Möglicherweise geschobene Fussball-Spiele

Es geht hier nicht um Schiedsrichter-Fehlentscheidungen, etwa jene des Ecuadorianers bei Südkorea gegen Italien bei der WM 2002 (wobei gerade bei diesem Spiel möglicherweise nicht [nur] Inkompetenz im Spiel war…). Ein anderes Thema sind auch sicher geschobene Spiele. Manipulation geschieht in der Regel aus zwei verschiedenen Gründen, des sportlichen Erfolges halber oder wegen Wettgewinnen. Nicht immer sind die Akteure des betreffenden Spiels auch Profiteure der Schiebung.

Prominente Fälle aus der zweiten Kategorie ist etwa der Totonero-Skandal, in der italienischen Liga 1979/80, während dieser Saison von der von Guardia di Finanza aufgedeckt. Nationalspieler Rossi von Perugia oder Giordano waren involviert. Oder in der deutschen Bundesliga 1971 und 2005 (Hoyzer), ’06 wieder in Italien (rund um Juventus Turin), 09 in diversen europäischen Ligen, 1964 in England, in Österreich vor einigen Jahren um Kuljic und Taboga,…

Standard Lüttich half bei seinem belgischen Titelgewinn 1981/82 nach. Im letzten Meisterschaftsspiel gewann Standard gegen Thor Waterschei, und setzte sich damit gegen Anderlecht durch. Geld floss zuvor von Lüttich nach Waterschei. 2 Jahre später kam das heraus. Viele Standard-Spieler wie Gerets oder Preud’homme waren involviert und wurden bestraft. Olympique de Marseille wollte 1992/93 (als der Klub auch den Meistercup gewann) in der französischen Meisterschaft auch auf Nummer Sicher gehen, gegenüber dem Konkurrenten Paris SG. Dem Tapie-Klub wurde der Titel aberkannt.

Es geht hier auch nicht um Spiel-Absprachen im Irak unter Saddam Hussein, die geschahen, um nicht bestraft bzw gefoltert zu werden.1 Oder um die Schiebungen im kommunistischen Rumänien damit Rodion Camataru den Goldenen Schuh bekam (? 1987). Oder um Korruption bei der Vergabe von Turnieren.

Das Spiel zwischen den Mannschaften Argentiniens und Perus bei der Fussball-Weltmeisterschaft 1978 war entscheidend für dieses Turnier. Damals wurde die Zwischenrunde in Form von Gruppenspielen ausgetragen, die auch das Semifinale ersetzten. Argentinien, Veranstalterland der WM, und Brasilien hatten im direkten Aufeinandertreffen torlos gespielt und am letzten Spieltag der Gruppe besiegte Brasilien zunächst Polen, womit klar war, dass Argentinien gegen Peru zum Gruppensieg und Einzug ins Finale einen Sieg mit vier Toren Unterschied brauchte – Spiele wie dieses waren der Grund, dass letzte Gruppenspiele längst zeitgleich stattfinden. Argentinien gewann 6:0.

Für die Argentinien beherrschende Militärdiktatur unter Videla war die Ausrichtung der Weltmeisterschaft und das Abschneiden “ihres” Nationalteams eine Prestigesache, international und zur Stabilisierung der Herrschaft im Land. Bei der Schiebung des Spiels sollen eine Lieferung Getreide an Peru (organisiert von Argentiniens Landwirtschaftsminister Zorreguieta2), der in Argentinien geborene peruanische Tormann Quiroga, die Präsidenten der beiden Länder, die Auslieferung von Gefangenen und Druck auf die peruanischen Spieler eine Rolle gespielt haben. Videla war unter den Zusehern im Stadion in Rosario, wie auch Ex-USA-Aussenminister Kissinger, der dabei ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte.

Peru, mit Teofilo Cubillas, war regierender Copa America-Sieger und hatte eine grandiose Vorrunde gespielt. Die ersten 15 Minuten war dieses Team auch überlegen. Zur Pause stand es 2:0. Tormann Quiroga hat möglicherweise Schlimmeres verhindert. Und, peruanische Spieler trafen zwei Mal das Torgehäuse. Unter https://www.youtube.com/watch?v=xH9HZWO7Ez4 ist das ganze Spiel zu sehen. Unter https://www.youtube.com/watch?v=x74qjazOp-I eine Zusammenfassung. Man achte hier etwa ab 3:25 bis zum Abstoss und auf die folgende Aktion, auf das Gegenwehr-Verhalten der Peruaner, deren Körpersprache überhaupt… Eine Möglichkeit ist natürlich, dass sie demotiviert waren für diese Partie. Sie hatten auch bei einem Sieg gegen Argentinien keine Chancen mehr auf das Spiel um Platz 3, waren fix ausgeschieden.

Eines kann man ziemlich sicher sagen, der französische Schiedsrichter Wurtz hatte bei einer möglichen Manipulation keine Rolle. Auch, weil es da ein Foul eines Peruaners gab, auf den es einen Elfer geben hätte können. Bei einer Absprache müssen auch nicht alle Peruaner eingeweiht gewesen sein. 4 Tage später fand das Finale statt. 2012 hat der peruanische Abgeordnete Genaro Ledesma gesagt, es habe einen Handel zwischen den Präsidenten der Staaten, Bermudez und Videla, gegeben: das peruanische Team verliert mit vier Toren Unterschied, Argentinien übernimmt 13 peruanische Dissidenten in Gefangenschaft.

Argentiniens erster WM-Sieg steht also unter einem schlimmen Verdacht. David Yallop behandelte die Sache seriös in “How They Stole the Game”. Eine Darstellung darüber (auf Englisch) auch hier.

Unter Verdacht steht auch Spanien gegen Malta, 1983. Es ging um die Qualifikation für die EM 1984. Die Spanier bekamen im letzten Match den hohen Sieg, den sie brauchten, um die Niederlande noch zu überholen.

Bei den WM-Turnieren 1974 und 1966 gab es möglicherweise absichtliche Schiedsrichter-Hilfe für die jeweiligen Gastgeber-Teams. 1974 eine rote Karte des Bundesdeutschen Tschenscher in der Zwischenrunden-Partie Niederlande gegen Brasilien. Es ging darum, gegen wen die BRD im Finale spielen würde. 1966 der Ausschluss für den Argentinier Antonio Rattin, im Viertelfinal-Match gegen England. Vom Deutschen Kreitlein, wegen seiner verbalen Provokationen. Kreitlein konnte gar nicht Spanisch, wird eingewandt. Berühmt wurde die Sache wegen dem folgenden Sitzstreik Rattins bzw seiner Weigerung, den Platz zu verlassen. Dieser Rattin wurde übrigens Abgeordneter für die rechte Partido Unidad Federalista, geführt von Luis Patti, der unter der erwähnten Jorge Videla folterte. Beide Fälle sind aber wahrscheinlich weit von Schiebung entfernt.

Dann gibts ein Match aus der chinesischen Liga, um das es Diskussionen gab, aber diese Liga ist (noch) zu unbedeutend, um sich darüber auszulassen.

Doping ist auch eine Form der Manipulation; zumal wenn es sich um negatives handelt. So etwas soll es im Achtelfinale der WM 1990 gegeben haben, zwischen Brasilien und Argentinien. Der Brasilianer “Branco” sagte nach der Niederlage, dass ihm ein argentinischer Betreuer während einer Spielunterbrechung eine Flasche Wasser gereicht habe, nach dessen Konsum ihm übel geworden sei. Diego Maradona bestätigte das später, ein Beruhigungsmittel sei für einen Brasilianer in das Wasser gemischt worden. Trainer Carlos Bilardo sei dahinter gesteckt. Ob das spielentscheidend war, darf bezweifelt werden.

Was das EM-Finale 04 betrifft, Griechenland-Portugal, der Final-Schiedsrichter Markus Merk war Zahnarzt vom griechischen Trainer Otto Rehhagel. Er hat sich aber nichts zu Schulde kommen lassen. Das Match zwischen den Teams Österreichs und Deutschlands 1982 war nicht verabredet; es gab nach 10 Minuten den Spielstand, der Beiden zum Aufstieg genügte, und darauf hin so etwas wie einen unausgesprochenen “Waffenstillstand”.

Beschuldigungen gibt es diesbezüglich bald. Etwa in der Qualifikation für die WM 1994, als Bulgariens Star Christo Stoichkov behauptete, der schwedische UEFA-Präsident Johannsson hätte die Schiedsrichter unter Druck gesetzt, dem schwedischen Team zu helfen. In Jugoslawien gab es die Planinić-Affäre, nach dem Tormann benannt, der 1965 behauptete, dass 1963/64 in der Liga einige Spiele geschoben geworden sein. Man glaubte ihm und es gab einige Sperren, u.a. für Ivan Osim. Als dieser etwa 20 Jahre später jugoslawischer Nationaltrainer wurde, hat der Verband ihm gegenüber den Fehler eingestanden, heisst es.

Gegenüber Andres Escobar wurde der Vorwurf der absichtlichen Manipulation durch sein Eigentor bei der WM 94, im Spiel gegen USA, auch erhoben.

Gerade die Erwähnung der argentinischen Militärdiktatur zeigt, dass es Schlimmeres gibt als manipulierte Fussball-Spiele; etwa das Schicksal der unter Videla Gefolterten oder Ermordeten, oder der westliche Umgang mit dieser Junta oder jener in Chile unter Pinochet.

Falls jemand weitere “Kandidaten” weiss, bitte um Mitteilung als Kommentar.

http://sportnet.at/home/fussball/bundesliga/4671350/Experte-erklaert_So-werden-FussballSpiele-manipuliert

 

Nachtrag: Das zweite genannte Video, die Zusammenfassung, ist auf Youtube nicht mehr abrufbar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Die Folterungen an irakischen Sportlern begann, als Saddams ältester Sohn Uday 1987 das nationale olympische Komitee übernahm
  2. Dessen Tochter dann ja in das Land von Argentiniens Finalgegner Niederlande heiratete

Uwe Barschels Tod

Der Tod des Ex-Ministerpräsidenten Barschel inmitten eines landespolitischen Skandals (Barschel-Affäre/”Waterkantgate”) ist ein hochbrisanter politischer Stoff der jüngeren deutschen Geschichte mit wahrscheinlich internationaler Dimension und wirft noch immer Fragen auf.

Der Jurist aus Mölln wurde 1982 für die CDU Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Angeblich war er süchtig nach Tabletten und scharf auf schnellen Sex. Am Tag vor der Landtagswahl am 13. September 1987 wurde bekannt, „Der Spiegel“ werde am Tag nach der Wahl berichten, Barschels Medienreferent Reiner Pfeiffer (zuvor im “Springer”-Konzern) habe auf Veranlassung Barschels das Privatleben des SPD-Gegenkandidaten Björn Engholm ausspionieren lassen, ihn anonym der Steuerhinterziehung beschuldigt und ihm telefonisch mitteilen lassen, er sei HIV-infiziert. Für einige der Anrufe dürfte der Hochstapler Postel, ein Freund Pfeiffers, verantwortlich gewesen sein. Die Wahl brachte eine Niederlage der CDU. Dann das berühmte Ehrenwort Barschels auf einer Pressekonferenz, dass die Vorwürfe haltlos seien. Doch schnell wurde klar, dass er nicht die Wahrheit gesagt hatte. Am 2. Oktober 1987 trat er vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Die Landesregierung wurde daraufhin kommissarisch von seinem bisherigen Stellvertreter Henning Schwarz geleitet. Die weiteren Auswirkungen auf die Landespolitik waren die Neuwahl 1988 (aufgrund eines Patts im Landtag) mit dem neuerlichen Sieg der SPD unter Engholm. Dieser musste 1993, auch als SPD-Bundeschef, der er inzwischen war, zurücktreten, da er in einem ersten Untersuchungs-Ausschuss des Landtags wahrheitswidrig erklärt hatte, vor der Wahl 1987 nichts von den Barschel-Pfeiffer-Aktionen gewusst zu haben. Die SPD hatte Pfeiffer geholfen, die Informationen an den Spiegel weiterzugeben.

Am 11. Oktober 1987, einen Tag bevor Barschel vor dem U-Ausschuss des Landtags aussagen sollte, wurde er von „Stern“-Reportern tot und bekleidet in der Badewanne seines Zimmers im Hotel “Beau-Rivage” in Genf aufgefunden. Er war zuvor mit seiner Gattin Freya, die eine entfernte Verwandte Bismarcks ist, auf den Kanarischen Inseln gewesen. Der tote Barschel wurde von den Reportern erst ausgiebig fotografiert bevor sie die Polizei riefen. Den offiziellen Ermittlungen und Bekanntmachungen in der Schweiz und in Deutschland nach ist Barschel durch Suizid zu Tode gekommen. Aber auch Selbstmord mit Hilfe eines Zweiten und Mord stehen im Raum. Sicher ist, er starb nach einer Vergiftung durch Medikamente (v.a. Sedativa), in der Nacht vor seinem Auffinden. Man fand am Tatort keine Verpackungen der eingenommenen Medikamente. Ebenfalls verschwunden war eine Rotweinflasche, die Barschel geordert hatte. Möglicherweise wurden diese Gegenstände von der Schweizer Polizei unachtsam entsorgt. Interessant ist ein medizinisches Gutachten des Schweizer Toxikologen Hans Brandenberger, das u.a. besagt dass Barschel nicht in der Lage gewesen sein konnte, die in seinem Körper gefundenen Medikamente alleine einzunehmen. Fast 25 Jahre nach dem Tod des CDU-Politikers hat das Landeskriminalamt von Schleswig-Holstein auf Barschels Kleidung den genetischen Fingerabdruck eines Unbekannten entdeckt; das belegt dass er in seiner Todesnacht Kontakt zu einer unbekannten Person hatte.

Da es keine umfangreiche offizielle Untersuchung zum Tod Barschels gab, schwirren viele Gerüchte dazu herum, deren Bewandtnis ungeklärt ist. Barschels Familie hat die Selbstmord-These immer bezweifelt. Der ehemals ermittelnde Lübecker Staatsanwalt Heinrich Wille geht inzwischen von der Ermordung Barschels aus. Das Ermittlungsverfahren wurde aber 1998 eingestellt, und Wille wurde von Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt Erhard Rex die Veröffentlichung eines Buches zum Thema (Arbeitstitel: “Der Mord an Uwe Barschel – das Verfahren”) untersagt. Erschienen ist vom Luxemburger Armand Mergen “Tod in Genf: Ermittlungsfehler im Fall Barschel: Mordthese vernachlässigt”. Einigen Angaben zufolge wurde Barschel von anonymen Informanten nach Genf bestellt und hatte seinen letzten Termin mit dem saudi-arabischen Waffenhändler und Geheimdienst-Vertrauten Adnan Kashoggi. Der Privat-Detektiv Werner Mauss hielt sich zum Zeitpunkt des Todes Barschels in Genf in unmittelbarer Nähe zum Geschehen auf, verneint eine Verwicklung in die Affäre.

Der Ex-Mossad-Agent Ostrovsky behauptete in seinem Buch „Geheimakte Mossad“, Barschel sei vom Mossad getötet worden, weil er sich 1987 der Abwicklung geheimer (und später aufgeflogener) Waffengeschäfte zwischen Israel und dem Iran (!), die über Schleswig-Holstein abgewickelt worden sind, widersetzt habe und sein Wissen über die Angelegenheit preiszugeben drohte. Diese Waffenlieferungen standen im Rahmen der Iran-Contra- (bzw. Irangate-) Affäre: Die Reagan-Regierung verkaufte geheim Waffen an den Iran, der im Krieg gegen Irak stand, der Erlös ging an die “Contras” in Nicaragua. Die USA lieferten Waffen daneben auch an Saddam Hussein; erlaubten Israel, Waffen an Iran zu liefern, auch diese dürften aber beide Seiten beliefert haben. Israel und USA erhofften sich eine Verlängerung des Krieges. Ein Faktor war auch die Freilassung von US-Geiseln im Libanon, die in den Händen schiitischer Gruppen waren. Laut Brandenberger stimmen die chemischen Analysedaten bis in Details mit dem Mordablauf überein, den Ostrovsky in dem Buch schildert. Das staatliche Israel soll nach dem Gutachten Stellung gegen diese Spekulationen bezogen haben. Der ehemalige iranische Präsident (1980/81) Banisadr sagte, Barschel sei an den Waffengeschäften beteiligt gewesen, sprach aber auch von einer Erpressung durch diesen. Später soll auch die Weitergabe von Nukleartechnologie an den Iran über Schleswig-Holstein gelaufen sein.

Eine Rolle in diesen Spekulationen spielt der südafrikanische Waffenhändler Dirk Stoffberg, der mit Israel und islamischen Ländern gehandelt haben soll, auch mit der dubiosen Substanz “Red Mercury”. Er war vor dieser Tätigkeit beim Geheimdienst NIS und wird mit den Morden an den Apartheid-Gegnern Ruth First und Dulcie September in Verbindung gebracht. Er gab 1994 im Entwurf einer eidesstattlichen Versicherung an, Barschel sei von Robert Gates, später CIA-Direktor und amerikanischer Verteidigungsminister, nach Genf bestellt worden. Barschel habe mit Enthüllungen über militärische Lieferungen gedroht. Seine eidesstattliche Erklärung konnte er nicht mehr abgeben, er starb im Juni 1994, zusammen mit seiner Frau, anscheinend durch Mord und Selbstmord.

Ein anderes Mordmotiv könnte sich aus dem U-Boot-Geschäft einer Kieler Werft mit dem Apartheidsregime in Südafrika ergeben haben. Südafrika wollte in den 1980ern U-Boote in Deutschland kaufen, bei “Howaldtswerke Deutsche Werft” (HDW) in Kiel, damals zu 25,1 % im Besitz des Landes Schleswig-Holstein. HDW (die auch die U-Boote für Israel produziert) wollte diesen Auftrag bekommen und Barschel als Ministerpräsident die vom Konkurs bedrohte Werft mit dem Geschäft angeblich retten. Der Bundessicherheitsrat (mit dem damaligen Finanzminister Gerhard Stoltenberg, Barschels Vorgänger als Ministerpräsident von SH, der das Geschäft eingefädelt haben soll) wollte zunächst den Export von Bauplänen/Blaupausen und Komponenten genehmigen, beschloss dann aber, das wegen der Apartheidpolitik unter verhängte UN-Waffenembargo von 1977 zu befolgen und keine Genehmigung zu erteilen. 1984/85 soll aber eine südafrikanische Waffenfirma (“Sandock Austral”, die auch israelische Schnellboote und ein deutsches Minenabwehrfahrzeug unter trickreicher Umgehung des Waffenembargos nachbaute; oder aber “Armscor”) Baupläne und einen HDW-Mitarbeiter zur Verfügung gestellt bekommen haben (sowie einen Teil der Anzahlung zurückerstattet bekommen haben). Ein Steenkamp von der südafrikanischen Botschaft in der BRD soll dies eingefädelt haben. Die U-Boot-Bauplan-Weitergabe an Apartheid-Südafrika – ein Bruch des Embargos – wurde 1986 von der Regionalzeitung “Kieler Nachrichten” thematisiert und hatte zwei Bundestags-Untersuchungsausschüsse (Norbert Gansel, SPD, Obmann in einem Ausschuss und Freund Engholms, hält mittlerweile einen Mord an Barschel für möglich) und ein Ermittlungsverfahren zur Folge, die keine Strafen und wenig Aufklärung brachten. So gibt es keine Klarheit über eine stillschweigende Duldung oder sogar Unterstützung von Bonn (F.J. Strauss wurde hier genannt) und Kiel (Barschel). HDW-Manager behaupteten, nicht alle Blaupausen geliefert zu haben. Barschel wurde den diesbezüglichen Spekulationen zufolge von Organen Apartheid-Südafrikas ermordet, weil er gegen den Deal war, weil er sein Wissen in Geld verwandeln bzw. preisgeben wollte oder aber weil das Geschäft nicht zustandekam, die Südafrikaner bezahlt hatten und Barschel das Geld nicht zurückzahlen konnte. Die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC), die die Aufarbeitung von Verbrechen in der Apartheid-Ära zum Ziel hatte, hat die Sache mit den U-Booten und Barschel nicht behandelt.

Eine wichtige Rolle in den Theorien um den Tod Barschels spielt sein Geschäftspartner Ballhaus, dem er geholfen haben soll, Geschäfte in der DDR abzuwickeln (bei denen wiederum Südafrika eine Rolle gespielt haben soll). In dem Zusammenhang wird immer wieder das Hotel “Neptun” in Warnemünde genannt. Ballhaus stand in Kontakt mit dem südafrikanischen Wildjäger Jacobus Prinsloo, der bei der Übergabe der Blaupausen an den südafrikanischen National Intelligence Service (NIS) eine Rolle gespielt und Ballhaus gegenüber von der Ermordung Barschels gesprochen haben soll.

Genannt wird im Zusammenhang mit den Spekulationen zum Tod Barschels auch das von HDW hergestellte Kreuzfahrtsschiff “Astor”, das über Südafrika und Bahamas an die DDR verkauft wurde, und dort unter dem Namen “Arkona” in Dienst gestellt wurde. Es gibt Meinungen, dass der Verkauf des Schiffes an die DDR Teil eines geheimen Dreiecksgeschäfts zwischen Südafrika, der DDR und den HDW war, das maßgeblich durch die schleswig-holsteinische Landesregierung beeinflusst bzw. eingefädelt war, und bei dem bis 150 Millionen DM Schmiergeld geflossen sein sollen. Die DDR sei dadurch günstig zu einem Kreuzfahrtschiff gekommen, Apartheid-Südafrika an die U-Boot-Pläne und die wirtschaftlich angeschlagene HDW an dringend benötigte Aufträge.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berühmte verschwundene Menschen

* Kapitän Benjamin Briggs und neun weitere Menschen von Bord der “Mary Celeste”, einem Segelschiff (Brigantine), das 1872 auf dem Weg von New York nach Genua war und vor der  portugiesischen Küste verlassen im Atlantik treibend aufgefunden wurde. Dieser Fall eines Geisterschiffs gibt bis heute Rätsel auf. Die Mary Celeste wurde vom ebenfalls amerikanischen Schiff “Dei Gratia” teilweise überflutet, jedoch ohne Hinweise auf eine Meuterei oder Gewalt an Bord, gefunden und dann von einem Teil ihrer Besatzung zunächst nach Gibraltar gesegelt. Der geladene Industriealkohol, der nach Genua gebracht werden sollte, und schlussendlich auch wurde, war intakt. Es wurde dort allerdings festgestellt, dass einige Fässer leer waren. Der letzte Logbucheintrag gab eine Position nahe der Azoren-Insel Santa Maria an und datierte neun Tage vor der Sichtung durch die Dei Gratia. Das Fehlen des Rettungsbootes und einiger Navigationsinstrumente deuten darauf hin, dass die Besatzung damit (absichtlich) dass Schiff verlassen hat. Aber warum? Die Theorien dazu greifen die Versicherungssumme auf, die die “Retter” des Schiffes und seiner Ladung, die Dei Gratia-Leute, kassierten, den fehlenden Alkohol, der auf eine Verpuffung zurückzuführen sein könnte, vor der sich die Crew in Sicherheit bringen wollte oder auch natürliche Erklärungen (Seebeben, das die Besatzung ins Meer geschleudert hätte und anderes). Die Sache wurde oftmals künstlerisch verarbeitet (Bücher, Filme), das erste Mal von Arthur C. Doyle wenige Jahre danach in seiner Geschichte “J. Habakuk Jephson’s Statement”, in der das Rätsel um die Mary Celeste mit fiktiven Begebenheiten ausgeschmückt wird.

Benjamin_BriggsBenjamin Briggs

* D. B. (auch Dan) Cooper war das Pseudonym eines Flugzeugentführers, der 1971 mit einem Fallschirm samt dem erhaltenen Lösegeld (200 000 $, heute etwa der fünffache Wert) aus einer “Boeing 727” der “Northwest Airlines” über dem Nordwesten der USA (Bundesstaat Washington) absprang – und über dessen Identität und Verbleib keine weiteren Anhaltspunkte auftauchten. Flugsicherheitsregeln wie Ausweis- und Gepäckkontrollen (auch bei Inlandsflügen) wurden erst infolge dieser und anderer Flugzeugentführungen in den 1970ern eingeführt (sonst meist politisch motivierte, es gab aber auch einige Nachahmer Coopers in den USA). Dieser Entführer musste damals einfach einen Namen beim Schalter angeben, er nannte sich “Dan Cooper”, bevor er das Flugzeug zusammen mit 36 anderen Passagieren und sechs Crewmitgliedern in Portland in Oregon mit Bestimmung Seattle bestieg. Bald nach dem Abflug überreichte er einer Stewardess einen Briefumschlag, in dem ein Zettel mit einer schriftlichen Bombendrohung war. Um sein Anliegen zu unterstreichen, zeigte er ihr auch Drähte und rote Stangen in seiner Aktentasche. Nachdem der Pilot Rücksprache mit der Flugaufsicht gehalten hatte, wurde wie geplant in Seattle gelandet und dort wie von “Cooper” angewiesen die Passagiere freigelassen und das Geld sowie vier Fallschirme (wie er angab, für ihn und die drei Besatzungsmitglieder, die mit ihm weiterfliegen sollten) an Bord gebracht. Der Flug ging dann Richtung Mexiko weiter, doch irgendwann öffnete Cooper die Heckklappe und sprang (in Mantel und Strassenschuhen) in die stürmische Nacht ab. Er liess im Flugzeug eine Krawatte zurück, die eine DNA-Probe hergab. An Hinweisen tauchten danach nur noch drei Bündel verwitterter Banknoten auf, die von einem Kind 1980 am Flussufer des Columbia River in der Nähe des vermuteten Absprungortes gefunden und als Teil des Lösegelds identifiziert wurden. Natürlich gibt es auch hier etliche Theorien, darüber was nach diesem Absprung geschah und wer Cooper ist/war. Sein tollkühner Absprung wurde ursprünglich als Zeichen besonderer Beherrschung des Fallschirmspringens gedeutet, inzwischen aber eher als das Gegenteil, zumal er unter den zur Verfügung stehenden Fallschirmen den unpassendsten für sein Vorhaben wählte. Der Flugzeugentführer scheint solide Kenntnisse über den Flugbetrieb gehabt zu haben, daher wurde er auch beruflich in diesem Bereich vermutet.

* James “Jimmy” Hoffa, US-amerikanischer Gewerkschaftsführer. Er stieg zum Präsidenten der Transportarbeiter-Gewerkschaft “Teamsters” (vertritt v.a. LKW-Fahrer) auf und knüpfte Kontakte zum organisierten Verbrechen. Robert Kennedy war, als Senator und Justizminister, lange hinter Hoffa und anderen Gewerkschaftern her, die krimineller Verbindungen verdächtigt wurden. Erst 1967 wurde Jimmy Hoffa, u. a. wegen Betrugs, verurteilt, zu 13 Jahren Haft, doch bereits 1971 unter Präsident Nixon begnadigt. Hoffa, der sein Präsidentenamt bei den Teamsters im Gefängnis behalten hatte, fand sich bald danach in einem gewerkschaftsinternen Machtkampf wieder. Er verschwand am 30. Juli 1975 im Alter von 62 Jahren von dem Parkplatz eines Restaurants bei Detroit. Er soll dort mit den Mafiabossen Anthony Provenzano und Anthony Giacalone verabredet gewesen sein. Sieben Jahre nach seinem Verschwinden wurde er 1982 für tot erklärt. In den meisten Spekulationen spielt sein Ziehsohn Charles O’Brien eine Rolle.

* Lionel Crabb war ein Taucher für die britische Marine und den Auslandsgeheimdienst MI6 (SIS). Als 1956 die sowjetische Staatsspitze um Nikita Chrustschow zu Verhandlungen nach Großbritannien kam, sollte er ihr vor Portsmouth liegendes Schiff unter Wasser untersuchen, auf technische Details hin, wie es heisst. Und wurde nach seinem Abtauchen nie mehr gesehen. Ein etwa ein Jahr später im Wasser treibend gefundener Körper ohne Kopf und Hände könnte Crabb gewesen sein. Auch wenn dem so ist, sind die Todesumstände völlig unklar.

* Antoine de Saint-Exupéry sah sich selbst als schriftstellernden Berufspiloten. Kurz nach seiner erfolgreichsten Erzählung “Der kleine Prinz” begab er sich 1943 aus Süd-Frankreich, das in der “nationalsozialistischen” Machtsphäre lag, nach Algerien, wo inzwischen Amerikaner, Briten und die französische Gegenregierung des “Freien Frankreich” das Sagen hatten. Er ließ sich dort für Aufklärungsflüge nach Frankreich reaktivieren. Von seinem letzten Flug am 31. Juli 1944 Richtung Grenoble kam Saint-Exupéry nicht mehr zurück. Über die Ursache seines Verschwindens gibt es nur Vermutungen und wage Hinweise: Abschuss, technischer Defekt oder Selbstmord.

* Charles Horman, amerikanischer Journalist. Genannt für Tausende andere. Etwa 3000 Menschen “verschwanden” unter der von den USA unterstützten Diktatur von Pinochet in Chile, wurden gefoltert und ermordet, von vielen blieb das Schicksal ungeklärt. Auch eine Art des Verschwindens. Auch in anderen lateinamerikanischen Diktaturen gab es diese “Desaparecidos”. Horman wurde kurz nach Pinochets Putsch 1973 entführt und ermordet, ohne dass es (aus der Sicht der Militärjunta) dafür einen “Grund” gab. Verfilmt von Costa-Gavras.

* Frank Morris war ein amerikanischer Krimineller, der 1962 aus dem berüchtigten Gefängnis Alcatraz entkam und nie wieder gesehen wurde. Zusammen mit den Anglin-Brüdern grub er sich einen Weg durch einen Lüftungsschacht ins Freie und verschwand mit einem Schlauchboot, das sie aus Regenmänteln angefertigt hatten. Ihr Verschwinden wurde erst bemerkt, als sie bereits über neun Stunden Vorsprung hatten. Es wird meist angenommen, dass die 3 bei dem Fluchtversuch ertrunken sind; allerdings wurden die Leichen nie gefunden.

* Der Schwede Raoul Wallenberg rettete als Diplomat in Ungarn durch die Ausstellung von Schutzpässen Juden vor dem Holocaust. Als die sowjetische Rote Armee in Budapest einmarschierte, wurde Wallenberg als “Spion” festgenommen und verschwand.

* Der Norweger Roald Amundsen war der erste Mensch am Südpol, möglicherweise auch am Nordpol. 1928 brach er mit seinem Flugboot auf, um seinen Freund Umberto Nobile in der Arktis zu retten, der mit seinem Luftschiff dort abgestürzt war. Vermutlich ist er dabei ebenfalls abgestürzt, sein Flugzeug wurde aber bis heute nicht gefunden.

* Bruno Manser ging in den 1980ern aus der Schweiz in den malaysischen Teil von Borneo (Sarawak), studierte dort Fauna und Flora des Regenwaldes und die Lebensweise der nomadisch lebenden Penan und begann, sich für sie und gegen die Abholzung zu engagieren. Damit zog er den Zorn malaysischer Behörden auf sich. Von seiner letzten Reise nach Sarawak 2000 kehrte er nicht mehr zurück.

Mohammad Ibn Hassan “al Mahdi”: der bei den schiitischen Moslems als 12. (und letzter) Imam und Mahdi (bzw Mehdi) Verehrte soll in eine andere Welt verschwunden sein, seine Wiederkehr dereinst ein messianisches Zeitalter einleiten. Seine Historizität ist umstritten. Das Konzept eines verschwundenen Imams und das des Mahdis gab es auch schon vor diesem und nach ihm, auch bei Sunniten. Existierte dieser Mahdi als historische, tatsächliche Person oder ist er eine religiös-mythische Figur? Der 11. Imam, der sein Vater sein soll, wurde unter den Abbasiden in Mesopotamien gefangengehalten bzw umgebracht. Dieser Mahdi soll im 9. Jh gelebt haben, in Mesopotamien, wo damals die Macht der abbasidischen Kalifen (Peiniger der Schiiten) zu Ende ging. Wenn er existierte, ist er wahrscheinlich nie öffentlich aufgetreten, wurde Imam als Erbe seines Vaters, hielt angeblich (aus der Gefangenschaft) Verbindung zu den (niedrigeren) Notabeln/Führern/Geistlichen der schiitischen Gemeinschaft, die ihr Zentrum in Mesopotamien hatte.

Weitere interessante Fälle: über 100 (mit Indianern “zusammen”lebende) englische Siedler auf der Roanoke-Insel vor dem heutigen North Carolina, Ende des 16. Jh.; Ettore Majorana (italienischer Wissenschafter), Wallace Fard (Gründer der “Black Muslims”), Charles C. Taylor (und 13 weitere Teilnehmer des Fluges 19, der den Ruf des Bermuda-Dreiecks begründete), Heinrich Müller (NS-Scherge), Madelaine McCann (und andere Kinder wie die Beaumonts), Glenn Miller, Musa Sadr, Amelia Earhart, Mehdi Ben Barka, Michael Rockefeller, Emanuela Orlandi, Harold Holt, Fritz Wenzel, Jacques Vergès (tauchte nach 8 Jahren wieder auf), Heber Jentzsch (Scientology-Führer, seit 04 nicht in Öffentlichkeit gesehen), J. F. Crater, Subhas C. Bose, Giovanni Caboto, Camilo Cienfuegos, Yllenia Carrisi, Ambrose Bierce, Herschel Grynszpan, Natalee Holloway, Sylvester Matuska, F. Valentich, K. Abovian, T. H. Boggs, Horst Seidel & Otto Reinicke, John Bingham of Lucan, Benjamin Bathurst, Richard Cox, Ambrose Small, Tibor Foco (Flüchtiger evtl. zu Unschuld Verurteilter), John Gosch