Echter Sex in Filmen

In welchen (Nicht-Porno-)Filmen gibt es echten (nicht vorgespielten) Sex? In der Regel ist Film-Sex vorgespielt, früher auch der in Pornos. Es ist normalerweise die Aufgabe eines Schauspielers, auch bei einer Sexszene möglichst echt zu wirken (ohne dass sie echt ist). So wie beim Weinen oder bei körperlichen Schmerzen.1 Die Definition von echtem Sex ist natürlich nicht so einfach (wo beginnt er?), und ein Erkennen von diesem auch nicht (Spielfilme sind schliesslich die Kunst des Vor-Spielens). Und selbst wenn es noch so offensichtlich ist, können immer noch Body Doubles oder Geschlechtsorgan-Prothesen am Werk gewesen sein.2 Daher muss man ein wenig Sekundärquellen heran ziehen. Von vielen Filmen gibt es auch verschiedene Versionen/Schnitte3. Echter Sex im Film kann verschiedene Gründe haben: Die Szene wirkt dadurch realistischer/authentischer; die Schauspieler können sich stärker mit ihrer Rolle identifizieren. Gaspar Noé sagte über die diesbezüglichen Schwierigkeiten: für einen Schauspieler könnte es schwierig sein, eine Erektion zusammen zu bekommen, wenn auch nur eine kleine Film-Crew zugegen ist; die Filmpartner können Partner im Leben haben, die Probleme damit haben. Die Akteure wissen auch, dass sie bei etwas (normalerweise) Intimem für “die Ewigkeit” aufgenommen werden. Manche Leute halten dies für “billig”, doch man kann Schauspieler, die dermaßen weit gehen, um ihre Rolle noch authentischer und glaubwürdiger zu spielen, auch Respekt entgegen bringen.

Etwas zur Abgrenzung von Porno-Filmen: Bei Pornografie geht es ja primär darum, Betrachter (durch die deutliche Darstellung von Sexualität) sexuell zu erregen.4 Echter Sex im Sinne von tatsächlich vollzogenem Geschlechtsverkehr (Penetration, welcher auch immer) gehört normalerweise zu einem Porno. Manchmal genügen aber dazu auch schon Grossaufnahmen von erregten Geschlechtsteilen (erigierter Penis bzw. geöffnete Vagina). Die Abgrenzungen von Softpornos/Erotikfilmen oder Sexploitation-Filmen zu erotischen “Mainstream”-Filmen (Handlungsfilmen?) ist natürlich auch oft schwierig. “Mainstream” bedeutet auch, dass der Film in normale Kinos kam, usw. Filme wie diese (die echte Sexszenen haben) werden hier nicht berücksichtigt, da zu sehr in der “Porno-Ecke”: “Gift” (1966, Dänemark),  “99 Women” (1969, Jess Franco, gibt verschiedene Fassungen davon), “Stille Tage in Clichy” (1970, Jens J. Thorsen, Henry Miller-Verfilmung), die “Schulmädchen-Report”-Filme (bzw Verfilmungen, 1970-1980), “Slaughter Hotel” (1971), “Secret Rites” (1971, eine Pseudo-Doku), “Die Stossburg” (1973, Franz Marischka, mit Dagmar Wöhrl alias „Sandra Monte“), “A Scream in the Streets” (1973), “The Devil’s Plaything” (1973, Joseph Sarno), “Immoral Tales” (1974, Walerian Borowczyk), “L’Orgia” (1978, Spanien), “Perdida em Sodoma” (1982, Brasilien),…5

9 Songs (2004): Der Film von Michael Winterbottom besteht hauptsächlich aus unsimuliertem Sex, zwischen Kieran O’Brien und Margo Stilley, darunter “normaler” Verkehr, oraler und eine sichtbare Ejakulation

Im Reich der Sinne (1976): Auf einer von Sada Abe verfassten Geschichte basierend, regte der Film mit tatsächlich dafür vollzogenem Sex und einem simulierten Penektomie-Ende so auf, dass sich Regisseur Nagisa Oshima dafür in Japan vor Gericht verantworten musste, Szenen wurden aus dem Film rausgeschnitten. Auch in der BRD und so gut wie allen anderen Staaten gab es Einschränkungen verschiedenster Art für die Vorführung dieses Films.

Deep Throat (1972): Eigentlich ein Pornofilm, auch weil die Darsteller und die Macher aus diesem Milieu kommen. Aber einer der in den nicht-pornografischen Vertrieb kam. Darstellerin Linda “Lovelace” (Boreman) wurde übrigens in späteren Jahren eine Aktivistin gegen das Porno-Geschäft.

Anatomie de l’enfer (2003): In diesem Film von Catherine Breillat geht es hauptsächlich um den weiblichen Körper und den männlichen Blick darauf. Der Film enthält Nahaufnahmen einer Scheide, das Einführen von Gegenständen dort hinein und in den Anus, das Bemalen dieser Körperöffnungen mit Lippenstift, und die Thematisierung der Menstruation: nicht-simulierter Sex in den Tagen dieser, das Schmieren von Menstruationsblut in das Haar des Mannes, das Trinken eines Wassers, in das ein blutiger Tampon getaucht wurde,… Hauptdarstellerin Amira Casar wurde bei einigen Aufnahmen gedoubelt, in der männlichen Rolle ist Rocco Siffredi (eigentlich ein Pornodarsteller) zu sehen.

Shortbus (2006): John C. Mitchell wollte Sex cineastisch “neu” behandeln, da er “zu interessant ist, um ihn dem Porno zu überlassen”. Die Handlung dreht sich um verschiedene Wege zur Sexualität, wenn man so will, die Sexszenen zeigen hauptsächlich Gruppensex-Parties, die grossteils mit Laiendarstellern gedreht wurden6

Sweet Sweetback’s Baadasssss Song (Sweet Sweetbacks Lied, 1971): Ein schwarzer Stricher muss sich gegen die Polizei von Los Angeles behaupten. Regisseur Melvin Van Peebles musste den Film unabhängig machen, da ihn kein Filmstudio finanzieren wollte. So schrieb er auch das Drehbuch, komponierte die Musik, produzierte den Film,… und spielte die Hauptrolle, machte dabei alle Stunts und Sexszenen selbst. Diese Szenen wurden so echt gespielt, dass er sich dabei eine Geschlechtskrankheit zuzog. Sein Sohn Mario war auch dabei.

Baise-moi – Fick mich! (2000): Der Film streift zumindest am Porno, auch wegen der Haupt-Darstellerinnen. Es beginnt mit einer Vergewaltigungsszene, die natürlich gespielt ist, aber mit echter (vaginaler) Penetration, und geht weiter mit Szenen, die nicht gespielt gespielt wurden.

Love (2015): Im Gegensatz zu früheren Filmen inszenierte Gaspar Noé hier konsensualen und warmen Sex, aber eben teilweise nicht simulierten (den er mit gespieltem vermischt). Die körperliche Liebe, so Noé, ist hier genau so wichtig wie die Handlung. Zu den unsimulierten Sexszenen gehört eine Ejakulation, die in dem 3D-Film Richtung Kamera bzw Zuseher geht.

Blau ist eine warme Farbe (2013): In dem Film von Abdellatif Kechiche über eine lesbische Liebe gibt es ausführliche Sex-Szenen, aber mit Vagina-Prothesen. Die hat Spezialeffekt-Maskenbildner Pierre O. Persin angefertigt, er durfte Lea Seydoux und Adèle Exarchopoulos die “Fake-Pussys“ (hauptsächlich aus Haaren bestehend) anpassen.7 Seydoux: “Wir wollten ja auf der einen Seite unsere Körper ganz nackt zeigen. Alles andere wäre verlogen gewesen. Aber auf der anderen Seite mussten wir auch dem Verdacht entgegentreten, dass wir einen Porno drehen. Also haben wir diese Perücken angepasst bekommen und schon haben wir uns … nicht mehr so nackt gefühlt.” Seydoux auch: “Ich habe im echten Leben noch nie eine Frau geliebt…Durch Absprachen und die Perücken war eine Künstlichkeit hergestellt, die für diesen Film nötig war und funktioniert hat. Ohne all das hätte ich den Film nicht gemacht. Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten sollte”.

Pola X (1999): Die Sex-Szenen zwischen “Pierre” (Guillaume Depardieu) und “Isabelle” (Yekaterina Golubeva) wurden zT (die explizitesten) gedoubelt, aber nicht alle. Echter Sex, zT durch Andere als von Depardieu und Golubeva, zT in blaue Schatten getaucht. Hinzu kommt, in narrativer Hinsicht, dass die Beziehung eine inzestuöse ist.8

Romance (1999): Zugegeben, eher ein “Kunstfilm” (art house) als einer für das Massenpublikum; aber eben kein Porno. Catherine Breillat inszenierte Sex v.a. zwischen Caroline Ducey und Rocco Siffredi, den diese am Set auch tatsächlich vollzogen.

Ein Liebeslied (Un chant d’amour, 1950): In Jean Genets Kurzfilm geht es um einen Gefängniswärter und einen Häftling, und ihre von Gewalt und Sexualität geprägte “Beziehung”. Aufregung gab es um die explizite Darstellung von Masturbation (des Häftlings, die den Wärter erregt), aber auch wegen des homosexuellen Charakters der “Beziehung”.

Nymphomaniac (2013): Lars von Trier inszenierte einen Sexfilm mit Shia LaBeouf und Charlotte Gainsbourg in den Hauptrollen, mit Penis- und Vaginaprothesen sowie Körper-Doubles. Der Sex wurde von Pornodarstellern, die als Doubles agierten, gefilmt und dann (über Computersimulationstechnik) mit mit den Köpfen und Beinen der eigentlichen Schauspieler “versehen”. Gainsbourg: “Man sieht eine echte Vagina, in einer Nahaufnahme, wenn sie einen Orgasmus hat. Nicht meine, sondern die vom Pornodouble. Das ist ein sehr seltsames Gefühl, das zu sehen. Es ist wie ein anderes ‘Gesicht’ auf meinem. Als ich das gesehen habe, wollte ich schreien: ‘Das bin nicht ich!'”.

Frankreich privat – Die sexuellen Geheimnisse einer Familie (2012): Das erklärte Ziel von Jean-Marc Barr war es, eine alternative Wahrnehmung von Sex zu der von der Pornoindustrie zu schaffen und gleichzeitig die Energie einer leichten Komödie zu transportieren. In Frankreich erschien der Film in zwei Versionen: einer „entschärften“ Kinofassung und einer „expliziteren“ auf DVD. Alle Sexszenen sollen “echt” sein.

Der letzte Tango in Paris (1972): In Italien, dem Heimatland von Regisseur Bernardo Bertolucci, wurde der Film bei seinem Erscheinen gänzlich verboten. Es gibt eine Szene, eine anale Vergewaltigung, in der ein Stück Butter als Gleitmittel eine Rolle spielt, die etwas von echtem Sex hat. Dieser Sex war für die von Maria Schneider gespielte Filmfigur unfreiwillig, für die Schauspielerin anscheinend auch. Es war nicht echt im Sinne von Eindringen, aber das Eincremen mit Butter. Schneider wusste vor dem Dreh nichts von der Szene, sie stand auch nicht im Drehbuch; Bertolucci konspirierte dabei mit Brando, da er “nicht die Reaktion einer Schauspielerin sondern eines Mädchens wollte.” Schneider: „Es war eine unglaubliche Erniedrigung. Das waren echte Tränen. Ich fühlte mich vergewaltigt.“9

8mm 2 (2005): Viele authentische Sex-Szenen, nur für den Heimvideomarkt

Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don’t Look Now, 1973, Nicolas Roeg): Enthält eine Liebesszene von Donald Sutherland und Julie Christie, in Zwischenschnitten erzählt, von der die explizitesten Teile meist herausgeschnitten sind, er leckt sie, sie haben Verkehr, scheinbar echten; Christies damaliger Partner Warren Beatty soll versucht haben zu intervenieren, Sutherland hat die Authentizität dementiert

Antares (2004): In dem Film von Götz Spielmann geht es um 3 miteinander verknüpfte Geschichten/Beziehungen; der Sex zwischen Petra “Morze” (Kogelnik) und Andreas Patton ist jedenfalls sehr explizit dargestellt, scheint tatsächlich vollzogen worden zu sein (“klassische” Penetration)

The Brown Bunny (2003): Enthält eine Szene, in der Regisseur Vincent Gallo (als Darsteller) von seiner damaligen Partnerin Chloë Sevigny oral befriedigt wird. Eine Regisseurin (die mit „Brown Bunny“ nichts zu tun hat) hat behauptet, in der fraglichen Szene eine Prothese erkannt zu haben. In Cannes 03 stritt Gallo mit Filmkritiker Roger Ebert über den Film

Die Idioten (1998): In Lars von Triers Film gibt es eine Gruppensex-Szene, in der auch echter Sex zu sehen ist, der allerdings von Pornodarstellern aufgeführt wurde

Lust, Caution (2007): Im Erotik- und Spionagethriller von Ang Lee mit Tang Wei und Tony Leung gibt es einen Verkehr, der echt gewesen sein dürfte10

Hundstage (2001): Wie bei Robert Altman geht es in diesem Ulrich-Seidl-Film um verschiedene Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind. Und wie eigentlich immer bei Seidl um verschiedene österreichische Realitäten. Am Beginn des Films eine Sexclub-Szene mit Claudia Martini mit verschiedenen echten sexuellen Aktivitäten. Was aber nichts gegen die Sexualität und Gewalt ist, die dann kommt, in verschiedenen Formen. Die “Lehrerin” uriniert wahrscheinlich echt, wovon das Geräusch zeugt. In dieser Episode stellt sich auch die Frage nach der Definition von echtem Sex; wenn ihr “Wickerl” mit den Fingern an (in?) das Geschlecht fährt und kommentiert “Saftelst aber ordentlich”. Es folgen ein Erbrechen das echt sein könnte und eine Misshandlung der Frau, die sehr echt wirkt (im Gegensatz zu der, die “Lucky” dann an “Wickerl” ausübt). Auch der “Eifersüchtige” (Rene Wanko) mit seinen verbalen und handgreiflichen Aggressionen gegen eine andere Frau (Franziska Weisz) wirkt beunruhigend authentisch. Bei der “Autistin” (Maria Hofstätter) wird Sexualität und Intimität verbal thematisiert, ggü jenen Autofahrern, die sie mitnehmen (zB “Kriagst du no d’Regel?”). Auch Senioren-Sex kommt vor

Caligula (1979): Malcolm McDowell als der römische Kaiser, der als sex-besessen dargestellt wird, was historisch fragwürdig ist.11 Der Film drückt sehr den Geist der 1970er aus, hat etwas von einem “Trash-Film” und auch von einem Porno, zumindest die ungeschnittene Version

Pink Flamingos (1972): Der Film von John Waters enthält eine Nahaufnahme vom Oralverkehr 2er Männer

Intimacy (2001): Darin geht es um eine rein sexuelle Beziehung, die auch Oralverkehr umfasst, den die Schauspieler tatächlich aneinander vollzogen

Paradies: Liebe (2012): Im ersten Teil von Ulrich Seidls “Paradies”-Trilogie12 geht es um eine österreichische Sextouristin in Kenia, zwischen ihren Gelüsten, ihrer Verzweiflung, Barmherzigkeit, Ausgenützt-werden,… Die Frage, wie authentisch die Sache ist, stellt man sich bei Seidl-Filmen des Öfteren. Das betrifft auch die Sexszenen hier, es gibt diverse davon, aber keinen Vaginal-, Oral- oder Analverkehr oder eine sichtbare Ejakulation, aber zB eine halbe Erektion13

Lucia und der Sex (Lucía y el sexo, 2001): Unter den entsprechenden Szenen ist eine, die in der Filmhandlung für einen Pornofilm gemacht wird, Cunnilingus von “Lorenzo” an “Lucia” (Paz Vega)

Die Erben (1983): In der “längeren” Fassung wird bei der Szene mit Roger Schauer und Evelyn Faber14 klar, dass sie für den (bzw beim) Dreh echten Sex hatten. Es gibt 2 weitere Szenen, die nicht “gefaked” sein könnten. In “Herzklopfen”, dem nächsten Film von Nikolas Vogel, könnte der Sex auch teilweise echt sein

Der Fremde am See (2013): Der üppige nicht-simulierte Sex wurde zT von Doubles durchgeführt

Triumphmarsch (La Marche triomphale, 1976): Der Film mit Patrick Dewaere und “Miou-Miou” war ursprünglich als Porno konzipiert, wurde dann “umgeschnitten”, enthält aber immer noch viel “graphische” Darstellung von Sex15

Heimliche Spiele (Choses secrètes, 2002, Jean-Claude Brisseau): Zeigt zB öffentliche Masturbation einer Frau

1900 (1976): Eine Szene in der eine Prostituierte Hand an Depardieu und De Niro anlegt (bevor sie einen epileptischen Anfall bekommt)

Wilde Orchidee (1989): Die Schauspieler “Mickey” Rourke und Carre Otis waren damals ein Paar und taten vor der Kamera nicht nur so als ob, heisst es. Besagte Szenen sind jedoch nur in der “Heimkino”-Version zu sehen

Flesh (1968): Von Andrew Warhola, mit Joseph D’Allesandro

Spetters (1980): Ein Frühwerk von Paul Verhoeven mit einigen Hardcore-Sexszenen

Dogtooth (2009): Der Sex unter Geschwistern, die von den Eltern an der Nase herumgeführt werden, wird “semi-explizit” gezeigt

Ken Park (2002): Eine Begebenheit in diesem Film qualifiziert ihn für diese Aufreihung, männliche Masturbation

Wetlands (2013): Am Ende eine Szene, in der 4 Männer auf eine (Spinat-) Pizza masturbieren (und ejakulieren)

Emmanuelle (1974): Eine Szene mit einer asiatischen Tänzerin, die sich eine brennende Zigarette in die Vagina steckt und den Rauch hinterher von dort “ausbläst”16

Sade (2000): Behandelt den Gefängnisaufenthalt von Donatien de Sade während der Terrorherrschaft Maximilien de Robespierres 1794, basiert auf dem Roman “La terreur dans le boudoir”. In einer Szene dringt Daniel Auteuil mit Fingern in Isild Le Besco ein (oder in ihr Körper-Double)

W.R. – Mysterien des Organismus (1971): In dem jugoslawischen Film geht es hauptsächlich um die Beziehung zwischen Politik und Sexualität; es soll eine Szene darin geben, die ihn für diesen Artikel eignet

Weiters: All About Anna (2005, von Frauen für Frauen), Q (2011), Now & Later (2009),…

Little Ashes (2008): Robert Pattinson hat es sich vor der Kamera selbst besorgt, sagte er danach in einem Interview, aufgenommen wurde dabei aber nur sein Gesicht, das einen authentischen Orgasmus-Ausdruck bekommen sollte. Ein Grenzfall. Die Masturbationsszene in „Bad Lieutenant“ (1992) zeigt auch nicht das Glied und Harvey Keitel dürfte so getan haben als ob17 Nicht geklärt ist, ob bestimmte Sexszenen in diesen Filmen echt oder nur gut gespielt sind: “Leap year” (2010), “The diary of a teenage girl” (2015), “Der Liebhaber” (1992), “Cruising” (1980, Homosexualität), “Monster’s Ball” (2001), “Pornopung” (2013), “Nacktschnecken” (2004). Tom Cruise und Rebecca De Mornay waren 1982 beim Drehen von “Risky Business” ein Paar, die Sexszenen sollen eine gewisse Authentizität haben.18 In bzw für “Wild” mit Reese Witherspoon (2014) gab es keinen echten Sex, entgegen entsprechender Medienmeldungen. Bei den Dreharbeiten für “Spring Breakers” (2012) kam kam der Rapper Gucci Mane bekifft zum Set und schlief ein, während sich zwei Filmpartnerinnen einige Minuten lang auf ihm austobten (aber nur an Zehen und so).19 In “Drei” (2010) geht es relativ offen um Sex, aber nichts wurde explizit gemacht bzw gefilmt.

Sexualität kann in Filmen natürlich auch anders als durch Authentizität und Nacktheit dargestellt/ umgesetzt werden. In “Brokeback Mountain” waren nicht Sex-Szenen oder Nacktheit der “Aufreger”, sondern die gleichgeschlechtliche Beziehung. In “Lolita”, “American beauty” und “La Joven” ging es um Formen von Hebephilie. In der “Feuchtgebiete”-Verfilmung um die deutliche Sprache. In “Wolke 9” um Sex im Alter. In “Sleepers” um sexuellen Missbrauch (von Jugendlichen). In “Mississippi Masala” oder “Hochzeit in Galiläa” um Paarungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Ethnien. In “Herzflimmern” (1971) um eine ödipale Beziehung. In “Das Appartment” (1960) dreht sich im Grunde Alles um Sex, jedoch ist keine Haut unterhalb des Halses zu sehen. Auch in “Rosemary’s Baby” spielt sich Sexualität auf einer subtilen Ebene ab. In “Damage” oder “Die Klavierspielerin” gibt es expliziten (und realistisch simulierten) Sex, doch der ist “überschattet” von anderen Verstrickungen. In Filmen wie “Vom Winde verweht” oder “Frauenträume” (Ingmar Bergman) geht es um (die Sex manchmal zu Grunde liegenden) Liebesbeziehungen. In “The Sessions” geht es um die wahre Geschichte eines durch Kinderlähmung behinderten Erwachsenen (Mark O’Brien) und seine Sexualbegleiterin (dargestellt von Helen Hunt).20 In der “Name der Rose”-Verfilmung gibt es eine Sexszene, zwischen Mönch Adso von Melk (Christian Slater) und dem Bauernmädchen (Valentina Vargas), die sich weniger durch Nacktheit oder realen Sex auszeichnet (obwohl er sehr real wirkt)21. Die Szene stellt eine Konfrontation zwischen Trieb und Ratio dar, bzw zwischen Natur und Glauben; sie führt weg vom Hauptstrang der Erzählung (am Ende kommt es noch einmal zu einer wichtigen Konfrontation der Beiden).

Was Nacktheit ohne sexuelle Aktivität im (Mainstream-) Film betrifft, in der Hollywood war dies von den 1930ern bis in die 1960er durch den “Hays Production Code” geregelt. Daneben gab/gibt es in der USA anderen Staaten Regelungen bezüglich Freigabe bzw Zensur von Spielfilmen. “Die Sünderin” (1951) sorgte für Aufregung in der jungen BRD; aber nicht nur wegen der Nacktszene mit Hildegard Knef, sondern auch wegen der Thematisierung von wilder Ehe, Prostitution, Vergewaltigung, Sterbehilfe und Selbstmord. „Psycho“ (1960, Hitchcock) wurde ein Meilenstein der Filmgeschichte, wegen noch nie gezeigten Szenen von Gewalt sowie angedeuteter Sexualität: die Toilettenspülung, die Dusch-/Mordszene, Norman Bates’ Neigungen. Marli Renfro, ein Nacktmodel, machte jene Aufnahmen der Duschszene, in der “Janets” Gesicht nicht zu sehen ist. 1962 wurde “Something’s Got to Give” mit “Marilyn Monroe” gedreht, es sollte ihr letzter Film werden und er wurde nicht vollendet. Der Film sollte eine Neuverfilmung der Komödie “Meine Lieblingsfrau” aus 1940 werden. Für die Nacktszene im Schwimmbad nahm die Schauspielerin eine hautfarbene Badehose. Nach dem Drehen wurde Monroe noch darin und ohne fotografiert. In den Tagen nach dieser Szene meldete sie sich erneut krank, wurde daher gefeuert.

So wurde “Promises! Promises!” mit Jayne Mansfield 1963 der erste Mainstream-Film mit einem Nacktauftritt. In den 1960ern etablierten sich Nacktheit und Sex in Filmen, USA (Hollywood) mehr oder weniger der Vorreiter, echter Sex sowie männliche Nacktheit und Erektion blieben aber die Ausnahme.22 Bollywood ist heute noch prüde; “Kama Sutra” ’95 wurde in Indien als “Pornografie” gesehen, für den Westen war da “zu wenig”. Herausragend war “Prêt-à-Porter” (1994), bzw sein Ende, mit den nackten Models und der schwangeren Ute Lemper. In der Verfilmung von “Das Parfum” (06 in die Kinos) gibt es am Ende ja die Orgien-Szene angesichts der vermeintlichen Exekution, mit 750 Menschen die sich auszogen; Regisseur Tom Tykwer sagte in einem Interview dazu, “Wir wollten … keinen infernalischen Höllenrausch fickender Leiber zeigen, sondern ein überwältigendes Liebes- und Umschlingungsgefühl…Nach ein paar Tagen waren alle so an ihre Nacktheit gewöhnt, dass sich niemand mehr zur Mittagspause angezogen hat. Es war wie in einem Nudistencamp…Keiner hat ein Problem, sich auszuziehen, wenn sowieso alle nackt sind. Aber fass mal jemanden an, den du nicht kennst. Du stehst da und sollst inmitten von Hunderten Nackten jemandem an den Busen fassen.” Sienna Miller musste für den (auch unveröffentlichten) Film „Hippie Hippie Shake“, welcher in der Hippie-Zeit spielt und 2007-09 gedreht wurde, für einige Nacktszenen nachträglich am Computer mit Schamhaaren versehen werden. Da zu jener Zeit die heute unter Jugendlichen häufige Entfernung der Schamhaare noch nicht verbreitet war, hätten die Szenen sonst unauthentisch gewirkt.

  1. Echte Gewalt in Filmen, zum Vergleich, ist beschränkt auf Snuff-Filme und Dokus
  2. Gesicht und Genitalien zusammen sind heikel
  3. Eine Möglichkeit der Entschärfung ist auch, bestimmte (Körper-) Teile zu verpixeln
  4. Oder irgendwelche Moralisten, anders. Oder Voyeuristen anzuziehen
  5. Mainstream-Filme mit (gestelltem) Sex und/oder Nacktheit fast wie in Pornos sind zB „Basic Instinct“ (1992), “American Pie”, “Don Juan 73”, “Henry & June”, “Showgirls”, “Walkabout”, “Piranha 3D”, “American Psycho”, “Eyes wide shut”, “Antichrist”, “Striptease”, “Heavens Gate”, “The Garden”, “Belle de jour”, “Lady Henderson präsentiert”, “Lady Chatterley” (Pascal Ferran), “Fifty Shades of Grey”, “Der Pool”, “Die Träumer”, “Last Picture Show”, “Turks Fruit”(Niederlande 1972, Paul Verhoeven, mit Rutger Hauer und Monique van de Ven), “Die 120 Tage von Sodom” (“Salò o le 120 giornate di Sodoma”, 1975, Pier P. Pasolinis letzter Film, basiert auf dem Buch “Die 120 Tage von Sodom” des Marquis de Sade, Handlung in das Italien des Faschismus verlegt, offene aber simulierte Darstellung von Gewalt und erzwungenem Sex), “Blue Movie” (1969, Andy Warhol, soll “Letzter Tango von Paris” beeinflusst haben), “Es brennt in mir” (2003, Laura Smet), “A Real Young Girl” (1976, mit Charlotte Alexandra Seeley, Regisseurin Catherine Breillat, bis um 2000 war der Film in den meisten Ländern verboten, aufgrund der deutlichen Zur-Schau-Stellung von Geschlechtsorganen und der Entladung diverser Körperflüssigkeiten), “Solo für Klarinette” (1998, eine Szene mit Götz George und Saskia Vester), „Die Liebhaberin“ (2016, Argentinien), „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ (1986), “Atemlos”, die “Nathalie-Babystrich”-TV-Filme mit Anne-Sophie „Briest“ (besonders die Teile 1 und 2)
  6. “Statist” ist ein dehnbarer Begriff
  7. Das Filmen dieser Arbeit bzw das Making-of des Films hätte “es” in sich gehabt
  8. So etwas wurde auch in “Close my Eyes” thematisiert, auch ziemlich “deutlich”
  9. Suzanne Moore schrieb dazu im „Guardian“: „Last Tango’s abuse reveals the broken promise of the 1970s sexual revolution“
  10. Auf gutefrage.net antwortete Einer: “Die Szenen wirken erstaunlich echt (z. B. Hautrötungen, zusammengezogener Hodensack) und in einigen Einstellungen sieht es ganz danach aus, als ob er (Tony Leung) erigiert in sie (Tang Wei) eindringt.”
  11. Es gibt zwar derartige zeitgenössische Beschreibungen, doch in der römischen politischen Kultur gingen politische Gegnerschaft oft Hand in Hand mit Zuschreibungen von Verrücktheit und sexueller Abartigkeit
  12. > 2012: Paradies: Glaube, 2013: Paradies: Hoffnung
  13. Und den Kommentar “So an hoibwachen kriagt da Kurt a no zom”
  14. Erzählt als Rückblick eines Beobachters
  15. Ähnlich war es bei “Alice in Wonderland” (1976), “Café Flesh” (1982) oder “Stocks and Blondes” (1984, ursprünglich als “Wanda Whips Wall Street” raus
  16. Die “Emmanuelle”-Nachfolgefilme bzw Fortsetzungen sind wahrscheinlich als Pornofilme zu klassifizieren
  17. www.youtube.com/watch?v=B2WuD4zRlaY
  18. Manchmal stehen Paare gemeinsam vor den Kameras, wie Basinger und Baldwyn in “Getaway” (1994), oder ist echte Liebe dabei im Entstehen, wie zwischen Polanski und Tate in “Tanz der Vampire” oder Cruise und Kidman in “Days of thunder”
  19. “We were working 12-hour days, and then I was going out at night. The last scene I shot was my big sex scene, and by that point I was exhausted. There had been pounds of this fake herbal weed on set, but that junk gave me a headache, so I stuck to smoking Kush . . . It was 4 in the morning, and even with these two naked bitches on me — one was riding me while the other sucked my toes — I couldn’t keep my eyes open. I was knocked out, snoring . . .”
  20. Hunt in einem Interview: “Ich hatte ehrlich gesagt noch nie von diesem Job gehört. Anfangs dachte ich das Gleiche, was auch der Priester in unserem Film denkt: Im Grunde ist das nichts anderes als eine Prostituierte. Aber dann habe ich die Frau getroffen, auf deren Leben meine Figur basiert, und ich habe auch mit Menschen gesprochen, mit denen sie arbeitet: Prostatakrebs-Überlebende, Frauen, die ihren Körper für entstellt halten, 70-jährige Männer, die nie Sex hatten, weil sie sich ihr Leben lang geschämt haben. Als diesen Menschen hat Cheryl Cohen-Greene geholfen, zu einer eigenen Sexualität zu finden. Das hat mit einer Prostituierten nichts zu tun.”
  21. Wenn Slater beim Dreh einen “Ständer” bekommen hat, ist der Sex i-wie echt geworden
  22. Erektionen (ohne sexuellen Akt) in Nicht-Porno-Filmen gibt es u.a. in: “Boys in the Sand” (1971), “Die Mysterien des Organismus” (1971), “Score” (1974), “Im Lauf der Zeit” (1976), “Loads” (1980), “Taxi zum Klo” (1980), “Hard” (1998), “Killing Me Softly (2002), “Lie with me” (2005), “Destricted” (2006), “Chloe” (2009), “Marfa Girl” (2012), „Spies & Glistrup“ (2013)

Hochstapler, Schwindler, Betrüger, Fälscher, Dilettanten

* Der “Graf von Saint Germain” (auch “Aymar de Betmar” uva Namen) war ein Abenteurer, Geheimagent, Alchemist, Okkultist und Komponist im Frankreich des 18. Jh. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden, die teilweise von ihm selbst geschaffen wurden, angefangen bei seinem Namen

* „Baron“ Hieronymus von Münchhausen, ein deutscher Adliger aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, 18. Jh, dem legendäre Lügengeschichten zugeschrieben werden. Ende dieses Jh. brachte ein Rudolf Raspe die erste literarische Verarbeitung dieser heraus

* Frank Abagnale. Leonardo di Caprio, der ihn im Film darstellte, ist ein Erwachsener, der wie ein Jugendlicher aussieht, bei Abagnale war es umgekehrt

Frank Abagnale

* Franziska Schanzkowska aus Westpreussen (aus einer polnisch-deutschen Ehe), die sich später Anna Anderson nannte, behauptete ab 1922 (zunächst in Berlin), die Tochter des letzten russischen Zaren, Anastasia Romanova, zu sein und die Exekution der Zaren-Familie überlebt zu haben. Ein Teil der russischen Monarchisten glaubte ihr. 1991, in der Endphase der Sowjetunion, fand die Bergung der Leichen der Romanov-Familie in Jekaterinburg statt; 7 Jahre nach dem Tod von Schanzkowska/Anderson in der USA. ’94 wurde die DNA der Romanovs mit jener der angeblichen Prinzessin verglichen, seither sind die Ansprüche eigentlich vom Tisch.

1605/06 gab es einen russischen Zaren, Dimitri II., der die Verwandtschaft mit den damals herrschenden Rurikiden wahrscheinlich nur behauptete, und den Thron usurpierte, zuvor hiess er Grigorij Otropeyev. Kuckuckskinder in Familien herrschender Adeliger, ausser-familiäre Usurpatoren, falsche Prinzen (wie Karl W. Naundorff) und Adelige gab es immer wieder durch die Jahrhunderte, rund um die Welt. Kaspar Hauser hat eine adelige Herkunft selbst nie behauptet, heute scheinen aber die Zweifel an seiner Kerker-Erzählungen und den Attentaten auf ihn zu überwiegen; da man aber nicht sicher sein kann, wird er hier nicht als Betrüger gelistet.

* Han van Meegeren, einer der bedeutendsten Kunstfälscher der Geschichte

* Charles Ponzi, der italienisch-amerikanische Betrüger, liess u.a. Leute Geld in den Handel mit internationalen Antwortscheinen investieren. Das System brach zusammen, als mehrere Leute gleichzeitig ihre Gewinne ausbezahlt haben wollten. Eigentlich etwas anderes als ein Pyramidenspiel oder Schneeballsystem (> Albanien 97), wird Ponzi-Schema auch als Synonym dafür verwendet

* Lafayette R. Hubbard, Sektengründer, davor SF-Autor und Seemann. Die eigentliche religiöse „Lehre“ bei Scientology ist unbedeutend, es ging bei der Schaffung als „Religion“ um Steuervermeidung. Hubbard ist daher noch mehr Scharlatan bzw falscher Prophet als Joseph Smith oder „David Koresch“

* Günter Guillaume, eine der berühmtesten Ostblock-Spione im Kalten Krieg

* Wilhelm Voigt, der „Hauptmann von Köpenick“

* Frédéric Bourdin

* Konrad Kujau, Fälscher der Hitler-Tagebücher

* Der Briefträger Gert Postel schaffte es mehrmals, als Arzt angestellt zu werden. Wenn er in Talkshows eingeladen wird und darüber redet, stapelt er wiederum hoch, übertreibt maßlos… Arzt scheint für Hochstapler einer der attraktivsten Beruf zu sein. Leander Tomarkin, Ferdinand Demara, Gerald Barnbaum sind einige andere falsche Ärzte

* Alessandro di Cagliostro vulgo Giuseppe Balsamo

* Hugo Baruch (“Jack Bilbo”, Deutschland 1907-1967)

* Edward Kelley, England 16. Jh, wird auch mit der Produktion des Voynich-Manuskripts in Zusammenhang gebracht

* Victor Lustig wurde bekannt als der Mann, der den Eiffelturm verkaufte

* Arnaud du Tilh gab sich im Frankreich des 16. Jh als der verschwundene Martin Guerre aus, täuschte alle und führte dessen Leben…bis der echte zurückkehrte. Oft künstlerisch verarbeitet

* Claude Khazizian hat sich bei hochrangigen Veranstaltungen immer wieder unter die geladenen Gäste geschmuggelt

* Charles und Frederick Gondorff zogen im frühen 20. Jh in der USA mehrmals einen Trick ab, der als „The Wire“ bekannt wurde: Betrug mit Pferderennen-Wetten über den zeitlichen Vorsprung bei der Weitergabe der Ergebnisse mit Telegraphie; dies wurde von David Maurer im Buch „The Big Con“ geschildert, der Film „The Sting“/“Der Clou“ basiert teilweise darauf

* Johann Böttger, 17./18. Jh, HRR, war Miterfinder des europäischen Hartporzellans, hat sich lange daran versucht, Gold herzustellen

* Sarah Edmonds nahm als “Franklin Thompson” auf Seite der USA (bzw Nordstaaten) am amerikanischen Bürgerkrieg teil

* Alves dos Reis, portugiesischer Geldfälscher

* Harry Domela: Der Baltendeutsche, im Russischen Zarenreich geboren, gab sich in der Weimarer Republik als Hohenzollern-Prinz aus; wechselte öfters die politischen Lager und seine Heimatländer

* Enric Marco, falsches Nazi-Opfer; > Tania Head, falsches 9/11-Opfer

* Frank Farian/Franz Reuther sang für von ihm produzierte Bands wie Milli Vanilli oder Boney M. zT selbst

* Zauberkünstler wie “David Copperfield” oder Uri Geller, irgendwie

* Mary Toft hat im England des 18. Jh behauptet, Hasen zur Welt gebracht zu haben

* Der 1912 in England gefundene Piltdown-Schädel ist erwiesenermaßen eine Fälschung, offen ist, wer dafür verantwortlich war; möglicherweise der Finder, Charles Dawson

* Erich von Däniken vielleicht und so mancher andere aus dem esoterisch-pseudo-wissenschaftlichen Bereich; wobei das Pseudowissenschaftliche nicht auf die Esoterik begrenzt ist

* Doug Bower und Dave Chorley sind zumindest für einige Kornkreise verantwortlich; Robert Wilson hat das berühmte “Nessie-Foto” gestellt

* Dilettanten: Florence Foster-Jenkins, die „schlechteste Sängerin aller Zeiten”; Robert Coates (Möchtegern-Schauspieler); Paris Hilton; Hubertus (von) Hohenlohe;

* Falsche Akademiker, solche die ihre Abschlussarbeit plagiierten und denen der Titel bzw der Abschluss daher aberkannt wurde, wie Karl-Theodor zu Guttenberg

* Der iranische Einwanderer Anoushirvan Fakhran gab sich in USA als Sohn von Steven Spielberg aus

* Weiters: Nicholas Leeson, Fritz Rössler, Gregor MacGregor, Steven J. Russell, George Psalmanazar, Robin van Helsum, Phineas T. Barnum, Christian Gerhartsreiter, William Thompson, Madhura Nagendra (Olympia-Eröffnung 12), Georges Manolescu,…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wichtigsten Westblock-Überläufer im Kalten Krieg

Es geht hier also um prominente Überläufer in den Ostblock zur Zeit des Kalten Kriegs. Als Überläufer sind nur jene zu werten, die in ihrem Staat/System eine Funktion inne hatten (und sei es eine als einfacher Soldat)! Und natürlich nur Aufgeflogene bzw “Bekennende”, nicht solche, die nur verdächtigt wurden/werden. “Maulwürfe”, also Personen, die in eine Organisation verdeckt eindringen, und nicht überlaufen, sind auch dabei. Reine Deserteure sind nicht berücksichtigt, solche die in ein neutrales “Lager” überliefen.

Auch Überläufer vor und nach dem Konflikt (Kalter Krieg) werden nicht gezählt, also zB Rosenblum/Reilly, der aus dem Russischen Reich nach Grossbritannien ging, Geheimdienst-Arbeit für Russland, GB, Deutschland, Japan leistetet, 1925 starb. Oder Günter Schabowski, der Mitglied des Zentralkomitees der SED in der DDR war, nach dem Aufgehen der DDR in der BRD die CDU untersützte. Guillaume wäre nur dann ein Überläufer gewesen, wenn er in der BRD nach seiner Enttarnung gewendet worden wäre; er war aber immer auf Seite der DDR. Die Meisten machten es aus Überzeugung, Andere aus Geld oder Liebe. Und: Des Einen Verräter ist immer des Anderen Helden. Bezüge zur Gegenwart sind viele da, etwa dass Edward Snowden auf den Spuren von Lee Oswald oder Kim Philby wandelt

Das geteilte Berlin beim Brandenburger Tor, die Welt z Zt des Kalten Kriegs

 

* Der Brite Harold “Kim” Philby wurde Kommunist, nicht zuletzt durch Begegnungen als Journalist mit dem Faschismus, in Spanien und Österreich. Als solcher trat er noch während des Weltkriegs (und damit vor Ausbruch des Kalten Kriegs) dem MI6 bei. Er war ein lupenreiner Doppelagent, der hauptsächlich auf die Sowjetunion “angesetzt” war, tatsächlich aber für deren Geheimdienst KGB (bzw Vorgänger NKWD) arbeitete. Stalin fürchtete, dass Philby ein Triple-Agent war. Ab 1956 arbeitete er, als “Nahost”-Korrespondent des „The Economist“ getarnt, als Agent des MI6 im Libanon. Er war dort auch an der Begleitung des (letztlich misslungenen) Kriegszugs von Grossbritannien, Frankreich und Israel gegen Ägypten (wegen des Suez-Kanals) beteiligt.

Flora Solomon, geborene Benenson, aus Russland stammende britische Jüdin, Mutter des AI-Gründers, einflussreiche Zionistin, Rothschild-Verwandte, war für das Auffliegen Philbys verantwortlich. Sie empörte sich, 1962 in Tel Aviv, über Philbys “pro-arabische” Artikel, etwa anlässlich des Kriegs gegen Ägypten 1956. Der MI5 in London wurde “informiert”, später sagte Solomon auch, dass Philby  versucht habe, sie zu rekrutieren. Victor Rothschildt von der MI5 (später Berater konservativer Politiker) wurde geschickt, um Philby zu befragen. Während der Befragungen setzte sich dieser 1963 in die SU ab. Ein Spionage-Ring um ihn, die Cambridge Four oder Five, flogen währenddessen auf, Leute in MI5 oder 6. Philby starb 1988 in der SU.

* Rudolf Fischer (Abel, Goldfus) wurde in GB als Sohn eines Deutsch-Russen geboren. Nach den Revolutionen 1917 ging die Familie um den überzeugten Kommunisten in die entstehende SU. Von dort ging Fischer/Abel als getarnter Agent u.a. nach GB, mit diversen Decknamen. Nach dem 2. WK wurde er in der USA eingesetzt, nachdem er der stalinistischen Eliminierungswelle entgangen war. Atomwaffen wurden Hauptaugenmerk seiner Spionage; er hatte Kontakt u.a. mit Theodore A. Hall aus dem Los Alamos National Laboratory und dem Kreis von Lona und Morris Cohen, bzw war ihr Führungsoffizier. Fischer wurde 1957 enttarnt, dann verurteilt. Er wurde 1962 auf der Glienicker Brücke zwischen West-Berlin (BRD) und Potsdam (DDR) gegen den amerikanischen Kampf-Piloten Francis G. Powers ausgetauscht. Dieser war 1960 während eines Spionagefluges von der sowjetischen Luftverteidigung bei Swerdlowsk abgeschossen worden. Fischer ging in die SU.

* Theodore A. Hall dürfte von Jenen, die im amerikanischen oder britischen Atom(waffen)programm für die Sowjetunion spionierten, der Bedeutendste gewesen sein, bzw die wichtigsten Informationen geliefert haben. Der Wissenschaftler (Physiker) war in Los Alamos (New Mexico) im Manhattan-Projekt beschäftigt. Er wurde erst 1995 als Informant bzw Spion für die Sowjetunion (SU) enttarnt. Er starb 1999, ohne verurteilt worden zu sein. Verrat half der SU bei ihrem Atomwaffenprogramm. Bald nach dem 2. WK hatte auch die SU Atomwaffen, war das USA-Atommonopol gebrochen, wurde der Kalte Krieg ein potentieller atomarer Konflikt.

* 1960 reisten zwei Kryptologen der US-amerikanischen National Security Agency (NSA), William H. Martin and Bernon F. Mitchell, in die Sowjetunion. Ob sie auch davor Informationen weiter gaben und welche Beweggründe sie hatten, habe ich nicht recherchiert. Beide wurden sowjetische Staatsbürger und heirateten dort. Martin bereute sein Überlaufen anscheinend nach ein paar Jahren, auch seine Ehe wurde geschieden; er ging schliesslich nach Mexico. Mitchell starb 2001 in Sankt Petersburg.

* David Greenglass ist im Zusammenhang mit den Rosenbergs bekannt geworden. Aus dem beteiligten Personenkreis arbeitete nur Ethel Rosenbergs Bruder David Greenglass im Manhattan-Projekt, der amerikanischen Atombomben-Entwicklung. Greenglass trat 1943 in die USA-Armee ein, war zu diesem Zeitpunkt schon Mitglied der Young Communist League USA, die der Kommunistischen Partei der USA, der CPUSA, nahe stand. In der Armee wurde Greenglass, als Maschinenschlosser, nicht etwa als Wissenschafter, zum geheimen Manhattan-Projekt kommandiert. Er war zunächst in dem Uran-Anreicherungsprojekt in Oak Ridge (Tennessee) beschäftigt, dann in den geheimen Laboratorien in Los Alamos in New Mexico.

Julius Rosenberg war Elektroingenieur, der in der Armee arbeitete, bevor er nach der Entdeckung seiner Verbindung zur CPUSA 1945 entlassen wurde. David Greenglass hat ab November 1944 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Militär 1946 geheime Informationen die nukleare Forschung betreffend gesammelt und sein Schwager Julius Rosenberg diese an die sowjetischen Geheimdienste GRU und NKWD weiter gegeben. Ethel war eigentlich nur loyal zu ihrem Mann und ihrem Bruder. Rosenberg hatte zur Zeit der Weitergabe keine Funktion in einer staatlichen Stelle inne; ob Greenglass Maulwurf oder Überläufer war, ist diskutabel. Jedenfalls lag seine Aktivität eigentlich vor dem Beginn des Kalten Kriegs, der meist mit 1947 angesetzt wird (Truman-Doktrin,…).

Nach dem Krieg betrieben Greenglass und Julius Rosenberg eine Maschinen-Reparaturwerkstatt. Sie flogen durch das VENONA-Projekt auf, ein Gemeinschaftsprojekt der Geheimdienste der USA und des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, zur Entschlüsselung von Geheimnachrichten offizieller sowjetischer Stellen in den USA, die in der Zeit von 1938 bis 1945 aufgezeichnet wurden. 1950 wurde aufgedeckt, dass Klaus Fuchs in GB als Spion für die Sowjetunion gearbeitet hatte. Fuchs’ Geständnis ergab, dass er über seinen amerikanischen Kontaktmann Harry Gold Informationen an einen sowjetischen Agenten übergeben hatte. Die Spur von diesem führte zu Greenglass und den Rosenbergs, die ihn ebenfalls als Kurier benutzt hatten.

Greenglass wurde im Juni 1950 vom FBI wegen Spionage verhaftet, belastete Julius Rosenberg, ging eine Immunitäts (Kronzeugen)-Übereinkunft mit der Justiz ein. Er wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 10 absass. Seine Belastungsaussage bewirkte die Todesstrafe gegen seine Schwester und seinen Schwager. Julius und Ethel Rosenberg bekamen 1951 ihren Prozess, wurden 1953 am elektrischen Stuhl hingerichtet. Die Rosenbergs sind bis heute die Letzten, die in der USA wegen Spionage hingerichtet wurden. Diese Fälle von Atomspionage im frühen Kalten Krieg heizten die Jagd auf (tatsächliche/vermeintliche) Kommunisten in der USA der 1950er, der Eisenhower-Zeit, an.

* Der ehemalige SS-Obersturmführer Heinz Felfe war ein Maulwurf/Doppelagent im BND. Der KGB soll ihn mit dem Wissen über seine Verstrickungen in NS-Verbrechen “angeworben” haben. Diese beging er als Mitarbeiter des RSHA, bestanden zT in Drangsalierungen gegen Sorben – kamen wahrscheinlich aus Gegnerschaft zu seinem sorbischen Vater. Der BND verlor durch seine Informations-Weitergabe einen Grossteil seiner geheimen Quellen im Ostblock. 1961 als “Verräter” enttarnt und verhaftet, wurde Felfe 1963 zu 14 Jahren Haft verurteilt. 1969 kam er durch einen Agentenaustausch in Freiheit bzw in den Ostblock. Der Austausch erfolgte gegen Widerstand des damaligen BND-Chefs Gerhard Wessel (wie Vorgänger Gehlen aus der Abteilung “Fremde Heere Ost” im Oberkommando des Heeres in der Wehrmacht) und  Bundeskanzler Kiesinger. Felfe lebte und arbeitete einige Jahre in der SU, dann in der DDR. 1986 veröffentlichte er seine Memoiren unter dem Titel “Im Dienst des Gegners”. Er starb 2008 in Berlin.

* Der Physiker Klaus Fuchs unterstützte die KPD in der Weimarer Republik, ging in der Nazi-Zeit nach GB, arbeitete an dessen Atomwaffenprogramm, und an jenem der USA (Manhattan-Projekt) mit, gab Infos darüber an die SU weiter  (über das Netzwerk mit dem auch Richard Sorge arbeitete). 1950 durch das VENONA-Projekt aufgeflogen, wurde er zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. 1959 wurde er begnadigt und reiste in die DDR aus, wo er im Jahr vor der Wende starb.

* Noel Field: Der Quäker vertrat die USA in der Zwischenkriegszeit als Diplomat, war dann beim Völkerbund tätig, während des 2. WK für eine US-amerikanische Hilfsorganisation für Flüchtlinge. Irgendwann war er Kommunist geworden, und von da war es zur Tätigkeit als Informant für die Sowjetunion (SU) nicht mehr so weit. Das war er auch im beginnenden Kalten Krieg. 1949 wurde er in der Tschechoslowakei verhaftet und nach Ungarn gebracht; er war den Ostblock-Machthabern verdächtig, als anti-stalinistischer Kommunist mit West-Hintergrund. So wurde er der Spionage für die USA beschuldigt, wurde Opfer der stalinistische Tschistki (“Säuberungen”), wie auch seine Frau und seine Adoptivtochter. Rudolf Slansky und viele Andere damals getötete oder gefolterte Kommunisten im Ostblock wurden mit von Field unter Folter erpressten „Geständnissen“ belangt oder weil sie mit Field Kontakt gehabt hatten. Beinahe auch Erich Mielke. Field selbst überlebte das Martyrium, wurde freigelassen, blieb Kommunist, lebte 1955-70 in Ungarn. Eigentlich war er vor Beginn des Kalten Kriegs übergelaufen, und in Ungnade zu fallen war für Überläufer eigentlich ein seltenes Schicksal, ihn ereilte es in den frühen Jahren dieses Konfliktes.

* Li Zongren war einer der Überläufer im Konflikt zwischen den beiden Chinas. Er war Kriegsherr im Chinesischen Bürgerkrieg, auf Seite des Staates bzw des KMT, war in der Republik China vor und nach Niederlage und Exil hoher Funktionär, als Vizepräsident, amtierender Präsident,… War im Kreis v Chiang, wurde Konkurrent von diesem, wollte Verhandlungen mit der Volksrepublik bzw der KP. Er ging ins Exil und 1965 in die VR China.

* Stig Svante Eugén Bergling arbeitete für den schwedischen Geheimdienst Säkerhetspolisen (Säpo) und die Polizei. Und er gab, hauptsächlich in den 1970ern, Informationen an den Ostblock bzw die SU weiter. 1979 wurde er von Israel verhaftet und im selben Jahr in Schweden wegen Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Bergling-Affäre ging weiter, als er 1987 während eines Sexualbesuchs im Gefängnis fliehen konnte. Er lebte dann in der Sowjetunion oder auch im Libanon. 1994 kehrte er wegen angeschlagener Gesundheit nach Schweden zurück, musste wieder ins Gefängnis, ehe er 1997 begnadigt wurde. Er starb 2015.

* Über Dieter Gerhardt habe ich hier einiges geschrieben.

* Christopher Boyce

* Philip B. F. Agee (1935-2008) war ein Agent der CIA, wandte sich, noch im Kalten Krieg, öffentlich von ihr ab und kritisierte ihre Praktiken, hauptsächlich von Cuba aus, wo er sich niederliess.

* Aldrich Ames gab als CIA-Agent Informationen an den KGB weiter. 1994 wurde er verhaftet, er sitzt nach wie vor im Gefängnis.

* Otto John war Jurist, ein Bruder von ihm war beim Stauffenberg-Umsturzversuch  gegen Hitler involviert. 1950 wurde er erster Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV). 1954 verschwand er nach einer Gedenkfeier für den 20. Juli 1944, tauchte Tage später in Ost-Berlin wieder auf. Er kritisierte im DDR-Rundfunk die BRD, konkret Adenauers Westbindung, welche die deutsche Wiedervereinigung behindere. Ausserdem die Beschäftigung von Ex-Nazis in Führungspositionen dieses Staates. Er wurde auch in die SU gebracht und verhört. Nach fast 1 1/2 Jahren im Ostblock kehrte er Ende 1955 zurück, nach West-Berlin, wo er verhaftet wurde. Johns Beweggründe für sein zeitweiliges Überlaufen sind nicht ganz klar. 1956 wurde er in der BRD wegen Landesverrats verurteilt, 1958 zur Hälfte seiner Strafe von Bundespräsident Heuss begnadigt. Er zog nach Österreich.

* Jeffrey Carney war im Kalten Krieg ein Überläufer, mit dem nach Ende desselben abgerechnet wurde. Der Luftwaffen-Unteroffizier arbeitete für die NSA in Berlin, aufgrund seiner Deutsch-Kenntnisse, an der Radaranlage Marienfelde. Diente sich 1982 dem MfS (“Stasi”) der DDR an. Als er zurück in die USA versetzt wurde, und er verdächtigt wurde, floh er über Mexiko und Kuba in die DDR. Er bekam dort eine neue Identität. Das MfS wollte zur Zeit der Wende Unterlagen über Spione wie ihn vernichten, schaffte aber nicht alles, weil die Verbrennungsöfen überlastet waren. Die CIA spürte ihn 1991 in Berlin auf, entführte ihn nach Tempelhof, von dort in die USA. Er machte ein Geständnis, bekam einen Geheimprozess (ungefähr zur selben Zeit, als die Spähstationen der Amerikaner in Berlin abgerissen wurden), wurde zu 38 Jahren Haft verurteilt, von denen er 12 absass.

* Der Berliner Heinz Lippmann hatte als “Teil-Jude” u.a. das “KZ” Auschwitz/Oświęcim zu überstehen. In der DDR war in der FDJ Stellvertreter Honeckers. 1953 fuhr er über West-Berlin nach Hamburg, mit der Kasse, wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Chef. Wegen der Unterschlagung gab es in der BRD ein Verfahren gegen ihn. Er war dann als Journalist tätig, auch für den Staatssender “Deutsche Welle”.

* George Blake (Behar), 1922 in der NL geboren, als Sohn eines ägyptisch-türkischen jüdischen Vaters (mit britischer Staatsbürgerschaft) und einer protestantischen Niederländerin, war während des Korea-Kriegs an der britischen Botschaft in Süd-Korea. Von der vorrückenden nord-koreanischen Armee gefangen genommen, entschied er sich in Gefangenschaft, künftig dem kommunistischen Ostblock Informationen zu liefern. Und das tat er dann, als MI6-Agent. 1961 flog er auf, wurde verurteilt. 1966 gelang ihm aber die Flucht aus dem Gefängnis! Er floh in die SU, wo er auf Kim Philby und andere “Kollegen” traf.

* Robert Thompson, USA-Luftwaffen-Angehöriger, der in den 1950ern in Berlin-Tempelhof stationiert war und damals der SU Infos weiter gab, flog in den 1960ern auf; seine Gefängnisstrafe kam 1978 zu einem Ende, als er ausgetauscht wurde, gegen einen amerikanischen Studenten der DDR-Bürgern zur Flucht verhelfen wollte, und einen israelischen Kampfpiloten, der dem Apartheid-Regime Südafrikas geholfen hat und dabei in/von Mozambique gefangen genommen wurde.

* Alfred Frenzel wurde im österreichisch-ungarischen Kronland Böhmen geboren, nach dem 1. WK war die Familie Deutschböhmen bzw Sudetendeutsche in der Tschechoslowakei. Mitglied der dortigen KP, blieb er in der NS-Besatzungszeit der Tschechoslowakei treu anstatt sich den Nazis anzudienen.1 Eine Aussiedlung nach dem 2. WK blieb ihm dennoch nicht erspart. Er ging wie viele andere von dort nach Bayern und wurde in der SPD aktiv. Als Abgeordneter im Landtag und Bundestag. Rechte Exil-Sudetendeutsche in anderen Parteien hielten ihm seine Vergangenheit vor. Angeblich wurde er vom CSSR-Geheimdienst mit Wissen um eine Veruntreuung in der Zwischenkriegszeit erpresst, vielleicht kam die Zusammenarbeit aber anders zu Stande. 1960 wurde Frenzel enttarnt und festgenommen. Seine Gefängnis-Strafe endete durch einen Gefangenen-Austausch mit der CSSR.

* Karel Koecher wurde von der CSSR in die USA eingeschleust (wegen seiner Englisch-Kenntnisse), arbeitete dort für die CIA (wegen seiner Tschechisch- und Slowakisch-Kenntnisse), aber tatsächlich für den KGB. Nach dem Auffliegen 1984 wurde er 1986 auf der Glienicker Brücke gegen Anatol Nathan Scharansky ausgetauscht, der aus der SU nach Israel auswandern wollte (er wurde dort Minister). Er ist einer von den wenigen hier, die noch am Leben sind.

* Der DDR-Propagandist Karl-Eduard von Schnitzler war im 2. WK als Wehrmachts-Soldat in britische Kriegsgefangenschaft geraten, wurde in der britischen Besatzungszone in Deutschland zur Propaganda eingesetzt, lief 1947 in die SU-Zone über.

* Bruno Pontecorvo (1913 – 1993), italienischer Atomphysiker, Assistent von Enrico Fermi, lief 1950 in die SU über, wo er seine Forschungen fort setzte.

* Stefan Heym: als Helmut Flieg ging er von Chemnitz in die USA, mit dessen Militär nach Deutschland zurück, sollte Propaganda im Sinn der USA machen, fühlte sich aber dem Kommunismus verbunden, verliess die Army, ging zurück in die USA, arbeitete als Schriftsteller, aufgrund des Terrors in der McCarthy-Ära ging er 1952/53 in die DDR, wandte sich von der SED ab, aber nur halb, 1994 für die PDS in den Bundestag gewählt, erlebte er bei seiner Alterspräsidenten-Rede Feindseligkeit aus den Reihen von CDU/CSU

* George Koval: Vater Jude aus Russischem Reich der in USA einwanderte, kommunistische Familie, Übersiedlung in SU (Birobidschan), George als Agent nach USA geschickt, Studium, ins Oak Ridge National Laboratory, Mitarbeit am USA-Atomprogramm, Weitergabe Infos an SU, legale Rückkkehr in SU, dann erst aufgeflogen, starb 06 in Russland.

* Der KGB-Agent Bogdan Staschinski tötete 1959 in der BRD im Auftrag seiner Behörde den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, der mit Wehrmacht und BND zusammenarbeitete. Stashinski stellte sich später in W-Berlin, wollte wegen einer Liebe überlaufen, bekam in der BRD eine milde Strafe (“nur Beihilfe”)2, dann eine neue Identität.

* Arnold Schölzel desertierte 1967 aus der Bundeswehr, lief in die DDR über, an der Humboldt-Universität hat er für die Stasi Oppositionsgruppen ausgehorcht, seine Stelle an der Uni verlor er nach der Vereinigung, er wurde Herausgeber der “Junge Welt”

* Ursel Lorenzen war eine Sekretärin in der NATO, die 1979 in die DDR über lief. Vor der Wiedervereinigung verliess sie und ihr Partner das Land, möglicherweise nach Libyen

* Fred Rose/Fishel Rosenberg: Anfang des 20. Jh im damals russischen Polen geboren, wurde er von seiner Familie im 1. WK nach Canada gebracht, wo er in der Kommunistischen Partei des Landes (CPC/PCC) aktiv war, ehe diese im 2. WK verboten wurde, für deren Nachfolgepartei Labor-Progressive Party wurde er 1943 in Quebec ins kanadische Parlament gewählt; als die SU vom Alliierten der Westmächte zu ihrem Feind wurde, nach dem Krieg, wurde Rose durch die Enthüllungen des übergelaufenen SU-Diplomaten/Agenten Gusenko der Spionage beschuldigt und verurteilt; nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis reiste er ins kommunistische Polen aus

* Robert Soblen/ Ruvelis Sobolevicius/ Roman Well, ein Jude aus Litauen, war in der Weimarer Republik als Kommunist aktiv. Zusammen mit einigen Mitstreitern floh er 1933 in die Sowjetunion, später wurden sie als Spione in die USA geschickt. Sobolevicius/Well/Soblen arbeitete dort als Psychiater. 1957 flog der Ring durch das FBI auf, Soblen wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Er konnte jedoch 1962 fliehen, wollte Asyl von Israel3. Nachdem er das nicht bekam, sollte er über GB in die USA zurück überstellt werden. In London verübte er Selbstmord

* Hansjoachim Tiedge lief 1985 vom BfV (zuständig für die Abwehr der DDR-Spionage) in die DDR über

Manfred von Brauchitsch: aus schlesischer Adelsfamilie, Auto-Rennfahrer bei Mercedes-Benz; nachdem er nach dem 2. WK pleite war, diente er sich der DDR an, lief 1954 auch tatsächlich dorthin über, nachdem er in der BRD angeklagt wurde. Das war nach seiner aktiven Zeit als Rennfahrer und er wirkte in der DDR als Sportfunktionär – was im Fall des Autorenn”sports” eine mühsame Angelegenheit gewesen sein dürfte. Ansonsten sind Sportler fast ausschliesslich in die andere Richtung “gegangen”. Er ist fast ein Fall für diesen Artikel

McKinley Nolan: Soldat des USA-Militärs, 1967 zu Nord-Vietnam über gelaufen

Margaret Schlauch: US-Wissenschafterin, ging 1951 vor McCarthy-Verfolgung nach Polen)

Clarence Adams: afro-amerikanischer US-Soldat, Kriegsgefangener Korea-Krieg, danach einer von 21 USA-Soldaten die nach China gingen, 66 Rückkehr (weil er Sehnsucht nach seiner Mutter hatte)

Ausserdem: Mihalis Maniadakis (griechische Luftwaffe, 1970 zur SU); Richard Tannimura (US-Militär, 1968 nach Schweden); Theo van Eijck (NL-Militär, 1964 nach Libyen); Gerald A. Eckert (RZA-Militär, 1983 nach Mozambique); Cheng Yi-Ming (Geheimdienst Rep. China, 1964 zur VR); Hede Massing, Alexander Koral, Gerhart Eisler, Ian Milner, Michael Peri, Harold Koch,

Beim konstruktives Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Willy Brandt 1972 (de facto wegen seiner Ostaussöhnung) versprachen die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag aufgrund der Wahl 1969 und durch diverse Übertritte von SPD und FDP zu CDU/CSU oder zur Fraktionslosigkeit ein Gelingen. Nach dem knappen Scheitern kamen Gerüchte über Stimmenkauf auf. Julius Steiner (CDU) und Leo Wagner (CSU) sollen von der DDR (MfS) und/oder der SPD bestochen worden sein. Dies ist nicht gesichert. Umstritten ist die “Schuld” auch bei Gunvor Galtung-Haavik, norwegische Aussenministeriums-Angestellte, sie wurde 1977 der Spionage für die SU beschuldigt, starb vor einem Prozess. Arne Treholt, norwegischer sozialdemokratischer Aussenminister, saß einige Jahre wegen Spionage für den Ostblock im Gefängnis. Der USA-Regierungsbeamter Alger Hiss wurde Ende der 40er, Anfang der 50er beschuldigt und verurteilt, kommunistischer/sowjetischer Spion zu sein

Dann gibt es die Kategorie jener, wo nicht ihr Handeln bzw der Wahrheitsgehalt von Vorwürfen unklar ist, sondern ob ihr Handeln als Überlaufen oder Maulwurf-Tätigkeit für den Ostblock einzustufen ist. Lee H. Oswald zB war nach dem Militär am Höhepunkt des K.K. 59-61 in der SU, kam dann aber zurück, mit seiner russischen Frau. Abgesehen von seiner fraglichen Schuld am Mord an JFK, spricht einiges dagegen, ihn als Ostblock-Überläufer zu kategorisieren; u.a. dass er keine Funktion im Staatsapparat der USA inne hatte, privat reiste. Renfrew Christie hat Infos das Militär des Apartheid-Systems betreffend an dessen Gegner weiter gegeben, und dieser war mit der SU verbündet (so wie das Apartheid-Regime Südafrikas immer irgendwie Teil des Westens war), aber gerade bei ihm zeigt sich die die Relativität der Einteilung “Ostblock-Spion”. Henri Maillot hat in Algerien den Unabhängigkeitskampf unterstützt, der auch von der SU unterstützt wurde.

Erwin Borchers war Sohn eines preussischen Offiziers und einer elsässischen Weingutstochter, ging vor dem 2. WK aus Deutschland nach Frankreich, dort in die Fremdenlegion, kam nach Indochina. Bald brach dort der Unabhängigkeitskrieg aus, in diesem “1. Vietnam-Krieg” lief Borchers 1945 zum Viet Minh über. Er bekam den Namen Chien Si, heiratete eine Vietnamesin, wurde Kommunist, war auch beim Sieg von Dien Bien Phu dabei.4 Nazim Hikmet (Ran) ging zwar in den Ostblock, hatte aber in der Türkei keine offizielle Funktion (gehabt). Martha Dodd, Tochter eines früheren amerikanischen Botschafters, spionierte im frühen KK und davor für die SU, war dabei aber ebenfalls “privat” unterwegs.5 Das lässt sich auch von Ana Maria Silva Pais (Tochter des Chefs des portugiesischen Geheimdienstes PIDE, 1965 nach Cuba), Wolfgang Kieling oder JoAnne Deborah Byron (Assata Shakur) sagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Oder sich als Auswärtiger an dieser Besatzung zu beteiligen, wie H. M. Schleyer
  2. Als Staschinski-Fall bekannt gewordene Entscheidung des Bundesgerichtshofs
  3. > Meir Lansky, Samuel Sheinbein, Shmuel Flatto-Sharon, Salomon Morel,…
  4. Ein Jacques Doyon hat über die Franzosen und Fremdenlegionäre, die in diesem Krieg überliefen, das Buch “Les Soldats blancs de Ho Chi Minh” geschrieben
  5. 1957 gingen sie und ihr Partner in der Tschechoslowakei, wo Dodd 1990 starb. Sie entging dem Schicksal von Susanne Albrecht

Die bedeutendsten Amateurhistoriker

Es geht um bedeutende Historiker, die eigentlich keine sind, keine abgeschlossene Ausbildung dafür haben. Die Gründe dafür, diese Ausbildung nicht zu haben, sind vielfältig – wie man auch am Ersten in dieser Liste sieht. Wobei Geschichte spät eine eigene wissenschaftliche Disziplin mit genormter Ausbildung geworden ist. Die meisten Hobby-Historiker erarbeiten und veröffentlichen etwas im kleinen Rahmen; andere haben grosse Ansprüche, manche setzen diese auch durch. Welche “Amateur-Arbeiten” ernst genommen werden, hat oft nicht so viel mit ihrer Qualität zu tun. Amateurhistoriker sind meist in der Erforschung lokaler/regionaler Geschichte aktiv, in Militärgeschichte (nicht zuletzt Offiziere), in der Familienforschung. Gerne nehmen sie sich auch Rätseln aus der Geschichte an, von den Kennedy-Morden bis zum Loch Ness, wo das Obskure ins Parawissenschaftliche übergeht.

In diesen Bereichen sind Amateur-Historiker oft “Konkurrenz” zu professionellen. Das sind oft Bereiche, wo besonderes Interesse von Laien für Geschichte da ist. Oft ist ein Ehrgeiz gegeben, die Experten “auszumanövrieren”1. Das Internet hat auch hier die Schwelle für Veröffentlichungen niedriger gemacht. Nicht relevant hierfür sind populärwissenschaftlich agierende ausgebildete Historiker, Historiker die in anderen Gebieten tätig sind, und solche die wie Propagandisten werken.

* John Edward Bruce wurde 1856 in USA als Sohn von Sklaven geboren, ein Studium war ihm nicht vergönnt; er gründete die Negro Society for Historical Research, die sich der Erforschung afro-amerikanischer Geschichte widmete, wurde ein Mitstreiter von Marcus Garvey. In dieser insgesamt doch sehr westlich dominierten Liste Einer an der Spitze, der die Relativität westlicher “Progressivität” vor Augen führt – zumal wenn man bedenkt dass er in vielen Bundesstaaten der USA auch noch in den 1950ern enorme Schwierigkeiten gehabt hätte, etwas zu studieren

* Sebastian Haffner: eigentlich Raimund Pretzel, Jurist, u.A. als Beamter tätig, wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau ins britische Exil, hier das Pseudonym zugelegt und mit dem Geschichte-Schreiben begonnen, behandelte v.a. NS-Themen, wurde international von Bedeutung

* Winston Churchill hat Geschichte gemacht und (u.a.) darüber geschrieben. Seine Geschichtsphilosophie und sein Erzählstil waren einflussreich. Der Adelige ist bei seinen Tätigkeiten als Journalist, Militär, Politiker und Amateurhistoriker davon ausgegangen, dass den Angelsachsen aufgrund ihrer “einzigartigen Grösse” eine Führungsrolle zukomme. Dass er als britischer Premier Nazi-Deutschland bekämpfen liess, ändert nichts an seiner Mit-Verantwortung für die Hungersnot in der Präsidentschaft Bengalen (Bengal Presidency) im britisch beherrschten Indien 1943 (3 Mio. Tote). Wie entscheidend seine Verantwortung dafür war, ist umstritten, es geht um die Zurückhaltung von Nahrungsmitteln, bzw die Abzweigung dieser für britische Truppen.2

Seine historischen Schriften umfassen solche über seine Familie, Autobiographisches, und, am wichtigsten, mehrbändige Arbeiten über die Weltkriege: “The World Crisis” sowie “The Second World War”, ab 1945 geschrieben (teilweise als Oppositionsführer, teilweise als Premier), 1948–53 heraus gekommen. Den Nobelpreis für Literatur 1953 bekam er ja hauptsächlich dafür. Auch “A History of the English-Speaking Peoples” (1956–58 erschienen) ist ein mehrbändiges Werk und in gewisser Hinsicht autobiografisch. Im Squire-Sammelband „If it had happened otherwise“ mit kontrafaktischen Geschichten träumte der Alkoholiker von einem anderen Ausgang der Gettysburg-Schlacht (und des USA-Bürgerkriegs in Folge) und der Entstehung einer (noch mächtigeren) Anglo-Weltpolizei als Konsequenz.

* David Irving: hat diverse Studien angefangen, diverse Jobs gemacht, dann mit historischen Publikationen begonnen, alle zum 2. WK, eine Zeit die er als Kind in GB mit erlebte. Ilan Pappe sagte über ihn, er sei ein “handwerklich” guter Historiker, seine Schlüsse weniger gut, aber Gefängnis/Strafe für die Leugnung des Massenmords an Juden nicht unbededingt angebracht.

* Gavin Menzies, ein britischer Offizier und Schriftsteller, hat revisionistische Theorien zu Entdeckungsfahrten der frühen Neuzeit aufgestellt, die in der Fachwelt abgelehnt werden, aber ein breites Publikum interessieren

* Der jüdische Mediziner Immanuel Velikovsky (Russland/ Palästina/ USA) verband Sagen, religiöse Mythen, Geschichte und Astrophysik zu revisionistischen interdisziplinären Ideen, Theorien und Spekulationen, zB in “Welten im Zusammenstoss” (1950). Er hat sich diverse “Kapitel” antiker Geschichte vorgenommen, kontrafaktische Behauptungen zu diversen Völkern, Reichen, Herrschern aufgestellt, behauptete kosmische Katastrophen, übte auch etwas Chronologiekritik. Seine weitgehende Einstufung als pseudowissenschaftlich in der Fachwelt wird von seinen Anhängern (Heinsohn scheint einer davon gewesen zu sein) als “Belastungsmaterial” gegen den Wissenschaftsbetrieb angeführt.

* Der Amerikaner Shelby Foote, Offizier, Journalist und Schriftssteller (u.a. der historische Roman “Shiloh” über den USA-Bürgerkrieg), hat mit einem 3-bändigem Werk über diesen Krieg Anerkennung geerntet.

* Patricia Roppel: Abschluss in Hauswirtschaftslehre, Publikationen zur Geschichte von Alaska

* Pierre Plantard: französischer technischer Zeichner (1920-2000), der sich mit Verschwörungen und Geheimbünden befasste (selbst welche gründete), und Behauptungen rund um die Église Sainte-Marie-Madeleine in Rennes-le-Château aufstellte, die sich stark verbreiteten

* Fritz Tobias: Mitarbeiter im niedersächsischen Innenministerium, Recherchen über die Reichstags-Brandstiftung 1933, 1959/60 Serie darüber im „Spiegel“, 1962 Buch darüber, Marinus van der Lubbe war ihm zufolge der Alleintäter, Anerkennung durch Theodor Mommsen

* Erich von Däniken: der Schweizer Autor behauptet, dass ausserirdische Lebewesen seit langem mit der Erde in Kontakt stünden, Kulturen beeinflusst haben; manche Parallelen zu Velikovsky

* Jean-Claude Pressac beschäftigte sich mit den Gaskammern des KZ Auschwitz/Oświęcim, revidierte seine früher revisionistischen Vorstellungen darüber, lieferte neue Erkenntnisse dazu

* Georg Markus versteht es, Details aus der österreichischen Geschichte für ein breites Publikum aufzubereiten

* Ronald Wyatt: der OP-Pfleger und 7-Tages-Adventist hat sich der Suche nach den Überresten der Arche Noah’s, in Durupinar nahe des Ararat, und anderen Standorten biblischer Erzählungen, gewidmet

* Selwyn Raab: “Mafia-Historiker”, USA, Buch “Five Families”, eigtl. Journalist

Robert M. Edsel (der US-amerikanische Geschäftsmann beschäftigt sich mit NS-Raubkunst); Nancy Hatch-Dupree (ist Archäologin, aber auch als Historikerin tätig); Claude Cantini (Schweizer Psychiatrie-Krankenpfleger, der aus Italien stammt, beschäftigte sich mit Rechtsextremismus, v.a. dem schweizerischen); Slavko Goldstein; Gustav von Struve (Jurist und Politiker, publizierte Historisches, knapp bevor Geschichtswissenschaft als solche entstand); Gareth Glover (der britische Offizier beschäftigt sich mit den Napoleonischen Kriegen, v.a. der Waterloo-Schlacht); Graham Phillips (BBC-Reporter, schrieb über Hl. Gral oder König Artus); Conrad Black (kanadischer Geschäftsmann); Rémi Cuisinier (Museum, Bücher); Gerald Posner (>JFK-Mord); Andreas Peham (H. Schiedel, kann sich auf ein Netz nicht zuletzt im Medienbereich stützen, darf sogar an Schulen Vorträge halten, über Rechtsextremismus, wobei er dieses Engagement in den Dienst “anti”deutscher Ideologie stellt); Şahin Ali Söylemezoğlu (Deutsch-Türke, verharmlost und verdreht den Armenier-Genozid); Heinrich Bartsch (Vertriebener, zur Geschichte Schlesiens); Jared Diamond (gewissermaßen auch im historischen Bereich aktiv); Grégoire Bernache; William Doino (im katholischen Bereich aktiv); Karl Trotzig (schwedischer Lokalpolitiker, 19./20. Jh); Richard Labunski (USA, Politologe, Jurist, Journalist); David Cundall (auch ein Hobby-Militärhistoriker); Herbert Gold (Theorie über das Bernsteinzimmer); Claus Uhlrich (Leipzig); Ernest T. Parritt (ein Buch von ihm inspirierte das Album “Homo erraticus” von Ian Anderson); Charles Guay (Abt, 1845-1922); M. C. F. Easmon (Arzt in Sierra Leone); Francis Napier (Lord, 19. Jh, im brit. Kolonialdienst); Anders Franzen (Schweden, Marine); Jacob Cove-Jones (Suche nach dem Schatz der Temeplritter); Sidney Webb (britischer Politiker & Jurist); Jeffrey Badger (“Finding Granddad’s War”); Denis Coquoz des Marécottes, Samuel Mbajum, Jacques Mésségué, John Woodforde, René Laplanche, Charles Jenkins (Australien),

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. So etwas gibt es aber auch innerhalb der akademischen Historiographie
  2. Zu der Hungerkatastrophe gibt es den historischen Roman “Ashani Sanket” (“Ferner Donner”) von Bibhutibhushan Bandyopadhyay, der auch verfilmt wurde. Die Inderin Madhusree Mukherjee brachte 2010 das Buch “Churchill’s Secret War” heraus

Das Ende der Macht

Es gab Despoten, die ein schlimmes Ende verdient hätten, aber weder im eigenen Land noch von einer anderen Macht zur Rechenschaft gezogen wurde, eines natürlichen Todes starben. Andere kamen unverdient zu einem bösen Ende. “Stalin” ist der Grösste der Despoten, die ungestraft davon kamen, zumindest aus neueren Zeiten. Auch Franco, Mao, Dschingis Khan starben “im Amt”; das geschah natürlich auch mit weniger Schlimmen, von Tito bis Victoria (of Saxe-Coburg-Gotha). Pinochet, Churchill oder Ben Gurion (Grün; der Hauptverantwortliche der Nakba) hatten einen ruhigen Lebensabend, nachdem sie die Macht abgegeben hatten. Buonaparte, der freilich auch für einiges Positive verantwortlich war, wurde immerhin verbannt. Hitler entging durch Selbstmord einer Strafe.

* Der Offizier Samuel Doe stand 1980 an der Spitze eines Putsches in Liberia, mit dem Präsident Tolbert gestürzt wurde (dieser und seine Minister wurden erschossen), was das Ende von 133 Jahren Herrschaft der Americo-Liberianer brachte – und den Beginn von politischer Gewalt, die Liberia möglicherweise jetzt verlässt. Diese Americo-Liberianer, aus Amerika (USA und Karibik) im 19. Jh nach Afrika “zurückgekehrte” Schwarze bzw ihre Nachfahren, machen 2 bis 5% der Bevölkerung Liberias aus. Das ist so wenig, dass diese Gruppe bei der Absicherung ihrer Herrschaft immer auf  “einheimische Schwarze” angewiesen war, als Soldaten oder Polizisten. Und genau aus diesen Sicherheitskräften gab es 1980 die Erhebung, unter Doe.

1989 begann eine neue Erhebung, gegen Doe und sein Regime, der Beginn eines Bürgerkriegs. 1990 nahm die Miliz von Prince Johnson die Hauptstadt Monrovia ein, spürte auch Noch-Präsident Doe auf. Doe wurde unter Anleitung Johnsons zu Tode gefoltert (anscheinend wurden ihm verschiedene Körperteile abgeschnitten und er verblutete), die Sache wurde gefilmt. Johnson unterlag in diesem Bürgerkrieg dann der Miliz von Charles Taylor; er ging ins Exil nach Nigeria und soll dort religiös geläutert worden sein. Nach seiner Rückkehr nach Liberia entschuldigte er sich bei der Familie Does und trat vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission auf. Der ehemalige Warlord wurde dann ins Parlament Liberias gewählt. Kopien des Videos von der Ermordung Does zirkulierten in Westafrika, auch auf Youtube finden sich Ausschnitte davon. Der ivorianische Schriftsteller Ahmadou Kourouma schrieb über Does Ermordung im Roman “Allah n’est pas obligé” (2002).

Auch Libyens Herrscher Ghadaffi wurde zu Tode gefoltert, als er mit seinem Auto-Konvoi zum Abschluss des Aufstandes gegen ihn 2011 in Sirte (mit westlicher Hilfte) in die Hände von Aufständischen fiel. Er wollte anscheinend nach Niger fliehen. Auch davon gibt es Film-Aufnahmen, etwa wie ihm ein Messer in den Anus gestochen wird.

Ermordet im Rahmen oder in Folge von einem Umsturz wurden auch Abdelkarim Kasim im Irak 1963, Gaius Julius Caesar 44 vC (Römische Republik), Nikolai (II.) Romanov (die Geschehnisse von 1918 sind heute weitgehend aufgeklärt), Patrice Lumumba oder Benito Mussolini. Mussolinis Fall stand freilich im Zusammenhang mit einer militärischen Entscheidung, aber da italienische Kräfte an diesem Kampf gegen ihn und Nazi-Deutschland beteiligt waren, ist es etwas Anderes als ein Sturz durch eine Invasion/Besatzung gewesen. Mussolini wurde von Widerstandskämpfern gegen sein Regime gefangen genommen und exekutiert, dann ausgestellt.

Mussolini (zweiter von links)

* Infolge eines Umsturzes oder einer Besetzung abgeurteilt und exekutiert wurden etwa Amir-Abbas Howeida, Nicolae Ceausescu (Foto), Adnan Menderes, Nazis wie Ernst Kaltenbrunner, Zulfikar A. Bhutto oder Saddam Hussein. So unterschiedlich diese Fälle sind, vom Charakter des betreffenden Regimes bis zu den Umständen der Aburteilung, wenn man die Kategorie so definiert, gehören sie alle zu ihr. Hussein wurde von der Besatzungsmacht gefangen genommen und unter der “Nachfolge”-Regierung vor Gericht gestellt. Angesichts der Menge an (hauptsächlich) Irakern, die unter ihm getötet wurden, braucht man hier nicht anfangen, nach der Angemessenheit der Todesstrafe zu fragen oder über das Verhalten der anscheinend schiitischen Wärter bei der Exekution (https://www.youtube.com/watch?v=eqwTvHIU43c) diskutieren. Louis (XVI.) de Bourbon wurde 4 Jahre nach dem Umsturz verurteilt (durch das Parlament) und hingerichtet (durch die Guillotine).

25. 12. 1989, Targoviste, kurzer Prozess mit den Ceaucescus
25. 12. 1989, Targoviste, kurzer Prozess mit den Ceausescus. Innerhalb von 3 Tagen verlor der Despot Macht und Leben

* Der römische Kaiser (253 bis 260) Valerian (Publius Licinius Valerianus) bemühte sich um die Wahrung der Reichs-Grenzen, gegen Goten wie Perser, und liess Christen verfolgen. 53 vC fand das erste Aufeinandertreffen der Heere des Römischen Reichs und Persiens statt, in Mesopotamien, danach brachen bis zur arabisch-islamischen Expansion über Jahrhunderte hinweg immer wieder Kämpfe statt, in Mesopotamien, Syrien, und Armenien. Die Grenze der Reiche verlief meist am Euphrat. Valerian kümmerte sich selbst um die Abwehr in Syrien. 260 unterlag er mit seinen Truppen bei Edessa (Syrien) gegen die Perser unter dem Sasaniden Schapur I. Kaiser Valerian wurde dabei gefangen genommen, ein einmaliger Vorgang in der römischen Geschichte, auch die dort anwesenden römischen Politiker und Offiziere. Es zirkulieren diverse Geschichten über Valerians Gefangenschaft, etwa dass er jedesmal wenn der persische König ein Pferd bestieg, diesem als „Leiter“ dienen musste – wie es in einem “Triumphrelief” für Schapur in Naqsch-e Rostam dargestellt ist. Sicher ist, dass Valerian nie mehr frei kam und in der Gefangenschaft starb.

Odenathus/Udhainat von Palmyra griff die Perser auf ihrem Rückweg vom Edessa-Sieg an, siegte. In weiterer Folge wurde der Stadtsstaat (de facto) unabhängig vom Römischen Reich, übernahm die Herrschaft über Teile seines Orients. Palmyra wurde für einige Jahre Rivale der Perser in Syrien bzw an seiner Westgrenze.

Infolge eines Umsturzes oder einer militärischen Niederlage eingesperrt/verurteilt wurden auch Nawaz Sharif, Erich Honecker, Mohammed Nashid, Karl Dönitz, Slobodan Milosevic, Hosni Mubarak, Jorge Videla (lange nach der Demokratisierung), Miklos Horthy oder Philippe Petain. Napoleon (III.) Bonaparte musste infolge eines verlorenen Kriegs abtreten und ins Exil gehen, seinem Onkel war es ähnlich gegangen.

* Im Amt befindlich ermordet wurden u.a. Abraham Lincoln, der saudisch-arabische König Faisal al Saud (1975 von seinem Neffen im Palast), JFK, Hendrik Verwoerd, Yizak Rabin, Anwar Sadat, Rafik Hariri, Luis Carrero. In diesen Fällen war der Mord nicht mit einem Umsturz verbunden und wurde daher als Verbrechen geahndet. Engelbert Dollfuss wurde im Rahmen eines Putschversuchs getötet, gehört auch in diese Kategorie.

* Im Rahmen einer militärischen Aktion getötet wurden Ahmed Yassin (in Gaza), Osama Bin Laden oder Salvador Allende. Allende verübte wahrscheinlich Selbstmord im Präsidentensitz Moneda, der angegriffen wurde, kurz zuvor wurde ein Foto von ihm gemacht.

* Abgesetzt worden und dabei Exekution, Gefängnis und Exil entgangen sind zB Alexander Dubcek, Mohammed Mossadegh, Sukarno, Nikita Chrustchow, Necmettin Erbakan. Und Romulus August(ul)us, der letzte Kaiser des Weströmischen Reichs.

Die Krise des Römischen Reichs im Westen hatte schon vor der Reichsteilung begonnen, durch den Einfall germanischer Stämme infolge der Völkerwanderung.  Im Weströmischen Reich dominierte am Ende das Heer, und darin spielten Germanen eine wichtige Rolle. Die Umstände der Erhebung von Romulus Augustus zeigen schon die Machtlosigkeit des Kaisertums gegenüber dem Heer. Nachdem Heermeister Orestes 475 Romulus’ Vater als Kaiser Westroms abgesetzt hatte, erhob er diesen zu seinem Nachfolger. Dieser war damals 15 Jahre alt, sein Spottname “Augustulus” gibt seine Bedeutungslosigkeit und Unerfahrenheit wieder. Das Ende kam im Jahr darauf, mit einem Aufstand der “Barbaren” im römischen Heer wegen Benachteiligungen gegenüber den “echten Römern” dort, nachdem Heermeister Orestes die Forderungen abgelehnt hatte. Anführer war Odoaker, einer der Militärherrscher Westroms, in deren Schatten die Kaiser standen. Orestes, der sich den Aufständischen mit seinen Truppen entgegen stellte, wurde im Kampf getötet.

Der Putsch war erfolgreich, der Kaiser wurde abgesetzt. Für Romulus Augustus wurde kein Nachfolger mehr ernannt. Der Anführer der meuternden Germanen im weströmischen Heer, Odoaker, unterstellte sich dem Oströmischen Reich, wurde von diesem einstweilen als eine Art Lokalherrscher anerkannt. Romulus wurde aus der Hauptstadt Ravenna verbannt, auf ein Landgut bei Neapel, bekam eine Pension ausbezahlt. Es heisst, er habe sich dann der Gartenarbeit gewidmet. Die Abschaffung des Kaisertums wird meist als Ende des Weströmischen Reichs gesehen und als eines der Ereignisse, die das Ende der Antike markieren.

Odoaker wurden dann von den Ostgoten abgesetzt, dann griff Byzanz direkt in Italien ein, das Frankenreich dehnte vom Norden seinen Machtbereich aus,… Zu Beginn des Hoch-Mittelalters hatten sich dann in Italien (ein rein geografischer Begriff damals) die Verhältnisse ausgebildet, die die Region für Jahrhunderte prägen sollten: Byzantinische Herrschaft im Süden (Einfälle der Araber,…), der Kirchenstaat in der Mitte, das Ost-Frankrenreich im Norden (Bildung lokaler Herrschaften dort).

* Von einer gegnerischen Macht entführt und verurteilt wurden etwa Adolf Eichmann (lange nach seiner Machtausübung), Abdullah Öcallan (der relativ wenig Macht ausübte; auch hier war Israel beteiligt), Manuel Noriega.

* Ermordet nach der Zeit der Machtausübung, von privater oder staatlicher Seite wurden Talat Pascha, Haupt-Verantwortlicher für den osmanischen Völkermord an den Armeniern (wurde in der Zwischenkriegszeit in Berlin von einem solchen getötet), Schapour Bachtiar (ebenfalls im Exil; hatte sich nichts zu Schulde kommen lassen; Untertauchen bzw Rücktritt war erzwungen gewesen), Mohammed Najibullah (im Rahmen eines neuen Umsturzes; auch zu Tode gefoltert).

* “Normal” gestürzt wurden zB Tunesiens Ben Ali (> Exil Saudi-Arabien), Ferdinand Marcos (Exil USA), Georgios Papadopoulos (durch Demokratisierung; >Gefängnis), Manuel (II.) de Bragança (letzter König Portugals), Mehmet (VI.) Osmanoglu (der letzte Sultan des Osmanischen Reichs, 1918-1922, von der Atatürk-Regierung zu Rücktritt und Exil gezwungen),…

* Harold Holt verschwand im Meer als er australischer Premier war, starb wahrscheinlich eines Unfall-Tods (Ertrinken). Beim marokkanischen Oppositionellen Mehdi Ben Barka wurde das “Verschwinden” sicher vom Regime des Landes herbei geführt.

* Ohne Umsturz abgeurteilt und eingesperrt wurde Mosche Kazav, wegen sexuellen Vergehen. Philippiniens Ex-Präsident Joseph Estrada, ein früherer Schauspieler, wurde wegen Korruption verurteilt. Er wurde dann von seiner Nachfolgerin begnadigt und ist seither wieder als Politiker aktiv. Bettino Craxi entging einer Verurteilung, indem er nach Tunesien ging. Bei Strauss-Kahn kam der Rücktritt (als IWF-Direktor) aufgrund von Verhaftung und Anklage. Ivo Sanader trat wie Kazav vor seiner Verurteilung (zu einer Gefängnisstrafe) zurück.

* “Normale” Rücktritte: Wulff, Köhler, Profumo, Thatcher, Mbeki, Ter-Petrossian, Ratzinger, Edward (VII.) Windsor, Juan Carlos (I.) de Borbon, Ramiz Alia (er im Rahmen einer politischen Umwälzung),… Nixon kam mit seinem Rücktritt einer Amtsenthebung zuvor. Torontos Bürgermeister Robert Ford wurde “entmachtet”, nachdem 2013 bekannt wurde, dass er Crack geraucht hatte, er blieb aber de jure im Amt. Erst mit dem Ende seiner Amtszeit Ende 2014 änderte sich das. Zu dem Zeitpunkt war bereits seine schwere Tumor-Erkrankung bekannt, an der er vor kurzem starb. Nuri al Maliki wurde mehr oder weniger zum Rücktritt gezwungen. Auch Karl (von) Habsburg-Lothringen, letzter Kaiser Österreich-Ungarns, wurde zum Abtritt gedrängt. Alberto Fujimori ging ins Exil und erklärte von dort seinen Rücktritt. Belgiens König Baudouin/Boudewijn/Balduin I. trat 1990 aus Protest gegen ein Abtreibungsgesetz (bzw um seine Zustimmung zu diesem Gesetz nicht gegen zu müssen) für einen Tag zurück.

* In Australien gibt es eine Tradition der Abwahl von Regierungschefs durch die eigene Parlamentsfraktion, zuletzt erging es Anthony Abbott so. Öfters kommt es vor, dass Politiker vom Elektorat abgewählt werden. Von Silvio Berlusconis 4 Amtszeiten als italienischer Premier endete nur eine durch eine Abwahl, die anderen durch Rücktritte. Jedesmal wurde er danach wieder politisch aktiv.

* Dann gibt es Fälle, die in keine der angeführten Kategorien ganz passen:

Michail Gorbatschow trat am 25. Dezember 1991 als Präsident der Sowjetunion zurück, erklärte das Amt für aufgelöst. Am nächsten Tag erklärte sich das sowjetische Parlament, der Oberste Sowjet, für aufgelöst und anerkannte die Unabhängigkeit der 12 Staaten, die die GUS bildeten. SU-Regierung hatte es schon lange keine eigene mehr gegeben. Der grösste Teil der Macht war bereits vorher, in den Monaten seit dem Putschversuch im Sommer dieses Jahres, an den russischen Präsidenten Jelzin übergegangen. Gorbatschow verlor seine Macht weil sich der Staat, dessen Präsident er (gewesen) war, auflöste; oder anders herum: sein Rücktritt war einer der Schritte, die diesen Staat auflösten. Er, der am Ende des Kalten Kriegs Führer der kommunistischen Welt gewesen war, musste sich nun in einem Russland, das zur Marktwirtschaft überging, behaupten. Es heisst, dass sein Ansehen im Westen höher ist als im Russland. Einige Versuche, in der russischen Politik Fuss zu fassen, waren erfolglos. Im Westen verdient er sich etwas zu seiner “sowjetischen” Pension dazu, mit Vorträgen, Auftritten wie bei den “World Awards” oder der Mitarbeit an einer Kinder-CD, mit Bill Clinton.

Lothar de Maiziere verlor seinen Posten als Ministerpräsident der DDR auch, indem dieser Staat “abgeschafft” wurde – was er freilich maßgeblich mit betrieben hat. Seine politische Karriere im vereinten Deutschland war bald zu Ende, da Vorwürfe bezüglich “Stasi”-Mitarbeit erhoben wurden.

George VI. war der letzte britische König, der auch über (ganz) Irland herrschte; nachdem er diese Funktion verlor, behielt er genug andere. Nicht wirklich ein Fall.

Der letzte griechische König, Konstantin II. (aus dem Haus Glücksburg, das aus Dänemark stammt), arbeitete mit der Militärjunta, die sich 1967 an die Macht geputscht hatte, zusammen, ging nach einem versuchten Gegenputsch ins Exil, fiel bei den Offizieren im Laufe der Jahre in Ungnade und wurde abgesetzt, was nach der Demokratisierung in einem Referendum bestätigt wurde. Er gehört zu jenen Ex-Monarchen, die lange Kämpfe um die Möglichkeit der Rückkehr in ihr ehemaliges Herrschaftsland sowie um Restitution von Immobilien und mobilen Gütern führten. Wie auch Mihai de Hohenzollern, der einst zu Rücktritt und Exil gezwungen wurde

Mahatma Gandhi war nie ein Herrscher, eigentlich nur ein Aktivist des INC, als solcher aber doch sehr bedeutend. Er von einem “Eigenen” ermordet, einem hinduistischen Inder. In seinem letzten Lebensjahr musste er damit fertig werden,  dass die Unabhängigkeit Indiens in Form einer Teilung zu Stande kam, und kämpfte gegen die damit verbundene Gewalt an.

Viktor Yanukovichs Abtritt als ukrainischer Präsident 2014 passt auch in keine der Kategorien hier.

Der Präsident der von der USA abgespaltenen CSA (Konföderierte Staaten Amerikas; “Südstaaten”), Jefferson Davis, verlor durch die Niederlage im amerikanischen Bürgerkrieg “seinen” Staat und seine Freiheit. Sein Fall passt irgendwie zu dem Honeckers oder aber Chrustschows, i-wie auch zu Eichmann (aus der Sicht jener, für die die CSA legitim waren), aber irgendwie auch nicht ganz. Davis, der Afro-Amerikaner “human beings of an inferior race” nannte, war am Kriegsende auf dem Weg ins Ausland, um eine Exilregierung zu bilden. Er wurde mit seiner Familie und weiteren Begleitern am 10. Mai 1865 nahe Irvinville, Georgia, von USA-Truppen gefangen genommen. Er wurde wegen Verrats angeklagt und blieb 2 Jahre in Untersuchungshaft in Fort Monroe, Virginia. Papst Pius IX., der sich selbst nach der Gründung Italiens als “Gefangener im Vatikan” sah, schrieb dem Episcopalisten Davis einen Brief. 1867 wurde Davis gegen Kaution freigelassen, die u.a. der Eisenbahn- und Schiffs-Magnat Cornelius Vanderbilt zahlte.

Es gab lange Diskussionen über Verrats-Prozesse gegen Davis und andere Führer der CSA, unter Präsident Johnson, der dem getöteten Lincoln nachgefolgt war. Es gab letztendlich keine. Ein Grund war, dass man (im Norden) nach Abspaltung und Krieg auf Versöhnung setzte. Dann setzte sich auch die Ansicht durch, dass der Norden bzw die Union dabei nur verlieren könne. Ein Freispruch würde diese(n) blamieren, ein Schuldspruch würde aus Davis oder General Lee Märtyrer machen. Manche Nord- UND Südstaatler wollten Prozesse, um ihre Sache zu argumentieren. Davis wurde angeblich freigelassen, nachdem Oberrichter Chase festgestellt hatte, dass es in der Verfassung der USA nichts gab, das die Sezession von Bundesstaaten verbat. 1868 erliess Präsident Johnson eine Amnestie für alle CSA-Führer und -Offiziere, was “Hochverrat” (bzw die Sezession und das Kämpfen dafür) betraf. Es hatte Todesstrafen für Deserteure gegeben und eine für Kriegsverbrechen, für den aus der Schweiz stammenden Gefängnisdirektor Henry Wirz. Das Verfahren gegen Davis wurde erst 1869 eingestellt, die Anklage blieb einige Monate über die Amnestie aufrecht.

1872 wurden Wahl- und andere Bürgerrechte von Kriegsteilnehmern wieder hergestellt, ausgenommen blieben militärische und politische Führer. Davis wurde einige Jahre später wieder in den Senat (der USA) gewählt, durfte den Sitz aber nicht einnehmen. Anscheinend hat er auch seine Plantage verloren. Um seine materielle Existenz musste er sich dennoch keine Sorgen machen. Die Zustände im Süden der USA bezeichnete er als “Yankee and Negros Rule”, aber “leise”. Er schrieb ein Buch über die CSA. Die Milde, die die Regierenden der USA über die Sezessionisten walten liessen, war eine auf Kosten der Schwarzen, deren echte Befreiung weitere 100 Jahre auf sich warten liess! Es gibt zwei gute Bücher zur “Abrechnung” mit Davis und anderen CSA-Führern nach dem Krieg, von Albert T. Bledsoe’s “Is Davis A Traitor? or Was Secession a Constitutional Right Previous to the War of 1861” (1866) und “Why Didn’t The North Hang Some Rebels?” von William Blair; soviel ich weiss, nicht auf deutsch übersetzt.

Übrigens, die USA steckte einst hinter der Sezession eines Teils der mexikanischen Region Coahuila y Tejas, der als “Republic of Texas” zunächst 1836 als unabhängig proklamiert wurde und 1845 von der USA annektiert wurde. 1846 folgte auf das ein Krieg, infolge dessen Mexiko weitere Teile seines Gebiets an USA verlor. Auch die Sezession Panamas von Kolumbien wurde von der USA betrieben Und, als sich die USA von Grossbritannien abspaltete, war der spätere Nationalheld George Washington in der Rolle von Davis, mit dem Unterschied, dass diese Sezession gelang. Auch Irland entstand durch einen Unabhängigkeitskampf (wieder), der aber keiner zwischen Kolonisten und Mutterland, sondern zwischen Autochthonen und Besatzern war. Der spätere Staats- und Ministerpräsident Eamon De Valera beteiligte sich am Osteraufstand in Dublin gegen die britische Herrschaft 1916 (mit dem der Kampf begann), wurde nach dessen Scheitern verhaftet und zum Tode verurteilt. Da er jedoch in der USA geboren war und deren Staatsbürgerschaft besaß, wurde dieses Urteil in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt (die er allerdings nur stark verkürzt verbüßte).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NHL/IIHF

Die beiden Listen hier sind komplementär zueinander. Die richtig guten Nordamerikaner kamen erst ab Ende der 1970er zu WM und Olympia (davor entweder nur Amateure oder gar nicht), aus sportpolitischen Gründen; Osteuropäer erst ab Ende der 1980er in die NHL (davor nur in Ausnahmefällen, Geflüchtete), aus weltpolitischen Gründen. Mit der Pausierung der NHL während Olympia ab 1998 (und der daraus resultierenden Teilnahme der besten Eishockey-Spieler beim Olympia-Turnier) sind die beiden Parallelwelten einander weiter näher gekommen.

Die Summit Series ab 1972 sowie die Nachfolgeturniere Canada Cup und World Cup sind hier inkludiert als Turniere welche von Nationalmannschaften bestritten wurden (auch wenn sie nicht von der IIHF veranstaltet wurden). Somit scheinen zB “Gordie” Howe und Frank Mahovlich nicht in oberer Aufzählung auf. Jene, die in beiden Welten gespielt haben, wie Gretzky oder Fetisov, scheinen natürlich in keiner der beiden auf.

Die besten Eishockey-Spieler bis jetzt, die nie für eine Nationalmannschaft bzw ein Turnier spielten:

sind hauptsächlich Nordamerikaner, deren Spielzeit vor den 1970ern (Summit Series) lag

* Jean Béliveau (1950-71 in der NHL)

* Maurice Richard

* “Red” Kelly

* Alex. Delvecchio

* Henri Richard

* Timothy Horton

* Terry Sawchuk

* Jacques Lemaire (zur Summit Series 72 nicht einberufen)

* John Bucyk

* Doug Harvey

* Jacques Plante

* “Dave” Keon

* Frank Brimsek (jener US-Amerikaner, der neben lauter Kanadiern hier am ehesten Berücksichtigung verdient)

Gipfeltreffen im Kalten Krieg: Summit Series 1972. Vor Spiel 1, die Kapitäne Boris Mihailov & Phil Esposito, mit Kanadas Premier Trudeau
Gipfeltreffen im Kalten Krieg: Summit Series 1972. Vor Spiel 1, die Kapitäne Boris Mihailov & Phil Esposito, mit Kanadas Premier Trudeau

Die besten Spieler, die nie in der NHL spielten:

sind hauptsächlich Osteuropäer (Sowjetunion, Tschechoslowakei), die vor dem Fall der dortigen kommunistischen Systeme 1989/90 spielten, bzw nicht flüchten wollten oder konnten (was zB Stastny oder Mogilny getan haben); ausserdem Schweden oder Finnen vor den 1980ern, als diese erst zahlreich in die NHL kamen; sowie Spieler aus kleinen EH-Nationen (wozu auch Deutschland gehört) vor Ende der 1990er, als sich für sie die Türen in diese Liga erst richtig zu öffnen begannen

* Vladislav Tretjak (SU/Rus)

* Valeri Charlamov (SU)

* Alexander Maltsev (SU)

* Vjacheslav Bykov (SU)

* Boris Michailov (SU)

* Valerij Vasiljev (SU)

* Jiri Holecek (CS/Cze)

* Vladimir Petrov (SU)

* Alexander Ragulin (SU)

* Alexander Yakushev (SU)

* Sven “Tumba” Johansson (Swe)

* Michael Eruzione (USA)

* Vladimir Dzurilla (CS/Svk)

* Erich Kühnhackl (BRD)

* Mika Nieminen (Fin)

* Anatoli Firsov (SU)

* Rudolf Hiti (YU/Slo; wohl der beste Slowene im EH bevor Anze Kopitar daherkam, stand knapp vor einem Engagement bei den Chicago Blackhawks)

* Herbert Hohenberger (Öst; eher als Josef Puschnig; spielte in der Quebec Major Junior Hockey League/ Ligue de hockey junior majeur du Québec)

* Richard Torriani (CH; vor und nach 2. Weltkrieg aktiv)

* Sergej Kapustin (SU)

* Vaclav Nedomansky (CS)

* Harold Watson d. Ä. (Can)

* Harry Sinden (Can; als Trainer & Manager schon, davor mit Amateur-Klub-Teams bei WM und Olympia)

Trainer: Viktor Tichonov

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die besten Fussballspiele bis jetzt

* Brasilien-Italien 4:1, Finale WM 1970, Pelés dritter WM-Sieg

* Frankreich-Deutschland 3:3 n.V., Sieg für Deu. n.E., Semifinale WM 1982; Rummenigge: “Die Franzosen wollten uns, als es 3:1 stand, eine Lehre erteilen” – wahrscheinlich haben sie dadurch die Führung verspielt; neben damatischem Spielverlauf und Elferdrama blieb Schumachers gefährliches Spiel gegen Battiston in Erinnerung.

* Frankreich-Brasilien 3:0, Finale WM 1998

* Argentinien-Deutschland 1:1 n.V., 2:4 Elfer, Viertelfinale WM 2006

* England-Deutschland 4:2 n.V., Finale WM 1966, umstrittenes Tor von Hurst

* Brasilien-Deutschland 2:0, Fin. WM 02

* Brasilien-Niederlande 3:2, Viertelfinale WM 1994

* Argentinien-Niederlande 3:1 n.V., Finale WM 1978

* Brasilien-Italien 2:3, Zwischenrunde WM 1982, die “Wiederaufstehung” von Paolo Rossi

* Manchester United – Bayern München 2:1, Finale EC I 1999

* Niederlande-Italien 0:0 n.V., 1:3 Elfer, Semifinale EM 2000

* Italien-Argentinien 1:1 n.V., 3:4 Elfer, Semifinale WM 1990

* Frankreich-Brasilien 1:1 n.V., 3:4 Elfer, Viertelfinale WM 1986

* Brasilien-England 2:1, Viertelfinale WM 2002

* Brasilien-Niederlande 1:1 n.V., 4:2 Elfer, SF WM ’98

* Argentinien-Deutschland 3:2, Finale WM 1986

* Niederlande-Deutschland 1:2, Finale WM 1974

* England-Deutschland 1:1 n.V., 5:6 Elfer, Semifinale EM 1996

* Italien-Deutschland 4:3 n.V., Semifinale WM 1970

* Belgien-Sowjetunion 4:3, Achtelfinale WM 1986

* Italien-Deutschland 3:1, Finale WM 1982

* Niederlande-Sowjetunion 2:0, Finale EM 1988

* Italien-Deutschland 2:1, Semifinale EM 2012

* Deutschland-Italien 0:2, SF WM 06

* Argentinien-England 2:2 n.V., 4:3 Elfer, Achtelfinale WM 1998

* Spanien-Russland 3:0, Semifinale EM 2008

* Brasilien-Schottland 4:1, Vorrunde WM 1982

* AC Milan-FC Barcelona 4:0, Fin. EC I 1994

* Spanien-Deutschland 1:0, SF WM 10

* Deutschland-Ungarn 3:2, Finale WM 1954 (“Wunder von Bern”; deutsche Mannschaft gedopt?; ein blutjunger Joseph Blatter war unter den Zusehern)

* Niederlande-Deutschland 1:2, WM 90 AF

* Liverpool-AC Milan 3:3 nV, Sieg nE, CL-Fin. 05

* Ghana-Uruguay 1:1 n.V., 2:4 Elfer, Viertelfinale WM 2010

* Brasilien-Argentinien 0:1, AF WM 90

* Real-Benfica 3:5, Fin. EC I 62

* Schweden-Rumänien 2:2 n.V., 5:4 Elfer, Viertelfinale WM 1994

* Brasilien-Italien 3:3, Tournoi de France 1997

* Kamerun-England 2:3 n.V., VF WM 1990

* Brasilien-Argentinien 2:2 n.V., 4:2 Elfer, Fin. Copa America 04

* Brasilien-Schweden 5:2, Finale WM 1958

* Spanien-Südkorea 0:0 n.V., Elfer 3:5, Viertelfinale WM 2002

* Deutschland-England 5:1, WM-Qu. 01

* Brasilien-Niederlande 0:2, ZR WM 74

* Tschechoslowakei-BRD 2:2 nV, Sieg nE, Fin. EM 76

* Uruguay-Brasilien 2:1, Finalrunde WM 1950

* Brasilien-Mexiko 1:2, Fin. Olympia 12

* Australien-Kroatien, VR WM 06

* Sowjetunion-Brasilien, Fin. Ol. 88

* Dortmund-Juve 3:1 ECI-Fin 97

* Ita.-Fra., Fin. WM 06

* Liverpool-M’gladbach 3:1, Fin. ECI 77

* Bra-Deu 4:1, Mini-WM 80/81 VR

* Mex-Bra CC-Fin 99

* Bra-Col VF WM 14

* Ita-Esp EM 12