Echter Sex in Filmen

In welchen (Nicht-Porno-)Filmen gibt es echten (nicht vorgespielten) Sex? In der Regel ist Film-Sex vorgespielt, früher auch der in Pornos. Es ist normalerweise die Aufgabe eines Schauspielers, auch bei einer Sexszene möglichst echt zu wirken (ohne dass sie echt ist). So wie beim Weinen oder bei körperlichen Schmerzen.1 Die Definition von echtem Sex ist natürlich nicht so einfach (wo beginnt er?), und ein Erkennen von diesem auch nicht (Spielfilme sind schliesslich die Kunst des Vor-Spielens). Und selbst wenn es noch so offensichtlich ist, können immer noch Body Doubles oder Geschlechtsorgan-Prothesen am Werk gewesen sein.2 Daher muss man ein wenig Sekundärquellen heran ziehen. Von vielen Filmen gibt es auch verschiedene Versionen/Schnitte3. Echter Sex im Film kann verschiedene Gründe haben: Die Szene wirkt dadurch realistischer/authentischer; die Schauspieler können sich stärker mit ihrer Rolle identifizieren. Gaspar Noé sagte über die diesbezüglichen Schwierigkeiten: für einen Schauspieler könnte es schwierig sein, eine Erektion zusammen zu bekommen, wenn auch nur eine kleine Film-Crew zugegen ist; die Filmpartner können Partner im Leben haben, die Probleme damit haben. Die Akteure wissen auch, dass sie bei etwas (normalerweise) Intimem für “die Ewigkeit” aufgenommen werden. Manche Leute halten dies für “billig”, doch man kann Schauspielern, die dermaßen weit gehen, um ihre Rolle noch authentischer und glaubwürdiger zu spielen, auch Respekt entgegen bringen.

Etwas zur Abgrenzung von Porno-Filmen: Bei Pornografie geht es ja primär darum, Betrachter (durch die deutliche Darstellung von Sexualität) sexuell zu erregen.4 Echter Sex im Sinne von tatsächlich vollzogenem Geschlechtsverkehr (Penetration, welcher auch immer) gehört normalerweise zu einem Porno. Manchmal genügen aber dazu auch schon Grossaufnahmen von erregten Geschlechtsteilen (erigierter Penis bzw. geöffnete Vagina). Die Abgrenzungen von Softpornos/Erotikfilmen oder Sexploitation-Filmen zu erotischen “Mainstream”-Filmen (Handlungsfilmen?) ist natürlich auch oft schwierig. “Mainstream” bedeutet auch, dass der Film in normale Kinos kam, usw. Filme wie diese (die echte Sexszenen haben) werden hier nicht berücksichtigt, da zu sehr in der “Porno-Ecke”: “Gift” (1966, Dänemark), “99 Women” (1969, Jess Franco, gibt verschiedene Fassungen davon), “Stille Tage in Clichy” (1970, Jens J. Thorsen, Henry Miller-Verfilmung), die “Schulmädchen-Report”-Filme (bzw Verfilmungen, 1970-1980), “Slaughter Hotel” (1971), “Secret Rites” (1971, eine Pseudo-Doku), “Die Stossburg” (1973, Franz Marischka, mit Dagmar Wöhrl alias „Sandra Monte“), “A Scream in the Streets” (1973), “The Devil’s Plaything” (1973, Joseph Sarno), “Immoral Tales” (1974, Walerian Borowczyk), “L’Orgia” (1978, Spanien), “Perdida em Sodoma” (1982, Brasilien),…5

9 Songs (2004): Der Film von Michael Winterbottom besteht hauptsächlich aus unsimuliertem Sex, zwischen Kieran O’Brien und Margo Stilley, darunter “normaler” Verkehr, oraler, und eine sichtbare Ejakulation

Im Reich der Sinne (1976): Auf einer von Sada Abe verfassten Geschichte basierend, regte der Film mit tatsächlich dafür vollzogenem Sex und einem simulierten Penektomie-Ende so auf, dass sich Regisseur Nagisa Oshima dafür in Japan vor Gericht verantworten musste, Szenen wurden aus dem Film rausgeschnitten. Auch in der BRD und so gut wie allen anderen Staaten gab es Einschränkungen verschiedenster Art für die Vorführung dieses Films.

Deep Throat (1972): Eigentlich ein Pornofilm, auch weil die Darsteller und die Macher aus diesem Milieu kommen. Aber einer der in den nicht-pornografischen Vertrieb kam. Darstellerin Linda “Lovelace” (Boreman) wurde übrigens in späteren Jahren eine Aktivistin gegen das Porno-Geschäft.

Anatomie de l’enfer (2003): In diesem Film von Catherine Breillat geht es hauptsächlich um den weiblichen Körper und den männlichen Blick darauf. Der Film enthält Nahaufnahmen einer Scheide, das Einführen von Gegenständen dort hinein und in den Anus, das Bemalen dieser Körperöffnungen mit Lippenstift, und die Thematisierung der Menstruation: nicht-simulierter Sex in den Tagen dieser, das Schmieren von Menstruationsblut in das Haar des Mannes, das Trinken eines Wassers, in das ein blutiger Tampon getaucht wurde,… Hauptdarstellerin Amira Casar wurde bei einigen Aufnahmen gedoubelt, in der männlichen Rolle ist Rocco Siffredi (eigentlich ein Pornodarsteller) zu sehen.

Shortbus (2006): John C. Mitchell wollte Sex cineastisch “neu” behandeln, da er “zu interessant ist, um ihn dem Porno zu überlassen”. Die Handlung dreht sich um verschiedene Wege zur Sexualität, wenn man so will, die Sexszenen zeigen hauptsächlich Gruppensex-Parties, die grossteils mit Laiendarstellern gedreht wurden6

Sweet Sweetback’s Baadasssss Song (Sweet Sweetbacks Lied, 1971): Ein schwarzer Stricher muss sich gegen die Polizei von Los Angeles behaupten. Regisseur Melvin Van Peebles musste den Film unabhängig machen, da ihn kein Filmstudio finanzieren wollte. So schrieb er auch das Drehbuch, komponierte die Musik, produzierte den Film,… und spielte die Hauptrolle, machte dabei alle Stunts und Sexszenen selbst. Diese Szenen wurden so echt gespielt, dass er sich dabei eine Geschlechtskrankheit zuzog. Sein Sohn Mario war auch dabei.

Baise-moi – Fick mich! (2000): Der Film streift zumindest am Porno, auch wegen der Haupt-Darstellerinnen. Es beginnt mit einer Vergewaltigungsszene, die natürlich gespielt ist, aber mit echter (vaginaler) Penetration, und geht weiter mit Szenen, die nicht gespielt gespielt wurden.

Love (2015): Im Gegensatz zu früheren Filmen inszenierte Gaspar Noé hier konsensualen und warmen Sex, aber eben teilweise nicht-simulierten (den er mit gespieltem vermischt). Die körperliche Liebe, so Noé, ist hier genau so wichtig wie die Handlung. Zu den unsimulierten Sexszenen gehört eine Ejakulation, die in dem 3D-Film Richtung Kamera bzw Zuseher geht.

Blau ist eine warme Farbe (2013): In dem Film von Abdellatif Kechiche über eine lesbische Liebe gibt es ausführliche Sex-Szenen, aber mit Vagina-Prothesen. Die hat Spezialeffekt-Maskenbildner Pierre O. Persin angefertigt, er durfte Lea Seydoux und Adèle Exarchopoulos die “Fake-Pussys“ (hauptsächlich aus Haaren bestehend) anpassen.7 Seydoux: “Wir wollten ja auf der einen Seite unsere Körper ganz nackt zeigen. Alles andere wäre verlogen gewesen. Aber auf der anderen Seite mussten wir auch dem Verdacht entgegentreten, dass wir einen Porno drehen. Also haben wir diese Perücken angepasst bekommen und schon haben wir uns … nicht mehr so nackt gefühlt.” Seydoux auch: “Ich habe im echten Leben noch nie eine Frau geliebt…Durch Absprachen und die Perücken war eine Künstlichkeit hergestellt, die für diesen Film nötig war und funktioniert hat. Ohne all das hätte ich den Film nicht gemacht. Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten sollte”.

Pola X (1999): Die Sex-Szenen zwischen “Pierre” (Guillaume Depardieu) und “Isabelle” (Yekaterina Golubeva) wurden zT (die explizitesten) gedoubelt, aber nicht alle. Echter Sex, zT durch Andere als von Depardieu und Golubeva, zT in blaue Schatten getaucht. Hinzu kommt, in narrativer Hinsicht, dass die Beziehung eine inzestuöse ist.8

Romance (1999): Zugegeben, eher ein “Kunstfilm” (art house) als einer für das Massenpublikum; aber eben kein Porno. Catherine Breillat inszenierte Sex v.a. zwischen Caroline Ducey und Rocco Siffredi, den diese am Set auch tatsächlich vollzogen.

Ein Liebeslied (Un chant d’amour, 1950): In Jean Genets Kurzfilm geht es um einen Gefängniswärter und einen Häftling, und ihre von Gewalt und Sexualität geprägte “Beziehung”. Aufregung gab es um die explizite Darstellung von Masturbation (des Häftlings, die den Wärter erregt), aber auch wegen des homosexuellen Charakters der “Beziehung”.

Nymphomaniac (2013): Lars von Trier inszenierte einen Sexfilm mit Shia LaBeouf und Charlotte Gainsbourg in den Hauptrollen, mit Penis- und Vaginaprothesen sowie Körper-Doubles. Der Sex wurde von Pornodarstellern, die als Doubles agierten, gefilmt und dann (über Computersimulationstechnik) mit mit den Köpfen und Beinen der eigentlichen Schauspieler “versehen”. Gainsbourg: “Man sieht eine echte Vagina, in einer Nahaufnahme, wenn sie einen Orgasmus hat. Nicht meine, sondern die vom Pornodouble. Das ist ein sehr seltsames Gefühl, das zu sehen. Es ist wie ein anderes ‘Gesicht’ auf meinem. Als ich das gesehen habe, wollte ich schreien: ‘Das bin nicht ich!'”.

Frankreich privat – Die sexuellen Geheimnisse einer Familie (2012): Das erklärte Ziel von Jean-Marc Barr war es, eine alternative Wahrnehmung von Sex zu der von der Pornoindustrie zu schaffen und gleichzeitig die Energie einer leichten Komödie zu transportieren. In Frankreich erschien der Film in zwei Versionen: einer „entschärften“ Kinofassung und einer „expliziteren“ auf DVD. Alle Sexszenen sollen “echt” sein.

Der letzte Tango in Paris (1972): In Italien, dem Heimatland von Regisseur Bernardo Bertolucci, wurde der Film bei seinem Erscheinen gänzlich verboten. Es gibt eine Szene, eine anale Vergewaltigung, in der ein Stück Butter als Gleitmittel eine Rolle spielt, die etwas von echtem Sex hat. Dieser Sex war für die von Maria Schneider gespielte Filmfigur unfreiwillig, für die Schauspielerin anscheinend auch. Es war nicht echt im Sinne von Eindringen, aber das Eincremen mit Butter. Schneider wusste vor dem Dreh nichts von der Szene, sie stand auch nicht im Drehbuch; Bertolucci konspirierte dabei mit Brando, da er “nicht die Reaktion einer Schauspielerin sondern eines Mädchens wollte.” Schneider: „Es war eine unglaubliche Erniedrigung. Das waren echte Tränen. Ich fühlte mich vergewaltigt.“9

8mm 2 (2005): Viele authentische Sex-Szenen, nur für den Heimvideomarkt

Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don’t Look Now, 1973, Nicolas Roeg): Enthält eine Liebesszene von Donald Sutherland und Julie Christie, in Zwischenschnitten erzählt, von der die explizitesten Teile meist herausgeschnitten sind, er leckt sie, sie haben Verkehr, scheinbar echten; Christies damaliger Partner Warren Beatty soll versucht haben zu intervenieren, Sutherland hat die Authentizität dementiert

Antares (2004): In dem Film von Götz Spielmann geht es um 3 miteinander verknüpfte Geschichten/Beziehungen; der Sex zwischen Petra “Morze” (Kogelnik) und Andreas Patton ist jedenfalls sehr explizit dargestellt, scheint tatsächlich vollzogen worden zu sein (“klassische” Penetration)

The Brown Bunny (2003): Enthält eine Szene, in der Regisseur Vincent Gallo (als Darsteller) von seiner damaligen Partnerin Chloë Sevigny oral befriedigt wird. Eine Regisseurin (die mit „Brown Bunny“ nichts zu tun hat) hat behauptet, in der fraglichen Szene eine Prothese erkannt zu haben. In Cannes 03 stritt Gallo mit Filmkritiker Roger Ebert über den Film

Die Idioten (1998): In Lars von Triers Film gibt es eine Gruppensex-Szene, in der auch echter Sex zu sehen ist, der allerdings von Pornodarstellern aufgeführt wurde

Lust, Caution (2007): Im Erotik- und Spionagethriller von Ang Lee mit Tang Wei und Tony Leung gibt es einen Verkehr, der echt gewesen sein dürfte10

Hundstage (2001): Wie bei Robert Altman geht es in diesem Ulrich-Seidl-Film um verschiedene Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind. Und wie eigentlich immer bei Seidl um verschiedene österreichische Realitäten. Am Beginn des Films eine Sexclub-Szene mit Claudia Martini mit verschiedenen echten sexuellen Aktivitäten. Was aber nichts gegen die Sexualität und Gewalt ist, die dann kommt, in verschiedenen Formen. Die “Lehrerin” uriniert wahrscheinlich echt, wovon das Geräusch zeugt. In dieser Episode stellt sich auch die Frage nach der Definition von echtem Sex; wenn ihr “Wickerl” mit den Fingern an (in?) das Geschlecht fährt und kommentiert “Saftelst aber ordentlich”. Es folgen ein Erbrechen das echt sein könnte und eine Misshandlung der Frau, die sehr echt wirkt (im Gegensatz zu der, die “Lucky” dann an “Wickerl” ausübt). Auch der “Eifersüchtige” (Rene Wanko) mit seinen verbalen und handgreiflichen Aggressionen gegen eine andere Frau (Franziska Weisz) wirkt beunruhigend authentisch. Bei der “Autistin” (Maria Hofstätter) wird Sexualität und Intimität verbal thematisiert, ggü jenen Autofahrern, die sie mitnehmen (zB “Kriagst du no d’Regel?”). Auch Senioren-Sex kommt vor

Caligula (1979): Malcolm McDowell als der römische Kaiser, der als sex-besessen dargestellt wird, was historisch fragwürdig ist.11 Der Film drückt sehr den Geist der 1970er aus, hat etwas von einem “Trash-Film” und auch von einem Porno, zumindest die ungeschnittene Version

Pink Flamingos (1972): Der Film von John Waters enthält eine Nahaufnahme vom Oralverkehr 2er Männer

Intimacy (2001): Darin geht es um eine rein sexuelle Beziehung, die auch Oralverkehr umfasst, den die Schauspieler tatächlich aneinander vollzogen

Paradies: Liebe (2012): Im ersten Teil von Ulrich Seidls “Paradies”-Trilogie12 geht es um eine österreichische Sextouristin in Kenia, zwischen ihren Gelüsten, ihrer Verzweiflung, Barmherzigkeit, Ausgenützt-werden,… Die Frage, wie authentisch die Sache ist, stellt man sich bei Seidl-Filmen des Öfteren. Das betrifft auch die Sexszenen hier, es gibt diverse davon, aber keinen Vaginal-, Oral- oder Analverkehr oder eine sichtbare Ejakulation, aber zB eine halbe Erektion13

Lucia und der Sex (Lucía y el sexo, 2001): Unter den entsprechenden Szenen ist eine, die in der Filmhandlung für einen Pornofilm gemacht wird, Cunnilingus von “Lorenzo” an “Lucia” (Paz Vega)

Die Erben (1983): In der “längeren” Fassung wird bei der Szene mit Roger Schauer und Evelyn Faber14 klar, dass sie für den (bzw beim) Dreh echten Sex hatten. Es gibt 2 weitere Szenen, die nicht “gefaked” sein könnten. In “Herzklopfen”, dem nächsten Film von Nikolas Vogel, könnte der Sex auch teilweise echt sein

Der Fremde am See (2013): Der üppige nicht-simulierte Sex wurde zT von Doubles durchgeführt

Triumphmarsch (La Marche triomphale, 1976): Der Film mit Patrick Dewaere und “Miou-Miou” war ursprünglich als Porno konzipiert, wurde dann “umgeschnitten”, enthält aber immer noch viel “graphische” Darstellung von Sex15

Heimliche Spiele (Choses secrètes, 2002, Jean-Claude Brisseau): Zeigt zB die öffentliche Masturbation einer Frau

1900 (1976): Eine Szene in der eine Prostituierte Hand an Depardieu und De Niro anlegt (bevor sie einen epileptischen Anfall bekommt)

Wilde Orchidee (1989): Die Schauspieler “Mickey” Rourke und Carre Otis waren damals ein Paar und taten vor der Kamera nicht nur so als ob, heisst es. Besagte Szenen sind jedoch nur in der “Heimkino”-Version zu sehen

Flesh (1968): Von Andrew Warhola, mit Joseph D’Allesandro

Spetters (1980): Ein Frühwerk von Paul Verhoeven mit einigen Hardcore-Sexszenen

Dogtooth (2009): Der Sex unter Geschwistern, die von den Eltern an der Nase herumgeführt werden, wird “semi-explizit” gezeigt

Ken Park (2002): Eine Begebenheit in diesem Film qualifiziert ihn für diese Aufreihung, männliche Masturbation

Wetlands (2013): Am Ende eine Szene, in der 4 Männer auf eine (Spinat-) Pizza masturbieren (und ejakulieren)

Emmanuelle (1974): Eine Szene mit einer asiatischen Tänzerin, die sich eine brennende Zigarette in die Vagina steckt und den Rauch hinterher von dort “ausbläst”16

Sade (2000): Behandelt den Gefängnisaufenthalt von Donatien de Sade während der Terrorherrschaft Maximilien de Robespierres 1794, basiert auf dem Roman “La terreur dans le boudoir”. In einer Szene dringt Daniel Auteuil mit Fingern in Isild Le Besco ein (oder in ihr Körper-Double)

W.R. – Mysterien des Organismus (1971): In dem jugoslawischen Film geht es hauptsächlich um die Beziehung zwischen Politik und Sexualität; es soll eine Szene darin geben, die ihn für diesen Artikel eignet

Weiters: All About Anna (2005, von Frauen für Frauen), Q (2011), Now & Later (2009),…

Little Ashes (2008): Robert Pattinson hat es sich vor der Kamera selbst besorgt, sagte er danach in einem Interview, aufgenommen wurde dabei aber nur sein Gesicht, das einen authentischen Orgasmus-Ausdruck bekommen sollte. Ein Grenzfall. Die Masturbationsszene in „Bad Lieutenant“ (1992) zeigt auch nicht das Glied und Harvey Keitel dürfte so getan haben als ob17 Nicht geklärt ist, ob bestimmte Sexszenen in diesen Filmen echt oder nur gut gespielt sind: “Leap year” (2010), “The diary of a teenage girl” (2015), “Der Liebhaber” (1992), “Cruising” (1980, Homosexualität), “Monster’s Ball” (2001), “Pornopung” (2013), “Nacktschnecken” (2004). Tom Cruise und Rebecca De Mornay waren 1982 beim Drehen von “Risky Business” ein Paar, die Sexszenen sollen eine gewisse Authentizität haben.18 In bzw für “Wild” mit Reese Witherspoon (2014) gab es keinen echten Sex, entgegen entsprechender Medienmeldungen. Bei den Dreharbeiten für “Spring Breakers” (2012) kam kam der Rapper Gucci Mane bekifft zum Set und schlief ein, während sich zwei Filmpartnerinnen einige Minuten lang auf ihm austobten (aber nur an Zehen und so).19 In “Drei” (2010) geht es relativ offen um Sex, aber nichts wurde explizit gemacht bzw gefilmt.

Sexualität kann in Filmen natürlich auch anders als durch Authentizität und Nacktheit dargestellt/ umgesetzt werden. In “Brokeback Mountain” waren nicht Sex-Szenen oder Nacktheit der “Aufreger”, sondern die gleichgeschlechtliche Beziehung. In “Lolita”, “American beauty” und “La Joven” ging es um Formen von Hebephilie. In der “Feuchtgebiete”-Verfilmung um die deutliche Sprache. In “Wolke 9” um Sex im Alter. In “Sleepers” um sexuellen Missbrauch (von Jugendlichen). In “Mississippi Masala” oder “Hochzeit in Galiläa” um Paarungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Ethnien. In “Herzflimmern” (1971) um eine ödipale Beziehung. In “Das Appartment” (1960) dreht sich im Grunde Alles um Sex, jedoch ist keine Haut unterhalb des Halses zu sehen. Auch in “Rosemary’s Baby” spielt sich Sexualität auf einer subtilen Ebene ab. In “Damage” oder “Die Klavierspielerin” gibt es expliziten (und realistisch simulierten) Sex, doch der ist “überschattet” von anderen Verstrickungen. In Filmen wie “Vom Winde verweht” oder “Frauenträume” (Ingmar Bergman) geht es um (die Sex manchmal zu Grunde liegenden) Liebesbeziehungen. In “The Sessions” geht es um die wahre Geschichte eines durch Kinderlähmung behinderten Erwachsenen (Mark O’Brien) und seine Sexualbegleiterin (dargestellt von Helen Hunt).20 In der “Name der Rose”-Verfilmung gibt es eine Sexszene, zwischen Mönch Adso von Melk (Christian Slater) und dem Bauernmädchen (Valentina Vargas), die sich weniger durch Nacktheit oder realen Sex auszeichnet (obwohl er sehr real wirkt)21. Die Szene stellt eine Konfrontation zwischen Trieb und Ratio dar, bzw zwischen Natur und Glauben; sie führt weg vom Hauptstrang der Erzählung (am Ende kommt es noch einmal zu einer wichtigen Konfrontation der Beiden).

Was Nacktheit ohne sexuelle Aktivität im (Mainstream-) Film betrifft, in der Hollywood war dies von den 1930ern bis in die 1960er durch den “Hays Production Code” geregelt. Daneben gab/gibt es in der USA anderen Staaten Regelungen bezüglich Freigabe bzw Zensur von Spielfilmen. “Die Sünderin” (1951) sorgte für Aufregung in der jungen BRD; aber nicht nur wegen der Nacktszene mit Hildegard Knef, sondern auch wegen der Thematisierung von wilder Ehe, Prostitution, Vergewaltigung, Sterbehilfe und Selbstmord. „Psycho“ (1960, Hitchcock) wurde ein Meilenstein der Filmgeschichte, wegen noch nie gezeigten Szenen von Gewalt sowie angedeuteter Sexualität: die Toilettenspülung, die Dusch-/Mordszene, Norman Bates’ Neigungen. Marli Renfro, ein Nacktmodel, machte jene Aufnahmen der Duschszene, in der “Janets” Gesicht nicht zu sehen ist. 1962 wurde “Something’s Got to Give” mit “Marilyn Monroe” gedreht, es sollte ihr letzter Film werden und er wurde nicht vollendet. Der Film sollte eine Neuverfilmung der Komödie “Meine Lieblingsfrau” aus 1940 werden. Für die Nacktszene im Schwimmbad nahm die Schauspielerin eine hautfarbene Badehose. Nach dem Drehen wurde Monroe noch darin und ohne fotografiert. In den Tagen nach dieser Szene meldete sie sich erneut krank, wurde daher gefeuert.

So wurde “Promises! Promises!” mit Jayne Mansfield 1963 der erste Mainstream-Film mit einem Nacktauftritt. In den 1960ern etablierten sich Nacktheit und Sex in Filmen, USA (Hollywood) mehr oder weniger der Vorreiter, echter Sex sowie männliche Nacktheit und Erektion blieben aber die Ausnahme.22 Bollywood ist heute noch prüde; “Kama Sutra” ’95 wurde in Indien als “Pornografie” gesehen, für den Westen war da “zu wenig”. Herausragend war “Prêt-à-Porter” (1994), bzw sein Ende, mit den nackten Models und der schwangeren Ute Lemper. In der Verfilmung von “Das Parfum” (06 in die Kinos) gibt es am Ende ja die Orgien-Szene angesichts der vermeintlichen Exekution, mit 750 Menschen die sich auszogen; Regisseur Tom Tykwer sagte in einem Interview dazu, “Wir wollten … keinen infernalischen Höllenrausch fickender Leiber zeigen, sondern ein überwältigendes Liebes- und Umschlingungsgefühl…Nach ein paar Tagen waren alle so an ihre Nacktheit gewöhnt, dass sich niemand mehr zur Mittagspause angezogen hat. Es war wie in einem Nudistencamp…Keiner hat ein Problem, sich auszuziehen, wenn sowieso alle nackt sind. Aber fass mal jemanden an, den du nicht kennst. Du stehst da und sollst inmitten von Hunderten Nackten jemandem an den Busen fassen.” Sienna Miller musste für den (auch unveröffentlichten) Film „Hippie Hippie Shake“, welcher in der Hippie-Zeit spielt und 2007-09 gedreht wurde, für einige Nacktszenen nachträglich am Computer mit Schamhaaren versehen werden. Da zu jener Zeit die heute unter Jugendlichen häufige Entfernung der Schamhaare noch nicht verbreitet war, hätten die Szenen sonst unauthentisch gewirkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Echte Gewalt in Filmen, zum Vergleich, ist beschränkt auf Snuff-Filme und Dokus
  2. Gesicht und Genitalien zusammen sind heikel
  3. Eine Möglichkeit der Entschärfung ist auch, bestimmte (Körper-) Teile zu verpixeln
  4. Oder irgendwelche Moralisten, anders. Oder Voyeuristen anzuziehen
  5. Mainstream-Filme mit (gestelltem) Sex und/oder Nacktheit fast wie in Pornos sind zB „Basic Instinct“ (1992), “American Pie”, “Don Juan 73”, “Henry & June”, “Showgirls”, “Walkabout”, “Piranha 3D”, “American Psycho”, “Eyes wide shut”, “Antichrist”, “Striptease”, “Heavens Gate”, “The Garden”, “Belle de jour”, “Lady Henderson präsentiert”, “Lady Chatterley” (Pascal Ferran), “Fifty Shades of Grey”, “Der Pool”, “Die Träumer”, “Last Picture Show”, “Turks Fruit” (Niederlande 1972, Paul Verhoeven, mit Rutger Hauer und Monique van de Ven), “Die 120 Tage von Sodom” (“Salò o le 120 giornate di Sodoma”, 1975, Pier P. Pasolinis letzter Film, basiert auf dem Buch “Die 120 Tage von Sodom” des Marquis de Sade, Handlung in das Italien des Faschismus verlegt, offene aber simulierte Darstellung von Gewalt und erzwungenem Sex), “Blue Movie” (1969, Andy Warhol, soll “Letzter Tango von Paris” beeinflusst haben), “Es brennt in mir” (2003, Laura Smet), “A Real Young Girl” (1976, mit Charlotte A. Seeley, Regisseurin Catherine Breillat, bis um 2000 war der Film in den meisten Ländern verboten, aufgrund der deutlichen Zur-Schau-Stellung von Geschlechtsorganen und der Entladung diverser Körperflüssigkeiten), “Solo für Klarinette” (1998, eine Szene mit Götz George und Saskia Vester), „Die Liebhaberin“ (2016, Argentinien), „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ (1986), “Atemlos”, die “Nathalie-Babystrich”-TV-Filme mit Anne-Sophie „Briest“ (besonders die Teile 1 und 2)
  6. “Statist” ist ein dehnbarer Begriff
  7. Das Filmen dieser Arbeit bzw das Making-of des Films hätte “es” in sich gehabt
  8. So etwas wurde auch in “Close my Eyes” thematisiert, auch ziemlich “deutlich”
  9. Suzanne Moore schrieb dazu im „Guardian“: „Last Tango’s abuse reveals the broken promise of the 1970s sexual revolution“
  10. Auf gutefrage.net antwortete Einer: “Die Szenen wirken erstaunlich echt (z. B. Hautrötungen, zusammengezogener Hodensack) und in einigen Einstellungen sieht es ganz danach aus, als ob er (Tony Leung) erigiert in sie (Tang Wei) eindringt.”
  11. Es gibt zwar derartige zeitgenössische Beschreibungen, doch in der römischen politischen Kultur gingen politische Gegnerschaft oft Hand in Hand mit Zuschreibungen von Verrücktheit und sexueller Abartigkeit
  12. > 2012: Paradies: Glaube, 2013: Paradies: Hoffnung
  13. Und den Kommentar “So an Hoibwachen kriagt da Kurt a no zom”
  14. Erzählt als Rückblick eines Beobachters
  15. Ähnlich war es bei “Alice in Wonderland” (1976), “Café Flesh” (1982) oder “Stocks and Blondes” (1984, ursprünglich als “Wanda Whips Wall Street” raus
  16. Die “Emmanuelle”-Nachfolgefilme bzw Fortsetzungen sind wahrscheinlich als Pornofilme zu klassifizieren
  17. www.youtube.com/watch?v=B2WuD4zRlaY
  18. Manchmal stehen Paare gemeinsam vor den Kameras, wie Basinger und Baldwyn in “Getaway” (1994), oder ist echte Liebe dabei im Entstehen, wie zwischen Polanski und Tate in “Tanz der Vampire” oder Cruise und Kidman in “Days of thunder”
  19. “We were working 12-hour days, and then I was going out at night. The last scene I shot was my big sex scene, and by that point I was exhausted. There had been pounds of this fake herbal weed on set, but that junk gave me a headache, so I stuck to smoking Kush . . . It was 4 in the morning, and even with these two naked bitches on me — one was riding me while the other sucked my toes — I couldn’t keep my eyes open. I was knocked out, snoring . . .”
  20. Hunt in einem Interview: “Ich hatte ehrlich gesagt noch nie von diesem Job gehört. Anfangs dachte ich das Gleiche, was auch der Priester in unserem Film denkt: Im Grunde ist das nichts anderes als eine Prostituierte. Aber dann habe ich die Frau getroffen, auf deren Leben meine Figur basiert, und ich habe auch mit Menschen gesprochen, mit denen sie arbeitet: Prostatakrebs-Überlebende, Frauen, die ihren Körper für entstellt halten, 70-jährige Männer, die nie Sex hatten, weil sie sich ihr Leben lang geschämt haben. Als diesen Menschen hat Cheryl Cohen-Greene geholfen, zu einer eigenen Sexualität zu finden. Das hat mit einer Prostituierten nichts zu tun.”
  21. Wenn Slater beim Dreh einen “Ständer” bekommen hat, ist der Sex i-wie echt geworden
  22. Erektionen (ohne sexuellen Akt) in Nicht-Porno-Filmen gibt es u.a. in: “Boys in the Sand” (1971), “Die Mysterien des Organismus” (1971), “Score” (1974), “Im Lauf der Zeit” (1976), “Loads” (1980), “Taxi zum Klo” (1980), “Hard” (1998), “Killing Me Softly (2002), “Lie with me” (2005), “Destricted” (2006), “Chloe” (2009), “Marfa Girl” (2012), „Spies & Glistrup“ (2013)