Afghanistans buddhistische Vergangenheit

Der Hintergrund zu den von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen ist gar nicht so leicht zu verstehen. Jedenfalls, ein grosser Teil von dem was Afghanistan wurde, war in der späteren Antike und im frühen Mittelalter ein buddhistisches Land! Die Beschäftigung damit führt einen weit vor die Entstehung Afghanistans, ist ein Schlüssel zum Verständnis nicht nur dieses Landes, sondern auch der Regionen an denen es Anteil hat bzw an die es grenzt (vor allem Südasien, auch Zentralasien und Westasien). Erschwert wird das Verständnis bzw die Darstellung durch die Verwirrung um Bezeichnungen von Völkern, Reichen und Regionen im zentralasiatischen Raum. Der Buddhismus entfaltete sich in Zentralasien in wechselnden politischen Einheiten und ohne ethnische Konstanten. Die Buddha-Statuen gehörten zu den grössten in der Welt. Die Zerstörung der Statuen kommt als Vorgriff mit in den Artikel. In den Fortsetzungen wird es um die neuere Geschichte Afghanistans gehen, die ebenfalls unbekannte/unerwartete Gesichter dieses Landes birgt, die Zeit von der eigentlichen Enstehung des Landes über die Zeit in der Miniröcke über Burkas dominierten und die Amerikaner die ins Land kamen, hauptsächlich Hippies und andere Touristen waren und nicht Soldaten, bis zur Abwürgung einer notwendigen Modernisierung.

Das Hindukusch-Hochland teilt Afghanistan in 2 Landesteile, die bis zur Entstehung dieses Staats im 18. Jahrhundert ethnisch, kulturell und historisch unterschiedliche Entwicklungen durchliefen. Der Norden ist sehr persisch/iranisch geprägt, war jahrhundertelang der östliche Teil von Khorassan, ist hauptsächlich von Tadschiken bewohnt, einem Volk das erst in der späteren Neuzeit entstanden ist (bzw sich von den Persern weg-entwickelt hat). Das Süd-Hindukusch-Gebiet hiess früher Gandhara- oder Waihind-Gebiet, gehörte mit dem Westen des heutigen Pakistans zusammen. Um diese Region geht es hier hauptsächlich. Der Kern Gandharas lag im Osten, um die gleichnamige Stadt. Die Reiche von Gandhara, die von etwa 200 vC bis 1000 nC bestanden dehnten sich teilweise weit darüber hinaus aus. Dieses Gebiet ist seit der Entstehung Afghanistans sein südlicher Teil und diese Entstehung ging von den dort lebenden Paschtunen aus, deren Ethnogenese in die Zeit der Gandhara-Reiche fällt. Das Gandhara-Gebiet war nie lange bei Persien, ist nach Indien hin “offen”. Es wurde später als das nördliche Afganistan islamisiert, war bis dahin buddhistisch. Die Stadt Kandahar entstand übrigens später viel weiter westlich als Gandhara.

Gandhara war eine östliche Satrapie im achämenidischen Persien, im Grenzgebiet zu Indien, aber auch in umliegenden Satrapien wie Arachosien, Baktrien, Areia, Sogdia, Chorasmien lagen Anteile späterer Gandhara-Reiche. Die Bewohner Arachosiens waren die Pakhas/Paktas/Pakat (von Herodot stammt die Umschrift “Paktyaner”), die in der Ethnogenese der Paschtunen eine Rolle spielten. Mit den Eroberungszügen der makedonischen Griechen bis nach Indien kam es zu den ersten Berührungen von griechischer und indischer Kultur. Der Kontakt zwischen griechischer und iranischer Kultur kam u.a. durch die Heirat Alexanders mit Roksana, Tochter eines baktrischen Lokalfürsten, zu Stande. Das spätere Afghanistan lag dann auch im Seleukidenreichs im äussersten Osten, grenzte an Indien, das von der Maurya-Dynastie regiert wurde.

In Maurya-Indien setzte sich unter Ashoka der noch junge Buddhismus durch, um 300 vC wurde das Reich um das Gandhara-Gebiet erweitert. Über den Khyberpass (führt heute von Afghanistan nach Pakistan) kamen viele Eroberer aus Zentralasien nach Indien, in diesem Fall von dort. Mit dieser Abtrennung vom seleukidisch bleibenden Persien begann die Sonderentwicklung Gandharas. Buddhismus, auch Formen des Hinduismus, kamen in das das Gebiet südlich des Hindukuschs, setzten sich auf Kosten des Zoroastrismus durch. Der Buddhismus wurde hier mit-geprägt. Der kulturelle Synkretismus aus indischen, griechischen und iranischen Elementen wird Graeco-Buddhismus genannt.

Als Persien unter den parthischen Arsakiden wieder unabhängig wurde (250 vC), war der östliche Teil des Seleukidenreichs, Baktrien, vom seleukidischen Rest abgeschnitten; der Statthalter der Seleukiden in Baktrien schuf das Griechisch-Baktrische Reich in Zentralasien. Es wurde mit dem Ende des Maurya-Reichs u.a. um das Gandhara-Gebiet erweitert. Griechische und indisch-buddhistische Kultur fanden so wieder zueinander. Der grösste Teil Ost-Chorassans gehörte zum Partherreich. Der östliche, indische Teil des Greco-Baktrischen Reiches, mit Gandhara als Zentrum, machte sich um 150 vC unabhängig, dieser Staat wird meist Indo-Griechisches Königreich genannt (retrospektiv, wie manches andere bei diesem Thema). Das restliche Griechisch-Baktrische Reich wurde von einem zentralasiatischen “Steppen-Volk” eingenommen, das in chinesischen Quellen “Yuezhi” genannt wurde. Möglicherweise sind diese den Skythen zuzuordnen.

Und, um die Verwirrung komplett zu machen, sie dürften mit jenen ident sein, die antike und dann byzantinische Schriftsteller “Tocharer” (lateinisch Tochari, griechisch Tocharoi) bezeichneten. “Tocharistan” wiederum wird mit Baktrien gleichgesetzt, überschneidet sich mit Khorassan. “Ariana”, die latinisierte Form des alt-griechischen “Ἀρ(ε)ιανή” (Ar[e]ianē), geht auf “Areia” zurück, eine Provinz bzw Gegend des achämenidischen Persiens (im Gebiet des heutigen Afghanistans), wurde von griechischen und römischen Autoren teilweise für das ganze Gandhara-Gebiet und sogar darüber hinaus verwendet wurde. Areia und Arachosien bezeichneten ungefähr das selbe Gebiet, das auch von Baktrien nicht klar abzugrenzen ist.

Das Indo-Griechische Königreich wurde von den Skythen, iranischen Reiternomaden, die aus Zentralasien über den Hindukusch einsickerten, beendet bzw in ein Indo-Skythisches umgewandelt. Wie unübersichtlich und schwer greifbar diese Phase der aufeinanderfolgenden Reiche mit dem Gandhara-Gebiet ist, zeigt sich auch darin, dass die Geschichtsforschung auch eine Koexistenz von Indo-Griechen und Skythen nicht ausschliesst. Auch das Partherreich drang in die Region ein, seine lokalen Statthalter (u.a. Gondophares/Gudapharasa) regierten dann als seine Vasallen (“Indo-Parther”) neben den Indo-Skythen. Die Residenz der indo-parthischen Könige war in Taxila im Nord-Punjab, der meist zu den Gandhara-Reichen gehörte, oder aber in Kabul oder Peshawar. Nach anderen Darstellungen haben die (Indo-)Parther auch die (Indo-)Skythen in Gandhara “und Umgebung” als Herrscher verdrängt.

Im 1. Jh. nC drangen die Yuezhi/Tocharer über den Hindukusch in Gandhara ein und entrissen Indoparthern und Indoskythen sukzessive die Kontrolle über das nach Nordindien hineinreichende Land. Die Kuschan(a)s waren einer der Stämme der Yuezhi, begründeten ihr Reich, das Nord-Indien (bzw -Südasien), Teile Zentral-Indiens, einen Teil Ost-Asiens und einen grossen Teil Zentralasiens inkl. Gandhara umfasste. Die Kuschanas ernannten die vormaligen skythischen Regionalherrscher anscheinend zu (relativ selbstständigen) Statthaltern (Kshatrapas) von Provinzen. Die “Nord-Afghanen”/Ost-Khorassaner waren auch Teil dieses Reichs. Unter der Herrschaft der Kushanas festigte sich der Buddhismus in der Region, v.a. in Gandhara, das Kern des Reichs war, und blühte. In der Gegend um Bamiyan etwa ist der Buddhismus erst damals und nicht schon unter den Maurya dominant geworden; es entstanden nun Klöster, Tempel und Stupas. Neben dem Reich der “Kabul-Shahis” war Kuschana das wichtigste in der “buddhistischen Phase” (Süd-)Afghanistans.

Das heutige Afghanistan war spätestens unter den Kuschanas ein Zentrum des frühen Buddhismus, wie auch des Hinduismus; auch im angrenzenden Satavahana-Reich (in Zentral-Indien) existierten beide Religionen noch nebeneinander. Der Gandhara-Buddhismus mit seinem griechischen Einfluss beeinflusste v.a. den Mahayana-Buddhismus, der sich dann nach Nordost-Asien (China, Korea, Mongolei, Japan,…) ausbreitete. Auch der Buddhismus im Tarim-Becken wurde von Gandhara beeinflusst. Die enge Verbindung der Gandhara-Kultur mit dem Buddhismus zeigt sich auch in der Tatsache, dass die ältesten noch erhaltenen buddhistischen Handschriften in der Gandhari-Sprache (in der Kharoshthi-Schrift geschrieben) abgefasst sind. Die Benennung der Sprache erfolgte retrospektiv. Erst um das 5. Jh wurde sie vom Sanskrit als “Sprache des Buddhismus” verdrängt.

In Zentralasien hat das Kuschanreich bis ins frühe 3. Jahrhundert bestanden, bevor es (mit Gandhara) von den Sasaniden erobert wurde. Im frühen 4. Jh kam es zu einer Revolte der Kuschan, die aber unter Schapur II. niedergeschlagen wurde. Reste des östlichen Kuschan-Reichs in Indien blieben länger bestehen, bis ins 4. Jh etwa, als sich in Indien das Gupta-Reich ausbreitete. Im östlichen Zentralasien, dem vormaligen West-Kushan, dem östlichen Teil des sasanidischen Persiens, setzten sie Sasaniden ihre Prinzen als Statthalter ein, die den Titel Kushanshah („König der Kushan“) bekamen. Manche von ihnen nutzte diese Position für Usurpations- oder Sezessionsversuche aus. Diese Lokalherrscher werden heute auch Indo-Sasaniden oder Kushano-Sasaniden genannt. Buddhisten in Gandhara und Balkh scheinen unter den zoroastrischen Sasaniden toleriert worden zu sein. Im späten 4./frühen 5. Jahrhundert fielen iranische Hunnen (Kidariten, Hephthaliten,…) in diesem Gebiet, das auch Gandhara umfasste, ein. Mitte des 6. Jh konnten die Sasaniden mit Hilfe der Göktürken die Hephtaliten besiegen; Reste der hephtalitischen Herrschaft hielten sich im Gebiet um Gandhara gegen das sasanidische Persien. Auch wenn ein Teil blieb und buddhistisch wurde, der Hephtaliten-Einfall bedeutete für den Buddhismus dort zunächst grossen Schaden.

Im 6. Jh entstand im Gandhara-Gebiet, zwischen sasanidischem Persien und Gupta-Indien ein neues Reich, das der “Kabul-Schahis”, wahrscheinlich in Nachfolge der “Kuschano-Hephtaliten”. Die Herkunft der Herrscher ist umstritten, es gibt Hinweise auf indische, iranische, turkische und tibetische Wurzeln, wie auch bei den Kuschanas. Dieses Reich um/in Gandhara wird meist in zwei aufeinanderfolgende Phasen (manchmal auch in zwei verschiedene Reiche) unterteilt, eine buddhistische (“Kabul-Schahis”, “Turki-Shahi”, “Shahiya”, “Kabul-shāhān”,…) und eine hinduistische (“Hindu Shahis”), mit der “Ablöse” um 870. Die buddhistischen Kabul Shahis regierten von Kabul und Kapisa, in der Zeit kam auch die Bezeichnung “Kabulistan” auf, für ein Gebiet, das in etwa Gandhara entsprach. Informationen über die Kabul- und Hindu-Schahis stammen zu einem grossen Teil von al-Bīrūnī. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass es eine enge Verbindung zwischen den beiden Religionen in dieser Kultur gab; so enthielten hinduistischen und buddhistischen Tempel oft Statuen auch der jeweils anderen Religion.

Nach dem Untergang des sasanidischen Persiens gegen die islamischen Araber Mitte des 7. Jahrhunderts war das Kabul-Reich weiteren Expansionsbemühungen des Kalifats ausgesetzt. Diese kamen auch bis nach Kabul, überzeugten (wie auch immer) einen Teil der buddhistischen Einwohner von der Konversion zum Islam. Das Gebiet im äussersten Osten des Kalifats musste bald wieder aufgegeben werden, Gandhara/Kabulistan kam zurück unter die Herrschaft der buddhistischen Schahs/Könige. Die Kabul-Schahis bauten in der Folge Verteidigungsanlagen gegen die Moslems, Mauern, die heute noch zu sehen sind. Das spätere nördliche Afghanistan, Ost-Khorassan, teilweise auch buddhistisch, wurde von den Arabern im zweiten Anlauf 715 eingenommen und sukzessive islamisiert.

Buddhismus war, durch Mönche aus dem Gandhara-Gebiet, auch in Ost-Khorassan, dem heutigen Nord-Afghanistan, eingedrungen, v.a. um Balkh, das auch ein frühes Zentrum von Zoroastrismus (Zarathustra stammte evtl von dort) war und später vom islamischen Sufismus. Nach der arabisch-islamischen Eroberung Persiens gab es 715 in Balkh einen Aufstand, der niedergeschlagen wurde. Darufhin wanderten persische buddhistische Mönche die Seidenstrasse entlang nach Nordost-Asien aus, wo sie an der Verbreitung dieser Religion wirkten. Bereits in Jahrhunderten davor erfolgte die Verbreitung dieser Religion aus Indien über Persien nach China oder in das Tarim-Becken; auch der berühmte Missionar An Shigao dürfte aus Persien gestammt haben. Andere iranische Buddhisten folgten der mehrheitlichen Konversion zum Islam. Die Barmakiden waren etwa eine führende buddhistische Familie in Balkh, erbliche Verwalter des Klosters Nava Vihara in Balkh. Sie wurden mächtige Wesire der abbasidischen Kalifen.

870 gelang den Saffariden (die entweder persischer Herkunft waren oder stark von der persischen Kultur geprägt) die Einnahme Kabuls. Im Angesicht des Angriffs setzte der hinduistische Minister Kallar seinen buddhistischen König ab, wich dann als neuer Herrscher vor den Invasoren aus. Die Saffariden plünderten buddhistische Klöster, ein erster Schlag gegen den Buddhismus in Gandhara und Khorassan. Neue Hauptstadt des verkleinerten Reiches wurde Hund weiter südöstlich, heute im pakistanischen Paschtunengebiet. 879 eroberten die Hindu-Shahis Kabul zurück. Sie  waren Förderer auch des Buddhismus; unter ihnen wurde etwa das buddhistische Subahar-Kloster bei Kabul gebaut, anscheind an der Stelle eines zoroastrischen Feuertempels.

Das Bamiyan-Tal im Hindukusch nahe Kabul lag an der Seidenstrasse, dem Handelsweg, der Westasien bzw Europa von der Spätantike bis ins Spätmittelalter (Mongolen) mit Ostasien verband, und der durch Gandhara verlief. In der Kuschana-Zeit wurde Bamiyan ein Zentrum des Buddhismus bzw. der hellenistisch-buddhistischen Gandhara-Kultur, mehrere Klöster entstanden. Die Stadt bzw das Tal haben ihren Namen von einem frühen buddhistisch-hinduistischen Kloster bzw seinem Sanskrit-Namen. Die Buddha-Statuen und die Nischen wurden unter den “Kabul-Shahis” herausgearbeitet, im 6. und 7. Jh; sie waren auch bemalt. In dieser Felswand aus Kalkstein befand sich auch ein aus dem Fels gegrabenes Felsenkloster, in denen Tausende Mönche wohnten, mit Gebetshallen mit reichhaltigen Wandmalereien. Felsentreppen, die teilweise heute noch vorhanden sind, führten bis zum Scheitel der Buddha-Statuen. Die grössere Statue war ein Bildnis des Buddha Dipankara, die kleinere stellte den Buddha Shakyamuni (Siddhartha Gautama) dar. Bamiyan geriet wie das restliche Gandhara mit den Invasionen der Omayaden, Saffariden und endgültig der Ghanznawiden unter moslemische Herrschaft.

Bamiyan 1931
Bamiyan 1931

Die Hindu-Schahis (870 bis 1026) leisteten lange Widerstand gegen islamische Eroberungen. Die Ghaznawiden, türkische Soldaten der persischstämmigen Samaniden (Nachfolger der Saffariden), dann ihre Erben als Herrscher über Teile Irans, waren der westliche Nachbar. Der Buddhismus wurde in ihren frühen Eroberungen wie Khorassan oder Baktrien nicht unterdrückt. 1008/09 besiegte die Armee von Mahmud von Ghazna jene von Anandapala, dem letzten Hindu Shahi von Gandhara; das Reich existierte zunächst noch als Vasall der Ghaznawiden weiter. Folgen hatte der Untergang v.a. für Indien, das, zumal in Kleinstaaten zersplittert was es damals war, nun das Ziel von moslemischen Eroberungen wurde. Von der Einnahme Gandharas war es für die Ghaznawiden ein kleiner Schritt zu jener des Punjab.

Manche sehen eine Kontinuität der buddhistischen Gandhara-Reiche, vom Griechisch-Baktrischen Reich bis zum im 11. Jh untergangenen Kabul-Shahi-Reich. Eine Konstante in dieser Zeit waren Wanderungsbewegungen in diese Reiche, ab den Griechen Alexanders, vor allem aus Zentralasien. Anscheinend vollzog sich die Volkswerdung der Paschtunen vor diesem Hintergrund (mit der Integration der meist als Eroberer neu Hinzugekommenen) – wobei Eroberungen und damit verbundene Einwanderungen nach Gandhara nicht mit den Ghaznawiden zum Stillstand kamen, zumindest noch das ganze Mittelalter weiterliefen. Die Paschtunen “entstanden” erst in islamischer Zeit, und Gandhara kam damit zu einem Ende. Es gibt auch die Theorie einer  Abstammung der Paschtunen/Afghanen (war ursprünglich dasselbe) von den Israeliten. Einige paschtunische Stämme sollen Nachkommen der 10 seit der Assyrer-Inasion verlorenen Stämme Israels sein und Stammesnamen wie Barakzai oder Yossufzai jüdische Vorfahren (namens Barak oder Yosef) wiederspiegeln. Diese Behauptung geht anscheinend auf das  (persischsprachige) Buch “Maḫzan-e Afghāni” eines Nehmatullah Herawi zurück, der im Indien der Moguln.

Unter den Ghaznawiden wurde der Süden des späteren Afghanistans, das bis dahin weitgehend buddhistische Gandhara-Gebiet, islamisiert, der Norden, Ost-Khorassan (zuvor zoroastrisch), war es zu diesem Zeitpunkt schon grossteils. Nur Nuristan wurde viel später islamisiert. Die Frage sei gestellt, warum nicht auch Ghaznawiden oder Mongolen in diese buddhistischen Reiche integriert wurden, nicht sie also konvertiert wurden, warum hier der Bruch kam. Nach den Ghaznawiden kamen Seldschuken, Karachitai, Chwarezm-Schahs, Ghoriden, Karakhaniden, Mongolen. Nachdem das Reich von Cengiz Khan noch 13. Jh zerfiel, kam der grössere Teil sowohl Ost-Khorassan als auch Gandharas zum Il-Khanat, das Ost-Drittel des späteren Afghanistans zum Tschagatai-Khanat. Vom letzteren gingen ja Timur Lenks Eroberungszüge des 14./15. Jh aus, dessen zentralasiatisches Reich umfasste auch das spätere Afghanistan. Das letzte der Delhi-Sultanate war jenes der Lodhi (1451-1520), einer paschtunischen Dynastie, aber ausserhalb Gandharas/Paschtunistans, wo damals der mongolisch-stämmige Babur herrschte. Dieser, Begründer der Mogul-Dynastie, nahm danach Indien ein.

Häufige Eroberungen bzw Machtwechsel, verbunden mit (Ein)wanderungsbewegungen, Zusammenfassung diverser Gebiete zu neuen Reichen, das ging im zentralasiatischen Raum bis zur frühen Neuzeit weiter, als das safawidische Persien, Mogul-Indien und die Khanate im nördlichen Zentralasien entstanden. Das spätere Afghanistan wurde auf diese Reiche aufgeteilt, die Grenze verlief ähnlich wie bei den Dschingis-Nachfolgereichen quer durch Ost-Chorassan und Gandahar hindurch, der Westen bei Persien, der Osten bei Indien; dem Buchara-Khanat der Usbeken gelang es, vom Norden einzudringen und einige Gebiete zu erobern.

Die Buddha-Statuen in Bamyan, unter den buddhistischen Schahis herausgearbeitet, blieben das auffälligste Erbe, das herausragendste Zeugnis, der buddhistischen Kultur Gandharas. Ihre Grösse hat durchaus die Bedeutung Gandharas für den Buddhismus (bzw umgekehrt!) wiedergespiegelt. Nach der Islamisierung durch die Ghaznawiden um die Jahrtausendwende blieben die Statuen vorerst unangetastet. Der Buddhismus verschwand etwa mit dem Ende des Mittelalters aus dem Gebiet des späteren Afghanistans (das damals zwischen Persien und Indien geteilt wurde), die Buddhas in Bamiyan (das zum Mogul-Reich kam) blieben.

Absichtliche Beschädigungen begannen spätestens mit dem Einfall der Mongolen unter Cengiz Khan, die auch die Bevölkerung der Stadt töteten. Obwohl Mongolen zu verschiedenen Zeiten selbst buddhistisch wurden, bedeuteten ihre Invasionen grossen Schaden für buddhistische Kulturen, auch in Ostasien. Cengiz’ Mongolen haben bei der Einnahme Bamiyans auch die Festung Schahr-e Gholghola zerstört, die Sitz islamischer Herrscher war, möglicherweise aber auf die Sasaniden zurückgeht. In der Gegend um Bamiyan “entstanden” die Hesoren/Hazaras im Spät-Mittelalter, aus eingefallenen Mongolen und Alteingesessenen (u.a. Paschtunen). Die Hazaras vereinnahmen die zerstörten Statuen und die untergegangene buddhistische Kultur Bamiyans heutzutage gerne für sich, als ihr kulturelles Erbe. Eine Form des Hinduismus hielt sich lange in abgelegenen Gebieten des östlichen Hindukusch, die heute in etwa die Provinz Nuristan bilden.

In Gross-Indien/Südasien wurde der Buddhismus zunächst im frühen Mittelalter weitgehend vom Hinduismus verdrängt, den die meisten Herrscher unterstützten (etwa die Guptas in der Spät-Antike). Es blieben Reste im Indus-Gebiet (Punjab, Sindh) im Nordwesten, im Norden (Kaschmir), sowie das buddhistische Pala-Reich, das von Bengalen im Nordosten zeitweise bis in den NW reichte, die letzte Hochburg des Buddhismus in Indien war. Die ersten islamischen Einfälle in Indien erfolgten noch unter den Omayaden. Auf den Fall der Hindu-Schahi gegen die Ghaznawiden folgten flächendeckende islamische Herrschaften ab dem Spät-Mittelalter (Ghoriden,…).

Die am stärksten islamisierten Gebiete Indiens, der Nordwesten (Sindh, Punjab) und der Nordosten (Bengalen, Bihar), waren (die letzten) buddhistische Zentren gewesen; zu einem gewissen Maß gilt das auch für Kaschmir. Das Pala-Reich mit seinem Zentrum im NO wurde von den Delhi-Sultanen im 12. Jh eingenommen, dabei wurde Nalanda mit seinen Klöstern, Tempel und Universität zerstört. Der in Zentral-, Süd- und Südost-Asien vorherrschende Mahayana-Buddhismus mit seiner wichtigen Stellung der Mönche soll durch die Tötung dieser leicht zu schwächen gewesen sein, diese Gegenden so islamisiert worden sein. Buddhistische Reste blieben im Süden, in Ceylon und Bhutan; und durch durch den tibetischen Exodus gab es in Indien ein Wiederaufleben. Der Buddhismus ist also in seinem Mutterland Indien fast verschwunden, verdrängt von Hinduismus und Islam; so verhält es sich auch mit der Baha’i-Religion im Iran oder dem Christentum in Palästina.

Der erste Europäer, der Bamiyan mit seinen Buddha-Statuen zu sehen bekam, soll der Engländer William Moorcroft gewesen sein, Anfang des 20. Jh, als er die Gegend im Auftrag der British East India Comapany bereiste, nach der Entstehung Afghanistans und vor seiner britischen Inbesitznahme, für die er mit die Grundlagen legte. Unter dem afghanischen Emir Abdur Rahman Khan (aus der bis 1973 herrschenden Barakzai-Dynastie) wurden die Bamiyan-Buddhas weiter zerstört, im Rahmen der blutigen Niederschlagung einer Hazara-Revolte Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dem 1. WK begann die systematische Erforschung des buddhistischen Erbes in Afghanistan, durch Europäer. In Bamyan wurden 1930 auch Texte auf Palmblättern aus der Gandhara-Kultur gefunden. In Hadda in Süd-Afghanistan wurden von den 1930ern bis in die 1970er buddhistische Skulpturen ausgegraben. Westliche Touristen standen in den 1960ern und -70ern auf den Köpfen der Statuen. In den Höhlen des Felsmassivs wie überhaupt in der Gegend leben heute überwiegend Hazara.

Die Ausbreitung des Buddhismus war um 1000 an seine Grenzen gekommen (auch wenn danach etwa noch die Mongolen übertraten), er wurde vom Islam zunehmend zurückgedrängt, neben Zentralasien und Indien auch in Südost-Asien. Der Buddhismus setzte sich auch bei Ost-Iranern im Tarim-Becken im heute chinesischen Sinkiang, am Übergang von Zentral- nach Ostasien, durch (Khotan-Reich), sowie bei türkischen Völkern dort (frühe Uiguren, Königreich Quocho). Im Hoch-MA wurde dieses Gebiet durch Karluken/Karakhaniden islamisiert und türkisiert, am östlichen Rand blieb ein buddhistisches Rest-Gebiet übrig, das unter den Tschagatai immer kleiner. Hinduismus und Buddhismus haben sich in der Spät-Antike/Früh-Mittelalter aus Indien nach Südost-Asien verbreitet. Teilweise existierten diese Religionen nebeneinander (sogar in Symbiose mancherorts), zT in Konkurrenz zueinander.

Das buddhistisch-hinduistische Srivijaya-Reichs mit dem Zentrum Sumatra hat im Mittelalter einen Grossteil Südost-Asiens zumindest beeinflusst. Das spätere Indonesien (Java,…) war vorwiegend hinduistisch, hier hat sich ein Rest auf Bali gehalten. Im Festland-SO-Asien (ehem. Indochina, Thailand, Birma) hat sich der Buddhismus behauptet (in seiner Hinayana-Ausprägung), im maritimen SO-Asien (Malaiischer Archipel; Indonesien, Malaysia, Philippinen, Brunei, Singapur, O-Timor) wurde er von Islam oder dem Christentum verdrängt, im Spät-Mittelalter/Früh-Neuzeit, durch Missionare oder Eroberer. Auf dem Malaiischen Archipel zeugen heute, wie in Bamiyan, Nalanda oder Taxila, Ruinen von einer buddhistischen Vergangenheit; und chinesische und indische/ceylonesische Einwanderer, die ab der späteren Neuzeit kamen und Buddhismus und Hinduismus in “bescheidenem Maß” nach SO-Asien zurückbrachten.

Auch in Afghanistan gibt es indische Einwanderer, aus dem 19. Jh, bzw deren Nachkommen, hauptsächlich Hindus und Sikh, die zumindest diese Religionen ins Land (zurück) brachten, wenn auch nicht den Buddhismus. Sie leben in den grösseren Städten und werden “Hindki” genannt, was auch anderes bezeichnen kann, etwa Urdu-sprachige Moslems. Die Buddhas in Bamiyan hielten sich als buddhistische Symbole ca. 600 Jahre in einem Land ohne Buddhisten. Erinnert an die evangelische Schwarze Kirche in Kronstadt/Brasov (Rumänien), die immer noch so was wie die auffälligste Kirche der Stadt ist, obwohl es seit dem 2. Weltkrieg kaum noch Siebenbürger Sachsen bzw Protestanten dort gibt. Oder an die Gebäude der Baha’i in Haifa (Israel/Palästina), wie der Schrein des Bab oder das Universale Haus der Gerechtigkeit. Dorthin hatte es zwar die Gründer der Religion verschlagen, viele Anhänger hat es dort aber nie gegeben. Oder den Huei Teocalli (Templo Mayor) der Azteken im heutigen Mexiko Stadt, der von Spaniern 1521 zerstört wurde, oder den Zeustempel von Olympia von dem seit dem 5. Jh (Zerstörung unter Oströmern/Byzantinern) auch nur mehr Ruinen übrig sind. Bamiyan weist aber auch Gemeinsamkeiten mit Naqsh-e Rostam im Iran auf, wo sich neben den Gräbern achämenidischer Grosskönige Felsreliefs aus sasanidischer Zeit befinden, sowie der Kabe-ye Zartosht (Würfel Zarathustras), alles eine Erinnerung an die vor-islamische Vergangenheit.

Es war März 01, eine Zeit in der die damals Afghanistan regierenden Taliban durch verschiedene besonders “radikale” Maßnahmen auffielen, wie der Anordnung einer optischen Kennzeichnung der Nicht-Moslems (also Hindus und Sikh). In der Zeit ereignete sich auch die völlige Zerstörung der Buddha-Statuen. Taliban-Führer “Mullah” Omar, de facto Staatschef, hat sie wohl angeordnet. In Bamiyan lebende Hazaras sagen, dass gefangene Hazara zur Anbringung des Sprengstoffs gezwungen wurden (siehe verlinkten Artikel unten). Araber und Pakistanis seien beteiligt gewesen. Zuerst war versucht worden, die Figuren durch Schüsse zu zerstören. Für die Sprengung brauchte man mehrere Versuche über Wochen hinweg. Für viele Afghanen waren die Statuen ein Schatz aus der Vergangenheit des Landes gewesen. Die leeren Nischen zeugen davon, dass sich hier einmal die Perlen Asiens befanden. Die ganze Repressivität, Intoleranz und Destruktivität der Taliban und des Salafismus liegt in dieser Sprengung.

Eine andere Religion als der Islam ist in Afghanistan praktisch nicht existent. Die Paschtunen, Nachfahren der Gandhara-Buddhisten und Erbauer der Statuen, sind besonders strenge Moslems geworden. Im benachbarten Iran (das früher islamisiert wurde) ist dagegen mit Norus ein vor-islamisches Fest das wichtigste im Jahr, nicht-islamische Namen sind gang und gäbe, es gibt relativ grosse Gruppen von nicht-moslemischen Minderheiten, auch der Laizismus innerhalb des Bevölkerungssegments der nominellen Moslems ist (trotz bzw gerade wegen dem religiösen Regime) gross. Angesichts der Nicht-Präsenz des Nicht-Islamischen in Afghanistan (schon Schiiten werden oft angefeindet) war es eigentlich eine Frage der Zeit, bis die riesigen Buddha-Statuen verschwinden mussten, zumal unter dem fundamentalistischen Regime der (paschtunischen) Taliban.

Die UNESCO erklärte die Überreste 2003 zum Weltkulturerbe, plant zusammen mit der afghanischen Regierung einen Wiederaufbau. Es ist ein wenig wie beim Stadtschloss in Berlin, welchen Sinn macht eine Wiederherstellung, wenn die Umstände gegenüber der Enstehung ganz andere sind, es in diesem Land also keinen Buddhismus mehr gibt. Hier kommt noch dazu, dass die Gefahr der Taliban bzw einer neuerlichen Zerstörung noch lange nicht gebannt ist.

Auch Persien/Iran hat ein kleines buddhistisches Erbe. Das parthische Persien soll bei Ausbreitung des Buddhismus von Indien nach China geholfen haben. Ost-Khorassan war meist bei Persien, und, wie erwähnt, fand auch dort der Buddhismus etwas Einzug. Möglicherweise auch in das nördliche persische Zentralasien. Die religiöse Vielfalt im sasanidisches Persien reichte vom Nestorianismus in Mesopotamien bis zum Buddhismus in Khorassan, seiner “Mittler-Funktion” in Asien voll entsprechend. Ost-Khorassan wurde unter den Saffariden (eine der ersten moslemischen Lokaldynastien nach dem Abbasiden-Zerfall) islamisiert, also etwas später als das restliches Persien, etwas früher als Gandhara.

Nachfahren zoroastrischer Iraner die gewaltsam islamisiert wurden, brachten zT den Islam nach Indien, Inder wiederum nach SO-Asien; Die wahrscheinlich ost-iranischen/tadschikischen Ghoriden waren vor ihrer Konversion zum Islam durch die Ghaznawiden auch Buddhisten gewesen,… In Balkh legten Zoroastrismus und Buddhismus die Grundlage für den synkretischen moslemischen Sufismus des Jalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī (Balkhī, Mawlānā, Mevlânâ, Rūmī; 13. Jh), zu einer Zeit, als das Gebiet zum Reich der Khwaresm-Schahs gehörte. Im Il-Khanat war der Buddhismus zeitweise Staatsreligion, dieser kehrte somit für eine Zeit nach Persien und Gandhara zurück. Der Hinduismus kam viel später mit indischen Einwanderern in den Iran (zurück), es gibt 2 Tempel im Süden, aus dem 19. Jh. Einige moderne iranische Schriftsteller wie Sohrab Sepehri haben sich mit dem Buddhismus beschäftigt.

 

Mostafa Vaziri: Buddhism in Iran. An Anthropological Approach to Traces and Influences (2012)

Anna Akasoy, Charles Burnett, Ronit Yoeli-Tlalim: Islam and Tibet. Interactions Along the Musk Routes (2011)

Heinz Bechert/Richard Gombrich: Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart (1. Auflage 2000)

André Wink: Al-Hind the Making of the Indo-Islamic World. The Slave Kings and the Islamic Conquest, 11th-13th Centuries (2002)

Hamid Wahed Alikuzai: A Concise History of Afghanistan in 25 Volumes (2013)

Peter Levi: The Light Garden of the Angel King (1972)

René Grousset: Sur les traces de Bouddha (1929). Hauptsächlich über den chinesischen Pilgermönch Xuanzang und seine Reise nach Nalanda

Tribe_Diaspora_and_Sainthood_in_Afghan_History

https://jambudveep.wordpress.com/2010/09/12/kabul-shahi-the-hindu-kings-of-kabul-zabul/

Diskussion um die Ethnizität der Erschaffer der Buddha-Statuen…

http://www.ancient.eu/Gandhara_Civilization/

Über die Wiederaufbau-Diskussion

Über Schahr-e Gholghola

Von der iranischen Filmemacherin Hana Makhmalbaf (Schwester von Samira und Tochter von Mohsen) kam 2007 der Film “بودا از شرم فرو ریخت” (Buda az sharm foru rikht/ Buddha fiel aus Scham um) heraus, in dem es um Zustände im Afghanistan der Taliban und auch danach geht, aus den Augen von Kindern in Bamiyan gesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland und Griechenland

Der deutsche bzw westeuropäische Blick auf Griechenland änderte sich durch dessen Staatsschuldenkrise (wieder). Die Stimmung zwischen den beiden “Seiten” ist gereizt, auf so gut wie allen Ebenen, nicht nur zwischen den Politikern. Nikolaus Blome in “Bild”: “Tretet endlich aus, ihr Griechen”. Sarrazin schrieb in seinem Folge-Buch zu jenem über das “Abschaffen” Deutschlands, in dem es über den Euro geht, dagegen arrogant-verächtlich über die Griechen, kritisierte die deutsche “Euro-Hilfe” als vom schlechten Gewissen wegen des Holocausts motiviert. Günter Grass aber schrieb in einem seiner letzten Gedichte, Europa stelle Griechenland, wo die europäische Idee einst geboren wurde, „als Schuldner nackt an den Pranger“, beraube es seiner Rechte und verurteile es zu Armut. Zugleich zeige Grass Verständnis für die Wut der Griechen.

Die westliche Griechenland-Wahrnehmung schwankt zwischen “Retter” bzw “Beschützer” des “Abendlands” und der Enttäuschung dieser Erwartung, aus der heraus Griechenland dessen “Gefährder” bzw “Zerstörer” wird. In den ca 10 Jahren zwischen September 2001 dem Beginn ihrer Finanzkrise überwog klar ersteres Bild. Das positive Gegenstück zu den Türken oder aber deren “Geschwister”. “Tapferes christliches Grenzvolk” oder aber “südländische Kaffeehausmentalität” (Broder).

Die Sichtweise auf Ukrainer lässt grüssen. Auch die Serben haben es in den letzten Jahren bei manchen Seiten (von Breivik bis Bozic) zu Abendland-Rettern gebracht. Wie die Griechen und die Ukrainer kann man auch die Serben nicht ohne ihr Verhältnis zu Russland sehen/verstehen. Die Selbst-Defintion Deutschlands wird in letzten Jahren gerne über „christlich-jüdische“ Kultur gemacht, bei afrikanischen Flüchtlingen, christlichen Palästinensern oder auch Griechen zeigen sich öfters deren Grenzen, zeigt sich eine Ablehnung in den Mustern der Islamophobie. Kurden werden jetzt von rechten und linken Kulturkämpfern umschmeichelt, wobei an ihnen alles, was sie schon an den Griechen nicht aushalten, noch stärker da ist…

Es war kein Zufall dass sich unter den Opfern der NSU-Morde neben acht Türken (bzw türkischstämmigen Deutschen) ein Grieche befand. Nach dem Mord an Theodoros Boulgarides 2005 in München schrieb die “tz”: „Türken-Mafia schlug wieder zu“. Seine Hinterbliebenen wurden monatelang durch die ermittelnden Behörden krimineller Machenschaften verdächtigt.

Dass die “Antisemitismus”-Keule ein Utensil deutschen Chauvinismuses geworden ist, zeigt sich etwa, wenn der CDU-Politiker Laschet damit grundlos im Schulden-/Sparstreit die griechische Regierung attackiert; mit den Vorwürfen der “Homophobie” und mit Frauenrechten wird ähnlich hantiert. Dann lieber ehrliche Altrechte, die zu Intoleranz stehen, als neudeutscher Toleranzchauvinismus. Für Missfelder ist “Antisemitismus”-Inquisition bei Kritik an israelischer Politik eine Möglichkeit zur Profilierung v.a. gegen Linke, ist eingebettet in Verteidigung von NSA, Rüstungsexporten oder Saudi-Arabien.

Der Philo-Zionismus ist eine Art Ersatz für Deutsch-Nationalismus bzw eine Form davon geworden. Von rechts bis links, wobei die “Anti”deutschen ohnehin früher oder später bei “Springer” landen. Er besorgt die politisch korrekte Ausländerfeindlichkeit (die “Unnützen” bei Sarrazin sind in der Regel Moslems, Juden beurteilt er positiv), die NS-Bewältigung, das Nationalkonzept für die Berliner Republik. Bei der “Bild“-„Aktion“ gegen Antisemitismus“ während des Gaza-Massakers 2014, wo von Gauck bis Giordano Worte gesammelt wurden, versuchten nur wenige eine universelle, generelle Verdammung von Rassismus, es überwog ein „Ausspielen“ von “Antisemitismus“ gegen Rassismus. Aber es gibt natürlich auch hier Stolpersteine; die Philhellenen und ihre Enttäuschungen (s. u.) erinnern an deutsche Philozionisten, die auf Mizrahis oder orthodox-religiöse Juden treffen.

“Du bist ein typischer Grieche, der wie alle Griechen die Geschichte nicht kennt ! Ja ,ein hoffnungsloser Fall…Dann wird es aber eng für die griechischen Geldverteiler. Wer hat eben noch die gerade Entlassenen wieder eingestellt? Oh Mann, dann müssen sie wirklich und ehrlich arbeiten. Das gibt Probleme. Das Osmanische Reich hat den Geist dieses Landes gewaltig vergiftet…wir brauchen keine Parasiten , also mach `dich hier vom Acker…”

(Kommentare unter Yahoo-Artikeln zum Thema Griechenland)

Was natürlich nicht unter den Tisch fallen darf: Griechenland hat gewissermaßen über seine Verhältnisse gelebt. Die Eisenbahn-Gesellschaft, liest man, hatte mehr Angestellte als Fahrgäste. Oder, laut griechischem Gesundheitsministerium haben sich zehntausende Griechen jahrelang als behindert ausgegeben und sich so staatliche Zuschüsse erschlichen. Auf Zakynthos etwa waren angeblich 700 Menschen blind, 10% davon waren es tatsächlich, wie eine Kontrolle im Rahmen der Sparprogramme ergab. Da sind dann aber auch jene Reichen, die auf verschiedenen Wegen (etwa Verlegung ihres Hauptwohn- oder Firmensitzes ins Ausland) das Zahlen von Steuern umgehen, weil sie der Meinung sind, dass der Staat damit ohnehin schlecht wirtschaftet. Während Leute am unteren Ende der sozialen “Hierarchie” jetzt verelenden. Dann gibt es auch Probleme ganz anderer Art: die Brandstiftung von Wäldern in der Umgebung Athens durch (bzw im Auftrag von) Bodenspekulanten zerstört die natürliche Kühlung der Stadt, was weitere aus Stadt hinaustreibt, Bedarf nach weiterem Bauland entsteht…

Der Mythos Griechenlands von der “Verteidigung des Abendlands” bezieht sich auf die antiken Kriege mit Persien (das natürlich noch kein islamisiertes Reich war) sowie die Auseinandersetzungen mit den türkischen Osmanen, besonders am Beginn von deren Herrschaft über Griechen (Fall von Byzanz) und an deren Ende (die griechischen Unabhängigkeitskriege 1821 bis 1922). Der amerikanische Militärhistoriker Victor Hanson trug zur Legenden-Bildung um die Schlachten von den Thermopylen und Salamis bei. Den Film “300” und seine simplifizierende Botschaft bezüglich “Westen” und “Orient” verteidigend schrieb er:

“In universal terms, a small, free people had willingly outfought huge numbers of imperial subjects who advanced under the lash. More specifically, the Western idea that soldiers themselves decide where, how, and against whom they will fight was contrasted against the Eastern notion of despotism and monarchy—freedom proving the stronger idea as the more courageous fighting of the Greeks at Thermopylae, and their later victories at Salamis and Plataea attested.”

Nun, Hanson ist ein Bewunderer von Churchill und Bush, Befürworter einer militärischen Konfrontation mit Iran, Verteidiger von Israel. Eine Linie von den antiken Griechen zu amerikanischem Imperialismus zieht er gerne, bzw er rechtfertigt zweiteren damit. Rassisch argumentieren (wie Sarrazin) tut er nicht. 2001 kam von ihm “Carnage and Culture” (Why the West Has Won) heraus, in dem er eine mit den antiken Griechen beginnende westliche Zivilisation behauptet, deren militärische Überlegenheit aus einer zivilisatorischen käme. Die Kalte-Krieg-Argumentation zeitlich ausgedehnt, nach hinten und vorne, wie so oft in diesen Zeiten. Übrigens, in “300” wurde der spartanische König Leonidas vom Schotten Gerard Butler dargestellt, kein Grieche war unter den Hauptdarstellern und wichtigeren Nebendarstellern des Films, der Perser Xerxes (Hsyarsa) wurde von einem Brasilianer verkörpert

“Europa” ist ein griechisches Wort, der Westen hat viel Kultur und Gedankengut von den antiken Griechen übernommen, zT über die Römer. Die griechische Hochkultur war die erste in Europa. Die Griechen haben ihrerseits einiges aus Asien oder Afrika übernommen. Mesopotamische und ägyptische Astrologie kam etwa durch die Griechen nach Europa, war die Grundlage für die heutige westliche. Oder das Wort “Magie”, das aus dem Alt-Persischen über das Alt-Griechische in europäische Sprachen einging. a² + b² = c² – das wusste man in Babylon schon Jahrhunderte vor der Geburt von Pythagoras von Samos. Dem griechischen Philosophen gelang allerdings als erster nachweislich der Beweis für diesen fundamentalen Satz der Geometrie.

In der späten Antike, dem frühen Mittelalter gab es wie zu Zeiten der griechischen Stadtstaaten und des achämenidischen Persiens wieder diese Konfrontation Griechenland-Persien, West gegen Ost, nun zwischen Byzanz und Sasaniden, wenn auch unter anderen religiösen Vorzeichen. Dazwischen lag die Eroberung Persiens unter den makedonischen Griechen. Und die römische Herrschaft über Griechenland, so etwas wie der erste Kontakt zwischen Westeuropa und den Griechen.

Eine wichtige Station in den griechisch-westeuropäischen Beziehungen ist der vierte Kreuzzug, der sich gegen Byzanz richtete, das so etwas wie ein griechisches Reich war. Wieder zeigte sich, das Griechenland aus westlicher Sicht Bastion gegen den Orient sein konnte, aber auch Teil von diesem. Papst Innozenz III. rief Ende des 12. Jahrhunderts zu dem Kreuzzug auf, zur Demonstration seiner weltlichen Macht. Er fand unter venezianischer Führung statt, sollte nach Ägypten gehen, das ein Machtzentrum der kurdischen Ayubiden war, die auch über Palästina herrschten. Zunächst wurde der Kriegszug nach Zara/Zadar umdirigiert, das die Venezianer von den Ungarn zurückerobern wollten.

Nachdem das gelungen war, überwinterten die Krieger dort, brachen dann nach Konstantinopel auf, der Hauptstadt des Byzantinischen Reichs: Die Venezianer hatten in Ägypten bzw den Ayubiden einen wichtigen Handelspartner, ein byzantinischer Prinz hatte sich an die Republik Venedig gewandt wegen eines Thronfolgestreits, schliesslich gabs auch die Aussicht auf eine “Union mit” (Unterwerfung von) der orthodoxen Kirche und den Reichtum der Stadt. 1203/04 wurde sie eingenommen und geplündert. Ein “lateinisches Kaiserreich” wurde gegründet, das im Laufe der nächsten Jahrzehnte von byzantinischen Nachfolgereichen wie jenem um Nicäa schrittweise zurückerobert wurde. Byzanz wurde dauerhaft geschwächt, gegenüber den Seldschuken, die damals schon tief in Kleinasien/Anatolien standen, die katholische und die orthodoxe Welt entfremdeten sich nachhaltig voneinander.

Es gibt unter Griechen wie unter “Westlern” die Denkweise, alles Schlechte im modernen Griechenland den Jahrhunderten osmanischer Herrschaft anzulasten, vor allem das, was die Griechen mit “Rousfeti” (ρουσφέτι) bezeichnen (ein Wort türkischer Herkunft…), also Misswirtschaft, Korruption, Vettern- bzw Klientelwirtschaft. Die Wahrheit ist wahrscheinlich etwas komplexer. War nicht das Byzantinische Reich schon ein “Nährboden” dafür? Und, zumindest die griechische Oberschicht war an osmanischer Machtausübung beteiligt, etwa in den Donau-Fürstentümern (Walachei und Moldau).

Die Geschichte der Akropolis von Athen in osmanischer Zeit spiegelt auch griechisch-westeuropäische Beziehungen wieder. Im 17. Jahrhundert die Belagerung durch die Venezianer unter Morosini, der wider besseren Wissens um die Bedeutung der Bauten den Parthenon beschiessen liess. Die Explosion des dortigen türkischen Pulvermagazins beschädigte den Tempel schwer, ebenso umliegende Bauten. Bereits einige Jahre vorher war ein Pulvermagazin in den Propyläen vermutlich durch Blitzschlag explodiert. Die Zerstörung der Akropolis vollendete der britische Botschafter in Konstantinopel, Lord Elgin, der ab 1801 einen Grossteil des Skulpturenschmucks des Parthenon sowie eine Kore vom Erechtheion, Reliefs vom Niketempel, und andere Teile nach London brachte.

Für Westeuropa sind die antiken (vorchristlichen) Wurzeln Griechenlands seine eigenen, für die Griechen selbst (ausser für die Tourismus-Industrie) ist das byzantinische (orthodoxe) Erbe wichtiger. Das byzantinische Phokas-Kreuz wurde auch als Nationalflagge für das moderne, dritte Griechenland bestimmt. Griechen sahen in osmanischer Zeit Konstantinopel als ihr Zentrum an, Westeuropäer Athen als griechisches Zentrum. Das war auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts so, als sich die Griechen daran machten, sich ihre Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich (das damals sehr schwach war) zu erkämpfen und westeuropäische Philhellenen diesen Kampf unterstützten. Die Griechen und nicht etwa Slawen wurden Bezugspunkt der Westeuropäer im nationalen Aufbegehren gegen die Osmanen im 19. Jh., u.a. wegen des antiken Erbes.

Die Unabhängigkeits-Bewegung wurde z. T. von Auslandsgriechen getragen, war z.T. russophil. Die Westmächte waren gegen eine Schwächung des Osmanischen Sultanats, weil sie davon eine Stärkung Russlands erwarteten – und stützten es deshalb auch. Rigas Velestinlis (Pheraios) wurde von den Österreichern wegen seiner Unabhängigkeits-Pläne aus seinem Exil an die Osmanen ausgeliefert, in Belgrad von diesen hingerichtet. Alexander Ypsilanti stammte aus einer Phanarioten-Familie, also Griechen in Istanbul/Konstantinopel, die unter den Osmanen einflussreich waren (sein Vater war etwa ein Wojwode in Moldau). Er leitete mit anderen Exil-Griechen den Hetairen-Bund, der den Aufstand 1821 (zunächst am Peloponnes) organisierte, starb in österreichischer Haft.

Viele Philhellenen, u.a. aus Deutschland, die damals als Freiwillige zu den Kämpfen mit Osmanen kamen, die auf den Aufstand folgten, waren enttäuscht von den modernen Griechen und ihrer Kultur, die sie als “zu orientalisch” und den Türken zu ähnlich empfanden. Viele haben auch ihre eigenen nationalen und anti-absolutistischen Anliegen in das griechische Projekt hineinprojeziert. Der britische Autor George Byron starb während des griechischen Unabhängigkeitskriegs an einer Krankheit.

Nachdem der Aufstand der Griechen und der Philhellenen zusammengebrochen war, rettete westeuropäisches Eingreifen die griechische Unabhängigkeit (in einem Gebiet das hauptsächlich den Peloponnes umfasste), was wiederum ein Schachzug gegen die Russen war. Wellington und Metternich “verurteilten” den Sieg von Navarino; Metternich verfasste unter Pseudonymen auch zwei griechenfeindliche Bücher. An der Spitze der Republik stand u. a. der prorussische Ioannis Kapodistrias. Grossbritannien, Frankreich, Russland einigten sich auf den bayerischen Prinzen Otto von Wittelsbach als König Griechenlands. Dessen Vater, der philhellenische bayerische König Ludwig I., änderte die Schreibweise des Namen “seines” Landes auf die heutige, mit dem griechischen Ypsilon.

Mit Otto kamen 1832 einige Bayern nach Griechenland, an der Spitze Graf Armansperg, der bis zu Ottos Volljährigkeit dessen Regent war, dann sein Kanzler. Ludwig von Wittelsbach setzte von München aus eine absolute Monarchie durch. Die Briten verhinderten den Aufbau einer Flotte, wollten Griechenland klein halten. Otto blieb katholisch, heiratete eine protestantische Oldenburgerin, die Ehe blieb kinderlos. Die Verwestlichungs-Bemühungen ähnelten jenen unter deutsch-stämmigen Fürsten in Rumänien und Bulgarien Ende des 19. Jh. Von den Griechen wurde die Herrschaft zT als andere Fremdherrschaft empfunden. Die Griechen im “verbliebenen” Osmanischen Reich sahen dieses Griechenland als ein Gebilde der “Franken” (Westeuropäer) an. Athen blühte aber unter “bayerischer Herrschaft” auf (Restauration Akropolis,…), wuchs nach Jahrhunderten von einem Dorf wieder zu einer Grossstadt. 1862 wurde Otto gestürzt, was gelang, da die Briten einverstanden waren.

Neuer König wurde der dänische Prinz Georg von Schleswig-Holstein-Sönderburg-Glücksburg. Eng mit dem britischen Königshaus verwandt, heiratete er eine Romanov(a), die Kinder wurden orthodox erzogen. In einer neuer Verfassung wurde vom königlichen Absolutismus abgerückt. Die Briten traten die Ionischen Inseln an Griechenland ab; behielten sich Zypern. In den folgenden Jahrzehnten wurde sukzessive der Anschluss der meisten osmanisch beherrschten, griechisch besiedelten Gebiete (Kreta, Thessalien, Makedonien,…) erkämpft (Enosis/Megali Idea). Auch wenn der Einfluss von Aussen auf die Könige geringer wurde, ihre ausländische Herkunft blieb an ihnen bis zum Ende der Monarchie als Makel haften.

Der österreichisch-bayerische Orientalist Jakob Fallmerayer spielt(e) eine wichtige Rolle in deutsch-griechischen Beziehungen, v.a. durch seine Thesen zur Ethnogenese der Griechen. Die antiken Griechen seien im Mittelalter, also in byzantinischer Zeit, “ausgestorben” und durch hellenisierte Slawen und Albaner verdrängt worden, so Fallmerayer. Nach ihm hatte es im antiken Griechenland eine einheitliche hellenische Ethnie gegeben. Die Landnahme der Slawen am Balkan im Früh-Mittelalter hätte sich auch auf den Peloponnes erstreckt. Diese Thesen stellte er zu einer Zeit auf, als gerade in Deutschland die philhellenische Bewegung blühte – von dieser wurde er angefeindet. Später sprach er den kleinasiatischen Griechen des Schwarzen Meeres, eine Gegend die er bereist hat, eine griechische Kontinuität zu.

Aber auch sie entsprachen nicht seinem Idealbild eines gebildeten griechischen Byzantiners, waren ihm zu orientalisch. Seine Ansichten zum Russischen Reich änderten sich, er sah dieses u.a. als Rettung Europas vor Napoleon, später als Bedrohung für Westeuropa, und begrüsste das westeuropäische Eingreifen zugunsten der Osmanen gegen Russland im Krim-Krieg. Seine Neugriechen-These gilt insbesondere in ihrer Verallgemeinerung und Verabsolutierung als falsch. Fallmerayer gilt als einer der Begründer der Byzantinistik. Während der nazi-deutschen Besatzung Griechenlands wurde seine These herangezogen (instrumentalisiert), um den Widerspruch zwischen dem vorgeblich geschichtsbewussten Vorgehen (Bewunderung des Altgriechischen) und der Okkupationspolitik zu begründen.

Der Enosis-Kampf, der griechische Irredentismus, kam nach dem 1. Weltkrieg anstatt zu seiner Vollendung an seine Grenzen. Im Inneren schwelte damals ein Streit zwischen König Konstantin I. und Premierminister Eleftherios Venizelos, es ging um einen grundsätzlichen Machtkampf zwischen Königtum und gewählter Regierung, daneben um Meinungsverschiedenheiten über ein Engagement im grossen europäischen Krieg. Venizelos war pro-Entente, Glücksburg für Neutralität bzw die Mittelmächte; es gab einige Jahre eine monarchistische pro-deutsche Regierung in Athen und eine “venizelistische” pro-britische in Thessaloniki. Nachdem Konstantin 1917 zugunsten seines Sohnes abgetreten war, kam es zu einer Einigung und dem Kriegs-Eintritt an Seite der Entente, zu Kämpfen mit bulgarischen Truppen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reichs waren Griechen an der Einnahme von Ost-Thrakien, Konstantinopel/Istanbul und dem Gebiet um Smyrna/Izmir beteiligt.

Im Friedensvertrag von Sevres wurde Griechenland ein Teil Ost-Thrakiens und das Smyrna-Gebiet zugesprochen; das Gebiet um Konstantinopel sollte ent-militarisiert werden und ein Teil des Osmanischen Reichs bleiben. Zu diesem Zeitpunkt waren in Kleinasien/Anatolien bereits Kämpfe zwischen Griechen und Türken in Gange, der Griechisch-Türkische Krieg 1919-22, welcher zu Flucht und Vertreibung der griechischen Bevölkerung und dem Verlust der zugesprochenen Gebiete führte. Die opportunistische Politik der Westmächte setzte sich fort. Im Lausanne-Vertrag zwischen Griechenland und dem osmanischen Nachfolgestaat, Republik Türkei, wurde ein Bevölkerungsaustausch der Volksgruppe im jeweils anderen Staat (mit Ausnahmen) sowie die Grenzen festgelegt – für Griechenland standen damit die heutigen Grenzen fest, abgesehen vom Dodekanes der bis nach dem 2. Weltkrieg italienisch war.

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg gab es, 1922, eine Zwangsanleihe in Griechenland, um die Inflation zu bekämpfen. Finanzminister Petros Protopapadakis ordnete an, dass die Banknoten in der Mitte zerschnitten werden. Die rechte Hälfte blieb Zahlungsmittel (zum halben Wert, womit die Geldmenge halbiert wurde) und die linke Hälfte musste zwangsweise gegen Staatsanleihen eingetauscht werden.

Bei der nazideutschen Besetzung Griechenlands im 2. Weltkrieg gab es 1941 auch eine Schlacht bei den Thermopylen (Thermopylai), gegen abziehende Briten, welche Griechenland zur Hilfe gekommen waren. Göring stellte in einer Rede dort Parallelen zur Antike her. Das Besatzungsregime in Griechenland durch die Achsenmächte Bulgarien, Italien und Deutschland wurde begleitet von wirtschaftlicher Ausbeutung. Griechenland musste nicht nur die Kosten der Besatzung tragen; die Besatzungsmächte zogen auch in großem Umfang Rohstoffe und Produkte aus Griechenland ab, was 1941/42 eine grosse Hungersnot zur Folge hatte.

Bei der sogenannten Zwangsanleihe geht es darum, dass Griechenland 1942 auferlegt wurde, diesem Abtransport, der formal verrechnet wurde, zuzustimmen. Während der König und Exilregierungen (u.a. unter Georgios Papandreou) nach Ägypten ausgewichen waren, amtierten in Athen Kollaborationsregierungen (die aus Abneigung gegenüber der kommunistischen Dominanz im Widerstand auch von manchen zentristischen Politikern unterstützt  wurden).

Die beiden bekanntesten Massaker an griechischen Zivilisten begingen deutsche Truppen in Distomo und Kalavryta. In beiden Fällen war die Tötung deutscher Besatzungssoldaten durch Widerstandskämpfer der äussere Anlass. Das rechtfertigte nach nazideutschem Kriegsrecht Sühnemaßnahmen. In Distomo, einem Dorf am Rande des Parnass-Gebirges in Mittelgriechenland, töteten Einheiten der Waffen-SS am 10. Juni 1944 mindestens 218 Zivilisten – ungefähr jeden neunten der rund 1800 Einwohner. In Kalavryta im Norden des Peloponnes erschossen Soldaten der 117. Jägerdivision am 13. Dezember 1943 mindestens 511 Zivilisten; weitere etwa 200 wurden in umliegenden Orten massakriert. Die größte Opferzahl bei einem deutschen Kriegsverbrechen in Griechenland betraf keine einheimischen Zivilisten, sondern italienische Soldaten: Auf der ionischen Insel Kefalonia töteten abermals Soldaten der deutschen 1. Gebirgsdivision Mitte September 1943 bis zu 5200 Mitglieder der Division “Acqui”. Nach dem Seitenwechsel Italiens waren die vormaligen Verbündeten plötzlich zu Gegnern geworden. Es kam zu Gefechten, an deren Ende der Massenmord an entwaffneten Soldaten stand.

Nach Kriegs-Ende fand im Herbst 1945 in Paris auf Einladung der alliierten Siegermächte eine Reparationskonferenz statt, bei der Griechenland an Reparationen einen Gegenwert von etwa 25 Millionen Dollar erhielt, meist über Demontage von in Deutschland abgebauten Industrieanlagen. Im Londoner Schuldenabkommen von 1953 wurde die Prüfung von Forderungen auf Reparationen auf die Zeit nach Abschluss eines förmlichen Friedensvertrages verschoben. Mit diesem Abkommen wurde nicht nur die Regelung der Besatzungskosten im engeren Sinn vertagt, sondern auch die Regelung von Krediten bzw. Clearingguthaben, die eine deutsche Schuld begründeten.

1960 schlossen die BR Deutschland und das Königreich Griechenland einen Vertrag über Entschädigungen von Griechen, die von nazideutschen Verfolgungsmaßnahmen betroffen waren (persönlich oder als Hinterbliebene), Griechenland erhielt Zahlungen in Höhe von 115 Millionen D-Mark. Die BRD schloss solche Wiedergutmachungs-“Global”abkommen damals mit elf westlichen Staaten ab. Die Parlamente der beiden Staaten stimmten dem Abkommen 1961 zu, das damit zu Gesetzen wurde.

Das Londoner Moratorium von 1953 wurde 1990 durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag zur Wiedervereinigung beendet. Nach Auffassung der deutschen Bundesregierung ergab sich daraus, dass die Reparationsfrage nach dem Willen der Vertragspartner nicht mehr geregelt werden sollte. Die Staaten der damaligen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) – darunter Griechenland – hätten dem in der Charta von Paris zugestimmt. Dagegen wird von griechischer Seite eingewandt, Griechenland habe den Vertrag nur „zur Kenntnis“ genommen und die Entschädigungsfrage sei noch nicht geklärt.

Griechische Politiker und Hinterbliebenenverbände forderten aktuell Reparationszahlungen von Deutschland auch wegen der Zwangsanleihe von 1942. Nach griechischer Sicht ist juristisch noch nicht abschliessend geklärt, ob eine Rückzahlung der Zwangsanleihe unter die Reparationszahlungen zu rechnen ist (so sieht es Deutschland) oder nicht vielmehr zivilrechtlich als Kredit betrachtet werden muss. Die Tsipras-Regierung hat an Entschädigungszahlungen, den Zwangskredit miteingerechnet, von Deutschland 278,7 Milliarden Euro gefordert. Hinterbliebene von Opfern des Distomo-Massakers haben ab den späten 1990ern ausserdem eine eigene Entschädigung verlangt, was 2012 vom Internationalen Gerichtshof abgelehnt wurde. Teile der deutschen Linken anerkennen griechische Reparationsforderungen. Vizekanzler Gabriel nannte es „dumm“, Reparationsforderungen mit den Verhandlungen über Kredithilfen zu vermischen.

Max Merten war “Kriegsverwaltungsrat” der nazideutschen Besatzungskräfte in Thessaloniki, wirkte als solcher an den Deportationen und Ermordungen von Juden aus der Stadt mit. In der BRD hatte sich Merten als Anwalt gut etabliert, engagierte sich in der Gesamtdeutschen Volkspartei. Bei einem Besuch in Griechenland 1957 wurde er festgenommen und 1959 wegen seiner Taten während der Besatzungszeit zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die BRD engagierte sich für seine Freilassung, wie auch die deutsch-stämmige Ehefrau von König Paul, Friederike (aus dem Haus Hannover). So kam er nach nur einem halben Jahr Haft wieder frei; ein Ermittlungsverfahren gegen ihn in West-Deutschland wurde eingestellt.

Ein anderer Verantwortlichen für Besatzungsgräuel in Griechenland, Wilhelm Speidel, wurde in einem Nürnberger Nachfolgeprozess zunächst zu 20 Jahren verurteilt, dann durch den amerikanischen Hochkommissar vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Kriegs nach 3 Jahren begnadigt; sein Bruder Hans war maßgeblich am Aufbau der Bundeswehr beteiligt. Auch damit beschäftigt sich ein Küntzel halt nicht so gerne

Die deutschen Besatzer waren damals in Griechenland mit einer starken Widerstandsbewegung konfrontiert. Zum einen die kommunistische ELAS-Miliz, zum anderen die rechte bzw zentristische EDES (nicht kohärent in ihrer Ideologie, teils republikanisch, teils monarchistisch). Daneben kämpfte auch eine Exilarmee mit den Alliierten u.a. in Nord-Afrika. ELAS und EDES hatten auch untereinander Konflikte, die, wenn man so will, nach Kriegsende bzw Abzug der Deutschen in einen Bürgerkrieg übergingen (bis 1949), in den die aus dem Exil zurückgekehrten König und Regierung auf der rechten Seite eingriffen.

Nachdem die Abgeordnete der deutschen Linken, Ulla Jelpke, 2008 eine Anfrage zur Unterstützung eines Kameradentreffens der Gebirgstruppen mit Beteiligung von Wehrmachts-Soldaten durch die Bundeswehr und der damit verbundenen Pflege des Mythos der “sauberen Wehrmacht” stellte, arbeitete das “Militärgeschichtliche Forschungsamt” (MGFA) einen Text aus, in dem behauptet wurde: “Die schlimmsten Verbrechen begingen Griechen an Griechen”. In der “Welt” wurde das frohlockend und mit einer gewundenen Apologetik wiedergegeben (xxx.welt.de/welt_print/article1971878/Die-schlimmsten-Verbrechen-begingen-Griechen-an-Griechen.html; Kellerhoff).

Griechenland war nach dem Bürgerkrieg für die USA und den Westblock ein wichtiger geostrategischer Verbündeter gegen die Kommunisten; die slawischen Staaten Osteuropas waren allesamt kommunistisch geworden. Das Land wurde 1952 NATO-Mitglied, im selben Jahr wie die Türkei. Ungefähr zur selben Zeit als der Massentourismus nach Griechenland kam, kamen (auch) griechische Gastarbeiter nach Deutschland. 1967 war es wieder ein Konflikt zwischen dem König (Konstantin II.) und einem venizelistischen Politiker (Ex-Premier Georgios Papandreou) der für instabile politische Verhältnisse sorgte. In dieser Situation übernahm, kurz vor der geplanten Parlamentswahl, eine Gruppe rechtsgerichteter mittlerer Offiziere unter Georgios Papadopoulos, mit Unterstützung der US-amerikanischen Regierung, die Macht und errichtete eine faschistoide Militärdiktatur.

Papadopoulos hatte während des Hitler-Stalin-Kriegs mit den deutschen Besatzern kollaboriert, im Rahmen der “Sicherheitsbattaillone”, welche von der Kollaborationsregierung von Ioannis Rallis aufgestellt wurden. In ihnen dienten neben zwangsverpflichteten Soldaten opportunistische Offiziere die an einen Kriegssieg der Achsenmächte glaubten, und  Rechtsextremisten. Papadopoulos hatte nach dem Krieg im griechischen Geheimdienst gearbeitet und dabei die Kontakte zum CIA geknüpft. Das Ende für die Diktatur kam ja anlässlich des Versuchs, die Enosis (Vereinigung) mit Zypern zu vollziehen.

Konstantin Karamanlis aus Makedonien wurde nach dem Ende der Diktatur 1974 zum vierten Mal Premier, gründete die konservative Nea Dimokratia (ND) und leitete den Übergang Griechenlands zur Demokratie, die Metapolitefsi. Der damals im Exil befindliche König Konstantin II. war bereits 1973 von der Militärjunta abgesetzt worden, kehrte unter demokratischen Verhältnissen nicht mehr an die Staatsspitze zurück, nachdem ein von Karamanlis angesetztes Referendum zugunsten der Republik ausging. Karamanlis nahm Kurs auf EG-Mitgliedschaft, die bereits 1959 beantragt worden war. Als Griechenland zu Jahresbeginn 1981 als 10. Mitglied in die EG aufgenommen wurde, war er bereits Staatspräsident.

Die Stabilität der wieder-errungenen Demokratie war damals der wichtigste Grund für einen Beitritt, Griechenlands geostrategischer Lage im Kalten Krieg ein weiterer (die USA engagierten sich deshalb dafür), die antike und mittelalterliche Vergangenheit spielte auch eine Rolle. Dem gegenüber stand (und steht) Griechenlands Charakter als osteuropäisch-orthodoxes Land, seine wirtschaftliche Struktur, oder auch sein ausgeprägter Zentralismus. Zum Zeitpunkt des Beitritts waren auch nur 40% der Griechen für die EG. Frankreichs Präsident 1974-1981 Valéry Giscard d’Estaing sagt heute, dass der Beitritt Griechenlands, den er mit-entschieden hat, ein Fehler war.

Zwischen Otto Rehhagels EM-Triumph mit der griechischen Fussball-Nationalmannschaft und dem Ausbruch der griechischen Staatsschuldenkrise (2009/10) vergingen nur wenige Jahre. Der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček sagt, die griechische Wirtschaftskrise ist Vorgeschmack einer europäischen. Wie zu erwarten, hat die Krise Parteien von den Rändern des politischen Spektrums gestärkt oder dort gar ins Leben gerufen. Die neolinke SYRIZA (eigentlich ein Parteienbündnis) hat nach ihrem Wahlsieg dieses Jahr eine Koalition mit der rechten ANEL (“Unabhängige Griechen”, eine ND-Abspaltung) gebildet. “Europa in Angst”, schlagzeilte die “Bild” angesichts der griechischen Wahlen 15.1

ANEL-Gründer Panagiotis “Panos” Kammenos, Verteidigungsminister in dieser Regierung, hat gesagt, Europa werde von deutschen Neo-Nazis regiert. Den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte er wegen dessen Haltung zu Kriegs-Reparationen zur persona non grata; falls Europa in der griechischen Schuldenkrise keine Lösung finde, werde Griechenland Europa mit Flüchtlingen überflüten, darunter auch Jihadisten aus Syrien. Für Aufregung sorgt auch Finanzminister Varoufakis. Premier Alexis Tsipras war bei Russlands Präsident Wladimir Putin zu Besuch; die russische Karte für Griechenland eine Alternative zur EU, in der Schuldenkrise?

Plakat der Schweizerischen Volkspartei 2013
Plakat der Schweizerischen Volkspartei 2013

Ausgenommen vom griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch 1923 waren hauptsächlich Griechen im Raum Istanbul sowie Türken in West-Thrakien. Dimitris Mardas, Vize-Finanzminister in der Tsipras-Regierung, als der er Entschädigungsforderungen gegenüber Deutschland erhebt, wurde etwa in Istanbul geboren, ist einer von jenen aus der griechischen Minderheit in der Türkei, die nach Griechenland ausgewandert sind. Unter Erdogan hat der türkische Staat vor wenigen Jahren Besitz (Immobilien) an Stiftungen religiöser Minderheiten zurückgegeben (gegen den Willen von CHP und MHP), darunter auch Land auf Chalki, einer der Prinzeninseln im Marmarameer, um das geschlossene Priesterseminar herum, an die griechisch-orthodoxe Kirche. Die Wiedereröffnung des Seminars ist nähergerückt; Erdogan scheint als “Gegenleistung” die Restauration von zwei Moscheen in Athen zu verlangen. Hier setzt aber die Hetze westlicher Islamophober ein, ein Douglas Murray von der “Henry Jackson Society” (britische Neokonservative) engagiert sich etwa gegen eine Moschee in Athen. Ansonsten auf der Agenda dieser Gruppe: Homophobie, Kampf gegen “Multikulturalismus” und „white guilt“.

Die rechtsextreme griechische Chrysi Avgí (Goldene Morgenröte) vertritt eher einen “Bauch”- als einen “Kopf”-Rechtsextremismus. Sie war mit anderen Rechtsparteien, v.a. LAOS (etwas weniger rowdy-haft) zeitweise in der “Patriotischen Allianz” aufgegangen. Bei den Wahlen 2012 im Rahmen der Krise wurde sie gross. Sie strebt ein Gross-Griechenland an (Megali Idea), dabei sind Türken der Hauptfeind, daneben aber auch aber auch diverse christliche Balkanvölker (Makedonien!). Sie will ein Bündnis mit Serbien; griechische Freiwillige aus dem Umfeld der Partei im Bosnien-Krieg sollen auch bei der Einnahme Srebrenicas dabei gewesen sein. Der Islam spielt auch eine Rolle bei der Gegnerschaft zu Einwanderung; das und jene zu Schwulenrechten ist klassisches rechtsextremes Repertoir. Sie bezieht sich auf die Diktatoren Metaxas und Papadopoulos sowie den Juristen Plevris (der auch mit der CIA zusammenarbeitete).

Es ist wenig Bezug auf die griechische Antike oder Mittelalter da, eher Orientierung an westlichen “Idealen”, obwohl die USA und West-Europa nicht Vorbild sind. Bezüglich Russland nimmt die Partei nur für Shirinovsky Partei, das Land an sich stellt keinen wichtigen Bezug dar. Auch der Zionismus nicht, im Gegensatz zu westeuropäischen aktuellen Rechtsextremen. Es gab Verhaftungen in der Partei wegen des Todes eines antifaschistischen Musikers, gibt viel Gewalt von ihren Funktionären und Anhängern, auch Fussball-Hooliganismus – sie ist aber gegen Anarchismus. Das orthodoxe Christentum wird hochgehalten, aber auch mit dem Heidentum geflirtet. Ob die deutsche NPD und südafrikanische weisse Rechtsextreme, für die sie Stellung nehmen, diese griechischen Rechtsextremisten als ebenbürtig betrachten?

Die “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral”, eine Anekdote bzw Kurzgeschichte von Heinrich Böll, passt eigentlich ganz gut zum griechisch-deutschen Verhältnis, auch wenn von einem Touristen und einem Fischer an einer Küste Westeuropas die Rede ist. Das Thema tauchte vorher in “Pyrrhus und Cineas” auf2, einem philosophischen Essay von Simone de Beauvoir, der einen Dialog zwischen Pyrrhus, einem Herrscher im Epirus-Gebiet und Konkurrenten des frühen Roms, und seinem Diplomaten Cineas enthält. Auch Michel de Montaigne soll das Motiv schon bearbeitet haben, es stammt entweder von Plutarch oder Diogenes. Man kann die Anekdote natürlich auch so deuten, dass es eben zwei (oder mehrere) Wege zu einem Ziel gibt.

Hinweise/Empfehlungen:

Nikos Dimou veröffentlichte nach dem Sturz der Diktatur der Obristen sein in Griechenland sehr kritisch aufgenommenes Buch I Dystychia tou na ise Ellinas, das erst 2012 in deutscher Sprache mit dem Titel “Über das Unglück, ein Grieche zu sein” publiziert wurde. Es geht darin um die Identität der Griechen, ihren Platz in der Welt.

Michael W. Weithmann: Griechenland. Vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart (1994)

Dionyssis G. Dimitrakopoulos und Argyris G. Passas: Greece in the European Union (2004)

1915 fuhr der spanische Journalist Agustí Calvet Pascual im Auftrag der in Barcelona erscheinenden Tageszeitung “La Vanguardia” durch Serbien und Griechenland, um vom dortigen Kriegsgeschehen zu berichten. Er schrieb unter dem Pseudonym Gaziel, über Griechenland durch die Jahrhunderte: “Nach Saloniki und Serbien. Eine Reise in den ersten Weltkrieg”

Arnold Toynbee: Some Problems of Greek History (1969)

Mark Mazower: Inside Hitler’s Greece: The Experience of Occupation, 1941-44 (1993)

Thomas A. Szlezák: Was Europa den Griechen verdankt: Von den Grundlagen unserer Kultur in der griechischen Antike (2010)

Hagen Fleischer: Wenn ihr euch erinnert, können wir vergessen

Bölls Anekdote

ZDF heute verbreitet erneut „Terrorismus“-Lüge zur antigriechischen Agitation

“le bohemien” über in Zhg. mit der Griechenland-Krise Stehendes

Nachtrag: Katerina Kralova: Das Vermächtnis der Besatzung. Deutsch-griechische Beziehungen seit 1940 (2016)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Mein Freund B. hat gemeint, wenn die Österreicher unter Voraussetzungen leben müssten wie die Griechen (zB 400 € Pension, bei Lebensmittel-Preisen wie hier) würde es keine Mitte-Links-Regierung geben wie dort, sondern eine FPÖ-Alleinregierung plus eine Rechts-Abspaltung von der FPÖ mit ca. weiteren 10%…
  2. Cineas fragte Pyrrhus, warum sich dieser nicht jetzt ausruhte, anstatt sich die Eroberungen anderer Reiche anzutun, wo doch sein Ziel sei, sich nach dem ultimativen Sieg auszuruhen