Offene Fragen aus allen Gebieten

Existiert ausserirdisches Leben? Um diese Frage ranken sich jahrhundertealte Mythen, Gedanken und Träume der Menschen. Mit dem auf Kepler zurückgehenden Fernrohr waren ab der frühen Neuzeit Beobachtungen und erste Erkenntnisse über andere Planeten möglich. Der Mars faszinierte schon die antiken Babylonier oder Römer (Kriegsgott nach ihm benannt); er geriet im späten 19. Jahrhundert ins Zentrum der Spekulationen um ausserirdisches Leben, aufgrund astronomischer Beobachtungen, v.a. jenen von Schiaparelli, der dort “Kanäle” fand, die auch (von Lowell) als künstlich angelegt interpretiert wurden. Die diesbezügliche Sensationsgier führte zu Vorstellungen von (seit den Zeichnungen von W. R. Leigh kleinen grünen) Marsmenschen, die im Science Fiction-Genre verarbeitet wurden, etwa in “Krieg der Welten” von H.G. Wells, das von Orson Welles zu einem Hörspiel umgesetzt wurde. “Aelita” von Alexei Tolstoi (1923) ist eine der ganz wenigen menschlichen Dichtungen über Marsianer, wo diese nicht kommen um die Erde zu erobern. Der rote Planet wurde auch ein Kandidat weil dort Wasser vorkommt, ein Hügel gesichtet wurde, der auf manchen Fotos wie ein Gesicht aussieht (siehe Fotos), ein Meteorit von ihm 1984 in der Antarktis gefunden wurde und er überhaupt relativ erdähnlich ist.

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Das “Marsgesicht” von der Raumsonde “Viking 1” 1976 fotografiert

Daneben kommen die Monde diverser Planeten und andere Galaxien als Umwelt Ausserirdischer in Frage. Dort, wo eine Kontaktaufnahme bzw. Suche noch schwieriger ist. Diese “Search for Extraterrestrial Intelligence” (SETI) geschieht seit langem mit Radioteleskopen, als Suche nach und Aussenden von Signalen. 1977 zeichnet das “Big Ear”- Radioteleskop in den USA das “Wow!”-Signal auf, nach dem Kommentar seines Entdeckers Jerry Ehman auf dem Computer-Ausdruck so genannt; eine Botschaft von Aliens oder ein stellares Phänomen? Versuche der Kontaktaufnahme waren auch die Plaketten auf den Raumsonden “Pioneer” 10 und 11 Anfang der 1970er. 1974 sandten amerikanische Astronomen per Radiowellen die Arecibo-Botschaft an mögliche Ausserirdische. Auch die “Voyager” 1, seit 1977 im All unterwegs, beteiligt sich an der Suche. Stephen Hawking ist skeptisch bezüglich dieser Suche nach und Kontaktaufnahmeversuchen mit Ausserirdischen, glaubt, solche könnten den Menschen überlegen sein und sie nicht unbedingt als Freunde sehen (manche beschäftigen sich auch schon mit “planetarer Verteidigung”). Eine andere Frage ist, wie ausserirdisches Leben beschaffen sein kann; inwiefern ist irdisches Leben Maßstab dafür, in welchem Entwicklungsstadium muss es sein um mit uns kommunizieren zu können (> Kardaschow-Skala), kann es nicht auch nur eine Moosart oder Bakterien sein anstatt intelligentem Leben? Der Physiker Enrico Fermi formulierte 1950 das nach ihm benannte Paradoxon, wonach es aufgrund des Alters und der Grösse des Universums eigentlich Leben ausserhalb der Erde geben müsste, für dieses aber keine Hinweise (z.B. Raumschiffe) auftauchten. Manche Menschen schliessen daraus, sie existieren – wir werden ignoriert. Die Rare-Earth-Hypothese (englisch für Seltene-Erde-Hypothese; nach einem Buch) besagt wiederum, dass Entstehung von Leben auf der Erde ein im Universum ungewöhnlicher Vorgang war und es dazu einer unwahrscheinlichen Konstellation bedurfte. Das Thema kann bewegen, es betrifft u.a. die Stellung des Menschen im Universum, ist Forschungsthema, u.a. in der Astronomie und Exobiologie; aber auch eine religiöse Frage. Arthur C. Clark (war ein britischer SF-Autor und Futurist): “Entweder wir sind alleine im Universum oder aber nicht. Beides ist gleich beängstigend.”

Eine schärfere Aufnahme des "Marsgesichts"
Eine schärfere Aufnahme des “Marsgesichts”

Gibt es UFOs, als Fluggeräte ausserirdischer Lebewesen, dann gibt es Ausserirdische und das Wissen voneinander. Des US-Hobbypiloten Arnold erste Beschreibung “fliegender Untertassen” 1947 und die Ereignisse in Roswell im selben Jahr (in Wirklichkeit abgestürzte Ballons und Dummies?) gehören hier zu den ersten “Sichtungen”. Die UFO-Hysterie in den USA begann parallel zum Kalten Krieg, der Angriff von „bösen Anderen“ war auch hier das Thema. Kontakte reichten laut Ufologen von Entführungen bis zu verheimlichten Begegnungen mit Behörden. In den Bereich der Pseudowissenschaft gehören auch Theorien wonach intelligente Ausserirdische die Erde besucht und menschliche Zivilisation beeinflusst hätten (Prä-Astronautik, Paläo-SETI). Dabei werden oft die in vielen Kulturen vorhandenen Sagen von Begegnungen mit Göttern oder gottähnlichen Wesen sowie Darstellungen wie die Val Carmonica-Zeichnungen als Zeugnisse von Besuchen ausserirdischer Wesen gedeutet.

Die Area 51 (Flugzeugtests der US-Luftwaffe?), die Marfa-Lichter in USA oder die Hessdalen-Lichter werden immer wieder mit UFOs und Aliens in Zusammenhang gebracht; bei den Kornkreisen ist inzwischen klar, dass sie bis auf wenige natürlich entstandene von Menschen gemacht werden. Rätsel geben z.B. die Berichte des Militärpiloten Jafari über seine Sichtung in Teheran 1976 auf. Das Eingreifen Ausserirdischer wird bei einigen anderen auch hier angeführten Rätseln behauptet. Diese Theorien sind nahe bei esoterischen Strömungen und beim literarischen Fantasy/Science Fiction-Genre. Der Tscheche Soucek (Zahnarzt, Offizier, Kommunist, Journalist, Frühpensionist) schrieb SF-Geschichten und über Rätsel wie jenes von Tunguska (s.u.), wo er ähnlich wie Von Däniken oft ausserirdische/übernatürliche Erklärungen nahelegte.

Ungeklärte politische Morde und Todesfälle:

  • John F. Kennedy: geklärt mit Oswalds Festnahme?!
  • Dag Hammarskjöld: schwedischer UN-Generalsekretär, stürzte im September 1961 in einem Flugzeug mit 15 Anderen, auf dem Weg zu Verhandlungen in der Kongo-Krise ab, über dem heutigen Sambia; ein Abschuss gilt inzwischen als wahrscheinlich, am ehesten durch Jene, die an der Unabhängigkeit Katangas arbeiteten
  • Olof Palme: es gab mehrere Festnahmen und eine Verurteilung, die aber mit Freilassungen endeten, und ziemlich konkrete Hinweise auf das südafrikanische Apartheid-Regime
  • Uwe Barschel: auch bei ihm nicht sicher ein Mord; sein Tod 1987 kurz nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein gibt aber nach wie vor Rätsel auf
  • Omar Torrijos: Staatschef von Panama, Flugzeugabsturz 1981, nach John Perkins handelte es sich um einen Anschlag der USA, weil Torrijos die ökonomische Souveränität Panamas verteidigte
  • Wladislaw Sikorski: Ministerpräsident der polnischen Exilregierung nach der deutschen Besetzung, stand für Ausgleich mit der Sowjetunion und hatte gleichzeitig Einfluss bei den angelsächsischen Alliierten, starb 1943 bei einem Flugzeugabsturz vor Gibraltar, es ist unklar ob Sabotage und somit ein Mordanschlag vorliegt wie oft behauptet wird, und wer dafür verantwortlich sein könnte, die Zweifel an der Unfallversion sind ernst zu nehmen
  • Dagobert II.: merowingischer König des fränkischen Teilreichs von Austrasien, wohl von Machthabern aus Neustrien 679 ermordet; Pierre Plantard mischte im 20. Jahrhundert Behauptungen über Abstammung und Nachfahren dieses Dagoberts und der Merowinger an sich mit solchen über die von ihm gegründeten Prieuré de Sion, die Maria-Magdalenen-Kirche in Rennes-le-Château und deren Pfarrer Saunière, den Heiligen Gral, den Templerorden sowie Jesus, was von Gerard de Sède sowie Lincoln/Baigent/Leigh und dann Dan Brown aufgegriffen bzw. adaptiert wurde. Umberto Eco hat die Sache in seinem Buch über die legendären Länder einer kritischen Untersuchung unterzogen
  • Juvenal Habyarimana: Präsident Ruandas, wurde 1994 gemeinsam mit seinem burundischen Amtskollegen Ntaryamira im Flugzeug über Kigali abgeschossen, eine Tat die den Völkermord an den Tutsi in Ruanda auslöste, da Hutu-Führer Tutsi verantwortlich machten; die Tutsi-Organisation RPF, die gegen die Hutu-Dominanz kämpfte, ist jedenfalls ein Kandidat
  • Birendra Shah: der König von Nepal wurde zusammen mit einigen Verwandten 2001 im Palast erschossen, es gibt Zweifel an der offiziellen Version wonach sein Sohn Dipendra, der selbst getötet wurde, der Mörder war
  • Ludwig II. von Bayern: starb 1886 kurz nach seiner Absetzung als bayerischer König unter ungeklärten Umständen
  • Samora Machel: Präsident Mosambiks, Flugzeugabsturz 1986, damaliges Apartheid-Regime Südafrikas als Verdächtiger
  • Jan Masaryk: stand der totalen Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei nach dem 2. Weltkrieg im Weg, wenn auch nicht ernsthaft, starb 1948 beim dritten Prager Fenstersturz, ein Mordanschlag ist wahrscheinlich
  • Ananda Mahidol: König von Thailand als Vorgänger seines Bruders Bhumibol, starb 1946 beim Hantieren mit Handfeuerwaffen, noch immer werden Unfall, Mord und Selbstmord für möglich gehalten
  • Oscar Romero: katholischer Bischof in El Salvador, wird zu den Befreiungstheologen gezählt, 1980 während einer Messe in der Hauptstadt von Todesschwadronen im Auftrag des Regimes erschossen, was aber noch immer “inoffiziell” ist
  • Papst Johannes Paul I.: Albino Luciani; ein Mord ist auch hier nicht erwiesen, wird u.a. von David Yallop behauptet, in dessen Buch “Im Namen Gottes” die Vatikan-Bank im Mittelpunkt steht
  • Danny Casolaro: US-amerikanischer Journalist, der u.a. über die Iran-Contra-Affäre und die Freilassung der im Iran festgehaltenen amerikanischen Botschaftsangehörigen, beides unter Reagan, recherchierte

Rätsel um die Existenz verschiedener Tierarten, die Fragestellungen der Kryptozoologie (die verschieden ausgeprägt bzw. definiert sein kann, nicht immer seriös ist). Das Loch Ness-Monster (nahm als Kryptid erst ab 1933 Gestalt an, als regionale Zeitungen von Sichtungen berichteten) und andere Seeungeheuer sowie Yeti, Bigfoot oder Chupacabra, also beschriebene, angeblich gesichtete Tiere, die zumindest von der breiten Öffentlichkeit verborgen leben, sind hierbei ein Teilgebiet. In manchen Fällen haben sich die Berichte von Sichtungen oder die Funde von Überresten bestätigt, bei in jüngerer Vergangenheit “entdeckten” Tieren wie dem Okapi (das den Menschen in seiner Umgebung sehr wohl bekannt war). Viele solcher Arten sind aber “unspektakuläre” Wirbellose. Legendäre Tiere und Fabelwesen (wie auch Mothman) gehen teilweise auf tatsächliche Tiere zurück, die in lokalen Mythen “verarbeitet” wurden; so könnten sich Drachenlegenden in Ostasien von Waranen ableiten. Auch mit der Möglichkeit von bekannten Tierarten in für sie untypischen Gegenden und mit als ausgestorben geltenden Tieren befasst sich die Kryptozoologie; es gibt davon solche wie den Quastenflosser, die sich als existent erwiesen. Als Grund für das Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit, also vor etwa 70 Mio. Jahren (manche Flugsaurier überlebten), werden Theorien von Raummangel in der Arche Noah bis kosmische Auswirkungen genannt. Arten, deren Aussterben (bzw. Ausrottung) in der jüngeren Zeit angesetzt wird, wie der tasmanische Beutelwolf, sind weniger rätselhaft.

Mögliche falsche Flagge-Aktionen: Bei solchen Operationen (die Bezeichnung kommt aus der Seefahrt) werden ja die Identität und damit die Absichten des tatsächlichen Urhebers verschleiert und sie einer anderen Partei in die Schuhe geschoben. Es gibt diesbezüglich erwiesene Fälle wie den “Überfall” auf den Sender Gleiwitz in Schlesien, bei dem SS-Männer einen polnischen Angriff darstellten, um den folgenden deutschen Angriff auf Polen, mit dem der 2. Weltkrieg begann, für die deutsche und internationale Öffentlichkeit als “Reaktion” aussehen zu lassen. Dann gibt es (mögliche) false flag-Operationen um die Fragen offen sind. Der Reichstagsbrand 1933 diente als Anlass (Vorwand) für die Reichstagsbrandverordnung, die ein wichtiger Schritt in der nationalsozialistischen Machtergreifung war. Der niederländische Kommunist Van der Lubbe wurde dafür hingerichtet, die Verantwortlichkeit für die Brandstiftung ist heute noch ungeklärt. Absichtliche und geklärte Täuschungen wie der Dreadnought-Streich (wo ein Staatsbesuch abessinischer Fürsten in Grossbritannien vorgegaukelt wurde) oder die Verkleidung britischer Siedler in Nord-Amerika als Indianer bei der Boston Tea Party, dem Beginn des Aufstands gegen ihr Mutterland, sind nicht mysteriös und auch keine keine falsche Flagge. Beim Katyn-Massaker wurde die Verantwortung im Nachhinein von der Sowjetunion auf das “Dritte Reich” abgeschoben. Rund um “Gladio” sind viele Fragen offen, v.a. über Aktivitäten, die über die Pläne für verdeckten militärischen Widerstand im Falle einer sowjetischen Invasion West-Europas und Informationsweitergabe hinausgingen, und Terroranschläge und Morde in verschiedenen europäischen Staaten im Kalten Krieg betreffen. Das Ausmaß der Sache ist noch lange nicht geklärt, unklar ist auch, inwiefern Politiker (v.a. der DC) beteiligt/eingeweiht waren oder ob die Aldo Moro-Entführung damit in Zusammenhang steht. Fraglich ist, wie seriös Verschwörungstheorien bzw alternative Theorien zur Urheberschaft von den Anschlägen in der USA 2001, im wesentlichen Falsche Flagge-Theorien, sind.

Verschwundene Menschen, siehe dazu den Artikel

Ungeklärte Morde oder rätselhafte Todesfälle, die keinen politischen Charakter haben:

  • die Jack the Ripper-Morde: in London 1888, wahrscheinlich 5 Prostituierte, die auch verstümmelt wurden, die Liste der Verdächtigen ist lang, wobei Kosminski und Druitt noch immer aktuell sind
  • die Djatlow-Toten: 9 Skiwanderer, Sowjetrussland 1959, der Gebirgspass am Ural wo die Toten gefunden wurden, wurde dann nach dem Gruppenleiter Igor Djatlow benannt, die Resultate der Untersuchungen warfen mehr Fragen über die Todesumstände auf als sie beantworteten
  • die Zodiac-Morde
  • Hinterkaifeck (1922)
  • “Marilyn Monroe”: wurde sie ermordet, wenn ja, von wem?
  • Dorothy Kilgallen
  • der Somerton-Mann: auch “Tamam-Shud-Fall”; Mord als Todesursache steht hier nicht fest, die Identität des Opfers und die Deutung der bei ihm gefundenen Notizen sind Teile des Rätsels
  • Mary Pinchot-Meyer: stand im Zusammenhang mit JFK, fast den politischen Morden zuzuordnen
  • Marilyn Sheppard: die Verurteilung ihres Ehemanns Samuel wurde rückgängig gemacht, der Fall wurde Vorlage für die Serie und den Film “Auf der Flucht”
  • die 1970 im norwegischen Isdal gefundene Frau wo neben dem Mord an sich auch die Identiät ungeklärt geblieben ist
  • Weiters: JonBenét Ramsey (Kindermodel), Elizabeth Short (“schwarze Dahlie”), jene des “Monsters von Florenz” (Pacciani?), Robert Crane, Tupac Shakur, Rosemarie Nitribitt, Meredith Kercher, Nicole Brown & Ron Goldman, Honolulu-Morde (1985/86, “Strangler”), Edith A. Morrell (John Bodkin-Adams wurde/wird hier und in ca. 160 weiteren Fällen verdächtigt), Dian Fossey, Grimes-Schwestern, Marie-Dolores Rambla (ihre Ermordung ist ungeklärt falls Ranuccis Verurteilung ein Justizirrtum war), Rudolf Diesel, Cora Crippen, Themse-Torso 01, Vierfachmord Annecy 2012, der YOGTZE-Fall, Adam Walsh

Fatima, Portugal: 1917 berichten 3 Kinder von Marienerscheinungen (2 sterben früh, Lucia dos Santos wird Nonne), etwa 30 000 erleben in Mittel-Portugal den angekündigten letzten Besuch Marias als “Sonnenwunder” (es gibt psychologische und physikalische Erklärungsversuche dafür, die Untersuchung des italienischen Priesters De Marchi 1943-1950 ist die wichtigste Quelle für die Sache), davor sollen die Kinder 3 Botschaften erhalten haben, diese wurden vom Vatikan anerkannt (1942 wurden zwei veröffentlicht, die dritte 2000). Zu aufsehenerregenden zeitgeschichtlichen Fällen von angeblich übernatürlichen Erscheinungen im religiösen Bereich zählen auch Pater Pio, bei dem sich Stigmata gezeigt haben sollen, Anneliese Michel mit ihrer “Teufelsbesessenheit” oder die “Seherin” Therese Neumann (gerade bei gläubigen Katholiken umstritten).

Das Bermuda-Dreieck, also das Gebiet nördlich der Karibik zwischen Bermuda, Puerto Rico und Florida (manchmal wird es ausgedehnt), gilt seit dem Verschwinden einer amerikanischen Flugzeugstaffel 1945 (manchmal werden Fälle rückwirkend miteingeschlossen, auch Vorkommnisse während Columbus’ Fahrt) als Ort, wo immer wieder Flugzeuge und Schiffe (wie die „Carroll A. Deering“)  verschwinden sollen. Charles Berlitz hat in seinem Buch 1974 das Quellenmaterial zu einer Theorie verdichtet, die Atlantis mit dem Dreieck in Verbindung brachte. Das Teufelsmeer im Pazifik vor Japan gilt (manchen) ebenfalls als so ein Ort des geheimnisvollen Verschwindens.

Das “Ereignis” in Tunguska in Russland 1908 war eine Art Explosion, deren Ursache bisher eben unbekannt ist. Der Ort des Geschehens war ein Gebiet in Mittel-Sibirien, das dünn besiedelt ist, weshalb es nur wenige menschliche Opfer gab. Bäume in einem grossen Gebiet wurden umgeknickt oder entwurzelt. Erst Jahrzehnte später (inzwischen gab es die Sowjetunion statt dem Zarenreich) führte der Geologe Leonid Kulik eingehende Untersuchungen durch. Ein Einschlag eines Himmelskörpers (eines Kometen oder Meteoriten) gilt als wahrscheinlichste Ursache. Weitere Theorien reichen von der Explosion aufgestiegenen Erdgases über den Einschlag eines schwarzen Loches bis zu Ausserirdischen. Die Sache wurde in mehreren Fantasy/SF- und alternativgeschichtlichen Romanen verarbeitet, etwa von Stanislaw Lem.

Der Bau der Pyramiden im alten Ägypten: Mehr ein bautechnisches als ein historisches Problem. Bis heute ist nicht geklärt, wie die bis zu 2,5 Tonnen schweren Steinblöcke bewegt und aufgeschichtet wurden, damit verbunden ist auch Frage des Transports der bis zu 40 Tonnen schweren Deckenplatten für die Grabgewölbe im Inneren der Pyramiden. Es dominieren Theorien über die Verwendung von Rampen.

Im Zusammenhang damit steht der “Fluch des Pharao“, die These, wonach Pharaonen ihre Gräber mit Magie (die auch wirksam ist) oder konkreteren (naturwissenschaftlich erklärbaren) Vorkehrungen wie Schimmel oder Sporen vor Eindringlingen geschützt haben. Spekulationen darüber dürften erst im 19. Jahrhundert begonnen haben, als unter westlicher Leitung die wissenschaftliche Erforschung der Pyramiden und anderer altägyptischer Bauwerke begann (und nicht in den Jahrhunderten davor, als Pharaonen-Gräber auch oft genug aufgesucht wurden). In Fahrt kamen sie aber durch die Entdeckung des Grabs von Tutenchamun 1922 unter dem Briten Howard Carter im Tal der Könige (der Bau von Pyramiden wurde einige Jahrhunderte vor Tutenchamun wegen Grabräubern eingestellt). Infolge dessen soll es ja zu einer Häufung von ungewöhnlichen Todesfällen von an der Graböffnung Beteiligten und anderen Vorfällen gekommen sein. Carter selbst starb 1939 eines natürlichen Todes, auch bei vielen anderen Beteiligten ist weder ein vorzeitiger noch ungewöhnlicher Tod festzustellen. Zur Stützung der Theorie werden Inschriften in Gräbern herangezogen, die als Warnung vor einem solchen Fluch interpretiert werden können. Andere Flüche sollen u.a. die an der “Ötzi”-Bergung Beteiligten oder den Kennedy-Clan betreffen.

Kaspar Hauser gibt nach wie vor Rätsel auf, seine Herkunft ist unbekannt und Punkte seiner Biografie nach seinem Auftauchen in Nürnberg umstritten. Hartnäckig hält sich (trotz widersprechender Genanalysen) die Theorie, dass er ein aus Erbfolgegründen beseitigter Prinz aus dem Haus Baden (die im gleichnamigen Grossherzogtum herrschten) war. Um den “Mann mit der eisernen Maske” in Frankreich (mehr darüber in diesem Artikel) und die Prinzen im Turm (England) ranken sich vergleichbare Spekulationen.

Auch wenn noch nicht alle Fragen rund um die Hinrichtung der Zaren-Familie 1918 geklärt sind, die (berühmteste) falsche Anastasia Romanova ist durch DNA-Tests überführt, ebenso der angebliche Rudolf von Habsburg-Sohn Pachmann; im Fall des Sohnes des französischen Königs Ludwig XVI., der zwar nie regierte aber als Ludwig XVII. gezählt wird und (aller Wahrscheinlichkeit nach) in den Wirren der Revolution umkam, gab es mehr als 30 Männer die Anspruch erhoben der überlebende Prinz zu sein, am bekanntesten wurde der Deutsche Naundorff.

In Amerika, v.a. Süd- und Mittel-, fanden sich aus Kristall “geformte” Nachbildungen menschlicher Schädel, aus den Zeiten vor den europäischen Entdeckungen. Sie geben Rätsel auf, da Eisen im “vorkolumbianischen” Amerika nicht verwendet wurde (soviel man weiss), für eine Politur mit anderem Material wären Jahrhunderte zu veranschlagen. Der bekannteste, von den Mayas stammende, wurde im heutigen Belize entdeckt; einige andere Exemplare haben sich als Fälschungen aus dem Deutschland des 19. Jahrhunderts herausgestellt. Fragen über ihre Entstehung werfen auch die Gesteinsformationen der Bimini-Strasse vor Bahamas auf (hier geht es darum, ob sie von Menschenhand oder natürlich geschaffen wurden), die Steinkugeln in Costa Rica, und vor allem die Nazca-Linien in Peru (hier gehts auch um die Bedeutung, den Zweck). Ungewöhnliche Artefakte aus anderen Gegenden sind etwa der Rechner von Antikytha (Griechenland, 1. Jh v.C.), die Bagdad-Batterie, die Klerksdorp-Kugeln, die Eiserner Mann-Stele, die Baigong-Pfeifen, die eiserne Säule von Delhi (rostet nicht), der Aluminiumkeil von Aiud (Rumänien), der Damaskus-Stahl.

Das Voynich-Manuskript: wahrscheinlich im 15. Jh. in Oberitalien verfasst, war u.a. im Besitz des Böhmen Tepenec, des Jesuiten Kircher, dann lange im Vatikan, gelangte im 20. Jh. in die Hände des Antiquariatsbuchhändlers Wilfrid Voynich (aus dem damals russischen Teil Polens stammend, wanderte in USA aus), ist heute in der Bibliothek der Yale-Universität in Connecticut aufbewahrt. Es zeigt Abbildungen u.a. von Pflanzen die unbekannt sind und Texte in einer (auch in der heutigen vernetzten Welt) unbekannten Schrift. Die ernsthaften Aufklärungsversuche begannen spätestens mit Voynich; Kryptologie u.a. Disziplinen sind darin involviert. Mittlerweile wird die Fabrikation (nicht-existenter Pflanzen und Buchstaben) zum Zweck der Täuschung für wahrscheinlich gehalten. Verdächtigt wird dabei nicht zuletzt der englische Okkultist und Alchemist Kelley, der wegen eines anderen Betrugs (mit dem Abschneiden der Ohren) bestraft worden war. Dan Brown hat auch diese Sache verarbeitet.

Nazca-Linien
Eine der Figuren bei Nazca in Peru; die Linien sind nur wenige Dezimeter tief aber die Figuren nur aus grosser Höhe erkennbar; ihre Bedeutung ist ungeklärt

Vorhersagungen und Prophezeiungen, von jenen der Astrologie über den Maya-Kalender (bzw. Interpretationen dessen) und Nostradamus bis Jeane Dixon. Das mit dem Eintreffen scheint auch immer eine Frage der Auslegung zu sein. Es gibt jedenfalls viele Fälle, in denen Menschen alles verloren, weil sie “Vorhersagungen” Glauben schenkten. Etwa die Xhosa in Südafrika, die 1856 einen Grossteil ihres (“verhexten”) Viehbestandes töteten, weil ein Mädchen namens Nongqawuse die Häuptlinge davon überzeugte, dass ihr dies in einer Botschaft von Geistern aufgetragen worden war. Die versprochene Belohnung (v.a. neues Rind) kam nicht, dafür verhungerten Zehntausende (allerdings auch weil die Regierung der britischen Kapkolonie jede Hilfe verweigerte). Auch in Europa kam es immer wieder vor, dass Menschen ihre Habe aufgaben, weil sie an einen Weltuntergang glaubten.

Die Osterinsel (Isla de Pascua, Rapa Nui) gibt einige Rätsel auf. Bei den bekannten Statuen (“Moai”) war der Herstellungsprozess zu rekonstruieren, da sich am Vulkan der Insel heute noch Hunderte Statuen in verschiedensten Stadien der Vollendung befinden. Umstritten ist aber der Zweck, die Art des Transports, die Herstellungsphase, die Gründe für das Aufgeben der Herstellung sowie den Verfall der Kultur im 17. Jh (der möglicherweise mit der Abholzung einherging). Weiters ist die auf Holztafeln gefundene Rongorongo-Bilderschrift noch nicht enztiffert.

Schiffe, die ohne Besatzung gefunden wurden, waren die Mary Celeste” oder die “Ourang Medan”, die “MV Joyita” ist dagegen ganz verschwunden (übrigens nicht im Bermuda-Dreieck oder der Teufelssee), ebenso das australische U-Boot “HMAS AE1”. Im Frühling 1968 “verschwanden” kurz nacheinander zwei U-Boote unter ungeklärten Umständen, das sowjetische “K-129” sank auf einer Patrouillenfahrt im Pazifik, und das amerikanische “USS Scorpion” im Atlantik am Rückweg von Tests und Training im Mittelmeer. Die Regierungen gaben an dass es sich um Unfälle handelte. Die amerikanische Marine barg die “Scorpion” auf dem Meeresgrund vor den Azoren. 1974 versuchten die USA in einer Geheimaktion (Deckgeschichte war die Suche des Südstaaten-Unternehmers Howard Hughes nach Metallen am Meeresgrund) mit immensem Aufwand, die vor Hawaii liegende “K-129” zu heben, das Wrack zerbrach jedoch dabei. In manchen Analysen werden die beiden “Untergänge” miteinander verbunden. Demnach hat sich in der Tiefe des Meeres ein tödlicher Schlagabtausch der Supermächte im Kalten Krieg ereignet, der der Öffentlichkeit verborgen blieb, und das Versinken des amerikanischen U-Boots war die Vergeltung für jenes des sowjetischen davor.

Thor Heyerdahl stellte Theorien über die Besiedlung Ozeaniens auf. Auch in anderen Fällen sind Fragen der Herkunft, der Abstammung, des Verbleibs von Völkern oder Volksteilen offen. Die Chachapoya-Indianer, kurz vor der spanischen Invasion von den Inkas unterworfen, waren angeblich deutlich heller als benachbarte Völker und sind Gegenstand von diesbezüglichen Spekulationen und Untersuchungen. Der deutsche Kulturwissenschafter Giffhorn grenzt sich von Mahieu und anderen ab, die eurozentrische und rassistische Theorien über die Herkunft dieser “Indianer” hatten, stellt aber auch derartige geschichtsrevisionistische Behauptungen auf. Die im Tarim-Becken in Zentralasien gefundenen Mumien sollen ebenfalls eine ungewöhnlich helle Pigmentierung aufweisen. In den Zusammenhang gehören z.B auch der Verbleib der infolge der assyrischen Invasion 722 v.C. verschleppten Stämme Israels oder die Frage der Kontinuität der Kanaaniter. Die Gründe und Umstände des Untergangs der Harappa- Kultur in Indien oder jene der minoischen Kultur auf Kreta sind eine etwas andere Fragestellung.

Was ist dran an der Legende von Päpstin Johanna (auch Johannes Anglicus genannt), einer sich als Mann ausgebenden gelehrten Frau, die im Mittelalter als Papst amtiert haben soll? Die Geschichte ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert, wurde u. a. von Boccaccio und Bertolt Brecht literarisch aufbereitet, und wird in der Forschung heute überwiegend als Erfindung ohne wahren Kern gesehen. Die Frage der Historizität stellt sich auch bei König Artus, Robin Hood, Wilhelm Tell oder Hiram Abiff.

Die Piri-Reis-Karte: osmanische Seekarte, die Gebiete zeigt, die zum Zeitpunkt ihrer Erstellung (frühes 16. Jh) teilweise noch nicht von Europäern entdeckt waren.

Ausschnitt der Piri-Reis-Karte, die im Topkapi-Palast in Istanbul liegt

Auf Oak Island (Kanada) wurden Ende des 18. Jh. ein zugeschütteter Schacht sowie angeblich Schieferplatten mit Zeichen entdeckt. Seither finden Grabungen nach dort vergrabenen Schätzen statt, die bislang nichts zu Tage brachten. Andere Beispiele für langwährende Gerüchte und Suchaktionen um vermeintliche Schätze sind der Toplitzsee in Österreich, in dem Werte aus der NS-Zeit zu Kriegsende versenkt worden sein sollen (jedenfalls das im “Unternehmen Bernhard” hergestellte Falschgeld), das Gold der Konföderierten Staaten (dem nach der Sezession von den USA proklamierten Staat), dessen Verbleib ungeklärt ist und der angebliche Dorak-Schatz.

Im Sommer 1980 stürzte ein DC-9-Passagierflugzeug bei der Insel Ustica aus zunächst ungeklärter Ursache ins Tyrrhenische Meer, alle 81 Insassen starben. Nach jahrelangen Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Flugzeug aufgrund eines Treffers durch eine militärische Luft/Luft-Rakete abgestürzt war. Es soll im Absturzgebiet ein Luftkampf zwischen Kampfflugzeugen der NATO und Libyens stattgefunden haben. Diese Erkenntnisse werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten, zumal die italienischen Behörden die Ermittlungen massiv behinder(te)n. Das Unglück bei der Flugvorführung in Ramstein 1988 soll Teil der Vertuschung des Ustica-Unglücks sein. Der Absturz der “Helderberg”, SAA-Flug 295, könnte mit der Wahrheit über die Substanz “Red Mercury” in Zusammenhang stehen. Ungeklärt sind auch die Ursache der Entzündung des Luftschiffes “Hindenburg” bei der Landung in USA 1937, der Grund für den Absturz eines JAT-Passagierflugzeugs 1972 am Weg von Stockholm nach Belgrad über der damaligen Tschechoslowakei (eine Überlebende; Bombe einer kroatischen Extremistengruppe oder irrtümlicher Abschuss durch die CSSR?), und natürlich für den Malaysia Air-Flug 370 2014.

Stonehenge wirft, ähnlich wie die Carnac-Steine, Fragen über die Bedeutung/den Zweck, auch über Herstellung und Transport, auf.

Atlantis, die legendäre Insel, erstmals von Platon erwähnt, wird u.a. mit der untergegangenen minoische Kultur Kretas in Zusammenhang gebracht. Zu diesem und anderen legendären Orten wird es einmal einen eigenen Artikel geben.

Angeblich verschwundene Militär-Einheiten: die römische 9. Legion, 71 Männer einer australischen Einheit im 1. Weltkrieg bei Ypern während/nach dem Kampf gegen Deutsche anseite der Briten (in “Celtic Wood”), die Armee von Kambyses/Kambudschiye II. 525 vC in Ägypten.

Die Gesichter auf dem Boden eines Hauses in Belmez (Spanien), von denen seit 1971 berichtet wird. 2004 starb die Hausbesitzerin Maria Gomez, die auch als Urheberin der Bilder verdächtigt wird.

Ungeklärte Verbrechen die nicht Morde sind, wie den/die “Geisterschütze(n)” der/die 1927/28 in New Jersey Fahrzeuge traf, Leute verletzte; der Kunstraub von Gotha 1979, ein Einbruchdiebstahl, nachts wurden fünf Gemälde aus Schloss Friedenstein gestohlen, gilt als schwerwiegendster Kunstraub in der Geschichte der DDR und als einer der spektakulärsten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

An den Behauptungen vom Philadelphia-Experiment” ist wahrscheinlich nichts dran. Dabei geht es um ein angebliches Experiment der USA-Marine während des 2. Weltkriegs in Philadelphia mit dem Kriegsschiff “USS Eldridge”, das Teleportation, Tarntechnologie und Zeitreisen umfasst haben soll. Die Geschichte geht auf einen Matrosen zurück, der 12 Jahre nach dem angeblichen Ereignis einen UFO-Schreiber kontaktierte. In Zusammenhang damit steht manchmal die Montauk-Station/Fort Hero.

Als Millennium-Probleme bezeichnet man die im Jahr 2000 vom Clay Mathematics Institute (CMI) in Cambridge (Massachusetts) in einer Liste aufgezählten ungelösten Probleme der Mathematik. Das Institut hat für die Lösung eines der sieben Probleme ein Preisgeld von jeweils einer Million US-Dollar ausgelobt. 1 von 7 wurde bislang gelöst.

Wo liegt … begraben (z.B. Dschingis Khan) ist meist nicht so brisant. Im Fall der Überreste Alexanders des Grossen ist man kürzlich in Amfipolis in Makedonien auf die Spuren eines gewaltigen Mausoleums gestossen das sein Grabmal sein könnte.

Die Zweifel an den Mondlandungen hat Kaysing begründet, es wird u.a. darauf hingewiesen, dass alle bemannten Mondlandungen unter Nixon stattgefunden haben.

Weiters: der Verbleib des Bernsteinzimmers, die Inschrift auf der Phaistos-Scheibe, wandernde Felsen (v.a. im Death Valley/Valle de la Muerte in Kalifornien), Kugelblitze, die Entstehung bzw. Herkunft des HI-Virus, das Brummton-Phänomen/Taos Hum, Kentucky Meat Shower 1876, die Identität der “Mona Lisa”,…

In der Serie “History’s Mysteries” auf “History Channel” wurde etwa in der Folge “Nazi Bomb” ergründet, wie nahe Nazi-Deutschland der Entwicklung einer Atombombe kam oder “The True Story of Rasputin” erzählt. Eigentlich gings da weniger um historische Rätsel/Geheimnisse bzw ihre Aufklärung, als um die Aufbereitung von geheimnis-umwitterten oder beliebten Themen. Die Gründe für den Hess-Flug nach GB sind nicht ganz klar, die Sache stellt evtl. ein echtes historisches Rätsel dar; nahe daran sind umstrittene historische Fragen wie die Hintergründe des Pearl Harbor-Angriffs oder die Ursachen der Irischen Hungersnot. Rund um “Dracula” gibts da auch vieles, was aber bleibt ungeklärt, wenn man erst mal den Unterschied zwischen der Legende und  der “zugrundeliegenden” historischen Figur sowie die Herkunft des Mythos’ um das Fabelwesen des Vampirs herausgestellt hat? Die Verschwörungstheorien des Abbé Barruel zur Französischen Revolution setzen kein Fragezeichen hinter das gängige Narrativ von ihr. Bezüglich des Titanic-Untergangs gibts einige Irrtümer aufzuklären, die Sache an sich ist aber nicht rätselhaft. Kannibalismus im Notfall wie in den Anden 1973 oder bei der Donner-Reisegruppe 1846/47 ist immer wieder interessant, aber auch kein Geheimnis. Ähnlich verhält es sich mit im Moor konservierten Leichen.

Zum Tod von Diana Spencer gibts viele Mordtheorien, noch um einiges abstruser sind Behauptungen vom Presley-Weiterleben oder gar jene (politisch motivierten) um Staatsbürgerschaft/Religion/… von Obama. Die “Weisen von Zion-Protokolle” stellen sind eine nachgewesene Fälschung bzw. Falschauslegung. Von angeblich übersinnlichen, paranormalen, parapsychologischen, unerklärlichen, esoterischen, okkulten, magischen Phänomenen, die von Telepathie über Schmerzausschaltung durch Trance oder Ekstase bis Heilungen reichen, ist nur ein Teil ernstzunehmen; Uri-Geller-Zaubertricks, die etwa Telekinese vortäuschen jedenfalls nicht. Wissenschaft kann zwar nicht alles erklären aber Hochstapelei und Aberglaube noch weniger. Der Grat zwischen pseudowissenschaftlichen Behauptungen wie jenen von Von Däniken und ernstzunehmender Theorie ist oft schmal; die geschichtsrevisionistischen Thesen von Illig (600 sei die Jahrrechnung um 300 Jahre nach vor gedreht worden) liegen vielleicht gerade darauf.

Robert Anton Wilsons “Lexikon der Verschwörungstheorien” erhebt nicht den Anspruch der Ernsthaftigkeit, ist aber lesenswert. Charles Fort schrieb über allerlei Rätsel, Carroll Quigley hauptsächlich über Verschwörungstheorien. Von einem Michael Schneider kam 2002 “Spuren des Unbekannten. Kryptozoologie. Monster, Mythen und Legenden” heraus. Daneben sei auf http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/ und historic mysteries verwiesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das israelische Atom(waffen)programm

Auch wenn Israel sein Atomprogramm schon lange nicht mehr leugnet, ist es noch immer eines der delikatesten Verschlusssachen des jüdischen Staates. Israel ist nicht nur das einzige Land in seiner Region, das Atomwaffen besitzt, sondern auch das einzige dort, das nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat und deshalb nicht von der IAEA kontrolliert wird. Sein Vernichtungspotential beläuft sich auf 200 bis 500 Atomsprengköpfe (die Atommacht Nr. 1 USA hat etwa 7500). Die Nuklearwaffen-Schwelle, sie ist für Länder mit ziviler nuklearer Infrastruktur nicht besonders hoch, ist seit Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1968 von diversen Staaten überschritten worden. Israel dürfte Ende der 1960er die sechste und erste “inoffizielle” Atomwaffenmacht geworden sein, vor Indien, Südafrika, Pakistan, Nordkorea.

Bereits bald nach der Gründung Israels 1948 begann das Militär mit der Suche nach Bodenschätzen in der Negev-Wüste und fand dort, südlich von Beersheva, Phosphat, das Uran enthielt. David Ben Gurion (geboren als David Grün im heutigen Polen), der das zionistische Projekt in Palästina ab Anfang der 1920er, lange bevor er Chef der Jewish Agency wurde, fast 40 Jahre lenkte, merkte ungefähr in dieser Zeit an: “Was Einstein, Oppenheimer und Teller, alle drei Juden, für die USA auf dem nuklearen Gebiet gemacht haben, könnten Wissenschafter auch für Israel, für ihre eigenen Leute, tun.” Israel bekam in den 1950ern, unter dem “Atoms for Peace”-Projekt von Eisenhower, von den USA einen Leichtwasser-Forschungsreaktor der in Nahal Sorek aufgestellt wurde. Dieser spielte beim Aufbau einer (zunächst zivilen) nuklearen Infrastruktur eine gewisse Rolle. Ernst David Bergmann aus Berlin leitete diesen Aufbau, durch seine Forschung am Weizman-Institut in Rehovot und als langjähriger Chef der israelischen Atomenergie-Kommission (1952 gegründet, zunächst im Verteidigungsministerium untergebracht, später direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt). Unter ihm gelang die Uran-Extraktion aus dem geförderten Phosphat und möglicherweise die eigene Herstellung von Schwerwasser. Andere Wissenschafter, die eine entscheidende Rolle in Israels Nuklearforschung spielten, waren Aharon Katzir (Katchalsky), ebenfalls ein Chemiker, und die Physiker Juval Neeman und Raymond Fox, der am Lawrence Livermore National Laboratory in den USA gearbeitet hatte, 1957 immigrierte und dabei eventuell entscheidendes Know How mitbrachte. Umgekehrt wurden unter Bergmann Studenten ins Ausland, vor allem die USA, geschickt, um Nuklearphysik zu studieren. Neeman wurde übrigens Jahrzehnte später für die rechtsextreme Techija-Partei Wissenschaftsminister in einer Begin-Regierung.

Israels erster wichtiger Verbündeter war Frankreich. Nach der Machtübernahme von G. A. Nasser in Ägypten bekämpfte dieser Israel, wie er die Unabhängigkeitsbewegungen in Nordafrika gegen die Franzosen (in Marokko, Tunesien, vor allem aber Algerien) unterstützte. Die teilweise dadurch begründete Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Israel soll auch die Weitergabe von Informationen über diese Bewegungen durch Juden in diesen Ländern, über Israel an Frankreich, miteingeschlossen haben. Die Zusammenarbeit erstreckte sich auch auf die Entwicklung konventioneller Waffen(systeme), darunter das “Mirage”-Kampfflugzeug. Als Ägyptens Präsident Nasser 1956 den Suez-Kanal verstaatlichte, sahen Grossbritannien, Frankreich und indirekt auch Israel ihre macht- und wirtschaftspolitischen Interessen bedroht und initiierten eine Invasion, die sie im Pariser Vorort Sevres besiegelten. In diesem Sevres-Protokoll hat Frankreich Israel für seine Unterstützung gegen Ägypten nukleare Hilfe zugesagt. Der Suez-Krieg endete mit der Besetzung Ägyptens durch diese drei Mächte, die auf Druck der USA und der Sowjetunion aber aufgegeben werden musste. Die Entscheidung Ben Gurions für israelische Atomwaffen dürfte rund um diesen Krieg 1956 gefallen sein. Die Beschwörung von Vernichtungsphantasien und der Gebrauch der Erinnerung an den Holocaust spiel(t)en im Zionismus immer wieder eine Rolle, als Motivation oder als Rechtfertigung, beim Siedlungsbau, bei der Einschätzung militärischer Kräfteverhältnisse gegenüber den Palästinensern, auch bei der Nuklearoption. Davor hatte Israel möglicherweise versucht, unter den nuklearen Schirm der USA zu kommen.

Ein neues Abkommen zwischen Israel und Frankreich 1957 besiegelte die nukleare Zusammenarbeit, Frankreich scheint mit dem israelischen Ziel der Atombombe einverstanden gewesen zu sein und sagte neben dem Bau eines Reaktors auch den einer Plutonium-Anlage zu. Dabei soll laut Farr (siehe Quellen) auch das israelische Wissen um die Verwicklung von Politikern und anderen Entscheidungsträgern der französischen Vierten Republik in das Vichy-Regime eine Rolle gespielt haben. Frankreich konnte sich auf bahnbrechende Forschung am Gebiet der Kernphysik, nicht zuletzt jene der Curies, stützen, als es nach dem Zweiten Weltkrieg ein zunächst ziviles Atomprogramm begann. Die Entscheidung für sein militärisches fiel 1954 durch Ministerpräsident Pierre Mendès-France. 1958 begann in Dimona der Bau der israelischen Atomanlage unter der Aufsicht französischer Ingenieure und Techniker. Neu immigrierte Mizrahis (Juden aus asiatischen und afrikanischen Ländern) wurden zum Graben für den unterirdischen Raum für die Wiederaufbereitungsanlage eingesetzt. Diverse Deckgeschichten für die Anlage gab es schon in der Bauphase. Als Frankreich 1960 in der algerischen Sahara seine erste Atombombe erfolgreich testete, war Israel als Beobachter dabei. Eine entscheidende Rolle im israelischen Atomprogramm spielte, von Anfang an, Shimon Peres, zunächst als hochrangiger Funktionär im Verteidigungsministerium und rechte Hand von Gurion. Zusammen mit diesem und Bergmann führte er Israel zur Atombombe. Peres verhandelte den Sevres-Vertrag aus und unterhielt gute Beziehungen zu führenden französischen Politikern der 4. Republik. Er schuf den technischen Geheimdienst LEKEM (oder LAKAM), von Benjamin Blumberg geführt, der ursprünglich für den Schutz der Anlage in Dimona zuständig war, und  hinter den Beschaffungsaktionen für Uran (siehe unten) stand.

In Dimona wurde das “Negev Nuklear-Forschungszentrum“ (englisches Akronym NRCN, hebräisch KAMAG) Anfang der 1960er fertiggestellt. Der aus Frankreich gelieferte Reaktor “Machon-1” (unter der weithin sichtbaren Kuppel) ging 1962 in Betrieb. Der Reaktor arbeitete offiziell mit 24 Megawatt, war in Wirklichkeit aber um einiges leistungsstärker. Er war nie mit Turbinen zur Energieproduktion verbunden, war von Anfang an zur Bombenproduktion konzipiert. Die Plutonium-Wiederaufbereitungsanlage (“Machon-2”) wurde, teilweise mit französischer Hilfe (siehe unten), unterirdisch eingebaut, mit ihr wurde ab 1965 oder 1966 aus dem abgebrannten Kernbrennstoff des Reaktors waffenfähiges Plutonium von Uran getrennt. Das Uran für den Reaktor wurde aus dem eigenen Phosphat hergestellt, aus französischen Afrika-Kolonien geliefert, in Argentinien und Südafrika gekauft, hinzu kam das gestohlene (siehe unten). Der Großteil des Schwerwassers für den Reaktor wurde 1959 von Norwegen gekauft, dem eine friedliche Nutzung versichert wurde und das Recht auf Kontrollen zugesagt wurde. Davon fand jedoch nur eine statt, 1961, bevor der Reaktor in Betrieb ging. Nach den Offenbarungen des früheren Dimona-Technikers Vanunu 1986 (siehe unten) pochte Norwegen erfolglos auf sein zugesagtes Inspektionsrecht oder auf IAEO-Inspektionen. Mit dem Plutonium aus Dimona produzierte Israel Atombomben, Frankreich lieferte wahrscheinlich auch das Design dafür. Israel hatte vermutlich 1967, nach dem Krieg, seine ersten Atombomben fertig, einzelne Komponenten schon früher, vielleicht hatte es beim 6-Tage-Krieg auch schon zwei einfache Bomben. Die Bombenproduktion lief zwischen den Kriegen 1967 und 1973 auf Hochtouren, v. a. unter Ministerpräsidentin Golda Meir. Der Amerikaner Richard K. Smyth lieferte Israel in den 1970ern widerrechtlich elektronisches Nuklearzubehör (Krytrons, zur Auslösung der A-Bomben notwendig) und wahrscheinlich auch Raketen-Technologie, über den Filmproduzenten und Waffenhändler Arnon Milchan, der auch bei Israels “Deals” mit Südafrika eine Rolle spielte. Smyth entzog sich der Strafverfolgung durch Untertauchen. Die Israelis Nebenzahl und Levin haben eine Laser-Anreicherungsmethode für Uran (den AVLIS-Prozess) entwickelt, um 1973 herum, vermutlich in Zusammenarbeit mit Südafrika. Mit dieser Technik dürfte in Dimona neben der Plutonium-Herstellung auch Uranreicherung zur Bombenherstellung stattfinden. Vanunu (s.u.) gab an, in Dimona wurde radioaktiver Dampf nur abgelassen, wenn Westwind wehte, also in Richtung Jordanien. Kürzlich gab es Berichte über Klagen von ehemaligen Arbeitern der Anlage wegen gesundheitlichen Schäden als Resultat ihrer Arbeit dort.

Die USA bekamen Ende der 1950er/ Anfang der 1960er, seit eines ihrer U2-Aufklärungsflugzeuge das Gelände in Dimona (auf dem noch Bauarbeiten stattfanden) überflogen hatte, Wind von den israelischen Vorhaben. Für John F. Kennedy, Präsident 1961 bis 1963, gehörte die Eindämmung der Weiterverbreitung von Atomwaffen zu seinen aussenpolitischen Hauptzielen, ausserdem wollte er in “Nahost” durch eine Unterstützung Israels nicht noch mehr an Boden verlieren gegenüber der Sowjetunion, die in der Region einige Verbündete  gewonnen hatten, vor allem Ägypten unter Nasser. Auf eine erste Anfrage der Amerikaner dürfte Israel geantwortet haben, in Dimona entstehe eine „Textilfabrik“. Nach der amerikanischen Entdeckung machte aber auch Israels damaliger Verbündeter Frankreich Druck, eine Erklärung abzugeben, so dass Ben Gurion in der Knesset die Geschichte vom 24 MW-Reaktor erzählte, der friedlicher Forschung diene. JFK gegenüber versicherte Gurion, dass die israelischen Anliegen jene der “freien Welt” seien. Kennedy verlangte aber Inspektionen in Dimona, erst als die Spannungen zunahmen, liess Ben Gurion, 1961, eine zu. Die Amerikaner sollten kontrollieren ob dort wirklich kein waffenfähiges Plutonium hergestellt wurde. Ihnen wurde in Dimona, u. a. von Ephraim Katzir (dem Bruder des in das Atomprogramm involvierten Wissenschafters, der selbst an Israels biologischen Waffen mitarbeitete und später Staatspräsident wurde), eine Art potemkinsches Dorf gezeigt, bzw. nur die oberirdische Anlage, der Reaktor. Die US-Inspektoren ließen sich täuschen und lieferten daraufhin, 1962, die “Hawk”-Raketen an Israel, ohne auf der bisherigen Bedingung dafür, dem Rückkehrrecht für die 1948 vertriebenen Palästinenser, zu bestehen. Die Hawk wurden rings um Dimona in Stellung gebracht. Wegen Kennedys Drängen auf weiteren Inspektionen und Gurions Hinhaltetaktik kam es in weiterer Folge wieder zu Spannungen. Im Mai 1963 trat Gurion nach einem ultimativem Brief Kennedys als Ministerpräsident zurück und reichte das Problem an seinen Nachfolger Eshkol weiter. Dieser soll vom militärischen Atomprogramm weniger überzeugt als Gurion gewesen sei. Von ihm stammt die Erklärung zu dem Programm, Israel habe keine Atomwaffen und werde sie auch nicht als erstes Land des Nahen Ostens einführen, die die heute noch aktuelle israelische Mitteilungspolitik diesbezüglich begründete, eine der Zweideutigkeit aus Unschuldsbeteuerungen einerseits (in Dimona wird heute offiziell Nuklearforschung betrieben) und Abschreckungs- bzw. Drohgebährden ohne Haftung dafür andererseits. Nach der Ermordung Kennedys liess Eshkol einen amerikanischen Besuch pro Jahr zu, mit dem die Wahrheit über Dimona nicht herauszufinden war (Inspektoren wurden nie nach unten gelassen; sie wurden auch über die Leistung getäuscht mit der der Reaktor operierte).

Unter Lyndon Johnson und ab dem Nahostkrieg 1967 vertiefte sich die Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel, nicht zuletzt die militärische, bei konventionellen Waffen, auch Kampfjets. Spätestens unter Nixon wussten die USA von Israels Atomwaffen und akzeptierten sie stillschweigend. Unter ihm wurden auch die “Inspektionen” in Dimona eingestellt. Die Intensivierung der Beziehungen zu den USA fielen mit der Abkühlung zu jenen mit Frankreich zusammen. Charles de Gaulle war ab seinem Amtsantritt 1958/59 kritisch gegenüber der nuklearen Kooperation mit Israel eingestellt, vor allem was die Plutonium-Anlage bzw. den militärischen Teil betraf. Das Bekanntwerden der Atomanlage durch die USA veranlasste De Gaulle, den Bau der Plutonium-Anlage abbrechen zu lassen. Frankreich sollte nur noch einem rein zivilen Programm assistieren. Shimon Peres gelang es aber, das Ende der französischen Unterstützung für die Plutonium-Anlage hinauszuzögern. Als es soweit war, hatte er bereits die Baupläne sowie Kontakte zu französischen Firmen, um die Anlage ohne offizielle französische Hilfe fertigzustellen. Im Krieg 1967 sah De Gaulle Israel als Aggressor und beendete die Unterstützung, endgültig auch die nukleare. Im Krieg 1967 wurde ein israelisches Kampfflugzeug über der Anlage in Dimona abgeschossen, von einer israelischen Rakete.

In zumindest zwei Fällen dürfte Israel bzw. sein Technik-Geheimdienst LEKEM für den Diebstahl von Uran verantwortlich sein. Da war zum einen die Apollo-Affäre, nach der Stadt in Pennsylvania in der die Firma NUMEC, die nukleare Brennstoffe für Atomkraftwerke produzierte, unter ihrem Präsidenten Zalman Shapiro ihren Sitz hatte. 1965 begannen die amerikanische Atomenergiekommission AEC und das FBI zu ermitteln, nachdem zwischen 200 und 500 Pfund (etwa 100 bis 250 kg) hochangereichertes (für A-Bomben zu verwendendes) Uran im Inventar fehlte. Klarer ist das Bild bei der Plumbat-Affäre 1968: Eine deutsche Chemiefirma bzw. eine israelische Strohfirma tätigte in Belgien (bei der Union Minière) einen Urankauf zur angeblichen Verarbeitung in Italien. Die EURATOM genehmigte den Verkauf und das Uran bzw. Yellowcake (verarbeitetes Uran, der Ausgangsstoff für die Herstellung von Brennelementen) verließ den Hafen Rotterdam an Bord eines Schiffes mit dem Namen „Scheersberg A“, das (noch unter anderem Namen) vom LEKEM (oder Mossad) in der Türkei gekauft worden war, in Richtung Genua. Auf offener See wurde das Yellowcake, 200 Tonnen, auf einen israelischen Frachter umgeladen und nach Israel gebracht. „Plumbat“, Blei, weil das auf den Fässern mit dem Yellowcake stand. Eine Anlage für die Umwandlung von Yellowcake in Uran-Brennelemente gehört auch zum Komplex in Dimona. Das Plutonium, das beim Betrieb des Reaktors entsteht, ist schliesslich für die Bomben zu verwenden. Die “Scheersberg” war auch 1969 beteiligt, als Israel fünf Patroullienboote in Cherbourg “entführte”, die es gekauft hatte, deren Auslieferung aber von Frankreich nach De Gaulles Beendigung der militärischen Zusammenarbeit zurückgehalten wurde.

Nasser wusste von Israels Bombenarbeit und versuchte sie zu vereiteln, Israel gelang es, wahrscheinlich relativ knapp, 1967 das nukleare Fenster zu schliessen; die ägyptische Luftwaffe soll Dimona in den 1960ern mehrmals überflogen haben. Im Yom-Kipur-Krieg 1973 spielten Israels Atombomben eine heimliche Rolle und das tun sie seither. Während des Krieges ließ Golda Meir “Jericho”-Raketen mit Nuklearsprengköpfen bestücken, etwa als Israel in der Defensive war, die Syrer dabei waren, die Golan-Höhen zurückzuerobern. Entweder weil sie in der Situation wirklich einen Einsatz erwog oder um diese Vorbereitungen und eine solche Erwägung für andere Geheimdienste zu lancieren. Für den sowjetischen, um an die arabischen Staaten eine Warnung zu senden, und den amerikanischen, um Lieferungen von Waffen und Munition zu bekommen. Israel bekam die Lieferungen. Und, die Furcht vor einem Einsatz könnte bei der arabischen Kriegsführung dann gut eine Rolle gespielt haben. Die Sowjetunion könnte wiederum nukleare Hilfestellung für Ägypten erwogen bzw. als Drohkulisse aufgebaut haben, als sich der Kriegsverlauf zugunsten Israels wendete. Die Existenz des israelischen Nukleararsenals ist seit diesem Krieg allgemein bekannt.

Israel beansprucht in “der Region” ein nukleares Monopol (Shimon Peres hat schon auf einer Atomkonferenz 1966 in Kanada eine atomwaffenfreie Zone in Nahost abgelehnt) und setzt diesen Anspruch durch. Ägypten hat unter Nasser gewisse Anstrengungen unternommen, um, mit Hilfe deutscher Wissenschafter und Techniker, in den Besitz eines Raketenprogramms, möglicherweise mit einer nuklearen Option, zu gelangen – und wurde auf Weg dorthin von Israel gestört (“Operation Damocles”). Der Irak begann unter Saddam Hussein in den 1970ern ein Atomprogramm, das auch eine militärische Komponente hatte, und wurde dabei, wie einst Israel, v.a. von Frankreich unterstützt. Israel versuchte, früh, das Programm mit Sabotage und Morden (die Ermordung Gerald Bulls, eines kanadischen Waffenkonstrukteurs, der nuklearfähige Artillerie an Israel verkaufte aber dann auch an Irak, 1990, wird auch damit in Zusammenhang gebracht) abzuwürgen (wie zur Zeit beim iranischen Programm) und liess 1981 einen Bombenangriff auf den Reaktor “Osirak” bei Bagdad fliegen (über Saudi-Arabien) – ganz der seit Ben Gurion praktizierten militärischen Doktrin folgend, potentielle Feinde durch überraschende Präventivangriffe auszuschalten zu versuchen. Der Einsatzleiter der Aktion sagte, “Wir wussten dass sie dort dasselbe machten wie wir in Dimona.” Der Irak setzte sein Atomprogramm anderswo fort, nun erst recht mit einer militärischen Stossrichtung. Beobachter wie Bob Woodward und Richard Betts haben gemeint, die Aktion habe Iraks Atomwaffenprogramm eher beschleunigt als verzögert. Für Israel war die Aktion 1981 dann Wahlkampfthema, Shimon Peres, damals  Oppositionsführer, verurteilte sie. Als der Irak 1991 Scud-Raketen auf Israel feuerte, während USA und Verbündete die Invasion in Kuwait zurückschlugen, hat Israel wie 1973 Vorbereitungen für einen nuklearen Schlag getroffen. Irak dürfte sein Nuklear(waffen)programm Mitte der 1990er aufgegeben haben, lange bevor dieses (und angebliche Verbindungen des Baath-Regimes zu Al-Quaida) als Begründung für den Krieg 2003 herhalten mussten. 2007 hat Israel eine Nuklearanlage in Syrien, in der Nähe von Dair az-Zur, bombardiert, kurz bevor diese ihren Betrieb aufnehmen sollte.

Eine vereinte arabische Militäraktion gegen Israel ist seit dem Friedensabkommen mit Ägypten unter Sadat unwahrscheinlich, hinzu kamen Konflikte wie der zwischen den Baath-Regimen in Syrien und Irak, und mit dem Ende des Kalten Krieges fiel die sowjetische Unterstützung für Staaten wie Syrien weg. Die Konfrontation hat sich zum Iran und mit ihm verbündeten Regimen und Gruppen verlagert. Israel droht dem Iran seit Jahren wegen dessen angeblich noch immer betriebenen militärischen Atomprogramms und den angeblichen Vernichtungsdrohungen Ahmadinejads. Zur unterstützenden “PR” gehört auch eine aufwändige Kampagne im deutschsprachigen Raum, die gerne die Menschenrechtsverletzungen des iranischen Regimes für ihre Zwecke benützt und ein entspanntes Verhältnis zu Atombomben und Krieg insgesamt hat.

Der wichtigste nukleare Partner Israels nach der Beendigung des diesbezüglichen Verhältnisses mit Frankreich war das Apartheid-Regime in Südafrika. Die nukleare Zusammenarbeit war der pikanteste und geheimste Aspekt in der Partnerschaft der beiden Regime. Jan C. Smuts, der langjährige (Vor-Apartheid-) Ministerpräsident Südafrikas war sehr pro-zionistisch und hat über seinen Einfluss in London die Staatsgründung Israels erleichtert. Die engen Beziehungen der beiden Staaten wurden von ihm begründet. Im Krieg 1967 half Südafrika unter Premierminister Vorster Israel mit der Lieferung von Flugzeugen und konventionellen Waffen. So richtig eng wurde die Beziehung aber nach dem Krieg 1973, als die meisten afrikanischen Staaten die Beziehungen zu Israel abbrachen, darunter auch “Zaire” unter Mobutu, wo Israel im militärischen und wirtschaftlichen Bereich stark involviert war, das jedoch die Beziehungen inoffiziell weiterlaufen ließ. Die nukleare Zusammenarbeit erstreckte sich sicher auf südafrikanische Bereitstellung von Uran (wurde nach dem Ende der französischen Lieferungen Hauptlieferant) und Testmöglichkeiten für Raketen gegen israelisches Know How für Südafrikas eigenes Atomprogramm, sowie Trägersysteme. Vielleicht auch auf mehr. Ernst D. Bergmann, die treibende wissenschaftliche Kraft des israelischen Atomprogramms, war natürlich auch in die nukleare Zusammenarbeit mit Apartheid-Südafrika miteinbezogen. 1968 pries er bei einem Besuch dort in einer Rede vor dem Südafrikanischen Institut für internationale Angelegenheiten die wissenschaftlichen Beziehungen der beiden Länder und sprach von „gemeinsamen Problemen“. Peres spielte auch in diesem Kapitel von Israels Nuklearprojekt eine wichtige Rolle, u. a. bei der Einfädelung verschiedener Abkommen. Ein sichtbarer Höhepunkt in diesem Verhältnis war der Besuch Vorsters in Israel 1976 (als sein Regime gerade dabei war, Angola zu destabilisieren) bei dem viele gemeinsame militärische und nukleare Projekte in die Wege geleitet wurden. Das Jahrbuch der südafrikanischen Regierung 1976 charakterisierte die Gemeinsamkeiten der beiden Staaten so: “Israel and South Africa have one thing above all else in common: they are both situated in a predominantly hostile world inhabited by dark peoples.”

Neben der erwähnten Aspekten der nuklearen Kooperation könnte es noch brisante weitere gegeben haben. Zu einem möglichen israelischen Nukleartest vor Südafrika, siehe unten. Der andere Punkt betrifft ein Verkaufsangebot von Israel bezüglich nuklear bestückter Jericho-Raketen, von dem erstmals Dieter Gerhardt sprach, ein südafrikanischer Marine-Offizier der in Apartheid-Zeiten für die Sowjetunion spionierte, nach dem Ende seiner Haftstrafe, die er nach seinem Auffliegen bekam. Gerhardt soll auch mithilfe des israelischen Geheimdienstes Mossad enttarnt worden sein, nicht zuletzt, weil unter den nach Moskau weitergegebenen Informationen auch Israel betreffende waren. Dokumente bestätigen das Verkaufsangebot, das demnach 1975 und auf südafrikanische Anfrage hin unterbreitet wurde; Polakow-Suransky hat das Angebot (das kein Ausweis eines verantwortungsvollen Umgangs mit Atomwaffen ist) in seinem aufsehenerregenden Buch über das Verhältnis der zwei Staaten thematisiert. Der Kauf kam ihm zufolge nicht zustande, weil die Ware dem damaligen Verteidigungsminister P. W. Botha zu teuer war und das Regime glaubte, diese Waffe selbst entwickeln zu können. Die engen Beziehungen Israels mit Südafrika gingen mit dem Ende der Apartheid unter. Zur Zeit existiert wahrscheinlich eine gewisse nukleare Zusammenarbeit Israels mit Indien.

Israel ist dem Atomwaffensperrvertrag, der die Verbreitung von Atomwaffen ausserhalb der fünf ersten Atomwaffennationen – die auch die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind – zu unterbinden versucht, wie erwähnt, nicht beigetreten. Aus “nationalen Sicherheitsinteressen”, wie einmal verkündet wurde. Die IAEO (IAEA) geht sehr sanft mit Israel wegen seinem Atomprogramm um. Nur der heute bedeutungslose Forschungsreaktor von Nahal Soreq darf von ihr inspiziert werden. 2009 hat die IAEO-Generalkonferenz eine Resolution angenommen, die Israel aufforderte, dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten und sein gesamtes Nuklearprogramm unter die Kontrolle der UNO-Behörde zu stellen. Unter den 49 Staaten, die der Resolution zustimmten, waren neben den arabischen Ländern – den Urhebern der Resolution – auch viele Entwicklungs- und Schwellenländer sowie die UN-Sicherheitsratsmitglieder China und Russland. Die Gegner – unter anderem die Staaten der Europäischen Union und die USA – kamen auf 45 Stimmen. Ein Beitritt ist aber auch nicht für die Zukunft zu erwarten, da dieser nukleare Abrüstung verlangen würde und eine solches aufgeben würde, wie es bei Südafrika der Fall war, eine grundsätzliche innere Umwälzung verlangen. Israel reagiert auf die Diskussion seines Atomprogramms auf internationalen Konferenzen oder in internationalen Organisationen meist mit Anwürfen, dass dies ein Missbrauch dieser Konferenz/Organisation sei. So verhält es sich auch mit Plänen, den Nahen Osten zu einer atomwaffenfreien Zone zu machen. Zu einer entsprechenden UNO-Initiative (die auch die Bedeutung eines Beitritts Israels zu dem Atomwaffensperrvertrag betonte und den Staat aufrief, alle seine Atomanlagen für Kontrollen der IAEA zu öffnen) sagte Netanjahu zuerst, die Resolution sei “voller Fehler und heuchlerisch” und dann, er habe von US-Präsident Barack Obama eine ausdrückliche Zusage erhalten, dass Israels Nuklear-Arsenal von der Initiative für einen atomwaffenfreien Nahen Osten unberührt bliebe. In der israelischen Gesellschaft selbst gibt es keine politische oder öffentliche Debatte über die Atomwaffen. “Tauben”, welche den Rückzug aus dem Westjordanland verlangen, sollen besonders stark dafür sein, weil mit ihrem Besitz das „Sicherheits“-Argument für die Besatzung wegfalle.

Israel hat 1963 eventuell einen unterirdischen Test in der Negev/Nagab-Wüste durchgeführt, hat französische Tests in der Sahara zumindest beobachtet, hat nicht-nukleare Bombenkomponenten und Raketen getestet, bekam wohl Daten von Atomtests der USA – und hat wahrscheinlich während seiner engen Beziehung mit Südafrika zusammen mit diesem einen Atomtest durchgeführt. Es war 1979, als ein amerikanischer Vela-Satellit vor den in Antarktis-Nähe liegenden, zu Südafrika gehörenden, Prince-Edward-Inseln entsprechende Signale erfasste. Von einem südafrikanisch-israelischen Test ging u.a. die CIA 1980 aus. Auch der damalige US-Präsident Carter wagte es nicht, Israel auf nuklearem Gebiet “auf den Zahn zu fühlen”.

An Trägersystem besitzt Israel die “Jericho”, ballistische Raketen mit sehr grosser Reichweite, mit französischer Hilfe entwickelt, und ihre Weiterentwicklung, die “Shavit” (eigentlich Satellitenwerfer, für die “Ofeq”-Spionage-Satelliten), dann Kampfflugzeuge wie die den französischen “Mirage” nachempfundenen “Kfir”, sowie U-Boote vom „Dolphin“-Typ, in Deutschland und grossteils auf dessen Kosten gebaut (mit atomar bestückbaren Marschflugkörpern auszurüsten), wahrscheinlich auch nuklearfähige Artillerie. Die meisten seiner atomaren Sprengköpfe sind auf Plutoniumbasis gebaut; Israel verfügt ziemlich sicher auch über Wasserstoff- und Neutronenbomben. Zu den Massenvernichtungswaffen des Staates gehören auch biologische und chemische Waffen (Zentrum dafür in “Nes Ziona”). Die deutsche Lieferung der U-Boote kam nach dem Auffliegen der Beteiligung deutscher Firmen an Waffenprogrammen des Irak zustande, dazu wurde auch eine Auswirkung der Exporte auf die Scud-Raketen, die das irakische Regime während des „2. Golfkriegs“ 1991 auf Israel abschoss, „konstruiert“ (gab es irgendwelche?), obwohl sie sich eigentlich auf Husseins chemische Waffen bezogen; sein deutsches Giftgas hat er gegen iranische Soldaten eingesetzt. Der Schriftsteller Günter Grass hat die Lieferung der U-Boote in einem Gedicht kritisiert, auch dass „die Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet”. Er löste damit bezeichnenderweise keine Diskussion darüber aus, sondern nur hysterische Diffamierungen und Entrüstungsrituale gegen sich. Da nutzte ihm auch nicht, dass er seine Verbundenheit zum jüdischen Staat bekundete.

Wenn es so etwas wie eine inoffizielle Bestätigung für Israels Atomwaffenprogramm gab, das seit 1973 so etwas wie ein offenes Geheimnis war, dann die Ausführungen von Mordechai Vanunu. Er stammt aus einer jüdischen Familie in Marokko, die mit ihm nach Israel ging. Von Marrakesch nach Beersheva, 9 Geschwister. Er arbeitete 8 Jahre in der Atomanlage in Dimona (1977-1985), in der unterirdischen Plutonium-Aufbereitungsanlage, in den Jahren als wahrscheinlich zur Abarbeitung von Arbeitsrückstand zusätzliche Arbeiter eingestellt wurden. Mitte der 1980er wurde er entlassen und verliess Israel bald darauf, vermutlich mit der Absicht, dies für immer zu tun. Vanunu war schon vor seiner Dimona-Zeit friedensbewegt gewesen, für einen Ausgleich mit Palästinensern, Aktivist in der kommunistischen Rakah-Partei. In Australien trat er zum Christentum über. Dann kam ihm die Idee, mit seinem Wissen und den Fotos, die er in Dimona gemacht hatte, Geld zu machen, das er dringend benötigte. Es kam 1986 zu einem Interview mit der britischen “Sunday Times”. Die Zeitung wollte nach der Affäre mit den falschen Hitler-Tagebüchern in Deutschland einige Jahre zuvor die Geschichte gegenprüfen. Sie konsultierte angesehene Wissenschafter wie den britischen Physiker Frank Barnaby vom “Think Tank”  SIPRI, der auch mit Vanunu sprach – und ihn überzeugend fand. Die Sunday Times befragte auch den langjährigen Chef der französischen Atomenergiekommission CEA, Francis Perrin, der stark in die nukleare Hilfe für Israel in den 1950er- und 1960er-Jahren involviert war, er bestätigte zentrale Punkte in dem Buch von Pierre Péan (siehe unten) über diese Phase, und auch Vanunus Angaben, sofern er in der Lage war, sie zu beurteilen. Aufgrund der Aussagen und Fotos von Vanunu, der natürlich nur einen Ausschnitt des Ganzen kannte, schätzten Experten Israels Arsenal damals auf 100-200 Atomsprengköpfe, das 10-fache des bis dahin geschätzten.

Während die Sunday Times also die Angaben überprüfen liess, ging Vanunu zu einer anderen Zeitung, dem “Daily Mirror”, um schneller an Geld zu kommen. Der Daily Mirror gehörte Robert Maxwell, der sehr zionistisch eingestellt war; er besaß auch „Ma’ariv“. Vermutlich wurden die israelische Behörden auf diesem Weg auf Vanunu aufmerksam. Der Mossad setzte eine “Honigfalle” auf ihn an und lotste ihn so aus Grossbritannien nach Italien. Per Schiff wurde er von dort nach Israel entführt, kurz darauf veröffentlichte die Sunday Times die Geschichte. Vanunu hatte nur noch eine Gelegenheit, auf seine Situation aufmerksam zu machen, er zeigte Fotografen auf der Fahrt vom Gefängnis ins Gericht durch eine Autoscheibe seine Hand, auf die er geschrieben hatte, dass er entführt worden war. Die Entführung kann, wie auch die Verurteilung 1988 zu einer 18-jährigen Haftstrafe, z. T. in Isolation, als zusätzliche Bestätigung seiner Aussagen gesehen werden. Der ehemalige Mossad-Agent Ostrovsky bezeichnete in seinem Buch über den Geheimdienst von 1990 Vanunus Beschreibungen und Interpretationen bezüglich des israelischen Atomwaffenprogramms als zutreffend. Mit seinen konkreten Angaben störte Vanunu die israelische Politik des “Wir könnten welche haben”. Er wurde 2004 unter schweren Auflagen freigelassen. 2007 hat auch Olmert in Deutschland eine indirekte Bestätigung des Atomwaffenbesitzes seines Staates abgegeben, entgegen der sonst üblichen „strategische Ambivalenz“.

Quellen:

Seymour M. Hersh, Atommacht Israel. Das geheime Vernichtungspotential im Nahen Osten (1991). engl. Original The Samson Option (ebf. 1991; der englische Titel ist der Name einer möglichen nuklearen Strategie, andere mit in den Untergang zu reissen)

Warner D. Farr, The Third Temple Holy of Holies: Israel’s Nuclear Weapons, USAF Counter-proliferation Center, Air War College (1999)

Avner Cohen, Israel and the bomb (1998). Als Cohen kurz nach Veröffentlichung der englischen Ausgabe nach Israel zurückreiste, wurde er 50 (!) Stunden vom Geheimdienst verhört; die hebräische Ausgabe wurde von der israelischen Militärzensur entschärft; in seinem folgenden Buch “Israels letztes Tabu” setzte er sich wieder mit dem Thema auseinander

Leonard S. Spector, Jacqueline R. Smith, Nuclear Ambitions: The Spread of Nuclear Weapons 1989-1990 (1990)

Amos Elon, Wie Israel zur Bombe kam. In: Le Monde diplomatique (deutsche Ausgabe) 4/10. Jg. (April 2004)

James Adams, The Unnatural Alliance (1984). zur nuklearen Zusammenarbeit Israel-Südafrika, v.a. Kapitel 8, 9

Sasha Polakow-Suransky, The Unspoken Alliance. Israel’s Secret Relationship with Apartheid South Africa (2010)

William E. Burrows, Robert Windrem, Critical Mass. The dangerous Race for Superweapons in a fragmentic world (1994)

Pierre Péan, Les Deux Bombes (1982)

Avner Cohen, Benjamin Frankel, Israel’s nuclear ambiguity. In: The Bulletin of the Atomic Scientists Jg. 43, Nr. 3 (März 1987) 15-19

Frank Barnaby, The Invisible Bomb (1989)

Benjamin Beit-Hallahmi, Schmutzige Allianzen. Die geheimen Geschäfte Israels. (1988). Engl. Original The Israeli Connection (1987)

Eli Teicher und Ami Dor-On, None Will Survive Us: The Story of the Israeli A-Bomb (Veröffentlichung 1980 von der israelischen Militärzensur verboten)

http://www.atomwaffena-z.info/atomwaffen-heute/atomwaffenstaaten/israel/index.html

Das “Institute for Science and International Security” über Atomnutzung im Nahen Osten

IAEO-Dokument über Israels Atomprogramm (viel Diplomatie und Protokoll, wenig Substanz und Information)

“Richtet den Blick auf Israels Atomwaffen” heise.de anlässlich der Freilassung Mordechai Vanunus

Homepage von Vanunu, der jetzt in Ost-Jerusalem lebt und darauf wartet, ausreisen zu dürfen