Geschichte im Film

Hier geht es um Filme und (vergangene) Realität, somit hauptsächlich um Historienfilme: Verfilmungen historischer Stoffe mit vielen oder wenigen fiktiven Elementen, bzw Spielfilme mit thematischem Bezug zur Geschichte. Die Darstellungsformen der Vergangenheit variieren. Historienfilme können filmische Entsprechungen zu historischen Romanen sein, manchmal auch einfach deren filmische Umsetzung (Verfilmungen, zB „Ben Hur“). Fiktive Filmerzählungen, deren Handlungen vor historischer Kulisse angesiedelt sind. Kleine Geschichte eingebettet in die grosse. Die andere Form ist die Verfilmung eines historischen Stoffes ohne fiktive Elemente, z.B. die Stauffenberg-Attentat-Filme. Die Darstellung grosser Geschichte, die Dramatisierung historischer Begebenheiten bei Veränderungen von Details.

Daneben gibts auch die Entsprechung zu oder Umsetzung von historischer Fiktion bzw Alternativgeschichten/Kontrafaktik, wie „Inglorious Basterds“. Und Historienfilme, die grosse Geschichte bringt (also nicht zB eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des USA-Bürgerkriegs, wie “Vom Winde verweht”), aber in “verschlüsselter” bzw fiktionalisierter Form, mit auf tatsächlichen Personen basierenden Figuren. Monumentalfilme (engl. epic film; aufwändig, epische Breite,…) sind oft Historienfilme, wie “Gladiator”, “Exodus”, “Cleopatra”.

Die englischen Entsprechungen zu “Historienfilm”, historical (fiction) film und historical (period) drama, bezeichnen mehr oder weniger dasselbe; der erstere Ausdruck vielleicht eher Filme mit Fiktion im Vordergerund, der zweitere Filme mit wirklich Geschehenem im Vordergrund. Filmische Darstellungen der Vergangenheit beinhalten immer auch Fiktion, weil manche Details nicht bekannt sind, weil Irrtümer vorliegen, oder um der Handlung willen. Im Artikel geht es auch um Verarbeitung von Geschichte für das Fernsehen.

Historienfilme sind Bestandteil von gegenwärtiger Geschichtskultur, transportieren über die Darstellung von Geschichte Vorstellungen und Verdrehungen von ihr, sind Resultat von Geschichtsbewusstsein und prägen dieses mit. Einerseits sind solche Filme Zeugnisse der Geschichtsauffassung der Macher und ihrer Umwelt/Gesellschaft, Dokumente ihrer Entstehungszeit, von bewusster und unbewusster Geschichtspolitik. Andererseits beeinflussen sie auch Vorstellungen von der Vergangenheit, verändern das Geschichtsbewusstsein der Zuschauer.

Als Vorgriff auf den Abschnitt über Filme, die nicht als Historienfilme zählen, sollen hier gleich ein paar Klarstellungen kommen. Die klassischen Historienfilme Hollywoods wurden im Wesentlichen ab den 1950ern gedreht. Es gab aber zuvor schon Filmbiografien (“Biopics”) und Kostümfilme, beide auch in Form von Musicals. Deren Zugehörigkeit zu den Historienfilmen ist diskutabel. Zu den Kostümfilmen wird etwa der Sandalenfilm (sword-and-sandal, Peplum) gezählt.1 Kriterium sind die schweren Anachronismen in diesen Filmen (zB Kämpfe Herkules’ gegen Vampire), die Betonung auf Kampfszenen, mythologischen Motive.

In anderen Monumentalfilmen werden historische Personen psychologisch (und oft spekulativ) dargestellt. Fantasy-Filme (Historical fantasy; Sagenstoffe,…), Science-Fiction, Steampunk zählen iR nicht als Historienfilme. Auch bei Western und Heimatfilmen ist das Historische meist zu entstellt. Fliessend sind die Übergänge zu Kriegs- und Abenteuerfilmen. Auch Filme, die vergangene tatsächliche Ereignisse behandeln, die aber nicht als einer anderen Epoche zugehörig erscheinen, gelten meist nicht als Historienfilme. Und Ereignisse, die für die Allgemeinheit zu wenig wichtig sind, mehr persönliche Erfahrung darstellen, qualifizieren Filme darüber auch nicht; die Grenzen sind natürlich fliessend…

Für die Unterteilung von Historienfilmen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Etwa danach, ob tatsächlich Geschehenes im Hintergrund bleibt oder Hauptsache ist (und nachgestellt wird). Dann gibt es jene Typen, in denen Tatsächliches verschlüsselt widergegeben wird. Und es gibt die Historienfilme mit Kontrafaktik bzw Alternativgeschichte. Ein anderer Parameter zur Einteilung ist, ob es eine literarische Grundlage (einen historischen Roman oder etwas ähnliches) gibt oder nicht. Einzuteilen sind Historienfilme auch nach der Epoche oder der Region in der sie spielen. Die Länge der dargestellten Periode kann vom ganzen Mittelalter bis zum Leben eines einzelnen Menschen oder noch viel kürzer reichen – auch diese Unterschiede bieten sich zur Charakteristik an. Historische Krimis (historical mystery) sind eine Untergattung, Kriegsfilme oder  Filmbiografien werden teilweise auch als solche gesehen.

Die hier getroffene Einteilung richtet sich danach, ob reales Vergangenes im Vordergrund steht (Nachstellungen gewissermaßen) oder das tatsächlich Geschehene im Hintergrund und Fiktives im Vordergrund.

Historienfilme mit tatsächlich Geschehenem im Vordergrund

Der letzte Kaiser (1987), eine Filmbiografie

Cleopatra (1963)

Die 5 Spielfilme über die Meuterei auf der Bounty (1916, 1933, 1935, 1962, 1984)

Gandhi (1982)

Spartacus (1960), über den realen Sklavenaufstand gegen die Römer in Süd-Italien, basiert auf einem historischen Roman

Lincoln (2012), über die Endphase des USA-Bürgerkriegs die glz. Abraham Lincolns letzte Lebens-Monate waren, grosse Akkuratesse

Tora! Tora! Tora! (1970), der Angriff auf Pearl Harbor 1941 von 2 Seiten

1492 – Die Eroberung des Paradieses (1992)

12 Years a Slave (2013)

Anna und der König von Siam (1946), basiert auf der Romanfassung (von Margaret Landon) der Tagebücher von Anna Leonowens, einer Britin mit teilweise indischen Wurzeln, die in den 1860ern am Königshof von Siam arbeitete; alle wichtigen Rollen wurden von “Anglos” gespielt, auch wenn es sich um asiatische Figuren handelte; Anna und der König (1999) war eine Art Neuverfilmung

Quo Vadis (1951), Rom zur Zeit von Nero

Der Leopard (1963, Il Gattopardo), über einen Teil des Risorgimento; basiert auf einem Gesellschaftsroman

Jesus von Nazareth (1977), von Zeffirelli

Viva Zapata! (1952)

Der Löwe im Winter (1968), Heinrich von Anjou-Plantagenet, König von England und Herzog der Normandie, 1183, Intrigen in seiner Familie; basiert auf einem Theaterstück

Die Bartholomäusnacht (1994; La Reine Margot)

Lawrence von Arabien (1962), basiert auf der Autobiografie von Thomas Lawrence, behandelt die Phase seines Lebens, die ihn historisch relevant machte (1916–1918, die arabische Revolte gegen das Osmanische Reich)

Der Opiumkrieg (1997), chinesischer Film über die Ereignisse um den 1. Opiumkrieg gegen Großbritannien in den 1830-er und 1840er-Jahren

Braveheart (1995) dreht sich um den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace (13. Jh), die Figuren und die Handlung sind nur teils authentisch. Der Film ist eines der Indizien, die auf eine “anti-englische” Einstellung von Mel Gibson hinweisen sollen

Der Untergang (2004), basiert vor allem auf dem gleichnamigen Werk des Historikers Joachim Fest

Der Pianist (2002), über Władysław Szpilman im Warschauer Ghetto

Die Unbestechlichen – The Untouchables (1987), über die Bekämpfung des Gangsters Al Capone in der Prohibitionszeit, basierend auf Elliot Ness’ Buch, Personen zT authentisch, ein historischer Krimi(nalfilm)

Schindlers Liste (1993) von Spielberg, basierend auf einem Tatsachenroman

Ararat (2002), über den armenischen Aufstand von Van 1915

The King’s Speech – Die Rede des Königs (2010), behandelt den britischen König George VI. (Vater von Elizabeth), hauptsächlich seine Radio-Reden zur Krönung 1936 und zum Kriegseintritt 1939, vor dem Hintergrund seiner Sprachschwierigkeiten

Napoleon (Frankreich 1927)

Amadeus (1984) basiert auf dem Theaterstück von Peter Shaffer

Jud Süß – Film ohne Gewissen (2010), über die Entstehungsgeschichte des NS-Propagandafilms “Jud Süß”

Alexander Newski (1938), von Sergej Eisenstein, Geschichtspolitik im Sinne der damaligen Sowjetunion, hart am Propagandafilm

Masada (1981)

Mohammed – Der Gesandte Gottes (1976, Moustapha Akkad)

1911 – Revolution (2011), von Jackie Chan, über die chinesische Revolution 1911/12, mit der der letzte Kaiser des Landes gestürzt wurde und die Republik gegründet

Manfred von Richthofen – Der Rote Baron (1971)

Sattar Khan (Iran 1972)

Die Reisen des jungen Che (2004)

Beau Brummell (1954), über George B. “Beau” Brummell, einen Engländer des 18. und 19. Jh, der eine modische Stilikone wurde

300 (2007) und Der Löwe von Sparta (1962; The 300 Spartans) haben mit den Ereignissen der Perser-Griechen-Kriege der Antike wenig zu tun, sind beides eher Propagandafilme, der frühere im Kalten Krieg, der neuere im “Kampf der Kulturen”; beide kommen übrigens praktisch ohne Griechen als Darsteller aus

Helen Mirren als “Die Queen” (2006), kein Biopic, da nur die Phase nach dem Tod von Diana Spencer 1997 und der Umgang der britischen Königs-Familie damit behandelt wird

Argo (2012), nahe beim Polit-Thriller

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (2013), basierend auf Nelson Mandelas gleichnamiger Autobiografie, zum Teil (zu) nahe an der Gegenwart; Invictus (2008) behandelt einen kleinen Ausschnitt von Mandelas Leben, ist ausserdem ein halber Sportfilm, auch zetlich sehr nahe am betreffenenem Geschehen gedreht

Malcolm X (1992)

Brennt Paris? (Paris brûle-t-il ?; 1966), über die Befreiung Paris’ 1944,
basierend auf dem gleichnamigen Tatsachenbericht von Dominique Lapierre und Larry Collins, Starensemble

Sieben Jahre in Tibet (1997), über Heinrich Harrers Erlebnisse in Tibet

R. Attenboroughs “Cry Freedom” (Schrei nach Freiheit, 1987) über das Leben und den Tod Steven Bikos, basiert auf 2 Büchern von Donald Woods, der lebte damals (1986 Dreharbeiten) im Exil und der Film wurde auch ausserhalb Apartheid-Südafrikas gedreht

Es geschah am 20. Juli (1955), mit Bernard Wicki, einer der Filme über das Stauffenberg-Attentat und den Umsturzversuch von einem Teil der Wehrmacht 1944; der in der BRD gedrehte Film sparte bei Aussenaufnahmen mit Hakenkreuz-Fahnen, 10 Jahre nach dem Ende von Nazi-Diktatur und dem von ihr losgetretenen Krieg hatte man noch nicht die Distanz dazu…

Jobs (2013) und The Social Network (2010) zeigen Phasen aus den Leben von Steve Jobs, Mark Zuckerberg – die nicht lange zurück liegen

Jenseits von Afrika (1985), über die Erlebnisse von Karen “Tanja” Blixen im britisch beherrschten Kenia, wo sie eine Farm hatte; die Klassifizierung als Historienfilm ist aufgrund des “unpolitischen Charakters” der Handlung bzw der mangelnden historischen Relevanz Blixens fraglich

Im Namen des Vaters (1993), über die Geschehnisse rund um den Justizirrtum bzw die Rechtsbeugung um Gerard Conlon, die Guilford 4 und die Maguire 7 (> www.youtube.com/watch?v=-xgulzALUHo ). Aus dramaturgischen Gründen wurden einige Details abgeändert, zB die tatsächliche Rolle der Anwältin Gareth Peirce bei der Neuaufnahme des Falls

Der Elefantenmensch (1980), Schwarzweiss-Film von David Lynch über eine Phase des Lebens des missgebildeten Joseph Merrick

Der Baader Meinhof Komplex (2008), Spielfilm über die ersten beiden Generationen der RAF, nach dem Sach-Buch von Stefan Aust

Apollo 13 (1995)

Die Unbestechlichen (1976), über die Aufdeckung der Watergate-Affäre, nach dem Buch von Carl Bernstein und Bob Woodward

Catch me if you can (2002): während (der echte) Frank Abagnale älter aussah als er war, ist es bei Leonardo di Caprio umgekehrt; Geschehnisse sind nahe an Gegenwart und historische Relevanz ist fraglich, damit auch die Klassifizierung als historischer Film; selbes gilt für “Bonnie und Clyde” (1967) oder “Zodiac” (2007; an das Ungeklärte an den betreffenden Verbrechen hat man sich im Film angenähert bzw es offen gelassen)

The Killing Fields (1984)

Das Wunder von Bern (2003), Film von Sönke Wortmann über das Westdeutschland der Nachkriegszeit und v.a. sein Fussball-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 19542

Foxcatcher (2014) ist ein Sportdrama, das den wahren Fall des US-amerikanischen Ringsport-Sponsors John E. du Pont erzählt, der den Ringer David Schultz 1996 tötete

Historienfilme mit Fiktivem im Vordergrund

Dazu gehören die Verfilmungen von historischen Romanen, wie „Vom Winde verweht“. Von J. F. Coopers „Lederstrumpf“-Geschichten wurde u.a. “Der letzte Mohikaner” (Roman 1826) verfilmt (mehrmals), der vor dem Hintergrund des Britisch-Französischen Kolonial-Kriegs in Nord-Amerika spielt. Der Film über den „Glöckner von Notre-Dame“ aus 1956 (die wichtigste von mehreren Verfilmungen) weicht vom Roman Victor Hugos hauptsächlich darin ab, dass der missgestaltete Glöckner Quasimodo im Film eine dominierende Rolle einnimmt, im Buch aber nur einer von mehreren Handlungssträngen ausmacht. “Ben Hur”, über einen fiktiven jüdischen Fürsten, hat auch einen historischen Roman als Vorlage. Bei “Der Name der Rose” ist dies allgemein bekannt.

„Les Misérables“ ist eigentlich eine Alternativgeschichte, da tatsächliche Geschichte verändert wurde; dennoch stellt der Roman eine Beschreibung der Restaurations-Zeit in Frankreich (1815-1830) dar. Er wurde als Hörspiel, zu Filmen, als Musical, TV-Serie adaptiert. Die “Robinson Crusoe”-Filme basieren bekanntlich auch auf einem Roman; dieser basiert auf einer wahren Begebenheit. Die Verfilmungen von “Cry, the Beloved Country” (Denn sie sollen getröstet werden, 1951 & 1995), dem Roman von Alan Paton, sind ein Grenzfall. Der Roman erschien 1948 spielte in der damaligen Gegenwart, im Übergang zur Apartheid. Die Handlung ist eng mit dem Politischen/Zeithistorischen verbunden und dieses ist eigentlich mehr als eine “Tapete” bzw Kulisse. „Das Boot“ war eine Art historischer Roman, aber auch hier ist die Handlung Teil der grossen Geschichte. „Goodbye Lenin“ erzählt das Ende der DDR in Form einer Tragikkomödie.

“Heaven’s Gate” (1980) basiert auf einem Konflikt zwischen amerikanischen Grossfarmern und osteuropäischen Einwanderern in Wyoming um 1890, dem Johnson County War, der Film verarbeitet diese realen Ereignisse, stellt sie nicht nach. “Gesprengte Ketten” (1963; Great escape) änderte hauptsächlich die tatsächlichen Figuren ab, ihre Namen, Nationalitäten,… Konstantinos Gavras’ Film “Z” (1969) ist von die Lambrakis-Affäre inspiriert. “Long Walk Home” (2002) ist ein Film über die Umerziehung der Aborigines in den 1930er Jahren in Australien, basierend auf einem authentischen Fall – fiktive Hauptpersonen, aber näher an der Realität als viele Filme, die Anspruch auf Authentizität bzw Abbildung erheben; daneben nahe am politischen Film. “Das Urteil von Nürnberg” (1961) spielt eindeutig auf den Nürnberger Nazi-Juristenprozess 1947 an. In „Mississippi Burning“ (1988) sind die Personen “verschlüsselt”, die Figur des Sheriff Ray Stuckey entsprach zB dem realen Lawrence Rainey. Auch in „Windtalkers“ oder “Hexenjagd” (1996)3 wurde Reales fiktionalisiert, und zwar die historisch relevanten Abläufe bzw Details. „Der Schakal“ (1973), eine Roman-Verfilmung, gehört auch in diese Kategorie.

“Ein Jahr in der Hölle” aus den 1980ern dagegen, das auf einem  zeithistorischen/politischen Roman basiert, zeigt als Haupthandlung fiktive Personen vor “unverschlüsseltem”, realen Hintergrund; Indonesien 1966, die Zeit der Machtübernahme Suhartos. Dies ist auch ein häufig vorkommendes Muster. Dieses Verhältnis zur Geschichte haben auch „Pearl Harbor“ (2001), “Der Soldat James Ryan” (1998), „Bobby“, “The Last Samurai” (2003; die Meiji-Restauration in Japan), “Gladiator”, „Der längste Tag“ (1962, ein Kriegsfilm), “Die letzte Schlacht” (1965, über die Ardennen-Schlacht), “Gangs of New York”, “36 Stunden” (mit James Garner, nach R. Dahl, 1965), „Little Buddha“, „Titanic“ (1997), die meisten Vietnam-Krieg-Filme (von “Apocalypse Now” bis “Platoon”),… Der Unterschied zum filmischen historischen Roman bei diesen Filmen ist, dass die erfundene Geschichte stärker mit der grossen, tatsächlichen, unveränderten Geschichte verbunden ist (bzw Teil von ihr ist). Die grosse Geschichte ist nicht im Hintergrund, die Handlung spielt sich in ihr ab. Natürlich wird auch hier Geschichtspolitik vertrieben, wie bei Vietnam-Kriegs-Filmen und der Darstellung der Intervention der USA darin, oder bei „Exodus“ bezüglich der Gründung Israels.

D-Day Normandie 6. 6. 1944

“Dead Man Walking” (1995) basiert auf zwei authentischen Kriminal-Fällen, die die Ordensschwester Helen Prejean in ihrem gleichnamigen Buch schildert. Der Film kombiniert die zwei Fälle, die Figur des Matthew Poncelet ist Robert L. Willie und Elmo Sonnier nachempfunden, die beide ähnliche Straftaten begangen hatten und dafür 1984 auf dem Elektrischen Stuhl hingerichtet wurden. Zweifel an der Schuld gibt es hier anscheinend nicht, Zweifel an der Todesstrafe schon. Prejean ist übrigens in einem Cameo zu sehen. Sie ist nach wie vor gegen die Todesstrafe engagiert, war das etwa beim Fall “Tookie” Williams. Die historische Relevanz ist hier fraglich. Selbes kann man bei “Casino” (im selben Jahr erschienen) sagen, der ja die Mafia in der Glücksspiel-Industrie in Las Vegas behandelt. „23 – Nichts ist so wie es scheint“ (1998)4, über den “KGB-Hack” 1985-1989, ist ausserdem teilweise spekulativ und verschlüsselt bzw verdichtet, und wie auch die anderen beiden Genannten nahe an der Gegenwart.

August Diehl in “23”

Manche Filme sind schwer einzuordnen. „Rapa Nui“ (1994) bringt eine verdichtete Darstellung der Zivilisation auf der Osterinsel/Rapanui, teilweise spekulativ und ahistorisch. „Die sieben Samurai“ von Kurosawa (1954, Jidai-Geki-Genre) ist ein Porträt der japanischen Gesellschaft des ausgehenden 16. Jh. In “Am Anfang war das Feuer” (1981) sucht eine Gruppe Steinzeitmenschen nach Feuer. “Fräulein Smillas Gespür für Schnee” enthält Informationen zu Grönland und seiner Beherrschung durch Dänemark, die Romanvorlage allerdings mehr. Der Musik-Film„Yentl“, basierend auf Kurzgeschichte bzw Theaterstück von Isaac B. Singer, porträtiert das Judentum im späten Zarenreich. Die „Pate“-Filme bringen zur Mafia in der USA viel Zutreffendes, aber eben sehr verschlüsselt, dramatisiert,… „Jagd auf Roter Oktober“ sagt am meisten über den späten Kalten Krieg aus und wie Thomas Clancy ihn sah.

Keine Historienfilme …

Western-Filme zählen normalerweise nicht als als Subkategorie des Historienfilms, sondern als eigenes Genre. Western behandeln normalerweise die Expansion der USA in den Westen, stellen diese heroisch dar, den Kampf gegen Indianer (das Andere), Mexikaner und Franzosen, gegen das Schlechte in eigenen (angelsächsischen) Reihen, die Behauptung gegen Widrigkeiten der Natur des neu besiedelten Landes. In der Regel zeichnen sie sich durch grob tendenziöse Darstellung sowie gravierende historische Unrichtigkeiten aus; oft auch ersteres durch zweiteres. Es gibt einen Übergang vom Abschluss der Unterwerfung des Landes und seiner Einwohner über die Wild-West-Shows des “Buffalo Bill” zu den Western-Filmen des frühen Kinos. „(The) Alamo“ (1960) ist ein Western, der ein bestimmtes Geschichtsbild propagiert (über die Herauslösung des heutigen Texas aus Mexiko durch die USA 1836); hier steht grosse, tatsächlich Geschichte im Vordergrund.

“Hängt ihn höher” (1968) spielt in Oklahoma, als es noch ein Territorium und kein Bundesstaat war (Ende 19. Jh), das Historische ist hier aber nur Instrument zur Verbreitung aktueller politischer Botschaften, der Film hat keinen eigentlichen historischen Bezug. Der ungerecht bzw unrechtens verurteilte Cowboy sorgt für Gerechtigkeit in seiner Angelegenheit, wird dann aber auch Teil des Staatsapparats und sorgt allgemein für Recht und Ordnung. Man kann daraus Botschaften für innere Angelegenheiten der USA (1968!, “Das Gesetz zu befolgen zahlt sich aus”) und äussere (Vietnam-Krieg, USA hat sich dort zu engagieren) ableiten. Europäische Western, von den May-Verfilmungen zu den Italo-Western, behandeln meist andere Themen bzw transportieren andere Botschaften. “Hängt ihn höher” wird übrigens auch als „Anti-Western“ bzw “revisionistischer Western” eingestuft; im eigentlichen Sinn sind darunter aber solche zu verstehen, die sich kritisch mit amerikanischer Politik und Dogmen auseinander setzen. So wie „Little Big Man“, „Buffalo Bill und die Indianer“, vielleicht “Der mit dem Wolf tanzt”.

Abzugrenzen vom Historienfilm sind auch Polit-Thriller bzw politische Filme, die sich u.a. durch die Aktualität des Themas und den dramaturgischen Aufbau auszeichnen. Einige schon erwähnte (bzw eingeteilte) Filme (wie “Z”) sind auch als Polit-Film zu charakterisieren bzw haben etwas von einem (wie “Mississippi Burning”). Gavras’ “Vermisst” (1982) oder “Hotel Ruanda” (2004) bringen Faktisches, “Die drei Tage des Condor” (1975) oder “I wie Ikarus” (1979) Fiktives. Filme über den Kennedy-Mord, wie “JFK – Tatort Dallas” (1991), sind auch eher Polit- als Geschichtsfilme. Viele Klassiker dieses Genres kommen aus Italien, von “Der Tag der Eule” (1967; Verknüpfung von Mafia und Politik) über “Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger” (1970) bis “La seconda volta” (1995; den man auch als Psychodrama sehen kann). “Citizen Kane“ (1940) ist auch eine Genre-Kreuzung. Die Verfilmungen von “Der Manchurian Candidate” sind beinahe Science Fiction (SF), jene von 2004 mehr als jene von 1962. “Onkel Toms Hütte” war als Roman bei seiner Erscheinung (1852) ein (höchst) politisches Buch, die 5 Verfilmungen ab 1907 wiederum können als Historienfilme gesehen werden.

Filme, die reale Kriminalfälle zeigen, wie “Kaltblütig”/ “In cold blood” (1967, nach dem Tatsachenroman von T. Capote), erfüllen meist nicht das Kriterium der historischen Relevanz – wobei das Auslegungssache ist. “Sleepers” zB beruht angeblich auf einer wahren Begebenheit, diese wäre an sich politisch-gesellschaftlich relevant.5 Die Grenzen zum historischen Film (bzw von ihm zu anderen) verrutschen jedenfalls öfters. Der Film “Alexis Sorbas” (1964) beruht ja auf dem 1946 veröffentlichten Roman von Nikos Kazantzakis. Die Handlung, die sich um eine Kohlemine auf Kreta dreht, beruht wiederum auf wahren Personen bzw Begebenheiten, aber der Handlungsstrang selbst zu “unbedeutend” und das Griechenland in dem er sich abspielt, zu vage geschildert bzw spezifiziert, als dass der Film historisch wäre. Wenn “Alexis Sorbas” ein Historienfilm ist, dann ist das fast jeder Film.6

“Wall Street” (I) ist zB ein ganz gutes Porträt seiner Entstehungszeit, nicht nur mit den damaligen Mobiltelefonen. Der Zeitkolorit in manchen Romanen und Filmen kommt auch dadurch zustande, dass durchschimmert, was damals dort gesellschaftlicher Konsens war; diverse Rassismen in Kinder-/Jugendbüchern von  Enid Blyton oder in “Hatschi Bratschis Luftballon” (Ginzkey/Hartmann) störten etwa lange Keinen.7 “Mulholland Drive” ist ein Rätsel-Thriller, aber auch die Beschreibung eines (gegenwärtigen) Milieus bzw von Zuständen, jenen in Hollywood. Der Action-Film “Top Gun” sagt auch viel über die USA unter Reagan aus. “Johnny zieht in den Krieg” (1971), über einen jungen Kriegsfreiwilligen, der schwer verwundet wird, spielt zur Zeit des Ersten Weltkriegs, ist aber eigentlich ein zeitloser Antikriegsfilm.

Der Film “Tsotsi” kam 2005 heraus, war die Verfilmung eines Romans von Athol Fugard. Der Roman erschien 1980, geschrieben wurde er um 1960 herum. Das Roman-Original spielt wie die Film-Adaptierung in der Zeit der Entstehung, da sind also ca. 45 Jahre Unterschied. Im Roman näherte sich die Apartheid erst ihrem Höhepunkt (Zeit der Regierung von Verwoerd), im Film war sie gerade vorüber. Geschichte bzw Politik ist sowohl im Film als auch im Roman von “Tsotsi” im Hintergrund, sind aber doch präsent. Es gibt Unterschiede in den Dialogen und der Handlung. Dass Schwarze einen Schwarzen umbringen, in einem Vorort von Johannesburg, bliebt gleich, der Umgang der Polizei damit ist unterschiedlich. Fugard war 1958, als er mit dem Schreiben des Romans begann, gerade nach Johannesburg übersiedelt, und begann eine Arbeit als Beamter. Er erlebte die Zerstörung des “gemischten” Johannesburger Stadtteils Sophiatown mit – wo der Roman spielt -, und wurde kritisch gegenüber dem Apartheid-System, obwohl er als Weisser darin privilegiert war. Über Unterschiede zwischen Buch und Film

„Die Vögel“ von Hitchcock (1963) basiert auf einer Kurzgeschichte und  tatsächlichen Vorfällen. “Die Vögel” von Daphne du Maurier aus 1952 handelt von einem Landarbeiter in England, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aggressives Verhalten von Vögeln beobachtet, das in der Umgebung nur er richtig deutet und er sich so in Sicherheit bringt. Die Vögel symbolisieren wahrscheinlich entweder die deutschen Luftangriffe während des Krieges oder die Furcht vor einem kommunistischen Angriff aus Osteuropa; innerhalb weniger Jahre ging das eine ja in das andere über. Zum Anderen gab es Vorfälle aus 1961, als die Dreharbeiten bereits begonnen hatten, an der Ost-Küste der USA, als Vögel massenweise gegen Häuser und andere “Hindernisse” flogen; heute weiss man, dass ein von Kieselalgen produziertes Nervengift schuld daran war. Für einen Historienfilm ist das Ereignis zu unbedeutend und die Umsetzung zu wenig an den Tatsachen orientiert.

Die Film-Serie “Der Weisse Hai” (4 Teile) basiert auf dem Roman von Peter Benchley, der 1974 veröffentlicht wurde, nicht lange bevor die Dreharbeiten zum ersten Teil begannen.8 Das “Original” aus 1975 und seine Fortsetzungen gelten als Horrorthriller, Tierhorror-Filme oder Abenteuer-Film, es gibt aber auch hier eine historische Basis. Die im Roman verarbeitet wurde, die Haiangriffe an der Küste von New Jersey 1916 (vier Personen getötet, 1 verletzt). Wissenschaftler sind sich uneinig, welche Haiart für die Angriffe verantwortlich war, ob diese von mehr als nur einem Hai ausgingen und welche Faktoren dazu geführt haben. Die Haiattacken vor New Jersey führten Haie, besonders den Weissen, den man im Verdacht hat, in die Populärkultur und das Bewusstsein der USA ein, als Symbol für Gefahr. Die Buch-Verfilmung von 1975 wurde ja von Steven Spielberg vorgenommen, wurde ein internationaler Kassenschlager der 1970er. Spielberg, der damit durchstartete, gelang es, die Urängste von Menschen zu berühren.

Am Set von “Weisser Hai”

Im Roman ist der Hai zwar Protagonist, die Handlung ist aber weitaus komplexer und mehrdeutiger als im Film. Die fiktive Kleinstadt Amity auf Long Island (New York) ist darin auch Schauplatz diverser politischer und privater Verstrickungen. Im Film geht es nur um die vom Hai gestörte Badeort-Idylle und die Jagd auf diesen, durch den Polizeichef, einen Meeresbiologen und einen Haijäger. Das Politische, die Korruption, wird nur angedeutet, in Person des Bürgermeisters, der bemüht ist, die Hai-Gefahr zu vertuschen. Sowohl Buch als auch Film wurden mit dem 1972-1974 aufgeflogenen Watergate-Skandal der Nixon-Regierung in Verbindung gebracht. Zu den Fans des Buchs soll auch Fidel Castro gezählt haben, der das Buch als Metapher für das korrupte kapitalistische System gesehen haben soll. Und, die Filme sollen den Weissen Haien in der Realität das Leben schwer gemacht haben, die Jagd auf sie gefördert haben.

Dies führt zu Ric O’Barry (Feldman), der Trainer der 5 Delphine war, die “Flipper” spielten, darunter “Cathy”, die wie er sagt, Selbstmord beging indem sie zu atmen aufhörte. Mit seiner Mitarbeit an der Serie und anderen Aktivitäten half er 10 Jahre mit, eine Industrie aufzubauen (Deplhin-Shows u.a.) – um sich dann seit mehr als 35 Jahren der Zerstörung dieser Industrie zu widmen, v.a. für die Befreiung von Delphinen aus Gefangenschaft. Hier also auch eine interessante Wechselwirkung zwischen Film und Realität. A propos Grossfische, Buchverfilmungen, Realität: Der Roman „Moby Dick“ von Herman Melville, der 1851 in London und New York erschien, erzählt nicht nur die Fahrt des Walfangschiffes “Pequod”, dessen einbeiniger Kapitän Ahab einen weissen Pottwal jagt, der ihm das Bein abgerissen hat. Entlang dieses erzählerischen Fadens wird die Welt des Walfangs im 18. und 19. Jahrhundert detailreich geschildert, werden aber auch philosophische, wissenschaftliche, oder mythologische Exkurse unternommen. Dies wird in den 8 Verfilmungen auch weitgehend unterschlagen.

“Cool Runnings” (1993) geht wahrscheinlich auch nicht mehr als Historienfilm durch, abgesehen davon dass die Personen fiktiv sind und die Handlung auf der jamaikanischen Bob-Mannschaft von Olympia 1988 nur basiert, ist die Sache an sich nicht historisch relevant (genug) und liegt zu wenig weit zurück. Das trifft teilweise auch auf den Film über den Filmemacher Ed Wood zu. Sagen- und Mythen-Stoffe sind eigentlich an sich ahistorisch; daher sind die meisten Dracula- und Robin Hood-Filme nicht mal in der Nähe von Historienfilmen. Auch „Troja“ (Hollywood, 2004) oder “Elektra” (Griechenland, 1962) behandeln Mythologie und nicht Geschichte. Science Fiction-Filme qualifizieren klarerweise auch nicht. Wobei, Nach-dem-Atomkrieg-SF-Filme wie „Der Tag danach“, andere Distopyen wie „Waterworld“, oder „Total Recall“ natürlich viel über die Zeit der Entstehung aussagen.

Dokudramen werden meist nicht als Historienfilme gesehen, sie stehen gewissermaßen zwischen diesen und geschichtlichen Dokumentarfilmen9, sind dramatisierte Dokumentationen. Die Film-Dokumentation (als solche geltende) des US-Amerikaners R. Flaherty über „Nanook“ bzw die Inuit/Eskimos in Kanada ist eigentlich eher ein Dokudrama. Zumindest wurde kritisiert, dass Vieles in dem Film gestellt war (die traditionelle Lebensweise war damals schon im Umbruch begriffen!); ausserdem dass Flaherty sexuelle Beziehungen mit Eskimo-Frauen hatte. Die “Die Götter müssen verrückt sein”-Filme kommen als Mockumentary daher, aufgrund der Einleitung als Tier- bzw Naturfilm.

„Die Geburt einer Nation“ (1915 fertiggestellt und veröffentlicht) ist ein Pseudo-Historienfilm, über den amerikanischen Bürgerkrieg und die Zeit danach; die glorifizierende Darstellung des Ku Klux Klans führte zu dessen Neu-Gründung. Ein Fall, wo ein Film die Realität bzw Gegenwart beeinflusste. Relativ offene Propagandafilme sind NS-Filme wie “Die Entlassung” (1942; über die Entlassung Bismarcks 1890), “Kolberg” oder “Heimkehr”. “Panzerkreuzer Potemkin”, ein schwarz-weisser Stummfilm von Sergei Eisenstein aus 1925, lehnt sich sehr frei an Ereignisse der (gescheiterten) russischen Revolution von 1905 an, die Meuterei der Besatzung des russischen Kriegsschiffs “Knjas Potjomkin Tawritscheski” gegen deren zaristische Offiziere, verarbeitet die Ereignisse im stalinistischen Sinn. „Casablanca“ (spielt 1941, wurde 1942 gedreht) war auch ein Propagandafilm, für die Anliegen der West-Alliierten im 2. WK.10

Dann gibt es die Filme mit alternativgeschichtlicher bzw kontrafaktischer Handlung. So wie „Rote Flut“ (1984), eine reaganistische Vision einer durch sowjetischen, kubanischen und nicaraguanischen Truppen besetzten USA, die sich tapfer wehrt. Während die USA unter Reagan Terror nach Nicaragua brachte, durch die Unterstützung der Contras, porträtierten John Milius11 und Kevin Reynolds die USA als Opfer der nicaraguanischen Sandinisten… In „Inglorious Basterds“ (2009) wird die Nazi-Führung im Sommer 1944 in einem Pariser Kino von einer Spezialeinheit des US-Militärs getötet und das Deutsche Reich kapituliert darauf hin. „CSA“ ist eine Mockumentary von Kevin Willmott, in der die Konföderierten Staaten von Amerika (CSA) den Bürgerkrieg gewonnen haben und dann die verbliebene USA (die “Nordstaaten”) geschluckt.

Weiters sind an alternativgeschichtlichen Filmen zu nennen: „Fatherland“ (“Vaterland”, über die Landung der Anglo-Alliierten in der Normandie 1944), „Dr. Strangelove“, „White Man’s Burden“ (1995, eine USA mit vertauschten Rollen von Schwarz und Weiss), “Osmanlı Cumhuriyeti” (“Osmanische Republik”, eine türkische Komödie aus ’08, Was wenn Atatürk nicht existiert hätte?), „District 9“,… „Unternehmen Capricorn“12, über eine Mars-Landungs-Vortäuschung, hat etwas von einem alternativgeschichtlichen Film, kann auch als Action-Thriller, SF oder Polit-Film gesehen werden. „Und täglich grüsst das Murmeltier“ (1993) bringt keine anders verlaufene historischen Entwicklungen, eher eine private Alternativgeschichte, wird mitunter als Fantasy kategorisiert. Die „James Bond“-Filme haben einen zeithistorischen Hintergrund, in den auch schon mal eingegriffen wird, sind aber eher als Agenten- oder Actionfilme einzuordnen. Den historischen Wert bekommen sie dadurch, dass sie nicht nur über die angesagteste Mode in verschiedenen Bereichen und den Stand der Technik zur Entstehungszeit Zeugnis geben, sondern auch über die jeweilige weltpolitische Grosswetterlage.13

„Forrest Gump“ (1994) ist ein Film, in dem ein Tor durch die amerikanische Zeitgeschichte wandelt, in dem der Hauptdarsteller Hanks mit Hilfe computergrafischer Methoden in Originalaufnahmen historischer Ereignisse hineingeschnitten wurde, durch den die Roman-Vorlage (die sich in Einigem vom Film unterscheidet) erst bekannt wurde, der die Realität zumindest insofern beeinflusste, als eine “Bubba Gump Shrimp Company” wie sie im Film vorkommt, eine Fisch- und Meeresfrüchterestaurantkette, ins Leben gerufen wurde.14 In „Hot Shots“ kommen zahlreiche Zitate und Anspielungen früherer Filme vor, komödiantisch verpackt.

Im Fernsehen

Historien-Serien sind TV-Umsetzungen von Historienfilmen. Darum geht es in diesem Abschnitt nicht um die Einteiler, die für das Fernsehen produziert wurden, und die etwas Historisches haben. Wie “Am Tag als Bobby Ewing starb” (Deutschland 2005), der die 1980er wieder bringt, in einer Landkommune in Schlewsig-Holstein spielt, 1986, als Bobby in „Dallas“ starb (für eine Saison), der Reaktor im AKW in Tschernobyl in der Sowjet-Ukraine bei einer Sicherheitsübung explodierte, und Werder Bremen die (west-)deutsche Fussball-Meisterschaft knapp gegen die Bayern verlor. „Dallas“ sagt natürlich auch viel über die 1980er aus, ungewollt.

Die Mini-Serie „Shogun“ ist die Verfilmung eines historischen Romans; bei den Dreharbeiten in Japan gab es kulturelle Konflikte. Kurzserien mit historischem Inhalt sind auch „Die Schatzinsel“ (ZDF 1966, Verfilmung), die Filmbiografie “Hitler – Aufstieg des Bösen” mit R. Carlyle (na ja, 2 Teile), „Maximilian“ (ORF-Kurzserie 2017, über die Zeit des Übergangs von Kaiser Friedrich III. zu seinem Sohn Maximilian I. Ende des 15. Jh), “Marco Polo” (1982), “Die Gustloff” (2008); evtl ist auch “Dornenvögel” als solche zu sehen.

Längere TV-Serien die mehr od weniger akkurat historischen Inhalt behandeln sind zB “Roots”, “Berlin Alexanderplatz”, “Ringstrassenpalais” (1980-1986, ORF),„Der Kurier der Kaiserin“, “Downton Abbey”, „Fackeln im Sturm“, “Colorado Saga”, „Sandokan“, „Narcos“. Oder die türkische TV-Serie „Muhtesem Yüzyıl“ („Das prächtige Jahrhundert“; 2011-2014) über den osmanischen Sultan Süleyman den Prächtigen (15./16. Jh). Dieser wird weniger als weiser und gerechter Herrscher oder auf einem seiner zahlreichen Feldzüge gezeigt, als vielmehr bei den Intrigen innerhalb seines Palastes und vor allem seines Harems.

Auch Serien zeigen natürlich öfters eine Vergangenheit, die in Wirklichkeit anders war. „Unsere kleine Farm“, 1974-1983 erstmals ausgestrahlt (auf NBC), basiert auf der gleichnamigen (vermeintlich) autobiografischen Buchserie von Laura Ingalls-Wilder (1867-1957), die in den 1930ern und 1940ern erschien (original “Little House on the Prairie”). Die Geschichten über die heile Welt der Familie Ingalls in der ländlichen USA in den 1870ern und 1880ern sind fest im kollektiven Gedächtnis Amerikas verankert, sechs Museen beschäftigen sich dort zB mit Laura Ingalls und ihrem Leben, das angeblich ihre Bücher füllte. Dabei hatte diese eigentlich ihr Schreiben damit begonnen (in ihren 60ern), ihre tatsächliche Autobiografie zu schreiben. Nachdem diese von Verlegern abgelehnt wurde, begann sie mit der “Kleine Farm”-Serie, arbeitete ihre realen Erinnerungen zu einem Märchen um. 2014 kam diese Autobiografie erst heraus, “Pioneer Girl: The Annotated Autobiography”.

In ihren „Kleine Farm“-Büchern beschrieb Ingalls ihr Aufwachsen auf Farmen in zwei fiktiven Orten in Minnesota und Kansas, als ländliche Idylle. In Wirklichkeit  war diese Zeit für die Familie von Wanderungen geprägt, vom oftmaligen Übersiedeln. Als Erwachsene kam sie durch Heirat wieder auf eine Farm, in Missouri. Lieber hätte sie weiter als Lehrerin gerbeitet. In ihrer tatsächlichen Autobiografie hat Ingalls sowohl die Dörfer in der Natur als auch die ländlichen Kleinstädte sehr negativ dargestellt, als für sie beängstigend und bedrohlich. Manche Episoden des Landlebens hat sie für “Kleine Farm” wiederum dramatisiert. Die Erblindung von Lauras Schwester Mary geschah in den Büchern und im Fernsehen wegen Scharlachs, in Wahrheit wegen Enzephalitis, die die „Hälfte ihres Gesichts aus der Form“ geraten liess.

Überliefert ist auch ein Spruch von Ingalls über die Verfolgung und Verdrängung der Indianer, die in ihrer Jugend zum Abschluss kam, wonach diese mehr Weisse hätten skalpieren sollen. Andere “Western”-Serien wie “Bonanza” oder “Dr. Quinn” erhoben nicht den Anspruch auf Authentizität, bringen aber eben auch geschönte Darstellungen über das Leben im Zuge der Expansion der USA im 19. Jh. Dr. Quinn in der 90er-TV-Serie, die um 1867 in Colorado spielt, ist eine Gute die sich für Frauen, Indianer, Schwarze, Entstellte,… einsetzt. Die Serie bringt auch die Little Bighoorn-Sache in Montana, angeblich ziemlich wahrheitsgetreu, dabei aber doch absichtlich entstellend (apologetisierend).

In den “Sopranos” wird ja die Mafia von New Jersey dargestellt. Die Angehörigen der DeCavalcante-“Familie” sind gewissermaßen die “echten Sopranos”, die Vorbilder. HBO-Leute haben angeblich Abhörbänder des FBI von ihnen gehört. Auch in der Realität der dortigen Mafia gibt es legale Geschäfte als Vorwand, gibt es eine “Abhängigkeit” von der New Yorker Mafia (> Gambino/Gotti) und Minderwertigkeitskomplex dieser gegenüber. Und ist man gesellschaftlich konservativ. “Vinnie” Palermo soll Vorbild für “Tony” Soprano sein, war auch eigentlich jemandem untergeordnet, nämlich Giovanni Riggi. Der Beginn der TV-Serie 1998 soll die NJ-Mafia stolz gemacht haben, die Serie hat sie anscheinend erfolgreicher dargestellt als sie war/ist. Und, die De Cavalcantes imitierten die Sopranos dann in mancher Hinsicht.

“Wonder Years” / “Wunderbare Jahre” handelt ja von einer US-amerikanischen Familie um 1970 herum, mit dem Kleinen im Mittelpunkt. Auch wenn Vieles grob überzeichnet ist, steckt etwas Zeit- und Milieu-Porträt darin (wie zB auch in “Ein echter Wiener geht nicht unter”). „Homeland“ zeigt klar die Intentionen der Macher, die wiederum viel über die Entstehungszeit sagen. In der SF-TV-Serie “Fringe” gibt es einige Folgen mit Alternativgeschichte. In SF-Serien (und -Filmen), die ja in der Zukunft spielen, kam Einges als Fiktion vor, das Realität wurde. Etwa PC-Tablets in “Kampfstern Galactica” (USA, ’78-80, dem Original). Anderes, wie das Beamen in “Star Trek”/”Raumschiff Enterprise”, ist noch unerreichbar. Der Physiker Metin Tolan untersuchte in seinem Buch über die „Die Star Trek Physik“ die darin gezeigte Technik auf ihre Umsetzbarkeit.15 Beamen bei „Star Trek“ wurde ursprünglich von den Drehbuchautoren erfunden, um sich teure Kulissen für die Landung auf fremden Planten zu ersparen.

Zeichentrick-Serien? „The Flintstones“ / “Familie Feuerstein” ist eindeutig zu wenig historisch akkurat, ist nur pseudo-historisch bzw historisierend, erhebt auch gar nicht den Anspruch auf Historizität. “Wickie und die starken Männer” basiert ja auf einem Kinderbuch. “Es war einmal…der Mensch” (Frankreich 1978, Teil einer Serie mit verschiedenen Wissensgebieten) bringt die Weltgeschichte in 26 Episoden, wurde in sehr viele Länder exportiert.16 “Asterix” gab es ja als Comic bevor es zu einer Zeichentrickserie und “Realfilmen” wurde. Es hat das Geschichtsbewusstsein bezüglich Gallien unter römischer Herrschaft in vielen Ländern maßgeblich geprägt. Die vielen Anspielungen auf Personen oder Ereignisse, die viel später kamen, kann es sich leisten.17

Historische Fehler in Filmen

Dabei geht es also nicht um inhaltliche Fehler (Handlungs-Löcher,…), Anschlussfehler (“Goofs” im engeren Sinn), filmtechnische Fehler (zB Mikrofon zu sehen) oder Synchronisationsfehler. Sondern um Anachronismen und Ähnliches; diese sind nicht nur in Historienfilmen mit tatsächlich Geschehenem im Vordergrund von Relevanz. Sondern auch zB, dass in „Vom Winde verweht“ elektrische Strassenlaternen vorkommen, die es zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs noch nicht gab. Fehler in historischen Filmen bzw historische Fehler in Filmen werden auch den inhaltlichen Fehlern zugerechnet (Wiki: „Ein inhaltlicher Fehler liegt auch dann vor, wenn Filme, die auf realen Ereignissen basieren, sich von der Realität unterscheiden.“). Jene historischen Fehler, die für die Meisten offensichtlich sind, sind eine Art Handlungsloch.

Es gibt hier unbeabsichtigte Nachlässigkeiten und Beabsichtigtes, das sich als falsch herausstellt (Irrtümer der Macher, falsche Annahmen); sowie beabsichtigt Falsches. Anachronismen, die öfters vor kommen, sind die Verwendung von Waffen, die zur betreffenden Zeit an diesem Ort (meistens noch) nicht in Gebrauch waren. Es gibt Überschneidungen mit inhaltlichen Fehlern, logischen und filmtechnischen; ein Statist mit Armbanduhr in „Ben Hur“ oder „Spartacus“ (Antike) ist wohl eher ein filmtechnischer Fehler (Nachlässigkeit der Kostümbildner) als ein historischer, da unabsichtlich. Fehler bei Sprachakzenten sind nahe bei historischen Filmfehlern.18 Der Dreh an einem anderen Ort als dem Schauplatz des Films ist kein Fehler, sofern sich dieser Ort nicht “verrät”.

Absichtlich verzerrte Darstellungen der Vergangenheit können zum Einen einer Geschichtsauffassung entspringen, die man transportieren will, bzw Ausdruck von Geschichtspolitik sein. „300“ ist nahe an der Propaganda, „Birth of a Nation“ ist ein Propaganda-Film. Die reale Pocahontas (16./17. Jh) war natürlich auch eine Andere, als die in Romanen und Filmen (real und gezeichnet) dargestellte. Zum Anderen kann es sich dabei um Ausdruck künstlerischer Freiheit oder eine humoristische Note handeln. Wie die Soldaten mit Maschinengewehren und Anderes in der Verfilmung von „Jesus Christ Superstar“. In Steampunk-Filmen wie „Wild Wild West“ sind Anachronismen auch beabsichtigt, es handelt sich um eine Art von Alternativgeschichte.

Beispiel “Cleopatra”: Neben Anschlussfehlern und Sachfehlern wie im Dialog über die Gezeiten des Mittelmeers19 gibt es Anachronismen wie eine Luftröhrenschnitt-Narbe bei Elizabeth Taylor oder Bikini-Streifen an einer Tänzerin. Ein historischer Fehler im eigentlichen Sinn ist die Durchfahrt Cleopatras durch den Konstantinsbogen (Arco di Costantino) in Rom. Dieser Triumphbogen wurde 312 gebaut, zur Erinnerung an den Sieg Kaiser Konstantins über den Usurpator Maxentius. Cleopatra aber lebte von 69 vC bis 30 vC, war von 51 vC bis zu ihrem Tod (letzte) Königin des ptolemäischen Ägyptens. Abgesehen davon, und das betrifft natürlich auch andere Filme: Alle Hauptdarsteller und auch die wichtigen Nebendarsteller sind US-Amerikaner, Briten oder andere “Anglos”; Ägypter, Griechen oder Italiener spielen (wörtlich) keine Rolle; kein Fehler i.e.S., aber eben auch eine Unstimmigkeit.

In den Bounty-Filmen wird Kapitän Bligh als grausam und inkompetent dargestellt. Dieses Bild geht insbesondere auf die Roman-Trilogie von Charles Nordhoff und James Hall zurück und hat sich durch die Filme verfestigt und verbreitet (v.a. durch den aus 1935, mit Charles Laughton und Clark Gable), kommt mittlerweile einem Geschichtsirrtum nahe. „Der Clou“ ist kein Historienfilm, enthält aber einige Anachronismen: Scott Joplins Ragtime war viel früher „in“ als der Film spielt (1936), Canasta wurde erst 3 Jahre nach dem Jahr in dem der Film spielt entwickelt (’39 in Uruguay); Inspiration waren übrigens die Betrügereien der echten Gondorffs, diese trugen sich auch früher zu.

Die drei Sissi-Filme aus den 1950ern: In “Sissi” I (spielt 1853) zu sehende Autos sind eher ein filmtechnischer als historischer Fehler; an einer anderen Stelle darin fallen alle 9 Kegel während die Kugel noch weit von ihnen entfernt ist (Logikfehler oder filmtechnischer); ein Brief, der in einer Einstellung ein Siegel trägt, hat plötzlich deren zwei (Goof/Anschlussfehler); wiederholt ist in der Filmreihe vom „Starnberger See“ die Rede, obwohl dieser zu Sissis Zeiten noch „Würmsee“ hieß – dies ist ein echter Anachronismus bzw historischer Fehler. Die Darstellung der Romanze zwischen „Sissi“ und „Franz“ fällt wohl unter künstlerische Freiheit.

Im „Robin Hood“-Film von 1991 wird Schiesspulver eingesetzt, der legendäre Hood ist aber im 13. Jh angesetzt, gut 100 Jahre bevor dieses in Europa aufkommt. In „Braveheart“ treten Schotten in Kilts auf, die sich dort aber erst gut 300 Jahre nach der Zeit von William Wallace verbreiteten. Was oft vorkommt, sind Menschen in Europa im Mittelalter, die Kartoffeln aßen oder Baumwoll-Kleidung trugen.

Beispielhaft noch Links zu Behandlungen von Unstimmigkeiten in dem Kino-Film “Die letzte Schlacht” (auf Englisch) und dem Fernseh-Zweiteiler “Hitler-Aufstieg des Bösen”.

Wenn Filme die Realität beeinflussen oder mit ihr korrelieren

Manchmal gibt es Ähnlichkeiten zwischen Film-Charakteren und den sie darstellenden Schauspielern. Robin Williams war anscheinend mehr “Sy Parrish”  (“One Hour Photo”) als “Daniel Hillard” (“Mrs. Doubtfire”). “Tony” Sirico war Berufsverbrecher in New York im Umfeld der Colombo-Mafia-Familie bevor er Mafiosi spielte. Grace Kelly spielte in „To catch a thief“/”Über den Dächern von Nizza” 1955 eine Auto-Verfolgungsjagd auf der Grande Corniche, der Küstenstrasse in Süd-Frankreich zwischen Nizza und Monaco. Das war zu der Zeit, als sie Rainier Grimaldi kennen lernte. Auf einem anderen Abschnitt dieser Strasse ist sie im September 1982, als Fürsten-Gattin von Monaco, tödlich verunfallt. Brittany Murphy hatte etwas von der Figur, die sie in „Girl, interrupted” darstellte. Manchmal sind reale Personen Vorbilder für Film-Charaktere. So wie Jeff Dowd (Filmproduzent und politischer Aktivist, Coen-Bekannter) für Jeffrey Lebowski oder Frank Rosenthal für “Ace” Rothstein (“Casino”).

Was die „Oscar“-Verleihungen betrifft, 1953 wurde die Verleihung erstmals im Fernsehen übertragen. Millionen konnten von da an (live) miterleben, was bislang ein elitäres Dinner für die Branche gewesen war. Und 1953 hat der zweite Anlauf des Senators Joseph McCarthy begonnen, mit einem Ausschuss seiner Parlaments-Kammer auf Jagd auf (vermeintliche oder tatsächliche) Kommunisten zu gehen. Daneben war der Untersuchungsausschuss des Repräsentanten-Hauses “für unamerikanische Umtriebe” aktiv. Und auf Betreiben dieses zweiteren Ausschusses (zu HUAC abgekürzt) wurden in der Hollywood-Filmindustrie nicht Wenige beschuldigt und mit Arbeitsverbot belegt. Nominiert werden durften 1953 nur Filme, die dem HUAC als unverdächtig erschienen. Und der Kommentator der ersten im Fernsehen übertragenen Oscar-Verleihung war der Rechtsaussen Ronald Reagan.20

Reagan nahm ausserdem an der Propaganda-Kampagne “Crusade for Freedom” (1950–1960) teil, die vom CIA-gesteuerten “Radio Free Europe” finanziert wurde

Liberal durfte Hollywood erst später werden, und dann war es auch noch nicht die Jury der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für ihre Preise. Und deren Verleihungen wurden gelegentlich Ort politischer Manifestationen. Unter den Filmen, in denen der Untersuchungsausschuss des Repräsentanten-Hauses für unamerikanische Umtriebe (HUAC) und sein Wirken auf Hollywood eine zentrales Element der Handlung darstellen, ist zB “So wie wir waren” (1973) von Sydney Pollack. Zu Quasi-Propagandafilmen Hollywoods aus späteren Jahren zählt “The Green Berets” / “Die grünen Teufel” (1968) von und mit Marion Morrison (“John Wayne”), einem der ganz wenigen amerikanischen Filme, in denen das Mitmischen in Vietnam positiv dargestellt wurde.

In „Birdman of Alcatraz“ (1962) stellt Burt Lancaster den Mörder Robert Stroud (auch im Gefängnis tötete der einen Wärter) dar, der im Gefängnis in Leavenworth in Kansas autodidaktisch zum Ornithologen wurde. Der Film führte zu Wünschen nach Freilassung des noch inhaftierten Stroud. Stroud wurde 1942 nach Alcatraz gebracht (das vor-letzte Gefängnis, in das er verlegt wurde) – wo er keine Haustiere halten durfte. Auch wenn er als “Birdman of Alcatraz” bekannt wurde und einer der berühmtesten Gefangenen auf dieser Insel war, der Vogelmann war er in seiner Zeit in Leavenworth (1912-1942).

Manche Filme haben Aufruhr ausgelöst. “Baby Doll” von Elia Kazan (1957) etwa, wegen des Umgangs mit Sexualität. So eine Art Massenhysterie, die das Hörspiel “Krieg der Welten” anscheinend ausgelöst hat, ist mir durch einen Film nicht bekannt. Charles Chaplin besuchte 1931 Berlin, wurde gefeiert, die NS-Presse hetzte gegen ihn, u.a. als “Juden” (der er nicht war); 9 Jahre später spielte der Brite in USA Hitler in “Der grosse Diktator”. Montgomery Clift passierte während der Dreharbeiten zu “Raintree County”/”Im Land des Regenbogenbaums”21 1956 in Beverly Hills ein Auto-Unfall, der ihn entstellte und von dem er sich nie mehr erholte. Der Unterschied bei Clift zwischen den Szenen die vor dem Unfall und jenen die nachher gedreht wurden, war offensichtlich, und die Neugier darauf lockte Viele in die Kinos.

Und Lee H. Oswald ist ja, nachdem er durch die Erschiessung John Kennedys in Dallas Geschichte geschrieben hatte (oder: während mit ihm eine üble Nummer geschoben wurde) in ein Kino geflüchtet. Der Film, von dem er dort nicht viel gesehen hat, war “War Is Hell” / “Marschbefehl zur Hölle”, über den Korea-Krieg. 2012 der Amoklauf in einem Kino in Aurora in Colorado, während der mitternächtlichen Premiere des Batman-Films “The Dark Knight Rises”.

Hinweise

Robert Burgoyne: The Hollywood Historical Film (2008)

Will Wright: Sixguns and Society: A Structural Study of the Western (1977)

Über den Film „Die Brücke am Kwai“ (1957) und die Tatsachen dahinter (Englisch)

www.historienfilm.net

www.historyvshollywood.com/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Beispiel dafür sind 19 italienische Hercules-Filme, aus den späten 50ern, frühen 60ern
  2. In “Deutschland – ein Sommermärchen” zeigt Wortmann ja das deutsche Team bei der Heim-WM 06, als Dokumentarfilm
  3. Film über eine Hexenverfolgung in Salem 1692, nach einem Stück von Arthur Miller
  4. Cameo-Auftritt von Robert A. Wilson
  5. Fehler (Handlungs-Löcher) in diesem Film sind eine andere Sache, werden ein ander Mal behandelt werden
  6. “Alexis Sorbas” hat ausserdem eine Rückwirkung auf die Realität. Der Tanz- /Musikstil Sirtaki (“kleiner Syrtos”) wurde von “Mikis” Theodorakis für den Film erfunden! Vorbild sind die Syrtos-Volkstänze. Im griechischen Tourismus werden die Erwartungen an die Folklore meist bedient. Der Sirtaki ist somit auch ist Paradebeispiel einer erfundenen Tradition, die ein Konzept des verstorbenen jüdisch-britischen Historikers Hobsbawn ist
  7. Bzw, man traute sich nicht, das zu artikulieren
  8. Benchley hatte die Filmrechte schon vor der Veröffentlichung verkauft
  9. Wie der palästinensische “Five broken cameras”
  10. Als der Film zehn Jahre nach seinem Entstehen im deutschsprachigen Raum erstmals gezeigt wurde, war davon nicht viel mehr als eine harmlose Romanze übrig
  11. Die Figur des Walter Sobchak in “Big Lebowski” basiert (teilweise) auf diesem Drehbuchschreiber als Vorbild!
  12. Der wahrscheinlich beste Film mit O. J. Simpson
  13. Vielleicht auch über das britische Ringen um Geltung darin; zur Zeit von Ian Flemings erstem Bond-Roman Anfang der 50er und erst Recht zur Zeit des ersten Films 1962 war GB schon nicht mehr in der “ersten Liga”. Fleming hat auf seinem Anwesen “Goldeneye” in Oracabessa in Jamaika, wo er seine Romane schrieb, wahrscheinlich etwas Anderes gefühlt
  14. Etwas, das „Big Kahuna Burger“ (kommt in mehreren Tarantino-Filmen vor), “Los Pollos Hermanos” (“Breaking Bad”) und „Krusty Burger“ („The Simpsons“) noch nicht geschafft haben
  15. Er hat auch Bücher über die Physik in James-Bond-Filmen, über den Titanic-Untergang und Fussball geschrieben
  16. Im deutschsprachigen Raum ist die Serie untrennbar mit dem Titelsong “1000 Jahre sind ein Tag” verbunden, in Finnland aber etwa erklang als Intro die “Toccata” von Bach…
  17. 2012 gab es in der Völklinger Hütte im Saarland die Ausstellung “Asterix & Die Kelten”, u.a. mit einem Vortrag von Meinrad M. Grewenig zu “Historizität und Fiktion. Asterix und die ganze Wahrheit”
  18. In synchronisierten Filmen sind diese dann in der Regel weg – oder aber sie entstehen erst durch die Synchronisation
  19. Fehler in Dialogen sind so eine Sache; sie können der Person auch absichtlich in den Mund gelegt worden sein. In “Jackie Brown” gibt’s etwa die Szene mit dem Waffenvideo-Anschauen, in der Ordell einiges Falsche über Gewehre sagt, etwa dass die Steyr “AUG” nie in einem Film vorkam. Wahrscheinlich ging es darum, zu zeigen, dass er von Gewehren nicht viel versteht, obwohl er mit ihnen handelt
  20. Reagan nahm an der Kommunisten-Verfolgung in Hollywood in den 1950ern in mehrfacher Hinsicht teil. Er soll Kollegen diffamiert und denunziert haben. Einer der das sicher getan hat, war zB Walt(er) Disney
  21. Wie “Vom Winde verweht” eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs und Verfilmung eines Romans

Islamophober Rassismus in Film und Fernsehen

Einleitung

Dass das System Oscar bzw Hollywood weiss ist, bestätigte sich heuer, als bereits zum zweiten Mal in Folge kein(e) Schwarze(r) in maßgeblichen Kategorien nominiert wurde. In den Jurys der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für die einzelnen Kategorien befinden sich auch kaum Schwarze (und Frauen). Darin spiegeln die Jurys die Chefetagen der Hollywood-Studios wider. Und in amerikanischen Filmen spiegeln sich politische Trends wider.1 Dies betrifft auch die Auswahl aktueller Bösewichte und ihre Darstellung.

Nicht immer waren Hollywood-Filme mit Rassismus so explizit bzw plump wie “Die Geburt einer Nation” (1915 fertiggestellt und veröffentlicht) über den amerikanischen Bürgerkrieg und den Wiederaufbau. Zugegeben ein extremes Beispiel, auch weil der Film damalige gesellschaftliche Urteile und Schranken widerspiegelte (die sich später änderten), aber ein Mainstream-Film, zu dem damals ausserhalb von der NAACP anscheinend wenig Kritik kam. Im Unterschied zu “Jud Süss” war dies ein Propagandafilm ohne staatliche Lenkung; dieser bedurfte es hier nicht. Der Film nimmt nicht nur entschieden für Rassentrennung Partei, diese wurde bei seiner Herstellung auch praktiziert. So wurden die Afro-Amerikaner darin von (geschminkten) Weissen dargestellt. Die glorifizierende Darstellung des Ku Klux Klan führte zu dessen Neu-Gründung.

Mexikaner, Schwarze (Afro-Amerikaner) und Indianer wurden in amerikanischen Filmen bis in die 1960er bestenfalls paternalistisch-herablassend dargestellt. Zwischendurch waren auch Deutsche und Japaner die Bösen. Dann wurden v.a. Russen bzw Kommunisten das Andere, seit dem Ende des Kalten Kriegs, spätestens ab den Anschlägen in USA 01, sind es Moslems, Orientale. Um die Spezifika ihrer Darstellung gegenüber jener von Afrikanern oder Latinos geht es hier. Im Islamophobie-Artikel habe ich schon ein wenig über das amerikanische Kino geschrieben sowie über das israelische; dieses wird hier ausgeklammert, auch Bollywood und europäische Filme/Fernsehen sind hier nicht das Thema. Als Islamophobie werte ich eine spezielle Form von Rassismus, nicht die Gegnerschaft zu einer Religion oder gar nur zu ihrer politischen Instrumentalisierung.

“Casablanca”

Dieser Film bekommt ein eigenes Kapitel, da Vieles in ihm enthalten ist, was auch in den folgenden Jahrzehnten aktuell war. Auch die Zusammenhänge zwischen Rassismus gegen “Schwarze” und jenem gegen “Braune”.

Der Film spielt 1941, wurde 1942 gedreht (fast ausschliesslich in Studios in der USA, von den Warner Brothers). Französisch Marokko, wo der Film spielt, stand wie das restliche französische Nordafrika von 1940 an bis zur alliierten Landung dort 1942 unter Vichy-Frankreich; Sultan Mohammed V. übte darunter eine gewisse Autonomie aus. Nachdem 1941 die USA-Intervention in den Krieg beschlossen wurde, begann man mit der Einstimmung darauf, auch über Filme. Das United States Office of War Information (OWI; “Amt für Kriegsinformationen”) übernahm die Koordinierung der Verbreitung der diesbezüglichen “Regierungsinformationen”, auch über Spiel-Filme. “Casablanca” ist gewissermaßen ein Propagandafilm. Der Kriegseinsatz gegen die Achsenmächte und die Vorbereitung darauf ist aber nicht das Problem.2

Der amerikanische Club in Casablanca ist im Film Treffpunkt vieler Europäer, die dorthin geflüchtet sind. Sein Chef, der Bogart-Charakter Blaine, ist ein Guter; er hat sogar im Spanischen Bürgerkrieg die republikanische Seite unterstützt. Man entschied sich damals, diese als die richtige Seite darzustellen, obwohl die USA nach dem Krieg dann das Franco-Regime (Estado Español) massiv unterstützten… Europäer und weisse Amerikaner, auch jüdische, bestreiten die Handlung. Marokkaner und schwarze Amerikaner bleiben schön im Hintergrund, treten bestenfalls in (den Weissen) dienenden Funktionen auf. Am Beginn gibts einen Streifzug durch das Casablanca abseits des amerikanischen Clubs, in einer Gasse ist ein einheimischer Schwarzer neben einem Affen zu sehen. Subtext: Dort ist sein Platz.

“Sam”, gespielt von Dooley Wilson, der Musiker in dem Club, ist ein Quasi-Sklave. Seine Aufgabe ist das Klavier-spielen und seinem Herren (Blaine) zu dienen; er singt und spielt und steht ihm bei, und er ist glücklich damit. An einer Stelle fragt Ilsa im englischen Original Renault: “Captain, the boy who’s playing the piano …”; in der deutschen Fassung wurde daraus: “Kapitän, der Mann, der da Klavier spielt …”.3 “Boy” war im Süden der USA zu jener Zeit eine verbreitete aber nichtsdestotrotz rassistische Anrede für Schwarze jeden Alters. Im Angesicht nennt sie ihn dann nicht so.

Für die Rolle des Musikers/Sängers in Rick’s “Cafe Americain” war ursprünglich eine weibliche Jazz-Künstlerin wie Ella Fitzgerald oder Hazel Scott vorgesehen. Doch, die unterschwellige Sexualität der Nähe einer jungen Afro-Amerikanerin zu Blaine/Bogart… Das wäre vor allem im Süden der USA nicht gut angekommen – wo Schwarze auch nach dem Sieg über die Nazis dann um ihre Bürgerrechte kämpfen mussten, sie noch in den 1950ern von Soldaten der Nationalgarde in Universitäten begleitet werden mussten, etc. Interrassische Sexualbeziehungen waren eines der grössten Tabus des damals gültigen Hays/Production Code. Was nun Wilson/Sam betraf, so galt das natürlich für seinen Umgang mit Ilsa/Bergman.

Rick behandelt Sam respektvoll, aber ihre Beziehung ist keine ebenbürtige. Sam kümmert sich um die privaten Belange von “Mister Rick” und “Miss Ilsa” (so hat er sie anzureden). Sams Privatleben ist dagegen kein Thema. Sam half Rick aus Paris raus zu kommen, bevor die Nazis dort sind, geht mit ihm nach Französisch-Marokko für 1 oder 2 Jahre. Und wie dankt er ihm die Loyalität? Indem er den Klub verkauft und von Sam erwartet, dort weiter in die Tasten zu hauen – und weiter Weisse glücklich zu machen. Dooley Wilson, einer der besten Jazz-Schlagzeuger seiner Zeit, musste für den Film Klavierspielen erlernen. Es heisst, Wilson hat 2500 € für seine Rolle bekommen.

Was marokkanische Charaktere betrifft, die Anzahl jener mit Sprechrollen im Film beläuft sich auf drei: der Club-Türsteher Abdul und zwei Strassenverkäufer. Marokkaner sind Subjekte, ihre Anliegen kommen nicht vor. Der marokkanische Unabhängigkeitskampf ist kein Thema in der politisch-historischen Kulisse, hat keine Relevanz, den “Eingeborenen” werden keine legitimen Eigeninteressen zugestanden, ihr Land hat Schauplatz für Auseinandersetzungen der Europäer und Amerikaner zu sein. Auch in der Wirklichkeit: die Istiqlal-Partei (Ḥizb Al-Istiqlāl) rechnete sich mit einem alliierten Sieg Chancen auf die Unabhängigkeit aus, es änderte sich aber nichts für sie. Auch marokkanische Juden kommen nicht vor (nur europäische/amerikanische). Oder dass der marokkanische Sultan diese beschützte. “Schwarze” und “Braune” stehen in dem Film eine Stufe unter Weissen. Sie haben für Weisse zu kämpfen und sie zu unterhalten.

Die Orientalen wurden/werden aber danach beurteilt, wie sie sich gegenüber der siegreichen westlichen Seite verhielten, und diese Urteile kommen heute vorwiegend aus dem Land der damaligen Gegenseite; auch eine Art von Geschichtsaufarbeitung. Die weisse Macht, im Film wie in der damaligen Realität gegeben, schliesst auch Nazi-Deutsche mit ein. Und Juden fanden damals in Französisch-Marokko Schutz vor deutscher/europäischer Verfolgung.

Italiener werden durchwegs negativ dargestellt; das hat sicher damit zu tun, dass Italien Verbündeter Nazi-Deutschlands war. Allerdings: der Offizier Tonelli wird, ähnlich wie der Franzose Casselle übrigens, entsprechend negativen Klischees über Südländer dargestellt: unüberlegt, überschwenglich, zu schnell und zu viel redend, nebenbei ungepflegt. Und, der Taschendieb zu Beginn des Films, der einen leichtgläubigen, gutmütigen Engländer bestiehlt (gespielt von Curt Bois). Er wird als “dunkler Europäer” gezeichnet und bezeichnet4. In der Farbenhierarchie stehen Südeuropäer schon eine Stufe unter … den Zivilisierteren?

Hollywood vor 11/9/01

Frühe Hollywood-Darstellungen von Arabern oder Iranern, wie in Stummfilmen, in “Dolche in der Kasbah”, “Lawrence of Arabia” (1962) oder Verfilmungen aus “Geschichten aus 1001 Nacht” (wie Ali Baba) hatten zwar die hässlichen, grossnasigen Orientalen, die eine andere Kultur haben, aber diesen wurden meist noch keine verderblichen politischen Absichten untergeschoben. Die Konstruktion orientalistischer Fremdheit und okzidentaler Eigenheit begann freilich früh.

Hollywoods frühe Juden, wie Samuel Goldwyn, waren in der Regel weder zionistisch noch rassistisch. “Exodus” und “Schatten des Giganten” waren in den 1960ern frühe Behandlungen (Förderungen) des zionistischen Themas (Anliegens) durch das US-amerikanische Kino. Nach dem Krieg 1967 erst wurde Israel für viele “Diaspora”-Juden ein Thema. Und Israel hielt in Hollywood Einzug. Einer der ersten Filme des Israelis Menachem Golan (Goldmann) war “Einer spielt falsch”/”Trunk to Cairo”, 1965 gedreht, 1966 in die Kinos gekommen. Israel und die “freie Welt” auf der einen Seite, auf der anderen Seite der dunkle, gefährliche Orient. Ägypten (unter Nasser Israels Hauptgegner) strebt Atomwaffen und die Weltherrschaft an, mit Hilfe deutscher Wissenschafter. Aber die Dinge kommen zu einem guten Ende, da sich die Bundesrepublik bzw ihre Repräsentanten auf die richtige Seite stellen. Mit-produziert hat Artur Brauner.

Golan war dann in Hollywood aktiv, leitete von 1979 bis 1989 zusammen mit seinem Cousin Joram Globus die Produktionsfirma “Cannon Group”. In vielen Golan-Globus-Filmen geht es um Action in Verbindung mit einer Rettung von Israel und der freien Welt vor dem bösen Orient – wie in jenem von 1965. Etwa “Delta Force” (1985 in Israel gedreht) mit “Chuck” Norris. Wikipedia zitiert dazu aus dem “Lexikon des internationalen Films”: „Klischeehafter, dilettantischer Action-Reißer mit vorgeschobener moralischer Botschaft, der mit politischen Verzerrungen, Feindklischees und Racheinstinkten operiert.“

In “Sahara” (1983 erschienen) gehts um eine flotte Amerikanerin (Brooke Shields) die dort von einem Scheich entführt wird. Neben Golan wirk(t)en auch weitere Israelis wie Chaim Saban, Boaz Davidson oder “Avi” Lerner in Hollywood, in verschiedenen Funktionen.5

Islamisten, im Kalten Krieg gegen Kommunisten unterstützt, wurden noch in den 1980ern in Mainstream-Filmen positiv dargestellt. Vor allem die Mujahedin Afghanistans, in “Rambo III” oder “James Bond” (“The Living daylights”/”Hauch des Todes”). Diesbezüglich ist “9/11” eine deutliche Wasserscheide; Verdrehungen dieser Art kommen nicht mehr vor. In den 1980ern wurden Islamismus und Terror aber auch schon oft unseriös und diffamierend dargestellt; wie in der Anfangsszene in “Leben und Sterben in L. A.” (William Friedkin), einem unpolitischen Film.

Der Film „Nicht ohne meine Tochter“, 1991 vor dem “2. Golfkrieg” rausgekommen, war rassistischer, hetzerischer als das zu Grunde liegende Buch (Erscheinungsjahr 1987). “Moody” Mahmoody ist darin das Produkt seiner Kultur, der Stereotyp des dämonischen Persers, eines gewalttätigen und intoleranten Mannes. Aber auch die anderen iranischen Charaktere sind böse, Fanatismus ist der iranische Nationalcharakter. Der Film porträtiert nicht das iranische Regime negativ, sondern vor allem die iranische Bevölkerung/Kultur. Die Iraner sind darin genau so anti-westlich und religiös, wie sie sich das iranische Regime wünscht… Ausserdem schmutzig, unehrlich, aggressiv, etc. Es ist nicht (nur) die Darstellung von Betty Mahmoodys Version der Ereignisse, es ist die Beschreibung einer ethnischen Gruppe. Gleichwohl behaupten Verteidiger des Films, dass es ihnen um die Rechte “islamischer Frauen” ginge – Iranerinnen werden aber darin im Endeffekt genau so negativ dargestellt, propagiert, wie die Männer.

Das Casting, die Besetzung der Rollen, dieses Films ist ein Paradebeispiel für “Whitewashing” in der amerikanischen Filmindustrie, die Praxis, nicht-weisse Charaktere durch weisse Schauspieler spielen zu lassen. Der spanisch-italienische Engländer Alfred Molina spielt den bösen Perser (in einem “Prince of Persia”-Film” durfte er wieder einen spielen), der griechische Franzose Corraface einen anderen Iraner, die Amerikanerin Sheila Rosenthal die Tochter des Paares,… Gedreht wurde u.a. in Israel.

“True Lies” (1994, “Wahre Lügen”, James Cameron, Arnold Schwarzenegger,…) ist einer der prägendsten Prä-11/9-Hollywood-Filme mit stereotyper, dämonisierender Darstellung von “Moslems”. Der Rassismus findet im Schatten der eigentlichen Geschichte statt. Die Darstellung der Orientalen zwischen Dummheit und Gefährlichkeit erinnert an schwarze Charaktere in “Birth of a Nation”, die entweder den Weissen einfältig ergeben oder böse sind.

“Rules of Engagement” / “Rules – Sekunden der Entscheidung” (Richard Zanuck, Jim Webb, William Friedkin; Tommy L. Jones, Samuel L. Jackson; Paramount) kam 2000 in die Kinos, quasi am Vorabend von Bush und Bin Laden. Es geht um Vietnam-Veteranen und die USA-Botschaft in Jemen. Amerikanisches Militär wird zu ihrem Schutz eingeflogen, jemenitische Zivilisten getötet. Der Einsatzleiter (Jackson) muss sich verantworten. Die Aussage ist, dass es die getöteten Zivilisten nicht anders verdient haben, sie gefährlich waren/sind. Damit das auch alle kapieren, taucht ein behindertes Mädchen (Jihane Kortobi) auf, das die zu grossherzigen amerikanischen Soldaten mit einer Schusswaffe angreift. Das rechtfertigt Opfer auch unter Frauen und Kindern, denn diese greifen ja zuerst an.

Zeitlich an der Schwelle zum Zeitalter von Islamismus und Islamophobie stand “The Order”, Ende 01 herausgekommen, gedreht (und geschrieben) vor 11/9 und wohl während der (2.) Intifada. Es geht zwar auch um Fanatismus und Gewalt, aber aus einer Sekte (in Israel/Palästina) heraus, die jüdische, christliche und moslemische Komponenten hat und eigentlich friedlich ist – und auf die Kreuzritter zurück geht. Jean-Claude van Damme als Europäer, der dort hinein gerät (sowie als Kreuzritter) und den Frieden rettet.

Im neuen Jahrtausend

Zu den vielen tendenziösen Filmen in den letzten 15 Jahren gehört “Five fingers” (2006) von Laurence Malkin, mit Laurence Fishburne als “Ahmat”. In “300” war das vor-islamische, zoroastrische Persien der Feind der westlichen Zivilisation, Orient bleibt eben Orient. Zu diesem Film und den Hintergründen auch Einiges im Griechenland-Artikel.

“You Don’t Mess with the Zohan” (08, “Leg dich nicht mit Zohan an”) von und mit Adam Sandler erhebt anscheinend den Anspruch auf Satire, in seiner Darstellung der Arbeit des Mossad. Die Palästinenserin wird von einer kanadischen Jüdin marokkanischer Herkunft gespielt, Emmanuelle Chriqui. Sayed Badreya, um den es hier noch eingehender gehen wird, spielt einen der Bösewichte; er hat Chriqui während der Dreharbeiten auch etwas Arabisch beigebracht.

In “Zero Dark Thirty” (2012, Regie Kathryn Bigelow) geht es um die amerikanische Jagd auf Osama Bin Laden nach den Anschlägen ’01 sowie seine Liquidierung. Ohne jetzt nachzurecherchieren – die Zusammenarbeit der US-amerikanischen Behörden mit Bin Laden und seinen Leuten gegen die Kommunisten in Afghanistan wird darin wohl nicht gross thematisiert werden. Den Machern des Films wurde vorgeworfen, Folter zu legitimieren

“Syriana”, auf den Aufzeichnungen des Ex-CIA-Mitarbeiters Baer basierend, differenziert. “The Kingdom” angeblich auch, mit Jamie Foxx als saudischem Offizier. Die Khaled Hosseini-Verfilmung „Drachenläufer“ kann auch diesen Anspruch erheben. Oder “Machtlos”/”Rendition” von Gavin Hood, mit Reese Whiterspoon. “House of Sand and Fog”, über Exil-Iraner in USA, ist auch relativ ausgewogen; die weibliche Hauptdarstellerin Shohreh Aghdashloo, die 1978 den Iran verliess und in Los Angeles lebt, wirkte auch in einem sehr fragwürdigen Propagandafilm mit, dazu unten mehr.

US-Scharfschütze Chris Kyle hat im Irak 160 Menschen gezielt getötet und galt als Kriegsheld. Nach mehreren Einsätzen im Irak kehrte er in die Heimat zurück, gründete eine Sicherheitsfirma (“Craft International”), machte sich nach Schulmassakern als Befürworter des privaten Waffenbesitzes und der Bewaffnung von Lehrern stark und kümmerte sich nebenher um kriegstraumatisierte Soldaten. Einer von ihnen erwies sich als “paranoid” und tötete Kyle an einem Schießstand. Über die USA hinaus bekannt wurde er durch seine Autobiografie, die Einblick in seinen “Kriegsalltag” gab; dabei stellte sich die Frage, ob es sich bei Kyle um einen Helden oder um einen Verbrecher handle. Kyles “Kriegstrauma”: nicht, dass er so viele Menschen getötet hat, sondern dass er nicht noch mehr Menschen getötet (und dadurch noch mehr US-Soldaten “geschützt” hat). “American Sniper” ist die 2014 rausgekommene filmische Umsetzung der Memoiren Kyles, eine Heldendarstellung von Clint Eastwood, unkritisch natürlich auch in Bezug auf die Haltung des Protagonisten zum Waffengebrauch “zu Hause”, dem er selbst zum Opfer fiel.

“Argo” (2012) erhebt auch den Anspruch auf Authentiziät, darauf, ein Historienfilm zu sein. Ben Affleck spielt den CIA-Agenten Mendez (zT mexikanischer Herkunft, aus Nevada), der die Evakuierung der Botschaftsmitarbeiter aus Iran auf diesem Weg ausdachte/organisierte. Grant Heslov ist ein Mitproduzent. Der Film ist nicht als islamophob zu verdammen, aber einige Aspekte sind zu kritisieren. Was viel zu kurz kommt, ist die iranische Opposition zu der Botschafts-Geiselnahme, nicht zuletzt von Premierminister Bazargan, der dann zurücktrat, der inner-iranische Kampf bzw Diskurs während dieser Revolution. Kritiker haben darauf hingewiesen, dass Iraner hauptsächlich als Masse religiöser, gewalttätiger Fanatiker porträtiert werden. Wirklich differenziert werden nur die Amerikaner und Kanadier gezeichnet.

Sacha Baron-Cohen ist nicht nur in Hollywood “zu Hause”, auch im Fernsehen und in Grossbritannien. Bezüglich “Ali G” hat er gesagt, dieser sei die Parodie eines privilegierten weissen Jugendlichen, der wie ein Schwarzer wirken möchte. “Borat Sagdiyev” soll ein kasachischer Reporter sein, “Brüno Gehard” ein österreichischer Schwuler; beide sind Antisemiten. In “Der Diktator” geht es um “Admiral General Aladeen”, die Karikatur eines orientalischen Despoten. Baron-Cohen zieht zweifellos auch die Amerikaner oder die Briten durch den Kakao, wenn er diese mit “Ali” oder “Borat” konfrontiert. Dennoch ist es bemerkenswert, wen er sich zur “Parodie” aussucht und wie er diese gestaltet. Bezüglich Ali G. hat der Komiker Felix Dexter angemerkt, auch wenn dieser ein “Weisser” sei, werde letztlich über schwarze “Strassenkultur” gelacht, von den liberalen Mittelklassen, die dies aus dem sicheren Gefühl ihres Verständnisses von politischer Korrektheit tun. Die anderen drei dieser fiktiven Charaktere sind “Antisemiten”, zwei davon “Orientale”. Was Baron-Cohen nicht zur internationalen Lachnummer macht, nicht zum Lachen freigibt, wo er keine politische Inkorrektheit erlaubt, das spricht ja auch für sich.

Auch islamische Opfer von Islamismus sind Zielscheibe von Islamophobie bzw werden mit Islamismus in Zusammenhang gebracht. Der aus Syrien stammende Moustapha Akkad hat in USA als Filmemacher gearbeitet, etwa ”Lion of the Dessert” gemacht (über Omar Muchtar). Er wurde 2005 in Jordanien Opfer eines Sprengstoffanschlags von Salafisten aus dem Irak, eines von 60, in 3 Hotels. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete er an einem Film über Salahaddin und die Kreuzritter.

Serien

Auch bei TV-Serien begann mit den Anschlägen 2001 ein neues Zeitalter. Bezüglich “Bonanza”-Koch-Darsteller Philip Ahn (“Yes, Mistel Caltwlight”) ist zB zu sagen, dass er als koreanischer Amerikaner dort den Chinesen, davor oft Japaner spielte. Japaner hat er in WKII-Kriegsfilmen nach eigenen Angaben gern und böse dargestellt, da diese damals auch sein Herkunftsland Korea besetzt hielten.

Zur US-amerikanische Fernsehserie „Homeland” (Sender Showtime> CBS) ist auch der Artikel von salon.com unten zu beachten. Die Hamra-Stasse in Beirut, eine mondäne, belebte, urbane Strasse, wurde darin etwa als enge Gasse voller potentieller Terroristen dargestellt (die betreffenden Szenen wurden in Israel gedreht). Hisbollah und al-Qaida, die in Wirklichkeit Feinde sind, im Sinne der simplifizierten Drohkulisse kooperieren miteinander.

In die mit Emmys und Golden Globes preisgekrönte Serie konnten Sprayer Kritik hinein-schmuggeln. Als “Carrie Mathison” in der zweiten Folge der fünften Staffel mit einem “Hisbollah-Führer” in einem “syrischen Flüchtlingslager” entlang geht, taucht auf einer Wand im Hintergrund Graffiti auf. Zuschauer mit Arabisch-Kenntnissen konnten da etwa „Homeland ist rassistisch“ lesen. Oder „Homeland ist KEINE Serie“, „Es gibt kein Homeland“, oder auch „#blacklivesmatter“. Das Flüchtlingslager war bei Berlin gebaut worden. Drei Graffiti-Künstler waren angeheuert worden, Dekoration für das “Homeland”-Filmset in Berlin in Form von arabischer Graffiti zu machen. Heba Amin, Caram Kapp und ihr Kollege mit dem Künstlernamen „Stone“ zögerten zunächst wegen des Charakters der Serie, erkannten dann aber die Chance auf eine subversive Aktion – die sich nur bot, weil die Macher so wenig von arabischer, islamischer Kultur verstehen.

Heba Amin schrieb auf seiner Internetseite, in „Homeland“ würden sich fotogene, vorwiegend weisse Amerikaner den “bösen und rückwärts gerichteten Moslems“ entgegenstellen. Das Trio kritisierte die Serie für ihre Scheinheiligkeit bei der Darstellung des Kampfes gegen den Terrorismus und ihrer falschen, undifferenzierten und ihrer “höchst voreingenommenen Darstellung von Arabern, Pakistani und Afghanen”. „Homeland“-Ko-Schöpfer Alex Gansa sagte dazu unter Anderem, seine Serie wolle selbst subversiv sein und Diskussionen anregen.

Künstlerische Sabotage gegen "Homeland"
Künstlerische Sabotage gegen “Homeland”

Vorlage für “Homeland” war “Hatufim”, die israelische Serie über im Libanon gefangene Soldaten, die bei einer “Spezialmission” gefangen genommen wurden. Die Serie und auch ihre Rezeption sagt viel über das israelische Selbstverständnis aus: Opfertum, Heldentum, “Sicherheit” (> Ausschluss, Unterdrückung). Israel und die Region, Zivilisation und Barbarei. Das Dogma der Unvereinbarkeit ihrer aufgeklärten, wohlhabenden, zivilisierten, hochgerüsteten Welt mit jener der rückständigen Orientalen. Gewaltakte und Unterdrückungsmaßnahmen sind notwendige Handlungen bei der Verfolgung/Vermeidung viel schlimmerer Verbrechen. Kritisiert wurde in Rezeptionen allenfalls die in der Serie gezeigte Praxis des Gefangenenaustauschs – das also palästinensische Gefangene freikommen. Man zeigt auf “Foltergefängnisse” im Libanon um von den eigenen abzulenken. Hier läuft die Serie auf Arte (!). Auf de.wiki ein völlig unkritischer Artikel dazu. Damit die israelische Note bei “Homeland” auch nicht zu kurz kommt, ist “Hatufim”-Macher Gideon Raff dort als Executive Producer beteiligt.

Vor “Homeland” gab es bereits „Sleeper Cell“, davor “Navy CIS” und “24”. „Sleeper Cell“ (2005/06 erstmals ausgestrahlt), ebenfalls von Showtime, wurde u.a. von Ethan Reiff geschrieben. Der Israeli Fehr spielt den Oberterroristen (Faris/Saad), Ealy einen schwarzen FBI-Agenten der zum Islam übertrat, weiters gibt’s einen französischen Skinhead, eine blonde Amerikanerin mit liberalen Eltern, einen Latino und eine niederländische Prostituierte, die aus Gründen wie Liebe ebenfalls zum Islam konvertiert sind, der US-Iraner O. Abtahi spielt einen schwulen Iraker, Grant Heslov (in “True Lies” ein Guter) spielt einen Moslem der gesteinigt wird…

Jack Shaheen (s.u.) wies darauf hin, dass in “Sleeper Cell” und “24” arabische Amerikaner als der innere Feind für die USA gezeichnet werden. Obama, auch hier mit einem lobenswerten Ansatz, hat vor einiger Zeit beim Besuch einer Moschee in Baltimore gemeint, es wäre eigentlich nicht so schwer , Moslems in der Populärkultur anders dar zu stellen. “Unsere Fernsehserien sollten einige moslemische Charaktere haben, die nichts mit nationaler Sicherheit zu haben.”

Bei “Tyrant” wirken wieder Gideon Raff und Howard Gordon (“Homeland”), wieder gehts um den Orient und den Westen, mit denselben Stereotypen der Islamophobie; einer der Orientalen wird durch den “israelischen Araber” Barhum dargestellt.

Die Darsteller der Bösen

Der ägyptisch-stämmige Sayed Bedreya hat oft den arabischen Terroristen gespielt, auch in “Zohan”, auch Saddam Hussein hat er schon dargestellt. Er ist einer aus dem Pool der Schauspieler, die in Hollywood solche (und nur solche) Rollen spielen dürfen. “In the name of Allah I will kill you all”, diese Zeile (oder eine ähnliche), so Bedreya, hatte er früher oder später bei seinen Auftritten bringen müssen. Er hat sich davon distanziert und einen neuen Weg eingeschlagen – den des Selbst-Inszenierens. “Kein Weisser macht Filme über Harlem, das überlassen sie Spike Lee.” Er wolle seinem Beispiel folgen und eigenes Material über seine Leute produzieren, um Stereotypen zu begegnen.

Bedreya wirkte bei “American East” (2008) mit, in dem es hauptsächlich um die arabisch-amerikanische Erfahrung im Post-9/11 Los Angeles geht, als Drehbuchautor und Hauptdarsteller. Tony Shalhoub war dabei, Hesham Issawi führte Regie, Ahmad Zahra produzierte den Film. Metro-Goldwyn-Mayer brachte den Film zwar als DVD heraus, er kam aber kaum in Kinos… Bedreya machte mit Shalhoub und Issawi schon den Kurzfilm “T for Terrorist” (2003).

Im Pool der Schauspieler aus dem moslemischen Raum für orientalische Bösewichte ist auch Ahmed Ahmed, ebenfalls ein Ägypter in der USA. Er spielte zB in “Zohan”, und ohne auf Wikipedia oder IMDB nach zu schauen, kann man sich ungefähr denken, was für eine Rolle das war. Der pakistanisch-britische Schauspieler Athar Malik spielte zB in “True Lies” den Terroristen. Der iranisch-amerikanische Schauspieler Maz Jobrani macht Comedy/Cabarett mit dem von Hollywood gepflegten Klischee des orientalischen Bösewichts, dem er sich auch nicht ganz verweigern kann/will.

Die palästinensisch-amerikanische Schauspielerin Nicole Pano sagte in einem Zeitungs-Interview, sagte, sie habe Probleme, Rollen zu bekommen, da man ihresgleichen Terroristen spielen lässt und dafür sehe sie zu gut aus, Terroristen (bzw Orientale) sind hässlich. Wenn sie Glück hat, kann sie eine Italienerin spielen, ihr Name klinge ein bisschen so. “Israelische Araber” werden auch gerne für für die Darstellung des moslemischen Terroristen eingespannt; und Mizrahi-Juden.

Es gibt einige Schauspieler aus der “islamischen Welt”, die in amerikanischen Filmen (noch) etwas anderes spielen dürfen als islamistische Terroristen oder geschlagene Frauen, in Vergangenheit und Gegenwart. Omar Sharif etwa, Tony Shalhoub, oder Golshifteh Farahani.

Manchmal spielen Andere den orientalischen Bösewicht, wie Molina den Perser in “Nicht ohne meine Tochter”. Das gibt es auch bei der Darstellung anderer “Nationalitäten”; in “Air Force One” spielte Gary Oldman etwa den russischen Terroristen (genau so plump und stereotyp angelegt). Der irisch-mexikanische Amerikaner Anthony Quinn spielte Eskimos, Indianer, Russen, Griechen oder Araber, aber in der Regel nicht respektlos.

Differenzierte Darstellungen von “exotischen” Charakteren sind ebenso selten wie “differenzierte” Rollen für exotische Darsteller. Auch Afro-Amerikaner, Latinos oder Inder weitgehend auf bestimmte Arten von Rollen festgelegt. Guy Aoki, ein japanischer Hawaiianer, engagiert sich bei (ost-)asiatisch-amerikanischen Belangen, auch bezüglich Film.

“Dokumentations-Filme”

Echte Dokus sind nie ein Problem; Ilan Ziv, ein meist in USA arbeitender israelischer Dokumentarfilmer, macht etwa recht ausgewogene Filme (jenseits von Schwarz-Weiss-Malereien und politischen Zielen), die die Klassifizierung “Dokumentation” auch verdienen. Bezüglich Filmen, die so angelegt sind, dass sie Reaktionen provozieren sollen (die dann das eigentliche Thema sind!), wie dem “Innocence”-Film, habe ich auch im Islamophobie-Artikel etwas geschrieben, auch über den Fehler, diese Einladung zur Propaganda für die “andere Seite” anzunehmen.

Hier geht es um Propagandafilme. Die angeblich so propalästinensisch und antiisraelisch berichtenden Medien sind ein immer wiederkehrendes Motiv. Esther Schapira und ein “Pierre Rehov” haben zB Filme über den al Dura-Tod 2000 in Gaza gemacht, als “Dokus”, mit „Aufdecker“-Anspruch.6

Ein offenerer Propagandafilm als “Homeland” oder solche Pseudo-Dokus ist etwa “Obsession (Radical Islam’s War against the West)”. Hier wirkte die “antiislamische” Creme mit, Caroline Glick, Daniel Pipes, Martin Gilbert, Itamar Marcus (PMW), Steve Emerson, Alan Dershowitz7, Robert Wistrich, “Brigitte Gabriel”, dann der Ex-Nazi A. Heck, und ein paar Vorzeige-(Ex-)Moslems wie Walid Shoebat. Die Abgeordneten Deborah Wassermann-S. (DP) und Eric Cantor (Republican jewish coalition) sponserten eine Vorführung im USA-Congress.

Produziert wurde das Filmchen vom Clarion Fund (Rabbi Shore), der sich die Anschrift und das Personal mit “Aish ha Torah” teilt; im Umfeld der Organisation wirken Pipes, Frank Gaffney (“Center for security policy”), Robert James Woolsey, sie bekommt Spenden von Irving Moskovitz und Sy Sims, unterstützt u.a. israelische Siedlungen die im nördlichen Westjordanland einen Unruheherd bilden (sollen). Clarion machte auch den Propagandafilm „Iranium“ (2011), wiederum unter Mitwirkung gewichtiger Ziocons: “Endowment for Middle east truth”, AIPAC, Republican Jewish Coalition, Center for security policy, “David Horowitz Freedom Center”, Heritage Foundation und andere Lobby-Tanks, auch Michael Leeden, Kenneth Timmerman, John Bolton, Bernard Lewis, Richard Perle,…

Es geht den Machern dieses Films um einen Krieg gegen Iran; dabei werden ähnliche Argumente wie vor dem Irak-Krieg verwendet: “Mitwirkung an 9/11, Bau von Atomwaffen, Gefährdung für den Westen und die Region, Hilfe für das iranische Volk“. Ausgerechnet Aghdashlou, eine der Schauspielerinnen aus der nicht-weissen Welt, die es in Hollywood geschafft haben, machte bei der Propaganda-Hetze mit, als Sprecherin. Die iranische grüne (Anti-Regime-)Bewegung wehrte sich gegen ihre Vereinnahmung durch den Film (die auch vor der getöteten Neda Agha-Soltan nicht Halt machte), kritisierte Aghdashloos Mitwirkung. Auch das National Iranian American Council (NIAC) in der USA kritisierte den Film8 Neocons wie Timmerman und Pipes reagierten darauf mit einer Kampagne gegen das NIAC, die zT über die Zeitung der Moon-Sekte, “Washington Times”, und Eli Lake lief.

Aish/Clarion brachten dann “The third Jihad”, über die schockierenden Absichten der finsteren Muselmänner gegenüber dem Westen und besonders der USA (für diesen Markt ist der Propagandafilm bestimmt). Nur eine kleine Minderheit der Moslems sei radikal, heisst es am Anfang, der Rest des Films untergräbt aber diese Beteuerung. “Mutige Moslems” wie Walid Phares oder Zuhdi Jasser werden gefeatured, Bernard Lewis kommt vor und von PMW übersetztes… Sogar im jüdisch-amerikanischen Magazin forward.com gab es einen kritischen Artikel darüber: http://forward.com/opinion/150677/islamophobic-film-and-its-jewish-backers/

Zu den Clarion/Aish-Werken gehören auch „Relentless. Struggle for peace in Israel” (Glick, Marcus, J. Loftus, Joseph Farah, El. Mathias, Brian Spector, S. Mandel,…), “Honor Diaries” (Hirsi-Ali), “Crossing the line: Intifada comes to Campus” oder “Israel Inside: How a Small Nation Makes a Big Difference”. Auf Youtube veröffentlicht Clarion auch Filme („…mission is to educate people about the threat of radical islam“, „our way of life“, „western civilization“,…).

In „Islam – what the west needs to know“ (Quixotic Media) wirken Giselle Littman (“Bat Yeor”), Robert Spencer, S. Trifkovic und Gregory Davis mit. Von Dan Setton oder Ted Anspach gibt es auch “Dokus” dieser Art. Propagandafilme, in denen nicht “der Islam” im Mittelpunkt steht, sind zB “Occupy Unmasked” von Stephen Bannon und David Bossie (“Citizens United”), der sich gegen die Occupy-Bewegung richtet, oder “Fahrenhype 9/11”, die konservative Antwort auf “Fahrenheit 9/11” von Michael Moore, mit Ron Silver, David Frum, Ann Coulter,…

Hier her gehört auch das „Menschenrechts-Filmfestival“ von “thishumanworld” in Wien, das zumindest 2013 eine deutliche Schlagseite hatte: Die Vorführung des Dokumentationsfilms der Exil-Iranerin Nahid Sarvestani-Persson, „My stolen Revolution“, über den Diebstahl der Revolution gegen den Schah durch Islamisten, wurde dort mit einer Propagandaveranstaltung von Dropthebomb (auf Iran) gekoppelt… Daneben wurden auch 2 Filme in „Kooperation mit der israelischen Botschaft” aufgeführt, einer über einen „neuen Antisemitismus“, der andere über Holocaust.

Analyse

Die Darstellung und Verwendung von “Orientalen” in Filmen spiegelt das Politische wieder, ob das die Darstellung der “guten” Mujahedin in Afghanistan in den 1980ern ist (gegen die “bösen” Kommunisten) oder im neuen Jahrtausend intensiv die Darstellung von Moslems als Fanatiker und Terroristen. Auch dass Moslems/Orientalen allgemein abseits vom rückständigen, gewalttätigen, abergläubischen Fanatiker kaum eine ROLLE  zugebilligt wird… Na ja, die der Malalas und Ayaans auch. Und die des “geläuterten Moslems”, à la Mossab H. Yousef, der die westliche Zivilisierungsmission gegenüber seiner Kultur bestätigt.

Viele Darstellungen von Arabern oder Iranern ähneln den “10 kleinen Negerlein” in ihrer Darstellung der „Farbigen“/Orientalen als unzivilisiert, zurückgeblieben, ungeeignet für höhere Kultur. Und, es gibt natürlich Gemeinsamkeiten in diesem Kulturalismus/Rassismus mit jenem gegenüber “Latinos”, Afrikanern oder Südeuropäern. Wenn man sich etwa die Darstellung des brasilianischen Gewalttäters in “Murder One” ansieht…

Etwas ganz anderes sind die Darstellungen von “Orientalen” in “Hot Shots” oder “Nackte Kanone” – humorvoll und nicht-rassistisch, die (“westliche”) “Gegenseite” wird nicht als das leuchtende Gegenstück dargestellt, die (unausgesprochen) vorbildliche Norm, diese wird genau so durch den Kakao gezogen. In solchen Filmen wird die Darstellung von Orientalen in Hollywood-Filmen mitunter sogar parodiert.

Die türkische Serie “Tal der Wölfe” (“Kurtlar Vadisi”) läuft seit 2003. Im Gegensatz zur Serie „Das prächtige Jahrhundert“ („Muhtesem Yüzyıl“) geht es darin nicht um die osmanische Vergangenheit der Türkei, sondern um einen fiktiven türkischen Geheimdienst in der Gegenwart und seine(n) Agenten. Mehrere Folgen davon haben Israel (Politiker, Medien,…) erzürnt. Anfang 2010 ging es um die Darstellung israelischer Agenten die in der Türkei tätig sind. Anscheinend hatte sich die türkische Regierung geweigert, israelische Aufforderungen nach Zensur nachzukommen… Der türkische Botschafter Ahmet O. Celikkol wurde vom israelischen Vize-Aussenminister Daniel Ayalon einbestellt und vor laufender Kamera gedemütigt. Der sich danach entschuldigte, für die Verletzung diplomatischer Regeln. Das war einige Monate vor dem israelischen Massaker auf dem zur Gaza-Hilfsflotte gehörenden Schiff “Mavi Marmara”; danach wurde Celikkol abberufen und die Beziehungen “aufs Eis gelegt”.9

Israel werde darin dämonisiert, hiess es. So wie Araber, Türken oder Iraner in “Homeland” oder “Nicht ohne meine Tochter”? Bei denen es sich nicht mal um Agenten oder Soldaten, sondern um Zivilisten handelt. Auch “memri” prangert immer wieder Filme oder Serien an, die als “anti-israelisch” oder “anti-semitisch” dargestellt werden. Die doppelten Standards lassen sich auch im Umgang mit zwei „Tatort“-Folgen ablesen. Gross war die Aufregung bei der Folge „Tod im Jaguar“ 1996, in der ein einflussreicher jüdischer Geschäftsmann getötet wurde. Kritisiert wurde die wenig differenzierte Darstellung „jüdischer Geschäftemacher“ und „antijüdische Passagen“ in der Pressemitteilung des Senders Freies Berlin. In der Folge „Wem Ehre gebührt“ (2007) mit Maria Furtwängler als Kommissarin ging es um Inzest und Mord in einer alewitischen türkisch-kurdischen Familie in Deutschland. Aleviten warfen den „Tatort“-Machern vor, mit dem Film uralte Vorurteile wiederaufleben zu lassen und zu bestätigen. Diese Aufregung passte zu einem Muster, das Islamophobe für typisch moslemisch halten. Was auch insofern bemerkenswert ist, als Kurden und Alewiten von diesen gerne Moslems oder Türken positiv gegenüber gestellt werden.

Aus einem Diskussionskommentar unter einem der hier verlinkten Artikel: “Unlike race, or sexual preference, religion is a choice…”. Ein Ansatz zur Relativierung der Islamophobie (im Film). Kein stichhaltiger. Denn, es wird diskriminiert indem man einen zum religiösen Fanatiker macht (oder ihm/ihr eine Religiosität anhängt), nicht umgekehrt, dass einer aufgrund seiner Religiosität bzw seines Fanatismus’ diskriminiert wird! Rasse und Kultur wird in der Islamophobie immer mit der Religion vermischt. Auch wenn dann gerne ein tapferer, emanzipativer Kampf gegen Islamismus aus diesem Rassismus gemacht wird, oder “Religionskritik”. „Den Moslem“ auf die Terroristen-Rolle festzulegen, wie es in diesen filmischen Darstellungen meist geschieht, hat aber nichts mit Kritik am Islamismus zu tun, sondern mit Hetze gegen Einzelne bzw die Allgemeinheit in bestimmten Kulturen. Auch Atheisten, Marxisten, oder Christen aus dem islamischen Kulturraum sind in der Regel mit eingeschlossen.

Der jüdisch-amerikanische Historiker Richard Landes hat in Zusammenhang mit Berichterstattung aus dem besetzten Palästina den Kampf-Begriff „Pallywood“ geprägt, sein (erfolgreicher) Beitrag zum PR-Krieg um Israel/Palästina. Auf seiner Homepage theaugeanstables.com finden sich auch Rechtfertigung und Relativierung von islamophobem Rassismus im Film. Etwa mit dem Hinweis, dass von der selben Organisation, die sich gegen Darstellung von Arabern als Terroristen in Filmen engagiert, kein Piep gekommen sei, als Araber als Terroristen tatsächlich tätig waren – somit sei der Kampf gegen Islamophobie das Streuen von Sand in Augen.

Sehr interessant. Wenn wir wieder auf “Geburt einer Nation” zurück kommen, hiesse das umgelegt, wenn irgendwo ein Schwarzer wegen Vergewaltigung angeklagt oder verurteilt wird (in USA oder sogar darüber hinaus?), legitimiert das jede rassistische Hetze gegen Afro-Amerikaner (oder generell Schwarze), legitimiert das so einen Film und delegitimiert das die Arbeit der NAACP. Iraner oder Ägypter zu dämonisieren ist demnach berechtigt, weil es Islamisten oder Terroristen unter diesen Nationen gibt. So etwas wünscht sich auch Baghdadi von IS, alle Iraker, oder noch besser, alle (sunnitischen?) Moslems, zu repräsentieren, für sie zu sprechen.

In der islamophob-rassistisch-kulturalistischen Einstellung gegenüber Iran und Iranern lässt sich einiges ablesen. Geht man die Diskussionsseiten des englischen und des deutschen Wikipedia-Artikels von “Nicht ohne meine Tochter” durch und schaut dann nach, bei welchen Artikeln sich Apologeten des Films sonst noch so in dieser Enzyklopädie engagier(t)en, so stellt man “überraschend” fest, dass sie dies zB beim Artikel über O. J. Simpson (seine Schuld befürwortend) oder gegen den Bush-Gegenkandidaten von 04, John Kerry, tun…

Die iranische Anti-Regime-Bewegung, die sich auch in Filmen ausdrückt, wird entweder zu diffamieren versucht (Iraner seien so schlecht wie das Regime, iranische Regimegegner würden nicht die iranische Gesellschaft präsentieren10, die Bewegung hätte die falsche Richtung) oder zu vereinnahmen versucht (Iraner sind für ihre “Befreiung”, wollen uns, einen Militärangriff). Beides wurde und wird auch bei der Kriegspropaganda, wie “Stop dropthebomb”, herangezogen. Frauen aus dem Iran oder anderen Ländern moslemisch geprägter Regionen werden entweder auch dämonisiert oder als gegenüber dem Westen hilfsbedürftige Opfer wahrgenommen/dargestellt. Als stumme Opfer sind sie willkommen, als politische Subjekte bzw wenn sie ihre Interessen artikulieren, nicht.

Viele Filme iranischer Film-Regisseure (auch weiblicher) thematisieren Frauenrechte und ihre Verletzungen in der Islamischen Republik. Bevor man sich aber zB mit Filmen Samira Makhmalbafs beschäftigt, dämonisiert man lieber die Iraner als “schmutzig” und “fanatisch”. Und tut sich mit solchen Iranern zusammen, die so ziemlich alle Maßnahmen gegen Iran unterstützen. Solchen, die das wider spiegeln, was Wlassow oder Quisling während des 2. WK gegenüber ihren Ländern waren. “An appeaser is one who feeds a crocodile, hoping it will eat him last.” – Dieser Satz von Winston Churchill hat ja etwas für sich.

Iran ist genau so wenig nur durch oder mit “Islam” zu erklären/verstehen, wie die brasilianische Kultur nur als “katholisch” zu definieren ist oder die des Kongo als “christlich”. Aber normaler Rassismus und Imperialismus wird eben gerne als “Islamkritik” getarnt

Jack Shaheen, ein ehemaliger Professor für Massenkommunikation, Sohn libanesischer christlicher Einwanderer in die USA, hat sich in seiner Arbeit Hollywoods Obsession mit rassisch-ethnisch-kulturellen Negativ-Stereotypen von Orientalen gewidmet. Er schrieb dazu die Bücher “The TV Arab” (1984), “Arab and Muslim Stereotyping in American Popular Culture” (1997), “Guilty? Hollywood’s Verdict on Arabs after 9/11” (2008). Nichts davon ist auf Deutsch erschienen. Sein wichtigstes Buch wurde “Reel Bad Arabs: How Hollywood Vilifies a People” (2001); daraus wurde, mit Sut Jhally, eine ’06 heraus gekommene Film-Dokumentation.

Shaheen studierte (und analysierte) tausende Filme und Serien, in denen Araber, Moslems, Orientale vorkommen, von den frühesten Hollywood-Tagen bis zu den heutigen. Zentral in deren Darstellung, so Shaheen, sind Bauchtänzer(innen), steinreiche Scheichs und Terroristen, auf Englisch die “drei B’s” – belly dancers, billionaire sheiks and bombers. Und, diese Porträtierung werde kaum in Frage gestellt. Was es auch immer wieder gibt, so Shaheen, ist ein Perverser aus “solchen” Kulturkreisen, der eine schöne weisse Frau begehre, und ein ungeschickter Idiot.11 Shaheen analysiert auch die Verbindungen Hollywoods mit der Politik und der Einfluss auf die Darstellungen von “Feind-Kulturen”.

Material

Neben dem bereits Genannten; deutsche Behandlungen des Themas habe ich gar nicht erst gesucht…

Blog “People of colour in classic film”

Artikel auf “Huffington Post” zum Thema

http://islaminfilm.weebly.com

Über das Casten von Arabern als Darsteller von Terroristen

Stereotype Darstellungen und Castings

Islamophobie in Hollywood

Über Argo

Heba Amin

“Arab adventures in Hollywood”

http://www.academia.edu/6219114/Hollywood_Jews_and_Arabs

Über als orientalische Bösewichte gecastete Orientalen in Hollywood

Etwas über James Bond und Rassismus

Über Homeland

Anzeige in der “L. A. Times” 06 zur Unterstützung des israelischen Vorgehens gegen Libanon und Palästina (in eine Pseudo-Friedensbotschaft eingepackt); neben einigen der im Artikel Genannten auch von Arnold Kopelson, “Larry” Gelbart, Ivan Reitman, Branko Lustig, Rupert Murdoch unterzeichnet, dann Willis, Stallone, Douglas aber auch Cranson, Hopper, De Vito, Sinise,…

Casablanca: A Lament and a Riposte on Its Seventieth Birthday

Telling Real Stories: Filmmakers Hesham Issawi and Sayed Badreya Shatter Stereotypes in Hollywood.

John Tehranian: The Last Minstrel Show? Racial Profiling, the War on Terrorism and the Mass Media. In: Connecticut Law Review Februar 2009

John Tehranian: Whitewashed: America’s Invisible Middle Eastern Minority (2009)

Neal Gabler: An Empire of Their Own: How the Jews Invented Hollywood (1988)

Margaret R. Miles: Seeing and Believing: Religion and Values in the Movies‎ (1997)

T. Rasi: Nicht ohne meine Betty. Kurze Antwort (1991; Sohrab-Verlag)

Sut Jhally, Justin Lewis: Enlightened Racism (1992)

Ahmed Ould Meiloud: Image of Arabs in Hollywood Films (2007)

Anne R. Richards, Iraj Omidvar: Muslims and American Popular Culture (2 Bände, 2014)

Doku-Film “Casting Calls: Hollywood and the Ethnic Villain” (2003)

Der finnische Filmemacher Alexis Kouros hat eine Doku als Antwort auf “Nicht ohne meine Tochter” gestaltet, “Without My Daughter”

“Oh I come from a land, from a faraway place
Where the caravan camels roam
Where they cut off your ear
If they don’t like your face
It’s barbaric, but hey, it’s home”

Aus dem Titelsong vom Walt Disney-Zeichentrickfilm “Aladdin” (1992)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Kriegsgerät wird auch vom Pentagon (USA-Verteidigungsministerium) für Hollywood-Filme nur zur Verfügung gestellt, wenn diese inhaltlich passen und nichts gegen die Macher vorliegt
  2. Captain Louis Renault ist am Beginn des Films ein Zuarbeiter des Vichy-Regimes, wird ein Anhänger des Freien Frankreichs, arbeitet mit dem Amerikaner Rick zusammen. So weit, so gut
  3. 1952, sieben Jahre nach Kriegsende, kam “Casablanca” in die Kinos der noch jungen Bundesrepublik Deutschland, jedoch in einer signifikant veränderten Form. Es fehlen rund 23 Minuten Spiellänge und auch die ein oder andere Filmfigur wurde gestrichen. Auch die Übersetzung der Dialoge für die Synchronisation wich vom Original ab. Später kamen andere deutsche Filmfassungen von “Casablanca”. Siehe dazu: Lena Kötitz: Propaganda in “Casablanca”. Kürzung der ersten deutschen Fassung des Filmklassikers von 1952 (Studien-/Seminararbeit in Medienwissenschaft, Marburg 2015)
  4. Hier soll es auch zu Änderungen in späteren Fassungen gekommen sein, auch im englischen Original
  5. Arnon Milchan, Filmproduzent, Waffenhändler, Lobbyist, hatte enge Verbindungen zum südafrikanischen Apartheid-Regime, half ihm v.a. beim Versuch, sein Image in (den wenigen kritischen) südafrikanischen Medien sowie solchen in anderen Ländern aufzupolieren, eine Kampagne in den 1970ern, die als “Muldergate” (nach dem damaligen Apartheid-Informationsminister) bekannt wurde. Milchan hat aber anscheinend keine Propaganda-Filme für das Apartheid-Regime gemacht und keine islamophoben Filme
  6. Zum Rehov-Film über das Jenin-Massaker 2002 werden auf Wikipedia Lobeshymnen eines israelischen Senders, der den Film möglicherweise mitproduzierte, als Kritik zu ihm angegeben
  7. “Der Unterschied zwischen Finkelstein und Dershowitz? Ersterer gilt hierzulande als Unperson, obwohl (oder gerade weil) er nichts als die Prinzipien des humanitären Völkerrechts, sprich: die vielgerühmten zivilisatorischen Mindeststandards verteidigt. Dershowitz dagegen ist der Liebling von philosemitischen Täter-Enkeln wie denen, die sich im BAK Shalom zusammengefunden haben, und erhält für sein Märchenbuch ‘Plädoyer für Israel’ ein begeistertes Vorwort von Henryk M. Broder, obwohl (oder gerade weil) er Methoden im Umgang mit den Palästinensern propagiert, für die so mancher Kriegsverbrecher schon gehängt wurde” (Lysis/rhizom)
  8. „Neoconservatives behind the propaganda film Iranium continue to mask their pro-war, pro-sanctions agenda as being somehow supportive of the people of Iran. The producers of the film, which has been criticized as using the struggle of the Iranian people to push for their war-agenda, recently released a clip arguing that Iranians need communications technology in order to foment a ‘new revolution’ in Iran. Problem is, the ‘Iranium’ crowd and its supporters have worked ardently to expand sanctions and help ensure that Iranians cannot freely access this very technology. The clip in question tellingly links to a petition to ‘support the Iranian people’ but which actually focuses on the Iranian nuclear issue and calls only for ‘stronger sanctions’.”
  9. Zwischen der Entschuldigung und dem Massaker gab es anscheinend eine weitere Folge der Serie, die Israel empörte, die wieder als “antisemitisch” eingestuft wurde, und Drohungen Israels bezüglich der diplomatischen Beziehungen. Ayalon warnte: “Wir sprechen nicht nur über die Türkei. Bei jedem Land, das Israel schadet, überlegen wir, den Botschafter auszuweisen. Alle Optionen sind offen.”
  10. Schirra, der gute Geschäfte mit Büchern über Islamismus macht, sagt das so ähnlich
  11. Der von Peter Sellers dargestellte Inder in “Der Partyschreck” ist wohl eher noch eine harmlose Variante davon

Fiktive Drogen

Aus Krötenhaut gewonnenes Bufotenin, Arsenik, psychoaktive Lianen, Äther, Hexensalben oder Engelsstaub (PCP) gibt es wirklich und diese Stoffe wurden/werden von Menschen als Drogen verwendet. Hier eine Übersicht zu nicht-existierenden, meist in künsterischen Zusammenhängen erfundenen Drogen; das Science-Fiction-Genre dominiert.

* Moksha, im Roman “Eiland” von Aldous Huxley. Wie Soma kommt der Ausdruck aus der indischen Religiosität, er bedeutet Erleuchtung/Befreiung. Es ist im Buch eine bewusstseinserweiternde Droge, wirkt wie ein Halluzinogen, mit denen Huxley privat recht viel experimentierte. Das Gegenstück zu Soma, sozusagen

* NZT-48 im Film “Ohne Limit”/”Limitless”, das dem Protagonisten hilft, seine geistigen Kräfte voll zu nutzen

* Soma in “Schöne neue Welt” (Brave New World) von Huxley. Es gab in der indo-iranischen Kultur einen Götter-/Opfertrank, der von Indern als Soma in die Veden und bei den Iranern als Haoma in die Avesta eingebracht wurde, somit in Hinduismus und Zoroastrismus auftaucht. Die Identität des Tranks ist ein ungelöstes Rätsel, siehe dazu den Artikel auf der englischen Wikipedia. In dem Roman ist Soma aber ein Mittel zur Ruhigstellung von Menschen in einem totalitären System, das sie in einem Zustand problemvergessener Infantilität festhält. Dieses Soma wirkt wie eine Mischung aus Benzodiazepinen und Opiaten.

* Der vom Druiden zubereitete Zaubertrank in “Asterix”; wäre am realistischsten so etwas ähnliches wie aus Kräutern zubereitete Schlankheitstropfen, die “speed”-ähnlich wirken.

* „Funky cold medina“ in Song von Tone Loc

* Melange/Spice in “Wüstenplanet” (Dune) (zuerst die Romane, von F. Herbert, dann der Film)

* Das blaue “Meth” aus “Breaking Bad”

* Moloko Plus und andere in “A Clockwork Orange”

* Valkyr im Computerspiel “Max Payne” (gibts auch als Film)

* Neuroin in “Minority Report” (der Verfilmung liegt eine SF-Kurzgeschichte von Philip K. Dick zugrunde)

Weitere in Filmen: Nuke in “Robocop”, Adrenachrome in “Fear and loathing in Las Vegas” (ursprünglich ein Roman), Contrari in “C.S.A. – The Confederate States of America” (eine Mockumentary aus 2004), Retinax V, Ketracel und Romulan Ale in “Star Trek”, die Blaue & Rote Pille in “Matrix” (von Morpheus, sind eigtl. nur Symbole), Prozium in “Equilibrium”, Bacta in “Star Wars”, The Jeffery in “Get Him to The Greek”, Fluid Karma in “Southland Tales”, The Crippen Virus in “I am Legend”, CPH4 in “Lucy”, Eyedrops in “Looper”, Ephemerol in “Scanners”, The Slo-Mo in “Dredd”, HFS in “21 Jump Street”, Ladder in “Jacobs Ladder”, Scat in “The Faculty”, Soy Sauce in “John Dies at the End”, Gleemonex in “Kids in the Hall: Brain Candy”, POS 51 in “Formula 51” (wird im Film als Placebo als enttarnt), Quietus in “Children of Men”, in “THX 1138” (Film, Romanumsetzung) gibt es eine Droge zur Ruhigstellung im System, ohne Namen

In TV-Serien: Red Kryptonite in “Smallville”, Teomicil in “Arrested Development”, Retcon in “Torchwood”, die Wunderpille/Power Pill  in “Immer wenn er Pillen nahm”/”Mr. Terrific”, The Formula in “Heroes”

in Büchern: das Zauber-Pulver in Wilhelm Hauffs “Die Geschichte vom Kalif Storch” (1826), die Liebesdroge in Marmeladenform mit Nebenwirkungen in Miguel de Cervantes’ Kurzgeschichte “Der gläserne Lizenziat” bzw “Der Lizenziat Vidriera” (aus 1613), Betaphenethylamine in “Neuromancer” von W. Gibson, getrocknete Froschpillen in den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett, Can-D in “Die drei Stigmata des Palmer Eldritch” von Philip K. Dick, der pangalaktische Donnergurgler (pan-galactic gargle blaster) in “Per Anhalter durch die Galaxis” (Hitchhiker Guide to the Galaxy) von Douglas Adams (auch Hörspiel, Film,…), Cyclomit in “Against the Day” von T. Pynchon, Dittany in “Harry Potter”, DMZ in “Unendlicher Spass” von David F. Wallace, Iocaine in “Die Brautprinzessin” von W. Goldman, Lot Six in “Feuerkind” (Firestarter) von S. King, Snow Crash im gleichnamigen SF-Roman v. N. Stephenson, Boosterspice in Larry Nivens SF-Romanen, Screw in “Cult of Loretta” von Kevin Maloney, Dylar in “Weisses Rauschen” (White Noise) von D. De Lillo, Altruizine im gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem, die Schwarze Pille in Herbert W. Frankes “Glasfalle” (SF-Roman), Dreamgum in P. J. Farmers “Riverworld”-Romanen, Metaphorizin und wmk in “DZ” von S. Özdogan, The Substance D in “Ein dunkler Schirm” (A Scanner Darkly) von P. K. Dick (auch verfilmt), Abulinx in “Unentschlossen” (Indecision) von Benjamin Kunkel, die Nano-Droge Nexus im gleichnamigen Cyberpunk-Thriller aus 2012 von Ramez Naam, die es erlaubt, das Gehirn von Menschen zu programmieren

In den “Das Lied von Eis und Feuer” (A Song of Ice and Fire) – Romanen von George R. R. Martin kommen Drogen unter Namen wie Mohnblumensaft (Milk of the Poppy) vor, die Platzhalter für unschwer zu erratende reale Drogen sein dürften. Der in der antiken Literatur öfters genannte Lotos-Baum bzw seine Früchte: Plinius hat damit wahrscheinlich die Lotuspflaume gemeint; in Homer’s “Odyssé” kommt ein Völkchen vor, die Lotusesser bzw Lotophagen, die Lotus als Droge verzehren; die Pflanze ist nicht sicher identifiziert, vielleicht handelt es sich um die Lotosblume, vielleicht ist sie fiktiv, vielleicht “Platzhalter” für eine reale Substanz. Mit den “Elixieren des Teufels” im gleichnamigen Roman von E.T. A. Hoffmann können aber auch reale Drogen gemeint sein, zumal Hoffmann welche nahm. Schwarzes Fleisch (Black Meat) in “Naked Lunch” von W. S. Burroughs (verfilmt) ist wahrscheinlich nur ein Codename für Heroin, wie auch weitere in dem Buch. In den Alice-Romanen von Lewis Carrol kommen auch Anspielungen auf Drogen und ihre Wirkungen vor (zB gewisse Pilze), die aber nicht eindeutig fiktive sind.

in Comics: Venom in “Batman”, Banshee in “Ultimate X-Man” (sind eher fiktive Muskelaufbaupräparate), APTX 4869 im Manga “Detektiv Conan”, Red Eye/Bloody Eye im Anime “Cowboy Bebop”, Slurm in “Futurama” (eigtl. ein Soft Drink, aber ein süchtig machender), Chemical X (“Powerpuffgirls”), Moonajuana (“Aqua Teen Hunger Force”, Zeichentrickserie)

in PC-/Video-Spielen: der blaue Trank in “Zelda”, Triptocaine in “Heavy Rain”, Sumpfkraut (“Gothic”), Cardamine (“Freelancer”), Punga-Samen (“Fallout”), Spank (“GTA”), Adam (“BioShock”), Phazon (“Metroid Prime”), Skooma (“The Elder Scrolls”), CeX (“Drugwars”)

Weiters: Habafropzipulops (in “Church of the SubGenius”, einer Pseudoreligion), Jenkem (Urban Legend), Bindro (in Fragenkataloge über Drogenkonsum “eingeschmuggelte” fiktive Droge, ebenso Morgaptan, Astrolite,…), Complasix (Herkunft unbekannt), Strawberry Quick (Facebook Hoax-Warnung), Derbisol (bei medizinischen Tests zur Unterscheidung vom realen Debrisol “eingeschleust”)

Medikamente: Provasic (“Auf der Flucht), Novril (“Misery”), Cloviterol (“Scrubs”), Athelas (“Lord of the rings”, fiktive Heilpflanze), Gambutrol (“The Exorcism of Emily Rose”), Bramitol (bei psychologischen Experimenten zur Einnahme gegeben), Dypraxa (“Der ewige Gärtner”/”The Constant Gardener” von John Le Carré, auch verfilmt)

Siehe auch:

http://pharmama.ch/2011/03/14/fiktive-medikamente-und-drogen-in-buch-und-film/

Diese Drogen gibts wirklich

Selbst welche erfinden

John Hickman: When Science Fiction Writers Used Fictional Drugs. Rise and Fall of the Twentieth-Century Drug Dystopia. In: Utopian Studies Vol. 20, No. 1 (2009)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eric Cantona

Cantona hat sardische (italienische) Vorfahren väterlicherseits, katalanische (spanische) mütterlicherseits, die es in die süd-französische Metropole Marseille getrieben hatte, wo er aufwuchs. Sein Bruer Joel wurde auch Fussballer, kein so grosser wie er. Eric Cantona wurde bei Auxerre, unter Guy Roux, Mitte der 80er gross. Nach seinem Militärdienst (wo er sich einmal geweigert haben soll, sich zu rasieren), wurde er zu Martigues in die 2. Liga ausgeliehen. Zurück bei Auxerre, war ein schweres Foul an Nantes-Spieler Der-Zakarian einer seiner ersten Eklats. Er wurde 1987 erstmals ins französische Nationalteam berufen, das nach der WM 1986 komplett umgebaut wurde, aufgrund der Rücktritte von Platini u.v.a.

1988 wurde er U-21-Europameister, in einem französischen Team mit Sauzée oder Angloma. Im Sommer 88 schaffte er es zu Olympique Marseille. Nachdem ihn Teamchef Henri Michel 88/89 nicht für ein Testspiel nominiert hatte, nannte er zu Beginn der kommenden Saison in einem TV-Interview einen “sac à merde” (http://www.youtube.com/watch?v=iTQf1Iz4NMM); dies kam einem Rücktritt im Nationalteam gleich, den er auch verkündete. Bald darauf wurde Henri Michel aber als französischer Teamchef durch Michel Platini ersetzt, mit dem er noch zusammen gespielt hatte, wie auch als Trainer betreut. Nachdem das französische Team unter Michel die Qualifikation zur Europameisterschaft 1988 nicht geschafft hatte, begann auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1990 schlecht, Michel trat nach nur zwei Spielen zurück, nach einem 1:1 gegen Zypern. Platini holte Cantona zurück und förderte ihn dort auch. Doch Frankreich schaffte die Quali für die WM 1990 auch mit Platini nicht, knapp, als Gruppen-Dritter hinter Jugoslawien und Schottland.

Dann kam sein Rauswurf bei Marseille, nachdem er Anfang 1989 in einem Freundschaftsspiel gegen Torpedo Moskau nach einer Auswechslung “ausflippte”. Er spielte ein halbes Jahr bei Bordeaux, ging Mitte 89 zu Montpellier wo er u.a. mit Laurent Blanc spielte. Im Sturm des Nationalteams harmonierte er gut mit Jean-Pierre Papin und – 1990 bekam er dort auch eine zweite Chance, durfte mit ihm auch im Klub zusammen spielen. Nach einer Verletzung war aber nicht mehr Franz Beckenbauer Trainer, sondern Raymond Goethals, der wenig von ihm hielt. So kam er auch im Europacup-Finale 1991 gegen Belgrad nicht zum Einsatz (saß nicht einmal auf der Ersatzbank).

In der folgenden Saison zu Nimes abgeschoben, drosch er dort in einem Meisterschaftsspiel (Dez. 91) aus Protest gegen eine Entscheidung den Ball auf den Schiedsrichter, beschimpfte dann die Mitglieder der Disziplinarkommission des französischen Fussballverbands bei einer Vorladung. Sperre. Rücktritt. Nationaltrainer Platini und sein Psychoanalytiker überredeten ihn, weiterzumachen. Er bekam ein Engegement bei Leeds United, nach einem halben Jahr und einem Meistertitel eines bei Manchester United.

Als England-Legionär kam er 1992 zu seinem einzigen grossen Turnier, der EM in Schweden, für die sich das französische Team unter Platini endlich wieder qualifiziert hatte. Cantona stürmte wieder zusammen mit Papin, ihm gelang aber kein Tor und nach einer Niederlage gegen Dänemark im letzten Vorrundenspiel (der Beginn von dessen Sensationslauf) war es schon wieder vorbei. Bei Manchester United, unter Alex Ferguson, konnte er sich entfalten, war ein Star der englischen Liga, spielte bei ManU noch mit Bryan Robson und schon mit Beckham.

Die Qualifikation für die WM 1994, inzwischen war Gerard Houillier Teamchef, verpasste die französische Mannschaft unglaublicherweise noch in den letzten beiden (Heim-)Spielen, aus denen sie einen Punkt brauchte. Nach einer Niederlage gegen Israel das Match gegen Bulgarien, im Pariser Prinzenpark-Stadion. Cantona hatte Frankreich in Führung gebracht. 90 Minuten beinahe vorbei, es stand inzwischen 1:1, Frankreich im Angriff, David Ginola (damals PSG, eingewechselt für Papin) flankt von rechts, der Ball fliegt aber nicht in den bulgarischen Strafraum sondern weiter, auf die gegenüberliegende Seite, zu einem Bulgaren, die bauen noch einen Angriff auf, der Ball kommt über 3 Stationen zu Kostadinov… Ginola bekam von den meisten Seiten die Schuld zugeschoben (und nicht die etwas lahme Verteidigung), ging dann auch nach England. Wenn Manchester gegen Bayern 1999 die Mutter aller Last-Minute-Entscheidungen war, war das gewissermaßen die Grossmutter. Für den französischen Fussball war das Match ein Trauma wie das WM-Semifinale in Sevilla 1982. Papin, schon grosser Abwesender bei der WM 1990, war wieder nicht dabei. Cantona war dann bei der WM 1994 in USA Co-Kommentator für das staatliche französische Fernsehen. Bekanntlich sind ja beide Qualifikations-Gruppengegner Frankreichs ins Semifinale gekommen.

Frankreich 1994 nicht dabei steht in einer Reihe mit der Nicht-Qualifikation von Spanien 1954 oder 1958, Deutschland 1968, England 1978, 1994 oder 2008, Uruguay 1982, Italien 1984 und 1992, Portugal 1998, Niederlande 2002, Ghana 94, 98, 02, Kamerun 06; Jugoslawien 1992 oder Mexiko 1990 wurden ausgeschlossen

Dramatische/wichtige Last-Minute-Tore:

  • ManU – BayernM, CL-Finale 1999, 2 Tore am Spielende, die das Match drehten, Schmeichel mit vorne beim Ausgleich
  • Grosso (Ita) gegen Deutschland, WM 06 Semifinale, dann noch ein zweites
  • Dt. Bundesliga 00/01, Titelduell zwischen Bayern & Schalke, Tor von P. Andersson
  • Kostadinov gg Fra. in WM-Quali f. 94
  • Arsenal- Liverpool, englische Liga, 88/89, letzter Spieltag, direktes Duell um Titel, spätes 2:0, Grundlage für “Fever Pitch” von Hornby
  • BRD-Esp. EM 84, Vorrunde, Tor Maceda (Spanien weiter, Deutschland raus)
  • EM-Finale 00, Ita.-Fra., Ausgleich Wiltord
  • WM-Finale 2010, Tor Iniesta, 116. Minute (kein echtes Last-Minute-Tor)
  • Niederlande – Mexiko, WM 14, Achtelfinale, Tore Snejder, Huntelaar (durch umstrittenen Elfer)
  • NL-Arg. WM ’98, VF, Tor Bergkamp
  • EC II-Fin. 95, Tor von Zaragoza gg Arsenal
  • Esp gg YU, EM 00, Tor Alfonso
  • Beckhams Tor gg. Griechenland in WM-Quali-Match 2001
  • Swe-Deu 2013, von 0:4 auf 4:4
  • CL-SF 09, Chelsea-Barca, Tor Iniesta
  • Ramos CL-Fin. 14 zw. den Madrider Klubs, Ausgleich

Aimé Jacquet wurde nun Teamchef, baute auch auf Cantona, beliess ihm die Kapitänswürde, die er von Houllier bekommen hatte. Dann der Jänner 1995, Auswärtsspiel von ManU bei Crystal Palace in London. Cantona bekam nach einer Tätlichkeit die Rote Karte, wurde beim Abgang vom Feld von einem Londoner Fan beschimpft, attackierte diesen mit einem fliegenden Kick; der Höhepunkt und gleichzeitig Schlusspunkt seiner Eklats. Der rätselhafte Seagulls-Sager bei einer Pressekonferenz danach: “When the seagulls follow the trawler, it’s because they think sardines will be thrown into the sea.” Mit den Möwen meinte er wahrscheinlich die Medien, mit dem Fischkutter sich und mit Sardinen die erwarteten Worte. Strafen auf diversen Ebenen, darunter paar Stunden Gefängnis, halbes Jahr Sperre. Ferguson überzeugte ihn zu bleiben, nach seiner Sperre bei ManU weiterzumachen.

Crystal Palace v Manchester United 25/1/95 F.A Premier League Mandatory Credit : Action Images Man Utd's Eric Cantona jumps into the crowd with his infamous Kung-Fu kick on a Palace supporter after being sent-off
Action Images

Die Aggression geht sonst meist in die andere Richtung (Flaschen, Golfbälle,…). Cantona hat aber kein verletzendes Foul begangen, keine Diktatoren unterstützt (> DFB Argentinien), kein Match geschoben, auch keine private Gewalt begangen.

Jacquet hat ihn danach nie mehr ins französische Team eingeladen, hat ungefähr zur selben Zeit auch die anderen Offensivstars Papin und Ginola aussortiert – was aber Platz frei machte für Zidane oder Djorkaeff, mit denen das französische Team bei der EM 1996 schon Dritter wurde, dann die Turniere 1998 und 2000 gewann, es war ein multikulturelleres Team. Papin war noch viel mehr als Cantona an der Weltklasse dran war, mit der Ausbootung vor 96 hat seine Karriere hat endgültig einen unglücklichen Charakter angenommen. Für die erfolgreiche Platini-Generation zu jung, für die noch erfolgreichere Zidane-Generation zu alt. Daneben hat er sich mit seinen Wechseln auf Klubebene (92 Milan, 94 Bayern, 96 Bordeaux) eine noch grössere Karriere vermasselt.

Cantona blieben 5 Meistertitel in England, im Europacup kam er in seiner letzten Saison 1996/97 am weitesten (Aus im Semifinale gegen Dortmund); den Sieg 99 mit seinen langjährigen Klubkollegen wie Schmeichel oder Giggs verpasste er.

Nach seiner Fussballer-Karriere spielte und trainierte Cantona Beachfussball, begann mit der Schauspielerei (am nennenswertesten wahrscheinlich der Film “Looking for Eric” von Ken Loach, 09 gedreht, als er selbst). Er wirkt(e) in Werbungen ebenso mit wie beim Aufruf zum Bank-Run. Von einem Philippe Auclair kam eine Biografie heraus. Bei Cosmos New York war “Director of Soccer”. Aus seiner ersten Ehe hat er 2 Kinder.

2012 hat er eine Petition zur Freilassung des palästinensischen Fussballers Mahmoud Sarsak unterzeichnet, der seit 2009 von Israel ohne Verurteilung eingesperrt wird.

Cantona ist, wie Maradona, „Socrates“, Gullit, Romario (selber in Politik), eine Ausnahme unter meist rechten Fussballern; man denke an Buffon oder  Beckenbauer, der Willy Brandt einst als «nationales Unglück» bezeichnet hat, Spezi von Stoiber war; deren künstlerische Interessen beschränken sich auch oft auf Helene Fischer.

Cantona hat keine Homepage und anscheinend nicht auf sozialen Medien, auf Twitter gibts einige falsche Cantona-Konten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herausragende Gefängnis-Ausbrüche

So lange es Gefängnisse gibt, so lange gibt es Versuche, von dort zu flüchten bzw. auszubrechen; auch beim Transport dorthin oder aus Polizei-Gewahrsam. Fluchtversuche sind nicht immer spektakulär und die meisten scheitern. Die meisten, denen die Flucht gelingt, werden bald geschnappt, viele auch dabei getötet. Die am häufigsten angewandte Methode soll das Fernbleiben nach dem Freigang sein und nicht Täuschung, Gewalt, mühevolle Kleinarbeit oder geniale Einfälle. Manchmal wird die Flucht gemeinsam unternommen, manchmal einzeln, ab und zu gibt es Flucht-Hilfe von aussen (auch von Wärtern gelegentlich). Etwas anderes sind Gefängnis-Meutereien wie jene von Attica (USA) 1971.

* Die Alcatraz-Insel vor San Francisco wurde nach der Eroberung Kaliforniens und anderer mexikanischer Gebiete durch die USA lange als militärischer Stützpunkt genutzt, ab 1934 als Bundesgefängnis. Dorthin wurden Gefangene gebracht, die in der einen oder anderen Hinsicht als gefährlich galten, so auch “Al” Capone. Natürlich wurden Fluchtversuche unternommen, insgesamt 14, 36 Männer waren darin involviert (2 2 x), 11 wurden dabei getötet. 1937 gelang es zwei Gefangenen, durch das Fenster einer Werkstatt zu entkommen, und in das Wasser der Bucht von San Francisco zu klettern, das an diesem Tag nicht nur kalt sondern auch sehr turbulent war; die Flüchtenden wurden weder im Wasser noch am Land gefunden, es wird angenommen, dass sie ertrunken sind. 1946 ereignete sich auf Alcatraz ein Aufstand von Gefangenen, die Wärter als Geiseln nahmen, um mit deren Transportschiff zu fliehen. Bei der Befreiungsaktion (auch mit Handgranaten) wurden nicht nur drei Insassen sondern auch zwei Wärter getötet.

1962 entkamen Frank Morris und die Anglin-Brüder John und Clarence. Zu den monatelangen Vorarbeiten gehörte v. a. das Graben einer Vergrösserung der vergitterten Öffnungen in ihren Zellen zum Lüftungsschacht, mit in die Zellen geschmuggelten Essbestecken und einer aus Staubsaugerteilen gebauten Bohrmaschine. Der vom Salzwasser angegriffene Mörtel liess sich relativ leicht aufbrechen. In der betreffenden Nacht platzierten sie angefertigte Attrappen ihrer Köpfe in ihren Betten, damit die Flucht nicht gleich auffiel. Ein vierter Beteiligter musste zurückbleiben, da er es nicht durch das Loch schaffte. Die Drei kletterten im Schacht auf das Dach des Zellenblocks und so ins Freie. Mit einem aus Regenmänteln gefertigten “Schlauchboot” traten sie den Weg in das Wasser der Bucht an. Ihr Verschwinden wurde erst bemerkt, als sie bereits einen Vorsprung von über neun Stunden hatten.

Zelle eines der Anglins, mit der Kopf-Attrappe
Zelle eines der Anglins, mit der Kopf-Attrappe

Wie die beiden 1937 Geflüchteten wurden die drei weder lebendig noch tot gefunden und wird allgemein ihr Ertrinken angenommen. Teile des Bootes und persönliche Gegenstände wurden vor Angel Island gefunden. Jolene Babyak, Tochter eines Wärters, hat Bücher über den Ausbruch geschrieben, glaubt dass die 3 mit der Gezeit raus aus der Bucht getrieben wurden, in den Pazifik, dort umgekommen sind. Sie könnten die Gezeit aber auch genutzt haben, um auf das Festland nördlich der Brücke zu kommen; sie hatten Gelegenheit gehabt, zu beobachten und zu planen. Und, die “Mythbusters” haben dies geschafft, 2003 in dieser Sendung auf Discovery Channel. Die vor Angel Island angeschwemmten Gegenstände deuten auf etwas anderes hin, und Zurückbleiber Allen West hat einen Plan mit Angel Island bestätigt – dies könnte aber eine bewusste Irreführung sein. Wie auch immer, von Angel Island hätten sie mit einem richtigen Boot aufs Festland kommen können. Falls die 3 die Flucht überlebt haben, würden sie dann aber nicht, in dem Alter in dem sie jetzt sein müssen, irgendein deutliches Zeichen an die Welt geben, bzw hätten das in der jüngeren Vergangenheit getan?

Die Bucht von San Francisco
Die Bucht von San Francisco

Die Sache wurde verfilmt. Im Dezember 1962, ein halbes Jahr danach, fand eine weitere Flucht statt. Der Bankräuber John Paul Scott schwamm mit Hilfe von aufgeblasenen Gummihandschuhen über eine Stunde durch das eiskalte Wasser. Man fand ihn halb erfroren am Festland (beim Fuss der Golden Gate Bridge), er wurde wiederbelebt und anschliessend wieder auf die Insel gebracht. Der Verfall des Gefängnisses durch Salzwasser, das auch den Ausbruch der 3 ermöglicht hatte, führte zu seiner Schliessung im Jahr darauf. Alcatraz war seither Schauplatz von Besetzungen durch Indianer (1969), Dreharbeiten von Filmen und Touristenbesuchen.

Steve McQueen mit Wally Floody, einem kanadischen ehemaligen Kriegsgefangenen in dem Lager bei Sagan, bei den Dreharbeiten
Steve McQueen mit Wally Floody, einem kanadischen ehemaligen Kriegsgefangenen in dem Lager bei Sagan, bei den Dreharbeiten zur Verfilmung des Ausbruchs

* Der Film “Gesprengte Ketten” (“The Great Escape”) hat ja eine wahre Grundlage. Aus dem Stalag (Stammlager) “Luft III”, einem deutschen Lager für Piloten verfeindeter Luftwaffen in Nieder-Schlesien, entkam 1944 ein Teil der Gefangenen nach monatelangen Grabungsarbeiten durch einen Tunnel. Der englische Squadron Leader Roger Bushell entwickelte die Fluchtpläne. Wie im Film geriet der Tunnel (insgesamt wurde an drei gegraben) zu kurz, reichte nicht ganz unter das nahegelegene Waldstück; daher wurde der Ausbruch bald bemerkt und ein Teil konnte nicht fliehen, einige wurden gleich im Wald gestellt. Für die Anderen kam zu Problemen wie Kälte (März) das frühe Beginnen der Jagd hinzu; 50 wurden “auf der Flucht” getötet, zumindest ein Teil von diesen aber regelrecht hingerichtet. Der Rest der Gefassten wurde zurückgeschickt. Nur Drei gelang wirklich die Flucht, zwei norwegischen Piloten und einem niederländischen.

Ausbruch aus Kriegsgefangenenlagern gab es einige interessante. Im USA-Bürgerkrieg gelang 1864 etwa 109 Nordstaaten (USA)-Soldaten aus dem unwirtlichem Südstaaten (CSA)-Gefängnis “Libby’s” bei Richmond die Flucht, ebenfalls durch das Graben eines Tunnels, vom Keller aus. Ein Teil von ihnen konnte sich auf die andere Seite der Front, zu ihren Truppen, durchschlagen.

Im Fort San Cristóbal in der Nähe von Pamplona wurden während des Spanischen Bürgerkriegs Hunderte Republikaner und andere politische Gegner und Kriegsgefangene von den Nationalisten eingesperrt. 1938 organsierten Gefangene einen Massenausbruch, der fast 800 von ihnen gelang. Die nationalistischen Aufständischen veranstalteten eine Jagd, nur drei Flüchtige gelangten über die Grenze nach Frankreich. Der Rest wurde wieder eingesperrt oder erschossen.

Im 2. Weltkrieg ereignete sich in einem Internierungslager für japanische Soldaten in Australien 1944 ein Aufstand und die Flucht Hunderter; Viele wurden dabei oder bald danach getötet, alle waren innerhalb von 10 Tagen gefasst.

Karl Dönitz schickte 1943 ein U-Boot, um 4 im Kriegsgefangenenlager Bowmanville in Canada gefangene deutsche Marine-Offiziere, darunter Otto Kretschmer, fort zu bringen, die über Tunnel ausbrechen sollten (“Operation Kiebitz”). Die Kanadier wussten davon, wollten das U-Boot kommen lassen. Wolfgang Heyda gelang aber die Flucht, zum Treffpunkt, er wurde dort gefasst, das U-Boot entkam.

Aus dem KZ Mauthausen brachen im Februar 1945 über 400 sowjetische Soldaten und Offiziere aus (indem sie etwa mit nassen Decken einen elektrischen Zaun kurzschlossen), daraufhin wurde die “Hasenjagd” im Mühlviertel auf sie veranstaltet, die meisten wurden aufgegriffen und an Ort und Stelle getötet, etwa 50 wurden lebend zurückgebracht, 11 sollen das Kriegsende in Freiheit erlebt haben.

Der Franzose Henri Giraud entkam in beiden Weltkriegen der Kriegsgefangenschaft.

Im Vietnam-Krieg gelang dem deutsch-stämmigen Amerikaner Dieter Dengler, mit seinem Kampfflugzeug abgeschossen, 1966 aus einem Lager in Laos die Flucht, wobei er einige Wächter tötete.

* Der Südtiroler Max Leitner hat mehrere bewaffnete Raubüberfälle begangen (bei denen kein Mensch zu Schaden kam), wurde dafür 1990 erstmals verhaftet, von der österreichischen Gendarmerie, und flüchtete auch gleich. Auf seine Auffindung folgte eine Verurteilung, Gefängnis und der Ausbruch. Das wiederholte sich einige Male; seine dritte Flucht ereignete sich nach 9 Jahren Haft, als er von einem Freigang nicht mehr ins Hochsicherheitsgefängnis in Padua zurückkehrte. Nachdem er gefunden und zurückgebracht worden war, gelang im 04, zusammen mit einem Mafioso (Südtiroler und Süd-Italiener, ein Stück Völkerverständigung in diesem Milieu), die erneute Flucht, die in Marokko endete.

Da mit jedem Ausbruch neue Delikte bzw. Verurteilungen hinzu kamen, verlängerte sich seine Haftstrafe jedesmal. 2019 wäre er legal in Freiheit gekommen, wenn er 2011 dies nicht zum fünften Mal auf eigene Faust getan hätte, wieder anlässlich eines Freigangs. Der jetzt 57-jährige befindet sich also zur Zeit wieder einmal irgendwo auf der Flucht, soll gesundheitlich angeschlagen sein, hat eine Unterstützer-Seite auf Facebook und hat ein Video an eine Südtiroler Zeitung geschickt (zweisprachig, wie es sich dort “gehört”). Seine spektakulärste Flucht war noch seine zweite, als er sich aus dem Gefängnis in Bozen mit Leintüchern abseilte (klassisch). Bei ihm ist es die Wiederholung der Fluchten, die ihn hier nennenswert macht.

Das Leben des US-amerikanischen Hochstaplers und Trickbetrügers Steven Jay Russell, das auch mehrere Gefängnisausbrüche miteinschloss, wurde verfilmt (“I love you Philip Morris”). Russell täuschte etwa 1998 im Gefängnis in Houston eine AIDS-Erkrankung vor, etwa indem er durch die Einnahme von Abführmitteln Symptome dieser Krankheit erzeugte. Er kam so in ein Pflegeheim, und nachdem er dieses verlassen hatte, informierte er, als sein “behandelnder Arzt”, die Behörden von seinem angeblichen Tod. Andere Ausbrecherkönige waren der Brite Alfred Hinds, sein Landsmann Jack Sheppard (London, 18. Jh), Walter Stürm (Schweiz, 1970er & 80er), Yoshie Shiratori oder Joseph Bolitho Johns (Australien, 19. Jh). An einem neuen Ausbruch arbeiten zur Zeit wahrscheinlich Eckehard Lehmann (Spezialität: Schlüssel der Zellen nachbauen), Richard Lee McNair, Brian Bo Larsen, Frank Schmökel, Nordine Ben Allal.

* Die Flucht von abgelegenen Straflagern birgt eigene Charakteristika. Henri Charrière (“Papillon”, französisch “Schmetterling”, wegen einer Tätowierung) wurde 1932 wegen eines Mordes (den er immer abstritt) zu lebenslanger Verbannung mit Zwangsarbeit in den Straflagern von Französisch-Guyana verurteilt. Er unternahm mehrere Fluchtversuche, konnte sich 1934 mehrere Monate in Kolumbien in Freiheit halten. 10 Jahre später setzte er sich mit vier Mitgefangenen ab und gelangte nach Venezuela, das ihn nicht auslieferte. Vieles in seinen Büchern (die Grundlage für die Verfilmung 1973 waren), hat er nicht wirklich erlebt.

Clément Duval war Teilnehmer im französisch-deutschen Krieg 1870/71, wurde dabei verwundet und mit einer Krankheit infiziert. In Folge dessen arbeitsunfähig, schlug er eine kriminelle Laufbahn ein, wurde ausserdem Anarchist. Wegen mehrerer Taten wurde auch er zu Zwangsarbeit in Guyana verurteilt. 1887 auf die Îles du Salut gebracht, unternahm er mehrere Fluchtversuche. Erst nachdem er in eines der Straflager am Festland verlegt worden war (wo er mit anderen bedeutenden Anarchisten wie dem Italiener Pini oder Victor Cails zusammenkam), gelang ihm 1901 die Flucht nach Britisch-Guyana, von wo er nach New York weiterreiste, wo er sich niederliess und Memoiren schrieb. Duval ist nicht von der Teufelsinsel oder einer der beiden anderen Îles du Salut geflohen, wie manchmal gesagt wird.

* Dem wegen Mordes einsitzenden US-Amerikaner Richard L. McNair gelang es drei Mal, aus Gefängnissen aus zu brechen. Beim letzen Mal, 2006 in Louisiana, entkam er in einem Postsack. In der Nähe des Gefängnisses begegnete er einem Polizisten: https://www.youtube.com/watch?v=vBrnBmUmVzI

* Politische Gefangene: John Gerard flüchtete Ende des 16. Jh aus dem Tower in London, wo er als Anführer der verfolgten Katholiken saß, mit von Foltern zerschundenen Händen. André Devigny war französischer Offizier, Resistance-Mitglied, dafür im Montluc-Gefängnis, wurde gefoltert, konnte mit Sicherheitsnadeln Handschellen öffnen, daher flüchten, gelangte in die Schweiz; die Nazis verübten Sippenhaftung an seinen Verwandten. Er diente nach diesem Krieg in jenem in Algerien. Tapferes Nazi-Opfer, dann Unterdrücker in Algerien, Devigny vereinte diese Entwicklung Frankreichs in seiner Biografie (die auch teilweise verfilmt wurde).

Die slowakischen Juden Alfred Wetzler und Rudolf Vrba (Walter Rosenberg) waren zwei der wenigen Menschen, denen es gelang, dem “Konzentrationslager” Auschwitz (Oswieczim) zu entfliehen (1944). Der Pole Slawomir Rawicz soll im 2. WK mit einigen Mitgefangenen aus einem Lager in Sibirien geflohen sein, über die Grenze in die Mongolei, dann weiter nach Indien. 1983 machten IRA-Kämpfer im Maze-Gefängnis in Nord-Irland eine Revolte, 38 gelang dabei die Flucht, der Hälfte auf längere Sicht, manche sind bis heute “untergetaucht”.

* Gefangene Politiker: Napoleon 1815 aus Elba: Der selbstgekrönte Kaiser Frankreichs musste 1814 abdanken, nachdem allierte Truppen infolge der Leipziger Völkerschlacht 1813 bis nach Paris gekommen waren und er im Land die meiste Unterstützung verloren hatte. Die Mächtigen Europas wiesen ihm Elba zu, wo er nominell Herrscher wurde, die britische Marine aber das letzte Wort hatte. Während mit Ludwig XVIII. in Frankreich wieder die Bourbonen an die Macht kamen, gingen seine zweite Frau, eine Habsburgerin, und sein Sohn nach Österreich. Napoleon Bonaparte war eigentlich kein Gefangener, beschloss aber, noch einmal nach der Macht zu greifen.

Nach weniger als einem Jahr in diesem “Exil”, im Februar 1815, segelte er in der “Swiftsure” mit einigen Hundert Getreuen von Portoferraio nach Frankreich; warum die britischen Schiffe, die zu seiner Bewachung auf der Insel waren, nicht eingriffen, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Auf dem Weg nach Paris (über die Alpen, um die grossteils pro-bourbonische Provence so weit wie möglich zu umgehen) traf die Gruppe kurz vor Grenoble auf das Regiment, das vom König beauftragt worden war, ihn aufzuhalten. Es schloss sich ihm an. Ab seinem Einzug in Lyon agierte er wieder als französischer Kaiser und erließ entsprechende Dekrete, ab seinem Einzug in Paris am 20. März erst wird seine zweite Herrschaftszeit als Kaiser, die 100 Tage (eigentlich 111), gezählt.

Mussolini, freilich mehr Diktator als Poltiker, wurde 1943 von deutscher Wehrmacht und SS nach einigen Monaten Gefangenschaft in Gran Sasso in den Abruzzen befreit.

* Der mexikanische Drogenboss Joaquin „El Chapo“ Guzman war auch schon vor seinen Ausbrüchen von Bedeutung. Der Chef des Sinaloa-Kartells ist 2001 und 2015 aus mexikanischen Hochsicherheits-Gefängnissen ausgebrochen. Mitglieder des Wachpersonals müssen ihm geholfen haben. In diesem Jahr wurde er wieder gefangen.

* Michel Vaujour flüchtete fünfmal aus französischen Gefängnissen. Seine spektakulären Methoden beinhalteten die erzwungene Flucht mit als Orangen getarnten Granaten, die Nachbildung eines Zellenschlüssels mittels Käseabdruck (1974), der Ausbruch mithilfe einer aus Seife gefertigten Pistolenattrappe (1976) sowie die Flucht aus dem sichersten Gefängnis des Landes durch einen Hubschrauber, der von seiner Ehefrau gekapert wurde (1986). Er wurde 2003 vorzeitig entlassen und berät heute Krimi-Autoren.

* Dem griechischen Straftäter Vasilis Paleokostas gelang 2006 und 2009 gleich zwei Mal eine filmreife Flucht aus dem grössten griechischen Gefängnis Korydallos mit Hilfe von Hubschraubern. Der Franzose Pascal Payet unternahm in den 00ern drei Ausbruchsversuche mit Hubschraubern, zunächst seine Flucht, dann (von draussen) die Befreiung anderer, wobei er gefasst wurde. Aus der folgenden Haft wurde er wieder mit gekapertem Hubschrauber befreit, später in Spanien gefasst. Mit einem Hubschrauber entkam etwa auch 1971 der Amerikaner Joel Kaplan in Mexiko.

* Jay Junior Sigler befand sich 1998 im achten Jahr von den 20, die er für bewaffneten Raub bekommen hatte, in der Everglades Correctional Institution, als er mit seiner Mutter und einigen Freunden seinen Ausbruch plante. Am hellichten Tag rammten drei Freunde mit einem 18-rädigen Lastwagen die Gefängniszäune, gefolgt von einem Auto das seine Mutter fuhr. Nach geglückter Flucht wurden vor einem Einkaufszentrum die Fahrzeuge gewechselt, die Polizei auf den Fersen, Sigler starb danach bei einem Zusammenstoss mit einem anderen Auto.

* “Billy” Hayes wurde in den 1970er in der Türkei wegen versuchtem Schmuggel von Haschisch verurteilt, kam auf das Gefängnis auf der Insel Imrali, von wo er nach Griechenland flüchtete. Sein Buch über die Erlebnisse wurde verfilmt (“Midnight Express”).

* Der 1970er-Frauenmörder “Ted” Bundy (der sich für die Republikanische Partei engagiert hatte), wurde 1976 erstmals gefasst, 1977 gelang es ihm in Colorado, als ein Gerichtsverfahren gegen ihn lief, zwei Mal, auszubrechen, verübte weitere Morde. John Dillinger, der amerikanische 1930er-Gangster (Banküberfälle), wurde nach seiner Verhaftung in ein als ausbruchssicheres Gefängnis in Ohio gebracht. Seinem Anwalt gelang es, eine Revolver-Attrappe aus Holz einzuschmuggeln, diese vorgehalten sperrte er die Wachmannschaft in “seine” Zelle, flüchtete mit dem Wagen des Sherriffs über die Bundesstaatsgrenze, womit er aber das (junge) FBI gegen sich aufbrachte, wurde schliesslich von ihnen erschossen.

* Bei manchen Ausbrechern kommt die Bedeutung von der Zeit, die sie schafften, sich in Freiheit zu halten. George Wright wurde 1963 als 19jähriger wegen bewaffneten Raubüberfällen in New Jersey verurteilt, nach 7 Jahren im Gefängnis gelang es ihm leicht und unpektakulär, auszubrechen. Er schloss sich der “Black Liberation Army” an, entführte einen USA-Inlands-Flug nach Algerien. Er wurde in Portugal aufgespürt, das ihn aber nicht ausliefern will, da er Staatsbürger dieses Landes geworden war. Ronald Carnes, ein anderer US-Amerikaner, war nach seinem Ausbruch 41 Jahre auf der Flucht (USA), Paula E. Carroll und Sam Gene Harris 34 Jahre lang.

* Natascha Kampusch entkam ihrem Entführer 2006 nach 8 Jahren Gefangenschaft in der Nähe von Wien

* Wie bei Kampusch muss man (unabhängig von Schuld oder Unschuld) nicht in einem “richtigen” Gefängnis sein, um flüchten zu wollen, es gibt manche Formen der Gefangenschaft. So war/ist Sklaverei natürlich auch eine Form der Freiheitsberaubung. Ein bedeutender Sklavenaufstand in USA ereignete sich 1831, unter der Führung von Nathaniel “Nat” Turner. Seine Mutter war aus Afrika nach Amerika verschleppt worden, den Namen bekam er von dem Besitzer der Plantage, auf der er geboren wurde. Es soll eine Sonnenfinsternis gewesen sein, die ihn veranlasste, die Befreiung zu beginnen. Diese Slavenrebellion in Virginia breitete sich zwar aus, Schwarze wurden befreit, sie wurde aber bald niedergeschlagen. Turner selbst wurde nach wenigen Wochen gefangen genommen, gehängt und gevierteilt. Mehr als hundert unbeteiligte Sklaven wurden als “Vergeltung” vom Pöbel getötet, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für andere wurden verschlechtert. Etwa 60 Sklavenhalter und Angehörige waren getötet worden.

Auch aus geschlossenen Abteilungen von Krankenhäusern oder Asyl-Lagern (> http://www.lastexitflucht.org/againstallodds/ ) werden Ausbrüche versucht.

* Christopher Boyce kam als Angestellter eines amerikanischen Technologie-Konzerns in den 1970ern an hochpolitische Informationen, etwa über den Druck, den der CIA bezüglich des Sturzes des australischen Premiers Gough Whitlam ausübte. Zusammen mit seinem Freund, dem Drogenhändler Dalton Lee, gab er diese an die Sowjetunion weiter, über deren Botschaft in Mexico. 1977 wurden die Beiden verhaftet, zunächst Lee in Mexiko, und verurteilt. Boyce brach 1980 aus dem Gefängnis in Lompoc (Kalifornien) aus. Auf der Flucht verübte er 17 Bank-Überfälle im Nordwesten der USA. Sein Ziel war es, in die Sowjetunion zu gelangen. 1981 wurde er eingefangen. 02 kam er nach 25 Jahren Gefängnis frei. Lee war bereits 1998 freigelassen worden, arbeitete danach eine Zeit lang als Sekretär von Sean Penn, der ihn im Film “Der Falke und der Schneemann” (1985 erschienen) dargestellt hatte. Boyce’ Website

* Der amerikanische Betrüger und Hochstapler Frank Abagnale (“Catch me if you can”) brach auch mehrmals aus Polizei- und Justizgewahrsam aus. Einmal überzeugte er einen Wächter, dass er ein Gefängnisinspektor sei, der nur zu Testzwecken eingesperrt worden sei.

* Der Südkoreaner Choi Gap-Bok, ein langjähriger Yoga-Praktikant, wurde 2012 wegen eines Diebstahl-Vorwurfs in Polizei-Gewahrsam genommen. Aus seiner Zelle entkam er durch eine winzige Essensluke; nach ein paar Tagen gefasst.

* Der französische Gangster Albert Spaggiari brach mit Kollegen 1976 in eine Bank in Nizza ein. Noch im selben Jahr gefasst, gelang ihm während eines Polizeiverhörs die Flucht. 1982 traf er in Rio de Janeiro mit dem Briten Ronald Biggs zusammen, der aus dem Gefängnis geflüchtet war. Während Biggs mit Sex Pistols und Toten Hosen gemeinsame “Sache” machte, stand der Algerien-Krieg-Veteran Spaggiari der OAS (die ihm auch bei seiner Flucht geholfen haben soll) und anderen Rechten nahe. Die brasilianischen Behörden lehnten die Auslieferung von Biggs auch deshalb ab, weil die britische Regierung nicht der Reziprozität zustimmte, d. h. gegebenenfalls jemanden aus GB nach Brasilien auszuliefern.

* William J. Sharkey entkam im New York des 19. Jahrhunderts als Frau verkleidet aus einem Gefängnis, in dem er wegen Mordes einsaß. Er floh in das damals spanische Kuba, von wo er nicht ausgeliefert wurde.

* Adolf Schandl, der wegen Raubüberfällen “saß”, brach 1971 mit drei Kollegen aus dem Gefängnis von Stein aus, im Lauf der Flucht wurde in Wien mit dem Polizeipräsidenten Holaubek verhandelt, dieser versuchte einen der Kollegen mit dem legendären Ausspruch “Kumm ausse, i bins, dei (oder: der) Präsident” zur Aufgabe zu überreden. Zwischendurch frei, versuchte Schandl 1996 aus der Anstalt in Karlau erneut einen Ausbruch, wiederum mit Geiselnahme.

* Den Briley-Brüdern gelang 1984 in Virginia (USA) der Ausbruch aus dem Todestrakt, sie wurden wieder eingefangen.

* Raymond Hamilton wurde 1934 von seinen Kompagnons Clyde Barrow und Bonnie Parker in Huntsville von einer Gefängnisfarm befreit, wurde wenige Monate später bei der Schiesserei festgenommen, bei der diese getötet wurden.

* Giacomo Casanova soll Ende des 18. Jh aus dem Gefängnis im Dogenpalast geflüchtet sein, was möglicherweise erfunden ist, wie vieles von ihm.

* Jacques Mesrine war ein Gewaltverbrecher im Frankreich der Nachkriegszeit, brach zwei Mal aus dem Gefängnis aus, war Staatsfeind Nr. 1 oder moderner Robin Hood, war oft und lange untergetaucht, auch in Amerika aktiv, wurde bei der Fahndung nach ihm erschossen.

* Gescheiterte Versuche: Juan Ramirez Tijerina sollte von seiner Ehefrau 2011 aus einem mexikanischen Gefängnis befreit werden, indem er sich beim Besuchstermin in einen mitgebrachten grossen Koffer quetschte.

In die Aussenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle, wo der RAF-Mann Sigurd Debus sass, wurde 1978 ein Loch gesprengt, womit ein Befreiungsversuch für ihn vorgetäuscht werden sollte; eine Aktion der deutschen Behörden unter falscher Flagge.

Die beiden Algerien-Krieg-Veteranen Claude Buffet und Roger Bontems versuchten 1971 aus dem Gefängnis in Clairvaux auszubrechen. Buffet saß im Gegensatz zu Bontems schon wegen Mordes ein, und er war es auch, der bei der Stürmung durch die Polizei zwei Geiseln tötete. 1972 wurden beide dafür zum Tode verurteilt.

Der belgische Mehrfach-Mörder und -Entführer Marc Dutroux entkam 1998 für einige Stunden in Freiheit.

* Fiktive Ausbrüche in Film & Literatur:

“Der Graf von Monte Christo” von Alexandre Dumas. Ausbruch aus Gefängnis(-Insel) nach gemeiner Verurteilung als Beginn eines Rachefeldzugs; oft verfilmt

“Die Verurteilten”/”Shawshank Redemption” (1994). Buchvorlage von Stephen King

“Auf der Flucht”/”The Fugitive”. TV-Serie, dann Film. Dr. Kimble unschuldig verurteilt, bei Transport geflüchtet, um Unschuld zu beweisen. Wahre Grundlage (Samuel Sheppard), aber da kein Ausbruch

“Le Trou”/”Das Loch” (1960). Verfilmung des gleichnamigen Romans von José Giovanni, in dem es um einen Ausbruchsversuch aus dem La Santé-Gefängnis in Paris 1947 durchs Graben eines Tunnels geht; an einem solchen war Giovanni beteiligt

“Prison Break”. TV-Serie 00er-Jahre

“Der Kuss der Spinnenfrau” war zunächst ein Roman des argentinischen Schriftstellers Manuel Puig (1976 erschienen, als “El beso de la mujer araña”). Der homosexuelle Luis Molina (des Kindesmissbrauchs beschuldigt) und der Kommunist Valentin Arregui (politischer Gefangener) teilen eine Gefängniszelle und flüchten in ihre Phantasie (Ausbruch im übertragenen Sinn), indem Molina Arregui Filme schildert. Dabei lösen sich “Grenzen” zwischen ihnen auf. 1985 Verfilmung von Hector Babenco, das Gefängnis darin in Brasilien. Dann auch als Musical.

“Nummer 6″/”The Prisoner”, eine britische TV-Serie aus 17 Folgen aus dem Jahr 1967, Hauptdarsteller Patrick McGoohan war auch einer der Macher (er spielte in der Alcatraz-Verfilmung den Gefängnisdirektor). Die Hauptperson beendet ihre Agententätigkeit beim britischen Geheimdienst, wird an einen abgelegenen Ort entführt und dort als “Nummer 6” festgehalten, versucht in jeder Folge, die Identität des Oberhauptes, Nummer 1, herauszufinden und dem Ort zu entkommen. Vielsagend ist, dass manche Folgen zensiert wurden, obwohl Sex und Gewalt fehlten; es ging um politische Aussagen. Vom Genre her eine Mischung aus Spionage-Thriller, Science-Fiction-Elementen, Psychodrama, Polit Thriller,…, lässt es viel Raum für Interpretationen. Fan-Seite

“Überleben is alles”/”Lock up” mit S. Stallone (1989). Ungerechte Verurteilung, sadistischer Direktor, gescheiterter Ausbruchsversuch, Mini-Aufstand,…

“Im Körper des Feindes”/”Face off” (1997): Entkommen aus Gefangenschaft nach misslungenem Identitätswechsel; extrem unglaubwürdig und plump