft um böse, rassistische Attacken und Verleumdungen handelt. Palästinensern, Arabern, Moslems, Orientalen werden die eigenen, verdrängten, Ressentiments umgehängt, ein Fremdenhass mit „Antisemitismus“-Chauvinismus wird formuliert. Österreicher die Krieg wollen wie der Opa und auch andere Kulturen verachten, sind dann „AS“-Bekämpfer, können damit ihren Rassismus behalten. Nein, ich kann kein Rassist sein, Antisemit auch nicht, ich bin ja proisrael. “Antifaschismus” über “Israel”, ohne wirkliche Läuterung. Auch für im Grunde antijüdische Rechte ist das Schwingen der AS-Keule, v.a. im Nahost-Kontext, eine Option, gg Linke und “Orientale”.

Die „Aufarbeitung“ von NS/Holocaust sowie der „Kampf gg Antisemitismus“ findet in Deutschland/Österreich zunehmend über andere Rassismen statt. Den Islam zum NS machen, um aus seinem Rassismus etwas „Antifaschistisches“ machen zu können, wie bei Nicolaus Fest… Israelliebe als Ersatz für eine Abwendung von bzw Auseinandersetzung mit Rassismus usw. > M. Stürmer. Andere finden in Israel-Identifikation nicht nur ihr ersatzvölkisches Betätigungsfeld und die Lizenz zum Rassismus, sie schlüpfen durch die Annahme einer jüdischen Identität selbst in eine Opferrolle… Wer für Israel ist, kann nicht antisemitisch sein, kann nicht rechtsextrem, rassistisch, nicht deutsch-national, undemokratisch, fanatisch sein, hat eine Exkulpation. Kann seinen Ausländerhass legitimieren, linke Anliegen delegitimieren. “AS”-Jäger sind auch oft die grössten Rassismus-Relativierer (Broder, Osten-Sacken,…). Wobei der Rassismus von Israelis und Juden in der Regel ausgeblendet wird.

Es ist leichter, sich in „Holocaust-Wiedergutmachung“ zu üben und in dem Zhg einen anderen Nationalismus (den Zionismus) zu unterstützen, als sich mit den Strukturen des Rassismus in Österreich auseinander zu setzen, jenem ggü Gastarbeitern (früher), jener aus dem heraus Harry Belafonte noch in den 1980ern der Zutritt zu einem Lokal in Linz verwehrt wurde… # Strache, Kurz23. Die israelische Soziologin Irit Dekel sprach von der „Manipulation von Holokaust-Gedenken für ihre politischen Zwecke bei europäischen Rechtspopulisten” (Holokaust-Verurteilungen von Strache, Orban, Salvini,…)24, von “Lippenbekenntnissen statt Sinneswandel”, denn deren Politik sei das Gegenteil von der Lehre aus NS/Holokaust > Hetze und Ausschluss von Bevölkerungs-Gruppen, Diskriminierungen. Netanyahu, so Dekel, gibt Diesen Anerkennung. Strache & Co lieben Juden, so Dekel, um ihre rassistische Ideologie zu legitimieren (aber sie bekommen ja Anerkennung, nicht nur von Netanyahu). Bolsonaro hat nach einem Besuch von Yad Vashem25 gesagt, der NS sei eine linke Bewegung gewesen. Die Auslagerung von Holokaust-Gedenken an Linke sowie Moslems ist gang und gäbe.

Der homophobe, antisemitische, frauenfeindliche, demokratieunfähige Moslem auf der einen Seite, auf der anderen Seite der aufgeklärte Deutsche, als Teil eines “freien, überlegenen Westens”, der an der Seite der Juden steht… Ein “linker Nationalismus” (man ist aufgeklärt und Intoleranz ist Merkmal der Anderen) hat bei Rechten Einzug gehalten und verbindet gegen „Islam“ und für „Israel“, unterstellt Anderen Verbindungen zum Bösen; nicht mehr die Ablehnung des “Liberalen” sondern dessen Übernahme/Vereinnahmung. Das “Unfreie”, “Intolerante” und “Gewalttätige” wird den Orientalen und Südländern umgehängt, der alte Fremdenhass ist heutzutage aufgepeppt mit Frauenrettertum, Philosemitismus,…  Auch rechte Profilierung gg Linke funktioniert so, also zB „Antisemitismus wurde durch linke Toleranz für Zuwanderung importiert, nur wir haben den Mut, dies anzusprechen..”. Sind der weisse Ritter, der die Fahne des Guten hochhält. Auch Homophobie wird nun so bevorzugt „vergeben“, wie tatsächlicher/ vermeintlicher „AS“, Sklaverei, Holocaust,…

Ein neuer Westen wird definiert, der an der Seite der Juden steht, der Verfolgten,…, der die Antithese zum Faschismus ist, gleichbdeutend mit dem jüdisch-christlichen Abendland ist. Auf diese Weise kann auch das Dilemma zwischen Holocaustaufarbeitung und “white guilt” (“weisser Selbsthass”) gelöst werden, man wälzt ihn bzw die zugrunde liegende Haltung gewissermaßen ab. Broders Geschreibe von „Degenerierten im Westen“ (je 1/3 der Männer sei schwul, impotent, unwillig) und Ähnliches lässt sich vereinbaren mit dem Diskurs vom homophoben Moslem… Der Homosexuellen-Toleranzchauvinismus richtet sich üblicherweise nicht gegen Nicolaus Fest oder Kardinäle, sondern gg. Nicht-Europäer; und wird bei Bedarf ausgesetzt, bei Saudi-Arabien muss man nachsichtig sein (> Missfelder,…), wie bei Israel und seinen Homophoben. Wenn Broder in einem Kommentar über den Anschlagsversuch eines Somaliers auf den Mohammed-Zeichner die “Dritte Welt” und den “Westen” bemüht, geht es natürlich (auch) darum, Anliegen der “3. Welt” und des “Anti-Rassismus” zu diffamieren (bzw Rassismus zu verharmlosen), über den Islamismus, und einen “Westismus” zu formulieren. Ähnlich wird es in diesen Kreisen mit dem Klimawandel versucht (s.u.). Wer Israel kritisiert, ist ohnehin Antisemit, auch wer den Kapitalismus analysiert, die USA-Kritik (z Zt Bush, Trump),… Immer wieder kommt der “Nachweis” einer „verkürzten Kapitalismuskritik“, bzw die “Enttarnung” der Anti-Globalisierungsbewegung als “antisemitisch” (oder: von “Judenhass als Verlängerung antikapitalistischen Denkens”). Dreisätze werden da konstruiert, Umkehrschlüsse behauptet, Lehren propagiert (hauptsache, den Kapitalismus wie er ist26 annehmen), agitiert.

Die v.a. in der USA starken Evangelikalen waren früher antijüdisch, haben sich gewissermaßen über Israel-Begeisterung davon abgewendet, wie bei Rechten üblich. Eine “Rückkehr” der Juden in “ihr” Land werde die “Endzeit” schneller herbei führen, glaubt man dort. Juden werden nur über dem Zionismus gesehen und dieser “vereinnahmt” für eigene Ziele, auch unterstützt. Die Evangelikalen waren in der USA unter Bush junior besonders mächtig; es verbindet sich da Einiges, Pro-Israel-Politik aus religiös-ideologischen Gründen, und aus den Interessen Öl und Einfluss in der Region.27 US-amerikanische Evangelikale, zusammengeschlossen in der Christian Coalition of America, sind mit der Republican Party verbunden (und auch mit offen rassistischen Gruppen) und auch mit Rechten in Europa. Marion Gordon “Pat” Robertson ist einer der Führer der Evangelikalen, trat 1988 für die RP bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftsnominierung an.

Der Televangelist, der von der Southern Baptist Convention kommt, engagierte sich für die “Contras” in Nicaragua, das Apartheid-System in Südafrika, Mobutu in “Zaire”, rief zur Ermordung von Hugo Chavez auf. Und, er kommentierte Ariel Sharons Schlaganfall 06 sei eine Strafe Gottes für die “Aufgabe” des Gaza-Streifens gewesen. Dies wurde ihm auch von zionistischer Seite verübelt, ansonsten hatte man dort kein Problem mit ihm (im Gegenteil), auch nicht dass er den Hinduismus als “dämonisch” bezeichnete, den Buddhismus als “Krankheit”28, die Bürgerrechtsorganisation ACLU mitverantwortlich für die Anschläge in der USA 2001 machte, das Erdbeben in Haiti ’10 als historische Strafe für die Haitianer sah,… Während man bei Pat(rick) Buchanan zB schnell das Etikett “Antisemit” bei der Hand hat(te). Natürlich ist Robertson gg die Teilung Jerusalems, alles gehöre Israel… Erwähnenswert hier ist auch Richard Kemp, britischer Offizier, christlicher Zionist, selbst an der britischen Besatzung von Nordirland oder Irak beteiligt.29

Er gilt als “Terrorismus-Experte”, hat ein Institut, ist wahrscheinlich auch (dick) im Waffenhandel. Und natürlich ist er ein groooosser Israel-Anhänger. Schrieb etwas über das Gaza-Massaker 08/09 (natürlich ein “Freispruch” für die israelische Seite, ohne Infos zu haben) für das JCPA (Jerusalem Center for Public Affairs), stellte dies als Expertise dar.30 Gegen Kritiker kommt er mit “Antisemitismus”-Vorwürfen; angeblich hat er eine Todesdrohung von al Qaida bekommen. Kemp sprach zb am CUFI (Evangelikale)-Gipfel in der USA, rührte einem Teilnehmer zufolge Leute zu Tränen. Er ist führend in der britischen Israel-Lobby, gut vernetzt in der bzw im internationalen Islamophobie/Philozionismus. Aus seinen Vorlieben ergibt sich seine Saudi-Arabien-Apologetik fast von selbst; KSA ist zB der grösste Abnehmer britischer Waffenexporte. “Wir schätzen ihr System nicht aber sie haben Öl und helfen uns gegen Feinde”. Kemp wird zB vom einschlägigen Rebel News (> Sun News) promotet, das das auch mit David Horowitz, Pamela Geller, Daniel Pipes, Robert Spencer, Brigitte Gabriel macht.31

Auf Twitter zeigte sich Kemp ergriffen am Grab von Orde Wingate, jenem evangelikalen britischen Offizier, der 1936 bis 1941 in Palästina “diente”, dabei die zionistischen Milizen ausbildete und unterstützte, auch in Terror-Taktiken. Die Schirrmachers, führende Evangelikale in Deutschland (Deutsche Evangelische Allianz, Lausanner Bewegung,…), begnügen sich mit “Analysen” im “wissenschaftlichen” Gewand. Das organisierte Judentum arbeitet oft mit Evangelikalen zusammen, v.a. in der USA. Dennis Prager ist einer der Ansprechpartner der Evangelikalen unter zionistischen Juden in der USA, er veranstaltet für diese Touren in Israel (Genesis Tours). Zionistische Rechte und christliche Evangelikale haben viele Gemeinsamkeiten, von der Verurteilung der Abtreibung über die Ablehnung Linker bis zur Dämonisierung von Moslems. Auf Youtube ist dieser Prager mit Propaganda-Videos als „prager university“ unterwegs, betreibt auch dort Brückenbau zu Evangelikalen und anderen Rechten im Westen; zB mit dem Video „The suicide of europe“ (> Moslems, Einwanderung, “Appeasement”, “Werte”, Israel,…). Die religiöse Rechte unterstützt Trump, obwohl er zum 3. Mal verheiratet ist und alle 3 Ehefrauen betrogen hat sowie weitere sexuell belästigt. Und, evangelikale “Christen” helfen den israelischen Siedlern im Westjordanland bei der Ernte, zB in der Siedlung “Psagot” bei der Traubenlese.

Zur “Hohmann-Grenze” kommen wir bald, und auch zur Rechten in Osteuropa, dem Nazi-Erbe der Rechtspopulisten in Europa, und Anderem was hier relevant ist. Evangelikale jedenfalls kennen sich mit religiösem Fanatismus aus, wie Islamisten maßen sie sich an, zu wissen, was “Gott” will. Der Hurrikan “Katrina” wurde zB in diesen Kreisen häufig als “Strafe Gottes” dargestellt, auch die Anschläge in der USA 2001. Mit ihrer proisraelischen und antimoslemischen Ausrichtung sind sie über AS “erhaben”, auch wenn sie diesen früher “hochhielten”. Evangelikale sind (wie Islamisten) gg Homosexualität, halten diese in der Regel für “sündig” und “krank”. Dennoch treffen sich diese rechten (Philo)Zionisten mit den (pseudo)linken Zionisten (wie den “A”D), solche Querfronten gab es zB bei Demonstrationen auf denen israelische Aktionen gegen Gaza begrüsst wurden, immer wieder, etwa wenn sich bei einer Demo Leute der PBC (Partei Bibeltreuer Christen) und dem BAK Shalom der Linken fanden.

Es gibt aber Stolpersteine in der Zusammenarbeit von Evangelikalen und Zionisten. Hier kommen wir nochmal zum “alten Antisemitismus”. Karfreitag, das Gedenken an die Kreuzigung Jesu’, war in früheren Jahrhunderten für Juden oft gefährlich. Die Kreuzzüge nahmen sich zuerst Juden vor, zB zu Beginn des ersten im Rheinland; sahen diese als nahe bei den Moslems. Und End-Ziel der Evangelikalen ist die Mission bzw Konversion der Juden. Mit Christen unter arabischen Völkern haben die Evangelikalen ein kleines Problem – das sie zu lösen trachten in dem sie diese gegen ihre moslemischen Landsleute aususpielen versuchen. Wobei die grössten christlichen Konfessionen unter den Palästinensern Orthodoxe, Melkiten und Katholiken sind und diese für die meist baptistisch, methodistisch, presbyterianisch, calvinistisch geprägten Evangelikalen ohnehin kaum als “echte” bzw “gleichrangige” Christen wahrgenommen werden.

Broder traf sich bei einem seiner Wien-Besuche in den letzten Jahren mit dem ehemaligen Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Bezüglich “Islam” waren sich die Herren einig, Laun sagt(e) dazu, Christen sollten alles tun, die Moslems “mit Jesus Christus bekannt zu machen”, und der Staat solle “die schützen, die Christen werden wollten”. Und man solle “christliche Einwanderer ins Land zu holen”, weil sonst “die Moslems aus Europa ein durch und durch islamisches Land machen” werden. Christliche Schwarzafrikaner zB? Da werden Laun und seine “Schäfchen”, die schon mit Osteuropäern “überfordert” sind, eine Freude haben.32 Oder palästinensische Christen wie Edward Said und Azmi Bishara. Die Rolle des „Christentums“ im „Nahost-Konflikt“ und „Konflikt der Kulturen“… Der ehemalige südafrikanische anglikanische Bischof Desmond Tutu war entschiedener Anti-Apartheid-Kämpfer und auch Kritiker israelischer Politik ggü den Palästinensern. Der von Zionisten oft angefeindete Tutu beklagte auch die Intoleranz bzgl solcher Kritik: “The Israeli government is placed on a pedestal [in the US] and to criticise it is to be immediately dubbed anti-Semitic“. Dudu Masango-Mahlangu vom South African Council of Churches zu Israels kürzlichen Attacken auf den Gaza-Streifen.

A propos, dass Laun gesagt hat, Homosexuelle seien „irgendwie gestörte Männer und Frauen, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren“, hat Broder natürlich nicht gestört. Und jene, mit denen Broder bei Stopthebomb dropthebomb auftreten, die Diskriminierungen von Homosexuellen in Iran in ihrer Pro-Israel-Rhetorik verwenden…? Ja, Christentum kann unterschiedlich konnotiert sein, von den brennenden Kreuzen des KKK bis zur Befreiungstheologie. Und, israelische Rechtspolitiker treten zwar gerne mit Evangelikalen auf, manchmal zerreissen sie aber auch die Bibel.33 Und die FPÖ beschwört zwar auch das “christlich(-jüdisch)e Abendland”, der Tiroler FPÖ-Abgeordnete Werner Königshofer hat in einem offenen Brief an den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn (nach dessen Kritik an FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz34) gemeint, Schönborn solle sich besser um “warme Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder” kümmern.35

Das „Experiment Bundesrepublik“ ist gelungen, nicht trotz der alten Nazis, sondern wegen ihnen, die (in unterschiedlichen Läuterungsstufen) nahtlos in ein neues Mitläufertum über gingen. Westdeutsche “NS-Aufarbeitung” fand in Form von Unterstützung der (und Orientierung zu) USA und Israel statt. Besonders “Russland-Experten” aus SS, Wehrmacht, Gestapo,… wurden in bundesrepublikanischen Staatsorgane übernommen, der “Feind Nr. 1” war ja der gleiche geblieben. Hinter “Antikommunismus” und Israel-Begeisterung konnten sich so manche Kontinuitäten behaupten. Es war wahrscheinlich Micha Brumlik, der gesagt hat, “Israel bedurfte der BRD für Geld und Waffen, und die BRD bedurfte Israels und der Juden, um zu zeigen, dass sie mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gebrochen hatten.” Gehlens BND (bzw die Vorläuferorganisation) arbeitete mit dem Mossad zusammen, Verteidigungsminister Strauss begann die militärische Zusammenarbeit der BRD mit Israel,… Israel wurde auch Projektionsfläche für Deutsche, auch für eigene national-politische Sehnsüchte. Die Springer-Medien entdeckten es für eine Art deutschen Ersatz-Nationalismus.

Mit Beginn der Berliner Republik sowie der Islamkrise wurde das noch massiv verstärkt, dann kamen noch Wirtschaftskrise und Flüchtlingsansturm. Der israelisch-deutsche Historiker Moshe Zuckermann schrieb in “Der allgegenwärtige Antisemit” (2018 erschienen): „So wird Israel von solchen Pseudo-Philosemiten nicht in seiner Wirklichkeit wahrgenommen, sondern vor allem als Projektionsfläche ideologisch verformter deutscher [rechter wie linker] und auch jüdisch-zionistischer Befindlichkeit. Sollte sich etwa die abstrakte Solidarität mit einem völkerrechtlich verkommenen und verbrecherischen Israel als eine psycho-ideologisch motivierte Entlastung der historischen Schuld der Deutschen erweisen?“ Philozionismus besorgt gleichzeitig eine vermeintliche Holocaust-Wiedergutmachung, das Finden eines neuen Deutsch-Nationalismus, hilft bei einer politisch korrekten Xenophobie (Ablehnung wird gerne über “Rückständigkeit” zB der Palästinenser begründet, welche sich etwa in deren “Antisemitismus” zeige), das Finden eines neuen Platzes an der Sonne,…

Gunnar Heinsohn, der „Völkermord-Forscher“, schreibt passenderweise auf Broders “Achse des Guten” und für “Junge Freiheit”, sichert sich ab mit Teilnahme an der Holocaust- und Antisemitismus-“Forschung”, durch Anlehnung an die Anglo-Westmächte; ähnlich wie bei Sarrazin sind bei ihm nicht nur Moslems, auch so ziemlich alle anderen Nicht-Weissen/ Nicht-Europiden die “Unnützen”, Juden werden positiv beurteilt. Die (deutsche) Pro-Israel-Querfront, von Pseudo-Links zu Offen-Rechts… Der Philo-Zionismus ist eine Art Ersatz für Deutsch-Nationalismus bzw eine Form davon geworden. Von rechts bis links, wobei die “Anti”deutschen ohnehin früher oder später bei “Springer” landen (und Springer-Leute gelegentlich bei AfD, manche “Anti”deutsche auch direkt zur AfD). Siehe Osten-Sacken, Fest, Maul. Bei Ersterem sind Bestrebungen zur Umgestaltung “der Region” (welche wohl) und deutsches Mitmischen dabei schon ziemlich offen…der Übergang von negativer Deutschtümelei zu positiver.

Der deutsche Landser konnte nach seiner Abrüstung ein Bewunderer der israelischen Armee werden und pro-amerikanisch und ein Teil des freien Westens, ohne Läuterung; und seine Kinder und Enkel „Antisemitismus-Experten“; für die Palästinenser gab es seit den 1920ern eine „handfeste“ Konfrontation mit „dem Judentum“, mit den „Meilensteinen“ 1948 und 1967, auch für Ägypter und Nachbarn Palästinas seit 1948. Der israelischen Armee (oder alternativ den US Armed Forces) gilt die militärische Begeisterung der Deutschen heutzutage, und ihrem Aufräumen mit den Feinden der freien Welt. “Claudio Casula” vulgo Rolf Behrens macht “spiritofentebbe”, schreibt auch bei “hagalil”, “achgut”, “diejüdische”, “honestlyconcerned”,… Ja, Entebbe und die Heldentaten der israelischen Soldateska. Und dann erst die bei der Partisanen-Bekämpfung. Zu Einheit 101 oder Sayeret Matkal kann man eben noch aufschauen. “101”-Held Davidi (aus Bessarabien) war der Erfinder von Sar-El, wo auch “Feliks” aus Bayern (> Teil I) Wehrsportübungen machte. Der “Anti”deutsche Thomas Ebermann ist dagegen, dass die Nachfahren vertriebener Palästinenser (bzw ein Teil davon) zurückkehren können, Israel habe als “Fluchtpunkt für antisemitisch Bedrängte” da zu sein, so der Deutsche.

Der “Kampf gg Antisemitismus“ findet in “Gross-Deutschland” gewöhnlich über andere Rassismen statt. Und, es hat sich längst eine Absolution etabliert, zwischen deutschen (seltener auch österreichischen) Stellen und zionistischen (können auch Journalisten/Publizisten in Deutschland sein…), es wird Einem Holocaust-Aufarbeitung/Wiedergutmachung bescheinigt (Sünden erlassen), wenn man Zugeständnisse an Israel macht, zB dort nicht universelle Standards (v.a. bei der Behandlung der Palästinenser) anzulegen. Man kann sich dabei über Moslemophobie treffen, die sind ja quasi in beiden “Ländern” die Ärgermacher. Die politisch korrekte “Xenophobie”. Von Teilen der jüdischen Gemeinde Berlin wurde mal die “Wiedervereinigung Jerusalems und Berlins” gefeiert… deutscher und jüdischer bzw zionistischer Chauvinismus in Eintracht. In den Fällen beider Städte ist die Antwort auf die Frage, warum sie geteilt wurden (1945 bzw 1948), ergiebig. Ja, natürlich wegen den bösen Russen und bösen Arabern. Besonders unter Merkel bzw Netanyahu wurde die “Zusammenarbeit” der Staaten in neue Höhen katapultiert…gemeinsame Kabinettssitzungen, Waffenlieferungen sowieso, geheimdienstliche “Kooperationen”, im Technologiebereich,… Deutschland verspricht, sich für Israel (gg Palästinenser) auf allen Ebenen einzusetzen, falls es einen einen Sitz im UN-Sicherheitsrat bekommt…deutsche Botschaften sollen auch für Israelis da sein,… Und immer wieder “Staatsräson”, „immerwährende Verantwortung”,…

Hegemoniale Teile aller deutschen Parteien sind pro-zionistisch ausgerichtet, das ganze Spektrum von Gauland bis Kipping. Ausländerfeindlichkeit hat sich vielfach mit Pro-Israel/Anti-Islam verbunden. Merkel wurde ja Feindbild der ganz neuen Rechten, wegen der Politik während der Flüchtlingskrise, über sie finden sich im IT Kommentare wie „Danke! Merkel. Gern würde ich lesen, dass Merkel Opfer einer Massenvergewaltigung wurde! Dann würde ich mich ebenfalls sehr gern bedanken!“. Wobei bezüglich Fremdenfeindlichkeit mal Integration und Vermischung das Bedrohliche war (und zT noch immer ist), auch wenn der Diskurs heute so läuft, dass die sich nur integrieren müssten, keine Parallelgesellschaften bilden. Man tut so, das Problem bestünde darin, dass Türken in ihre eigenen Lokale gehen anstatt in deutsche, obwohl es für Manche (noch immer) darin besteht, dass (wenn) Türken in deutsche Lokale gehen. Das schön-im-eigenen-Milieu-bleiben war einmal ein Imperatif. Fremdheit bzw Anfremdung trotz völliger Anpassung musste Joma Mangold erfahren, deutsch-nigerianischer Journalist. Die Sündenbock-Rolle ist von den Juden weg gewandert;36 der “Antisemitismus” der in Deutschland ausgemacht wird, ist meistens eine Kritik an israelischer Politik, die zu diffamieren versucht wird.

Antisemitisch bzw antijüdisch war zB die Schändung der kurz zuvor wieder eröffneten Synagoge in Köln zu Weihnachten 1959, durch zwei Mitglieder der Deutschen Reichspartei (DRP). Sie beschmierten die Synagoge Köln mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Deutsche fordern: Juden raus“. Es folgte eine Welle ähnlicher Schmierereien in der ganzen BRD, 59/60. Die Stasi soll in Wirklichkeit dafür verantwortlich sein, wird behauptet. Es handelt sich jedenfalls in der BRD um keinen “Antisemitismus ohne Juden” mehr, den gab es in der alten BRD, bevor Einwanderung aus der Ex-SU, Israel, Polen,… einsetzte. Jesse schrieb, Juden seien in der BRD vielfach privilegiert, in “Philosemitismus, Antisemitismus und Anti-Antisemitismus” (1990)37, zB durch die Befreiung vom Wehrdienst. In Thilo Sarrazins 2010 erschienenem „Deutschland schafft sich ab“ werden Juden zu den Guten eingeteilt, den schlechten Moslems gegenüber gestellt – womit er in Deutschland “freie Fahrt” hatte.

Der scheinbar mit Zahlen und Daten unterfütterte Text thematisiert ja nicht nur Zuwanderer nach Deutschland, er qualifiziert zB auch die Aufstände des Arabischen Frühlings ab, über die Akademiker-Quote von Einwanderern dieser Länder in Deutschland.38 Und, er thematisiert Rasse, Gene,… Von ZdJ (unter Graumann) gab es deshalb ein bisschen Protest, wohingegen Broder oder NPD Sarrazin lobten. Chaim Noll und andere Israelis verteidigten auch Sarrazin. Noll: “Die verschreckte Reaktion der deutschen Zentralrats-Funktionäre auf das Wort ,Gen’ findet in Israel wenig Verständnis. Ein Tabu, jüdische Identität mit Genetik in Zusammenhang zu bringen, besteht hierzulande nicht. An den israelischen Universitäten wird auf diesem Gebiet intensive fachwissenschaftliche Forschung betrieben, in zunehmendem Ausmaß.” PI wie auch deutsche Philozionisten feierten Nolls Aussagen, mit denen er sogar Recht hat…bezüglich Israel ist man so ethnonationalistisch wie möglich und wenn es um die Diaspora-Juden geht… In der “Diaspora” ist es ein Tabu, über jüdische Gene bzw Juden als Ethnie zu reden, in bzw bzgl Israel dreht sich alles um Juden als Ethnie! Diese 2 Naturen werden uns noch begegnen, in diesem Text.

Sarrazins nächstes Buch: gegen den Euro, gegen Hilfe für “Schwache” in der EU (hauptsächlich Griechenland), diese sei aus dem schlechten Gewissen wegen dem Holocaust motiviert. Bei Sarrazin sieht man, wie (pseudo-progressiv argumentierte) Islamophobie mit Anderem gepaart ist, und dass Israel-Fantum gerne das Feigenblatt oder die Legitimation für sehr Rechtes ist, nicht zuletzt in Deutschland… Im Windschatten von Sarrazin kamen Kristina Schröder (Köhler) die seine Behauptung von moslemischer Deutschenfeindlichkeit aufgriff, Seehofer mit einer Forderung nach Zuwanderungsstop für Türken und Araber, Merkel die “Multikulti” für gescheitert erklärte und sagte „moslemische Gewalt darf kein Tabu sein“. Kristina Köhler (die unter Angela Merkel zur Bundes-Ministerin wurde) ist eine jener, die einen neuen Deutsch-Nationalismus ausleben wollen ohne Ewiggestrige zu sein (bzw diesen weisswaschen, relaunchen), über Anti-Islam und Pro-Israel, Instrumentalisierung von “Antisemitismus“. Tenor wurde: Man muss ES sagen dürfen, die Faschismuskeule sei gemein, es gäbe einen „Tabu-Katalog der politisch korrekten Meinungsdiktatur“,…

Wenn es um Saudi-Arabien geht, befürwortete zB Philipp Missfelder (auch ein proisraelischer CDU-Rechtsaussen) dann doch Tabus; weil: Saudi-Arabien sei für Israel wichtig; und als Abnehmer für die deutsche Rüstungsindustrie, deren Lobbyist Missfelder war. Also nicht zu streng sein mit deren “Innenpolitik”, und auch nicht mit ihrer Aussenpolitik (ansonsten spielte er ein bisschen den “Menschenrechtler”). Gegenüber der Linken versuchte er sich mit „Antisemitismus“-Inquisitionsheuchelei zu profilieren (“Israel-Kritik” betreffend). Den Pöbel verachtend (Kommentar über Hartz-IV-Bezieher), einen Krieg gegen Iran befürwortend, hat sich Missfelder auch ggü Putin als jemand gezeigt, der ggf pragmatisch über Manches hinweg sieht (obwohl er im Ukraine-Konflikt natürlich gegen Russland Stellung bezog).39 Hans-Georg Maassen, BfV-Chef (12-18), nun im BMfI, ebf CDU-Rechtsaussen (mit Berührungspunkten zur AfD), nannte Edward Snowden einen „Verräter“ und möglichen russischen Agenten, pries die USA (welche???) bzw die Freundschaft zu ihr. „Likte“ einen “NZZ”-Artikel in dem moniert wird, dass es in manchen deutschen Städten nur noch eine relative Mehrheit von „echten Deutschen“ gegenüber Leuten mit Migrations-Hintergrund gibt. Broder muss über ihn ja ganz entzückt sein.40

Als es 2018 in Chemnitz im Rahmen von Protesten (bei denen öfter der Hitlergruss gezeigt wurde) Ausschreitungen von Rechtsextremen ggü Ausländern kam, verharmloste er diese, wie auch Gauland und Seehofer. Knapp zwei Wochen danach griffen „mutmaßlich“ Neonazis ein jüdisches Restaurant in Chemnitz an. Innenminister Horst Seehofer hat ’18 die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet (> Engländer Nordamerika, Juden Palästina,…). Die CSU (AfD light) sieht den Kampf gegen den politischen Islam als „grösste Herausforderung unserer Zeit“ an (Leitantrag für den Parteitag ’16). So wie früher der gegen den Kommunismus, bei dessen Bekämpfung man sich auch mit Islamisten zusammengetan hat, auch mit Unterstützung der CSU, Politikern wie Otto (von) Habsburg. Die CSU-Gründer (Franz J. Strauss,…) mussten einst ihre Bekämpfung der SU (in Uniformen der Wehrmacht) nur um-deklarieren, nun in Anzügen als Politiker der BRD durchführen. An der Seite eines “freien Westens”, von der „Hauptstadt der Bewegung“ aus (wo Hitler seinen Aufstieg begann), im NS-Kernland. Die unzerstörte „Alpenfestung“ wurde von den Amerikanern „befreit“, bzw hat eleganter als Berlin die Seiten gewechselt. Schön, dass dann Hamed Abdel-Samad in einem Vortrag vor Vertretern der Jungen Union Bayerns darüber redet, dass „die arabische Welt verseucht ist mit Antisemitismus“, da kann man seine Nase rümpfen und sich auf der “richtigen Seite” wähnen.

Wenn wir zum Schulterschluss von alten Konservativen mit der neuen Rechten kommen, ist Martin Hohmann nicht weit. Hohmann sagt, als CDU-Abgeordneter, 1999, in einer Ablehnung des Holokaust-Denkmals, “Kein Land hat Verbrechen in seiner Geschichte aufgearbeitet und bereut, Entschädigung und Wiedergutmachung geleistet wie wir….”. Ein ander’ Mal stellte er die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, die Zahlungen an die EU sowie die Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter während des NS-Regimes und an die jüdischen Opfer des Holocaust angesichts der schlechten Wirtschaftslage zu verringern. Dann seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003, die “antisemitisch” bewertet wurde (“Hohmann-Affäre”), und zu seinem Parteiausschluss 2004 führte. Es ging dabei hauptsächlich um die Rolle von Juden im Kommunismus in Osteuropa, dabei hat er auch Henry Ford angeführt. 2016 wurde Hohmann als Parteiloser über die Liste der AfD in den Kreistag seiner Heimatstadt Fulda (Hessen) gewählt und trat der Partei anschliessend bei. Nach der Bundestagswahl 2017 zog er als AfD-Abgeordneter wieder in den Bundestag ein.

Die Hohmann-Grenze, ihr Überschreiten, die deutsche Rechte (zB Werte Union der CDU) und die AfD… Auch für die AfD ist der Komplex aus Holocaust-Wiedergutmachung/Aufarbeitung/Reue, deutscher Schuld, Kommunismus und Rolle der Juden darin ein zentraler und einer wo man sich “leicht die Finger verbrennt” (genau so wie ein deutscher Ethno-Nationalismus), wo es zu Spaltungen innerhalb der Partei kommt, Abspaltungen von ihr, wo das selbst auferlegte “Tabu brechen” auf Grenzen stösst. Broders Westismus ist selbstverständlich auch anti-kommunistisch affirmiert, aber hier kommt auch seine Förderung/Toleranz für Rechte an ihre Grenzen. Vera Lengsfeld, in der DDR sozialisiert, ist heute so rechts dass sie Autorin der AfD-nahen Internetzeitung „Die Freie Welt“ ist, Verteidigerin von Martin Hohmann, auf Broders “Achse des Guten” (die ideologischen Anforderungen dafür erfüllt sie). War Initiatorin der gegen die deutsche Einwanderungspolitik gerichteten „Gemeinsamen Erklärung 2018“ (Erstunterzeichner Broder, Sarrazin, Matussek, Herman, Tellkamp, Flaig,…). In Deutschland gebe es einen „Gesinnungskorridor zwischen gewünschter und geduldeter Meinung“. Es unterschrieben auch andere “Achgut”-Leute wie Wendt, Leute aus dem Umfeld von IfS/„Junge Freiheit“/Antaios/… wie Karlheinz Weissmann oder Thorsten Hinz (riet in der “JF” von einer „Holocaust-Religion“ ab, den Terminus stufte Clemens Heni als „antisemitisch“ ein…), Leute aus dem Umfeld der AfD wie Max Otto (ein “Transatlantiker”) oder Michael Klonovsky (schrieb, „Anton Maegerle“ vulgo Gernot Modery arbeite für linksextremistische Periodika), aus dem Umfeld der Springer-Presse wie Heimo Schwilk41, der Politikwissenschaftler Bassam Tibi (wurde ja auch Objekt von Leuten wie Wolfgang Sobotka), Martin Semlitsch von den österreichischen Identitären, der Autor Frank Böckelmann („globaler Siegeszug eines dunkelhaarigen und kaffeebraunen Standardmenschen in einer einheitlichen Weltkultur”), der Historiker Jörg Friedrich („kontroverse neue Sicht“ auf Kriegsschuld, Kriegszweck und Kriegsausgang, zunächst mal bzgl 1. WK), der Autor Jörg Bernig (die Bundesregierung plane aus antideutschen Motiven einen Bevölkerungsaustausch mit anderen Ethnien und Religionen),…

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland begrüßte die Erklärung; ebenso tat dies Götz Kubitschek. Der Schauspieler Uwe Steimle liess sich streichen, er ist zwar PEGIDA/AfD-nahe, übt aber Kritik an USA und Israel > es stellt sich die Frage ob Steimle eine Belastung für die Erklärung ist oder das Unterzeichnen dieser etwas Peinliches über Steimle aussagt. Frank Böckelmann ist zwar ein Niemand, aber in diesem Zhg verdient seine Haltung Beachtung. Er vertritt einen antiuniversalistischen Standpunkt. Er spricht den “Dunkelhaarigen” und “Kaffeebraunen” das Recht und die Fähigkeit ab, mit “Postulaten der europäischen Aufklärung die Verständigung der Weltteile untereinander zu regeln”. Ist einer jener, bei denen man sich fragen muss, ob sie aus Abneigung ggü Islam/ismus eine neue Rechte mitbauen, oder ob Islam/ismus die alte Rechte zu einer neuen „aufpeppt“. Und ein Anderer der Genannten: die Bundesregierung plane aus antideutschen Motiven einen “Bevölkerungsaustausch mit anderen Ethnien und Religionen”. Die sich so nennenden “Anti”deutschen behaupten ja, dass sie die “westliche Aufklärung” den “Kaffeebraunen” bringen wollen. Und was “Transatlantiker” in dem Zhg mit diesem Milieu (und überhaupt im deutschen Konzext) bedeutet, dazu unten noch mehr.

In der AfD gibt es einen “gemäßigten” und einen “rechtsaussen” Flügel. Also jene, die Frauen- oder Schwulenrechte politisch korrekt gegen Moslems in Stellung bringen und jene die sich lieber der Hohmann-Grenze annähern. Wobei Alice Weidel ja auch Sinti/ Roma als „kulturfremde Völker“ bezeichnet, von denen „wir überschwemmt werden“. In der selben Email hat sie die deutsche Regierung als “Marionetten der Siegermächte des 2. WK” bezeichnet, mit der „Aufgabe, das deutsche Volk klein zu halten“. Im EP-Wahlkampf 19 äusserte sie sich dann lobend über Trump, seinen Wahlkampf zum Präsidenten einer dieser Siegermächte. Bezüglich der Klimakrise verleugnet sie die Realität. Als Broder in der AfD-Fraktion zu Gast war, hat er die Äusserungen über die Siegermächte ihr ggü nicht angesprochen, davon darf man ausgehen, auch dass ihn das Andere von Weidel nicht stört. Sie trifft sich mit Broder und der Süd-Tiroler Freiheit, man darf sich fragen wer weiter rechts ist.42

Kein Spitzenmann der AfD steht so weit rechts wie Björn Höcke, heisst es. Er lehnt den derzeitigen Umgang mit dem Holocaust und manches Andere in der BRD ab, kritisierte (17) das Berliner Holocaust-Mahmmal und deutsche Schuld-Kultur. Die Politikwissenschaftler Marc Grimm und Bodo Kahmann (Grigat-Speichellecker) nannten Höcke einen „weltanschaulich gefestigten Antisemiten“ und „attestieren“ seinen Äußerungen eine „antisemitische Feindbildkonstruktion“, die seiner „völkischen Agitation inhärent“ sei. So habe Höcke Christentum und Judentum als „Antagonismen“ bezeichnet und eine „überschwänglich formulierte Leseempfehlung“ für ein 2015 erschienenes „antisemitisches Pamphlet“ von Wolfgang Gedeon abgegeben, auch über Höckes „Antiamerikanismus“ würden „antisemitische Bedeutungsinhalte transportiert”. Der „Nahostexperte und gefragte Publizist“ (Wiener Akademikerbund) hat ein Buch über AfD & FPÖ herausgebracht, über “Antisemitismus”, “völkischen Nationalismus” und “Geschlechterbilder” in ihr, also eine Pseudokritik, die über Verschiedenes hinweg täuschen soll…hauptsächlich, wo es dann gemeinsame Schnittmengen gibt, bezüglich Feindbildern,… Es ist die selbe Pseudoabgrenzung und Verdrehung, die Küntzel einst ggü Breivik vornahm (gewissermaßen in Broders Namen). Broder (Dropthebomb-Teilnehmer natürlich) war Anfang 19 bei der AfD im Bundestag, auf deren Einladung, Kritik daran machte ihn wieder zum “Opfer” (wie nach dem Breivik-Lob für ihn). Um das „miteinander reden…“ sei es gegangen, und gegen die angebliche „Political Correctness“, auch um die Klimawandel-Leugnung (> unten).

AfD-Spitzenmann Gauland verlangte ’17 bei einem Treffen der AfD-Strömung “Flügel” (Höcke, Meuthen,…) eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen, einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit. Gauland 18 bei einer Tagung der AfD-Nachwuchsorganisation in Thüringen: „Hitler und die Nationalsozialisten sind nur ein Vogelschiss in 1 000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. In einem Text für die “FAZ” hat Gauland, der PEGIDA als „natürliche Verbündete“ seiner AfD sieht, eine “Heimatlosigkeit der Eliten” angeprangert, eine “globalistische Klasse” gebe “kulturell und politisch den Takt vor”, ihre Mitglieder fühlten sich als Weltbürger in einer “abgehobenen Parallelgesellschaft”,…43 Wolfgang Gedeon gehört ebenfalls zum rechten Flügel der AfD, äusserte sich zu den “Protokollen der Weisen von Zion”, zum Holocaust, äusserte auch IL-Kritik. Sachsen-Anhalt-LT-Abg. Marcus Spiegelberg (AfD) wurde aus einer Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht 38 in Weissenfels geworfen; er sei auch deshalb so fassungslos, sagt Spiegelberg, weil der Rauswurf ihm indirekt Antisemitismus unterstelle, dabei fühle er sich “dem jüdischen Volk als Christ sehr verbunden, und das jüdisch-christliche Abendland ist für mich keine Phrase”. Er bekomme seither pausenlos Solidaritätsbekundungen. Vielleicht sollte er sich lieber um konkretere Probleme kümmern.

Der Politiker Heinrich Fiechtner, ein Evangelikaler, tritt für die „klassische Ehe mit Familie“ ein, verglich den Koran mit „Mein Kampf“, sieht Antisemitismus als “faule Wurzel” der Partei, ist sehr proisraelisch, gg IL-Kritik (schlug vor, sich in der Präambel der Fraktionssatzung zum „Existenzrecht Israels“ zu bekennen), hat auch die Fahnen von Israel und Deutschland überkreuzt am Revers. Der Abgeordnete zum Landtag von Baden-Württemberg trat ’17 hauptsächlich wegen Gedeon aus der AfD aus. Er würde gerne Einiges als “antisemitisch” deklarieren und einen Deutschnationalismus über “Israel-Solidarität” fördern. Nach dem Anschlag kürzlich in Halle44 schrieb der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Roland Ulbrich auf Facebook: “Was ist schlimmer, eine beschädigte Synagogentür oder zwei getötete Deutsche?”. Michel Friedman zu Halle: „Judenhass und Menschennhass haben bei der AfD eine neue Heimat gefunden”. AfD-Abgeordneter Brandner tweetete über Friedman („Koksnase“), re-tweetete ausserdem über die Opfer und Politikergedenken vor Moscheen und Synagogen (in die selbe Richtung wie Ulbrich), rief scharfe Reaktionen hervor.

Dieses Jahr wurde die Bundes-Vereinigung “Juden in der AfD” (JAfD) gegründet. Voraussetzung für eine Aufnahme in die Vereinigung sei neben der AfD-Mitgliedschaft eine ethnische oder eine religiöse Zugehörigkeit zum Judentum, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fuhl. Fuhl hat sein Mitwirken in der AfD mit dem “Fallout” des israelischen Gaza-“Feldzugs” 2014 begründet, Demos in Deutschland, die seiner Auffassung nach “antijüdischen” Charakter gehabt hätten. Hier stellt sich die Frage, ob wirklich Juden (wie Fuhl) für das israelische Vorgehen “verantwortlich” gemacht wurden (zum “Handkuss” kamen) oder ob Juden wie er die Gegnerschaft zu diesem Vorgehen als gegen Juden bzw sich gerichtet auffassten, aus Solidarität mit Israel… Wer stellt(e) die Verbindung Israel-Juden her, darum ging es auch schon im 1. Teil. Die 2 000 getöteten Palästinenser waren auf keinen Fall Opfer, soviel ist mal klar… Und der/die überbordende(r) Rassismus und Hetze von israelischer und proisraelischer Seite während dieses “Kriegs” ist schon gar kein Thema. JAfD-Vorsitzende Vera Kosova sagte, die AfD distanziere sich von Antisemitismus in jeglicher Form. Mit dabei von der Partie ist auch Michael Kühntopf, wie der im 1. Teil dieser AS-Behandlung genannte Grünewald zionistisch-chauvinistisch auf der deutschen Wikipedia unterwegs und ein Konvertit.

Auf der wikipedia wurde er oftmals gesperrt, wegen Regelverletzungen, hat sich unter neuen Pseudonymen immer wieder registriert (“Ba Tofelet gavohot”,… ), zur Zeit dürfte er dort als “shlomohamelekh” (König Salomon…) unterwegs sein. Es gibt nun auch einen Artikel auf dieser Wiki über ihn, als ob er eine bedeutende Persönlichkeit wäre, und vermutlich ist es ein unkritischer. Der in der Schweiz lebende deutsche Theologe macht Jewiki, rief (natürlich) zu Wahl der AfD auf. Über seine Facebook-Seite teilt Kühntopf Slogans und Verschwörungstheorien von rechten Wutbürgern und Rechtsextremen; er ist einer jener Deutschen, für den Islam das Böse und Israel das Gute ist.45 Ja, was (wer) sind wohl die Feindbilder von den AfD-Juden? Prominente Vertreter der jüdischen Öffentlichkeit in Deutschland wie Charlotte Knobloch und Michel Friedman bekundeten über die JAfD-Gründung Befremden, taten so als ob “da” Welten dazwischen wären.

Mosche Zuckermann: “…ein humanistisches, antirassistisches, demokratisch-tolerantes Bild der Juden wird da gerade von jenen heraufbeschworen, deren menschenfreundliche Emphase merklich verblasst, wenn es um die Verurteilung der über 50 Jahre andauernden Knechtung der Palästinenser durch den israelischen Staat geht. Im Gegenteil, sobald sich jüdische (und andere) Kritiker zu Wort melden, die die israelischen Verbrechen in den besetzten Gebieten, die brutale fortwährende Verletzung von Menschenrechten und dem Völkerrecht, verurteilen, werden sie von diesen Vertretern der jüdischen Verbände in Deutschland des Antisemitismus geziehen und als ‘sich selbst hassende Juden’ verleumdet.” Man liest über die Skepsis aus dem ZdJ ggü der AfD das, was man auch von IKG über die FPÖ-Annäherung liest, es sei (“noch immer”) viel “Antisemitisches” in der Partei, auch dass Juden dort als “Feigenblatt” benötigt werden, seltener wird die Skepsis mit der antimoslemischen und rassistischen Hetze der AfD begründet; und etwas Kritisches darüber, wie der Israel-Diskurs bei dieser Partei läuft, kommt nur von Aussenseitern wie Zuckermann.

Während Israel-“Kritik” ausgewälzt wird, zerlegt, diffamiert, mit Antisemitismus und Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht…bleiben diese Botschaften äusserst blass. Michael Wolffssohn hat die Gründung der JAfD gar als „Akt der Verzweiflung“ erklärt, als „Notwehr“,  weil die Gesellschaft allzu passiv sei gegenüber „moslemischen Antisemitismus“. Dass Juden auch aus puren Ressentiments, aus Chauvinismus und Rassismus zB gegenüber Arabern oder Türken, handeln könnten, will er nicht wahrhaben bzw verzerren. Der deutsch-israelische Historiker Wolffsohn, der sich gedanklich auch für Folter erwärmen kann, schwimmt meistens mit dem zionistischen Strom, zB schwang er zur Zeit des Gaza-Massakers 14 die “AS”-Keule. Er “anerkennt” manche Anliegen deutscher Rechter, zB die Anerkennung der deutschen Vertriebenen als Opfer – ob Wolffsohn auch ein Fall für die JAfD ist? Für die “Die Welt” schrieb er einen Nachruf auf Scharon, der “allen aus der Mode gekommenen Militaristen und Chauvinisten vor strahlendem Patriotismus das Wasser in die Augen treiben musste” (transatlantikblog.de). Tja, und Rafael “Rafi” Eitan, ehemaliger Mossad-Mann, nicht der Militär gleichen Namens, später wie dieser auch in der Politik, hat lobende Grussworte an die AfD gerichtet (muss kurz vor seinem Tod gewesen sein).

Da ist wieder die Graumann-Noll-Dichothomie (s.o.)… Bezüglich vieler israelischer Parteien46 ist die AfD (mit oder ohne Juden) ja wirklich beinahe linksliberal. Zuckermann: “An Rassismus, Xenophobie, Araberhass und rabiater Volksverhetzung kann es Israels politische Kultur allemal mit der AfD aufnehmen, und zwar nicht nur ‘auf der Straße’, sondern auch – und gerade – in der Sphäre der hohen Politik. Von der zunehmenden Faschisierung der israelischen Politstrukturen sei hier geschwiegen.” Abraham Melzer: “Ganz abwegig wäre ‘Juden in der AfD’ oder ‘Juden in der NPD’ nicht, wenn man sich die Skala des Rechtsextremismus bzw. des National-Zionismus ansieht. Da gibt es in diesen politischen Anschauungen schon Übereinstimmungen. Denken wir an Minister wie Bennet, Shaked, Lieberman, .. so wären dies ‘Juden’, die selbst die AfD nicht nehmen würde; aber bei der NPD hätten solche rechtsradikale Minister allerdings gute Chancen.” Es gibt aber die Propaganda (bzw “Denkschule”), der zufolge die AfD eigentlich auch “antisemitisch” ist, Juden also auch ihr “Opfer”.

Samuel Salzborn behauptet “Die AfD hat ein rein instrumentelles Verhältnis zu Juden, man will den massiven Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus in der Partei mit der Gründung dieser Minigruppierung ‘Juden in der AfD’ kaschieren”. Tja, Kühntopf & Co sehen das anders, und Salzborn ist nicht nur in vielen Fragen mit Kühntopf einer Meinung, die beiden arbeiten auch zusammen… So wie Grigat (s.o.)47 mit Broder (der der AfD “indirekt” den “Koscher”-Stempel gibt, den sie will). Und, ein anderer “Anti”deutscher, Thomas Maul, sieht die AfD als einzige Kraft gegen “Antisemitismus” und “Abendlandzersetzung”. In Deutschland (nicht nur dort) kann man rechtsextrem und proisraelisch sein, wie sich zB auch an Wikipedia-Bearbeitern wie „PrussianZionist“ zeigt. Pro-israelisch ist die AfD allemal. Parteichef Alexander Gauland: “Die AfD hat sich immer an die Seite Israels, aber auch der Juden in Deutschland gestellt”. Meuthen sagte, die AfD sei durch und durch projüdisch.

Und einer der grössten Israel-Freunde und “Antisemitismus-Feinde”, Nicolaus Fest, ist einer der grössten xenophoben Chauvinisten… Melzer: “…nonchalant aus Überzeugung werden die Protagonisten um von Storch selbstredend pathetische Reden halten, wie natürlich die Nähe von Judentum und deutschem Rechtskonservatismus sei.”48 Wie auch die Missfelders. Die AfD hat eine echte Bewunderung für Israel (wie Rechte gewöhnlich), bezüglich Juden in Deutschland ist sie taktisch-pragmatisch wie “Anti”deutsche ggü gewissen Exil-Iranern (oder Kurden) und Israel bzgl der Drusen…Oder wie die USA ggü Saudi-Arabien? Wenn es sich um eine primär antisemitische Organisation handeln würde, hätte man nicht nur bewertet, inwiefern das Werben um die Teilnahme von Moslems Resonanz zeigt und welche Interaktionen es gibt (zwischen AfD und IL),…sondern auch die Tatsache einer “blossen” positiven Bezugnahme (wie jene der AfD auf Israel). Man kann sich gut vorstellen, was gewisse Kreise daraus machen würden.49 Hier sagen dann die Einen, sie sind gar nicht wirklich pro-israelisch und eigentlich auch anti-semitisch. Und die Anderen sagen, “alles Antisemiten ausser die AfD”.

Wenn es rein um Israel geht, gibt es bei der AfD (und bei Rechten generell) keine Probleme mit Juden; aber: Schächten und Beschneiden (fremde Sitten), Holocaust-Aufarbeitung (eigene Schuld,…)50, ZdJ-Interventionismus in deutscher Politik,… Bezüglich USA gibt es mit Trump jemanden, auf den sich AfD und Hauptstrom der Juden in Deutschland “einigen” können; grundsätzlich ist es aber so, dass sich der neue Deutsch-Nationalismus ggü den Siegermächten des 2. WK nicht mehr unterordnen will. Und Thematisierung von NS und Holocaust wird dort als eine Vorstufe zu „White Guilt“/”Selbsthass” ausgelegt. Wenn man NS und AS den Moslems unterschieben kann, ist das natürlich was anderes. Was “Ehe für Alle” und Frauenrechte betrifft, gibt es auf beiden “Seiten” solche und solche Ansichten. Jüdische Organisationen sind auf oberen Ebenen bzw offiziell noch gegen die Rechtspopulisten. Es gibt die Haltung, bezüglich Israel so rechts und ausschliessend (ggü Nicht-Juden) wie möglich zu sein, bezüglich der “Diaspora” so liberal wie es geht (also zB das Recht auf Schächten als Minderheiten-Recht einzufordern, aber auch den Ethno-Nationalismus den Israel praktiziert, hier abzulehnen).

Der bayerische Publizist Rainer Meyer („Don Alphonso“ im FAZ-Blog, nun „Welt“), ein Neo-Rechter, versucht, der AfD den Anstrich von Glaubwürdigkeit zu verleihen bezüglich “progressiver Inhalte”, “universeller Rechte”, “Diversity und Minderheiten”, konkret der homosexuellen Weidel, sie afrikanischen und moslemischen politischen Organisationen positiv gegenüber zu stellen. Auch hier stehen Salzborn und die “Anti”deutschen (und andere, die auf “links” machen) auf der Gegenseite. Manche versuchen, Juden zum “Opfer” der AfD machen; gegen wen sie hauptsächlich hetzt, ist hier egal (bzw wird begrüsst). Dass jüdische Unterstützung für die AfD als “Notwehr gg moslemischen Antisemitismus” deklariert wird, zeugt von einer gewissen Schieflage… Zumal Palästinensern etwas derartiges nie zugebilligt wird, immer als Ausdruck ihres “eigentlichen Charakters” ausgelegt wird, quasi als Grundlage für den Konflikt dort. Übrigens: Auch PEGIDA schwankt zwischen offen rechts (zB auch Ablehnung christlicher Flüchtlinge aus Afrika oder “Nahost”, Bekenntnis zu eigenem Radikalismus) und politisch korrekt rechts (für “christlich-jüdische Kultur”, gegen Radikalismus der Anderen). Beim PI-Pöbel gibt es auch etwas in dieser Art.

Zum Politischen Aschermittwoch der AfD am 1. März 17 im bayerischen Osterhofen trat als Ehrengast und Redner auch FPÖ-Chef Strache auf. > “Die Völkerwanderung ist gelebter Irrsinn“, es gelte der Grundsatz „Willst Du eine soziale Wohnung haben, musst Du ein Kopftuch tragen“. Die FPÖ kam unter Strache voll auf die Linie mit den anderen alten (FN, VB, ..) und neuen (PVV, Fidesz,…) europäischen Rechtsparteien, mit Anti-Islam und als Beschützer der Juden, Verteidigern des Abendlandes, infolge Verschiebungen nach 11/9/01. Zur Veranstaltung von Strache mit Broder heuer zu “moslemischen Antisemitismus” etwas im vierten Teil. Die FPÖ, in der sich nach der Nazi-Zeit die meisten Nazis Österreichs sammelten (und sich mit ihr mehr oder weniger in die Zweite Republik integrierten), die die meiste Zeit ihres Bestehens eine Rechtsaussen-Linie fuhr, versucht einen Relaunch vor dem Hintergrund globaler Umwälzungen. Der Saubermann Heinz-Christian Strache musste kürzlich zurücktreten (er hatte es zum Vizekanzler gebracht…), nachdem er vermeintlichen russischen Oligarchen in Ibiza Staatsaufträge gegen illegale Spenden angeboten hatte, dort auch verriet dass er das Mediensystem in Österreich nach dem Vorbild von Orban-Ungarn umgestalten will; zur selben Zeit kamen auch Hinweise auf Verbindungen der FPÖ zu Rechtsextremen (die Wurzeln von Strache), mit Gottfried Küssel, den Identitären,…51 PEGIDA hält Strache für eine “seriöse Bürgerrechtsbewegung”. bei der zweiten Wiener PEGIDA-Kundgebung Festnahmen wegen Zeigens des Hitlergrußes (bei vier habe es sich um Proponenten einer Spaßpartei gehandelt, bei den anderen zwei um PEGIDA-Anhänger).

Strache (links), Journalistin Isabelle Daniel (rechts), ORF-Pressestunde März 17

Jörg Haider, einer von Straches Vorgängern als FPÖ-Bundesparteiobmann, sagte 2001 über den amerikanischen “Spin doctor” Stanley Greenberg, einen Juden, der gerade für die SPÖ Wahlkampf in Wien machte52: „Der Häupl hat einen Wahlkampfstrategen, der heißt Greenberg … den hat er sich von der Ostküste einfliegen lassen! Liebe Freunde, ihr habt die Wahl, zwischen Spin-Doctor Greenberg von der Ostküste oder dem Wienerherz zu entscheiden … wir brauchen keine Zurufe von der Ostküste. Jetzt ist einmal genug“. Im selben Jahr, ein paar Monate später, war die Rede Haiders im Bierzelt in Ried, als er über IKG-Chef Muzicant herzog. Robert Spencer (USA; hp’s wie jihadwatch, dhimmiwatch,…), ein Breivik-Vorbild, ist einer aus der Islamophobie-Industrie, der sich positiv auf Haider bezog, ihm Tribut zollte. Greenberg leistete in Israel für die Avodah-Partei zur Zeit von Ehud Barak Wahlkampfhilfe, ausserdem für Nelson Mandela und dessen ANC bei der ersten freien Wahl in Südafrika 1994; wahrscheinlich war das was von Likud-Seite dazu (zu Greenberg) kam, gar nicht so weit weg von dem was Haider sagte. Als die FPÖ 2000 mit der ÖVP die österreichische Regierung bildete (Haider blieb damals in Kärnten als Landeshauptmann), zog Israel seinen Botschafter aus Wien ab.53

Das FPÖ-Programm ’97 war ein wichtiger Schritt von (deutsch)nationalen, klassisch-rechten Zielen zur “Sorge” um Europa, den Westen,… Vollends kam dieser neue rechte Charakter aber erst unter H.-C. Strache zum Durchbruch, der 05 Parteichef wurde, nachdem Haider mit Teilen der Partei von dieser wegbrach und das BZÖ gründete.54 Juden wurden nun als gut für den Westen gesehen, Westen positiv affirmiert, Moslems wurden das Andere,… Wobei natürlich auch hier nicht-weisse Christen wie Schwarzafrikaner zu den “Anderen” gezählt werden55, das Ganze hat (vornehm ausgedrückt) eine rassi(ist)sche “Komponente”, und eine kulturalistische. Auch Frauen- oder Schwulenrechte wurden bei den europäischen “Rechtspopulisten” gegenüber “dem Islam” in Stellung gebracht, bei der FPÖ eigentlich nur Erstere. Man versucht, sich mit Pro-Zionismus und “Antisemitismus”-Anklagen ggü Linke zu profilieren. “Die bösen Zuwanderer sind antisemitisch und frauenfeindlich, deshalb sind wir (die Fortschrittlichen) gegen sie…”. Strache: „Islamismus ist der Faschismus des 21. Jh, totalitär, eine Kriegserklärung an das aufgelärte Europa, frauenfeindlich, Moscheen sind Herrschaftssymbole, es wird dem ggü Appeasement betrieben…” Wie von Grigat.

Haider hatte einst zB gesagt: „Wozu haben wir die Türkenkriege geführt, wenn die heute alle da sind?“; es wird aber versucht, dies im Nachhinein entsprechend zu verdrehen. Es stellt sich die Frage, wohin sich die FPÖ unter Strache genau gedreht hat, was bzw wem eigentlich (sich) die Bahn gebrochen hat/wurde. Strache auch: „Nach allem was Juden im Exil angetan wurde, tragen wir Verantwortung für eine sichere Zukunft des jüdischen Volkes“; das war schon deutlich auf Israel gemünzt. Bevor Strache 06 aus dem Wiener Gemeinderat/Landtag in den Nationalrat wechselte, versuchte er im Rathaus noch eine Verurteilung des Völkermords an den Armeniern zu erreichen. Oder sagen wir so, er versuchte sich auch über dieses Thema zu profilieren, nahm sich dem an, um anti-türkische Ressentiments zu schüren.56 2010 dann die Solidaritäts-Reise Straches mit einer FPÖ-Delegation (David Lasar, Andreas Mölzer57, Hilmar Kabas, Elisabeth Sabaditsch-Wolf,…) nach Israel, wo er mit anderen Führern von europäischen Rechtsparteien (Geert Wilders, Filip De Winter,…) die “Jerusalemer Erklärung” abgab. Un an einer “Konferenz über islamischen Terror” teilnahm. Die FPÖ-Leute wurden dort u.a. vom israelischen Vizeminister Ayoub Kara (einem Drusen…) empfangen.

Dieser Kara hat der FPÖ anscheinend auch eine Art Gegenbesuch in Wien abgestattet; 2014 nahm der israelische Siedler-Führer Gershon Mesika (Chef der Regionalverwaltung von “Samaria”/Schomron im Westjordanland58) an einer “Konferenz” mit FPÖ und anderen westlichen Rechten teil. Zwischen Leuten vom Likud und rechts davon stehenden Parteien ist es in den letzten jahren immer wieder zu Kontakten gekommen. Von Seiten der FPÖ wird lieber darüber geredet (sehen das als gut für ihren Ruf), von Seiten der Israelis lieber vertuscht (fürchten um den Ruf) – obwohl Kontakte der revisionistischen Zionisten zu europäischen Rechten bis in die 1920er zurückgehen (siehe oben; es wird darüber mal einen Artikel geben…). Strache verwies gerne auf jüdische Mitglieder in der FPÖ. Der wichtigste davon war David Lasar, langjähriger Wiener Gemeinderat, dann Nationalrat. Lasar lag mit der Israelitischen Kultusgemeinde im Clinch, war aber Zionist; er organisierte die Reisen der FPÖler nach Israel. Und daher wurde er, im Gegensatz zu Israel-Kritikern in der IKG, in ihr nicht geschnitten. Lasar, der sagte, es gäbe keinen Antisemitismus in der FPÖ, legte ’19 seine Tätigkeiten für/in die/der Partei nieder (stehe ihr nicht mehr „als Symbol zur Verfügung”), begründete das mit Partei-Rechtsaussen Martin Graf. Aus der Partei will er jedoch nicht austreten, mit der Regierungsarbeit (besonders mit Innenminister Herbert Kickl) sei er “mehr als zufrieden” gewesen.

„In der FPÖ ist kein Platz für Antisemitismus“, so dieser Kickl. Nein, antisemitisch ist man nicht mehr, dies ist ja Merkmal der Orientalen, ausserdem ist Israel ja Retter des Westens usw. Zu Peter Sichrovsky, ebenfalls ein Jude in der FPÖ, kommt hier noch etwas. An dieser Stelle: Man kann sich vorstellen, wie aus dem Umfeld der IKG kommentiert worden wäre, wenn sich FPÖ-Leute mit Moslems getroffen und dann auch noch über Juden/Israel geredet hätten et cetera. Strache: “Ich halte …den Herrn Al-Rawi, der anti-israelische Demos anführt, für skandalös.” So könnte auch der “linksalternative” Florian Klenk über den irak-stämmigen SPÖ-Politiker geurteilt haben. Strache am Burschenschafter/WKR-Ball in Wien am Tag der Auschwitz-Befreiung angesichts der Proteste dagegen: „Wir sind die neuen Juden”.59 Strache redet(e) auch über “neuen Antisemitismus”, etwa in einem Interview mit der rechten israelischen “Jerusalem Post”, wo er gegen SPÖ-Politiker Darabos nach dessen Kritik an Avigdor Lieberman austeilte.60 

Nach dem guten Abschneiden der FPÖ bei der Nationalratswahl 17 analysiert die israelische Zeitung „Haaretz“ die Rolle der jüdischen Gemeinschaft in Österreich, aber auch anderen europäischen Staaten. Sie werde zunehmend von rechtspopulistischen Parteien als Instrument benutzt, um Muslime und andere Minderheiten zu dämonisieren, schreibt „Haaretz“ in einem Kommentar über den neuen „Philosemitismus“. „Noch vor fast drei Jahrzehnten wurde Heinz-Christian Strache bei einem Fackelmarsch einer Gruppe, die sich selbst die Hitlerjugend zum Vorbild nahm, festgenommen. In diesen Tagen klingt der 48-jährige Chef der politisch weit rechts stehenden Freiheitlichen Partei – die nach der Wahl am Sonntag sehr wahrscheinlich Teil der neuen österreichischen Regierung sein wird – so, als wolle er Israels bester Freund sein.“ Wie gesagt, Teile des jüdischen Hauptstroms sind bezüglich Israel so rechts (und ethnonationalistisch) wie möglich (und da kann es auch zu Kooperationen mit Rechten im Westen kommen, zumal unter den Vorzeichen von Westismus und Islamophobie), bezüglich der Diaspora für so viel Liberalismus und Minderheitenrechte wie möglich (und da werden die selben Rechten dann ggf als Gefahr gesehen).61

2017-19 dann die ÖVP/FPÖ-Regierung mit Kurz und Strache. Internationale und österreichische jüdische Organisationen lobten Kurz über den grünen Klee, äusserten glz “Besorgnis” über Strache/FPÖ. Was ziemlich heuchlerisch war, angesichts der Kontakte zwischen FPÖ und Juden auf verschiedenen Ebenen, der proisraelischen (und antimoslemischen) Haltung der FPÖ, dem Charakter der Rechten in Israel…und angesichts ihrer Sympathien für Sebastian Kurz. Die meisten Vertreter jüdischer Organisationen halten es so, sich mit FPÖ-Politikern nicht zu treffen. Davon betroffen war auch Aussenministerin Karin Kneissl, parteilos aber von der FPÖ nominiert bzw ihr nahe stehend. Kneissl, die u.a. in Arabistik ausgebildet ist und auch an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert hat, versuchte, mit Schönreden von Israel-Politik und sich Anbiedern über “Antisemitismus”-Verurteilung aus dem rechten Eck zu kommen. Etwa anlässlich ihrer Teilnahme an einer “Konferenz zur Bekämpfung von Antisemitismus” der OSZE in der Slowakei. Gegenüber der „Times of Israel“ sagte Kneissl, die EU lege besonders strenge Maßstäbe an Israel an, sie sei für eine Intensivierung der Beziehungen der EU mit Israel, hob ein Engagement der ÖVP-FPÖ-Regierung für die jüdische Gemeinschaft und den Staat Israel hervor und verwies diesbezüglich auch auf die EU-“Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus” in Wien. Vizekanzler Strache attestierte sie, „grosses Interesse an Israel, seiner Geschichte und Kultur“ zu haben. Das stimmt sogar, und grosse Sympathien.

„Ich bin absolut überzeugt, dass weder er noch ein anderes Mitglied dieser Regierung antisemitisch ist oder Antisemitismus toleriert“, schleimte Kneissl weiter. Am Rande der „Nahost-Konferenz“ in Warschau 19 hatte sie die Ehre, Netanjahu zu treffen, „Er ist sehr sympathisch auf mich zugekommen und wir haben uns unterhalten unter anderem über meine Zeit in Israel“. Was bei jemandem, der immer wieder die “westliche Welt” beschwört und den Holocaust den Palästinensern in die Schuhe schieben möchte, nicht verwundern darf. Wenn Kneissl Netanyahu trifft oder Kurz Lieberman, läge es eigentlich an den Österreichern, sich von Rechtsextremisten fernzuhalten… Österreich werde bald Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen die Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichen, so Kneissl.62 In die Bemühungen der FPÖ um eine Verbesserung der Beziehung zu Israel fällt auch ein Brief von ihrem Generalsekretär Christian Hafenecker an die Botschafterin in Österreich, Talya Lador-Fresher. Darin hiess es, rechtsextreme Gesten bei FPÖ-Veranstaltungen sei „Agitation politischer Gegner“, Linke seien wahre Extremisten, man distanziere sich vom NS, versuchte man über eine „Neudefinition“ rechter Inhalte („…Begriffe wie ‚Heimat’, ‚Tradition‘ und ‚Patriotismus‘ von manchen politischen Kreisen als rechtsextrem dargestellt“) Brücken zu den Zionisten herzustellen.

Eine Anbiederung die IL gleichzeitig zu einer Anti-Rechtsextremismus-Institution macht und (das trifft seinen Charakter schon eher) als nationalistischen Ethnostaat anerkennt. Im Rahmen der Bemühungen um eine Verbesserung der Beziehungen zu Juden hat die FPÖ auch eine parteiinterne Kommisson (Mölzer, Hafenecker, Wilhelm Brauneder, Thomas Grischany,…) eingesetzt, die die Geschichte und „braune Flecken“ der von früheren Nationalsozialisten begründeten Partei beleuchten soll. Die NS-Liederbuch-Affäre war hier der Auslöser. Ursprünglich wollte die FPÖ einen israelischen Historiker finden, um den “Untersuchungsbericht” absegnen zu lassen. Die FPÖ verweist in ihrem Bericht auf ihr Pro-Israel um den Bruch mit Antisemitismus zu belegen. Kritik kam u.a. von Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Uni Wien und Leiter des wissenschaftlichen Beirats des „Hauses der Geschichte“. Woran genau? Für die Broders und Netanyahus zählt ja (auch) genau das. Und ihre Islamophobie (für Kritiker des Berichts ein Thema?) gefällt dort auch, verbindet.

Unsauberen Umgang mit der eigenen Vergangenheit bzw dem Nationalsozialismus mit Pro-Israel und Philosemitismus zu “übertünchen”, hat sich etabliert. Mangelnde Distanz zu NS-Gedankengut wird dabei immer wieder offensichtlich. Strache hat zB als Vizekanzler in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ den von den rechtsextremen Identitären verwendeten Begriff des „Bevölkerungsaustauschs“ gebraucht.63 Auf den Einwand, dass „Bevölkerungsaustausch“ ein Begriff der rechtsextremen Szene sei, entgegnet der FPÖ-Obmann in einer späteren Ausgabe der selben Zeitung:„…Wir wollen nicht zur Minderheit in der eigenen Heimat werden. Das ist legitim, und redlich und zutiefst demokratisch…“. Mit solchen Kategorien operiert der Zionismus seit seiner Begründung, und daher eignet er sich auch nicht zur Läuterung von Rechten, im Gegenteil… Auf Englisch und Französisch heisst “Bevölkerungsaustausch” Replacement, siehe dazu die Teile über die Rechte in der USA und in Frankreich sowie dem Neuseeland-Attentäter. Strache blieb bei seinen Aussagen, Kritik sei „Diskussionsverweigerung“, er werde sich „nicht den Mund verbieten lassen“ (> Rhetorik von Broder & Co).

Bezeichnend war auch, wie Strache vor einigen Jahren (noch als Oppositionspolitiker) Beobachtungen von Journalisten dementierte, wonach bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung in Wien Anhänger lautstark „Türken raus” gerufen hätten. Er und die ebenfalls anwesende Ursula Stenzel hätten “nur vor einem neuen Antisemitismus durch Zuwanderung gewarnt”.64 Darüber schon hier. Der “Antisemitismus”-Vorwurf zur eigenen Profilierung und Reinwaschung. Die Wiener FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel ist im September 19 bei einem Aufmarsch der rechtsextremen Identitären-Bewegung in Wien („Befreiung Wiens 1683“) mitmarschiert, hielt eine Rede bei Abschlusskundgebung („Liebe Freunde…“). Stenzel, die gerne auf ihre jüdischen Wurzeln verweist, ist immer weiter nach rechts gerückt, ist jetzt anscheinend dort, wo sie hin gehört. Faselte davon, etwas zu verteidigen „wofür unsere Vorfahren gekämpft haben”65, attackierte den türkischen Präsidenten Erdogan (der die EU in der Flüchtlingsfrage „unter Druck setzt“), die “Bedenkenlosigkeit vieler europäischer Regierungen“,…

Stenzel unter Identitären

Später sagte sie, sie sei mit Anderen mitgegangen, habe nicht gewusst worum es eigentlich ging… Wie Parteikollegin Susanne Winter einst, die sagte ihre Zustimmung zum als “antisemitisch” inkriminierten Facebook-Posting sei durch Hudelei zu Stande gekommen. Oder Stephan Grigat (dessen “Stopthebomb” Stenzel unterstützt), nachdem sein Auftritt im Akademikerbund bekannt wurde, auch er hat sich da als Opfer inszeniert. In seinem Klagelied über „Leute die ihm am Zeug flicken wollten” hiess es, er hätte nichts über den Akademikerbund gewusst, sein Israel-Engagement hätte ihn mit jemanden von dort “zusammengeführt”; und: der Abend sei “eskaliert” als bekannt (gegeben) wurde dass seine Begleitern Simone Hartmann Jüdin sei und nicht Iranerin… Das ist bezeichnend für Grigat, aber auch den „Antisemitismus“-Diskurs! Will insinuieren, die im Akademikerbund (und Rechte überhaupt) hätten nichts gegen Iraner (obwohl sie sich genau darüber mit diesen pseudolinken Israellobbyisten getroffen haben), wohl aber gegen Juden > man hängt sich den gelben Stern um, um vom Wesentlichen abzulenken, um das mit der Ausgrenzung umzudrehen… Die Israel-Begeisterung (auch) in der (extremen) Rechten, die grosse Schnittmenge zwischen diesem pseudolinken Lager und der Rechten (Anti-Islam, ProIsrael), der Brückenbau zwischen ihnen – das “muss” man natürlich verdrehen.66

Im Präsidium dieses Wiener Akademikerbundes (aus der ÖVP ausgeschlossen nach der Forderung u.a. nach Aufhebung des Nazi-Verbotsgesetzes) ist auch Elisabeth Sabaditsch-Wolf, die ja mit Strache in Israel war; Breivik hat positiv auf sie Bezug genommen. Was FPÖ-Politiker und ihre Anhänger in sozialen Medien von sich geben, ist ja auch aufschlussreich. Wenn Christian Höbart etwa in einem Facebook-Posting Asylwerber als „Erd- und Höhlenmenschen“ beschimpft.67 Strache stilisiert sich ja auch immer wieder als Opfer, wenn seine Postings und die Reaktionen seiner Fans thematisiert werden. “Die Praxis, die Freiheitlichen und ihren Obmann mittlerweile tagtäglich medial anzupatzen, nimmt unerträgliche Formen an“. Eine richtige Campaign. Plakate des RFJ Steiermark 19 wurden nicht nur von IGGiÖ-Vural, sondern auch IKG-Deutsch als „rassistisch“ kritsiert; die Broders unter den Juden und die Pirinccis bei den Moslems (auf der selben „Achse“ wie diese Broders…) werden kein Problem damit haben, im Gegenteil. Strache hat den damaligen Bundeskanzler Werner Faymann vor einigen Jahren in einer Neujahrs-Rede „Staatsfeind“, „Bürgerfeind“ und „Österreich-Feind“ genannt.

Die Suche der FPÖ nach Partnern in Europa ist eine ewige, hat man den Eindruck, die Rechten Europas lassen sich schwer zusammenfassen, organisieren. Gründe dafür wurden in diesem Artikel dargelegt. Das lässt sich auch an den Änderungen der rechten Fraktionsgemeinschaft im EP (zur Zeit hauptsächlich die “Identität und Demokratie”)68 ablesen. Jedenfalls, die neue Rechte versucht sich über Anti-Islam, Pro-Judentum und anderen Toleranzchauvinismus-Versatzstücken neu zu definieren. Alle Mitgliedsparteien der “Identität und Demokratie” (VB, RN, Lega, AfD, PVV,…) haben Kontakte ins rechtsextreme Lager in ihren Ländern. Die FPÖ arbeitet(e) auch mit der ungarischen Jobbik zusammen – welche aber einen Teil des Burgenlands beansprucht, und deren “antisemitische” Linie sich mit jener der FPÖ beisst. In Österreich hat die FPÖ nicht nur die Identitären als Partner, sondern auch die Kurz-ÖVP und Teile der SPÖ stehen dafür bereit. Der jetzige burgenländische Landeshauptmann Hans P. Doskozil ist einer solchen Koalition zugeneigt; Doskozil hat als Innenminister mit Israel im „Sicherheits“-Bereich zusammengearbeitet.

Die FPÖ ist nicht appetitlicher geworden mit ihrer Hinwendung zu Islamophobie und Israelbegeisterung, ganz und gar nicht. Wenn Strache zu Orban fuhr und dann vom gemeinsamen Kampf gg Einwanderung und jenem gg Menschenhandel sprach, sandte er Signale in 2 Richtungen… Das Rechte wird ja jetzt bei der FPÖ (und Ähnlichen) als “Abgrenzung von den Barbaren” affirmiert. Mit islamophoben und anderen rassistischen Ausfällen kommt man durch, mit antisemitischen nicht. Bei Susanne Winter war das so, über „Neger“ und „Gene“ konnte sie sagen was sie wollte, bezüglich Moslems versuchte sie (wie Viele) die Grenze zwischen Islamkritik, Islamismuskritik, Moslemophobie und allgemeiner Fremdenfeindlichkeit zu verwischen. Wenn sie sagt, der “Islam gehöre zurück hinters Mittelmeer”, meint sie natürlich (auch) die Einwanderer (die Menschen) die aus diesem “Kulturkreis” kommen, und ihre Aussagen über Afrikaner unterstreichen das – da geht es um Rasse (und Kultur), nicht Religion. Sie bekam parteiintern und ausserhalb erst massiven Gegenwind, als ihr etwas Antijüdisches vorgeworfen werden konnte.69 Und, als die FPÖ in einem Inserat Israel neben der Türkei als nicht in der EU erwünscht darstellte, gab es nur wegen Ersterem Aufregung und Kritik.70 Ähnlich sind die Anforderungen an die AfD.

Zu den Widersprüchen und Gemeinsamkeiten zwischen den Israelfreunden der FPÖ und jenen aus der Cafe critique-Ecke später. Die von Broder oder den Littmans (David und Gisele alias “Bat Yeor”) oder Caroline Glick formulierte Islamophobie spricht und lädt natürlich (auch) Leute aus dem alt-rechten Milieu ein, dient zur Entlastung ohne Läuterung.71 Im Stab von Andreas Herzog als Trainer des israelischen Fussball-Nationalteams72 ist auch der ehemalige FPÖ-Mann Klaus Lindenberger, was natürlich auch für Niemanden ein Problem ist. Dagegen, die linke Kleinpartei SLP wurde etwa von Zionisten in Wien auf Plakaten als „Israelhasser“ und „Nazischweine“ beschimpft (beschmiert); rassistisch darf man sein, aber nicht “israelkritisch”… Da schlägt der „Antisemitismus-Detektor“ an, oder eher: er wird hochgefahren.

Der Schriftsteller Michael Köhlmeier warf der FPÖ beim NS-Opfergedenken des Parlaments im Mai 18 Heuchelei im Umgang mit den Juden vor. Der Künstler und Holocaust-Überlebende Arik Brauer ist einer jener, die finden dass die Strache-FPÖ eine “faire und richtige Einstellung zum Judentum” hat. Da kamen Straches Relaunch und Brauers Rechtsruck73 zusammen. Juden wie Brauer respektieren Strache wegen seiner Israel-Solidarität, nehmen ihm diese ab (und segnen sie ihm ab) und damit auch vieles Andere. Und für die Haltung zu Moslems ist natürlich auch Israel entscheidend. Das zeichnete sich schon ein paar Jahre zuvor ab, als “Der Standard” Brauer und Strache zu einer Diskussion bat (als vermeintliche Gegenpole). Brauer spielte etwas Abgrenzung vor, in der Zustimmung versteckt war74 Dabei kam das was die beiden verbindet, der blühende Staat der auf den österreichischen Burschenschafter Herzl zurückgeht (wie es Strache ausdrückte), gar nicht zur Sprache – wahrscheinlich weil Straches Pro-Israel Brauer peinlich gewesen wäre.75

Brauer hat immer hervorgestrichen, dass er sich für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern engagiert hätte, von der Gegenseite würde aber nur Hass und Gewalt kommen, die im Endeffekt antisemitisch motiviert sei. Das ist weit verbreitet unter „liberalen Zionisten“; “Wir sind eigtl zu gut zu den Palästinensern, zu naiv, wir werden ausgenutzt, sie sind die Bösen, verstehen eigtl nur eine Sprache,…”. Er versteht den Konflikt nicht. Hat eine Villa in Wien und eine im “israelischen Künstlerdorf” En Hod. Dieses war ein palästinensisches Dorf (Ein Howd), dessen Bewohner im Zuge der israelischen Staatsgründung bzw Nakba 1948 vertrieben wurden. Die meisten der vertriebenen/geflohenen Dorfbewohner (zwischen 500 und 1000) ließen sich in Jenin nieder, einige siedelten sich in der Nähe ihres ehemaligen Dorfes an und gründeten dort das neue Ein Howd – das erst 1992 vom israelischen Staat als Gemeinde anerkannt wurde. Wie hat sich Brauer, der mit das Künstlerdorf macht(e), für “Frieden” engagiert? Indem er in Tel Aviv mit “Shalom Achshav”-Leuten demonstriert hat und dergleichen. Hat er sich für die in der Nähe “seines” Dorfes lebenden Palästinenser (nun Nachfahren der Vertriebenen) irgendwie gekümmert, oder um jene die es nach Jenin verschlagen hatte?

Einsatz für “Menschenrechte” und “Frieden” sieht anders aus, wenn man in seiner Umgebung damit beginnt, wenn das Einsatzfeld konkret und nahe und nicht abstrakt und entfernt ist. Seine Stellung bzw Behandlung als Jude in diesem Staat bedenkt er nicht mit, bzw was an Geben (Zugeständnissen) für einen Frieden notwendig wäre. Der inner-zionistische Dialog läuft so, “Gebts ihnen (den Palästinensern) Almosen” – “Gebts ihnen keine”. Bemerkenswert war auch sein “ZiB”-Auftritt mit dem palästinensischen Künstler Marwan Abado, wo er die selben Lieder sang wie in den letzten ca. 20 Jahren. “Wenn ich weiss, dass du mich nicht umbringst, kannst du alles haben.-Ich bin jetzt Israel und du Palästina”. Was ist eigentlich Palästina? Wird es von Israel anerkannt (oder eher das was noch übrig ist, zugesiedelt), und welche Grenzen hat es? Es ist auch bezeichnend, dem Anderen wird eine Vernichtungsabsicht unterstellt, die Grund des Konflikts sei, man macht sich zu seinem Opfer. Bzw, der Andere wird zur Behandlung seiner aggressiven Paranoia aufgefordert. Womit wir wieder bei Awraham Burg sind (Teil I).76

Brauers Vater ist aus dem Russischen Reich nach Österreich ausgewandert, im „Grossdeutschen Reich“ wurde ihnen abgesprochen, Österreicher zu sein bzw sogar, Menschen zu sein, der Vater getötet. Eigentlich ist es sehr verständlich, dass er sich, nachdem das vorbei war, gefragt hat, wo er eigentlich hingehört, wo es für ihn Sicherheit gibt. Und längere Zeit hat er auch einen liberalen Zionismus vertreten. Vermutlich leidet er, wie Broder, darunter dass er es nicht schaffte, sich in Israel eine dauerhafte Existenz aufzubauen, es gibt da einige Parallelen zwischen den beiden.77 In seiner Autobiografie schrieb er ausser vom „Friedensengagement in Israel“ auch davon „mit Fahrrad durch Afrika gefahren“ zu sein, „dort einen Sklaven befreit“,…

Der Christchurch-Attentäter Tarrant unterstützte die Identitären in Österreich, die österreichische Regierung mit FPÖ-Innenminister Kickl kündigte an, diese nun verbieten zu wollen. Dazu muss(te) die FPÖ erst ihre Kontakte in diese Ecke „entsorgen“. Der erste Konflikt in der Koalition, kurz bevor sie auseinander brach, anlässlich des Ibiza-Videos. Kurz und Strache, zwei solche Saubermänner… Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP): Es gebe „keine Toleranz für gefährliche Ideologien, ganz gleich, aus welcher Ecke sie kommen“. Egal welche Art von Extremismus, „so was darf keinen Platz in unserem Land und in unserer Gesellschaft haben“, und so etwas dürfe „niemals toleriert werden“. Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) kündigte eine “schonungslose Aufklärung” an. Kurz zeigte sich mit der „Abgrenzung“ der FPÖ von den Identitären zufrieden. Absolution für die FPÖ durch Kurz, der selbst auf Absolutionen aus ist. Als die ÖVP/FPÖ-Regierung 17 zustande kam, hiess es die „blaue Regierungsbeteiligung belastet das Verhältnis Österreichs zu Israel“.

Was wieder insinuiert, dass Israel eine Art antifaschistische moralische Instanz sei… Von Ariel Muzicants Sohn Georg, dessen Nachfolger im Immobilienunternehmen, kam vor der Wahl 17 eine Spende an Kurz. Natürlich könnten dabei auch wirtschaftspolitische Überlegungen eine Rolle gespielt haben… Kurz war als Aussenminister (13-17) doch der, als der er als Integrations-StS zu befürchten war (und als Kanzler erst recht). Unter Kurz ist ÖVP so rechts geworden (trotz Gesellschafts-Liberalismus), damit auch pro-israelisch… Was sich zB bei seinen Stellungnahmen zur Gewalt in und um Gaza 14 zeigte oder bei Kurz’ Israel-Reise 16 (die von mitgereisten journalistischen Groupies begeistert behandelt wurde). Und die Sache der Koalition mit der FPÖ wollte Kurz nochmal extra abgelten. Von Netanyahu abwärts gab es auch Lob für Kurz, für dessen „klares Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus“ (Kritik an Israel), und für seinen Willen, sich in der EU stärker für Israels „Sicherheits“-Interessen (Maßnahmen gegen Palästinenser und gegen die Region als solche hinnehmen) einsetzen zu wollen.

Foto oben: Demo in Wien gegen die türkis-blaue Regierung, mit israelischer Flagge (links)… “Linke” Israelfreunde demonstrieren gegen rechte Israelfreunde, versuchen zu suggerieren, dass Israel ein Gegenpol zu dieser rechten Regierung sei. Es gab wahrscheinlich noch nie eine solch proisrealische Regierung wie die von Kurz & Strache, und jene von Netanyahu steht nochmal klar rechts von ihr

In seiner Zeit als Aussenminister sei ihm bewusst geworden, dass Antisemitismus und Antizionismus „heute Hand in Hand gehen und oft zwei Seiten einer Medaille sind“, so Kurz. Da ist ihm klar geworden, dass man sich mit “Eintreten für die Sicherheit Israels” international profilieren kann, sich selbst inszenieren, rechte Inhalte legitimieren. Bei Stenzel ist das “Engagement gegen Antisemitismus” auch in einen konservativen Kreuzzug eingebettet ist > ÖVP zu links weil für eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle und ein moslemischer Kandidat78, Auftritt bei Demo gg “Genderwahn”,… An der erwähnten „Antisemitismuskonferenz“ war die IKG anwesend, „weil daran kein FPÖ-Politiker teilnehmen werde“. Es kamen u.a. Ronald Lauder (WJC), Moshe Kantor (EJC), EU-Justizkommissarin Vera Jourova, EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn sowie EU-Parlamentspräsident und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber79; Netanyahu musste ja absagen. Es wurde, “als konkreter Schritt” ein “Handbuch gegen Antisemitismus” präsentiert, das von “Experten” im Auftrag des EJC erarbeitet wurde. Zur selben Zeit hatte Innenminister Kickl zu einer EU-Konferenz geladen, bei der der Antisemitismus ebenfalls Thema war. Der Kampf gegen den politischen Islam und den Antisemitismus „müssen sichtbarer auf der EU-Agenda stehen“, so Kickl.

Kurz versuchte bei der Konferenz dann, die EU-Staaten mit einer gemeinsamen Erklärung zu einer einheitlichen Definition des „Antisemitismus“ bringen (die auf “Israel-Kritik” abzielt). Er hoffe sehr, dass das während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft gelingt; Kurz bezeichnete es als „unglaublich“, dass Antisemitismus auch knapp 100 Jahre nach der Schoah noch existiert. Zum immer schon vorhandenen Antisemitismus sei auch ein „neu importierter“ gekommen, sagte er in Anspielung auf Migranten und Migrantinnen aus islamischen Staaten. Kurz forderte auch die Staaten der EU dazu auf, ihr Stimmverhalten bei UNO-Abstimmungen “über Israel” zu überdenken. Er behauptete, es gäbe ein in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstandenes, „immer stärker konzertiertes Vorgehen gegen Israel, in einem Ausmaß, das sicher nicht als ganz korrekt bezeichnet werden kann“, stimmte Kurz der zuvor vom Chef des AJC, David Harris, geäusserten Kritik an den UNO-Staaten zu. Österreich und Israel waren sich auch einig bei der Ablehnung (Nicht-Unterzeichnung) des UN-Migrationspakts.80

Dann, Irans Präsident Hassan Rouhani ’18 in Österreich; Kurz telefonierte vor dem Treffen mit Netanyahu, um die „israelische Sichtweise“ zu hören”…und sprach rund um das Treffen andauernd von „österreichischer Verantwortung“, „Sicherheit Israels“,… Ro(u)hani differenzierte, auf häufige „Nachfrage“ der Österreicher, zwischen Juden und Zionisten (Israel) – was ihm aber zum Vorwurf gemacht wurde („hetzt gg Israel/Juden“,..), in den Entrüstungs-Chor von Drop, IKG, SWC,… stimmte dann auch Kurz mit ein. Wiederum sprach er von einem „konzertierten Vorgehen gegen Israel“ im Rahmen der UN. Kurz’ Kotau vor Netanyahu (dessen Hetzreden nie ein Thema sind) rund um den Rouhani-Besuch samt UN-Kritik sind ja eingebettet in ein entsprechendes ideologisches Umfeld. Was sich auch beim EU-Afrika-Forum in Wien anlässlich des österreichischem EU-Ratsvorsitzes im Dezember 18 zeigte. Ratsvorsitzender/Kanzler Kurz sagte dort, dass „Afrika nicht den Chinesen überlassen werden“ dürfe. Der Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki-Mahamat (Tschad) antwortete, man dürfe Afrika nicht „infantilisieren“, Afrika sei „kein Spielplatz, bei dem jeder hergehen kann und sagen, was er will“, es sei kein „leeres Terrain, auf dem sich Amerikaner, Chinesen und Europäer miteinander schlagen“ und „um Ressourcen streiten, auch wenn das in der Vergangenheit so war“. Afrika gehöre den Afrikanern.

Man ist an den “Wettlauf um Afrika” (Scramble for Africa) erinnert, das Rennen um die totale Aufteilung dieses Kontinents unter europäischen Mächten und der USA, etwa von 1881 bis 1914. Begonnen hatte diese Inbesitznahme etwa 500 Jahre früher. Noch nach dem 2. WK hiess es, Afrika sei ein “Ergänzungskontinent” für Europa…und es wurde auch so behandelt, über die Entkolonialisierung hinaus. China sieht Afrika als Möglichkeit, Europa sieht Afrika als Problem“; welchen Grund sollte Afrika haben, Europa „zugeneigt“ (ausgeliefert) zu bleiben. Dass Afrika eigenständig für sich entscheidet, das geht ja schon mal gar nicht. Man ist an den Kolonialrevisionismus im Deutschen Reich der Weimarer Republik erinnert, als in vielen Reden und Texten versucht wurde, die verbliebenen europäischen Kolonialmächte in Afrika zu diskreditieren und Deutschland als “Beschützer der Kolonisierten” und “wahren Treuhänder” darzustellen. Anlässlich Israels Offensive gegen den Gaza-Streifen um den Jahreswechsel 08/09, kritisierte Südafrikas damaliger Präsident Kgalema Motlanthe (ANC) die United Nations Organisation bzw ihr System, mit dem Sicherheitsrat bzw den Vetomächten.

Die UN und ihr Sicherheitsrat müssten repräsentativer für die Weltbevölkerung werden, die lobbyistische Politik von Vetomächten wie der USA sei gegen die Idee der Vereinten Nationen. Aber wenn sich in der UN die globalen Mehrheitsverhältnisse wiederspiegeln und dort eine “Politik” abseits von westlicher Vorherrschaft ausgeübt wird, kommen Organisationen wie UNwatch von Hillel Neuer81 und prangern das an. UN Watch ist ein Organ des American Jewish Comittee (AJC), wird von manchen Medien nicht als Lobbyorganisation behandelt, sondern als von “wissenschaftlichen” oder “menschenrechtlichen” Bedenken motiviert (ähnlich wie MEMRI). Motlanthe hat damals gesagt, Israelis und Palästinenser hätten das Recht, nebeneinander zu existieren; aber man kann davon ausgehen, dass Neuer daraus eine “Befangenheit ggü Israel” gemacht hat, so wie Kurz. Was bezeichnend ist für den Diskurs, bei Obama war es ja auch so, dass man ihm “Anti-Israel” unterstellt hat, weil er die Israel-Unterstützung der USA in manchen Teilen hinterfragt hat. Eric Louw, ein Aussenminister Südafrikas zu dessen Apartheid-Zeiten (damals war Israel eng mit Südafrika verbündet) nannte die Aufnahme unabhängiger afrikanischer Staaten in die UN eine “Ermunterung für die Kräfte der Barbarei”…

Apartheid-Südafrika hat auch immer über die UN gejammert und was sich die Nicht-Weissen erlauben. Nun ja, “Spurenelemente” dieser Haltung zeigen sich bei Israel-Unterstützern wie Sebastian Kurz. Nachdem über ein Verbot des Schächtens durch die ÖVP/FPÖ-Regierung (bzw ihre parlamentarische Mehrheit) diskutiert wurde, beruhigte Kanzleramtsminister Blümel (Kurz’ “rechte Hand” bzw Schnösel-Kollege), redete von „jüdisch-christlichen Wurzeln”, “jüdischen Mitbürgern”, “verteidigen“,… Engagiert in dieser Thematik ist aus der ÖVP auch Wolfgang Sobotka, Nationalratspräsident und zuvor Innenminister, ein fremdenfeindlicher Rechtspopulist. Bei einer Gedenkfeier im Parlament 2018 für die Novemberpogrome 1938 bedankte er sich bei Kanzler Kurz dafür, dass man sich zu „null Toleranz gegenüber Antisemitismus“ bekannt habe. Dieser damals: „Unsere historische Verantwortung endet weder an der österreichischen noch an der europäischen Grenze“, denn Österreich habe eine Verantwortung, nicht nur für jüdisches Leben hierzulande und in Europa, sondern auch gegenüber den Juden in Israel. Sobotka präsentierte vor einiger Zeit82 eine von ihm in Auftrag gegebene Studie über “Antisemitismus in Österreich”, von IFES (Eva Zeglovits) und Braintrust (Thomas Stern). Es sei erfreulich dass es die stärkste Zustimmung bei Befragten nicht zu antisemitisch gefärbten Inhalten gab, sondern zu der Aussage, dass Österreich wegen der Verfolgung im Zweiten Weltkrieg die moralische Pflicht hätte, Juden beizustehen.

Also eine Pro-Israel-Politik fahren, wie Kurz… Damit kann man ja die Juden-Verfolgungen der Vergangenheit auslagern gewissermaßen. Sobotka versucht das ja auch, mit solchen Initiativen, seine Fremdenfeindlichkeit kann er so als “Kampf gegen zugewanderten AS“ deklarieren, mit „keine Toleranz ggü Intoleranten“ suggerieren, dass er eine solche hätte,… Ja, es ist ein Vorteil, wenn man Hassrede definieren kann, zB über solche Studien und die Kommentare dazu. Wer selbst so integer und sittsam agiert (wie Sobotka, Kurz, Strache), dem steht es zu, Andere zu ermahnen und zu rügen. Als Kronzeuge (für “moslemischen Antisemitismus”) führte Sobotka Bassam Tibi an, der sich lange Zeit eigentlich seriös mit dem Islam und Themen die mit ihm im Zusammenhang stehen, beschäftigte. Bassam Tibi ist bekömmlicher als Ahmed Tibi, der “israelische Araber”; und Hanan Zoabi ist schwerer zu verdauen als Sarah Zoabi.

17 ein Bericht des „Falters“ über „antisemitische Witze“, “Frauenhass” und “Spott über Behinderte” in Chatgruppen („Jus Männerkollektiv“) von Funktionären der ÖVP-nahen AktionsGemeinschaft (AG) am Juridicum der Universität Wien kurz vor ÖH-Wahl. Ausschluss der Funktionäre; Empörung von JVP-Chef Sebastian Kurz, „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk, VSStÖ, GRAS, orf.at, Mauthausen Komitees Österreich, Jüdische österreichische HochschülerInnen (JöH),… Das ist auch in Ordnung. Aber: Als die israelische Justizministerin Ayelet Shaked einige Wochen davor im Juridicum auftrat, kam von den Selben kein Protest. Im Gegenteil, man kann davon ausgehen, dass der eine oder andere Genannte den Auftritt beworben hat….und bei Auseinandersetzungen mit dieser Shaked und ihrer Politik die AS-Keule geschwungen haben. IKG-Chef Deutsch über die Chatgruppe: „Die Empörung ist schnell artikuliert. Jetzt müssen wir das Problem benennen, Ursachen analysieren und bekämpfen: Antisemitismus im akademischen Betrieb“.83

Das Verhältnis der ÖVP (und Österreichs!) zu Juden und Israel war eine Zeit lang von Bundespräsident Waldheim geprägt, aufgrund dessen Wehrmachts-Vergangenheit bzw dem Umgang damit.84 Waldheim-Schwiegersohn ist seit vielen Jahren EP-Abgeordneter (für die ÖVP). Mit Kurz kam das österreichisch-israelische Verhältnis in neue Höhen – nicht weil er der antifaschistischste Kanzler/ ÖVP-Chef ist, sondern weil er die Verstrickung Österreichs in NS-Verbrechen mit Israel-Unterstützung “wieder gut zu machen” versucht, an statt die dieser Verstrickung zu Grunde liegende Geisteshaltung zu behandeln; und weil er mit Netanyahu den passenden Partner dafür hat. Im Inneren war das bislang Strache bzw die FPÖ. Sein Appeasement ggü Trump bei seinem Besuch im Weissen Haus ’19 und seine Vorstösse in der Flüchtlingspolitik zeigen ja auch, wessen Geistes Kind Kurz ist. „Ein Land, das versucht, Journalisten und Oppositionsführer einzusperren, hat in der Europäischen Union keinen Platz“, sagte er über die Türkei.

Kurz gratulierte Netanyahu zum “Sieg” bei der ersten israelischen Wahl 19 per Twitter: „Obwohl das offizielle Ergebnis noch nicht veröffentlicht wurde, ist eine Sache klar: Sie haben – einmal mehr – das Vertrauen der Menschen in Rekordzahlen gewonnen“, Er freue sich darauf, mit Netanjahu „in Zukunft zusammenzuarbeiten, zum Wohle der Menschen in Israel und der Menschen in Österreich“. Trump meinte, Netanyahus Sieg erhöhe die Chancen auf Frieden im Nahen Osten.

Bezüglich Menschenrechten ist er aber “flexibel”; bei Saudi-Arabien wird so etwas wie “Journalisten einsperren” nicht so streng gesehen (und so etwas wie Opposition gibt es dort gar nicht erst), und bei Israel schon gar nicht. Und während er die Ausschaltung des Parlaments in Venezuela (seit der Wahl ’15 vom Oppositionsbündnis MUD dominiert) unter Nicolas Maduro ’17 thematisiert (und den selbsternannten Übergangspräsidenten Guaido unterstützt), bleibt er ruhig zum “stillen Coup” in Brasilien, wo das Parlament ’16 die Präsidentin (Rousseff) ausschaltete, und zur Ausschaltung „Lulas“ durch die Justiz von der Wahl ’18. Zurück zur Türkei und Flüchtlingen: Zu Drohungen aus der Türkei, den Flüchtlingspakt mit der EU zu kündigen, wenn es nicht zu der verabredeten Visa-Freiheit für ihre Bürger kommen sollte, sagte Kurz, in diesem Fall müsse die EU ihre Aussengrenzen selbst schützen – „nach dem Vorbild Australiens“. Bootsflüchtlinge, so Kurz, sollten nach dem Vorbild Australiens im Mittelmeer abgefangen, sofort zurückgeschickt oder auf Inseln interniert werden. Nun, allzu weit weg ist er auch nicht entfernt von John Howard. Kurz und Strache spielen das Zuwandererthema, um vom Sozialen, von Umweltthemen (wie der Klimakrise) und vom eigenen Chauvinismus abzulenken. Sein Vorgänger als ÖVP-Chef und Vizekanzler, Reinhold Mitterlehner, geizte nicht mit Kritik an Kurz, bezeichnete diesen als “Rechtspopulisten“.

Ein Blick auf die Schweiz: Die “Weltwoche”, die 1933 Sympathie für den Faschismus und ihre Schweizer Ableger (hauptsächlich die Nationale Front) zum Ausdruck gebracht hat, unterstützt heute ziemlich offen die Schweizerische Volkspartei (SVP). Roger Köppel, Ziehsohn von Christoph Blocher, ist Chefredakteur der “Weltwoche”, nun auch SVP-Politiker (Nationalrats-Abgeordneter); zwischendurch war er auch passenderweise bei “Die Welt” in leitender Funktion. „Weltwoche“ wie SVP sind weit rechts und pro Israel; erstere hat zB auch “PI” anklagend verteidigt („unabhängige und populäre Gegenstimme“). Selbst für Weltwoche/SVP-Massstäbe auffallend rechts ist Philipp Gut. Warum bevorzugt Rechtskonservative wie SVP-Mann Ulrich “Ueli” Maurer Israel-Lobbyisten sind, wird von zionistischer Seite meist damit “erklärt”, dass die Linke eben so “antisemitisch” sei… Im März 2013 ein Artikel in der „Basler Zeitung“: „Die sieben geläufigsten Propaganda-Märchen. Israel ist böse, Palästinenser sind Opfer: Seit Jahren nimmt das Gros der westlichen Medien diese Perspektive ein. Das sind die sieben perfidesten Märchen.“ Autor: der Deutsche David Harnasch, war Bush-Fan, dürfte auch Trump-Fan sein, ein Hardcore-Zionist (“Entebbe”-Leibchen,…). „Basler Zeitung“: Miteigentümer ist SVP-Patron Christoph Blocher.

Laut Richard Spencer ist Donald Trump zwar kein Vertreter der “Alt-Right”, sein Wahlsieg 16 sei aber ein erster Schritt in Richtung einer “schlüssigeren” Politik, Trumps Populismus sei tief in der “identitären Politik” verwurzelt. Spencer, Bonzensöhnchen, US-amerikanischer White-Supremacy-Aktivist, prägte die Bezeichnung “Alt-Right”. Es gehe darum, die USA von „Nichtweissen“ zu „säubern“, zu verhindern dass die weissen US-Amerikaner in “ihrem eigenen Land” künftig eine Minderheit sein werden. Die Nazi-Diktion und -“Versatzstücke” stehen dem nicht entgegen, dass sich dieser Spencer als “weisser Zionist” bezeichnet, er wolle ein “sicheres Heimatland” für “seine Leute” wie es Israel für Juden sei, einer der wenigen Ethnostaaten. Er ist auch gg Juden in der USA (bzw sieht sie nicht als “Weisse”), ist nichtsdestotrotz ein Israel-Anhänger, klassisch… Über Trumps Wahl (und Obamas Abtritt) gab es Frohlocken in diesen Kreisen, eben so wie bei Zionisten (Naftali Bennett strahlte schon, dass mit Trump eine Zweistaatenlösung bzw ein Staat Palästina „vom Tisch“ sei), Saudis und Leuten wie Robert Spencer. Am Ende einer Veranstaltung seines National Policy Institute im November 2016 in Washington D.C., auf der Trumps Sieg gefeiert wurde, rief er den Anwesenden unter anderem zu: „Hail Trump, hail our people, hail victory!“ Teile des Publikums zeigten daraufhin den Hitlergruss.

USA-Präsident Donald Trump hat im Sommer 19 zunächst mit einem Tweet wieder gezeigt, wie primitiv (und) rassistisch er ist. Er schimpfte über einige weibliche Kongress-Abgeordnete der DP, die aus „Ländern mit korrupten und katastrophalen Regierungen“ kämen, und sich erdreisteten der Bevölkerung der USA („the greatest and most powerful Nation on earth“) zu sagen wie Politik zu funktionieren habe, „Why don’t they go back…“ und richten ihre Herkunftsländer her („the totally broken and crime infested places“). „Then come back and show us how it is done“. Dazu noch ein Seitenhieb auf Pelosi. Seine Äusserungen über „progressive demokratische Kongressabgeordnete“ waren unschwer erkennbar auf die jungen Alexandria Ocasio-Cortez (aus einer puertoricanischen Familie in New York), Ilhan Omar (aus Somalia), Rashida Tlaib (in USA in eine palästinensische Familie geboren) und Ayanna Pressley (Afro-Amerikanerin) gemünzt, 3 davon also von Geburt US-Amerikanerinnen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz warfen die vier Abgeordneten Trump offenen Rassismus vor. Bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps in North Carolina, als er erneut begann, Ilhan Omar zu attackieren, skandierte das Publikum „Schickt sie zurück“. Trump ließ die Menge gewähren, was er später leugnete. Dann tweetete er noch „Ich glaube nicht, dass die vier Kongressabgeordneten in der Lage sind, unser Land zu lieben“

Da findet sich Einges: Menschen mit dem Elend “ihrer” Länder „assoziieren“; ihnen zu sagen dass sie eigentlich zu anderen Ländern gehören, nicht zur USA, sich nicht “einzumischen” haben, sich anderswo um Probleme kümmern sollten,… Die “Anti”deutschen, die sich gerne so frauenfreundlich und progressiv geben (und pro-amerikanisch!), blieben hier natürlich ruhig. Omar geriet ausserdem in Kritik für “Israel-Kritik”. Glenn Greenwald verteidigte sie dafür bzw kritisierte die Zensurversuche gegen sie; als Kommentar dazu tweetete Omar: “It’s all about the Benjamins baby” > Israel-Unterstützung in der USA käme aus finanziellen Zuwendungen und Ähnlichem. Abagond kommentierte zutreffenderweise: “It’s not all about the Benjamins, despite what Ilhan Omar might think. As powerful and monied as is AIPAC (American Israel Public Affairs Committee), way more people belong to CUFI (Christians United for Israel). And yet more simply read their Bibles and see God as promising the land of Palestine to the Jews. And they mostly vote Republican, which is why Republicans are so blindly loyal to Israel even though few Jewish Americans vote for them. In the US most Zionists are not Jewish but Christian, in particular White Evangelical Protestants.”

Als eine der ersten moslemischen und afrikanisch-stämmigen Frauen, die in den Congress gewählt wurden, war Omar ohnehin von Anfang an Zielscheibe entsprechender Kreise gewesen, nach dem “Benjamins”-Kommentar (> Franklins Konterfei, auf Banknoten) kam nun auch die Allzweckwaffe “Antisemitismus” hervor. Etwa beim rassistischen Babyface Ben Shapiro (“The Ugly Truth About Antisemitism in the Democrat Party 2018 midterm will bring many new faces to Washington, but few will find as much adoration as Ilhan Omar…“) oder von den Murdoch-Medien (Fox, “New York Post”,…). Natürlich wurde sie auch in die Islamisten-Ecke gestellt, auch von Trump. Es gibt von diesen Praktiken schon Parallelen zum klassischen Antisemitismus, auch wie er sich in Nazi-Deutschland äusserte… Dann erliess Israel ein Einreiseverbot für die US-Abgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar, Ministerin Hotovely begründete das mit dem „Absprechen des Existenzrechts“. (Der Amerikanerin) Tlaib wurde dann doch ein „humanitärer Besuch” bei ihrer 90-jährigen Grossmutter im besetzten Westjordanland genehmigt. israel bestimmt natürlich auch dort über Ein- und Ausreise (und so ziemlich alles Andere)…und anerkennt nicht das Existenzrecht eines Palästinas.85

Trump beschimpfte dann auch den afroamerikanischen Kongress-Abgeordneten Elijah Cummings (DP) übel, als „brutalen Tyrannen“ und die mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Stadt Baltimore, die teilweise zu Cummings Wahlkreis gehört, als “schlimmste der USA”. „Cumming (sic) Wahlkreis ist ein widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch.” Kein Mensch würde dort leben wollen“, fuhr Trump in seiner Twitter-Tirade fort. Der Präsident stellte die Frage, was aus staatlichen Fördermitteln für den Distrikt geworden sei. „Wo ist das Geld hin? Wie viel wurde gestohlen?“ Damit zielte er offenkundig auf die Kritik des Demokraten Cummings an seiner verschärften Asyl-Politik an der Grenze zu Mexiko. Cummings habe sich über die „großartigen Männer und Frauen des Grenzschutzes“ und die Lage an der Südgrenze der USA ausgelassen, während „sein Baltimore-Wahlkreis weitaus schlimmer und gefährlicher“ sei. Es zeigt sich anhand dieser Fälle, wie Rassismus gegen Afro-Amerikaner, Schwarzafrikaner und Moslems/Orientale miteiander verbunden ist. Das war auch bei Keith Ellison aus Minnesota so, der erste Moslem im USA-Congress. Er hatte 17 mit seiner Kandidatur für den Vorsitz der Democratic Party keinen Erfolge, nach einer Schmutzkübelkampagne über seinen Glauben, seine Verbindungen mit der Nation of Islam (“Black Muslims”) in seiner Jugend und seiner Unterstützung für Rechte der Palästinenser an der Seite Israels. Seine Rasse wurde dabei nur “indirekt” thematisiert.

Der schwarze Professor Tommy Curry wurde auch rassistisch angegriffen, u.a. von der Alt-Right-Bewegung, Evangelikalen und anderen christlichen Zionisten. Nach Kommentaren über Waffengebrauch in der USA, gegen “Farbige” und von diesen; Curry thematisierte in diesem Zusammenhang Hetze gegen liberale und antirassistische Professoren in der USA. Angela Davis setzt sich für Schwarze in der USA und Palästinenser unter Israel ein, unterstützt BDS. Sie weist darauf hin, dass Israel US-Polizeikräfte trainiert (die gewaltsam gegen Schwarze vorgehen); das militärische Erscheinungsbild (und das entsprechende Vorgehen) der Polizei zB in Ferguson (Missouri) ähnelt nicht nur den israelischen “Sicherheitskräften”, die so gegen Palästinenser (“Terroristen”) vorgehen, es kommt auch von diesen. Deshalb haben Palästinenser den Protestierenden in Ferguson auch Ratschläge getweetet. Davis meint, dass die Unterdrückten über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten sollen. Bei einem Besuch in den bestzten palästinensischen Gebieten (2011) stellte sie fest, dass es dort weit schlimmer ist als ihrer Kindheit und Jugend in Birmingham (Alabama) der 1950er und frühen 1960er… Palästinenser haben ein Recht auf Widerstand, so Davis. Sie merkte auch an, dass manche Progressive in der USA progressiv bei Allem sind, ausser bei Israel-Palästina. Die Bestätigung kam dann, als das Birmingham Civil Rights Institute (BCRI) heuer (19) ihren Menschenrechtspreis, der Davis zugesprochen worden war, wieder “zurücknahm”.86

’17 in Charlottesville (Virginia) Aufmarsch vom KKK (inkl. David Duke), Neonazis,… gegen die Entfernung einer Statue von CSA-General Robert Lee, Gegendemo, ein Alex Fields fuhr sein Auto in diese rein, 1 Tote und 35 Verletzte. Von Trump eine verhaltene Reaktion mit allgemeiner Gewalt-Verurteilung und indirekter Verteidigung der Alt Right, unter den Marschierern (nicht den Gegendemonstranten!) in Charlottesville seien “very fine people” gewesen. David Duke, ein früherer KKK-Anführer, gratulierte Trump für seinen „Mut, die Wahrheit zu sagen”, und die „Charlottesville Rally” sei “Part of Effort to Take Country Back“ gewesen. Duke lobte auch Trumps Eintreten für einen Mauerbau an der Grenze zu Mexico.87 Die Israel-Unterstützer in der USA und die Rechtsextremisten dort unterstützen beide Trump und es gibt eine Überschneidung von diesen Gruppen. Die meisten Israel-Freunde dort sind schliesslich nicht Juden, sondern evangelikale Christen – die teilweise im Lager des “weissen Nationalismus” stehen.88 Diese Unterstützung wird von zionistischer Seite sehr gerne genommen (s.o. Evangelikale), auch wenn antijüdische Ressentiments von dort teilweise nicht so weit entfernt sind. (> Synagoge Pittsburgh).

Es gibt die Israel-Unterstützung aber eben auch in rechtsextremen Kreisen. Trump und Netanyahu lassen beide Mauern bauen, zu den “bösen und gefährlichen Nachbarn”, teilweise mit der selben Rhetorik. Unter jenen Neonazi-Rassisten, die 17 in Minnesota einen Bombenanschlag auf eine Moschee verübten, waren auch welche die sich freiwillig für Mithilfe am Bau von Trumps Mauer zu Mexico angeboten haben. Ja, und Trump bemüht sich eifrig, die Stimmen der Nazis zu bekommen, mit seinen rassistischen Bemerkungen. Zur Zeit von Bush hiess es, „Nein, wir führen doch keine Kriege für Öl“ (bzw, seine Unterstützer sagten das über ihn), unter Trump heisst es offen „Lasst uns (weitere) Kriege für Öl führen“.89 Bush heuchelte ggü Afro-Amerikanern Gleichheit vor; er hat auch ein Gesetz erlassen, das eine weltweite Überwachung „antisemitischer Tendenzen“ durch das US-Aussenministerium in Washington vorsieht. “Wir werden dafür sorgen, dass der alte Impuls des Antisemitismus in der modernen Welt niemals einen Platz finden wird.” Er redete auch von „Islamo-Faschismus“. Von Bush junior waren in Deutschland v.a. gewisse Alt-Rechte und Ex-Linke entzückt. Auch, weil sie die Necons als eine Art globalen Gegenpol zum Islamismus sahen. Dass sein Grossvater Prescott Bush Geschäfte mit den Nazis machte, und auch viele Rechtsextreme für ihn Sympathien hatten, war da völlig bedeutungslos.

Das ideologische Umfeld, in das die Israel-Unterstützung (nicht nur) von Trump eingebettet ist: Verkleinerung von Naturschutzgebieten (betrifft auch Indianer), Austritt aus dem Klimaschutzvertrag, Rassismus im Inneren und Äusseren, schamloser Imperialismus, Frauenverachtung,… Das meiste davon trifft zB auch auf Bolsonaro zu. Dass das wiederum die pseudolinken Deutsch/Österreicher nicht stört, die immer von “Antiamerikanismus” faseln (und das was sie als solchen sehen, zum Gradmesser für politische “Neigungen” machen!), versteht sich eigentlich von selbst. In der USA sind diese Ansichten grossteils auch hauptströmig. Der republikanische Senator Lindsey Graham hat heuer von Trumps damaligen Sicherheitsberater John Bolton einen “überwältigenden” Militärangriff auf den Iran gefordert. Bei Graham, einem baptistischen Südstaatler (South Carolina), Ex-Militär, Bilderberger, korresondiert seine Haltung zu Israel bzw Iran klarerweise mit seinen Positionen zu Waffenfreigabe, Krankenversicherung, Bürgerrechte, Klimawandel, Todesstrafe, Einwanderung,… Das ist auch bei Nicht-Politikern wie “Chuck” Norris so.

Eröffnung der neuen US-Botschaft für Israel ’18, mit Graham und weiterer israelisch-amerikanischer Prominenz

Trump liess die USA-Botschaft für Israel 17/18 von Tel Aviv nach Jerusalem/Quds verlegen, anerkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels.90 Ohne Erwähnung der Besatzung u.a. vom Ost-Teil der Stadt (seit 1967) und ohne Gegen-Konzession von Israel. Trumps “Nahostberater” Kushner spielte bei dem Schritt eine wichtige Rolle, der mit Saudi-Arabien abgesprochen wurde. Triumphgeheul von Netanyahu abwärts, verbunden mit Delektieren an Aufregung in der islamischen Welt. Trump, ein rassistischer Wahnsinniger, geistig schwach und im Hass auf innere und äussere “Feinde” fanatisch91, steht für den Niedergang der USA.92 Er hat Medienberichten zufolge die Aufnahme von Migranten aus Haiti und afrikanischen Staaten in Zweifel gezogen und diese als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet. In derselben Beratungsrunde mit Senatoren und Kongressabgeordneten im Weissen Haus hat er anscheinend vorgeschlagen, stattdessen mehr Einwanderer aus Ländern wie Norwegen aufzunehmen. Oder Schweden? > Greta Thunberg… Israel ist für ihn kein “shithole country”, ganz im Gegenteil, Trump kommt Israel mehr entgegen als alle früheren USA-Präsidenten (trotz oder wegen Ankündigungen einer Politik aus ureigenen US-Interessen)…auch hier kein Anschein von Unparteilichkeit mehr.

Die USA ist unter ihm auch aus der UNESCO ausgetreten, wegen derer „israelfeindlicher Haltung“; bzw aus der Feindlichkeit von Trump und seinem Klüngel ggü der „3. Welt“, dem globalen Süden. Die USA stellte auch, 2018, die Zahlungen an das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) ein. Insbesondere Trumps Schwiegersohn und Nahostberater Jared Kushner hat sich vehement für die Kürzung ausgesprochen. Die Democratic Party (DP) nannte Trump “juden- und israelfeindlich“, auch: „Democrats hate the USA“ (> ,,Volksfeinde/-verräter”). Trump akzeptiert Juden irgendwie als Teil der weissen Bevölkerung der USA (die für ihn zählt). Sein jüdischer Schwiegersohn (Jared Kushner), die Ernennung weiterer Juden in wichtige Positionen (wie David Friedman), seine ungezügelte Unterstützung für Israel und seine Unterstützung durch Juden, das hängt wohl alles miteinander zusammen. Und die Haltung ggü Israel ist ohnehin das was zählt (> Broder, Netanyahu, Brauer,…). Juden wurden im Gegensatz zu Mexikanern oder Moslems von Trumps Xenophobie ausgespart. Aber es gibt bei ihm und in seinem Umfeld und Anhängern auch die klassische Haltung von Rechten, Israel zu bewundern, mehr als Juden an sich (> Richard Spencer). Trump selbst verachtet hauptsächlich linke, liberale, kosmopolitische Juden, wie George Soros.

Eine Woche nach Abfangen der Briefbomben des Trump-Fans Cesar Altieri an Trump-Kritiker im Oktober 18 das Schuss-Attentat auf die Synagoge in Pittsburgh (11 Tote), durch einen Robert Bowers, dem Trump zu wenig nationalistisch und zu sehr jüdischem Einfluss „ausgesetzt“ ist. Und der Juden (Organisationen wie HIAS) für nicht genehme Einwanderung verantwortlich macht. Sechs Monate später heuer dann ein ähnlicher Anschlag auf eine Synagoge in California, der Attentäter (auch ein weisser rechter Amerikaner) bezog sich dabei auch auf den Attentäter von Christchurch. In beiden Fällen handelte es sich um Weiss-Rassisten, die Juden nicht aussparten in ihrem Hass. Manche, die bei der Gewalt in Charlottesville oder Christchurch oder zu Trumps weissen Nationalismus mit den Achseln zuckten, waren nun (erst) entsetzt (über rechte Gewalt)93. Jüdische Vertreter aus Pittsburgh warfen Trump in einem offenen Brief vor, eine Mitverantwortung für den Anschlag zu tragen. „In den vergangenen drei Jahren haben Ihre Worte und Ihre Politik eine wachsende weisse nationalistische Bewegung ermutigt“. Trump wies die Vorwürfe vehement zurück und bezichtigte wiederholt die kritisch über ihn berichtenden Medien, Hassgefühle zu schüren. Die israelische Regierung und die grossen jüdischen Organisationen verteidigten Trump, dieser habe nichts mit dieser Gewalt zu tun.

Auf Trumps Vorgänger Barack Obama gab es bekanntlich viele rassistische Angriffe, nicht zuletzt auch von Israel-Freunden. Gegen ihn haben Zionisten und Weiss-Rassisten gehetzt, jeder für sich, manchmal zusammen, beide aus Unbehagen über einen Afro-Amerikaner als Präsident der USA. McCain warf Obama vor, die “Rassismus-Karte” auszuspielen. Das “birther movement”, das behauptet(e), dass Obama nicht in der USA geboren sei, stellt rassis(tis)che Feindseligkeiten als Motivation zT in Abrede, steht zT dazu. Birther leader Orly Taitz ist eine Jüdin aus Sowjet-Moldawien mit Israel-Verbindung.94 Daniel Pipes verbreitet(e) Verschwörungstheorien mit, dass Obama insgeheim Muslim sei. Auch Donald Trump gehört zu den „Skeptikern“.95 Obamas Gegenkandidat von 08, John McCain, hat Obama, als “Hamas-Favoriten” bezeichnet. Er dagegen wäre als Präsident der “schlimmste Alptraum” der islamistischen Palästinenserbewegung Hamas. In Wahrheit ist es umgekehrt…was die radikalen Kräfte im Islam benötigen ist ein Feindbild und als solches wäre McCain als “würdiger” Nachfolger Bushs natürlich weitaus passender als Obama. Die unsinnigen Aussagen und Ziele McCains (“Bomb, bomb, bomb Iran”) waren genau das, was im “Nahen Osten” hilft, gegen den Westen zu polarisieren, was den Islamismus verstärkt. Beim Tod McCains 18 würdigte Netanyahu ihn als „grossen amerikanischen Patrioten und grossen Unterstützer Israels“. Quelle seiner “anhaltenden Unterstützung für den jüdischen Staat” seien McCains „Glaube an Demokratie und Freiheit“ gewesen…

Glenn Beck, rechter Kommentator, warf Obama “anti-weissen Rassismus” vor, unterstützte dessen Gegner (zB die „Tea Party“-Bewegung). Der christliche Zionist (trat vom Katholizismus zum Mormonentum über, und von CNN zu Fox) dichtet eine Verbindung von Islam und Kommunismus zu einer „neuen Weltordnung“. Die Vorzugsbehandlung Israels durch die USA wurde unter Obama etwas gelockert, alles in allem hat bei ihm gegenüber Israel dann doch das Appeasement dominiert. Aber, und auch trotz Obamas “taktvollerem” Auftreten in Yad Vashem (verglichen mit Trump96), hält sich die überwiegende zionistische Feindseligkeit ggü Obama (und die positive Einstellung ggü Trump). US-amerikanische Werte waren nie universalistische, Teile der Bevölkerung der USA wurden oft als “unamerikanische Elemente” (für den KKK wie für den Mainstream) gesehen (ob “Neger”, “Indianer” oder Kommunisten, lange auch Katholiken oder Juden). “Der Weltpolizist und globale Richter verstösst im eigenen Land immer noch gegen jene menschenrechtlichen Prinzipien, in deren Namen er seine Interessen weltweit so brutal durchsetzt.”97 Die WASP-Vorherrschaft in der USA wurde spät herausgefordert, ist nun im Schwinden (Einwanderung und Aufstieg Anderer), wenngleich noch vorhanden (grosse Teil der Eliten,…). “WASP” schliesst („alteingesessene“) nicht-britische Nordwest-Europäer, Iren oder auch Juden manchmal mit ein. Für Samuel Huntington war WASP-Hegemonie das, was die USA ausmacht. Er hat Südamerika und Osteuropa klar von seiner Definition des “westlichen Kulturkreises” ausgeschlossen, auch Israel und Japan, sogar bei den katholischen Ländern Europas tat er sich schon schwer.

Juden werden im amerikanischen Mainstream heute überwiegend als “Weisse” gesehen, sie selbst sehen sich dort auch teilweise so. Wobei gut 80% der etwa 8 Millionen amerikanischer Juden Aschkenasen sind. Der amerikanische Rabbiner und Aktivist Michael Lerner (relativ liberal): “Jews can only be deemed white if there is massive amnesia on the part of non-Jews about the monumental history of anti-Semitism”. Und: “In America, to be ‘white’ means to be the beneficiary of the past 500 years of European exploration and exploitation of the rest of the world”. Der afro-amerikanische Aktivist Cornel West: “I think that antisemitism has proven itself to be a powerful force in nearly every post of Western civilization where Christianity has a presence.” Der „racial realist“ Samuel J. Taylor (Journal „American Renaissance”) und sein Kreis sind sich über Juden (und ihren Nutzen fur weisse nordische Rasse) noch nicht einig/schlüssig. Lawrence Auster (blog “view from the right”), Cousin von Autor Paul, vom Judentum zum Christentum übergetreten, wettert gg Einwanderung in die USA und arbeitet bei der Kampagne für eine weisse USA mit allen Möglichen zusammen, attackiert andererseits jene Rechte die ihm nicht antiislamisch genug sind oder aber wo ihm „Antisemitismus“ auffällt. Wurde für seinen Rassismus sogar vom frontpagemag(azine) rausgeworfen.

IT-Troll Carl Benjamin alias “Sargon of Akkad” macht auf Youtube für seine Hunderttausenden Zuseher rassistische, sexistische Hetze. Der Engländer deklariert sich als “klassischer Liberaler”, aber nur um weissrassistische Inhalte weiss zu waschen. Der “Alt-Right-Bewegung” steht er eigentlich nahe, ist aber anscheinend auf persönlicher Ebene mit Richard Spencer verfeindet, verbreitet die Verschwörungstheorie wonach dieser “kontrollierte Opposition” sei.98 Carl of akkad ist ein Rechtsextremer, bei dem Israel und Juden weder Freund noch Feind sind; er wird auf Aynrand promotet. Auch bei seinen Kollegen Pat Condell oder Stefan Molyneux99 ist Westen etwas Weisses, ist auch der Feminismus ein Gegner, wird Trump unterstützt, über “Zensur” und die “herrschende Geisteshaltung” gejammert. Ben Shapiro (“truth revolt”,…) versucht, Anliegen der Juden und Zionismus mit diesen (anderen) rechten Anliegen zusammenzuführen (nicht unähnlich Broder).

Die Wahl von Trump ins White House 2016 löste bei vielen zionistischen Lobbyisten in der USA und anderswo und rechten Israelis Euphorie aus, die weitgehend bis heute angehalten hat. Trotz Trumps Isolationismus-Ansätzen und trotz anderen Trump-Fans wie jenen die im November 16 in Washington den Wahlsieg mit „Hail Trump” und Hitler-Gruss (s.o.) begrüssten. In der Trump-Regierung gibt es mehrere Richtungen/Einflüsse, Widersprüche gibt es v.a. zwischen den früher von Steven Bannon angeführten Nationalisten und den von Jared Kushner geführten “Zentristen”. Trumps jüdischer Schwiegersohn Kushner (seine Eltern wanderten aus der SU in die USA ein) ist sein Berater, hauptsächlich für “Nahost”.100 Bei Kushner laufen, wenn man so will, die Fäden zwischen Trump, Netanyahu, al Saud zusammen, ihm gelang es, die “Nahost”-Politik Trumps in die gewünschte Richtung zu lenken.

Auf die Frage, ob die Palästinenser völlige Freiheit von Israels Regierung und Militär erwarten könnten, antwortete Kushner mit Zweifeln an deren diesbezüglichen Fähigkeiten – nicht mit Zweifel an Israels Willen, so etwas zuzulassen. Kushner, der an einem „Nahost-Friedensplan“ arbeitet, stellte sein “Team” sorgfältig zusammen, hauptsächlich Jason Greenblatt als Sondergesandter (inzwischen zurückgetreten) und David Friedman als USA-Botschafter für Israel.101 David Friedman ist ein rechtsgerichteter Hardliner, steht mit seinen Positionen zum “Nahost-Konflikt” (Besatzung und Widerstand) der israelischen/zionistischen Rechten nahe, ist Siedlungs/Besatzungsbefürworter102, verglich liberale Juden mit den Kapos aus den Nazi-“Konzentrationslagern”; seine Tochter ist nach Israel eingewandert (Wie gesagt, Israel betrachtet Juden weltweit als Israelis im Wartestand). Netanyahu erfreut: „Ein Freund Israels“. Das passt zu seiner Rhetorik (und jener im Diskurs), sachliche Kritiker sind „Feinde Israels“, „Israelhasser“,… Und, wer hier Identitäten, Lobbyismus, Loyalitäten,… thematisiert, ist ein „Antisemit“.

Etwas gänzlich Neues ist das ja nicht. Netanyahu hat jedenfalls Kushner als Bestimmer US-amerikanischer Politik bezüglich Israel/Palästina, der kann einen “Friedens-Prozess” beaufsichtigen, unter dem Israel seine Kolonialisierung von Rest-Palästina vollenden kann. Es gab Trumps Entscheidung zu Hauptstadt bzw Botschaft, Ausstieg aus der UNESCO wegen Israel (s.o.), den Ausstieg aus dem Iran-Atomdeal, neue Sanktionen gegen Iran, Drohungen, verbunden mit einer Verstärkung der Unterstützung von Saudi-Arabien,…103 Trump hat auch angekündigt, die USA sollten die Souveränität Israels über die Golan/Jawlan-Höhen anerkennen, die auch seit 1967 besetzt gehalten werden. Offiziell ist Trump für eine Zweistaatenlösung in “Nahost”, arbeitet sein Kushner an einem “Friedensplan”. Israels rechtsextreme Justizministerin Ajelet S(c)haked hat den von Trump angekündigten “Friedensplan” als „Zeitverschwendung“ bezeichnet. Netanyahu ist da diplomatischer, geniesst und schweigt.

Tony Judt: „Zu sagen, dass Israel und seine Lobbyisten einen übermächtigen und verhängnisvollen Einfluss auf die Politik der Supermacht haben, ist eine faktische Aussage. Doch wenn man sagt, dass ‚die Juden‘ Amerika kontrollieren, um ihre Ziele zu erreichen, begibt man sich auf das Feld des Antisemitismus“. 2003 ein differenzierter Artikel aus der indischen Teitung “The Hindu” über die jüdische Israel-Lobby in der USA…”AIPAC and the AJC are powerful, but they do not determine U.S. foreign policy. They are powerful not just because of their money, but because their views converge with those of the neo-conservative elements who dominate the ruling coalition in Washington.” Israel ist 1967 für die USA wichtig geworden, und eher aus aussen- als innenpolitischen Gründen, weil es als strategischer Verbündeter gesehen wird. AIPAC rennt mit Vielem in Washington offene Türen ein. Eine wichtige Rolle in diesem Lobbying spielt Sheldon Adelson. Der 80-jährige US-amerikanische Glücksspiel-Tycoon Adelson, ein Netanyahu-Freund, hat bei den letzten 2 USA-Präsidenten-Wahlen tief in seine “Taschen gegriffen” um den für Israel günstigsten Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, 12 Romney bzw Gingrich, 16 Trump.104 2012 hat er erfolglos über 90 Millionen US-Dollar “verzockt”, in dem er zweimal auf die falschen Pferde setzte; zuerst war es Newt(on) Gingrich, dann Mitt Romney. Gingrich sprach in den Vorwahlen der Republikaner auch von den Palästinensern als „erfundenem Volk“ (# Hassrede).

Der einzige Kandidat in den RP-Vorwahlen 12, der kein Klon von Romney war, ihm in entscheidenden Punkten kontra gab, war Ron(ald) Paul. Ron Paul wird gelegentlich versucht, “Antisemitismus” anzuhängen, während etwa Gingrich für seine Aussage(n) eher gefeiert wird. Das ist eine Schieflage, um die es in diesem Text geht. Für die US-Wahl ’16 stellten sich “Jeb” Bush, Chris(topher) Christie, John Kasich und Scott Walker bei Adelson in Las Vegas anlässlich einer Tagung der Republican Jewish Coalition vor, wurden dort von Adelson und Konsorten im Hinblick auf ihre Israel-Gesinnung auf Herz und Nieren geprüft. Adelson setzte dann ja auf Trump. Der Präsident der Zionist Organization of America (ZOA), Morton Klein, unterhält enge Verbindungen zu Adelson und Netanyahu, und hat Einfluss auf die Trump-Regierung. Es heisst, Klein war beteiligt an der Ernennung von John Bolton (auch schon unter Bush tätig und ein grosser Israel-Freund) als Trumps Sicherheitsberater bzw an der Entlassung von dessen Vorgänger McMaster (wegen “antiisraelischer” Haltung…).

In Israel hilft Adelson Netanyahu zB durch die kostenlose Hetz-Zeitung “Israel HaYom” und natürlich beim Bau weiterer Siedlungen in Ost-Jerusalem, Westjordanland und Golan/Jawlan. Im Endeffekt geht es dabei um ethnische Säuberungen, aber schaut schön aus, wenn zB in der Siedlung “Ariel” (die ab 1978 entstand, auf enteignetem landwirtschaftlichen Land der Palästinenser aus umliegenden Dörfern wie Salfit) der Grundstein für eine medizinische Universität gelegt wird, mit Geld von Adelson und im Beisein von Netanyahu105. Adelson und Andere zahlen zwar Milliarden Dollar für Pro-IL-Lobbying (also gegen Palästinenser-Menschenrechte, Frieden in der Region), kaufen Macht und Einfluss, die meisten (jüdischen und anderen) “Beteiligten” (zB bei CAMERA, MEMRI) arbeiten aber nicht wegen Geld mit sondern aus Fanatismus bzw Ideologie (Zionisten, Evangelikale,…), und das Geld fliesst eigentlich in die Gegenrichtung (Unterstützung IL durch USA).

Die Neokonservativen wurden unter Bush junior bzw nach den Anschlägen in der USA 2001 mächtig. Paul Wolfowitz, Richard Perle, Douglas Feith, William & Irving Kristol, Eliot Abrams, Charles Krauthammer, Norman Podhoretz,… sind hier zu nennen. Die Genannten sind Juden, Intellektuelle, kamen in den Umkreis der Macht bzw zu Einfluss, sind miteinander befreundet, versuch(t)en, die Politik der USA zu beeinflussen, im Sinne des Krieges gegen Irak 03, für einen gegen Iran, für eine Rolle der USA als Weltpolizist (mit ungleichen Regeln),… Eliot Abrams zu Bush: “Sie haben die enorme Verantwortung, einen neuen Holocaust zu verhindern. Sie sind der Einzige, der den Mumm hat, das zu tun”. In der zionistischen Rhetorik geht es normalerweise um “Sicherheit”, um das “Verhindern einer Vernichtung”, et cetera. Wenn es um die Absicherung der Eroberungen und Annexionen Israels von 1967 geht.

Krauthammer, der mit für den Irak-Krieg trommelte, wollte später kein Neokonservativer (Neocon) mehr sein, dieses label(ing) sei „antisemitisch“ (geworden); er attackierte Obamas Aussenpolitik als eine „des Rückzugs“, dieser sei feindselig ggü Israel und Netanyahu. 2012 bestritt “Daily Beast”-Blogger Ali Gharib eine Konflation von Neokonservativismus und Jüdischkeit; Neokonservativismus sei eine amerikanische (“imperialistische”), nicht eine jüdische Bewegung/Ideologie, auch wenn eine Handvoll Juden dabei seien; nannte wichtige nicht-jüdische Konservative wie Daniel Moynihan und Jeane Kirkpatrick, sowie Juden die die Dinge anders sehen, wie Dov Zakheim. Die Juden unter den Neocons würden aber gerne von jenen hervor gehoben, die Kritik an diesen als “antisemitisch” diffamieren würden. Die “Feinde der USA” und “Israels” bzw deren Interessen stimmen in den Augen der Neocons über ein. Relevant dazu ist auch das Buch von Stephen J. Sniegoski: The Transparent Cabal: The Neoconservative Agenda, War in the Middle East, and the National Interest of Israel (2008).

Die Neokonservativen der ersten Generation waren ehemalige Linke, die in den 1960ern und 1970ern nach rechts drifteten; einige waren für das AJC-Organ “Commentary” tätig, wie Norman Podhoretz. Die “Sorge” für Israel spielte eine Rolle (auch) bei diesem Rechtsruck. Es heisst, die Neocons (auch Bolton kann als solcher gesehen werden) lesen gerne Machiavelli, bewundern Churchill, lesen die Geschichte anhand des “Scheiterns” der 1930er (Appeasement, Hitler) und des “Erfolgs” der 1980er (“Fall” der Berliner Mauer, Implosion Ostblock)…Gedanke dazu: gleich 2x Deutschland, und die meisten Deutschen die Hitler einst dienten (nicht nur jene wie Franz J. Strauss, die in der BRD mächtig wurden) mussten sich gar nicht viel verbiegen, um gleich darauf wieder gegen „den Russen“ zu sein, gegen „die Teilung“, gegen die Mauer, usw. Der frühere Neocon (oder Neocon-Unterstützer) Francis Fukuyama kritisierte Krauthammer 2004 scharf, in einem Essay mit dem Titel “The Neoconservative Moment”, der sich hauptsächlich um den Irak-Krieg drehte, das Nicht-Auffinden von Massenvernichtungswaffen nach der Invasion dort. Krauthammer zog es dann vor, seine eigenen Behauptungen über MVW im Irak “unter den Teppich zu kehren”; Fukuyama nannte er einen “Antisemiten”

Einschub: Der „Antiamerikanismus“-Vorwurf in Europa, hauptsächlich im deutschsprachigen Raum. Andrei Markovits, der auch ein Buch darüber geschrieben hat, schrieb von einem „Tandem von Antisemitismus und Antiamerikanismus“. Nun, zumindest ist der “Antiamerikanismus”-Vorwurf eng verbunden mit jenem des “Antisemitismus”. Es geht Markovits, Broder, Joffe, Grigat,… aber um eine bestimmte USA; sie haben zB nie bei (sehr oft rassistischen) Angriffen aus Deutschland auf den US-amerikanischen Politiker Barack H. Obama (Staatspräsident 2009-17) das Wort erhoben, im Gegenteil. Es war in den Bush-Jahren (01-09), als Unterstellungen des  „Antiamerikanismus“-Unterstellungen besonders wucherten. Und als eine “Westlichkeit” erfunden wurde, die Faschismus, Kommunismus wie Islamismus trotze. Die „Transatlantiker“ in Deutschland wurden quasi die Anti-Antisemiten, egal welches Erbe (politisch, familiär) sie in Wirklichkeit vertreten. “Schiedel“/Peham: „Die Positionierung zu den Alliierten zeigt bis heute Nähe oder Distanz zum NS“.106

Für Deutschland spielt(e) es keine Rolle, dass Schwarze (Afro-Amerikaner) in den US-Südstaaten auch nach der Befreiung Europas von Hitler in den Bussen hinten sitzen und sich ihr Wahlrecht erkämpfen mussten. Und, die USA konnte nach diesem Krieg auf NS-Errungenschaften wie Gehlens Unterlagen zur Sowjetunion oder von Brauns Raketenarbeit bauten. Im Agana-Artikel wurde auch thematisiert, dass es vorkam, dass (nazi)deutsche Kriegsgefangene von US-Amerikanern besser behandelt wurden als Afro-Amerikaner, auch solche die in Europa gegen Hitlers Heer kämpften. Felix Steiner, aus Ost-Preussen, kämpfte im 1. und 2. WK, war Mitglied von NSDAP, SA, SS (baute letztere mit auf), war an der Besetzung der Tschechoslowakei beteiligt; er wurde dafür bekannt dass im März 45 Hitler und andere Nazi-Führer falsche Hoffnungen auf ihn setzten, Berlin und das Reich bzw das Regime noch zu retten (er wurde am 27. 4. seines Kommandos enthoben, paar Tage nach dem Hitler das Ende eingesehen hatte). Er kam im Mai in US-Kriegsgefangenschaft Mai, blieb dort bis 48; und arbeitete dann für die CIA. Die Abgrenzung, die er zu NS-Verbrechen vornahm, sollten dazu dienen, Wehrmacht und Waffen-SS zu rehabilitieren.

Henry Ford, Charles Lindbergh oder George Patton waren nicht nur antikommunistisch, sondern auch antijüdisch und, bis zu einem gewissen Grad „nazifreundlich“. Um welche USA geht es also? Samuel Huntington oder Ann Coulter sind geachtete Referenzfiguren der Islamophobie; Huntington hat aber Israel von seiner Definition des Westens ausgenommen, Coulter gilt als antijüdisch. Der ehemalige texanische Gouverneur Richard Perry ist einer der RP-Politiker, die nicht an Klimawandel und an die Evolutionstheorie glauben, die Homosexualität scharf ablehnen, den Evangelikalen nahestehen, liberal nur beim Waffenrecht sind,… Es ist anzunehmen, dass Perry auch Pro-Israel ist, man könnte es recherchieren, Leute aus diesem Milieu sind es für gewöhnlich. Was solche Amerikaner ggü nicht-weissen Amerikanern für Einstellungen haben, ist Typen wie Marco Schreuder (“Regenbogen-Zionisten”) egal, aber das andere Illiberale an ihnen anscheinend auch. USA-Politik zu kritisieren, fällt (oft) unter “Antiamerikanismus” (und damit glz unter „AS“), aber nicht jene, die tatsächlich oft rassistisch motiviert ist, an Obama oder Jesse Jackson…

Netanyahu hat einmal gesagt, die Clinton-Regierung sei extrem pro-palästinensisch gewesen; was viel über seine Massstäbe aussagt, unter Clinton und zT auch noch Bush hat die USA bezüglich Israel/Palästina eine unparteiische Rolle eingenommen bzw vorgemacht. Bernard-Henri Levy brachte damals mit Michel Friedman ein Buch heraus, mit der Aussage “USA-Kritik=Antiamerikanismus=Antisemitismus=Rechstextremismus”. Und die “Anti”deutschen damals… Robert Kurz: “Die antideutschen Kriegshetzer und ihre nützlichen Idioten … wollen die Kritik an der US-Militärmaschine … mit dem Odium des rechten, völkischen Antiamerikanismus versehen, und dazu paßt, daß sie die Linke und die Antikriegsbewegung in den USA ebenso maßlos denunzieren wie die Bewegungen in Europa. Sie stellen nur das seitenverkehrte Spiegelbild des völkischen Antiamerikanismus dar, indem sie die unmittelbare positive Identifikation mit dem Gewaltapparat der letzten Weltmacht verlangen und der US-Gesellschaft, deren Internierungsquote von sozialer Delinquenz mittels Knast und Straflagern heute höher ist als diejenige der Sowjetunion zu Stalins Zeiten, einen ‘zivilisatorischen Vorsprung’ bescheinigen. Auch die Amerikaner ‘dürfen’ nicht antikapitalistisch, sondern sollen bloß ‘antideutsch’ sein.”

Als Obama ins Weisse Haus kam, konnte (und wollte) man nicht mehr Kritik an US-amerikanischer Politik (im aktuellen wie historischen Kontext) als „anti-amerikanisch“ klassifizieren und von dort elegant die „Verbindung“ zum „Antisemitismus“ herstellen. Norbert Hofer von der FPÖ107 sagte anlässlich der Kopenhagener Klimakonferenz 09: “Das [“Scheitern” der Konferenz] verdanken wir einem ehemaligen Hoffnungsträger der Politik, dem Herrn Barack Hussein Obama, der beschlossen hat mit asiatischen Freunden, den gesamten Klimagipfel scheitern zu lassen – eine grosse Enttäuschung”. Sein zweiter Vorname “Hussein” wurde von seinen Gegnern besonders gerne betont. In einer TV-Doku über israelische Siedler-Rowdys sah man Leute über den “Antisemit Hussein Obama” reden, und über “Druck aus Washington” (bzgl der Siedlungen) klagen…ui, antiamerikanisch. Schmutzkübel auf Obama kamen/kommen gerne mit einem Mix aus Bezügen auf seine afrikanisch-moslemische Herkunft und Verdächtigungen seiner innen- und aussenpolitischen Politik, die sich daraus ergäbe > bereits in Vorwahlen von seiner parteiinternen Konkurrentin Hillary; manchmal auch ganz vulgär oder mit Verschwörungstheorien über seinen Geburtsort, usw.

USA-Kritik zu Bushs Zeiten, zu Obamas Zeiten… John Kerry (teilweise jüdischer Herkunft) war Bushs Gegenkandidat 04, dann Obamas Aussenminister (Nachfolger von Hillary Clinton). orf.at schrieb zu einem Kerry-Kommentar zur Siedlungs-/Besatzunsgpolitik Israels: “Kerry geiselt Israel”. Hm, wer ist jetzt Anti-USA? Und wie war das mit den “Antiamerikanismus”/”Antisemitismus”-Behauptungen, zu Bush-Zeiten? Ein Osten-Sacken schwärmte damals von Sarah Palin von der Tea Party. Und dann kam Trump… Bekennende Rechte waren/sind für ihn, Solchen gefällt zB wie er nach Aussen mit Mexico umspringt und im Inneren mit “Latinos”. FPÖ-Chef Strache war samt Delegation Anfang 17 bei Trumps Amtseinführung in Washington; Mölzer ist pro Trump wegen dessen „Einwanderungspolitik“. Es wird versucht, USA-Kritik über den „völkischen Antiamerikanismus“ zu diffamieren, aber Mölzer oder Strache sind eh pro Trump. Die FPÖ hat Huntington dezidiert Recht gegeben bzw Bezug genommen auf ihn, in einem Programm 08.

Der damalige CSU-Chef Horst Seehofer schwärmte, Trump setze „mit Konsequenz und Geschwindigkeit“ seine Wahlversprechen Punkt für Punkt um. „In Deutschland würden wir da erst mal einen Arbeitskreis einsetzen, dann eine Prüfgruppe und dann noch eine Umsetzungsgruppe“. Marine Le Pen machte sich nach Trumps Wahl fast in die Hosen vor Freude, tweetete dass die Amerikaner nun (wieder) “frei” seien. Von rassischer Gleichheit? Geert Wilders gratulierte den Amerikanern dafür, ihr Land zurückgewonnen zu haben… Viktor Orban schrieb, dass Trumps Sieg zeige dass die Demokratie “noch am Leben” sei. Auch die AfD verteidigte Trump, es werde von ihm ein “einseitiges Bild in Medien gezeichnet”…Hier wäre auch interessant, was macht er denn gut (in ihren Augen)? “Weltwoche”-Chefredakteur Roger Köppel ereiferte sich in einem Gastkommentar für “Die Welt”: “Gab es das schon mal? Noch nie seit Journalistengedenken wurde ein demokratisch gewählter Regierungschef derart angefeindet, geradezu kriminalisiert von seinen Gegnern”. Auch Salvini, Bolsonaro, Sarrazin, Broder,… waren/sind unter den Trump-Verstehern. Merkel kam ggü Trump, wie man es von ihr gewohnt ist, mit Appeasement; ähnlich Sebastian Kurz (s.o.). Kritik am US-Präsidenten wurden ab nun wieder als “antiamerikanisch” verteufelt. Es gibt jene, die erst dann ein Problem mit Trump haben, als der ankündigt, die Rechte von Transsexuellen einzuschränken…

Über Steve King oben bereits etwas; King wurde von der FPÖ-Plattform Unzensuriert.at interviewt. Er stimmte mit dem Interviewer überein, dass ein “Great Replacement” im Gange sei, das zur Vertreibung weisser Europäer führen soll. John Schmitz war ebenfalls ein republikanischer Abgeordneter im Repräsentanten-Haus, nicht nur in der antikommunistischen John Birch Society aktiv, sondern auch für das Institute for Historical Review, das den Holocaust leugnet. Jene Deutschen/Österreicher, die sonst bei USA-Kritik die “Nazi”- oder “AS”-Keule schwingen, bleiben bei solchen Fällen ruhig. Und wenn King ein evangelikaler Israel-Freund wäre, wären seine anderen Positionen auch kein Problem. Der Grieche Konstantinos Plevris, ein rechtsextremer Intellektueller, war in verschiedenen Parteien aktiv (die er zT selber gründete), die auch judenkritisch/antijüdisch waren/sind…und arbeitete mit der CIA zusammen; also ist er OK? Auch hier zeigt sich, dass die Realitäten bzw Fronten “etwas” komplexer sind: www.heise.de/ix/artikel/Suendenfall-794636.html , Zum Tod des Hackers Karl Koch.> unter den Kommentaren: „Clifford Stoll ist zu bewundern. an Robin Hood Märchen glaube ich nicht. Karl Koch war ein Junkie und Vaterlandsverräter.“ Ein “Vaterlandsverräter” wie Stauffenberg.

Gerade Dixie-Rednecks108 unter US-Amerikanern, also die Stammklientel der Republikanischen Partei, wettern über die “Ostküste” (also den Nordosten der USA), die so liberal und so mächtig sei. Manche Speichellecker dieser Republikaner in Europa sehen trotzdem einen Gegensatz zwischen diesen Rednecks und den hiesigen Lamentierern über die Ostküste… Trump hatte im Wahlkampf 16 harte Attacken gegen “das System“ geritten, womit er die Verquickung von Politik- und Finanzelite meinte. Der Westismus broderscher Art hat ja eine starke antikommunistische Komponente. Wobei es auch hier innere Widersprüche gibt. Kardinal Jozsef Mindszenty etwa, der sich nach der ungarischen “Revolution” 1956 in die USA-Botschaft in Budapest flüchtete, und 1971 ausreisen konnte, war sehr pro-amerikanisch…und wurde beschuldigt, antisemitisch bzw ein Nazi-Kollaborateur (gewesen) zu sein.109 Lustig wird das mit der “Antisemitismus”-Opfer-Keule auch in der Rosenberg-Sache, weil es hier ja gegen die USA geht und weil der Kommunismus nicht entlastet werden darf; ausserdem war der Staatsanwalt im Prozess der McCarthy-Mitarbeiter Roy Cohn (wahrscheinlich homosexuell, und in späteren Jahren Trump-Anwalt), also Jude, wie auch der Richter. Der rechts-esoterische Kopp Verlag (Ulfkotze, Eva Herman, Elsässer,…) rechnet gerne mit Linken ab, zB über Islamisierungs-Behauptungen, bringt Bücher über “freie Waffen” (Ratgeber, “Selbstverteidigung”), ist aber auch gg USA-Dominanz.

Für den Rechtsextremismus und Faschismus in Grossbritannien war früher das Verhältnis zu Juden und Deutschen “entscheidend”, heute zu Moslems und anderen Zuwanderern, was sich zT überschneidet, da die meisten Moslems in GB aus dem südasiatischen (“indischen”) Raum kommen, was neben der Karibik des Haupt-Herkunftsgebiet der Einwanderer ist. Es gibt/gab Entwicklungen die jenen andernorts ähneln. Vorurteile/Abneigungen gegen Juden oder Schwarze wurden zunehmend inakzeptabel, Moslems wurden “das Andere” bzw Ausgrenzungen (wie “Paki-bashing”) wurden eher aus religiösen Gründen statt aus rassischen argumentiert. Wobei hier parallelgesellschaftliche Strukturen und Anschläge wie jener in London 05 natürlich auch eine Rolle spiel(t)en… Die National Front (NF) fordert “Keep Britain white”, womit sie  in doppelter Hinsicht am Zionismus andockt: Zum Einen die bösen Antisemiten dort draussen lassen, ausserdem eine Parallele zu “Keep Israel jewish” (was etwa 90% der jüdischen Israelis unterschreiben würden) > einen Antagonismus zwischen diesen und jenen herstellen; eine Bedrohung dieser “Reinheit” in den Raum stellen, aus der ggf eine “Bedrohung der Existenz” wird. Die British National Party (BNP) ging aus der NF hervor, war früher stark antijüdisch (“antisemitisch”), jetzt antimoslemisch; akzeptiert Weisse nicht-britischer Herkunft als gleichrangig, wenn sie in einer der britischen Ethnien assimiliert sind, glaubt an rassische Unterschiede, arbeitet zB mit antimoslemischen Sikh-Gruppen zusammen.

Die English Defence League (EDL) entstand 09 aus dem Milieu/Umfeld der BNP und NF, umfasst auch protestantisch-britische Terroristen aus Nord-Irland sowie Fussball-Hooligans, hat auch den Focus auf Antiislam. Der eine Führer ist Paul Ray (Breiviks „Vordenker“, „selbsternannter Wiederbeleber des Kreuzrittertums), der andere “Tommy Robinson” (Stephen Yaxley-Lennon). Die EDL ist “trotz” ihres Neonazicharakters (den sie trotz ihres seriösen Anstrichs hat) zionistisch, projüdisch und hat viele jüdische Verbündete und Witwirkende, wie Pamela Geller (die die Verbindung zur Tea Party ist), Rabbi Shifren (aus USA, ein Kahanist), Roberta Moore aus Brasilien. Anti-Islam-Aufmärsche mit Hitlergruß und israelischen Flaggen… Die EDL unterhält auch Kontakte zu den “Anti”deutschen. Im 2. WK war die British Union of Fascists (BUF) von Oswald Mosley aktiv, auf der Seite Hitler-Deutschlands. Vidal Sassoon, britischer Jude, Friseur-Unternehmer, gehörte damals zu einer militanten antifaschistischen Organisation, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die BUF engagierte; und nahm auf zionistischer Seite (Haganah) am Ersten Arabisch-Israelischen Krieg (1948) bzw der Nakba teil. In späteren Jahren engagierte er sich als Gründer u. a. des Vidal Sassoon International Centre for the Study of Antisemitism an der Hebräischen Universität Jerusalem (Wistrich, Küntzel…), das den AS-Diskurs im zionistischen Sinne zu lenken versucht.

Australiens Premier John Howard sprach gerne vom “jüdisch-christlichen Erbe”; gegenüber den Aborigines hat er zB die 1967 errungene Bundes-Vollmacht für Aborigines-Angelegenheiten gegen sie ausgelegt, bei Bauvorhaben. Auch seine Flüchtlings- und Einwanderungspolitik war im Sinne des weissen Australiens. Dass die Aborigines weitgehend christianisiert und anglisiert sind, hilft ihnen da nicht. 2006 hat die israelische Botschafterin in Australien, Naftali Tamir, gesagt dass Israel und Australien wie Geschwister seien, beide lägen in Asien und ihre Einwohner hätten nicht die asiatischen Charakteristiken von “gelber Haut und Schlitzaugen”, sondern gehörten der “weissen Rasse” an. Das ist der ewige innere Widerstreit des Zionismus, sich als “Kolonialisten” oder doch als “Eingeborene” verstehen, lieber Weisser oder Aborigine, Westler oder Orientale, Landser oder Partisane, und das korrespondiert mit den Haltungen von Graumann und Noll zu Sarrazin. In Canada ist ebf. die Rechte (CPC, besonders Harper) proisraelisch, mit ähnlicher Rhetorik/Motiven. Rechtsextreme, also rechts von den Konservativen, versuchen auch dort, mit Pro-Israel (zum Anti-Islam dazu) Mainstream-Akzeptanz zu bekommen; Yves Engler dazu.

Niederlande: Geert Wilders verliess 06 die rechtsliberale VVD, um die rechtspopulistische PVV zu gründen, eigentlich primär eine Partei für Gutverdiener, die möglichst wenig Steuern zahlen wollen. Das Fremdenfeindliche macht sie bei breiteren Bevölkerungsschichten populär, das Philosemitische dient der (nicht zuletzt internationalen) Akzeptanz. Wilders würde nicht offen zu Rasssimus gegen Schwarze stehen, lieber Ablehnung in „Anti-Jihad“ kleiden oder argumentieren, man lehne Frauen- oder Schwulenfeinde ab. Er will ein Verbot des Islams, weil dieser gefährlicher als der Nationalsozialismus sei. Die PVV ist eine der westlichen rechten Gruppen, die nun projüdisch sind bzw im Bündnis mit (gewissen) Juden. Jordanien sei eigentlich Palästina, soll heissen die Palästinenser haben in dem Land in dem sie seit den 1920ern kontinuierlich zurückgedrängt werden, schon gar keine Rechte, höchstens auf Gnade und Almosen.110 Wilders will “Israel” in die EU.

Aber es gibt auch klassisch Rechtes an der PVV, wovon auch die Achse mit der FPÖ zeugt; oder die Forderung nach einem Schächtverbot… Die PVV hat scheinbar kein Nazierbe, doch sie steht in einer Traditionslinie der Rechtsaussen in der NL, die Beachtung wert ist (gerade weil ein Schreuder sich damit lieber nicht auseinander setzen will). Es gibt eine Linie von den Faschisten/ Nazi-Kollaborateuren (hauptsächlich war das die NSB111) über die “Kolonialisten” in Indonesien, Kalten Krieger, bis zu den Rechtspopulisten von LN, LPF (sowie LVF), PVV. Der Reihe nach: Die Frage der Unabhängigkeit Indonesiens (Niederländisch-Indiens), der wichtigsten Kolonie, war rund um den 2. WK ein wichtiges Thema für die Niederlande.112 1958 wurde die Oud-Strijders Legioen (OSL) gegründet, als Abspaltung von der VLN, eine Organisation von Veteranen aus Indonesien sowie Korea; und zwar nachdem die VLN 1956 in Ungarn militärisch aktiv werden wollte.

Die OSL, lange von Prosper Ego geführt, war anti-kommunistisch und pro USA; in den 1980ern organisierte sie Gegenproteste zu jenen gegen die Stationierung von Nuklearwaffen in der NL (einer ihrer Slogans war damals „Liever een raket in de tuin dan een Rus in de keuken“). Und, sie unterstützte die Apartheid-Regime (mit teilweise Kolonial-Charakter) von Südafrika und Israel. Gut, auch wenn man Israel und Südafrika 1948-1994 nicht als Apartheidsysteme sieht, die OSL hat die beiden jedenfalls unterstützt; sie hat auch ein Emblem kreiert aus dem südafrikanischen Springbock, dem Davidstern und dem niederländischen Löwen. Sie gab ein Magazin heraus, “Sta-Vast”, in den 1990ern war Mathieu “Mat” Herben ihr Herausgeber. Herben spielte dann in der Lijst Pim Fortuyn (LPF) eine führende Rolle. Wilhelmus “Pim” Fortuyn war zunächst in der (eigentlich liberalen) Leefbar Nederland (LN) aktiv, nach einem Wahlerfolg in Rotterdam 2002 gründete er eine eigene Partei, die LPF eben. Thematisierte (eigentlich nicht zu Unrecht) islam(ist)ische Hetze gegen Homosexuelle in der NL, formte daraus eine neue Xenophobie bzw Rechtspopulismus, der Zeit entsprechend. Ein Rechtspopulismus, der scheinbar mit den bisherigen Inhalten der Rechten nichts zu tun hatte.113

Kurz vor der Neuwahl 02 wurde Fortuyn ja von einem Tierschützer ermordet. Die LPF bekam auch ohne ihn grossen Zuspruch, wurde zweitstärkste Partei; formte mit der christdemokratischen CDA und der VVD eine Koalition. Mat Herben kristallisierte sich als neuer Frontmann der LPF heraus, wurde aber nicht Teil der Regierung Balkenende I (sondern parlamentarischer Führer der LPF). Interne Konflikte in der LPF liessen die Regierung bald zusammenbrechen und bei der Neuwahl 03 fiel ihre Zustimmung von 17% auf 5,7 (ging in die Opposition). Die LPF (mit Herben als Führer) war nicht leefbar ohne ihren eponymen Gründer, daran änderte auch eine Namensänderung (in LVF) nichts. Sie wurde 08 aufgelöst, die LN bereits vorher. Reste von LVF und LN gingen hauptsächlich in der PVV auf, bzw die Wähler wechselten zu dieser.

Die Fortschrittspartei (FrP) in Dänemark hat sich anfangs auch über wirtschaftliberalen Populismus und Antikommunismus definiert, dann kam Ausländerfeindlichkeit hinzu. Von ihr hat sich 1995 die DF unter Pia Kjaersgaard abgespalten, der Nationalismus wurde mehr, der Libertarismus weniger, infolge des 11. 9. 01 konnte man auch politisch korrekt hetzen (und bekam Auftrieb). Die norwegische FrP (Fremskrittspartiet) unter Siv Jensen und Carl Hagen ist noch etwas prosiraelischer als die DF (die dänische FrP ist in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt). Die proisraelischste Partei ist auch in Norwegen die rechteste. Siv Jensen hat Israel zB im Sommer 08 besucht, auch Sderot, und dort wurde sie, traut man en.wikipedia (bzw den Autoren des Artikels über Jensen) Zeugin (und “Opfer”) eines Hamas-“Raketen”-Angriffs aus dem Gaza-Streifen. Jensen verteidigt “Israels Recht auf Selbstverteidigung”114, will die Verlegung der norwegischen Botschaft für Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Sie ist natürlich auch nur gegen den radikalen Islam115. Jedenfalls hat die Partei, die immer eine Anti-Einwanderungs-Partei war)116, nun auch die Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit politisch korrekt zu vertreten, sich auch noch als Kämpfer für etwas Gutes zu präsentieren.

Die Klimawandel-Skeptikerin Jensen hat Verbindungen zur Henry Jackson Society, ist blond, sauber, “arisch”, und aus einem Land das für Trump das Gegenteil eines Shithole country ist; gut möglich dass Netanyahu, dessen Sohn eine norwegische Freundin hat, das so ähnlich sieht (obwohl das von ihm bekämpfte Abkommen mit den Palästinensern dort ausgehandelt wurde). Während des “Gaza-Kriegs” 08/09 demonstrierte die rechte FrP zusammen mit der christdemokratischen KrF für die israelischen Angriffe Verteidigung. Es gab in Oslo auch Proteste gegen den Krieg sowie gegen die grosse Pro-Israel-Kundgebung im Jänner 09 (mit Jensen). Es gibt einen Artikel auf en.wiki, „2008–09 Oslo riots“, eine Spielwiese für einschlägige Aktivisten auf Wikipedia; natürlich waren die “riots” “antisemitisch”, von Moslems und Linken durchgeführt,…117 > Homosexuellen-Feinde unter norwegischen oder israelischen Rechten… Angesichts des Doppelterroranschlags in Norwegen ’11 mit 77 Toten  bereute Jensen „einzelne Ausdrücke“ die sie zwei Jahre zuvor im Wahlkampf gemacht hatte, etwa von einer „schleichenden Islamisierung“ Norwegens. Unter den Opfern der Anschläge war auch eine Jensen bekannte Person. Die Chefin der dänischen DF, Kjaersgaard, nannte Jensens “Reue” „schrecklich“ und eine „ganz, ganz falsche Entscheidung“.

Anders B. Breivik hat die “Creme” der Islamophobie (Glick, Broder, Pipes, Spencer,…) ganz richtig erkannt. Alles aus seinen Texten findet sich im islamophoben Sumpf, der sich seit 01 breit gemacht hat („neue Türkenbelagerung, neuer Kreuzzug nötig um Abendland zu retten, (kein) Kotau/Kapitulieren vor Moslems, Einsatz der NATO gg serbische Brüder war inakzeptabel, feiges Verhalten der Regierung bei Mohammed-Karikaturenkrise, multikulturelle Gesellschaft schlecht, Eurabien im Entstehen, Koran sollte verboten werden, Geld an Israel statt an Palästinenser, Moslems aus Europa deportieren,…”). Viele redeten wie “Krone”-Jeannee vom “unpolitischen, wirren Einzeltäter118; solche wie Breivik sind “unpolitisch” aber solche wie Amri “politisch”? Eine Zionistin auf youtube schreibt von einem „muslim false flag inside job“, ähnliches deutet auch FPÖ-Königshofer an (“Ciu [sic] bono”), er relativierte auch die Anschläge angesichts einer islamistischen Gefahr. Christian Zeitz (Akademikerbund): „Breivik ist kein Christ“ (aber Jihadisten sind Repräsentanten des Islam…). Andere aus dem rechtspopulistisch-zionistisch-islamophoben Bereich rechtfertigen sich mit „Kann sich Anhänger nicht aussuchen“, „Opfer werden nun für Agenda ausgeschlachtet“ oder „war auch gg uns gerichtet“; Broders selbstgerechte Rechtfertigung in „Die Welt“: Wiederholung seiner Ideen, Breivik hätte seine Taten rational zu begründen versucht, das habe er bei Islamisten gelernt. Aber Küntzel und Andere sind Broder auch beigesprungen, halfen ihm, sich abzuputzen.

Kurz, Jeannee, C. Dichand ’18

Robert Misik in der “taz”: “Ein einzelner Wirrer sei das in Norwegen gewesen, trommeln jetzt die Sprecher rechtspopulistischer Parteien und die Poster in der gut vernetzten islamophoben Bloggosphäre, sinnlos sei es, über so jemandes ‘Motive’ zu sprechen. Klar: Denn ‘die Motive’ der Taten, so wissen wir derweil, das sind genau jene Ideologieversatzstücke, die die österreichischen Freiheitlichen, Rechtspopulisten wie Geert Wilders, ‘Pro Köln’, die norwegische ‘Fortschrittspartei’ und die ‘Schwedendemokraten’ oder Blogs wie ‘Politically Incorrect’ und andere Tag für Tag in die Welt hinausposaunen. Kein Wunder, dass sie jetzt nicht über ‘die Motive’ ihres Gesinnungsfreundes reden wollen.”119 Über Rechte in Schweden (SD, K. Ekeroth,…), Finnland,… liesse sich diesbezüglich auch Einiges schreiben, aber hier gibt’s nur eine Auswahl. Avigdor Lieberman hat vor einigen Jahren als Aussenminister zuerst Schweden, dann Norwegen angegriffen, mit Antisemitismusvorwürfen. Schweden wegen eines Artikels in einer Zeitung über israelische Soldaten in den besetzten Palästinenser-Gebieten, die Organe toter Palästinenser entnommen hätten; die schwedische Regierung lehnte es unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit ab, den Artikel zu verurteilen. Norwegen angesichts der 150-Jahr-Feiern für seinen Schriftsteller Knut Hamsun, wegen dessen Haltung zu Nazi-Deutschland.

“Counterjihad-Konferenz” Brüssel 07; F. Dewinter, A. Eldad/Scheib, D. Littmann; Foto P. Geller; der Vater dieses Eldad war einer der Mörder von F. Bernadotte

In Frankreich gibt es auch die Versuche, das Rechte nicht nur “appetitlich” zu machen, sondern auch das “Unappetitliche” den Anderen umzuhängen… Algerien wurde im 19. Jh wichtigste französische Kolonie; in den 1940ern gab es im französischen Diskurs über Algerien diesen Übergang von der Verbindung aus Nationalismus und Katholizismus zum “freien Westen” (nach dem Krieg, auch wenn es um Kolonialismus ging) – mit der “Zwischenstation” der Vichy-Verwaltung, für die nicht wenige Colons Sympathien hatten. Mit eingeschlossen in diesem Übergang ist jener vom tapferen Nazi-Opfer zum Unterdrücker ausserhalb Europas (bzw: zur 4. Republik); 1954 der Übergang vom Indochina- zum Algerien-Krieg. In der 4. Republik gab es eine recht starke Zusammenarbeit mit dem Zionismus bzw Israel. In dieser Zeit legte auch die Action française ihren Antijudaismus ab.

Alain Finkielkraut (polnisch-jüdischer Herkunft) beklagt u.a. den „widerlichen Diskurs der Selbstkritik bezüglich Sklaverei und Kolonialismus“, den “Verfall westlicher Traditionen” (durch “Multikulturalismus” und “Relativismus”); er verteidigt den Kolonialismus und hat auch ein Problem mit den (christlichen) Schwarzen120 in “Hauptland”-Frankreich bzw in seinem Fussball-Nationalteam. Jean-François Copé, jüdischer Politiker (RPR, UMP, LR) stösst grossteils in selbe Horn, will eine stolze und von Komplexen befreite französische Rechte (verkörpern); was ihn auch zum entschiedenen Gegner der Einführung der Homosexuellenehe macht. Es gibt weitere Intellektuelle und Prominente in Frankreich, die auf dieser Welle unterwegs sind, darunter der bereits genannte BHL und Ex-Linke wie Pascal Bruckner (der den Westen vor Moslems und selbsthassenden “Westlern” retten möchte).

Die Front national (FN), seit 2018 Rassemblement national (RN), hat um 2010 die Wendung vollzogen, zu proisraelisch, philojüdisch, antimoslemisch121, Nationalismus neu definieren, Homosexuelle oder Juden ggü Moslems in Schutz nehmen,… Das war in der Endzeit von Jean-Marie Le Pens Führerschaft und am Beginn der seiner Tochter. Bezüglich der deutschen Besatzung von Frankreich (1940-44) wusste die FN ja lange Zeit nicht, wie sie sich positionieren sollte, wegen État français, Kollaboration und so. Jean-M. Le Pen verglich nun Moslems in Frankreich mit der deutschen Besatzung. Übrigens: Daniel Schwammenthal hat 03 darüber gejammert, dass Frankreich unter Jacques Chirac nicht am Irak-Krieg teilnahm, höhnte dass Chirac statt Bush oder Sharon normalerweise korrupte afrikanische Diktatoren empfinge. Wenn Frankreich seinen Einfluss in Afrika aufgäbe, wäre das zum Vorteil dieser Länder, man muss nur an den Sturz von Laurent Gbagbo in der Côte d’Ivoire 2011 denken.

Silvio Berlusconi, Herrscher über das Mediaset-Imperium und die Forza Italia (und damit gut 10 Jahre mit Unterbrechungen Ministerpräsident Italiens) sprach einst von von “antisemitischen Einstellungen in Teilen der italienischen Linken”. Natürlich ging es um Israel122, und um jene Linken, die noch nicht voll Pro-Israel geworden waren. Unter Anderem dafür bekam Berlusconi eine Preis von der ADL, trotz Lobes für Mussolini. Bei einer Berlusconi-Kundgebung in Rom war eine israelische Fahne zu sehen… Jemand der so sauber ist (tut), der muss Dreck am Stecken haben; er der auf den Trümmern der I. Republik zur Macht kam, hat sich als korrupter erwiesen als deren Protagonisten. Und natürlich, ab etwa 2000 konnte er seine rechte Israel-Begeisterung als Antithese zu Antisemitismus deklarieren, sich damit als Quasi-Antifaschist positionieren…

2004 eine „Antisemitismus-Konferenz“ in Italien (Villa Madama in Rom), veranstaltet von der ADL und der konservativen Zeitung “Il Foglio”; Teilnehmer waren unter anderem ein Richter des obersten israelischen Gerichtshofs, der oberste Rabbi in Rom und der US-amerikanische Botschafter in Italien. Im Mittelpunkt standen die Rolle der Medien und mögliche Maßnahmen von Regierungen. Natürlich ging es “auch” um Israel-Weisswaschung. Eröffnet wurde die Tagung vom damaligen Aussenminister Gianfranco Fini, auch Chef der Alleanza Nazionale (AN), Nachfolgepartei der neofaschistischen MSI. Diese Partei entstand einst im Milieu von Funktionären der Repubblica Sociale Italiana (1943-45, Nord-Italien), einem Marionettenstaat von Nazi-Deutschland, entstanden nach dem Sturz von Mussolini. Finis Vater wie auch der langjährige MSI-Chef Almirante waren solche Funktionäre gewesen. Inzwischen war er ein (auch international) salonfähiger Politiker, der sich und seine Partei von ihrer faschistischen Vergangenheit weisswaschen wollte. Ja, Fini hat 08 gesagt, das Verbrennen einer israelischen Fahne sei schlimmer als der Mord an einem (italienischen) Mann in Verona durch Skinheads damals.

08/09 das Gaza-Massaker (unter Olmert, wie das 06), die letzten Tage von Bush als USA-Präsident, während Netanyahu in Israel vor einer Rückkehr an die Macht stand. Zu jenen, die Israel damals verbal unterstützten, gehörte auch Roms Bürgermeister Gi(ov)anni Alemanno (damals AN) – nach dem Aufruf einer linksradikalen Gewerkschaft zum Boykott von Israel. Auch ein Ex-Faschist, mit möglichen Mafia-Verbindungen. Dem israelischen Soldaten Gilad Shalit trug er die Ehrenbürgerschaft der Stadt an. Wichtigste Rechtspartei Italiens ist inzwischen die Lega (Nord), und ihr Chef Salvini ist auch ein grosser Israel-Freund; nicht immer zum Behagen der Juden Italiens – das ist eine Parallele zu Österreich, Deutschland,…die unterschiedlichen Ansprüche von Israel und der Diaspora. Vor einigen Jahren gab es in Mailand ein “Gipfeltreffen” europäischer Rechtsparteien; Schwerpunkte waren laut Lega Nord unter anderem Themen wie Migration, Banken, Handel und der Schutz der lokalen Produktion.

Spanien: Die franquistische Staatspartei war die FET y de las JONS (“Movimiento Nacional”), die 1977 aufgelöst wurde. Ihr Erbe ging in die Unión de Centro Democrático (UCD; A. Suarez), die Alianza Popular (AP; M. Fraga) sowie die Fuerza Nueva (FN; B. Pinar) über. “Im Schatten” von drei UCD-Wahlsiegen (und -Alleinregierungen) fristeten AP und die FN (die einzige der Drei, die man wirklich als rechtsextrem bezeichnen kann) ein Dasein als parlamentarische bzw ausserparlamentarische Opposition. Zu Zeiten der PSOE-Regierungen (F. Gonzalez) ging ein grosser Teil der UCD in der AP auf, die 1989 zur Partido Popular (PP) wurde. Diese deckte auch den Bedarf im rechten Spektrum so weit ab, dass die FN oder eine andere pro-franquistische, rechtsextreme Partei keine Chance hat(te). José M. Aznar (Jahrgang 1953) war in einer falangistischen/franquistischen Studentenorganisation aktiv gewesen, dann in der AP; sein Vater und Grossvater waren franquistische Journalisten bzw Staatsfunktionäre gewesen. Der ehemalige Steuerinspektor wurde PP-Chef, war 90-96 Oppositions-Chef, dann 96-04 Premierminister. Das Erbe des Franquismus ist über die AP teilweise in die PP eingegangen, nicht zuletzt durch José Aznar.

Die PP hat kaum einen Bruch mit dem Franquismus bzw dem Estado Español vollzogen. Aznar verlieh als Premier zB dem hochrangigen Funktionär der franquistischen politischen Polizei Brigada Político-Social, Gestapo-Zuarbeiter und Folterer von “Terrorverdächtigen” (v.a. Basken), M. Manzanas, posthum einen Orden. Demokratiepolitisch bedenklich bzw dazu passend war auch dass Aznar 02 den (versuchten) Sturz des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez (bzw die Proklamation von P. Carmona als sein Nachfolger) gleich anerkannte. Damals bekam er in Südamerika den Beinamen “perrito yanqui” (Yankee-Pudel) oder “George Bushs Pudel”.123 Zwischen hispanischer und angelsächsischer Rechter wird es aber nicht so leicht eine Einigung geben, einiges dazu im Brasilien II – Artikel. Aznar gründete ’10 mit John Bolton und Anderen die neorechte Friends of Israel Initiative, ist ausserdem aktiv für MEMRI oder News Corporation (Murdoch). 2010 ein Gastartikel von ihm in “The Times” nach dem “Mavi Marmara”-Massaker – die Welt bzw der Westen müsse Israel unterstützen, denn wenn es “untergehe”, gingen “wir alle” unter.

Auch hier also wieder wilde Projektionen auf Israel… Aber das ist noch nicht Alles. Walther Bernecker: “…zahlreiche Veröffentlichungen neofranquistischer Apologeten trugen zur Perpetuierung vieler franquistischer Mythen bei, z.B. Franco habe bewußt und geschickt einen Eintritt Spaniens in den Zweiten Weltkrieg verhindert, er habe viele Juden vor nationalsozialistischer Verfolgung gerettet, er habe von Anfang an eine bewußte Modernisierungspolitik betrieben.” Dass Francisco Franco Juden “beschützt” hätte (vor dem Holocaust), wird gerne vorgebracht, um ihn zu rehabilitieren… Dass er sich nicht ganz mit Hitler eingelassen hat, wird zur Bezeugung seiner historischen Unschuld vorgebracht. Franco selbst hat von einem „gemeinsamen Kampf mit dem Westen gegen den Zerstörer der christlich-abendländischen Zivilisation, den Kommunismus“  geredet. Und, “der Westen” hat ihn ja nach dem 2. WK, im Kalten Krieg, tatsächlich als Verbündeten behandelt.

Erst in den letzten Jahren ist eine Partei rechts von der PP aufgetaucht, die sich behaupten konnte, Vox. Vox (gesellschaftlich sehr konservativ) ist nicht unbedingt für Juden, sondern für Zionisten. Sie ist hauptsächlich für Zentralismus, gg Regionalismen, profitiert von den katalonischen Abspaltungsbemühungen. “Anti-Sezessionisten” wie Vox können sich auf Israel anscheinend ebenso gut beziehen wie Sezessionisten (wie die Liga Veneta von Rocchetta in Italien). Sie ist auch stark gegen Islam, Einwanderung, “Multikulti”; rief die Partei im Regional-Wahlkampf in Andalusien zur „Reconquista“ auf, womit u.a. die Abschiebung von schwarz- und nordafrikanischen Einwanderern gemeint war.124 Islamisten-Anschläge wie jener in Barcelona ’17 bringen ihr Aufwind.

Brasiliens neuer Präsident (ein dreiviertel Jahr) Jair Bolsonaro ist ein grosser Freund von Israel und Netanyahu; die Freundschaft steht auf solidem Grund, wie die Beziehung Israels zu den Apartheid-Regierungen Südafrikas. Bolsonaro sieht Netanyahu sogar als eine Art Vorbild… Die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem kommt ja nun doch nicht zu Stande. Nach einer Israel-Reise traf sich Bolsonaro mit evangelikalen Priestern in Rio de Janeiro, redete auch über seinen Besuch in der Holocaust-Gedenstätte Yad Vashem in Jerusalem. Die Erinnerung an den Holocaust sei wichtig, „Wir können vergeben, aber wir können nicht vergessen“, sagte er dazu. Der Hinweis auf Vergebung rief bei Israel heftigen, zornigen Widerspruch hervor. Netanyahu blieb ruhig, er der sonst keine Gelegenheit auslässt, den Holocaust zu instrumentalisieren Der selbe Opportunismus wie zB sein Nicht-Erscheinen im Likud-Vorstand, wenn dieser für die Annexion von Teilen der palästinensischen Restgebiete stimmt. Bolsonaros Lob für die Militärdiktatur Brasiliens, für andere Diktaturen (wie jene Pinochets), sein Rassismus, Sexismus, Verachtung für politische Gegner, für die Natur,… waren alles kein Problem für Israel. Und auch dass Bolsonaro Hitler einen “grossen Strategen” nannte, störte nicht in den Beziehungen.

„thetimesofisrael“ empört sich: „Brazil’s Workers’ Party likens pro-Israel presidential front-runner to Hitler“. Das macht der schon selber. Ausgerechnet bei einem Treffen mit Evangelikalen (mit die grössten Israel-Fanatiker) sagte er etwas, dass Israel verärgerte. Aber, auch Trump vergab man ja seinen Umgang mit dem Holocaust (s.o.). Rechtsdiktaturen in Lateinamerika hatten in der Vergangenheit oft Nazi-Verbindungen ( > Aufnahme ehemaliger) bzw -Sympathien. Und dennoch auch eine Israel-Verbindung (Militärberater, Waffenkäufe,…).125 Zum Beispiel das Regime von Argentinien 1976-83. Was ja auch Einiges über so manche gängige AS- oder NS-Analyse aussagt. Bolsonaro will auch Brasilien wieder eng an die USA binden, nicht trotz sondern gerade weil diese einst die Militärdiktatur 1964-85 unter-stützte, und weil dort jetzt Trump an der Macht ist. Er sprach die Möglichkeit einer US-Militärbasis in Brasilien an, wird wohl die Reichtümer des Landes zur Plünderung freigeben. Bolsonaro bedeutet für die innere und äussere Emanzipation Lateinamerikas einen gewaltigen Rückschlag. Bolsonaros Herrschaft bedroht auch die “Indianer” und den “Regenwald”, deren Schicksal in Brasilien eng miteinander zusammenhängen und ohnehin schon angegriffen sind; ausserdem die Stellung der Nicht-Weissen, der Frauen, Homosexuellen, Behinderten, den Säkularismus…und die Demokratie.

Nicht nur dass er die Militärdiktatur und ihre Methoden lobte, sein Vizepräsident ein neuerliches Eingreifen des Militärs in die Politik androhte, ein Verbündeter (Rio-Gouverneur Witzel) sprach sich für ein Gefangenenlager in Brasilien nach dem Vorbild des US-Lagers Guantanamo auf Cuba aus, für “Terroristen” (oder politische Gegner?). Bei Bolsonaro wird die ideologische Einbettung von ISrael-Freundschaft wieder deutlich.126 Trump, Netanyahu, Bolsonaro, Saud, Salvini,… So wie er die brasilianische Politik bezüglich des Regenwalds reversiert hat, hat er sie ggü Palästina/Israel. Seinen Rassismus oder seine undemokratische Haltung lassen ihm manche durchgehen, weil er ist ja pro Israel und pro USA… Für den Westen ist die Herrschaft nach Innen meist egal, wird nur ein Thema wenn die Politik nach Aussen „problematisch“ ist; was sich zB bei Mubarak zeigte.

Israel hat auch mit dem Pinochet-Regime in Chile gute Verbindungen unterhalten127, Einiges darüber hier. Victor Farias, ein chilenischer Historiker der lange im Exil in Deutschland war (FU Berlin), versucht(e) Salvador Allende, der ja von Pinochet als Präsident gestürzt wurde, antisemitische, homophobe, rassistische Ansichten sowie die Befürwortung von Euthanasie unterzujubeln. Tat das in “Salvador Allende. Antisemitismus und Euthanasie” (2003), hauptsächlich anhand Allendes Medizin-Dissertation aus 1933. Farias’ Motivation ist unklar, zumal er kein Pinochet-Anhänger zu sein scheint. Übrigens hat er auch Martin Heidegger sowie der Sozialistische Partei Chiles (PS, Allendes Partei) der Nazisympathisantenschaft beschuldigt. Natürlich war man auf gewissen Seiten überglücklich über Farias’ Buch über Allende; mittlerweile ist aber ziemlich klar, dass Farias’ Vorwürfe auf (Ver)fälschungen und Verdrehungen basieren. Allendes “Antisemitismus” steht ausserdem seine eigene teil-jüdische Herkunft entgegen, sowie die Tatsache, dass seine politische Gegner diese gegen ihn instrumentalisierten.128

Naziverbrecher Walter Rauff, Erfinder der Gaslastwagen zur Ermordung von Juden, war nach dem Krieg in Chile untergetaucht. Als er dort aufgespürt wurde, stellte die deutsche Bundesregierung ein Auslieferungsersuchen, das jedoch 1963 vom Obersten Gerichtshof Chile mit der Begründung einer Verjährung abgelehnt wurde. “Nazi-Jäger” Simon Wiesenthal wartete darauf hin, bis in Chile eine andere Regierung kam, 1972 wandte er sich an Allende. Allende antwortete, dass aufgrund der Gewaltenteilung ausschliesslich die Gerichte über solche Anliegen eine Auslieferung Rauffs. Dann (bevor Wiesenthal oder BRD ein neues Gesuch stellten) der Staatsstreich, es kam das Pinochet-Regime – das Rauff schützte. Farias behauptete dagegen, Allende habe Rauff vor dem Zugriff der internationalen Justiz geschützt und die Bitte um Auslieferung durch Wiesenthal schroff zurückgewiesen.

Die Rechtsextremen wurden auch in Osteuropa Pro-Israel und Anti-Islam, was sie ggü Juden in ein Dilemma bringt und die jüdischen Organisationen sowie Israel ebenfalls. Der russische Rechtsextremist Vladimir Shirinovki (LDPR) wird auch als “Antisemit” gesehen, wobei sein Vater aber polnisch-ukrainischer Jude war, mit dem Namen Edelstein (in dieser Familie gab es einige Holokaust-Opfer). Dieser verliess die russische Mutter Shirinovskis, ging nach Israel, unterstützte Herut/Likud. Shirinovski, der also Verwandte in Israel hat und nach dem Ende der SU politisch aktiv wurde, ist für Buchanan, für Trump; äusserte sich israel-kritisch (auch über Einfluss Zionisten in USA), aber auch gegenteilig („Russland wird nie Gewalt gg Israel zulassen“). Die Netanyahu-Regierung kommt gut mit den Regierungen in Ungarn, Polen und Litauen aus. Ungarn wird nun besonders ausführlich behandelt.

Viktor Orbán (Fidesz), ungarischer Ministerpräsident 98-02 und seit 10, beschrieb in einer Rede 14 seine Zukunftsvision von Ungarn als einer “illiberalen Demokratie” (mit Wladimir Putin als Vorbild). Es gibt ja auch jene (“Westisten”), die damit protzen liberale Demokrat(i)en zu sein was sie von (nichtwestlichen) Barbaren unterscheide, während Andere Frontstellung gg Barbaren im Gegenteil „verwirklicht“ sehen, im Bekenntnis zum Illiberalen. Orban sagt zB, dass er mit seiner Flüchtlingspolitik das „Christentum in Europa verteidigen“ will. Und Ungarn befindet sich unter Orban, letztes Jahr wiedergewählt, bereits auf dem Weg in ein autoritäres System. Es gibt jene, die das bei Ungarn hinnehmen oder begrüssen, bei Erdogan (Türkei) oder Maduro (Venezuela) aber geisseln.129 Fidesz befindet sich international z Zt am Rande der EVP; Orban: „Konservative sind zu liberal geworden“. Er unterhält mit Putins “Geeintes Russland” gute Beziehungen sowie mit den meisten europäischen Rechtsaussen-Parteien, wie der FPÖ. Und liebäugelt mit einer neuen rechten europäischen Allianz, in der Parteien wie PVV, CSU, Lega einen Platz hätten.130

Den ungarischstämmigen Juden George Soros hat sich die Orban-Regierung als ein Feindbild ausgesucht. “Dessen” Central European University wurde etwa gezwungen, ihre Kurse für Flüchtlinge zu beenden. Auch auf Wahlplakaten wurde gegen Soros Stimmung gemacht – dabei ging es aber nicht gegen Juden sondern gegen Migranten. Dagegen wurde die Milton Friedman University staatlich unterstützt, die von dem ungarischen jüdischen Verband EMIH betrieben wird, der eine Chabad-Einrichtung ist. EMIH wird von Orban überhaupt unterstützt, und EMIH-Chef Shlomo Köves verteidigt Orban bzw die Fidesz-Regierung gegen Kritik, etwa bezüglich ihrer Flüchtlingspolitik. Der jüdische Dachverband in Ungarn, MAZSIHISZ, ist da weniger nahe bei Orban.131 Orban rühmt sich auch gerne seiner Unterstützungen der Juden in Ungarn. Er hält sich von antijüdischen Aussagen/Maßnahmen fern, hat solche verurteilt, soll Netanyahu bei seinem Besuch 17 gesagt haben, dass er null Toleranz dafür habe. Auch wenn er wahrscheinlich gerne die Rolle von Juden im kommunistischen System thematisieren würde.

Er positioniert sich auch als Beschützer der ungarischen Juden, vor heimischem Antisemitismus wie vor “importiertem”/”zugewandertem”. Hinzu kommt sein Pro-Israel, das er als von islamischen Horden und Barbaren umzingelt132 sieht. Es gibt aber auch jene ungarischen Juden, die Orbans Flüchtlingspolitik als einfach anti-humanitär sehen und sich lieber an der Seite anderer Minderheiten wie der Sinti sehen. Orbán pries den Reichsverweser 1920-44, Miklos Horthy133, der Ungarn mit Nazi-Deutschland verbündete und sich antisemitisch äusserte. Seine Regierung machte eine Leugnung des jüdischen Holocausts 2010 illegal. Orban und die Seinen sehen den Holocaust in Ungarn aber als etwas, das die deutschen Invasoren begangen.134 Da ist er in einer Reihe mit den meisten osteuropäischen Staaten, auch Österreich (und in gewisser Hinsicht die DDR) handhabte das so in seinem “offiziellen” Narrativ. Orban hat auch dem “antisemitischen” Dichter Döbrentei einen Preis verliehen, oder dem Archäologen Bakay, der Juden unterstellen soll, im Mittelalter den Sklavenhandel organisiert zu haben.

Und Orban hat einen guten Draht zu Netanyahu. Hat ihn besucht (mit obligatorischem Yad Vashem-Besuch), dieser war dann auch in Ungarn. Man fand sich in der Abneigung gegen “Soros” (liberale Juden) und Moslems, gegen Linke, im Nationalismus. Und, die Orbans und Netanyahus sehen ungarische Juden eher als Juden, denn als Ungarn. “Zionism … harmonizes with Orbán’s ethno-culturalist nationalism. It marks Jews as members of the Jewish nation — as Jewish rather than Hungarian. A Zionist, pro-Israel politics maintains and even strengthens, the distinction between who is truly Hungarian and who is not.”135 Orban braucht ebenso internationale Akzeptanz für seine rechte Politik (in seinem Fall das autoritäre Gehabe, gegenüber der eigenen Bevölkerung) wie Netanyahu (seine Politik ggü Palästinensern in erster Linie). Aber es gibt ein gewisses Grund-Misstrauen gegen einander, eine echte Allianz ist schwierig, beide Seiten müssten etwas aufgeben.

Netanyahu sieht in Orban den unzivilisierten osteuropäischen Antisemiten; 2013 hat er in der UN-Generalversammlung bei Drohungen gg Iran über seinen Grossvater Nathan und dessen Bruder Juda (Mileikowsky) geredet, am Westrand des Russischen Reichs im 19. Jh (“im Herzen Europas”), der Opa wurde von “antisemitischen Strolchen” geschlagen, als er im Schlamm lag, schwor er sich, diese Verhältnisse zu ändern. Max Blumenthal zeigte auf, dass Netanyahu die selbe Geschichte 2 Jahre zuvor vor Wirtschaftstreibenden in Tel Aviv erzählte, als es um die Massensabschiebung von Afrikanern ging – die “jüdische demographische Mehrheit ist in Gefahr” – und um die Weigerung von einem Siedlungsstopp. In NY gelang es dem Bruder des Opas zu fliehen, in TA ging die Geschichte so, dass der vom Opa gerettet wurde. Orban wiederum sieht in dem Juden zwar ein Renommierobjekt aber auch die politische Korrektheit die es da einzuhalten gibt, das Kommunistische, Unnationale, Ausbeuterische,… Israel ist, über die Jahrzehnte eigtl viel ethno-nationalistischer als Fidesz oder AfD, bezüglich der “Diaspora” hat es aber andere Ansprüche.

Netanyahu hat zugegeben, dass er mit Orban über einen akzeptablen Kompromiss verhandelt bezüglich des Narrativs über Ungarn und den Holocaust. Es gibt einen erlaubten und einen nicht erlaubten Antisemitismus, und erster ist eigentlich ein solcher im Gegensatz zu zweiterem. Rechts von Fidesz gibt es noch Jobbik, wo es (grossteils noch) keine Israel-Connection gibt. Feldmajer von ungarischen Juden-Verband MAZSIHISZ: “Orban muss gg Jobbik auftreten. Die EU muss Jobbik die Grenzen der Meinungsfreiheit aufzeigen”. Warum aber nicht auch Fidesz, wenn aus der Hetze kommt (gegen Andere als Juden)? Krisztina Morvai von Jobbik ist auch noch propalästinensisch (obwohl ihr Mann angeblich jüdischer Herkunft ist), um sie herum wird eine hysterische Aufregung gemacht (von “Jungle world”, diversen Wikipedia-usern,…). Der Schritt von FIDESZ zu Jobbik, von Trump zu Duke, innerhalb der AfD von Weidel zu Höcke, in der FPÖ von Lasar zu Graf,…  Jobbik-Abgeordneter Marton Gyöngyösi hat vor einigen Jahren im ungarischen Parlament in einer Rede verlangt, eine Liste aufzustellen, wie viele Juden im Parlament und in der Regierung in Ungarn sitzen; sie stellten ein „nationales Sicherheitsrisiko“ dar.

Wenn in Israel so etwas vorkäme, im Hinblick auf die “israelischen Araber”, wäre das niemandem eine Meldung wert; weil “Israels Sicherheit” gewöhnlich auf alles Mögliche “ausgedehnt” wird und das wird international akzeptiert. Es kommt aber nicht vor, da “israelische Araber” (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) ohnehin überall so ausgegrenzt sind. Gyöngyösi stellte die Forderung im Zusammenhang mit der Debatte um die „Gewalteskalation“ zwischen Israel und den Gaza-Palästinensern und fragte, wann sich das ungarische Aussenministerium „endlich auch für die leidenden Palästinenser einsetzen wird“. Es sei vor allem Israel, das den „Weltfrieden bedroht“. Die Regierung von Orban distanziert sich einen Tag später von den Äusserungen des Jobbik-Abgeordneten. International und in Ungarn Aufregung um „offenen Antisemitismus“. Die oppositionellen Sozialdemokraten (MSZP) machten die Politik Orbans und seiner Partei dafür verantwortlich, dass „die öffentliche politische Rede in Ungarn so weit sinken konnte“. Der stellvertretende Parlamentspräsident Istvan Ujhelyi (MSZP) eröffnete am Folgetag die Sitzung des Parlaments mit einem gelben Stern, wollte nach eigener Aussage damit seine Solidarität mit all jenen zum Ausdruck bringen, die durch Gyöngyösi „beleidigt wurden“. Dieser bat dann seine „jüdischen Landsleute“ um Verzeihung.

Es ist aber nicht so, dass Jobbik, seine Politik und seine Vertreter, generell abgelehnt werden, es lohnt sich, anzusehen wer in Israel nicht Einreiseverbote sondern Einladungen bekommt. Zum Beispiel Sebastian Gorka, britisch-ungarisch-amerikanischer “Sicherheitsanalyst”, war Berater von Orban, dann von Trump, Anhänger der Alt Right, und für die Magyar Garda aktiv, die de facto Jobbiks Miliz war, dann aufgelost wurde. Der islamophobe Fox-Kommentator war Teilnehmer/Redner bei einer “Anti-Terrorismus-Konferenz” in Herzliya136. Die “Jerusalem Post”, Michael Rubin, Trent Frank und andere Zionisten preisen ihn als Freund Israels und als “nicht antijüdisch“; es wurde sogar das jüdisch-amerikanische Magazin “Forward” angegriffen, weil es ihn als “Antisemiten” sieht. Im “umgekehrten Fall”, wenn Gorka zB bei einer “Palästinenser-Veranstaltung” aufgetreten wäre…oder sich so wie Parteifreund Gyöngyösi geäussert hätte…137 Ja, Pro-Israel (und Anti-Islam) macht vieles wett.

Viktor Orbán hat sich auch mit Aung San Suu Kyi getroffen, De-Facto-Regierungschefin von Birma, anscheinend um sich über “Gefahren wachsender moslemischer Bevölkerungsgruppen” zu unterhalten. In Birma gibt es gerade die Vertreibungen der moslemischen Rohingya, für Orban sind Moslems “das Andere”.138 Gerade Juden im Westen mit Osteuropa-Hintergrund, wie Broder (1957 aus Polen nach Westdeutschland) oder Pa(u)l Lendvai (1957 aus Ungarn nach Österreich), sehen Osteuropas Rechtspopulisten eher kritisch-ablehnend, auch wenn diese pro-zionistisch sind. Lendvai hat in seinem Buch „Mein verspieltes Land“ (2010) die Politik Orbans kritisiert. Bei manchen Lesungen daraus mit Lendvai war es zu Störversuchen gekommen, andere wurden aus Angst davor abgesagt. Die regierungsnahe ungarische Wochenzeitung „Heti Valasz“ bezichtigte Lendvai, ein „freiwilliger Informant“ des kommunistischen Regimes gewesen zu sein.139

Netanyahu hatte 2017 an einem Treffen der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) teilgenommen und die Länder dann für 2019 nach Israel eingeladen. Polen hat seine Teilnahme abgesagt, Hintergrund ist ein Streit zwischen beiden Ländern, inwiefern Polen während des Zweiten Weltkrieges mit den deutschen Besatzern kollaboriert haben. Israels Aussenminister Yisrael Katz (Likud), Sohn von Holocaust-Überlebenden aus Lettland bzw Rumänien, hatte (im israelischen Fernsehen) gesagt: „Es gab viele Polen, die mit den Nazis kollaboriert haben.“ Katz zitierte ausserdem zustimmend Ex-Premier und Ex-Terrorist Yizhak Schamir (als Y. Jezerniecki/Jezernitski im damals russischen Ost-Polen geboren), der gesagt hatte: „Die Polen haben Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen.“ Polens Premier Morawiecki (PiS) bezeichnete die Worte von Katz als „rassistisch“.140 Zuvor gab es (2018) das “Holocaust-Gesetz” in Polen, das es in Polen strafbar macht, Nazi-Verbrechen Polen “in die Schuhe zu schieben”; eigentlich handelt es sich um die Novelle eines Gesetzes aus 1998.

Es gab ein Delektieren an diesem Gesetz (und der vermeintlich zu Grunde liegenden Geisteshaltung) fast wie bei Erdogan. Andererseits: Gesetze oder Maßnahmen gegen das was als „antiisraelisch“ oder “antisemitisch“ deklariert wird, aus Israel oder anderswo. Hier also (noch) keine Einigung zwischen der rechtskonservativen Regierung (PiS) und Israel (bzw internationalen jüdischen Organisationen) wie bei Ungarn. Obwohl die PiS auch die anti-islamische Karte spielt, nicht die antijüdische. Wie auch der nationalistischer Prediger Jacek Miedlar; der warf etwa einer liberalen Abgeordneten vor, die sich gegen eine Verschärfung des ohnehin strengen Abtreibungsrechts aussprach, vor, Anhängerin des Mordens und der Islamisierung zu sein, rief indirekt zu ihrem Mord auf, über Twitter. Wie in anderen osteuropäischen Ländern wurde/wird auch in Polen Juden gelegentlich unterstellt, das kommunistische System mit errichtet und getragen zu haben (ungefähr in die Richtung ging ja Hohmann); dies darf aber nicht auf den Wahrheitsgehalt überprüft werden, wird in der Regel vielmehr umgedreht zu einer Anklage gegen jene, die das thematisieren.141

Kroatien war zur Zeit des Hitler-Stalin-Kriegs wie Ungarn (und anders als Polen) verbündet mit Hitler-Deutschland; das heisst, seine Unabhängigkeit von Jugoslawien kam eigentlich nur durch die Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte (und Kollaboration eines Teils der Kroaten) zu Stande. Sehr viele Kroaten bekämpften aber das Ustascha-Regime, im Rahmen der Partisanen-Armee. Einer davon war Franjo Tudjman (Tuđman). Dieser wendete sich dann gegen das kommunistische Jugoslawien, wurde Dissident, gründete 1989 die HDZ, die im Jahr darauf in Kroatien (damals noch eine YU-Republik) an die Macht kam. Im Jahr der Gründung seiner Partei brachte er auch ein Buch über den 2. WK heraus (beides war vorher nicht möglich gewesen), “Bespuća povijesne zbiljnosti” (etwa: “Die Sinnlosigkeit der historischen Realität”; auf Deutsch und Englisch dann anders übersetzt). Darin stimmt er dem britischen Kunsthistoriker Gerald Reitlinger zu, dass die Gesamt-Zahl der damals getöteten Juden bei etwa 4 Millionen lag. Daneben enthält das Buch Ansichten Tudjmans über die Rolle der Juden in der Geschichte, die dann ebenfalls (hauptsächlich ausserhalb Kroatiens) Anstoss erregten.142

Anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Kroatiens mit Israel 1998 distanzierte sich Tudjman vom Ustascha-Regime und seiner Juden-Verfolgung. Dennoch kamen immer wieder “AS”-Angriffe auf ihn. Es kommt eben darauf an, bei Vorster (Südafrika) störte seine Nazi-Vergangenheit nicht, bei Videla nicht der Antijudaismus… Bei Kroatien (zb) wird eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den eigenen Mythen verlangt, Juden die das tun (wie Ilan Pappe) sind „Selbsthasser“ oder “Verräter”, werden ausgegrenzt. Umstritten ist (auch) der kroatische Kardinal Alojzije Stepinac (1898 – 1960), der nach der kommunistischen Machtübernahme (die im Zuge der Befreiung Jugoslawiens kam), 1946, zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er mit den Faschisten kollaboriert haben soll. Papst Johannes Paul II. hatte Stepinac 1998 seliggesprochen. Und 2016 hat ein kroatisches Gericht den Schuldspruch aufgehoben. Das Wiesenthal-Zentrum (SWC) hat empört auf die Rehabilitierung des katholischen Geistlichen reagiert.

Rumänien: Der inzwischen verstorbene C. Vadim Tudor gründete nach dem Ende des kommunistischen Regimes (an dem er gewissermaßen mitgewirkt hatte) die rechtsextreme PRM (Partidul România Mare). Er kam wegen Antisemitismus unter Kritik. Sah dann aber Juden als das Volk der Bibel und holte sich (in den 00ern) israelische Berater, womit sein Rechtsextremismus und Hetze gegen Andere (ob Ungarn oder Afrikaner) nicht mehr so schlimm war. Der eine Berater war Eyal Arad (zuvor beriet dieser Sharon), der andere „Nati“ Meir (eigentlich ein Doppelstaatbürger). In beiden Fällen kam es zu einer Trennung und wurden nach dieser “AS”-Vorwürfe erhoben; bei Meir gab es jedenfalls (auch) Korruptionsdelikte, diesbezügliche Gerichtsverfahren. 2012 sagte er, „In Rumänien gab es keinen Holocaust“, möglicherweise im Kontext dass Rumänien diesen nicht ausführten, sondern die Besatzer (> Polen, Ungarn). Die rumänischen Faschisten und Nazi-Kollaborateure waren in der Organisation aktiv, die die Namen “Legiunea Arhanghelului Mihail“, “Garda de fier” (eigentlich die Miliz der Org.), “Totul pentru Ţară” trug. Führer waren nach einander Corneliu Codreanu und Horia Sima. Sima fand nach dem Krieg Exil in Franco-Spanien (> oben).143

Ελληνική Λύση/Elliniki Lysi/”Griechische Lösung“ (EL) ist eine der griechischen Rechtsparteien, wird von Kyriakos Velopoulos geführt, errang Achtungserfolge bei Wahlen 19. Auf seinem Teleshoppingkanal verkauft Velopoulos diverse Wundermittel oder „exklusive Kopien von handgeschriebenen Briefen Jesu Christi“. Der Putin-Fan und EU-Gegner will ein „christliches Europa ohne Islamisten“, der Zustrom von „illegalen Migranten“ nach Griechenland sollte durch Minenfelder und eine Mauer entlang der nordöstlichen Grenze zur Türkei eingedämmt werde. Ist ein Freund von Verschwörungstheorien, behauptete, dass die tödlichen Waldbrände nahe Athen im vergangenen Sommer Teil einer zionistischen Verschwörung gewesen seien, um den Import chinesischer Waren nach Westeuropa anzukurbeln. Für Menschenhändler, Drogendealer und Pädophile schwebt Velopoulos die Todesstrafe vor. Wenn er sich als Freund Israels gegeben hätte, zB im Rahmen der Verteidigung des Abendlandes (> Aznar,…), hätte er den Segen Vieler bekommen. So aber wird die Partei angeführt als Beleg für einen “besorgnis erregenden Antisemitismus” unter den Rechtsextremen Europas, die “Sündenbock-Rolle Israels”, die “Pflicht dagegen aufzustehen”, die “Rückständigkeit Osteuropas”,…

Simon Petljura hat nach dem 1. WK die Ukraine zeit- und teilweise in die Unabhängigkeit geführt. In dieser gab es Pogrome gegen Juden. 1921 hat Jabotynski (auch: Jabotinsky), Führer des revisionistischen Zionismus (der aus der Ukraine stammte), mit Petljura (kurz vor dessen Sturz) ein Abkommen abgeschlossen. Jabotynski, der sich zu dieser Zeit den Briten antrug, setzte sich dann auch für den exilierten Petljura ein. Bereits einige Jahr vor Petljura war der ukrainische Dichter Ivan Franko aktiv, dem man heute Antisemitismus vorwirft. Es gab in der Sowjet-Ukraine einige jüdische Politiker (wie Lazar Kaganovich und Serafima Hopner) und in der unabhängigen einige mit jüdischen Wurzeln (wie Yulia Timoschenko oder Vitali Klitschko). Und es gibt im prowestlichen Lager der Ukraine (das seit 2014 an der Macht ist) zwei rechtsextreme, antirussische Parteien, mit Sympathien für Israel. Svoboda, eigentlich (1995) als eine Art Neo-Nazi-Partei gegründet, wurde von SWC einmal in ihre Top-Antisemiten-Liste aufgenommen, ihre Führer preisen aber Israel (zB als “einen der nationalischsten Staaten der Welt”), treffen sich mit dessen Botschafter in der Ukraine. Wieder so eine Art “Noll/Graumann-Paradoxon”. Prawy Sektor entstand währen der Euromaidan-Proteste 2013/14, sieht sich in einer Traditionslinie mit der OUN (die mit den Nazis kollaborierte)144. Bei der ukrainischen Parlamentswahl 2019 traten Svoboda und Prawy Sektor zusammen mit anderen rechtsextremistischen Gruppen an, errangen kein Mandat.

Auch über Prawy Sektor gab es einst Aufregung internationaler jüdischer Organisationen und Israels. Wenn man sich ihre Standpunkt ansieht (zB: “An ideology of defense, preservation, and state assertion of the Ukrainian nation”), muss man feststellen, dass diese Partei im israelischen Spektrum in der Mitte stehen würde. Und, die Ukraine herrscht nicht über eine grosse Zahl von “Unterworfenen” in einer Art Militärherrschaft, Unterworfene die in dieser Nation nicht mitbestimmen, ihr nicht angehören, ihr aber ausgeliefert sind.145 Prawy Sektor ist zwar prowestlich, aber antiliberal eingestellt, also gegen Werte, die Parteien wie FPÖ inzwischen positiv affirmieren. An dieser Stelle: der Westen vertritt in der “Ukraine-Krise” (Besetzung Ost-Ukraine, Abtrennung Krim infolge Euromaidan-Umsturz) seine eigenen (geopolitischen) Interessen, unter dem Mantel von “Demokratisierung” oder “Beschützung der Ukrainer”, gegen Russland gerichtet, nicht zum ersten Mal in der Geschichte.

Es gäbe noch viele Länder diesbzüglich (Islamophobie, Pro-Zionismus, eigener Nationalismus, Allianzen und Widersprüche) “abzuklappern”… Zum Beispiel Indien und die “Hindu-Nationalisten” (wie der regierenden BJP). Bei Hindu-Nationalisten oder der libanesischen (maronitischen) Kataib (Phalange) sind auch Nähe sowohl zum Zionismus (eher aktuell) als auch zum NS & AS (eher historisch) gegeben. Und, kein Küntzel, kein Peham/Schiedel, kein Cüppers und kein Netanyahu persönlich mit Geschichtspolitik. Der wachsenden Allianz Israels mit Indien (hauptsächlich unter BJP-Regierungen) steht eigentlich auch die traditionelle Verachtung des Zionismus für Asien (siehe Theodor Herzl, siehe Naftali Tamir) entgegen. Beziehungsweise, auch das Paradigma von Israel als Teil des Westens, von der Deckung westlicher und zionistischer Interessen, Interessen die noch dazu immer im Sinne von Fortschritt, Aufklärung,… wären. Übergriffe auf Frauen in Indien, (gleichzeitig) die Existenz von Sittenpolizeien aus dem hindu-fanatistischen Milieu oder das Vorgehen der Hindu-Zentristen auch gegen Christen (nicht nur gegen Moslems146)…werden aber gegebenenfalls “geschluckt”.

Die Sikh sind seit der Spät-Zeit der Mogul-Herrschaft in der Regel mit Hindus gegen Moslems verbündet, so auch bei der Unabhängigkeit und Teilung Indiens 1947, spielen zB auch in der Diaspora (GB) eine Rolle in der Islamophobie (> BNP). Und da stösst man dann auf sowas: Bhagat Singh, ein Sikh aus dem Punjab, kämpfte mit seiner Hindustan Socialist Republican Association gegen die Briten, wurde von diesen 1931 hingerichtet. Sein Tod löste Krawalle im Punjab aus, und er gilt in Nordindien als Märtyrer (Shahid)… Relevant hier ist auch, was “Pat” Robertson über den Hinduismus sagt, zumal der ja auch ein grosser Israelfreund ist. Aber irgendwie geht das, hindu-zentrische Inder, Kurden (darüber auführlich im 4. Teil), weisse Südafrikaner, evangelikale Amerikaner, iranische Nationalisten, weisse Suprematisten, kemalistische Türken,.. als Verbündete.

Nochmal zum ideologischen Umfeld von Philozionismus und “Rechtspopulismus”: auch Klimawandel-Leugnung gehört hier dazu, Angriffe auf Greta Thunberg inbegriffen. Die von Thunberg mit angestossenen “Klimaproteste” werden von jenen, die den Klimawandel nicht wahrhaben wollen, zu diffamieren versucht, im Westen hauptsächlich aus rechten Kreisen. Von dort schlägt Thunberg viel Hass entgegen, der bis hin zu Morddrohungen reicht. Ja, wir haben ja auch eine zweite Welt im Keller147. Die deutsche AfD ist hier zu nennen, hat Greta Thunberg in ihrer Ver-Leugnung der drohenden Klimakatastrophe immer wieder angegriffen. AfD-Fraktionschefin Weidel glaubt nicht an einen menschengemachten Klimawandel, AfD-Politiker verunglimpfen Thunberg als „armes Kind, das einen Psychotherapeuten braucht“; im Umfeld der Identitären (ausgerechnet!!!) zieht man Nazi-Vergleiche. Als Broder heuer bei der AfD im BT auftrat, kam auch eine verpackte Attacke auf Greta Thunberg. Jan Rübel, der ja nicht ganz verloren ist, kritisierte diesen Auftritt etwas, verharmloste ihn aber eigentlich. Ein bisschen was Richtiges kam diesbezüglich von ihm:

“Eine 16-Jährige ist nicht wirklich ein Kind, und ‘Kindesmissbrauch’ ist ein Sexualstraftatbestand und hat nichts mit politischer Instrumentalisierung zu tun – was Broder womöglich meint. Entweder formuliert er hier unfähig ungenau oder hat komische Phantasien oder denkt einfach mit untersten Schubladen hantieren zu können. Allein, dass er das Alter dieser ‘Klimaretterin’ zur Herabwürdigung heranzieht, erzählt von einer gewissen Hemdsärmeligkeit. Ich stiege auf ein ähnlich niedriges Niveau herab, würde ich Broder entgegnen, er wäre ein alter Greis, der nicht mehr wisse, was er sagt.” Nun, wenn Broder in Berlin einen kalten Cafe serviert bekäme, wäre das für ihn Antisemitismus, Kritik an ihm jeder Art ohnehin, also muss Rübel da aufpassen, denn beim Einstecken ist Broder nicht so grossherzig. Die Erderwärmung ist eine für Broder unbequeme Wahrheit… Rübel weiter: “Bei Thunberg sind es auch nicht ihre Worte, auf die Kritiker direkt eingehen. Stattdessen wird vermerkt, sie sei ob ihres Alters manipuliert oder instrumentalisiert, jedenfalls nicht voll zu nehmen. Ich kann mir nur vorstellen, solche Kritiker erinnern sich nicht mehr, was sie als 16-Jährige umgetrieben hat. Hätte man ihnen damals zugerufen, sie seien nicht wirklich ernst zu nehmen, hätten sie gelangweilt die Nase gerümpft. Hinzu kommt, dass Thunbergs Leben mit Asperger, einer Spielart des Autismus, selbst instrumentalisiert wird, nach dem Motto: eine Behinderte, was soll die schon wissen?  Interessant, wie sich Frauenhass, Jugendhass und Ableismus hier vereinigen. Argumente? Fehlanzeige”

Jair Bolsonaro hat Greta Thunberg als “Göre” bezeichnet, nachdem diese die Ermordung zweier Ureinwohner im brasilianischen Amazonas-Regenwald verurteilt hat. AfD-Meuthen erklärte, dass er es akzeptiere, dass der Mensch einen Anteil am Klimawandel habe – allerdings lediglich als “Hypothese”. Als Kernproblem mache er das “Bevölkerungswachstum” und die damit einhergehende “Emissionsintensität” aus – schuld sind also eigentlich die “Massen” der “3. Welt” und nicht die westlichen Industriestaaten. Der Israeler Shaviv, ein führender Klimawandel-Leugner, trat für die AfD ebenfalls im Bundestag auf – schön, gleich in zweifacher Hinsicht ein Alibi. Thomas Schmid (war deutscher 68er, Grüner, dann zu Springer, war Herausgeber von “Die Welt“, konservativer Sack), attackiert Thunberg in Form von einer “Wegnahme des Heiligenscheins”. Natürlich kommen auch von Donald Trump brutale Beleidigungen von ihr; Michael Knowles (Fox) nannte Thunberg in einer Sendung zum UN-Klimagipfel in der USA ein „psychisch krankes schwedisches Kind“, „In der Klima-Hysterie-Bewegung geht es nicht um Wissenschaft“. Bolsonaro ist natürlich auch in der Reihe der Klimawandel-Skeptiker…dem entsprechend sieht seine Politik zum Regenwald Brasiliens aus.

Michael Niavarani über Thunberg und die Wut die diese von gewissen Milieus auf sich zieht: „…Wenn jemand eine schlimme Diagnose bekommt, dann fängt er an zu verleugnen…Wahrheit tut weh.“ Daher: wegsehen, und jene (persönlich) angreifen, die die Umwelt (die Lebendgrundlagen) erhalten wollen. Sie können auf einer Sachebene nicht gewinnen. Klimawandelleugner versuchen wie gewisse Israelfreunde, vom eigentlichen Thema abzulenken. Hier sieht man auch, welcher Anti-Aufklärungs-Geist in diesen Milieus herrscht, entgegen ihrem Selbstverständnis. es geht da auch um ein Frauenbild der Rechtspopulisten und Rechtsextremisten. In mancher Hinsicht hat Greta Thunberg viel mit George Soros gemeinsam (bzw die Angriffe auf sie), um ihn wird es im IV. Teil nochmal gehen.

Nochmal zur Zusammenarbeit zwischen zionistischen und westlichen Nationalisten; es gibt darin gewisser Stolpersteine, sie spiegeln vielleicht das jüdisch-christliche Verhältnis wieder. Zwischen Orban und Netanyahu (s.o.) zeigt sich das ganz gut. Wie erwähnt richteten sich die Kreuzzüge auch gegen die Juden, nicht nur gg “den Islam”; Juden in Europa und im “Orient” (1096 wurden die verbliebenen Juden in Palästina im Zuge des Ersten Kreuzzuges nahezu ausgerottet). Aber es gibt eine Art westlich-zionistische Konvergenz in den letzten Jahren, nicht nur zwischen den Rechtsaussen beider Seiten. Die Rechtsaussen Israels sind in einer ganz anderen Situation als jene in Europa und Nordamerika; es geht dort auch um eine Art Kolonialsituation, um Militärherrschaft über Andere, Besatzung, Vertreibungen,… Eva “Herman” (Bischoff) nahm zwar gg die moslemische Einwanderung nach Deutschland Stellung (auch ihr Frauenbild war noch nicht das Problem), fand am NS aber auch gute Seiten. Die genannten Stolpersteine zeigen sich auch anhand der Mitwirkung bzw Nicht-Mitwirkung von Juden in Deutschland an der “Erinnerungsarbeit” der Vertriebenen. Auch ein Broder, dem es sonst nicht rechts genug sein kann, hält sich da eher zurück. Die Schwierigkeiten beginnen natürlich damit, dass diese Vertreibungen von Deutschen aus Osteuropa (grossteils aus Gebieten die Teil des Deutschen Reichs waren) am Ende des 2. WK oder in der NKZ das Resultat nationalsozialistischer Politik waren. Und, weil die Vertriebenen eine ethnonationalistische Definition von Deutschtum aufwerfen, die Juden (in der Diaspora) Unbehagen bereitet.

Julius H. Schoeps, ein gut vernetzter “Antisemitismus-Forscher”, hat das geplante BdV-Projekt “Zentrum gegen Vertreibungen” zunächst unterstützt, dann kam die Kehrtwende. Die doch sehr reaktionäre GfbV übernahm ein Interview aus dem noch (deutsch-)reaktionäreren “konkret” mit Ralph Giordano (…), in dem dieser das Zentrum gg Vertreibungen gg die “Anti”deutschen verteidigte; auch dieser hat später seine Haltung diesbezüglich geändert. Die Vertreibungen von Palästinensern wären aber ohnehin kaum thematisiert worden. Aber auch das Wirken von Geert Wilders ist in diesem Kontext relevant. Er ist in Tel Aviv aufgetreten, wird von Broder und Caroline Glick unterstützt, tritt auch148 mit Strache auf, trat/tritt für ein Schächtverbot ein (das SWC war empört darüber), und das Sarrazin-Buch über das “Abschaffen Deutschlands” war nach ihm ein Anzeichen dafür, dass Deutschland mit sich ins Reine kommt, den “Schuldkomplex” überwunden habe. Der verstorbene Islamophobe Ulfkotte sprach auch von der „Grausamkeit des Schächtens“ (ausserdem von „christlich-jüdische Traditionen“, „freiheitlich-demokratischer Grundordnung“,  “Bedrohung europäischer Kultur“, “römisch-christliche Wurzeln“,…).149 Ann Coulter (USA) stösst zwar ins anti-moslemische “Horn” und faselt vom “Genozid an Weissen”, ist aber auch “juden-kritisch”.

“An anti-Semite used to mean a man who hated Jews. Now it means a man who is hated by Jews.”, sagte Joseph Sobran, ein rechter katholischer amerikanischer Autor, 2010 gestorben; er wurde von Podhoretz angeprangert, von Coulter verteidigt. Ja, manchmal sind “Antisemitismus” und Rassismus auch zusammen… Und, wie gesagt, die Zusammenarbeit bzw die Ansprüche von Rechten aus verschiedenen Nationen gestaltet sich in der Regel schwierig. Klischees über Italiener in der Schweiz (“faul, stinkend, lüstern,…”) können Leute von der Lega natürlich nur irritieren, auch wenn sie von der dortigen Rechten kommen.150 Und die evangelikalen US-Amerikaner grenzen gerne die Lateinamerikaner aus, auch jene die rechts und prozionistisch sind, auch jene die protestantisch und evangelikal (und weiss) sind.

Nun zu Querfronten und Widersprüchen zwischen rechten und linken Israel-Fans im Westen. Bis zum Krieg 67 war die (neue) Linke grossteils pro-Israel, dann drehte sich das und die Israel-Begeisterung ging zur Rechten über. Mit dem “Ausbruch” der Islamkrise (Islamismus & Islamophobie) etwa 2001 wurde auch die Linke grossteils wieder prozionistisch, manche Teile ganz radikal, verbunden natürlich mit einer Islamophobie – von dort, den „Anti“deutschen (über sie extra in Teil IV), schliesst sich auch schnell ein Kreis mit der Rechten. Begeisterung für den Zionismus ist bei den Pseudo-Linken und der Neo-Rechten (in der USA Neocons/Tea Party/Evangelikale/…) am grössten; jene die den Zionismus “links” etikettieren wollen, sind meist aus dem deutsch-österreichischen Raum… Zwischen “AS”-Wahn, Westchauvinismus und Moslemophobie in linker und rechter Spielart, also zB von Marco Schreuder und Ursula Stenzel, gibt es Widersprüche, Parallelen und Berührungspunkte.

In dem Spektrum, das sich in progressiver oder linker Tradition wähnt – oder eine solche vorgaukelt – wird Philozionismus toleranzchauvinistisch (“Schwulenrechte”…) begründet /affirmiert (verlogen/naiv), die israelische Flagge mit der des Regenbogens kombiniert151, hier verschmilzt der israelische Staat und die israelische Friedensbewegung (die Shalom-Achshav-Richtung), während eigentlich eine Likud-Linie unterstützt wird. Die Anderen kombinieren die israelische Flagge mit ihrer Nationalflagge oder Kreuzen (wie Evangelikale). Um die Heldenhaftigkeit der israelischen Armee herauszustreichen, wird sie als eine Art “Partisanenarmee” porträtiert oder aber dafür glorifiziert, dass sie “Partisanen” bekämpft.152 Beide sehen Israel “vernichtungswilligen” Palästinensern gegenüber stehen, als Vorhut der Unzivilisierten der Region – deren Unzivilisiertheit wird aber unterschiedlich begründet. Beide Seiten sind bereit, Israel-Kritik mit AS gleichzusetzen und diesen den Moslems/Orientalen umzuhängen (oder aber der jeweils anderen “Seite”!), zur Weisswaschung des Westens.

Broder ist irgendwie am Schnittpunkt, so zwischen Altrechten (die sich neu affirmieren) und “Anti”deutschen, die Brücke zwischen rechter und pseudolinker Islamophobie/Israelunterstützung, auch Ostensack ist so eine Schnittstelle. Es gibt gemeinsame Inhalte, Querfronten sind auch gelegentlich zu beobachten. Auf einer Veranstaltung zum “Tag der Patrioten“ vor einigen Jahren von/mit Merkle (“Mannheimer”) (PI) gab es NPD- und Israel-Fahnen… Mitglieder des BAK Shalom (Linke) mit Klaus Lederer demonstrierten Anfang 2009 zusammen mit der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) und anderen offen Rechten für die Bombardierung des Gaza-Streifens durch Israel. Auf PI werden auch die Mantras der Grigats und Küntzels (oder ihre Veranstaltungen) beworben. „Fred Alan Medforth“, aus evangelikalem/PBC-Umfeld kommend, ist vernetzt mit dem ganzen „anti“deutschen Rudel, verlinkt auf seiner Homepage zustimmend den Auftritt des “antideutschen” ”Politologen” Grigat im ORF zu dropthebomb, bewirbt einen Simone-Hartmann-Auftritt auf einem „Antifacamp“, spielt die serbisch-nationale Karte (deshalb gegen NATO),…

Die ÖVP-FPÖ-Regierung (Kurz/Strache, 17-19) hat eine “Initiative gegen den politischen Islam” angekündigt. Kurz sah sich gefordert, „unsere freie Gesellschaft vor dem politischen Islam und seinen Auswüchsen wie dem Antisemitismus zu schützen“ und kündigt die Schaffung einer Dokumentationsstelle für politischen Islam nach dem Vorbild des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) an. Die Ergebnisse der jüngsten Antisemitismusstudie hätten gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe. Begleitet werden soll die Arbeit von einem “wissenschaftlichen Beirat”, durch “wissenschaftliche Studien” und der Herausgabe eines “Jahresberichts”. „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn unsere Grundwerte, wie Demokratie oder die Gleichstellung von Mann und Frau, offen abgelehnt werden …“, erklärte Kurz das Vorhaben seiner Regierung. Vizekanzler Heinz-Christian Strache bezeichnete den „Islamismus“ als die „größte Bedrohung unserer freien Gesellschaft“. „Die Einrichtung einer Beobachtungsstelle gegen den politischen Islam ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Man muss den Anfängen wehren.“

Ein Profilierungsprojekt der österreichischen Rechten also, alles Rückständige (bzw das was diese Rechten JETZT als rückständig definieren) soll an Moslems/Orientale delegiert werden, eine Deutungshoheit über „Antisemitismus“ versucht. Wobei: Saudi-Arabien wird aus weltpolitisch-wirtschaftlichen Gründen samt seines Islams verschont werden, so wie Japaner beim Apartheid-Regime Südafrikas aus wirtschaftlichen Gründen als “Weisse” durchgingen. Und, das DÖW ist längst auf der Linie von Strache/Kurz, formuliert anders. Peham/”Schiedel”, von Medien auf das Vorhaben angesprochen, hat nichts dagegen einzuwenden, hat nichts zu sagen über Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Heuchelei, Weisswaschung von FPÖ und ÖVP…kein Widerspruch, im Gegenteil. Die österreichische Volksgemeinschaft…und ihre Obrigkeitstreue.153

Offen rechts (zB auch Ablehnung christlicher Flüchtlinge aus Afrika oder “Nahost”, Bekenntnis zu Radikalismus) oder aber politisch korrekt rechts (für “christlich-jüdische Kultur”, gegen Radikalismus). Der “Islam” ist auch im Endeffekt hauptsächlich Platzhalter für Anderes. Die Einen sagen, der Westen ist stärker durch Diversität, Homosexuellen-Rechte,… die Anderen “durch weisse Vorherrschaft”. Für die einen Zionisten (zB die Evangelikalen) ist Homosexualität das Barbarische, für die Anderen Intoleranz ggü Homosexuellen. Ablehnung der Homosexualität oder aber die aggressive Affirmation ihrer Rechte. Linkswestisten (Islamophobe/Zionisten) täuschen eine gemeinsame Front von Juden, Schwulen, Frauen (gg Islam/ismus) vor, als ob es nicht grosse Vorbehalte ggü Homosexualität in grossen Teilen des Judentums geben würde, grosse Israel-Solidarität bei der Rechten, als ob Frauen als der moslemischen Welt ihre Schutzbefohlenen wären, als ob es keine Rassenvorurteile ggü moslemischen Frauen gäbe, keine Feindschaft von hiesigen Rechten ggü Homosexuellen. Frauen aus/in der moslemischen Welt oder die offene Gesellschaft ins Spiel bringen, um die eigene Fremdenfeindlichkeit zu beschönigen…

Die Geschlechter- und Gesellschaftsbilder der Wähler von Schas, Yahadut HaTora HaMeuhedet,… und anderer Rechtsparteien (keine Aussenseiter, immer wieder an Regierungen beteiligt). Moslems/Orientale sind böse weil keine Toleranz für Homosexuelle, weil Antisemiten, frauenfeindlich et cetera oder aber weil sie so dumm und und stinkend und inferior sind, Kameltreiber, Ziegenficker. In beiden Narrativen zersetzen sie gewissermaßen westliche Nationen/Kultur. „Annoying liberals“ oder aber „Liberalismus hochhalten“ gg Illiberale, beide im Sinne des Zionismus, einer „freien Gesellschaft“. Hegemonial im zionistisch-islamophoben Diskurs ist das Linkschauvinistische, also wir sind tolerant zu Schwulen im Gegensatz zu ihnen, daher besser.154 Es gibt immer wieder die Diskussionen, in was sich Immigranten zu integrieren hätten, an was zu assimilieren. Soll man ihnen Toleranz für küssende Männer abverlangen oder doch nicht? Wenn sie dann aus dem Integrationskurs rausgehen und in die nächste Kneipe rein, könnten sie diesbezüglich einer anderen Realität der hiesigen Gesellschaft begegnen. “Frauenhass, Homophobie und Antisemitismus” beklagen oder die diesbezügliche politische Korrektheit.155

Es gibt jene Islamophobe die zu Homophobie und Antifeminismus stehen, wie Matthias Matussek oder Eric Zemmour156, jene die es etwas kaschieren wie Henryk Broder, jene die es ganz kaschieren (Springer-Leute,…), und jene die Toleranzchauvinismus auf ihrer Flagge haben (wie Schreuder). Die rechtsextreme Zionistin Caroline Glick (über sie im III. Teil) auf ihrer Website über ihr Aufwachsen in der USA: “I grew up in Chicago’s ultra-liberal, anti-American, and anti-Israel stronghold of Hyde Park. Hyde Park’s newest famous resident is Barack Obama. He fits right into a neighborhood I couldn’t wait to leave. I made aliyah to Israel in 1991, two weeks after receiving my BA in Political Science from Beir Zeit on the Hudson—otherwise known as Columbia University. I joined the Israel Defense Forces that summer and served as an officer for five and a half years.“ > Die Links-Islamophoben und (Pseudo-) Links-Zionisten würden sich hüten, Bir Zeit als „liberal“ zu etikettieren, im Gegenteil, in diesen Kreisen ist alles Palästinensische, Orientalische „illiberal“ und daher verdammenswert, für „Reeducation“ überfällig, das Westliche das „Liberale“; sie aber verachtet v.a. liberale Juden und Westler, fast so sehr wie Palästinenser und Andere aus dieser Region.

Mal wird behauptet, dass „Illiberalität die innere Struktur des Antisemitismus kennzeichnet“, dann wieder, dass die Liberalen dafür verantwortlich sind. Friedrich Meinecke kam 1946 in “Die deutsche Katastrophe”, gedruckt mit Erlaubnis der US-Besatzer, zu dem Ergebnis: “Zu denen, die den Becher der ihnen zugefallenen Macht gar zu rasch und gierig an den Mund führten, gehörten auch viele Juden. – Die Juden, die dazu neigen, eine ihnen einmal lächelnde Gunst der Konjunktur unbedacht zu genießen, hatten mancherlei Anstoß erregt seit ihrer vollen Emanzipation. Sie haben viel beigetragen zu jener allmählichen Entwertung und Diskreditierung der liberalen Gedankenwelt, die seit dem Ausgange des 19. Jahrhhunderts eingetreten ist”. Jedenfalls, bei Trump oder Bolsonaro wollen wir bezüglich ihrer Politik und Einstellungen mal nicht so streng sein, schliesslich sind die pro Israel. Und auch “Saudi-Arabien ist wichtig für Israel”, daher…

Manchmal erfindet man das eigene Kollektiv als “liberal”, das dem “Bösen”, “Illiberalen” gegenüber steht. Die (proisraelischen) Evangelikalen in der USA aber empören sich über Waffenkontrolle/-verbote, Homsexualität, die Gleichheit der Rassen,… Der rechtskonservative Grazer Bürgermeister Nagl verteidigte einst Schwarzenegger und seine Todesstrafen-Entscheidung als Gouverneur von California; Andere sehen die Todesstrafe (zB im Iran) als Beleg für Barbarismus, welcher “dem Islam” innewohne (obwohl dort fast alle Hingerichteten auch Moslems sind). Erdogan ein „autoritärer, rückständiger, populistischer Führer”, aber Orban…und die “verweichlichten, selbsthassenden, liberalen Gutmenschen”. 2018 Verleihung des “Echo”-Preises an Farid „Bang“ El Abdellaoui (marokkanischer Herkunft) & “Kollegah”, denen “Antisemitismus” in Texten vorgeworfen wird, grosse Protestwelle (u.a. Rückgabe seines Preises von “Campino”). Über 6000 Mal wurde das Posting eines Lehrers geteilt, der von “Fremden- und schwulenfeindlicher, frauenverachtender und antisemitischer Scheiß[e]” schrieb. Für Andere ist er einfach ein “Kanake”, wahrscheinlich auch für den neurechten Deutsch-Rapper „Koljah” (kolerikah), der gg „Kanaken” und “Neger“ sowie “Islamversteher” hetzt. Eine Dokumentation wirft der deutschen Rapszene “massiven Antisemitismus” vor; aber “Koljah” muss ja in Ordnung sein, da zionistisch.

Attacken bzw Aussagen mit klarem “Rassismus”, also die abwertende “Thematisierung” von “Rasse” und dergleichen, ist selten geworden. Man kann ja auch einfach jemand zB als “Antisemiten” oder so ablehnen. Manchmal kommt so etwas aber doch hervor, zB die Beschimpfung der italienisch-kongolesischen Ärztin und Politikerin Kyenge als “Affe” durch die Lega. Oder, wenn der “Westen” als “weiss” definiert wird, so wie von Steve King. Die fliessende Grenze zwischen „Islamkritik“ und Rassismus… Etwa bei den Kommentaren unter einem Youtube-Video über das Fussball-WM-Spiel 1990, zwischen den Teams von Niederlande und Deutschland (in Mailand): „damals spielten auch noch keine Türken und Afrikaner für uns ;)”, „1990 und 1996 die letzten Deutschen Helden. Die heutige Migrantentruppe kann man sich ja nicht anschauen. Muss man sich ja schämen, dass sowas einen Adler trägt. Aber so verfault Europa allgemein zur Multikulti Mischmasch ohne Identität.”, „Scheiß Holland!”,…157 Den Sack schlagen, den Esel meinen; sagt man, wenn jemand stellvertretend für Andere, die eigentlich gemeint sind, kritisiert wird.

“Islamische und afrikanische Invasion”

Als Dhoruba al-Mujahid bin Wahad aus der USA, ehemaliger Black-Panther-Aktivist und Mitbegründer der Black Liberation Army, 2018 in Wien reden sollte, über seinen politischen Werdegang und seine Erfahrungen als militanter Kämpfer und langjähriger Gefangener, im Rahmen einer Vortragsreihe zum Themenkomplex Kolonialismus, Rassismus und Black Power, forderte die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) vom veranstaltenden Institut für Afrikawissenschaften die Absage der Veranstaltung, weil der Verein “Dar Al-Janub” (israelkritisch) Mitveranstalter war. Es kam zur Ausladung, Mujahid durfte nicht reden… Veranstaltungen im Zhg mit dem “Dar Al-Janub” werden immer wieder Zielscheibe der zionistischen Szene Wiens. Eine Stellungnahme von dem Verein. Es gab in den Diskussionen in der ÖH auch eine Verwischung rassischer und anderer Ressentiments mit „Antisemitismus“-Inquisition, es ging auch um (bzw gegen) den Vortragenden und die Thematik… So wie bei den Attacken von Trump und seinen Anhängern gegen Alexandria Ocasio-Cortez und Ilhan Omar; Ocasio hat gar nichts moslemisches, hat nichts über die “jüdische Lobby” gesagt, wird dennoch auch angefeindet.

Ein dünn verhüllter Rassismus kam auch gegenüber Bilal Hassani zum Vorschein. Er hat Frankreich heuer beim Song Contest (in Israel) vertreten. Ist marokkanischer Herkunft und eine Art Drag Queen. Mit seiner Nominierung in Frankreich begann es, er wurde von homophoben Trolls beleidigt, aber auch jenen, die ihn als nicht würdigen Vertreter Frankreichs sahen wegen seiner Herkunft. Bei Erdogan-Kritik “rutscht” auch gerne Antitürkisches und Fremdenfeindliches in Kommentare “hinein”, wird versucht diese Feindlichkeit über den Anteilnahme-Umweg zu relativieren (es ginge einem um Demokratie und Menschenrechte).158 Auf Youtube gibt es den Benutzernamen “brennendemoschee”159; ob es ihm nicht um brennende Menschen geht… “frenchlegioner” ist ein Nazianhänger, von Breivik, aber auch von Walid Shoebat. “amerasu0“ ist ein PI-aktivist, unterstützt(e) auch proNRW, pro Israel, postet von Grigat u.a. ein Video bei dessen “Kritischer Islamkonferenz”. Das was man auf Englisch “political punditry” nennt (politische Analytik), ist auf YouTube übrigens auch von Rechten dominiert, von Pat(rick) Condell bis “Carl von Akkad”.160

Beim Schuss-Attentat auf 2 Moscheen in Christchurch, NZL, heuer (~50 Tote) war der Täter ja ein Weiss-Suprematist/ Neonazi/Rechtsextremist aus Australien. Dieser Brenton Tarrant postete (auf 8chan) sein Manifest, mit dem Titel “The Great Replacement”. Bezog sich dabei vor allem auf Renaud Camus, der 2010 ein Buch mit diesem Titel herausbrachte (bei Antaios), behauptend dass ein “Bevölkerungsaustausch” im Gange sei, Frankreich von Nordafrikanern und Westasiaten “überrannt” werde. 2012 hat er Marine Le Pen in der französischen Präsidentenwahl unterstützt. Das “Konzept” des „grand remplacement“ ist mehr oder weniger dasselbe wie das der „white genocide conspiracy“, dass das weisse christliche Europa von Schwarz- und Nordafrikanern sowie Westasiaten (hauptsächlich Moslems) übernommen werde, kulturell und physisch. Es geht auf „Bat Yeor“ (Giselle Littman) sowie Jean Raspail zurück. Wurde von vielen rechten Parteien und Initiativen in Europa (hauptsächlich im westlichem) aufgegriffen oder ähnlich formuliert.

David und Giselle Littman mit Enkelin, 2009

R. Camus schrieb in seinem “La campagne de France” (2000 erschienen, in Englisch “Diary of 1994”), dass in einer Literatursendung eines französischen Radio-Senders die meisten Kritiker Juden seien und diese jüdische Autoren bevorzugt behandelten. Dieser Camus ist gleichzeitig ein grosser Israel-Untersützer und Alain Finkielkraut war einer jener Prominenter, die ihn (deshalb) gegen den “Antisemitismus”-Vorwurf verteidigten…161 Ein Dilemma für Manche. Jedenfalls: Es gibt diese Nähe, diese Nachbarschaft von „westliche Kultur in Gefahr“ (und diese wird in diesem Dikurs gewöhnlich als “liberal” affirmiert), „Multikulti ist Kulturrelativismus“, “weisses, christliches Europa in Gefahr“ oder „Diversität/Multikulti ist ein Codewort für weissen Genozid“. Die Querverbindungen von KKK-Leuten die vom „Genozid an Weissen“ faseln, über 1,2 Zwischenstationen zu Gisele Littman und ihrem “Eurabien“, oder zur „Gefährdung westlicher Werte“. Man sieht an diesem Camus auch wieder mal die “Einbettung” von Israel-Solidarität. Die unscharfe Abgrenzung zwischen „die antisemitischen und homophoben Muselmanen“ zu „die dunkelhäutigen Bedroher unserer Kultur und Rasse“.

Die Morde des Australiers waren rass(ist)isch motiviert, keine “Religionskritik”, und das gilt generell für Islamophobie. Also den Leuten aus moslemischen Kulturen/Ländern eine Andersartigkeit zusprechen, sie diffamieren über die (zT vermeintliche) Zugehörigkeit zu einer Religion/Ideologie, zB indem man aus ihrem Islam einen Islamismus macht. Trump sagte, “weisse Vorherrschaft” bzw das Bestreben danach sei „kein grosses Problem“; nun, er ist ein Teil dieses Problems, kein Schiedsrichter oder Analytiker. Und, es gibt Deutsche, die in gleichem Maß projüdisch sind wie gegen “Farbige”. Bei den Rechten, zB jenen in der Ukraine (s.o.) oder in Deutschland nach dem NS, zeigt sich ein scharfer Bruch in der Sicht auf die Juden; Israel lässt sich in das nationalistische Narrativ integrieren, Juden als Herrscher Israels ist das eine. Anders sieht es mit den “Diaspora”-Juden (zB jenen in der Ukraine) aus, da bleibt die Sicht auf eine “schädliche Minderheit” zT bestehen (ähnlich wie in Israel auf die “israelischen Araber”).162 Israel wiederum sieht Juden ausserhalb als gefährdete Minderheit.

Zu den “linken” Israelfreunden/Islamophoben. Die “Abgrenzung” der Grigats von den Straches geschieht, indem behauptet wird, die Rechten seien gar nicht proisraelisch (was insofern stimmt, als sie damit gewisse Ziele voran treiben wollen, aber sie haben den Charakter Israels erkannt) und gar nicht anti-moslemisch (was insofern stimmt, als Moslems bzw Islamismus oft politisch korrekter Platzhalter/Sündenbock sind für “allgemeinen” Rassismus), Juden seien viel gefährdeter/verhasster. Grigat faselt von „taktischer IL-Solidarität“ auf dieser Seite > die wahre kommt von ihm und seinesgleichen. Rechte IL-Fans bemängeln wiederum auch die „IL-Solidarität“ der (Pseudo-) Linken, beanspruchen ebenfalls Deutungshoheit darüber. Auch wird gerne behauptet, die Distanz zwischen den Rechten und Moslems/Islamismus sei nicht so gross. Und dass Weidel und Osten-Sacken unterschiedliche Feindbilder hätten.

März 17: Thomas Rammerstorfer, oberösterreichischer Grüner, der sich als „Antifaschist“ sieht, und als „Rechtsextremismus-Experte“ (von orf.at und “Falter” diesbezüglich promotet wird), hielt einen Vortrag über Extremismen und “demokratiefeindliche Bewegungen” an einem Linzer Gymnasium (BORG). Unter den Schülern war ein Sohn von FPÖ-Nationalratsabgeordneten Roman Haider, der informierte seinen Vater, der intervenierte, auch als gewählter Elternvertreter der Schule (darüber dass Rammerstorfer erwähnt hatte, dass bei der FPÖ Vertreter rechtsextremer Burschenschaften dabei seien). Es sei eine Frechheit, eine Nationalratspartei wie die FPÖ mit Extremismus in Zusammenhang zu bringen. Als der Vortragende zur Diskussion kommen wollte, wurde auf Weisung des Direktors abgebrochen. Aufregung über den Abbruch (v.a. bei Grünen und SPÖ OÖ). Landesschulrat-Präsident Enzenhofer sagte, wenn die FPÖ tatsächlich in Zusammenhang mit mörderischen Extremisten vom Schlage eines IS erwähnt worden sei, dann sei das nicht ausgewogen, und der Direktor habe zu Recht abgebrochen. Roman Haider sprach von einem „linksextremen Vortrag“. Ein anderer Sohn von ihm von ihm ist “übrigens” vom Bundesheer bestraft worden, weil er bei einer Veranstaltung im Parlament (Preisverleihung der FPÖ-nahen Dinghofer-Gesellschaft) in Bundesheeruniform und einer Burschenschafter-Schleife erschienen war.

Scheinheiligkeit auf beiden Seiten, die beiden, Rammerstorfer und Haider, haben einander verdient. Das kann man auch bezüglich Norbert Bolz und “Falter”-Klenk sagen. Bolz, deutscher Medienwissenschafter, wurde von Mitte-Rechts (CDU) zu rechts-aussen (nahe AfD), radikalisierte sich ab ca. 2013 über twitter, gegen „politische Korrektheit“, „rot-grünen Grundkonsens“,… Auch mit Rhetorik über „Antisemitismus“ (> Linke, Zuwanderer). Kam natürlich auf Broders “Achse des Guten”, wird von „Cicero“ gebracht. Auf Servus TV eine Diskussion über den ORF, mit Klenk als Gegenredner, Bolz mit Schaum in den Mundwinkeln; beide borniert, gefallen sich in ihren Rollen. In Teil III wird es wieder um Rechts-Links-Widersprüche gehen, bei Zionisten; ein Bild von Israel verbergen (und in Abrede stellen) oder aber stolz zeigen. Ein kleiner Vorgeschmack: www.youtube.com/watch?v=yCkFgmK1-dY&t=1s : Israel setzt gegen Palästinenser die sich gegen neue Siedlungen bzw ihre Enteignungen und Vertreibungen wehren, einmal nicht scharfe Munition ein, sondern u.a. Tränengas und eine speziell für Palästinenser entwickelte übelst riechende Flüssigkeit…

Die Kommentare (auf Englisch) darunter sind dominiert von Häme und Hass: „Scheisse zu Scheisse“, „Araber zurück nach Arabien“, „Lang lebe Israel“, „Europa sollte das gegen illegale Immigranten einsetzen“, oder: „Good job Israel. They already stink, so I’m not sure what the problem is.“. Kritisiert wird höchstens der Kommentar im Video bezüglich „excessive force“ (> „RT you pripaganda bastards”). Viele Bildschirm-Seiten nach unten ziehen sich solche Kommentare, von jüdischen und nicht-jüdischen Zionisten. Das ist die eine Spielart des Zionismus: Kommentare wie „skunk/sewer spray is to make these animals smell better“. Und die andere ist eben, Berichte über solche Einsätze als „antisemitische Diffamierung“ zurück zu weisen, die Thematisierung des Einsatzes und solcher Kommentare als „antisemitisch“, die Siedlungs (Verdrängungs-) Politik gegen die Palästinenser herunter zu spielen (nicht mehr: „Palästinenser raus“ oder „Es gibt keine Palästinenser“), sich in der Opferrolle zu verorten und Regenbogen-Flagge mit der israelischen zu kombinieren, von Homo-Rechten zu schwafeln, von „Antisemitismus“, usw. In dieser „linken“ Spielart des Zionismus werden Berichte über solches Vorgehen gegen Palästinenser auch angezweifelt (und RT als „antiisraelisch“,“antisemitisch“ deklariert), das Vorgehen das in der anderen Spielart bejubelt wird „Antisemitismus-Untersuchungen“ stürzen sich gewöhnlich auf Kommentare zu solchen Berichten/Videos und picken die „antisemitischen“ heraus und ignorieren den Kontext bzw die Grundlage dafür rundwegs, ebenso die proisraelischen.

Zur Verschleierung rechtsextremer Positionen ist dieser Artikel empfehlenswert. Nun soll der Scheinwerfer der Analyse auf die Entwicklungen zwischen den Rechten und Zionisten (auch nicht-jüdische) gerichtet werden (die auch nicht-zionistische Juden betreffen). Juden waren für Rechte das Andere (nicht zugehörig zu ihrer Nation und diese “zersetzend”), aber nun wegen Israel auch Träger eines bewundernswerten, superstarken Ethno-Nationalismus; und Verbündete gg Moslems. Es ist die Politik Israels, die antijüdische Gefühle in Europa und anderswo umgekehrt hat, hauptsächlich bei Rechten, ob aus religiösen oder politischen Überzeugungen. Mit Pro-Israel ist für Rechte auch ein Relaunch ihrer Identität möglich. Und, wenn Strache Israel/Palästina besucht, darf er überall hin reisen, im Gegensatz zu den Palästinensern.

„Rechtsextremes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ > gut oder schlecht für Zionisten? Denn das bedeutet in der Regel Islamophobie, Nationalismus, gg Multikulti, Pro-Israel, Bündnisse mit der israelischen Rechten163,… Ramzy Baroud: “Israel is unabashedly exploiting the unmitigated rise of global neo-fascism and populism. Worse, the once perceived to be anti-Semitic trends are now wholly embraced by the ‘Jewish State’, which is seeking to broaden its political influence but also its weapons market. Politically, far-right parties understand that in order for Israel to help them whitewash their past and present sins, they would have to submit completely to Israel’s agenda in the Middle East. And that is precisely what is taking place from Washington, to Rome to Budapest to Vienna … And, as of late, Brasilia.”

Daniel Pipes freut sich, dass Europa “sich auf seine Wurzeln besinnt”, FPÖ, BNP, VB, FN, PVV,… sollen Moslems Einhalt gebieten, schreibt von “Indigenous Europeans”.164 Kampf gegen Rechts? Broder lacht darüber. Nur wenn eine dieser Gruppierungen dann noch nicht ganz auf Pro-Israel-Linie ist165 oder doch wieder etwas antijüdisches/judenkritisches sagen…- die Hohmann-Grenze. Oder wenn einer doch “Kontakte zu Moslems” hat. In der Logik in der “kruden Allianzen” (im aktuellen wie im historischen Kontext) “geortet” werden, geht es ja nach dem Motto “Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist”. Aber bei Strache zB wird die Sache ja so hin gedreht, er sei geläutert, hätte seine Partei gesäubert, würde nun gg AS vorgehen, hätte einen Schritt in die richtige Richtung gemacht…bekommt Respekt und Anerkennung dafür, das Pro-Israel, Pro-Juden sage etwas GUTES über ihn aus, nicht etwas SCHLECHTES über Israel und den Diskurs der ihm nutzt.

Ja, Israel-Begeisterung der Rechten (und rechter Pseudoantifaschismus) wird als Läuterung bzw notwendige Schutzgewährung vor den Bösen dargestellt/aufgefasst… Als ein “positives Signal” wertete IKG-Chef Deutsch die „positiven Bekenntnisse zu Israel“ im Regierungsprogramm von FPÖ-ÖVP. „Israel kann es sich nicht leisten, einen Krieg zu verlieren“, wiederholte Deutsch die zionistischen Propaganda-Mantras. Israel brauche daher internationale Unterstützung. Für seine Besatzung? Dennoch sei der rechtsextreme Antisemitismus nicht ausgestorben. „Frage, ob man der neuen Seite der FPÖ trauen könne“, redet von NS-Erbe, Antisemitismus bei FPÖ, 2 Gesichtern, Straches Glaubwürdigkeit, „Er versucht nämlich, mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten zu tanzen“. Über die Moslemophobie oder den anderen Rassismus der FPÖ (> Aussagen zu David Alaba, Cesar Sampson,…) gar nichts166, die FPÖ wird stattdessen verdächtigt, nicht philosemitisch und proisraelisch genug geworden zu sein, mit den Moslems (weiter) unter einer Decke zu stecken.

“Mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten tanzen“ – kann man auch über die IKG sagen, nicht nur wegen Lasar und so…bzgl Israel und Minderheiten wird etwas Anderes verteidigt/gefordert/unterstützt als für sich in der Diaspora. Es werden gelegentlich Stellungnahmen gegen die FPÖ abgegeben, aber es wird ihr nicht in die Parade gefahren wenn sie sich zB mit einer Veranstaltung zum “moslemischen Antisemitismus” (Teil IV) profilieren möchte, im Gegenteil. Kritisierst du mein Israel nicht, vergebe ich dir deine Nazi-Vergangenheit und bist du kein Rechtsextremist mehr, diese Absolution wird immer wieder erteilt. Und der “altmodische” europäische Rechtspöbel ist fein raus. Auf anderen Ebenen ist es ähnlich: Die iranischen Mujahedin-e Kalq (MEK) waren früher nicht nur gg die USA, auch gg IL, gg den Schah, für Saddam, nun… Jene die sich das Pro-Israel gross auf die Fahne heften, geben in der Regel auch vor, sich mit dem NS und dem Holokaust auseinandergesetzt zu haben, Lehren aus ihm gezogen zu haben, dieser Ideologie entgegen zu treten…das Gegenteil ist aber der Fall. „Pro-Israel“ dient zur Rechtfertigung bzw Garnierung rechter Politik/Haltungen.167 Und, die Avancen der Rechtspopulisten in West- und Osteuropa werden von zionistischer Seite sehr wohl “erwidert”, man muss nur an die israelischen Berater von Vadim Tudor (s.o.) denken.

Die Zeitschrift „Datum“ brachte mal einen Artikel über Funktionäre des FPÖ-Jugendverbandes RFJ, denen Kritik an israelischen Militäraktionen schwer angekreidet wird, viel mehr als verhetzende Aussagen über Immigranten; ein ander’ Mal über die Geschäfte, die Österreicher, die mit dem bösen Iran machen. „Malmö“ schreibt über „Antisemitismus“ bei den mexikanischen Zapatisten, aber über Trump und seinen überbordenden Rassismus… “Danny” Leder, “Kurier”-Korrespondent in Frankreich, läuft immer zu grosser Form auf, wenn er über Juden als Opfer der Moslems in Frankreich schreibt. „Wenn Juden und Muslime für die FN stimmen, sind vielfach die selben Gründe wie für die restliche Bevölkerung ausschlaggebend, also etwa die aktuelle Jobkrise oder die Angst vor Kriminalität. Aber ein Teil der jüdischen Wähler sehen in der FN auch eine Antwort auf die oben beschriebene Bedrohung durch radikalisierte junge Muslime. Während auf Seiten der muslimischen Wähler ein Teil, nicht zuletzt aus Aversion gegen Israel, die Judenfeindschaft von Jean-Marie Le Pen attraktiv finden.“ Die Juden Frankreichs seien ggü Vereinnahmungsversuchen der FN standhaft geblieben, Rassismus unter ihnen sei ein Anathema. Dieudonne Mbala Mbala wird dagegen als im Bunde mit FN, Nazis, Islamisten gg Juden dargestellt.

Ex-IKG-Chef Ariel Muzicant (heute EJC) über die neue FPÖ: „Dessen kann man sich leider nicht erwehren. Die sind einfach draufgekommen, dass es nicht mehr fesch ist, Antisemit zu sein, und versuchen jetzt, diesen braunen Fleck auf der weißen Weste loszuwerden. Gott soll mich behüten vor solchen Freunden“. Fast genau so hat Strache formuliert, als er auf die Unterstützung von Seiten der Neonazis wie Honsik angesprochen wurde… er könne sich gegen eine solche Unterstützung nicht wehren (und hat das selbst als klare Abgrenzung zu Honsik gewertet). Und weiter: “Eine Partei, die rechts vom Zulässigen steht, die fließende Verbindungen zum Rechtsextremismus und Nationalsozialismus und gleichzeitig mit dem Iran Verbindungen hat und ein Naheverhältnis zu einem Herrn Friedmann168, hat, der regelmäßig in den Iran fährt, vom Iran bezahlt und ausgehalten wird.” Es gibt genug Verbindung von westlichen (auch österreichischen) Rechten zu Israel/ dem Zionismus, anstatt dies zu thematisieren, wird verlangt dass die Rechten noch zionistischer werden… “Auf der einen Seite schimpft man gegen die Moslems in Wien, auf der anderen Seite versucht man mit irgendwelchen Mullahs Geschäfte zu machen.”. Da ist sogar etwas dran, Rechte/Rechtssextreme reden manchmal im heimischen Zhg von „Kanaken“ und dergleichen, sehen die Dinge bzgl deren Herkunftsländern anders.

In diesem Zusammenhang müssten aber auch jene Rechten (wie Orban) thematisiert werden, die Israel unterstützen (teilweise glorifizieren), auf Juden in ihren Ländern (der “Diaspora”) aber eine ganz andere Sicht haben. Und, jene islamophoben Israel-Freunde, die bei Saudi-Arabien plötzlich ganz “still” werden… Anlässlich einer der erwähnten Antisemitismus-Konferenzen schlug Muzicant alarmistische Töne an169, streute der Kurz-Strache-Regierung Blumen (In Sachen “Antisemitismus” sei die österreichische Situation „Gott sei Dank eine der besten in Europa“)170, nannte als Quelle des AS in Österreich Flüchtlinge, Israel-Feindlichkeit sowie (“einen immer stärker werdenden”) Rechtsextremismus. Die Rechtsextremen von Ungarn bis Schweden sind aber alle pro-Israel, das kehrte er unter den Tisch, und das ist ja, was zählt (nur nicht die alarmierende Situation der Palästinenser zB im Jordantal oder Hebron thematisieren); mit dem Verweis auf Flüchtlinge (vielleicht hat er auch Immigranten generell erwähnt) sandte der EJC-Vizepräsident wieder Signale an die FPÖ > Sucht euch andere Feindbilder, so lange ihr die habt, ist es OK.171

Mit Kurz und Strache gemeinsam Anti-Rassismus desavouieren… Muzicant war vor 00/01 ziemlich moderat, schlug dann (einem Trend folgend) einen rechtszionistischen Kurs ein, einen sehr chauvinistischen. Juden stellt er, entgegen den Realitäten, als ganz schlimm bedroht dar, über Strache in Jerusalem und dergleichen schweigt er sich aus, ebenso wie (meistens) über die Feindbilder der FPÖ (und Vieler in ÖVP,…), kritische (realistische) Thematisierung von Israel/Palästina gestattet er keine. Der FC-Israel-Fanklub-Chef in Österreich wird Kritik an Israel nicht aussprechen selbst wenn er dort etwas kritisch sehen würde. Aber Journalisten fragen ihn ja immer wieder nach Einschätzungen zum “Nahost-Konflikt”…und Musikant sitzt in DÖW, Wiesenthal-Institut, Mauthausen-Komitee. 2006 Muzicant im Interview mit Chili TV, z Zt des “Libanon-Kriegs”: “Die Türken (in Österreich) sind weniger aufgehetzt (als die Araber) durch Al-Jazeera und ähnliches, während die hauptsächlich aus Nordafrika stammenden Araber aus Frankreich durch die Beeinflussung der arabischen Medien aufgehetzt werden. In Frankreich leben sie in Vororten, wo sie wie in Ghettos gehalten werden, weder sozialisiert noch integriert sind und einer sehr großen jüdischen Bevölkerung gegenüber stehen”…Allein über den ersten Satz (und seine Konnotationen) müsste man eigentlich ausführlich reden.

Weiter: “Zu den Moslems in Österreich haben wir eine hervorragende Beziehung. Wenn es Probleme beim Schächten gab oder wenn die FPÖ ihre üblichen Hasstiraden losgelassen hat, dann waren wir es, die aufgestanden sind, um diese Attacken gegen Moslems zu bekämpfen. Unabhängig davon, dass es auch hierzulande 5.000 bis 10.000 Moslems gibt, die mit Hasstiraden gegen Israel herum marschieren”…Die IKG unter Muzikant hat etwa Veranstaltungen von “stopthebomb” (wo es Kriegsaufrufe ggü Iran gab) mitveranstaltet und unterstützt. Und er sagt den Österreichern zB, dass Türken und Araber aufgehetzt sind. Jene, die ggü dem Schicksal der Palästinenser nicht gleichgültig sind (ob moslemisch oder nicht) werden von Muzicant gleich diffamiert. Den Hass sieht er, bzgl Österreich und generell, nur auf der einen Seite…hängt den Hass und die Vorurteile immer der Gegenseite um, man selbst sei so gutwillig und tolerant und friedenswillig, seine Verachtung zeigt er, indem er den Moslems hier und dort Verhetzung und dergleichen unterstellt (siehe oben & unten)172…”Ich bin überzeugt davon, dass irgendwann der Tag kommt, an dem es den Müttern wichtiger ist, dass ihre Kinder leben und eine Zukunft haben. In Israel ist das so. In den arabischen Ländern und vor allem unter den Palästinensern ist scheinbar ‘das sich Umbringen’ und möglichst viele junge Frauen mit in den Tod zu reißen eine ganz tolle Tat.”…Zu der solchen Aussagen zu Grunde liegenden Denkweisen im nächsten Teil einiges. Es ist sein Chauvinismus, seine Aufgehetztheit; es gibt aber auch Juden/Zionisten, die zu ihrer Verachtung stehen (siehe die Kommentare zum “Sprühattacken”-Video).

“Die Israelis sind aus dem Gazastreifen abgezogen und haben den Palästinensern die ganzen Gewächshäuser überlassen. In der Hoffnung, dass sie dort Jobs schaffen. Sie haben von dort Raketen geschossen und jetzt ist alles kaputt. Wenn sie schießen, schießen wir zurück. Man hat das Gefühl, die Palästinenser müssten ehrenhalber einmal einen Krieg gewinnen, damit sie Frieden machen können. Nur das Risiko können die Israelis nicht eingehen…”…Einen Abzug nach 38 Jahren Besatzung als grosszügig darzustellen…das Elend Gazas begann mit der Nakba, als Palästinenser aus vielen Teilen des südlichen Palästinas dorthin flüchteten, und es hörte mit dem Abzug der Siedler und Soldaten nicht auf… “…werden die Israelis solange hinhauen, bis die Bombardierung Nordisraels aufhört und die Menschen in Haifa nicht in ständiger Terrorangst leben müssen. Sensibel kann man vorgehen, wenn man in Mitteleuropa lebt. Im Nahen Osten wird ein sensibles Vorgehen als Schwäche ausgelegt“…Darüber könnte man auch lange analysieren, momentan nur soviel: es ist Muzicants Art zu zeigen, dass er von dieser Region, diesem Konflikt nichts versteht (oder absichtlich verdreht), und seine Art, Verachtung zu zeigen.173

“Wenn die säkularen und geistlichen Führer der Muslime nicht gegen die Sympathisanten des Terrorismus vorgehen, werden wir uns in einigen Jahren in einem furchtbaren Kulturkrieg befinden, der sich auch auf den Straßen abspielen wird. Die europäischen Bevölkerungsteile werden es nämlich nicht akzeptieren, dass immer wieder Terroristen aus den Reihen der islamischen Glaubensgemeinschaft Terrorakte verüben”…die Führer der Muslime, die europäischen Bevölkerungsteile…”Zunächst wirkt der Underdog-Effekt – die Palästinenser werden als die armen Schwachen wahrgenommen und die Israelis als die bösen Starken…”…>jene die sich auf Seite Israels stellen weil diese als SIEGER (über Araber/Orientale) wahrgenommen werden, und auch jene die sie als underdog ggü Arabern/Moslems wahrnehmen (man muss nur einmal die Kommentare auf “DerStandard” lesen, oder nachlesen wie man in Apartheid-Südafrika Israel gesehen hat – bzw seine Nostalgiker heute noch174)…”Ich bin Österreicher und Jude und kann die israelische Politik nicht bestimmen”…”Eine Anerkennung bringt den Palästinensern gar nichts – außer dass ein paar Extremisten auf der israelischen Seite Gegenmaßnahmen verlangen werden. Und wenn nach der Anerkennung real nichts passiert, wird es unter den Palästinensern zu massivem Frust kommen. Und Frust hat sich dort noch immer in Gewalt entladen”…darin steckt auch so viel Verdrehung, dass man kaum glauben kann, dass er das wirklich glaubt. Wiegesagt, der Fanklub-Chef wird immer versuchen, seinen Verein in ein günstiges Licht zu stellen…(über Friedenswillen) “Wie ich höre, sind 80 bis 90 Prozent der Israelis dieser Meinung. Ähnliches höre ich aber nicht von der palästinensischen Seite“…wo er Sachen hört Israel/Palästina betreffend…und was er daraus macht. Der Besatzer, der kann leicht sagen, ich bin für den Frieden, fürs Verhandeln, wenn man dies endlos hinaus zieht, ohne substantielle Zugeständnisse. Israelis oder andere Juden können (zB) in Tel Aviv demonstrieren, auch für Frieden mit den Palästinensern, wenn Palästinenser (zB) in Hebron auf die Strasse gehen, müssen sie damit rechnen, niedergeschossen zu werden. Aber selbst unter diesen Prämissen stimmt das mit den 80, 90 % bei weitem nicht.

“…die Zivilbevölkerung in Gaza kriegt keine Bomben auf den Kopf; Das war die Antwort auf Tausende Raketen, die auf Israel abgefeuert wurden. Das war eine Reaktion, keine Aktion”…Nur eines dazu: Eine Rakete (italienisch rocchetta) ist ein Flugkörper mit Rückstossantrieb (Raketenantrieb). Raketen werden als militärische Waffe, in der Raumfahrt oder als Feuerwerkskörper eingesetzt. Das was von palästinensischen Milizen aus dem Gaza-Streifen nach Israel “hinein”geschossen wird, sind keine Raketen…”Es waren 23 000 Israelis in den vergangenen 60 Jahren. Es gab sicher mehr Araber unter den Opfern, aber keiner der Kriege wurde von den Israelis begonnen.”…das stimmt natürlich auch nicht…”Palästinensische Kinder rennen herum und rufen: ‘Tod allen Juden!'”… Anhänger von Liebermans Partei YB (und vieler anderer Parteien) skandieren u.a. in Wahlkämpfen Slogans wie „Tod den Arabern!“. Davor verschliesst Muzikant natürlich auch die Augen. Bei ihm ist ein komplettes Ausblenden des Rassismus’ und der Hetze der (pro)zionistischen Seite festzustellen, ein komplettes Ausblenden dessen was die israelische Politik für Palästinenser bedeutet, dafür jede Menge Verharmlosung dazu.175 Sein feuriger Zionismus kommt immer auf zivilisiert-friedlich daher; aber in der Sache…

Ein “Profil”-Interview 2010/11, wiederum seeehr viele Kommentare zu “Israel” und “seiner Region”, die viel über ihn aussagen, in denen er wieder ein grosses Repertoire von Ressentiments ausspie: Muzikant sieht den Arabischen Frühling (die Bemühungen der Menschen in den arabischen Ländern um Demokratisierung) „mit Sorge“, wie Zionisten generell. „Der ägyptische Präsident Mubarak war zwar kein Freund, aber ein vertragstreuer Partner Israels. Die Frage ist, ob diese Vertragstreue jetzt auch weiterhin eingehalten wird“. Normalerweise führten Demokratien zu weniger Kriegen, „aber bei dem, was wir jetzt sehen, sind wir von Demokratie noch Lichtjahre entfernt“. Und es hat laut Muzicant im Nahen Osten immer die Strategie gegeben: „Wenn es mir schlecht geht, führe ich Krieg gegen Israel, um von meinen eigenen Problemen abzulenken.“ Diese Möglichkeit sei auch jetzt „so unwahrscheinlich nicht“. Zu den Revolutionen in mehreren arabischen Ländern, die entgegen allgemeinen Erwartungen nicht unter der Fahne der Islamisten stattfanden, meinte Muzicant: „Warten Sie bis zu den ersten Wahlen. Dann haben Sie überall 35 Prozent Islamisten in den Regierungen.“ Zugleich bekräftigte Muzicant seine Kritik an der Unterstützung eines Palästinenserstaates durch SPÖ, Grüne, FPÖ und BZÖ. Er werfe ihnen vor, „dass sie gar nicht wissen, wofür sie hier eigentlich eintreten.“ Viele österreichische Politiker seien ahnungslos, was das betrifft. „Sie brauchen nur einmal schauen, was die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen anrichtet: fast keine Pressefreiheit mehr, Menschenrechtsverletzungen, die niemanden aufregen. Wenn Sie von einem palästinensischen Staat reden, dann kann mir niemand garantieren, dass das nicht genauso in der Westbank passiert“, unkte Musikant, als ob es ihm um die Menschenrechte der Palästinenser gehen würde. “Die Araber haben drei Kriege begonnen – 1948, 1967 und 1973 – und alle drei verloren. Die Konsequenz verlorener Kriege sind Grenzverschiebungen, das ist nun einmal so..Ich bin dagegen, dass es am Ende heißt, es dürfen etwa in Hebron, von wo 1929 viele Juden blutig vertrieben wurden, keine Juden leben. Es kann auch nicht sein, dass die Waffenstandslinien von 1967 die Grundlage des palästinensischen Staats wären und keine Juden in Ostjerusalem leben dürfen.” “Selbst die Theorie ist schon schlecht, aber selbst wenn sie gut wäre, wird in der Praxis etwas ganz anderes geschehen.”

Gerade war das Problem mit dem Palästinenser-Staat noch gewesen dass dieser ungünstig für die jüdischen Siedler (bzw Israel) sein würde, dann geht es um dortige Demokratie, macht er sich darüber “Sorgen”…Was Mubarak für die Ägypter war, spielt keine Rolle, nur, was sein Sturz möglicherweise für Israel bedeuten könnte. Diese Haltung zum Arabischen Frühling (der gescheitert ist, aber gezeigt hat, dass die Bevölkerungen dieser Länder bereit sind, für ihre Demokratisierungen zu kämpfen) gibt Aufschluss über die zionistische “Unterstützung” der iranischen Demokratie-Bewegung (bzw Vereinnahmung, so wie im Film “Iranium”)… “Die Konsequenz verlorener Kriege sind Grenzverschiebungen, das ist nun einmal so.” – Ja, als Nazi-Deutschland Polen überfiel (auch, weil es dort Deutsche gab), verleibte es sich einen grossen Teil dessen Territoriums ein, die SU unter Stalin die baltischen Staaten, Rest-Jugoslawien unter Milosevic versuchte das mit Teilen Kroatiens und Bosniens, Putin hat die Krim Russland einverleibt, Irak unter S. Hussein wollte Kuwait kassieren,… Etwas zu besetzen und annektieren ist eine Sache, glücklicherweise hat das in der Geschichte nicht immer Bestand.

Komisch, dass jene die die irakische Invasion von Kuwait unbedingt mit einer amerikanischen Militärintervention “abgegolten” haben wollten (nicht weil es ihnen um Kuwait und die Kuwaiter ging…), (in der Regel) die Resultate des israelischen Angriffskriegs auf Jordanien, Ägypten, Syrien mit der selben Vehemenz einfrieren möchten. Ja, Kuwait hat diesen Krieg im Sommer 1990 verloren und Saddam Hussein wurde auch deshalb dann zu einem “neuen Hitler” gemacht… In dem Satz mit den “verlorenen Kriegen” steckt ja auch ein gewisser Hohn, ein gewisses Feixen…das werden wir uns auch im nächsten Teil genauer ansehen. Und dann die Aussagen über die besetzten Gebiete… Er verdreht das Problem mit der Besatzung, mit den Siedlungen, mit der ethnischen “Säuberungen”. Bewusst oder aus Ahnungslosigkeit (man kann davon ausgehen, dass seine “Quellen” nicht die objektivsten sind). Es ist dies so geläufig, dass man sich fragen muss, ob da Einer vom Anderen nachbetet/abschreibt. Netanyahu-Sprecher Gendelman: „Are Jewish communities in judea&Samaria the obstale[sic] to peace or is it the PA’s demand for ethnic cleansing[!]?“. Avigdor Lieberman: “Die Siedlungen ein Problem? Palästina darf nicht judenrein werden”. Eldad Beck, ein Israeler in Berlin, verteidigt ebenfalls die Siedlungen, mit dieser Rhetorik. Diese seien nicht das Hauptproblem von Nahost, erzählt das Märchen vom Siedlungsstop unter Friedensfürst Netanyahu (sei schwierige Situation wg Regierungspartner YB), IL habe “unglaubliche Kompromisse” gemacht, habe mit Gaza und Sinai “schon 2x gezeigt dass Siedlungen nicht das Problem” seien,…

Das ist so, wie wenn ein mehrfacher Entführer damit protzt, dass er schon 2x seine Opfer wieder freigelassen hat…anstatt sich damit auseinander zu setzen, dass er diese Entführungen 176 begangen hat. Wir werden im nächsten Teil noch eingehender zu Israel kommen, hier nur soviel: Israel vertreibt Palästinenser, um neue Siedlungen zu schaffen oder bestehende auszubauen. Palästinenser dürfen dort nicht leben, höchstens untergeordnete Arbeiten verrichten. Israel kontrolliert de facto 100% des historischen Palästinas, auch den Gaza-Streifen. Juden sind überall in einer privilegierten Position ggü Nicht-Juden. Es ist Israel, das kein Zusammenleben mit Palästinensern auf gleicher Ebene will/duldet, da nutzen auch keine Nebelgranaten. Die Siedlungen sind nur für Juden, existieren auf Kosten der Palästinenser, und dann kommt das Gezeter mit “judenrein“, die Umdrehung der Apartheid-Realität in IL/Palästina,… Das ist das, was Awraham Burg thematisiert hat (am Ende des Teil I darüber). Der Siedler Baruch Goldstein, der 1994 30 Palästinenser mit seinem “Galil”-Sturmgewehr tötete, liess sich auch mit einem Nazi-Judenstern ablichten. Er sorgte ja nur dafür, dass Hebron nicht judenrein wird.

Die Verwendung “judenrein” in diesem Kontext kam auch von Netanyahu… Muzicant reagierte 2012 erbost auf die Haltung der österreichischen Parlamentsparteien, die – mit Ausnahme der ÖVP… – den palästinensischen Anspruch auf Anerkennung als Staat und UNO-Mitgliedschaft befürwortet haben. Darüber im Israel-Apartheid-Artikel schon etwas. John Bunzl, Nahost-Experte am Österreichischen Institut für Internationale Politik, hat Muzicants Kommentar kommentiert. Dessen Wortwahl erinnere ihn an die Diktion und Demagogie der israelischen Rechten; die Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die politischen Parteien sei “tagespolitisch legitim und aus diplomatischer Sicht richtig”. Dass die Palästinenser einen Antrag auf Mitgliedschaft in der UN gestellt hätten, entspreche einem “Schritt der Verzweiflung” und habe keine “antisemitischen” Motive, wie sie in der Stellungnahme der Israelitischen Kultusgemeinde Wien unterstellt werden. Auch Doron Rabinoviczi kritisiert, im “Standard”, die Muzicant-Tirade, wies auf jene Israelis hin, die für eine 2-Staaten-Lösung bzw die Anerkennung einer palästinensischen Unabhängigkeit sind, wie Yehuda Bauer, Amos Oz.177

Im Zusammenhang damit sei auch darauf hingewiesen: Wer stellt die Verbindung Juden-Israel her? Die “Antisemiten” oder die IKG, wie mit dieser Stellungnahme zur österreichischen Aussenpolitik… wenn es um Anerkennung von Rest-Palästina als Staat neben Israel geht,… Als Muzicant, der ja nun als EJC-Vizechef gg IL-Kritik wirkt, vor einigen Jahren als IKG-Chef abtrat, gab es in den österreichischen Medien nur Hagiographien, im “Standard” ein Interview, mit eigentlich nur einer kritischen Frage, nach seinen “Attacken” auf die FPÖ. Zu fragen wäre nach den Anlässen gewesen, bei denen er der FPÖ nicht entgegentrat, und nach seiner eigenen Hetze, wie in den genannten Interviews. In der österreichischen Öffentlichkeit kommen zu ihm nur entweder vulgäre mehr oder weniger direkt antijüdische Attacken wie jene von Haider 01, einen “Spass” mit seinem Namen, als ob es nichts Anderes an ihm auszusetzen gäbe; oder eben einen Glassturz über ihn, und gerade noch höflich nach der “Meinung”/”Expertise” zu “Nahost” gefragt, die unwidersprochen hingenommen werden. Muzicant ist dort zu kritisieren, wo es angebracht ist, also bei seinen chauvinistischen Verdrehungen im Kontext mit Israel/Palästina und seinem diesbezüglichen Lobbyismus.

Es gab ja nicht nur Lasar in der FPÖ, ein anderer prominenter Jude war Peter Sichrovsky, linker” “Standard”-Ressortleiter, dann FPÖ-Generalsekretär und -Abgeordneter. Beim Fussballmatch der Auswahlen Österreichs und Israels 2001 (als ORF-Reporter Huber u.a. mit Steinen beworfen wurde) war er neben Vizekanzlerin Riess-Passer auf der Ehrentribüne, jubelte bei Andreas Herzogs spätem Ausgleichstor frenetisch. 2005 verkündete er, jahrelang für den Mossad spioniert zu haben; als dies (den Gesetzen entsprechend) für ihn Konsequenzen zu haben drohte, widerrief er diese Aussagen wieder. Heute ist er bei den Kommenaren unter den Artikeln des “Standard” unter seinem Klarnamen zionistisch-chauvinistisch unterwegs. Als er zur FPÖ ging, wurde er von Muzicant kritisiert; das war zur Zeit der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Schüssel, als die Annäherungen zwischen den Rechten und Israel noch nicht so weit gediehen waren. Sichrovsky nannte Muzicant darauf hin einen “Berufsjuden“, der seinen toten Verwandte ausnütze, um im TV zu erscheinen, “unendlich geldgierig” und “unendlich reich” sei.

Eine Jillian Becker beschrieb die RAF als “Hitler’s Children” (so genanntes Buch 1977; > Täterenkel, -erben), es gibt weitere ähnliche Einstufungen. Diese Becker ist eine Jüdin aus Südafrika, die nach GB, dann USA ging, als “anti-kommunistisch“ eingestuft wird, was eine Art Black Box war, in der alles Mögliche versteckt werden konnte, bei ihr ist es eine Form des „Westismus“, der mit dem Ende des Kalten Kriegs etwas umdeklariert wurde. Sie attackierte nicht nur die Baader-Meinhof-Gruppe, sondern auch weisse Apartheid-Gegner wie Nadine Gordimer (die ebenfalls Jüdin war), ein Zustand in ihrem Herkunfts-Land der sie kalt liess. Und ist dem rechten Zionismus verbunden; war angeblich mit der israelischen Armee 82 bei der Invasion im Libanon dabei, schrieb dann ein Buch gg die PLO (das Apologie-Buch zum Krieg), erschienen bei Weidenfeld & Nicolson. Und sie gibt sich als „Terrorismus-Expertin“ aus, war 1984 bei einer “Terrorismus-Konferenz” von/mit Netanyahu (“Jonathan Institute”), B. Lewis, G. Schultz, C. Krauthammer,…; gründete das “Institute for the Study of Terrorism” (IST). Ist in der britischen konservativen “Freedom Association” aktiv.

Aber wie verläuft die Kontinuitätslinie wirklich? Die NS-Vergangenheit Kiesingers, Schleyers,… und die Verdrängung, gegen die sich die 68er-Bewegung engagierte… Aus ehemaligen Nazis wurden grosse USA-Freunde, ob von Braun, Gehlen oder Franz J. Strauss, der es in der Wehrmacht nur bis zum Oberleutnant gebracht hatte. Jene, die der damaligen radikalen Linken ihren Antizionismus vorwerfen, wollen darüber hinweg täuschen dass es auf der Gegenseite die Kontinuitätslinie vom NS in die an die USA angelehnte BRD, zur Israel-Begeisterung, zum Westismus gab.178 Franz J. Strauss 1969: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen!“. Der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der CSU wollte eine deutsche Atombombe.179 Im BT-Wahlkampf 1980 (als er Spitzenkandidat von CDU/CSU war) rück-beschimpfte er linke Demonstranten/Gegner als „Nazis“ bzw versuchte, sie zu belehren wer das wirklich sei. Seine Unterstützung von Apartheid-Südafrika und Israel war nur logisch angesichts seiner Weltanschauung.

Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Österreich und der BRD wurde dadurch behindert, dass die Justiz und die Politik in diesen Staaten von ehemaligen „NS-Juristen“ infiltriert war. In der BRD waren das zB Globke, Filbinger, Rehse, Fränkel, in Österreich zB Hermann Hiltscher: Nazi der ersten Stunde, Ermittlungsrichter am NS-Volksgerichtshof, 45 zwangspensioniert, dann mit Hilfe von ÖVP und Katholischer Kirche ans Oberlandesgericht Wien gebracht, wo er bis 1968 wirkte. Es gab aber zB auch Heinrich Gross oder Taras Borodajkewicz, in anderen Bereichen. Anscheinend war da doch ein „kleines Durchlüften“ notwendig. Der Autor und Literaturwissenschafter Hans E. Holthusen publizierte 1966 im „Merkur“ seinen Erinnerungsbericht „Freiwillig zur SS“180; er trat 1983 aus der Berliner Akademie der Künste aus, nachdem die Akademiemitglieder Günter Grass und Heinrich Böll sich seiner Meinung nach zu stark politisch engagiert hatten, etwa durch ihre Kritik am NATO-Doppelbeschluss… Die antikommunistische Guerilla, die es in der Nachkriegszeit überall in Osteuropa gab, besonders die in Rumänien und Bulgarien, war stark mit ehemaligen Faschisten und NS-Kollaborateuren durchsetzt.

Zu Daniel Cohn-Bendit, der ein Softcore-Zionist wurde, kamen 1968 bei seiner Ausweisung aus Frankreich nach Westdeutschland Rufe wie „Cohn-Bendit nach Dachau“. Ulrike Meinhof, eine radikale Kritikerin an der BRD, stellte zB Nachforschungen über NS-Täter Karl Wolff (der in der BRD „aufgegangen“ war) oder das Verhalten von Bundespräsident Lübke in der NS-Zeit an. Nach dem Sieg Israels in seinem Angriffs-/Eroberungskrieg 1967 (den Medien der BRD als Blitzkrieg feierten) bekräftigte Meinhof noch ihre Solidarität mit Israel, verband dies mit Kritik an der neorechten IL-Soli, war anscheinend für einen Rückzug Israels auf die Vorkriegsgrenzen181; Klaus R. Röhl von dem sie sich in diesem Jahr trennte, sah die Gründung Israels als Besetzung eines fremden Landes. Das Olympia-Attentat 72 lobte sie vom Gefängnis aus, auch seine Austragung in der BRD, nannte dabei Dayan den „Himmler Israels“, kritisierte den Befreiungsversuch, die „Instrumentalisierung“ der Sportler durch Israel > dafür bekommt sie, bis heute, besonders viel Kritik.

Nach ihrer Festnahme 72 wurde sie zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht, dort wurde von Anwesenden Bedauern geäussert, „keinen Hitler mehr zu haben“ (Quelle: Diewald-Kerkmann). Derartige Kommentare von Stuttgartern wurden auch von TV-Kameras aufgezeichnet, anlässlich des Selbstmordes on Baader & Co 77. Hermann Witter war bei der NSDAP und deren Berufsverbänden, durfte dann auch Schäden von NS-Opfern begutachten (> das war genau jene BRD, die Meinhof & Co bekämpften), sollte auch Meinhof begutachten, einweisen, untersuchen, behandeln… SS-Untersturmführer Hanns M. Schleyer war einer wenigen Ex-Nazis unter den Opfern der RAF; Stefan Wisniewski: „Er musste nie für die Nazizeit bezahlen oder Rechenschaft ablegen“. Nun, er machte als Wirtschafts-Manager weiter. Anne Ameri-Siemens beschäftigt(e) sich nicht mit den Untaten von Schleyer in Tschechien, sondern mit jenen der RAF (Film „Wer gab euch das Recht zu morden?“). Tja, und Alex. Strassner, Jg 74, bayerischer Politologe, bei Oberreuter gelernt182, ist auch so ein „Experte für Terrorismus“, wird in vielen de.wiki-Artikeln rund um die RAF promotet.

Der ehemalige RAF-Mann Dellwo (in der „Taz“) war 2009 einer jener, die sich empörten dass Antiimperialisten in Hamburg die von „Anti“deutschen organisierte Vorführung des Films „Warum Israel“ von Lanzmann störten (um an die tägliche Schikanierung der Palästinenser durch dieses Israel zu erinnern sowie ihre von deutschen IL-Fans unter Beschuss genommenen Räumlichkeiten zu verteidigen). Dellwo war dabei in Gesellschaft mit Broder („Judenboykott“), Lanzmann selbst, „Die Welt“, BAK Schalom,… Lars C. Ehlers alias Lars Quadfasel, ein „Anti“deutschen-Führer, zeigte einen Antifaschisten183 an, weil ihn dieser bei einem Gerangel vor dem Kino geschlagen und bedroht habe; die Justiz liess ein Verfahren wegen „gefährlicher Körperverletzung“ zu, aufgrund des öffentlichen Drucks. Nicht nur Dellwo hat sich gedreht (angepasst), bei „Jungle World“ und „konkret“ schreiben dieselben Leute (z.B. Oliver Tolmein), die einst dem Antiimperialismus der RAF noch ein ziviles Sprachrohr boten, heute gegen „Antiamerikanismus“.

Der israelische Gesandte in der BRD, Meroz, warf in seinen Memoiren den Grünen „Antisemitismus“ vor, was darauf zurück zu führen ist, dass diese damals aus dem kultur-(und menschenrechts-) relativistischen BRD-Konsens bezüglich Israel-Palästina etwas ausscherten. Was sich behauptet hat, ist die von Strauss oder Gehlen begründete Zusammenarbeit dieser Staaten, bzw, diese „Denkrichtung“ hat sich in der BRD durchgesetzt. Beate Klarsfeld ging gegen alte Nazis vor, ohrfeigte Kiesinger, doch an diesem Konsens und rechten Israel-Fans in Deutschland hat sie nichts auszusetzen – so wie anscheinend an Pinochet nur wegen dessen Schutz für Altnazis, nicht wegen dieser Diktatur an sich.

Zum Abschluss nochmals Südafrika. Apartheid-Premier Hendrik Verwoerd sorgte 1960 dafür, dass südafrikanische Medien den Beginn der Krise im Congo nach dessen Unabhängigkeit von Belgien auch grosszügig ausschlachten, dahingehend dass es in Südafrika ähnlich laufen würde bei einem Ende der Apartheid – was er auf die damalige Kritik an der Apartheid (auch aus dem Westen, auch aus GB) „hin-lenkte“. Das ist die Rhetorik, die von/in Israel ggü der Möglichkeit von Entgegenkommen ggü den Palästinensern dominiert (allen voran bei Netanyahu), von Israelfreunden bzgl des Arabischen Frühlings,… Donald Trump zeigt seine ganze Bösartigkeit und Dummheit mit einem Tweet Ende Aug. 18 nach dem auf „seinem“ Fox News ein Bericht über angebliche Enteignungen von weissen Landwirten in Südafrika gelaufen war, in dem die Regierung Südafrikas als „rassistisch“ bezeichnet wurde. Er habe Aussenminister Pompeo angewiesen, „Enteignungen von Bauern“ sowie die „grossangelegte Tötung von Farmern“ in Südafrika genau zu beobachten.

Ein Blick in Youtube: Benutzer „israelmuse“: Neben dem Üblichen über “Terror” und “Antisemitismus” auf diesem Hass-Propaganda-Kanal (gleichnamige Website,…) auch Verehrung des Meir Kahane, der „zutreffenderweise“ eine „Anti-Israel“-Politik des ANC voraus gesagt habe… Israel hat das rassistische Apartheid-Regime Südafrikas unterstützt, man selbst gehört zu den offenen Faschisten des Kahanismus…aber Israel ist im Endeffekt das „Opfer“. Dann gibt es dort noch ein Video über einen „israelische Elitesoldaten“ der weisse Farmer in Südafrika trainiere. Stolz – es gibt auch jene Zionisten, die so etwas als „antisemitisch“ in Abrede stellen…184 „Christo Joubert”, Youtuber aus RZA: “They are a lot of White South Africans that and will support the Jews. Israel. They stood up for us and they still do. We will gladly fight along with them…“ > Apartheid & Apartheid. Und jene die sonst unter solchen Videos unterwegs sind mit „AS“-Moralisierungen, sind da still… diese Unterstützung von Rechts wird vom Zionismus immer stillschweigend GENOMMEN. „truthreconciliation1“ könnte aus dem Walusz-Umfeld sein (polnisch-osteuropäische Bezüge), verherrlicht den Mord an Chris Hani, propagiert die „Unabhängigkeit des Kaps von Südafrika”185, hetzt gegen das demokratische Südafrika, verherrlicht Israel (keine Analysen von Schwarz-Friesel & Konsorten darüber, keine Politiker-Worte von Sobotka), hetzt gg Richter Goldstone,… Lange könnte man diesbezügliche Benutzerkanäle und Videos analysieren.

Dieter Gerhardt, über den hier schon die Rede war, ist als Kind aus Deutschland nach Südafrika eingewandert, sein Vater war ein Nazi-Sympathisant und daher186 interniert, in einem Lager in Koffiefontein (heute Provinz Free State), das während des 2. WK für solche Sympathisanten eröffnet wurde, südafrikanische (v.a. burische) und aus Europa zugewanderte (v.a. Deutsche), hinzu kamen etwa 2 000 italienische Kriegsgefangene187, einige deutsche. Unter den etwa 800 Südafrikanern die interniert waren, war auch der spätere Premierminister (in der Apartheid-Zeit) Johannes „John“ Vorster. Bald nach diesem Krieg, durch den Wahlsieg der Nationalen Partei 1948, kam diese politische Richtung unter den Buren/Afrikaanern ja an die Macht in Südafrika, begründete die Apartheid-Politik (mit engen Beziehungen zu Israel). Dieter Gerhardts Vater war am Aufbau der „Sicherheits“ (Unterdrückungs) – Strukturen dieses Apartheid-Staates involviert.

Gerhardt selbst ging zur Marine, stieg dort ab den späten 1950ern auf; und, aus innerer Opposition zu diesem Regime spionierte er (wahrscheinlich ab Anfang der 1960er188 für den Ostblock. Der Kontext war die Verbindung der kommunistischen Partei Südafrikas (CPSA bzw dann SACP) mit dem ANC bzw mit dem Anti-Apartheid-Kampf, im Inneren; die Allianzen des Regimes im Äusseren bzw die Frontstellung ggü den Unabhängigkeitsbewegungen in den Nachbarstaaten, die überwiegend kommunistisch ausgerichtet waren. Gerhardt protestierte damit gegen seinen Vater und das Apartheid-Regime – jeweils Kontinuitäten aus dem Nazi-Reich! Er gab Informationen über das südafrikanische Militär (die SADF), sein Atomprogramm (auch über die diesbezügliche Kollaboration mit Israel) und weitere westliche Helfer/Verbündete an die SU (die ja auch im südlichen Afrika indirekt engagiert war), zT auch an die Öffentlichkeit.

1983 wurde er enttarnt, in der USA mit seiner Frau verhaftet, an Südafrika ausgeliefert. Die Verhöre führte hauptsächlich der (ebenfalls deutschstämmige) Polizei-Offizier Lothar Neethling durch, das Gerichts-Verfahren fand hinter verschlossenen Türen statt (hauptsächlich um ausländische Helfer der Apartheid nicht zu blamieren…); Richter Munnik verurteilte ihn (83) zu lebenslänglicher Haft (Ruth Gerhardt zu 10 J), wollte eigentlich die Todesstrafe für ihn. Als Frederik W. de Klerk 1989 Präsident Südafrikas wurde, begann der bald mit Reformen, liess Anfang 1990 politische Gefangene (darunter Nelson Mandela) frei, begann den Verhandlungsprozess. Gerhardt wurde vom ANC, nicht aber von dem Regime als politischer Gefangener gesehen; seine Freilassung zog sich bis Februar 1994, also fast bis zu den ersten freien Wahlen.189

Politischer Gefanener/ Kalter-Krieg-Spion/ Verräter sind nicht nur (pseudo-) moralische, sondern auch juristische Kategorien. Manche (zB auf en.wiki, Artikel über Gerhardt) wollen sein Wirken so darstellen, als ob er etwas getan hätte, das immer und überall ein Verbrechen darstellt (so wie ein ziviler Mord), als ob die Apartheid-Politik der südafrikanischen Regierungen von 1948 bis etwa 1994 hierfür belanglos seien… „Verrat“ war aber der übliche Vorwand für dieses Regime (und nicht nur dieses!), Leute zu verurteilen und einzusperren die gegen die Apartheid kämpften. Der Kontext einer Verurteilung ist entscheidend, so wie bei Stephen Biko oder Sophie Scholl, denen man ebenfalls „Verrat“ vorwarf. Andere versuchen herauszustreichen, dass er Geheimnisse andere Staaten betreffend auch weiter gegeben hat, wie sei dies mit Opposition zur Apartheid zu erklären. Was man hier auch schön sieht: der Zionismus hat sich mit den in Koffiefontein Internierten verbündet, nicht ihren Gegnern…und die Allianzen und Sympathien gehen bis heute weiter.

PS: Bücher von Jeffrey Herf brauchen eigentlich nicht weiter besprochen werden; aber wenn man schon in der “SZ” auf eine unkritische Kritik (hier darüber) über sein neuestes Propaganda-Werk stösst (“Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche radikale Linke 1967-1989”): Diese “Thematik” überschneidet sich natürlich mit den hier in den letzten 2 Abschnitten behandelten (Hitlers children, Südafrika); nachdem es dort auch um die DDR geht, liesse sich noch ein Hinweis auf die Afrika-Politik von BRD und Israel einerseits und DDR/SU andererseits anbringen, nicht zuletzt die bzgl der Republik Südafrika (bis 1961 Südafrikanische Union).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Passenderweise war in dieser Ausgabe etwas von Grigat über „Antisemitismus“ (Israel-Kritik) in der KPÖ…
  2. Ein Ausschnitt davon hier
  3. “Symbiose” (von altgriechisch σύν sýn, deutsch ‚zusammen‘ sowie altgriechisch βίος bíos, deutsch ‚Leben‘) bezeichnet die Vergesellschaftung von Individuen zweier unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist
  4. Ob diejenigen, die das betrifft, sich bei dieser Feststellung angegriffen oder geschmeichelt fühlen?
  5. An dieser Stelle: der Rassismus und die Hetze der „Anti“deutschen stellte jenen der klassischen Rechten in den Schatten, zB an Unis (Studierende und Lehrende) in Österreich jenen von RFS
  6. Sagte auch, sie seien so gut ausgebildet; die Besetzung ist kein Faktor, nein, nicht die von Gaza oder des Westjordanlands; stattdessen kehrt sie ihre Bildung hervor, es hat gerade noch gefehlt, dass sie Israel dafür verantwortlich macht
  7. Und ausgerechnet er nannte den türkischen Präsidenten Recep Erdogan einen „antisemitischen Strassenrowdy”, nach dem “Charlie Hebdo”-Massaker, kritisierte auch Europa in diesem Zusammenhang scharf, hier lasse “man” Erdogan „und seine Bande genau so gewähren lasse wie die Antisemiten in den 30er-Jahren“ – Europa an sich ist also nicht antisemitisch gewesen, nur jene die man gewähren liess, darüber stand quasi noch eine Instanz
  8. Eine Wahlwerbung seiner Partei Yisrael Beitenu: www.youtube.com/watch?v=o32cws8IcWY
  9. Ende ’18 Eskalation der Scharmützel zwischen dem belagertem Gaza-Streifen und dem Belagerer Israel, in typischer Ungleichheit der Waffen, die intensivsten Angriffe seit dem „Krieg“ 2014. Israels Militärminister Lieberman trat aufgrund der Waffenruhe mit der Hamas-Regierung in Gaza, zurück, das sei eine „Kapitulation vor dem Terror“. Netanyahu hat seinen geplanten Wien-Besuch bei der EU-Konferenz „gegen Antisemitismus“ wegen der innenpolitischen Turbulenzen abgesagt
  10. In diesem Zusammenhang: “Schwarze”/”Braune” wurden und werden gar nicht als ebenbürtige Opposition zu Hitler angesehen, niemand (Deu,..) findet was am Rassismus im Film “Casablanca”
  11. Auf en.wikipedia wird “Ahimeir” in “seinem Artikel weissgewaschen, u.a. wird am Ende ein Interview von dessen Sohn mit der „Jerusalem Post“ angeführt, “Hitchens is a known anti-Israel writer who takes my father’s writing completely out of context. Fascism in 1928 can’t be viewed in the context of the 1930s. Of course he would not be a fascist in view of how it developed.” Gut, die Ahimeirs wollen keine Faschisten mehr sein; abgesehen davon, dass sich der Faschismus in Europa nicht zuletzt gg Juden entwickelte/richtete, was stört(e) sie daran?
  12. Ein “Terror-Experte” von der Rand Corporation namens Bruce Hoffmann schrieb eine Weisswaschung der Irgun/IZL, die auch im en.Wikipedia-Artikel über den Anschlag eingearbeitet wurde. Dass dieser Hoffmann jüdisch ist, darf dort nicht erwähnt werden, man will ihn als “Experten” präsentieren. Das ist eben auch etwas, was nur “in eine Richtung” läuft. Zu doppelten Standards: Eine VICE-Doku “Settlers, Olives, and Occupation: Voices from the West Bank”, unter den gehässigen Youtube-Kommentaren: “Vice tries to have a non biased news report. Then uses a Palestinian born film maker. LMAO”, „Oh look. Another pro Islamist puff piece. Why does Vice carry water for these people? oder „It is not west bank, it is Judea and Samaria.“
  13. Die beiden Terroristen, wahrscheinlich ägyptische Juden die dazu angestiftet wurden, wurden im Jahr darauf in Ägypten hingerichtet. 1975 wurden ihre Überreste nach Israel überführt, wo sie ein Heldenbegräbnis bekamen, auf Briefmarken geehrt wurden (als “Märtyrer”)
  14. Kahanistische Gruppen (auch Lehava ist so eine) waren zeitweise verboten von Israel, weil sie mit ihrem offenen Rassismus ein schlechtes Image schufen. Dass der Kahanismus in den Siedlungen überproportional präsent ist, davon zeugt auch der Hebron-Massenmörder von 1994, Baruch Goldstein. Das Konzept bzw der Name einer Defense League von der JDL haben viele westliche Gruppen und Initiativen übernommen, von der EDL bis zum Youtube-Kanal “Anonymous Defence League – STOP George Soros”
  15. Jeannee und die Leserbriefe sind in der “Krone” am unappetitlichsten
  16. Wobei es bzgl Israel ein “Nativismus” der Einwanderer über die “Eingeborenen” ist, also eigtl das Gegenteil von dem was diese wollen
  17. Grigat über „AS“: „Ebensowenig, wie der heutige Antisemitismus auch nur irgendetwas mit dem tatsächlichen Verhalten von Juden und Jüdinnen zu tun hat, hat der Antizionismus als Platzhalter und Ausdruck dieses Antisemitismus unmittelbar etwas mit dem Verhalten der jeweiligen israelischen Politik zu tun. Der Antisemitismus wie der Antizionismus speisen sich aus dumpfen Ressentiments – Ressentiments gegen Zivilisation und Individualität, gegen Intellektualität und Liberalität, gegen Ausschweifung und Freizügigkeit, gegen Bürgerlichkeit im ursprünglichen Sinne und gegen Kommunismus im einzig emanzipativen Sinne, nämlich der Herstellung der Möglichkeit individuellen Glücks als absoluter Gegensatz zum völkischen Identitätswahn
  18. Bzw, die Apartheid in Südafrika war gar nicht so schlimm bzw sie war eigentlich richtig
  19. Da geht es um westliche wie männliche Vorherrschaft
  20. Und gleichzeitig ausgeübt
  21. Die “Neue Zürcher Zeitung” schrieb 09 unhysterisch und ausgewogen zur damaligen Antirassismuskonferenz; u.a., dass arabische Staaten gg die Ahmadinejad-Tiraden seien, weil diese die westliche Israel-Solidarität stärkten; 2 jüdische und 1 iranische NGO wurden damals wegen Rassismus ausgeschlossen
  22. Es also nicht wirklich eine Läuterung gegeben hat, eher ein Gehen mit der Zeit
  23. Und wenn man noch eine Stellungnahme von Belafonte für die Palästinenser findet, kann der Rassist diesem auch “AS” unterstellen #Täter-Opfer-Umkehr
  24. Israel nimmt eine solche Manipulation aber auch vor
  25. Wo es eine Aussicht auf das frühere Dorf Deir Yassin gibt…
  26. Der Ausschluss der “Braunen” usw ist schon OK
  27. “Israel is a prized ally as a heavily militarized ‘white’ outpost near much of the world’s oil”
  28. Von seinen Aussagen über den Islam zu schweigen
  29. Verteidigte auf seiner Homepage den Irak-Krieg 03 gg den Chilcot-Bericht, wiederum ausblendend wer Saddam früher stützte usw
  30. Leuten wie er müssen bei Kommentaren zu israelischen Aktionen gegen Gaza aufpassen, dass sie nicht in Begeisterung dahin schwelgen
  31. Zwischen Pro-Israel und Anti-Islam findet sich bei Rebel Media auch Hetze gegen Obama oder Umweltschützer…
  32. Als nun eine Halb-Inderin zum “Nürnberger Christkind” gekürt wurde, kommentierte etwa der AfD Kreisverband München-Land “Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen”. Nicht Religion verbindet, sondern Hautfarbe/Rasse trennt hier… Nicht Integration wird anerkannt, sondern eine Bedrohung gesehen
  33. Dieser Michael Ben-Ari protestierte beim Besuch von Papst Franziskus I. in Israel/Palästina 2014 gemeinsam mit anderen Rechtsradikalen mit Schildern, auf denen in Hebräisch Parolen wie „Das verfluchte Christentum“ oder „Unreiner Papst, verlass unser heiliges Land!“ zu lesen waren
  34. Die Kandidaten Rosenkranz und Gehring nahmen im österreichischen BP-Wahlkampf ’10 gg die “Islamisierung Österreichs” Stellung; viele die gegen Rosenkranz demonstrierten bzw Stellung bezogen, haben die selben Feindbilder wie sie
  35. Der rechte Historiker Lothar Höbelt war führender Exponent in einem Unterstützungskomitee für Rosenkranz bei der Wahl; er redet(e) auch im Akademikerbund, man kann davon ausgehen, dass er liberaler ist als Grigat und Konsorten…
  36. In der Türkei sind Andere die “Sündeböcke”
  37. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse, Rainer Zitelmann (Hg.): Die Schatten der Vergangenheit
  38. Heinsohn hat im “Zeit”-Artikel „Finis Germaniae“ (05) eigentlich mindestens genau so rassistisch-westistisch argumentiert
  39. Jörg Grünewald (siehe Teil 1) hat da in dem einen oder anderen Punkt ähnliche Ansichten, obwohl bei einer anderen Partei; zu einem watteweichen Warnschuss bzgl seines Wirkens auf de.wikipedia kommentierte er zB: “Ich hab dafür kein Verständnis aus Gründen, die ich ggf. morgen benennen werde (anders als diverse Trolle habe ich einfach aushnamsweise mal als Vollererwerbstätiger keine Zeit für so einen Scheiß, und wenn ihr mich sperrt, prima, toll, alle Macht dem Präkariat (sic), das 24/7 vor dem Bildschirm sitzt. Laila tov”
  40. Es stellt sich die Frage, wie Maassen die Schlechten bei den „echten Deutschen“ definiert (die Linken?), und wie die Echtheit bei Deutschen > Juden aus Osteuropa wie Broder? christliche Schwarzafrikaner? Solche wie Mbarek, die halb halb sind? CDU-Politikerin aus Chemnitz Veronika Bellmann sagte, auch säkulare Muslime hätten in der Partei nichts verloren
  41. Ernst Elitz verteidigte im „Cicero“ die Erklärung teilweise
  42. Broderismus (über)trifft des öfteren auch den Stammtisch
  43. Der Antisemitismus- und NS-Forscher Wolfgang Benz sagte dem “Tagesspiegel”, Gauland habe ähnlich argumentiert wie Adolf Hitler in einer Rede von 1933. Aber Benz wird von zionistischen Kreisen auch angegriffen
  44. Oktober 19, ein dt. Nazi, beschoss auch einen Dönerladen, hauptsächlich aber eine Synagoge, zum jüdischen Feiertag Yom Kippur, einige Gemeinsamkeiten mit Christchurch, erschoss vor der Synagoge eine Passantin und wenig später den Gast eines Dönerimbisses, Opfer 2 „Bio-Deutsche“, offenbar überlegte er eine Moschee oder eine linke Einrichtung anzugreifen, entschied sich dann aber für die Synagoge. Juden hier als Gegensatz/Bedrohung zu „Weissen“ und „Westen“ gesehen. n-tv auf seiner hp: “Antisemitismus-Forscher Matthias Becker von der Technischen Universität Berlin sagte uns jedoch, es sei zu kurz gegriffen, in der Gamer-Szene die Hauptursache für solche Gewalttaten auszumachen.”, bringt dazu Foto v. Demo mit israelischer Flagge, „Wie Antisemitismus durch Bildung bekämpft werden kann und wie verbreitet Judenfeindlichkeit in Deutschland aktuell ist, hören Sie im Podcast.“
  45. “rosenkohl” ist ein typischer Vertreter der “Gegenrichtung” der zionistischen Deutsch-Wikipedianer, der heuchlerischen Pseudo-Antifaschisten
  46. Wahrscheinlich aller mit Likud verbündeten
  47. Es gehe bei AfD oder FPÖ hauptsächlich gegen Juden, USA, Frauen, nicht um Islamophobie/Moslemophobie…
  48. der-semit.de/juden-in-der-afd-eine-veralberung-des-waehlers/
  49. Jene, die dabei sind, Querfronten zu sehen bzw zu konstruieren
  50. Eine Partei, die Neonazis den Weg in die Mitte der Gesellschaft ebnet
  51. Martin Sellner von den österreichischen Identitären hat einst die Synagoge in Baden bei Wien beschmiert mit Hakenkreuz/Swastika, ist „nicht mehr antisemitisch“, aber „weiterhin patriotisch“. Vor 2 oder 3 Jahren gab es eine gemeinsame Veranstaltung von “Institut für Staatspolitik”, dem Antaios-Verlag, AfD, Identitären, mit Sellner; der ist eines der Verbindungsglieder zwischen FPÖ und Neonazis
  52. Greenberg ist mit dem Israeli Tal Silberstein verbunden, der dem Ex-Bundekanzler Kern (SPÖ) nahe steht
  53. Für Haider gab es ein Einreiseverbot nach Israel; ungefähr selbe Zeit spielte FC Kärnten, dessen Präsident er war, im Fussball-Europacup gegen einen israelischen Klub (Maccabi oder Hapoel Tel Aviv oder Haifa). Dessen Präsident, ein reicher Unternehmer, lud Haider als “seinen persönlichen Gast” nach Israel ein. Gut möglich dass dieser rechts von Haider stand
  54. Zwischen 00 und 05 war Haider nicht mehr FPÖ-Chef gewesen, aber dennoch der “heimliche” Führer
  55. Auf der Website des Freiheitlichen Akademikerverbandes Salzburg stand zB etwas über „Neger“ und ihrem „Hass auf uns Weisse“; der Sänger Cesar Sampson (Wurzeln in der Karibik) der Österreich mal beim Song Contest vertrat, wurde in der Zeitschrift „Aula“ als „Quotenmohr“ bezeichnet;…
  56. Leider wird mit den osmanischen Deportationen und Massakern an Armeniern und anderen Christen im 1. WK gerne so umgegangen; je nach aktuellem politischen Bedarf, so von Israel oder USA
  57. Der ist auch nach Japan zum Yazukuni-Schrein gereist
  58. Eine israelische staatliche Behörde!
  59. “Islamkritiker” und Philozionisten suchen mit Juden auch gerne eine Opfergemeinschaft
  60. Auch der damalige ÖVP-Chef Spindelegger kritisierte damals Darabos
  61. Muzicant soll Netanyahu nach Karas Treffen mit Strache in einem offenen Brief aufgefordert haben, Kara zu „feuern“
  62. Dies wurde auch umgesetzt, es gibt das Angebot der Doppelstaatsbürgerschaft für Nachfahren jener Menschen, die vor den Nazis flüchten mussten
  63. Die FPÖ gehe „den Weg für unser Heimatland Österreich, den Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch, konsequent weiter, wie es die Menschen von uns auch erwarten“
  64. „Stenzel und ich haben vor einer gefährlichen Entwicklung, wo Menschen aus Regionen kommen, die antisemitische Gedanken mitnehmen und oftmals auch den Staat Israel vernichten wollen, gewarnt, wo wir Angst haben müssen, dass ein neuer Antisemitismus entsteht. Wir haben eine besondere Verantwortung, dass nie wieder Juden aber auch andere Menschen hier in Wien aufgrund ihrer Religion Angst haben müssen und attackiert werden.“
  65. Dazu in diesem Artikel Einiges
  66. Siehe auch Grigats Buch über AfD & FPÖ. Und dass es in seinem Vortrag auch darum ging, dass sich “religiöse und ideologisch bedingte Lebensentwürfe auch gegen den Willen der Mehrheitskultur und -bevölkerung durchsetzen”, davon gilt es auch abzulenken
  67. Auf Puls 4 war Höbart in einer Diskussion mit dem Grünen Marco Schreuder, fragt sich wer schlimmer ist
  68. Daneben sind Rechtsparteien aber auch in der ECR zu finden (PiS, SD, Vox, FdI,…), EFD, EPP/EVP (Fidesz suspendiert) sowie Fraktionslose (wie Jobbik)
  69. Manche, die Winters Islamophobie bejubelten (“Meinungsfreiheit”), jaulten nun auf
  70. Dieter Egger hängt der „Exiljuden”-Sager auch bis heute nach, über Türken konnte er sagen, was er wollte
  71. Anne-Catherine Simon zB war Mitarbeiterin vom FPÖ-EP-Abgeordneten Kronberger, als Journalistin der Wiener „Presse“ seiert sie, dass „Kritik“ am Islam abgewürgt werde, preist dabei David Littman,…
  72. Seine Bestellung ist Ausdruck des “bilateralen” Verhältnisses unter Kurz und Netanyahu
  73. Einen solchen gab es infolge 2. Intifada ab 2000 und Anschläge in USA 2001 bei grossen Teilen des Judentums, das sich als liberal verstand. Zum Beispiel auch beim Internet-Portal “Hagalil”, eines der Leitorgane der deutschsprachigen Zionisten
  74. Z. B.: “Die FPÖ hat zu Recht erkannt, dass es ein Integrationsproblem bei Muslimen gibt. Imame sollen auf Deutsch predigen, wer Hass verbreitet, muss rausfliegen oder in den Häf’n – einverstanden. Wir müssen die Radikalen und den Rest auseinanderdividieren. Doch indem Strache verallgemeinert, tut er genau das Falsche. Wir haben kein Ausländerproblem, der Islam hat ein Islamproblem.”
  75. Brauer sagte auch “Berührungsängste habe auch ich keine. Ich hätte mich selbst mit Osama Bin Laden an einen Tisch gesetzt.” Auch so eine Andeutung
  76. In dem “kannst alles haben” steckt ja auch die Verfügungsgewalt über die Palästinenser und ihr Land. Sein Auftritt damals war auf seine Wirkung auf österreichische Zuseher abgestimmt, er begann ja auch mit “Ich hör die Zuschauer schon schnarchen”
  77. Holokaust-Überlebende aus bzw mit Wurzeln in Osteuropa, in Öst/Deu verblieben bzw sogar hin gegangen, Israel-Verbindung aber nicht Lebensmittelpunkt dorthin, wurden bezüglich “Israel” und “Islam” in gewisser Hinsicht blindwütig, und “Antisemitismus” wird bei ihnen rein über die Haltung zu Israel definiert (bzw es wird eine positive Affirmation davon verlangt)
  78. Die Mossab Yousefs und Hamed Abdelsamads und auch die Basssam Tibis sollen in ihrer Ecke bleiben
  79. CSU; Der Schutz Israels sei „nicht nur eine deutsche Verantwortung, sondern eine europäische Verantwortung“; zugleich sprach er sich mit Blick auf die israelische Politik im Nahost-Konflikt dafür aus, Meinungsverschiedenheiten „innerhalb Israels“ zu berücksichtigen
  80. Netanyahu: „Wir sind entschlossen, unsere Grenzen gegen illegale Einwanderer zu schützen. Das haben wir getan und das werden wir auch weiterhin tun.“ Es geht hier aber um die Legalisierung einer Einwanderung im bescheidenen Maß
  81. Anne Bayefski ist ebenfalls eine Anti-UN-Zionistin
  82. Von der “Kronen Zeitung” gefeatured
  83. Übrigens, die ÖVP-FPÖ-Regierung hat neue Regeln gegen Hass im IT angekündigt. Am selben Tag veröffentlichte die FPÖ auf Facebook und anderen Kanälen einen Werbespot, in dem eine stereotyp gezeichnete und finster lachende Comicfigur namens “Ali” plant, die Krankenkasse(n) über das Ohr zu hauen…in der Werbung ging es um Fotos auf E-Cards (“Ali” will sich in dem Film mit der E-Card seines Cousins “Mustafa” die Zähne richten lassen”)
  84. Israel zeigte an den Diskussionen über Waldheims Vergangenheit zunächst wenig Interesse, es war damals mit der Niederschlagung des Aufstands der Palästinenser gegen die Besatzung beschäftigt, mit Partisanen-Bekämpfung gewissermaßen
  85. Wie selektiv die Aufregung über Omar bzw ihre Andeutung dass Pro-Israel-Positionen gekauft werden, ist, zeigt sich an Steve King, Congress-Abgeordneter (RP) aus Iowa. King ist nicht nur Gegner von Einwanderung und “Multikulturalismus”, er ist einer der offen die Interessen von “Weissen” in der USA (und anderswo!!) von jenen “Anderer” trennt (sieht Juden als Teil der Anderen), dabei auch mit europäischen Rechtsextremisten zusammenarbeitet. Der hatte heuer in einem Interview mit der „New York Times“ die Vorherrschaft von Weissen verteidigt und gefragt, seit wann Begriffe wie „weisser Nationalist“ oder „westliche Zivilisation“ in den USA “beleidigend” seien. Dass er “Westen” und “Weisse” in eine Beziehung zu einander setzt (tut er immer wieder), ist dabei ja auch bedeutend (also nicht “Werte” und so…). Trump, der sich über Omar empörte und sie zum Rücktritt aufforderte, reagierte gar nicht auf diese Aussagen von King, auf Nachfrage sagte er, er hätte davon nichts mitbekommen… King zeigt auch gern die Konföderierten-Flagge, obwohl Iowa Teil des Nordens bzw der Union war. Zu Obamas Wahl fragte er, wie denn dessen Äusseres auf den Rest der Welt wirke. Etwas Ähnliches hat die rechtsextreme israelische Politikerin Anastasia Michaeli-Samuelson (eine blonde Konvertitin zum Judentum) zur Sängerin Liel Kolet (aus einer Familie indischer Juden) bzw deren möglicher Teilnahme am Song Contest für Israel gesagt… Vergleiche dazu auch den Hitler-Spruch über Weisse, Kultur, Zivilisation, Überlegenheit
  86. Sie würde doch nicht alle Kriterien erfüllen…
  87. Duke ist im Gegensatz zu anderen Rechten kein Israelfreund/Zionist, auch nicht ausgeprägt islamophob; jene die sich ereifern dass Kenneth O’Keefe in Dukes Radio-Show auftrat, haben kein Problem mit dem (vergleichbaren) Rassismus von Geert Wilders oder David Littman
  88. Kein USA-Nationalismus…
  89. In einem Werbefilm von Bush jun. im Präsidenten-Wahlkampf 04 wurde die Olympia-Teilnahme in diesem Jahr von Afghanistan und Irak thematisiert (die er “befreit” hatte), das war auch Linie seiner Verteidiger: die USA im Allgemeinen, Bush im Besonderen, seien eigentlich Freunde dieser Länder,…
  90. UN-Abstimmung zur Anerkennung von Jerusalem/Quds/Jebus als HS Israels: Netanyahu attackiert im Vorhinein die UN, Trump droht mit Entzug von Finanzhilfen an Länder die dagegenn stimmen, 128 der 193 Länder stimmten für eine Resolution, die die USA aufforderte, die Entscheidung zurückzunehmen. Der Kommentar von Yahoo-Huch zeigt deutlich die Verlogenheit des Deutsch-Zionismus („Resolution von Diktaturen initiiert, amerikanisch-israelische Freundschaft, Antisemitismus,…”). Es folgten weitere rechte Regierungen mit einem Schritt wie Trump, und jene die Länder wie Guatemala als “Shithole” sehen (s.o.), streuten diesen nun Rosen
  91. Er habe die Absicht, “den radikalislamischen Terrorismus vom Erdboden auszulöschen“ – und unterstützt Saudi-Arabien fanatisch, schwächt die Moderaten unter den Herrschenden im Iran, schert Moslems immer wieder über einen Kamm
  92. Macron warnt vor Zuständen wie in den 1930ern, nennt Orban oder die PiS in Polen, aber nicht Trump (dem ggü er Appeasement übt) oder Bolsonaro, Netanyahu, Saud…
  93. Fanden aber weiterhin nichts an den fast 200 Getöteten an der Grenze vom Gaza-Streifen zu Israel zur selben Zeit, bei den Grenzprotesten 18/19
  94. Andererseits waren Juden auch “führend” unter Obamas Unterstützern, wie Sarah Silverman. Sie pries Obama unter Juden als Unterstützer Israels an
  95. Diese Verschwörungstheorie korrespondiert mit jener wonach Heather Heyer in Charlottesville nicht getötet wurde, sondern an einem Herzanfall starb
  96. Schrieb dort ins Gästebuch: „Es ist eine Ehre, mit all meinen Freunden hier zu sein…So großartig + werde nie vergessen“
  97. www.trend.infopartisan.net/trd0716/t460717.html
  98. Auch Greg Johnson von Counter Currents publishing, antijüdisch und weiss-rassistisch (> Konzept weisser Ethnostaat) ist mit diesem Spencer verfeindet
  99. Molyneux: “Believing in ‘Universal Human Rights’ Makes Christians Vulnerable to Migrants”
  100. Er ist wie sein Schwiegervater Immobilienmogul und betreibt zusätzlich eine Zeitung. Seine Bestellung wurde in Frage gestellt aufgrund eines Anti-Nepotismus-Gesetzes aus 1967 und Unvereinbarkeitsregeln
  101. Passend dazu hat Israel-Lobbyist Joseph Lieberman bei der Absegnung der Ernennung im Congress eine Rolle gespielt
  102. Hat zB der „New York Times“ gesagt: „Ich denke, dass Israel unter gewissen Umständen das Recht hat, einen Teil, aber wahrscheinlich nicht alles, vom Westjordanland zu behalten.“
  103. Das sind jene Entscheidungen zugunsten Israels, die S. Kurz an Trump gelobt hat…
  104. McCain 08 oder Bush 04 wurden noch von Anderen aus der Israel-Lobby führend unterstützt
  105. Das Foto unten stammt von dieser Gelegenheit
  106. “Anti”deutsche missbrauchen seit einigen Jahren das Gedenken an das Ende des 2.WK bzw die Befreiung Österreichs am 8. Mai, zu anti-palästinensischen, usa-imperialistischen und pseudo-antifaschistischen „Feiern“
  107. Nachfolger Straches als FPÖ-Chef, anders als dieser bezweifelt er nicht, dass die Erderwärmung menschengemacht ist
  108. Konservative Südstaatler
  109. Was jedenfalls der jüdische Reporter George Seldes meinte. Mehr über diesen Themenkreis im Abschnitt mit Jillian Becker
  110. Die Propagandalüge „Jordan is Palestine“ wird häufig von Zionisten vorgebracht, zB auf Youtube vom evangelikalen Kanal “Last Days Now!”. Es gibt aber auch jene (Philo-)Zionisten die auch Jordanien als eigtl zu Israel gehörig sehen…
  111. Die Nationaal-Socialistische Beweging, Anton Mussert
  112. Die diesbezüglichen Details würden den Rahmen dieses Artikel sprengen. 2 Anmerkungen dazu: Die Katholieke Nationale Partij (KNP) war eine der Parteien, die sich gegen die Unabhängigkeit engagierten; nach der Unabhängigkeit Indonesiens engagierte sie sich für Minderheiten unter Indonesiern wie Molukken und Papua. Zu Raymond Westerling etwas bei Christopher Othen
  113. Äusserlich war das auch so, Antijudaismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit wurden in ihr “Gegenteil” umgedreht
  114. Es wird ja immer nur zurückgeschossen…
  115. Gerede über “Kameltreiber” (wie immer das auf Norwegisch heisst) und so kommt im Umkreis der FrP nur “inoffiziell” vor
  116. Und inzwischen auch Regierungs-Beteiligung hatte
  117. “Three windows of the hair salon of a well-known homosexual was smashed, with circumstances suggesting a hate crime”
  118. Von Broders Anti-Südländer-Tirade im Griechenland-Kontext (die nicht isoliert da steht) zu Jeannees Hohelied 2014 an den deutschen Fussball bzw dt. Tugenden, mit Nazi-Anspielungen (wurde entschärft) ist es eigentlich nicht so weit. Broder und Jeannee sind auch in vielen anderen Punkten auf Linie: Gewalt und Hass in Sprache (“Pöbel-Journalisten”; bei Jeannee zB “Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben”), Pro-USA-Ausrichtung (J. attackierte zB den Schuh-Werfer auf Bush, im Lateinamerika-Kontext sind jene die Guten die pro USA sind; schliesst natürlich nichts Progressives an der USA mit ein, im Gegenteil), ob Jeannee proisraelisch ist, wie Richard Nimmerrichter (“Staberl“)?, frauenfeindliche Note, Stolz auf seinen “Mut“, zu schreiben, was Andere nur zu denken wagen würden; Jeannee blies ORF-Wehrschütz verbal einen weil dieser bekennender und unterdrückter FPÖ-ler sei, er kritisiert die FPÖ auch gelegentlich, wenn sie dem Grossbürger zu “unterschichtig” ist
  119. Und weiter: “Es sind Politiker, Blogger, Publizisten, die das Klima angeheizt haben, in dem einer wie Anders Behring Breivik erst auf die Idee kommen konnte, dass der ‘bloße’ politische oder publizistische Kampf gegen die als elementar bedrohlich imaginierte Moslemgefahr nicht mehr ausreicht. Es ist wie eine groteske Spiegelung: Was sie immer den normalen Muslimen angedichtet haben, dass diese ‘irgendwie verantwortlich’ seien für die Gewaltakte islamistischer Terror-Sekten, das haben sie jetzt selbst geschaffen: Spinner, die bereit sind, der Flausen wegen, die sie ihnen in den Kopf gesetzt haben, Dutzende von Menschen zu ermorden. Wenn der Begriff vom ‘geistigen Mittäter’ je einmal Sinn gemacht hat, dann hier. Wird das in diesem Milieu wenigstens Nachdenkprozesse auslösen? Henryk M. Broder, der antiislamische Autor, von dem einige Textstellen in Behring Breiviks Manifest affirmativ zitiert werden, wehrt auf unfassbar kaltschnäuzige Weise in der Welt jede Mitverantwortung seines Milieus ab. Breivik habe sich im Gegenteil die Dschihadisten zum Vorbild genommen, so die wirre Logik. Was will uns Broder, den manche gute Bürger selbst heute noch für einen preiswürdigen Schriftsteller halten, damit sagen? Dass der islamfeindliche Terrorist gewissermaßen ein verkappter Moslem war? Wenigstens auf ‘Politically Incorrect’, dem Quasi-Zentralorgan der Moslemhasser, gab man sich im ersten Schrecken nachdenklicher: ‘Was er schreibt, sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten.’ Und dann wird spekuliert, ob der Mann, der doch aus ihrer Sicht ganz vernünftiges Zeug geschrieben habe, ‘an einer psychischen Krankheit leidet, die seither schlimmer geworden ist?'”
  120. Ob aus der Karibik oder Schwarzafrika
  121. Wobei Maghrebiner schon zuvor in der “Zielscheibe” der FN waren
  122. Konkret um die Ramallah-Lynchungen 2000, Filmmaterial, Brief eines RAI-Journalisten an die Zeitung der palästinensischen Autonomiebhörde
  123. Siehe es.dreamstime.com/im%C3%A1genes-de-archivo-libres-de-regal%C3%ADas-perrito-del-doodle-del-yanqui-image14561859
  124. Aber auch die Wiedereingliederung Gibraltars
  125. Genau so wie Apartheid-Südafrika
  126. Was die Grigats gerne verschleiern würden; Andere stehen stolz dazu
  127. Während manche Juden im Widerstand gegen Pinochet eine herausragende Rolle spielten, genau so wie im Apartheid-Regime Südafrikas
  128. So wie zB bei der Kommunalwahl in London im Mai 16. Im Kampf um die Nachfolge von Boris Johnson als Bürgermeister der Hauptstadt traten (u.a.) der Jude Zac(harias) Goldsmith (CUP) und der Moslem Sadiq Khan (LP) an. Goldsmith & Co versuchen, Khan in die islamistische Ecke zu drängen
  129. Anders herum aber auch
  130. Wie schon erwähnt, internationale Zusammenarbeit und Zusammenschlüsse der europäischen Rechten ist eine komplizierte Sache, ist dauernd im Wandel begriffen. Stephen Bannon hat das “Movement” gegründet, eine solche Vereinigung; daneben will er eine inter-kontinentale Vereinigung, mit Trump, Netanyahu, Bolsonaro,… Salvini will eine „Allianz der europäischen Völker“. 2016 haben rechtsextreme Gruppen die Initiative „Festung Europa“ gegründet (Pegida,…). Salvini (Lega), Orban (Fidesz), Le Pen (RN) waren Sieger der EP-Wahl 19 in ihren Ländern
  131. Als Orban nach Israel reiste, war Köves an seiner Seite, aber niemand von MAZSIHISZ
  132. Das klassische Israel-Bild
  133. Ein Admiral ohne Flotte regierte ein Land ohne Küste als Königreich ohne König
  134. Unter Horthy war Ungarn 41-44 an Seite der Achsenmächte, steuerte Truppen an diverse Fronten bei; in dieser Zeit gab es die ersten Deportationen von Juden. 1944/45 die nazideutsche Invasion, Kollaborationsregierung der Pfeilkreuzler unter Szalasi, massive Judendeportationen. Dann die Rote Armee
  135. 972mag.com/tapping-the-hidden-spring-of-anti-semitism-in-orbans-hungary/138149/
  136. Über solche “Konferenzen” könnte man zB einen eingehenden Artikel schreiben
  137. Dann wäre das als Beleg für “antisemitische Querfronten” ausgewälzt worden
  138. An dieser Stelle: Die genannten “Doppelstandards” gibt es auch bei Moslems, etwa wenn sich über die Rohingya-“Sache” in Birma gross empört wird, aber vor den Diskriminierungen von Nicht-Moslems in Pakistan (zB) die Augen davor verschlossen werden oder ihnen beigepflichtet wird. So sehr der middleeastmonitor auch Wichtiges aufzeigt, dieser Artikel geht am Entscheidenden vorbei…The Israelification of India…or it’s Pakistanization?
  139. Lendvai spricht (bzw schreibt) immerhin von “arroganter Siedlungspolitik” Israels, schätzt diese (bzw ihre Folgen) aber im Endeffekt nicht richtig ein
  140. Der polnische Jude Adam Michnik (Dissident in kommunistischer Zeit, dann Zeitungs-Herausgeber) kritisierte die “hartnäckige Kategorisierung Polens als ‘antisemitische Nation’, die einst auch ein Alibi für den Betrug des Westens an Polen in Jalta war”
  141. Es gab die Bermans, 2 Brüder, einer (Jakub) wurde nach dem 2. WK Funktionär (Minister) im kommunistischen System, der andere (Adolf) war Zionist und ging nach Palästina, wurde dort Abgeordneter für Mapam und andere Linksparteien
  142. Diese Ansichten gehen grossteils auf Ante Ciliga zurück, wie Tudjman ein Kroate der sich vom Kommunismus abwandte. Ciliga stammte aus dem damals österreichischen Istrien, war einer der frühen Führer der SKJ (kommunistische Partei Jugoslawiens), obwohl er nach dem 1. WK eigentlich Italiener war (als Istrier), lebte dann in der SU, wo er sich vom Kommunismus abwandte; bei einer Einreise nach Ustascha-Kroatien wurde er (dennoch) gefangen genommen und in das Lager Jasenovac gebracht. Er lernte dort Juden kennen. Dann ging er ins westliche Exil, war ein Gegner des kommunistischen YU, Anhänger des kroatischen Nationalismus, kritisierte aber Ustascha-Führer Pavelic für die Bindung an die Achse
  143. Zu Raed Arafat und Ilan Laufer im 4. Teil des AS-Artikels
  144. Der „Erfolg“ der von deutscher Seite gewünschten, ja geforderten Deportation jüdischer Menschen aus den verschiedenen Ländern in Hitlers Machtbereich hing wesentlich vom Antisemitismus vor Ort ab
  145. Aber, da gibt es ja dann den heroischen “Gegenwehr”-Mythos, man verteidigt sich nur
  146. An dieser Stelle sei aber auch gesagt dass islamistische Anschläge wie der in Mumbai/Bombay 2011 das “ihrige” zum Erstarken von Islamophobie und Hindu-Nationalismus unter Indern beitrugen…
  147. © Culcha Candela
  148. Ein “aber” ist hier eigentlich nicht angebracht
  149. Im Endeffekt war er weniger scheinheilig und hetzerisch als Viele aus diesem “Milieu” und hat ein paar scharfe Analysen gemacht
  150. Entspricht den Rechts-Zionisten, die die OUN und Bandera nicht wirklich gut finden können
  151. Die während Irak-Kriegs 03, von diesen deutschnationalen “Anti”deutschen frenetisch begrüsst, unter Beschuss kam, weil auch von Kriegsgegnern verwendet
  152. Jene, die jugoslawische Partisanen des 2. WK als Freiheitskämpfer sehen, können sich genau so positiv auf “Israel” beziehen wie jene die diese in Täterrolle verorten und Israel für seine Partisanen-Bekämpfung bewundern
  153. Das DÖW hat mal eine Anzeige gg “Zur Zeit” gemacht, wg einem “antisemitschen” Artikel, ist zur anti-islamischen Linie der FPÖ sehr zurückhaltend
  154. Sowohl Broders/achgut als auch cafe critique titulieren sich als „liberal“
  155. Auf Youtube schreibt einer zum Film “Breakfast Club”: “If The Breakfast Club was made today, there would be a gay student, a trans, an atheist, a Black and a Hispanic… and maybe, just maybe… one white student.” Übrigens waren die Schauspieler in dem Film, nicht die Charaktere, durchwegs Juden
  156. Der ist auch für die Todesstrafe, bringt Apologetiken der Sklaverei (die Andere auch abwälzen möchten)
  157. Übrigens, bei Ashkan Dejagah gab es auch diese fliessende Grenze, bei den Reaktionen um eine Absage eines Länderspiels mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft in Israel. Der Doppelstaatsbürger fürchtete bei einem Antreten negative Konsequenzen für sich und seine Familie, aufgrund des Verhältnisses zwischen Iran und Israel. Es gab Aufregung, von ZdJ-Chefin Knobloch („privaten Judenboykott”, “soll aus deutschem Team entfernt werden”) abwärts, und in IT-Foren gab es eben auch die Kommentare, es gäbe ohnehin zu viele “Kanaken” im deutschen Team, er solle deshalb entfernt werden… Dejagah hat sich mit der Absage wenigstens die rassistischen Sprechhöre der israelischen Fans erspart > Teil IV, Abschnitt “Antisemitismus und Fussball”. Auch bei Forderungen, das iranische Team von der WM 06 in Deutschland auszuschliessen (“wegen Ahmadinejad”) gab es diesen “Fluss”, diese Doppelbödigkeit und Heichelei
  158. Siehe zB Andreas Becker und seinen Leserbrief  an “11 Freunde”
  159. Mit einer Zahl am Ende
  160. Hinzu kommen reine Propaganda-Kanäle wie “speedy” oder “prager university”
  161. In Frankreich gibt es einige antiislamische Intellektuelle, die gleichzeitig der Rechten und Zionisten nahestehen, wie Alexandre Del Valle
  162. Weshalb sich manche Juden in verschiedenen Ländern eine Israel-Verbindung “andichten”, aber nicht nur aus diesem Grund
  163. Die rechts von Likud haben da in der Regel wenig “Genierer”
  164. Der “Anti-Amerikanismus” (bzw die Haltung zur USA) der von den Grigats dann zur Relativierung/Verdrehung aufgebracht wird, spielt hier gar keine Rolle
  165. Die IKG hob bzgl der FPÖ hervor, dass Vilimsky gegen eines der “Rasenmähen” in Gaza “protestiert” hatte…
  166. Oder zum Rassismus im Zuge von Pro-Israel, zB in Österreich…fehlende Distanz zum rechtsextremistischen Pöbel aus der prozionistischen Ecke
  167. Abgesehen davon, der Zionismus ist keineswegs die Gegenthese zu Nationalsozialismus und Holokaust (> I)…
  168. Muzicant liess die Kinder des antizionistischen Rabbiners (?) M. Arye Friedmann aus einer jüdischen Schule ausschliessen – während er Lasar oder Sichrovsky “unangetastet” liess. Es wird im nächsten oder übernächsten Teil nochmal darum gehen, wie er jüdische Anhänger eines echten Ausgleichs mit Palästinensern (v.a. in “seiner” Gemeinde) ausgrenzt und abkanzelt
  169. “Antisemitische Vorfälle…Die Situation der Juden in Europa ist schlimm…60 bis 70 Prozent der Juden überlegten, Europa zu verlassen…Es ist höchste Zeit zum Handeln…es geht so nicht weiter“…
  170. Behielt sich gewissermaßen Vorbehalte gegen die FPÖ vor, “Distanzierung vom Antisemitismus noch nicht glaubwürdig genug, nicht komplett“, bei Strache anscheinend schon
  171. NR-Wahl 08: Muzicant: „Sage überall im Ausland dass rechte (FPÖ-) Wähler keine Nazis sind”
  172. Wie man liest, leugnet Rabbiner Schlomo Hofmeister (IKG) nicht nur die Existenz der Besatzungs- und Siedlergewalt gegen die Palästinenser, sondern die Existenz der Palästinenser an sich
  173. An einer anderen Stelle: “Sie und andere Träumer gehen immer davon aus, dass man mitteleuropäische Konzepte auf den Nahen Osten übertragen kann”…so wie den Zionismus
  174. Die IKG unterhält ein “forum gegen antisemitismus” (fga), das zB die Kommentare auf derstandard.at überwacht, natürlich nur bzgl Israel-Kritik
  175. Auch Brauer (s.o.) hat so etwas wie “Tod den Juden” vorwurfsvoll gesagt, sogar auf Arabisch. Dafür und für Wörter wie “Sharmouta” reichen dann sogar die Arabisch-Kenntnisse, so weit lässt man sich mit den Palästinensern ein
  176. > Besetzungen
  177. Es geht schon auch um die Umstände einer Unabhängigkeit Palästinas. Barak hat 2000 ein Angebot gemacht, das als “grosszügig” dargestellt wurde, aber alles andere als das war, Netanyahu hat mal eine Art “Angebot” dieser Art gemacht, war zu keinem echten Siedlungsstopp bereit, wäre bereit für endlose “Verhandlungen”, aus der Position des Besatzers heraus, kaum zu Zugeständnissen (eher zu Almosen), während seine Partner, wie Bennett und Lieberman, nicht mal dazu bereit sind
  178. Ein Detail dazu: Die Bereitschaftspolizei W-Berlins hatte bis 1970 auch paramilitärische Aufgaben, als Reserve der Alliierten, das Personal war zu einem grossen Teil früher in der Wehrmacht, Einsatzkonzepte stammten aus der Weimarer Republik, sie wurden für den Kalten Krieg umgemodelt; beim Besuch des iranischen Schahs 1967 gab es Gewalt wie in den 1930ern
  179. Ulrike Meinhof schrieb 1961 in „Konkret“ dazu den Artikel „Hitler in Euch“
  180. Worauf ihm der unter dem NS verfolgte Hans Mayer („Jean Améry“) antwortete
  181. > Muzicant, Träumer
  182. Die CSU-Inzucht in Bayern: Oberreuter darf im BR Wahlen kommentieren, einem Sender der natürlich auch dieser Partei nahe steht
  183. Dieser sagte: „Dem Richter hat es schlicht und ergreifend an Mut für eine politisch nicht opportune Entscheidung gefehlt. Deutschland steht im sogenannten Krieg gegen den Terror fest an der Seite der USA und Israels und weltweit auf Platz drei der Rüstungsexporteure. Wer wagt sich heutzutage noch in die Schusslinie, wenn aberwitzige Antisemitismus-Vorwürfe als Munition benutzt werden, um Kriegsgegner mundtot zu machen?“
  184. ZB anlässlich Netanyahus offensiver Politik in Schwarzafrika…
  185. Die westliche Kap-Region ist vermutlich noch die weisseste Gegend Südafrikas, wird von der Democratic Alliance auch so behandelt
  186. Unter der probritischen südafrikanischen Regierung
  187. Südafrika stand GB bzw den Alliierten in diesem Krieg militärisch bei
  188. Als die Situation im südlichen Afrika eskalierte, u.a. mit dem Beginn der Entkolonialisierung der Region; Gerhardt: “Die finale wekroep vir my was die doodslag van talle swart mense….“
  189. Anscheinend hat auch Boris Jelzin für ihn interveniert

Antisemitismus (I)

Einleitendes: alter und neuer Antisemitismus

Die Grenze zwischen “altem” und “neuem” Antisemitismus(-Diskurs) ist mit der Verwirklichung des Zionismus (und einer damit verbundenen “Verwestlichung” des Judentums) anzusetzen.1 Eine solche Einteilung gibt es etwa auch bei Broder. Der sagte in einer Anhörung vor dem Bundestag “Überlassen sie die Beschäftigung mit dem guten alten Antisemitismus à la Horst Mahler den Archäologen, den Antiquaren und den Historikern. Kümmern Sie sich um den modernen Antisemitismus im Kostüm des Antizionismus und um dessen Repräsentanten, die es auch in Ihren Reihen gibt.”2 Also muss man auf den “alten Antisemitismus” eigentlich gar nicht näher eingehen, oder? Also, bei der geballten Kompetenz und Objektivität die ein Broder hier mitbringt. Oder sollte man diese Art von Ablasshandel (v.a. in Deutschland) thematisieren, Unterstützung Israels (bzw Diffamierung der Kritik daran) als Holocaust-Aufarbeitung und -Wiedergutmachung? Die es ja nicht zuletzt bei der CDU/CSU gibt (Kristina Köhler hat auch Broder als “Experten” in den Bundestag geladen).

Lasst uns den “alten Antisemitismus” etwas abhandeln. Juden waren als Nicht-Christen und Nicht-Europäer in Europa in einer “exponierten Lage”. Die christlichen Kirchen sahen Juden vorwiegend als Mörder von Jesus, nicht als dessen “Landsleute”. Angesichts von Konfrontationen mit islamischen Mächten (Kreuzzüge, Osmanen,…) wurden Juden auch als “Verbündete” der Orientalen/Moslems gesehen bzw verfolgt…3 Und im orientalisch-islamischen Raum in späteren Zeiten als “Agenten” Europas. Der Begriff “Antisemitismus” soll in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Marr, einem antjüdischen deutschen Nationalisten, geprägt worden sein. Die Juden wurden/werden hier also über ihre (vermeintliche) Rassen-Zugehörigkeit “definiert”. In der späten Neuzeit setzte sich unter Juden teilweise Säkularisierung und Assimilierung durch; ein guter Teil blieb aber dem religiös geprägten Lebensstil treu. Und, Juden wurden im 19. Jh wichtige Mitwirkende in der westlichen Zivilisation, infolge der Aufklärung, ihrer Beiträge zu Wissenschaften und Künsten, usw. Wenn heute von “jüdisch-christlicher Zivilisation” geredet wird (Merkel,…), wird auf die Wurzeln des Christentums “angespielt” sowie auf die Beiträge von Juden in westlichen Staaten ca. 2000 Jahre später (und das dazwischen ausgeblendet, bzw das heutige Selbstverständnis rückprojeziert).

Europäischer Antijudaismus kam in den islamischen Orient, es entstand dort aber auch ein “autochthoner”. 1840 die Damaskus-Affäre im damals osmanischen Syrien, ein Ritualmordanklage gegen dortige Juden, die zu Interventionen europäischer Grossmächte führte, und zur Gründung der (französisch-jüdischen) Alliance israélite universelle (AIU), die sich fortan in Angelegenheiten “orientalischer” Juden einmischte, vermeintlich zu deren Gunsten. Gegen Ende dieses Jahrhunderts begann die Umsetzung des Zionismus, die Einwanderung von Juden in das ebenfalls noch osmanische Palästina, das von der zionistischen Bewegung als “alte-neue Heimat der Juden” beansprucht wurde. Ab den 1920ern kam es infolge dieser Landnahme zu Konflikten dieser Juden mit der Bevölkerung Palästinas, die infolge der arabischen Eroberung des Landes im 7. Jh arabisiert und islamisiert worden ist, aber von semitischen Völkern wie den Kanaanitern abstammt.

Pierre-Joseph Proudhon (1809–1865), der französische Politiker und Philosoph, deklarierte zumindest in seinen Tagebüchern Hass auf Juden, dachte ihre Ausweisung nach Asien oder “Vernichtung” an, nannte dabei u.a. Heine, Rothschild4, Crémieux (Mitgründer der AIU), Marx, als Gründe für seinen Hass. Proudhons Landsmann (und Zeitgenosse) Joseph E. Renan war ein Gelehrter in semitischen Sprachen und Zivilisationen. Er bestritt, dass die modernen Juden von den antiken abstammen, sah sie (zumindest die aschkenasischen) hauptsächlich als Nachfahren der Khasaren, die im Mittelalter zwischen (und nördlich) Schwarzem und Kaspischem Meer lebten5 und teilweise zum Judentum konvertierten. Es wird hier einmal einen Artikel über diese Fragen geben. An dieser Stelle: Es gab und gibt durchaus Menschen, die irgendwie antijüdisch eingestellt sind, aber (bzw: und) gleichzeitig Anhänger des Zionismus sind; darum wird es auch in diesem Text (und in seinen Fortsetzungen) gehen. Thomas Schmidinger: “Semiten sind ein rassistisches Konstrukt, es gibt nur semitische Sprachen”

Ein nennenswerter Antisemit/Antijudaist aus dem Deutschland der späten Neuzeit war Heinrich von Treitschke, ein Historiker, Publizist und Politiker (Reichstags-Abgeordneter). Mit einem 1879 veröffentlichten Aufsatz löste Treitschke den Berliner Antisemitismusstreit aus; dieser Aufsatz enthält den Satz „Die Juden sind unser Unglück“, der dann vom Nationalsozialismus aufgegriffen wurde. Der Text “Die Protokolle der Weisen von Zion” (angebliche Dokumente eines Treffens von jüdischen Weltverschwörern) wurde erstmals 1903 in Russland veröffentlicht.6 Hilaire Belloc, Historiker, Schreiber, Politiker, sah hinter dem Kapitalismus, den er ablehnte, Juden, stellte sich im Dreyfus-Prozess 1894 auf die Seite von dessen Gegnern. Gleichzeitig sah er Juden auch hinter dem Kommunismus/ Bolschewismus. In seiner Schrift „The Jews“ (1922, dt. „Die Juden“, 1927) sprach er sich dafür aus, Juden ein Heimatland zu geben, um ihren “Einfluss” (im Westen) zu reduzieren…

Klassisch: SHS-Propagandaplakat zur Volksabstimmung in Südost-Kärnten 1920: „In Jugoslawien hat der Bauer das Sagen, in Deutschösterreich haben es die Juden und die Barone!“

Von konservativer Seite kam oft der Vorwurf, dass Juden Agenten der Moderne seien – die „assimilierten“ Juden. Als etwa in der Ersten Republik Österreichs die Sozialdemokraten einen Vorstoss zur Einführung der Ehescheidung unternahmen, sprach der Christlichsoziale Wilhelm Miklas von einem „jüdisch-freimaurerisch-sozialdemokratischen Anschlag“. Man kann auch an Papst Pius IX. denken.7 Kurt Tucholsky ist vom Judentum zum protestantischen Christentum übergetreten, wurde von Gerhard/Gerschom Scholem als “widerwärtiger jüdischer Antisemit” bezeichnet, u.a. wegen dessen „Wendriner“-Geschichten – die aber evtl mehr die Bourgeoisie zeigen sollen (als die Juden). Tucholsky war einer jener missliebigen Deutschen, die 1933 von den Nazis ausgebürgert wurden (zu Staatenlosen).

Es ist fraglich, ob der Antijudaismus im Deutschen Reich grösser war als anderswo, und ob er vom NS (in diesem Ausmaß) oktroyiert wurde oder die Meinung des Volkes wiederspiegelte. Hitlers rassistisch-antijüdische Prägung fand wahrscheinlich in seinen Wiener Jahren (1907-13) statt. Eric Sanders, jüdischer Holocaust-Überlebender (Österreich > GB): “Nicht alle Nazis waren Antisemiten”, einer der sein Freund blieb, sagte, Österreich brauche einfach eine starke Hand. Es ist umstritten, inwiefern sich die Katholische Kirche und insbesondere der Vatikan bezüglich des Holocausts/Holokausts mit-schuldig gemacht haben. Zu Pius XII. hier Einiges. Zu seinem Vorgänger Pius XI. (1922-39; Achille Ratti) gibt es das Buch eines David Kertzer. Als sich Ratti wegen der Judenverfolgung an Mussolini wandte, soll dieser gehöhnt haben, die Faschisten würden die Juden schon nicht so schlecht behandeln, wie die Kirche das in der Vergangenheit getan hatte.

Rhizom: “Das Bild, das die Nazis von den Juden aufrichten, ist alles andere als vielschichtig und facettenreich. Vielmehr reduziert es sich auf einige wenige Motive, zu deren wichtigsten die angebliche ‘Lüsternheit’ der Juden gehört. Durch ständige Bezugnahme auf dieses Motiv gaben die Antisemiten selbst zu erkennen, daß man ihren Judenhaß zuallerst unter dem Aspekt des Sexualneides zu betrachten habe. Monoton wiederholt sich in allen modernen antisemitischen Traktaten das Thema des geilen Juden, der sich planmäßig an arischen Frauen und Mädchen vergehe, wie etwa auch in Hitlers ‘Alpdruckversion der Verführung von Hunderten und Tausenden von Mädchen durch widerwärtige, krummbeinige Judenbastarde’. Und an anderer Stelle schreibt Hitler in Mein Kampf: ‘Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens, Volke raubt.'”

Der Holocaust und die Verwirklichung des Zionismus’ (Ausrufung Israels) kamen ja relativ knapp hinter einander. Holocaust und Zionismus wurden aber erst um 1967 (mit Israels Eroberungskrieg) für viele Juden bedeutend, als Bezugspunkte bzw Komponenten jüdischer Identität8. Mit der Islamkrise, die ab etwa 2001 offensichtlich wurde, veränderte sich der “Antisemitismus”-Diskurs noch einmal. http://www.jf-archiv.de/archiv00/430yy45.htm : Kritik eines Antisemitismus-Buchs von Raphael Gross, in der „Jungen Freiheit“, aus 2000, von Günter Maschke, Ex-Linker; noch weitgehend der altschulische AS-Diskurs. Die “Junge Freiheit” schaukelt inzwischen längst mit Broder Eier (“Westen gegen Islam” usw).9 Maschke damals: „So wie Antisemiten einer bestimmten Spezies nur Juden und Jüdisches sehen, so sieht Gross nur Antisemiten und Antisemitistisches.“ Maschke kommentierte auch: „Wer nicht von den Ursachen des Antisemitismus reden will, sollte auch von diesem schweigen, und schweigen sollte auch der, der sich weigert, dessen Realitätskern zu untersuchen, weil wahnhafte Reaktionen möglich sind. La verdad es siempre deliciosa“.

Götz Aly bringt in seinem Buch “Warum die Deutschen? Warum die Juden?” (2011) Antijudaismus im 19., frühen 20. Jh mit anti-schwabischen Ressentiments im Berlin der 1990er in Zusammenhang. Es habe damals “den Schwaben” als Feindbild gegeben, fleissige Zuwanderer einerseits, andererseits den Berliner, der es gewohnt ist, dass seine Stadt am “Subventionstropf” hängt. Und gut 100 Jahre früher “Trägheit und Ungebildetheit” bei der Mehrheit der “christlich-deutschen Bevölkerung”, die “mit den rasanten Veränderungen der Moderne nicht mitkam, ganz im Gegensatz zu vielen Juden”. “Schwaben raus” sei später an Fassaden gestanden, wo früher “Juden raus” stand. Es ist dieses “Juden werden gehasst weil so smart/erfolgreich/…”, das es in vielen Variationen gibt.

In den 00ern ist der AS-Diskurs in gewisser Hinsicht entgleist. Mit der Islamkrise wurden Juden im Westen das Prachtstück westlicher Zivilisation und Trumpf gegen orientalische Barbarei. Der “Antisemitismus”-Diskurs wurde in den Dienst von Islamophobie und Zionismus gestellt, und von einem neuen “Westismus”. “Antisemitismus”-Vorwürfe kommen schnell daher, auf allen Ebenen, gegen Journalisten, Akademiker,… Es wurde ein „neuer Antisemitismus“ entdeckt, der die Funktion übernahm, Israel international vor Kritik zu schützen. Dieser äussere sich natürlich in „Israelkritik“, käme von Linken, Rechten wie Moslems. Der Vorwurf kommt von Rechtskonservativen, Pseudolinken, Israel-Lobbyisten, die sich gerne als „Experten“ deklarieren. Laut Netanjahu (auch ein „Antisemitismus-Experte“) vermischt sich “der neue Antisemitismus” etwa von radikalisierten Muslimen mit dem “klassischen Antisemitismus” der Rechten. “Anti”deutsche und andere Anwender behandeln (vermeintlichen/tatsächlichen) Antisemitismus nicht, um ihn zu bekämpfen, sondern als politische Ideologie, um darüber Freund und Feind zu markieren. Das Schwingen der diesbezüglichen Keule bedeutet “Ich habe keine Argumente aber ich würde mich gerne moralisch über dich stellen”.

Es gibt inzwischen auch schon einen ganz neuen Antisemitismus, struktureller/tendenzieller/sekundärer „AS“; auch Kritiker der Politik US-amerikanischer Regierungen werden damit belegt, und Menschen, die sich gegen Rassismus oder für Belange des globalen Südens einsetzen. Nicht zuletzt in Deutschland hat sich das Konzept des “neuen Antisemitismus” etabliert und ein damit zusammenhängender McCarthyismus10, und Österreich ist in gewisser Hinsicht der Blinddarm von Deutschland. Ludwig Watzal: Ein sogenannter neuer Antisemitismus ist zum Kampfbegriff der zionistischen Israellobby geworden…In Deutschland ist keine rationale Debatte über das zionistische Regime mehr möglich…Antisemitismus ist das Vorurteil oder der Hass auf Juden wegen ihres Jude-seins. Da diese „primäre“, plumpe Form heutzutage weltweit geächtet ist, haben die diversen israelischen Regierungen und die mit ihr aufs engste kooperierende Israellobby Surrogate in Form neuer Spielarten oder Elementen des Antisemitismus ausgemacht. Zum Beispiel den sekundären Antisemitismus, der sich aus dem Schamgefühl und der Verdrängung über die Verbrechen am europäischen Judentum speist. Überspitzt und zynisch könnte man formulieren, dass es sich dabei um Judenhass nicht trotz, sondern wegen Ausschwitz handelt. Einige rechtslastige Israel-Unterstützer sprechen sogar schon vom „tertiärem“ Antisemitismus und meinen damit den „Hass auf Israel“. Für sie gilt bereits der Antizionismus als „sekundärer Antisemitismus“.

Schon klar, Watzal ist ein “bekannter antiisraelischer” Schreiber. Ist er das? Er gilt deshalb als “antiisraelisch” und wird auch als “antisemitisch” diffamiert, weil er Verschiedenes an Israel aufzeigt, das nicht so schmeichelhaft ist… Und der “alte Antisemitismus” ist in gewisser Hinsicht weiter gewandert bzw umgewandelt worden. Der französische Rassentheoretiker Arthur (de) Gobineau 1853: „Der Anteil an arischem Blut, das bereits so oft verwässert worden ist, der in unseren Ländern noch immer existiert und ganz alleine verantwortlich ist für die Aufrechterhaltung unserer Gesellschaft, kommt Tag für Tag der letzten Grenze vor dem völligen Aufgehen näher.“  Befunde dieser Art liest man auch heutzutage, darin geht es dann um “Zuwanderung” und “Kultur” (nicht mehr um Rassenmischung). Und, zwischen den Israel-Lobbyisten (jüdischen und anderen) und diesen Kulturkämpfern gibt es eine ziemlich grosse Schnittmenge.

In Deutschland/Österreich gibt es wöchentlich eine Antisemitismus-Konferenz/ TV-Dokumentation/ Diskussionsrunde/ Politikermahnung/…11 Abraham “Abi” Melzer (von dem wir noch lesen werden, ein Stachel im Fleisch des Anpasslertums): “Das Anti-Antisemitismus-Geschrei floriert im heutigen Deutschland mehr denn je”. Wenn irgendwo über “Antisemitismus” geschrieben oder geredet wird, kann man davon ausgehen, dass eine Kritikabwehr an Israel und/oder eine islamophobe Zielrichtung dahinter steht. Verbunden hat sich das mit dem Holocaust-Gedenken (bzw seiner Aufarbeitung). Das gilt nicht nur für bundesdeutsche Antisemitismusbehandlungen. Vor einigen Jahren gab es eine UN-“Konferenz über Antisemitismus” mit Elie(zer) Wiesel, bei der, dem Zeitgeist folgend, “Israel-Kritik” in den Mittelpunkt gerückt wurde; Wiesel ist einer, der zumindest das Siedlungs/Verdrängungsprojekt in Jerusalem/Quds unterstützt hat. Man denke hier auch an die Rassismus-Konferenzen der UN und die Hysterie darüber. Deutschland leistet sich auch einen Regierungsbeauftragten für Antisemitismus.12

Die Studien, Diskussionen, Bücher, Artikel, Sendungen, Umfragen,… zum Antisemitismus zeichnen sich in der Regel durch einen aufdeckerischen Anspruch und alarmistischen und anklagenden Charakter aus. Antisemitismus wird immer wieder neu entdeckt (oder es wird diesbezüglich auf einander verwiesen), als ausufernd und grosse Gefahr dargestellt, Untätigkeit bzw Beschwichtigung beklagt. Man kann sich fragen, ob die “Antisemitismus-Forscher” (staatliche und private) nicht vom Problem leben, das sie “untersuchen” (so ähnlich wie die “Bewerbungsindustrie” von den Arbeitslosen); ein nicht-alarmistischer Befund, kann man sich so etwas überhaupt leisten? Der AS wird in solchen “Untersuchungen” meist so definiert, dass praktisch jede “Israel-Kritik” darunter fällt, es werden Querfronten “konstatiert”, die Enkel der Nazi-Täter-Generation dozieren darüber dass Deutschland, Europa, der Westen Beschützer der Juden, hauptsächlich vor den Orientalen, zu sein haben, aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Westen und ihrer früheren Verfolgung dort; Juden bekommen den Part des unschuldigen und gefährdeten potentiellen Opfers. Ein Streifzug durch die letzten 10, 15 Jahre:

2004 erschien das Buch “Neuer Antisemitismus?”, herausgegeben von Doron Rabinovici, Ulrich Speck, Natan Sznaider ( darin ua Alain Finkielkraut); dazu erschien dann eine Fortsetzung. An der Volkshochschule Wien gab und gibt es etliche Veranstaltungen/Vorträge zum AS, vom Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung zusammen mit dem DÖW, von einschlägigen Figuren wie Andreas Peham, Judith Götz, Bernhard Weidinger,…, zB zum “Verhältnis von Antisemitismus und Fußball in Österreich”.13 Dann, einmal die TV-Doku eines Thorsten Berrar zum Thema, über israelische Politik, Krav Maga, Kreuzberg,… Weiter, orf.at berichtet von einer Umfrage unter 16 000 Juden in der EU, Antisemitismus sei aus ihrer Sicht am Vormarsch, sei dabei, “normalisiert” zu werden (werde teilweise nicht als solcher wahrgenommen). Die am häufigsten erlebte “Hetzparole” sei „Israel agiert gegen Palästina wie die Nazis gegen Juden“. Die Israelitische Kulturgemeinde (IKG) Wien reagierte betroffen auf den Bericht.

2010 präsentierte die israelische Regierung unter Netanyahu einen Bericht des “Antisemitismus-Forschungszentrums” der Universität von Tel Aviv, das “antisemitische Taten in aller Welt zählt.” Der Antisemitismus sei auf dem höchstem Stand seit zehn Jahren, hiess es in dem Bericht. Es wurde eine “extremistische Propaganda gegen Israel nach der Operation ‘Gegossenes Blei’” behauptet, wobei es zu einem Zusammenschluss zwischen radikalen Islamisten und klassischen Antisemiten gekommen sei. Zum Jahreswechsel 2008/09 griff das israelische Militär den Gaza-Streifen massiv an (dies war die “Operation”), tötete dabei etwa 1500 Palästinenser, richtete gewaltige Zerstörungen an, bei etwa 15 israelischen Opfern, begründete dies mit “Raketenangriffen” aus Gaza. Netanyahu machte bei der Präsentation auch den Bericht der UN-Untersuchungskommission über die israelische Militäraktion, den sogenannten Goldstone-Bericht, für die “Zunahme des Antisemitismus” verantwortlich… Die “Militäroperation” an sich war ja auch kein “Problem”, sondern der Untersuchungsbericht und das was “Islamisten” und “Nazis” daraus gemacht haben. Zumindest sieht das der politisch Verantwortliche für die “Operation” so, und praktischerweise bescheinigt das auch eine “Untersuchung”. Ein vorzügliches Beispiel für die Praxis des “Antisemitismus”-Diskurses, hier zur Diffamierung von Kritik an dieser Militäraktion…14

Die Doku eines Adrian Oeser (HR), lief zB auf Servus TV („Im Kontext“), das Übliche: „Neuer/islamischer Antisemitismus“, Hysterie, Alarmismus,… Eine Ausstellung im Jüdischen Musum Wien zum Thema. ORF.at berichtete dann einmal: “Hass und Gewalt gegen Juden: Europaweite Umfrage zeichnet beängstigendes Bild…Belästigungen von Juden haben 2013 einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew Research Center zufolge global betrachtet ein Siebenjahreshoch erreicht. Besonders auffällig sei der Anstieg der Vorfälle in Europa.” 2018 eine „Antisemitismus-Konferenz“ im Rahmen der Wiener Vorlesungen („An End to Antisemitism!“), mit Bernard-Henri Levy, Monika Schwarz-Friesel, Dina Porat, Klaus Dawydowicz, Armin Lange,… und Ariel Muzikant, dem langjährigen IKG-Vorsitzenden. Damit die Veranstaltung auch nicht zu objektiv wird. Schwarz-Friesel: Antisemitismus verändere sein Gesicht; bzw die Definition wird von Leuten wie ihr verändert, damit sie passt. EJC (European Jewish Congress) und IKG wollten demnächst eine grosse „Antisemitismus-Konferenz“ veranstalten, hiess es damals (siehe dazu unten).

Michael Friedman, “dieser streitbare und immer irgendwie sehr besondere Medienmacher”, widmete sich in seiner Reportagereihe “Friedman schaut hin” auf Welt (dem früheren N24) auch dem “wachsenden Antisemitismus” in Deutschland; “unfassbare Schilderungen” soll es dabei gegeben gaben, bezüglich des “neuen Antisemitismus'”.15 2018 dann die EU-“Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus” in Wien, von EJC (Ariel Muzicant), der IKG Wien (Oskar Deutsch) und dem österreichischen Bundeskanzleramt (Sebastian Kurz) organisiert. Auch so ein Inquisitionstribunal gegen Israel-Kritik, verbunden mit Exkulpationen. Ein ander’ Mal eine Art Studie von Julius Schoeps vom Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam. Juden in Deutschland sähen sich mit einer neuen Form des Antisemitismus konfrontiert, es fände eine Verschiebung vom „rechtsradikalen ins muslimische Milieu“ statt, Schoeps sähe schwarz bezüglich der Zukunft des traditionellen Judentums in Deutschland. Wieder der Kanon, der 1000. Aufguss, im wissenschaftlichen Kleid.

2019 hat die israelische Regierung, spezifisch das Diaspora-Ministerium unter Naftali Bennett16, anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags einen “weltweiten Anstieg antisemitischer Taten” angeprangert. Rund 70 Prozent der Übergriffe seien “anti-israelisch” motiviert gewesen. Vor diesem Hintergrund müsse Israel “den Millionen Juden in der Diaspora helfen, die immer mehr antisemitischen Verbrechen ausgesetzt sind”, so Minister Bennett.17 Ein Extrembeispiel: “Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, ein Film fürs Fernsehen von Joachim Schroeder (> “Entweder Broder – Die Deutschland-Safari”) und Sophie Hafner (WDR), so tendenziös dass ihn ARD und Arte zunächst nicht ausstrahlen wollten. Arte brachte nach Sendung des Propagandafilms eine Diskussion, u.a. mit Michael Wolffsohn, Achmed Mansour, Rolf Verleger. Der Film sollte eigentlich eine Dokumentation über Antisemitismus in Europa sein, durch die Reaktionen wurden die Macher (und ihr Umfeld) dazu motiviert, das Lied über die „Wahrheit über Antisemitismus, über die nicht gesprochen werden darf“ zu singen, sich als “Underdog” zu geben.

Der Film beginnt mit einem Reisebericht in den Gaza-Streifen, unterlegt mit “Fakten” die belegen sollen, denen geht’s ja gar nicht soo schlecht, zB einen Vergleich der Bevölkerungs-Dichte Gazas mit jener von Paris18, bringt folgerichtig auch Mohammed al Husseini, Grigat, Alexander Feuerherdt, A. Mansour19, Memri-Clips, NGO-monitor, Nathan Jessen,… Es wird versucht, Palästina-Solidarität und Israel-Kritik20 über den „Antisemitismus“-Diskurs und eine Instrumentalisierung des Holocausts zu diffamieren bzw israelische Politik zu apologetisieren (inklusive seiner Siedlungs-Politik), die Nakba zu verharmlosen. Von der UNRWA bis zur Linken-Politikerin Annette Groth kriegt da jeder, der sich irgendwie für Palästinenser einsetzt(e), sein Fett ab. Sehr sehr deutsch.

2017 auch schon eine „Antisemitismus-Doku“ dieses Schröder, „Der ewige Antisemit“ (für ARD), mit Henryk Broder und Leon de Winter, dazu Hamed Abdelsamad, eine Fahrt durch Europa. Es geht natürlich um Haltungen ggü Israel (werden Juden von diesen Israel-Freunden mit Israel in Verbindung gebracht), Linke und Moslems werden als Schuldige präsentiert, es wird „antiisraelisches Propagandamaterial“ in einem Uni-Seminar in Hildesheim angeprangert, Juden fix in einer Opferrolle verortet, über einen Puschel, der von SPD zu NPD ging, berichtet; natürlich nichts über rechte Israel-Begeisterung, nichts über Zustimmung für Broder von ganz rechts,… In einem Ankündigungstext zu dem Film, der anscheinend von einem Ulrich Gambke (BR) stammt, wird der Film als „klug und witzig“ gelobt, von einer „Handvoll Juden die noch in Europa leben“ (!) gefaselt21, und dass es zwischen Broder und De Winter „Liebe auf den ersten Blick“ gegeben habe. Das dürfte sogar stimmen, die beiden sind ähnlich radikal und rassistisch gepolt.22

Eine positive Ausnahme von diesem “Antisemitismus”-Diskurs kam ausgerechnet von einem israelischen Filmemacher, Yoav Shamir. Sein Film über den “neuen Antisemitismus”, “Defamation”, ist eine seltene kritische Thematisierung. Der AS-Vorwurf wird “benutzt, um eigenes Versagen zu verarbeiten und damit Politik zu machen”, heisst es da. Shamir hat sich auch mit der ADL angelegt, deren Chef Foxman auch in dem Film vorkommt. Mit seinem Gegen-den-Strom-schwimmen hat er sich wenige Freunde gemacht. Mutige Wahrheitssuche angesichts Propaganda wird selten belohnt. Eine Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) zu Antisemitismus wurde vor einiger Zeit präsentiert. Dieser sei “wieder” auf dem Vormarsch, besonders in Ungarn, Frankreich und Belgien. Es wurden dazu Juden befragt, und die Studie wurde vom EJC präsentiert. Antisemitismus käme primär im Internet – zum Beispiel auf Videoplattformen wie YouTube – und in den Medien zum Ausdruck. Serge Cwajgenbaum, Generalsekretär des EJC, bedankte sich bei der FRA, Antisemitismus sei keine jüdische, sondern eine demokratische Angelegenheit. Muzicant, als Vizepräsident des EJC bei der Präsentation vertreten, behauptete auch dass vor allem das Internet anfällig für antisemitische Inhalte sei, und nannte die Seite Alpen-donau.info, die 2011 vom Netz genommen wurde. „Die Redefreiheit endet dort, wo Hasskriminalität beginnt“, so Muzicant.

Es ist aber so, dass Redefreiheit an ganz anderen “Punkten” endet (leider), und dass verbaler Hass eigentlich in alle Richtungen geahndet werden sollte, das wäre tatsächlich eine demokratische Angelegenheit. Bei “Israel-Kritik”23 wird in der Regel versucht, die Meinungs-/Redefreiheit einzuschränken, über ihre Diffamierung als “antisemitisch”. Bei Hassreden von der israelischen/proisraelischen Seite ist man da “toleranter”. Der US-amerikanische Politiker “Dick” Armey (RP) rief etwa ’02 zur Ausweisung der Palästinenser aus ihren Rest-/Autonomiegebieten auf, und Inbesitznahme des Landes durch Israel. Weder ist Armey ein Aussenseiter (er war, auch damals, Fraktionschef seiner Partei im Repräsentantenhaus), noch ist diese Äusserung ein “Ausreisser”, von israelischen Politikern, Journalisten,… wird so etwas immer wieder gefordert (von Israel-Fans ohnehin). Als der malaysische Premierminister Mahathir Mohammad 03 sagte, Juden beherrschten die Welt indem sie Andere für sich kämpfen liessen, gab es grosse Aufregung. Bei Armey aber…oder bei David Bukay oder Naftali Bennett oder auf Youtube (sowohl was Videos als auch was Kommentare betrifft) – dazu noch mehr.

Antisemitismus-Untersuchungen sind nur dann seriös, wenn sie auch Rassismus und Hetze von jüdischer und philosemitischer Seite (in der Israel-Solidarität) mit berücksichtigen, auch die Politik von Israel gegenüber den Palästinensern und der Region, und nicht die eine Seite von Vorhinein in der Opferrolle verortet. Ansonsten sind sie nicht einfach nur wertlos sondern haben einen negativen Wert, ist ein parteiischer Charakter zu attestieren, sind sie Propaganda-Bestandteil des Konflikts. Und da festzustellen ist, da es hier einige blinde Flecken gibt, widmet sich dieser Text auch diesen. Nicht nur, dass sich der Umgang von Israel-Fürsprechern (Zionisten) mit Kritik an Israel meist im Schwingen der “Antisemitismus”-Keule erschöpft bzw Versuchen, die Kritik in dieses Schema zu pressen – daneben ist auch deren Rassismus, Verachtung (die dem “Nahost-Konflikt” zu Grunde liegt!) eine Art Tabu. Tiara wartet noch immer auf die Studie, die sich zB mit dem Rassismus und der Menschenverachtung von Israel-Fans im deutschsprachigen Raum beschäftigt, etwa anhand der Auswertung von IT-Foren. Über ihre Motive und Methoden. Oder allgemein über deutsch-österreichische Israel-Begeisterung.

Es wäre ergiebig, eine Analyse durch zu führen von gewissen Studienabschlussarbeiten, etwa der eines “anti”deutschen Recken in Österreich, über palästinensische Anschläge in Österreich (ob er da ein Problem bzw einen Feind gefunden hat, das/der ihm die gewünschte Verbindung herstellt?), oder die eines zionistischen Einpeitschers in Deutschland, über die zionistische Aktivität im Deutschland der 1920er (ja, die gab es dort bevor Hitler an die Macht kam und als sie in Palästina mit der Verdrängung richtig begann). Daher geht es hier auch darum, Israel-“Solidarität” zu beleuchten, nicht nur jene im „deutschen“ Raum, ungleiche Standards im Zusammenhang damit,… Es gibt die Parteinahme für Israel als NS-“Aufarbeitungsarbeit” (hauptsächlich in “Deutschösterreich”), verbunden mit dem Versuch, die lange Geschichte des christlichen Antijudaismus überhaupt zu entsorgen, diesen den “Orientalen” umzuhängen. Auch im wissenschaftlichen Gewande. Israel-Kritik und Antijudaismus werden vermischt, Islamismus und Widerstand,… Man gibt sich als Antisemitenjäger und versucht damit, das eigene rassistische Handeln/Denken zu überdecken oder auch seine Verstrickungen in oder Präferenzen für verbrecherische Politik und nimmt gegebenenfalls noch die Rolle des über jeden Verdacht erhabenen Richters bzw. des objektiven Wissenschafters ein. Der Missbrauch des “Antisemitismus”begriffs (bzw die Umformung zum Kampfbegriff) dient auch als ideologische Hülle für den eigenen Rassismus.

Eckhard Jesse: “Viele Kritiker des Antisemitismus argumentieren umso lautstarker und unbarmherziger, je schwächer er in Wirklichkeit ist.” Die diesbezüglichen Alarmierungen und die Vorwürfe sind in den letzten (über 15) Jahren inflationär geworden. Es gibt Institute und Forscher, deren Existenzzweck es ist, „Antisemitismus“ zu finden, andere dessen zu zeihen, anzuprangern. Da gibt es persönlich-berufliche Motive und natürlich die politische Agenda. Das zionistische Antisemitismus-Verständnis bzw die diesbezügliche Verwendung (also zur Abwehr unliebsamer Kritik an Israel) scheint sich durchzusetzen, ist mehr oder weniger die Norm geworden.24 Teilweise ist dieses Konzept an der Bezeichnung “neuer Antisemitismus” erkennbar. Im Zuge dieser Zionismusapologetik wird sehr gerne auch Antiimperialismus zu diffamieren versucht, ein Neokonservativismus beworben, werden historisch-politische Abrechnungen gemacht,… “Antisemitismus”-Vorwürfe werden gerne erhoben, um den eigenen Chauvinismus zu maskieren, der aber in dieser Maskierung steckt (nach der Art “Wir sind zivilisiert, sie nicht”). Juden werden in “Antisemitismus-Untersuchungen” in der Regel mit Israel verbunden, werden praktisch nur als potentielle Opfer gesehen. Kontextualisierung wird von Manchen schon als seine Relativierung/Verkennung/Leugnung angesehen, ebenso, Antisemitismus in eine Reihe mit anderen Rassismen /Diskriminierungen zu stellen. Auf kritische Rezeptionen folgen oft aggressive Reaktionen.

Zu den einzelnen Kapiteln: Jede kritische Thematisierung israelischer Politik wird mit dem Judentum in Zusammenhang gebracht, als „gegen Juden“ gerichtet. Darum geht es im 2. Kapitel. Wer bringt eigentlich immer Juden in Verbindung mit Israel? Teil II dieser Untersuchung beschäftigt sich mit Israel und der Rechten, Teil III mit Israel in seiner Region und in der Welt (aus verschiedenen, teilweise bereits genannten, Gründen kommt man nicht herum, hier auch den sogenannten “Nahostkonflikt” zu behandeln). Teil IV besteht aus: Islamismus, moslemischer Antisemitismus und der Blick darauf; schliesslich der Blick auf den Diskurs und die Mechanismen des „Antisemitismus“-Diskurses sowie einige Literatur-Empfehlungen sowie IT-Links

Die Verbindung Juden-Israel

Der wichtigste Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, sah einen jüdischen Nationalstaat als Lösung für den Antisemitismus.25 Diese Lösung war gleichzeitig die Alternative zur “Diaspora”. Der Holocaust, quasi der Gipfel der europäischen Judenverfolgungen, bestätigte diese Sicht für Viele. Der israelische Historiker Tom Segev brachte in seinem Buch “Die siebte Million” die These, dass die jüdische Gemeinschaft in Palästina zur Zeit des NS/2.WK mehr an der Schaffung ihres eigenen Staates interessiert waren als an der Rettung europäischer Juden. Auch bezüglich 1948 und 1967 räumt er mit zionistischen Mythen auf. Nachdem mit dem Krieg ’67 Israel wie auch der Holocaust für Juden allgemein bedeutender wurden, entstand der Vorwurf, Gegnerschaft zum Zionismus bzw zu Israel richte sich gegen die (“nationale”) Selbstbestimmung der Juden, diskriminiere Juden negativ gegenüber Anderen, komme aus einer antisemitischen/antijüdischen Haltung heraus (bzw sei gleichbedeutend mit Antisemitismus) – auch wenn es sich (bei diesen Gegnern) um Juden handelte oder Palästinenser, die betroffen waren von Vertreibungen, Enteignungen,… im Zuge der Verwirklichung des Zionismus.

Während man die Zustimmung (und konkrete Unterstützung) von Rechten oder Staaten im Westen (nicht zuletzt aus bzw von der BR Deutschland) nahm, ohne so viel zu analysieren… Inzwischen wird nicht nur Gegnerschaft zum Zionismus sondern auch Kritik an manchen seiner Spezifika als “antisemitisch” eingestuft. Und, diese “Einstufungen” kommen auch von nicht-jüdischen “Westlern”, nicht zuletzt aus Deutschland. Die Gleichsetzung von Judentum und Israel ist wahrscheinlich genauso problematisch wie der daraus resultierende Umkehrschluss (also keine Verbindung gegeben) falsch. Früher (teilweise auch jetzt noch) wurde (und das nicht ganz zu Unrecht) als antisemitisch kritisiert, Juden (an sich) mit Israel und seiner Politik in Verbindung zu bringen. Was heute, zumindest im deutschen Raum, hegemonial ist, ist aus „Israel-Kritik“ „Antisemitismus“ zu machen. In anderen Worten: Die feste Verbindung Israel-Juden die von Antisemiten hergestellt wurde, wird nun von ihrem vermeintlichen Gegenpol hergestellt. Das Jüdische an Israel und die Verbindung der Juden zu Israel kehren immer die Zionisten heraus, im Positiven wie im Negativen.

Anti-Antisemitismus-Kundgebungen (wie diese in Berlin im Sep. 2014) immer mit Israel-Flaggen…

Dass Israelkritik per se Judenfeindlichkeit sei (bzw aus ihr komme), hilft natürlich bei der Unterdrückung der Thematisierung der Unterdrückung der Palästinenser und anderen Realitäten des Zionismus. Das offizielle Judentum, der Zentralrat der Juden in Deutschland oder IKG in Österreich, und seine führenden Vertreter verteidigen Israel und seine Politik, identifizieren sich damit. Wie und warum sollen da Andere differenzieren? Aus solchen Differenzierungen wird ausserdem auch ein (Antisemitismus-) Vorwurf konstruiert. IKG-Chef Deutsch hat über jemanden (vergessen, wer es war), der israelische Politik kritisierte, sich auch für Aufarbeitung des Holocausts einsetzte, gesagt, dieser habe anscheinend “ein Problem mit lebenden Juden“… Umgekehrt erhebt auch Israel (seine Regierung, staatlichen Organe,…) den Anspruch, für Juden überall auf der Welt zu sprechen. Alle „Antisemitismus“-Diskussionen werden mit „Israel“ in Verbindung gebracht, alle “IL”-Diskussionen mit “AS”…hauptsächlich von den IL-Freunden. Auch, weil “man” sich bezüglich Israel-Kritik in der Regel nur mit “Antisemitismus”-Vorwürfen zu helfen weiss.26

Die Haltung zu Israel zählt, entscheidet darüber, ob jemand “Antisemit” ist oder nicht, meinen Hauptstrom-Zionisten aus Israel oder der “Diaspora” (Netanyahu, Broder,…), und Rechte im Westen wie Strache oder „Staberl“ nehmen das gerne auf (“Ich bin pro Israel, kann also kein Antisemit sein”). Für die meisten jüdischen und nichtjüdischen Zionisten ist nur ein zionistischer Jude ein kompletter Jude; viele Antisemiten/Antijudaisten sehen das auch so. Israel versucht, Juden weltweit an sich zu binden, braucht dazu auch Antijudaismus, dazu noch mehr. Viele „Diaspora“-Juden neigen dazu, Israel blind zu verteidigen, so wie die „(Neue) Kronen Zeitung“ reflexartig Polizisten verteidigt, egal um was es geht, egal wessen sie beschuldigt werden; und je berechtigter der Vorwurf ist bzw diese in Bedrängnis sind, desto engagierter und sturer wird diese Verteidigungshaltung eingenommen. Broder und auch Michel Friedman antworteten beide öfters mit einer Gegenfrage nach “Island”, als sie auf Israel nach angesprochen wurden und ihre Verbindung dazu…als ob sie keine hätten, ganz entgegen ihrem sonstigen Wirken und der Bedeutung (bzw Priorität) die Israel ganz offensichtlich für sie hat.27 „Der jüdische Staat“ oder „der Staat der Juden“, eigentlich ist da ein Unterschied. Israel ist in seinem Selbstverständnis beides (und auch im Verständnis seiner jüdischen und nicht-jüdischen Anhänger). Daher ist es auch nicht der Staat seiner Bürger und noch weniger aller seiner Einwohner (der Menschen die unter seiner Herrschaft leben); sondern Staat der (beziehungsweise aller) Juden.

Das Judentum ist eigentlich mehr als eine Religion; es ist (auch) eine ethnoreligiöse Gemeinschaft, Judentum ist zT biologisch definiert (jüdische Mutter). Auch wenn es zu allen Zeiten Übertritte zum Judentum gab. Für jene Juden, die religiös sind, steht der ethnische Charakter des Judentums in der Regel im Hintergrund, für jene Juden die nicht religiös sind, ist es eher umgekehrt.28 Der israelische Schriftsteller Joram Kaniuk hat sich 2011 (2 Jahre vor seinem Tod) das Recht erkämpft, sich als „religionslos“ registrieren zu lassen. Er könne daher sehr wohl Jude von Nationalität und gleichzeitig religionslos sein. Die israelische Justiz gab dem schliesslich nach. Da Judentum seine Nationalität/Ethnizität blieb (wenn auch nicht seine Religion), verlor er keine Privilegien im israelischen System. Israel unterstellt Juden weltweit nicht nur einen Bezug zu „Israel“, es sieht sie auch als “Israelis im Wartestand”. Oswald Rufeisen, ein polnischer Jude, in der Zwischenkriegszeit zionistisch geprägt (Akiva,…), überlebte den Holokaust durch Versteck in einem Kloster, wurde selbst katholisch, sogar Mönch und Priester; er wollte dann in den 1950ern von Polen nach Israel einwandern, pochte darauf, Volks-Jude geblieben zu sein, versuchte sich das Recht auf Einwanderung als Jude zu erkämpfen; “indirekt” wurde ihm das zugestanden, er zog in’s Karmeliter-Kloster in Haifa, tat etwas für christlich-jüdische „Koexistenz“.

Als Michael Douglas vor einigen Jahren auf einer AIPAC-Konferenz auftrat, stand in einer evangelikalen Publikation (aus dem Umfeld des Mitternachtsruf) etwas Begeistertes darüber, dass sich der “amerikanische Jude” für Israel einsetzte > das ist er primär für Zionisten (jüdische und nichtjüdische) und (echte) Antisemiten, ein (amerikanischer) Jude. Echte Antisemiten können aber auch sehr wohl pro-zionistisch sein, Antijudaismus und Philozionismus schliessen sich keineswegs aus. Aber der Zionismus trat/tritt selbst oft-genug antijüdisch auf, auch wenn er einen “jüdischen Staat” propagiert. Es wurde das Bild des “neuen Juden” propagiert, des wehrhaften Juden, des „Muskeljuden“ (wie Max Nordau ihn nannte), der mit Abscheu auf die europäischen Juden blickt, die “Opfer” bzw “hilflos” geblieben sind, gewissermaßen die „ewigen Juden“. Auf der Suche nach einer neuen jüdischen Identität bedient(e) sich der Zionismus/Israel selber antisemitischer Vorurteile, in seiner Verachtung für die Diaspora, für Religiöse, für Orientale,… Von zionistischen Führern wie Herzl oder Arthur Ruppin sind Stellungnahmen überliefert, wonach Hass auf (Diaspora-) Juden in ihrem Sinne ist (siehe dazu auch unten).

Ariel Muzicant hat um 2000 herum (vor der Radikalisierung) in einer ORF-Diskussions-Sendung aus Hassbriefen an die IKG zitiert, darunter aus einem in dem es hiess “Wir schätzen die Israelis aber verachten die orthodoxen Saujuden”. Nun, das gibt es öfters, eine derartige Haltung… Und, wie hat Broder gesagt: „Kritik an der israelischen Politik, das ist der einzige zeitgenössische Antisemitismus, der von Bedeutung ist“ (Verharmlosung/Rehabilitierung Rechtsextremismus und Rassismus gg Andere als Juden ist ein Kerntopos bei ihm), und viele andere Zionisten sehen das auch so. > Also ist das eigentlich kein Antisemitismus, zumindest keiner von Bedeutung (?). In der selben Sendung hat der FPÖ-Politiker Harald Ofner von seinen jüdischen Freunden gesprochen, welche von gewissen Moslems Angst hätten, sich als Freund/Beschützer der Juden gegeben, ein Fingerzeig in die Zukunft

1903 das Pogrom an Juden in Chisinau/Kischinow, Bessarabien, damals im Russischen Reich, ca. 50 Tote, grosse psychologische Wirkung unter den Überlebenden, der Zionismus bekam dadurch auch Zulauf. Der russische Innenminister Vyacheslav von Plehve wird als Organisator des Pogroms gesehen; er traf bald darauf Herzl (in St. Petersburg), die beiden vereinbarten ein Stillschweigen Herzls zum Pogrom gegen ein gutes Wort des Zaren beim osmanischen Sultan für den Zionismus (der ja das damals osmanische Palästina betraf). David Grün (später Ben Gurion und jahrzehnte lang Chef des zionistischen Projekts in Palästina) schrieb in seinen Memoiren über seine Jugend im ebenfalls russischen Ost-Polen, er sei nicht wegen Antisemitismus aus Płońsk nach Palästina gezogen, er habe wenig davon erfahren, es sei nicht um negative Gründe sondern um den positiven des “Wiederaufbau des Heimatlandes” gegangen. Es gab auch eine Bewunderung von Nationalsozialisten für den Zionismus, und eine Zusammenarbeit…; darüber im Teil über den “revisionistischen” Zionismus und in der Passage davor. Auch der Ukraine-Abschnitt (Petljura,…) ist in diesem Kontext relevant.

Rechte Judenfeinde, die den Zionismus bewunder(te)n und ihn unterstütz(t)en, vom zaristischen Russland über Mildenstein zu Apartheid-Südafrika und den Evangelikalen…29 Das war/ist nicht einseitig, wurde/wird auch erwidert, wie noch aufgezeigt wird, schlug/schlägt sich in Zusammenarbeiten nieder. Rechtsdiktaturen in Lateinamerika hatten in der Vergangenheit oft Nazi-Verbindungen (> Aufnahme ehemaliger und Sympathien für dieses System), dennoch (oder gerade deshalb…) war eine Israel-Verbindung meist nicht weit. Über Nihal Atsiz wurde im