“Langsame”

Gefunden und kopiert in einem IT-Forum:

“FUCK BENZOS

Yo, HIGH, kann sein das ich ein paar Rechtschreibfehler mache, da ich gerade eben nen Sud aus Ipomea tricolor Seeds getrunken hab. Was ich eigentlich sagen will, ich nehm Benzodiazepine seit sechs Jahren zeitgleich wie ich mit Morph anfangen habe.

ich hatte bis vor zwei Monaten einen Supr Arzt der mir immer 3!!!! Rezepte vollschrieb und manchmal noch ein SG-Rezept mit Morph. noch dazu- war geil also ich kann nur sagen : das ich schon sooooo viel scheisse auf Benzos gemacht habe, weil sie mich enthemmen, euphorisieren, Selbstbewusster werden lassen – usw. eingfach geil.

leider ist der Arzt von den Krankenkassen in den Arsch gefickt worden, sozusagen -und ich krieg nix mehr ausser mein M vom Substi.programm 360mg/Tag >
Hör grad im Fernsehn dass sich ein 18 jähriger auf Engelstrompete den Schwanz abgenschintten hatt!!!

Is ja argh fett, oder was meint ihr – X-Trem Heftig.
Gartenschere, o manno -, kommt mir jetzt argh-puh, zurück zu Benzos- ich bin “jetzt” auf direkten ,unerwünschten Valium-entzug, hauptsächlich auch andere Benzos wie zb. Tetrazepam, usw.

ich kasnn nur sagen das beste dagegen, gegens psychische, ist ein Trip, wie ich gerade Trichtrewinden-LSA x-Tract , zu dem Zeitpunkt merk ich vom Benzokracher fast gar nix.

gegenteil mir gehtz Vollgeil, Acidlike – nur, und das is wichtig, wenn man urlang die pilln gfressn hat sollt man sich langsam runtersetzten denn normaler weise gehtz mir saubeschissen.

Paranoia, Angst-Panikattacken, man geht kam raus weil man sich so anscheisst vor den Leuten, und ausserdem Herzbeschw.- das volle Programm.

ich sags euch, ich hab jeden Tag morgens bevor ich in die Apo geh mein M holen einen Affen, aber der ist n scheiss gegen Benzoentzug, so scheisse jetzt kann icg fast die tasten nimma sehn, LSA is siuper- alsw9o ,Lasst die Benzos lieber bleibem einmal ja, aber bei dem bleibtz nicht ,entscheidetz euch –
sucht oder leben, ich geh jetzt trippen….”

 

“Langsame” oder “Downer” bezeichnen im Szenejargon beruhigende und einschläfernde Pharmaka, Mittel mit müde-machender, entspannender und angstlösender Wirkung. Die Sammelbezeichnung auf Englisch ist “depressant”. Sie sind das Gegenteil zu “Uppern” oder Stimulantien oder Speed-Mitteln. Auch hier ist die Doppelbedeutung/ bzw -verwendung als Medizin und Droge gegeben, ist eine saubere Abgrenzung schwierig. Ist die “Rauschverwendung” von Downern immer Missbrauch bzw ist sie wirklich so anders als die medizinisch verordneten? Der grösste Teil auch der “illegal” verwendeten Langsamen wird legal hergestellt, die Ausnahme sind (heute) Methaqualon-Präparate.

Auch das trägt zur Akzeptanz der Mittel bei. Der Herr dessen Bericht oben steht, nimmt die “Benzos” (Benzodiazepine) anscheinend neben bzw anstatt Opiaten. Die meist in Tablettenform hergestellten bzw konsumierten Downer haben ein grosses Suchtpotential, sind im Westen nach Alkohol die Suchtdroge Nr 2. Eingeteilt werden können sie in synthetische Sedativa/Beruhigungsmittel, synthetische Hypnotika/Schlafmittel, pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Mulungu1; teilweise werden auch Ethanol/Alkohol, bestimmte Analgetika/Schmerzmittel (insbesondere Opiate), und Halluzinogene wie Cannabis dazu gezählt.

Kulturgeschichte

Hier ist nur von pharmazeutischen Beruhigungs- und Schlafmitteln die Rede, nicht von den pflanzlichen Downern, Alkohol und Opiaten. Diese hier nicht behandelten waren früher (bis ins 19. und 20. Jh hinein) vielerorts die Beruhigungs- und Schlafmittel (auch Narkosemittel!), stellen heute eine Alternative zu den pharmazeutischen dar. Das erste synthetisch hergestellte Schlafmittel war Chloralhydrat, 1832 von Justus von Liebig in Giessen (damals Deutscher Bund), der auch Chloroform entdeckt hat. Es wurde 1869 von Oscar Liebreich in der Behandlung von Schlafstörungen eingeführt. Die Weiterentwicklung waren Barbiturate. Barbiturate sind die Salze der Barbitursäure.

Barbitursäure wurde erstmals 1864 von Adolf von Baeyer hergestellt, also auch in Deutschland. Joseph von Mering und Emil Fischer entwickelten Ende des 19., Anfang des 20. Jh das erste Barbiturat mit schlafanstossender Wirkung, Barbital. Von Mering probierte den Wirkstoff auf einer Zug-Reise nach Italien aus, wachte in Verona auf. So brachte Merck 1903 Barbital unter dem Markennamen “Veronal” auf den Markt – das erste Barbiturat bzw das erste Schlafmittel auf Barbitursäure-Basis. Barbitursäure-Derivate waren für viele Jahrzehnte die Schlafmittel schlechthin. Sie wurden auch als Beruhigungsmittel (bzw zur Behandlung von Angstgefühlen), zur Behandlung von Epilepsie sowie als Anästhetikum eingesetzt. Wie die anderen synthetischen Downer wirken Barbiturate auf’s zentrale Nervensystem.

Barbiturate wurden ein Ausweichmittel für Morphinisten, da sie zu einer Zeit als für Morphium und andere Opiate Einschränkungen kamen (im Deutschen Reich etwa um 1930), frei erhältlich waren. Schlafmittel und andere Pharmaka kamen im internationalen Drogenregime zu den akzeptierten Drogen. Manche bevorzugten auch damals schon diese Art des Rausches bzw der Konfliktlösung, nahmen Barbiturate nicht als Ersatz sondern um ihrer selbst willen. So oder so gab es in den frühen Jahrzehnten des 20. Jh die ersten Fälle von Schlafmittelsüchtigen. Und in Heil- und Pflegeanstalten “züchtete” man weitere heran, Patienten die durch Barbiturate ruhig gestellt wurden.

Grünenthal 2 durfte 1957 in der BRD das Beruhigungs- und Schlafmittel “Contergan” auf den Markt bringen, Wirkstoff war Thaliodomid. Das rezeptfrei erhältliche Mittel bewirkte missgebildete Kinder von Schwangeren, kam man 1960/61 drauf, worauf es natürlich vom Markt genommen wurde. Etwa 5000 in der BRD und nochmal soviele Kinder im Ausland kamen unter dem Einfluss dieses Medikaments auf die Welt. Viele davon haben Beachtliches erreicht, wie Thomas Quasthoff. Der Prozess gegen Grünenthal fand 68-70 statt.

Leo Sternbach, ein jüdischer Auswanderer aus Europa, der in der USA für den Schweizer Pharmaka-Konzern Hoffmann–La Roche forschte, entdeckte 1957 (durch Zufall) die beruhigende Wirkung von Chlordiazepoxid. Dieses erste Benzodiazepin wurde ab 1960 von dem Konzern als “Librium” vermarktet. 1963 brachte Hoffmann–La Roche ein anderes Benzodiazepin, Diazepam (“Valium”), heraus. “Benzos” waren/ sind in den meisten Ländern verschreibungspflichtig. Sie lösten noch in den 1960ern im Westen die Barbiturate (u.a. “Veronal”) ab, als dominierendes Schlafmittel, wurden wichtigste Gruppe der Tranquilizer.

Dies weist auch darauf hin, dass Schlafstörungen meist Folge psychosozialer Unstimmigkeiten sind. Besonders “Valium” erfreute sich grosser Beliebtheit. Gegen Ende der 70er waren Benzodiazepine die weltweit am meisten verschriebene Medikamentengruppe. Barbiturate wurden wegen ihrem Abhängigkeitspotential und ihrer Toxizität bald nicht mehr als Schlafmittel verwendet, nur noch als Injektionsnarkotika und Antiepileptika.

Systematik und Wirkungen

Schlafmittel (Hypnotika) fördern den Schlafvorgang, durch Verminderung der Aktivität des Wach-Systems im Gehirn. Je nachdem, ob die Schlaflosigkeit (Insomnie) eher beim Einschlafen oder in der Durchschlafphase auftritt, kommen entweder Mittel mit kurzer oder aber solche mit längerer Wirkdauer zum Einsatz. Beruhigungsmittel (Sedativa) dämpfen die Funktionen des zentralen Nervensystems. Es gibt fliessende Übergänge von Beruhigungsmitteln zu Schlafmitteln und Betäubungsmitteln (Narkotika). In höherer Dosierung und intravenös werden kurz wirksame Schlafmittel verwendet, um einen Patienten bei einer unangenehmen Untersuchung (beispielsweise Magen- oder Darmspiegelung) ruhigzustellen (zu sedieren). In der Anästhesie dienen diese zur Einleitung einer Narkose.

Es sind folgende Arten synthetischer Schlaf- und Beruhigungsmittel zu unterscheiden:

* Benzodiazepine (im Englischen oft zu BZD, oder BZs abgekürzt) sind Verbindungen auf Basis eines bicyclischen Grundkörpers, in dem ein Benzol- mit einem Diazepinring verbunden ist. Sie wirken am GABAA-Rezeptor im Gehirn. Sie sind bei Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Panikattacken, gewissen Entzugserscheinungen und Anfällen angezeigt. Es gibt viele verschiedene “Benzos”, Diazepam/ “Valium” (& Generica), Chlordiazepoxid/ “Librium”, Lorazepam/ “Tavor”, Alprazolam/ “Xanor” (oder “Xanax“), Triazolam/ “Halcion”, Nitrazepam/ “Mogadan”, Flunitrazepam/ “Rohypnol” (oder “Somnubene”), Oxazepam/ “Adumbran” (oder “Praxiten”),  Bromazepam/ “Lexotanil”, Clobazam/ “Frisium”, Flurazepam /”Dalmadorm”, Midazolam/ “Dormicum”,… Manche der Mittel werden in Krankenhäusern oder von Notärzten bei Bedarf als Injektionslösung verabreicht, ansonsten in der Regel gegen ärztliche Verschreibung in Apotheken als Tabletten.

Zum Mildern bzw Abbrechen bei halluzinogenen Horrortrips (v.a. auf LSD) angezeigt sind Diazepam oder Lorazepam. Es heisst, dass Einbrecher “Xanor” u. ä. Mittel nehmen, um bei ihrer Arbeit schön ruhig zu bleiben. Auch Drogenschmuggler nehmen sie gelegentlich, um bei Kontrollpunkten ruhig bleiben zu können. Andere schätzen die Wirkung der Mittel um ihrer selbst willen (vielleicht, um von der Welt abzuschalten). Ende der 1970er waren Benzodiazepine die weltweit am meist verschriebenen Medikamente. “Valium” wurde (für viele Jahre) das meistverkaufte Medikament der Welt. Ein guter Teil davon war (ist) wohl missbräuchliche Verwendung. Anscheinend hat man erst in den 1980ern das Suchtrisiko dieser Stoffgruppe voll erkannt. “Benzos” gehören zur Familie der Tranquilizer, jenen Psychopharmaka, die angstlösend und entspannend wirken.

* Barbiturate sind Derivate (Abkömmlinge) der Barbitursäure. Es gibt sie als Barbital/ “Veronal”, Phenobarbital/ “Luminal”, Secobarbital/ “Seconal”, Heptabarbital/ “Medomin”, Thiopental, Hexobarbital/ “Citopan”, oder Pentobarbital, u.a. als “Nembutal” vermarktet. Barbiturate machen rasch süchtig und die Gefahr einer Überdosis ist gross. Sie werden heutzutage zur (intravenösen) Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose verwendet, hauptsächlich Thiopental. Bei Überdosierungen mit Speed sind auch Barbiturate angesagt.

Pentobarbital wurde wie die anderen Barbiturate früher als Schlafmittel (in der Humanmedizin) verwendet. In der Tiermedizin wird es zum Einschläfern eingesetzt. Von Sterbehilfeorganisationen wird Pentobarbital verwendet, um Menschen “einzuschläfern”. Und, in der USA wird es zur Einleitung bei Exekutionen mit der “Giftspritze” eingesetzt. Die erste Injektion ist dabei ein Barbiturat, Pentobarbital oder Thiopental, zur Herbeiführung von Bewusstlosigkeit (in einer Dosis, die aber für sich allein tödlich sein kann); die zweite (Pancuronium) lähmt die Muskeln, die dritte (Kaliumchlorid) bringt das Herz zum Stillstand.

* Methaqualon: Wurde auf der Suche nach einem Medikament gegen Malaria in den 1950ern in Indien entdeckt. Gefunden wurde ein Chinazolin-Derivat, das sich als Schlafmittel eignet. Der Stoff wirkt auf das zentrale Nervensystem und sedativ, ist auch ein Muskel-Relaxant. Methaqualon-Präparate wurden als Schlaf-/Beruhigungsmittel auf den Markt gebracht, sollten nicht die Nebenwirkungen bisheriger solcher Mittel haben. In der USA wurde Methaqualon in den 1960ern als “Quaalude” von der Pharmafirma Rorer eingeführt.3 In Grossbritannien oder Südafrika wurde der Stoff zusammen mit dem Antihistaminikum Diphenhydramin als “Mandrax” raus gebracht, von Roussel. Im deutschen Raum wurde es als “Mozambin”, “Normi-Nox” oder “Dormutil” (DDR) hergestellt. Es gab noch weitere Marken-Namen, etwa “Cateudil”, “Optimil”, “Malsedin”, “Renoval”, “Parest”, “Nibrole”.

Methaqualon führte aber entgegen der Versprechen der Hersteller zu physischer und psychischer Abhängigkeit, ähnlich wie Barbiturate. Dennoch wurden die als Sedativa verschriebenen Tabletten in den 1960ern und 1970ern im Westen beliebt, aufgrund ihrer euphorisierenden und aphrodisierenden Wirkung (Manche schätzten auch hauptsächlich die sedative). Die Mittel wurden illegal auf der Strasse gehandelt und als Rauschmittel benutzt. In der USA bekamen Methaqualon-Tabletten die Szenenamen “Ludes” (von “Quaaludes”), „Gorilla Biscuits“ (wegen der Grösse) und “Lemmon 714” (vom Aufdruck auf der “Quaalude”-Tablette). Süchtige brauchten bald an die 2000 mg von dem Stoff täglich, um noch etwas zu spüren. In den 70ern wurden die Vorschriften für Methaqualon-Präparate in vielen Ländern verschärft. Und Rorer Inc. verkaufte die Rechte für “Quaalude” 1978 an die Lemmon Company in Pennsylvania.4

In der USA wurde Methaqualon 1984 als “Schedule I”-Mittel eingestuft, womit die Produktion (1985) eingestellt werden musste. “Normi-Nox” und “Mozambin” mussten in Deutschland und Österreich Anfang der 1990er eingestellt werden; in der Schweiz war das Mittel als “Toquilone” länger erhältlich. Seit den 1980ern, 1990ern wird Methaqualon illegal hergestellt und verkauft (und konsumiert), oft sehr “unsauber” zubereitet, teilweise unter dem Namen “Mandrax”. Gerade in Südafrika spielt es eine wichtige Rolle. Das heute in Deutschland von Actavis hergestellte “Nachfolgepräparat” “Dormutil N” enthält den (verwandten) Wirkstoff Diphenhydraminhydrochlorid.

* Eine weitere Kategorie von Sedativa/Hypnotika sind Nicht-Benzodiazepin-Agonisten, die sich wie diese an GABA-Rezeptoren binden und ein ähnliches Wirkprofil aufweisen. Sie werden auch Z-Medikamente genannt, weil die Namen ihrer Vertreter, Zopiclon, Zaleplon und Zolpidem, mit Z beginnen.

* Reine Schlafmittel sind: Piperidine wie Doriden, Barbituraten ähnlich, Thaliodomid verwandt; Sulfone wie Sulfonal; Chinazolione wie Biosedon; Carbamide/bromierte Harnstoffe wie Sedormid (starke Nebenwirkungen); Alkohole wie Amylenhydrat (selten); Aledhyde: Chloralhydrat wird auch nimmer verwendet

* Viele Antihistaminika der ersten Generation weisen neben ihrer antiallergischen auch eine sedierende Wirkung auf. Diphenhydramin oder Promethazin werden daher auch als Schlafmittel verwendet.

* Äther (eigentlich Diethylether) war ein als Rauschmittel verwendetes Narkotikum/Anästhetikum. Merck brachte 1928 “SEE” bzw “Scophedal” heraus, aus Oxycodon, Ephedrin, Scopolamin. Es wurde zur Herbeiführung eines Dämmerschlafs (sonst damals mit Morphin und Scopolamin erzeugt), bei der Entbindung oder als Narkosevorbereitung, eingesetzt. Propofol (“Diprivan”,…) findet u.a. bei der Einleitung von Narkosen Anwendung, aber auch bei der Sedierung für gewisse Untersuchungen wie Koloskopie.5

Gemeinsam haben diese Mittel neben dem Suchtpotential den Kater/ das Hangover, das auf ihre Einnahme folgt, und die Möglichkeit von paradoxen Wirkungen.

Rauschgebrauch, Sucht

Sich mit “Langsamen” dicht machen, so dass man nichts mehr mit bekommt, ist für Viele verlockend. Äther war diesbezüglich im 19. Jh beliebt. Benzodiazepine gehören zu den “erfolgreichsten” Medikamenten, werden auch missbraucht. Zum Beispiel indem man sich ein Rezept “erschleicht”. Designer-Drogen bzw illegale “Medikamente” sind meist Upper (Speed), an Downern gibt es eigentlich nur Methaqualon, das (heute) nicht aus legaler Produktion stammt.

Es gibt den “zweckentfremdeten” Gebrauch von Downern als Ersatz für Anderes, und ihren Gebrauch als “Primärdroge”. Sie werden alleine wie auch in Kombinationen ein-genommen. Oft werden “Langsame” “komplementär” zu Speed-Mitteln genommen, bzw umgekehrt. Um von den Uppern wieder „herunter zu kommen“, werden gerne Downer eingesetzt. Elvis Presley tat das etwa. Dieser Mischkonsum bewirkt aber nur neue Teufelskreise. “Wiener Mischung” wird ein nicht ungefährlicher “Cocktail” aus Alkohol und Benzodiazepinen genannt, meist “Rohypnol” (in dieser Stadt liebevoll „Roiperl” genannt). Die Mittel verstärken sich gegenseitig.

Medikamentenmissbrauch/ -sucht soll eher weiblich sein. Sie erfolgt überwiegendst durch orale Zufuhr. Nur bei Midazolam soll es Sinn machen, die Tabletten zu zerreiben und zu sniefen, die Stoffe taugen dafür nicht, aufgrund ihrer chemischen Beschaffenheit. In Wien war früher der Karlsplatz der Umschlagplatz für Medikamente dieser und anderer Art. Heute ist das u.a. bei der U6-Station Josefstädter Strasse (in der Nähe des Brunnenmarkts). Auch der Konsum erfolgt dort teilweise.

Die Tablettenszene schaut herunter auf den benachbarten Schwarzmarkt für Cannabis und Anderes, der zT in afrikanischer Hand ist. Manchmal wird sogar eine österreichische Flagge aufgehängt… Die Afrikaner würden “auch alte Frauen und Kinder belästigen”, rümpfen die Tabletten-Junkies ihre Nasen, sie schauen auch gerne auf Heroin-Junkies runter. Für diese ist “Rohypnol” (oder ein Genericum) Ersatzdroge wie Zusatzdroge. Die Fixer, die das nehmen, sind an der schlaffen Körperhaltung, den Zeitlupen-Bewegungen, und blauen Lippen und Zähnen zu erkennen.

Manche Benzo-Abhängige begehen ziemlich absurde Straftaten unter dem Einfluss ihrer Mittel. Die Geiselnahme von Gladbeck ’88 geschah nicht unter diesem Einfluss; aber wie man liest, haben die beiden Geiselnehmer (und Mörder) unterwegs „Vesparax“-Tabletten (Secobarbital und Anderes) und Bier genommen, paradoxerweise, keine Amphetamine oder Ähnliches, zum Aufputschen. In Gefängnissen sind Drogen global ziemlich verbreitet, eigentlich sind “Langsame” und Opiate am Geeignetsten angesichts der Möglichkeiten, die man dort (nicht) hat.

Manche kommen auch ins Gefängnis, weil sie Schlaf-/Beruhigungsmittel gegen andere Menschen eingesetzt haben, zB als Mordwaffe. Der Film “Ich liebe Dich zu Tode” (“I Love You to Death”) aus 1990 (mit Kevin Kline) dramatisiert eine wahre Begebenheit. Der Pizzabäcker “Tony” Toto überlebte 1983 in Pennsylvania Mordversuche seiner Frau Frances. Aufgrund seiner Untreue mischte ihm die Frau zunächst ein Schlafmittel in das Nudel-Sugo; nachdem ihn das nicht tötete, schoss ein von ihr Angeheuerter auf ihn. Es heisst, er ist nicht verblutet, da das Blut durch die Schlafmittel-Wirkung so langsam zirkulierte. Frances Toto musste 4 Jahre ins Gefängnis, 1988 setzte das Paar seine Ehe fort.

David Williams, Erbe der US-amerikanischen Elektrizitäts-Firma Williams Companies in Oklahoma, lernte 2007 im Skiort Lech am Arlberg (Österreich) eine  jüngere Frau kennen, die Tochter eines Klinikarztes. Williams verliebte sich in die junge Frau und folgte ihr nach Innsbruck, zog in die Villa der Arztfamilie ein. Williams war phasenweise ein schwerer Trinker und nahm Benzodiazepine. Diesen Umstand begann die Arzt-Familie offenbar auszunutzen, um die Geldquelle am Sprudeln zu halten. Man hat Williams seine Medikamente verordnet und Alkohol verabreicht. Nach einem handgreiflichen Streit zwischen der Arzttochter und dem Amerikaner 2013 endete die Beziehung, und klagte Williams seine ehemalige Partnerin.

Die Gewerkschaftsaktivistin Karen Silkwood spielte eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung eines Skandals in einer Nuklearanlage in der USA in den 1970ern. Sie arbeitete in einer Plutonium-Aufbereitungsanlage in Oklahoma, die vom Konzern Kerr-McGee betrieben wurde. Sie beobachtete, dass der Betreiber die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen verletzte und seine Angestellten schweren gesundheitlichen Risiken aussetzte. Silkwood dokumentierte diverse Vergehen und nahm Kontakt zu Verantwortlichen ihrer Gewerkschaft, der Oil, Chemical and Atomic Workers Union sowie zu Medien auf. Auf dem Weg zu einem Treffen in Oklahoma City 1974, bei dem sie die belastenden Unterlagen übergeben wollte, kam sie bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Polizei stellte fest, dass sie unter dem Einfluss von “Quaaludes” eingeschlafen war. Es halten sich jedoch Spekulationen über eine Verabreichung dieser von Seiten des Konzerns.

Die Eltern von Madelaine McCann werden verdächtigt, den Tod ihrer Tochter verschuldet zu haben, durch eine versehentliche Überdosierung mit “Calpol night”, einem Paracetamol-Kinderpräparat, das auch ein Antihistaminikum enthält. Beim teilweise erzwungenen Massenselbstmord des Peoples Temple in Guyana 1978 spielten auch “Valium” und andere Sedativa eine Rolle, neben dem Zyankali. Uwe Barschel war starker Konsument von diversen „Langsamen“, starb durch eine Kombination davon, entweder selbst verabreicht oder … „Marilyn Monroe“ starb an einer Überdosis von Barbituraten, es wird von einem Selbstmord ausgegangen, aber auch eine versehentliche Überdosierung und Mord sind im Bereich des Möglichen. Bei Dorothy Kilgallen verhält es sich ähnlich.

Die Grenze zwischen Selbstmord(versuch) und nicht beabsichtigten Überdosierungen sind bei akuten Vergiftungen oft nicht so klar und eindeutig zu ziehen. Seit der Naturwissenschaftler John Tyndall 1893 in GB an den Folgen einer unbeabsichtigten Überdosis von Chloralhydrat starb, gab es viele Todesopfer durch Schlaf- oder Beruhigungsmittel. Bei Whitney Houston handelte es sich wahrscheinlich um eine nicht beabsichtigte tödliche Kombination von Alprazolam und anderen Mitteln, bei Jimi Hendrix war es ein Downer mit Alkohol. Gertrude Bell starb evtl durch eine versehentliche Überdosierung, eher aber an Selbstmord. Auch bei “Judy Garland”, die an einer Überdosis Secobarbital/”Seconal” starb (1969), ist die Frage der Absicht nicht so eindeutig zu beantworten.

Viele weitere Menschen, bekannt oder nicht, starben durch Schlafmittel. Von einer Absicht dabei ausgehen kann man zB bei der Churchill-Tochter Diana, Jean Seberg (zusammen mit Alkohol), Klaus Mann, Stefan Zweig, „Dalida“, Arthur Koestler, „Abbie“ Hoffman, Rainer W. Fassbinder (ebenfalls eine Mischung), Gustav Gründgens, Jeanne-Paule Deckers (Sœur Sourire), Brian Epstein, Kurt Tucholsky, Charles Boyer, Margaux Hemingway, „Anna Nicole Smith“, Leila Pahlevi, Inger Stevens, Robert Soblen, Walter Hasenclever, Edith Sedgwick, Wes Berggren, „Jean Amery“. Bei Heath Ledger war es die wahrscheinlich unbeabsichtigt tödliche Kombination verschiedener Mittel. Michael Jackson begann nach dem Feuerunfall bei Dreharbeiten für einen Pepsi-Cola-Werbespot 1984 mit Schmerzmitteln, hauptsächlich “Darvocet”/Dextropropoxyphen, das strukturelle Ähnlichkeiten mit Methadon hat, in der USA vom Markt genommen wurde. Dann Pethidin, Benzos, Propofol…

Methaqualon wurde im “Westen” hauptsächlich in den 70ern als Droge missbraucht, und aktuell noch in Afrika. Entgegen der Erwartung ggü einem Schlafmittel wirkt es in kleinen Mengen (unterdosiert) aktivierend und stimmungsaufhellend. Durch Alkohol wird das durch Methaqualon ausgelöste Gefühl einer starken Euphorie und des übersteigerten “Egos” noch verstärkt. Es senkt ausserdem unter Umständen die Hemmschwelle und steigert das sexuelle Empfinden und den Sexualtrieb. Anfang der 1970er war das sogenannte „Luding out“, die Einnahme von 300 bis 450 mg Methaqualon zusammen mit Wein, unter Studenten weit verbreitet.

Joan Baez hat “Quaalude” ungefähr von 75 bis 85 genommen, gegen Lampenfieber, für die Liebe, hörte damit auf als es sie nimmer gab. Der Missbrauch von Methaqualon in der BRD ging von dort stationierten USA-Soldaten aus. André Heller wurde in den 70ern abhängig von “Mozambin”, das er auf seinen Konzert-Tourneen brauchte. “Durch Zufall hatte ich herausgefunden, dass dieses Medikament nach dem Übertauchen der beruhigenden Phase für schamloseste Euphorien sorgt. Meine Hemmungen und Ängste verwandelten sich in das Gefühl: Niemand auf der Welt ist besser als ich! Ich bin unbesiegbar! Bei meinen Ekstasen verausgabte ich mich so total, dass ich nach dem Konzert regelmäßig ins Krankenhaus musste, wo ich durch Infusionen wieder restauriert wurde. Anschließend besah ich mir dann im Hotel meine Groupies und nahm um sechs oder sieben Uhr in der Früh ein weiteres Mozambin, um schlafen zu können. Die traurige Wahrheit ist: Ohne Drogen wäre mir wahrscheinlich niemals eine derartige Konzertkarriere geglückt, denn ab der dritten Stadt hätte ich die totale Ödnis des allabendlichen Reproduzierens nicht länger ertragen.”

Roman Polanski buchte 1977 (damals 43 Jahre alt) die damals 13 Jahre alte Samantha Gailey in L.A. als Model. Beim zweiten Treffen machte er die Aufnahmen von ihr (für ein Magazin), in Jack Nicholson’s Villa6 am Mulholland Drive; zuerst wurde Jacqueline Bissets Villa erwogen. Er machte sie mit Champagner und “Quaalude” gefügig, vergewaltigte sie oral, vaginal, anal, im Whirlpool und evtl im Bett, gegen ihre Proteste. Ihre Eltern zeigten ihn an, Polanski der sich verteidigte, dass der Sex im gegenseitigen Einverständnis geschehen sei, kam vorübergehend ins Gefängnis.

Seine Anwalt und jener des Mädchens einigten sich eigentlich auf eine “Herunterstufung” des Deliktes auf Sex mit Minderjährigen. Doch als Polanski erfuhr, dass sich der Richter nicht daran halten wollte, nahm er einen Flug nach London und dann nach Paris (er durfte aus beruflichen Gründen ins Ausland), wo er bereits gelebt hatte. Er ist seither nicht in die USA zurück gekehrt. Es gab Wiederaufnahmen, Auslieferungsansuchen, 09 wurde Polanski in der Schweiz deshalb festgenommen. Gailey (nach ihrer Heirat Geimer) hat ihm teilweise verziehen. Auch “Bill” Cosby hat anscheinend Frauen mithilfe “Quaaludes” sexuell gefügig gemacht.

Die Geschichte von Methaqualon in Südafrika ist etwas undurchschaubar. Zweifellos erfreut es sich dort einiger Beliebtheit, auch bzw gerade nach der Einstellung der pharmazeutischen Herstellung; die Tabletten werden dort oft zusammen mit Cannabis konsumiert (geraucht). Ausser Zweifel steht aber auch, dass späte Apartheid-Regierungen unter Pieter W. Botha im Rahmen von “Project Coast”, dem Programm für biologische und chemische Waffen, auch Methaqualon (“Mandrax”) und andere Drogen in schwarze Gemeinschaften des Landes einführten – um sie von der Politik abzulenken, sie zu kontrollieren, aus ihnen widerspruchslose Schafen zu machen. Als 1989 der neue Präsident De Klerk kam und damit begann, die Apartheid “abzubauen”, haben anscheinend Teile des Militärs das “Drogenprogramm” ausgelagert bzw privatisiert.

Wouter Basson, ursprünglich Militärarzt und mit “Project Coast” betraut, kümmerte sich um diesen internationalen Drogenhandel. Methaqualon ist auch heute noch in Südafrika und Nachbarstaaten des südlichen Afrika als Rauschmittel beliebt, lange nachdem die unter dem Apartheid-Regime produzierten Vorräte aufgebraucht sind. Es wird illegal hergestellt, in einigen lateinamerikanischen Staaten wie Mexico, auch in Nordamerika, im Libanon, Syrien, Nord-Korea. Manchmal wird auch der chemische Verwandte Mecloqualon hergestellt, oder Mittel, die so ähnlich wirken wie Methaqualon, manchmal auch nur solche, die so ähnlich ausschauen.

Künstlerische Referenzen

Die Dokumentar-Filmerin Barbara Gordon arbeitete ihre “Valium”-Sucht in dem Buch “I’m Dancing as Fast as I Can” (“Ich tanze so schnell wie ich kann”, 1980) auf. Es wurde 1982 mit Jill Clayburgh verfilmt. In “The Hangover” (2009) spielt “Rohypnol” eine wichtige Rolle. In “The Wolf of Wall Street” (2013) geht es um einen Börsenmakler in den 70ern, der “Quaalude” nimmt. “Das Tal der Puppen”/ “Valley of the Dolls” (1967), eine Romanverfilmung, bringt Secobarbital und andere Barbiturate, daneben auch Amphetamine und Opiate. Secobarbital hat(te) Beinamen wie “Dolls”. In “Jubilee” (1978) kommt auch Methaqualon vor. In “Girl, Interrupted” (1999) spielt auch Diazepam/ “Valium” eine Rolle.

In “Trainspotting” nimmt die Hauptfigur Renton Heroin, seine Mutter “Valium”. Aber Renton verwendet bzw begehrt es auch, bei seinen Entzugsversuchen.7 In “Das Appartment” dient ein nicht näher beschriebene Schlafmittel als eben solches sowie (in einer höheren Dosierung) als Mittel für einen Selbstmord-Versuch. Der “American Psycho” (2000) nahm neben Kokain, Ecstasy und Cannabis auch “Halcion” und “Xanax”. In “The Departed”/ “Unter Feinden” (2006) lässt sich der Untergrund-Polizist Lorazepam verschreiben. Die Rocksängerin in “The Rose” (1979) nimmt neben Heroin auch Barbiturate.

“Fräulein Else” in A. Schnitzler Monolog-Novelle nutzt “Veronal” um in eine andere Welt zu gleiten. Methaqualon-Tabletten werden in Ryu Murakamis Kurzgeschichte “Blaue Linien auf transparenter Haut” sowie in David F. Wallaces “Unendlicher Spass” behandelt. Im “Eissturm” versucht ein Jugendlicher, mit “Langsamen” einen Konkurrenten ausser Spiel zu setzen, tut das dann aber auch mit dem Objekt seiner Begierde. In Pitigrillis Roman “Kokain” wird auch die Berauschung mit Äther beschrieben.

Um “Valium” geht es in den Songs “Mothers little helper” und, nebensächlich, in “Walk on the wild side”. Methaqualon wird von Shel Silverstein in “Quaaludes Again” besungen. Ausserdem wird es in dem Lied “Time” von David Bowie erwähnt. Von Falco wurde es als “Mozambin” in “Ganz Wien” besungen. Frank Zappa erwähnt “Quaalude” in “Pygmy Twylyte” und “Mandies” (“Mandrax”) in “Flakes”. Die Band “Gorilla Biscuits” hat ihren Namen von dem Beinamen für “Quaalude”.

 

E. A. Richter: Heiliges Mozambin (1981)

Methaqualone in popular culture

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Pflanzliche “Downer” sind auch Hopfen, Passionsblume, Skopolamin oder Kava
  2. Das erste Unternehmen, das Penicillin auf dem deutschen Markt einführte
  3. Der Name wurde von “quiet interlude” (ruhiges Zwischenspiel) abgeleitet und war auch eine Referenz an ein anderes Mittel der Firma, “Maalox”
  4. Rorer-Vorsitzender Eckman sagte, “Quaalude accounted for less than 2% of our sales but created 98% of our headaches.” Das Mittel hatte schon einen schlechten Ruf. Lemmon sah Methaqualon als nach wie vor exzellentes Schlafmittel und stellte einen Teil unter einem anderen Markennamen, “Mequin”, her, um negative Assoziationen zu vermeiden
  5. Ein im Zug mit gehörtes Gespräch: Der Schaffner erzählt einer Fahrgästin von seiner Koloskopie, und der “Wurschtigkeitsspritze”, die er davor bekommen hat. Die Wirkung sei so angenehm gewesen, dass er sich danach danach erkundigt habe. Das war ja die Michael-Jackson-Droge, kam er drauf. “Ich nehme keine Drogen”, versicherte er, aber er habe gefragt, wo es das Mittel gibt
  6. Star in seinem “Chinatown” 3 Jahre zuvor
  7. “…One bottle of Valium, which I’ve already procured from my mother who is, in her own domestic and socially acceptable way, also a drug addict.”

Codein

Codein soll das meist-benutzte Opiat der Welt sein. Es wurde bald nach dem Morphin erstmals isoliert, in Frankreich, und in der Folge als Schmerzmittel oder Hustenmittel verwendet, als Rauschdroge missbraucht. Ob es sich bei dieser Verwendung wirklich um einen Missbrauch handelt, darum geht es hier auch. Ansonsten um chemische Grundlagen, Geschichte und Aktuelles zu dieser Substanz. Auch dem Codein ähnliche Opioide wie Oxycodon sind hier mit berücksichtigt.

Codein/Kodein ist ein Alkaloid des Opiums/Mohnsafts, wurde 1832 erstmals aus diesem isoliert. Die Mohn-Milch enthält etwa 40 opioide Alkaloide: Morphin, das zwischen 3 und 23 Prozent des Opiums ausmacht, Noscapin mit durchschnittlich 2 bis 10 Prozent, Codein mit 0,2 bis 3,5 Prozent, Papaverin mit 0,5 bis 3 Prozent, Thebain mit 0,2 bis 1 Prozent, und weitere. Chemiker versuchten ab dem 19. Jahrhundert, die Wirkstoffe des Naturstoffextraktes Opium zu isolieren bzw synthetische Äquivalente dazu zu finden, um sie zur medizinischen Anwendung besser dosieren zu können. Die Herstellung der Mittel sollte jedenfalls ohne grösseren Aufwand möglich sein. Die Isolierung des Morphins durch Sertürner 1804 bedeutete u.a. für die Pflanzen-Chemie und die Pharmazie einen enormen Aufschwung.

Der französische Chemiker/Pharmazeut Jean-Pierre Robiquet (1780–1840) war einer jener Wissenschaftler, die dadurch angespornt wurden, sich der Erforschung und Isolierung anderer Alkaloide aus Arzneipflanzen zu widmen. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, gehörte zu der Generation, der die Französische Revolution ab 1789 die Möglichkeit auf Studium und Aufstieg brachte. Auch Friedrich Sertürners Wirken am Morphin war von diesen politischen Veränderungen im Grunde stark beeinflusst! Robiquet hat schon während seines Studiums aus dem Spargel (Asparagus) die Aminosäure (L-)Asparagin extrahiert – als er dabei war, einen raffinierteren Prozess der Morphin-Extraktion zu suchen. Nach dem Studium betrieb Robiquet eine Apotheke und forschte dort auch weiter. Dort entdeckte er Alizarin, das dann als roter Farbstoff genutzt wurde. Robiquet hat auch das Opium-Alkaloid Noscapin isoliert (das er zunächst “Narcotine” nannte).

1832 gelang es Robiquet und seinem Gehilfen J. B. Berthemot, aus (Roh-) Opium mit Hilfe verschiedener Lösungsmittel ein Doppelsalz aus Morphin und Codein herauszulösen und aus diesem die reinen Codeinkristalle abzutrennen. “Wir wissen, dass Morphin, von welchem wir so lange glaubten, es sei das einzige aktive Prinzip des Opiums, nicht für alle seine Wirkungen verantwortlich ist … Codein scheint diese Lücke zu füllen”, kommentierte Robiquet seinen Forschungsschritt. Der Name “Codein” für dieses Alkaloid des Opiums stammt auch von Robiquet, er taufte die von ihm isolierte Substanz nach dem griechischen Wort für die Mohn-Kapsel (Mohn-Kopf), Kodeia. Der chemische Namen für Codein/Kodein ist Methylmorphin. Die Summenformel ist C18H21NO3.

Codein ist ein Prodrug, es entfaltet seine Wirkung über die Wirkung des aktiven Metaboliten Morphin, der durch Demethylierung unter Beteiligung des Enzyms CYP2D6 in der Leber entsteht. Die Stoffwechselendprodukte werden über die Nieren ausgeschieden. So ist im Endeffekt die Wirkung des Codeins dem Morphin ähnlich, es ist auch das Monoethyläther des Morphins, hat aber auf den Organismus eine harmlosere Wirkung. Menschen mit einer bestimmten genetischen Ausprägung (sogenannte “Ultra-schnell-Metabolisierer”) wandeln Codein schnell zu Morphin um, was zu einer Opioidvergiftung führen kann.

Nachdem mit Codein ein weiterer wichtiger Bestandteil des Opiums gefunden wurde, wurden seine Eigenschaften erprobt. Zunächst in Tierversuchen, dann an Menschen. Codein/Methylmorphin erwies sich als antitussiv (narkotisiert das Hustenzentrum), obstipierend, analgetisch, sedierend. Mit der Isolierung des Codeins war nun die Herstellung neuer, wirksamerer, sicherer Heilmittel-Zubereitungen möglich. Gegen Schmerzen, (trockenen) Husten, Durchfall, als Sedativum, Hypnotikum, Anästhetikum. Die Rezeptur Robiquets für den von ihm in Frankreich auf den Markt gebrachten “Sirop de Codeine” war: 0,3 Gramm Codein auf 30,0 Gramm Sirup. Er und Mediziner warnten damals bereits vor der Anwendung des Codeins bei Kindern. Hauptsächlich wurde es gegen Husten und Schmerzen angewandt. Als Analgetikum wurden (und werden) höhere Dosen an Codein gegeben denn als Antitussivum.

Als Nebenwirkungen wurden die typischen Opiat-Nebenwirkungen fest gestellt. Verstopfung und andere Verdauungs-Probleme sowie Juckreiz etwa. Die obstipierende Wirkung von Codein und anderer Opiate ist aber manchmal erwünscht! Wichtigstes pharmazeutisches Antidiarrhoicum ist auch Loperamid (“Immodium”) geworden, ein Morphin-Abkömmling. Und, weitere „Nebenwirkungen“ zur Schmerz-/Hustenstillung sind, ebenfalls opiat-typisch, Euphorie, Wachträume,… Der Opiat-Rausch eben. Nebenwirkung ist das nur für Jene, die Codein nicht gezielt dehalb benutzen. Jedenfalls liegt hier das Suchtpotential des Codeins. Egal, wie man die antidepressive und angstlösende Wirkung kennen lernt, wenn man den Wohlfühlnebel einmal kennt, will man ihn gerne wieder haben. Noscapin wird auch als Antitussivum verwendet, es gilt als besser verträglich als Codein; es soll auch dazu verwendet werden, die Wirkung anderer Opiate zu steigern.

Codein kann aus natürlichen Ausgangsstoffen (Rohopium, Mohnstroh) hergestellt werden, semi-synthetisch aus Morphin, oder voll-synthetisch. Die Substanz kann direkt dem Saft der Mohnpflanze entnommen werden. Dieser enthält ungefähr 1-3% Codein. Die kontinuierliche Doppelextraktion, die Chemiker der Schweizer Arzneimittel-Firma Roche um 1900 entwickelten, um Morphin und Codein verlustfrei aus Rohopium zu gewinnen, dürfte eine Methode hierzu (gewesen) sein. Doch dieser Vorgang ist wenig effizient: In der Pflanze wird Codein in Morphin/Morphium umgewandelt, deshalb kommt dieses dort in sehr grossen Mengen vor, Codein in sehr kleinen. Daher wird heutzutage das meiste Codein durch eine Teilsynthese aus Morphin gewonnen, durch einen Prozess namens O-Methylierung. Ein grosser Teil des zu pharmazeutischen Zwecken produzierten Morphiuns wird zu Codein weiterverarbeitet.

Dieser Prozess zur Überführung von Morphin in Codein wurde 1886 von Albert Knoll entwickelt. Er hat ihn, im Deutschen Reich, zum Patent angemeldet, dieses wurde 1887 erteilt. Dies war so etwas wie der Grundstein zur Chemischen Fabrik Knoll, der späteren Knoll AG, heute (bei) Abbott Laboratories. Durch das Verfahren wurden codein-haltige Medikamente breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich. Dieser Codein-Gewinnungs-Prozess aus Morphin scheint im späten 20. Jh durch Robert Corcoran und Junning Ma verbessert worden zu sein.

Der Anbau von Schlafmohn für Pharmaka wird von UNODC und INCB überwacht. Kontrollierte Anbauflächen gibt es in Grossbritannien, Australien, Spanien, Frankreich, Indien und Türkei. Weltweit beträgt die von den UN-Behörden kontrollierte Anbaufläche etwa 750 km2, was etwa der Fläche des Bodensees entspricht. Für die pharmazeutische Verwendung werden nach der Blüte die Kapseln des Schlafmohns maschinell geerntet, getrocknet und zu Pellets (Mohnstroh) verpresst. Aus den Pellets wird “Roh”morphin herausgelöst, und an die Pharmafirmen geliefert. Aus dem Morphin wird Codein gewonnen. Daneben wird auch der Orientalische Mohn bzw Persische Mohn zur Gewinnung von Codein heran gezogen.

Ob es sich beim Orientalischen Mohn/ Papaver orientale/ Türkenmohn und dem Persischen Mohn/ Papaver bracteatum/ Armenischen Mohn/ Arzneimohn um zwei verschiedene Arten handelt, ist umstritten. Es gibt zahlreiche Sorten und Kreuzungen. Beide wachsen jedenfalls im Gebiet Iran/Kaukasus/Kleinasien, haben grosse, rote Blüten. In klimatisch gemäßigten Gebieten wurden/werden sie zu Zierpflanzen gezüchtet. Diese Mohnart(en) enthält(en) weder Morphin noch Codein, die beiden in erster Linie für die berauschende Wirkung des Schlafmohns verantwortlichen Alkaloide, aber Thebain. Und, die Gewinnung von Codein und anderer Schmerzmittel daraus ist möglich. Dies ist aber ein aufwändiger chemischer Prozess; dieser Mohn ist nicht so leicht in konsumierbare Formen umzuwandeln.

USA-Präsident Richard Nixon begann um 1970 mit dem “Krieg gegen Drogen”, dabei war die Eliminierung des türkischen Mohnanbaus ein Schwerpunkt. Seine Berater empfahlen den Anbau von Papaver bracteatum in der USA, als Ausgleich dazu, für die im Lande für Pharmaka benötigten Opiate. Im Gegensatz zu Schlafmohn enthält der Orientalische Mohn eben kein Morphin, aus dem Heroin, herzustellen ist. Beim illegalen Anbau von Mohn (bzw illegale Ernte, Verarbeitung, Handel), heute vorwiegend in Afghanistan, Birma, Mexiko, wird das geerntete Rohopium meistens zu Heroin (für den Export in den Westen) verarbeitet; die Verarbeitung zu und der Konsum von Rauchopium geschieht quasi nebenbei und ist nah am Anbau.

Der “Krieg gegen Drogen” verursachte aber solche Engpässe an Mohn, dass diese auch den Anbau des Orientalischen Mohns in der USA nicht ausgeglichen werden konnten. Nachdem die meisten Vorräte des US National Stockpile of Strategic & Critical Materials an Morphin und Entsprechendem aufgebraucht waren, wurden 1973 Forscher des United States’ National Institutes of Health von der Regierung beauftragt, einen Weg zur synthetischen Herstellung von Codein und seiner Derivate zu finden. Und so er-fand man dort die Herstellung von Codein aus Kohle und Erdöl, ganz ohne Mohn.

Erst in den 1880ern begann die grossflächige Herstellung von codein-haltigen Medikamenten (und damit ihre Anwendung), u.a. von Merck in Deutschland. Codein gibt es in Form mehrerer chemischer Verbindungen, als Base (die stärkste Form), als Phosphat, als Phosphat-Hemihydrat,… Daraus ergeben sich die Applikationsformen, nämlich Tropfen, Saft (diese flüssigen Formen werden meist bei Husten eingesetzt), Tablette/Kapsel, Zäpfchen. Die orale Bioverfügbarkeit liegt bei etwa 50%. Codein hat eine Plasmahalbwertszeit von circa 2 bis 4 Stunden, eine verlängerte Wirkdauer bieten Retardarzneimittel. Merck bildete 1906 zusammen mit Boehringer Mannheim, Knoll, Gehe und Riedel eine Interessengemeinschaft.

Die IG sollte ein Gegengewicht zu den Teerfarbenfabriken bilden, die sich bereits 1904 zu dem “Dreibund” (Bayer, BASF und Agfa) beziehungsweise dem “Dreiverband” (Hoechst, Cassella und Kalle) zusammengeschlossen hatten.1 Innerhalb der IG wurden die Geschäftsfelder aufgeteilt und – damals erlaubte – Preisabsprachen getätigt. Durch die Bündelung der Kapazitäten konnte die IG die Einkaufspreise für Rohstoffe reduzieren. Merck gab beispielsweise die Produktion von Codein zugunsten von Knoll auf, begann dafür aber mit der Produktion von Atropin oder Scopolamin, für die anderen Unternehmen der IG.

Die Konvention von Genf 1931 (Convention for Limiting the Manufacture and Regulating the Distribution of Narcotic Drugs bzw Narcotic Limitation Convention), 1933 in Kraft, eines der ersten internationalen Drogen-Abkommen, klassifizierte 2 Gruppen von Drogen, eine erste mit Morphium, Heroin, Kokain und anderen, eine zweite u.a. mit Codein. Erstere sollten strikter konrolliert/begrenzt werden, ihr medizinischer Gebrauch stark eingeschränkt werden. Im Deutschen Reich zB wurde der Inhalt des Abkommens 1934 ins Opiumgesetz eingearbeitet. Das Sucht- und Missbrauchspotential des Codeins war damals schon bekannt. In den meisten Ländern ist Codein heute legal, aber verschreibungspflichtig. Bis in die 1980er hinein waren (zB) Hustenmittel mit Codein in vielen Ländern rezeptfrei zu bekommen. Hochkonzentrierte Präparate fallen nun sogar unter Betäubungsmittelgesetze. Gleichwohl ist Codein auf der WHO-Liste der unverzichtbaren Arzneimittel.

Dihydrocodein (DHC) ist eigentlich keine Form des Codeins, sondern ein eigenes Opioid. Wenn man so will, eine „Weiterentwicklung“ des (Mono-) Codeins, in Phosphat-Form, aus dem frühen 20. Jh in Deutschland, auf der Suche nach einer Medizin gegen Tuberkulose. Dihydrocodein (C18H23NO3) ist mit dem Codein nur verwandt, ist ein (halbsynthetisches) Derivat von ihm. Es ist auch ein Prodrug, wird erst durch den aktiven Metaboliten Dihydromorphin im Körper des Konsumenten zu Morphin umgewandelt – dies in stärkerem Ausmaß als Codein. Dihydrocodein gibt es, ähnlich wie Codein, in mehreren chemischen Verbindungen. Dihydrocodein-Base (> Saft) ist die stärkste Form, dann kommt das Tartrat (> Tabletten), dann Thiocyanat (> Tropfen). Es wird jedenfalls oral verabreicht. DHC hat etwas andere Wirkungen und Nebenwirkungen als Codein, hat aber die selben Einsatzgebiete wie dieses, soll wirksamer sein als dieses (bzgl Schmerzstillung, Hustenstillung, Euphorisierung). Als Schmerzmittel (Analgetikum) gibt es DHC auch als Kombi-Präparat, ausserdem als Hustenmittel (Antitussivum) und Durchfallmittel (Antidiarrhoikum).

Das Hustenmittel „Paracodin“, früher von Knoll hergestellt, als Tropfen und Tabletten erhältlich, ist in Mitteleuropa das bekannteste DHC-Präparat. Hustenmittel mit Codein sind zB “Codipront” oder “Codipertussin”. Ein Kombinationspräparat mit Guaifenesin ist “Resyl”. Codein ist das wahrscheinlich wichtigste Antitussivum, sowie eines der weltweit am häufigsten verwendeten Schmerzmittel. Codein wie Dihydrocodein sind mittelstarke Schmerzmittel, eher niederpotente opioide Schmerzmittel, in Form von Zäpfchen und oralen Präparaten. Codein gibt es als Schmerzmittel in Tablettenform in Kombination mit Paracetamol/Acetaminophen (manche Sorten von “Tylenol”), Acetylsalicylsäure oder Diclofenac (zB “Voltaren Plus”); “Dolomo TN”, bzw die blaue Nacht-Tablette davon, hat Paracetamol und Acetylsalicylsäure.

Sowohl Codein als auch Dihydrocodein (DHC) sind nicht nur Medizin (bzw, werden nicht nur als solche genutzt), sondern auch Ersatzdroge und Droge. Zunächst zur Verwendung als Substitut. In Deutschland wurden Codein und DHC von Ende der 1970er bis 1999 offiziell von Ärzten als Substitutionsmittel für Opiatabhängige (v.a. von Heroin) verschrieben, etwa in Form von “Remedacen”-Kapseln, einem Hustenmittel mit DHC. Sowohl für jene Heroin-Süchtige, die ausschleichen woll(t)en, als auch für jene, die “überbrücken” woll(t)en, hat(te) Codein (und DHC) Vorteile. Er muss(te) nicht in die Szene, um sich den Stoff zu beschaffen, es gab keine Beschaffungskriminalität, die Qualität des “Stoffs” ist ausser Zweifel,…

Für Patienten und Ärzte war die Einleitung der Substitution einfach, im Gegensatz zu jener mit Methadon. Andererseits fixiert diese Substitution die Sucht, bzw schafft eine neue. Und, nicht alle Abhängige können selbstverantwortlich mit dem Ersatzstoff umgehen, ohne strikte Kontrolle. Sowohl zu Zeiten der legalen Codein-Substitution als auch danach gibt es Jene, die sich bei mehreren Ärzten mit dem Ersatzstoff versorgen und so ihre Dosis steigern oder den “Überschuss” auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Codein und andere medizinische Opiate, wie “Tramadol”, sind nach wie vor bei Heroin-Süchtigen als Substitutions-Mittel beliebt. DHC soll auch als Substitut für Alkoholiker in Verwendung sein (offiziell/inoffiziell?), sowie früher als Entzugsmittel für Morphinisten und Kokainisten.

Und, Codein und Dihydrocodein sind auch “eigene” Drogen, Opiate erster Wahl für Manche, nicht nur Ersatz für andere. Benutzt von jenen, die es aus körperlichen Gründen (Schmerzen,..) verschrieben bekommen und die seelische Wirkung entdecken; von jenen, die von härteren Drogen umsteigen; oder von jenen, die einen Tip bezüglich der Wirkung und ihrer Nutzung bekommen. Bei Opiaten ist der Schritt vom medizinischen Gebrauch zu jenem des Wohlfühlkicks wegen immer ein kleiner, ist die Versuchung immer nahe, wie von der Freikörperkultur (dem Nudismus) zur Sexualität. Codein und DHC sind etwas harmloser als Heroin oder Morphium, was auch daran liegt, dass sie von der Pharmaindustrie hergestellt werden und nicht in Untergrund-Labors. Der halb-legale Rausch ist die typische Opiat-Wirkung. Die süsse Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt, wenn man so will. Nicht wie auf Cannabis mit sich selbst beschäftigt.

Man kann darüber diskutieren, ob das Zeug alltagstauglich ist. Bis zu einer gewissen Dosis schon. Die Halbwachzustände und Wachträume, auch als “nodding” bezeichnet… 1 Fläschchen “Paracodin” reicht für 2x “schweben”, heisst es. Zuerst der eklige bittere Geschmack, dann das Anfluten. Nach 30-60 Minuten entfaltet sich die Wirkung, hält 3-4 Stunden an. DHC soll weniger sedieren als Codein, dafür mehr Wachträume auslösen, euphorisierender sein, keine Ceiling-Dosis haben. Die prominenten Nutzer hier waren/sind einerseits Nazi-Bonze Hermann Göring, andererseits Südstaaten-Rapper…

Es folgt ein Kater, physisch und psychisch. Es folgt auf ein Probieren oft das Entstehen einer Gewohnheit, dann die Erhöhung der Frequenz und der Dosis. Irgendwann sind Glücksgefühle nur mehr mit dem Mittel möglich. Und dann ist “Normalität” nur mehr mit hohen Dosen davon möglich. Darin besteht die Sucht. Jene, die Codein-Mittel als Schmerzmittel nehmen, und davon süchtig werden, vertreiben den Grund der Schmerzen damit nicht und bekommen ein Problem dazu. Es lenkt nur vom Grund der Schmerzen ab.

Es gibt Typen, die es gar nicht mögen, innerlich ohne Grund und übertrieben glücklich zu sein. Und eher Speed-Mittel bevorzugen, die sie einer Tätigkeit nachgehen lassen, der sie dann das Glück zuschreiben können. Opiaten wird vorgeworfen, sie täuschten Glück und Zufriedenheit vor. Aber wie ist das eigentlich mit Geld, Sex, Macht? Gibt es da wirklich reale, konkrete Anlässe, Grundlagen für Glück? Und, jene die lieber in einen Krieg ziehen, zB in jenen gegen Drogen, bekommen bei Verwundungen Schmerzstiller verabreicht, Opiate, und Missbrauch ist auch hier nahe.

Codein (und DHC) wird eigentlich nur für Arzneimittel gewonnen bzw synthetisiert sowie verarbeitet. Für den Drogenmarkt wird eher das stärkere Morphin gewonnen, und zu Heroin verarbeitet. Es gibt kaum illegale Herstellung von Codein, die Produktion ist bei der Pharmaindustrie. Das Illegale beginnt hier erst bei der Beschaffung, zum Zweck des Missbrauchs der Medikamente. Eine Entnahme aus der Hausapotheke steht oft am Beginn. Dann kommt das Vorgeben bzw Vortäuschen eines Reizhustens oder furchtbarer Zahnschmerzen, mit dem Ziel, ein Rezept für “Paracodin” oder “Dolomo Nacht” zu bekommen, das man in einer Apotheke einlöst. Wenn man aber eine Sucht entwickelt, muss man schon oft den Arzt wechseln. Abhängige betreiben oft Doktor-Hopping, um an Rezepte zu gelangen, setzen auch Familienmitglieder oder Freunde ein.

Aufwändig ist auch eine Reise in die Schweiz oder Frankreich, wo viele Codein-Präparate (wie “Neo-Codion”) rezeptfrei zu bekommen sind. Manchmal waren Ärzte oder medizinisches Personal Komplizen der Interessenten, oder auch Selbstversorger. Andere bestellen bei einer Online-Apotheke im Internet. Und dann gibt es noch den Schwarzmarkt, den illegalen Handel mit legal oder illegal Erworbenem. Codeinpräparate wie “Paracodin” gab es zB in Wien früher am Karlsplatz, vor und in der U-Bahn-Station, neben diversen anderen Pharmaka (“Antapentan”, “Mozambin”, “Rohypnol”,…) sowie Cannabis und Härterem (H, K). Daneben in bestimmten Lokalen, wie dem “Cafe Krugerhof” in der Inneren Stadt. Auf Instagram ist in der USA ein virtueller Drogen-Flohmarkt entstanden, wie früher auf “Silk Road”.

Jene, die Codein als Droge nehmen, nehmen es oft gemeinsam mit Alkohol-Getränken. Manche nehmen Codein um die Wirkung des Alkohols zu verstärken, Andere Alkohol, um die Wirkung des Codeins zu verstärken. Jedenfalls macht Alkohol die Atmung noch flacher, als sie durch Codein schon wird, was lebensgefährlich werden kann. Mischkonsum gibts auch mit Cannabis (meist geraucht), die Wechselwirkung von DHC und THC wird von manchen Menschen als zueinander komplementär gesehen. Kratom hat grundsätzlich eine sehr ähnliche Wirkung wie Codein bzw DHC, nur um einiges schwächer, hat auch eine Kreuztoleranz damit. SSRI- bzw SRI-Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) sollen die die Aktivierung von Codein hemmen, heisst es. In den 1960ern wurden in manchen westlichen Ländern Codein-Tabletten zusammen mit “Doriden” (Glutethimid, ein Beruhigungsmittel) eingenommen, die Mischung war u.a. als “Loads, Dors & Fours” bekannt. Später wurde Glutethimid zusammen mit einem anderen Opiat, Pentazocin (“Talwin”, auch “Ts & Blues” genannt) genommen.

Aufgrund eines genetischen Polymorphismus kann die Metabolisierung von Codein bei Menschen (und damit die Codein-Wirkung) unterschiedlich stark ausfallen. Bei Schnell-Metabolisierern kann es zu einer Morphin-Überdosis kommen, zu einer tödlich verlaufenden Atemdepression. Dies kann auch Kinder betreffen. Bei Einnahme von mehr als 400 mg Codein ist jedenfalls das Maximum der Metabolisierbarkeit erreicht (Ceiling-Effekt), da die entsprechende Enzymkapazität von CYP2D6 erschöpft ist. Die Gene im Schlafmohn, die für die Produktion eines speziellen Enzyms verantwortlich sind, das die Umwandlung von Codein in Morphin vorantreibt, wurden kürzlich von den Wissenschaftern Peter Facchini und Jilian Hagel in Canada entdeckt. O-Demethylase (ODM) heisst dieses Enzym, und das Wissen darum soll genutzt werden, Mohn-Pflanzen zu züchten, die Codein für die Produktion von Schmerzmitteln “hergeben”, bei dem die Rausch- und damit die Suchtwirkung nicht so ausgeprägt ist.

Was die Gefahr einer Atemdepression betrifft, eine solche kann jedenfalls durch eine Überdosis geschehen; bzw, eine Überdosis würde sich durch eine Atemdepression äussern.2 Mit Alkohol erhöht sich wie gesagt das diesbezügliche Risiko. Das “Gegengift” (Antidote/Antagonist) ist hier Naloxon. Es blockiert die Wirkung von Opiaten, besonders bei Überdosen. Manchen medizinischen opioiden Präparaten ist es beigemengt, um den Missbrauch (bzw die diesbezüglich gewünschte Wirkung) zu unterbinden. Weiters gibt es natürlich auch die Gefahr des Erstickens an Erbrochenem, bei Bewusstlosigkeit.

Die Einnahme von Codein nach einer Gallenblasen-Entnahme (Cholezysektomie) kann gefährlich sein. Codein (bzw seine Abbauprodukte aus der Leber?) verursacht die Zusammenziehung des Schliessmuskels des Gallenganges an der Mündung in den Zwölffingerdarm (Sphinker Oddi). Die fehlende Gallenblase verschlimmert einen so entstehenden Spasmus (Krampf) am Gallengang. So kann es zu Kolik-artigen Schmerzen kommen. Ausserdem verstärkt Codein die Spannung (den Tonus) der (glatten) Darmmuskulatur, was zu Bauchschmerzen führen kann. Daneben ist eine Sekretstauung des Pankreas und in der Folge eine Pankreatitis möglich. Ärzte sollten Patienten nach einer Gallenblasenoperation Codein daher nur zurückhaltend verordnen. Diese möglichen Beschwerden betreffen auch die Einnahme von DHC. Auch hier ist im Notfall die Gabe des Opioid-Antagonisten Naloxon indiziert. Medizinische Dosen werden Einem, wenn der Bauch seit der Op Ruhe gab, aber eher nichts anhaben können.

Eine Codein-Drogenkultur gibt es am ehesten in einer bestimmten Rap-Szene. Dort ist ein Mischgetränk verbreitet, für das es (Slang-) Bezeichnungen wie Purple Drank, Lean, Sizzurp, Syrup, Texas teaOil, Mud, Dirty Sprite, DrankLean Drank gibt. Es gibt verschiedene Varianten dieses “Sirups”, normalerweise wird er aus einem Hustensaft, der Codein und Promethazin enthält, süsser kohlensäurehaltiger Limonade, und zerkrümelten Bonbons zubereitet. Bevorzugt ist, in der USA, dem Zentrum dieser Kultur, der Hustensaft der Marke “Actavis”, mit Codein und Promethazin, daneben auch “Hi-Tech”, “Phenergan” und “Qualitest”. Die Codein-Dosis ist bei diesen Marken höher als bei europäischen Hustensäften. Promethazin ist ein (verschreibungspflichtiges) Antihistaminikum, das eigentlich gegen Übelkeit, Migräne, allergische Reaktionen oder als Sedativ eingesetzt wird. Es potenziert die Opiatwirkung, mehr noch als andere Antihistaminika, wie Diphenhydramin (“Benadryl”) oder Loratadin.

Das verwendete Brause-Getränk ist meistens “Sprite”. Eben so wie die pulverisierten Zuckerln dient es der besseren Bekömmlichkeit, dem besseren Geschmack.3 Manche schütten noch Wodka oder anderen Alkohol in den weissen Styropor-Becher, der meist in einem zweiten steckt. Dies unter Anderem deshalb, um die Eiswürfel (ja, die gehören auch noch rein) von der Körperwärme zu schützen.4 Der Doublecup mit dem lila-farbenen sirupartigen Getränk ist dem Südstaaten-Rap der USA eigen. In dieser Szene wurde Lean Teil der Subkultur. Diese Zubereitung dürfte eine der am stärksten verbreiteten Rausch-Verwendungen von Codein sein.

Der Südstaaten-Rap und -Hip-Hop ist in Houston (Texas) entstanden, und noch immer hauptsächlich dort zu Hause. Er ist durch langsame monotone Musik gekennzeichnet, den Rhythmus den das Codein vorgibt. Auf den Purple Drank wird in den Texten auch oft (direkt/indirekt) Bezug genommen. Die Musiker sehen das Mittel als kreative Hilfe, wie andere zB Gras.5 Lean-ähnliche Drinks soll es schon in den 1930ern gegeben haben, aus Codein-Medikamenten zubereitet. Damals wurde es angeblich von Jazz-Musikern und -Fans zubereitet und konsumiert. Das eigentliche Lean ist in den 1960ern in Houston “entwickelt” worden, also vor der Entstehung der heute dazu gehörenden Musik.

Ende der 1990er popularisierte der aus Houston stammende Discjockey “DJ Screw” den langsamen, narkoseähnlichen Rap/Hip-Hop-Stil, passend zur Wirkung von Purple drank/Lean; diese Musikrichtung wird auch Screw Music genannt. DJ Screw rappte zu den sehr langsamen Beats („Screw-Rhythmen“), auch über den dazu gehörenden Drink. Es folgte “Big Moe”, der zwei seiner CDs “City of Syrup” und “Purple World” nannte. Auch die Gruppe “Three 6 Mafia” machte den Musikstil und die Droge populär, durch Songs wie „Sippin on Some Syrup“. DJ Screw (Robert Davis) starb 2000 im Alter von 29 an einer Überdosis des Codein-basierten Gemischs. “Pimp C” (von den “Underground Kingz”/UGK) und Big Moe starben 2007. Pimp C an einer Schlaf-Apnoe, in einem Hotel in Los Angeles.

“Lil Wayne” bekannte sich zum Konsum von purple drank, thematisierte auch Sucht und Entzugserscheinungen („starke Magenkrämpfe mit höllischen Schmerzen“) öffentlich. Lil Wayne hat mit Justin Bieber zusammen gearbeitet, und, wie man so liest, hat auch das saubere Tennie-Idol von dem Getränk “gekostet”. Auch “Macklemore”, “Big Hawk”, “Gucci Mane”, “Soulja Boy”, “Chief Keef”, “2 Chainz”, “Schoolboy Q”, “Ty Dolla $ign” oder “Danny Brown” machen diese Musik und konsumieren diese Droge dazu. Das eine ohne das andere ist anscheinend schwer vorstellbar. Der eine oder andere davon versucht, von zweiterem los zu kommen. Gucci Mane etwa wurde vor einigen Jahren in ein Krankenhaus eingeliefert und twitterte von dort über seine Sucht (“Das Scheisszeug ist nicht witzig“).

In Rap/Hip Hop geht es sonst ja meist um Cannabis. In der deutschen Rap-Szene ist die Screw-Richtung mit dem dazugehörigen “Syrup” anscheinend kaum übernommen worden. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass “Paracodin” und dergleichen weniger Codein enthalten als “Actavis” & Co und schon gar kein Promethazin (und dieses hier schwer erhältlich ist). Und der Screw-Rap ist ja gewissermaßen der Soundtrack zur Wirkung des Purple drank. Es gibt aber einen Österreicher, der diesbezüglich etwas aufgebaut hat. Sebastian Meisinger hat 2008 ein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien abgeschlossen, mit einer Magisterarbeit über “Gangsta-Rap in Deutschland. Die Rezeption aggressiver und sexistischer Songtexte und deren Effekte auf jugendliche Hörer” (bei Peter Vitouch6).

Danach ist er selbst (“Gangsta”-) Rapper geworden. 2012 veröffentlichte er, als “Money Boy”, das Mixtape “Pancakes And Sizzurp”, mit dem Track „Codein in meinem Eistee“. In Interviews steht er auch zu seinem Konsum einer bestimmten Sorte Hustensaft. Einmal empfahl er auch, auf Heroin zu feiern. Auch Money Boy‘s Schützlinge “Hustensaft Jüngling”7 und “Medikamenten Manfred” rappen vom und zum Codein-haltigen Mix. Über diese Szene weiss ich zu wenig als dass ich sagen könnte, ob auch die Fans Codein-hältige Hustensäfte bzw (österreichisches) Lean als „Partydroge“ konsumieren.

Grosser Sprung nun, zu prominenten Konsumenten von Codein (als Droge) in der Geschichte. In erster Linie ist da Hermann Göring zu nennen. Das Luftwaffen-Ass des 1. WK wurde beim Nazi-Putschversuch 1923 verletzt, wurde in Innsbruck mit Morphium behandelt, was den Beginn seiner Opiat-Sucht markiert. Er hat sich dann Morphium gespritzt. Mit den (Dihydro-) Codein-Tabletten soll er erst in den frühen 1930ern begonnen haben8, auch ursprünglich aus therapeutischen Gründen, aufgrund von Zahnschmerzen. Wahrscheinlich hat er DHC-Tabletten der Marke “Paracodin” genommen. Bis zu 100 Tabletten bzw 3 g pro Tag. Sein Opiat-Konsum wurde wahrscheinlich durch “Eukodal” (s.u.) abgerundet.

Ab 1942 nahm er seine diversen Funktionen im NS-Regime nur noch sporadisch wahr, nicht zuletzt wegen seiner Opiat-Sucht. Göring flüchtete nach dem Bruch mit Hitler kurz vor dessen Selbstmord und dem Untergang des Reichs nach Österreich, den Truppen der USA entgegen. Im Land Salzburg wurde er von ihnen gefunden, mit 2 Koffern mit Dihydrocodein-Tabletten. Anders als bei Gehlen, von Braun oder Speidel sahen die Amerikaner für ihn keine Weiterverwendung in einem künftigen Deutschland vor. In Nürnberg wurde er dann wie ein gewöhnlicher Gefangener behandelt (1945/46), und sein Opiat-Entzug dort dürfte ein kalter gewesen sein.

William Burroughs hat ja alle Opiate in allen Formen probiert, und das nicht zu knapp. Er beschrieb DHC als doppelt so stark wie Codein und “fast so gut wie Heroin”. Der Geschäftemacher Howard Hughes ist der wahrscheinlich Prominenteste, der direkt an Codein starb. Das geschah 1976, durch Leber-Versagen infolge der Einnahme einer immens hohen Codein-Dosis. Elvis Presley nahm neben andere Opiaten (wie “Demerol”/Pethidin) sowie Uppern und Downern auch Codein-Präparate, und starb wahrscheinlich an einer Mischung bzw den Langzeitfolgen davon. Und auch beim “Kannibalismus”-Mord in Rotenburg 2001 spielte Codein eine Rolle.

Meiwes wollte jemanden besitzen, Brandes suchte jemanden in dem er aufgehen konnte, Teil werden. In einem entsprechenden IT-Forum fand man sich, und nachdem man sich einig geworden war, kam Brandes zu Meiwes, der ihn am Bahnhof abholte. Brandes liess sich von Meiwes in dessen Heim seinen Penis abtrennen und ihn diesen (teilweise) essen, und sich dann von ihm töten. Eigentlich ging es dabei bei Beiden um die Stillung seelischer Schmerzen. Zur Stillung der körperlichen Schmerzen bei der Amputation, bevor er mit einem Stich in den Hals getötet wurde, nahm Brandes eine halbe Flasche Schnaps, Schlaftabletten und Codein-Hustensaft.

Der slowakische Eishockey-Spieler Marek Svatos starb 2016 an einer Mischung aus Codein und anderen Substanzen. Prominenter als die Screw-Raper ist Justin Bieber, und der ist ja aufgrund seiner Freundschaft mit einem von ihnen selbst in eine Codein-Abhängigkeit gekommen. Der American Football-Spieler JaMarcus Russell wurde des Konsums (bzw des Besitzes) von Codein bzw Lean überführt.

Codein war nicht nur Ausgangsmaterial für DHC, sondern auch von anderen medizinischen Opiaten. So wie Oxycodon (1916 Deutschland synthetisiert) und Hydrocodon (1920 in Deutschland synthetisiert). Nicocodein (1956 in Österreich erstmals hergestellt) ist ein Derivat von Codein, wird auch für Hustenmittel verwendet. Nahe beim Codein ist auch Dextromethorphan (DXM), ein synthetisches Opiat, Codein-Ersatz, gegen Husten eingesetzt, früher als „Romilar“, heute in einem „Wick“-Präparat oder im französischen „Tussidane“; es wirkt in hohen Dosen halluzinogen, Ketamin-ähnlich. Die meisten dieser codein-ähnlichen Stoffe werden aus dem Persischen bzw Orientalischen Mohn bzw dessen Inhaltsstoff Thebain hergestellt; und nicht mehr aus dem Codein synthetisiert. Im Begriff “Morphinismus” war auch die Sucht nach Codein, Oxycodon, etc mit ein geschlossen.

Oxycodon (bzw Di[hydro]hydroxycodeinon) ist ein semi-synthetisches Opioid. Es wird aus Thebain synthetisiert, das erste Mal gelang dies 1916/17 in Deutschland, an der Universität Frankfurt, im Bestreben, eine bessere Alternative zu den existierenden Opioide zu finden. Etwas, das die analgetischen Effekte von Codein, Morphium und Heroin hat, nicht aber deren Suchtpotential. Oxycodon wurde als medizinisches Präparat von der Firma Merck 1919 unter dem Namen “Eukodal” zur Schmerzlinderung und Hustendämpfung auf den Markt gebracht. 1939 kam es in der USA heraus. “Eukodal”/Oxycodon wurde aber auch als Rauschdroge genutzt bzw missbraucht. Und „Eukodalsucht“ bzw „Eukodalismus“ wurde ein Thema im Deutschen Reich der Weimarer Republik sowie der NS-Diktatur. Schliesslich wurde die Substanz dem Opiumgesetz unterstellt. Merck brachte 1928 “SEE” bzw “Scophedal” heraus, aus Oxycodon, Ephedrin, Scopolamin. Zur Herbeiführung eines Dämmerschlafs (sonst damals mit Morphin und Scopolamin erzeugt), bei der Entbindung oder als Narkosevorbereitung.

Der prominenteste und gefährlichste Eukodalist war Adolf Hitler. Dieser bekam laut Ohler von seinem Leibarzt Theodor Morell zunächst “Dolantin”/Pethidin, dann ab 1943 „Eukodal“. Auch am 20. Juli 1944, als es tatsächliche Schmerzen zu stillen galt. Morell soll Hitler auch Cocktails aus diversen Mitteln injiziert haben (Hormone, Steroide, Vitamine,…), Kokain zur lokalen Betäubung u.a. im Ohrraum, verbreicht haben, am Kriegsende auch „Pervitin“. Ein Abstinenzler war Hitler also vielleicht bezüglich Sexualität und Fleischverzehr, aber nicht bei Drogen. Und, diese dürften bei seinem Realitätsverlust eine wichtige Rolle gespielt haben, bei seinem Unterfangen, Europa in den Untergang zu reissen.

Das Regime stufte “Eukodal” und “Scophedal” bei Merck als kriegswichtige Produkte ein, neben Glucose- und Kohletabletten, Vitaminpräparaten (insbesondere Ascorbinsäure), Wasserstoffperoxid, Schädlingsbekämpfungsmittel wie Calciumarsenat (“Esturmit”) und dem Entlausungsmittel “Cuprex”. Die schwere Arbeit übernahmen damals unfreiwillig Zwangsarbeiter, Deutsche waren ja an der Front (auch oft unfreiwillig). Das Merck-Werk in Darmstadt wurde im Dezember 1944 durch einen alliierten Luftangriff weitgehend zerstört.

Auch die Mittel für Hitler wurden dann knapp, der sich ab Jänner 1945 in den “Führerbunker” zurückzog. Die Nr. 1 und Nr. 2 dieses Regimes befanden sich jahrelang in einer Opiat-induzierten Schlafwandler-Euphorie, waren eingehüllt in eine dumpfe Wolke synthetischen Wohlgefühls. Im Untergang war ihr finales Gift Zyankali, wie auch bei der Nr. 3 (Goebbels) und 4 (Himmler). Und die Wehrmacht ist auf “Pervitin” gewesen. Die Rolle von Codein in der Geschichte? Hier zu finden. Codein an sich hat nur Göring genommen. “Eukodal” wurde auch von den NS-Gegnern Klaus Mann („Schwesterchen Euka“) und Walter Benjamin genommen.

1996 brachte die amerikanische Purdue Pharma “OxyContin” heraus, ein Oxycodon-Präparat, das seine Wirkung verzögert entfaltet. Es wurde dennoch eine Art „Hinterwäldler-Heroin“ in der USA. Ein Otto Snow hat 2001 ein Buch namens „Oxy“ heraus gebracht, in dem er angeblich den chemischen Weg von in gemäßigtem Klima gewachsenem Mohn zu Oxycodon vorzeichnet. Es wird aber meistens das von der Pharma-Industrie hergestelltes und von Ärzten verschriebenes “Oxy” verwendet.

Die deutsche Grünenthal GmbH hat 1977 das opioide Schmerzmittel Tramadol unter dem Namen “Tramal” auf den Markt gebracht. Es gibt es als Tabletten und als Injektionslösung. Mit dem Auslaufen des Patents begann die auf Generika spezialisierte Pharmaindustrie in Indien Mitte der 2000er, billigere Tramadol-Generika herzustellen und zu exportieren, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländer. Dort, in vielen Ländern Lateinamerikas, Afrikas, Asiens, ist es oft das für Schmerzpatienten einzige erhältliche Medikament. Daher akzeptieren der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder Ärzte ohne Grenzen Tramadol in diesen Ländern. Doch auch Missbrauch und Abhängigkeit von Tramadol verbreiten sich dort. Um denselben Effekt zu erzielen, muss die Dosis dann sukzessive erhöht werden. Im Profi-Radsport soll es auch Verbreitung gefunden habe, um die Strapazen von langen Rennen wie etwa der Tour de France auszuhalten

Eine besondere Rolle spielt Tramadol anscheinend in Westafrika. Es ist auch unter Kämpfern der nigerianischen islamistischen Terrorgruppe Boko Haram beliebt. Und, es heisst, in Kamerun wird selbst Rindern das Mittel verabreicht, damit diese die landwirtschaftliche Arbeit in der Hitze besser ertragen. Gerade im Norden Kameruns wird es so stark konsumiert, dass es über menschliche und tierische Ausscheidungen wieder in Grundwasser und Boden landet und so von den Pflanzen aufgenommen wird. 2013 fanden Wissenschaftler in der Wurzelrinde einer dort beheimateten Heilpflanze eine Substanz, die dem Wirkstoff Tramadol glich. Dann zeigten andere Untersuchungen, dass es sich dabei nicht um natürliche Stoffe handelte, sondern dass die Pflanzen tatsächlich das chemisch hergestellte Opioid aufgenommen hatten! Zum Umschlagplatz in Afrika für die aus Indien kommende Ware wurde Benin.

In der USA sind Tramadol, Oxycodon und Codein die Drogen von Millionen geworden. Auch von Menschen, die “in der Mitte der Gesellschaft” stehen. Die wachsende Abhängigkeit von Schmerzmitteln in der Bevölkerung, opioid epidemic oder opioid crisis genannt, kam durch Verschreibungen von Ärzten zustande. Die Grenze zwischen übertriebenem Gebrauch und Missbrauch sind fliessend. Das betrifft auch Hydrocodon („Dicodid“,…)9 oder Kombi-Präparate aus Hydrocodon und Paracetamol („Vicodin“, die Droge von “Dr. House”, oder „Lortab“). Die Lobby der Pharmaindustrie versucht Änderungen in der Politik zu vehindern.

Manche wurden auch süchtig nach Opioiden, die eigentlich nur bei stärksten Schmerzen eingenommen werden sollten. Etwa nach Fentanyl, das ein synthetisches Opiat ist, das 50-mal stärker als Heroin wirkt. Oder Tilidin/”Valoron”, Laudanon, Trivalin,… Diese Mittel sind vom chemischen Aufbau her eng mit Heroin verwandt, wirken ähnlich und machen sehr schnell abhängig. Oft werden sie im Untergrund hergestellt, auch im Ausland (China oder Mexiko), und illegal erworben. Zu den prominentesten Opfern gehörte, 2016, der Popstar Prince (Nelson), der an einer Überdosis Fentanyl starb. Manche US-Amerikaner greifen dann sogar zu einem Mittel, mit dem sonst Elefanten betäubt werden: Carfentanil, noch 100-mal stärker als Fentanyl. Für andere sind die opioiden Schmerzmittel die Einstiegsdroge für Heroin.

Um auf Codein zurück zu kommen, dieses kann mit Pyridin auch demethyliert werden, um daraus Morphin herzustellen, daraus wiederum kann durch Azetylase Heroin werden – das dann oft durch das sehr gesundheitsschädliche Pyridin verunreinigt ist. Und, Codein wird auch für die Untergrund-Herstellung von Desomorphin (Dihydrodesoxymorphin) verwendet. Diese Substanz wurde erstmals 1932 in der USA synthetisiert, kam als „Permonid“ auf den Markt, wurde bis vor einigen Jahrzehnten von Roche hergestellt, als Schmerzmittel. Es heisst, die Herstellung wurde eingestellt, nachdem eine Person in der Schweiz, die es wegen einer seltenen Krankheit noch gebraucht hatte, 1981 starb.

Die illegale Herstellung verläuft über Codein, Iod und roten Phosphor, in einem ähnlichen Prozess wie zur Herstellung von Methamphetamin, auf Basis von Pseudoephedrin. Das Endprodukt ist unrein und reich an stark toxischen Nebenprodukten. Es findet als „Droge des armen Menschen“ eine weite Verbreitung in Russland. Aufgrund einer seiner Nebenwirkungen, der Bildung einer harten Haut an der Stelle wo es injiziert wurde, wird es in der entsprechenden Szene auch „Krokodil“ oder „Krok“ genannt.

Ein kurzer Blick auf die Verarbeitung des Rauschmittels Codein in der Kunst. Es gibt einige Pop/Rock-Songs darüber, auch ausserhalb des Screw-Raps: “Cod’ine” von Buffy Sainte-Marie, einer kanadischen Indianerin, “Cough Syrup” von den Butthole Surfers, “Codéine” von The Charlatans, „Codein Coda“ von Daevid Allen. Falco sang in “Ganz Wien” von Codein, Heroin, Mozambin, Kokain. Es gab eine Band (Indie Rock) namens Codeine, die von 1989 bis 1994 aktiv war. Und den Codeine Velvet Club in Schottland, mit “Jon Fratelli”.

Mir ist kein nennenswerter Film bekannt, in dem Codein eine Hauptrolle spielt, in “Trainspotting” steht es klar im Schatten von H. In „Casino“ spielt ein nicht näher spezifiziertes Schmerzmittel eine gewisse Rolle, das eines der hier genannten sein könnte. In Tao Lin’s Roman „Taipei“ kommt Codein neben vielen anderen Drogen vor. Es gibt die “Shinebox” des Künstlers Ron Ulicny, eine Installation, Referenz an “Goodfellas”, sie enthält neben Waffen, Zigaretten, Flachmann, Spielwürfeln “Vicodin”-Tabletten, einen Joint, Kokain, “Acid” (LSD).

Literatur & Links

Brigid M. Kane, D. J. Triggle: Codeine (2007). Englisch

Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich (2015)

Otto Snow: Oxy (2001). Englisch

Louis Lewin: Phantastica – Die betäubenden und erregenden Genußmittel – Für Ärzte und Nichtärzte (2005)

“Zeit”-Artikel, über Eukodal-Missbrauch in der BRD der 1950er, zur Steigerung von Arbeitserfolgen eingesetzt

Über die Opioid-Epidemie in der USA (Englisch)

Video über Lean

Über Codein im Opioidforum

Chemisches und Praktisches dazu (Englisch)

Erfahrungsberichte (Englisch)

DHC-Erfahrungsbericht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Der Zusammenschluss von Dreibund und Dreierverband 1916 war der Vorläufer der IG Farben, nicht diese IG
  2. “Da macht einfach die Lunge schlapp und zack, das war’s. Davon könnte auch Sizzurp-Vater DJ Screw ein Lied singen, wenn er nicht eh schon an einer solchen Codein-Überdosis gestorben wäre.” (noisey.vice.com/alps/article/codein-deutsche-rapszene-432)
  3. “Sprite” enthält heute übrigens keinen Zitronensaft mehr, die Coca-Cola Company verwendet dazu Wasser, Zucker, Kohlensäure, Zitronensäure, Aroma und Natriumcitrat
  4. Oder doch aus anderen Gründen? https://genius.com/discussions/75507-Why-do-rappers-use-2-styrofoam-cups-to-drink-lean
  5. Das sich hier wahrscheinlich ganz gut als Ergänzung eignet
  6. Vitouchs Frau hat Meisinger wahrscheinlich noch in seiner Kindheit als “Am Dam Des”-Moderatorin erlebt
  7. Rappte zusammen mit Money Boy zB „Ich hab Codein im Doublecup, doch ich bin nicht abgefuckt. Der Hustensaft und Sprite sind der Grund, warum ich high bin“
  8. Also da, als die NSDAP an die Macht kam
  9. Die Schauspielerin Brittany Murphy (Bertolotti) hatte nach einem Autounfall chronische Schmerzen, nahm ein Hydrocodon-Präparat dagegen (> Michael Jackson, H. Göring,… begannen auch nach Verletzungen mit Mitteln, die sie dann immer begleiten sollten), dann aber auch diverse Downer sowie Beta-Blocker wegen dem Bluthochdruck. Ausserdem wird ihr zeitweiser Kokain-Konsum nachgesagt. Ihr Tod mit 32 J. (09) erfolgte wahrscheinlich infolge Medikamentenmissbrauchs

Heroin

Das Morphin wurde fast ein Jahrhundert vor der Entwicklung des Heroins aus dem Opium isoliert, Anfang des 19. Jh, durch Friedrich Sertürner, wurde dann als “Morphium” vermarktet, das als Medizin verstanden wurde; um das Morphium wird es hier ein ander Mal gehen. Die Isolierung von pflanzlichen Wirkstoffen war ein grosser Schritt (nicht ein ausschliesslich guter), Sertürners Morphiumentwicklung steht auch am Anfang der Entstehung der pharmazeutischen Industrie und ist ein wesentlicher Teil davon. Das durch die Firma “Merck” vertriebene Morphin/Morphium war die Voraussetzung für das spätere Diacetylmorphin/Heroin, bezüglich Forschungsgrundlage wie Forschungs- und Produktionsmöglichkeiten. Die Injektionsspritze und Kriege hatten dem Morphin zur Ausbreitung verholfen. Im Westen wurden ab Beginn des 19. Jh Drogen wie Medikamente in chemischer Form synthetisch hergestellt. Aus schwachen Pflanzenprodukten wurden bösartige chemische Konzentrate hergestellt, aus gemäßigtem, lokalen Drogenkonsum wurde ein weltumspannendes Geschäft. Dies stand im Einklang mit der damaligen allgemeinen Technisierung und „Synthetisierung“; man denke etwa an die Entwicklung und Verbreitung chemischer Fasern (zB “Nylon”, durch “Du Pont”, 1930er). Diese Entwicklungsschritte gingen nicht zuletzt von Deutschland aus, und die Voraussetzungen unter den Sertürner Morphium isolierte und jene, unter denen es Felix Hoffmann fast 100 Jahre später zu Heroin verfeinerte, bringen auch zum Ausdruck, wie sich Deutschland in dieser Zeit verändert hat.

Der Engländer Wright untersuchte bereits Mitte des 19. Jh die Verbindung bzw die Reaktion von Morphin (Morphium) und Essigsäure. Der Pharmazeut/Apotheker/Chemiker Felix Hoffmann kam Ende des 19. Jh zur Friedrich-Bayer-Fabrik in Elberfeld (heute Wuppertal), die u.a. Farben, chemische Grundstoffe und Arzneimittel herstellte und 1863 gegründet worden war. Im dortigen Haupt-/Forschungslaboratorium unter Professor Dreser stellte Hoffmann 1896 Diacethylmorphin her, aus Morphin(base) und Essigsäure. Wenige Jahre später kam er auch auf die Acetylsalicylsäure. Diacethylmorphin (bzw Diamorphin) wurde an Katzen wie auch an Werksangehörigen und ihren Kindern erprobt. Es wurde ab 1898 fabrikmäßig hergestellt und als „Heroin“ (von griechisch “Heros”, Held) auf den Markt gebracht (als Pulver, Tabletten, Tinktur, Tropfen, später auch als Injektionslösung), kurz darauf Acetylsalicylsäure-Präparate unter dem Namen “Aspirin”. Die beiden Mittel, auf die “Bayer” Patente hatte, zwei der ersten chemischen Arzneimittel der Geschichte, haben die Firma gross gemacht, nicht zuletzt durch ihren Erfolg in der USA.

Fläschchen "Heroin" von Bayer
Fläschchen “Heroin” von Bayer

Indikationen für das “phantastische” Arzneimittel Heroin waren in den Augen des Bayer-Konzerns hauptsächlich Husten und Schmerzen (es sollte nicht süchtig machen und die Blutschranke schneller überwinden – zweiteres erwies sich als richtig), aber auch zahlreiche weitere körperliche und seelische Beschwerden, von Bronchitis bis Schizophrenie, auch zur Ruhigstellung von psychisch Kranken (bzw dafür gehaltenen) wurde Heroin verwendet. Anfangs glaubte man auch, dass es bei der Entwöhnung von Morphium als Rauschmittel, eine Verwendung die oft mit einer medizinischen Verabreichung begonnen hatte, eine Rolle spielen könnte – das sprichwörtliche „Den Teufel durch den Beelzebub austreiben“. Heroin sollte Morphium als Schmerzmittel ablösen, was nicht ganz geschah, es wurde als Analgetikum nie hegemonial, das blieb Morphium bis in die 1920er/30er, als bessere Mittel entwickelt wurden, wieder v.a. in Deutschland, wie Pethidin (“Dolantin”, das erste vollsynthetische Opiat) oder Codein-Derivate, auf der Suche nach Alternativen zu Morphium und Heroin. Das semi-synthetische Heroin verdrängte Morphium als Rauschmittel, ab Beginn des 20. Jh, v.a. nach dem 1. WK, endgültig nach dem 2. WK.

Bayer begleitete Herstellung und Verkauf von einer aufwändigen internationalen Werbekampagne, versuchte auch Kritik an dem Mittel zum verstummen zu bringen; hinter der aggressiven Vermarktung und Imagepflege bezüglich des H. stand anscheinend der damalige Werks-Prokurist Carl Duisberg der später an der Entwicklung chemischer Kampfstoffe und dem Zusammenschluss deutscher Chemiekonzerne zur IG Farben beteiligt war.

Anfang des 20. Jh wurde von dem ins Deutsche Reich importierte Opium 55% zu Morphium, 45% zu Heroin verarbeitet. Bis zum 1. Weltkrieg dominierten pharmazeutische Firmen aus Deutschland den globalen Handel mit synthetisch hergestellten Opiaten (Heroin, Morphium, Codein), die meist auch dort entwickelt worden waren.

Als “Medizin” gab es neben der oralen Verabreichung die Tinktur, die über verletzte Haut aufgenommen wurde sowie die Injektion (was eine um ein Vielfaches stärkere Wirkung gab); als “Droge” wurde es zudem geschnupft. Nicht medizinisch begründeter Konsum ist nicht so eindeutig zu definieren, der erwünschte Effekt vom Nebeneffekt zu unterscheiden, zumal bei den vom Hersteller vorgegeben Indikationen. Gerade Ärzte, Apotheker, Pfleger sollen früher und auch heute immer wieder für Missbrauch von solchen Arzneimitteln anfällig sein. Man wurde bald auf das Suchtpotential von Heroin aufmerksam, doch vorerst breitete es sich weiter aus. “Konkurrenten” für Heroin im Westen waren bis zum Ende des 2. Weltkriegs (neben Alkohol) v.a. Kokain und andere Opiat-Verarbeitungen; Kodein hinkte als Schmerz- wie Rauschmittel schon Morphium hinterher, tat dies auch gegenüber dem Heroin.

Bayer verlor mit dem Versailles-Vertrag nach dem 1. WK die alleinigen Rechte für Heroin! Es wurde fortan v.a. von US-amerikanischen Firmen erzeugt; Heroin wurde auch, wie auch andere „potente“ Mittel (zB Kokain) im frühen 20. Jh, in diversen Mischpräparaten verwendet. Die USA wurde das erste Land, in dem Heroin ein gesellschaftliches Problem wurde. Infolge des USA-Bürgerkriegs war Morphium als Schmerz- & Rauschmittel dort hegemonial geworden (zT durch Umsteiger vom Opium), in der Zwischenkriegszeit erfolgte der Vormarsch des Heroins. Es entstand eine Diskussion über staatliche Maßnahmen, die bald kamen. Der Begriff “Junkie” entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in der USA. Opiatabhängige/-konsumenten in USA waren zu einem sehr grossen Teil aus der Mittelklasse, weisse Hausfrauen zB, in der “öffentlichen Psyche” waren sie Ausländer, Arme, Aussenseiter. Künstler bilden oft die Avantgarde, beim Heroin in Nordamerika war das die New Yorker Jazzszene rund um Charlie Parker, die in der Zwischenkriegszeit zu Heroin griff. In Deutschland dürfte zu dieser Zeit noch Morphium die Drogenszene beherrscht haben, die grosse Heroin-Rausch-Welle kam um einiges später. Frühe Wellen des Rauschgebrauchs von Heroin gab es in den 1920ern im Mittelmeerraum (v.a. in Ägypten, Türkei) und in Ost-Asien, v.a. China. In Ägypten dominierten Pillen mit grossem Anteil an Streckmitteln, mit Namen wie “Zauberpferd”. In China kam der Stoff teilweise aus Japan (wie auch Morphium), wurde teilweise selbst (von Triaden) hergestellt, meist in Pillenform.

Nach einer internationalen Drogenkonferenz 1912 wurde Heroin im Deutschen Reich zunächst apothekenpflichtig, 1917 kam die Verschreibungspflicht. Auch nach der “Opium-Konferenz” 1925 haben viele Staaten Drogen eingeschränkt, in Deutschland war das das “Opiumgesetz” 1929/30, mit dem in Deutschland Drogenmissbrauch ins Strafgesetz kam bzw Drogengebrauch gesetzlich reguliert wurde. Das Gesetz beinhaltete, gemäß den internationalen Vorgaben, ein Totalverbot von Cannabis und Opium, aber nicht von Heroin, das zu “medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken” weiter verwendet werden durfte… Bayer war inzwischen mit “Hoechst” und anderen Konzernen zur IG Farben “verbunden”, dieser Konzern (der grösste nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa!) versuchte, das Gesetz ganz zu verhindern. Nach und nach musste nun die Heroinmenge in Medikamenten eingeschränkt werden, medizinische Verordnungen dafür gab es nur noch in Ausnahmefällen; 1931 stellte Bayer die Produktion ganz ein. Waren die Verbote Folge der unverbünftigen Vertriebspraxis der Hersteller, hätte es einen anderen Weg des “Umgangs” mit Heroin gegeben? An seine Vergangenheit als Heroin-Hersteller lässt sich Bayer jedenfalls heute nicht mehr gern erinnern.

In der USA kam mit dem Harrison-Gesetz 1914 die weitgehende Illegalisierung von Opiaten u.a. Drogen, auch medizinischen, dieses (fiskalisch formulierte) Bundesgesetz beendete die föderale Regelung des Medikamenten-/Drogen-Bereichs, und auch den exzessiven, legalen Gebrauch von Mitteln wie Morphium, u.a. wegen ihrer Rauschnutzung und ihrem Suchtpotential. 1924 erfolgte in USA das Verbot der Herstellung von Heroin.

Die medizinisch-legale Verwendung des Heroin endete also weitgehend in der Zwischenkriegszeit. Es hatte als Medikament eine kürzere Einsatzzeit als Morphium, etwas länger als LSD. In Japan wurde bis Ende des 2. WK Heroin weiter für verletzte Soldaten produziert. Andere Pharma-Firmen als Bayer in verschiedenen Staaten Europas stellten ihre Heroin-Produktion, die eingeschränkt und überwacht wurde, nach und nach ein. Die BRD hat 1958 Pharmafirmen die Produktion von Heroin verboten, das bis dahin also noch gelegentlich verordnet wurde. Diverse Firmen exportierten auch über Verbote hinaus und nicht nur zu medizinischen Zwecken. Der Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche etwa soll lange die entstehende illegale Drogenszene mit Heroin aber auch Kokain beliefert haben. Erst um 1940 entstand eine illegale Drogenindustrie, die Herstellung und Handel übernahm. Nach Ende des chinesischen Bürgerkrieges, der mit dem Sieg der Kommunisten endete, wurde das sogenannte „Goldenen Dreieck“ in Südostasien ein Zentrum der Heroin-Produktion. Dorthin ausgewichene Kuomingtang-Truppen bauten sie auf und die Triaden exportierten den Stoff über Bangkok  in alle Welt. In Europa wurde Amsterdam der wichtigste Importhafen.

Nach dem 2. WK begann sich, in allen Teilen des Westens, die illegale Drogenszene um das Heroin zu entwickeln, das Morphium endgültig “ablöste”, als illegales Rauschmittel Nr. 1. Das Schwarzmarkt-Heroin dürfte zunächst im Westen hergestellt worden sein, aus importierter Morphinbase oder dessen Ausgangsstoff Rohopium sowie Acetanhydrid (Essigsäure), das Firmen wie Merck und Hoechst verkauften. Später wurde es in den Mohn-Anbauländern (Afghanistan, Birma, Türkei, Kolumbien,…) hergestellt und in den Westen geschmuggelt. Heroin wurde/wird hier auf diversen Drogen-Schmarzmärkten gehandelt, es kam zu vielen Opfern des illegalen Konsums.

Daneben gibt es auch krudes Heroin, ein Gemisch aus Morphium oder Rohopium oder Mohntee sowie Essigsäure und Streckmitteln, “Berliner Tinke”, “Armes Heroin” oder “Gassenheroin” genannt. Der Gehalt an reinem Heroin darin ist stark schwankend, was für die Konsumenten das Dosieren zu einem beträchtlichen Risiko macht. Streckmittel, von Mehl bis Strychnin, sind aber auch meist dem “richtigen” Heroin beigesetzt, was die Konzentration auch hier zu einer Unbekannten macht. Im Ostblock (1945 bis 1990) gab es wenig an Heroin (Kokain noch weniger), aus dem Westen oder dem Orient geschmuggeltes, auch wenig selbst produziertes, überhaupt weniger Drogen als im Westblock. Am ehesten noch eine Art krudes Heroin, dort “Kompot” oder “Polnische Suppe” genannt,  oder andere Opiatprodukte aus den zentralasiatischen Sowjet-Republiken.

In der Beat(nik)-Subkultur der 1950er in der USA spielte Heroin eine Rolle. Was in den 1960ern mit einem gemeinschaftlichen Aufbruch mit psychedelischen Drogen begann, endete in den 1970ern oft mit einem Rückzug mit Heroin. Seit Ende der 60er gab es in West-Deutschland einen nennenswerten Schwarzmarkt für Heroin; Berlin war in der Zwischenkriegszeit ein “Zentrum” von Drogen-Gebrauch (zunächst mit Morphium) geworden, blieb es mit Veränderungen bis heute. In der BRD wurde Heroin erst 1971 mit dem Betäubungsmittelgesetz dezidiert verboten. Die “Heroin-Kultur” ist jene der Bahnhofsklos, der schmutzigen Spritzen, der Beschaffungskriminalität; viel seltener ist es der Konsum im bürgerlichen oder wohlhabenden Milieu, vielleicht auch durch schnupfen oder rauchen, mit Mischungen wie jener des “Speed ball”, statt als Strassendroge.

Illegaler Anbau von Mohn, also nicht unter Aufsicht von UNODC für Schmerzmittel und andere Pharmaka, findet heute hauptsächlich in Afghanistan, in einigen von dessen Nachbarländern, wie Pakistan, in Südost-Asien (Goldenes Dreieck, also Birma, Thailand, Laos) und Lateinamerika (Kolumbien, Mexiko) statt. Der grösste Teil dieser Ernten wird zu Heroin verarbeitet, ein kleiner Teil zu Rauch-Opium. Die Verarbeitung zum Heroin ist heute meist nahe am Anbau (sein Konsum weniger, im Gegensatz zu Opium). Das nordamerikanische Heroin stammt vorwiegend aus Lateinamerika, in der USA ist aber Kokain wichtiger. Im Goldenen Dreieck ist v.a. Birma wichtig, wo der Schan-Kriegsherr Khun Sa einst “Pate” des Heroin-Exports war. In der Region soll auch die CIA lange als Heroin-Händler tätig gewesen sein; zu einer Zeit als Nixon den “Krieg gegen die Drogen” ausrief. Im Vietnam-Krieg “probierten” zudem viele der dortigen US-amerikanischen Soldaten dort hergestelltes Heroin.

In Afghanistan findet der Anbau von Mohn und seine Verarbeitung v.a. im paschtunisch-belutschischen Südwesten statt, v.a. in der Provinz (Wilayet) Helmand, im Grenzgebiet zu Iran und Pakistan. Essigsäure-Anhydrid muss zur Heroin-Produktion ins Land geschmuggelt werden. Der grösste Teil des afghanischen Heroins wird exportiert (ein wachsender Teil im Land konsumiert), beim dort hergestellten Opium ist es umgekehrt. Der Export läuft hauptsächlich über den Iran, Türkei, Balkan nach Mitteleuropa. Tausende iranische Grenzschützer sind in den letzten Jahrzehnten bei “Kämpfen” mit Schmuggler-Organisationen getötet worden, die mit belutschischen islamistischen Separatisten zusammenarbeiten; ein nicht kleiner Teil des Heroins wird mittlerweile im Iran konsumiert. Die anderen Routen führen über Zentralasien nach Russland, von dort auch nach Sinkiang und andere Teile Chinas, sowie über Pakistan nach Indien.

Bauern in der Gegend um Afyun im westlichen Anatolien durften Mohn für die Verwendung von pharmazeutischen Firmen anbauen. Viele verwendeten den Überschuss zum lokalen Konsum als Rauch-Opium sowie zum Verkauf für das Heroin der „French Connection“ (die v.a. aus Korsen bestand). Der grösste Teil der Felder wurde Ende der 1960er unter westlichem Druck zerstört, ein kleiner blieb für den international erlaubten Mohn-Anbau für Schmerzmittel. Bei dieser Verwendung wird nicht das Roh-Opium aus den Kapseln geerntet, sondern aus den gemähten ganzen Pflanzen (Mohnstroh) auf chemischem Weg Morphin und andere Opiate extrahiert. Bei der illegalen Produktion sind 10 kg geerntetes Rohopium (in Asien, Südamerika) ca. 50 €  wert. Die gleiche Menge an daraus hergestelltem Heroin kostet nach Verarbeitung und Transport im Endhandel im westlichen Abnehmerland etwa 700 000 €. Das grosse Geschäft ist auf Viele verteilt, manche schneiden mehr mit, andere weniger, wie im Kapitalismus so üblich. Manche Drogenkartelle kümmern sich nur um den Handel, andere auch um die Herstellung.

Heroin holt sich alles zurück, was es gibt. Die Schmerzen die es nimmt, kommen bei Entzug als ein Vielfaches zurück, das Wohlbefinden das es gibt, ist bei Sucht kein Genuss mehr sondern ein Muss, die Problemlösung ist eine trügerische. Illegaler Heroinkonsum hat gegenüber dem früheren, medizinisch “überwachten” mehrere Nachteile, von der Reinheit des “Stoffes” bis zu den Preisen. Heroin-Konsum ist eine Art halb-bewusster /-absichtlicher Selbstmord. Politiker setzen gerne Zeichen zur Eindämmung von Drogenproblemen, und kochen oft andere Süppchen dabei, früher wie heute. Ähnlich ist es bei Religionsgemeinschaften und Sekten wie Scientology (>Narconon).

In NS-Deutschland gelang Forschern in dem zu IG Farben gehörenden Hoechst-Konzern 1940 die Herstellung des vollständig synthetischen Methadons, das u.a. als “Polamidon” vermarktet wurde, etwa an die Wehrmacht, als Schmerzmittel für verwundete Soldaten, die zur Besetzung und Unterwerfung zahlreicher Länder ausgeschickt wurden. Man war damit unabhängig von ausländischen Pflanzenrohstoffen, also Schlaf-Mohn, geworden. Seit den 1960ern wird es als Entwöhnungs-Substitut für Heroin-Süchtige verwendet, nach wie vor durch Hoechst hergestellt. Die Verabreichung erfolgt im Rahmen medizinischer und psychosozialer Maßnahmen. Methadon, das vom Heroin entwöhnen soll, ohne eine neue Sucht zu schaffen bzw die bestehende zu verlängern, wird als “Primär”-Rauschmittel sehr wenig verwendet, aber recht oft missbraucht – am Drogen-Schwarzmarkt wird es in “geschweisster” Form (also original verpackt) oder in “gespuckter” (bei Einnahme in flüssiger Form unter Aufsicht) gehandelt… Methadon gehört nicht zu den Drogen, die es zur Verarbeitung in einem Roman geschafft haben, in J. M. Simmels “Wir heissen euch hoffen” (1983) sucht der Held immerhin an einer nicht süchtig-machenden bzw sucht-erhaltenden Alternative dazu.

Auch Morphin/”Morphium” wird in der Substitutionsbehandlung für  Heroin verwendet, mit einem oral wirksamen Präparat (Handelsname “Substitol”), das den Wirkstoff verzögert abgibt, so dass eine lang anhaltende Wirkung (Retardwirkung) resultiert. Daneben wird Buprenorphin, ein starkes Schmerzmittel, halbsynthetisch aus dem Opium-Alkaloid Thebain gewonnen, Handelsname u.a. “Subutex”, als Substitutionsmittel verwendet. Auch das natürliche Ibogain wird zur Heroin-Substitution eingesetzt. Die chemisch-pharmazeutische Industrie produziert nach den Mitteln selbst und den Rohstoffen dafür auch die Entzugs-/Substitionsmittel, bleibt im Geschäft.

In wenigen Ländern wird Heroin an Süchtige kontrolliert abgegeben (im Rahmen eines Entzugs), in der Schweiz als “Diaphin” (chemisch Diamorphin-Hydrochlorid). Angesichts des Drogenelends v.a. auf dem Zürcher Platzspitz hatte sich die Schweiz 1993 für eine “pragmatische” Drogenpolitik mit ärztlich kontrollierter Heroinabgabe an “therapieresistente” Süchtige entschieden, u.a. um Beschaffungskriminalität und Gefahren durch verunreinigten oder gestreckten “Stoff” zu begegnen. 1999 hat das Schweizer Volk das “Experiment” abgesegnet. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) stellte das Heroin aus importierten Grundstoffen zunächst selbst her, wollte die Sache (Produktion und Verteilung) 2001 abgeben, was sich schwierig gestaltete. Die Schweizer Pharmafirmen lehnten aus wirtschaftlichen und Image-Gründen ab, auch solche, die wie “Novartis” grossflächig aus importierten Rohstoffe bzw Zwischenprodukten opiathaltige Medikamente herstellen, für den globalen Export. Die anscheinend dafür gegründete Thuner Firma “DiaMo” begann, im Auftrag des BAG aus dem aus GB (Schottland; von UNODC überwachte Anbaufelder dort) importierten “Zwischenprodukt” (anscheinend fertiges Diamorphin) das Heroin bzw “Diaphin” (in Form von Injektionslösungen und Tabletten) herzustellen. Der Transport zu den Abgabestellen wird schwer überwacht. Das Modell fand einige Nachahmer, Niederlande, Dänemark, Grossbritannien, auch in Deutschland wird die kontrollierte Abgabe von reinem, medizinischen Heroin an ausgewählte Süchtige vorsichtig wieder zugelassen. Entspricht das so abgegebene Heroin den Medikamenten, die man einem schwerstabhängigen lungenkranken Raucher auch nicht vorenthält, oder den Zigaretten für diesen Raucher?

De Ridder bedauert in seinem Buch (s.u.), dass Heroin in den allermeisten Ländern vollständig verboten ist, und nicht als potentes Schmerzmittel für Extremfälle verfügbar ist. In Grossbritannien wurde Heroin als Arzneimittel nie verboten, „medizinisches Heroin“ (dort auch hergestellt) wird dort als Schmerzmittel verwendet. Ansonsten ist das global evtl. noch in Kanada der Fall. Beim Gebrauch von reinem Heroin sind einige der Gefahren des Schwarzmarkkonsums nicht gegeben. Aber am Suchtpotential ändert sich nichts.

Ausweichmittel für Heroinsüchtige sind v.a. opiathaltige bzw -ähnliche Medikamente, von codein-haltigen Hustensäften über Schmerzmittel wie “Valoron” (Tilidin) oder Fentanyl (ein vollsynthetisches opioides Analgetikum/Anästhetikum), auch DXM. Gelegentlich taucht Morphium (s.o.), das aus legalen Verschreibungen oder Krankenhaus-Diebstählen stammt, in der H-Szene auf.

Heroin ist nach wie vor eine der stärksten und gefährlichsten Drogen, neben Crack und Crystal Meth wahrscheinlich. Wie auch die anderen wirklich gefährlichen Drogen ist es aus der chemischen Isolierung von pflanzlichen Inhaltsstoffen und ihrer Verarbeitung zu Medikamenten im 19. und 20. Jh hervorgegangen. Möglicherweise ist nicht die Vermarktung von Diamorphin/Heroin als Arzneimittel an sich ein Kandidat für die Irrtümer-Liste, sondern die Bayer einst vorgenommene. Schwächere, bekömmlichere und ursprünglich in Kulturen integrierte Mittel wie Opium und Koka sind die Verlierer einer Entwicklung, die jene der grossen Weltpolitik wiederspiegelt, und deren Widersprüchlichkeit schon ziemlich am Beginn, im Opiumkrieg gegen China, erkennbar ist.

Wahrscheinlich nicht ernst gemeint
Wahrscheinlich nicht ernst gemeint

An Heroin starben direkt, durch eine versehentliche (?) Überdosis u.a. “Jim” Morrison, Philip S. Hoffman, Janis Joplin, Timothy Buckley, J.-M. Basquiat, “Sid Vicious”, Brad Renfro, Hillel Slovak, D. D. Ramone, Peaches Geldof, “Lenny Bruce” (möglicherweise auch durch Morphium), Chris Farley (Speedball?), Hans Dujmic. Der Jazztrompeter “Chet” Baker fiel unter dem Einfluss von Heroin und Kokain vom Balkon eines Hotels; John Belushi starb an so einer “Speedball”-Mischung, er aber von der Mischung an sich, wie auch River Phoenix; Kurt Cobain nahm eine Heroin-Überdosis, erschoss sich bevor sie richtig zu wirken begann, in seiner Villa in Seattle, 1994

Überlebt haben ihren Heroin-Konsum u.a. “Coco” Chanel (nahm H neben anderen Opiaten, hat bis ins hohe Alter sauberen Stoff konsumiert, konnte sich das leisten), David Bowie (teilte sich eine Zeit lang eine Wohnung in Berlin-Schöneberg mit Iggy Pop), Ray Charles, William Burroughs (nahm von allen Opiaten), Keith Richards (bislang), Angelina Jolie, “Charlie” Parker, Billie Holiday (diese beiden starben an alkoholbedingten Krankheiten), Jimi Hendrix (starb auch an anderen Drogen), Eric Clapton, Samuel L. Jackson, Jörg Fauser, Robert Downey,… Genommen haben soll es auch Robert Kennedy; wenn, dann ist das bei ihm nie richtig “auf Touren gekommen”. Sein Sohn wurde einmal damit geschnappt.

Literarische Behandlungen der Heroin-Sucht gibt es neben der Christiane-Felscherinow-Erzählung aus dem West-Berlin der 1970er (sie lebt noch immer von den Tantiemen ihrer Drogen-Erzählungen und nimmt noch immer Methadon zur Substitution) von W. S. Burroughs in “Junkie” oder Irvine Welsh in “Trainspotting”. Von einem Rudolf Brunngraber erschien 1951/52 “Heroin. Roman der Rauschgifte”, faktisches und fiktives dazu, u.a. über die frühe Welle in Ägypten.

In Filmen wie “Candy”, “Requiem for a dream” oder “Trainspotting” werden Sucht sowie Enzug, Beschaffungskriminalität, Verfall, familiäre Konflikte von Süchtigen dargestellt. Filme in denen Heroin-Handel/-Kriminalität eine Rolle spielen und nicht der Gebrauch bzw die Sucht an sich, gibts viele mehr, zB “The French Connection” (basierend auf einem Sachbuch), den DDR-Film aus 1968 namens “Heroin” oder “The Big Easy”.

Davon handelnde oder davon inspirierte Songs, die auch die Verbindung der Kultur dieser Droge mit jener des Pops und Rocks unterstreichen und in denen meist persönliche Erfahrungen der Stars verarbeitet wurden: der nach ihr benannte von Lou Reed/Velvet Underground (1967), John Lennon 1969 über “Cold turkey”, den kalten Entzug, “Dead Flowers” & “Brown sugar” von den Rolling Stones, “Running to stand Still” (U2), “The Needle and the Damage done” (Neil Young), “The needle and the spoon” (Lynyrd Skynyrd), “Smack Jack” von Nina Hagen, “Lust for life” (Iggy Pop), “King Heroin” v. James Brown, “Beetlebum” (Blur), “H” (Böhse Onkelz),…; …und solche, die “verdächtigt” werden, davon zu handeln: “Coming Down Again” von den “Stones”, “Hotel California” (Eagles), “Bridge over troubled water” (!; Simon & Garfunkel), “Comfartably numb” (Pink Floyd), “Perfect day” (L. Reed), “Down in a hole” (Alice in the chains), “Dancing in glass” (Mötley Crüe), “Under the Bridge” (RHCP), “Golden Brown” (Stranglers), “Space Oddity” (David Bowie), “Gold Dust Woman” (Fleetwood Mac)

Material:

Michael de Ridder: Heroin. Vom Arzneimittel zur Droge (2000). De Ridder, der beruflich mit Heroinsüchtigen zu tun hat, ist es gelungen, in die Bayer-Firmenarchive vorzudringen.

Alfred W. McCoy: Die CIA und das Heroin (2003)

Präsentation zur Geschichte des Heroins

https://www.unodc.org/documents/wdr/WDR_2010/1.2_The_global_heroin_market.pdf