Die wichtigsten Westblock-Überläufer im Kalten Krieg

Es geht hier also um prominente Überläufer in den Ostblock zur Zeit des Kalten Kriegs. Als Überläufer sind nur jene zu werten, die in ihrem Staat/System eine Funktion inne hatten (und sei es eine als einfacher Soldat)! Und natürlich nur Aufgeflogene bzw “Bekennende”, nicht solche, die nur verdächtigt wurden/werden. “Maulwürfe”, also Personen, die in eine Organisation verdeckt eindringen, und nicht überlaufen, sind auch dabei. Reine Deserteure sind nicht berücksichtigt, solche die in ein neutrales “Lager” überliefen.

Auch Überläufer vor und nach dem Konflikt (Kalter Krieg) werden nicht gezählt, also zB Rosenblum/Reilly, der aus dem Russischen Reich nach Grossbritannien ging, Geheimdienst-Arbeit für Russland, GB, Deutschland, Japan leistetet, 1925 starb. Oder Günter Schabowski, der Mitglied des Zentralkomitees der SED in der DDR war, nach dem Aufgehen der DDR in der BRD die CDU untersützte. Guillaume wäre nur dann ein Überläufer gewesen, wenn er in der BRD nach seiner Enttarnung gewendet worden wäre; er war aber immer auf Seite der DDR. Die Meisten machten es aus Überzeugung, Andere aus Geld oder Liebe. Und: Des Einen Verräter ist immer des Anderen Helden. Bezüge zur Gegenwart sind viele da, etwa dass Edward Snowden auf den Spuren von Lee Oswald oder Kim Philby wandelt

Das geteilte Berlin beim Brandenburger Tor, die Welt z Zt des Kalten Kriegs

 

* Der Brite Harold “Kim” Philby wurde Kommunist, nicht zuletzt durch Begegnungen als Journalist mit dem Faschismus, in Spanien und Österreich. Als solcher trat er noch während des Weltkriegs (und damit vor Ausbruch des Kalten Kriegs) dem MI6 bei. Er war ein lupenreiner Doppelagent, der hauptsächlich auf die Sowjetunion “angesetzt” war, tatsächlich aber für deren Geheimdienst KGB (bzw Vorgänger NKWD) arbeitete. Stalin fürchtete, dass Philby ein Triple-Agent war. Ab 1956 arbeitete er, als “Nahost”-Korrespondent des „The Economist“ getarnt, als Agent des MI6 im Libanon. Er war dort auch an der Begleitung des (letztlich misslungenen) Kriegszugs von Grossbritannien, Frankreich und Israel gegen Ägypten (wegen des Suez-Kanals) beteiligt.

Flora Solomon, geborene Benenson, aus Russland stammende britische Jüdin, Mutter des AI-Gründers, einflussreiche Zionistin, Rothschild-Verwandte, war für das Auffliegen Philbys verantwortlich. Sie empörte sich, 1962 in Tel Aviv, über Philbys “pro-arabische” Artikel, etwa anlässlich des Kriegs gegen Ägypten 1956. Der MI5 in London wurde “informiert”, später sagte Solomon auch, dass Philby  versucht habe, sie zu rekrutieren. Victor Rothschildt von der MI5 (später Berater konservativer Politiker) wurde geschickt, um Philby zu befragen. Während der Befragungen setzte sich dieser 1963 in die SU ab. Ein Spionage-Ring um ihn, die Cambridge Four oder Five, flogen währenddessen auf, Leute in MI5 oder 6. Philby starb 1988 in der SU.

* Rudolf Fischer (Abel, Goldfus) wurde in GB als Sohn eines Deutsch-Russen geboren. Nach den Revolutionen 1917 ging die Familie um den überzeugten Kommunisten in die entstehende SU. Von dort ging Fischer/Abel als getarnter Agent u.a. nach GB, mit diversen Decknamen. Nach dem 2. WK wurde er in der USA eingesetzt, nachdem er der stalinistischen Eliminierungswelle entgangen war. Atomwaffen wurden Hauptaugenmerk seiner Spionage; er hatte Kontakt u.a. mit Theodore A. Hall aus dem Los Alamos National Laboratory und dem Kreis von Lona und Morris Cohen, bzw war ihr Führungsoffizier. Fischer wurde 1957 enttarnt, dann verurteilt. Er wurde 1962 auf der Glienicker Brücke zwischen West-Berlin (BRD) und Potsdam (DDR) gegen den amerikanischen Kampf-Piloten Francis G. Powers ausgetauscht. Dieser war 1960 während eines Spionagefluges von der sowjetischen Luftverteidigung bei Swerdlowsk abgeschossen worden. Fischer ging in die SU.

* Theodore A. Hall dürfte von Jenen, die im amerikanischen oder britischen Atom(waffen)programm für die Sowjetunion spionierten, der Bedeutendste gewesen sein, bzw die wichtigsten Informationen geliefert haben. Der Wissenschaftler (Physiker) war in Los Alamos (New Mexico) im Manhattan-Projekt beschäftigt. Er wurde erst 1995 als Informant bzw Spion für die Sowjetunion (SU) enttarnt. Er starb 1999, ohne verurteilt worden zu sein. Verrat half der SU bei ihrem Atomwaffenprogramm. Bald nach dem 2. WK hatte auch die SU Atomwaffen, war das USA-Atommonopol gebrochen, wurde der Kalte Krieg ein potentieller atomarer Konflikt.

* 1960 reisten zwei Kryptologen der US-amerikanischen National Security Agency (NSA), William H. Martin and Bernon F. Mitchell, in die Sowjetunion. Ob sie auch davor Informationen weiter gaben und welche Beweggründe sie hatten, habe ich nicht recherchiert. Beide wurden sowjetische Staatsbürger und heirateten dort. Martin bereute sein Überlaufen anscheinend nach ein paar Jahren, auch seine Ehe wurde geschieden; er ging schliesslich nach Mexico. Mitchell starb 2001 in Sankt Petersburg.

* David Greenglass ist im Zusammenhang mit den Rosenbergs bekannt geworden. Aus dem beteiligten Personenkreis arbeitete nur Ethel Rosenbergs Bruder David Greenglass im Manhattan-Projekt, der amerikanischen Atombomben-Entwicklung. Greenglass trat 1943 in die USA-Armee ein, war zu diesem Zeitpunkt schon Mitglied der Young Communist League USA, die der Kommunistischen Partei der USA, der CPUSA, nahe stand. In der Armee wurde Greenglass, als Maschinenschlosser, nicht etwa als Wissenschafter, zum geheimen Manhattan-Projekt kommandiert. Er war zunächst in dem Uran-Anreicherungsprojekt in Oak Ridge (Tennessee) beschäftigt, dann in den geheimen Laboratorien in Los Alamos in New Mexico.

Julius Rosenberg war Elektroingenieur, der in der Armee arbeitete, bevor er nach der Entdeckung seiner Verbindung zur CPUSA 1945 entlassen wurde. David Greenglass hat ab November 1944 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Militär 1946 geheime Informationen die nukleare Forschung betreffend gesammelt und sein Schwager Julius Rosenberg diese an die sowjetischen Geheimdienste GRU und NKWD weiter gegeben. Ethel war eigentlich nur loyal zu ihrem Mann und ihrem Bruder. Rosenberg hatte zur Zeit der Weitergabe keine Funktion in einer staatlichen Stelle inne; ob Greenglass Maulwurf oder Überläufer war, ist diskutabel. Jedenfalls lag seine Aktivität eigentlich vor dem Beginn des Kalten Kriegs, der meist mit 1947 angesetzt wird (Truman-Doktrin,…).

Nach dem Krieg betrieben Greenglass und Julius Rosenberg eine Maschinen-Reparaturwerkstatt. Sie flogen durch das VENONA-Projekt auf, ein Gemeinschaftsprojekt der Geheimdienste der USA und des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, zur Entschlüsselung von Geheimnachrichten offizieller sowjetischer Stellen in den USA, die in der Zeit von 1938 bis 1945 aufgezeichnet wurden. 1950 wurde aufgedeckt, dass Klaus Fuchs in GB als Spion für die Sowjetunion gearbeitet hatte. Fuchs’ Geständnis ergab, dass er über seinen amerikanischen Kontaktmann Harry Gold Informationen an einen sowjetischen Agenten übergeben hatte. Die Spur von diesem führte zu Greenglass und den Rosenbergs, die ihn ebenfalls als Kurier benutzt hatten.

Greenglass wurde im Juni 1950 vom FBI wegen Spionage verhaftet, belastete Julius Rosenberg, ging eine Immunitäts (Kronzeugen)-Übereinkunft mit der Justiz ein. Er wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 10 absass. Seine Belastungsaussage bewirkte die Todesstrafe gegen seine Schwester und seinen Schwager. Julius und Ethel Rosenberg bekamen 1951 ihren Prozess, wurden 1953 am elektrischen Stuhl hingerichtet. Die Rosenbergs sind bis heute die Letzten, die in der USA wegen Spionage hingerichtet wurden. Diese Fälle von Atomspionage im frühen Kalten Krieg heizten die Jagd auf (tatsächliche/vermeintliche) Kommunisten in der USA der 1950er, der Eisenhower-Zeit, an.

* Der ehemalige SS-Obersturmführer Heinz Felfe war ein Maulwurf/Doppelagent im BND. Der KGB soll ihn mit dem Wissen über seine Verstrickungen in NS-Verbrechen “angeworben” haben. Diese beging er als Mitarbeiter des RSHA, bestanden zT in Drangsalierungen gegen Sorben – kamen wahrscheinlich aus Gegnerschaft zu seinem sorbischen Vater. Der BND verlor durch seine Informations-Weitergabe einen Grossteil seiner geheimen Quellen im Ostblock. 1961 als “Verräter” enttarnt und verhaftet, wurde Felfe 1963 zu 14 Jahren Haft verurteilt. 1969 kam er durch einen Agentenaustausch in Freiheit bzw in den Ostblock. Der Austausch erfolgte gegen Widerstand des damaligen BND-Chefs Gerhard Wessel (wie Vorgänger Gehlen aus der Abteilung “Fremde Heere Ost” im Oberkommando des Heeres in der Wehrmacht) und  Bundeskanzler Kiesinger. Felfe lebte und arbeitete einige Jahre in der SU, dann in der DDR. 1986 veröffentlichte er seine Memoiren unter dem Titel “Im Dienst des Gegners”. Er starb 2008 in Berlin.

* Der Physiker Klaus Fuchs unterstützte die KPD in der Weimarer Republik, ging in der Nazi-Zeit nach GB, arbeitete an dessen Atomwaffenprogramm, und an jenem der USA (Manhattan-Projekt) mit, gab Infos darüber an die SU weiter  (über das Netzwerk mit dem auch Richard Sorge arbeitete). 1950 durch das VENONA-Projekt aufgeflogen, wurde er zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. 1959 wurde er begnadigt und reiste in die DDR aus, wo er im Jahr vor der Wende starb.

* Noel Field: Der Quäker vertrat die USA in der Zwischenkriegszeit als Diplomat, war dann beim Völkerbund tätig, während des 2. WK für eine US-amerikanische Hilfsorganisation für Flüchtlinge. Irgendwann war er Kommunist geworden, und von da war es zur Tätigkeit als Informant für die Sowjetunion (SU) nicht mehr so weit. Das war er auch im beginnenden Kalten Krieg. 1949 wurde er in der Tschechoslowakei verhaftet und nach Ungarn gebracht; er war den Ostblock-Machthabern verdächtig, als anti-stalinistischer Kommunist mit West-Hintergrund. So wurde er der Spionage für die USA beschuldigt, wurde Opfer der stalinistische Tschistki (“Säuberungen”), wie auch seine Frau und seine Adoptivtochter. Rudolf Slansky und viele Andere damals getötete oder gefolterte Kommunisten im Ostblock wurden mit von Field unter Folter erpressten „Geständnissen“ belangt oder weil sie mit Field Kontakt gehabt hatten. Beinahe auch Erich Mielke. Field selbst überlebte das Martyrium, wurde freigelassen, blieb Kommunist, lebte 1955-70 in Ungarn. Eigentlich war er vor Beginn des Kalten Kriegs übergelaufen, und in Ungnade zu fallen war für Überläufer eigentlich ein seltenes Schicksal, ihn ereilte es in den frühen Jahren dieses Konfliktes.

* Li Zongren war einer der Überläufer im Konflikt zwischen den beiden Chinas. Er war Kriegsherr im Chinesischen Bürgerkrieg, auf Seite des Staates bzw des KMT, war in der Republik China vor und nach Niederlage und Exil hoher Funktionär, als Vizepräsident, amtierender Präsident,… War im Kreis v Chiang, wurde Konkurrent von diesem, wollte Verhandlungen mit der Volksrepublik bzw der KP. Er ging ins Exil und 1965 in die VR China.

* Stig Svante Eugén Bergling arbeitete für den schwedischen Geheimdienst Säkerhetspolisen (Säpo) und die Polizei. Und er gab, hauptsächlich in den 1970ern, Informationen an den Ostblock bzw die SU weiter. 1979 wurde er von Israel verhaftet und im selben Jahr in Schweden wegen Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Bergling-Affäre ging weiter, als er 1987 während eines Sexualbesuchs im Gefängnis fliehen konnte. Er lebte dann in der Sowjetunion oder auch im Libanon. 1994 kehrte er wegen angeschlagener Gesundheit nach Schweden zurück, musste wieder ins Gefängnis, ehe er 1997 begnadigt wurde. Er starb 2015.

* Über Dieter Gerhardt habe ich hier einiges geschrieben.

* Christopher Boyce

* Philip B. F. Agee (1935-2008) war ein Agent der CIA, wandte sich, noch im Kalten Krieg, öffentlich von ihr ab und kritisierte ihre Praktiken, hauptsächlich von Cuba aus, wo er sich niederliess.

* Aldrich Ames gab als CIA-Agent Informationen an den KGB weiter. 1994 wurde er verhaftet, er sitzt nach wie vor im Gefängnis.

* Otto John war Jurist, ein Bruder von ihm war beim Stauffenberg-Umsturzversuch  gegen Hitler involviert. 1950 wurde er erster Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV). 1954 verschwand er nach einer Gedenkfeier für den 20. Juli 1944, tauchte Tage später in Ost-Berlin wieder auf. Er kritisierte im DDR-Rundfunk die BRD, konkret Adenauers Westbindung, welche die deutsche Wiedervereinigung behindere. Ausserdem die Beschäftigung von Ex-Nazis in Führungspositionen dieses Staates. Er wurde auch in die SU gebracht und verhört. Nach fast 1 1/2 Jahren im Ostblock kehrte er Ende 1955 zurück, nach West-Berlin, wo er verhaftet wurde. Johns Beweggründe für sein zeitweiliges Überlaufen sind nicht ganz klar. 1956 wurde er in der BRD wegen Landesverrats verurteilt, 1958 zur Hälfte seiner Strafe von Bundespräsident Heuss begnadigt. Er zog nach Österreich.

* Jeffrey Carney war im Kalten Krieg ein Überläufer, mit dem nach Ende desselben abgerechnet wurde. Der Luftwaffen-Unteroffizier arbeitete für die NSA in Berlin, aufgrund seiner Deutsch-Kenntnisse, an der Radaranlage Marienfelde. Diente sich 1982 dem MfS (“Stasi”) der DDR an. Als er zurück in die USA versetzt wurde, und er verdächtigt wurde, floh er über Mexiko und Kuba in die DDR. Er bekam dort eine neue Identität. Das MfS wollte zur Zeit der Wende Unterlagen über Spione wie ihn vernichten, schaffte aber nicht alles, weil die Verbrennungsöfen überlastet waren. Die CIA spürte ihn 1991 in Berlin auf, entführte ihn nach Tempelhof, von dort in die USA. Er machte ein Geständnis, bekam einen Geheimprozess (ungefähr zur selben Zeit, als die Spähstationen der Amerikaner in Berlin abgerissen wurden), wurde zu 38 Jahren Haft verurteilt, von denen er 12 absass.

* Der Berliner Heinz Lippmann hatte als “Teil-Jude” u.a. das “KZ” Auschwitz/Oświęcim zu überstehen. In der DDR war in der FDJ Stellvertreter Honeckers. 1953 fuhr er über West-Berlin nach Hamburg, mit der Kasse, wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Chef. Wegen der Unterschlagung gab es in der BRD ein Verfahren gegen ihn. Er war dann als Journalist tätig, auch für den Staatssender “Deutsche Welle”.

* George Blake (Behar), 1922 in der NL geboren, als Sohn eines ägyptisch-türkischen jüdischen Vaters (mit britischer Staatsbürgerschaft) und einer protestantischen Niederländerin, war während des Korea-Kriegs an der britischen Botschaft in Süd-Korea. Von der vorrückenden nord-koreanischen Armee gefangen genommen, entschied er sich in Gefangenschaft, künftig dem kommunistischen Ostblock Informationen zu liefern. Und das tat er dann, als MI6-Agent. 1961 flog er auf, wurde verurteilt. 1966 gelang ihm aber die Flucht aus dem Gefängnis! Er floh in die SU, wo er auf Kim Philby und andere “Kollegen” traf.

* Robert Thompson, USA-Luftwaffen-Angehöriger, der in den 1950ern in Berlin-Tempelhof stationiert war und damals der SU Infos weiter gab, flog in den 1960ern auf; seine Gefängnisstrafe kam 1978 zu einem Ende, als er ausgetauscht wurde, gegen einen amerikanischen Studenten der DDR-Bürgern zur Flucht verhelfen wollte, und einen israelischen Kampfpiloten, der dem Apartheid-Regime Südafrikas geholfen hat und dabei in/von Mozambique gefangen genommen wurde.

* Alfred Frenzel wurde im österreichisch-ungarischen Kronland Böhmen geboren, nach dem 1. WK war die Familie Deutschböhmen bzw Sudetendeutsche in der Tschechoslowakei. Mitglied der dortigen KP, blieb er in der NS-Besatzungszeit der Tschechoslowakei treu anstatt sich den Nazis anzudienen.1 Eine Aussiedlung nach dem 2. WK blieb ihm dennoch nicht erspart. Er ging wie viele andere von dort nach Bayern und wurde in der SPD aktiv. Als Abgeordneter im Landtag und Bundestag. Rechte Exil-Sudetendeutsche in anderen Parteien hielten ihm seine Vergangenheit vor. Angeblich wurde er vom CSSR-Geheimdienst mit Wissen um eine Veruntreuung in der Zwischenkriegszeit erpresst, vielleicht kam die Zusammenarbeit aber anders zu Stande. 1960 wurde Frenzel enttarnt und festgenommen. Seine Gefängnis-Strafe endete durch einen Gefangenen-Austausch mit der CSSR.

* Karel Koecher wurde von der CSSR in die USA eingeschleust (wegen seiner Englisch-Kenntnisse), arbeitete dort für die CIA (wegen seiner Tschechisch- und Slowakisch-Kenntnisse), aber tatsächlich für den KGB. Nach dem Auffliegen 1984 wurde er 1986 auf der Glienicker Brücke gegen Anatol Nathan Scharansky ausgetauscht, der aus der SU nach Israel auswandern wollte (er wurde dort Minister). Er ist einer von den wenigen hier, die noch am Leben sind.

* Der DDR-Propagandist Karl-Eduard von Schnitzler war im 2. WK als Wehrmachts-Soldat in britische Kriegsgefangenschaft geraten, wurde in der britischen Besatzungszone in Deutschland zur Propaganda eingesetzt, lief 1947 in die SU-Zone über.

* Bruno Pontecorvo (1913 – 1993), italienischer Atomphysiker, Assistent von Enrico Fermi, lief 1950 in die SU über, wo er seine Forschungen fort setzte.

* Stefan Heym: als Helmut Flieg ging er von Chemnitz in die USA, mit dessen Militär nach Deutschland zurück, sollte Propaganda im Sinn der USA machen, fühlte sich aber dem Kommunismus verbunden, verliess die Army, ging zurück in die USA, arbeitete als Schriftsteller, aufgrund des Terrors in der McCarthy-Ära ging er 1952/53 in die DDR, wandte sich von der SED ab, aber nur halb, 1994 für die PDS in den Bundestag gewählt, erlebte er bei seiner Alterspräsidenten-Rede Feindseligkeit aus den Reihen von CDU/CSU

* George Koval: Vater Jude aus Russischem Reich der in USA einwanderte, kommunistische Familie, Übersiedlung in SU (Birobidschan), George als Agent nach USA geschickt, Studium, ins Oak Ridge National Laboratory, Mitarbeit am USA-Atomprogramm, Weitergabe Infos an SU, legale Rückkkehr in SU, dann erst aufgeflogen, starb 06 in Russland.

* Der KGB-Agent Bogdan Staschinski tötete 1959 in der BRD im Auftrag seiner Behörde den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, der mit Wehrmacht und BND zusammenarbeitete. Stashinski stellte sich später in W-Berlin, wollte wegen einer Liebe überlaufen, bekam in der BRD eine milde Strafe (“nur Beihilfe”)2, dann eine neue Identität.

* Arnold Schölzel desertierte 1967 aus der Bundeswehr, lief in die DDR über, an der Humboldt-Universität hat er für die Stasi Oppositionsgruppen ausgehorcht, seine Stelle an der Uni verlor er nach der Vereinigung, er wurde Herausgeber der “Junge Welt”

* Ursel Lorenzen war eine Sekretärin in der NATO, die 1979 in die DDR über lief. Vor der Wiedervereinigung verliess sie und ihr Partner das Land, möglicherweise nach Libyen

* Fred Rose/Fishel Rosenberg: Anfang des 20. Jh im damals russischen Polen geboren, wurde er von seiner Familie im 1. WK nach Canada gebracht, wo er in der Kommunistischen Partei des Landes (CPC/PCC) aktiv war, ehe diese im 2. WK verboten wurde, für deren Nachfolgepartei Labor-Progressive Party wurde er 1943 in Quebec ins kanadische Parlament gewählt; als die SU vom Alliierten der Westmächte zu ihrem Feind wurde, nach dem Krieg, wurde Rose durch die Enthüllungen des übergelaufenen SU-Diplomaten/Agenten Gusenko der Spionage beschuldigt und verurteilt; nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis reiste er ins kommunistische Polen aus

* Robert Soblen/ Ruvelis Sobolevicius/ Roman Well, ein Jude aus Litauen, war in der Weimarer Republik als Kommunist aktiv. Zusammen mit einigen Mitstreitern floh er 1933 in die Sowjetunion, später wurden sie als Spione in die USA geschickt. Sobolevicius/Well/Soblen arbeitete dort als Psychiater. 1957 flog der Ring durch das FBI auf, Soblen wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Er konnte jedoch 1962 fliehen, wollte Asyl von Israel3. Nachdem er das nicht bekam, sollte er über GB in die USA zurück überstellt werden. In London verübte er Selbstmord

* Hansjoachim Tiedge lief 1985 vom BfV (zuständig für die Abwehr der DDR-Spionage) in die DDR über

Manfred von Brauchitsch: aus schlesischer Adelsfamilie, Auto-Rennfahrer bei Mercedes-Benz; nachdem er nach dem 2. WK pleite war, diente er sich der DDR an, lief 1954 auch tatsächlich dorthin über, nachdem er in der BRD angeklagt wurde. Das war nach seiner aktiven Zeit als Rennfahrer und er wirkte in der DDR als Sportfunktionär – was im Fall des Autorenn”sports” eine mühsame Angelegenheit gewesen sein dürfte. Ansonsten sind Sportler fast ausschliesslich in die andere Richtung “gegangen”. Er ist fast ein Fall für diesen Artikel

McKinley Nolan: Soldat des USA-Militärs, 1967 zu Nord-Vietnam über gelaufen

Margaret Schlauch: US-Wissenschafterin, ging 1951 vor McCarthy-Verfolgung nach Polen)

Clarence Adams: afro-amerikanischer US-Soldat, Kriegsgefangener Korea-Krieg, danach einer von 21 USA-Soldaten die nach China gingen, 66 Rückkehr (weil er Sehnsucht nach seiner Mutter hatte)

Ausserdem: Mihalis Maniadakis (griechische Luftwaffe, 1970 zur SU); Richard Tannimura (US-Militär, 1968 nach Schweden); Theo van Eijck (NL-Militär, 1964 nach Libyen); Gerald A. Eckert (RZA-Militär, 1983 nach Mozambique); Cheng Yi-Ming (Geheimdienst Rep. China, 1964 zur VR); Hede Massing, Alexander Koral, Gerhart Eisler, Ian Milner, Michael Peri, Harold Koch,

Beim konstruktives Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Willy Brandt 1972 (de facto wegen seiner Ostaussöhnung) versprachen die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag aufgrund der Wahl 1969 und durch diverse Übertritte von SPD und FDP zu CDU/CSU oder zur Fraktionslosigkeit ein Gelingen. Nach dem knappen Scheitern kamen Gerüchte über Stimmenkauf auf. Julius Steiner (CDU) und Leo Wagner (CSU) sollen von der DDR (MfS) und/oder der SPD bestochen worden sein. Dies ist nicht gesichert. Umstritten ist die “Schuld” auch bei Gunvor Galtung-Haavik, norwegische Aussenministeriums-Angestellte, sie wurde 1977 der Spionage für die SU beschuldigt, starb vor einem Prozess. Arne Treholt, norwegischer sozialdemokratischer Aussenminister, saß einige Jahre wegen Spionage für den Ostblock im Gefängnis. Der USA-Regierungsbeamter Alger Hiss wurde Ende der 40er, Anfang der 50er beschuldigt und verurteilt, kommunistischer/sowjetischer Spion zu sein

Dann gibt es die Kategorie jener, wo nicht ihr Handeln bzw der Wahrheitsgehalt von Vorwürfen unklar ist, sondern ob ihr Handeln als Überlaufen oder Maulwurf-Tätigkeit für den Ostblock einzustufen ist. Lee H. Oswald zB war nach dem Militär am Höhepunkt des K.K. 59-61 in der SU, kam dann aber zurück, mit seiner russischen Frau. Abgesehen von seiner fraglichen Schuld am Mord an JFK, spricht einiges dagegen, ihn als Ostblock-Überläufer zu kategorisieren; u.a. dass er keine Funktion im Staatsapparat der USA inne hatte, privat reiste. Renfrew Christie hat Infos das Militär des Apartheid-Systems betreffend an dessen Gegner weiter gegeben, und dieser war mit der SU verbündet (so wie das Apartheid-Regime Südafrikas immer irgendwie Teil des Westens war), aber gerade bei ihm zeigt sich die die Relativität der Einteilung “Ostblock-Spion”. Henri Maillot hat in Algerien den Unabhängigkeitskampf unterstützt, der auch von der SU unterstützt wurde.

Erwin Borchers war Sohn eines preussischen Offiziers und einer elsässischen Weingutstochter, ging vor dem 2. WK aus Deutschland nach Frankreich, dort in die Fremdenlegion, kam nach Indochina. Bald brach dort der Unabhängigkeitskrieg aus, in diesem “1. Vietnam-Krieg” lief Borchers 1945 zum Viet Minh über. Er bekam den Namen Chien Si, heiratete eine Vietnamesin, wurde Kommunist, war auch beim Sieg von Dien Bien Phu dabei.4 Nazim Hikmet (Ran) ging zwar in den Ostblock, hatte aber in der Türkei keine offizielle Funktion (gehabt). Martha Dodd, Tochter eines früheren amerikanischen Botschafters, spionierte im frühen KK und davor für die SU, war dabei aber ebenfalls “privat” unterwegs.5 Das lässt sich auch von Ana Maria Silva Pais (Tochter des Chefs des portugiesischen Geheimdienstes PIDE, 1965 nach Cuba), Wolfgang Kieling oder JoAnne Deborah Byron (Assata Shakur) sagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Oder sich als Auswärtiger an dieser Besatzung zu beteiligen, wie H. M. Schleyer
  2. Als Staschinski-Fall bekannt gewordene Entscheidung des Bundesgerichtshofs
  3. > Meir Lansky, Samuel Sheinbein, Shmuel Flatto-Sharon, Salomon Morel,…
  4. Ein Jacques Doyon hat über die Franzosen und Fremdenlegionäre, die in diesem Krieg überliefen, das Buch “Les Soldats blancs de Ho Chi Minh” geschrieben
  5. 1957 gingen sie und ihr Partner in der Tschechoslowakei, wo Dodd 1990 starb. Sie entging dem Schicksal von Susanne Albrecht

Heroin

Das Morphin wurde fast ein Jahrhundert vor der Entwicklung des Heroins aus dem Opium isoliert, Anfang des 19. Jh, durch Friedrich Sertürner, wurde dann als “Morphium” vermarktet, das als Medizin verstanden wurde; um das Morphium wird es hier ein ander Mal gehen. Die Isolierung von pflanzlichen Wirkstoffen war ein grosser Schritt (nicht ein ausschliesslich guter), Sertürners Morphiumentwicklung steht auch am Anfang der Entstehung der pharmazeutischen Industrie und ist ein wesentlicher Teil davon. Das durch die Firma “Merck” vertriebene Morphin/Morphium war die Voraussetzung für das spätere Diacetylmorphin/Heroin, bezüglich Forschungsgrundlage wie Forschungs- und Produktionsmöglichkeiten. Die Injektionsspritze und Kriege hatten dem Morphin zur Ausbreitung verholfen. Im Westen wurden ab Beginn des 19. Jh Drogen wie Medikamente in chemischer Form synthetisch hergestellt. Aus schwachen Pflanzenprodukten wurden bösartige chemische Konzentrate hergestellt, aus gemäßigtem, lokalen Drogenkonsum wurde ein weltumspannendes Geschäft. Dies stand im Einklang mit der damaligen allgemeinen Technisierung und „Synthetisierung“; man denke etwa an die Entwicklung und Verbreitung chemischer Fasern (zB “Nylon”, durch “Du Pont”, 1930er). Diese Entwicklungsschritte gingen nicht zuletzt von Deutschland aus, und die Voraussetzungen unter den Sertürner Morphium isolierte und jene, unter denen es Felix Hoffmann fast 100 Jahre später zu Heroin verfeinerte, bringen auch zum Ausdruck, wie sich Deutschland in dieser Zeit verändert hat.

Der Engländer Wright untersuchte bereits Mitte des 19. Jh die Verbindung bzw die Reaktion von Morphin (Morphium) und Essigsäure. Der Pharmazeut/Apotheker/Chemiker Felix Hoffmann kam Ende des 19. Jh zur Friedrich-Bayer-Fabrik in Elberfeld (heute Wuppertal), die u.a. Farben, chemische Grundstoffe und Arzneimittel herstellte und 1863 gegründet worden war. Im dortigen Haupt-/Forschungslaboratorium unter Professor Dreser stellte Hoffmann 1896 Diacethylmorphin her, aus Morphin(base) und Essigsäure. Wenige Jahre später kam er auch auf die Acetylsalicylsäure. Diacethylmorphin (bzw Diamorphin) wurde an Katzen wie auch an Werksangehörigen und ihren Kindern erprobt. Es wurde ab 1898 fabrikmäßig hergestellt und als „Heroin“ (von griechisch “Heros”, Held) auf den Markt gebracht (als Pulver, Tabletten, Tinktur, Tropfen, später auch als Injektionslösung), kurz darauf Acetylsalicylsäure-Präparate unter dem Namen “Aspirin”. Die beiden Mittel, auf die “Bayer” Patente hatte, zwei der ersten chemischen Arzneimittel der Geschichte, haben die Firma gross gemacht, nicht zuletzt durch ihren Erfolg in der USA.

Fläschchen "Heroin" von Bayer
Fläschchen “Heroin” von Bayer

Indikationen für das “phantastische” Arzneimittel Heroin waren in den Augen des Bayer-Konzerns hauptsächlich Husten und Schmerzen (es sollte nicht süchtig machen und die Blutschranke schneller überwinden – zweiteres erwies sich als richtig), aber auch zahlreiche weitere körperliche und seelische Beschwerden, von Bronchitis bis Schizophrenie, auch zur Ruhigstellung von psychisch Kranken (bzw dafür gehaltenen) wurde Heroin verwendet. Anfangs glaubte man auch, dass es bei der Entwöhnung von Morphium als Rauschmittel, eine Verwendung die oft mit einer medizinischen Verabreichung begonnen hatte, eine Rolle spielen könnte – das sprichwörtliche „Den Teufel durch den Beelzebub austreiben“. Heroin sollte Morphium als Schmerzmittel ablösen, was nicht ganz geschah, es wurde als Analgetikum nie hegemonial, das blieb Morphium bis in die 1920er/30er, als bessere Mittel entwickelt wurden, wieder v.a. in Deutschland, wie Pethidin (“Dolantin”, das erste vollsynthetische Opiat) oder Codein-Derivate, auf der Suche nach Alternativen zu Morphium und Heroin. Das semi-synthetische Heroin verdrängte Morphium als Rauschmittel, ab Beginn des 20. Jh, v.a. nach dem 1. WK, endgültig nach dem 2. WK.

Bayer begleitete Herstellung und Verkauf von einer aufwändigen internationalen Werbekampagne, versuchte auch Kritik an dem Mittel zum verstummen zu bringen; hinter der aggressiven Vermarktung und Imagepflege bezüglich des H. stand anscheinend der damalige Werks-Prokurist Carl Duisberg der später an der Entwicklung chemischer Kampfstoffe und dem Zusammenschluss deutscher Chemiekonzerne zur IG Farben beteiligt war.

Anfang des 20. Jh wurde von dem ins Deutsche Reich importierte Opium 55% zu Morphium, 45% zu Heroin verarbeitet. Bis zum 1. Weltkrieg dominierten pharmazeutische Firmen aus Deutschland den globalen Handel mit synthetisch hergestellten Opiaten (Heroin, Morphium, Codein), die meist auch dort entwickelt worden waren.

Als “Medizin” gab es neben der oralen Verabreichung die Tinktur, die über verletzte Haut aufgenommen wurde sowie die Injektion (was eine um ein Vielfaches stärkere Wirkung gab); als “Droge” wurde es zudem geschnupft. Nicht medizinisch begründeter Konsum ist nicht so eindeutig zu definieren, der erwünschte Effekt vom Nebeneffekt zu unterscheiden, zumal bei den vom Hersteller vorgegeben Indikationen. Gerade Ärzte, Apotheker, Pfleger sollen früher und auch heute immer wieder für Missbrauch von solchen Arzneimitteln anfällig sein. Man wurde bald auf das Suchtpotential von Heroin aufmerksam, doch vorerst breitete es sich weiter aus. “Konkurrenten” für Heroin im Westen waren bis zum Ende des 2. Weltkriegs (neben Alkohol) v.a. Kokain und andere Opiat-Verarbeitungen; Kodein hinkte als Schmerz- wie Rauschmittel schon Morphium hinterher, tat dies auch gegenüber dem Heroin.

Bayer verlor mit dem Versailles-Vertrag nach dem 1. WK die alleinigen Rechte für Heroin! Es wurde fortan v.a. von US-amerikanischen Firmen erzeugt; Heroin wurde auch, wie auch andere „potente“ Mittel (zB Kokain) im frühen 20. Jh, in diversen Mischpräparaten verwendet. Die USA wurde das erste Land, in dem Heroin ein gesellschaftliches Problem wurde. Infolge des USA-Bürgerkriegs war Morphium als Schmerz- & Rauschmittel dort hegemonial geworden (zT durch Umsteiger vom Opium), in der Zwischenkriegszeit erfolgte der Vormarsch des Heroins. Es entstand eine Diskussion über staatliche Maßnahmen, die bald kamen. Der Begriff “Junkie” entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in der USA. Opiatabhängige/-konsumenten in USA waren zu einem sehr grossen Teil aus der Mittelklasse, weisse Hausfrauen zB, in der “öffentlichen Psyche” waren sie Ausländer, Arme, Aussenseiter. Künstler bilden oft die Avantgarde, beim Heroin in Nordamerika war das die New Yorker Jazzszene rund um Charlie Parker, die in der Zwischenkriegszeit zu Heroin griff. In Deutschland dürfte zu dieser Zeit noch Morphium die Drogenszene beherrscht haben, die grosse Heroin-Rausch-Welle kam um einiges später. Frühe Wellen des Rauschgebrauchs von Heroin gab es in den 1920ern im Mittelmeerraum (v.a. in Ägypten, Türkei) und in Ost-Asien, v.a. China. In Ägypten dominierten Pillen mit grossem Anteil an Streckmitteln, mit Namen wie “Zauberpferd”. In China kam der Stoff teilweise aus Japan (wie auch Morphium), wurde teilweise selbst (von Triaden) hergestellt, meist in Pillenform.

Nach einer internationalen Drogenkonferenz 1912 wurde Heroin im Deutschen Reich zunächst apothekenpflichtig, 1917 kam die Verschreibungspflicht. Auch nach der “Opium-Konferenz” 1925 haben viele Staaten Drogen eingeschränkt, in Deutschland war das das “Opiumgesetz” 1929/30, mit dem in Deutschland Drogenmissbrauch ins Strafgesetz kam bzw Drogengebrauch gesetzlich reguliert wurde. Das Gesetz beinhaltete, gemäß den internationalen Vorgaben, ein Totalverbot von Cannabis und Opium, aber nicht von Heroin, das zu “medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken” weiter verwendet werden durfte… Bayer war inzwischen mit “Hoechst” und anderen Konzernen zur IG Farben “verbunden”, dieser Konzern (der grösste nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa!) versuchte, das Gesetz ganz zu verhindern. Nach und nach musste nun die Heroinmenge in Medikamenten eingeschränkt werden, medizinische Verordnungen dafür gab es nur noch in Ausnahmefällen; 1931 stellte Bayer die Produktion ganz ein. Waren die Verbote Folge der unverbünftigen Vertriebspraxis der Hersteller, hätte es einen anderen Weg des “Umgangs” mit Heroin gegeben? An seine Vergangenheit als Heroin-Hersteller lässt sich Bayer jedenfalls heute nicht mehr gern erinnern.

In der USA kam mit dem Harrison-Gesetz 1914 die weitgehende Illegalisierung von Opiaten u.a. Drogen, auch medizinischen, dieses (fiskalisch formulierte) Bundesgesetz beendete die föderale Regelung des Medikamenten-/Drogen-Bereichs, und auch den exzessiven, legalen Gebrauch von Mitteln wie Morphium, u.a. wegen ihrer Rauschnutzung und ihrem Suchtpotential. 1924 erfolgte in USA das Verbot der Herstellung von Heroin.

Die medizinisch-legale Verwendung des Heroin endete also weitgehend in der Zwischenkriegszeit. Es hatte als Medikament eine kürzere Einsatzzeit als Morphium, etwas länger als LSD. In Japan wurde bis Ende des 2. WK Heroin weiter für verletzte Soldaten produziert. Andere Pharma-Firmen als Bayer in verschiedenen Staaten Europas stellten ihre Heroin-Produktion, die eingeschränkt und überwacht wurde, nach und nach ein. Die BRD hat 1958 Pharmafirmen die Produktion von Heroin verboten, das bis dahin also noch gelegentlich verordnet wurde. Diverse Firmen exportierten auch über Verbote hinaus und nicht nur zu medizinischen Zwecken. Der Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche etwa soll lange die entstehende illegale Drogenszene mit Heroin aber auch Kokain beliefert haben. Erst um 1940 entstand eine illegale Drogenindustrie, die Herstellung und Handel übernahm. Nach Ende des chinesischen Bürgerkrieges, der mit dem Sieg der Kommunisten endete, wurde das sogenannte „Goldenen Dreieck“ in Südostasien ein Zentrum der Heroin-Produktion. Dorthin ausgewichene Kuomingtang-Truppen bauten sie auf und die Triaden exportierten den Stoff über Bangkok  in alle Welt. In Europa wurde Amsterdam der wichtigste Importhafen.

Nach dem 2. WK begann sich, in allen Teilen des Westens, die illegale Drogenszene um das Heroin zu entwickeln, das Morphium endgültig “ablöste”, als illegales Rauschmittel Nr. 1. Das Schwarzmarkt-Heroin dürfte zunächst im Westen hergestellt worden sein, aus importierter Morphinbase oder dessen Ausgangsstoff Rohopium sowie Acetanhydrid (Essigsäure), das Firmen wie Merck und Hoechst verkauften. Später wurde es in den Mohn-Anbauländern (Afghanistan, Birma, Türkei, Kolumbien,…) hergestellt und in den Westen geschmuggelt. Heroin wurde/wird hier auf diversen Drogen-Schmarzmärkten gehandelt, es kam zu vielen Opfern des illegalen Konsums.

Daneben gibt es auch krudes Heroin, ein Gemisch aus Morphium oder Rohopium oder Mohntee sowie Essigsäure und Streckmitteln, “Berliner Tinke”, “Armes Heroin” oder “Gassenheroin” genannt. Der Gehalt an reinem Heroin darin ist stark schwankend, was für die Konsumenten das Dosieren zu einem beträchtlichen Risiko macht. Streckmittel, von Mehl bis Strychnin, sind aber auch meist dem “richtigen” Heroin beigesetzt, was die Konzentration auch hier zu einer Unbekannten macht. Im Ostblock (1945 bis 1990) gab es wenig an Heroin (Kokain noch weniger), aus dem Westen oder dem Orient geschmuggeltes, auch wenig selbst produziertes, überhaupt weniger Drogen als im Westblock. Am ehesten noch eine Art krudes Heroin, dort “Kompot” oder “Polnische Suppe” genannt,  oder andere Opiatprodukte aus den zentralasiatischen Sowjet-Republiken.

In der Beat(nik)-Subkultur der 1950er in der USA spielte Heroin eine Rolle. Was in den 1960ern mit einem gemeinschaftlichen Aufbruch mit psychedelischen Drogen begann, endete in den 1970ern oft mit einem Rückzug mit Heroin. Seit Ende der 60er gab es in West-Deutschland einen nennenswerten Schwarzmarkt für Heroin; Berlin war in der Zwischenkriegszeit ein “Zentrum” von Drogen-Gebrauch (zunächst mit Morphium) geworden, blieb es mit Veränderungen bis heute. In der BRD wurde Heroin erst 1971 mit dem Betäubungsmittelgesetz dezidiert verboten. Die “Heroin-Kultur” ist jene der Bahnhofsklos, der schmutzigen Spritzen, der Beschaffungskriminalität; viel seltener ist es der Konsum im bürgerlichen oder wohlhabenden Milieu, vielleicht auch durch schnupfen oder rauchen, mit Mischungen wie jener des “Speed ball”, statt als Strassendroge.

Illegaler Anbau von Mohn, also nicht unter Aufsicht von UNODC für Schmerzmittel und andere Pharmaka, findet heute hauptsächlich in Afghanistan, in einigen von dessen Nachbarländern, wie Pakistan, in Südost-Asien (Goldenes Dreieck, also Birma, Thailand, Laos) und Lateinamerika (Kolumbien, Mexiko) statt. Der grösste Teil dieser Ernten wird zu Heroin verarbeitet, ein kleiner Teil zu Rauch-Opium. Die Verarbeitung zum Heroin ist heute meist nahe am Anbau (sein Konsum weniger, im Gegensatz zu Opium). Das nordamerikanische Heroin stammt vorwiegend aus Lateinamerika, in der USA ist aber Kokain wichtiger. Im Goldenen Dreieck ist v.a. Birma wichtig, wo der Schan-Kriegsherr Khun Sa einst “Pate” des Heroin-Exports war. In der Region soll auch die CIA lange als Heroin-Händler tätig gewesen sein; zu einer Zeit als Nixon den “Krieg gegen die Drogen” ausrief. Im Vietnam-Krieg “probierten” zudem viele der dortigen US-amerikanischen Soldaten dort hergestelltes Heroin.

In Afghanistan findet der Anbau von Mohn und seine Verarbeitung v.a. im paschtunisch-belutschischen Südwesten statt, v.a. in der Provinz (Wilayet) Helmand, im Grenzgebiet zu Iran und Pakistan. Essigsäure-Anhydrid muss zur Heroin-Produktion ins Land geschmuggelt werden. Der grösste Teil des afghanischen Heroins wird exportiert (ein wachsender Teil im Land konsumiert), beim dort hergestellten Opium ist es umgekehrt. Der Export läuft hauptsächlich über den Iran, Türkei, Balkan nach Mitteleuropa. Tausende iranische Grenzschützer sind in den letzten Jahrzehnten bei “Kämpfen” mit Schmuggler-Organisationen getötet worden, die mit belutschischen islamistischen Separatisten zusammenarbeiten; ein nicht kleiner Teil des Heroins wird mittlerweile im Iran konsumiert. Die anderen Routen führen über Zentralasien nach Russland, von dort auch nach Sinkiang und andere Teile Chinas, sowie über Pakistan nach Indien.

Bauern in der Gegend um Afyun im westlichen Anatolien durften Mohn für die Verwendung von pharmazeutischen Firmen anbauen. Viele verwendeten den Überschuss zum lokalen Konsum als Rauch-Opium sowie zum Verkauf für das Heroin der „French Connection“ (die v.a. aus Korsen bestand). Der grösste Teil der Felder wurde Ende der 1960er unter westlichem Druck zerstört, ein kleiner blieb für den international erlaubten Mohn-Anbau für Schmerzmittel. Bei dieser Verwendung wird nicht das Roh-Opium aus den Kapseln geerntet, sondern aus den gemähten ganzen Pflanzen (Mohnstroh) auf chemischem Weg Morphin und andere Opiate extrahiert. Bei der illegalen Produktion sind 10 kg geerntetes Rohopium (in Asien, Südamerika) ca. 50 €  wert. Die gleiche Menge an daraus hergestelltem Heroin kostet nach Verarbeitung und Transport im Endhandel im westlichen Abnehmerland etwa 700 000 €. Das grosse Geschäft ist auf Viele verteilt, manche schneiden mehr mit, andere weniger, wie im Kapitalismus so üblich. Manche Drogenkartelle kümmern sich nur um den Handel, andere auch um die Herstellung.

Heroin holt sich alles zurück, was es gibt. Die Schmerzen die es nimmt, kommen bei Entzug als ein Vielfaches zurück, das Wohlbefinden das es gibt, ist bei Sucht kein Genuss mehr sondern ein Muss, die Problemlösung ist eine trügerische. Illegaler Heroinkonsum hat gegenüber dem früheren, medizinisch “überwachten” mehrere Nachteile, von der Reinheit des “Stoffes” bis zu den Preisen. Heroin-Konsum ist eine Art halb-bewusster /-absichtlicher Selbstmord. Politiker setzen gerne Zeichen zur Eindämmung von Drogenproblemen, und kochen oft andere Süppchen dabei, früher wie heute. Ähnlich ist es bei Religionsgemeinschaften und Sekten wie Scientology (>Narconon).

In NS-Deutschland gelang Forschern in dem zu IG Farben gehörenden Hoechst-Konzern 1940 die Herstellung des vollständig synthetischen Methadons, das u.a. als “Polamidon” vermarktet wurde, etwa an die Wehrmacht, als Schmerzmittel für verwundete Soldaten, die zur Besetzung und Unterwerfung zahlreicher Länder ausgeschickt wurden. Man war damit unabhängig von ausländischen Pflanzenrohstoffen, also Schlaf-Mohn, geworden. Seit den 1960ern wird es als Entwöhnungs-Substitut für Heroin-Süchtige verwendet, nach wie vor durch Hoechst hergestellt. Die Verabreichung erfolgt im Rahmen medizinischer und psychosozialer Maßnahmen. Methadon, das vom Heroin entwöhnen soll, ohne eine neue Sucht zu schaffen bzw die bestehende zu verlängern, wird als “Primär”-Rauschmittel sehr wenig verwendet, aber recht oft missbraucht – am Drogen-Schwarzmarkt wird es in “geschweisster” Form (also original verpackt) oder in “gespuckter” (bei Einnahme in flüssiger Form unter Aufsicht) gehandelt… Methadon gehört nicht zu den Drogen, die es zur Verarbeitung in einem Roman geschafft haben, in J. M. Simmels “Wir heissen euch hoffen” (1983) sucht der Held immerhin an einer nicht süchtig-machenden bzw sucht-erhaltenden Alternative dazu.

Auch Morphin/”Morphium” wird in der Substitutionsbehandlung für  Heroin verwendet, mit einem oral wirksamen Präparat (Handelsname “Substitol”), das den Wirkstoff verzögert abgibt, so dass eine lang anhaltende Wirkung (Retardwirkung) resultiert. Daneben wird Buprenorphin, ein starkes Schmerzmittel, halbsynthetisch aus dem Opium-Alkaloid Thebain gewonnen, Handelsname u.a. “Subutex”, als Substitutionsmittel verwendet. Auch das natürliche Ibogain wird zur Heroin-Substitution eingesetzt. Die chemisch-pharmazeutische Industrie produziert nach den Mitteln selbst und den Rohstoffen dafür auch die Entzugs-/Substitionsmittel, bleibt im Geschäft.

In wenigen Ländern wird Heroin an Süchtige kontrolliert abgegeben (im Rahmen eines Entzugs), in der Schweiz als “Diaphin” (chemisch Diamorphin-Hydrochlorid). Angesichts des Drogenelends v.a. auf dem Zürcher Platzspitz hatte sich die Schweiz 1993 für eine “pragmatische” Drogenpolitik mit ärztlich kontrollierter Heroinabgabe an “therapieresistente” Süchtige entschieden, u.a. um Beschaffungskriminalität und Gefahren durch verunreinigten oder gestreckten “Stoff” zu begegnen. 1999 hat das Schweizer Volk das “Experiment” abgesegnet. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) stellte das Heroin aus importierten Grundstoffen zunächst selbst her, wollte die Sache (Produktion und Verteilung) 2001 abgeben, was sich schwierig gestaltete. Die Schweizer Pharmafirmen lehnten aus wirtschaftlichen und Image-Gründen ab, auch solche, die wie “Novartis” grossflächig aus importierten Rohstoffe bzw Zwischenprodukten opiathaltige Medikamente herstellen, für den globalen Export. Die anscheinend dafür gegründete Thuner Firma “DiaMo” begann, im Auftrag des BAG aus dem aus GB (Schottland; von UNODC überwachte Anbaufelder dort) importierten “Zwischenprodukt” (anscheinend fertiges Diamorphin) das Heroin bzw “Diaphin” (in Form von Injektionslösungen und Tabletten) herzustellen. Der Transport zu den Abgabestellen wird schwer überwacht. Das Modell fand einige Nachahmer, Niederlande, Dänemark, Grossbritannien, auch in Deutschland wird die kontrollierte Abgabe von reinem, medizinischen Heroin an ausgewählte Süchtige vorsichtig wieder zugelassen. Entspricht das so abgegebene Heroin den Medikamenten, die man einem schwerstabhängigen lungenkranken Raucher auch nicht vorenthält, oder den Zigaretten für diesen Raucher?

De Ridder bedauert in seinem Buch (s.u.), dass Heroin in den allermeisten Ländern vollständig verboten ist, und nicht als potentes Schmerzmittel für Extremfälle verfügbar ist. In Grossbritannien wurde Heroin als Arzneimittel nie verboten, „medizinisches Heroin“ (dort auch hergestellt) wird dort als Schmerzmittel verwendet. Ansonsten ist das global evtl. noch in Kanada der Fall. Beim Gebrauch von reinem Heroin sind einige der Gefahren des Schwarzmarkkonsums nicht gegeben. Aber am Suchtpotential ändert sich nichts.

Ausweichmittel für Heroinsüchtige sind v.a. opiathaltige bzw -ähnliche Medikamente, von codein-haltigen Hustensäften über Schmerzmittel wie “Valoron” (Tilidin) oder Fentanyl (ein vollsynthetisches opioides Analgetikum/Anästhetikum), auch DXM. Gelegentlich taucht Morphium (s.o.), das aus legalen Verschreibungen oder Krankenhaus-Diebstählen stammt, in der H-Szene auf.

Heroin ist nach wie vor eine der stärksten und gefährlichsten Drogen, neben Crack und Crystal Meth wahrscheinlich. Wie auch die anderen wirklich gefährlichen Drogen ist es aus der chemischen Isolierung von pflanzlichen Inhaltsstoffen und ihrer Verarbeitung zu Medikamenten im 19. und 20. Jh hervorgegangen. Möglicherweise ist nicht die Vermarktung von Diamorphin/Heroin als Arzneimittel an sich ein Kandidat für die Irrtümer-Liste, sondern die Bayer einst vorgenommene. Schwächere, bekömmlichere und ursprünglich in Kulturen integrierte Mittel wie Opium und Koka sind die Verlierer einer Entwicklung, die jene der grossen Weltpolitik wiederspiegelt, und deren Widersprüchlichkeit schon ziemlich am Beginn, im Opiumkrieg gegen China, erkennbar ist.

Wahrscheinlich nicht ernst gemeint
Wahrscheinlich nicht ernst gemeint

An Heroin starben direkt, durch eine versehentliche (?) Überdosis u.a. “Jim” Morrison, Philip S. Hoffman, Janis Joplin, Timothy Buckley, J.-M. Basquiat, “Sid Vicious”, Brad Renfro, Hillel Slovak, D. D. Ramone, Peaches Geldof, “Lenny Bruce” (möglicherweise auch durch Morphium), Chris Farley (Speedball?), Hans Dujmic. Der Jazztrompeter “Chet” Baker fiel unter dem Einfluss von Heroin und Kokain vom Balkon eines Hotels; John Belushi starb an so einer “Speedball”-Mischung, er aber von der Mischung an sich, wie auch River Phoenix; Kurt Cobain nahm eine Heroin-Überdosis, erschoss sich bevor sie richtig zu wirken begann, in seiner Villa in Seattle, 1994

Überlebt haben ihren Heroin-Konsum u.a. “Coco” Chanel (nahm H neben anderen Opiaten, hat bis ins hohe Alter sauberen Stoff konsumiert, konnte sich das leisten), David Bowie (teilte sich eine Zeit lang eine Wohnung in Berlin-Schöneberg mit Iggy Pop), Ray Charles, William Burroughs (nahm von allen Opiaten), Keith Richards (bislang), Angelina Jolie, “Charlie” Parker, Billie Holiday (diese beiden starben an alkoholbedingten Krankheiten), Jimi Hendrix (starb auch an anderen Drogen), Eric Clapton, Samuel L. Jackson, Jörg Fauser, Robert Downey,… Genommen haben soll es auch Robert Kennedy; wenn, dann ist das bei ihm nie richtig “auf Touren gekommen”. Sein Sohn wurde einmal damit geschnappt.

Literarische Behandlungen der Heroin-Sucht gibt es neben der Christiane-Felscherinow-Erzählung aus dem West-Berlin der 1970er (sie lebt noch immer von den Tantiemen ihrer Drogen-Erzählungen und nimmt noch immer Methadon zur Substitution) von W. S. Burroughs in “Junkie” oder Irvine Welsh in “Trainspotting”. Von einem Rudolf Brunngraber erschien 1951/52 “Heroin. Roman der Rauschgifte”, faktisches und fiktives dazu, u.a. über die frühe Welle in Ägypten.

In Filmen wie “Candy”, “Requiem for a dream” oder “Trainspotting” werden Sucht sowie Enzug, Beschaffungskriminalität, Verfall, familiäre Konflikte von Süchtigen dargestellt. Filme in denen Heroin-Handel/-Kriminalität eine Rolle spielen und nicht der Gebrauch bzw die Sucht an sich, gibts viele mehr, zB “The French Connection” (basierend auf einem Sachbuch), den DDR-Film aus 1968 namens “Heroin” oder “The Big Easy”.

Davon handelnde oder davon inspirierte Songs, die auch die Verbindung der Kultur dieser Droge mit jener des Pops und Rocks unterstreichen und in denen meist persönliche Erfahrungen der Stars verarbeitet wurden: der nach ihr benannte von Lou Reed/Velvet Underground (1967), John Lennon 1969 über “Cold turkey”, den kalten Entzug, “Dead Flowers” & “Brown sugar” von den Rolling Stones, “Running to stand Still” (U2), “The Needle and the Damage done” (Neil Young), “The needle and the spoon” (Lynyrd Skynyrd), “Smack Jack” von Nina Hagen, “Lust for life” (Iggy Pop), “King Heroin” v. James Brown, “Beetlebum” (Blur), “H” (Böhse Onkelz),…; …und solche, die “verdächtigt” werden, davon zu handeln: “Coming Down Again” von den “Stones”, “Hotel California” (Eagles), “Bridge over troubled water” (!; Simon & Garfunkel), “Comfartably numb” (Pink Floyd), “Perfect day” (L. Reed), “Down in a hole” (Alice in the chains), “Dancing in glass” (Mötley Crüe), “Under the Bridge” (RHCP), “Golden Brown” (Stranglers), “Space Oddity” (David Bowie), “Gold Dust Woman” (Fleetwood Mac)

Material:

Michael de Ridder: Heroin. Vom Arzneimittel zur Droge (2000). De Ridder, der beruflich mit Heroinsüchtigen zu tun hat, ist es gelungen, in die Bayer-Firmenarchive vorzudringen.

Alfred W. McCoy: Die CIA und das Heroin (2003)

Präsentation zur Geschichte des Heroins

https://www.unodc.org/documents/wdr/WDR_2010/1.2_The_global_heroin_market.pdf