Antisemitismus (IV)

In diesem letzten Teil der Antisemitismus-Untersuchung geht es um tatsächlichen/vermeintlichen islamischen Antisemitismus, den Blick darauf, den Antisemitismus-Diskurs, “Untersuchungen” darüber.

Zunächst zum Islamismus allgemein: Amri, der Attentäter vom Weihnachtsmarkt in Berlin ’16, war u.a. als Drogenhändler aktiv, als er in die salafistische Islamistenszene kam. Tunesier, wie er, sind überproportional vertreten in diesem Djihadismus (IS,…), ob in Syrien/Irak oder Westeuropa – was nicht zuletzt auf die saudi-arabischen Bemühungen dort (siehe auch Teil III bzgl KSA) zurück zu führen ist. In diesem Zusammenhang stehen auch Anschläge auf Schiiten in Irak oder Pakistan oder auf Sufis. Die neue Welle des islamistischen Terrors (schlimmer als der von al Qaida) kam Anfang der 2010er-Jahre, zur Zeit des Arabischen Frühlings. Noch einmal etwas zu dieser islamistischen Heuchelei: Frauen ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit sei ein Skandal aber Unbeteiligte töten aus Fanatismus heraus sei OK (bzw kein Grund zur Aufregung), mit harten Drogen handeln ist kein Problem aber Schweinefleisch essen ist schlimm,…1

Die Berliner Politikerin (mit palästinensischen Wurzeln) Sawsan Chebli (SPD) wurde bei „Dunya Hayali2“ (ZDF) zu „moslemischem Antisemitismus“ gefragt. Sie sagte dass der Kampf gegen Antisemitismus auch Anliegen von Muslimen sein müsse. Wie immer die Frage genau war, welche Nachfragen kamen, welche Kommentare hinterher: Solche „Fragen“ gehen meistens in die Richtung „Unterschreiben sie meine/unsere Definition von Antisemitismus (gefälligst)?” Und, welche Antwort der/die Betreffende auch immer gibt, er/sie wird danach jedenfalls irgendwo angeprangert. Laut “Heise”-Artikel bekommt Chebli sehr viele Hasskommentare über das Internet und erstattet “20 bis 30 Strafanzeigen pro Woche”. Sie ist auf Twitter sehr aktiv, ihren Facebook-Account hingegen habe sie deaktiviert, da sich diese Plattform zu einem Tummelplatz für “Rechte, Islamgegner sowie Antisemiten” entwickelt habe, und das Unternehmen zu wenig gegen diese vorgehe. Sie hat nobel darüber geschwiegen (bei dieser Gelegenheit zumindest), aus welcher Ecke genau die Hasskommentare ihr ggü kommen bzw welchen Charakters sie genau sind; aber als Frau palästinensischer Herkunft (da ist egal ob sie sich für Palästina engagiert oder nicht) sicher auch “einige” aus der Pro-Israel-Kurve, daneben wohl von rechten Fremdenfeinden.3

Zurück zum moslemischen Antisemitismus. Dazu ist zunächst nochmal anzumerken, dass dafür auch Angehörige anderer Religion(sgrupp)en in Frage kommen, sofern sie aus der “betreffenden” Region (Vorderasien-Nordafrika) kommen, also Christen, Drusen, Baha’i, Alewiten, Alawiten, Zoroastrier,… Nicht zuletzt christlichen Palästinensern wird gerne derartiges angehängt. Dann: die “Bestandsaufnahmen” und “Analysen” gehen ja in der Regel dahin, dass die Sachlage auf ein vereinfachtes Modell von “Täter” (Moslems bzw Orientale) und Opfer (Juden) reduziert wird, und dass über diesen behaupteten/tatsächlichen Antisemitismus jede Menge Aussagen “abgeleitet” werden, über den Israel/Palästina-Konflikt, die Kultur der moslemischen (vorderasiatisch-nordafrikanischen) Staaten, die Rolle des Westens,… Was sicher ein Fakt ist, ist dass sich aus der Perspektive dieser Länder (bzw ihrer Bevölkerungen) etwa seit dem späten 19. Jh, vollends aber nach dem 1. WK, tiefe Umwälzungen vollzogen, durch “Impulse” aus dem Westen, welche sich mit dem Konflikt um Palästina verbanden.4

Für Vorderasiaten/Nordafrikaner ist Palästina (bzw dieses “Amalgam”) meist nicht Vorwand für “Antisemitismus” bzw für antijüdische Gefühle, sondern „Grund“. Es gibt auch einen Import von westlichem (europäischem) Antijudiasmus, was Thomas Schmidinger in manchen Texten und Vorträgen beleuchtet hat. Vom Westen lernen heisst was (genau)? In der jetzigen Zeit ist andauernd von einem “freien Westen” die Rede (von Grigat bis Strache), welcher sich durch Anti-Antisemitismus, Frauenfreundlichkeit, Toleranz,… auszeichne bzw definiere, wird versucht, dies rückwirkend in die Vergangenheit auszudehnen… Es kamen da aber auch andere Impulse. Die erste volle arabische Übersetzung der “Protokolle der Weisen von Zion” (Mu’amarat al al-Yahudiyya ‘ala-‘l-shu’ub) kam 1925 zu Stande, übrigens durch einen maronitischen Priester (Anton Yamin). Die Kataib/Phalange5, ebenfalls libanesisch und maronitisch (also christlich), wurde 1936 gegründet, nach Vorbildern des europäischen Faschismus. Es gibt schon Moslems, die aus dem Koran bzw aus der islamischen Frühgeschichte etwas Anti-Jüdisches beziehen, als ob die Auseinandersetzungen des Propheten Mohammed mit jüdischen Stämmen in Arabien vor 1400 Jahren etwas mit Palästina zu tun haben würde.6 Und es gibt sozial-wirtschaftliche Faktoren, genau wie beim Antisemitismus im Westen.

Faruk Hosny, ein Kunstmaler, war 87-11 ägyptischer Kulturminister, bewarb sich 07-09 für den UNESCO-Chefposten. Damals wurde er als “Antisemit” gebrandmarkt, wegen angeblicher Äusserungen über das „Verbrennen hebräischer Bücher“; neben jüdischen Organisationen war Deutschland hier an vorderster Front… Israel, das im UNESCO-Exekutivrat nicht vertreten ist und daher nicht an der Wahl teilnahm, zeigte sich in Sachen Hosny zurückhaltend, um Ägypten (> Mubarak, “Nahostfriedensprozess“) nicht zu “brüskieren”. Der rumänisch-amerikanische Friedensnobelpreisträger Elie(zer) Wiesel bezeichnete Hosni als einen “gefährlichen Mann”, das Simon-Wiesenthal-Zentrum (SWC) kritisierte seine Bewerbung als “Anathem für diesen Tempel der Kultur und des Dialogs”. Auf Arte ein Bericht, in dem ein israelischer Politologe namens Birenbaum über Antisemitismus in Ägypten („Schauermärchen über Mossad” u.a.) redete, dies unkritisch ergänzt wurde. Nichts über die Hintergründe, die Kriege 1948, 1956, 1967, 1973, die israelische Besetzung eines grossen Teils Ägyptens (Sinai) 1967-82 und israelische Aktionen wie die versuchten Anschläge auf US-amerikanische und britische Einrichtungen in Ägypten unter falscher Flagge 19547. Und nichts über die negativen Haltungen, die es unter Juden/Israelis ggü Ägyptern (oder anderen Völkern dieser Region) gibt.

Zuspruch erhielt Hosny dagegen vom “Nazi-Jäger” Serge Klarsfeld, der seine “öffentliche Reue” begrüsste. Andere wiesen darauf hin, dass er Synagogen in Ägypten renovieren hat lassen. Frankreich unter Sarkozy (der an einer Mittelmeerunion arbeitete) war für Hosny. Dessen Gegenkandidatin, eine Bulgarin, wurde schliesslich gewählt. Es ist möglich, dass dieser Hosny inakzeptable Dinge gesagt/geschrieben hat, möglicherweise wurde aber auch eine Hexenjagd auf ihn veranstaltet.8 Die Wikipedia-Artikel sind eher nicht heranzuziehen, um das herauszufinden. “Antisemitismus” generell (besonders aber der “neue” und der “islamische”) ist zu einer Art Black Box geworden. Es läuft in der Regel so, dass Juden absolut und fix in der Opferrolle (der Moslems) verortet werden, Israel der Massstab ist, und der fortschrittliche Westen dem zurückgebliebenen Orientalen zu zeigen hat, was Sache ist. Die Gier nach “antijüdischen Orientalen” zeigte sich zB beim Tod von Ariel Scharon (vielleicht war der Anlass auch sein Schlaganfall, der ihn ins Koma beförderte), als ein Kamerateam für irgend eine(n) westliche(n) Sender/Nachrichtenagentur Leute im Iran auf der Strasse dazu interviewte, nach Kommentaren fragte, versucht wurde, etwas “Antijüdisches” herauszukitzeln, etwas zu finden, das als „AS“ ausgelegt werden kann.

Diese versuchte Instrumentalisierung und Hysterie gibt es nicht zuletzt in Deutschland und Österreich. Matti Bunzl: „Sofern der neue Antisemitismus von Rechtsextremen propagiert wird, ist diese Logik immer noch am Werk. Wenn wir uns jedoch dem Phänomen von seiner islamischen Seite her nähern, sehen wir einen gänzlich anderen Plan. Wenn junge ausgegrenzte Muslime französische Juden angreifen, dann nicht aus dem Interesse heraus, ein ethnisch reines Frankreich zu schaffen. Auch behaupten sie nicht, dass Frankreichs Juden nicht zu Europa gehören. Im Gegenteil, sie greifen Juden eben deshalb an, weil sie sie als Teil einer europäischen Hegemonie begreifen, die sie nicht nur in Frankreich marginalisiert, sondern die in ihrer Sicht auch für das Leiden der Palästinenser verantwortlich ist. In der arabischen Welt wird Israel letztlich vor allem als europäische Kolonie begriffen. Die Gewalt von Muslimen gegen Juden in Europa als Ausdruck antikolonialen Kampfes zu bezeichnen, heißt nicht, sie zu verteidigen. Es macht jedoch klar, wie sehr sich alter und neuer Antisemitismus unterscheiden. Während ersterer darauf angelegt war, Juden aus den Nationalstaaten Europas auszugrenzen, greift letzterer Juden eben deshalb an, weil sie Teil Europas sind.“

Rolf Verleger: “Möglicherweise wären die Vorurteile der Muslime über Juden schlicht das Spiegelbild der Vorurteile der übrigen jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerung über Muslime…Es ist fraglich, ob negative Vorurteile der muslimischen Bevölkerung gegenüber Juden durch spezielle pädagogische Maßnahmen behoben werden können, die sich nur an Muslime richten und einseitig Vorurteile gegen Juden abbauen möchten…Die offensichtliche Asymmetrie zugunsten von Juden und zuungunsten von Muslimen, wie sie in heutigen ritualisierten Antisemitismus-Debatten zutage tritt, widerspricht dem Grundsatz der Gleichheit aller Menschen und der Gleichwertigkeit von Minderheiten…Wenn es denn zutrifft, dass Kritik an den Zuständen in Israel häufig aus Vorurteilen gegen Juden heraus erfolgt und/oder die Kritiker ein objektiv oder subjektiv Juden-schaden-wollendes Ziel verfolgen, dann müsste in ähnlicher Weise Kritik an der Türkei häufig aus islamophoben Motiven heraus erfolgen und/oder ein objektiv oder subjektiv Muslimen-schaden-wollendes Ziel verfolgen. Schließlich sind … negative Vorurteile über Muslime verbreiteter als über Juden, müssten also auch eher in solche politischen Urteile hineinspielen.”9

Da sind einige wichtige Punkte angesprochen worden. Wenn man zB liest und hört, was Caroline Glick von sich gibt, über Palästinenser und diese Region, trifft man auf nackten Hass und Hetze10, in dem über Hass und Hetze lamentiert wird. “Pierre Ro”: “Wem die antisemitischen Vorfälle auf pro-palästinensischen Demonstrationen, oder der anti-arabische Rassismus in Israel wirklich Sorgen machen (und diese nicht nur für seine Zwecke politisieren will), der würde erst Recht den Sinn darin erkennen, diese Rassismen gemeinsam zu behandeln.” Aber diese Schieflage gibt es eben. ORF-Bericht über „islamischen Antisemitismus“ > gemeinsamer KZ-Gedenkstätten-Besuch in Österreich mit Moslems, Juden seien in Angst, der Afghane hätte gelernt dass die Buchara-Juden (aus Usbekistan und auch Tadschikistan) die selbe Sprache sprechen wie er11; er hat was zu lernen, nur diese Seite, Vorurteile der anderen Seite werden ausgeblendet. Und es wird insinuiert, dass dieser anderen Seite immer an einem solchen Brückenbau gelegen sei… Das Gegenteil ist der Fall.

In welches Narrativ passt Verständigung von Juden (zumal orientalischen) und Moslems (die verschiedensten Nationalitäten angehören können) denn nicht?! Das “Projekt” (der Mauthausen-Besuch) geht auch am Problem des Israel/Palästina-Konflikts komplett vorbei, falls das “mit-behandelt” werden sollte… Vielleicht sollte man einen israelischen Besatzungssoldaten marokkanischer oder irakischer Herkunft zu einer palästinensischen Familie führen und ihn damit vertraut machen, dass diese Menschen die selbe Sprache sprechen wie seine Eltern bzw Grosseltern. Eigentlich geht es da um das System bzw die Befehle, die diese Soldaten bekommen, mit denen sie Palästinensern das Leben schwer machen. Oder: Der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz12 sagte 2017 zum Fernsehen: “Es gibt zum Beispiel junge Palästinenser, Männer, die zu uns kommen, die mit einem tief verwurzelten Antisemitismus erzogen worden sind, denen muss man in klaren Sätzen sagen: ‘In diesem Land hast Du nur dann einen Platz, wenn Du akzeptierst, dass Deutschland ein Land ist, das Israel schützt, dass das unsere Staatsräson ist.'” Auch hier: Der Westen bzw Deutschland als Lehrer (& edler Beschützer), die Orientalen Schüler (& Bösewichte).

Von David Ranan kam 2018 das Buch “Muslimischer Antisemitismus. Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland?” heraus. Ludwig Watzal darüber: “Ergebnisse, die Ranan präsentiert, stören das Image vom ‘muslimischen Antisemiten’. Was die deutschen Sittenwächter als ‘muslimischen Antisemitismus’ oder ‘Judenhass’ zu diagnostizieren scheinen, hat mit beiden Phänomenen nichts zu tun, weil es sich schlicht und ergreifend nur um Kritik an der brutalen israelischen Besatzungs- und Unterdrückungspolitik handelt. Deshalb kommt Ranans Buch auch schlecht bei der politisch-medialen Klasse an. Es passt einfach nicht ins Klischee vom ‘antisemitischen Muslim’. Folglich wird es negativ rezensiert oder lächerlich gemacht…. Ranans Ausführungen zeigen, dass die verquaste Antisemitismus-Debatte völlig neu vermessen werden muss. Wie verfehlt diese Diskussion ist, zeigt die Inthronisierung eines ‘Antisemitismus-Beauftragten’. Ein Antirassismus-Beauftragter wäre passender gewesen, da es sich beim Antisemitismus um eine Form des Rassismus handelt. Das antisemitische ‘Geheimwissen’ einiger weniger muss sich der öffentlichen Kritik stellen und von dem engstirnigen gesellschaftlichen Mief befreit werden, der das Thema umgibt. Das Thema ‘Antisemitismus’ muss neu angegangen werden und dem Dunstkreis der starren Ritualisierung und Instrumentalisierung entzogen und einer Fundamentalkritik unterzogen werden. Dafür hat Ranan eine exzellente Vorlage geliefert. Für die politische Bildung wäre dieses Buch bestens geeignet.”

In Teil I war ja schon die Rede von diversen Antisemitismus-Konferenzen und -Veranstaltungen. Im Februar 19 gab’s wieder eine, im Kursalon Hübner in Wien (wo immer wieder Burschenschafter-Veranstaltungen und Ähnliches stattfanden), veranstaltet vom damaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ)13, etwa 3 Monate bevor er zurücktrat, nachdem bekannt geworden war, dass er (in Ibiza 2017) vermeintlichen russischen Oligarchen/Geschäftsleuten u.a. Staatsaufträge für illegale Spenden und eine Umgestaltung der österreichischen Medienlandschaft in Aussicht gestellt hat. Es gab eine Diskussion über “islamischen Antisemitismus“. Dieser sei eine “Querschnittsmaterie und ein Thema von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung”, so Strache; Grigat hätte es auch nicht anders ausgedrückt, oder die anderen Antisemitismus-Kapazunder in Deutschland/Österreich.

Antisemitismus habe unter ihm in der FPÖ keinen Platz, „Es gibt Antisemitismus auf allen politischen Seiten – und es gibt Antisemitismus, der sich hinter dem Mantel von Religionen verbirgt“, so der ehemalige Neonazi. Der ja auch die Rechten als “die neuen Juden” sieht. Er sei „für freie Religionsausübung“, „gegen totalitäre Strömungen hinter dem Deckmantel der Religion müsse mit aller Härte und Konsequenz vorgehen“ > als ob es bei diesem Spiel um Religions-Ausübung, Toleranz und Totalitarismus gehe…und nicht um seine heuchlerische Selbst-Profilierung, eine Entsorgung der eigenen Geschichte auf Kosten Anderer, um ein neues Ausgrenzen (und ein Brückenbauen dabei), um ein Nutzen-Ziehen aus dem Islamismus, um ein Reiten auf einer Welle, um das Pressen von Menschen in konfessionelle Schubladen,… Mit dabei auf der Politshowbühne war Henryk Marcin Broder, der verkündete dass „von den 700 Gästen 690 wegen mir gekommen sind“ – eine Pseudoabgrenzung von Strache und den FPÖ-Anhängern im Publikum. Als die FPÖ vor einigen Jahren in einer Wahlwerbung in Form eines Zeitungs-Inserats Broder zitierte, tat der so als hätte er nichts zu schaffen mit denen14,…inzwischen haben sie also zueinander gefunden. Knapp zuvor war er in der Bundestags-Fraktion der AfD aufgetreten, Alice Weidel umarmte ihn bei der Gelegenheit und konnte sogar einmal lachen.

Michael Ley, ebenfalls so eine Art Publizist, sagte, der “Vormarsch” des politischen/radikalen Islams erinnerte an jenen des Nationalsozialismus. Da wird der eine oder andere von Straches Anhängern im ersten Moment nicht genau gewusst haben, ob er sich darüber freuen soll, dass ein neuer NS im “Anmarsch” ist, oder über die Abwälzung des NS in Richtung “des Islams”; man hat jedenfalls applaudiert. Ley ist bei diesem Abwälzen besonders motiviert, da er damit für seine rechten Aktivitäten und Inhalte Anerkennung bekommen möchte. Ley wurde für die Webseite der österreichischen Identitären von deren Co-Chef Martin Sellner interviewt. 2016 sagte er, es sei wichtig, “dass die Identitären stärker werden”. Ausserdem publiziert er im Verlag Antaios gemeinsam mit anderen Vordenkern/Nachbetern der Neuen Rechten. Er schreibt/schrieb auch Gastbeiträge für die rechtsextreme Zeitschrift “Info-Direkt”, die ebenfalls von „Identitären“ dominiert ist.

Auch Laila Mirzo, die Alibi-Orientalin in der Runde, schreibt für “Info-Direkt”, sie äusserte auch Sympathien für Identitären-Führer Sellner (klassischer Rechter, “Olympia”-Burschenschaft, Kontakte zu Höcke oder Kubitschek). Die „Islamkritikerin“ Mirzo prangerte vor allem die “Dominanz muslimischer Fundamentalisten” in bestimmten “sozialen Ghettos” in Europa an, wo die liberalen Muslime zunehmend unter Druck gerieten. Für sie stellen alleine die “vom Glauben abgefallenen Muslime” die Gruppe der Integrationswilligen dar. „Vom Glauben Abgefallen“ ist islamistische Diktion. Und, muss man da nicht auf Saudi-Arabien Rücksicht nehmen (> Teil III)? Und, die Nicht-Akzeptanz der Lossagung von Menschen vom Islam durch Islamophobe steht dem ja genau entgegen, die Einordnung über Religionszugehörigkeit, die Konfessionalisierung… Die Runde komplett machten Birol Kilic von der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, und „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak als (wunderbar in die Runde passender) Moderator. Wolfgang Sobotka (und sein Grinsen) oder Andreas Koller hätten noch dazu gepasst.

In “Der Standard” ausnahms-/überraschenderweise ein treffender Kommentar zur Veranstaltung (im Vorfeld): “Mit der rechtsextremen Identitären Bewegung will Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) nichts zu schaffen haben. Das wollte er zumindest in einem Prozess gegen den Politikberater Rudi Fußi klarstellen, der ein Foto von Strache und Identitären unter dem Kommentar ‘Gemütliches Beisammensein’ gepostet hatte – Strache zog die Klage zurück. Zu einem solchen gemütlichen Beisammensein könnte es am Mittwoch im Kursalon Hübner im Wiener Stadtpark kommen – zwar nicht mit Kadern der Identitären selbst, wohl aber mit Persönlichkeiten, die viele Berührungspunkte mit ihnen aufweisen und diese offen unterstützen.” Da sass die rechte Runde am Podium und diskutierte über “islamischen Antisemitismus”, “Islam”, “Islamismus”, “Intoleranz”,…, man nickte einander zu, urteilte, mahnte, fachsimpelte…als ob…

Broder promotet ja verschiedenes Rechte, wenn er über “Israel” oder “Islam” redet, im Kursalon schwafelte er etwa über “europäische Grundwerte statt genderneutrale Toiletten” (siehe III)15. Wenn er das seit bald 20 Jahren wiederholte Mantra vorbringt, man dürfe ggü Intoleranten nicht tolerant sein (als ob das etwas Neues sei)16, nicht liberal, setzt er wieder die Lager “Wir” und “Sie” voraus, setzt voraus dass (auch) Leute wie er im Grunde tolerant und liberal wären, es die “Gegenseite” aber nicht sei, spielt den Mahner der die “naiven Liberalen” im Westen belehren muss (und einmahnen dass man zu seinen “Grundwerten” steht17) – wenn er nicht gerade ein paar Schubladen tiefer greift und jemand zB als „linksreaktionäre Schlampe“ beschimpft. Allein schon seine Assoziation dort im Stadtpark-Kursalon mit den “Identitären” und dem Rechtspoulisten (es gibt viele ähnliche bei ihm, bzw seine Achse ist mindestens rechtspopulistisch) widerlegen seine (gelegentlich) pseudo-progressive Rhetorik ggü dem Islamismus.

Und: man könne “nicht leugnen, dass es einen Unterschied mache, zu welcher Glaubensgruppe man gehört”: Er als “atheistischer Jude” polemisiere seit 50 Jahre gegen Juden, mit der Konsequenz, “von diesen nicht gemocht zu werden”. Kritisiere aber jemand mit muslimischem Hintergrund “seine” Glaubensrichtung, müsse er mit Todesdrohungen und Verfolgung rechnen. Da steckt zunächst einmal ein Chauvinismus drinnen, eine Selbstbeweihräucherung (“Wir sind so viel besser als sie”), verbunden mit der Bemühung, Moslems als “zurückgeblieben” abzustempeln. Ob Broder wirklich ein “atheistischer Jude” ist, sei dahin gestellt; als israelischer Staatsbürger kann er sich das jedenfalls leisten. Diese Konfessionalisierung (Einteilen der Menschen nach ihrer Religion) macht er natürlich gern. Broder „polemisiert gg Juden“? Der Berliner Moraltheologe “polemisiert” v.a. gg IL-Kritiker… Und gegen liberale bzw israel-kritische-Juden wie Evelyn Hecht-Galinski, Tochter eines früheren ZdJ-Vorsitzenden, engagiert bei der Jüdischen Stimmen für einen gerechten Frieden, Kritikerin am ZdJ und führenden jüdischen Persönlichkeiten in Deutschland wie Broder. Leuten wie ihr wirft er „jüdischen Antisemitismus“ vor, gegen sie geht er machohaft-hysterisch vor. „Nicht gemocht werden“. Nicht gemocht (unter Juden) wird man, wenn man den Zionismus/ Israel kritisiert wie Ilan Pappe oder Uriel Avneri oder Richard Goldstone oder Norman Finkelstein.

Avneri, früher Helmut Ostermann, verliess mit seiner Familie 1933 Deutschland  um nach Palästina zu gehen. Er war sogar für die rechtsextreme zionistische Terrorgruppe IZL aktiv, wegen seines geringen Alters wahrscheinlich nur publizistisch; später stellte er das als „Kampf gg Briten“ dar. 1942 verliess er die Gruppe, wurde Anhänger des Kanaanismus, der vereinfacht gesagt, Israel und Juden mehr als Teil der Region sieht statt als Anhängsel des Westens. Er beteiligte sich an der Nakba (möglicherweise auch an späteren Kriegen), trommelte in der Zeitschrift „Ha Olam Haze“ 1952 für einen Präventivkrieg gg Ägypten, gründete eine eigene Partei (die so wie seine Zeitschrift hiess), war für diese und eine andere kleine Linkspartei in der Knesset, traf ’82 Arafat im Libanon, wurde Friedensaktivist. Ist auch antireligiös, begründete Gush Shalom, bekam den “alternativen Friedens-Nobelpreis” (RLA), schrieb u.a. für “Counterpunch”. Er war mit seiner Familie teilweise zerkracht, unter Zionisten angefeindet und ausgegrenzt, der rechtsextreme Siedler Baruch Marzel wollte ihn umbringen lassen.18 Broder wird unter Juden weder gehasst noch ausgegrenzt, auch nicht Caroline Glick oder die FPÖ-Politiker Lasar und Sichrovsky; ausgegrenzt werden Avneri, Abraham Melzer oder Judith Butler.

Gegen ihre Auftritte wird mobilisiert, diffamiert,… Während jeder Widerstand gegen das zionistische Projekt in Palästina als Art neuer Holocaust präsentiert ist, gelten für die Berichterstattung über dieses Projekt selbst vielerorts sehr enge Regeln. Broder stellt sich als „Enfant terrible“ unter den Juden dar (ggü dem man aber tolerant sei), in Wirklichkeit trägt er die Hetze gegen jene Juden mit, die gegen den Strom schwimmen („jüdische Antisemiten“); entscheidend ist die Haltung zu Israel. Mutig mit der Springer-Presse im Rücken, hofiert von Politikern, sowie rechten und linken Stammtischen. Dass er mit FPÖ und AfD gemeinsame Sache macht, passt hier ja auch dazu, und seine Ausführungen bei Auftritten für diese Parteien. Dagegen, Palästinenser müssen unter israelischer Besetzung mit allem Möglichen rechnen, jedenfalls mit der Militärzensur (ausgeführt durch die Behörde, die Frau Vaknin-Gil führte). Bei (auch nur leichtem) Widerstand gegen die Soldaten droht zumindest monatelange Haft, die kann aber auch ohne “Grund” verhängt werden (“Administrativhaft”). Der palästinensische Dichter Ghassan Kanafani aus Akko, 1948 (Nakba) in Libanon vertrieben, Mitglied der PFLP, wurde 1972 (zusammen mit seiner Nichte) in Beirut vom israelischen Mossad getötet. Yitzhak Rabin, israelischer Premier, wurde von Einem aus der rechtsextremen Szene seines Landes ermordet, nachdem er den Palästinensern einige Zugeständnisse gemacht hatte.

Es gibt immer wieder Mord-Aufrufe von israelischen Politikern, meistens Palästinenser betreffend. Yosef “Tommy” Lapid (Tomislav Lampel, aus der damals jugoslawischen Vojvodina) war noch nicht in die Politik gegangen und noch Journalist, als er 1995 in einem Interview mit einem kanadischen TV-Sender sagte, er hoffe, dass ein Jude in Canada den auskunftsfreudigen ehemaligen Mossad-Agenten Victor Ostrovsky töten werde… Ostrovsky hatte sich nach Canada zurück gezogen, und auf sein Haus wurde ein Brandanschlag verübt. Dabei hat Ostrovsky nicht einmal den Zionismus grundsätzlich in Frage gestellt, vielleicht gewisse Praktiken seines Auslands-Geheimdienstes… Lapids Sohn Yair ist ebenfalls ein Journalist der in die Politik ging und einen sehr chauvinistischen “Liberalismus” vertritt. Bei Juden, die sich in irgend einer Weise gegen den Zionismus stellen, ist es mit “nicht gemocht werden” nicht getan. Leute wie Gilad Atzmon sind so etwas wie „Brunnenvergifter“, auch solche wie Peter Beinart stehen schon unter schwerem “Beschuss” vom jüdischen Mainstream.

Der Journalist Gideon Levy, ein gemäßigter Zionist, ist der “meistgehasste Mann Israels”.19 Norman Finkelstein wird als “Nestbeschmutzer” gesehen und behandelt, wurde von der Israel-Lobby um akademische Aufstiegsmöglichkeiten gebracht, nachdem er sich gegen den jüdischen Hauptstrom gestellt hatte. Der Publizist Abraham Melzer stammt aus einer Familie, die zu einem grossen Teil im Holocaust getötet wurde; er hat auch in der israelischen Armee gedient. 2017 wurde verhindert, dass er in Frankfurt sein Buch „Die Antisemitenmacher” vorstellen konnte. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft München, Charlotte Knobloch, nannte ihn einen “berüchtigten Antisemiten” (wegen seiner Haltung zu Israel), worauf hin er sie klagte. Im Endeffekt kam heraus, dass sie ihn weiter so nennen darf. Oder das Theater, als Bundespräsident Köhler Felicia Langer das Bundesverdienstkreuz verlieh, als Alfred Grosser bei einer Gedenkfeier (an die Pogromnacht) in Frankfurt eine Rede hielt20,…

Im Grunde ging es dabei immer nur um den Einsatz für Gleichberechtigung der Palästinenser… Rolf Verleger: “Als ich im Zentralrat der Juden in Deutschland von 2005 bis 2009 Delegierter Schleswig-Holsteins war und in der Öffentlichkeit die Politik Israels kritisierte, brachte als letzter Tropfen das Fass zum Überlaufen und führte zum Entzug des Mandats durch meine Basis, dass ich beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschlands einen Vortrag gehalten hatte – beim ‘Feind'”. Charles Enderlin, ein anderes Beispiel, französisch-israelischer Journalist bei TV5, vertrat in der al Dura-Sache eine andere Meinung als der Hauptstrom, eine aggressive zionistische Kampagne traf daher auch ihn. Ariel Muzicant 06: “Der Herr Avneri vertritt seine Meinung, er vertritt sich selber und sonst niemanden. Ich habe keine Lust, das zu kommentieren. Herr Avneri ist in meinen Augen jemand, der immer die Mehrheit kritisiert, ganz gleich, um was es geht. Das ist so jemand, der immer außerhalb jeden Konsenses steht, der keine Gefolgschaft hat, aber der liebend gerne im Ausland als Paradejude zitiert wird. Da bin ich dann etwas sauer”. Wir werden noch zu Leuten aus moslemischen Gesellschaften kommen, die “ausserhalb jeden Konsenses” stehen und von Israel-Freunden “gehypt” werden. Dass ein Journalist Herrn Muzicant “sauer” macht, geht jedenfalls gar nicht. Arik Brauer hat Avineri einen „selbsthassenden Juden“ genannt.

John Bunzl, ebenfalls aus der IKG Wien, zum „neuen Antisemitismus“: “So entsteht eine selbst immunisierende Waffe, mit der auch vernünftige Kritik entlegitimiert werden kann. Weiters ergibt sich analog dazu ein Bedürfnis, die Situation zu dramatisieren, weil daraus die Notwendigkeit eines jüdischen Exodus (‘Aliah’) abgeleitet und die zionistische Funktion des Staates Israel bekräftigt werden kann. Auf der anderen Seite gibt die auf den 11. September folgende amerikanische Nahostpolitik Vermutungen Nahrung, wonach der Krieg gegen den Terror und gegen den Irak auch im Interesse Israels geführt wurde – und es ist nicht schwer, auf entsprechende Lobbies und Personen hinzuweisen. Äußerungen in diesem Sinn gern automatisch in die Schublade klassisch-antisemitischer Verschwörungstheorien (Protokolle der Weisen von Zion etc.) geschoben…während im allgemeinen europäische Antisemiten Israel benützen, um ‘die’ Juden zu treffen, benützen umgekehrt arabisch-islamische Antisemiten in der Regel Judenfeindlichkeit, um Israel zu de-legitimieren…Aber man spielt mit dem Feuer, wenn man alle Formen von Feindseligkeit in einen Topf wirft…Antisemitismus richtet sich gegen Juden als solche, unabhängig von ihren Ansichten (einschließlich des Zionismus) oder Handlungen…Mit dem Antisemitismus-Vorwurf erschwert Israels Regierung ua eine Bekämpfung des Antisemitismus. In Israel selbst bleibt es – wie sollte es anders sein -, jemandem wie Uri Avneri vorbehalten, festzustellen, dass ‘die Scharon-Regierung ein einziges riesiges Labor zur Züchtung des Antisemitismus-Virus darstellt’. Und zurecht fährt Avnery fort, dass, indem man Leute, die die Verfolgung der Palästinenser ablehnen, als Antisemiten beschimpft, man gleichzeitig “dem Wort (Antisemitismus) den Stachel zieht. Man belegt es fast schon mit so etwas wie Respektabilität”.

Bunzl steht aufgrund solcher Überlegungen selbst “am Rande” “seiner” Gemeinschaft; Muzicant selbst hat ihn einmal abfällig “Johnny Bunzl” genannt…sind nur 2 Buchstaben, aber… Auf de.wikipedia über ihn: “Obwohl selbst jüdischer Herkunft, setzt sich Bunzl mit besonderem Engagement für Anliegen der Palästinenser ein und erntet dafür Anerkennung, aber auch scharfe Kritik. Ihm wurde mehrmals Antisemitismus vorgeworfen“. Belegt ist das mit einem Artikel von Grigat-Hilfssheriff Florian Markl im “Standard” (“Die angeblich katastrophale Gründung Israels”)… Der Täter-Enkel drückt dem Juden den Stempel „Antisemit“ auf, weil (ihm) dieser nicht zionistisch genug ist, in einem Aufwischen mit einer Relativierung der Nakba (herumtrampeln auf dem Leid der Palästinenser). Man ist wütend auf ihn, weil er zionistische Dogmen in Frage stellt, eine “gut geölte Maschinerie” versucht Leute wie ihn zu verleumden, achtet dass die völkischen Reihen geschlossen gehalten werden. Man findet etliches Abfällige über ihn im IT von Seiten der deutsch-österreichischen zionistischen Szene (Pfeifer, Samuel Laster, lizaswelt, bnai brith,…).21 Bunzl zeigte etwa als Herausgeber von “Der Nahostkonflikt. Analysen und Dokumente” (1981, Beiträge von Bernard Lewis bis Mosche Machover), dass er über Israel/Palästina (und was damit zusammenhängt) ausgewogen und sachkundig schreibt, nur eben nicht aus einer “Fankurve” heraus.

Die liberalen Muslime würden für die verfolgten Muslime zu wenig tun, bemängelte Broder im Kursalon Hübner auch. Da sind wieder die Verallgemeinerungen und Konfessionalisierungen. Einem Palästinenser bringt es nichts, ein liberaler Moslem zu sein; PFLP und DFLP sind etwa nicht nur säkulare (und linke) Organisationen, sie wurden auch von christlichen Palästinensern gegründet und geführt…während Israel versuchte, die (religiöse, islamistische) Hamas als Gegengewicht zur Fatah und ihnen zu stärken. Saudi-Arabien wird seit Langem vom Westen inklusive Israel unterstützt, obwohl es Muslime (auch liberale) verfolgt (direkt und indirekt). Liberale Moslems wie Schirin Ebadi (weil sie das iranische Atomprogramm unterstützt) oder Karim El Gawhray oder Bahman Nirumand werden von Zionisten angefeindet. Als Liberale/Verfolgte zählen für Broder nur die Hirsi-Alis und Abdelsamads. Relevant dazu ist auch der Abschnitt über die Alibi-Orientalen unten.

Nun noch ein kleiner Einschub zu Broder grundsätzlich. Für sich nimmt der Scharlatan Toleranz selbstverständlich in Anspruch, trotz seiner Intoleranz. In der Hysterie ggü Günter Grass wirkte er selbstredend führend mit, so engagiert wie er bei der Verteidigung von Thilo Sarrazin war. Eigentlich verachtet er das Liberale ja, und Linke sind ohnehin sein zweites Feindbild. Dass Deutschland/Europa “zu einem Irrenhaus verkommen” sei und dem „Gender-Wahn“ nachhänge, das könnte auch ein (salafistischer) Islamist so formulieren (so formuliert haben)… Wenn er klagt, dass der Westen “nicht mehr seine Grundwerte verteidige”, stellt sich die Frage, was diese (für ihn) sind. Für jemanden, der auch über „echte Männer“ redet, Greta Thunberg angreift, wahrscheinlich von “Me Too – Hysterie” redet, sind westliche Grundwerte was? Wie schon im III. Teil gefragt: Wieder Anderl-von-Rinn-Verehrung? Küntzel hat (wie auch Grigat und Ähnliche) in seiner Broder-Apologetik nach dem Breivik-Massaker davon gefaselt, dass Anders Breivik (der sich sehr positiv auf Broder bezog) in Wirklichkeit nahe beim Islamismus ist („beide Ekel vor Gleichberechtigung der Frau“,…); zwischen der rechten Spielart der Islamophobie und dem Islamismus gibt es tatsächlich Überschneidungen…nur haben sie da ihren Broder “ausgespart”.

Broders Haltungen waren für das vorgeblich liberale “stopthebomb”, wo er mitwirkt(e), natürlich eben so wenig ein Problem wie Christian Ortner oder Neocons wie Clawson. Ja, es gibt Übereinstimmungen zwischen (gewissen) Westisten und Islamisten, was den Westen betrifft, dass dieser in seiner derzeitigen “Form” „degeneriert“ sei, und auch bei den Begründungen/Erläuterungen dazu – das “Degenerierte” ergibt sie für sie aus dem Liberalen und “Multikulti”. Broder kann es kaum rechts genug sein, ist keiner, der Rechten so schnell etwas verübeln würde22. Rechte wie FPÖ oder AfD sind dankbar für die Alibis die er ihnen gibt23, seine “Thesen” werden auch von der NPD herangezogen (siehe). Natürlich geht es dabei um einen politisch korrekten Chauvinismus, “Wir sind gegen sie weil sie so rückständig sind” etc. Wenn Broder Antisemitismus, den NS oder den Holocaust thematisiert, dann im Zusammenhang mit deutscher Unterstützung bzw Kritik an Israel. 1986 erschien seine Polemik „Der ewige Antisemit“, in der er Israel-Kritik (und die kommt in der BRD in der Regel nur von echten Linken24) als “Antisemitismus” zu firmieren trachtet (bzw ihr „Judenfeindschaft“ umhängt), eine Linie die sich fortsetzte. Die Verharmlosung von Rechtsextremismus und Rassismus ist eine “Kernbotschaft” von ihm.25

Es gibt eine Linie von Broders Geschreibe/Gerede über Moslems (oder was er dafür hält) zur Verächtlichmachung von (anderen) Südländern, von seinen pseudomoralischen Argumentationsmustern bezüglich Israel zu jenen “Leistungsgesellschaft”, “verweiblichte Männer”, “liberale Justiz” betreffend. Das zeigt sich zB wenn er (zusammengefasst) über “faule Südländer” im Kontext der Griechenland-Krise schreibt (xxx.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article108470738/Nordeuropa-arbeitet-und-zahlt-fuer-den-Sueden.html) oder als er irgendwo einen Überfall in Berlin kommentiert, wo die Täter als „Südländer“ beschrieben wurden und er hämisch-süffisant anmerkt, dass damit wohl kaum “Patagonier” gemeint sein können…insinuiert, dass es um Türken oder Araber gegangen sein muss. Oder Kurden, die sind aber in seinen “Kreisen” nun die Guten. Seinesgleichen wird auch kaum serbische Sinti oder Nordmakedonier oder Mhallami erkennen können, sie unterscheiden (wollen). Das ist der unappetitliche Rassismus des Henryk Broder. Aber genau dafür wird er ja geliebt, er ist “der einzige der sich traut die Wahrheit zu sagen, der redet halt Tacheles.”

Der Hassrede normalisiert, “Fremden”feindlichkeit salonfähig macht, wenn er zB die Deutschen über “Bevorzugung von Zugewanderten” in Deutschland aufklärt. Jene, die differenzieren, müssen mit wüsten Beschimpfungen rechnen. Manche Apologeten, Sympathisanten und Beschwichtiger sagen auch “der meint das eigentlich gar nicht so, der wird oft auch nur missverstanden”.26 Dieser Übergang von aus Islamismus- oder “Nahost”-relevanten Urteilen und Kommentaren zu solchen Südländer generell betreffend, immer die Auffassung von einem “Westen” durchschimmernd, dem eine Führungsrolle zustehe (ggü der globalen Peripherie) und der auch rassisch definiert ist (wie bei Trump oder Steve King)… Aber er darf das, denn wenn er mal was schreibt, wofür er in Kritik gerät, kommen seine Apologeten mit absichernden Hinweisen auf seine jüdische Identität. Er ist im kommunistischen Polen aufgewachsen, in die BRD ausgewandert, in Israel nicht heimisch geworden. Polen ist für ihn kein positiver Bezugspunkt, auch nicht Kaczynski und die PiS (so rechts sie auch sind)…so eine Bühne hat er nur in der BR Deutschland.

Nochmals zu Westen (> III) und islamischer Antisemitismus, zur Vermischung von geopolitischem Denken mit rassischen Elementen. “Christlicher” Antisemitismus/Antijudaismus und Holokaust stehen eigentlich in einer Reihe mit europäischem Kolonialismus und Sklaverei, mehr als „islamischer” AS“ mit NS/Holokaust. Und, in Teil II wurde am Beispiel Niederlande der rote Faden zwischen Kolonialismus, Faschismus(-Kollaboration), Kalter Krieg – Parteistellung und Post-9/11-Westismus aufgezeigt. Wolfgang Schivelbusch brachte 2007 “Die Kultur der Niederlage: Der amerikanische Süden 1865 / Frankreich 1871 / Deutschland 1918” heraus. Im Teil über den Süden der USA geht es also über den Antagonismus zwischen Norden und Süden der USA im 19. Jh, im Norden Sklavenhandel und “Paria”-Stellung der Schwarzen, im Süden Sklavenarbeit. Schivelbusch meint, dass der Norden an der Sklaverei genau so beteiligt war, erst als er sie durch die Industrialisierung nicht mehr so „benötigte“, propagierte “er” die Abschaffung der Sklaverei, schob Moralisches hinterher… Und: „Heute wiederholt sich dieser Vorgang in der ‚Ermahnung’ der vollständig industrialisierten ersten Welt an die sich gerade auf den industriellen Weg machende dritte.“

Und die “zweite”! Bezüglich Menschenrechte und Antisemitismus ist es ganz ähnlich… Der Westen, der Rest, die Moral, die Belehrung, die eigene Vergangenheit, das Vorbild. Inuit und andere Eskimo-Völker etwa pflegten in der Arktis-Region ursprünglich eine umweltschonende Lebensweise (Jagd, Ernährung, Behausung, Abfälle,…..), dies wurde von Russen, Briten (dann Kanadiern), Dänen, US-Amerikanern zerstört, eine neue Lebensweise oktroyiert. Dann kamen aus diesen Nationen Regeln für Artenschutz und Umweltschutz, und der erhobene Finger. Nun, da Grönland autonom ist, die Grönländer das Recht auf die Ausbeutung ihrer Bodenschätze haben, dies auch bezüglich Uran tun wollen (noch dazu mit Hilfe Chinas), kommen (aus dem Westen) diesbezüglich Naturschutz-Bedenken. Natürlich kommen Bedenken auch von Grönländern (die zu 90% Inuit sind) und sind diese nicht an sich illegitim. L. B. Laursen, ein Däne in Grönland, Manager der Uran-Mine Kvanefjeld bei Narsaq, sagt: “It’s like windmills in Denmark – everybody wants sustainable energy, but they don’t want a windmill in their backyard…You cannot live in a museum – you have the right to sustain your people. Is it OK for Europe to cut down forests, but object to one project in Greenland? It’s not a banana republic. This country is huge – one or two mines will not destroy its purity.”

Es sind ja Bemühungen im Gange, Holocaust und Antisemitismus den Moslems (oder was dafür gehalten wird) umzuhängen. Und den Realkonflikt, den die Palästinenser mit Juden haben (bzw einem Staat der darauf besteht, ein dezidiert jüdischer zu sein), in die Kategorien des Nazi-Holocausts bzw des westlichen AS zu pressen. Um diese Thematik geht es in diesem Artikel. Angehörige “brauner” Völker kämpften in beiden “Weltkriegen” (Kriege westlicher Mächte gegen einander) sowie in weiteren Kriegen für die “weissen” Mächte; hätte im 2. WK die andere Seite (Achsenmächte statt Alliierte) gesiegt, hätten sie auch den “Schwarzen Peter” gehabt. Nach diesem Krieg bekamen sie wenig Anerkennung, wurden kaum Besserstellungen gewährt, schon gar nicht die Unabhängigkeit von den Kolonialherren, diese musste erst erkämpft werden. Algerier etwa kämpften zu Tausenden an der Seite der Franzosen; nach der Kapitulation des “Dritten Reichs” im Frühling 1945 eine Parade von Algeriern in Sétif, zum Sieg (zu dem viele von ihnen beigetragen hatten) und für mehr Selbstbestimmung – niedergeschossen von den europäischen Kolonialherren, Tausende Tote…

“Braun”- und “schwarz”afrikanische Soldaten kamen im Rahmen der französischen Streitkräfte nach dem 1. und 2. WK nach Deutschland , was dort zT als besondere Schmach aufgefasst wurde. Die diesbezügliche Besatzung nach dem 1. WK wurde von der Nazi-Propaganda aufgegriffen, als „Untergang des Abendlands“ dargestellt: Französische “Negerhorden” stünden am Rhein, es drohe von Frankreich her “ein gewaltiges, geschlossenes Siedlungsgebiet vom Rhein bis zum Kongo (…), erfüllt von einer aus dauernder Bastardisierung langsam sich bildenden niederen Rasse”. Die “Rheinlandbastarde” nach dem 1. WK und die Kinder schwarzer US-amerikanischer Besatzungssoldaten nach dem 2. WK hatten/haben es in Deutschland auch nicht gerade leicht. An dieser Stelle ein Exkurs zur ethnisch-kulturellen Ablehnung von nicht-weissen Völkern/Kulturen, zu der paternalistisch-geheuchelten Sicht auf sie, ihre Instrumentalisierung. Es ist ja leicht, Mitgefühl mit den Opfern der iranischen Diktatur vorzumachen – wenn man gleichzeitig das bejubelt, was israelische Soldaten Palästinensern antun.27

Im zionistisch-westimperialistischen Diskurs gibt es Alibi-Moslems/Alibi-Orientale (Feigenblätter), wie Mina Ahadi, Magdi Allam, Hamed Abdel-Samad, Saba Farzan, Kazem Mousawi, Ayaan Hirsi-Ali,…28 Die entsprechende Verachtung ist natürlich eingebettet in einen generellen Rassismus, und so verwundert es auch nicht, dass da die Diffamierung von “Antirassismus” nie weit ist, zB bei Udo Wolter (white man saving brown women from brown men), aber auch bei jenen, die offen Sorge um Weisse bzw den Westen (das “wird” da eins) äussern – auch dort gibt es ja heutzutage Elemente progressiv-liberalen Anscheins.29 In TV-Diskussionen zu Themen wie Islamismus werden gerne Extremisten eingeladen, Islamisten wie Hassan Dabbagh, die Broders als “Gegenpol” und dann noch einen wie Abdelsamad. Warum werden nicht gemäßigte und sachkundige Leute nach der Art von John Bunzl oder Navid Kermani eingeladen? Zu un-spektakulär?

Bassam Tibi war eigentlich ein seriöser Wissenschafter, ist aber dazu über gegangen, sich her zu geben, sich instrumentalisieren zu lassen, auch von offenen Fremdenfeinden. Davon zeugen seine Unterzeichnung der Lengsfeld-Erklärung (> II), seine Mitarbeit bei der Kriegslügen-Initiative dropthebomb oder die gemeinsame Sache mit Wolfgang Sobotka. Broder ist über die gebürtige Somalierin Hirsi-Ali30 ja auch deshalb entzückt, weil sie bezüglich Afrika keinerlei “Forderungen” an “den Westen” hat, diesen auch hier als Wohltäter sieht/darstellt… Asfa-W. Asserate ist auch nicht gerade ein Linker oder Anti-Imperialist, aber er thematisiert schon verhängnisvolles westliches Eingreifen in Afrika; Hirsi ist da bekömmlicher. Irfan Peci, ein Albaner aus Serbien (Presovo) der nach Deutschland gegangen ist, Islamist war (GMIF), tingelt nun als Ex-Jihadist durch Talkshows, schreibt Bücher, ist auf Broders “Achse des Guten” (weil er ihm auch sein Weltbild bestätigt)… Peci: „Linke Sozialarbeit hilft nicht gg Islamisten, ein starker Staat muss her“. Das liest “man” gerne. Vielleicht hilft es auch, Saudi-Arabien (und seine diesbezüglichen globalen Aktivitäten) etwas kritisch zu sehen und ihm entgegen zu treten.31

Islamophobie ist eigentlich Feindschaft ggü Subjekten, nicht Feindschaft ggü einer Religion, eher Feindschaft/Dämonisierung über diese Religion! So wie beim „Antikommunismus“ auch gelegentlich „der Charakter des Iwan“ hervor gestrichen wurde, da ging es auch um “das Slawische”, das Asiatische…und alte Rechnungen mit diversen osteuropäischen Völkern.32 Die Menschenfeindlichkeit und Xenophobie hinter “Islamkritik” zeigt sich zB, wenn auch gegen Nicht-Religiöse und gut Integrierte Ressentiments geäussert werden, zB ggü dem ÖVP-Politiker Habassi, von Leuten wie Ursula Stenzel. Über die Sache mit der Konfessionalisierung, dem Herunterbrechen von Thematiken auf die religiöse Ebene, ging es schon im Teil III der AS-Abhandlung. Aber auch in früheren Artikeln bei Tiara, etwa hier. IKG-Chef Deutsch hat, in Richtung Islamisten, gesagt, ein wahrhaft Gläubiger hat Achtung vor Andersgläubigen. Was eigentlich zu 100% stimmt; nur, für den Israel-Palästina-Konflikt ist das jedenfalls kein Lösungs- oder Erklärungsansatz. Dort geht es nicht um einen Religionskonflikt, sondern einen nationalen, wenn man so will. Nationalisten respektieren selten andere, nur wenn diese weit weg sind oder man einen gemeinsamen Feind hat, jedenfalls nicht wenn man um ein Land “streitet”.33

Es gibt jene Islamophoben, die sagen dass es keine Islamophobie gibt (und dass sie nur Fortschrittliches für die Moslems fördern und fordern) und jene, die sie voll ausleben und dazu stehen. “Ted” Cruz, sagte über Obamas Anti-IS-Strategie, dieser setze auf moderate syrische Rebellen, die aber wie „lila Einhörner“ nicht existierten. Andere haben bezüglich Syrien ihren Farid Ghadry oder unterstützen al Nusra (nicht weil sie glauben, dass die so gut für Syrien sind, sondern gut für sie) oder nehmen Partei für die dortigen Kurden. Islamismus dient leider immer wieder als Rechtfertigung/Vorwand für schonungslose Repression, ob bei Karimov in Usbekistan oder bei Netanyahu. Oder als Rechtfertigung bzw Entlastung des eigenen Nationalismus’/Rassismus’. Die Stunde des Islamismus ist die Stunde der Islamophoben, beide “Lager” wollen gerne die Grenze zwischen Islam und Islamismus einreissen, würden gerne eine Integration von Moslems im Westen verhindern; AfD wie Salafisten sind von Burka-Trägerinnen gewissermaßen entzückt, diese entsprechen ihrem Bild von Islam, beide haben ein Problem mit wirklich Fortschrittlichen.

Nun aber zu Jenen, die je nach Perspektive Reformer, Kollaborateure, Verräter, Helden, Selbsthasser, Feigenblätter, Opportunisten, ModerateÜberläufer (so wie diese), Meuterer,… sind. Jene, die Uzi(el) Davis, Mosche Hirsch, Uri(el) Avneri, Judith Butler,… vehement ablehnen (und jene “geisseln”, die das nicht tun), sind jene, die Mossab Youssef, Kazem Mousawi, Farid Ghadry, Najim Wali promoten. Jene, die Iraker dafür priesen, die nach dem Sturz Saddam Husseins jubelten, zeigen immer wieder verzerrte Bilder jubelnder Palästinenser… Jene die Azmi Bishara oder Mordechai Vanunu als “Verräter” (an Israel) verdammen34, sehen Jonathan Pollard als “Held” (und fordern seine Freilassung), oder Eli(ahu) Cohen.35 Und: Jene, die sich aktuell über das neue Staatsbürgerschaftsgesetz in Indien aufregen (das moslemische Einwanderer benachteiligt), dürften kaum Leute sein, die mit der tatsächlichen Diskriminierung von Christen, Hindus, Sikhs, Buddhisten, Jainas und Parsen/Zoroastriern ggü Moslems in Afghanistan, Bangla Desch und Pakistan (die dem Gesetz gewissermaßen zu Grunde liegt) ein Problem haben.

Oder Südafrika: Nelson Mandela wurde für “Hochverrat” verurteilt, bei Dieter Gerhardt (> II) war es ähnlich; das Apartheid-Regime und seine Unterstützer (in Europa,…) wiederum suchten unter den Nicht-Weissen des Landes “Kollaborateure”, die gewissermaßen ihre “nationalen” Anliegen verrieten.36 Wenn Apartheid-Befürworter alle Schwarzen so respektiert hätten wie jene, die sich gegen die allgemeinen Interessen der Schwarzen stellten, wäre der Konflikt dort eigentlich gelöst gewesen… Wenn Zionisten alle Palästinenser so respektieren würden wie “Aushängeschilder” wie Mossab Yousef und Ahmed Mansour, dann gäbe es gar keinen „Nahost-Konflikt“ (mehr). “Aushängeschilder”, die sich ausserhalb jeden Konsenses stellen, wie es Ariel Muzicant bezüglich Uri Avneri formuliert hat…gnadenlose Verneiner berechtigter Interessen der (ihrer) Mehrheitsgesellschaft (R. Giordano). Kollaborateure/Nutzniesser gibt es bei jeder noch so schlimmen Herrschaft, es gab auch Polen die mit Nazi-Deutschland kollaborierten. 1733 ein Sklaven-Aufstand auf den Inseln des damaligen Dänisch-Westindiens (siehe) in der Karibik, den heutigen US Virgin Islands.

Genauer auf St. Jan (heute St. John). Franz Claasen war ein Sklave, der damals loyal zur Van Stell-Sklavenhalterfamilie blieb…und als Lohn 1738 von dieser (nach der Niederschlagung der Rebellion) zum ersten farbigen freien Landbesitzer der Insel gemacht wurde. Man könnte das auch als “Appeasement” oder so sehen. Es ist aber oft nicht so einfach, zu urteilen, einzuteilen,… Michail Baryshnikov, der russisch-lettische Tänzer, setzte sich zu SU-Zeiten in die USA ab, fand dort sicher eine Form von Freiheit, die er in seiner alten Heimat nicht hatte. Edward Snowden aber setzte sich aus der USA nach Russland ab, um einer Verfolgung aufgrund seiner Veröffentlichungen über die Praktiken der NSA zu entgehen. Es gab/gibt viele Kubaner die sich in die USA absetzten, es gibt aber auch JoAnne D. Byron (Assata Shakur), eine US-amerikanische militante Politaktivistin, die in den 1970ern wegen Mordes verurteilt wurde und nach Cuba floh; dort einen sicheren Hafen fand. Es gibt, nebenbei, auch jene rechten Amerikaner, die auch mit den Exil-Kubanern in Florida (bes. Miami) keine Freude haben, obwohl die durch die Bank für einen Umsturz in ihrer Heimat sind; sie als Teil einer grösseren “Latino-Plage” sehen… (Res)sentiments dieser Art werden wir uns noch genauer ansehen. Fälle, wo auch eine Art Anbiederung nicht hilft, auch kein Abstreifen seiner ethnisch-kulturellen Identität, keine Unterwerfung.

Es gibt Leute aus/in der islamischen Welt, die in einer “Anbiederung” ggü Israel ihre nationalen Anliegen gut “aufgehoben” sehen, zB manche (Exil-)Iraner, die die Nase voll haben von der islamistischen Diktatur in ihrem Land (siehe). Oder der libanesische Schriftsteller Said Aql, der ein pan-arabisches Nations-Konzept ablehnte, einen libanesischen Nationalismus vertrat, mit Betonung auf dem vor-arabischen, vor-islamischen Erbe, v.a. jenem der Phönizier.37 Und solche, die diesen Weg gehen, legen oft (als eine Art Vorausleistung) eine Extraportion Verachtung ggü Palästinensern oder auch ihrem Herkunftsland oder … an den Tag, stellen sich in Diensten neokonservativer/nationalistischer/bellizistischer Kampagnen, die keine Abgrenzung zum rechten Milieu haben…und mit denen man am Ende erst recht beim Appeasement ggü Saudi-Arabien landet! Ja, es gibt auch solche, die Islamismus nicht verharmlosen (und gerade deshalb KSA kritisch sehen…), aber auch den hysterischen Hetzern der “Gegenseite” widersprechen. Malala Yousefzai verurteilte zB Donald Trumps Einreiseverbot für Bürger gewisser moslemischer Staaten in die USA; Salman Rushdie nahm auch gg Trump und so manches Andere Stellung…es waren Islamisten, die ihn zum Held der Islamophobie machten.

A propos Malala…so wie sie (vermeintlich ist) wünschen sich Leute wie Samuel Schirmbeck oder Stefan Herre Frauen aus der moslemischen Welt, wehrlos, ein Opfer bzw Instrument, von ihnen zu beschützen, für sie die Beteuerung weisser männlicher Vorherrschaft, gleichzeitig die Erfüllung einer Art exotischer Erotik. Wenn man “Ehrenmorde”, “Zwangsheirat” und “Dunkelziffer” schreibt, kann man eigentlich nur gewinnen, man ist automatisch auf der Seite der Guten und eine Art Aufdecker von Ungeheuerlichem, egal was man dabei im Schilde trägt. Jene Deutschen/Österreicher aus dem islamophob-zionistischen Milieu reden auch gerne über „Rechte von Muslimas“, wenn es aber zB um die junge Palästinenserin Ahed Tamimi geht…38 Oder um die Iranisch-stämmige Moderatorin und Kommentatorin Enissa Amani (nicht die Art von Exil-Iranerin, mit denen sich Grigat gerne schmückt), die den rassistischen AfD-Politiker Andreas Winhart das nannte, was er ist, und dafür von ihm geklagt wurde.

Da ist Gal Gadot39 als „Wonder Woman“ (2017 Hollywood-Film) bekömmlicher, und der der “Feminismus” der „weissen Herrinnen der Plantage“, der Hillary-Clinton-Feminismus – dazu ein empfehlenswerter Artikel. An der Puertoricanerin Alexandria Ocasio-Cortez und der Afro-Amerikanerin Ayanna Pressley (Congress-Abgeordnete USA für die DP) sieht man, wie Ressentiments ggü Leuten aus der moslemischen Welt auch auf andere Südländer(innen) “ausgedehnt” werden, in diesem Fall jene ggü Ilhan Omar und Rashida Tlaib, ihren Abgeordneten-Kolleginnen. Diese jungen US-amerikanischen Politikerinnen formulieren eine selbstbewusste Gegenpolitik zu Präsident Donald Trump, werden genau dafür von diesem, Fox, ihren Anhängern und Appeasern angegriffen, diffamiert. Manche wissen auch nicht genau, wie sie Frauenrechte ideologisch in Stellung bringen sollen; weil Feministinnen schwächen ja europäische Männer (so wie “Gutmenschen” Landesverräter sind, deren Liberalismus aber dennoch den „zurückgebliebenen Orientalen“ gegenüber gestellt.40

Die Einen sagen, das Problem mit moslemischen Frauen seien ihre Verhüllungen bzw dass sie dazu genötigt werden, die Anderen dass sie so hässlich sind… “Flexibel” sind auch Haltungen ggü Christen in Vorderasien-Nordafrika, nicht nur ggü Armeniern und dem Völkermord an ihnen. Denn, unter “Umständen” (welchen?) gilt ihnen nicht die “Solidarität”, die “man” bezüglich ihnen hier (angeblich) hat. Bei Azmi Bishara aus Nazareth zeigt sich zB, dass es einem Palästinenser gar nichts hilft, nicht moslemisch zu sein (oder israelischer Staatsbürger)…man ist trotzdem das Andere, bekommt das ab, was eigentlich für Moslems gilt, wenn man selbstbewusst palästinensische Anliegen formuliert. Es zeigt sich, dass sich bei Islamophobie Religion/Kultur/Rasse/Ethnizität/Politisches vermischt. Der katholische Palästinenser Bishara kämpfte um Gleichberechtigung, um Israel als „Staat für alle seine Bürger“, gegen das Primat von Israel als “jüdischem Staat”41. Nicht-Appeaser wie er werden als „radikal“ oder „provokativ“ abgestempelt. Zuerst die Versuche des Ausschlusses seiner Partei Balad von Wahlen42, es wurde angeführt dass Bishara „gegen Israel als jüdischer und demokratischer Staat“ sei… Genau gegen diese Vermengung (“jüdisch”, “demokratisch”) engagierte er sich, gegen die (undemokratische) Diskriminierung von Nicht-Juden.

Dann kamen Vorwürfe der Spionage für libanesische und syrische Organisationen bzw Staatsorgane, nach einer Reise in diese Länder nach dem Krieg 06 (Israel, Gaza/Hamas, Libanon/Hisbollah), und nachdem seine parlamentarische Immunität aberkannt wurde, ging er ins Exil.43 Wenn Bishara oder andere israelische Palästinenser Anliegen von Palästinensern im Westjordanland, dem Gaza-Streifen oder der Diaspora äusser(te)n, äusser(te)n israelische Politiker oder Kommentatoren auch immer wieder Vorwürfe wie “Terror-Propaganda”. Im IT (zB bei Youtube-Kommentaren) sieht man, wieviel Hass sich über ihn ergiesst. Ein anderer palästinensischer Christ, den Literaturwissenschafter Edward Said (der Protestant war, wahrscheinlich Anglikaner), war ebenfalls eine Hassfigur, ein Feindbild für jene Kreise, wo zB der österreichische “Anti”deutsche Gerhard Scheit wirken; der schrieb in „Bahamas“ mal gegen ihn.44

“Israel-Freunde” wie „feliks“ (> I) zB „thematisieren“ (in seinem Fall auf Wikipedia) Länge mal Breite Diskriminierungen von Christen unter den Palästinensern, um die „Araber“ als zurückgeblieben und unzivilisiert darzustellen, und die israelische Besatzung als das nicht eigentliche Problem. Obwohl diese Christen für sie auf einer ebenso niedrigen Stufe stehen, und um abzulenken von der israelischen “Behandlung” der Palästinenser. Es gibt Leute, die sich für Süd-Sudanesen oder Somalierinnen oder Berber oder Kopten oder Kurden „engagieren“, aus dem selben Grund wie (ein Teil der) Buren in Südafrika zu Apartheid-Zeiten die schwarzen Völker des Landes möglichst spalten wollten, oder die Belgier im Congo nach dessen Unabhängigkeit auf die Sezession Katangas setzten. Die Süd-Sudanesen wurden von Israel gegen Sudan unterstützt, ihr Schicksal und das der Darfurer wurde in Pro-Israel-Propaganda herangezogen (um die Schlechtheit der arabischen und islamischen Völker45 zu demonstrieren, und um von der Unterdrückung der Palästinenser abzulenken)…aber wie Südsudanesen und Darfurer dann (als Flüchtlinge) nach Israel kamen, wurden sie gleich einmal als Problemmacher gesehen und behandelt.46

Der Widerspruch zwischen jenen, die zumindest die Amirseghdis und “Brigitte Gabriels” anführen (wollen), grosse aussereuropäische Ansprüche haben, zB Chinesen (oder Schwarzafrikaner) Moslems positiv ggü-stellen, wissen das Schächten auch jüdisch ist, und der „Krone“-Stammtisch-Fraktion47“. Assmilationistischer oder ausgrenzender Rassismus. Auf “Counterpunch” dazu: “Malcolm X reminded us that we had to be careful about the difference between the wolf and the fox. The wolf for black people was the hardcore, racist white folks with the hoods and clearly articulated stance in support of white supremacy. The fox, on the other hand, was the liberals who were supposed to be our friends. Their ultimate support for white supremacy was always just as deadly but sugarcoated in diversionary language like ‘humanitarian intervention’ and the ‘responsibility to protect.’ The game, according to Malcolm, was that black folks would recognize danger of the wolf and run from the wolf straight into the jaws of the fox with the consequence being just as fatal because both the fox and the wolf are members of the same canine family.”48

Guttmensch: “‘Schade’ findet Yahoo zum Beispiel, wenn einem Folgendes ‘nicht gefallen hat’: Ein Kommentator begrüßte den gestrigen Terroranschlag in Kenia, weil er sich freut, wenn ‘die sich gegenseitig abschlachten’, dann kämen sie wenigstens nicht nach Deutschland.” Es gibt ja auch Jene, die versuchen, aus solchen islamistischen Anschlägen Profit zu ziehen und verkünden, man stehe “Schulter an Schulter” mit Kenia (Kenya) gegen diesen Terror. Im Baha’i-Artikel wurde schon eine gewisse Rhetorik bezüglich dieser Religionsgemeinschaft behandelt; zum Beispiel ein Kommentator auf “Der Standard”: „…wären erste wenn ich an gott glauben würde; sie sind zu zivilisiert und fortschrittlich und gut gebildet für die monster in Teheran; 300.000 könnten doch leicht fuss fassen in europa und-oder usa. der baha’ismus kann durch das christentum gut toleriert werden, aber im iran sind sie völlig ausgeliefert. also kommt in den westen baha’i brüder und schwestern..” Nun, es gibt hier Viele, bei denen sie nicht willkommen sind, aufgrund ihrer Rasse (“poop colour skin” > III), ihrer Sitten („Multikulti”), Gegnerschaft ggü jeglicher Einwanderung (aus nicht-weissen Ländern)…

Ein gegen den in Deutschland lebenden iranischen Rapper Shahin Najafi von islamischen Grossajatollahs verhängte “Todesdekret” zog einen Aufruf österreichischer Autoren nach sich, in dem sie sich mit dem Musiker solidarisch erklären. Es gibt aber auch jene (unter denen, die erklären den Islamismus bekämpfen zu wollen), die diesen Rapper aufgrund seiner Musik, Herkunft,… nicht akzeptieren könn(t)en.49 Hindus und Sikh’s: Im südasiatischen Kontext meist Gegner “der Moslems”, daher von Manchen positiv affirmiert; aber: Turbane, braune Haut, orientalische Sitten,… Und: In den “Yahoo”-Nachrichten mal: „Homeland“-Star 50 darf nie wieder in die Heimat…könnte in ihrer Heimat Iran verhaftet werden”. Es gibt auch Leute (wohl auch unter den Lesern dieses Artikels), die ein Problem mit Persern/Iranern hier haben…bzw mit dem Land an sich (auch ohne Mullahs an der Macht). Und: In „Homeland“ (wo Bonyadi also mitwirkte) gibt es eine Form von Hetze.51

Auf Youtube schrieb Einer: ”Wenn israelische Soldaten eine palästinensische Schwangere töten, sind 2 Fliegen mit 1 Schlag erlegt.” Die andere “Denkrichtung” ist es ja, Palästinenserinnen als Opfer ihrer Männer darzustellen, und israelische Soldaten gewissermaßen als antifaschistische Partisanen. Broder sagt in seinem „Kapitulieren“-Buch52, wenn ein Steirer seine Tochter umbringt, ist er dran wegen Mord, wenn ein Araber in Deutschland dies tut, bekäme er milderne Umstände, in “Berücksichtigung seiner Kultur”. Da also auch die Insinuation, dass einem die am Herzen lägen… Wenn “orientalische” Frauen aber den Mund aufmachen (wie Ilhan Omar), verlieren sie ihren Objektstatus, und Leute wie Ben Shapiro warten nur darauf, dass sie etwas daraus “machen” können. Ebenfalls auf Yt: “francisspencer”, ein AfD-Prolet, Osteuropäerinnen beschimpft er als “Kanakenweiber”, andererseits will er das “Abendland” in Griechenland/Nordmakedonien ggü Immigranten “geschützt” wissen.53 Über den schmalen Grat in der westlichen (insbesondere deutschen) Sicht auf Griechenland zwischen Abendland-Retter und Abendland-Gefährder hier. Die meisten von jenen, die Griechenland als das positive Gegenstück (zB) zur Türkei dargestellt/aufgefasst haben, sind durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Griechenlands hier weg gebrochen, Manche auch aus “Protest” gg angeblichen “antisemitischen” oder “antiwestlichen” Ressentiments/Aussprüche von Tsipras oder anderen Griechen. Südländer-Feindlichkeit dort wo kein Islam ist, zb bei Broder.

Noch ein Blick auf die gerade grassierende westliche Kurden-Solidarität. Eigentlich sind diese in der islamischen “Ecke”, jene in Deutschland etwa als Teil von “Jugendlichen mit ‚Migrationshintergrund’ in Neukölln“ verbunden mit einer „Linie mit al Qaida im Irak und die Intifada in Palästina” (Broder). Gilt die allgemeine Orient-Verachtung („Diarrhoestan“) auch ihnen. Saya Ahmad, eine Bezirksvorsteherin in Wien, ist (von der Herkunft) irakische Kurdin (oder kurdische Irakerin), für Rechts- und Linksislamophobe in dieser Stadt die das nicht so genau wissen, wird sie vorerst mal ein orientalischer Problemfall sein, nicht die Gute. Was die separatistischen Bestrebungen unter Kurden im 4-Länder-Eck Iran, Irak, Syrien, Türkei betrifft, der Grat zwischen Unterstützung oder Verdammung von Bestrebungen dieser Art (und in dieser Region besonders!) ist schmal, wie schon erwähnt (> Palästina), besonders wenn man “allgemeine” Demokratisierungs-Bemühungen mit berücksichtigt. Der Blick auf politische Gefangenen in Israel, Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran, und die Unterschiede dabei… Was sich bei Erdogan-Kritik so alles verbindet, wäre fast einen eigenen Artikel wert, aber wir wollen nicht zu weit abschweifen.54

Aber wir wollen noch einen Blick auf die deutsch-österreichische sowie zionistische Kurden-“Solidarität” werfen. Was Erstere betrifft, die geht von ganz Rechts bis Links, von Vilimsky (FPÖ)55 bis Kipping (Linke), überschneidet sich zT mit Israel-Soli. Gerade die „anti“deutsche Szenekombo stolpert dabei wieder mal über ihre eigenen Heucheleien und Widersprüche; instrumentalisieren verlogen die Baath-Regime-Giftgasangriffe auf Kurden im Nord-Irak, dabei wurde Saddam Hussein damals vom Westen unterstützt, haben die Briten in der Zwischenkriegszeit auch Giftgas gg irakische Aufstände eingesetzt, u.a. gg Kurden. Jene, die Diversität und Multikulturalismus (bei sich) bekämpfen/ablehnen, spielen deren Verfechter bzgl der Kurden in deren Ländern. Kurdische Ansprüche überschneiden sich auch oft mit solchen der Assyrer, beide erheben nationale Ansprüche auf das nördliche Mesopotamien. Zu separatistischen Bewegungen, Unterschieden zwischen ihnen und in der westlichen Haltung zu ihnen, im Tibet-Artikel.

Als Yahoo-Email-Konto-Inhaber kommt man ja immer wieder in die unangenehme Situation, die Meinung von Tobias Huch vorgesetzt zu bekommen, der sich Westasien/Nordafrika als Betätigungsfeld seines Chauvinismus’ ausgesucht hat, sich lieber darum “kümmert” als zB um das deutsche Kolonialerbe in Namibia. Spezielles Augenmerk widmet Tobias Israel (Projektionsfläche für viele Deutsche) und den Kurden (nur um sie gegen andere “Orientale” in Stellung zu bringen56). Er rühmt sich, die Gewalt “dieser Region” am eigenen Leib erfahren zu haben, behauptet regelmäßige Morddrohungen wegen seiner “journalistischen Arbeit” zu erhalten (“Daran habe ich mich beinahe schon gewöhnt“, meinte er tapfer). Vieles an ihm (auch die “Menschenrechts”-Heuchelei, oder, ein gefährlicher Deutsch-Chauvinismus hinter Deutschland-Schelte) erinnert an Osten-Sacken. Er idealisiert den kurdischen bewaffneten Kampf (besonders jenen in Syrien), ein Kommentar über Ausländerkriminalität zeigt dass er sich die kurdische Sache (oder was er dafür hält) so zu eigen gemacht hat, dass er dabei sogar bereit ist, innenpolitisch liberal zu tun, attackiert die Münchner Polizei und ihr Vorgehen gg kurdische und pro-kurdische Aktivisten. Es gibt ja auch Jene nach der Art von Sarrazin, die Kurden keinen Deut anders sehen als andere Orientale > “feindliche Übernahme durch den Islam” (auch durch sie).

Zum Beispiel Donald Trump. Der hat die militärische Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Militär und Kurden-Milizen in Nord-Syrien mit einem Gerangel zwischen zwei Kindern verglichen. „Manchmal muss man sie ein bisschen kämpfen lassen“, sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Texas… Huch glorifizierte Trump nach dessen Ausstieg aus dem Iran-Atom-Abkommen, schalt Obama, schrieb vom „Terrorstaat Iran“, versuchte Israel wieder sakrosankt zu machen. Zum von Trump heuer angeordneten USA-Truppenabzug aus Syrien jammerte er: “Mit Trumps Verrat an den Kurden57 scheitert die NATO”. Trump will das US-Militär nur noch solche Kriege kämpfen lassen, die der USA nutzen…58 Autsch! Die Kurden dort hätten ohnehin nur aus Eigeninteresse gegen den IS gekämpft und ein eigenes Territorium für sich gewollt. “Sie haben uns nicht im Zweiten Weltkrieg geholfen, sie haben uns nicht mit der Normandie geholfen.”

Huch, empört

Wenn Samuel Laster auf seiner IT-Seite über den kurdischen Musiker Siwan Perwer (“…seine Lebensfreude…”) schwärmt, ist das wie Günther Beckstein auf einer Veranstaltung von Griechen in München (“kulturelle Bereicherung”) – aus politischen Gründen etwas positiv affirmieren (im Moment), was man an Anderen ablehnt. Auf der “Herzliya-Konferenz” ’17 rief Israels Ministerin Ayelet Shaked zu einem kurdischen Staat auf, dieser sei integraler Teil von israelischen Bemühungen zu einer Umgestaltung des “Mittleren Ostens”… Ein (nuklear bewaffnetes) Israel, unterstützt von der Trump-USA, würde von Chaos in der Region profitieren. Auch weil die Sache der Palästinenser dabei von der “internationalen Gemeinschaft” noch weiter vernachlässigt werden würde. Auch kein Kurde würde unter diesen Bedingungen, die Israel geschaffen hat im “Gaza-Streifen”, leben wollen. Und es würde bei einem unabhängigen Kurdistan (in welchen Abgrenzungen?) einen weiteren “moslemischen” Staat geben (> III).59

Ein “Yehuda Mizrahi” auf Youtube: „WEST BANK IS THE LAND OF THE JEWS AND SAMARITANS WHOSE LAND WAS STOLEN WHEN THE ARABS INVADED OUR LAND IN 600 AD. Other Ethnic people that need to be Free from Arab oppression and occupation in the Middle East: THE PEOPLE OF ASSYRIA THE PEOPLE OF DARFUR, SUDAN THE BERBERS OF NORTH AFRICA, THE PEOPLE OF KURDISTAN“. Er versucht, diverses Orientalische als „israelisch“ zu affirmieren, und “Israel” als orientalisch, dabei auch dem Part eines Entmündigten, von aschkenasischen Zionisten Geretteten (vor den skrupellosen Moslems), des Kronzeugen für deren Schlechheit, zu entgehen. Im Gegensatz zu manchen anderen Mizrahis aber nicht durch Zugehen auf die Region (beginnend mit den Palästinensern), sondern durch eine andere Abgrenzung/Feindschaft zu ihr. Das steht im Gegensatz zum hegemonialen zionistischen Chauvinismus mit der Auffassung von Israel als Teil des (“freien”) Westens, Anprangerung/Ablehnung des “Orientalischen”. Dieser “Mizrahi” versucht, es zu verein-nahmen. 60

“Yehuda Mizrahi” kann es sich nicht leisten, Moslems generell auszuschliessen von den “Guten”, siehe Berber oder Kurden. Diese glaubt auch er, gegen deren Staaten “in Stellung bringen” zu können. Mit seinem „Araber“-Konzept versucht er einen Teil der Widersprüche die sich bei ihm auftun, zuzudecken. Also, die Palästinenser als Nachfahren der Araber die im 7. Jh von Syrien kommend das damals byzantinische Palästina einnahmen zu affirmieren (somit als “Invasoren”, “Besatzer”), die Juden die im 19./20. Jh kamen, als “Autochthone”, Nachfahren der durch die Römer grossteils vertriebenen Juden/Israeliten. Gegenwehr zum Zionismus/Israel stellt er in eine Reihe mit dieser arabischen Eroberung. Nun, Saudi-Arabien, das arabischste arabische Land ist ja der wichtigste israelische Verbündete in der Region (wird immer wichtiger)61. Aber, mit “Demokratie” oder “Schwulenrechten” argumentiert dieser “Mizrahi” ohnehin nicht, im Gegensatz zu anderen (v.a. deutsch-österreichischen) Zionisten, auch nicht mit der gewissen Sorte Exil-Iraner, oder palästinensischen Feigenblättern wie Mossab Youssef. Über jene Darfurer, die nach Israel gekommen sind, ging es hier ja schon… Bezüglich der Kurden gibt es zB auch noch die Option der Kemalisten (so wie ggü Ägypten Kopten oder aber Sisi/Mubarak als “Partner”).

Noch einmal zur Idealisierung der Kurden in manchen Kreisen: Die Sürücü-Familie ist kurdisch, ebenso jener türkische Asylbewerber der heuer in Vorarlberg einen Beamten ermordete, Susanna in Wiesbaden wurde von einem kurdisch-irakischem Täter ermordet (dieser Fall wurde auch gehörig politisch instrumentalisiert), und kurdisch sind zT auch jene arabische Clans in Deutschland/Berlin kriminell aktiv sind.62 Der syrische Kurde (oder kurdische Syrer) im Exil Rafi Rachek machte heuer bei „Bachelor in Paradise“ sein Outing als Homosexueller, mit Hinweisen auf „meine Kultur”, “meine Familie” (von ihr verstossen). Mely Kiyak, eine kurdische Türkin in der BRD, ist auch nicht eben das, was sich ein Ostensack von Kurden erwartet.

Teile der Völker der Region Vorderasien-Nordafrika befinden sich in einer Situation zwischen dem Amboss des Islamismus und dem Hammer des USraelischen Imperialismus. Nach dem Aufstand nach der Wahlmanipulation 09 sahen sich Manche gezwungen, Anti-Regime-Iraner von den Bösen auszunehmen, hier etwas zu differenzieren.63 Der Versuch der Vereinnahmung (auch hier), “meiste Iraner wollen Demokratie“ wurde/wird als Argument für einen Krieg gegen Iran eingesetzt, die Anliegen und Probleme der iranischen Bevölkerung, für die man sich angeblich interessiert, dien(t)en nur als Staffage/Kulisse zur Promotion eines Weltbildes. Manche Iraner geben sich in ihrem Engagement gegen das Regime zu “Bündnissen” mit Feinden des Landes an sich her. Manche behaupteten eine Deckung der Interessen der Grünen Bewegung Irans mit jenen der Zionisten; die USA war unter Obama nicht mehr der Gute.

Iranisches Pro-Israel sowie Pro-Israel allgemein geht ganz ohne Demokratie, und israelische Iran-Verbindungen (> letzter Schah, MEK,…) sowie ihre Orient-Verbindungen allgemein gehen auch ganz ohne Demokratie und dergleichen, wovon ja auch das Verhältnis mit Saudi-Arabien zeugt. Normalerweise wird da mit Despoten gekuschelt, nicht Dissidenten geholfen… Als sich um 2010 in einigen islamischen Ländern Leute erhoben um für eine Demokratisierung ihres Landes zu kämpfen, kam aus dem Westen und Israel verhaltene “Begeisterung”, wurde “gedämpftes” Interesse an einer Demokratisierung gezeigt, etwa bezüglich Ägypten, viel Skepsis und Furcht, auch von Linken. Viele plädierten dafür, um der “Stabilität” willen (welcher?) lieber weiter auf Autokraten zu setzen (manchmal geht’s um wirtschaftliche Interessen), die „Sicherheit Israels“ wurde dazu vorgebracht.

Ausgerechnet jene, die immer wieder das “Appeasement” des Westens gegenüber der “islamischen Welt” beklagen, waren (sind) nun auf der Seite von deren reaktionären Herrschern. So war und ist es ja auch bei der Türkei, mit den jahrzehntelang herrschenden Kemalisten und Militärs. Klaus-D. Frankenberger von der “FAZ” gab damals in einer TV-Journalisten-Diskussion ein Bekenntnis zu Bushismus, “Israel”, “Stabilität” ab, zur Durchsetzung westlicher Interessen ab – womit er ja sagt,  dass diese keine universalistischen sind, wie gerne behauptet, dass Demokratisierung und Unabhängigkeit von Nicht-Weissen64 im Gegensatz dazu stünden… In Diskussionsforen wurden um Demokratie kämpfende Libyer oder Ägypter nicht von der gewalttätigen Staatsmacht sowie Islamisten unterschieden, als “gewalttätig” markiert, sie sollten sich „gegenseitig umbringen“.

Es gibt unter Iranern die Volks-Mujahedin/Mujahedin-e Kalq (MEK), die mit Kräften wie Israel paktieren, aber auch manche Monarchisten, Separatisten und Nationalisten, Naive unter Demokraten. Die MEK hatten gegen das mit Israel verbündete Schah-Regime gekämpft, in den 1970ern mit der PLO gegen Israel zusammmen gearbeitet, waren bei der Stürmung, Besetzung und Gefangennahme (in) der USA-Botschaft in Iran 1980 (und überhaupt in der frühen Phase von Khomeinis Herrschaft über Iran) beteiligt, kämpften später an der Seite von Saddam Hussein, galten als islamisch inspirierte Terrororganisation… Heute werden sie vom zionistisch-neokonservativen Lager gehätschelt, gegen den Iran in Stellung gebracht. Sie sind übrigens auch unter den iranischen Kurden (die ja auch umworben werden) unbeliebt…65 Das ist einer der vielen Widersprüche hier.66 Es gibt ja Jene, die behaupten, dass sie es mit dem Iran gut meinen (und das woran sie arbeiten, in Wirklichkeit der “Befreiung” der Iraner diene), und dann gibt es solche: “israel and ans USA needs to start supporting the anti-iran,anti-regime elements in iran like PJAK and AZERI freedom seeking organizations there are 30 million azerbaijanis in iran who want liberation..and Kurds are already fighting..let iran divide and fall then attack it will be a piece of cake!”67

Wir kommen nun zum Antisemitismus-Diskurs; zunächst zu Unterschieden zwischen früher und heute. Der Fall Philipp Auerbach, und seine (heutige) Wahrnehmung/Wiedergabe: Als Jude (evtl war er mit Reich-Ranicki verwandt) kam Auerbach in ein KZ (wurde dann immer wieder als “Kapo” verdächtigt). Unter der Verwaltung der Alliierten über Deutschland (in Bayern war das die USA68) wurde er ’46 bayrischer Staatskommissar für Verfolgte, als solcher für Wiedergutmachung, Entnazifizierung und Flüchtlinge zuständig. Er war auch im jungen Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) aktiv. Auerbach agierte „unbürokratisch“ (kompetenz-überschreitend,…), brachte VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten), jüdische Funktionäre, das US-Militär, das Bundesland Bayern (Justizminister J. Müller) gg sich auf. Bekam eine Anklage u.a. wg Betrug, Untreue, Erpressung, wurde wg einiger der Anlagepunkte verurteilt zu einer Geld- und Gefängnisstrafe, verübte Selbstmord kurz nach Urteilsverkündung ’52.

Der de.wikipedia-Artikel gibt zT das wieder, was Historiker wie Kraushaar darüber schreiben, zT werden Sachen ohne Beleg behauptet und beurteilt. Auerbach wird im Sinne seiner eigenen Analogie zu Dreyfus, nicht als Betrüger sondern als Opfer deutschen Nachkriegs-Antisemitismus’ dargestellt, alle Prozess-Beteiligten hätten mehr oder weniger NS-Vergangenheit gehabt, auch Müller (obwohl im katholischen Widerstand), Gerichts-Zeugen wird die Glaubwürdigkeit abgeredet, auch die Medien hätten sich gg ihn verschworen, es wird von einer angeblichen späteren Rehabilitierung berichtet. Nicht erwähnt wierden, dass Auerbachs Anwalt Klibansky die Anklage darauf zurückführte, dass sich Auerbach mit jüdischen Organisationen und dem kommunistischen VVD zerstritt und die Konflikte innerhalb der jüdischen Gemeinde München, etwa zwischen dem “assimilierten” Auerbach69 und Rabbiner Ohrenstein, einem Freund Müllers; oder auch Auerbachs Mitarbeiter die ebenfalls in Betrügereien verwickelt waren (zB Ingster), evtl für einen Teil derjenigen verantwortlich waren, die Auerbach zu Last gelegt wurden.

Schnitt. Erich Kocina, österreichischer Journalist (“Die Presse”), nicht besonders hell: „Den wesentlichen Unterschied von Antisemitismus und ‘Islamophobie’ negieren [Wolfgang] Benz und seine Autoren: Während der Antisemitismus jeglicher Ratio entbehrt, gibt es im Islam – zumindest im Integralismus – sehr wohl kritikwürdige Ansatzpunkte, was im ggstl Jahrbuch durch eine wissenschaftlich nicht repräsentative Umfrage unter Jugendlichen in Berlin mit palästinensischem und libanensischem Hintergrund eigenartigerweise auch belegt scheint“. Das Wesen der Islamophobie besteht ja nicht zuletzt darin, Leuten aus islamischen Regionen Islamismus anzuhängen, sie (und ihre Anliegen) damit (p. c.) zu diffamieren. Islamophobie ist Feindschaft ggü Subjekten, nicht Feindschaft ggü Religion, Feindschaft/Dämonisierung über diese Religion. Und das Wesen des AS-Diskurses besteht nicht zuletzt darin, Leute/Anliegen zu diffamieren, indem man ihnen AS versucht anzuhängen.70

Wieso ein Kocina einen moslemischen Entlastungsantisemitismus braucht, wird (eigenartigerweise) auch klar. „Anstatt sich mit klaren Worten vom Holocaustleugner Williams zu distanzieren71 laviert der Geistliche herum und läßt durchblicken, dass seiner Ansicht nach das Verbotsgesetz die Meinungsfreiheit einschränken würde. Da lobe ich mir den Pfarrer Wagner in Windischgarsten, der sehr klare Worte der Ablehnung gegen Williams findet – ganz im Gegensatz zum von der Gutmenschenpartie zum Heiligen hochstilisierten Ungenacher Pfarrer Friedl, der offenbar ein Unterstützer Williams zu schein seint.“ Über diesen Wagner aus dem Islamophobie-Artikel: Der Windischgarstner Pfarrer Wagner, der Linzer Bischof werden sollte, zeigte seine erzkonservative Haltung gegenüber Frauen, Homosexuellen wie auch dem Islam. Den Hurrikan “Katrina” 05 interpretierte er, wie Islamisten, als Strafe für die USA. “Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden”. Bei der Erdbeben-Katastrophe in Haiti sah er auch das Werk eines strafenden Gottes: “Es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind.” Weiters wünschte er sich eine Volksabstimmung wie in der Schweiz, wo sich eine Mehrheit für ein Verbot von Minaretten aussprach.

Tja, und in Grossbritannien gab es in der Labour Party (LP) eine “Antisemitismus-Krise”. Es wurden/werden (von wem?) “Antisemitismus”-Vorwürfe gegen Parteiführer Jeremy Corbyn und die Partei erhoben. Corbyn wird eine “einseitige Unterstützung der Palästinenser” im “Nahost-Konflikt” vor geworfen72, nicht “entschlossen genug” gegen “antisemitische Tendenzen in den eigenen Reihen” vorzugehen. Und, es geht um um “Hassbotschaften”, die von vermeintlichen Labour-Mitgliedern in IT-Foren gepostet wurden; zumindest ein Teil der Postings gehen aber falsche Profile (hauptsächlich auf Twitter) zurück, hinter denen die selbe Person oder Organisation zu stehen scheint… In der “Krise” geht es hauptsächlich um Palästina-Solidarität bzw ihre Diffamierung. Corbyn hatte auf Twitter geschreiben, dass eine LP-Regierung Palästina als Staat anerkennen werde. Das sei ein Schritt zu einer wirklichen Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt. Dies und Kritik an der israelischen Besatzungspolitik hat u.a. Netanyahu wütend gemacht… Ausserdem hat sich die LP unter Corbyn geweigert, die “Antisemitismusdefinition” der International Holocaust Remembrance Alliance zu übernehmen…

Luciana Goldsmith (Berger) und Andere (Umunna,…) von den Labour Friends of Israel haben die LP nach dem “AS-Skandal” verlassen. Vor der britischen Parlamentswahl heuer hat Premier Boris Johnson (Conservative and Unionist Party/CUP) Corbyn ggü auch die Vorwürfe übernommen. Dieser hat zwar rassistische Äusserungen von Johnson thematisiert, ist aber insgesamt eingeknickt, brachte bzgl der AS-Vorwürfe mea culpas. Nach der Wahlniederlage vor Kurzem steht er ohnehin vor einer Ablösung, als LP-Chef und Oppositionsführer. Im März 19 haben führende Vertreter der jüdischen Gemeinden in Grossbritannien in einem Brief an Labour “offenen Antisemitismus” behauptet. Besonders Parteichef Corbyn ergreife immer wieder Partei für “antisemitische Positionen”, sei „ideologisch so sehr auf seine weit links stehende Weltsicht fixiert, dass er den jüdischen Gemeinschaften der Mitte instinktiv feindselig gegenübersteht“. Darum geht es also auch, ein LP-Chef, der etwas linker ist… Was ja wieder völlig unter den Tisch fällt, ist dass Pro-Israel-Einstellungen auch in GB bei der Rechten angesiedelt ist (> II), die “AS”-Keule auch hier (erfolgreich) zur Diffamierung von Palästina-Solidarität verwendet wird, und der Rassismus im Umfeld der CUP – auch im Grenzbereich zu noch Rechteren, zum “white nationalism”. Siehe zB jemanden wie Dennis Walker, und die Netzwerke, denen er angehört und in denen er partizipierte (Western Goals Instititute,…).

Der Artikel über die (Geschichte der) Juden in Nicaragua in der englischen Wikipedia, auch sehr aufschlussreich bzw anschaulich, da wurde auch versucht, ein Bild zu verbreiten. Zum Beispiel: “There was much hostility between the Sandinista government, which came into power in 1979, and the Jews. This was mostly due to the Sandinista government’s close relationship with the Palestine Liberation Organization.” Israel hat (wie die USA) das voran gegangene Somoza-Regime unterstützt; daraus ergab sich (zB) eine Verbindung zwischen der FSLN und der PLO. Auch im Fall Südafrika versuchte man das zu verdrehen73 Die sandinistische Regierung war auch nicht “feindselig” ggü den Juden Nicaraguas, sondern allenfalls ggü Israel. Es wird dann ein Erdbeben erwähnt, nach dem die sandinistische Regierung unter Ortega “jedes jüdische Eigentum konfiszierte und die Gemeindeführer einsperrte”. Das angesprochene Erdbeben war aber 1972, zu Zeiten Somozas, der Umsturz 1979… Und Gemeindeführer Gorn wurde, wie andere Somoza-Günstlinge, für seine Verbindungen mit dem Somoza-Regime (die Vermittlungen bei Waffenkäufen von Israel mit einschlossen) zur Rechenschaft gezogen, nicht für seinen ethnisch-religiösen Hintergrund. Genau das versucht man, durcheinander zu bringen.

Dieser Kniff spielt in der Regel eine Rolle in der israel-zentrierten “Antisemitismus”-Auffassung, man versucht verzweifelt, Israels Politik (auch die Verbindungen mit solchen Regimen) mit “AS”-Anschuldigungen in Schutz zu nehmen. Beziehungsweise, Thematisierungen dessen, Kritik daran, das Kleid des „Antisemitismus“ überzuziehen – siehe auch den Abschnitt über “AS-Studien”. Nachdem Jörg Haider 08 mit seinem Auto (am Weg von Klagenfurt ins Bärental) alkoholisiert mit überhöhter Geschwindigkeit tödlich verunfallte, blühte(n) unter seinen Anhängern nicht nur die Helden- bzw Heiligenverehrung, sondern auch Verschwörungstheorien bzgl seines Unfalltods, auch noch über 10 Jahre danach. Übrigens auch bei pi-news.de. Ein „Anschlag vom Mossad“ sei es gewesen, heisst es da, dass Haider ein Sündenbock gewesen sei,… Man fordert lieber “Aufklärung” darüber, wer ihm vor der Todesfahrt was ins Getränk getan haben könnte oder sein Auto abgedrängt, manipuliert,… Anstatt sich damit auseinander zu setzen, dass ihr Idol homosexuell war und schwer betrunken Auto fuhr. Ähnlich ist es bei “Israel-Kritik”, auch hier kommen immer solche Gegenbeschuldigungen, Verdächtigungen, Verschwörungstheorien, nur um sich nicht dem Tatsächlichen stellen zu müssen.74

Auch nach den „Ibiza-Enthüllungen“ und dem Zusammenbruch der Koalition mit der Kurz-ÖVP stellt sich die FPÖ als Opfer dar (v.a. in sozialen Netzwerken), wurde/wird „Jetzt erst recht“ als Parole ausgegeben. Jaja, eine „besoffene Geschichte“ war das, eine „Intrige von linken Gegnern“, eine Verschwörung gegen die erfolgreiche Regierungspartei. Dass Strache damit nicht durchkommt, oder dass Westenthaler ins Gefängnis musste, zeigt in Wirklichkeit, dass der österreichische Rechtsstaat trotz Allem einigermaßen funktioniert, und nicht, dass eine Jagd auf die Guten statt findet oder dass das Böse herrscht. Reinhard Rebhandl (FPÖ Salzburg) gilt als „rechtsextrem“ bzw wird dessen verdächtigt, im Landtags-Wahlkampf 18 hatte ihn Landespartei-Chefin Svazek massiv verteidigt. Sie bezeichnete diesbezügliche Medienberichte als „Menschenjagd“ und bezeichnete das Mauthausen-Komitee (MKÖ), das auf Rebhandl aufmerksam machte, als „linken Agitationsverein.“ Und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (der es ja zum Vizekanzler gebracht hat) fühlt sich medial verfolgt, im Zhg mit seinen Spesenabrechnungen, beklagt in einem Facebook-Posting „Hetze“…

Kritik israelischer Politik ist nicht mehr “antisemitisch”/”anti-jüdisch” als Kritik an Putins Regime “anti-slawisch”/”antirussisch”. Oder Kritik an Saudi-Arabien “islamophob”. Eine kritische Auseinandersetzung mit Merkel ist was? „Deutschland-Kritik“, “Anti-Germanismus”? Wenn israelische Mafiosi von einer rivalisierenden Bande in Mexico getötet werden (wie im Juli 19) oder es in Israel einen Banküberfall gibt, sind das auch antisemitische Aktionen? Darf man eigtl Netanyahus Korruptionsanklage in Israel thematisieren? Oder nur im Zhg mit einer Preisung des “israelischen Rechtsstaats”? Er selbst sagt ja, es gäbe eine “Hexenjagd auf ihn, von der israelischen Linken75, den Versuch einer Machtübernahme…”. Darf man eigentlich den von Parteien wie Schas und Yahadut HaTora vertretenen jüdischen religiösen Fundamentalismus und seine Implikationen (Homophobie,…) thematisieren/kritisieren? Seine Auswirkungen auf Palästinenser natürlich nicht.

Bei einer “Nahost-Konferenz” in Paris ’16 wollten Vertreter aus rund rund 70 Ländern über einen Ausweg aus diesem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung beraten. Israel sass allerdings nicht mit am Konferenztisch. Die Konferenz verfolge das Ziel, “Israels Sicherheit” und “seinem guten Namen“ zu schaden, so Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. „Es handelt sich nicht um eine Friedenskonferenz, sondern um ein Tribunal gegen den Staat Israel…Das eine moderne Version des Dreyfus-Prozesses mit dem Staat Israel und dem jüdischen Volk auf der Anklagebank“. Netanjahu wird das Mandat der internationalen Beobachtermission in Hebron (TIPH) nicht verlängern. „Wir werden den weiteren Einsatz einer internationalen Kraft, die gegen uns agiert, nicht erlauben“. Die TIPH-Mission ist seit 1997 in Hebron aktiv. Sie wurde von Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde einberufen. Die unbewaffneten Beobachter sollten zu einem „normalen Leben“ zwischen palästinensischen Einwohnern und israelischen Soldaten und Siedlern beitragen. Die Organisation kam unter israelischen Beschuss, weil sie den Terror gg Palästinenser nicht hinnehmen wollte.

Israel wollte auch die Untersuchung seiner Siedlungspolitik durch den UN-Menschenrechtsrat mit aller Macht blockieren. Den Mitgliedern der Untersuchungskommission wurde die Einreise nach Israel verweigert. Man sehe “keinen Sinn” darin, mit einem “politisch motivierten Gremium” zusammenzuarbeiten. Die Schlussfolgerungen stünden ohnehin von vornherein fest. Lieber die bedingungslose Solidarität von Trump/Bolsonaro/Merkel/… 2018 hat die USA erstmals gegen eine jährliche Resolution der UN gestimmt, die Israel wegen der Besetzung der syrischen Golan/Jawlan-Höhen kritisiert. 151 Länder stimmten in der Vollversammlung in New York dafür, damit wurde die Resolution, die Israel zu einem Ende der Besetzung auffordert, verabschiedet.  Die USA hatten sich in der Vergangenheit bei dieser Resolution immer enthalten. Unter Trumps UN-Botschafterin „Nikki“ Haley, die eine ausgeprägt unausgewogene israelfreundliche Politik verfolgt, änderte sich das; die Resolution sei „nutzlos“ und „schlicht voreingenommen gegen Israel“, so Haley. Medien schrieben von einer „israelkritischen Resolution“…76

„Feindselig und voreingenommen“, “antisemitisch”,… im Endeffekt sind das alle realistischen Thematisierungen israelischer Geschichte und Politik. Wenn es irgendwo heisst „Keinen Platz für antisemitische Aktionen!“, kann man sicher sein, dass es um eine Thematisierung der israelischen Besatzungs- und Blockadepolitik geht. Der AS-Vorwurf als Schild; das Herausstreichen wenn ein solcher tatsächlich in Behandlungen des „Nahostkonflikts“ vorkommt, das bringt Entlastung, häufiger: das so Hindrehen. Wo politische Kritik am jüdischen Staat (oder dem Lobbyismus für ihn) tatsächlich in Judenfeindschaft umschlägt oder aus dieser motiviert ist, ist so kaum noch festzustellen. Mit Missbrauch des „Islamophobie“-Vorwurfs verharmlost und stärkt man echte Islamophobie, so ist es auch mit Antijudaismus/Antisemitismus. So hat die Verwendung des AS-Vorwurfs zur Diffamierung kritischer Betrachtung des Zionismus’/Israels wie jede Inflation eine Entwertung (in diesem Fall des Begriffes) gebracht. Mit der Verwendung ist natürlich auch eine Machtaneignung verbunden. Wie bei Vorwürfen eines “Rassismus gegen Weisse” geht es dabei auch darum, eine Opfer-Rolle einzunehmen bzw zu vergeben, wobei es dabei auf Kenntnisse, Stimmigkeit und Genauigkeit nicht ankommt.

Die IL-bezogene AS-“Definition” sorgt für “Widersprüche”… Alois Scheibenreif etwa, verstorbener Politiker der ÖVP NÖ (Bauernbund), soll Bruno Kreisky mehrmals antijüdisch beschimpft haben. Kreisky wird aber, aufgrund seiner anti-zionistischen Haltung, von Zionisten beständig „Antisemitismus“ unterstellt, zB auf “Hagalil”. Kreisky war also eigentlich selbst ein Antisemit (in der zionistischen Sicht), daher soll/darf so etwas ggü ihm eigentlich nicht zu sehr thematisiert werden – zumal in Zeiten, wo die Kurz-ÖVP (in der zionistischen Sicht) die Guten in Österreich sind. Im Fall der Türkei brachte der nationalistische Kemalismus in den 1930ern (verstärkt durch den Faschismus in Europa) neben anderen minderheitenfeindlichen “Ausbrüchen” auch solche gegen Juden. Wobei die Türkei von Europa ja nur lernen kann, oder?, der Kemalismus der reinste Fortschritt bedeutet ggü dem osmanischen Islam, und Nationalismus zumindest nach Zionisten wie C. Glick ja etwas Gutes ist.

Wie auch schon in den voran gegangenen 3 Teilen dieser AS-Abhandlung aufgezeigt, finden sich Ressentiments aus dem Fundus des alten Antijudaismus bei Zionisten verschiedener Art, werden diese von ihnen gelegentlich ermutigt (zB wenn es um die Einwanderung von Juden nach Israel geht), werden diese gelegentlich hingenommen, wenn sie mit einer pro-israelischen/zionistischen Haltung kombiniert sind77. Die Aussagen deutscher katholischer Bischöfe zur israelischen Besatzungspolitik auf ihrer Reise vor einigen Jahren, einer verglich die Zustände in den Städten dieser palästinensischen Rest-Gebiete mit dem Warschauer Juden-Ghetto zur Zeit der nazideutschen Besatzung Polens. Grosse Aufregung, die Israelis wurden dabei auch wieder als Nachfahren der Opfer der Nazis definiert, dadurch ergäbe sich der Versuch einer Relativierung der Nazi-Verbrechen (Graumann äusserte sich in diese Richtung). Etwas “Unangenehmes” (Befund über israelische Politik ggü Palästinensern) wird in das “alte Schema (Verfolgung,…) zu pressen versucht; auch die Hinweis auf das “Deutschtum” der Bischöfe durften nicht fehlen. Nur, bei jenen, die Nazi-Vergangenheit mit Proisrael bzw auf dem Rücken Palästinenser abarbeiten (oder apologetisieren…), kommt das alles nicht.

Man kann Kritik an Israel üben, diese wird dann aber in der Regel als „antisemitisch“ diffamiert, was existenz-bedrohend sein kann (> Finkelstein,…); bei Israel-Kritik gibt es immer ein „Ja, aber…“. Dass da nicht all zu viel zugebilligt wird, zeigen zB die Reaktionen auf Martin Schulz’ Knesset-Rede oder Schwarz-Friesels diesbezügliche Definitionen/Grenzziehungen. Schulz kritisierte nicht IL an sich, nur seine Besatzungspolitik, ganz sanft, und ist er dem AS-Geschmiere entgangen? Natürlich nicht. Was Schwarz-Friesel als „legitime Kritik“ durchgehen lässt, und was nicht, dazu noch mehr. Im “Tonfall” der Empörung werden immer wieder “Israel-kritische” Demonstrationen und Verlautbarungen aus aller Welt angeprangert, auch wenn es nur darum geht, universale Lehren aus Faschismus, Krieg, Totalitarismus des 20. Jh ziehen zu wollen (anstatt Lobbyismus). Im Zeitalter von Islamismus und Islamophobie ist eine solche Diffamierung natürlich sehr einfach, und wie gezeigt geht es ja auch Recken der Republican Party (USA), der FPÖ oder der AfD ja nicht um “Fremden”feindlichkeit , sondern um Frauenrechte und gegen Antisemitismus.

Je mehr jüdische oder nicht-jüdische Israel-Fans in die Defensive kommen (also wenn ihr idealisiertes Israel-Bild Patzer bekommt), desto schriller werden ihre Anwürfe und Diffamierungen, desto hysterischer ihr Umgang mit Tatsachen. Entsprechende Thematisierungen werden aus Angst, des Antisemitismus beschuldigt zu werden, ohnehin oft vermieden. In der implodierten deutschen Piratenpartei (Boris Turovsky, “A”D wie Julia Schramm,…) wurde überhaupt ein Verbot von „IL-Kritik“ gefordert, diese Einschränkung der Meinungsfreiheit als Maßnahme „gg Antisemitismus“ deklariert; am vermeintlichen anderen Ende des politischen Spektrums, bei der AfD, gab/gibt es auch Bestrebungen in diese Richtung (Fiechtner,…).78 Hexenjagd und die Diffamierungen ggü jenen, die ggü den Palästinensern nicht kalte Gleichgültigkeit an den Tag legen, zeigte sich auch anlässlich des Doku-Films „The Occupation of the American Mind“ (2018). Darin geht es um die Lobbyismus- und Propaganda-Bemühungen von proisraelischer Seite hauptsächlich in der USA (oft von sehr weit Rechts…), die sich zB in den Medien-Darstellungen des Israel/Palästina-Konflikts niederschlagen.

Die aufgebrachten Reaktionen auf den Film (von israelischen Botschaftern bis Breitbart) bestätigten diesen eigentlich…und auch seine Ignorierung durch nordamerikanische Filmfestivals, Mainstream-Sender,… Antisemitismusvorwürfe und Verhinderungsversuche kamen auch beim Dokumentarfilm “The Lobby” des katarischen TV-Senders Al Jazeera. Auch darin geht es um Lobbyismus und Propaganda von zionistischer Seite, hauptsächlich in der USA. Ein jüdischer Brite recherchierte dazu undercover (und grossteils mit versteckter Kamera) in der Israel-Lobby, die Aktivitäten und die Zusammenarbeit vom israelischen Ministerium “für strategische Angelegenheiten”, AIPAC, Israel on Campus Coalition, Canary Mission (Adam Milstein),… Ihre Verleumdungen, Anprangerungen, Verdrehungen bzgl Anliegen und Rechten der Palästinenser, und jener die sich dafür einsetzen (etwa im Rahmen von BDS).79

Die Ausstrahlung des Films (auf Al Jazeera, wohlgemerkt) wurde lange hinaus gezögert, wahrscheinlich aufgrund US-amerikanischen Drucks. Ali Abunimah von Electronic Intifada: “Imagine if it was about Russian influence and pressure…”. Es war auch Electronic Intifada, die den Film dann publik machte. Bei Israels Politik endet die Meinungsfreiheit, diese Erfahrung mussten auch Mark L. Hill (s.u.) oder Shadi Alborini machen. “Israelkritiker” werden leicht das, was für Scientology eine “suppressive person” ist… Zum Beispiel durch Daniel Pipes, mit seinem “Middle East Forum”, seinem “Campus Watch” und ähnlichen IT-Kampagnen, in denen Wissenschafter angeprangert und gemobbt werden, die zB für palästinensische Belange eintreten – natürlich im Namen des „Kampfes gg Antisemitismus“ (und wenn das nicht reicht, „gg Islamismus“).80 Pipes arbeitet mit Adelson zusammen (bzw wird von ihm unterstützt), mit Wikistrat, SPME,… Was MEMRI betrifft, es war früher bzgl seiner Parteilichkeit offener, und hat Auftrieb durch den Islamismus bekommen, präsentiert sich nun als objektive quasi-wissenschaftliche Instanz – und respektable Medien nehmen diesem Institut das ab.81 MEMRI leugnet seine Parteilichkeit (und seine Apologeten tun das auch), seine ideologische Ausrichtung.

Die sich in den “Übersetzungen” des Instituts zeigt, dem Verdrehen dabei, dem Ausblenden von Kontext und eigenen Motiven; übersetzt werden fanatische Stimmen aus der islamischen Welt oder unterwürfige82… Yigal Carmon, aus Rumänien, kommt vom israelischen Militär-Geheimdienst, war Gegner des Oslo-Abkommens, leitet ein Netzwerk von Likudisten und Neocons, das entsprechend finanziert wird. Dem Beirat gehören u.a. an: Bernard Lewis, Steven Emerson, Nathan Sharansky, Norman Podhoretz, Edgar Bronfman, Stuart Eizenstat, John Bolton, Josef Joffe, Jose Aznar, Irwin Cotler, Deborah Lipstad, Jana Hybaskova. Im Umfeld finden sich auch Benny Morris, Daniel Pipes, Eliot Abrams, Alan Dershowitz,… Ebenfalls beobachten/anprangern und zT manipulieren tun PMW, PRISM (Project for the Research of Islamist Movements, Reuven Paz), Arab Media Review, CAMERA, uva. Die Proponenten von CAMERA (Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America) sagen, dass sie nur so eine Art „Kampf gg Antisemitismus“ führten (in der Berichterstattung über den “Konflikt”, gegen “Unrichtiges” dort), darüber hinaus keine Agenda hätten – was typisch ist für die aktuelle „Antisemitismus“-Behandlung.83

MEMRI und PMW (“associated with right-wing politics”) sollen laut “Haaretz”-Artikel 2012 von der israelischen Regierung (wahrscheinlich dem Ministerium für strategische Angelegenheiten) beauftragt worden sein, bisherige Aufgaben des Militär-Geheimdienstes (Abteilung “Hatzav”, die zur “Abteilung 8200” gehört) zu übernehmen, die Überwachung arabisch-sprachiger Medien. Die Überwachung palästinensischer Medien hat MEMRI-Carmon ja früher selbst gemacht; es gibt keine klare Trennlinie zwischen Militär-Zensurbehörde, Militär-Geheimdienst,… Israels einerseits und diesen Überwachungs/Verdrehungs/Propaganda-Instituten anderseits, auch wenn sie de jure privat und international sind. Auch das israelische Informations- und Diaspora-Ministerium (z Zt unter Frau Hotovely) mischt hier mit84, das IDC Herzliya (etwa mit „ambassadors online/on the web“, in Zusammenarbeit mit NUIS, mit Postings in IT-Foren weltweit), und neben Milstein finanzierte natürlich auch hier Adelson kräftig mit. Die Software des Besatzungsregimes gewissermaßen, die Propaganda-Kampagne zur Unterdrückung der Thematisierung der Unterdrückung (der Palästinenser).

“Exposing and combating antisemitism” > unter diesem Motto laufen ja auch diverseste Rassismen.85 ZB auf Youtube: Der zionistische Propaganda-Kanal “speedymedia”/ “israelfulltruth” ist einer Jener, der zb Palestinians in “” schreibt (und natürlich auch generell voller Verachtung), während “er” über “„hatred of jews” und Ähnliches lamentiert. “abbienetvision” auf youtube greint über den “puren Hass” der (wie er sie nennt) “Pali’s”.86 “1980newwave” nimmt sogar Nazis in Schutz, nimmt indem er sie den “primitiven” Arabern/Moslems als “smart”, wenn auch diabolisch, gegenüberstellt. Auch hier: das feine Schweigen von jenen, die andauernd über “islamischen Antisemitismus” reden und schreiben. Oder, ebenfalls auf dieser Video-Plattform im IT, “justicevspropaganda”, alias Zeev Galili, ein israelischer ehemaliger Journalist. „Land of Israel, or of some Radical Arabs who invented modern fiction (‘Taqiyya’87): ‘Palestinian ppl’? Such nation never existed, also not in Quran!”. Auch dort kommt (zT genozidäre Hasspropaganda) als “Aufklärung”, “Gegenpol” zu Hass & Terror, “Gerechtigkeit”, “Gegenwehr”,… daher.88

Auf der Kanal-Seite dieses “justicevspropaganda” auch: “Conflict is local or global [JIHAD]?” > die Einbettung des Israel-Palästina-Konflikts in den zwischen Islamisten und ihren Gegnern… Wobei es die entschiedensten Gegner des Islamismus wahrscheinlich in (aus) der “islamischen Welt” gibt, während vermeintliche Gegner in Vergangenheit und Gegenwart Allianzen mit Islamisten eingehen. Die Unterdrückung der Palästinenser als Gegenwehr zum Islamismus darzustellen, ist weit verbreitet. Und, im “Windschatten” des islamistischen Terrorismus eine Agenda voran zu bringen. Im IT-Kommentarbereich von “Profil”: Ein “kolovrat”, attackiert IL-Kritiker mit bekannten Mustern; plädiert dabei für die Abschiebung von Palästinensern (“arabische Nomaden und Moslems”) aus Israel/Palästina, schreibt gegen deren Rechte; legt dann nach, dass auch sie “in Israel” (für ihn das ganze Land vom Mittelmeer bis Jordan) “gut leben” könnten wenn sie “wollten” und wenn nicht, könnten sie “auswandern”, Viele seien froh dort (unter den Zionisten), besonders Frauen… Dieser Blick auf die Palästinenser89 ist bezeichnend, ist mit die Wurzel für den “Nahostkonflikt”. “kolovrat” auch: ”Wenn den rechten Recken die Argumente ausgehen,plärren sie weinerlich über die Anti-Semitismus-Keule,die sie selbst mit ihrer germanischen Steinzeit-Keule permanent in den Medien schwingen”. Seine Haltung ggü Palästinensern hat mit Rechtem natürlich nichts zu tun, und jene Rechten die pro-israelisch sind, sind auch kein Thema.90 Schlimm und rechts sind nur jene, die Israel in irgend einer Weise entgegen treten, dem Israel das einer wie er auffasst, als Herr über alle Palästinenser und ihre Gebiete.

Weiter im Diskurs. Während Nazis krampfhaft versuchten, alles Jüdische aus der deutschen und abendländischen Kultur herauszudefinieren, verfahren Philosemiten umgekehrt. Eckhard Jesse: “Philosemitismus ist eben nicht in jeder Hinsicht das exakte Gegenteil, die empfehlenswerte Alternative von Antisemitismus.” Der zur Schau gestellte Philojudaismus ist nur ein gewendeter Antijudaismus, hat viel mit Antisemitismus gemeinsam. Antisemitismus und Philosemitismus hätten eine gemeinsame Basis: Sie seien beide unfähig, Juden als normale Menschen anzusehen, so die Antisemitismusforscherin Eleonore Sterling. Treitschkes Satz “Die Juden sind unser Unglück”, liest sich zB bei den „Anti“deutschen: “Die Juden sind unser Glück”. Die Herrenmenschen-“Utopien” übertragen sie auf Juden. Und, die “Anti-Antisemiten” denken das antisemitische Ressentiment meist so umgehend mit wie die “Antisemiten”; etwa wenn die Kritiker des Finanzkapitals als “tendenzielle Antisemiten” diffamieren, sie gehen (wie auch die Antisemiten) davon aus, daß dieses “in jüdischen Händen” ist. Mosche Zuckermann: Der Philosemit projeziert in das „Böse“ das hinein womit er sich heimlich identifiziert, sich aber nicht eingestehen darf (u.a. antijüdische Regungen).91

Und, der Philozionismus soll als “Vergangenheitsbewältigung” dienen, auch im Sinne einer Selbstimmunisierung. Robert Kurz: “Und da sie nun zackig und mit der deutschen Grußhand an der Schläfe vor der kapitalistischen Konstitution stramm stehen, wird eben verbissen jeder als Antisemit definiert, der gerade in der jetzigen Weltlage gar nichts von einer angeblichen ‘Verteidigung der bürgerlichen Zivilisation’ hält, die der Quellgrund aller modernen Barbarei und vor allem des Antisemitismus ist. Wer sich der notwendig gewordenen Kritik der bürgerlichen Subjektform stellt, muß in dieser irren Logik sogar ganz besonders antisemitisch sein.
Wie einst der linke ‘Antizionismus’ mit PLO-Symbolen aufmarschierte (und sich heute in der Tat in eine bloße Unterabteilung des globalen Antisemitismus verwandelt hat), so marschiert nunmehr in bloßer Umkehrung die antideutsche Sekte mit Israel-Fahnen auf; übrigens in der durchaus passenden Gesellschaft der ‘Partei bibeltreuer Christen’, deren Motiv die Ankündigung des Jüngsten Gerichts durch den Sieg des Volkes Israel im gelobten Land bildet. Bei den Bahamas ist es das Armageddon der kritischen Theorie. Wie sich in den Analysen von Eike Geisel nachlesen läßt, ist der blinde, militante Philosemitismus von Erzdeutschen, der sich vor allem an den militärischen Leistungen Israels aufgeilt, nichts anderes als der bloß umgedrehte alte deutsche Antisemitismus, der allerdings sein wahres Gesicht nicht gänzlich verleugnen kann.”

Bezüglich Robert Kurz gäbe es Einges zu “relativieren”, was das hier Gesagte (der erste und der letzte Satz im zweiten Absatz) betrifft und Anderes. Wir sind bei den “Anti”deutschen, Kurz’ Beurteilungen von ihnen sind ja treffend. Die Entstehung der „A“D Anfang der 1990er geschah in einer Zeit der historischen Zäsur, die gewissermaßen eine Neu-Orientierung der Linken verlangte, ihre Radikalisierung und gleichzeitig ihr Bedeutungsgewinn etwa 10 Jahre später, infolge 11/9/2001. Zu beiden Zeiten gab es einen Krieg der USA und ihrer Verbündeten gegen den Irak Saddam Husseins (der in den 1980ern, bei dessen Krieg gegen Iran, vom Westen noch unterstützt wurde…), der von den “Anti”deutschen begeistert aufgenommen wurde, jeweils mit aggressiver und pseudo-radikaler Rhetorik gegen den Kriegsgegner der USA. Ralph Giordano, nicht wirklich ein “A”D gewesen, eher einer ihrer “Assoziierten”, wie Broder, machte 91 und 03 Werbung für die Irak-Kriege in Deutschland (bzw, wetterte gegen Linke, die das anders sahen), Enzensberger nur 03. Matthias Küntzel, Mitbegründer der „A“D und ihres Zentralorgans „Bahamas“, beschäftigt sich am liebsten mit jenen WKII-Kriegsgefangenen oder aktuellen Islamisten, die von deutscher Schuld wegdeuten, im Kleid des seriösen Wissenschafters.

Der Agitator ist gut vernetzt in der Zion-Lobby, nicht zuletzt über Scholars for Peace in the Middle East (SPME). Was er hervor bringt, ist bekömmlich für deutsche Wohlstandkids im linken Mäntelchen, die sich hauptsächlich Feindbilder innerhalb der radikalen Linken suchen und wirkliche Probleme unter den Teppich zu kehren versuchen. NS, AS, Holocaust, das war mal, mit dem haben wir nichts zu tun, das waren die Nazis, hat mit Rassismus nichts zu tun, hat mit uns nichts zu tun.92 Wir sind auf der pro-israelischen Seite und daher über jeden Verdacht erhaben, sind der freie Westen (bzw die jüdisch-christliche Zivilisation), alle ausser Mutti sind Antisemiten, und ganz besonders jene die wir mit dem Begriff “Muslim” assoziieren.93 Wobei natürlich nur zionistische Juden gute, echte Juden sind. Genau so wie an der USA auch nur bestimmte Aspekte gut und richtig sind…Wertmullah: „die amerikanische Gesellschaft hat auch schon orientalische Züge“, was damit wohl gemeint ist.

Eine Rhetorik ganz auf die Täter-Enkel zugeschnitten, eine sehr deutsche Angelegenheit, deutsche „Thematiken“ werden auf beliebige andere gesellschaftliche und historische Konstellationen übertragen, und am Ende landet man nicht nur bei der Springer-Presse (Jan P. Hein, Ostensack,..), sondern auch bei einem neuen, schlimmeren Deutsch-Nationalismus.94 Robert Kurz: “Sie kritisieren den BRD-Apparat nicht deswegen, weil er Teil der imperialen Machtstruktur ist, sondern im Gegenteil deswegen, weil er es momentan ihrer Meinung nach nicht überzeugt und militant genug ist.” Und die, die sich als “antiislamische Aufklärer” uÄ geben, enden als Unterstützer des saudischen Regimes und seines wahabitischen Islam-Verständnisses, das von Israel, USA und Deutschland als Verbündeter gesehen wird.

Otla: “…die Enkel der NaziGeneration konnten wohl den brutalen Schnitt, den die Kinder 1968 gegenüber ihren Eltern machten, für sich selbst emotional nicht bewältigen und trachten danach, sich ihr Seelenheil mit einer Art unkritisch pro-israelischem Ablasshandel zu erkaufen.95 Wesentlich geht es um die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus. Das ist Unfug, denn der Zionismus ist keine Religion, sondern eine politische Ideologie, der keineswegs alle Juden anhängen, dafür aber etliche fundamentalistische Christen; entsprechend umstritten ist diese Gleichsetzung. Nicht nur der Fraser-Prozess in England, mit dem der Kläger die Gleichstellung von Antizionismus mit Antisemitismus erzwingen wollte, wurde quasi mit Backpfeifen verloren, auch die angebliche Arbeitsdefinition Antisemitismuswurde von der EU sang-und klanglos zurück gezogen; ebenso verlor Ditfurth mit ihrem sehr weiten Gebrauch des Begriffs Antisemitismus den Prozess gegen Elsässer.”

Kurz: “…Konstrukt völlig absurd, denn hätten wir wirklich eine Situation wie vor 1914, dann könnte eine ‘radikale’ Position nie und nimmer darin bestehen, den ‘eigenen’ Nationalimperialismus dadurch bekämpfen zu wollen, daß man sich auf die Seite des anderen Nationalimperialismus schlägt. Flugs wird also das Muster der Anti-Hitler-Koalition irgendwie darüber geblendet, selbst wenn die Sache hinten und vorne klemmt. Wie hätten Sie’s denn gern, Erster oder Zweiter Weltkrieg, oder beides zusammen? Nur eins kommt nicht vor: die wirkliche Weltkonstellation des Jahres 2003. Um die haarsträubenden logischen, historischen, sachlichen Fehler und Widersprüche ihrer ‘Argumentation’ zu kaschieren, bauen die Antideutschen eine Drohkulisse von ideologischen Identifikationsmustern auf, die sie unangreifbar machen soll. Wer ihre lächerlichen Konstrukte widerlegt, gilt per se schon als ‘antiamerikanisch’ und ‘antisemitisch’.” Manche “A”D halten an linken Restbeständen bzw am linken Schein fest, andere stehen zum Schwenk nach rechts. Ihr jeden Sinns entleerte „Antisemitismus“-Vorwurf richtet sich in der Regel nur gegen Linke.96

Und, natürlich wird das Nicht-Deutsche von “Anti”-Deutschen (entsprechend auch von jenen in Österreich) ausgegrenzt und diffamiert…schlimmer als von klassischen Rechten.97 Bei Thomas v.d. Osten-Sacken oder Thomas Maul wird auch klar, dass das “Anti”deutsche (mit seinem Pseudo-Antifaschismus) nur eine Zwischenstufe zu etwas Passenderem, Deutlicherem sein kann.98 In einer Jubel-Veranstaltungs-Reihe zu „70 Jahre Israel“ 2018 sollte auch der “Bahamas”- und “Achgut”-“Autor” Maul auftreten, in der Leipziger Universität. Die zog ihre Einwilligung zurück, nachdem Maul eine Rede von AfD-Chef Alexander Gauland zu Israel auf seiner Facebook-Seite verbreitet hatte, diese mit den Worten lobte, die AfD erscheine “als einzige Stimme der Restvernunft”99, sei “von Wahrhaftigkeit geprägt” und werde “wahnhaft dämonisiert”.

Nach der Absage sprang das Leipziger Veranstaltungszentrum „Conne Island“ bereitwillig ein; dessen Geschäftsführer war ein anderer “Anti”deutschen-Führer, Sören Pünjer, ist dort nach wie vor wichtig. Und promotet schon seit Jahren offen Rechte von FPÖ bis EDL, agitiert gegen Antifaschisten. Maul100 sagt dann Dinge wie, er würde der AfD und ihrer “Polemik” “weitgehend zustimmen”, die AfD sei “die einzige antisemitismuskritische Partei im Deutschen Bundestag”, zu Recht lobe Beatrix von Storch die Flüchtlingspolitik von Viktor Orban, es gäbe ein “herrschendes Linkskartell”, und: da “Antiislamismus” wahrer “Antifaschismus” sei, mache die AfD “eine antifaschistische Volksfront überflüssig”… Die „Restvernunft“ war (für „A“D) zu Zeiten von Bush jun. bei diesem, nun schon bei der AfD. Die Trump-Fans wird es dort aber auch geben. Nun sind die „A“D wirklich schon nahe bei ihrer Endstation. Im Dezember 2017 haben afrikanische Asylbewerber im Transitzentrum von Deggendorf (Bayern) mit mehrtägigen Protesten und einem Hungerstreik eine bessere Unterbringung gefordert. Die lokale AfD postete damals einen Livestream der Proteste auf ihrer Facebook-Seite, dort liessen dann Menschen ihrem Hass freien Lauf und forderten etwa, die Asylbewerber zu vergasen oder ins Vernichtungslager Auschwitz/ Oswiecim zu schicken (bzw dieses wieder “anzuwerfen”).

Aber es sind nicht nur solche Äusserungen des AfD-Fussvolks oder seines rechten Rands, und die NS-Beschönigung/-Apologetik die dort betrieben wird, es ist die AfD an sich, Gauland usw, die genug aussagt über ihre Freunde bei den “Anti”deutschen (und diese wiederum über jene die [noch] nicht diesen Schritt gemacht haben).101 Und jene im angeblich wissenschaftlichen Bereich, die keine Gelegenheit auslassen, sich mit “Querfronten” zwischen Moslems und Rechtsextremen zu “beschäftigen” (die sich gg “Israel” richten würden), bleiben zu so etwas natürlich stumm.102 Die “anti”deutsche Kombo in Wien unter Grigat versucht ja weiter, rechte Begeisterung für Israel herunterzuspielen, dem Zionismus ein antifaschistisches Mäntelchen umzuhängen, für sich den Eindruck von Seriosität und Respektabilität zu erwecken. Man beachte den Unterschied: “A”D wie Maul preisen die AfD weil sie so israelfreundlich und damit antiantisemitisch sei, solche wie Grigat schelten die AfD weil sie nur taktisch israelfreundlich und damit gar nicht antiantisemitisch sei (nehmen also eine taktische Abgrenzung zur AfD vor). Der Rassismus und Deutschnationalismus ist irgendwann anscheinend auch ganz offen da. Da gibt es “A”D die sich (weiter) als Linke geben, und als heroische Kämpfer gegen das Böse, am Ende promotet man dann auch Saudi-Arabien oder die AfD.103 Aber, um das zu bagatellisieren, kann man sich immer noch als Kämpfer gegen “islamischen Antisemitismus” stilisieren, oder für Rechte von Frauen.104

Geballte Kompetenz und Objektivität

„Dr. Heribert Schiedel“ vulgo Andreas Peham war Mitbegründer der „Anti“deutschen in Österreich105, ist eines der “Oberhäupter” der Israel-Lobby in Österreich (bzw Wien), tritt als “Historiker”, “Antifaschist” und “unabhängiger Experte” auf, wird als solcher von der Politik gehätschelt, darf zB Vorträge in Schulen abhalten. Peham ist aus Oberösterreich und es heisst, die räumliche Nähe zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie die “nicht unproblematische” Vergangenheitsaufarbeitung seiner Familie weckten sein “Interesse” an Geschichte und Politik, wo er nicht ganz sattelfest wurde. Er stellt gern „Antisemitismus“ in den Mittelpunkt bzw instrumentalisiert ihn, wird dabei von manchen Medien ernst genommen; „Andreas Peham erklärt im Interview, was Antisemitismus ist und wie er funktioniert.“ Der „islamische Raum ist Zentrum des Judenhasses” befindet er. Er ist (noch) nicht bei der FPÖ gelandet, aber natürlich bei der bedingungslosen Affirmation (gewisser) staatlicher Gewalt, der Unterstützung amerikanischer Kriege,… In seinen Kreisen rührt man noch etwas die Trommel gegen Ustascha-Gedenken in Bleiburg, Weltkriegsgedenken am Ulrichsberg, und so.

Nochmal zum “AS”-Diskurs. Eckhard Jesse schrieb, wer über Juden in noch so löblicher Absicht redet, bewege sich auf ungesichertem Terrain, auf einer Art Minenefeld. Und: Auf Kritik an „Islamkritik“ folgt Gejammer, dass man dieses und jenes nicht sagen dürfe. “Das wird man wohl noch sagen dürfen”, “Klartext reden ist angesagt”, “Probleme sollten/müssen in grosser Offenheit debattiert werden”, “Meinungsfreiheit darf nicht eingeschränkt werden”. Aber, wenn es um Israel oder seine Lobby (v.a. die in der USA) geht…dann dominiert Selbstzensur, Angst vor dem AS-Vorwurf, Einknicken aus politischer Korrektheit, werden Diskussionen abgewürgt. Ob falsche politische Korrektheit dieser Art (Juden sakrosankt/unangreifbar machen) nicht erst recht eine Form von Antijudaismus ist? Mit „IL-Kritik“ kann man in Deutschland z Zt Alles verlieren, diesbezügliche “Antisemitismus”-Beschuldigungen erinnern an das Gleichnis vom erschlagenen Boten.106

Melzer: “Die großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen, von der BILD, FAZ, taz, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung bis zu der ZEIT, dem Spiegel und manche Monatsmagazine – überall wird das Thema Antisemitismus mit zittrigen Händen und vollen Hosen behandelt, man überlässt es entweder den Hofjuden, die jede Zeitung inzwischen hat oder den Philosemiten, die auch nichts besseres sind, als die gewöhnlichen Antisemiten. Jede noch so absurde und geringfügige Sonderstellung der Juden innerhalb der Gesellschaft ist eine Form von Antisemitismus. Entweder sind die Juden vollkommen gleichberechtigt, mit allen Rechten und Pflichten, mit allen Vorteilen und Nachteilen einer demokratischen Gesellschaft, oder sie sind etwas Besonderes, eine Gruppe unter Denkmalschutz, für die im Guten wie im Schlechten besondere Gesetze gelten.”

Der Kampf gegen eine realistische Thematisierung israelischer Politik entspricht (in seiner Aggression,…) der Unterdrückunspolitik selbst, also dem Gegenstand der Kritik. Jede diesbezügliche Kritik wird zum weiteren Beweis für die Realität der unterstellten Verschwörung. Siehe oben über die Haider-Anhänger und der Unfall ihres Idols, oder gewisse Islamisten. Bei den Mo-Karikaturen wurden Reaktionen auf diese Art der „Thematisierung“ auch als Beleg für die eigene Richtigkeit und die “Verdorbenheit” der Gegenseite angeführt, oder auch beim Pipes-Stalking. Bei solchen T-Shirts zB ist ihre Thematisierung bedenklich (und “antisemitisch”), nicht die T-Shirts (bzw ihre Aufdrucke). Und natürlich bringt Einem auch die Thematisierung der “Antisemitismus”-Keule im Zusammenhang mit Kommentaren und Fakten zu Israel und Palästinensern diese ein.107 Die Praxis des Anprangerns aufgrund einer Kritik bzw Bestandsaufnahme (wie bei Schulz und seiner Knesset-Rede), das Einnehmen der Opferrolle anstatt einer Auseinandersetzung damit, diese dem eigentlichen Opfer wegnehmen,.. Es ist “antisemitisch”, auf das hinzuweisen, auf was ein Teil in diesem Lager ohnehin stolz ist.

Das mit der Nennung der religiösen/ethnischen Identität ist auch so eine Sache. Im israelischen Kontext dreht sich, wie schon erwähnt, Alles darum, ob jemand Jude ist oder nicht. Aber das zu thematisieren, oder die Jüdischkeit von jemandem im Zusammenhang mit seinem/ihrem Pro-Israel-Engagement oder mit Unangenehmen… Zur Viktimisierung wird es jedenfalls herangezogen (siehe auch II, Baruch Goldstein usw), zB von Küntzel als er eine grosse Broder-Verteidigungsrede schrieb nach dem Massaker in Norwegen von jemandem der (auch) für Broder schwärmte. So eine Art Joker. Oktober 19: Florian Horcicka in der Gratis-Boulevardzeitung „Heute“ (Krone-Konzern, Dichand) über eine „blutige Gewalttat gegen eine jüdische Familie mit zwei kleinen Kindern“; dem Artikel nach ging es darum, dass eine (religiöse) jüdische Familie nach dem Gebet in der Synagoge in Wien am jüdischen Feiertag Jom Kippur von einem „Ex-Bankmanager“ (wenn er ein Orientale gewesen wäre, hätte man das erwähnt) im Auto zuerst fast angefahren wurde, dann antijüdisch beschimpft, und dem Familienvater dann die Nase gebrochen.108

Es stellt sich die Frage (wenn die Geschichte in Grundzügen stimmt), inwiefern das Judentum dieser Leute für den tätlichen Angriff bzw insgesamt den Streit relevant war. Wenn etwas Entsprechendes in Israel/Palästina passiert, sieht der Blick bzw die Darstellung darauf in der Regel anders aus. Jener israelische Soldat, der einem dänischen Aktivisten die Nase brach, wurde zu einer Art Held, man kennt seinen Namen (Shalom Eisner), es würde als “antisemitisch” ausgelegt werden, wenn man dort darauf hinweisen würde, dass dieser Jude ist (“Jude verprügelt Dänen” oder so), und es wird eher dem Opfer “Antisemitismus” unterstellt, weil der Mann an einer “israelfeindlichen Aktion” beteiligt war… In (Süd-) Zypern hat der Prozess gegen eine junge Britin begonnen, die zwölf israelische Touristen (Teenager) „fälschlicherweise“ der Gruppenvergewaltigung beschuldigt hatte. Nach Angaben ihrer Anwälte hatte die Britin die Vergewaltigungsvorwürfe gegen die Israelis nur unter Zwang zurückgenommen. Die Israelis wurden freigelassen, sind zurückgekehrt.

Yahoo-Kommentare: „die vergaltiger sind zwar Israelis, aber alle sind araber und Moslems dies nur zur klarstellung“. Stimmt nicht, siehe zB www.standard.co.uk/news/world/israeli-teenagers-accused-of-rape-of-brit-woman-19-in-ayia-napa-to-be-released-as-she-is-arrested-a4199786.html . Da wird dann sogar einmal die Verbindung IL-Judentum weg-geleugnet…109 Oder: „Die Frau bewegt sich freizügig. Niemand haftet für ihren Leib oder ihre Seele.“ Aha… Oder das: „drecks judenhasserin. was für eine schande!! haben diese menschen nicht genug gelitten?? Die verrückte soll mal 1 Woche bei ein Flüchtlingsheim bleiben und dannach erzählen,was ihr schöne und unschöne Sachen passiert sind !!!! Die hat wohl schlechte Vorstellung zu ganz juden !!!“…Ganz wie zu erwarten: AS-Keule und Frauenfeindliches, zweiteres entgegen dem Selbstverständnis, das es sonst in diesen Milieus gibt (“freier Westen”, “Moslems unterdrücken Frauen, sind verklemmt und reaktionär”, manchmal auch “…das ist wahre Ursache für den ‘Nahostkonflikt'”, “Kampf dem Phallozentrismus”,…).110

Khomeini sagte in Interviews in Frankreich 1978, „Wir sind nicht gegen die Freiheit der Frau, wir sind gegen die Prostitution“ > Wenn man Frauen die ohne Kopftuch auf die Strasse gehen, als Prostituierte sieht, dann ist das sogar stimmig. Entsprechend ist es mit Zuschreibungen wie „Terroristen“ und „Antisemiten“. Als in der UN 2011 eine Resolution diskutiert wurde, die den israelischen Siedlungsbau (> Verdrängungen, Enteignungen, ethnische “Säuberungen”,…) „kritisch beurteilt”, kamen die Verteidiger Israels wie der US-amerikanische jüdische Politiker Jerrold “Jerry” Nadler (DP, NY, HoR), der sagte, die Vereinten Nationen seien eine „Brutstätte des Antisemitismus“ und “anti-israelischer Meinungen” geworden; die USA dürften “solchem Hass“ keinen Vorschub leisten.111 Dem Diskurs über die Unterdrückung der Palästinenser wird gerne die Verantwortung für (tatsächliche) antisemitische/antijüdische Gewaltakte zugeschoben; um die Politik von Netanyahu und Co freizusprechen.

Thematisierungen und Zuschreibungen von Antisemitismus kommen eben in der Regel aus einer Agenda heraus, manchmal ist das deutlicher, manchmal versteckter (und mit hochmoralischer Rhetorik). Bei Artur Brauner und Gerhard Bronner war es so, dass sie (und andere für sie) ihre Steuerprobleme so kommentierten, dass die Behörden diesbezüglich aus antijüdischem Antrieb agierten, bei Michel Friedman in seiner Drogen/Prostitutions-Affäre ohnehin, auch Ariel Muzicant hat “Behördenprobleme” bei seinem Penthouse-Bau so kommentiert. Als Franz Schandl Arnold Schwarzenegger wegen dessen “Ablasszahlung” (nicht sein Wort) an das SWC kritisierte, konstruierte Karl Pfeifer (in seiner üblichen Art) daraus einen “Antisemitismus”, die Kritik (an Schwarzenegger) impliziere ja, dass Juden (jene des SWC) einen solchen Ablasshandel betreiben würden. Es ging aber um den österreichischen Berufs-Macho Schwarzenegger und seinen Nazi-Vater. Von Iris Noah(-Weiss)112 erschien in „Jungle World“ ein Lamento über die Behandlung die ihr in einem arabischen Lebensmittel-Geschäft (~in Berlin) zuteil geworden sei; sie habe etwas für eine (jüdische) Speise einkaufen wollen, und vorurteilsfrei wie sie ist, habe sie ein arabisches Geschäft ausgewählt, dabei sei ihr die Halskette mit dem Anhänger, einem “Davidstern”, verrutscht (dieser sichtbar geworden), und mit einem Schlag sei man sehr unfreundlich zu ihr gewesen, usw.113

Alexia Weiss, die in der “Wiener Zeitung” für jüdische Themen zuständig ist, hat eine (im Grunde) ähnliche Geschichte geschrieben, von Türken in Wien die antijüdisch seien (und Erdogan sei i-wie mitverantwortlich dafür), Juden ihnen ggü dagegen grosszügig und vorurteilsfrei. Als Roman Polanski wegen seiner Vergewaltigung 2009 bei einem Schweiz-Besuch aufrund eines US-Auslieferungsantrags festgenommen wurde, schrammten viele Kommentare nur knapp am “AS”-Vorwurf vorbei, vielleicht sind auch welche gekommen. Wenn wir nun zu “Untersuchungen” und Behandlungen von Antisemitismus (und auch: Initiativen dagegen) kommen, dort geht es auch oft genug darum, “Israel-Kritik” darauf herunter zu brechen, dass es um “Juden” gehe, israelische Politik (und Geschichte) unkritisch in Schutz nehmen, sich mit ihr identifizieren, Juden “sakrosankt” zu machen. Gut drei Viertel dieser Untersuchungen/Studien/… sind solche, in denen Juden nicht als politische Subjekte ernst genommen werden (sondern einen Status als privilegiertes Opfer haben), eine kritische Betrachtung des Zionismus’/Israels ausgeblendet bzw diffamiert wird.

AS-Untersuchungen sind in der Regel politisch stärker unterfüttert als von wissenschaftlichen Kategorien getrieben, versuchen, die Realität mit Ideologien in Einklang zu bringen. Jene, die eine bestimmte Definition/Auffassung von Antijudaismus hochhalten, dürfen diese promoten, dominieren den Diskurs (> das Parteiische als das Objektive). Auf jeden Fall wird dann „Antisemitismus” im “Antizionismus“ „konstatiert“, ausserdem im “Antiamerikanismus”,… “Antisemitismus-Forscher“ fühlen sich meist auch als Bekämpfer ihrer Untersuchungs-Materie; so wird aber nicht Antisemitismus bekämpft, sondern werden gewisse herrschende Verhältnisse beschützt. “Antisemitismus”-“Untersuchung”/”Bekämpfung” findet oft an einer Schnittstelle von wissenschaftlichem, journalistischem, publizistischem und politischem Bereich statt. Es gibt da längst ein selbstreferentielles Ideologiekartell, Zahnräder greifen ineinander. Jutta Ditfurth konnte sich etwa in einem Prozess gegen Jürgen Elsässer auf ideologische „AS-Studien“ à la Schwarz-Friesel berufen…

In diesen monoperspektivischen „AS-Untersuchungen” wird IL-Lobbyismus als “Wissenschaft” (oder auch “Menschenrechtsengagement”) dargestellt, Parteilichkeit verschleiert; bezüglich Israel/Palästina wird mit permanenten Beschönigungen (oder Verdrehungen) der tatsächlichen Lage gearbeitet, dabei gerne auf Personen oder Institutionen nahe beim israelischen Staat verwiesen (MEMRI, IDC Herzliya,…), deren Sprachgebrauch übernommen. Standard ist es dabei, dass Verfechter der Mehrheitsmeinung zum “Antisemitismus” einen “Glaubenskrieg” gegen Abweichler führen, versuchen, diesen AS anzuhängen – im Namen der Wissenschaft natürlich.114 Dabei geht es auch um den eigenen Platz im Wissenschaftsbetrieb. Diese Thematisierer des “Antisemitismus” zu thematisieren, die hiesige IL-Apologetik zu beleuchten, tut daher not.115 Egal, ob diese in ihrer Urteilsfähigkeit durch ideologische Vorurteile beschränkt sind, oder bewusste Desinformation betreiben. Es gibt ja die verschiedensten “Ausformungen des Antisemitismus”, vom alten zum neuen, vom primären zum strukturellen, vom christlichen zum moslemischen,… Als “sekundärer” oder auch “struktureller” kann so so ziemliche Alles definiert (bzw diffamiert) werden.

Der „neue” und der “moslemische” überschneiden sich ziemlich116, auf ihnen liegt inzwischen das Hauptaugenmerk, bei den pseudo-wissenschaftlichen AS-Behandlungen, aber auch in Politikerreden, Leitartikeln, bei IT-Stimmungsmachern. Diese “Untersuchungen” (bzw ihre Verfasser/innen) beanspruchen eine Deutungshoheit über „Antisemitismus“, blenden ihre Agenda in der Regel aus. Zu den Gemeinsamkeiten bzw Charakteristika gehören auch die aufdeckerischer Geste, das dauernde „überführen“, „aufdecken“, „anprangern“, überall AS zu “finden” (besonders wenn dies Israels Agenda voranbringt), Befunde mit Sensationswert zu bringen (andernfalls würde man gleich der Beschwichtigung bzw des Appeasements beschuldigt werden), diese “Beschwichtigung” wird aber auch immer wieder “konstatiert”, im Zusammenhang mit irgend welchen Schauermärchen, und man bebt vor gerechtem Zorn.

Zur Tendenz solcher Erhebungen gehört auch, rassistische Taten oder Worte in IL (oder von IL-Freunden), private oder offizielle, nicht zu thematisieren. Und jene, die das tun, die Überbringer der schlechten Botschaft bzw Feststeller der Krankheit, zu attackieren. Bei Grigat geschehen (auch) die Thematisierungen von AS in propagandistisch-diskriminierender Absicht (Israel über alles) und im Bestreben, den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu erwecken. Als “harlan eiffler” lobt er im Kommentarbereich von “Der Standard” seinen eigenen Gastkommentar als „fortgeschrittene Antisemitismus-Forschung”, in einem Video von seinem “Cafe Critique” redet er grinsend vom „antisemitischen Massenmörder Saddam Hussein“ – dessen Opfer fast Alle Moslems waren: schiitische, kurdische, regimekritische Iraker, Iraner, Kuwaitis,… Instrumentalisierung des Antisemitismus im innerlinken Distinktionskampf ist bei “Anti”deutschen Standard, eben so, um für neue Kriege zu trommeln. Es ist halt ein einfaches Prinzip: Wenn man auf Andere zeigen kann, muss man sich nicht mit sich selbst beschäftigen… Uni Wien und Medien huldigen Grigat, nehmen ihn als “Forscher” ernst.

Clemens Heni schrieb seine Dissertation über „Antisemitismus und Antiamerikanismus” in der BRD anhand Eichberg bei Anton Pelinka, 07; auch dass er von Robert Wistrich gelernt hat, merkt man. Dass er auch für die “Jerusalem Post” schreibt, zeugt auch von seinem “Antisemitismus”-Verständnis. Im Gegensatz zu Broder oder Barry Rubin, die sich veranlasst sehen, strikten Antikommunismus klassischer US-amerikanischer Art in ihr Westkonzept einzubauen (anstatt die Rolle der SU beim Sieg über Nazideutschland hervorzustreichen), ist Heni jemand der einen linken Schein aufrecht erhalten (und seine IL-Apologetik darin “einbauen”) möchte. Die Islamophobie sei eine Erfindung Khomeinis, sagt Heni, und seine Tätigkeit erschöpft sich in PR, Pseudo-Problematisierungen und Pseudo-Betroffenheit. Ein Deutscher, der mit dem Totschlag-Vorwurf/ der Hetzvokabel “Antisemit(ismus)” operiert, und dabei ernst genommen wird. Ähnliches gilt auch für Samuel Salzborn, das hochgezüchtete Selbstbild von der allumfassenden Antisemitismuskompetenz, das Pseudolinke, die ideologisch eingefärbte Sicht, die Israel-Promotion aus dem „Antisemitismus“-Diskurs, dass er als Experte behandelt wird („Europäische Rundschau“,…).

Salzborn und Heni sind Zwei, die (im Gegensatz zu Maul oder Kühntopf) die AfD (noch) zu den Schlechten rechnen, anders als Broder auch nicht bei ihr auftreten, versuchen, sie in Gegensatz zu Israel zu stellen. Julius H. Schoeps gehört zB dem “Expertenkreis Antisemitismus” der Bundesregierung an, neben A. Kahane, F. Klein, J. Schuster,…, steht auch für eine von politischen Erwägungen geleitete „Wissenschaft“ mit wenig kritischer Distanz zum Untersuchungsgegenstand. Anton Pelinka, ein ex-linker117 Politikwissenschafts-Professor, ist Doktorvater nicht nur von Heni sondern auch zB von einem Andreas Maislinger118, wirkt beim “Vienna Wiesenthal Institute”, unterstützt “Stop drop the bomb”… Er ist einer jener, bei denen undifferenzierte USA-Apologetik (welche USA?, siehe dazu II119), und eben solche Israel-Verteidigung ineinander übergehen. Natürlich versucht er “Querfronten” auch anderswo zu konstruieren, rechte und linke Extremisten würden eine “unheilige Allianz” gegen Europa eingehen.

Fliessende Übergänge “vom linken zum rechten Extremismus” sieht Anton Pelinka natürlich auch gegen Israel (und nicht bei den Israel-Freunden).120 Pelinka attackierte Mearsheimer/Walt bzw ihr Buch in Wien („gibt eine anti-israelische Lobby in Österreich”). Was er in seinem Buch über Israel (“Ausnahme- oder Normalstaat”) schrieb, liegt auf der Hand. Nun ja, seinen Texten muss man wenigstens, im Gegensatz zu denen von anderen Genannten, nicht jegliche Wissenschaftlichkeit absprechen. Bezüglich der aktuellen Habsburger hat er auch Zu-Treffendes gesagt. Otto Habsburg-Lothringen hatte über seinen Sohn Karl gesagt: “Karl wird angegriffen, weil er den gewissen gelben Stern trägt, den Namen Habsburg”. Und: “Die armen Juden haben ja Entsetzliches mitgemacht. Ich denke oft an sie in diesem Zusammenhang.”121

Dieser Pelinka dazu: “Wer illegale Spendenflüsse aufdeckt, soll zum Nazi gestempelt werden, und die Habsburger, die einen Weltkrieg und millionenfaches Elend zu verantworten haben, verwandeln sich in verfolgte Juden.” Nur, das trifft auch auf die Israel-Apologetik von Leuten wie ihm (Pelinka) zu, auf die Zusammenhänge die da hergestellt werden zwischen Zionismus und Holocaust,… Karl Habsburg-L. verglich übrigens das Abtreibungs-Medikament “Mifegyne” mit der Todesstrafe. Ebenfalls aus Österreich: Maximilian Gottschlich (auch eifrig, wenn es darum geht, IL-Kritik als neue Erscheinungsform des Antisemitismus zu diffamieren und entsprechend vernetzt)122, Karin Stögner (beschäftigt sich “wissenschaftlich” mit dem was sie unter „Antisemitismus“ und „Feminismus“ versteht, ideologisch vernebelt im „anti“deutschen Sumpf)123, Hans Safrian.

Und Margit Reiter, Historikerin; 1991 Abschluss des Studiums mit der Diplomarbeit zum Thema “Ehrbarer Antisemitismus – Hilfloser Antifaschismus? Antizionismus und Palästina-Solidarität der Neuen Linken in der BRD im Schatten der NS-Vergangenheit.“, betreuet von Anton Staudinger, am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien (wo sie nun wirkt); dafür bekam sie den Ernst Fraenkel Prize. 1998 die Dissertation “Die österreichische Linke und ihr Verhältnis zu Israel im Kontext von Nationalsozialismus und Antisemitismus”.124 Der Beschäftigungs-Schwerpunkt blieb, es folgten mehrmalige Forschungsaufenthalte in Israel. Reiter nahm auch an einer Veranstaltung mit Frank Stern u.a. gegen Mel Gibsons Jesus-Film teil.125 Immer wieder arbeitet sie mit Helga Embacher (Uni Salzburg) zusammen. Diese brachte 2019 zusammen mit Alexandra Preitschopf und Bernadette Edtmaier das Buch “Antisemitismus in Europa: Fallbeispiele eines globalen Phänomens im 21. Jahrhundert” heraus (Böhlau-Verlag, gefördert von österreichischem Nationalfonds & Zukunftsfonds).

Umschlag des Buches von Embacher & Co

Nicht überraschend geht es darum um Israel, Kritik bzw Kritiklosigkeit dazu, Linke, Islam, „Antizionismus als gemeinsame Schnittmenge von radikalen Linken und Islamisten“126, „Universitäten als hot spots?”, Soral & Dieudonne, Ken Livingstone, Verschwörungstheorien (siehe dazu unten),… AS ist für Embacher ein Forschungs- (bzw Profilierungs-) schwerpunkt. Nahm zB an einer Veranstaltung von Attac Österreich, ÖH und Grüne Bildungswerkstatt über „Antisemitismus bei der Antiglobalisierungsbewegung, im Antiimperialismus“ teil, mit G. Scheit, M. Reiter, und Juliane Wetzel (diese ist eine ziemlich wissenschaftliche und un-hysterische „Antisemitismus-Forscherin“). Embacher ist nicht wirklich blind, geht aber mit der Zeit, macht israel-zentrierte und sensationslüsterne „AS-Forschung“ mit. In der ja die proisraelische Seite und deren rechten Charakter und Verbindungen in der Regel völlig ausblendet wird, und dass die Rechte (siehe Strache) inzwischen auch um der Fremdenfeindlichkeit willen AS “thematisiert”. Während Alles unter die Lupe genommen wird, was irgendwie israel-kritisch ist, wird der Mantel des Schweigens ausgebreitet über das, was sich hinter Israel-Unterstützung/Gefälligkeit verbirgt.

Eine Empfehlung des Embacher-Buches gab’s von Guido Tiefenthaler auf orf.at, bei den Weihnachtsbüchern 19. „Pflichtlektüre, um zu verstehen,…”. Die Querverbindungen werden eben nicht beleuchtet, sondern ausgeblendet und verdreht. Es gibt ja auch Israel-Freunde, die es nicht so sehr stört, dass Israel als Apartheid-System gesehen wird, sondern eher dass „man“ überhaupt gegen Apartheid (wie sie in Südafrika existierte) eingestellt ist… Die nicht nur die israelische Politik gegenüber den Palästinensern und der Region verteidigen, sondern auch die Thematisierung israelischer Zusammenarbeit mit Vorster oder Videla, auch diese Herrscher/Systeme an sich gg Kritik in Schutz nehmen wollen127; dafür eignet sich natürlich die “AS”-Keule. Jeffrey Herf schwafelt von einer “atlantischen Allianz” (Europa & USA), die einen “langen Krieg gegen den radikalen Islam“ führen müsse128, natürlich reeein defensiv, lädt Antijudaismus und Nazismus beim Islam und den Moslems ab (zu einem geringeren Maß bei den Linken), kleidet seinen Israel-Propagandismus in das Gewand von “wissenschaftlicher Arbeit“.

“Belässt” es Herf bei “Unterschwelligem”, wie der Behauptung dass die Wissenschafter “von Edward Said und der 3. Welt fasziniert” seien (und apodiktischen Gegenüberstellungen Westen – islamische Welt, mit Juden auf ersterer Seite), zeigt sich bei David Horowitz schön, wie sich Moslemophobie, Orientalismus (in E. Saids Sinn), Israel-Unterstützung, Rassismus und Westimperialismus verbinden bzw ineinander übergehen; der Ex-Linke verteidigt und promotet inzwischen auch Samuel Jared Taylor129. Auf journalistisch-publizistischem Gebiet gibt es da im deutschsprachigen Raum u.a. Michel Friedman, Yves Pallade130, Doron Rabinoviczi, Josef Joffe, Esther Schapira, Thomas Ammann131,… Die Journalistin Schapira trat vor einigen Jahren, als Preisträgerin übrigens, bei der „Woche der Brüderlichkeit“ auf, mit einer Israel-Verteidigungsrede (eher Angriffsrede), wurde danach vom israelischen Botschafter Stein getätschelt.

Monika Schwarz-Friesel

Nun etwas eingehender zu einer “Antisemitismus-Studie”, an der exemplarisch Einiges aufgezeigt werden kann. Es geht um einen Aufsatz von Monika Schwarz-Friesel (“Antisemitismus 2.0”), der den Anspruch erhebt, eine Untersuchung zu Antisemitismus zu sein, auf Grundlage der Interpretation von Wortmeldungen zu Juden und Israel im IT im deutsch-sprachigen Raum. Tiara hat den Text nicht selbst gelesen, stattdessen den (unten verlinkten) Artikel “Wie das politische Weltbild der Antisemitismusforscherin Schwarz-Friesel zum Nahostkonflikt deren Forschungsergebnisse prägt”, von Franz Piwonka auf Arendts Palästina-Portal; Piwonka hat sich tapfer durch den Text von Schwarz-Friesel gekämpft. Die „Antisemitismus-Forscherin“ soll E-Mails, Leserbriefe und Texte im Internet mit “antisemitischen Inhalten” und “anti-jüdischen Klischees” untersucht haben (und nicht auf solche132). Dabei wurde jede als antisemitisch bewertete Aussage einer von drei Kategorien zugeordnet: „klassischer Antisemitismus“, „Post-Holocaust- Antisemitismus“ sowie „israelbezogener Antisemitismus“. Es wurde bald klar, dass die dritte Kategorie das eigentliches Thema der Studie ist, bzw die Deligitimierung von “IL-Kritik” (bzw realistischer/universalistischer Thematisierung Israels), es geht um „Empörungsinszenierungen bezüglich der Entlarvung scheinbarer Israel-Kritik als Antisemitismus“ (F. P.).

Piwonka zeigt auf, wie Schwarz-Friesel versucht, die Realität in ihr weltanschauliches Korsett zu pressen, zB Verhältnisse in Palästina/Israel mit westlichen gleichzusetzen. Wie sie “politische Botschaften transportiert, die sich durch eben diesen wissenschaftlich Duktus unangreifbar machen wollen”. Piwonka: “Sie benennt einige Indikatoren für Antiisraelismus: kollektive Schuldzuweisung, pauschale Negativattribuierungen, hyperbolische Übertreibungen, Monoperspektivierungen sowie unverhältnismäßige Analogien.” > Das könnte eine Einschätzung von Israel-Fans in Österreich, Deutschland, USA,… und ihrer Haltung zur “Region” sein. Piwonka weiter: “Zum Standardrepertoire proisraelischer Voreingenommenheit gehört das Unterfangen, Israelkritikern doppelte Standards vorzuwerfen.” (siehe dazu den Abschnitt unten) “Im Zusammenhang des Ausdrucks ‘Juden unter den Staaten der Welt’ erwähnt sie Stephan Grigat, der einen Artikel mit dem Titel: ‘Israel als Jude unter den Staaten’ geschrieben hat.” Spätestens hier weiss man, wo Friesel steht, wie sie ideologisch gepolt ist, wie subjektiv und voreingenommen…

Piwonka zitiert: “Die nichtjüdischen Bürger, gleich ob es arabische Christen, Drusen, oder Muslime sind, haben exakt die gleichen Rechte, Bildungs-,Entwicklungs-und Aufstiegschancen wie die jüdischen Staatsbürger. Entsprechend sind arabische Israelis in allen Bereichen der Gesellschaft vertreten, als Geschäftsleute, Ärzte, Polizisten, Soldaten, Rechtsanwälte, Abgeordnete“. Das (“exakt gleiche Rechte”) ist nicht nur POV, sondern ausgemachter Unsinn, inhaltlich wie formal (im Rahmen einer „wissenschaftlichen Studie“) demaskierend und eine Bankrotterklärung. Die Argumentation erinnert ausserdem an die Apartheid-Apologetik. In Apartheid-Südafrika war die Masse der dortigen Weissen (und ihre Unterstützer anderswo) der Meinung, dass es den Schwarzen (denen Grundrechte verweigert wurden) gut (genug) geht…es gab aber auch jene, die zur Meinung standen, dass es ihnen nicht gut gehen soll. Und die blatanten Diskriminierungen nicht wegleugneten oder schönschrieben, sondern damit protzten.133 Hetze gegen die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft, nicht zuletzt mit Vorwürfen der Illoyalität, kommt auch von israelischen Spitzenpolitikern; man denke an die Hetze während der Waldbrände in Haifa ’16 (> AS III).

Von Netanyahu selbst auch immer wieder…auch bei der Wahl 15, wo seine Relativierung dann auf eine andere Art genau so verlogen und chauvinistisch war. Zuletzt warnte er immer wieder davor, dass die Parteien/Abgeordnete der “israelischen Araber” eine Regierung seines Rivalen Gantz unterstützen würden, diese damit von den “Aravim” abhinge, und das laufe (wieder mal) auf die “Eliminierung des Staats Israel” hinaus. Natürlich geht es nicht nur um Worte. Israelische Rechtsextremisten marschieren zB regelmäßig mit Fahnen, Lärm, Hass-Sprüchen, Anpöbelungen,… durch Wohngegenden von Palästinensern (auch im Westjordanland); israelische(s) Militär und Polizei eskortieren diese Umzüge, bremsen sie nicht etwa ein, sind zu ihrem “Schutz” da. Ja, es geht ja darum, dass das Land nicht “judenrein” ist (> II).  Aber, darüber zu reden (oder zu schreiben), versucht eine Schwarz-F. ja mit dem „AS“-„Argument“ zu verhindern. Dieser Artikel ist bezüglich der „Gleichberechtigung“ der israelischen Palästinenser empfehlenswert.

Schwarz-Friesel weiter: „Mit Apartheid meinen viele auch die aus Sicherheitsgründen (nach exzessiven terroristischen Attentaten innerhalb der Staatsgrenzen Israels) vollzogene Abgrenzung und Kontrollpolitik134 in Bezug auf die Palästinenser (die nicht Bürger Israels sind)“. Oder: „Daß es sich um Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der israelischen Zivilbevölkerung handelt (die nach zahlreichen terroristischen Attacken eingeführt wurden), bleibt unerwähnt. Ausgeblendet wird auch stets, daß Raketenangriffe des israelischen Militärs auf Ziele der Hamas Antworten bzw. Gegenschlage auf zuvor erfolgte Raketenbeschüsse israelischer Gebiete sind“. Piwonka: „Damit verläßt sie nun den Boden der Wissenschaftlichkeit und breitet vielmehr ungehemmt ihre spezielle Sicht auf den Konflikt nicht nur aus, sondern verabsolutiert diese qua Wissenschaftlerin zum einzig gültigen und zulässigen Blick. Sie gibt im Wesentlichen die Sichtweise der israelischen Propaganda wieder, kombiniert mit einer Täter-Opfer-Umkehr.“

Schwarz rümpft auch (wissenschaftlich) ihre Nase darüber, dass es Leute wagten, “trotz der Entfernung von über 4000 Kilometern” zB Israel „unverhältnismäßige Gewalt“ vorzuwerfen. Piwonka weist hier darauf hin, dass sie selbst (unablässig) tut, was sie Andersdenkenden vorwirft, nämlich “sich eine allwissende Beobachter-Expertenposition anzumaßen”. Ja, Reisen nach Israel/Palästina wird Schwarz-Friesel schon unternehmen (das Foto oben zeugt auch davon), aber sie ist definitiv nicht willens/ fähig, einzuschätzen was das Leben dort für Nicht-Juden und Nicht-Westler bedeutet. Was Schwarz-Friesel grosszügigerweise als nicht-antisemitische, legitime Israelkritik sieht, demonstriert sie durch die Wiedergabe eines Auszugs aus einem Schreiben (anscheinend an die israelische Botschaft in Deutschland): „Wir sind erstaunt und befremdet darüber, daß Israel den dort arbeitenden Minenräumern die Abwurfkoordinaten nicht zur Verfügung stellt. Wir bitten Sie herzlich , Exzellenz, Ihren Einfluß für die Herausgabe der Daten bei Ihrer Regierung einzusetzen“. Das ist also gerade noch im zulässigen Bereich. Wenn ein Journalist also den Umgang Israels mit Minenräumern oder den Einsatz von Streubomben (zB im Gaza-Streifen) kritisiert/thematisiert, ohne Untertänigkeit und Deutschland-Verantwortung für Israel und “Eingeständnis” dass Palästinenser eigentlich die Bösen sind und Israel sich nur verteidigt, sieht die Sache gleich anders aus, das weiss man ja.

Piwonka: “Man müsse sich beim Antiisraelismus die Frage stellen, schreibt sie in gespielter Naivität, ‘warum ein kleines, demokratisches Land zum Weltenübel erklärt wird, das eine kritische Presse, ein unabhängiges Rechtssystem, eine frei gewählte Regierung hat,….das liberal und offen im Umgang mit Homosexuellen ist ….Warum nicht Länder, in denen Frauen entmündigt und gesteinigt und Homosexuelle umgebracht werden und in denen Kritik brutal unterdrückt wird. … Warum ist Israel das einzige Land der Erde, dem gegenüber sich ein ‘Ismus’ entwickelt hat (kein Anti-Chinaismus, kein Antikoreanismus, kein Anti-Sudanismus“. Nicht nur faktenfreier Unfug, hier tritt die anscheinend lange kunstvoll zurückgehaltene Israel-Bewertung der Autorin dann doch hervor.135 Aus Kritik an Korea (Nord- oder Süd-) oder Sudan (Nord- oder Süd-) wird in der Regel kein Gegenvorwurf gemacht, diese nicht pathologisiert, instrumentalisiert, umgedreht, kein “Antikoreanismus” oder so gemacht.

Sie behauptet, dass der Oberbürgermeister von Jena, Albrecht Schröter, Beifall von der NPD bekommen hat, nachdem er einen von “Pax Christi” initiierten Boykottaufruf gegen Obst und Gemüse aus israelischen Siedlungen in den palästinensischen Restgebieten unterzeichnet hat. Natürlich blendet sie aus, was das Hauptgeschäft der NPD ist, oder der AfD (oder PEGIDA,…), wann die NPD Broder Beifall zollt, bei der AfD auftritt, diese Israel anpreist, die starke Israel-Begeisterung gerade im deutschsprachigen Raum, die oft mit Verachtung und Hetze ggü der „Gegenseite“ und/oder politischen Zielen einher gehen; Aufmärsche mit Yishai gegen afrikanische Einwanderer oder Marzel gegen Palästinenser (bzw den dem zu Grunde liegenden Chauvinismus) thematisiert sie natürlich auch nicht.

Wie andere „Antisemitismus-Forscher“ immunisiert sich Schwarz-Friesel gegen Kritik an ihrer Forschung (?), reiht diese (potentiellen) Kritiker zu den Objekten ihrer „Forschung“. „Alle Strategien, die zur Diffamierung von Juden benutzt werden, finden auch bei der Diskreditierung der Forschung und der Forscher(innen) ihre Anwendung“. Piwonka: “…Kritik, daß Kritik an Israel an sich verpönt sei, sei auch tradiertes ‘judeophobes Klischee’.” Der Vorwurf des falschen Gebrauchs bzw der falschen Zuschreibung von “AS” ist für Schwarz auch Indikator einer “antisemitischen Einstellung”. Piwonka über die Linguistin auch: “Für Palästinenser hat sie nur Verachtung übrig und spricht in hämischem Ton von den ‘armen Palästinensern’“. Er fasst zusammen: “Aus der historisch langen Verfolgungsgeschichte der Juden sowie deren extremste Zuspitzung im Holocaust folgt für Schwarz-Friesel offensichtlich ein ewiger Opferstatus der Juden. Daher kann die Thematisierung Israels als Täter nichts anderes als eine Täter-Opferumkehr bedeuten, die in ihren Augen charakteristisch ist für antisemitische Haltungen.”

Schwarz-Friesels Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Es ist das Nachfolgeprojekt von einem unter Linda Giesel, oder umgekehrt. Man ist jedenfalls auf der sicheren Seite in Deutschland, mit Israel-Verteidigungschriften. Bzw Anklageschriften, wie diese, gegen praktisch jede kritische Auseinandersetzung mit Israel. Die Deutsche136 an der TU Berlin wird in ihrem Wirken respektiert. Tanja Malle, ORF, an Schwarz-Friesel: „Einige Kennzeichen des israelbezogenen Antisemitismus sind ja, dass dem 8.5 Millionen Einwohnerland seine Existenzberechtigung abgesprochen wird, es mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt und das Ziel von beispiellosen Boykottaktionen ist. Wird dem widersprochen, heißt es oft, dass die Antisemitismuskeule geschwungen werde und man keine Kritik Israels zulasse. Wie sehen Sie das?“ Keine kritische Nachfrage, stattdessen Übernahme ihrer Aussagen. Irgendwann wird es eine Untersuchung über die Friesels und Grigats geben, staatlich subventioniert.137

“Abi” Melzer rezensierte u.a. ein “überflüssiges Pamphlet von ‘Comedian’ Oliver Polak” im “Spiegel”, „Gegen Judenhass“. Melzer: “Er macht genau das, wovor andere warnen, nämlich alles in einem Topf werfen und kräftig mischen… dass Polak in diesem Zusammenhang auf die mittelalterliche Ritualmord-Beschuldigung herüberspringt, die bis in die Neuzeit, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders in Osteuropa, zu hören war, dass nämlich Juden gerne Christenblut an Ostern trinken, zeigt uns nur, wie wirr und absurd seine Ideologie ist”. Polak fragte Augstein (einer der grössten Antisemiten weltweit, wir erinnern uns) ob „er schon mal in Israel gewesen sei“, und (so berichtet Melzer) “kommentiert selbstgerecht und arrogant”: „Stille. Er räuspert sich und entgegnet, dass er noch nicht da war.“ Augstein könnte dort im Gegensatz zu Palästinensern frei herumreisen, wie auch Friesel, Polak kann sich in Israel und Westjordanland erst recht überlall hin bewegen unter Schutz des israelischen Militärs, während Palästinenser sogar im Westjordanland nur unter grössten Schwierigkeiten herumfahren können… Und, ob Polak nach einem Besuch in Hebron oder Gaza-Stadt mehr Verständnis für die Not-Situation der Palästinenser unter israelischer Herrschaft hätte??!?! Wobei, in Hebron gehört Polak auch zu jenen, die vom israelischen Militär gegen die dortige Bevölkerung “geschützt” werden.

Oliver Polak hat dann dem Komiker/TV-Moderator Jan Böhmermann “Antisemitismus” vor geworfen. Es ging um eine Begegnung der beiden 2010. Böhmermann habe ihn “ironisch von der Bühne gejagt” und hinterher gesagt: “Habt ihr ihn angefasst?” Laut Polak ein Gag ohne Pointe – und für ihn damit Antisemitismus. In einer Ausgabe seiner ZDFneo-Sendung “Neo Magazin Royal” reagierte Böhmermann indirekt auf auf den Vorwurf – “wenig überzeugend”, wie manche Kommentatoren urteilten. Böhmermann hat ja einmal mit einem rassistischen Klischees spielenden “Schmähgedicht” über den türkischen Präsidenten Recep Erdogan (siehe) für Aufsehen gesorgt, wurde dafür gefeiert, ein “harmloses/satirisches Lied”, wie könne man sich nur darüber so aufregen, wie rückständig und verstockt muss man sein… Es zeigen sich wieder mal doppelte Standards, wie bei den Reaktionen von Broder & Co zu Sarrazin (oder Westergaard,…) oder aber zu Grass. Also doch ein Blatt vor den Mund nehmen…gegebenenfalls.138

Böhmermann hat noch im Mai 17 in seiner Sendung bei Manchen für Entzücken gesorgt, den neuen Song des (orf.at: „politisch nicht unumstrittenen“139) Sängers Xavier Naidoo, „Marionetten“, diffamiert > „Vox und Sky präsentieren die Hurensöhne Mannheims mit ihrem neuen, nicht antisemitischen Hit-Album ‚Death to Israel‘“. Was das Lied beinhaltet, dass Böhmermann (& Andere) mit „Antisemitismus“- & „Antizionismus“-Vorwürfen kommen, verriet orf nicht. Böhmermann hat bei der „Romy“-Verleihung ’18 immerhin auch gg verschiedene Formen von Rechtspopulismus und Islamophobie Stellung genommen. Bei Dieter Nuhr (auch so ein deutscher Comedian) war es 2019 ähnlich wie bei Böhmermann. Er wurde gefeiert für seine Kommentare zum Islam(ismus)140 und seine “Tabubrüche”, Kritik an ihm wurde empört niedergemacht (“Freiheit der Kunst” sei ein so hohes Gut und unantastbar, man müsse politisch “unbequem” sein, dürfe nicht wegen “Provokationen” jemandem den Munde verbieten,…). Erfrischend zu sehen.

Denn Nuhr sorgt mit einem Werbeclip für sein neues Programm auf ARD für Empörung. Der Grund: die vermeintliche Herabwürdigung eines historischen Datums. “Man sagt ja immer, der 9. November, das ist ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Der eigentlich wichtige Tag, das ist der 8. November. Da kommt nämlich Nuhr im Ersten“. Der 9. November ist (u.a.) Datum der Reichspogromnacht von 1938. Auserdem wurde Nuhrs Sendungsankündigung direkt nach einem “Antisemitismus-Report” ausgestrahlt. Manche meinten, dies war kein unglücklicher Zufall sondern gezielte Provokation. Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth übt auf ihrer Facebook-Seite scharfe Kritik an Nuhr und dem Sender. “Das Unbegriffene. Eine endlose Geschichte – die ARD und der Antisemitismus…”. Ditfurth wäre für Broder eigentlich Prototyp einer „linksreaktionären Schlampe“ wie er sich ausdrückt, da sie aber nun „anti“deutsch/zionistisch ist… Ein anderer Facebook-Nutzer versuchte da schon eher, das gesamte Bild zu sehen: “Der Kerl passt wunderbar ins Deutschland 2018. Er schaut eh gerne auf Minderheiten, macht sich auch über Migranten mit muslimischem Background lustig, ist antisemitisch und ein neoliberaler Knecht.”

Nuhr gehört jedenfalls auch zum wenig noblen Kreis derer, die die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg verächtlich machen wollen. Ja, und dann gibt es noch Modeschöpfer Karl Lagerfeld, dem es ähnlich ging wie Böhmermann und Nuhr… Lagerfeld 17 in einer französischen Talkshow: “Wir können nicht, selbst wenn Jahrzehnte zwischen den beiden Ereignissen liegen, Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen”. Es war eine Kritik an Merkels “Einwanderungspolitik”, in der manch andere Aussagen steckten, er fügte hinzu dass diese Einwanderung den Aufstieg der AfD ermöglichte – was mehr oder weniger das Selbstbild dieser Partei wiedergibt. Lagerfeld war dafür kritisiert worden, sexistisch zu sein, rassistisch, “lookistisch”. Dann kam von ihm eine Karikatur von einem “Harvey Schweinstein”, eine Anspielung auf den angeklagten, jüdischen, amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Und (mehr oder weniger) die selben, die Lagerfeld für seine Aussagen zu Einwanderern feierten, nahmen ihn sich nun als “antisemitisch” vor.141

Auch die diesbezüglichen Organisationen/Stiftungen/… vertreten strikt eine israel-zentrierten AS-Auffassung. Wie das “Bündnis gegen Antisemitismus” (BgA) oder das “Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy” (ISGAP). Oder der BAK Shalom, Teil der nicht existierenden Israel-Lobby in Deutschland, wie die Springer-Presse (besonders “Die Welt”). Die pseudo-antifaschistische Amadeo-Antonio-Stiftung betreibt auch immer Israel-Lobbying, wenn sie von „Antisemitismus“ („ungehemmtem Judenhass“) spricht. Salzborn ist einer ihrer Verteidiger gegen Jene, die sie als “links” sehen wie Lengsfeld (nun AfD); Springer ist hier im Zwiespalt… Von “honestly concerned”142 kommt der Lobbyismus, die Agitation, die Propaganda,… so plump, dass sie allemal mehr über ihre Macher aussagt als über die Realität. h. c. mobilisiert seine Anhänger mittels ihrer Email-Liste, Veranstaltungen, Artikel oder Sendungen, die als unangenehm für Israel empfunden werden, mit Kommentaren zu diffamieren oder zu verhindern.

In der TV-“Doku” eines Uri Schneider (SWR/ARD) über Juden im heutigen Deutschland („Jude. Deutscher. Ein Problem?“) wird h.c.-Boss Stawski als Kämpfer gg Antisemitismus” und ein “verzerrtes Israel-Bild in Deutschland” gefeiert… Diese unkritische verzerrte Darstellung steht gewissermaßen für den ganzen Film. Es wird auch ein Jude gezeigt der ein Friedensprojekt ggü Moslems initiiert habe, aber nicht jene die Orientalen in chauvinistischer Überheblichkeit und Ablehnung ggü stehen – solche kann man zB genügend bei Stawskis Verein finden. Und jene die wirklich für Frieden im Kontext von Israel/Palästina und global sind, müssten sich im innerjüdischen Kontext mit diesen (und der israelischen Besatzungspolitik…) auseinander setzen. Schneider zeigt auch nicht jene rechten und linken Deutschen, die im Zionismus einen Ersatz-Nationalismus gefunden haben. Jene die auch bzgl Palästinensern auf die viel zitierten universalistischen Werte pochen, werden ins Antisemiten-Eck gestellt. Das Übliche also, muss man eigentlich sagen, totale Viktimisierung von Juden und Exkulpierung Israels.

Die „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin“ (RIAS Berlin) ist eine stramm zionistische, mit den offiziellen jüdischen Verbänden verbundene Anpranger („Monitoring“)- und Lobbyorganisation. Nach ihrem Vorbild hat sich ein Verein mit dem Ziel einer „bundesweiten Erfassung antisemitischer Vorfälle“ gegründet, der Bundesverband RIAS, ausserdem entstand eine Landesstelle in Bayern. Das “Vienna Wiesenthal Institute” (VWI) gibt sich als wissenschaftliche Institution aus, steht unter direktem und indirektem Einfluss jüdischer Gemeinden und israelischer Stellen, stellt sich in den Dienst von Pro-Israel-PR. Das “Simon Wiesenthal Center (SWC) wirkt auch im Zusammenspiel mit Medien wie der “Jerusalem Post”, geht gegen jede Art von kritischer Betrachtung Israels mit “Antisemitismus-Vorwürfen” vor. 2012 listete die Organisation (mit Sitzen in Los Angeles, Jerusalem, Berlin,…) ja den Publizisten Jakob Augstein unter die Top 10 der weltweit schlimmsten Antisemiten des Jahres, neben Mahmud Ahmadinejad – mit Verweis auf Henryk Broder als ausgewiesenen “Experten”. le-bohemien.net dazu: “Bei soviel ‘Expertise’ kann die tragisch-komische Entwicklung einer Institution, die sich einst die Verfolgung hochrangiger Nazis auf die Fahnen schrieb, schwerlich verwundern. Sie ist aber symptomatisch für den Umgang jüdischer Lobbygruppen mit der Kritik an Israel.” Im „Museum of Tolerance“ des SWC darf zB Mossab H. Yousef auftreten, das sage noch Einer, dass man sich dort nicht um Palästinenser kümmert.

Österreich brauche eine “Beobachtungsstelle gegen Antisemitismus” – mit diesem Anliegen hat sich Ende 19 der “Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit” an Übergangs-Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein gewandt. In Teil II war ja auch vom Vorschlag (der Kurz/Strache-Regierung) einer “Dokumentationsstelle über den politischen Islam” die Rede. Staatliche Beauftragte, Kommissionen, Meldestellen143, und die neue schwarz-grüne Regierung in Österreich will Boykott-Aufrufe bzgl Israel kriminalisieren bzw als “antisemitisch” politisieren. Der Historiker und Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz hat sich kritisch über Meldestellen für antisemitische Vorfälle geäussert. „Wir haben eine Polizei, diese ist zuständig für alle kriminelle Taten, dazu gehört Gewalt gegen Minderheiten und Volksverhetzung. Warum brauchen wir dann speziell für antisemitische Vorfälle eine Meldestelle? Das ist Wasser auf die Mühlen der Alarmisten.“ Und mit diesbezüglichen Initiativen versuchen sich in Österreich und Deutschland Rechte zu profilieren. Benz vom Berliner “Zentrum für Antisemitismusforschung” wird genau für solche Erkenntnisse vielfach angegriffen (zB von Salzborn), auch weil sein Zentrum auch Islamophobie behandelt und keinen Antisemitismus-“kult” macht.

Eckhard Jesse vertritt die Ansicht, Antisemitismus und Rechtsextremismus seien in Deutschland „mehr Phantom als Realität“. Die Ursache für die Aufmerksamkeit in Bezug auf dieses „Phantom“ sieht Jesse unter Anderem in der „vielfach privilegierte(n) jüdische(n) Position“ in Deutschland: „Jüdische Organisationen brauchen Antisemitismus in einer gewissen Größenordnung, um für ihre Anliegen Gehör zu finden und ihre legitimen Interessen besser zur Geltung zu bringen.“ Jesse will, ähnlich wie Kristina Schröder/Köhler und andere Rechtskonservative, Äquidistanz zu “Extremisten” behaupten, Rechter in Abgrenzung zum Faschismus sein, tut das aber weitgehend ohne hysterisches Anti-Islam und Pro-Israel, wie sonst in Deutschland üblich > Fest, Stürmer, Ostensack,…; er benutzt den Israel-Topos aber schon auch gegen Linke. Und Jesse lobte Israel als einer der wenigen Staaten, welche ununterbrochen Demokratie aufrecht erhalten hätten; nun ja, nach den Vertreibungen der Nakba, mit einem Besatzungsregime für einen Teil der Unterworfenen, erheblichen Diskriminierungen für Nicht-Juden. “Antisemitismus-Forscher” Lars Rensmann (Bruder von Jörg > achgut, dropthebomb) verortet Jesse bei den neuen Rechten.

Relativ gemäßigte bzw seriöse Forscher/Publizisten auf diesem Gebiet sind Dan Diner, Alan Posener, Rafael Seligmann, Juliane Wetzel. Mos(c)he Zuckermann, Leiter der Wiener Freud-Stiftung, ist nicht auf „Linie“, lässt sich auch nicht so leicht einschüchtern, weist sich als Kenner der Materie aus. In seinem Buch „Antisemitismus! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ setzt er sich mit den “Anti”deutschen, deren Rassismus und Gewaltphantasien auseinander. In „Der allgegenwärtige Antisemit“ analysiert er den Vorwurf der jetzt so en vogue ist. Der „neue“ Antisemitismus, so Zuckermann, ist eine Erfindung bzw ein Kampfbegriff der Israellobby; und die beherrscht den diesbezüglichen Diskurs. Dieser Vorwurf kommt nach Zuckermann gegenüber Moslems sowie Allen, die es wagen, den Apartheid-Staat Israel und sein Besatzungs- und Unterdrückungsregime gegenüber dem palästinensischen Volk zu kritisieren. Der Vorwurf des Antisemitismus und die Instrumentalisierung der Holocaust-Erinnerung dienten israelisch-jüdischen Lobbys als „Totschlag-Ideologem“, als „Instrument, ihre Gegner mundtot zu machen“. Damit würde die israelische Politik u.a. von der „Besatzungsbarbarei“ ablenken, vom israelischen Alltagsrassismus (der sich nicht nur ggü die israelischen Palästinensern richtet).

Zuckermann charakterisiert auch hier genannte inkompetente Schwadroneure, wenn er über deutsche Philosemiten/-zionisten schreibt, nicht zuletzt die “Anti”deutschen. „…allein schon die Vorstellung, dass Deutsche sich anmaßen, Juden und erst recht jüdische Israelis wegen ihrer Israelkritik des Antisemitismus zu bezichtigen, ist als nichts anderes zu begreifen als ein zur Perversion verkommenes deutsches Befindlichkeitsproblem. Man kommt nicht umhin in diesem Zusammenhang von ‚Hitlers verlängertem Arm‘ zu sprechen (…). Nur Antisemiten können Juden als Antisemiten besudeln, um sich selbst von der erbärmlichen Unwirklichkeit ihres deutschen, allzu deutschen Antideutschseins zu erlösen.“ Und: „So wird Israel von solchen Pseudo-Philosemiten nicht in seiner Wirklichkeit wahrgenommen, sondern vor allem als Projektionsfläche ideologisch verformter deutscher und auch jüdisch-zionistischer Befindlichkeit. Sollte sich etwa die abstrakte Solidarität mit einem völkerrechtlich verkommenen und verbrecherischen Israel als eine psycho-ideologisch motivierte Entlastung der historischen Schuld der Deutschen erweisen?“.

Er zeigt auch auf, dass es in diesem Milieu Wut darüber gibt, nichts wiedergutmachen zu können; weiters die Tabuisierung von Juden/Israel (vor Kritik); die Privilegierung der Juden durch eine Sonderstellung des „Antisemitismus“ ggü anderen Rassismen; dass man dort Gewalt VON Juden willkommen heisst. Deutsche hätten, so Zuckermann, „,Juden‘ zu ihrem psychohistorischen Fetisch erhoben“, wollten damit „an Israel gutmachen, was sie an den Juden verbrochen haben“. Zuckermann zeigt auf, dass der Antisemitismusvorwurf als Ideologieinstrument eingesetzt wird, mit dem alles „Unliebsame“ derart besudelt wird, „dass das eigentliche (politische) Interesse des Besudelnden sich – gleichsam moralisch – hinter dem Besudelungsattribut verstecken kann“. „An Niedertracht steht …der skrupellose Antisemitismus-Vorwurf der herkömmlichen antisemitischen Besudelung des Juden in nichts nach.“ Zuckermann geht es wie Ilan Pappe oder dem Filmemacher Guy Davidi, Juden/Israelis die nicht mit “ihrem” Hauptstrom schwimmen. Pappe wusste, dass es Probleme geben wird, wenn er seine Forschungen in Israel abseits von Wissenschaft als Herrschaftsdienst fortsetzt.

In der “Zeit” gabs vor einem Jahr eine Reihe von Gesprächen mit Juden, von Ann-Kristin Tlusty, über Antisemitismus in Deutschland, der sich von dem Üblichen etwas abhob. “Ich bin es leid, Lieblingsopfer der deutschen Schlagzeile zu sein”, so eine der Interviewten. Diese plädiert für eine solidarische Bewegung aller Minderheiten in Deutschland, die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen wollen. Rassismus und Antisemitismus gegen einander ausspielen…tun meistens die Rassisten. Zweiteres ist geächtet, Ersteres nicht, was man auch am Gebahren von Strache oder Gauland oder Trump sieht. In der Sendung “Scobel” auf 3sat ’19 Bericht und Diskussion “zum neuen Antisemitismus”; immerhin wurde dieser darin gemeinsam mit Fremdenfeindlichkeit behandelt, und auch das diesbezügliche Spiel der Rechtspopulisten. Nicht aber der bundesrepublikanische Hauptstrom à la Michael Stürmer, Tobias Huch.144 Es gibt doppelte Standards bei Rassismus und Hetze. Auch wegen den Behauptungen, es gäbe keine Islamophobie (im Sinne von rassisch-kultureller Feindseligkeit/Ablehnung), nur eine “Islamkritik” (nun ja, aus dem Islamismus wird diesbezügliche Ablehnung meist heraus argumentiert); aber Israelkritik käme aus AS.

Welche Abgründe sich unter dem Deckmantel der “Islamkritik” auftun, wird wenig beachtet. “AS”-Vorwürfe/Hysterie kommen/kommt auch als “Immunisierung” gg IL-Kritik, um Abzulenken vom eigenen Rassismus (Vernebelungstaktik), und als Möglichkeit des Angriffs, der Hetze gegen Leute (man hängt ihnen, selbstgerecht, AS an). Es gibt Antisemiten unter Israel-Kritikern. Und es gibt Rassisten unter Israelis, Juden, Zionisten, Israelfreunden. Die Exil-Palästinenserin Viola Ragheb thematisierte in einer ORF-Diskussion zum „neuen Antisemitismus“ anlässlich 60 Jahren Israel/Nakba ganz leicht auch jüdische Vorurteile und Hass gg Araber, streifte auch Philosemitismus leicht.145 Wolffsohn hat ja die Gründung der Juden in der AfD als “Akt der Notwehr“ bezeichnet – so etwas wie eigene Ressentiments gibt es ja nicht, und das Anbiedern an deutsche Rechtsextremisten zeugt ja von etwas ganz Anderem.

Der Antisemitismus-“Vorwurf” ist ein Instrument zur Machtausübung, wird, wie Zuckermann gesagt hat, wird auch dazu verwendet, um Israel bzw seine Politik sakrosankt zu machen, eigene Gegner mundtot zu machen, politische Ziele zu befördern. Das selbe gilt oft genug für Holocaust-Thematisierung und IL-Solidarität. Wenn Strache eine Veranstaltung zum “islamischen AS” abhält (s.o.) oder Missfelder sich inquisitorisch die Linke-Partei für “AS” wegen Aktivitäten ihres pro-palästinensischen (kleinen) Teils146 vornahm, geht/ging es ja eigentlich um etwas Anderes. Und mit dem Islamismus in seinen verschiedenen Ausformungen ist das Alles noch um Einiges leichter geworden. Man versucht, die eigenen Vorurteile, den eigenen Rassismus mit Antisemitismus-Vorwürfen zuzudecken147, bzw, man bringt seine Ressentiments auch mit diesem Vorwurf zum Ausdruck148

Jüdischen ethnischen/rassischen/religiösen/kulturellen Suprematismus ignorieren (oder mit Weichwatte-Formulierungen zudecken), Juden (Israelis oder andere) rein als Opfer stilisieren. Mit der Beschäftigung mit tatsächlichem/vermeintlichem islamischen Antisemitismus kann die nicht-jüdische deutsche/österreichische Mehrheitsgesellschaft vom Makel des Antisemitismus entlastet werden, und ihre Ressentiments ausleben. Das Focussieren auf AS kann eine Verdrängung (zB) des eigenen Rassismus bieten/darstellen. Für die zionistische Seite bringt sie die Ausblendung oder Umdrehung der tatsächlichen Situation in Israel/Palästina. Palästinensern wird (nicht nur) in diesen Diskursen gewöhnlich die volle Schuld für die Gewalt dort zugeschoben. Gleichwohl wirft man der Gegenseite verkürzte „Nahost“-Analysen vor.

Esther Schapira hat zusammen mit Georg Hafner ein Israel-Verteidigungs-Buch verfasst, „Israel ist an allem schuld“. Melzer hat einiges Treffende über das aggressiv-realitätsverleugnende Buch geschrieben, auch über die nicht so heroische Geschichte Israels. “…an allem schuld”, also total unschuldig, machtloses Opfer, in Wirklichkeit. Nahe daran sind das “Jaja, Juden sind dein Unglück“ (bei Israel-Kritik), “Einverstanden, Israel ist der Teufel“ (M. Friedman), oder Isabelle Daniel mit ihrer “News”-Frage an Brauer, “Man bekommt den Eindruck, dass Israel verantwortlich ist für…”. Oder die Broder-Pamphlete die Israel anklagend in der Opferrolle verorten. Oder die Anschuldigungen, Israel vernichten zu wollen, die zB nach dem Massaker auf der Hilfsflotte für das eingeschlossene Gaza kamen, die vom israelischen Militär im Mittelmeer aufgebracht wurde. Von Awraham Burg oder Peter Menasse kamen Anstösse, sich kritisch mit dieser Haltung/Mentalität auseinander zu setzen. Worauf hin natürlich umgehend die Vorwürfe des Selbsthasses kamen149, verbunden mit Selbstbeweihräucherungen.

Es wird versucht, Grenzen zu verwischen zwischen echtem Antisemitismus und Israel-Kritik. Echter Antisemitismus/Antijudaismus und Islamismus geben eine Art Feuerschutz ab, werden dankbar vermischt mit berechtigten (und für Einen unangenehme) Anliegen. Als einige Türken (oder türkische Österreicher) 2014 in Österreich (Land Salzburg) während des “Gaza-Kriegs” ein Fussballspiel mit Maccabi Haifa störten (mit einer palästinensischen Flagge über das Spielfeld rannten, vom Zuschauerbereich aus Dinge riefen), wurde nicht nur versucht, daraus reinen Antisemitismus zu machen, sondern auch, das was die Menschen im Gaza-Streifen zu erdulden hatten, in den Schatten von Bischofshofen zu stellen…150 Nicht zuletzt in Österreich, von diversesten Medien, wie orf.at151 (“antisemitische Ausschreitungen”,…). Auf informellerer Ebene die p.c. Hetze gegen Türken und Migranten infolge des Platzsturms von Bischofshofen, auch von Heinz-Christian Strache und seinem Umfeld. Alarmistische Töne von Muzicant, Juden seien (für Moslems) “Freiwild”. Und “Vermischungen” mit dem damals aktuellen Massaker in Gaza, für das vielfach die Palästinenser verantwortlich gemacht wurden.

Die Protestierenden gegen das Gaza-Massaker, die ja beim Platzsturm von israelischen Fussballern attackiert wurden, standen im März 15 vor Gericht (orf.at: “Grossprozess nach Antisemiten-Randale”). Das Verfahren wurde mit dem Prozess gegen die Bande „La Familia“ zusammengelegt, von der einige am Platzsturm beteiligt waren. Insgesamt waren 29 Personen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen zahlreiche Delikte vor – wie Bildung einer kriminellen Vereinigung, Nötigung, Verhetzung, gefährliche Drohung oder schwere Körperverletzung. Zwei 19-Jährige mussten sich wegen Verhetzung im Internet zur Zeit des “Platzsturms” verantworten, ihnen wurden Facebook-Postings in dem Zhg zur last gelegt. orf.at schrieb vom “antisemitischen Platzsturm”, “mildem Urteil”. Ach ja, im Sommer darauf hielten sich Eintracht Frankfurt und Leeds United im Bundesland Salzburg zu Trainingslagern und einem Testspiel gegen einander auf; und beim Aufeinandertreffen in Eugendorf (Flachgau) gab es 25 festgenommene “Fussballfans” sowie verletzte Polizisten, Sicherheitsleute und Zuschauer. Und das ganz ohne Türken, sondern mit deutschen und englischen Fussball-Freunden.

Platzstürme gab es immer wieder, aus verschiedenen Gründen, in verschiedenen Sportarten, verschiedenen Orten. Der in Bischofhofen war eigentlich ein Laufen mit einer (palästinensischen…) Flagge über das Feld, wurde von Bedeutung weil Benayoun & Co angriffen, und weil versucht wurde, von dem was in Gaza vor sich ging, abzulenken. Bei der Tour der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft in Grossbritannien zu Apartheid-Zeiten, 1969/70, gab es viele Proteste (gegen das System für das diese Sportler standen), auch den einen oder anderen Platzsturm. „Springbok“ Francois D. “Mannetjies” Roux wurde bekannt, weil er dabei einen Anti-Apartheid-Protester am Spielfeld trat, den Ball auf einen anderen warf. Dafür wird er von manchen Apartheid-Nostalgikern noch heute verehrt…

Die Darlegungen zu „Antisemitismus im Fussball“ spiegeln den allgemeinen AS-Diskus wieder, ein Blick darauf lohnt sich. Im Herbst 14 wurde übrigens das Derby in Tel Aviv zwischen Maccabi und Hapoel nach einem Platzsturm abgebrochen. Das WM-Qualifikations-Spiel zwischen den Auswahlen Österreichs und Israels bei Tel Aviv 2001, nach spätem österreichischen Ausgleich (durch Andreas Herzog) wurde der ORF-Reporter H. Huber mit Gegenständen beworfen. Und, man lese und staune, in Israel gibt es auch eine „La Familia“. Dies ist ein Fanclub von Be(i)tar Jerusalem, der besonders rechts, rassistisch, anti-palästinensisch, gewalttätig ist. Dazu muss gesagt werden, dass die Beitar-Bewegung mit dem Likud (früher Herut) verbunden ist. Mitte 16 nahmen israelische Staatsorgane bei einem Großeinsatz 56 Mitglieder des rechtsextremen Fußballfanclubs „La Familia“ fest, nachdem ein Insider über Gewalttaten von Mitgliedern (“in ganz Israel”) ausgesagt hatte.

Der Rassismus bei Betar Jerusalem ist nicht auf die Fans beschränkt; nach dem israelischen Pokalfinale 09 sang der Spieler Amit Ben-Schuschan (israelischer Nationalspieler) mit den Fans (und vor TV-Kameras) ein rassistisches Lied gegen den “israelischen Araber” Salim Toama (der damals in Europa spielte), einem Nationalteam-Kollegen von ihm. Es ist dies ein beliebter Beitar-Jerusalem-Fan-Song. Aus dem en.wikipedia-Artikel über Ben(-)Schuschan wurde diese Tatsache ohne Begründung von jemand Unregistriertem gelöscht, und danach nicht wieder rein gestellt. Rassistische Sprechchöre oder Transparente in israelischen Stadien richten sich bevorzugt gegen Palästinenser (“israelische Araber”), auch oder gerade wenn diese für das israelische Nationalteam spielen… Was hier zu Lande zu einem “antisemitischen Skandal” gemacht wurde (Bischofshofen 14), Sprechchöre, Anpöbelungen und Ähnliches beim Fussball, ist in Israel besonders für israelische Palästinenser Alltag, von dem hier niemand Notiz nimmt (dort auch wenige). Ebenso, die oben erwähnten Zwischenrufe von Scheibenreif im österreichischen Parlament – nichts gegen das was sich israelische Palästinenser die Abgeordnete im israelischen Parlament (Knesset) sind, anhören müssen. Und, Randale und Vandalismus gegen pro-palästinensische Info-Stände (zB) in Wien (zB) könnten eigentlich auch mit Bischofshofen (Rennen mit einer Flagge über den Platz, Sprechchöre) verglichen werden.

Wie gesagt, jene gegen die sich Rassismus und Hetze im israelischen Fussball primärst richtet, sind die israelischen Palästinenser (auch oder gerade wenn sie für das israelische Nationalteam spielen), von denen Schwarz-Friesel ja sagt, dass sie “exakt die gleichen Rechte” hätten wie jüdische Israelis, was bzgl der Theorie schon nicht stimmt, für die Praxis aber schon eine hirnverbrannte Aussage ist. Auch gibt es beim Fernbleiben von iranischen Fussballern (Minavand, Hashemian, Dejagah,) von Europacup-Spielen mit ihren europäischen Klubs bei israelischen Klubs grosse Aufregung, wird von “Antisemitismus” und “Judenboykott” geschrieben. Obwohl dieses Verhalten aus der jetzigen Beziehung Irans zu Israel zu erklären ist, und obwohl moslemische/orientalische Fussballer152 dort regelmäßig Feindseligkeiten ausgesetzt sind. Als Rapid Wien zu einem EC-Spiel nach Israel kam (~frühe 10er), wurden die türkisch-stämmigen Spieler und ein ägyptischer Betreuer nach der Landung am Flughafen vom dortigen Personal “gepiesackt”. Jaja, man darf den Sport nicht politisieren.

Die vertraglich zugesagte Bewegungsfreiheit von palästinsischen Sportlern zwischen Westjordanland und Gaza-Streifen (wie auch für Wissenschafter,…) wird vom israelischen Militär immer wieder unterbunden. Der Fussball-Verband Palästinas hat deshalb Mai 15 eine Suspendierung Israels beim Kongress des Weltverbands (FIFA) beantragt. Der Antrag wurde nach der Einführung einer Vermittlungs-Kommission unter dem Südafrikaner M. Gabriel “Tokyo” Sexwale zurückgezogen, gegen eine Garantie auf Bewegungs-Freiheit der Fussballer; diese wurde mehrmals gebrochen. Der israelische Fussballverband warf Palästina damals “eine Vermischung von Politik und Sport” vor. Dieses Vorgehen sei „komplett gegen die Vision der FIFA“, so IFA-Präsident Ofer Eini. Nicht die Schikanen gegen die Fussballer bzw das Nationalteam eines FIFA-Mitgliedsverbands sind das Problem, stellt eine Politisierung des Sports dar, sondern die Reaktion, das darauf Aufmerksam-machen… “Der Konflikt” in einer Nussschale.

Der palästinensische Nationalspieler Mahmoud (al) Sarsak (Sarsouk) wollte 2009 den Gaza-Streifen verlassen (beim “Erez-Checkpoint”) um in das Westjordanland, zur palästinensischen Auswahl, zu reisen. Dabei wurde er von israelischen Staatsorganen verhaftet und in Folge 3 Jahre in sogenannter “Administrativhaft” festgehalten… Auch hier stellt sich die Frage, wo die Politisierung des Sports ist, beim Einsperren eines Fussballers oder beim Aufmerksam-Machen auf eben das. Bei Sarsouk oder Ben Schuschan wird mitunter schon die Thematisierung als “antisemitisch” ausgelegt, als das Problem dargestellt/aufgefasst, nicht als das zu Grunde Liegende. Da sind die doppelten Standards, da steckt Vieles aus dem allgemeinen AS-Diskurs drinnen. Bei Spielen von Leeds United waren früher Insignien der National Front sowie Hakenkreuze fester Bestandteil der Kleidung vieler Fans; damals waren Schwarze, heute Moslems, die Feindbilder. Als es 1987 eine Aktion dagegen mit Flugblättern gab, kam eine Beschuldigung der Vereinsleitung, damit Politik ins Stadion zu tragen…dennoch wurden mit der Aktion Änderungen bewirkt.

Nathan (früher Anatol) Scharansky ist aus der Sowjetunion nach Israel eingewandert, vor der diesbezüglichen grossen jüdischen Einwanderungswelle am Ende des Kalten Kriegs. Er gründete eine (rechte) israelische Partei, für diese Einwanderer aus Russland, Ukraine,…, wurde Minister, hoher Staatsfunktionär, wirkt(e) mit an der Besatzungspolitik. Dieser Scharansky hat irgend ein Buch geschrieben, das Bush junior begeistert hat; und er hat “Antisemitismus” neu (?) definiert. Die “3D”-Definition lautet: Aussagen, die eine Delegitimierung, Doppelstandards oder Dämonisierung in Bezug auf Israel enthalten, sind demnach antisemitisch. Dieser „Test“ hat erstaunlich viel Echo/Akzeptanz bekommen, wurde entsprechend promotet. Natürlich taugt er nicht, „Antisemiten“ auf die Spur zukommen. Die 3-D-Formel ist ein weiteres Werkzeug, um Israel gegen Kritik zu immunisieren. Wie eben gezeigt, werden Standards oft genug zu Gunsten Israels anders angelegt… Und S(c)haransky hat in israel/Palästina als Einwanderer mehr Rechte als die alteingesessenen Palästinenser.

Wie schon thematisiert, gab es Aufregung, dass einem Israeli von Kuwait Airways der Mitflug verweigert wurde, da sprangen auch deutsch-österreichische, hauptsächlich rechte, Politiker, auf und stimmten in den Chor der Empörung ein. Dann findet man so etwas: Nicht-jüdische (palästinensische) Israelis mussten auf Druck von jüdischen Israelis ein Flugzeug verlassen, ihnen wurde der Mitflug verweigert. Da kommt dann, sofern die Sache überhaupt thematisiert wird, der Vorwurf, diese Thematisierung an sich sei „antisemitisch“… Man dürfe Israel nicht so viel kritisieren. Wo sind die ungleichen Standards? Wer misst mit 2erlei Maß? Ludwig Watzal: “Was den Vorwurf der doppelten Standards betrifft, den die Kritiker der israelischen Regierungspolitik angeblich an Israel anlegen würden, verhält es sich genau umgekehrt, wie von den Israellobbyisten immer behauptet. Aktuell zeigen sich die doppelten Standards der ‘Freunde’ Israels bei der Präsentation einer Landkarte des Rappers Bushido, auf der Israel nicht zu sehen ist. Dies sei eine Infragestellung der Existenz Israels! Dagegen regt sich keiner dieser Kritiker auf, wenn auf allen offiziellen Landkarten Israels und den Straßenkarten Palästina nicht eingezeichnet ist, das heißt, inexistent ist.”153

Die Charta der Hamas und jene von Parteien wie Likud, und der Diskurs über Frieden und Vernichtung… “Zipi” Hotoveli hat sich, als Vize-Aussenministerin, von der Idee einer Zwei-Staaten-Lösung für Israel/Palästina distanziert. “Wir müssen zu der Grundwahrheit unseres Rechts auf das Land zurückkehren. Dieses Land gehört uns. Das ganze Land. Israel muss sich dafür nicht entschuldigen.” Palästinenser (oder Andere) sind bei entsprechenden Aussagen “Antisemiten”, “Islamisten”, “Fanatiker”, auf “Vernichtung” aus.154 Wolf Wetzel: “…was doppelte Standards angeht, so lieferte der Frankfurter OB Feldmann erst kürzlich ein weiteres Beispiel, wenn es um den Umgang mit Annexionen geht. Wenn das Russland macht, wie mit der Krim, dann hört man nicht auf, dies zu kritisieren und … mit Wirtschaftsboykott darauf antworten. Ganz anders sieht es hingegen mit der Annexion von Ost-Jerusalem durch den israelischen Staat aus. Darauf folgte bis heute kein lauter Ruf, diese aufzugeben, auch keine Wirtschaftssanktionen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann hatte vor zwei Wochen die Schirmherrschaft für Feierlichkeiten zu ’50 Jahre wiedervereinigtes Jerusalem’ übernommen.”

Wenn es um Anteilnahme an der Besatzungssituation der Palästinenser geht, kommt gerne auch der Verweis auf Syrien oder Sudan, dort sei es vieel schlimmer (das gilt natürlich nicht, wenn es um die Unterstützung für israelische Politik geht), Anteilnahme für Palästinenser (oder Libanesen,…) daher unberechtigt, heuchlerisch und letztendlich antisemitisch. Zum Teil wird das aus den vorgeblichen “doppelten Standards” abzuleiten versucht, zT behauptet dass die Motivation für das Engagement daraus käme, dass es um (bzw “gegen”) Juden gehe. Beim Anschlag auf eine Kundgebung der türkischen Kurden-Partei HDP 2015 schrieb orf.at: “Bombenanschlag auf eine regierungskritische Demonstration“. Im Falle von Israel, zB einer Demo israelischer Palästinenser, würde daraus eine “anti-israelische Demonstration“. Die aktuellen Proteste in Honkong gg (die VR) China werden im Westen zumindest publizistisch unterstützt; dabei haben Protestierende ein Feuer in einer U-Bahn-Station gelegt. Wenn etwas derartiges, sagen wir an einem Busbahnhof, in Israel geschehen würde…(die Reaktion israelischer Staatsorgane, die der Medien hier).

Kritik an israelischer Politik oder israelischen Militäraktionen wird in der Regel mit den behaupteten “doppelten Standards” zu diffamieren versucht. Aus einem Diskussionsforum: „Das ist Standardprogramm des Counter-Insurgency, der Aufstandsniederschlagung. Jetzt so zutun als wenn das was wäre was nur Israelis machen zeigt Dein wahres Gesicht. Eine von Hass zerfressene Fratze!!!” Der englische Begriff soll wohl davon ablenken, wessen Geistes Kind man ist, oder wessen Enkel… Der Opa der evtl schon mitgeholfen hat, Widerstand/Partisanen in Frankreich oder Jugoslawien zu unterdrücken, war evtl selbst noch entzückt von den diesbezüglichen Methoden in Palästina (gewesen sein). Dieses “als ob das nur die Israelis machen würden” ist auch hier völlig belanglos; bei Kritik (zB) an Aufstandsniederschlagungen der Briten in Nord-Irland kommt jedenfalls kein “die Anderen machens auch”. Gerne werden auch tatsächlich/vermeintlich antisemitische Filme/Serien in islamischen Ländern thematisiert, nicht aber solche (zB amerikanische), die sich durch Rassismus gegenüber den Menschen/Völkern in Westasien/Nordafrika auszeichnen, mit “trivialen” Charakterzeichnungen und “eindeutigen” Zuschreibungen. Solche mit (wie “Homeland”) oder ohne israelische “Mitarbeit”.

Ähnlich ist es mit Webseiten, solche wie “palestinefacts” oder “sultanknish” werden als über jeden Verdacht erhaben gesehen, nicht der Hetze geziehen. Doppelte Standards auch, wenn israelische Fanatiker ein palästinensisches Dorf mit Sprüchen wie “IL gehört von Arabern gereinigt” aufsuchen; so etwas würde im umgekehrten Fall als “bezeichnend”, “skandalös” etc dargestellt werden. Oder, wenn Siedler die palästinensische Flagge verbrennen (was nicht selten vorkommt)…da wird dann auch nicht die Frage gestellt, wie die immer wieder zu diesen Flaggen kommen. Am “Jerusalem-Tag” feiern Israelis/Juden die Eroberung von Ost-Jerusalem während des “Sechstagekrieges” 1967, das danach annektiert wurde, als “Wiedervereinigung”. An dem Tag ziehen immer auch “Aktivisten” (nennen wir sie mal so) durch das palästinensische Viertel in der Jerusalemer Altstadt sowie andere solche Wohngegenden im Osten Jerusalems (die noch irgendwie palästinensisch sind), siehe. Mit Sprüchen wie „Mavet le Aravim!“ (“Tötet die Araber”), Fahnen,… Das ignorieren natürlich (zB) die deutsch-österreichischen “Aktivisten”, die sich jährlich über einen anderen Jerusalem-Tag echauffieren, den von Khomeini eingeführten “Quds-Tag”. Es stellt sich die Frage, wie verbreitet unter diesen deutsch-österreichische (Philo-) Zionisten die Anteilnahme am (zionistischen) Jerusalem-Tag ist, inklusive dem was er jährlich für Palästinenser bedeutet…man muss ja nur an den Maul (s.o.) denken.155

Doppelte Standards sind natürlich auch gegeben, wenn Böhmermann (s.o.) so “gehypt” wird, mit „Satiren“ in die eine Richtung; wenn aber Gefühle von “Anderen” verletzt werden… Manch einer, der durch Günter Grass’ Gedicht 2012 in seinen seelischen Grundfesten erschüttert war (und vor heiligem Zorn bebte), war entzückt (zB) von Thilo Sarrazins “Abschaff”-Buch, war dort (und anderswo) ein glühender Verfechter der Freiheit der Meinungsäusserung, der Kunst, der Wissenschaft,…156 Bei einem Auftritt in Istanbul 2012 entblößte “Madonna” ihre Brust und zeigte dem Publikum ihren Rücken. „No Fear“ (Keine Angst) stand da auf nackter Haut geschrieben, was als “solidarischer Gruss” an die türkischen Frauen verstanden wurde, die damals gegen ein Verbot von Abtreibungen demonstrierten. Am französischen Nationalfeiertag trat sie in Paris (bzw St. Denis) auf, zeigte ein Video, in dem FN-Chefin Marine Le Pen kurz mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zu sehen war. Die Politikerin klagte die Sängerin, die dann auf das Video verzichtete. Auf der selben Tournee wurde Madonna dann in Israel angefeindet, weil sie als “Ungläubige” Kabbala “praktiziert”. Diese Aufregung ist aber erhaben, der Umgang mit ihr ein anderer.157

Als Irans Präsident Hassan Rouhani in Italien zu Besuch war, wurden die Nacktstatuen im Kapitolinischen Museum in Rom verhüllt (ein unnötiges “Entgegenkommen”), und zum Abendessen wurde kein Wein gereicht (akzeptabel). Gewisse Chauvinisten, die das anprangerten, nahmen keine Notiz bzw keinen Anstoss daran, dass Bushs Justizminister John Ashcroft zB eine halbnackte Frauenstatue in seinem Ministerium verhüllen liess. Oder an anderem Gebahren von mächtigen Evangelikalen in der USA, immer unterstellend dass das “Fortschrittliche” auf der einen Seite ist, das “Rückschrittliche” auf der anderen. Aber nicht nur das, in Bezug auf Saudi-Arabien, wo “Prüderie” (nennen wir das mal so) nicht nur staatlich strenger “formalisiert” ist, sondern auch in der Bevölkerung, der Gesellschaft viel tiefer verankert ist als im Iran, toleriert “man” Derartiges gerne; schliesslich ist dieser Staat ja ein Verbündeter des Westens, der USA, von Israel.

Am Beispiel des (afro-amerikanischen) Bildungswissenschafters (von CNN als Experte kontaktiert) Marc Lamont Hill zeigt(en) sich auch die doppelten Böden der Meinungsfreiheit. Hill hat im November 2018 am Nakba-Tag (begangen am Tag des UN-Teilungsvorschlags für Palästina) im Rahmen einer UN-Veranstaltung eine Rede gehalten, dabei zu Unterstützung für die Palästinenser aufgerufen, und  gesagt: “We have an opportunity to not just offer solidarity in words but to commit to political action, grass-roots action, local action and international action that will give us what justice requires and that is a free Palestine from the river to the sea”. Hauptsächlich wegen dieser Formulierung “freies Palästina vom Fluss (Jordan) bis zum (Mittel-) Meer” gab es eine Empörungswelle. Der israelische Militärsprecher Mayer brachte diese Aussage mit einem CNN-Bericht über Antisemitismus in Europa in Verbindung, legte also nahe dass sich Engagement gegen oder kritische Behandlung von Antisemitismus von einem Sender nicht vereinen liesse mit einem solchen Mitarbeiter. Tenor dieser und anderer Empörungsmeldungen war, dass der Aufruf einen/m djihadistischen/islamistischen zur Vernichtung Israels darstelle oder gleich komme. Auf Druck hin entliess CNN Marc L. Hill, die Universität in Pennsylvania an der er wirkt(e), wollte das auch tun, möglicherweise ist es auch schon geschehen.

Möglicherweise hat Hill ja etwas Anderes gemeint, als ihm unterstellt wird. Der Jordan begrenzt das Westjordanland (auch wenn Palästinenser aus dem Jordan-Tal weitgehend vetrieben worden sind und das Gebiet laut Trump/Netanyahu-“Friedensplan” auch formal Israel zugesprochen werden soll) und das Mittelmeer bekanntlich den Gaza-Streifen. Und zwischen diesen Gebieten (die von Israel belagert bzw besetzt werden) liegt das völkerrechtlich mehrheitlich so anerkannte Israel, mit einer palästinensischen Rest-Bevölkerung (“israelische Araber”), als Unterworfene. Möglicherweise hat er ja irgendwann erläutert, was er mit “freiem Palästina” meinte. Aber angenommen, er hat es im Sinn eines unabhängigen Staates der Palästinenser im Gebiet des gesamten historischen Palästinas gemeint: Dann zeigt sich der Unterschied zu jenem Echo das kommt, wenn Politiker (ob israelische wie Hotovely oder Bennett, oder andere), Journalisten, Wissenschafter Israel so definieren wie Hill Palästina definiert hat… Und, abgesehen davon, dass der Wunsch nach einer Annexion des Westjordanlands in Israel nicht wirklich eine Aussenseiterposition ist (Netanyahu redet etwas um den heissen Brei herum): die Realität (oder: die Ironie?) ist dass Israel seit der Besetzung dieses Gebiets seine Einwohner drangsaliert und vetreibt bzw grosse Teile von ihnen “säubert”158, und das ist mittlerweile seit über 5 Jahrzehnten im Gange.159

Um davon abzulenken, vom Essentiellen (dieses Konflikts) also, kam ja die ganze Aufregung. Dieser Hill habe zur Vernichtung Israels aufgerufen, nur nicht darüber reden was Anlass der Rede war (die Nakba), was er sonst noch so gesagt hat und was in Israel/Palästina vor sich geht. Da waren Einige dankbar für diese Formulierung von ihm. Nochmal: Eine Annexion der “Westbank” würde die Besatzungssituation für die Palästinenser dort weiter verschärfen, aber Israel herrscht (durch sein Militär) bereits wie ein “Besitzer” über dieses Land. Und, im zionistischen Diskurs ist in der Regel von “Judäa und Samaria” die Rede, wenn davon die Rede ist, eine Bezeichnung, die Besitz-Gefühl und -Anspruch zum Ausdruck bringt. All das wird aber allgemein nicht als genozidär ausgelegt, und auch nicht, wenn israelische Spitzenpolitiker oder Israel-Lobbyisten (in der USA) die Annexion dieser palästinensischen Restgebiete fordern/ankündigen, davon sprechen dass “uns das ganze Land gehört” und eine Zwei-Staaten-Lösung ablehnen…160 Und wenn Netanyahus Sohn schreibt, dass “Moslems” (Palästinenser) Israel verlassen sollten (und damit meint er wohl das Land vom Meer bis zum Fluss…), dann ist das höchstens eine “muslimfeindliche” Äusserung, oder gar nur eine “islamkritische”…(> III). Wo sind also die doppelten Standards?161

Wir bleiben bei den doppelten Standards. Diese gibt es auch beim Umgang mit ethnisch-religiösen Markierungen, racial profilings und Ähnlichem, dem Definieren von Menschen über ihre ethnische/religiöse Zugehörigkeit, Beurteilungen,… Jene, die Obama eine moslemische Identität (bzw “Loyalität”) anhängen woll(t)en und seine US-Staatsbürgerschaft anzweifel(te)n, plärren los wenn es um Rahm Emanuel (Obamas ersten Stabschef im Weissen Haus) geht, die Hervorhebung von dessen jüdischer Identität/”Loyalität” und dessen israelischer Staatsbürgerschaft (die er früher hatte). “The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life” ist ein 1994 erschienenes, “kontrovers diskutiertes” Werk des Politikwissenschaftlers Charles Murray und des Psychologie-Professors Richard Herrnstein von der Harvard University.

Der Titel bezieht sich auf die Glockenkurve der Intelligenztestwerte. Die Autoren analysieren unter Anderem die Daten einer umfassenden Längsschnittstudie zu den Lebensverläufen amerikanischer Jugendlicher im Zeitraum von 1979 bis 1990 (der “National Longitudinal Survey of Youth”). Schwarze/ Afro-Amerikaner werden darin als, genetisch veranlangt, weniger intelligent beschrieben/eingestuft. Zum Prozess gegen OJ Simpson rückte die “Jewish Defence League” (JDL) an, wies auf die Jüdischkeit des einen Opfers, dessen Mord Simpson zu Last gelegt wurde (Ronald Goldman), hin, zeterte gegen Simpson. Das “singling out jews” tun sie (zB hier). Dagegen, auf die Jüdischkeit des Autors der oben genannten Studie, Richard Herrnstein, hinzuweisen…

Oder: Zu Demonstrationen gegen Trump oder Bush zB in GB kann man lesen, dass dies mehrheitlich “Dunkelhäutige“ oder „Moslems“ gewesen seien. Als Otto Habsburg sagte, dass in der USA das Aussenministerium von Schwarzen und das Verteidigungsministerium von Juden dominiert sei, legte man bezüglich Afro-Amerikanern ebenfalls andere Standards an; Kritik bekam er nur für den zweiten Teil der Aussage. Weiter mit den doppelten Standards: Mehrmals angerissen wurde bereits die Abkanzelung/Diffamierung linker, zionkritischer Juden, bei gleichzeitiger Instrumentalisierung von Leuten aus dem “moslemischen Raum”, zB bei “Stop the bomb” dropthebomb. „Der Herr Avineri spricht nur für sich, niemanden anderen“ (bzw ist ein “Verräter”), aber: die „Grüne Partei des Iran“ (Kaboli), die „Reform-Partei Syriens“ (Ghadri) sind Ausdruck von “Reformwillen” (und es ist egal, für wieviele sie sprechen). Man sieht, wo (und von wem) die unterschiedlichen Standards angelegt bzw hochgehalten werden. Kein Universalismus sondern Lobbyismus, Doppelmoral.

Zum Abschluss des Abschnitts über Doppelstandards kommen wir zu „Verschwörungstheorien“ und dem unterschiedlichen Umgängen damit. Zunächst, nicht alle Verschwörungen sind Theorien, Angelegenheiten/Projekte wie “Cointelpro”, “Mkultra” oder „Operation Ajax“ haben sich längst als faktisch herausgestellt, auch wenn Manches daran noch unklar ist. Und nicht Alles, was Leuten missfällt, muss auch unseriös und perniziös sein. Alternativ-/Verschwörungstheorien zu den Anschlägen vom September 2001 in der USA, wie von Mathias Bröckers, Andreas von Bülow, Gerhard Wisnewski, Daniele Ganser wurden/werden gerne als “antisemitisch” gebrandmarkt. Dazu sei hier nur gesagt, dass man wohl davon ausgehen muss, dass es Islamisten gibt (bzw gab) mit dem Willen, solche Anschläge durchzuführen. Ob sie auch das “Können” (die Möglichkeiten) dazu hatten162, ist eine andere Frage, wird eben von Manchen abgestritten. Bülow hat sich zB den Zorn von Broder und “hagalil” zugezogen mit seinen Theorien. Es gab aber auch Theorien/Behauptungen anderer Art, und es gibt auch hier jene, die in die “eine Richtung” dämonisieren/diffamieren, in die andere verharmlosen/banalisieren.

Der bereits erwähnte Journalist Kocina, nach Beschmierung der Aussenmauer der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit “was unseren vätern der jud ist für uns die moslembrut seid auf der hut! 3. weltkrieg – 8. kreuzzug”, 2009: „Baghajati163 hat die angeblichen Täter der Schmierereien mE ein wenig zu schnell identifiziert.”… Jedenfalls ist die Verbindung von Nazi-Geist und Hass gegen Moslems (ob man ihn nun “Islamophobie” nennt oder anders) etwas, die manche nicht so gern sehen, lieber andere Allianzen “konstruieren”. 1993 kamen beim Brandanschlag (aus der Neonazi-Szene) in Solingen fünf Menschen türkischer Abstammung ums Leben. Die AfD fordert ’18 (25 Jahre danach) eine „unvoreingenommene Untersuchung“/ “ideologiefreie Aufklärung“ dazu.

Der argentinische Generalstaatsanwalt Alberto Nisman beschuldigte (ab 2006) das iranische Regime, hinter den Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Argentinien 1992 und 1994 zu stehen und die libanesische Hisbollah der Ausführung, die IR ausserdem, ein Terrornetzwerk in Südamerika aufgebaut zu haben. Es heisst, hochrangige argentinische Politiker wie die Präsidenten Menem und Kirchner hätten die Ermittlungen behindert (um das Verhältnis Argentiniens zu Teheran nicht zu belasten). 2015 wurde Nisman tot in seiner Villa gefunden, angeblich am Tag, als er sich im Parlament äussern und Beweise für seine Vorwürfe gegen Cristina Kirchner und ihren Aussenminister Hector Timerman präsentieren sollte. Es wurde ein Selbstmord festgestellt, aber die Verschwörungstheorien blühen. Wie gesagt, “man” ist flexibel mit seinen Beurteilungen/Einschätzungen. Wenn darüber spekuliert wird, wer Juliano Merr-Khamis oder Henri Curiel getötet haben könnte…

Tja, und Matthias Matussek hat zwei Dokumente “entdeckt”, die einen „Bevölkerungsaustausch“ bzw eine „Umvolkung“ im Westen (mit/durch “Nicht-Westler[n]”) beweisen sollen. Gegen Gräuelpropaganda dieser Art hat ein Broder ja nichts einzuwenden, im Gegenteil. Und Matussek findet sich durch Kritik in seinem Verschwörungsdenken bzgl “politischer Korrektheit” und dergleichen noch bestätigt. Etwas in der Art von einer feindlichen Übernahme des Abendlandes sieht auch Glenn Beck in Vorbereitung. Der US-amerikanische rechte Kommentator (TV-Sender Fox) dichtet eine Verschwörung von Islam und Kommunismus zu einer „neuen Weltordnung“. Andere (die mehr mit der Zeit gehen) sehen hier China mit am Werk bzw eine sino-islamische Weltverschwörung.164 Beck engagierte sich passenderweise gegen Barack Obama und warf diesem “anti-weissen Rassismus” vor, ist ein christlicher Zionist, kämpft gegen den „Zerfall nationaler und religiöser Werte“, auch mit der Tea Party zusammen. Die Verschwörungsbehauptungen von Giselle Littman (“Bat Yeor”) bzgl “Eurabien” sind hier ja auch nahe daran.165

Beim Krieg Israels 06 gegen Libanon (Hisbollah) und Gaza (Hamas) wurde ein UN-Stützpunkt im Dorf Kana/Qana im Süden Israels vom israelischen Militär angegriffen, dabei circa 60 Zivilisten (Libanesen, die dort Zuflucht gesucht hatten) getötet. Es hiess dann, Hisbollah-Kämpfer hätte sich darunter versteckt und die Leute seien zum Verlassen aufgefordert worden. Israel wurde auch vorgeworfen, einer UN-Forderung nach Waffenruhe zur Evakuierung der dortigen Zivilbevölkerung abgelehnt zu haben, auf Flüchtende geschossen und die Angriffe fortgesetzt zu haben, als die Bergearbeiten anliefen. Jedenfalls blüh(t)en die Kana-Verschwörungstheorien, nicht zuletzt in Blogs, die ähnlich “gepolt” sind wie Glenn Beck. Was andere israelische Operationen betrifft: Die versuchten Anschläge in Ägypten 1954 (unter falscher Flagge), die einen Abzug der Briten von dort hinauszögern/verhindern sollten, werden inzwischen nicht mehr geleugnet, sind gesichert.166 Die Anschläge im Irak 1950/51, ebenfalls unter falscher Flagge (auf jüdische Einrichtungen und mit dem Ziel, Juden dort zur Auswanderung nach Israel zu bewegen), werden schon lange nicht mehr energisch abgestritten, man kann davon ausgehen…

Anders verhält es sich mit dem False flag-Angriff auf die “USS Liberty” 1967. Dass Michael Oren, danach israelischer Top-Diplomat und Politiker, darüber vor ein paar Jahren ein Buch verfasste, in dem er Alles in den Bereich von bösartigen, widerlegter Unterstellungen zu schieben trachtete (und gebot, dass der “Case” nun “closed” sei), zeigt die Priorität der Zurückweisung dieser Sache für Vertreter Israels. en.wikipedia.org/wiki/Conspiracy_theories_in_the_Arab_world ist ein Wiki-Artikel, der im Grunde Vorwürfe erhebt, indem (in diesem Fall “den Arabern”) Böses unterstellt wird, das Spinnen von Verschwörungstheorien“. Wenn man die Bearbeitungsgeschichte durchgeht, dürfte man Einige finden, die zB auch im en.wiki-Artikel über “Racism in Israel” mitarbeiten/mitgearbeitet haben, natürlich mit der selben Agenda, nur eben dort nicht mehr so um “Vollständigkeit”, “Aufklärung”, “Abbildung der Realität” bemüht. Das Gatestone Institute brachte auf seiner hp einen Artikel zum israelischen Nationalstaatsgesetz, “The Secret Reason Arabs Reject the Jewish Nation-State Law”; auch das von und für Leute(n), die nur gewisse Verschwörungstheorien ablehnen bzw zum Gegenstand von Vorwürfen machen.

Manche, die bei Martin Hohmann (CDU, nun AfD) oder Susanne Winter (FPÖ) die “Islamophobie” bejubelten (“Meinungsfreiheit”, “unbequeme Wahrheiten”), jaulten bei deren “Antisemitismus” auf. Winter hat auf Facebook einen Link zu einem Artikel von „Der Spiegel“ geteilt, in dem der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban die Finanzindustrie für die Migration nach Europa verantwortlich macht, allen voran den (ungarisch- und jüdisch-stämmigen) US-amerikanischen Finanzinvestor George Soros. Auch Strache schoss sich auf Soros ein. Etwa im April 18, damals als Vizekanzler, in einer Radio-Diskussion mit Ex-Kanzler Kern (SPÖ). Als er erklärte, dass der Milliardär an der Unterstützung der Flüchtlingsbewegungen nach Europa beteiligt war/sei. Auf Kerns energische Einwände (Soros werde von Rechtsextremen zum Feindbild gemacht) zog Strache die Opferkarte (Kern versuche, „den Brunnen zu vergiften“), und: „Die Konfessionsebene spielt hier keine Rolle“. Kritik an Soros sei legitim und berechtigt, solche gebe es etwa auch vom israelischen Ministerpräsidenten. Womit er Recht hat.

Auch Andere in der FPÖ, wie Johann Gudenus, lehnen Soros mit diesen “Begründungen” ab. Als sich Bundeskanzler Sebastian Kurz, auch zur Zeit der schwarz-blauen Koalition, mit Soros traf, gab es im IT (soziale Medien, Diskussionsforen,…) einen “Shitstorm”; von „Verrat“ wurde da geschrieben, Soros als “einer der grössten Teufel unserer Erde“ bezeichnet, die Behauptungen wonach dieser mit seinem Geld Wirtschaftsmigranten nach Europa treibe wiederholt. Was “Verrat” betrifft, Kurz passt tatsächlich besser zu (Soros’ Gegnern) Trump und Netanyahu (und Strache). Soros wird (hauptsächlich in der USA) auch als Sponsor von Obama diffamiert, von jenen, die diesen auch als verkappten Moslem, als Förderer von Latinos, usw. darstellen. Zum Beispiel vom rechten Lobbyisten und Verschwörungstheoretiker Frank Gaffney (Center for Security Policy, Endowment for Middle East Truth,…), einem Trump-Unterstützer.167

Auch Trump griff natürlich George Soros, der ja liberale Anliegen unterstützt, an. Auch mit der Behauptung, dass Soros “Einwanderungs-Karawanen” finanziere. Bei Trump zeigt sich ja, wie nahe die Verachtung für Lateinamerikaner oder Schwarzafrikaner bei jener ist, die er für Moslems hat (die er mit Islamismus begründet)… Trump und seine Anhänger machen (wie auch Strache) einen Unterschied zwischen “schlechten”, liberalen Juden wie Soros und “guten”, zionistischen wie Netanyahu. So ist es auch in Orbans Ungarn, darüber bereits in Teil II. Die rechtsnationale ungarische Fidesz-Regierung von Viktor Orban betrachtet den Liberalen Soros als ihren Feind, wiederum hauptsächlich mit dem Vorwurf, einen Plan zur Ansiedlung von Migranten in Europa zu verfolgen; ausserdem würde er den ungarischen Nationalstaat unterminieren. Die Fidesz-Mehrheit im Parlament hat auch ein Gesetzespaket “gegen Soros” (der den Holocaust in Budapest überlebte, dann auswanderte) beschlossen; darin geht es u.a. um Strafen für jene die Flüchtlingen ausserhalb des staatlichen Rahmens helfen.168

Die Orban-Regierung liess auch Plakate mit Botschaften gegen Soros verbreiten. Es heisst, viele davon wurden beschmiert mit Worten wie “Dreckiger Jude”. Andras Heisler, Präsident der ungarischen Juden-Organisation MAZSIHISZ, schrieb einen offen Brief an Orban, in dem er um einen Stop der Anti-Soros-Kampagne bat. Diese, so MAZSIHISZ, sei nicht antisemitisch, fördere aber antisemitische Gefühle. Doch: Israels Regierung unter Netanyahu verteidigte Orban und dessen Anti-Soros-Kampagne… Israels Botschafter in Ungarn, Yosef Amrani, kritisierte auch die Kampagne gegen den 89-Jährigen (sie wecke “traurige Erinnerungen”,…); doch: seine Chefs im Aussenministerium distanzierten sich von dieser Kritik, in einer Stellungnahme in der Soros beschuldigt wurde, auch den Staat Israel zu unterminieren. Wie ja schon erwähnt, verachtet Netanyahu (und der zionistische Mainstream) Soros mindestens so wie Orban, Trump, Strache.

Natürlich stecken hinter den Ressentiments gegen Soros, den Auffassungen von ihm als Finanzier und Strippenzieher der globalen Linken, antisemitische (oder anti-jüdische) Vorbehalte. Aber der “Antisemitismus”-Diskurs ist inzwischen derart auf Diffamierung von Israel-Kritik ausgerichtet, dass Orban & Co nichts zu befürchten haben, sie bekommen ja von Netanyahu selbst den Segen, mit dem sie gute Beziehungen unterhalten. Gegen Juden, die in ihren Ländern oder international links engagiert sind wie Soros, Ronald Kasrils, Norman Finkelstein (oder früher Andrew Goodman) kann man sich also einigen. Der rechtsextreme Amerikaner, der 2018 in einer Synagoge in Pittsburgh 11 Menschen erschoss, übertrug gewissermaßen das was er Soros zum Vorwurf macht (“die weisse Rasse zu zerstören”), auf Juden generell. Wie schon erwähnt, die israelische Regierung und die grossen amerikanischen jüdischen Organisationen verteidigten Trump damals gegen Vorwürfe, eine Mitverantwortung für den Anschlag zu tragen. Manche versuchten auch, Anti-Soros-Hetze in ihre israelzentrierte AS-Definition aufzunehmen.169

Literatur & Links

Norman G. Finkelstein: Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte (2006). Englisches Original: Beyond Chutzpah: On the Misuse of Anti-Semitism and the Abuse of History

Moshe Zuckermann: „Antisemit!“ Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument (2010)

Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher (2017)

Arn Strohmeyer: Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt.
Hitlers langer verhängnisvoller Schatten (2015)

Ilan Pappe: Die Idee Israel – Mythen des Zionismus (2015)

John Bunzl und Alexander Senfft: Zwischen Antisemitismus und Islamophobie: Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost (2008)

Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemit. Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit (2018)

David Ranan: Muslimischer Antisemitismus. Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland? (2018)

Peter Novick: Der Umgang mit dem Massenmord (2001). Übersetzung von The Holocaust in American Life (1999).

Rolf Verleger: Hundert Jahre Heimatland. Judentum und Israel zwischen Nächstenliebe und Nationalismus (2017)

Avraham Burg : Hitler besiegen: Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss (2009)

Siad Abusiad, Hillel Schenker: Islamophobia and Anti-Semitism (2006)

Evelyn Hecht-Galinski: Das elfte Gebot: Israel darf alles. Klartexte über Antisemitismus und Israelkritik (2012)

Arne Hoffmann: Warum Hohmann geht und Friedman bleibt. Antisemitismusdebatten in Deutschland von Möllemann bis Walser (2005)

Allan Harris-Cutler, Helen Elmquist-Cutler: The Jew as Ally of the Muslim. Medieval Roots of Anti-Semitism (1986)

Arn Strohmeyer: Ist Antizionismus gleich Antisemitismus? Eine Antwort auf Kritiker meines Buches Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt. Hitlers langer verhängnisvoller Schatten (2016)

Joseph Massad: The Persistence of the Palestinian Question (2006)

John Bunzl: Der lange Arm der Erinnerung: Jüdisches Bewusstsein heute (1987)

Eckhard Jesse: Philosemitismus, Antisemitismus und Anti-Antisemitismus. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse und Rainer Zitelmann (Hg.): Die Schatten der Vergangenheit (1990)

Greg Shupak: The Wrong Story: Palestine, Israel and the media (2018)

Avi Shlaim: The Iron Wall: Israel and the Arab World (2001)

Birgit Rommelspacher: Anerkennung und Ausgrenzung. Deutschland als multikulturelle Gesellschaft (2001)

Yair Auron: Holocaust, Rebirth, and the Nakba: Memory and Contemporary Israeli-Arab Relations (2017)

Petra Wild: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina: Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat (2013)

Reza Zia-Ebrahimi: When the elders of Zion moved to Eurabia: conspiratorial racialization in antisemitism and Islamophobia. In: Patterns of Prejudice, 52:4, 314-337 (2018)

The Holocaust, BBC & Anti-Semitism Smears

Ludwig Watzal über den heutigen “Antisemitismus”-Diskurs, besonders in Deutschland

Wie das politische Weltbild der Antisemitismusforscherin Schwarz-Friesel zum Nahostkonflikt deren Forschungsergebnisse prägt

Abraham Melzer über 4 Bücher zu dem Thema, darunter eines von ihm, und einige zentrale Punkte von ihm zum Thema

Über Traditionslinien in denen sich Antisemitismus/ Antijudaismus tatsächlich befindet

“Antonio-Stiftung enttarnt unerschrocken die neuste Form von Antisemitismus”

Mutiger Artikel von Ludwig Watzal über den aktuellen „Antisemitismus“-Diskurs

Für eine Definition von anti-palästinensischem Rassismus!

Über zionistische Argumentationsmuster, in denen der “Antisemitismus”-Vorwurf verwendet wird

“Linker Antisemitismus” und andere Schimären

Über die Koryphäe in Sachen „Antisemitismus“ (und vielem Anderen), Henryk Broder 

Über Ungarns Juden unter der nationalistischen und proisraelischen Regierung Orbans

Über die Joachim-Schröder-“Antisemitismus-Doku”

Über diverse Bücher zum Thema

“Antisemitismus 2.0”

Rolf Verleger über Vorurteile ggü Juden und Moslems

Grundlegendes zum Thema

Hass gegen eine jüdische Schule? Und, wer stellt die Verbindung von Juden zu Israel eigentlich her, wer bezieht eindeutig Position im Israel-Palästina-Konflikt, sieht sich quasi als Partei?

“Anti”deutsche

World Holocaust Forum at Yad Vashem: Hijacking the Shoah, Whitewashing Nakba

It’s Media—Not Bernie Sanders—That Have an Antisemitism Problem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Der Afghane der in Oberösterreich mit einem Messer einen Betreuer schwer verletzte und einen Unbeteiligten tötete, hatte Medienberichten zufolge mit anderen Flüchtlingen schweren Streit um Alkoholkonsum gehabt> Alkohol ne, Morden ok
  2. Die aus einer assyrischen Familie aus dem Irak kommt
  3. Und ja, es gibt da sicher Überschneidungen zwischen diesen beiden Gruppen…siehe Artikel II
  4. Dazu gehörten auch die aschkenasisch-zionistische Einflussnahme ggü den Mizrahis, und ihre Entwurzelung
  5. حزب الكتائب اللبنانية‎, Ḥizb al-Katā’ib al-Lubnānīya
  6. Nach dem Mord an der 85-jährigen Mireille Knoll in Paris im März 18, einer jüdischen Holokaust-Überlebenden, mutmaßlich durch ihren moslimischen nordafrikanischen/maghrebinischen Nachbarn, wurde in Frankreich ein “Manifest gegen einen neuen Antisemitismus“ verfasst, in dem gefordert wird, dass „die Verse des Koran, die zum Mord und zur Bestrafung von Juden, Christen und Ungläubigen aufrufen, von den theologischen Autoritäten für ungültig erklärt werden“. Dazu stellen sich die Fragen, ob der Täter wirklich von solchen Koran-Stellen motiviert war, inwiefern es theologische Autoritäten mit Anerkennung in der gesamten moslemischen Welt gibt, inwiefern religiöse Schriften an die Gegenwart “angepasst” werden können/sollen; im Tanach/Altes Testament der Bibel gäbe es da auch Einiges
  7. Die Briten sollten dazu gebracht werden, sich nicht aus der Suez-Kanal-Zone zurückzuziehen
  8. Möglicherweise gab es unter den Gegnern seiner Wahl auch jene, die generell ein Problem mit “Nicht-Westlern” in solchen Positionen haben
  9. Siehe Link zum Text im “Rubikon” unten
  10. Siehe Teile II & III
  11. Wenn er tadschikischer Afghane ist, dann sprechen beide eine Form des Persischen, siehe
  12. Der ja selbst mit seiner Knesset-Rede ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, > Teil I
  13. Bzw dem von ihm initiierte Thinktank „Denkwerk zukunftsreich“
  14. Nach dem Massaker des Norwegers Breivik, der Broder in seinem Bekennerschreiben Broder vielfach lobend erwähnte (neben Glick, Pipes,…), hakte er sich bildlich bei Sarrazin und Kelek ein, spielte das Unschuldslamm, machte sie zu Komplizinnen seiner Denkart
  15. Er hat etwa mit Pat Condell Einiges gemeinsam…
  16. Ggü Saudi-Arabien aber schon, die muss man schon tolerieren…
  17. Sind die bei den Identitären bzw in der FPÖ aufgehoben? Die Frage drängt sich auf angesichts dieser Runde
  18. Was auf de.wikipedia (wo selbsternannte “Wächterräte” und “Politbüros” herumtrollen) über ihn steht, kann man sich vorstellen
  19. Und ein “Thema” für die jüdische “Diaspora”. Karl Pfeifer in Wien nannte ihn zB „Kronzeugen der ‘National-Zeitung’“; der attackiert nicht zuletzt kritische/liberale (Ex-) Juden wie Levy, Baruch Wolski, John Bunzl,… bringt gleichzeitig Magdi Allam & Co (als Kronzeugen)
  20. Wobei sich wieder mal Dieter Graumann hervor tat
  21. Eine diesbezügliche “Keule” war: die „iranische Nachrichtenagentur“ würde gern Bunzl zitieren
  22. Seine „Abgrenzung“ von PI ist eine Geschichte für sich…
  23. Der Zionismus stellt für sie ein Angebot in mehrfacher Hinsicht dar
  24. Jene die universelle Standards hoch halten
  25. IL-Kritiker werden in die Rolle der “neuen Nazis” gedrängt, Fremdenfeindlichkeit stellt kein Problem dar bzw sei “mehr Phantom als Realität”, Deutschland ist eigentlich zu wenig rechts. Alle Neonazis sind ja Einzeltäter, die (noch) nicht kapiert haben, dass ihre Heimat die CSU/ÖVP sein sollte
  26. So ähnlich werden auch andere Hass-Prediger verharmlost
  27. Man kann das auch auf Lateinamerika “herunterbrechen”: Bolsonaro bejubeln (oder früher Pinochet) und gleichzeitig das Regime in Venezuela beklagen (weil es für die Venezolaner schlecht sei)
  28. Auch oder gerade Broder hat seine, beruft sich auf seine, manche “arbeiten” auch mit ihm zusammen
  29. Ende 19, nach einem der letzten Spieltage in der Qualifikation für die Fussball-EM 20: Jene, die die sich über den türkischen Salut-Jubel (bezogen auf den Kriegszug nach Syrien) aufregten, und über Äusserungen der türkischen Deutschen Gündogan und Can dazu, waren “zurückhaltend” zu Hitlergruss und “Affenrufen” aus dem Publikum in Bulgarien, beim Spiel gegen das englische Team (mit einigen “Schwarzen”). Und Yahoo Sport titelte: “Kaan Ayhan nach verweigertem Salut-Jubel aufs Übelste beschimpft”
  30. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: ihr Engagement gegen Zwangsverheiratungen und Genitalverstümmelungen von Frauen ist berechtigt
  31. Anstatt es zu unterstützen. Siehe Ägypten (Sisi), Libyen (Haftar) oder Tunesien (wo KSA Salafisten unterstützt anstatt Demokraten). Wie soll eine Demokratisierung arabischer Länder in die Gänge kommen, wenn man Gewählte stürzt, Destabilisierung bzw Undemokraten unterstützt? Die “schizophrene” Politik des Westens, zusammen mit Saudi-Arabien Islamismus zu unterstützen, gibt es mindestens seit den 1980ern (Afghanistan; und dort verbündete man sich gegen eine Regierung, die an einer Säkularisierung des Landes arbeitete). Und, wie schon geäussert, der “böse” Iran ist auch als Islamische Republik um Einges fortschrittlicher als KSA, als Staat, erst Recht aber als Gesellschaft
  32. Besonders aus deutsch-österreichischer Sicht. SU-Panzer in Prag 45, 68 > die eigene Schuld vor 45 wird von Deutschen/Österreichern gelegentlich mit dem SU-Eingreifen 68 zu relativieren versucht
  33. Ein IL-Freund auf seinem Youtube-Kanal: “ALL ZIONISTS AND PATRIOTS – WELCOME!” > ausser natürlich Palästinenser und “Ähnliche”. Auch bei jenen, die die Apartheid in Südafrika unterstützten, gab es natürlich keinen Respekt für die nicht-weissen Nationalitäten Südafrikas oder Nationen Afrikas (höchstens Bestrebungen, sie gegen einander auszuspielen), diese wurden als klar niederrangig gesehen
  34. Und zB auf Youtube kann man in Kommentaren lesen, was sie mit ihnen am liebsten machen würden, was sie ihnen wünschen
  35. Oder die Mustarabin (Duvdevan,…)
  36. Bei Mangosuthu G. Buthelezi und seiner Inkatha-Partei war es so, dass man Interessen des Zulu-Volkes über die allgemeinen der schwarzen Völker Südafrikas stellte, und die traditionellen Strukturen der Zulus (mit einem König) erhalten wollte; dies liess einen zum Gegner des ANC und Partner der NP-Regierungen werden. Apartheid-Südafrika hat sich (im Rahmen seiner “Detente-Politik”) auch in Schwarzafrika engagiert, zB in Nigeria, anlässlich der Sezession Biafras, und im darauf folgenden Bürgerkrieg (1967-70). Weniger weil man über die Biafrer (bzw die Ibo) eine bessere Meinung hatte als über andere “Schwarze”, eher aufgrund der Aussicht, Afrika zu spalten… Neben Apartheid-Südafrika unterstützten auch Israel und das Portugal des Estado Novo (Kolonialmacht in Afrika, die letzte grosse dort) die Sezession, und Deutsche von Rolf Steiner bis Tilman Zülch
  37. So etwas gibt es v.a. unter den Maroniten des Libanons, wie auch Aql einer war. Dieser “Phönizismus” korrespondiert mit dem “Pharaonismus” in Ägypten (den auch hauptsächlich Angehörige einer christlichen Minderheit, dort Kopten, vertreten) oder auch mit Formen des iranischen Nationalismus’ (der Iran wurde zwar nicht arabisiert, aber islamisiert, von den Arabern). Manche werden diese “Bewegungen” als Neo-Shu’ubiyya zusammengefasst
  38. Die ist ja eine “subversive Terroristin”, die ins Gefängnis gehört. Jene, die anhand Betty Mahmoody oder Hatun Sürücü den “Kampf der Kulturen” durchexerzieren möchten, sind bei Tamimi oder Omar ruhig
  39. Sie soll demnächst “Hedy Lamarr” in einer Serie spielen
  40. Der Fall der Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani war ein Beispiel, wie Islamisten (in diesem Fall das iranische Regime) Islamophoben Steilvorlagen zur Profilierung liefern. Mohammadi-Ashtiani wurde 06 wegen Beihilfe zum Mord an ihrem Mann und Ehebruch zum Tode verurteilt, was weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Die Strafe wurde umgewandelt und sie durfte 14 das Gefängnis verlassen. Um 06 herum gab es Engagement von “Bild”-Zeitung bis Sarkozy für sie, gab diesen die Chance, sich als fortschrittlich und um Menschenrechte besorgt zu zeigen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Sarkozy war einer, der Ben Ali, Ghadaffi, Mubarak bis zuletzt die Stange hielt
  41. Für Entsprechendes kämpf(t)en Juden in der Diaspora
  42. Initiiert vom Rechtsextremisten Michael Kleiner
  43. Bishara hatte in und nach diesem Krieg darüber geklagt, dass Israel die palästinensischen Gegenden im Norden wenig(er) bis nicht vor Beschuss aus Libanon schützte, und sogar Leute (israelische Palästinenser dort) als lebende Schutzschilder benützte, indem es Artillerie-Einheiten neben deren Dörfern positioniert
  44. Einen gebildeten und christlichen Palästinenser kann man nicht so leicht in die Islamisten-Ecke stellen, das macht zornig. Scheit schrieb übrigens in „Jungle World“ ein „Lob des Zinses“, was auch zeigt, dass in diesen Kreisen vom alten Antisemitismus gerne einfach das Negativ propagiert wird; mit der Deutschtümelei war es ähnlich, da gibt es aber längst eine Tendenz zu einem neuen Deutschchauvinismus
  45. Die arabisierten Länder bzw Völker sind nicht wirklich eine Nation, hier zum Beispiel Ägypten
  46. Afrikanern schlägt dort eine ähnliche Verachtung entgegen wie Arabern. Und es wird dabei von einer “Verteidigung ggü dem Islam” geredet, auch wenn es um Christen geht, wie bei den Südsudanesen
  47. „Heute“-Titel: „Strache (fordert): Schächten stark einschränken!“ > Was hat Isabelle Martens dazu gesagt?
  48. A propos: Richard Silverstein über das israelische Gezeter gegen Bishara, Einer warf ihm “provokative Mätzchen” vor. “To how many Jewish politicians would Baron attribute the dismissive label ‘antics?'(Mätzchen) And I’d like to remind you that southern Whites labeled Martin Luther King’s Montgomery bus boycott or Malcolm X’s speechifying in precisely the same terms. You dismiss what you fear and do not understand. But you do so at your peril because dismissing it will not make the issue or person go away.” Broder oder “Gabriel” werden übrigens gefeiert für ihre “Provokationen”, aber Aufmüpfigkeit in/ggü Israel ist eben eine andere Kategorie
  49. Vielleicht sogar einige Unterzeichner des Aufrufs, wenn sie ihm begegnen
  50. Nazanin Boniadi > Scientology!
  51. Und es gibt etliche Palästinenser sowie Israel-Kritiker, die nicht nach Israel/Palästina einreisen könn(t)en
  52. Oder, zumindest in einem Interview, in dem er über dieses Buch redete
  53. Es gibt ja auch Österreicher, die bei Leuten aus Ex-YU eigentlich auf “Tschuschen” oder so programmiert sind, und sich erst an den neuen Status der Serben als “Abendlandretter (FPÖ, “Anti”deutsche,…) gewöhnen müssen
  54. Oder doch? Sebastian Kurz sagte als Aussenminister zu “Die Welt”: „Erdogan entwickelt das Land in eine falsche und gefährliche Richtung. Sein Umgang mit Kritikern, Andersdenkenden und Minderheiten ist absolut inakzeptabel. Präsident Erdogan zeigt definitiv diktatorische Züge“. Die Türkei bewege sich immer weiter von Europa weg. Bezüglich ethnisch-religiösem sowie politischem Pluralismus hat sich die Türkei unter der AKP entgegen verbreiteten Vorstellungen gegenüber der kemalistischen Herrschaft positiv entwickelt. Dass eine Entmilitarisierung der türkischen Politik nötig war, zeigte auch der Putschversuch 2016… Der Putsch 1980 passierte mit Unterstützung der USA (evtl gg Carters Willen), unter der folgenden Militärdiktatur wurden rund 650 000 Menschen verhaftet, rund 250 000 kamen vor Gericht, mehrere Hundert starben durch Hinrichtungen oder Folter. Diese Zeit ist für Kurz oder die Springer-Presse keine seriöse Betrachtung wert. Die Ablehnung türkischer EU-Ambitionen bewirkt eine Annäherung der TR an ihre Region (oder umgekehrt…) und eine Schwächung der Prowestlichen dort (CHP), die aber auch sehr nationalistisch sind, und die meisten Putsch/Militärdiktatur-Befürworter wird man dort finden… Auch Fox hat den Putschversuch 16 unterstützt (begrüsst), Saudi-Arabien bzw sein Kronprinz etwas diskreter. “News” stellt den Putschversuch in eine Reihe mit islamistischen Anschlägen sowie Amokläufen in Europa, als etwas mit dem man hier fertig werden müsse… Und Österreichs damaliger Innenminister Sobotka, über jene Türken, die hier gegen den Putschversuch demonstrierten: „Unter dem Deckmantel der Demonstrationsfreiheit innenpolitische Meinungsbilder aus der Türkei in Österreich zu verbreiten, ist inakzeptabel“. Wieso dann nicht auch, wenn gejubelt wird, dass die „Free Deniz-Welle durch Deutschland rollt“? Oder bei den Referenden über die türkischen Verfassungsänderungen 10 & 17 (ebf im Zeichen der inneren Polarisierung, Elite-Masse, Westküste-Anatolien, Stadt-Land; und der verzerrten westlichen Darstellung), wo “Nein” (Hayir)- Befürworter auch im westeuropäischen Ausland Kampagnen durchführten, da war der „Import türkischer Politik“ für diverse Journalisten (“Neue Kronen Zeitung”, “Jungle World”,…) oder Politiker (> v.a. in Deutschland) kein Problem, im Gegenteil, sie wurden promotet. Jene, die Türken (bes. Erdogan-Anhängern) vorwerfen, türkische Themen nach Deutschland/Europa zu importieren (bzw der Türkei, sich hier einzumischen), machen selbst genau das… Beim Vorgehen türkischer Polizei gegen Demonstranten unter Erdogan war auf einmal ist für den Westen autoritärer Staat und Polizeigewalt in der TR ein Problem, gibt es „Solidarität“ und Menschenrechtsbedenken mit Türken u.a. in Deutschland. Menschenrechte, Putsche, Demokratie,… das wird im Westen sehr flexibel gehandhabt, wie sich auch anhand des Mursi-Sturzes in Ägypten zeigt(e). Oder im Unterschied bei den Reaktionen zu den Verhaftungen/Verurteilungen/Inhaftierungen von Marwan Barghouti (Fatah) und Selahattin Demirtas (HDP), in Israel bzw Türkei. Und wieso gab es früher nicht diese Kritik bzw Thematisierung von Inhaftierungen/Verurteilungen in der Türkei; als das politische System dort “passte”, waren die Inhaftierten/Verurteilen selbst schuld. Es gibt westliche Kritik an türkischer Antiterrorgesetzgebung, man will eine präzisere juristische Definition von „Terror(ist)“ (eigtl zu begrüssen), wirft der Regierung vor, ihre Kritiker/Gegner als solche einzusperren > und manche westliche Staaten selbst, Israel?! Simon Hadler kürzlich auf orf.at über den türkischen Film „Tereddüt“ von Yesim Ustaoglu (mit Frauen im Mittelpunkt): “Ustaoglu hätte es sich leicht machen können und in eine narrative Kerbe schlagen, die von Populisten und Freizeitkommentatoren in ganz Europa gepflügt wird: gute Türken in den Städten, rückständige Türken auf dem Land; gute Säkulare, böse Islamisten; hier die postmoderne Glücksverheißung, dort das Mittelalter. Doch Ustaoglu lässt Grautöne zu.” Genau so undifferenziert werden Türken im Westen normalerweise eingeteilt, und das Ende der EU-Beitrittsverhandlungen (das nun stark gefordert wird) trifft die “aufgeklärten Stadttürken”… Es gibt angeblich viele Asylansuchen von türkischen Diplomaten und ihren Familien in Deutschland, nicht wenigen wird statt gegeben; was ansonsten als Beleg für die schleichende Unterwanderung westlicher Werte (und Überfremdung) durch die regierenden naiven Gutmenschen genommen worden wäre, wird nun zur eigenen Bestätigung herangezogen. Was bei Erdogan-Kritik so Alles mit erledigt wird…von westlichem Hegemonie-Anspruch bis zur politisch korrekten Fremdenfeindlichkeit; wenn Strache sagt, dass Doppelstaatsbürger „Scheinstaatsbürger“ sind, die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt werden soll, tanzt er mit seinem Hintern ja auf 2 Hochzeiten, geht es ihm auch darum, dass Türkisch-Stämmige rassisch-kulturell nie echte Österreicher werden können; “Schein-Österreicher”. Weg aus Westen/Europa sollen sie (Einwanderer unerwünscht, Nicht in EU,…) aber wenn sie das tun und sich dem Osten, ihrer Region zuwenden…wird auch aufgejault. Und Saudi-Arabien (wo bzgl Menschenrechte und Islamismus alles viel schlimmer ist) lässt man freudig gewähren. „Homophobie“ bei Moslems thematisieren, aber nicht bei den (zionistischen) Evangelikalen…je nach Bedarf…..so wie man auch auf Saudi-Arabien andere Massstäbe anlegt als auf Iran
  55. Brachte im Streitgespräch mit dem türkisch-österreichischen Autor Türkmen die kurdische “Sache” gg ihn vor, der ist selber teilweise Kurde (Grenzen sind nicht immer so klar)
  56. Wobei solche wie er dann erst recht vor Saudi-Arabien kapitulieren, und Iran dämonisieren
  57. “…deren SDF-Milizen als bisherige Verbündete Amerikas den IS in Syrien quasi im Alleingang besiegt haben.”
  58. War das wirklich jemals anders?
  59. Und, für jene mit für diese Milieus durchschnittlichen Kenntnissen über diese Region, einen weiteren “arabischen” Staat… Es würde auch Bemühungen geben, Kemalisten, gewisse Pan-Iranisten,… trotzdem und weiter “bei der Stange” zu behalten
  60. In “Nähe” zu jenen nicht-jüdischen West-Chauvinisten, wie Wilders, die auch Schächten oder Penisbeschneidung ablehnen… aus rein rationalen Gründen natürlich (Grausamkeit ggü Tieren, Gesundheitsüberlegungen)
  61. Nebenbei, von dort gingen damals die Entstehung des Islams, die Eroberungen in Persien und Byzanz und die Arabisierung der semitischen Bevölkerung Palästinas aus
  62. Wobei es nach wie vor umstritten ist, ob es sich bei den Mhallami um Araber, Aramäer/Assyrer oder Kurden handelt. Übrigens: Zumindest “grenzwärtig” war stellenweise ein Artikel von Dominique Bergson in der “FAZ” vor einigen Jahren über arabische und andere Clans in Deutschland und ihre kriminellen Praktiken (“Berlin gehört den Clans”); in einzelnen Formulierungen, etwa wenn er über “Dunkelhäutige” schrieb, und in seiner Tendenz (Deutschland werde von denen ausgenommen, müsse ohnmächtig zusehen)
  63. 2010 brachten zwei Führer der “Anti”deutschen Bücher dazu heraus, Osten-Sacken (mit Anderen) „Verratene Freiheit“, Grigat und sein Partner „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“…
  64. Wie ist bei Leuten wie diesem Frankenberger “Westen” denn definiert?
  65. Und nochmal: Anfang 17 traten auf einer Volksmujahedin-Veranstaltung in Paris nicht nur Newt Gingrich, Joseph Lieberman, Rudolph Giuliani und John Bolton auf; diese Herrschaften wären schon Gegengewicht genug zu den iranischen Mullahs gewesen, Gegengewicht im Sinne von “auf andere Art genau so schlimm”; es trat auch Prinz Turki Bin Faisal al Saud auf
  66. Auch einer: Efraim Karsh hat zum Iran-Irak-Krieg 02 ein Buch herausgebracht; dort einerseits der Versuch, die kurdische Karte zu spielen (> gg Hussein-Irak), andererseits der, den Iran als Schuldigen des Kriegs darzustellen (> indirekt Apologetik Hussein-Irak, der damals ja auch vom Westen unterstützt wurde). Die IR Iran beachtet internationale Urheberrechts-Abkommen nicht; weshalb dort zB Raubkopien von Kenneth Timmermans Buch über westliche Waffenlieferungen an Saddam Husseins Regime im Irak, während dessen Krieg mit Iran, zirkulieren. Timmerman ist aber ein Neocon, der dieses Buch herausbrachte, um einen Krieg gegen Irak zu promoten. Und inzwischen längst trommelt er für einen gegen Iran. Das Bild wird dadurch abgerundet, dass Timmerman ein ehemaliger “kalter Krieger” ist, gegen den afro-amerikanischen Bürgerrechtler Jesse Jackson hetzt…und seine Organisation “Foundation for democracy in Iran“ genannt hat
  67. Mit der belutschischen Jundullah wird auch wieder Islamismus unterstützt, wie in den 1980ern in Afghanistan…
  68. Unter der die politische Karriere des Wehrmacht-Führungsoffiziers Franz J. Strauss begann
  69. Ein Jude, der sich nicht über Religion definierte
  70. Während aus IL-Kritik “AS” gemacht wird, um den Gegenstand dieser Kritik zu apologetisieren
  71. Er meint anscheinend Richard Williamson, den britischen katholischen Vagantenbischof, der den Holocaust leugnet(e)
  72. Immerhin: Da gibt es dann wieder Palästinenser(innen), für die Israel-Freunde (> Meir, Gingrich,…). Auch dann, wenn von Palästinensern (oder Personen palästinensischer Herkunft) tatsächlich/vermeintlich Israel-Lob kommt. Nayib Bukele wurde heuer zum Präsidenten von El Salvador gewählt. Der vormalige Bürgermeister von San Salvador, der aus der FMLN ausgetreten bzw ausgechlossen (worden) ist, stammt von Palästinensern ab, die anscheinend im frühen 20. Jh aus dem damals osmanischen Palästina auswanderten. Sein Vater ist (sunnitischer) Moslem (ein Vorsteher der Moslems in El Salvador, er soll auch katholische Wurzeln haben), seine Mutter (katholische) Christin, er christlich, sein Bruder anscheinend Moslem. Der britische Zweig der evangelikalen US-amerikanischen Organisation Christians United for Israel (CUFI) jubelte über den salvadorianischen Präsidenten palästinensisch-christlicher Herkunft (www.cufi.org.uk/news/el-salvadors-new-president-is-a-palestinian-and-pro-israel/): Dessen Frau sei jüdisch-sephardischer Herkunft, er habe bei einer internationalen Bürgermeister-Konferenz in Jerusalem teil genommen und dabei auch die Klagemauer besucht (“gebetet”). Und: “Upon hearing that someone of Palestinian descent had been elected President in El Salvador, many Palestinians were quick to praise him on social media. However, some then withdrew their support after realising he was pro-Israel. President-Elect Bukele is a prominent user of social media, with over 528k followers on Twitter alone. He has been retweeting various posts pointing out his pro-Israel nature, including pictures of him at the Western Wall and also praise from Jewish organisations in America.” Bis auf das Genannte lassen sich keine Hinweise auf eine “pro-Israel nature” finden… Dass seine Frau jüdischer Herkunft ist, zeigt dass er keine diesbezüglichen Vorurteile hat (und sie auch nicht), im Gegensatz zu den CUFI und anderen Israel-Freunden. In welches Narrativ passt Bukele nicht?! In jenes, das sonst gerne die Existenz von Palästinensern (als Nation, als Menschen,…) abstreitet, sie als “antisemitisch”, “fundamentalistisch”, “zurückgeblieben”,… porträtiert, auch El Salvador als “shithole country” einstuft, die “3. Welt” als “gefährlich” (für Israel) –  Triumphgeheul ist also nicht wirklich angebracht. Bei der Präsidenten-Wahl in El Salvador 04 traten sogar zwei Palästinensisch-stämmige gegen einander an, Saca (ARENA) gegen Handal (FMLN), ersterer war 04-09 dann Präsident. Was haben damals Organisationen wie CUFI wohl geschrieben, was den Salvadorianern palästinensischer Herkunft angedichtet, ihnen unterstellt…? Im Wahlkampf heuer gab es auch “Diskussionen” über Bukeles Religionszugehörigkeit, er der aus einer gemischten Familie kommt, wurde beim Beten in einer Moschee gezeigt. Wie die zionistische Haltung ggü katholischen Palästinensern aussieht (wenn diese ihre Interessen vertreten), zeigt sich bei Azmi Bishara
  73. Wie erwähnt gab und gibt es aber auch jene, die nicht über eine “Feindseligkeit” jammern, sondern zu ihrer stehen
  74. Oder, Haiders langjähriger Laufbursche Westenthaler, dieser stellte seine Verurteilung als „politisch motiviert“ dar, auch die bequeme Ausrede
  75. Bei der Wahl 15 hat er diese als im Bunde mit den “israelischen Arabern” dargestellt
  76. Und die Organisation/Bewegung Boycott, Divest and Sanctioning (BDS) agiert selbstverständlich aus Ablehnung von Juden, nicht aus Israels Menschenrechtsverletzungen ggü Palästinensern
  77. Nein, ich kann kein Antisemit oder Rassist sein, denn ich bin ja proisraelisch, sagt der Rassist
  78. Viele sind von den “Piraten” zur Linken weiter gezogen…
  79. “Juan” Cole: ”’Tony’ infiltrated a number of Jewish groups, so viewers don’t get as much of a sense of the role of Christian Zionism and Christian support for Israel in the US.It would be a wrong to conclude from this film that a few Jewish groups have disproportionate power; this can drift into an unhelpful narrative or one that gives credence to conspiracy theories. However, that’s how the groups are trying to spin it; they have claimed falsely, for instance, that Al Jazeera made a film about the ‘Jewish lobby,’ though the film never uses such language. What organizations like the Israel Project and the Israel on Campus Coalition do is fuel, feed, and try to take advantage of a narrative that is attractive to white Christian nationalists who are a strong part of President Trump’s base – and Christian Zionism is a cornerstone of this ideology.” Was “jüdische(n) Einfluss/Macht” und den Umgang mit der Behauptung betrifft, vergleiche dazu die Sache mit R. Camus und Finkielkraut in II
  80. Es geht bei ihm nicht nur um das Diffamieren und Mundtotmachen von Kritikern israelischer Politik; so nannte er beispielsweise die Führer der meisten muslimischen Institutionen in den USA “unamerikanische, fremde Elemente”, die im Verdacht stünden, “einen Geheimplan zu nähren, dessen Ziel es ist, aus den Vereinigten Staaten ein muslimisches Land zu machen”, und Obama sei vielleicht insgeheim Muslim
  81. ZB orf.at über den saudi-arabischen Luftwaffen-Piloten der in der USA (Florida) ausgebildet wurde und ’19 auf einem Militärstützpunkt drei Menschen tötete: “…hat vor der Tat möglicherweise ein Manifest auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht. Die SITE Intelligence Group und das Middle East Media Research Institute (MEMRI), die Onlinepropaganda von Extremisten untersuchen, veröffentlichten nach Angaben der ‘Washington Post’ Auszüge der Botschaft.”
  82. Zweitere arbeiten auch für MEMRI
  83. Vor einigen Jahren ist eine von CAMERA organisierte Gruppe auf der englischen Wikipedia aufgeflogen, die dort versuchte, Artikel zu ihren Gunsten zu bearbeiten – sicher nur die Spitze eines Eisbergs
  84. Vor einigen Jahren gab es eine Kampagne des Informationsministeriums, „Negativbildern“ über “das Land” entgegenzuwirken, promotet wurde das mit einem TV-Spot, in dem ein ausländischer (westlicher) Korrespondent Israelis auf Kamelen zeigt – als ob SIE es wären, die wörtlich/übertragen als Kameltreiber uÄ dargestellt würden!
  85. Es ist wie bei Tablettensüchtigen die über andere Drogensüchtige herziehen, auch, um von sich selbst abzulenken
  86. Der “Anti”deutsche Horst Pankow: “Mit den sogenannten Palästinensern steht Israel das derzeit wohl aggressivste antisemitische Kollektiv gegenüber”
  87. Der Vorwurf der „kollektiven Verlogenheit“ der Muslime, Bestandteil pseudowissenschaftlicher, pseudoaufgeklärter Muslimfeindlichkeit
  88. Zum “Argument” der “Nicht-Existenz” Palästinas Einiges in III. Natürlich geht es dabei auch darum, die Existenz der Palästinenser als (gleichrangige) Menschen in Frage zu stellen. Und um die Konstruktion der Palästinenser als Nachfahren des arabischen Heers, das Palästina im 7. Jh einnahm, und der modernen Juden als Nachfahren der antiken Israeliten. Damit nicht genug an fragwürdiger Geschichtspolitik, es wird auch noch der Koran heran gezogen, als ob der hier ausschlag-gebend wäre, so wie bei der Konstruktion jüdischer Ansprüche auf das Land aus religiösen Mythen heraus
  89. Und auf diese Region
  90. Herzl pries er dann noch als Österreicher an, wohl so eine Art Brückenbau zu hiesigen Rechten
  91. Angeblich existiert im Vatikan eine grosse Erotika-Sammlung, die auf Überprüfungen für den Index zurückgeht. Die Pornographie-Archive der religiösen Rechten, die Drogen-Asservate der Polizei…
  92. Tjark Kunstreich versuchte mal, vom Rassismus der “Anti”deutschen abzulenken und Deutungshoheit über Rassismus zu erlangen, der Rassismus gg Taubira und der Aktivismus von Dieudonné wurden dabei mit „Antisemitismus“, Rechtsextremismus, Homophobie in eine Reihe gestellt, Antizionismus eigtl richtig neben Antirassismus gestellt (auf einmal ist nicht mehr Israel DAS Kriterium > seine rechten Freunde…); dann wurde der Haken geschlagen, über den „AS“ der „Araber“ im Kampf gg den Zionismus vor der Staatsausrufung „Israels“
  93. Was an rassischen Merkmalen festgemacht wird und bei Begriffen wie “Kanaken” endet
  94. Der sich zB so ankündigt wie beim strunzndummen IL-fixierten „A“D-Blogger Thiel Schweiger aus Süddeutschland: „Rein klassenanalytisch sind diese Lumpenproletarier, Kleinstbürger und Bauern (die Palästinenser) garnicht in der Lage, einen rationalen, aufgeklärten Nationalismus zu begründen. Rhizom verlinkte vor kurzem ein Video, in dem sich eine alte Palästinenserin nach ihrem alten Haus in Ost-Jerusalem sehnte. Das ist doch eine zwar nachvollziehbare, weil menschliche, aber politisch nicht tolerierbare agrar-bornierte Einstellung, die automatisch an die deutschen Vertriebenenverbände erinnert.“
  95. Da ist man an den Historiker Wolfgang Kraushaar erinnert, einen Ex-68er, der für sich als Lösung gefunden hat, stramm pro-israelisch zu sein (und das wiederum heisst, kulturrelativistisch Grausamkeiten an Palästinensern u.a. zu dulden bzw jene die diese thematisieren, zu attackieren) und Linken „Antisemitismus“ umzuhängen
  96. „Bahamas“ hat den Begriff „antideutsch” 09 als Bezeichnung für ihre Ideologie zurückgewiesen: „Was einmal antideutsch geheißen hat, taucht heute als Apologie für das irgendwie widerständige Tun migrantischer Schlägerbanden, als Angriff auf den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr oder als vom Sozialneid erfülltes Ressentiment gegen deutsche Frührentner, die sich auf Mallorca niedergelassen haben, wieder auf”…
  97. Die Widersprüche der “Anti”deutschen gehören wo anders hin, aber: es gab/gibt die so eine Initiative, “I Can’t Relax In Deutschland” (ICRID), zur Kritik an „zunehmender Nationalisierung der Popkultur”, andererseits dann zB bei einer Veranstaltung gegen die Frankfurter Buchmesse (mit Schwerpunkt arabische Autoren) israelischer Pop (der im Programm auch als solcher ausgewisen wurde und deshalb gespielt wurde weil er hat israelisch ist, gewissermaßen die “Antithese” zum Arabischen). Die US-amerikanische Rock-Band Guns N’ Roses hat bei einem Auftritt in Israel sogar die dortige Nationalhymne angestimmt
  98. Auf de.wiki hat “eine IP” „Kontextualisierungen“ bzw Selbstbeweihräucherungen in den Maul-Artikel eingefügt: Der sei ein „umstrittener Autor“ (das ist zB David Irving auch), “Während seine Gegner seine Kritik am politischen Islam, linken Kulturrelativismus und zeitgenössischen Feminismus als Ausdruck von ‘Linkenhass’, ‘Rassismus und ‘Sexismus’ verwerfen, schätzen andere an Mauls ‘Provokationen’, dass durch sie ‘bundesweite Debatten losgetreten’ und ‘linke Gewissheiten hinterfragt würden.” „umstritten, provokativ, verwerfen, Debatten lostreten“, und bundesdeutsche Gewissheiten, deutsche Kontinuitäten. Weiter: “Maul beschrieb 2010 die islamische Weltanschauung als Symbiose aus Patriarchat, Eschatologie, Ritual, Djihad und Despotie. Geprägt sei die Religion demnach essenziell von einem ‘Phallozentrismus’, der den männlichen Trieb als ununterdrückbar kategorisiere.” Mauls Triebe und sein Chauvinismus, und seine Eigendarstellung
  99. Zuweilen gar als “parlamentarischer Arm materialistischer Ideologiekritik”; wofür die Rede Gaulands zur Gründung Israels ja nur ein Beispiel von vielen sei
  100. Vortrag „Zur Kritik des islamischen Antisemitismus und seiner Bagatellisierung“
  101. Dass die AfD pro Israel ist, ist keine Überraschung (siehe Teil II) und keine Entlastung für sie, sagt Einiges über IL aus
  102. So wie der Erfinder „kruder Allianzen“. Diese Querfronten schliessen den eigenen Bereich schliesslich auch mit ein. Der “österreichische Neokonservative” Christian Ortner arbeitet(e) bei dropthebomb oder achgut mit, ist für die Abschaffung des Nazi-Verbotsgesetzes, versucht den Mieterschutz Stalin unterzuschieben, ist leicht frauenfeindlich, und hetzte natürlich gg Griechenland wg derer „€-Sünde“. J. Agnoli, ein “A”D-Idol, war Faschist in Italien, dann Freiwilliger in der Waffen-SS, ging nach britischer Kriegsgefangenschaft nach West-Deutschland
  103. Stellt sich die Frage, wer wessen nützlicher Idiot ist
  104. Irgendwann hat Maul, passenderweise ggü “Die Welt”, seinen „Islamhass“ damit “begründet”, dass der Islam eine „menschenfeindliche Ideologie“ sei, unter der (teils in erster Linie) Menschen zu leiden hätten, die islamisch sozialisiert worden seien, redete über Rechte “migrantischer Mädchen und Frauen“,… Siehe dazu den Anti-Feminismus/Sexismus der “A”D und ihre Verbündeten und die Abschnitte oben über die Instrumentalisierung dieser Frauen und die Widersprüche dabei
  105. Bei denen ein Deutsch-Nationalismus perfekt verwirklicht ist, nicht nur bezüglich einer Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten in/aus BRD
  106. Einerseits Volkes Meinung ggü Moslems anpreisen bzw als Beleg für deren “gesunden Verstand” heranziehen, andererseits sich über Umfragen bzgl „antisemitischen Einstellungen” von Leuten in Europa entsetzt zeigen
  107. Es gab zB mal Leserbriefe im “Standard” von Ruth Wodak und Anderen zu einem Interview mit Ulrich Seidl über das Tabu der “Israel-Kritik”
  108. Es war in der Zeit von dem Anschlag in Halle, und dem Fussballspiel der Auswahlen Österreichs und Israels
  109. Ein Anderer der selbiges (?ab-) schrieb (die betreffenden Israelis seien keine Juden) in einem anderen Kommentar bei Yahoo: „Hinter Greta ‘neureich’ steht: die Open Society Foundations von George Soros! Soros steht als Galionsfigur der Eliten dieser Welt… aus diesem Grund darf auch Greta vor der Uno reden, bekommt Alternative Nobelpreise, wird medienmäßig hofiert!“. Das ist das Pro-Israel-Milieu
  110. Oder, wie hat Broder geschrieben: “Bei minderen Vergehen gegen Recht, Gesetz und Ordnung reicht der Hinweis auf den Migrationshintergrund gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit, um weitgehend Empathie mit dem Täter, Kritik am Verhalten des Opfers und die bewährte Frage zu evozieren: Was tun wir ihnen an, daß sie uns so hassen?“. Diverse andere Vergewaltigungs- und Belästigungsfälle bringen auch Risse in das Bild der Kulturkämpfer vom Westen als (sexuell) ungezwungen-freie und gleichzeitig frauenfreundliche Kultur. Und was von Rechts gegen G. Thunberg kommt…
  111. Siehe. Über diesen den globalen Süden verachtenden proisraelischen Diskurs bereits in Teil II der AS-Abhandlungen
  112. Auch bei “Hagalil”
  113. Erinnert an Jörg Haider, der sich während der Proteste gegen die Regierung mit FPÖ-Beteiligung 2000 mit seiner Familie in eine von Studenten besuchte Pizzeria in Wien setzte und sich dann als Opfer der “hinzugekommenen” Studenten gab
  114. Man sieht ja, wie gegen Unbequeme wie Watzal oder Schiffer gemobbt wird
  115. Zumal bei “IL-Kritik” vermeintliche Hintergründe hervor gezerrt bzw konstruiert werden, die Beweggründe bei IL-Apologetik aber…
  116. Der “neue AS” wird gerne als eine Art Querfront zwischen Moslems/Islamisten, Linken und gewissen Rechten (jene, die vom eigenen Brückenbau noch nicht erreicht sind) definiert
  117. Um solche wird es in einem der nächsten Artikel gehen…
  118. Der “seine” Artikel auf en. und de.wikipedia pfegt
  119. Diesbezüglich ist er zB in einem “Club 2” als Dummschwätzer aufgefallen, oder mit dem Buch über den “abgesagten Niedergang der USA” (“Wir sind alle Amerikaner“). Anstatt jenen entgegen zu treten die US-Amerikaner(innen) wie Alexandria Ocasio-Cortez oder Ayanna Pressley nicht als solche akzeptieren (wie Donald Trump) fordert er von Europäern eine Art Solidarität für die USA ein, für welche?
  120. Bei V. Orban sieht man zB wie daneben seine Einteilung der Welt ist: pro-israelisch, pro-amerikanisch (wenn kein “Neger” oder “Linker” dort Präsident ist) und in gewisser Hinsicht anti-europäisch und anti-demokratisch, jedenfalls anti-liberal; die Pelinkas versuchen ja weis zu machen, dass das Illiberale bei den “Antiamerikanern” und “IL-Kritikern” ist
  121. Zwei Brüder Otto Habsburgs haben sich auch mit jüdischen Nazi-Opfern verglichen und entsprechende Wiedergutmachungsforderungen gestellt. Dabei ging es um die Rücknahme (1938) der Rücknahme (1935) der “Habsburger-Gesetze” von 1919; wobei die Gesetzesänderungen ’35 ja zu Stande kamen, nachdem sich die Habsburger mit den damals in Österreich regierenden Austrofaschisten arrangiert hatten
  122. Andreas Koller pries in seiner Hysterie zum „antisemitischen“ Gedicht von Günter Grass 2012 2 Bücher an, von Broder und diesem Gottschlich; dass Koller keine “Berührungsängste” zum Broderismus hat, durfte nicht überraschen
  123. So etwas wie das oben über Zypern Geschilderte lässt sie natürlich aus
  124. Man ist an Norman Finkelstein erinnert
  125. Die IKG Wien verurteilte dessen Ausstrahlung im ORF
  126. > Gemeinsame Schnittmengen von Rechtsradikalen und Zionisten
  127. Andere nennen “antisemitisch”, was ihnen vor die pro-kapitalistische Flinte kommt
  128. Wen er (oder auch Joffe) von bzw in der USA und von/in Europa ausschliesst (von den Guten bzw den “Kriegführern”), sich das anzusehen, wäre seeeeeeeehhr aufschlussreich
  129. Taylor ist u.a. verbunden mit Dan(iel) Roodt, dem rechtsextremen südafrikanischen Weiss-Suprematisten. Roodt “legte nahe” (zB) dass Thabo Mbeki, Südafrikas zweiter Post-Apartheid-Präsident, kein Staatsmann sondern “ein kleiner afrikanischer Terrorist und Betrüger” sei. Das entspricht ziemlich der zionistischen Sicht auf palästinensische Politiker und Aktivisten, womit sich wieder ein Kreis schliesst
  130. Hat ein Thema, „Antisemitismus“ in Widerspruch zu Israel zu platzieren, Deutsche bekommen dabei die Chance, sich von den Orientalen abzuheben
  131. ZB „Von Auschwitz nach Entebbe – Israels Kampf gegen den Terror“…”die antisemitischen Wurzeln der palästinensischen Befreiungsbewegung in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts”…
  132. Es wurde also eine Vorauswahl getroffen, und alles Mögliche als “Antisemitismus” vereinnahmt
  133. Auch im Nachhinein. ZB: “Südafrika war ein wundervoller Ort, Schwarze durften nicht auf den selben Parkbänken sitzen wie wir, geschweige denn auf die selben Schulen gehen”
  134. Piwonka: “Man beachte die zynisch verharmlosende Formulierung”
  135. Zur chauvinistischen Affirmation von Israel als “liberal” auch in Teil II einiges
  136. 2013 erschien ihr zusammen mit dem US-amerikanischen Historiker Jehuda Reinharz verfasstes Werk „ Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert“,…
  137. Gerd Weghorn/Profiprofil: “Und Frau Schwarz-Friesel wird ihn entdecken, den Antisemitismus, der ja immer subtiler daherkommt – und wer weiß schon: woher? Und wer weiß: wohin er gehen wird, der ewig Wandernde?! Auf Schwarz-Friesel aber ist Verlass, sie wird den ‘latenten’, den flüchtigen, den virtuellen Antisemitismus der Zionisten für uns Steuerzahler dingfest machen – und für vierhundert mal tausend Euronen ist das doch wohl nicht zuviel verlangt….! Oder?”
  138. Ein Yahoo-Kommentar: “der völlig unbekannte Polak .. wenn Ich zu Ihm (berechtigterweise!) ‘Arsxxloch’ sagen würde, was bin ich dann? 1. unhöflich 2. Judenfeidlich 3. Jemand, der die Wahrheit sagt 4. Jemand, ohne Feingefühl 5. Taktlos 6. Er ein dünnheutiges, humorloser Dreckspenner, der blitzschnell die Opferkarte ‘Jude’ hervorholt, wenn es nicht nach seinem Gusto geht”
  139. Nun ja, Leute von der Antonio-Stiftung versuchen, “Antisemitismus” gegen Rassismus auszuspielen
  140. Wo er zB Recht hatte: CSU und Islamisten seien einander ähnlich
  141. Man sieht, die ansonsten vielbeschworene Streit- und Diskussionskultur fehlt, Rituale beherrschen die Szene, wenn erst einmal der AS-Vorwurf am Tisch ist
  142. Einer der Plattformen in denen Ulrich Sahm aktiv ist
  143. Reichen Polizei- und Justiz-Behörden nicht aus, Gesetzeswidriges zu verfolgen?
  144. Und auch nicht israelische Politik sowie Diskurse
  145. In einer Okto-“Nahost”-Diskussion hielt sie Doron Rabinoviczis Hinweisen auf eine “grössere Dimension” entgegen, wie sehr USA oder BRD IL (nicht zuletzt militärisch) unterstützten. Teilnehmer war auch Matthias Falter aus der “anti”deutschen Szene
  146. Wieso eigentlich “pro-palästinensisch”? Wenn es um den Einsatz für grundlegende Rechte geht. In Teil II ging es ja um rechtes Eintreten für Israel und Allianzen dorthin
  147. Bzw, seine Thematisierung damit zu ersticken. Und, auch jede Thematisierung der Besatzungssituation in Palästina und die ihr zu Grunde liegende Verachtung
  148. > Robert Wistrich, aber auch H.-C. Strache,…
  149. Es gibt einen Unterschied zwischen Selbstkritik und Selbsthass
  150. Die (hier bereits genannte) Journalistin einer rechten Gratis-Boulevard-Zeitung machte daraus eine “Story” mit einem “Terrorangriff
  151. Tiefenthaler, Wieselburg, Zimmer,…
  152. Das betrifft zB auch christliche Palästinenser…
  153. Aleksandra Bechtel von RTL zB warf “Bushido” “Antisemitismus” vor, weil dieser eine Landkarte Palästinas ohne Israel getwittert hatte
  154. Jener, der auf der Diskussionsseite des Wiki-Artikels des “Nahost-Korrespondenten” (für einige österreichische Medien) Segenreich schrieb “Ben segensreich ist korrespondent in ISRAEL, einen staat namens palästina gibt es nicht!! palästina bezeichnete vor der staatsgründung israels den betreffenden landstrich. der begriff palästina negiert explizit das existenzrech israels!” hat die Bezeichnung “(Korrespondent für Israel) und Palästina” gelöscht; dies wurde nicht rückgängig gemacht. Natürlich, Palästina hat kein Existenzrecht. Übrigens, die Berichte des Chemikers aus Wien für „Standard“ und ORF spiegelten seine privilegierte Stellung im israelischen System auch wieder
  155. Es gibt aber sicherlich auch jene, die die Randale als “Begleiterscheinungen” oder so sehen und da “nur” wegschauen, sie nicht befürworten
  156. Das betrifft natürlich nicht nur so etwas wie Grass’ Gedicht, sondern auch Sachbücher
  157. Und Manche nehmen Jean-Marie Le Pen nur seine Äusserungen über den Nazi-Völkermord an den Juden oder als er den Gazastreifen ein Ghetto nannte, übel
  158. Ja, es gibt (jüdische und nicht-jüdische) Israelfreunde die das ganz dezidiert als “Säuberung” im eigtl Sinn des Wortes verstehen
  159. Und es gab ja um 1948 eine grössere Vertreibungswelle, anlässlich dieser Nakba hat Marc Hill gesprochen
  160. Eher wird diese Thematisierung als “antisemitisch” ausgelegt
  161. Es sei an dieser Stelle auch angemerkt, dass der Empörungssturm über Martin Schulz’ Knesset-Rede, in der er das israelische Besatzungsregime über das Westjordanland sanft tadelte, nicht viel weniger schlimm ausfiel als der über Hills “genozidäre” Äusserungen. Nur nicht über das Essentielle reden… Und, jene politischen Kräfte in Israel, die den Palästinensern einen einigermaßen souveränen Staat, wenigstens in den Grenzen 48/49-67 zugestehen wollen, die sind eine sehr kleine Minderheit
  162. …Und ob in Folge die Gebäude mit ihren Stahlkonstruktionen durch die Hitzeentwicklung einstürzen konnten
  163. Er hat Tarafa B. gemeint oder dessen Frau Amina
  164. Samuel Huntington tat das etwa
  165. Und ähneln (tatsächlichen) antisemitischen Verschwörungstheorien
  166. Unter Anderem wurden die Täter/Handlanger vom offiziellen Israel geehrt
  167. Er wirkte mit Pipes, Glick, Dershowitz, Wistrich,… am Propaganda-/Hetzfilm “Obsession” mit
  168. Natürlich schätzt Orban Trump und umgekehrt, Strache nannte Orban “Mitstreiter und einsamer Verfechter eines christlichen Europas”, Seehofer lud ihn ein und Netanyahu ist hier natürlich auch nicht weit
  169. Und auf der fm4-hp jemand: “Kollegah und Farid Bang fabulieren von definierten Körpern von KZ-Insassen, eine Dokumentation wirft der deutschen Rapszene massiven Antisemitismus vor, europäische Regierungsmitglieder fahren Kampagnen gegen den jüdischen Mäzen George Soros – und Jüdinnen und Juden haben heute wieder Angst, in der Öffentlichkeit Kippa zu tragen. Es ist Zeit, wieder über Antisemitismus zu sprechen.” Und zwar mit (dem allgegenwärtigen “Experten”) Andreas Peham… Übrigens, seit wann tragen Jüdinnen Kipa? Dass es da für religiöse Frauen etwas Anderes gibt, darauf hat ja eine Kommentatorin kürzlich hingewiesen

Fiktive Drogen

Aus Krötenhaut gewonnenes Bufotenin, Arsenik, psychoaktive Lianen, Äther, Hexensalben oder Engelsstaub (PCP) gibt es wirklich und diese Stoffe wurden/werden von Menschen als Drogen verwendet. Hier eine Übersicht zu nicht-existierenden, meist in künsterischen Zusammenhängen erfundenen Drogen; das Science-Fiction-Genre dominiert.

* Moksha, im Roman “Eiland” von Aldous Huxley. Wie Soma kommt der Ausdruck aus der indischen Religiosität, er bedeutet Erleuchtung/Befreiung. Es ist im Buch eine bewusstseinserweiternde Droge, wirkt wie ein Halluzinogen, mit denen Huxley privat recht viel experimentierte. Das Gegenstück zu Soma, sozusagen

* NZT-48 im Film “Ohne Limit”/”Limitless”, das dem Protagonisten hilft, seine geistigen Kräfte voll zu nutzen

* Soma in “Schöne neue Welt” (Brave New World) von Huxley. Es gab in der indo-iranischen Kultur einen Götter-/Opfertrank, der von Indern als Soma in die Veden und bei den Iranern als Haoma in die Avesta eingebracht wurde, somit in Hinduismus und Zoroastrismus auftaucht. Die Identität des Tranks ist ein ungelöstes Rätsel, siehe dazu den Artikel auf der englischen Wikipedia. In dem Roman ist Soma aber ein Mittel zur Ruhigstellung von Menschen in einem totalitären System, das sie in einem Zustand problemvergessener Infantilität festhält. Dieses Soma wirkt wie eine Mischung aus Benzodiazepinen und Opiaten.

* Der vom Druiden zubereitete Zaubertrank in “Asterix”; wäre am realistischsten so etwas ähnliches wie aus Kräutern zubereitete Schlankheitstropfen, die “speed”-ähnlich wirken.

* „Funky cold medina“ in Song von Tone Loc

* Melange/Spice in “Wüstenplanet” (Dune) (zuerst die Romane, von F. Herbert, dann der Film)

* Das blaue “Meth” aus “Breaking Bad”

* Moloko Plus und andere in “A Clockwork Orange”

* Valkyr im Computerspiel “Max Payne” (gibts auch als Film)

* Neuroin in “Minority Report” (der Verfilmung liegt eine SF-Kurzgeschichte von Philip K. Dick zugrunde)

Weitere in Filmen: Nuke in “Robocop”, Adrenachrome in “Fear and loathing in Las Vegas” (ursprünglich ein Roman), Contrari in “C.S.A. – The Confederate States of America” (eine Mockumentary aus 2004), Retinax V, Ketracel und Romulan Ale in “Star Trek”, die Blaue & Rote Pille in “Matrix” (von Morpheus, sind eigtl. nur Symbole), Prozium in “Equilibrium”, Bacta in “Star Wars”, The Jeffery in “Get Him to The Greek”, Fluid Karma in “Southland Tales”, The Crippen Virus in “I am Legend”, CPH4 in “Lucy”, Eyedrops in “Looper”, Ephemerol in “Scanners”, The Slo-Mo in “Dredd”, HFS in “21 Jump Street”, Ladder in “Jacobs Ladder”, Scat in “The Faculty”, Soy Sauce in “John Dies at the End”, Gleemonex in “Kids in the Hall: Brain Candy”, POS 51 in “Formula 51” (wird im Film als Placebo als enttarnt), Quietus in “Children of Men”, in “THX 1138” (Film, Romanumsetzung) gibt es eine Droge zur Ruhigstellung im System, ohne Namen

In TV-Serien: Red Kryptonite in “Smallville”, Teomicil in “Arrested Development”, Retcon in “Torchwood”, die Wunderpille/Power Pill  in “Immer wenn er Pillen nahm”/”Mr. Terrific”, The Formula in “Heroes”

in Büchern: das Zauber-Pulver in Wilhelm Hauffs “Die Geschichte vom Kalif Storch” (1826), die Liebesdroge in Marmeladenform mit Nebenwirkungen in Miguel de Cervantes’ Kurzgeschichte “Der gläserne Lizenziat” bzw “Der Lizenziat Vidriera” (aus 1613), Betaphenethylamine in “Neuromancer” von W. Gibson, getrocknete Froschpillen in den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett, Can-D in “Die drei Stigmata des Palmer Eldritch” von Philip K. Dick, der pangalaktische Donnergurgler (pan-galactic gargle blaster) in “Per Anhalter durch die Galaxis” (Hitchhiker Guide to the Galaxy) von Douglas Adams (auch Hörspiel, Film,…), Cyclomit in “Against the Day” von T. Pynchon, Dittany in “Harry Potter”, DMZ in “Unendlicher Spass” von David F. Wallace, Iocaine in “Die Brautprinzessin” von W. Goldman, Lot Six in “Feuerkind” (Firestarter) von S. King, Snow Crash im gleichnamigen SF-Roman v. N. Stephenson, Boosterspice in Larry Nivens SF-Romanen, Screw in “Cult of Loretta” von Kevin Maloney, Dylar in “Weisses Rauschen” (White Noise) von D. De Lillo, Altruizine im gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem, die Schwarze Pille in Herbert W. Frankes “Glasfalle” (SF-Roman), Dreamgum in P. J. Farmers “Riverworld”-Romanen, Metaphorizin und wmk in “DZ” von S. Özdogan, The Substance D in “Ein dunkler Schirm” (A Scanner Darkly) von P. K. Dick (auch verfilmt), Abulinx in “Unentschlossen” (Indecision) von Benjamin Kunkel, die Nano-Droge Nexus im gleichnamigen Cyberpunk-Thriller aus 2012 von Ramez Naam, die es erlaubt, das Gehirn von Menschen zu programmieren

In den “Das Lied von Eis und Feuer” (A Song of Ice and Fire) – Romanen von George R. R. Martin kommen Drogen unter Namen wie Mohnblumensaft (Milk of the Poppy) vor, die Platzhalter für unschwer zu erratende reale Drogen sein dürften. Der in der antiken Literatur öfters genannte Lotos-Baum bzw seine Früchte: Plinius hat damit wahrscheinlich die Lotuspflaume gemeint; in Homer’s “Odyssé” kommt ein Völkchen vor, die Lotusesser bzw Lotophagen, die Lotus als Droge verzehren; die Pflanze ist nicht sicher identifiziert, vielleicht handelt es sich um die Lotosblume, vielleicht ist sie fiktiv, vielleicht “Platzhalter” für eine reale Substanz. Mit den “Elixieren des Teufels” im gleichnamigen Roman von E.T. A. Hoffmann können aber auch reale Drogen gemeint sein, zumal Hoffmann welche nahm. Schwarzes Fleisch (Black Meat) in “Naked Lunch” von W. S. Burroughs (verfilmt) ist wahrscheinlich nur ein Codename für Heroin, wie auch weitere in dem Buch. In den Alice-Romanen von Lewis Carrol kommen auch Anspielungen auf Drogen und ihre Wirkungen vor (zB gewisse Pilze), die aber nicht eindeutig fiktive sind.

in Comics: Venom in “Batman”, Banshee in “Ultimate X-Man” (sind eher fiktive Muskelaufbaupräparate), APTX 4869 im Manga “Detektiv Conan”, Red Eye/Bloody Eye im Anime “Cowboy Bebop”, Slurm in “Futurama” (eigtl. ein Soft Drink, aber ein süchtig machender), Chemical X (“Powerpuffgirls”), Moonajuana (“Aqua Teen Hunger Force”, Zeichentrickserie)

in PC-/Video-Spielen: der blaue Trank in “Zelda”, Triptocaine in “Heavy Rain”, Sumpfkraut (“Gothic”), Cardamine (“Freelancer”), Punga-Samen (“Fallout”), Spank (“GTA”), Adam (“BioShock”), Phazon (“Metroid Prime”), Skooma (“The Elder Scrolls”), CeX (“Drugwars”)

Weiters: Habafropzipulops (in “Church of the SubGenius”, einer Pseudoreligion), Jenkem (Urban Legend), Bindro (in Fragenkataloge über Drogenkonsum “eingeschmuggelte” fiktive Droge, ebenso Morgaptan, Astrolite,…), Complasix (Herkunft unbekannt), Strawberry Quick (Facebook Hoax-Warnung), Derbisol (bei medizinischen Tests zur Unterscheidung vom realen Debrisol “eingeschleust”)

Medikamente: Provasic (“Auf der Flucht), Novril (“Misery”), Cloviterol (“Scrubs”), Athelas (“Lord of the rings”, fiktive Heilpflanze), Gambutrol (“The Exorcism of Emily Rose”), Bramitol (bei psychologischen Experimenten zur Einnahme gegeben), Dypraxa (“Der ewige Gärtner”/”The Constant Gardener” von John Le Carré, auch verfilmt)

Siehe auch:

http://pharmama.ch/2011/03/14/fiktive-medikamente-und-drogen-in-buch-und-film/

Diese Drogen gibts wirklich

Selbst welche erfinden

John Hickman: When Science Fiction Writers Used Fictional Drugs. Rise and Fall of the Twentieth-Century Drug Dystopia. In: Utopian Studies Vol. 20, No. 1 (2009)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen zur Islamophobie

Vorbemerkungen

Für viele im Westen ist “der Islam” nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks und spätestens mit den Anschlägen von 2001 in USA zum Feindbild geworden. Cem Özdemir sprach in dem Zusammenhang von einem “Feindbildwechsel von Marx zu Mohammed”. Am unmittelbarsten war der Übergang in ein neues Zeitalter in Afghanistan, wo die kommunistische Regierung mit dem Kollaps der Sowjetunion ihre Unterstützung verlor und bald darauf gegen die vom Westen unterstützen islamistischen Mujahedin verlor. Der Begriff “Islamophobie” legt nahe, dass es dabei tatsächlich nur um die Abneigung/Ablehnung gegenüber einer Religion bzw. ihrer Politisierung ginge – und nicht um Vorurteile und Hetze gegen Menschen aus und in der “islamischen Welt” (die sich ungefähr von Marokko bis Pakistan erstreckt), die keineswegs nur an deren Religion festgemacht wird und die weit vor die Entstehung des modernen Islamismus zurückgehen. So wie echter Antisemitismus nicht wirklich auf das Judentum als Religion abzielt.

Es gibt jene (Islamophoben), die den Unterschied zwischen Rassismus gegenüber Leuten mit „muslimischem Hintergrund“ und notwendiger Kritik des Islamismus absichtlich verwischen und jene, für die dieser Unterschied nicht existiert. Die Reaktionen auf Islamophobie leisten dieser Irreführung aber oft Vorschub. Ideal ist der Ausdruck “Islamophobie” nicht (das ist auch “Antisemitismus” nicht), da er insinuiert, es ginge um diese Religion, ihre Auswüchse und Kritik daran. Der Alternativ-Ausdruck “Anti-Islamismus” deutet noch stärker auf Gegenwehr zum Islamismus hin. “Islamkritik” ist eher der angemessene Ausdruck für sachliche Auseinandersetzung mit kritikwürdigen Punkten in bzw. aus islamisch geprägten Ideologien und Gesellschaften, eine Form von Religionskritik also, gegen die nichts einzuwenden ist. Islamophobie ist eine Form von Rassismus (bzw Menschenfeindlichkeit), die aber so tut, als gehe es ihr darum, den “Islam” kritisieren zu dürfen. Es geht dabei um bestimmte ethnische Gruppen, ihre (vermeintlichen) rassischen oder kulturellen Spezifika (die als bedrohlich, fremd und minderwertig dargestellt werden), die Definition dieser durch ihr (oft vorgebliches) Islamisch-Sein, um Hetze und Heuchelei gegen sie. Einen islamistischen globalen Herrschaftsanspruch auszumachen, ist keine Verschwörungstheorie, diesen den Moslems zu unterstellen, schon. Ein Missbrauch des Islamophobie-Begriffs ist es, wenn in Paris hunderte religiöse/konservative Moslems, darunter verschleierte Frauen, bei einer Demonstration diesen Vorwurf erheben, nachdem eine Voll-Verschleierte kontrolliert worden war, oder Kritik am Islamismus als “Islamophobie” diskreditiert wird.

Die islamistischen Anschläge in den USA 2001 haben eine neue Weltära eingeleitet, die gerne als Kampf der “westlichen” mit der “islamischen” Welt verstanden/dargestellt wird. Für manch einen bot diese Entwicklung Entlastung und Gewinn. Was erst allmählich deutlich wird, ist, dass die Krise der islamischen Welt der Vorbote für den Übergang zu ihrer dringend notwendigen Reform war/ist. Das jahrhundertealte westliche Bild von Moslems bzw. Orientalen als kriegerischen, verschlagenen, unaufgeklärten Menschen wurde jedenfalls neu belebt und gestärkt. Bücher, TV-Diskussionen, Zeitschriftenartikel und Konferenzen über Gefahren durch den Islam schossen wie Pilze aus dem Boden. Mit den Zuspitzungen und Provokationen Pim Fortuyns in den Niederlanden, zuerst in Buchform, dann in der Politik (nach heftigen Attacken des Imams von Rotterdam gegen Homosexuelle), begann im Westen die intensive Politisierung des Islam-Themas. Die antiislamischen Wellen kamen nicht aus dem Nichts, sachliche Analyse und Kritik fanden aber selten statt. Vorgebliche Verteidiger einer aufgeklärten und freien Gesellschaft tauchten allerorts im Westen auf, ihre Anklagen gegen „den Islam“ waren/sind oft Plädoyers für Xenophobie und Sicherheitswahn. Die Thematik überschneidet sich mit jener der Immigration/Integration oder auch der von Nord und Süd. Bush’s Irak-Krieg 03 löste gerade bei vielen (Ex-, Pseudo-) Liberalen/Linken Begeisterung aus, etwa beim Ex-68er Hans Magnus Enzensberger, obwohl die Baath-Herrschaft (wenngleich natürlich auch totalitär) zum Islamismus geradezu eine Antithese war (nicht nur weil am Beginn ihrer Entwicklung ein christlicher Syrer stand). Das Bush-Regime hat in seiner Kriegsrechtfertigung nicht nur die “Atombomben” Husseins angeführt, sondern auch eine “Verbindung” von ihm zu al Qaida konstruiert. Die Begeisterung für den Krieg zeigte grundsätzliche Widersprüche bzw. Heucheleien in dieser Welle auf, in IT-Foren wurde er einerseits als “mutige, beherzte Befreiungsmission für die Iraker” gefeiert, andererseits als das „Niederbomben der Muselbirnen“. Der (erste) Höhepunkt der Islamübergangskrise und der Reaktion darauf war ungefähr Mitte der 00er-Jahre erreicht.

Koordinatenverschiebungen und Feindbildparadoxa infolge von 11/9: Linke und Liberale die die Rettung des christlichen Abendlands beschwören, Rechte und Konservative die plötzlich Frauen, Juden, Homosexuelle beschützen wollen. Eine Fortschrittlichkeit, Sorge um Frauenrechte, geben fast alle vor, Rückständigkeit ist ja Merkmal der Anderen. Als Islamisten in Tunis im Laufe der Umwälzungen dort ein Rotlichtviertel anzündeten bzw. das versuchten, haben sich viele in Empörung geübt, war das eine Möglichkeit, den Arabischen Frühling zu diffamieren. Andere antiislamische Kulturkämpfer wussten nicht so genau, wie damit umzugehen sei, wo hier schützenswerte Freiheit und wo verurteilenswerter Verfall zu orten ist. Betrachtungen bzw. Beurteilungen der “islamischen Welt” spiegeln eben immer innere Auseinandersetzungen der “westlichen Welt” wieder. Der westliche Liberalismus, die Postmoderne, inkl. Feminismus, Toleranz für Homosexualität, ist entweder den Wilden zu verordnen oder aber ist böse und steckt mit den Wilden unter einer Decke (Jonah Goldberg in der National Review: „The White Male is the Jew of Liberal Fascism”). Rechte Islamophobe unterstellen meist den Linken Komplizenschaft mit Moslems/Islamisten (z.B. “Antisemitismus ist links und islamisch”, jedenfalls eine Möglichkeit zu ver/urteilen), linke Islamophobe unterstellen in der Regel Moslems/Islamisten Komplizenschaft mit Rechten; Querfront-Behauptungen gehören hier einfach dazu. Manche Islamophobe versuchen aber auch den Brückenschlag ins jeweils andere Lager, die pseudo-linken “Anti”deutschen etwa gern zu den Neokonservativen.

Gewisse Topoi sind längst Mainstream geworden. Das zeigt sich etwa, wenn Molterer von der ÖVP im österreichischen Nationalrats-Wahlkampf 08 nochmal den Fall in der BRD hervorkramt, als eine Richterin in einem Verfahren den “kulturellen Hintergrund” eines Angeklagten berücksichtigte, und sich als Vorkämpfer für Geschlechter-Gleichberechtigung präsentiert. In manchen Medien hat sich bezüglich “Islam” eine Mischung aus Gruseligem und Lächerlichem etabliert, siehe Überschriften wie “Australien: Schwerverbrecher konvertieren zum Islam”. Oder die Sache mit den Gipfelkreuzen: Ursprünglich hatte das von Jörg Haider gegründete BZÖ im Nationalrats-Wahlkampf 06 in ihrer Anti-Ausländer-Kampagne, beim Versuch, die FPÖ dabei zu überholen, die Behauptung eines Briefs des irakisch-stämmigen SPÖ-Politikers al Rawi an den Alpenverein, in dem sich dieser über Gipfelkreuze als “christliche Herrschaftssymbole” beschwert haben soll, aufgebracht. Das Ganze ging aber auf einen leicht als Satire zu erkennenden “Antwort”-Brief des Alpenvereins an Rawi zurück, der absichtlich in Umlauf gebracht wurde und auf den Westenthaler vom BZÖ hereingefallen war. Dennoch haben in der Folge auch Weimer vom Springer-Verlag und Udo Ulfkotte die Geschichte mit der angeblichen moslemischen Beschwerde über Gipfelkreuze vorgebracht, zur Stützung ihrer Islamisierungs-Behauptungen. Zuletzt ging die Geschichte dann in manchen Medien so, dass in Bayern ein Werbekatalog für Touristen aus dem arabischen Raum veröffentlicht worden sei – “aus Rücksicht” ohne Gipfelkreuz auf der Zugspitze. Oder: wenn Muslime sich anders verhalten als unterstellt, betrieben sie “Taqqiya”, würden sich also verstellen um ihre wahren, finsteren Absichten zu verschleiern. Den Audruck bzw. diese Deutung haben “Islamexperten” bekannt gemacht, die in Wirklichkeit mehr Brandstifter als Brandexperten sind. Taqqiya ist eigentlich etwas schiitisches, eine Verstellung, um Anfeindungen, z.B. sunnitischen, zu entgehen, oder das stille ertragen einer feindlichen weltlichen Herrschaft wie jener der Baath im Irak.

Islamophobie ist in der Regel nicht nur rassistisch und unsachlich, sondern – offen oder versteckt – auch mit anderen Zielen verbunden. Den Islamisten an die Eier gehen ohne Neo-Konservatismus, ohne Israel-Apologetik oder -Hysterie, das machen nur wenige (Hitchens evtl.). Bei David Horowitz etwa sind Afro-Amerikaner neben Linken und Moslems die Zielscheibe, der Westen und seine Werte werden bei ihm auch vor den Chinesen wie auch vor dem Dalai Lama gerettet. Abrechnungen mit der Linken bzw. dem Antiimperialismus im besonderen sind im Zuge von “Islamdebatten” gang und gäbe. Den Westen kämpferisch „in Stellung bringen“ geht gerne einher mit Schelte an ihm ob seiner „Verdorbenheit“… Für eine Seite ist dabei (etwa) Religiosität im Westen Anzeichen für Verdorbenheit, für die andere Areligiosität. Mit dem Aufpeitschen der gesellschaftlichen Diskurse waren auch die völkerrechtsbrechenden Sauereien seit 9/11 verbunden. Jene Islamkritik, die nicht rassistisch und unsachlich ist, die wirklich universalistisch und emanzipativ ist, die gegen Ideologien und nicht gegen Menschen (aus bestimmten Gegenden und Kulturen) ist, und den Islam auch nicht als “Platzhalter” verwendet, diese ist Teil der Lösung und nicht des Problems.

Stimmungsmache gegen bestehende oder geplante Moscheen oder Koran-Verbrennungen wie die von Evangelikalen in Florida sind m.E.n. weniger das Problem, da es dabei wirklich um die Religion an sich geht. Ein rassistisch motivierter Messerangriff auf einen Taxifahrer aus Bangla Desh in New York ist schon schlimmer, oder Attacken gegen Sikh, die schnell einmal für “Moslems” gehalten werden. Ralph Giordanos Engagement gegen die Moschee in Köln ist weniger schlimm als dass er Moslems abspricht, Teil der deutschen/der westlichen Gesellschaft(en) zu sein. Heuchlerische Kriegshetze oder rassistische Psychopathologisierung wie von Frau Wilting ist bedenklicher als Mohammed-Verspottungen. Der bekannteste Fall eines Streits um eine geplante Moschee war der in New York; nahe „Ground Zero“ in Manhattan, dem Ort der Terroranschläge vom 11. September 2001 sollte ein moslemisches Gemeindezentrum (“Cordoba House” oder “Park 51”) entstehen. Präsident Obamas Unterstützung für die Pläne gab den Gerüchten um seine “geheime moslemische Identität” neuen Auftrieb (es lässt sich schon eine Überschneidung von Obama-Hassern und Koran-Verbrennern feststellen). Geert Wilders ist dort vor Moschee-Gegnern aufgetreten, amerikanische Politiker wie Newt Gingrich benutzen das Projekt für Polemiken. Nach 11/9 hetzten in den USA auch rechte Politiker von Bush abwärts nicht im Inneren gegen Moslems; längst hat sich das gedreht.

Die grössten Islamophoben wie Henryk Broder, Horowitz, die “Anti”deutschen, stellen ihre Existenz wütend in Abrede. Clemens Heni u.a. sagen, Islamophobie“ sei eine Erfindung Khomeinis, “Islamkritiker” Klaus Blees dass sie ein “Kampfbegriff gegen Islamkritik” sei, Thomas von der Osten-Sacken, dass sie  von „islamistischen Lobbies“ zur Parallelisierung des „Antisemitismus“ eingeführt worden sei, westliche Intellektuelle machten sich zu „Nachbetern“ dieser „Ideologie“, Stephan Grigat, dass der Begriff zur Delegitimierung von Kritik verwendet werde, sich der Islamophobie-Diskurs gegen Israel richte und der sich aufdrängende Vergleich mit Antisemitismus eine Frechheit sei. Auch von einem Udo Wolter gibts immer wieder Texte, die eine Islamophobie in Abrede stellen, aber bei ihm hält sich die Aggressivität der Leugnung bzw. der Gegenangriffe noch in Grenzen.

Kulturalismus und Rassismus

Im offenen Rechtsextremismus sind Menschen durch ihre biologische Herkunft oder Merkmale so weit vorgeprägt, dass eine gleichberechtigte Koexistenz nicht möglich ist. Bestimmte Freund-Feind-Haltungen werden als naturnotwendig und vorbestimmt dargestellt. In den meisten Spielarten der Islamophobie sind Muslime nicht biologisch unterlegen, aber eben kulturell inkompatibel/unterlegen,so wird argumentiert. Diese kulturalistische Argumentationslinie stellt wie der Rassismus Gleichrangigkeit und im Extremfall die Existenzberechtigung “des Anderen” in Frage und läuft im Endeffekt auch auf Vorbestimmtheit und völkische Beurteilungen hinaus. Bei “Ihr werdet nie Demokratie haben” kommt das deutlicher heraus als bei “Ihr habt keine Demokratie”. Die individuelle Auffassung und Ausübung von Religion spielt keine Rolle wenn man die Betreffenden qua ihrer Herkunft/Identität als “rückständig” einstufen kann. Bei Islamophoben ist die Personengruppe “Muslim” mit “Türken und Araber und Iraner und …” deckungsgleich. Atheisten aus dem islamischen Kulturkreis oder christliche Palästinenser werden aus dem selbem Sentiment heraus abgelehnt, mit den selben „Argumenten“ niedergemacht.

Gerne wird heutzutage unsere schöne Werteordnung in Abgrenzung zum Islam bzw. zum islamischen Extremismus beschworen. Als ob der Bürgerliche, der diese Errungenschaften heute imperialistisch in Stellung bringt, ursprünglich für sie gekämpft hätte, z.B. für den Feminismus. Im “Westen” ist “der Islam” das “Andere” geworden, das man braucht um sich zu definieren. Die indische Autorin Arundhati Roy schrieb von einer anmaßenden Abgrenzung von “westlicher Zivilisation” gegenüber “orientalischer Barbarei“. Islamisten gehen mit ihrer Verachtung für andere Kulturen und andere Auffassungen des Islams ähnlich um. Bush hat vor etwa 10 Jahren im deutschen Bundestag posaunt: “Wir kämpfen um unsere Zivilisation”. Islamophobie-Ikone Pamela Geller: “Israel ist ein sehr gutes Vorbild, denn im Krieg zwischen den zivilisierten Menschen und den Wilden muss man sich an die Seite der zivilisierten Menschen stellen.” Demokratie und Menschenrechte werden von „Kulturkriegern“ als “westliche Errungenschaften” gesehen, für den einen Teil sollte der Westen sie mit Gewalt (v.a.) in den islamischen Raum bringen, für die anderen sind die Menschen dort unreif bzw. unwürdig, sie zu teilen. Dabei hat der Westen schon seit jeher in der “zweiten” und “dritten” Welt „zuverlässige“ Diktaturen einer Demokratie vorgezogen.

Als Ersatz für “volksgemeinschaftliche” Ausgrenzungen bieten sich “werte-gemeinschaftliche” an. Die These eines (zu) toleranten und gerechten Westens und eines zurückgebliebenen und zu erziehenden Orients sagt letztlich viel über gewisse Überheblichkeiten in westlichen Gesellschaften aus. Wenn Grigat sagt, Moslems/Islamisten teilten „die antiwestlichen Ressentiments“ der hiesigen Rechten, dann um einen geschönten Westen ohne Rechte zu erfinden (diese “herauszudefinieren”). Jene, die „universelle Werte“ propagieren und “Kulturrelativismus” anprangern, sind meistens jene, die ihre eigenen Werte am identifikationswürdigsten halten und auf das Leben von Nicht-Weissen in der globalen “Peripherie” andere Maßstäbe anlegen. Gerade die ganz armen lateinamerikanischen Staaten mit farbiger Bevölkerungs-Dominanz werfen Fragen über Definition bzw. Ausdehnung des “Westens” auf, erst recht wenn sie linke/selbstbestimmende Regierungen haben. Prinzipieller Respekt für andere Kulturen ist aus den Gelüsten nach Belehrung und Disziplinierung leicht als „Relativismus“ zu denunzieren. Manche Aspekte der Heucheleien bezüglich “Islam” erinnern an jene des Antikommunismus, etwa, Russen (oder Polen,…) seien “Untermenschen”, aber Kommunisten seien Verbrecher weil sie Russen unterdrücken. Das von der Freiheit im (bzw. durch den) Westen auch, oder das mit dem (sie) Retten oder Vernichten, das so eng beieinanderliegt. Unter Hitler war die Sowjetunion noch “Asien”, die es auch zur Rettung des Abendlands zu bekämpfen galt.

Wenn chauvinistisch-hämisch darauf hingewiesen wird, dass Moslems so wenige Nobelpreise hätten im Vergleich mit anderen, hat das natürlich eine rassistische Konnotation, die meist auch gar nicht geleugnet wird. Die “Aufbereitungen” arabischer Sexualität sind ein weiteres Beispiel für kulturalistischen Rassismus.

Der Diskurs über den Islam

Man wird das doch wohl einmal sagen dürfen. Die Tyrannei der politisch Korrekten. Die Sprachpolizei die verhindert, Missstände klar zu benennen. Denk- und Sprechverbote. Das Einknicken des Westens. Das Tabu Islam-Kritik. Falschverstandene Toleranz. Redefreiheit bedroht. Schweigekartell der Mainstream-Medien. Westliches Zurückweichen vor dem Islamismus. Mut zum Aussprechen. Sie unterwandern uns, arbeiten an der Machtübernahme, tarnen sich und ihre wahren Absichten geschickt. Im Kampf der Kulturen muss man Stellung beziehen. Ein Islam-Bild, das aus Terror, Ehrenmorden, Hasspredigten besteht. Dieser Kanon dominiert zumindest im deutschsprachigen Raum und dennoch behaupten seine Vor- und Nachbeter, gegen den Strom zu schwimmen. Wo die echten Tabus sind, hat sich anhand der Aufregung über die paar Zeilen von Günter Grass gezeigt. Jene, die den deutschen “Selbsthass” über Antiislam entsorgen wollen, stossen im Hohmann-Steinbach-Diskurs schnell an Grenzen… Aus “Nein zur Scharia” kann man so ziemlich alles herausargumentieren; Menschen aus dem islamischen Raum pauschal als Islamisten und faschistische Fanatiker, denen mensch Einhalt gebieten müsste darzustellen, ist da eigentlich gar nicht mehr nötig.

Auch die Schönbohms, Mißfelders, Stadtkewitzs,.. können getrost gegen den Islam lospoltern, Missfallen bzw. Einwände etwa gegenüber einer toleranten Linie gegenüber Homosexuellen zu formulieren, ist da schon schwieriger. Spätestens mit Sarrazins Buch (das irgendwie ein Ausbruchsversuch zu sein scheint, durch die Thematisierung von Rasse, Vererbung, durch Ausschluss nicht auf rein kulturalistischer Basis, sondern auch durch die Einbeziehung biologischer Parameter) scheint sich in Deutschland die Islamdebatte mit der Ausländer-/Integrationsdebatte, ja mit dem Nationsdiskurs, verbunden zu haben. Auch hier kann man sich auf alte volkstümliche Einstellungskomplexe stützen, ob im “Konkret” ein Henschel eine Tirade mit dem Titel “Sei doch kein Muselman” schreibt oder die NPD auf Wahlplakaten einer orientalischen Familie (gezeichnet mit Hakennasen, dunklem Bartschatten,…) auf einem fliegenden Teppich “gute Heimreise” wünscht. Versöhnung mit Deutschland und Schlussstrichziehen mit NS über Philozionismus und Islamkritik. Aber gelegentlich auch NS-Apologetik oder Verachtung für Hartz-IV-Empfänger. Oder dass Deutschland bzw. der ganze Westen von innen, durch “Schuldkomplex” und  “Masochismus”, bedroht sei.

Manchmal werden Moslems auch zur Zielscheibe, wenn man eigentlich jemand anderen treffen will (z.B. Linke, Afrikaner) oder um sich zu gegenüber Zielgruppen zu profilieren.

Angesichts der Proteste gegen die Manipulationen bei der iranischen Präsidentenwahl 09 und ihrer brutalen Niederschlagung gab es einen Umschwung in hiesigen Islam-/Orient-Wahrnehmungen. Davor gingen die Angriffe meist in die Richtung, “der Islam” UND (alle) seine „Angehörigen” seien böse; “Anti”deutsche hielten Veranstaltungen über das „antisemitische Mordkollektiv Iran“ u.ä. ab. Nun mussten manche immerhin einräumen, der Islam sei böse weil „er“ seine Angehörigen unterdrückt. In den Kriegskampagnen gegen Iran begann erst jetzt, das Wohl der Iraner eine Rolle zu spielen… Die Frage ihrer realen Unterdrückung war und ist dabei nicht wichtig, sondern nur dass sie das diskursive Kanonenfutter sind. Die verschiedenen Ebenen des Islams (und erst recht jene, die nicht wirklich etwas mit ihm zu tun haben), die Lehre, seine Entstehung/Verbreitung, die Kultur der betreffenden Länder und der Menschen (von) dort, seine politische Instrumentalisierungen, usw., geraten schnell einmal durcheinander.

Was die Integration von Migranten (auch nicht-moslemischen) in westlichen Gesellschaften betrifft, läuft der Diskurs so, als ob multikulturelle Konzepte in Deutschland oder sonstwo jemals hegemonial gewesen seien, als ob es sowas wie eine vernünftige Grundtoleranz im “Westen” gäbe. Der österreichische “Rechtsextremismusexperte” Schiedel /Peham: “Für muslimische MigrantInnen in Österreich stellt der Antisemitismus auch so etwas wie ein unausgesprochenes Integrationsangebot von Seiten der österreichischen Gesellschaft an sie dar.” Also doch nicht die “universellen Werte der europäischen Aufklärung”, die man hier vorfindet und die es anzunehmen gilt, will man sich integrieren, so gesehen. Alan Posener hat einiges Treffende über Integration (beste solche schützte Juden nicht vor NS-Vernichtung), aber auch über Neokonservativismus, Unteilbarkeit der Toleranz (“wer Antisemitismus bekämpfen will, muss auch Islamophobie bekämpfen“) oder die deutsche Israel-Obsession gesagt.

Wenn hier heutzutage christliche Symbole oder Inhalte von Kabarettisten oder Karikaturisten “erniedrigt” werden, beziehen sich fast alle Reaktionen auf den Islam, nach dem Motto “Wenn er das mit dem/im Islam gemacht hätte…”; das kann bedeuten, dass man sich insgeheim (die Erlaubnis zu) solche(n) Wutreaktionen wünscht oder aber mit dem Finger dorthin zeigen will, sich auf einer höheren Stufe sieht. Die “Islamdiskurse” machen nicht nur die Gräben in der “islamischen Welt” deutlich, sondern auch jene in der hiesigen. Mohammed-Karikaturen, so wie die berühmten des Jyllands-Posten 2005, zeigen oft einen “symbolischen Moslem”, die dargestellten rassischen Merkmale sind bräunliche Haut, levantinische Nase, dunkler Bart. Sie sind mehr Rassismus und Kulturalismus als Religionskritik. Die “Turban-Bombe” legt “den Moslem” auf die Terroristen-Rolle fest (die harte Maßnahmen bzw. Sonderbehandlung nahelegt).

Die österreichische Gratiszeitung heute (mit der Krone verbunden) schrieb in einer Meldung über einen Mordfall, der Verdächtige gehöre zu einer „Sorte Mann, die zum Glück eher hinterm Halbmond lebt. In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf“. Es handelte sich aber um den Kärntner Harald P. Dass die Redakteure W. Höllrigl und J. Michner beurlaubt wurden (längst wieder eingestellt), wird vermutlich als Indiz für das Kapitulieren des Westens vor dem Islam (Hurra!) gewertet. Jedenfalls würde mich das nicht wundern.

Protagonisten und ihre Botschaften

Ist der Hassprediger Daniel Pipes (u.a. Anprangerung von unliebsamen Akademikern), ein Breivik-Inspirator, ohne den militanten Islam möglich? Islamisten brachten mit 11/9 Aufwind für “Memri”, H.P. Raddatz, die Littmans oder Broder, sowie eine Radikalisierung dieser. Behauptungen von Scharfmachern werden gerne unkritisch übernommen. Ein um Israel bzw. den Westen “besorgter“ Rassismus die einzige Alternative zu Islamismus?

Der omnipräsente Broder sieht bei den Deutschen einen „Verantwortungsimperialismus“, allerdings nur wenn Kritik an Israel (oder USA) kommt und selbstverständlich nicht, wenn aus „besonderer Verantwortung“ israelische Politik unterstützt wird (etwa in Form von atomwaffenfähigen U-Booten) oder Kritik daran zurückgehalten wird. Er lamentiert in der Weltwoche über „verweiblichte Männer“ in westlichen Gesellschaften, erklärt daraus die „Faszination“ für den Islam im Westen und spricht von hiesigen “Degenerationserscheinungen”, je ein Drittel der Männer sei schwul, impotent oder unwillig; gleichwohl reklamiert er eine westliche Toleranz, die der Islam nicht habe, prangert den Angriff türkischer Jugendlichen auf ein Schwulencafe in Berlin an. Ihm zufolge gibt es ja „eine Linie von der al Kaida im Irak über die Intifada in Palästina zu Jugendlichen mit ‘Migrationshintergrund’ in Neukölln“. Den Mord an einer Ägypterin in Dresden (s.u.) kommentierte er so: „Es sind inzwischen ein paar Tage vergangen, seit ein junger Somalier versucht hat, mit dem dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard ins Gespräch zu kommen. Es war nicht seine Schuld, dass der Versuch gescheitert ist, Westergaard hat sich in seinem Badezimmer verbarrikadiert und die Polizei gerufen. Seine Reaktion war typisch für das Verhalten der Ersten gegenüber der Dritten Welt – sie schottet sich ab, will nicht gestört werden und gerät sofort in Panik, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Ungewöhnlich an diesem Fall ist aber auch, dass er Leuten die Sprache verschlagen hat, die sonst an verbalem Durchfall leiden, die üblichen Verdächtigen aus der LRG-Fraktion, die zum Beispiel den Mord an der Ägypterin Marwa bis zum letzten Blutstropfen genossen haben, weil er in ihr Konzept der ‘Islamophobie’ passte.

Natürlich kann er nie die Suppe essen, die er für andere kocht. Beklagt die “Rassismuskeule“ und schwingt die “Antisemitismuskeule”. Merkels watteweiche „Kritik“ am Sarrazin-Buch („nicht hilfreich“) stellt er in die Tradition der Reichsschrifttumkammer, über das Grass-Gedicht (das deutsche Politiker ernsthaft kritisierten) tobt er vor Zorn. Seine “Achse des Guten” (wo er u.a. auch unter “Lucy de Beukelaer” schreibt) nennt er “liberal”; unter seinen Fittichen können sich dort alle Rechte austoben, solange sie ein paar Grundregeln beachten… Dort prangert er etwa Politiker(innen) oder Wissenschaftler(innen) an, nicht zuletzt jene, die bei seinen Attacken nicht verschreckt die Köpfe einziehen. Die Linken-Politikerin Ulla Jelpke etwa als „linksreaktionäre Schlampe“, Sabine Schiffer unter der Kategorie „LRG-Fraktion (linksreaktionäre Gutmenschen)“ – gegen Schiffer hetzen auch “PI” & “lizaswelt” in trauter Eintracht. Moslems sperrten ihre Frauen ein, seien verklemmt und reaktionär, das sei die wahre Ursache für den “Nahostkonflikt”, “palästinensische Freunde” hätten ihm, Broder, das bestätigt. Linke/Liberale sind ihm ebenso verhasst, auch oder gerade, wenn sie Juden sind. Kein Wunder dass er mit seiner Islamkritik Lob von rechtsaussen bekommt, siehe z.B. xxx.npd-loebau-zittau.de/?p=2108, xxx.npd-sachsen.de/index.php?s=9&aid=700; auch FPÖ-Strache lernte dabei und bezog sich auf ihn. Broders “Distanzierungen” zu diesen oder “Politically Incorrect” lavieren.

Das von israelischen und amerikanischen Neokonservativen betriebene “Middle East Media Research Institute” (“MEMRI”) stellt sich selbst als wissenschaftlich, unabhängig und um Demokratie besorgt dar. Das Leugnen einer eigenen Agenda bzw. seiner Identität als Propagandaapparat der Netzwerke, die es unterstützen und finanzieren, ist Teil der Verdrehungen des Instituts, das auch von Anders Breivik geschätzt wurde. Jeder Artikel und jede Rede, die “Orientale” als gestört, hasserfüllt oder teuflisch erscheinen lässt, wird übersetzt; wobei die Liste an Einwänden gegenüber der Richtigkeit von Memri-Übersetzungen lange ist. Jede Geschichte, die Orientale informiert, begabt oder vortrefflich erscheinen lassen könnte, wird von ihnen ignoriert. Als “unvergleichliche Reformer” präsentiert werden Figuren wie der Exil-Palästinenser Mossab Hassan Yousef (s.u.). Memri übersetzt keine Artikel aus der israelischen Presse oder Reden israelischer Politiker, weder hetzerische noch kritische, die solche Hetze (oder Folter an Palästinensern in israelischen Gefängnissen) behandeln und stellt sie schon gar nicht als repräsentativ für die betreffende Gesellschaft dar. Etwa wenn der isrealische Politiker Boim sagt, “Palästinenser haben einen Gen-Defekt”. Oder der Wissenschafter David Bukay: “Until it is understood that this struggle is the war between the Son of Light against the Sons of Darkness, that they represent the invasion of the Huns, in order to destroy modern culture – the world will continue to face an existential more growing threat“ (wen er wohl mit Söhne der Dunkelheit meint?). Dass anprangernde memri-“Übersetzungen” in Wikipedia-Artikeln als Quelle benutzt und auch von seriösen Medien ernst genommen werden, zeigt, dass ihr Spiel verdammt gut funktioniert. Es gibt mehrere solcher “Institute”, die beobachten, “übersetzen” und verbreiten, wie PMW (das von einem Westbank-Siedler geleitet wird) oder CAMERA.

Oriana Fallacis “Die Wut und der Stolz” war eines der meistverkauftesten Bücher seiner Zeit (00er-Jahre) im Westen. Die rassistische Wut Fallacis reichte so weit, dass sie sich wünschte, ein Zelt mit somalischen Flüchtlingen anzuzünden. Das “muslimische Wesen” beschrieb sie als hinterhältig, gewalttätig, verschlagen und schmutzig. Die Ex-Linke wurde am Ende ihres Lebens eine antiislamische Ikone. Junge Freiheit oder bahamas veröffentlichten begeistert daraus. Vielen Rezensionen war die Bewunderung anzumerken, dass endlich jemand wagt „etwas“ auszusprechen. Nennenswerter Widerstand gegen die Tiraden regte sich nicht.

Beim rassistischen Hassportal “Politically Incorrect”/ PI(-News), das den ganzen Kanon von„Eurabien“ (dem Konzept von “Bat Yeor” vulgo Giselle Littman bzw. Orebi) bis “Taqiya” wiedergibt, ist das Lavieren bzw. Heucheln zwischen dem Bekenntnis zu einer Art Faschismus und einem „Antifaschismus“ bzw. Toleranzchauvinismus (wir sind zivilisiert und aufgeklärt, faschistisch sind “die Anderen”) das offensichtliche, auch in den vulgär-verhetzenden Cartoons. Einerseits will man zu „alten“ Werten stehen, andererseits Intoleranz (gegenüber Schwulen, Feminismus, moderner Kunst,…) als Sache der Moslems darstellen. Im Kommentarbereich kommt dieses Dilemma dann z.B. so heraus: “Wobei man aber bei aller Abneigung gegen Musels auch fest halten muss: Dieses rumgeschwule ist ebenfalls erst durch rotzgrüne 68er er möglich worden ! Von dieser Satansbrut kommt im Prinzip alles schlechte : rumgeschwule, Feminazis, Musel.” Die Nähe von propagierten Inhalten auf einer Seite sagt einiges, mehr als manche möchten, über die Nähe dieser Inhalte an sich aus. Etwa ein Banner, das Solidarität mit Oberst Klein und den deutschen Soldaten in Afghanistan einfordert oberhalb eines Videos mit dem “Anti”deutschen Grigat auf der “Islamkonferenz”; daneben etwas über die alten Germanen. Das Bekenntnis zur USA war eigentlich nur eines zu Bush und den Neocons, gegen Obama wurde/wird Hetze betrieben, bezüglich Israel ist es natürlich auch nur eine bestimmte Politik, die man unterstützt. Nicht nur deshalb muss man das gleich einmal übersetzen, wenn dort behauptet wird, „supports real democracy in iran“. Sekundärfeindbilder sind andere Nicht-Weisse, “Gutmenschen”/Linke; Sekundäragenden sind ein neuer Deutsch-Nationalismus, Antifeminismus,… Wie Nürnberg 2.0 ist auch PI ein Internet-Pranger, wo Kritiker ihrer Inhalte etwa der „Islamisierung Deutschlands“ bezichtigt werden. Kritische Rezeption von Deutschlands größtem Hassblog wird auch als „Angriff auf die Pressefreiheit“ oder „NS-Methoden“ kommentiert.

“Wozu hingegen andere schon in ihrer gut beheizten Wohnstube fähig sind, führt der zum Mehrwertmullah konvertierte Exkommunist an sich selber vor. Über einen Mann aus Köln-Kalk, der einen türkischen Jugendlichen namens Salih mit seinem Messer tödlich verletzt hat, schreibt er: ‘Unvorhergesehen war für Salih, daß man als junger deutscher Kalker schon weiß, wer da nachts auf Beute ausgeht und diesmal der Überfallene, der schon mehrfach unbewaffnet Opfer eines Salih geworden war, mit einem Messer herumfuchtelte…’ ‘Ein Salih’ ist das Singularetantum für jeden Kanaken, wie im ‘Völkischen Beobachter’ ‘ein Itzig’ für jede Judensau.” Das schrieb Hermann Gremliza oder ein Anderer 08 im Konkret über den Hauptschriftleiter der Bahamas. Diese beiden Zeitschriften teilen zwar, wie auch Jungle World (die gern auch „Spass“ mit erfundenen Minstrel-Türken macht), die Grundrichtung und diverse Schreiberlinge, dieser Kommentar macht aber klar, dass der Unterschied zumindest zwischen den beiden erstgenannten einer ums Ganze sein kann. Die stereotype Darstellung von Moslems/Orientalen in einer besonders hetzerischen Sprache dort schliesst deren Beschreibungen als potentielle Sexualverbrecher und sexuell Gestörte mit ein, oder Behauptungen einer Art moslemischer Weltverschwörung mit dem Ziel, den “Westen” wirtschaftlich, kulturell, moralisch und militärisch zu schaden. Gerne werden auch artvergessene selbsthassende Frauen und Männer angeprangert, die diesen Schwarz-Weiss-Malereien entgegnen. Markus Ströhlein von der Jungle World war Freiwilliger in der israelischen Fremdenlegion “Sar-El”, sein “Erfahrungsbericht”, ein unkritischer Werbetext für das israelische Militär, fand sich auf “Hagalil” wieder, wurde auf de.wikipedia von Gleichgesinnten als Quelle für Artikelarbeit verwendet…

In Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ (2010) werden Moslems anderen Migrantengruppen negativ gegenübergestellt (andere wiederum mit zu den Schlechten gepackt…), Menschen über ihre “Rasse” definiert, wird der Vorwurf der Deutschenfeindlichkeit erhoben. Lob/Verteidigung kam von der NPD, Broder (klare Worte seien doch gut; Eliten dumm und einfache Leute gescheit weil diese Sarrazin gut finden), Springer-Presse, vielen Stammtischen, Wilders (das Buch sei ein Anzeichen dafür, dass Deutschland mit sich ins Reine kommt, den Schuldkomplex überwunden habe), PI, den neuen Rechtsparteien wie “Pro Deutschland”. Die „unbequemen Wahrheiten“ wieder mal… Im österreichischen Parlaments-Wahlkampf 13 unterstützte Sarrazin die FPÖ (bei einer Lesung aus seinem Buch in Graz ca. ein Jahr zuvor, wo sich Strache um ein Autogramm anstellte, sagte er darauf angesprochen noch: “Ach das war der Herr Strache von der FPÖ?…Es freut mich immer wenn Politiker von mir lernen..”). Sein nächstes Buch richtete sich gegen den Euro und die Solidarität mit wirtschaftlich Schwachen in seiner Zone, diese entspränge dem schlechtem Gewissen Deutschlands wegen dem Holocaust.

Die konservative Schweizer “Weltwoche”, die 1933 Sympathie für den Faschismus und ihre Schweizer Ableger zum Ausdruck gebracht hat, heute recht offen die Schweizerische Volkspartei (SVP) unterstützt, gibt auch (Ex- oder Pseudo-) Linken Platz, solange diese als Kronzeugen für ihre Sachen auftreten und gemeinsame Feindbilder pflegen. Keine Hemmungen kannte man, als es um Hetze gegen Sinti/Roma (auch ein Sekundärfeindbild, denen gegenüber es meist gleiche Ablehnungsmuster wie ggü Moslems gibt) oder gegen Asyl ging. PI wurde anklagend verteidigt („unabhängige und populäre Gegenstimme“). Gastautoren wie Leon de Winter oder Broder bringen die entsprechende Note hinein.

Exemplarisch für antiislamische Blogs aus dem offen rechtspopulistischen Bereich ist “sosheimat.wordpress”, der Unterstützung von der FPÖ bzw. ihrer Parteizeitung Zur Zeit bekommt. „Nicht immer politisch korrekt“ sei man, „Moscheen sind ein Herrschaftssymbol“ und all das über den Islam, was Mainstream geworden ist, findet man dort, neben älterem wie “Schutz unserer Heimat”, “Inländerdiskriminierung”, “Freiheit für Südtirol“. Blogs sind nicht nur für diese Agenda ein wichtiges Medium, spiegeln diverses aus der Gesellschaft vielleicht eher wieder. Bei “kewil” etwa, einem PI-Autor, der auch u.a. unter fact-fiction.net bloggt, zeigt sich auch, was im Paket der “Islamkritik” (neben dem dazugehörenden Pro-Israel, -USA, -Abendland) so alles enthalten ist: Geschreibe vom „Versailler Diktat“, zustimmende Zitierung von Pinochet, purer Rassismus,…

Der geleugnete rassistische Charakter der Islamophobie kommt gegenüber Nicht-Moslems deutlicher heraus. Podhoretz hat auch ein “Negro Problem”. Der norwegische Hassblogger “Fjordman” (Gastbeiträge bei “gatesofvienna”) ist zwar primär anti-islamisch, aber er ist generell rassistisch, auch gegenüber anderen “Südländern”, schreibt von “weissem Masochismus” etc. Auf der evangelikalen Seite answering-islam.org werden auch Attacken gegen Rigoberta Menchu geritten. Beim kanadischen “Sun News” (bringt David Horowitz, Pam. Geller, Pipes, Rob. Spencer, Steven Emerson, Brigitte Gabriel,…) kommen zwischen “Aufdeckungen” zum Islam auch Verleumdungen von Umweltschützern oder dem einst von Polizisten misshandelten Afro-Amerikaner Rodney King oder Angriffe auf “Obamacare”. Geller schreibt von einem “Genozid” von Schwarzen an Weissen in Südafrika, um die Rettung der “westlichen Zivilisation” geht es ihr sowieso. Bei Gunnar Heinsohn (er schreibt auch auf “achgut” und passenderweise auch bei Junge Freiheit) ist die Islamophobie in eine allgemeine, offene Geringschätzung nicht-europäischer bzw. nicht-“weisser” Menschen eingebettet.

Die Palästinenser stellt Heinsohn als Modell für die “3. Welt” dar, rechtfertigt den ihnen gegenüber errichteten „Trennzaun“, stellt ihn als logisch und noch ungenügend dar, da ja eine Entscheidungsschlacht “der zur Vernichtung entschlossenen Braunhäutigen” (meine Wortwahl, Heinsohn hat es so nicht geschrieben, ich fasse nur zusammen), die von der „Weltgemeinschaft“ ernährt würden, mit den Weissen bevorsteht, welche die Braunen längst hätten besiegen können, aber eben so zivilisiert und zurückhaltend seien. Während andere versuchen, Afrikaner oder Kurden oder moslemische Frauen zu instrumentalisieren, Inder positiv zu affirmieren, spricht Heinsohn ungefiltert Klartext, packt Afrikaner oder Lateinamerikaner (die sich nach ihm aus Leidenschaft gegenseitig umbringen) zu den Moslems (die Europa unterwandern wollten) dazu. Osteuropäer zählen für ihn nicht als Partner in Europa. Lediglich Nordost-Asiaten (Japaner, Chinesen) zählen als Zivilisierte, wobei zweitere eher als Bedrohung herumspuken. Lawrence Auster, vom Judentum zum Christentum übergetreten, blog “view from the right”, möchte Moslems nicht umerziehen oder anderswie “helfen” sondern rein bekämpfen. Daneben betreibt er eine Kampagne für eine weisse USA, wegen Rassismus gegenüber Schwarzen wurde er sogar vom frontpagemag rausgeworfen.

Von der Osten-Sacken, der sich auch gerne als Freund der Kurden präsentiert (diese “Freundschaft” begann mit seiner Unterstützung des Irak-Kriegs 03, ist sein Ausdruck von Orientalismus) sagte alles über sich mit einer diffamierenden Tirade auf seinem “Wadinet” gegen den exil-iranischen Politologen Fathollah-Nejad, der auf ZMag kritisch über eine Drop the bomb-„Konferenz“ und Ostensacks Auftritt dort geschrieben hat. Er rückt diesen darin in die Nähe des iranischen Regimes, um loshetzen zu können. Rassistisch stellt er eine Analogie von diesem zu den Grausamkeiten unter Saddam und Khomeini gegen Regimegegner her, wobei er für sich die Rolle des edlen, mutigen Opfers beansprucht und für Fathollah-Nejad die des orientalischen Despoten. Er ist daneben das beste Beispiel dafür, wie “Anti”deutsche und andere Islamophobe ihr pro-Israel und anti-Islam für ein Vorantreiben eines neuen Deutsch-Nationalismuses benutzen.

Elie Barnavi, der bezeichnenderweise mit “linksliberalem” Zionismus assoziiert wird, hat das Buch „Mörderische Religion“ geschrieben, eine ausgezeichnete Kritik gabs dazu von Udo Steinbach im Rheinischen Merkur: “Jetzt kann es zur Sache gehen. Noch hat der Leser die Hälfte des Buches vor sich. ‘Alles, was bisher gesagt wurde, diente der Hinführung zu dem, was nun folgt. Der Islam ist es, der die aktuellen Reflexionen und Debatten über Religion hervorruft.’ An dieser Stelle könnte der Rezensent abbrechen: Der Rest wurde unzählige Male gesagt und gehört – in Politik und Medien, auch in der Wissenschaft und am Stammtisch. Kaum ein Thema mobilisiert derart die Gemüter und lässt zugleich Simplifikation als Strategie der Mobilisierung gerechtfertigt erscheinen. ‘Es ist der Islam, der uns Angst macht’. Die schwarze Liste ist lang: der Koran und seine zum Kampf aufrufenden Verse; die Gestalt des Propheten, des Politikers; die Unwilligkeit von Muslimen, die Moderne zu akzeptieren; die mentale Unfähigkeit, sich auf die Globalisierung einzustellen (Barnavi: ‘Die Muslime sind nicht neugierig’); der Widerstand gegen die Säkularisierung (Barnavi stuft diejenigen als ‘ignorant’ ein, die behaupten, die AKP des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sei das islamische Gegenstück zur christlichen Demokratie); Dass am Ende der Multikulturalismus als ‘Schwindel’ entlarvt, das Scheitern der Integration bestätigt sowie die kämpferische Demokratie angemahnt und die Forderung erhoben wird, ‘das Erbe der Aufklärung wiederherzustellen’, ist weder neu noch zielführend. Irgendwie scheint Barnavi gegen Ende seiner Ausführungen mit US-Präsident George W. Bush zu sympathisieren: ‘Der Mann hat das Problem erkannt.’ Der Karikaturenstreit sei an den ‘muslimischen Massen, ungebildet, unkultiviert und abgestumpft, wie sie sind’, festzumachen.” Einige Jahre zuvor hat der “Orientalist” Bernard Lewis, der ja Huntington zu seinem “Kampf der Zivilisationen” inspiriert haben soll, ein Buch mit ähnlicher Aussage verfasst, mit weniger Sentiment und mehr Zahlen vielleicht.

Die Stilisierung der Serben als Retter des Abendlands am Balkan, gerade wegen der Kriege, die sie dort vom Zaun brachen, vereint einmal mehr klassische Rechtsaussen (wie Strache aus Österreich) und Pseudolinke wie “Anti”deutsche. „Nasdravlje, Partizani i Cetnici“ prostete die “Bahamas” jenen beiden Lagern zu, die sich im 2. Weltkrieg blutig bekämpften. Die Widersprüche dabei sind nicht nur hier gross. Zwar kann man Islam, Islamismus und Faschismus vermixen und sich auf der Gegenseite platzieren. Ein Darko Trifunovic, der das im wissenschaftlichen Mäntelchen tut, als „Terrorismus-Spezialist“ Teilnehmer der Herzliya-Konferenzen, weiss nicht so recht ob er das Srebrenica-Massaker rechtfertigen oder leugnen soll. “Der Westen” ist für viele Serben jedoch nur der andere Feind, er gilt dort bald als “verdorben” und “dekadent”, Milosevic-Fan Handke nannte die kritische serbische Schriftstellerin Srbljanovic eine „Hure des Westens“. Und, Bush, der ja so weitsichtig ist, war es, der, nach einem triumphalen Empfang im “bösen” Albanien, die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien durchgesetzt hat. Russland, für “Anti”deutsche und andere Kulturkrieger so etwas wie eine “orientalische Despotie”, ist für den serbischen Nationalismus ein wichtiger positiver Bezugspunkt. Und ob es Strache gelingen wird, seinen Anhängern die Beschäftigung mit der Vertreibung der Donauschwaben durch Partisanen auszureden und ihnen beizubringen, Serben in Österreich als gleichrangig, wenn nicht als Abendlandretter, anzusehen?

Der Grat zwischen Retter und Zerstörer des Abendlands ist schmal bzw. konjunkturabhängig. In einem Wahlkampf hat die FPÖ vor dem Hintergrund der dortigen Finanzkrise gegen die “faulen Griechen” gewettert und “keine österreichischen Steuergelder mehr nach Griechenland” gefordert. “Derzeit findet ja eine Massenenteignung der westeuropäischen Völker statt”. Der französische Ex-Linke Pascal Bruckner dagegen, der den Westen vor Moslems und selbsthassenden “Westlern” retten möchte, hatte sich auch für militärische Interventionen gegen serbische Aggressionen ausgesprochen.

Richard Wagner, ein Schriftsteller mit rumänien-deutschen Wurzeln, stimmte auf Broders „Achse des Guten“ ein Loblied auf die Islamophobie an, das er auch so nannte und sich einen Islamophoben, im Sinne von Angst vor dem Islam “als politische Religion“ (wie unschuldig); zur Absicherung schleimt er sich über jüdische Anliegen aus (“für Israel, gegen Antisemitismus“) und schiebt dann eine Verteidigung rechter Anliegen hinterher (die ohnehin meist nur abendländisch-konservativ seien und dämonisiert würden) sowie Bekenntnisse zu fortschrittlichen Werten, Sorge um „Freiheit“ und „Grundlagen der offenen Gesellschaft“. In einer TV-Diskussion war er mir aufgefallen, wie er gern einen positiven Bezug zur deutschen Nation herstellen würde; nun, über “achgut” scheint er einen Weg gefunden zu haben.

Eine Rita Katz, angeblich aus einer jüdisch-irakischen Familie, die über den Iran geflohen ist, heute in USA, erzählt im Buch „Die Terroristenjägerin“ von bösen Moslems, guten Juden, fanatischen Terroristen und überzeugten Kämpfern für die Freiheit, die immer nur darauf bedacht sind, die Welt zu retten. Lob von Hagalil, Raddatz. Bücher dieser Art, auch wenn der Inhalt nicht so schwarz-weiß daherkommt, gabs schon in den 80ern und 90ern, aber seit den frühen 00ern findet sich immer zumindest eins unter den Sachbuch-Bestsellern, eins das “unbequeme Wahrheiten” ausspricht. Katz betreibt SITE, ein kostenpflichtiges “Informations”-Service über das Böse in der Welt.

Wie die harte Arbeit in der Islamophobie-Industrie aussieht, kann man bei Pamela Gellers “atlasshrugs” erfahren; aus dem Bericht über eine „Counterjihad-Konferenz”: „Andrew Bostom gave the closing speech on Islamic antisemitism and the Islamic Nazi conspiracy. Shocking revelations all tied to the Quran… It was a tough day. But we did all converge on the bar late into the night. Spencer, Bostom, Brian of London, Steen, Arno, Poller – a bunch of us — and laughed our asses until the wee hours. Hey – la chaim!

(Über den) Orient

Die Unterdrückung oder Tötung von Moslems/Orientalen durch “eigene” Herrscher wird beklatscht, gefordert oder hämisch daraus Islamophobie abgeleitet. Sie sind Barbaren weil sie unterdrücken, aber eigentlich haben diese das verdient. Die iranische Revolte 09 und die Aufbrüche in den arabischen Staaten ab 10 richte(te)n sich gegen Despotien und waren nicht islamistisch inspiriert, auch wenn sich Islamisten zum Teil dranhängten und, wie in Ägypten, vorübergehend Nutzniesser waren, lachender Dritter in der Auseinandersetzung zwischen dem Regime und einer Demokratiebewegung. Der Westen war überrascht von den Aufbrüchen, Islamophobe tun sich besonders schwer damit, behaupten sie doch gern, auf emanzipative/progressive Ansätze in der islamischen Welt zu warten oder sie zu unterstützen, glauben aber im Grunde nicht daran, dass eine Demokratisierung/Reform dort von innen (unten) kommen kann. Sie sind an Problemen, nicht an einer Lösung interessiert. Ein Benutzer-Kommentar aus jungle world (offensichtlich nicht repräsentativ für deren Leserschaft; via mondoprinte gefunden): “Wer hat denn innerhalb der Linken jahrelang erzählt, daß jede Bewegung von unten in den arabischen Ländern nichts anderes sei als der Ausbruch islamistisch-faschistischen Ressentiments gegen die Moderne. Das gegenüber dieser Gefahr der westliche Kapitalismus reinstes Gold wäre und daß diese Staaten erstmal gewaltsam an die Kandare genommen werden müßte. In der Jungle world will uns der Bismarck-Fan Thomas von der Osten-Sacken immer noch weismachen, das militärische Massaker und Kriegsverbrechen a la Irak-Krieg den Weg zum Volksaufstand und zur Revolution in Ägypten geebnet hätte. Wer bitte schön war denn der Verbündete der Amerikaner im Irak-Krieg. Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz oder der Folterknecht Mubarak?”

In islamophoben Kreisen wird in der Regel versucht, die iranische Demokratie-Bewegung zu vereinnahmen und die arabischen zu diffamieren. Vereinnahmungsversuche der arabischen Bewegungen sind eher selten, wenn (z.B. als es in Ägypten eine zeitlang gut aussah), dann erfolgte sie in der Regel in Form von Bush-Verteidigungsreden (“der wollte das erreichen und wurde verkannt”; z.B. Christian Ortner) und mit “Wir waren immer auf deren Seite”. Bin Laden hat ebenso wie Bush diese Aufbrüche noch erlebt, beide mussten erfahren, dass jene in den arabischen Ländern, die Erneuerung woll(t)en, nicht auf sie Bezug nahmen. Auch die Haltungen von Islamisten (iranisches Regime, al Kaida) oszillieren hier zwischen Vereinnahmen und Diffamieren; Salafisten lehnen den Arabischen Frühling ab, schon allein, weil sowas irgendwann auch nach Saudi-Arabien kommen könnte, was ja gar nicht geht. Auch Mißfelder fand bei Will 2013: “…Saudi-Arabien, da gibt es eben die Scharia, da werden Menschen gesteinigt usw., aber Saudi-Arabien ist eben auch ein Garant für die Stabilität vor allem Israels. Da gibt es eben auch Grautöne.” Grautöne, bzw. Kulturrelativismus. Und Hitler hat ja auch Autobahnen gebaut. Manche Beobachter formulieren hier auch offen, in Angst vor Machtverlust, westliche Interessen, die, siehe da, nicht von Universalismus sondern von Eigennutz inspiriert sein sollten.

Eine beispielhafte Behandlung der arabischen Revolutionen gabs von Matussek (dem es v.a. um sein katholisches Experiment geht) auf Spiegel Online, auf Englisch, im Rahmen einer Islam-Attacke, die er anlässlich Wulffs Aussage über die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland ritt. Nach einem Klagelied über Reaktionen auf „Islamkritik“, die entweder auf Zensur hinausliefen oder die “Betreffenden” dazu brächte, sich genauso zu verhalten wie man sie beschreibt, schleimte sich über den arabischen Frühling zunächst etwas aus (“We are all happy about…”), zählt dabei die drei nordafrikanischen Staaten auf, aber nicht die Golfstaaten mit westlichen Ölinteressen. Er würdigt immerhin, dass Leute dort ihr Leben riskierten (während andere hier kommentieren dass sich “die da unten” gegenseitig die Köpfe einschlagen) um gleich festzuhalten, dass Demokratie, Aufklärung und Meinungsfreiheit westliche Werte sein (so wie die westliche Unterstützung von Ben Ali, Mubarak, in späteren Jahren auch Ghadaffi,…) und hinterherzuschieben dass man über Islamismus “besorgt” sein könne, egal was Wulff und die anderen sagten. Er „weiss“ dass in Ägypten eine Mehrheit der Bevölkerung Steinigungen, Handabschneiden und Exekutionen für Islam-verlassen befürworteten, zählt dann Länder auf (darunter Gaza, wo Lebensbedingungen und Menschenrechte nicht mehr wichtig sind, sobald sie auf israelische Herrschaft zurückzuführen sind), in denen islamistische Gruppen starke Unterstützung hätten oder am Weg dazu seien. Schliesst mit “nichts davon neu”, man kenne seit 1979 (Iran) die “Risiken” – er unterstellt dieser Revolution nicht, dass sie Khomeini und sein Regime wollte, stellt den Schah aber als anderes Gesicht “islamischer Herrschaft” dar.

Als 2013 in manchen Städten der Türkei Proteste gegen die Politik der AKP-Regierung ausbrachen, machten westliche Kulturkrieger nun das, was sie gerne vorwerfen, nämlich türkische Politik zu importieren, mit der eigenen verbinden. Krone wie Jungle World schrieben von der „islamischen Regierung“, wenn nicht vom „islamistischen Regime“, für randalierende Türken wurde nicht der „Moslem“-Stempel herausgezogen sondern sie wurden in der Opfer-Rolle verortet … Genau so paradox, dass die oppositionelle, kemalistische CHP die Polizei zu Zurückhaltung aufforderte. So wie die Verurteilung der “Ergenekon”-Verschwörer (die u.a. eine Rolle bei der Hrant-Dink-Ermordung spielten und Attentate auf den Schriftsteller Pamuk, der Kurdenpolitiker Türk oder den griechisch-orthodoxen Patriarchen Archontonis planten) von ihren Sympathisanten sowie nützlichen Idioten zur Abrechnung mit dem politischen Gegner bzw. der Demokratie missbraucht wurden, werden auch hier falsche Antagonismen hergestellt. Die Probleme der Türkei haben ihre Ursache nicht im Islam sondern in der Tradition eines intoleranten, authoritären Staates, hat Yasar Kemal festgestellt. Der AKP bzw. Erdogan werden Übel untergeschoben, die unter ihnen vermindert wurden. Kemalisten hatten 80 Jahre Zeit für jene Schritte, die Erdogan etwa den Kurden in 10 Jahren entgegengegangen ist (Unterricht von bzw. Rundfunkprogramme in deren Sprachen Kurmanci und Zazaki, daneben ein Waffenstillstand mit der PKK), z.T. gegen kemalistischen Widerstand! Der weitere Weg von Erdogans Politik ist offen, aber gemessen an den Koordinaten der traditionellen türkischen Staatsdoktrin hat er im positiven Sinne Revolutionäres weitergebracht. Dazu gehört auch eine gewisse Entspannung mit Armeniern und Armenien (Zürich-Protokoll, Restaurierung von Kirchen wie jener auf der der Achtamar-Insel). Eine Politik, toleranter und pluralistischer als der von Atatürk verordnete (nationalistische) SäkularismusOder ist das Problem mit der AKP-geführten Türkei jenes, dass sie ausgeschlossen hat, sich an einer Militäraktion gegen den Iran zu beteiligen?

Exil-Iraner sind besonders beliebt, vor allem wenn es darum geht, sie gegen Interessen ihres Landes und der Region anzuführen. Wobei jene säkular-demokratischen (Exil-) Kräfte, die tatsächliche iranische Interessen vertreten, eher diffamiert und bekämpft werden. Die von Neokonservativen gebrachten Iraner sind immer dieselben, wenigen Aussenseiter. Es geht um das Bevormunden der Iraner bzw. um ein Feigenblatt für seine imperialistische Nacktheit. Sehr gerne gebucht wird, in Nordamerika wie auch in Westeuropa, Hassan Daioleslam (manchmal auch nur “Dai”), der seine politischen Wurzeln bei den “Volksmujahedin” (Mujahedin-e Kalqh, MEK, firmieren auch als MKO, PMO, NCRI) hat, die ja einst politischen Islam und Sozialismus miteinander verbinden wollten, also eigentlich pfui. Wenns darum geht, zionistische und antiiranische Standpunkte als iranische Stimme zu präsentieren, sind manchmal auch emigrierte iranische Juden wie der Israeli Menashe Amir darunter; andererseits kommt Zetern aus dieser Ecke wenn man (beispielsweise) iranischen Juden wohlmeinend eine iranische Identität nachsagt, sie haben die Opfer der Iraner zu sein, die gerettet wurden oder auf Rettung warten.

Wenn es um Palästinenser geht, die (vermeintlich oder tatsächlich) von Palästinensern getötet wurden, steht das “Zivilisten-Sein” dieser Leute plötzlich nicht mehr in Frage, wird nicht mehr großer Aufwand für das “ausleuchten” vermeintlicher oder tatsächlicher Hintergründe aufgebracht, sind plötzlich auch palästinensische Opfer beklagenswert, und ihre Tötung ein Ausdruck von Grausamkeit. Wie grausam die miteinander umgehen, viel grausamer als die Israeler mit ihnen. Liegt ihnen quasi im Blut. Nahe daran sind die zynisch-triumphalistische Hinweise auf Opfer im syrischen Bürgerkrieg. Und wenn man bei ihnen dann auch noch Christen gegen Moslems oder Frauen gegen Männer in Stellung bringen kann…

Der Umgang mit dem Breivik-Massaker 11 in Norwegen: Das Bekennerschreiben des Täters war nicht nur voll mit direkten Referenzen auf seine Idole von Broder bis Geller, sondern auch mit deren Kanon, wovon manches schon ganz mainstream geworden ist: “Islamisierung Europas, Kotau vor Moslems, Multikulti gescheitert, Abendland in Gefahr, Israel kämpft unseren Kampf, Linke sind nützliche Idioten der Islamisten bzw. Verräter,…”. Die “westliche  Zivilisation” ist bei ihm dezidiert auf “Weisse” beschränkt, was zumindest manche seiner Ideengeber (nicht aber deren Fussvolk oder die von PI) weit von sich weisen würden. Breivik selbst betonte nach dem Anschlag, die Opfer seien “keine unschuldigen Kinder sondern Aktivisten für den Multikuturalismus” gewesen. Es folgten Distanzierungen bzw. Verdrehungen der Stichwortgeber, von Spencer (seine Fans verteidigen ihn als „Fachmann, nicht Hetzer“, als Opfer, nicht Täter) bis Littman, die in den meisten Fällen ein selbstgerechtes Zurückweisen der Verantwortung war. Der Hinweis auf eine tatsächliche oder behauptete Zustimmung oder Verbindung ist “im Umkehrfall” aber ein beliebtes Mittel der Diffamierung, siehe den Artikel bei Erhard Arendt. Auch im Manifest von Breivik nicht genannte bzw. von ihm nicht in den Pantheon der Islamophobie gehobene fühlen sich ertappt und melden sich selbstverteidigend zu Wort. Einige stellten ihn als einen in Wirklichkeit vom Islam(ismus) inspirierten dar (Grigat auf hagalil: „Islamneid. Was die rechten Fremdenfeinde und den Attentäter von Oslo umtreibt1). Seltener wurde die Theorie von der Tat als “moslemische false flag” geäussert. Häufig kam die Einschätzung Breiviks als ein im Grunde unpolitischer Einzeltäter. Pipes: „Breivik wollte die Counterjihad-Bewegung diskreditieren“, so gemein.

Verständnis für den Massenmörder gabs im Störtebeker-Netz und vom italienischen Lega Nord-Politiker Borghezio, von dem sonst u.a. Bemerkungen über die Überlegenheit der Nord- über die Süditaliener kommen. Nicht selten kamen Relativierungen des Anschlags angesichts der “islamistischen Gefahr” und dass die „Opfer nun für eine Agenda ausgeschlachtet würden“. In der Jerusalem Post kam ein Kommentar, wahrscheinlich von Caroline Glick (einer Macherin von “Latma”; eine von Breiviks Lieblings-Juden), in dem die Verantwortung für das Massaker der „europäischen Einwanderungspolitik“ zugeschoben wurde (die Terroropfer und ihre Familien hätten sich quasi doch den anstürmenden Horden entgegenstellen sollen, dann wäre der Breivik beschwichtigt gewesen und hätte das nicht tun müssen..) und für Breiviks Ideologie Verständnis geäussert wurde, sowie ein Kommentar von Barry Rubin, in dem das von Breivik angegriffene Camp der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten als in ein „Pro-Terrorismus-Programm“ involviert diffamiert wird (weil sie für ein Ende der Blockade Gazas und für die Anerkennung Palästinas eintraten) und geklagt wird, dass Europäer Terror gegenüber Israelis hinnähmen/unterstützten, anders als Terror gegen sie. Hinterhergeschoben wurde dort eine Distanzierung des Chefredakteurs. Die Terroropfer wurden auch von Yediot Achronot/Ynet als „Israelhasser“ attackiert. Manchmal kamen Quasi-Rechtfertigungen des Anschlags als “Ventil für falsche Politik”, also als falsche Maßnahmen für ein richtig erkanntes Problem” .

Küntzel bog sich die Wahrheit über die Attentate von Oslo und Utöya auf Perlentaucher zurecht: Er schlachtete Breiviks Manifest für eine Abrechnung mit Kritikern der Islamophoben aus, viktimisiert und heroisiert Broder (“der Intimfeind aller Appeaser“, dessen Judentum noch hervorgehoben), bringt die Sache mit einer (angeblichen) Äusserung eines Offiziellen des iranischen Regimes in Verbindung. „Die ohnehin viel zu schwache Kritik am Islamismus ist in Deutschland seit Oslo und Utöya noch leiser geworden“ stimmt Küntzel dann in das kollektive Jammern über den „Propagandafeldzug gegen die ganze islamkritische Szene“ ein. Natürlich, nicht die 77 Getöteten sind die eigentlichen Opfer, sondern die Islamophobie-Industrie. Immerhin muss er sich von Breivik distanzieren und ein paar Sachen anerkennen: dass Islamisten hauptsächlich Muslime ermorden (bei der Aufzählung islamistischer Attentate blendet er dann doch wieder jene auf Moslems aus), die “Islamisierung Europas” eine hetzerische Behauptung von rechtsradikalen Spinnern ist, dass es arrogante „westliche“ Vorstellungen über Völker im Kulturkreis des Islams gibt. Er nennt Raddatz (der ist zwar ein strammer Rechter, aber weniger Hetzer und Heuchler als die meisten mit denen Küntzel auf “Konferenzen” auftritt, und sachkundiger als er), „Pax Europa“ und Giordano als Beispiele für rechtspopulistische „Islamgegner“ (die es also doch gibt), denen zufolge das überlegene Abend- und das rückständige Morgenland sich gegensätzlich und unvereinbar gegenüberstünden (Küntzel kritisierte dies tatsächlich!). Dass “die Frontlinie zwischen Freiheit und Barbarei inmitten durch muslimische Gesellschaften“ läuft, ist für jemanden wie ihn auch nicht selbstverständlich. Er nimmt eine Differenzierung zwischen Islam und Islamismus vor und behauptet, auch Broder würde diese Trennlinie ziehen. Für sich selbst reklamiert er anscheinend eine objektive, überparteiliche Rolle… Er verharmlost Breivik und die Szene als harmlos und machtlos, klagt über eine „falsche Täter-Einordnung“, „Muslimfreunde“ (an einem Punkt rechnet er Obama dazu) stellt er als mächtige Gruppe dar und unterstellt ihr Freude/Erleichterung über den Norwegen-Anschlag. Sie kristallisieren sich als eigentliche Zielscheibe seines Texts hervor und „Islam(ismus)kritiker“ als jene, die er als Opfer verorten möchte. Seine Sorge, 11/9 und der islamistische Terror generell könnten an Singularität/Bedeutung verlieren, ist offensichtlich. Die Kommentatoren auf perlentaucher nehmen Küntzel v.a. seine Kritik an „Islamfeinden“ übel, zu der er sich gezwungen sah. Aber auch so ein Kommentar kam: „Muslimfreunde? Gab es die nicht schonmal? Oder so ähnlich: ‘Die entlarvten Judenfreunde’ von Rudolf Wiedemeyer, Deutscher Verlag 1923.“

Das konsensfähige Sujet vom Widerstand gegen die angebliche Islamisierung ist seit Oslo nicht mehr so blütenweiss, aber man nimmt halt Modifizierungen vor, wie nach den iranischen und arabischen Aufständen gegen ihre Diktatoren. Jene Hassprediger, die darüber jammern dass die “Gegenseite” durch Oslo/Ütoya aus der “moralischen Defensive herausgekommen” sei, sagen damit (bzw. verstärken den Eindruck), dass sie islamistische Anschläge etc. brauchen, diese für sie ideologischen Auftrieb bedeuten und sie eine Art Hoheit beanspruchen.

Unter dem Titel “Caught in the web” brachte Øyvind Strømmen in Syn og Segn eine Analyse über neue soziale Milieus im Internet und über Internet-Radikalisierung, die auch Breivik zu seiner Tat motiviert haben könnte. In Strømmens Artikel wird darauf hingewiesen, dass rechtsradikale Sites wie die – auch von Anders Breivik genutzte – Stormfront ungleich mehr User habe als populäre islamistische Seiten wie Al Ekhlaas oder Al Hesbah. Die Beobachtung von Internet-Radikalisierung habe sich fast ausschließlich auf Islamismus konzentriert.

Israel und Judentum

Philosemitismus und Israel-Solidarität laufen oft parallel zu Islamophobie. Ein Philosemitismus in den Stereotypen des Rassismus blockiert zuverlässig jegliche ernsthafte Auseinandersetzung mit rassistischen Tendenzen in der Gesellschaft. Bei allem Dissens im Detail zeichnen Linke wie Rechte beklemmend manichäisch das Bild vom “heldenhaften jüdisch-israelischen Volk” das sich gegen die rückständige, fanatische, mörderische Region behauptet, gegen die Palästinenser, die Vorhut der Feinde des Fortschritts, des Westens. Ignoranz für das Leid der Palästinenser ist klassischer Kulturrelativismus. Aznar hat, nach dem israelischen Massaker auf der Hilfsflotte für das eingeschlossene Gaza, davon gesprochen dass Israel die erste Verteidigungslinie des Westens sei und “wir alle” untergingen, ginge es unter. Die Verteidigung der Zivilisation drückt sich demnach u.a. so aus, dass die Hebron-Siedler ihre Exkremente auf die Märkte der Palästinenser in der Stadt schütten. Rassismus ist nicht nur vereinbar mit einer Pro-Israel-Einstellung, er liegt ihr meist zu Grunde. Die Aufrechterhaltung westlicher Dominanz ist natürlich auch ein Antrieb.

Für (viele) Deutsche scheint Israel ein nationaler Ersatzmythos geworden zu sein, eine Identifikation mit den Israelis ist auch durch die Annahme motiviert, sie führten eigentlich einen Stellvertreterkrieg für genuin deutsche Wünsche, Vorstellungen und Ideale, für völkische Einheit und nationale Selbstbestimmung auf heimatlicher Scholle. Die Israeler firmieren gewissermassen als der grosse, militante Heimatvertriebenenverband, der zurückgekehrt ist. Das zionistische Ressentiment wonach Palästinenser ihr Land über die Jahrhunderte “verfallen gelassen haben”, damit eigentlich nichts anfangen könnten, bzw. dass Palästina nicht nur ungenutzt sondern auch unbesiedelt war, bevor Juden kamen, wurde von westlichen Israelfans bereitwillig aufgegriffen. Israel-Solidarität wird mal mit Universalismus (“einzige Demokratie weit und breit”), mal aus offenen Partikularismus (Überlegenheit/Hegemonieanspruch der Juden über “Kameltreiber”) argumentiert. Siedlungen sind entweder ein paar Häuser mehr die niemanden wehtun oder aber historisches Recht der Juden in “Judäa und Samaria”. Der Beginn der 2. Intifada 2000 war auch ein “Vorbote” auf das neue, kommende Zeitalter und seine Frontstellungen.

SPME und Gleichgesinnte spucken Gift und Galle, wenn Zionismus-Kritiker wie Norman Finkelstein, Ilan Pappe oder Mosche Zuckermann irgendwo auftreten. Der Grad zwischen Toleranzchauvinismus (“Dass Zuckermann in Israel lehren kann, zeigt wie tolerant Israel doch ist) “und Versuchen, solche kritischen Stimmen zum schweigen zum bringen, ist schmal. Ilan Pappe kann in Israel nicht mehr lehren; nachdem er sich dem Thema der palästinensischen Nakba kritisch annahm, musste er die Universität Haifa verlassen. Auf der Veranstaltung “Remapping Palestine” in Wien 2011 sprach er u.a. über akademische Freiheit anhand des Nahostkonflikts; eine Veranstaltung, die auch verhindert werden sollte. Gegen einen Vortrag von Finkelstein hetzten SPME u.a. auch, mit der Behauptung, dass dieser Lob von Neonazis bekäme (vergleiche dazu z.B. Breiviks Idole und die Apologetik dazu); gegen die Hetze der Rechtsextremen gegen Moslems haben diese gar nichts. “Honestly Concerned” veröffentlichte dann die Kontaktdaten von dem Hotel, in das Finkelstein auswich, nachdem die Uni, in der er zunächst auftreten sollte, dem Druck nachgegeben hatte.

Amy Kronish, die sich mit dem israelischen Kino, als Spiegelbild der Gesellschaft des Landes, auseinandersetzt, hat auch über “Arabs on Israeli Screens” geschrieben. Darin stellt sie fest, dass Palästinenser bzw. Araber in zionistischen Filmen, auch schon vor der Staatsgründung Israels, in der Regel als primitiv und exotisch dargestellt werden. In den früheren Filmen wurde der Gegensatz durch die Darstellung der jüdische Pioniere als modern und fleissig erzeugt. Palästinenser wurden gerne als Teil der malerischen Landschaft abgebildet, auf Eseln oder Kamelen reitend, altmodische Pflüge ziehend, zusammen mit Palmen oder der Wüste, aber nie als Individuen oder aus “der Nähe” (und wenn, dann als eindimensionale Charaktere). Vergleiche dazu die Reaktionen über entsprechende (?) Darstellungen von Juden/Israelis wie in der türkischen TV-Serie “Tal der Wölfe”. Palästinenser/Araber/Orientale werden in israelischen Filmen in der Regel von Mizrahi-Juden dargestellt. Der Film “Hamsin” aus dem Jahr 1982 hatte diesbezüglich etwas revolutionäres, so Kronish. Es geht darin um einen Bauer in Galiläa und seinen palästinensischen Gehilfen und behandelt auch die Nakba von 1948 mit, die Schwierigkeiten der nicht-vertriebenen Palästinenser im israelischen Staat und sogar sexuelle Beziehungen zwischen den beiden Volksgruppen. Bemerkenswert auch der erste Film eines “israelischen Arabers”, Michel Khleifi, “Hochzeit in Galiläa” aus 1987. Er spielt in der Zeit, als diese Palästinenser im israelischen Staat noch unter Militärverwaltung standen. In Hollywood haben Araber immer wieder die Rolle des bösen Anderen eingenommen (verstärkt nach Ende des Kalten Krieges), des Barbaren, der die Zivilisation bekämpft (bzw. umgekehrt), eine Rolle, die früher für “Indianer”, dann “Mexikaner”, dann “Russen” reserviert war.

Während gerade wieder ein “neuer Antisemitismus” zelebriert wird, reihenweise Untersuchungen über den “Antisemitismus von jugendlichen Moslems” herauskommen, wartet etwa der antiarabische Rassismus unter jungen französischen Juden (ob in JDL-Ablegern oder anderen Gruppen) noch darauf, untersucht zu werden. Oder jener des “Mavet le Aravim” (Tod den Arabern) rufenden Mobs in israelischen Städten.

Der israelische Historiker Haggai Ram spürte der israelischen “Iranophobie” nach und brachte 2009 “Iranophobia: The Logic of an Israeli Obsession” heraus. Er schreibt bzw. redet das 1979 im Iran an die Macht gekommenen Regime nicht schön (Gudrun Harrer 08 in derstandard im Artikel “Logik einer Obsession” dazu: “Ram wird trotzdem des Antisemitismus beziehungsweise des jüdischen Selbsthasses, der Unterstützung von Holocaust-Leugnung, des Antizionismus sowieso, aber vor allem des Irreseins bezichtigt werden”) aber er geht dem in seinem Land kaum angefochtenen Umgang mit dem Thema “Iran” und dessen Instrumentalisierung auf den Grund. Er stellt zum einen fest, dass hinter der Konstruktion der Bedrohung Israels durch den Iran inner-israelische/-jüdische Spannungen stehen. Dazu diente auch die Ent-Orientalisierung der v.a. in den 1950ern aus den islamischen Staaten geholten Juden durch das aschkenasische Establishment. Viele Israelis, so Ram, sähen im klerikal beherrschten Iran ein Horrorszenario für die Zukunft des eigenen Landes.

Dies mit Blick auf die religiösen Parteien, die mal in die Regierung eingebunden, mal isoliert werden (in der jetzigen Regierung sitzen neben dem Likud die Partei vom jungen Lapid, der die Religiösen und ihre Inhalte kleinhalten möchte und die von Bennet, der eine Brücke zu ihnen bauen will, zur Verbreiterung eines israelischen Nationalismuses), und teilweise (Schas) Mizrahis und teilweise (Vereinigtes Thora-Judentum) Aschkenazis repräsentieren. Auch viele Einwanderer aus der Ex-Sowjetunion, so Ram, hätten Anti-Mizrahi-Empfindungen, nicht zuletzt aufgrund ihrer vorwiegend säkularen Ausrichtung. Eine weitere Beobachtung Rams beim israelischen Iran-Diskurs (der ja gern nach aussen getragen wird) ist die für israelische Politiker willkommene Ablenkung vom Grundkonflikt, dem mit den Palästinensern; diese würden auch zunehmend als eine Art Vorhut der Iraner empfunden/dargestellt. Damit könne der eigene Teil der Verantwortung leicht abgegeben werden. Die gegenseitigen Bedrohungen zwischen Israel und Iran interpretiert er als eine Art von Dialog zwischen ihnen. Den Holocaust zu einem politischen Instrument würden dabei beide Seiten machen.

Das Buch von Noel Ignatiev “How the Irish Became White” setzt sich damit auseinander, dass irische Einwanderer in den USA nicht schon immer als “Weisse” angesehen wurden, sich diesen Status erst durch Mehrarbeit in Sachen Rassismus, v.a. gegen Afro-Amerikaner, verdienen mussten. Etwas Änliches lässt sich mit Blick auf die Mizrahim (der Begriff “Sepharden” für sie ist eigentlich nicht korrekt) in Israel feststellen, die den “Makel” ihrer “orientalischen” Herkunft durch eine Mehrarbeit in Sachen Nationalismus bzw. Überheblichkeit v.a. gegenüber Palästinensern kompensieren mussten und dabei auf den Likud gegen die Arbeiterpartei setzten (bzw. der ebenfalls aschkenasisch dominierte Likud auf sie), der in der Wahl 1977 den Machtwechsel schaffte. Diese Rolle ist möglicherweise später zu den aus Äthiopien geholten Juden weitergewandert. Philosemiten sind immer nur für bestimmte Juden, lehnen andererseits religiöse, linke oder orientalische ab.

Ängste vor dem „Eindringen des Mittleren Ostens“ über Mizrahim nach Israel werden schnell nach aussen umgeleitet, Shinui-Parteichef Yosef Lapid sprach in dem Zusammenhang vom „levantinischen Misthaufen“. Lapid wurde als Tomislav Lampel in Jugoslawien geboren und ist 1948 nach Israel eingewandert, wurde in Europa gern als “mitteleuropäischer Liberaler” dargestellt. Vieles was auf “Islamophobie” zutrifft, trifft auch auf solche Sichtweisen zu, zumindest waren sie jahrzehntelang in Israel vorherrschend. Etwa das “Wir sind fortschrittlich, ihr rückständig”-Gehabe zur Abgrenzung. Lapid hatte nicht nur ein Problem mit Levantinern: 1974, nachdem die meisten schwarzafrikanischen Staaten nach dem “Nahostkrieg” von 1973 die Beziehungen zu Israel abbrachen, schrieb er in Maariv den Artikel “Le’maan D’rom Africa Lo Esheshe” (Um Südafrika willen will ich nicht schweigen), eine rassistische Tirade gegen Schwarzafrika und auch Afro-Amerikaner, die er, mit Berufung auf den britischen Rassentheoretiker John Baker und Disraeli, Juden in USA gegenüberstellte um zu schliessen: “Offensichtlich gibt es einen vererbbaren Unterschied zwischen einem Mann dessen Vater im Dschungel lebte und einem dessen Vorfahren Priester im Tempel waren.” Auch ein Lob auf Apartheid-Südafrika und Israels Zusammenarbeit mit ihm ist darin. Irgendetwas sagt mir, dass MEMRI sowas nie übersetzt hat. Zu finden ist es (u.a.) in ”Besieged Bedfellows” von Benjamin M. Joseph (1988).

Anastasia Michaeli (-Samuelson), die die rechtsradikale Yisrael Beitenu im israelischen Parlament vertrat, eine aus Russland stammende blonde Konvertitin zum Judentum, die auch für ihre Theorien über Homosexuelle und eine physische Attacke auf die palästinensische Abgeordnete Hanin Zoabi bekannt ist, hat einst als Jury-Mitglied in der israelischen Ausscheidung zum Song Contest die Sängerin Liel Kolet, deren (jüdische) Eltern aus Indien stammen, abgelehnt, weil diese eine “arabische Erscheinung” habe. “Wir müssen jemanden auswählen, der uns nicht nur künstlerisch repräsentiert”.

Rechte Islamophobie

Jean-Marie Le Pen äusserte schon 02 gegenüber Ha’aretz Verständnis für den israelischen Kampf gegen “Araber und Terror”, verglich ihn mit dem französischen Kolonial-Kampf in Algerien, an dem er ja teilgenommen hatte. Oder Jörg Haider einst auf einer BZÖ-Veranstaltung: “Noch darf man Grüss Gott sagen und muss nicht Allah ist gross sagen”. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass es dazu kam. Historisch gabs eine lange Ablehnung der westlichen Rechten gegenüber dem “Orient”, die manches der heutigen Islamkritik vorwegnahm; aber auch eine Stützung reaktionärer Kräfte in der islamischen Welt. Neue Parteien wie jene von Wilders haben überhaupt kein antisemitisches Erbe, definieren sich geradezu durch einen positiven Bezug auf Israel (das wieder einmal die Rettung des Abendlands darstellt), im Negativen hauptsächlich über Anti-Islam. “Islamisierung stoppen” und ähnliches ist bei Rechtspopulisten in (West-) Europa heute ein selbstverständliches Kernthema. Ähnliches gilt für die Evangelikalen der USA; bei einer Israel-Solidaritätsveranstaltung der evangelikalen Christian Coalition in USA 03 forderte etwa der damalige israelische Minister Benjamin Elon (Nationale Union), ein Westbank-Siedler, unter Jubel die Aussiedlung der Palästinenser nach Jordanien. Bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin 2013 faselt der Anführer von “Reconquista”, Europa wieder vom Islam reinigen,…

Für Rechte/Konservative ist Islamophobie eine Chance, ihre Ideologie “reinzuwaschen” und grössere Akzeptanz zu bekommen, eine Frischzellenkur, man kann sich als zu modernen und aufgeklärten Werten stehend und sie verteidigend profilieren, auch als wehrhaft gegen die mit Islamisten “verbündete” oder sie “verharmlosende” Linke. Man hat die Möglichkeit zu einem politisch korrekten Rassismus, man hatte mit seinen Vorurteilen immer schon recht.

Wenn man sich im rechtem Milieu zur „Islamkritik“ gewissermaßen „linke“ Errungenschaften auf die Fahnen heftet (u.a. Frauen-Emanzipation), ist das nie frei von Ambivalenz. Manchmal kommt deutlich heraus, dass man diese Werte im Grunde ablehnt. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache etwa hat die entlassene NDR-Moderatorin Eva Herman, die “die Wertschätzung der Frau im Dritten Reich” gelobt hatte, verteidigt, dabei erwähnte er auch Autobahn-Bauten, nach ihm ebenfalls etwas Gutes aus dieser Zeit (auch die Forderung, über das NS-Verbotsgesetz zu diskutieren, kam von ihm). Er lud Herman dann zu einer Veranstaltung mit dem Titel “Das Eva-Prinzip – Antwort auf den Feminismus” in den FPÖ-Parlamentsklub ein. Nach ihrer Absage am Tag der Veranstaltung sprach dann der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Wenig später redete Strache dann davon, dass Zuwanderung von ausserhalb Europas Elemente mit sich bringe “die nicht unserer Kultur entsprechen, darunter die Unterdrückung der Frau”. Und dass er “wehrhaft” gegen Islamismus auftreten wolle. Grünen-Chefin Glawischnig sei männerfeindlich. Im Wiener Wahlkampf 10 brachte die FPÖ neben altbekanntem wie der Assoziation Asylbewerber-Kriminalität, Angstschüren vor osteuropäischen Nachbarn (Ende der EU-Schutzbestimmungen am Arbeitsmarkt), Gemeindebau-nur-für-Österreicher-Parolen auch dezidiert anti-islamisches, etwa Zustimmung zu Sarrazin, oder das Lied von Broder wonach Menschen aus einem anderem Kulturkreis wegen ihrer Herkunft mildere Strafen für Mord und Totschlag bekämen. Und: “Wenns nach den Gutmenschen ginge, würde jetzt Ramadan beginnen.” Strache kaut auch den „clash of civilizations“ mit dem Islam wieder. Auch wenn er über europäische Werte, Humanismus oder Christentum schwadroniert, geschieht das meist zur Abgrenzung vom “Islamischen” und immer heuchlerisch.

Elisabeth Sabaditsch-Wolf, eine österreichische Diplomatentochter, berät Strache aussenpolitisch, hat ihn nach Israel begleitet. Sie hält Hasspredigten in „Islam-Seminaren“ am Freiheitlichen Bildungsinstitut ab, ist im Präsidium des Wiener Akademikerbundes, unterhält Kontakte auch zu Wilders, ist Generalsekretärin des („im Untergrund tätigen“) Vereins „Mission Europa. Netzwerk Karl Martell“, Teilnehmerin an der jährlichen „Counterjihad Conference”, aktiv bei Ulfkottes „Pax Europa“, postet im IT unter Pseudonymen antiislamische Artikel (auf Webseiten wie redegefahr.com) und Kommentare, stilisiert sich als mutige Kämpferin gegen etwas Totalitäres. Hat auch Breivik beeindruckt.

Die CDU-Politikerin Kristina Schröder, die sich gern in Äquidistanz zu rechts und links verorten möchte, hat erst 2009 auf ihrer Website Links zu PI und dem deklarierten Rechtsaußen-Blatt Junge Freiheit gelöscht. Im Windschatten von Sarrazin kam auch sie mit “moslemischer Deutschenfeindlichkeit” daher. Für die rechte israelische Zeitung Jerusalem Post durfte sie einen Artikel über „Antisemitismus in Deutschland“ schreiben, eine weitere Möglichkeit für sie, darauf hinzuweisen, von wem alle Feindseligkeit ausgeht und, wohl auch, um den Schuldkomplex zu überwinden, den Wilders meinte (s.o.). Zu dem Thema hat sie auch Broder als “Experten” in den Bundestag geladen.

Für die deutsche „neuen Rechte“ (Antaois-Verlag, Junge Freiheit, Götz Kubitschek, Manfred Kleine-Hartlage,..) ist auch längst der „Islam“ Feind Nr. 1, Weissmann arbeitet schon mit Stürzenberger von PI zusammen. Die Szene dieser neuen und neuesten Rechten (wie den Pro-Parteien) ist aber zerstritten und zersplittert, vor allem anhand des Widerspruchs zwischen Kampfeslust gegen den (postmodernen) “Mainstream” und dem “Bekenntnis” zu fortschrittlichen Werten – anderswo ist es ähnlich.

Auf stormfront.org, einem englisch-sprachigen Rechtsextremen-IT-Forum des US-Amerikaners Don Black (einem früheren KuKluxKlan-Führer), das auf “weisse Vorherrschaft” ausgerichtet ist, gibts Holokaust-Leugnung bzw. -Verteidigung neben Israel-Begeisterung, auch viel Anti-Islam, Geschreibe von “Eurabia”, etc. Wie so üblichen bei Rechten, gestaltet sich die internationale Zusammenarbeit schwierig, aufgrund der konkurrierenden Ansprüche etwa südslawischer Nationalisten oder burischer und englischsprachiger Hetzer gegen das Post-Apartheid-Südafrika.

Die Evangelikale Christine Schirrmacher von der “Lausanner Bewegung” veröffentlicht hierzulande Bücher und Artikel zum Thema Islam, wird als “Islamexpertin” und „seriöse Wissenschafterin” gehandelt.

“Linke” Islamophobie

Manche Linke surfen gemütlich auf der antiislamischen Welle und spielen den Wahrer von emanzipativen Ansätzen, beziehen Front gegen Rechtsextremismus nur, wenn sie dort Moslems verorten können. Publizisten aus diesem Lager erliegen der Faszination begrifflicher Tabubrüche und wittern die Gelegenheit, Antifaschismus und Rassismus miteinander zu versöhnen, berauschen sich und ihr Publikum mit markigen Parolen. Der kanadische Regisseur „Bruce Labruce“: “Ich war angewidert, wie still und feige sich die Linke nach dem 11. September verhält; dass sie rechten Kräften und dem Krieg gegen den Terror freie Bahn ließ.” Hartmut Krauss ist der typische Vertreter eines „Islamophoben“ der von links kommt und die in Mitte bzw. nach rechts steuert, er war u.a. Initiator der “kritischen Islamkonferenz” 08 (nicht zu verwechseln mit der jährlichen “Counterjihad Conference” mit David Littman, Filip De Winter, Arye Eldad, Robert Spencer, Trifkovic, Herre,…). Unter dem Label “Antideutsch” wird fremdenfeindliche Hetze verbreitet, die als “progressiv” dargestellt wird.

Karl Marx’ Verachtung für nicht-europäische/-weisse Völker/Kulturen ist ein Fundament für den Rassismus/Kulturalismus der Pseudo-/Postlinken im Westen. Jedenfalls sind Einschätzungen von ihm wie diese in den letzten 10, 15 Jahren oft ausgegraben worden: „Die indische Gesellschaft hat überhaupt keine Geschichte, zum mindesten keine bekannte Geschichte. Was wir als ihre Geschichte bezeichnen, ist nichts andres als die Geschichte der aufeinanderfolgenden Eindringlinge, die ihre Reiche auf der passiven Grundlage dieser widerstandslosen, sich nicht verändernden Gesellschaft errichteten. England hat in Indien eine doppelte Mission zu erfüllen: eine zerstörende und eine erneuernde – die Zerstörung der alten asiatischen Gesellschaftsordnung und die Schaffung der materiellen Grundlagen einer westlichen Gesellschaftsordnung in Asien.

Die angebliche Ablehnung von Nationen durch “Anti“Deutsche ist vor allem eine Legitimationsstrategie, um sich gegen Rassismusvorwürfe zu immunisieren; sie machen das, was sie Antirassisten unberechtigt vorwerfen, nämlich Menschen nicht als Individuen wahrzunehmen, sondern in Kollektive einzusortieren. Sie können nur die Mossab H. Yousefs (siehe unten) oder aber die Bin Ladens akzeptieren, lehnen andere als unecht ab oder diffamieren sie. An jene, die noch nicht den Mossab-Weg gegangen sind, wird die Aufforderung gerichtet, sich zu “befreien”, so wie wenn Hetze gegen Juden damit rechtfertigt wird, man sei gegen “die Juden” weil diese sich als Juden definierten und jederzeit mit ihrem Judentum brechen könnten.

Deutschlandschelte hat die Funktion einer Blendgranate; „Anti“deutsche müssten über die (angeblichen) Deutschland-Beschimpfungen von Migranten eigentlich froh sein, aber es ist natürlich das Gegenteil der Fall, wie man z.B. bei Birgit Schmidt in Jungle World (die in dem Zusammenhang auch die Richterin Heisig lobt) lesen kann. Auch dass es mit dem PI- oder Sarrazin-Gedankengut zumindest Überschneidungen gibt, ist nicht überraschend. “Aufarbeitung” des Faschismus und Versöhnung mit Deutschland über Islamophobie und Philosemitismus… Ein Geschichtsrevisionismus für die eigenen kleinkarierten, zutiefst “deutschen” Befindlichkeiten. Antiimperialistische Bewegungen oder zögerliche Rechte werden als „völkisch“ diffamiert, weil sie sich der falschen Völker annehmen.

Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt“ von Gerhard Scheit ist ein Buch, in dem Sätze mit “Der muslimische Mann…” beginnen und Gerüchte weiterverbreitet werden, wonach Araber teils bis zum 8. Lebensjahr an der Mutterbrust gesäugt würden. Neben rassistischen Ammenmärchen findet man darin Versuche, islamistische Selbstmordattentate mit Heidegger zu erklären.

Dass jemand wie Grigat an der Universität Wien lehren kann, sagt nichts (Gutes) über ihn, aber etwas (Schlechtes) über diese Uni. Die Maskierung seiner Propaganda als “wissenschaftliche Arbeit” ist bei ihm allgegenwärtig. Als Hauptagitator der Kriegs-Kampagne “Stop the Bomb” will er deren “wissenschaftlicher Berater”, oder “Moderator” bei den Podiums”diskussionen” ihrer Veranstaltungen, sein. In Österreich sind die “Anti”deutschen um den Berliner in der “Basisgruppe Politikwissenschaft” der Uni Wien entstanden, sind heute u.a. im “Café Critique” organisiert, bilden einen Klüngel am Wiener PoWi-Institut, mit Ablegern etwa in Form von “Mena” (“Medienbeobachtungsstelle Nahost”), wo seine (meist österreichischen) Hilfssheriffs wirken. Der Kreis ist auch Handlanger von Pipes’ “Campuswatch” in “Grossdeutschland”, agitierte z.B. gegen die Verleihung einer Ehrendoktorwürde an Hanan Ashravi (Frau und Christin, aber Palästinenserin).

In seiner Kriegs-Propaganda gegen Iran behauptet Grigat, der neue Antisemitismus/Faschismus käme aus arabischen Ländern. Im selben Interview dann etwas später: “Die meisten arabischen Länder haben Israel längst signalisiert, dass sie kein wirkliches Problem damit hätten, wenn Israel Angriffe auf Nuklearanlagen im Iran durchführen würde”. Wie jetzt, dort wo der Faschismus daheim ist, ist man für Angriffe auf Iran? Die iranische Bevölkerung sei auch grossteils für ihre “Befreiung” auf diesem Weg, der aufgeklärte Westen sowieso, also eh praktisch alle? In der Propaganda von “Drop the Bomb” findet man, besonders wenn man ihre Inhalte seit ihrer Initialisierung 07 beobachtet, verschiedenste Kriegsrechtfertigungen gegen Iran, nebeneinander auch widersprechende wie “Iraner befreien” und “weil die iraner die Atombombe des Regimes wollen”. Immer zynisch: das ignorieren iranischer Opfer; in dem erwähnten Interview sagte er zu einem israelischen Angriff auf Iran, er stelle sich das grauenhaft vor, um dann hinterherzuschieben, dass er damit israelische Opfer möglicher Vergeltungsangriffe meint… (gut, dass Belege für sowas nicht so leicht aus dem Internet verschwinden).

Der Wiener Akademikerbund fordert u.a. die ersatzlose Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes, die “fundamentale Korrektur” der Fristenregelung, die ersatzlose Streichung des EU-Gleichbehandlungsgesetzes („könnte verborgener Sprengsatz für die abendländisch-christliche Kultur sein, zielt auf zwangsweise Einführung einer multikulturellen Gesellschaft ab“), die Beendigung der Zuwanderung um “Gefahren für das Heimatland abzuwehren”, Spezialgesetzgebung für Muslime, Beseitigung des „Wildwuchses von Moscheen“ sowie die Anerkennung der “effektiven Verschiedenheit von Rassen und Völkern”. Grigat, vom Sabaditsch-Kollegen Christian Zeitz dorthin gebracht, hat 09 dort über „Die ‘Islamische Republik Iran’ und die Menschenrechte im ‘Kampf der Kulturen’“ einen Vortrag gehalten. Angekündigt als „Nahostexperte und gefragter Publizist“, hat er dort über das “Spannungsfeld von islamischen Gesellschaften und Menschenrechten“ geredet und ob sich „die Menschenrechte von einem Schutzrecht des Individuums gegenüber dem Staat … zu einem Anspruch verlagern, verschiedene (religiöse und ideologisch bedingte) Lebensentwürfe auch gegen den Willen der Mehrheitskultur und -bevölkerung durchzusetzen“. Nachdem etwas mehr über den Akademikerbund bekannt wurde (Aufregung gabs eigentlich nur wegen der Forderung mit dem NS-Gesetz) gab der Israel-Fetischist über SPME eine Erklärung ab, in der er versuchte, sich das Opfermäntelchen umzuhängen, wie immer anmaßend, selbstgerecht und seine wahren Motive verschleiernd. Was vollkommen unter den Tisch “fiel” (gekehrt wurde) neben dem Brückenbau, ist, in welchem ideologischen Milieu sich Philozionismus/Israel-Unterstützung gerne bewegt…

Wenn Grigat auf derstandard.at (meist seine eigenen Gastkommentare) als “harlan eiffler” kommentiert, sagt er über sich noch einiges aus.

Allianzen und Kooperationen

Die Islam-feindliche Perspektive erweist sich als idealer Kitt, unterschiedlichste Gruppierungen/Ideologien zusammenzuschweißen und Vernetzungen herzustellen. Das Konzept eines „Westens“ erlaubte im Kalten Krieg die Reintegration von Faschisten als “Antikommunisten”; auch heute werden wieder Kräfte gegen „asiatische Horden“ gebündelt. Es wird davon geredet, die Errungenschaften der Aufklärung zu schützen, etc. Die unterschiedlichen Auffassungen, was darunter im Detail zu verstehen ist, verhindern ein grösseres Zusammengehen. Reine Fremdenfeinde, die Zuwanderern schnell ein Islamismus-Mäntelchen umhängen wollen, hier, vorgeblich Libertäre, die auf totale künstlerische Freiheit pochen und dann Ausnahmen wollen, dort. Einerseits will man sich seiner Toleranz brüsten und Intoleranz zum Merkmal der anderen erklären, andererseits sieht man Toleranz und Universalismus als Hemmschuh. Während man sich bei der Ablehnung von “multikultureller Gesellschaft” leicht einig wird, ist ein Bekenntnis zu einer “offenen Gesellschaft” für den einen Teil der Islamophoben ein Unterscheidungsmerkmal zu dem, was sie unter Islam verstehen, für den anderen Teil ist eine offene Gesellschaft etwas, wo sich der Islam “einnisten” kann. Die USA unter Bush war für Viele ein positiver Gegenentwurf zu dem was in Europa in ihren Augen “verdorben” war – sich genauer anzusehen, was das eigentlich ist, würde sich einmal lohnen.

Bei den Pro-Israel Demos anlässlich des Überfalls auf die Hilfsflotte für Gaza 10 haben PI, “Bahamas” und andere “Anti”deutsche, die rechtspopulistischen Pro-Parteien, der BAK Schalom der Linken und christliche Fundamentalisten in trauter Einigkeit gemeinsam demonstriert. Die evangelikale “Partei bibeltreuer Christen” PBC hat gemeinsam mit dem BAK Shalom dem Berliner Linken-Chef Klaus Lederer die israelische Bombardierung des Gaza-Streifens 08/09 unterstützt. PI und Pro-Parteien vertreten Positionen, die den “anti”deutschen ziemlich nahekommen, jedenfalls was Internationale Politik, Umgang mit dem Islam, Zuwanderung/Integration, Israel, USA und teilweise auch den Kapitalismus angeht. Auf PI werden “antideutsche” Veranstaltungen beworben und hinterher über die Teilnahme der PI-Ortsgruppen berichtet. Die Idole der “Anti”deutschen wie Broder unterstützen teils offen die neuen Rechten in Europa. Kahanistische Organisationen wie “Kach”, also der äusserste rechte Rand des zionistischen Spektrums, sogar von Israel verboten, paktiert, besonders in Berlin, auch gern mit Evangelikalen (PBC) und “Anti”deutschen. Die English Defence League (EDL) ist, nicht zuletzt über Pamela Geller, mit dem antimoslemischen Teil der amerikanischen Tea Party Bewegung verbunden sowie mit Kahanisten wie dem surfenden Rabbi Shifren. Einige der EDL-Anhänger zeigen gern mal den Hitler-Gruss – andere lieber Israelfahnen. Bei der Veranstaltung „Tag der Patrioten“ mit Nürnberg 2.0, German Defence League, und NPD gabs auch Israel-Fahnen (PI schrieb dann von Bauchweh wegen der NPD und verwahrt sich gegen die „Nazikeule“).

Mina Ahadi engagiert sich heute gegen „Multikulti, Kulturrelativismus, moslemische Verbände, Islamophobie-Konzepte“ und wird deshalb trotz hoher Stellung in der linksradikalen WPI und ihrem Atheismus von Springer/Konservativen wie auch vom PI-Milieu hofiert, was natürlich wiederum “A”D nicht stört.

Giordano zur massiven Präsenz von Vertretern der rechtsextremen „Pro Köln“ in der Bürgerbewegung gegen den Moscheebau in Köln, in der er prominent beteiligt ist: „Dieses ‘Aber mit solcher Kritik begibst du dich in die Nähe der Nazis von heute’ ist ein Totschlagargument, das sich bei meinem biographischen Hintergrund von selbst ins Absurde führt. […] da sind wir bei dem eigentlich Unheimlichen der Situation: dass nämlich viele Menschen, die meinen Hintergrund nicht haben, die gleiche Kritik an dem Bau der Moschee und an den islamischen Parallelgesellschaften in Deutschland überhaupt, äußern möchten, das jedoch nicht wagen, eben weil sie fürchten, dann erstens in die rechtsextreme, rassistische neonazistische Ecke gestellt zu werden und zweitens plötzlich die falschen Bundesgenossen an ihrer Seite zu sehen.“ FPÖ-Strache in Köln bei einer Kundgebung von ProKöln gegen die Moschee in Ehrenfeld: “Wer den Mut hat, zur eigenen Kultur zu stehen, wird gleich als Rechtsextremist oder Neonazi beschimpft.”

Am 8. Mai (Ende des 2. Weltkriegs in Europa durch die Kapitulation Nazi-Deutschlands) feiern “Anti”deutsche demonstrativ und zetern Deutschnationale etwas leiser. In Wien sollte Strache bei zweiterer Feier auftreten, sagte ab, da er in Italien war um mit anderen Rechtsaussen Vorgehen gegen Einwanderer zu planen (er ist ausserdem um ein gemäßigteres Image bemüht); wenn er für Proköln Stellung nimmt, ist er bei deren Kernthemen den angeblichen Gegnern der Rechten von der Gegenfeier ganz nahe…

“Verbündete” bzw. Kanonenfutter

Für westliche Kulturkrieger gehören Frauen zu den “Lieblingsgruppen” im (oder im Bezug zum) Orient, neben Juden, Schwulen, Minderheiten, Quislingen. Die Sorge (?) um Frauenrechte im Islam gehört zum Standardprogramm, auch bei Anti-Feministen wie Matussek. Von Frauen aus moslemisch geprägten Kulturen gibt es gleichförmige Bilder von Fremdbestimmung, Abhängigkeit und Unterdrückung, einer passiven Opferrolle. Es wird ihnen gerne die Handlungsfähigkeit abgesprochen, gerne über sie gesprochen, Alibis von ihnen erwartet. Die österreichische Forscherin Leila Hadj-Abdou sagt, muslimische Frauen werden nicht als selbstbestimmte Personen wahrgenommen, liberale Werte werden hochgehalten, um den Ausschluss zu legitimieren. Von Rechten/Konservativen, die sich (zuvor) nie für Gleichberechtigung (der Geschlechter) eingesetzt haben, aber auch bei jenen Feministinnen, denen Gleichberechtigung tatsächlich ein Anliegen ist (nennt Alice Schwarzer). Jene die über die Hirsi-Alis entzückt sind, verachten die Naika Foroutans. Neben der Wahrnehmung als “Objekt” gibt es von der südländischen/orientalischen, nicht notwendigerweise moslemischen, Frau dann auch jenen als heissblütig, verführerisch, unbeherrscht.

In Dresden ist 32-jährige Ägypterin Marwa El-Sherbini 09 von einem Russlanddeutschen in einem Gerichtsgebäude mit einem Messer angegriffen und ermordet worden. el-Sherbini war Apothekerin und im dritten Monat schwanger. Sie hinterliess einen dreijährigen Sohn. Ein aus dem Nachbarraum herbeieilender Polizist schoss zunächst auf den Ehemann der Ermordeten statt auf den Täter. Der Mörder hatte sein Opfer, die Kopftuch trug, auf einem Kinderspielplatz als „Islamistin“, „Schlampe“ und „Terroristin“ tituliert. Der Mord geschah in der Berufungsverhandlung gegen die Geldstrafe, zu der er für die Beleidigungen verurteilt worden war. Dass Leute wie Ahmadinejad sich des Falls „annahmen“, war für PI (die dazu auch schrieben: „Behauptungen der Qualitätsjournalisten zufolge soll der Mörder durch die Lektüre solcher [gemeint ist: unserer] Artikel zu seiner Tat angestiftet worden sein.“) oder Achgut eine Steilvorlage zur Relativierung.

Als einmal die “Miss Austria” aus dem Kaukasus kam, gab es gehässige Kommentare, dass sie wegen der political correctness gewonnen habe, man die Wahl/den Titel in „Miss Orient“ umbenennen solle usw. Irgendwie liegt dem derselbe Chauvinismus zugrunde wie jenem Gegeifer, das Frauenrechte vorschiebt, nur ist er hier ehrlicher. Siehe dazu auch die Kommentare zur feministischen Entblössung der albanisch-stämmigen CDU-Politikerin Ramadani.

Im Westen inszeniert man sich gerne als (Teil einer) tolerante(n), weltoffene(n) Gesellschaft, auch Homophobie wird am Fremden skandalisiert. Sie wird zur Stützung einer Argumentation benutzt, die Orientale als primitiv darstellt; wird, wie auch “Feminismus”, zur Kriegsrechtfertigung herangezogen. Dabei wird Homophobie im christlichen Schwarzafrika oder der Karibik entweder in denselben (“unzivilisierten”) Topf geworfen oder aber säuberlich davon getrennt, wenns um die Formulierung vermeintlicher islamischer Spezifika geht. Die Aufmerksamkeit gilt auch im Positiven, bei Jamaikas Premierministerin Simpson-Miller war ihre Unterstützung für Homosexuellen-Rechte “wichtiger” als etwa ihre Initiative zur Abschaffung der Monarchie mit der britischen Königin als Staatsoberhaupt, obwohl dieses für den durchschnittlichen Jamaikaner das wichtigere Thema ist. Eingehend befasst mit der Thematik hat sich Lysis/Rhizom in seinen Blogs und Büchern. Auch damit, dass im “Orient” Bedeutungen/Definitionen von Körperkontakt und Homosexualität andere sind; mit der diesbezüglichen Rolle von Aufklärung und westlichem Nationalismus, und welche Prozesse heute dort im Gange sind; dass gerne auf andere ethnische Gruppen gezeigt wird, wenn über Homophobie gesprochen wird.

Mossab Yousef, der Sohn eines Hamas-Mitbegründers sein soll, spionierte neun Jahre lang für Israel (den Inlandsgeheimdienst Schin Bet). Seit seiner “Flucht” in die USA und seiner Hinwendung zum Christentum “lebt er in Angst vor Rache”. Er tritt z.B. im „Museum of Tolerance“ des Simon Wiesenthal Center auf bzw. wird dort aufgeführt. Er ist ein zuverlässiger palästinensischer Gewährsmann für das zionistische Lager, wie auch Walid Shoebat. Auch oder gerade “Nahost-Beobachter”, die von Palästinensern in “” schreiben oder dass sie es erst seit Arafat als solche gäbe, von einer islamischen Lobby in USA welche die jüdische ersetze, von Prinz Eugen und dem Abwehrkampf, von Arabern die wie blöde rammeln, sind von ihm entzückt. Er ist eine wichtige Propagandaikone, weil mit seinen Aussagen der Eindruck nahegelegt werden kann, dass die Palästinenser die ganze Schuld für den Konflikt tragen würden, sie es sind, die sich für eine Lösung ändern/bewegen müssten, Israelis und Freunde nichts gegen Palästinenser hätten und sie gut behandeln würden wenn man sie nur lasse. Da er Israel/Zionismus unkritisiert lässt, wird seine Hamas-Vergangenheit als wertvoller Einblick ausgelegt, im anderem Fall würde man seinen Befund über den Konflikt auf dieser Grundlage diskreditieren. Sein Schwarzweissbild des Nahostkonflikts zeigt, dass er kein Friedensengel geworden ist, bloss die Seiten gewechselt hat. Yousef und seine “Wandlung” wird, auch von manchen Kampagnenjournalisten, als eine Erweckungsgeschichte gesehen – die des ebenfalls zum Christentum übergetretenen Mordechai Vanunu ist ein Tabu, ihre Erwähnung eine “antisemitische Instrumentalisierung” usw. Die meisten “Islamkritiker” haben ein Produkt zu promoten, wie Yousef sein Buch. Dazu ist auch zu sagen, wenn Zionisten Palästinenser generell mit so viel Wertschätzung gegenüber treten würden wie jenen, die sich gegen palästinensische Anliegen stellen, gäbe es überhaupt keinen “Nahost-Konflikt”.

Die Selben die kritische Juden wie John Bunzl oder Gideon Levy als “Distanzier-und Alibijuden” oder “Kronzeugen der Rechtsextremen“ beschimpfen, preisen im nächsten Atemzug oder auf der selben Seite Yousef oder den in Italien lebenden Ägypter Magdi Allam (nach publikumsgeilem Umschwung vom Reformer und Vermittler zum selbstverleugnenden Scharfrichter). Alibi- und Berufs-Ex-Moslems wie er, Mossab Yousef oder Farid Ghadry werden von fast allen islamophoben Fraktionen verwendet. Hirsi-Ali ist wie Ben Ali oder Mubarak die Alternative zu einer Reform des Islams. Auch Grigat versucht, die iranischen Frauen und die Emanzipation gegen „linke Islamapologeten” und “akademische ‘Islamophobie’-Forscher” sowie zur Pseudo-Abgrenzung von den klassischen Rechten anzuführen. Orientalische Frauen sind, sobald sie eine eigene Meinung haben, für die Grigats auch Teil des Problems.

Westliche Debatten über Einwander wie auch Moslems werden gerne über deren Köpfe hinweg geführt, gerade deshalb sind solche Feigenblätter wichtig. Jene in der Islamophobie-Industrie, die im Grunde einen ehrlichen Ansatz haben wie evtl. Abdel-Samad, sind dort eigentlich fehl am Platz. Dieser gibt zwar nicht nur Broder ein Alibi, hat aber (sicher zur Enttäuschung vieler in seinem Publikum) etwa festgehalten, dass -während er dem Islam faschistische Züge attestiert- nicht alle Moslems bzw. alle aus diesem Kulturkreis (er selbst sieht sich als Kultur-Moslem) in einen Topf geworfen gehören. Die Drohungen gegen ihn benutzt er nicht, um sich zu einem deutschen Rushdie zu stilisieren, sondern spricht von „ein paar Fanatikern“. Kommentar in einem Forum über ihn: “Da er als Kind eines Moslems geboren wurde, ist er nach der islamischen Glaubenslehre für den Rest seines Lebens Moslem.” Für Islamisten wie Islamophobe ist das jedenfalls so, wer Moslem ist, und damit entweder Über- oder Untermensch, bestimmt nicht der Betreffende. Am bequemsten ist eine Malala Yousefzai die man bedauern kann (ihr sei nicht unterstellt, dass sie sich instrumentalisieren lässt), oder eine Hirsi-Ali, von der man auch nicht Angst haben muss, dass sie nicht-westliche interessen formuliert.

Es hat gute Gründe, warum Hirsi-Ali bei westlichen Konservativen besser ankommt als bei liberalen Intellektuellen in der islamischen Welt. Dass sie sich im Zweifelsfall für den autoritären Staat und westliche Bevormundung und gegen die liberale Demokratie entscheidet, ist da nur ein Faktor. Und es hat Gründe, dass sie bei diesen Konservativen besser ankommt als etwa Shirin Ebadi. Diese warf Hirsi-Ali übrigens vor, sie spiele mit ihrer Behauptung, der Islam sei nicht mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar, den Mullahs in die Hände. Die Instrumentalisierung erinnert an diverse Afrika-Diskurse und “westliche” Lieblinge dort. Jene, die Afrikanern gerne alle positiven Fähigkeiten absprachen und für die es ausgemachte Sache war, dass die afrikanischen Staaten nach der Unabhängigkeit scheitern würden und dabei auch durch Destabilisierung nachhalfen, hatten dann plötzlich Liebkinder wie Tschombe aus dem rohstoffreichen Katanga (im Kongo) oder Savimbis Terrorgruppe UNITA in Angola, die sie als positive, pflegeleichte Alternative zu den anderen Afrikanern hinstellen konnten.

Am Beispiel Maryam Namazie kann man einiges über die “Toleranzgrenzen” und die Heuchelei im Umgang mit solchen “Verbündeten” studieren. Die Exil-Iranerin in Grossbritannien engagiert sich gegen Islam und Islamismus, beim britischen Zentralrat der Ex-Muslime, bei der Worker-Communist Party of Iran (WPI), beim Manifest(o) der 12 (“Together facing the new totalitarianism”, mit B. H. Levy, Salman Rushdie, Ayaan Hirsi-Ali, Taslima Nasrin,..), bei CHAIR, auch (konsequenterweise) gegen den  Papst-Besuch in GB. Sie zieht dennoch immer wieder Grenzen zu rassistischer, diffamatorischer Islamophobie, Brachial-Zionismus, US-Militarismus, usw. Robert Spencer, sowas wie ein Papst der Szene, hat auf seinem “Jihadwatch” Namazie wegen ihrer Kritik am israelischen Blutvergiessen in Gaza 08/09 „antisemitic supporter of jihad against Israel” genannt, und greint weiter: “claims to be anti-jihad, lies about Geller, SIOA, me..“. Ihre Aufforderung, er möge dazu stehen ein Rechter zu sein, legt er aus als „nicht mögen“ und „Angriff“. Der Mob im Kommentarbereich (darunter sicher viele „Versteher” moslemischer Frauen) darunter: „one law for all [Männer/Frauen, Anm.] isn’t that the idea behind sharia?“, „namazie-nazi“, “man darf sich nicht wundern bei einer irakischen [sic] Kommunistin“, “Wer Israel so etwas unterstellt, der…“; ein Gemäßigterer räumt ein, dass Teile der BNP nicht OK seien, da auch antisemitisch, Spencer solle eine Entschuldigung von ihr verlangen.

Angehörige moslemischer und nicht-moslemischer Minderheiten in Nordafrika und Westasien werden auch gerne als “Dissidenten” herangezogen. Auch dies eine widersprüchliche Angelegenheit. Die Ausbreitung des Islam erfolgte ab dem Hoch-Mittelalter durch andere als Araber, durch Arabisierte, Türken, Perser, Mongolen oder Inder. Der Hinduismus wurde grossteils von jenen bedrängt, die selber Hindus waren (bzw. solche Vorfahren haben), beim Zoroastrismus oder dem Christentum im Orient verhielt es sich entsprechend. Die Alawiten oder Nusairier, eine den Schiiten nahestehende “Sekte”, sind gewiss eine dieser orientalischen Minderheiten, sind für islamische Fundamentalisten Häretiker. Eignen sich aber aus verschiedenen Gründen nicht zur Instrumentalisierung. In Syrien üben sie seit dem älteren Assad die meiste Macht aus, in einem Regime, das noch dazu strikt säkular ist. Und das einen Aufstand der Moslembrüder 1982 unter Zehntausenden Toten niederwarf. Der von den Drusen verehrte Fatimiden-Kalif al Hakim wiederum war gegenüber nicht-moslemischen Minderheiten einer der intolerantesten moslemischen Herrscher. Auch Baha’i gehören zu den heftig von Kulturkämpfern instrumentalisierten Gruppen aus dem Orient, werden entweder als positiver Kontrast zu “Moslems” verwendet oder aber auch als deren Vorhut gesehen/behandelt. Broder instrumentalisiert im Zusammenhang mit der Kampagne gegen den Iran die Diskriminierung der Baha’i in ihrem Ursprungsland; unter den Kommentaren seiner Fans auf Youtube zu einem Video mit ihm findet sich dann: „Diesem deutschen Bahai-Bengel hat der Broder am Ende so richtig die Leviten gelesen… b. for president; einziger der die Wahrheit sagt“.

Die westliche Wahrnehmung der orientalischen Christen ist oft verdreht. Das Christentum ist in der Region entstanden, ist (dort) älter als der Islam, auch älter als das Christentum in Europa, Christen sind dort in der Regel autochthon. Westliche Parteinahme zielt oft darauf ab, wie auch Bemühungen diverser Islamisten, die dortigen Christen aus dem Kontext ihrer Kultur, Länder, Gesellschaften herauslösen, ihnen einen „Fremdkörper“-Status anzuhängen. Bashir Gemayel, ein politischer und militärischer Führer der libanesischen Maroniten im dortigen Bürgerkrieg, ist in Islamophobie-Kreisen u.a. wegen seinem “Dhimmitude”-Ausdruck eine Bezugsfigur geworden. Seine Falange/Kataib hat zwar im Krieg punktuell mit Israel zusammengearbeitet, und er war ein entschiedener Gegner einer Unterordnung der dortigen Christen, er hat aber das Land bzw. die Region nicht verkauft, hat auch Begin die Stirn geboten. Wer sich über Christen im Orient sorgt (z.B. US-Evangelikale: “Proclamation for Solidarity with Israel and the Christians in the Gaza Strip”), sollte sich auch über Leute wie den zwangsweise exilierten katholischen Palästinenser (Verzeihung, “israelischen Araber”) Azmi Bishara sorgen.

Gerade bei christlichen Palästinensern (der grössten christlichen Gruppe im “heiligen Land”) verhält es sich wie bei moslemischen Frauen – wenn man sie nicht instrumentalisieren kann, wenn sie einen eigenen Kopf haben, droht die „Exkommunikation“. Edward Saids Studien über Orientalismus, worunter er eine geringschätzige Sichtweise des “Westens” auf “Orientale” meinte, sind für viele ärgerlich. Die Angriffe auf den Christen Said erfolg(t)en nach islamophobem Muster… Unter anderem geriet seine palästinensische Herkunft unter Beschuss, die diesbezügliche Kampagne begann der von USA nach Israel eingewanderte Jude Justus Weiner, der sonst auch Krokodilstränen für christliche Palästinenser/Araber vergiesst (und sich daher als “Menschenrechtsaktivist” feiern lässt). Siehe auch, wie nach dem Gaza-Hilfsflotten-Massaker bzw. nach der Änderung des Verhältnisses Israels mit der Türkei für manche plötzlich der Armenier-Genozid ein Thema wurde. Die Kreuzzüge wurden auch als Hilfe für orientalische Christen deklariert, haben dann aber doch Byzanz zerstört, und auch Massaker an Juden verübt.

Die einen stehen dazu, dass sie Kurden oder Berber genauso verachten wie Araber oder Türken, die anderen behaupten, diese zu mögen, um ihre “Islamophobie” schöner darzustellen als sie ist bzw. sie effektiver zu machen. Kurden bieten sich als verbindendes Glied für rechte und linke Islamophobie an, besonders der kurdische Nord-Irak ist seit dem Irak-Krieg ein wichtiges Bezugs- /Aktionsgebiet geworden. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass man sie gegen Araber, Türken und Perser in Stellung bringen kann. Voraussetzung für die Instrumentalisierung ist aber, dass man sich im „entscheidenden Moment“ noch daran erinnert dass er/sie qua Identität zu den Guten gehört. Ein guter Teil der türkischen “Gastarbeiter” in Deutschland und Österreich sind Kurden.

Die Konflikte im Sudan eignen sich zur Ausschlachtung, da auf einer Seite immer Moslems beteiligt sind, sogar “arabische” (eigentlich arabisierte Nubier). Dies betrifft die Bürgerkriege mit dem christlichen/animistischen Süden sowie den in Darfur. Bei Gewalt in Darfur taugen Schwarze für westliche Kulturkämpfer als Opfer da sie zwar Moslems sind (was Viele nicht wissen) aber die „Araber“ auf der anderen Seite stehen. Vergewaltigungs- und andere Gewaltopfer in Kongo (5 Mio. Tote und 15 000 Vergewaltigungen in den Kongo-Kriegen seit jenem zum Mobutu-Sturz) sind für die Selben weniger interessant (wenn, dann um etwas über „die Afrikaner“ auszusagen). Gewalt von Moslems gegen Christen in Nigeria ist auch etwas, wo manche plötzlich ihr Herz für Schwarze entdecken, wo diese Opfer sein dürfen (etwa von GfbV aufgegriffen). Wenn es aber um Flüchtlinge von dort geht oder das im christlichen Süden des Landes gelegene erdölreiche Nigerdelta, den dortigen Kampf um Beteiligung an Öleinnahmen und gegen die Naturzerstörung, zeigt sich, dass Solidarität mit Afrikanern in diesen Kreisen enge Grenzen hat (Antiimperialismus pfui), dass es, wie bei Anti-Regime-Iranern, nicht um das Wohl des jeweiligen Landes, geht sondern um argumentatives Kanonenfutter. Auch bezüglich Biafra war „christliche Solidarität“ auf mittlere Sicht schwächer als Imperialismus/Rassismus; bei Katanga ist die Sache noch viel deutlicher. Manche “Kulturkrieger” versuchen auch, wie den NS die Sklaverei auf Moslems abzuwälzen.

Flüchtlinge aus Darfur oder Süd-Sudan, die nach Israel kamen, wurden für Propagandazwecke verwendet (gibt noch immer viele diesbezügliche Videos auf Youtube, auch vom israelischen Aussenministerium). Das war, bevor sie von einem rassistischen Mob („Tel Aviv den Juden! Sudan den Sudanesen!“) attackiert wurden, dann von der Regierung in Lager interniert um abgeschoben zu werden. Es gelte den jüdischen Charakter des Staates Israel zu erhalten, hiess es, um die Sicherheit (die durch die Flüchtlinge gefährdet sei), dass sie Wirtschaftsflüchtlinge seien (also kein Genozid?), und: sie seien Moslems (!). Innenminister Yishai (tunesischer Herkunft) 2012: “Das Land gehört uns, dem weissen Mann.” Die afrikanischen Flüchtlinge sind dem Schas-Politiker zufolge auch für Israel eine ebenso grosse Bedrohung wie Irans “Atomwaffenprogramm”.

Eine Suppe, die z.B. auch manche Kurden noch kosten werden. Die gegenwärtigen Ereignisse in der Zentralafrikanischen Republik, die Züge von inter-religiöser Gewalt zwischen Christen und Moslems tragen, wobei zweitere in Darfur ihr Hinterland haben, deuten auch auf eine neue Firmierung der Fur hin.

Militäraktionen gegen Iran werden zumindest manchmal als zum Vorteil der Iraner dargestellt, manche stehen hier zu Verachtung und Gewaltwunsch. Beim Blog “gatesofvienna” („Baron Bodissey“, “islamophobic and proud of it“, Breivik zitierte von dort, Sabaditsch-Wolf wird dort “gefeatured”) heisst es z.B. “..supports democracy in iran“. Was davon zu halten ist, erfährt man wenn dort das Plädoyer für strengere Kontrollen von „Arabisch- und Persisch-Sprachigen“ auf Flughäfen liest. Dass dort auch Hetze gegen mexikanische Immigranten in die USA zu finden ist, darf nicht überraschen. Ist aber alles „counter jihadism“. Auch in einer Propagandaschrift Leon DeWinters auf “pajamasmedia”, auf “lizaswelt” wiedergegeben, wird lamentiert, dass man die bösen (Moslems) nicht beim Namen nennen und in Bezug auf Flugkontrollen nicht selektieren dürfe (gerade solche Islam-“Spezialisten” sind es dann, die ausgetretene Moslems oder Alewiten sofort mit in den Topf werfen würden, das nebenbei).

Die Kommentare zu einer Meldung, wonach Iraner, Flüchtlinge, zum Schein zum Christentum übertraten bzw. auf Anleitung des Schlepperrings, um in Österreich Asyl zu bekommen (Angabe religiöser Verfolgung als Asylgrund), passen hier dazu. Die iranische Diktatur ist für manche erst/nur durch den Israel-Bezug zum Problem geworden, deshalb werden die Opfer des Regimes, von denen die allermeisten Iraner sind, instrumentalisiert. Israel selbst machte in den 1980ern Waffen-Geschäfte mit dem iranischem Regime, während dessen Krieg mit dem irakischen; da spielte die iranische Bevölkerung keine Rolle oder irgendein Universalismus. Aber wie gezeigt wurde, ist man sich noch nicht sicher, ob man Minderheiten (ob Schwule oder MEK-Anhänger) gegen die Mehrheit ausspielen soll, oder Araber gegen Iraner, oder doch “ganzheitlich” vorgehen.

Im Kalten Krieg wurden die Mujahedin in Afghanistan und andere Islamisten, vom Westen gegen (tatsächliche oder vermeintliche) Kommunisten unterstützt, als vermeintlich authentische politische Kraft “ihrer” Kultur angepriesen. Oder auch die Muslimbrüder in Ägypten gegen Nasser. Es gab in den 1980ern in Deutschland Kampagnen der Schüler-Union für “unsere Freiheitskämpfer in Afghanistan”, die sich später als Vorläufer der Taliban entpuppten. Auch Bin Laden kämpfte an Seite der Mujahedin gegen die von der Sowjetunion unterstützte kommunistische Regierung. Diese versuchte eigentlich vieles von dem, was der Westen jetzt in Afghanistan zu erreichen versucht, durchzusetzen; neben dem Versuch einer Landreform und Alphabetisierungskampagnen wurde etwa versucht, Zwangsverheiratungen einen Riegel vorzuschieben oder ein Mindesalter für Heiraten durchzusetzen. Auf den sowjetischen Abzug folgte in Afghanistan bald ein Sieg der vom Westen mit Stinger-Raketen ausgerüsteten Mujahedin. Bin Laden zog 89 aus Afghanistan ab und verübte in den 90ern Anschläge, die auch die USA betrafen. Die US-Unterstützung der Mujahedin ging bis 92, spätestens 93 gab es die ersten Anschläge der al Kaida…

01 leiteten die nun den von islamistischen Herrschern Afghanistans (die die gemäßigteren Fraktionen unter ihnen 96 an den Rand geschoben hatten) beherbergte al Kaida eine neue Ära der Weltgeschichte ein. 2001 wurde die deutsche Bundeswehr von der rotgrünen Regierung an den Hindukusch geschickt, mit der Parole, Deutschlands Freiheit dort zu verteidigen, die Afghanen aus ihrer “selbstverschuldeten Unmündigkeit” zu befreien, sie am “Licht der westlichen Aufklärung” teilhaben zu lassen – als Karmal oder Najibullah versucht hatten, die Macht der religiös geprägten ruralen Strukturen einzuschränken, oder als die erste Frau ins afghanische Parlament einzog (Anahita Ratebzad), für die Kommunistische Partei (Demokratische Volkspartei), da sah man die Dinge irgendwie noch anders. Mostafa Danesch schrieb in “Der Krieg gegen den Westen” (2004), dass damals, in den 1980ern, islamis(tis)che Kämpfer aus Nordafrika oder anderswo, die in Afghanistan gekämpft hatten, bereitwillig Asyl in Europa bekamen. Die militärische Ausbildung in einem afghanischen Camp öffnete damals Tür und Tor, heutzutage jene zur Ausweisung oder nach Guantanamo. Die westliche Unterstützung von Islamisten dauert sogar an, auch wenn die Hauptstossrichtung in den letzten ca. 20 Jahren jene war, islamische Diktatoren wie Mubarak oder Ben Ali zu stärken, die sich als Bollwerk gegen Islamismus inszenierten. Die belutschische Jundullah möchte man v.a. gegen den Iran in Stellung bringen. Ganz zu schweigen von Saudi-Arabien, dem Sponsor des internationalen Salafismus. Die iranischen Mujahedin (MEK) werden zur Zeit von diversen Terrorlisten gelöscht.

Widersprüche, Heuchelei, Paradoxa, Stolpersteine

Rassistische “Islamkritiker” sind heimliche Gesinnungsfreunde der Islamisten im Herzen des Westens, nicht nur weil sie alles andere als eine (notwendige) Reform im Islam unterstützen und die widerlichsten Islamisten Verbündete des Westens waren/sind. Der Windischgarstner Pfarrer Wagner, der Linzer Bischof werden sollte, zeigte seine erzkonservative Haltung gegenüber Frauen, Homosexuellen wie auch dem Islam. Den Hurrikan “Katrina” 05 interpretierte er, wie Islamisten, als Strafe für die USA. “Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden”. Bei der Erdbeben-Katastrophe in Haiti sah er auch das Werk eines strafenden Gottes: “Es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind.” Weiters wünschte er sich eine Volksabstimmung wie in der Schweiz, wo sich eine Mehrheit für ein Verbot von Minaretten aussprach. Islamophobie ohne Toleranzchauvinismus.

Der amerikanische Evangelikale John Hagee (“Christians United for Israel”; befürwortet einen vorbeugenden Nuklearkrieg gegen Iran) hat auch Katrina als Gottesstrafe ausgelegt, für die Schwulenparaden in der Stadt, und weil Bush Sharon nahegelegt hätte, jüdische Siedlungen im Gazastreifen aufzugeben. Fundamentalistische Muslime als auch ihr vermeintlicher Gegenpol (diverse Evangelikale und Neocons) sahen auch die Ölpest vor der US-Küste nach dem Untergang einer Bohrinsel als Strafe Gottes (für die selben „Vergehen“ übrigens), auch 9/11,… Die Kirchgänger der “clashs of civilisations” preisen den Westen und attackieren ihn gleichzeitig, weil er so “dekadent” sei.

Noch so ein “Paradoxon” vor dem Hintergrund dieser „Weltauseinandersetzung“: Bushs Justizminister Ashcroft liess eine halbnackte Frauenstatue in seinem Ministerium verhüllen; gleichwohl sahen Ex-68er u.a. seine Neocon-Regierung als notwenige Weltpolizei bzw. Prellbock gegen Zurückgebliebenheit, Prüderie, etc. im Islam. PI oder “Bahamas” alarmieren gerne hysterisch, wenn irgendwo aus angeblicher Rücksicht auf Moslems Aktbilder abgehängt oder teil-verdeckt werden. Bush tönte “Gott ist auf unserer Seite”, etwas, dass auch von Bin Laden stammen könnte. Zur Zeit gibts in Frankreich einen Boykottaufruf gegen staatliche Schulen, wegen der von der sozialistischen Regierung forcierte Gleichstellungspolitik an Schulen, durch die Stereotypen bei Mädchen und Buben abgebaut werden sollen. Es geht um die Gendertheorie, laut der das Geschlecht von Buben und Mädchen vor allem kulturell und nicht biologisch festgelegt wird. Zum Boykott aufgerufen haben… rechtsextreme und katholisch-fundamentalistische Kreise.

Amerikanische Evangelikale engagieren sich gegen die Verbreitung der Evolutionstheorie, wie auch der vermeintliche Gegenpool Islamisten. Wenn Sarah Palin von “guns and religion” als ihrem Credo spricht, könnte das auch von einem Teilnehmer eines Terrorlagers stammen. Wenn Küntzel von “weitreichender Übereinstimmung Breiviks Feindbildes mit dem Feindbild der Islamisten” schreibt (siehe oben), will er allerdings darauf hinaus, dass Breivik quasi im Islamlager steht. Stoiber hat Anfang der 00er-Jahre Homosexuelle rhetorisch gegenüber “dem Islam” in Schutz genommen, während er gegen die Homo-Ehe wetterte. Das Feindbildparadoxon. Die Tea Party-Politikerin Michele Bachmann sprach von einer notwendigen Unterwerfung (“submission”) als Frau gegenüber Männern. Vor der Landtags-Wahl in Nordrhein-Westfalen 12 gingen Salafisten und ProNRW, die sich ähnlich sind, aufeinander los.

Kulturkrieger auf islamistischer und islamophober Seite treffen sich auch darin dass sie Reformer, Demokraten, Liberale in der islamischen Welt nicht (sehen) wollen und lieber auf einen Endkampf zusteuern. Für beide sind Moslems bzw. Leute aus der nordafrikanisch-westasiatischen Region vor allem anderen Träger des Islam, etwas dem sie nicht entkommen können. Die Islam-Kritik des britischen Schriftstellers Martin Amis (schrieb auch einen Auschwitz-Roman) wurde von Chris Morris im Observer mit der Rhetorik des Islamisten Abu Hamza verglichen: beide würden Gelehrsamkeit vortäuschen und Koran-Zitate verwenden um Hass zu erzeugen, und Moslems über ihre Religion definieren.

Kommentare unter “islamkritischen” Videos im “Weltforum” Youtube bringen manches klarer zu Tage als etwa die Videos selber. Unter dem Banner von “Liberalism” ebenso wie unter dem von “counter-liberalism”. Bei manchen ist es zu deutlich, dass es ihnen nicht um Religion oder Ideologie geht, sondern um die braunen Völker, puren Rassismus, evtl. darum, eine neue Rechte zu definieren. Solidarität mit palästinensischen Frauen wird da vorgeheuchelt bis sich diese politisch äussern bzw. oft braucht es nicht mal das. Die “Handabhacker und Steiniger” niederbomben? Natürlich nur um der Menschenrechte und des Fortschritts willen. Ein rechtsradikaler “Arier” (aus GB) attackiert einen antiislamischen Hindu aus Indien, als “Paki”. Oder: “Nein, wir machen keine Unterschiede zwischen Moslems. Für uns sind die alle gleich Wertlos.Viel Spass noch beim ‘Beschneiden’. Kleiner Tipp: Die Glasscherbe vorher in Raki tauchen…zum Sterilisieren. Dann faulen die Schamlippen nicht ab.”2 Klassisch: “They look like savages. Doing the same thing for the last 70 years. Cant learn a thing, did not contribute anything to the world, parasites” Das auch gefunden: “we should work with our ideological counterparts even if we don’t like their view like NS for example.I don’t care working with NS against those stinking immigrants but i do not like they hatred of other white groups like slavs and jews“. Jemand anderer schreibt, Perser seien wie Araber “braunhäutige Zigeuner-Eselficker“. Was ein Broder-Nachplapperer (oder er selber; als IP) auf einer Wikipedia-Diskussionsseite schreibt, „Und vor dem ‘deutschen Volk’ braucht man wirklich keine Angst zu haben. Hochgradig degeneriert, ja sogar zu faul zum Denken, – Bier und Glotze reichen aus.“, könnte auch von einem Islamisten sein.

Der Grüne Nouripour wurde im Spiegel-Forum, nachdem er gegen Erika Steinbach (BdV, CDU) Stellung genommen hatte, nicht zuletzt damit angegriffen, ein aus dem Iran Exilierter zu sein welcher den Deutschen dies nicht sagen dürfe. Mit dem selbem „Argument“ wäre er von Anderen angegriffen worden, hätte er Steinbach verteidigt. A propos deutsche Vertriebene (bzw. ihre Verbände): Für Salzborn u.a. sind diese Zielscheibe bzw. Profilierungs-/Aufarbeitungsobjekt, für Broder schon einmal positives Gegenstück zu den Palästinensern. Der neokonservative Ulf Poschardt (ein Broder-Verteidiger) schrieb in „Die Welt“: „Deutscher Selbsthass. Antideutsche erklären dem Patriotismus den Krieg. Grüne Jugend und Antifa kämpfen während der EM gegen jede Form schwarz-rot-goldener Folklore. Und sind dabei so humorlos, arrogant und bürokratisch, wie es nur wir Deutschen sein können.“ Diese “selbsthassenden Deutschen”, die auch Riexinger und andere kritisieren, sind nur teilweise mit den israelfanatischen/islamophoben “Antideutschen” ident, die Einschätzung würde aber auch auf sie passen. Rechte (die das deutsche/nationale in Gefahr sehen) und jene Linken die vorgeben, das deutsche/nationale zu bekämpfen, haben auch Bereiche, wo sie sich treffen.

Notwendige Kritik und Reform

Eine kritische Auseinandersetzung mit Gegenwart und Geschichte des Islam, im religiösen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontext, ist, wie gesagt, nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig. Das Feindbild Islam und das tatsächliche Problem am Islam sind aber nicht dasselbe. Eine tiefgreifende Reform ist notwendig – und anscheinend im Gange. Kritik kommt am treffendsten von Angehörigen des moslemischen Kulturkreises. Etwa von Nuruddin Farah, dem im südafrikanischen Exil lebenden somalischen Schriftsteller, bei dem die Kritik gerade aus Verbundenheit zu seiner ursprünglichen Umgebung zu kommen scheint, für die er etwas zum positiven verändern will, anstatt auf deren Kosten und jene der Seriosität zu vereinfachen und auf Verbesserung seiner eigenen Position als Intellektueller im westlichen Wissens- und Herrschaftssystem aus zu sein. Er wird eher nicht beim “American Enterprise Institute” oder in der Politik landen, so wie die ebenfalls aus Somalia stammende Ayaan Hirsi-Ali.

Es gibt sehr begründete Sorgen wegen Islamismus (vor allem vor jenem der Salafisten und anderer Integristen), islamistischem Terror oder Zuständen in der islamischen Welt, die nicht direkt vom Islam abzuleiten sind. Es gibt z.B. echte Sorgen von Säkularen gegenüber einer Re-Religionisierung. Ernsthafte Auseinandersetzungen sind zu begrüssen – und selten. Etwa die Frage der Reziprozität zwischen westlicher und islamischer Welt. Kulturkrieger beider Seiten beantworten sie schnell dahingehend dass die jeweils andere die ungleich intolerantere sei. Christen im Orient sind aber in der Regel autochthon, Moslems im Westen meist Immigranten. Andererseits, wie ist es mit der Wechselseitigkeit, wenn es heisst “Moslems müssen zu ihren Verbrechen stehen“, Christen hätten aber nichts mit “ihren” zu tun, seien Angehörige des fortschrittlichen und aufgeklärten Westens.

Das islamistische Gegenstück zum islamophoben Toleranzchauvinismus ist der (ebenso heuchlerische und widersprüchliche) Chauvinismus, der Islam bzw. Islamismus als “moralisch” affirmiert und das Dekadente und Verdorbene als “westlich”. Hinter der Forderung nach Rücksicht auf religiöse oder kulturelle Werte verbergen sich tatsächlich oft religiös-politische Absichten. Und natürlich war die Ausbreitung des Islams eine Form von Imperialismus und gibt es heute Formen islamischen Imperialismuses. Verbunden mit der Ausbreitung war oft eine Arabisierung, gegen die es im Mittelalter die “Schu’ubiya” genannte Gegenbewegung gab, die sich auch gegen die Privilegierung von Arabern im islamischen Machtbereich (Kalifat) richtete, die von Persern getragen war. Eine seriöse Auseinandersetzung mit der Thematik scheint “Schwarzbuch des Jihad” von Gilles Kepel zu sein.

Dankbar sein für Bedrohung/Empörung aus dem islamischen Lager, sie provozieren/erfinden, um ein Bild zeichnen zu können. Manche sind glücklich über (Bilder von) radikale(n) Moslems und haben Wünsche nach grossen Konfrontationen. Die “islamische Welt” ist gross genug, dass es irgendwo leider immer die von den Provokateuren (Karikaturen, Filme,…) erhofften Reaktionen gibt; die Opfer der dadurch ausgelösten Gewalt sind meist auch dort, die ersten Opfer des Islamismus sind Muslime. Der libanesische Autor Elias Khoury über „Innocence of Muslims“ (2012): “Der Film war eigentlich nur ein Trailer. Es sind wir, die Araber, die das Spektakel sind.“ Viele Moslems liefern zuverlässig die Reaktionen, die Provokateure brauchen um sie so darzustellen, anstatt Tabus zu lockern und Provokationen zu ignorieren. Es wirkt in der westlichen Welt zu Recht befremdlich, wie prompt sich Proteste etwa auf einen so plumpen, offensichtlich als Provokation angelegten Videoclip einstellen. Aber auch westliche Medien haben sich auf eine verzerrte Darstellung über Ereignisse dieser Art verlegt. So wie die Provokation von der Aufregung dieser Moslems lebt, lebt diese Aufregung hauptsächlich von der Aufmerksamkeit die ihr die westliche Öffentlichkeit schenkt.

Zum Beispiel die Berichterstattung über eine Kundgebung mit Gewalt in Kairo wegen des Films. Die Menge bei einer feurigen Freitagspredigt zählte nur einige Hundert – an einem Ort, wo tausendmal so große Menschenmassen alltäglich sind. Der Rest der 20 Millionen Einwohner Kairos ging seinen üblichen Geschäften nach. Die Zahl der steinewerfenden Jugendlichen, die auf dem Bildschirm so bedrohlich herüberkommen, belief sich auf einige Dutzend. Und moslemische Stimmen, die zu Ruhe und Besinnung aufrufen, und dazu, nicht in die durch den Film ausgelegte „Falle“ zu tappen (z.B. Malaysias Regierungschef Najib Razak) geben nicht so viel her wie der pakistanische Minister Ghulam Bilour, der umgerechnet 77 000 Euro für die Ermordung des Produzenten des Videos auslobte. Der österreichische Sender Puls 4 lud zur Diskussion über den Film und die Reaktionen den Ziocon Harnasch sowie den Leipziger Fundi Dabbagh ein, also zwei Extremisten.

Zur Zeit der Mohammed-Karikaturen-Krise 05/06 hat ein jordanischer Journalist die Frage gestellt, ob diese Karikaturen nicht weniger schlimm seien als Selbstmordanschläge. Da er sie auch abdrucken liess, wurde er entlassen und festgenommen; vermutlich hat das von seiner Zeitung schlimmes abgewendet; sein weiteres Schicksal ist mir nicht bekannt. Diese Sache kann man sowohl als Anzeichen für Reformunfähigkeit als auch für Reformansätze “im Islam” interpretieren, je nachdem was man hier sieht. In Tunis haben Tausende gegen die Ausstrahlung des Zeichentrickfilms „Persepolis“ in einem tunesischen Privat-Fernseh-Sender demonstriert, weil Gott darin als alter, bärtiger Mann dargestellt wird. Hunderte Angreifer, fundamentalistische Salafisten, attackierten auch das Haus vom Senderchef und setzten es in Brand. Die wichtigste islamistische Partei Ennahda, den Moslembrüdern nahestehend, distanzierte sich von den Krawallen. In Reaktion auf die gewaltsamen Proteste sind in Tunis auch tausende Menschen für Meinungsfreiheit auf die Straße gegangen. Als Munition für Diffamierung reichen erstere Proteste jedenfalls.

Empfehlenswerte Analysen und Erwiderungen

Neben den im Text genannten:

Thomas Maurer hat in einer “Kurier”-Kolumne einiges Wahre zur Thematik geschrieben: Es gäbe fallweise eklatante Probleme mit parallelgesellschaftlichen Strukturen, die diskutiert werden müssen. Aber, die eisig-elitäre Verachtung Sarrazins für die Unterschicht wurde ausgerechnet von Lesern der “Bild” (Schlagzeile „Das wird man wohl noch sagen dürfen!“) bejubelt. Heinsohn, so Maurer, hat wenige Monate vor Sarrazin ein Buch mit ähnlicher Aussage herausgebracht (“Söhne und Weltmacht”), aber der Bildungsferne (die er ebenfalls für eine erbliche, nicht soziale, Angelegenheit hält) nicht das Kopftuch übergezogen, weshalb er nicht zum Volkshelden werden konnte, schon allein weil sich zuviele “Bild”-Leser betroffen fühlen mussten.

Autoren von Schriften über Islamophobie avancieren meist selbst zum Feindbild der islamfeindlichen Szene. Etwa die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer, die Studien zur Islamophobie und andere Formen von Fremdenfeindlichkeit verfasst. Schiffer sei eine „rote Mauermörderin“ und im Pakt mit den „mohammedanischen Halsabschneidern“ heisst es in einem der anonymen Briefen an die Leiterin des “Instituts für Medienverantwortung” (IMV), „Du hast Dich des Hochverrats am Deutschen Volk schuldig gemacht“ in einem anderen. In Publikationen wie „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“ mit Constanze Wagner wird mittels Sprach- und Bildanalysen eine Reihe von Strategien rechter Demagogen zur Manipulation und Desinformation der Öffentlichkeit aufgezeigt.

Wolfgang Benz vom “Zentrum für Antisemitismusforschung” an der TU Berlin hat im “Jahrbuch für Antisemitismusforschung” die Parallelen von Islamophobie zum Antisemitismus aufgezeigt. Auch hier haben etliche Betroffene zu bellen angefangen. Der Kölner Rassismustheoretiker Mark Terkessidis schloß sich der These an, daß antisemitische Stereotype auch auf “die Muslime” übertragen würden. Er merkte auch an, daß eine analytische Differenzierung von Rassismus und Antisemitismus die Opfer von beidem gegeneinander ausspiele. Der französische Rassismusforscher Etienne Balibar leitete den seiner Auffassung nach seit dem Zweiten Weltkrieg dominierenden kulturalistisch und differenzialistisch begründeten Rassismus aus dem Antisemitismus als dessen “Prototyp” ab. “Unter einer Vielzahl von Gesichtspunkten läßt sich der gegenwärtige differenzialistische Rassismus seiner Form nach als ein verallgemeinerter Antisemitismus betrachten…Der Anti-Judaismus beziehungsweise der Judenhaß stellt nicht mehr die einzige Form des Antisemitismus dar (..) Er ist zum einen Teil eines Begriffspaares geworden (…) dessen anderer Teil ist der Araberhaß beziehungsweise die Islamfeindlichkeit.”

“Wie Treitschke die Philanthropen, die Gutmenschen als antinationale Judenfreunde denunzierte und auf Linie bringen wollte, werden Positionen, die heute solidarisch auch mit arabischen Menschen und mit Muslimen sind, die die europäischen Diskurse kritisch betrachten, mit dem Antisemitismusvorwurf konfrontiert. Und wieder wird ihre ‘Weichheit’ kritisiert, werden sie als ‘Fußtruppen der Intifada’, als Sympathisanten der ‘Dschihadisten’ denunziert.” (http://www.pampa-net.de/docs/sehnsuechte_der_deutschen.html). Die anti-islamischen Rhetorik, die sich fast immer als Verteidigung Israels und der Juden versteht, bezieht ihre Motive zu einem großen Teil aus dem europäischen Antisemitismus.

Joseph Massad, ein christlicher Palästinenser, Historiker in USA, beschäftigt sich viel mit dem was “Islamophobie” (es bleibt ein Hilfsausdruck) ausmacht, nämlich nicht Auseinandersetzung mit der Religion bzw. ihrer fundamentalistischen Auslegung, sondern z.B. die Instrumentalisierung Homosexueller aus dem islamischen Raum, sie gegen ihre Gesellschaften in Stellung bringen. Er wird auch dementsprechend angegriffen.

Patrick Bahners, ein konservativer Autor der FAZ, schrieb das Buch „Die Panikmacher“ über Abgründe in Islamdebatten. Matussek etwa attackierte die Schrift, indem er Selbstmordbomber und Scharia-Propagandisten Hirsi-Ali (“die sich verstecken muss”) und Giordano (“Holocaustüberlebender”; beide würden nur warnen vor ersteren) gegenüberstellt und insinuiert, Bahners würde erstere in Schutz nehmen. QED, kann man da sagen.

Betty Mahmoodys teilweise recht unverhohlen rassistische Schilderungen über Iran(er) (westliche Frauen und orientalische Männer, ein wichtiger Topos der Islamophobie) haben bei Manchen für Freude gesorgt. Es gibt zwei fundierte kritische Auseinandersetzungen mit “Nicht ohne meine Tochter” aus feministisch-iranischer Sicht: “Nicht ohne Schleier des Vorurteils” von Nasrin Bassiri und “Doch ohne meine Tochter” von Irandokht Shahbakhshi und Anna Boolur (beide 1991 erschienen).

Weiters:

Kai Sokolowsky: Feindbild Moslem: Über den Riesenmarkt der Islamophobie (mit einem Kapitel von W. Benz)

Edward W. Said: Orientalismus (1978)

Iman Attia: Die “westliche Kultur” und ihr Anderes. Zur Dekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus (2009)

Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt (2008)

John Bunzl und Alexander Senfft: Zwischen Antisemitismus und Islamophobie

Thorsten G. Schneiders: Islamfeindlichkeit: Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen (hat auch eins über “Islamverherrlichung” geschrieben)

Michael Lüders: Iran: Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt (vornehmlich über das Kriegsgetrommel gegen Iran; den Reaktionen nach haben sich die Richtigen dadurch ertappt bzw in ihrer Propaganda gestört gefühlt..)

Irmgard Pinn und Marlies Wehner: EuroPhantasien. Die islamische Frau aus westlicher Sicht

Emmanuel Todd: Frei! Der arabische Frühling und was er für die Welt bedeutet

Vincent Geisser: La nouvelle islamophobie (2002)

John Bunzl und Farid Hafez: Islamophobie in Österreich (2009)

Nathan Lean: The Islamophobia Industry: How the Right Manufactures Fear of Muslims

Emmanuel Todd und Youssef Courbage: Die unaufhaltsame Revolution: Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern (2008)

George Morgan und Scott Poynting: Global Islamophobia: Muslims and Moral Panic in the West

Jack Shaheen: Reel Bad Arabs: How Hollywood Vilifies a People (2001, Untersuchung über Hollywoodfilme, in denen Araber eine Rolle spielen)

Stefan Weidner: Aufbruch in die Vernunft: Islamdebatten und Islamische Welt zwischen 9/11 und den arabischen Revolutionen (2011)

Annette Katzer: Araber in deutschen Augen

Joseph Dehler, Gerd Michelsen, Till Bastian: Selbstbesinnung gegen neue Feindbilder: Europa und der Islam (1992)

Arndt Graf (Hg.): Orientalism and Conspiracy: Politics and Conspiracy Theory in the Islamic World (2010)

Katajun Amirpur, Ludwig Ammann (Hg.): Der Islam am Wendepunkt. Liberale und konservative Reformer einer Weltreligion (2006)

Fatima Mernissi: Geschlecht. Ideologie. Islam (1998)

Sabine Schiffer, Constantin Wagner: Antisemitismus und Islamophobie: Ein Vergleich (2009)

Chris Allen: Islamophobia (2009)

Johannes Feichtinger und Johann Heiss (Hg.): Geschichtspolitik und “Türkenbelagerung” (2013)

Peter Gottschalk, Gabriel Greenberg: Islamophobia: Making Muslims the Enemy (2007)

Ilija Trojanow, Ranjit Hoskoté: Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fließen zusammen (2007)

Regina Göckede, Alexandra Karentzos (Hg.): Der Orient, die Fremde. Positionen zeitgenössischer Kunst und Literatur (2006)

John R. Bowen: Feind Islam (2013; englisches Original „Blaming Islam“, 2012)

Farid Hafez: Jahrbuch für Islamophobieforschung 2014 (2014)

Filme: “Islam, antéchrist et jambon-beurre” Doku-Film von Paul Moreira (Französisch); “Reel Bad Arabs: How Hollywood Vilifies a People” Dokumentation von Sut Jhally (Englisch), Ergänzung des Buchs von Jack Shaheen

Online-Artikel, Webseiten und Blogosphäre:

www.hintergrund.de/201107121647/feuilleton/zeitfragen/sieg-oder-holocaust.html

www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24739/1.html

* www.thenation.com/article/157245/great-islamophobic-crusade (von Max Blumenthal)

www.americanprogress.org/issues/2011/08/pdf/islamophobia.pdf

http://972mag.com/the-israeli-incitement-problem/

* http://tiara013.wordpress.com/2013/06/14/krude-allianzen/ (über die Behauptung der Verbindung NS-Islam/ismus und ihre Verwendung, auch etwas über “islamischen Antisemitismus”)

http://www.theguardian.com/commentisfree/2010/jul/01/israels-gay-propaganda-war

http://pakhtunkhwa911.wordpress.com/2013/03/18/islamkritik-getarnter-fremdenhass-doppelmoral-und-pauschalisierungen/

http://www.splcenter.org/get-informed/intelligence-report/browse-all-issues/2011/summer/the-anti-muslim-inner-circle

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-02/film-unterdrueckte-mehrheit-feminismus-rassismus (über rassistischen, wenn nicht dezidiert islamophoben Feminismus)

* mondoprinte.wordpress.com (hauptsächlich über die hiesige Wahrnehmung/Darstellung des Israel-Palästina-Konflikts)

von-den-einzigwahren-freunden-israels.blogspot.com

islamophobieforschung.wordpress.com

* http://srebrenica-genocide.blogspot.com (als Widerspruch zu den Verschwörungstheorien über Bosnier/Bosniaken)

www.islamophobie.info

Islamophobia Studies Journal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Und ein rechter Fremdenfeind ist er ja nicht, nein..
  2. Das ist genau jener schmale Grat, auf dem die Islamophobie/Moslemophobie unterwegs ist: Auf der einen Seite moslemische, orientalische Frauen als Objekte einer “Befreiung” von Aussen, einer Befreiung die nur über ihre vorherige Rassifizierung möglich ist und in der ihre eigenen Perspektiven keine Rolle spielt. Auf der anderen Seite die offene Verachtung wie hier. Auf der einen Seite Seiten wie palestinianchildabuse.com (oder Instrumentalisierung von Palästinenserinnen als Opfer ihrer Männer; um abzulenken), auf der anderen Kommentare wie ”Wenn israelische Soldaten schwangere Palästinenserinnen töten, sind 2 Fliegen mit 1 Schlag erlegt” (gesehen auf Youtube; oder: “I suggest you wear a burqa too because you are hideous”); Selbstdeklarierung als “Antideutsch” oder aber Klagen über “Deutschendiskriminierung” (durch Ausländer)

Offene Fragen aus allen Gebieten

Existiert ausserirdisches Leben? Um diese Frage ranken sich jahrhundertealte Mythen, Gedanken und Träume der Menschen. Mit dem auf Kepler zurückgehenden Fernrohr waren ab der frühen Neuzeit Beobachtungen und erste Erkenntnisse über andere Planeten möglich. Der Mars faszinierte schon die antiken Babylonier oder Römer (Kriegsgott nach ihm benannt); er geriet im späten 19. Jahrhundert ins Zentrum der Spekulationen um ausserirdisches Leben, aufgrund astronomischer Beobachtungen, v.a. jenen von Schiaparelli, der dort “Kanäle” fand, die auch (von Lowell) als künstlich angelegt interpretiert wurden. Die diesbezügliche Sensationsgier führte zu Vorstellungen von (seit den Zeichnungen von W. R. Leigh kleinen grünen) Marsmenschen, die im Science Fiction-Genre verarbeitet wurden, etwa in “Krieg der Welten” von H.G. Wells, das von Orson Welles zu einem Hörspiel umgesetzt wurde. “Aelita” von Alexei Tolstoi (1923) ist eine der ganz wenigen menschlichen Dichtungen über Marsianer, wo diese nicht kommen um die Erde zu erobern. Der rote Planet wurde auch ein Kandidat weil dort Wasser vorkommt, ein Hügel gesichtet wurde, der auf manchen Fotos wie ein Gesicht aussieht (siehe Fotos), ein Meteorit von ihm 1984 in der Antarktis gefunden wurde und er überhaupt relativ erdähnlich ist.

wiki commons
Das “Marsgesicht” von der Raumsonde “Viking 1” 1976 fotografiert

Daneben kommen die Monde diverser Planeten und andere Galaxien als Umwelt Ausserirdischer in Frage. Dort, wo eine Kontaktaufnahme bzw. Suche noch schwieriger ist. Diese “Search for Extraterrestrial Intelligence” (SETI) geschieht seit langem mit Radioteleskopen, als Suche nach und Aussenden von Signalen. 1977 zeichnet das “Big Ear”- Radioteleskop in den USA das “Wow!”-Signal auf, nach dem Kommentar seines Entdeckers Jerry Ehman auf dem Computer-Ausdruck so genannt; eine Botschaft von Aliens oder ein stellares Phänomen? Versuche der Kontaktaufnahme waren auch die Plaketten auf den Raumsonden “Pioneer” 10 und 11 Anfang der 1970er. 1974 sandten amerikanische Astronomen per Radiowellen die Botschaft des Arecibo-Observatoriums an mögliche Ausserirdische. Auch die “Voyager” 1, seit 1977 im All unterwegs, beteiligt sich an der Suche. Stephen Hawking ist skeptisch bezüglich dieser Suche nach und Kontaktaufnahmeversuchen mit Ausserirdischen, glaubt, solche könnten den Menschen überlegen sein und sie nicht unbedingt als Freunde sehen (manche beschäftigen sich auch schon mit “planetarer Verteidigung”). Eine andere Frage ist, wie ausserirdisches Leben beschaffen sein kann; inwiefern ist irdisches Leben Maßstab dafür, in welchem Entwicklungsstadium muss es sein um mit uns kommunizieren zu können (> Kardaschow-Skala), kann es nicht auch nur eine Moosart oder Bakterien sein anstatt intelligentem Leben? Der Physiker Enrico Fermi formulierte 1950 das nach ihm benannte Paradoxon, wonach es aufgrund des Alters und der Grösse des Universums eigentlich Leben ausserhalb der Erde geben müsste, für dieses aber keine Hinweise (z.B. Raumschiffe) auftauchten. Manche Menschen schliessen daraus, sie existieren – wir werden ignoriert. Die Rare-Earth-Hypothese (englisch für Seltene-Erde-Hypothese; nach einem Buch) besagt wiederum, dass Entstehung von Leben auf der Erde ein im Universum ungewöhnlicher Vorgang war und es dazu einer unwahrscheinlichen Konstellation bedurfte. Das Thema kann bewegen, es betrifft u.a. die Stellung des Menschen im Universum, ist Forschungsthema, u.a. in der Astronomie und Exobiologie; aber auch eine religiöse Frage. Arthur C. Clark (war ein britischer SF-Autor und Futurist): “Entweder wir sind alleine im Universum oder aber nicht. Beides ist gleich beängstigend.”

Eine schärfere Aufnahme des "Marsgesichts"
Eine schärfere Aufnahme des “Marsgesichts”

Gibt es UFOs, als Fluggeräte ausserirdischer Lebewesen, dann gibt es Ausserirdische und das Wissen voneinander. Des US-Hobbypiloten Arnold erste Beschreibung “fliegender Untertassen” 1947 und die Ereignisse in Roswell im selben Jahr (in Wirklichkeit abgestürzte Ballons und Dummies?) gehören hier zu den ersten “Sichtungen”. Die UFO-Hysterie in den USA begann parallel zum Kalten Krieg, der Angriff von „bösen Anderen“ war auch hier das Thema. Kontakte reichten laut Ufologen von Entführungen bis zu verheimlichten Begegnungen mit Behörden. In den Bereich der Pseudowissenschaft gehören auch Theorien wonach intelligente Ausserirdische die Erde besucht und menschliche Zivilisation beeinflusst hätten (Prä-Astronautik, Paläo-SETI). Dabei werden oft die in vielen Kulturen vorhandenen Sagen von Begegnungen mit Göttern oder gottähnlichen Wesen sowie Darstellungen wie die Val Carmonica-Zeichnungen als Zeugnisse von Besuchen ausserirdischer Wesen gedeutet.

Die Area 51 (Flugzeugtests der US-Luftwaffe?), die Marfa-Lichter in USA oder die Hessdalen-Lichter werden immer wieder mit UFOs und Aliens in Zusammenhang gebracht; bei den Kornkreisen ist inzwischen klar, dass sie bis auf wenige natürlich entstandene von Menschen gemacht werden. Rätsel geben z.B. die Berichte des Militärpiloten Jafari über seine Sichtung in Teheran 1976 auf. Das Eingreifen Ausserirdischer wird bei einigen anderen auch hier angeführten Rätseln behauptet. Diese Theorien sind nahe bei esoterischen Strömungen und beim literarischen Fantasy/Science Fiction-Genre. Der Tscheche Soucek (Zahnarzt, Offizier, Kommunist, Journalist, Frühpensionist) schrieb SF-Geschichten und über Rätsel wie jenes von Tunguska (s.u.), wo er ähnlich wie Von Däniken oft ausserirdische/übernatürliche Erklärungen nahelegte.

Ungeklärte politische Morde und Todesfälle:

  • John F. Kennedy: geklärt mit Oswalds Festnahme?!
  • Dag Hammarskjöld: schwedischer UN-Generalsekretär, stürzte im September 1961 in einem Flugzeug mit 15 Anderen, auf dem Weg zu Verhandlungen in der Kongo-Krise ab, über dem heutigen Sambia; ein Abschuss gilt inzwischen als wahrscheinlich, am ehesten durch Jene, die an der Unabhängigkeit Katangas arbeiteten
  • Olof Palme: es gab mehrere Festnahmen und eine Verurteilung, die aber mit Freilassungen endeten, und ziemlich konkrete Hinweise auf das südafrikanische Apartheid-Regime
  • Uwe Barschel: auch bei ihm nicht sicher ein Mord; sein Tod 1987 kurz nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein gibt aber nach wie vor Rätsel auf
  • Omar Torrijos: Staatschef von Panama, Flugzeugabsturz 1981, nach John Perkins handelte es sich um einen Anschlag der USA, weil Torrijos die ökonomische Souveränität Panamas verteidigte
  • Wladislaw Sikorski: Ministerpräsident der polnischen Exilregierung nach der deutschen Besetzung, stand für Ausgleich mit der Sowjetunion und hatte gleichzeitig Einfluss bei den angelsächsischen Alliierten, starb 1943 bei einem Flugzeugabsturz vor Gibraltar, es ist unklar ob Sabotage und somit ein Mordanschlag vorliegt wie oft behauptet wird, und wer dafür verantwortlich sein könnte, die Zweifel an der Unfallversion sind ernst zu nehmen
  • Dagobert II.: merowingischer König des fränkischen Teilreichs von Austrasien, wohl von Machthabern aus Neustrien 679 ermordet; Pierre Plantard mischte im 20. Jahrhundert Behauptungen über Abstammung und Nachfahren dieses Dagoberts und der Merowinger an sich mit solchen über die von ihm gegründeten Prieuré de Sion, die Maria-Magdalenen-Kirche in Rennes-le-Château und deren Pfarrer Saunière, den Heiligen Gral, den Templerorden sowie Jesus, was von Gerard de Sède sowie Lincoln/Baigent/Leigh und dann Dan Brown aufgegriffen bzw. adaptiert wurde. Umberto Eco hat die Sache in seinem Buch über die legendären Länder einer kritischen Untersuchung unterzogen
  • Juvenal Habyarimana: Präsident Ruandas, wurde 1994 gemeinsam mit seinem burundischen Amtskollegen Ntaryamira im Flugzeug über Kigali abgeschossen, eine Tat die den Völkermord an den Tutsi in Ruanda auslöste, da Hutu-Führer Tutsi verantwortlich machten; die Tutsi-Organisation RPF, die gegen die Hutu-Dominanz kämpfte, ist jedenfalls ein Kandidat
  • Birendra Shah: der König von Nepal wurde zusammen mit einigen Verwandten 2001 im Palast erschossen, es gibt Zweifel an der offiziellen Version wonach sein Sohn Dipendra, der selbst getötet wurde, der Mörder war
  • Ludwig II. von Bayern: starb 1886 kurz nach seiner Absetzung als bayerischer König unter ungeklärten Umständen
  • Samora Machel: Präsident Mosambiks, Flugzeugabsturz 1986, damaliges Apartheid-Regime Südafrikas als Verdächtiger
  • Jan Masaryk: stand der totalen Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei nach dem 2. Weltkrieg im Weg, wenn auch nicht ernsthaft, starb 1948 beim dritten Prager Fenstersturz, ein Mordanschlag ist wahrscheinlich
  • Ananda Mahidol: König von Thailand als Vorgänger seines Bruders Bhumibol, starb 1946 beim Hantieren mit Handfeuerwaffen, noch immer werden Unfall, Mord und Selbstmord für möglich gehalten
  • Oscar Romero: katholischer Bischof in El Salvador, wird zu den Befreiungstheologen gezählt, 1980 während einer Messe in der Hauptstadt von Todesschwadronen im Auftrag des Regimes erschossen, was aber noch immer “inoffiziell” ist
  • Papst Johannes Paul I.: Albino Luciani; ein Mord ist auch hier nicht erwiesen, wird u.a. von David Yallop behauptet, in dessen Buch “Im Namen Gottes” die Vatikan-Bank im Mittelpunkt steht
  • “Danny” Casolaro: US-amerikanischer Journalist, der u.a. über die Iran-Contra-Affäre und die Freilassung der im Iran festgehaltenen amerikanischen Botschaftsangehörigen, beides unter Reagan, recherchierte

Rätsel um die Existenz verschiedener Tierarten, die Fragestellungen der Kryptozoologie (die verschieden ausgeprägt bzw. definiert sein kann, nicht immer seriös ist). Das Loch Ness-Monster (nahm als Kryptid erst ab 1933 Gestalt an, als regionale Zeitungen von Sichtungen berichteten) und andere Seeungeheuer sowie Yeti, Bigfoot oder Chupacabra, also beschriebene, angeblich gesichtete Tiere, die zumindest von der breiten Öffentlichkeit verborgen leben, sind hierbei ein Teilgebiet. In manchen Fällen haben sich die Berichte von Sichtungen oder die Funde von Überresten bestätigt, bei in jüngerer Vergangenheit “entdeckten” Tieren wie dem Okapi (das den Menschen in seiner Umgebung sehr wohl bekannt war). Viele solcher Arten sind aber “unspektakuläre” Wirbellose. Legendäre Tiere und Fabelwesen (wie auch Mothman) gehen teilweise auf tatsächliche Tiere zurück, die in lokalen Mythen “verarbeitet” wurden; so könnten sich Drachenlegenden in Ostasien von Waranen ableiten. Auch mit der Möglichkeit von bekannten Tierarten in für sie untypischen Gegenden und mit als ausgestorben geltenden Tieren befasst sich die Kryptozoologie; es gibt davon solche wie den Quastenflosser, die sich als existent erwiesen. Als Grund für das Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit, also vor etwa 70 Mio. Jahren (manche Flugsaurier überlebten), werden Theorien von Raummangel in der Arche Noah bis kosmische Auswirkungen genannt. Arten, deren Aussterben (bzw. Ausrottung) in der jüngeren Zeit angesetzt wird, wie der tasmanische Beutelwolf, sind weniger rätselhaft.

Mögliche falsche Flagge-Aktionen: Bei solchen Operationen (die Bezeichnung kommt aus der Seefahrt) werden ja die Identität und damit die Absichten des tatsächlichen Urhebers verschleiert und sie einer anderen Partei in die Schuhe geschoben. Es gibt diesbezüglich erwiesene Fälle wie den “Überfall” auf den Sender Gleiwitz in Schlesien, bei dem SS-Männer einen polnischen Angriff darstellten, um den folgenden deutschen Angriff auf Polen, mit dem der 2. Weltkrieg begann, für die deutsche und internationale Öffentlichkeit als “Reaktion” aussehen zu lassen. Dann gibt es (mögliche) false flag-Operationen um die Fragen offen sind. Der Reichstagsbrand 1933 diente als Anlass (Vorwand) für die Reichstagsbrandverordnung, die ein wichtiger Schritt in der nationalsozialistischen Machtergreifung war. Der niederländische Kommunist Van der Lubbe wurde dafür hingerichtet, die Verantwortlichkeit für die Brandstiftung ist heute noch ungeklärt. Absichtliche und geklärte Täuschungen wie der Dreadnought-Streich (wo ein Staatsbesuch abessinischer Fürsten in Grossbritannien vorgegaukelt wurde) oder die Verkleidung britischer Siedler in Nord-Amerika als Indianer bei der Boston Tea Party, dem Beginn des Aufstands gegen ihr Mutterland, sind nicht mysteriös und auch keine keine falsche Flagge. Beim Katyn-Massaker wurde die Verantwortung im Nachhinein von der Sowjetunion auf das “Dritte Reich” abgeschoben. Rund um “Gladio” sind viele Fragen offen, v.a. über Aktivitäten, die über die Pläne für verdeckten militärischen Widerstand im Falle einer sowjetischen Invasion West-Europas und Informationsweitergabe hinausgingen, und Terroranschläge und Morde in verschiedenen europäischen Staaten im Kalten Krieg betreffen. Das Ausmaß der Sache ist noch lange nicht geklärt, unklar ist auch, inwiefern Politiker (v.a. der DC) beteiligt/eingeweiht waren oder ob die Aldo Moro-Entführung damit in Zusammenhang steht. Fraglich ist, wie seriös Verschwörungstheorien bzw alternative Theorien zur Urheberschaft von den Anschlägen in der USA 2001, im wesentlichen Falsche Flagge-Theorien, sind.

Verschwundene Menschen, siehe dazu den Artikel

Ungeklärte Morde oder rätselhafte Todesfälle, die keinen politischen Charakter haben:

  • die Jack the Ripper-Morde: in London 1888, wahrscheinlich 5 Prostituierte, die auch verstümmelt wurden, die Liste der Verdächtigen ist lang, wobei Kosminski und Druitt noch immer aktuell sind
  • die Djatlow-Toten: 9 Skiwanderer, Sowjetrussland 1959, der Gebirgspass am Ural wo die Toten gefunden wurden, wurde dann nach dem Gruppenleiter Igor Djatlow benannt, die Resultate der Untersuchungen warfen mehr Fragen über die Todesumstände auf als sie beantworteten
  • die Zodiac-Morde
  • Hinterkaifeck (1922)
  • “Marilyn Monroe”: wurde sie ermordet, wenn ja, von wem?
  • der Somerton-Mann: auch “Tamam-Shud-Fall”; Mord als Todesursache steht hier nicht fest, die Identität des Opfers und die Deutung der bei ihm gefundenen Notizen sind Teile des Rätsels
  • Marilyn Sheppard: die Verurteilung ihres Ehemanns Samuel wurde rückgängig gemacht, der Fall wurde Vorlage für die Serie und den Film “Auf der Flucht”
  • die 1970 im norwegischen Isdal gefundene Frau wo neben dem Mord an sich auch die Identiät ungeklärt geblieben ist
  • Weiters: JonBenét Ramsey (Kindermodel), Elizabeth Short (“schwarze Dahlie”), jene des “Monsters von Florenz” (Pacciani?), Robert Crane, Tupac Shakur, Rosemarie Nitribitt, Meredith Kercher, Nicole Brown & Ron Goldman, Honolulu-Morde (1985/86, “Strangler”), Edith A. Morrell (John Bodkin-Adams wurde/wird hier und in ca. 160 weiteren Fällen verdächtigt), Dian Fossey, Grimes-Schwestern, Marie-Dolores Rambla (ihre Ermordung ist ungeklärt falls Ranuccis Verurteilung ein Justizirrtum war), Rudolf Diesel, Cora Crippen, Themse-Torso 01, Vierfachmord Annecy 2012, der YOGTZE-Fall, Adam Walsh

Fatima, Portugal: 1917 berichten 3 Kinder von Marienerscheinungen (2 sterben früh, Lucia dos Santos wird Nonne), etwa 30 000 erleben in Mittel-Portugal den angekündigten letzten Besuch Marias als “Sonnenwunder” (es gibt psychologische und physikalische Erklärungsversuche dafür, die Untersuchung des italienischen Priesters De Marchi 1943-1950 ist die wichtigste Quelle für die Sache), davor sollen die Kinder 3 Botschaften erhalten haben, diese wurden vom Vatikan anerkannt (1942 wurden zwei veröffentlicht, die dritte 2000). Zu aufsehenerregenden zeitgeschichtlichen Fällen von angeblich übernatürlichen Erscheinungen im religiösen Bereich zählen auch Pater Pio, bei dem sich Stigmata gezeigt haben sollen, Anneliese Michel mit ihrer “Teufelsbesessenheit” oder die “Seherin” Therese Neumann (gerade bei gläubigen Katholiken umstritten).

Das Bermuda-Dreieck, also das Gebiet nördlich der Karibik zwischen Bermuda, Puerto Rico und Florida (manchmal wird es ausgedehnt), gilt seit dem Verschwinden einer amerikanischen Flugzeugstaffel 1945 (manchmal werden Fälle rückwirkend miteingeschlossen, auch Vorkommnisse während Columbus’ Fahrt) als Ort, wo immer wieder Flugzeuge und Schiffe (wie die „Carroll A. Deering“)  verschwinden sollen. Charles Berlitz hat in seinem Buch 1974 das Quellenmaterial zu einer Theorie verdichtet, die Atlantis mit dem Dreieck in Verbindung brachte. Das Teufelsmeer im Pazifik vor Japan gilt (manchen) ebenfalls als so ein Ort des geheimnisvollen Verschwindens.

Das “Ereignis” in Tunguska in Russland 1908 war eine Art Explosion, deren Ursache bisher eben unbekannt ist. Der Ort des Geschehens war ein Gebiet in Mittel-Sibirien, das dünn besiedelt ist, weshalb es nur wenige menschliche Opfer gab. Bäume in einem grossen Gebiet wurden umgeknickt oder entwurzelt. Erst Jahrzehnte später, ab 1921 (inzwischen gab es die Sowjetunion statt dem Zarenreich), führte der Geologe Leonid Kulik eingehende Untersuchungen durch. Ein Einschlag eines Himmelskörpers (eines Kometen oder Meteoriten) gilt als wahrscheinlichste Ursache. Weitere Theorien reichen von der Explosion aufgestiegenen Erdgases über den Einschlag eines schwarzen Loches bis zu Ausserirdischen. Die Sache wurde in mehreren Fantasy/SF- und alternativgeschichtlichen Romanen verarbeitet, etwa von Stanislaw Lem.

Der Bau der Pyramiden im alten Ägypten: Mehr ein bautechnisches als ein historisches Problem. Bis heute ist nicht geklärt, wie die bis zu 2,5 Tonnen schweren Steinblöcke bewegt und aufgeschichtet wurden, damit verbunden ist auch Frage des Transports der bis zu 40 Tonnen schweren Deckenplatten für die Grabgewölbe im Inneren der Pyramiden. Es dominieren Theorien über die Verwendung von Rampen.

Im Zusammenhang damit steht der “Fluch des Pharao“, die These, wonach Pharaonen ihre Gräber mit Magie (die auch wirksam ist) oder konkreteren (naturwissenschaftlich erklärbaren) Vorkehrungen wie Schimmel oder Sporen vor Eindringlingen geschützt haben. Spekulationen darüber dürften erst im 19. Jahrhundert begonnen haben, als unter westlicher Leitung die wissenschaftliche Erforschung der Pyramiden und anderer altägyptischer Bauwerke begann (und nicht in den Jahrhunderten davor, als Pharaonen-Gräber auch oft genug aufgesucht wurden). In Fahrt kamen sie aber durch die Entdeckung des Grabs von Tutenchamun 1922 unter dem Briten Howard Carter im Tal der Könige (der Bau von Pyramiden wurde einige Jahrhunderte vor Tutenchamun wegen Grabräubern eingestellt). Infolge dessen soll es ja zu einer Häufung von ungewöhnlichen Todesfällen von an der Graböffnung Beteiligten und anderen Vorfällen gekommen sein. Carter selbst starb 1939 eines natürlichen Todes, auch bei vielen anderen Beteiligten ist weder ein vorzeitiger noch ungewöhnlicher Tod festzustellen. Zur Stützung der Theorie werden Inschriften in Gräbern herangezogen, die als Warnung vor einem solchen Fluch interpretiert werden können. Andere Flüche sollen u.a. die an der “Ötzi”-Bergung Beteiligten oder den Kennedy-Clan betreffen.

Kaspar Hauser gibt nach wie vor Rätsel auf, seine Herkunft ist unbekannt und Punkte seiner Biografie nach seinem Auftauchen in Nürnberg umstritten. Hartnäckig hält sich (trotz widersprechender Genanalysen) die Theorie, dass er ein aus Erbfolgegründen beseitigter Prinz aus dem Haus Baden (die im gleichnamigen Grossherzogtum herrschten) war. Um den “Mann mit der eisernen Maske” in Frankreich (mehr darüber in diesem Artikel) und die Prinzen im Turm (England) ranken sich vergleichbare Spekulationen.

Auch wenn noch nicht alle Fragen rund um die Hinrichtung der Zaren-Familie 1918 geklärt sind, die (berühmteste) falsche Anastasia Romanova ist durch DNA-Tests überführt, ebenso der angebliche Rudolf von Habsburg-Sohn Pachmann; im Fall des Sohnes des französischen Königs Ludwig XVI., der zwar nie regierte aber als Ludwig XVII. gezählt wird und (aller Wahrscheinlichkeit nach) in den Wirren der Revolution umkam, gab es mehr als 30 Männer die Anspruch erhoben der überlebende Prinz zu sein, am bekanntesten wurde der Deutsche Naundorff.

In Amerika, v.a. Süd- und Mittel-, fanden sich aus Kristall “geformte” Nachbildungen menschlicher Schädel, aus den Zeiten vor den europäischen Entdeckungen. Sie geben Rätsel auf, da Eisen im “vorkolumbianischen” Amerika nicht verwendet wurde (soviel man weiss), für eine Politur mit anderem Material wären Jahrhunderte zu veranschlagen. Der bekannteste, von den Mayas stammende, wurde im heutigen Belize entdeckt; einige andere Exemplare haben sich als Fälschungen aus dem Deutschland des 19. Jahrhunderts herausgestellt. Fragen über ihre Entstehung werfen auch die Gesteinsformationen der Bimini-Strasse vor Bahamas auf (hier geht es darum, ob sie von Menschenhand oder natürlich geschaffen wurden), die Steinkugeln in Costa Rica, und vor allem die Nazca-Linien in Peru (hier gehts auch um die Bedeutung, den Zweck). Ungewöhnliche Artefakte aus anderen Gegenden sind etwa der Rechner von Antikytha (Griechenland, 1. Jh v.C.), die Bagdad-Batterie, die Klerksdorp-Kugeln, die Eiserner Mann-Stele, die Baigong-Pfeifen, die eiserne Säule von Delhi (rostet nicht), der Aluminiumkeil von Aiud (Rumänien), der Damaskus-Stahl.

Das Voynich-Manuskript: wahrscheinlich im 15. Jh. in Oberitalien verfasst, war u.a. im Besitz des Böhmen Tepenec, des Jesuiten Kircher, dann lange im Vatikan, gelangte im 20. Jh. in die Hände des Antiquariatsbuchhändlers Wilfrid Voynich (aus dem damals russischen Teil Polens stammend, wanderte in USA aus), ist heute in der Bibliothek der Yale-Universität in Connecticut aufbewahrt. Es zeigt Abbildungen u.a. von Pflanzen die unbekannt sind und Texte in einer (auch in der heutigen vernetzten Welt) unbekannten Schrift. Die ernsthaften Aufklärungsversuche begannen spätestens mit Voynich; Kryptologie u.a. Disziplinen sind darin involviert. Mittlerweile wird die Fabrikation (nicht-existenter Pflanzen und Buchstaben) zum Zweck der Täuschung für wahrscheinlich gehalten. Verdächtigt wird dabei nicht zuletzt der englische Okkultist und Alchemist Kelley, der wegen eines anderen Betrugs (mit dem Abschneiden der Ohren) bestraft worden war. Dan Brown hat auch diese Sache verarbeitet.

Nazca-Linien
Eine der Figuren bei Nazca in Peru; die Linien sind nur wenige Dezimeter tief aber die Figuren nur aus grosser Höhe erkennbar; ihre Bedeutung ist ungeklärt

Vorhersagungen und Prophezeiungen, von jenen der Astrologie über den Maya-Kalender (bzw. Interpretationen dessen) und Nostradamus bis Jeane Dixon. Das mit dem Eintreffen scheint auch immer eine Frage der Auslegung zu sein. Es gibt jedenfalls viele Fälle, in denen Menschen alles verloren, weil sie “Vorhersagungen” Glauben schenkten. Etwa die Xhosa in Südafrika, die 1856 einen Grossteil ihres (“verhexten”) Viehbestandes töteten, weil ein Mädchen namens Nongqawuse die Häuptlinge davon überzeugte, dass ihr dies in einer Botschaft von Geistern aufgetragen worden war. Die versprochene Belohnung (v.a. neues Rind) kam nicht, dafür verhungerten Zehntausende (allerdings auch weil die Regierung der britischen Kapkolonie jede Hilfe verweigerte). Auch in Europa kam es immer wieder vor, dass Menschen ihre Habe aufgaben, weil sie an einen Weltuntergang glaubten.

Die Osterinsel (Isla de Pascua, Rapa Nui) gibt einige Rätsel auf. Bei den bekannten Statuen (“Moai”) war der Herstellungsprozess zu rekonstruieren, da sich am Vulkan der Insel heute noch Hunderte Statuen in verschiedensten Stadien der Vollendung befinden. Umstritten ist aber der Zweck, die Art des Transports, die Herstellungsphase, die Gründe für das Aufgeben der Herstellung sowie den Verfall der Kultur im 17. Jh (der möglicherweise mit der Abholzung einherging). Weiters ist die auf Holztafeln gefundene Rongorongo-Bilderschrift noch nicht enztiffert.

Schiffe, die ohne Besatzung gefunden wurden, waren die Mary Celeste” oder die “Ourang Medan”, die “MV Joyita” ist dagegen ganz verschwunden (übrigens nicht im Bermuda-Dreieck oder der Teufelssee), ebenso das australische U-Boot “HMAS AE1”. Im Frühling 1968 “verschwanden” kurz nacheinander zwei U-Boote unter ungeklärten Umständen, das sowjetische “K-129” sank auf einer Patrouillenfahrt im Pazifik, und das amerikanische “USS Scorpion” im Atlantik am Rückweg von Tests und Training im Mittelmeer. Die Regierungen gaben an dass es sich um Unfälle handelte. Die amerikanische Marine barg die “Scorpion” auf dem Meeresgrund vor den Azoren. 1974 versuchten die USA in einer Geheimaktion (Deckgeschichte war die Suche des Südstaaten-Unternehmers Howard Hughes nach Metallen am Meeresgrund) mit immensem Aufwand, die vor Hawaii liegende “K-129” zu heben, das Wrack zerbrach jedoch dabei. In manchen Analysen werden die beiden “Untergänge” miteinander verbunden. Demnach hat sich in der Tiefe des Meeres ein tödlicher Schlagabtausch der Supermächte im Kalten Krieg ereignet, der der Öffentlichkeit verborgen blieb, und das Versinken des amerikanischen U-Boots war die Vergeltung für jenes des sowjetischen davor.

Thor Heyerdahl stellte Theorien über die Besiedlung Ozeaniens auf. Auch in anderen Fällen sind Fragen der Herkunft, der Abstammung, des Verbleibs von Völkern oder Volksteilen offen. Die Chachapoya-Indianer, kurz vor der spanischen Invasion von den Inkas unterworfen, waren angeblich deutlich heller als benachbarte Völker und sind Gegenstand von diesbezüglichen Spekulationen und Untersuchungen. Der deutsche Kulturwissenschafter Giffhorn grenzt sich von Mahieu und anderen ab, die eurozentrische und rassistische Theorien über die Herkunft dieser “Indianer” hatten, stellt aber auch derartige geschichtsrevisionistische Behauptungen auf. Die im Tarim-Becken in Zentralasien gefundenen Mumien sollen ebenfalls eine ungewöhnlich helle Pigmentierung aufweisen. In den Zusammenhang gehören z.B auch der Verbleib der infolge der assyrischen Invasion 722 v.C. verschleppten Stämme Israels oder die Frage der Kontinuität der Kanaaniter. Die Gründe und Umstände des Untergangs der Harappa- Kultur in Indien oder jene der minoischen Kultur auf Kreta sind eine etwas andere Fragestellung.

Was ist dran an der Legende von Päpstin Johanna (auch Johannes Anglicus genannt), einer sich als Mann ausgebenden gelehrten Frau, die im Mittelalter als Papst amtiert haben soll? Die Geschichte ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert, wurde u. a. von Boccaccio und Bertolt Brecht literarisch aufbereitet, und wird in der Forschung heute überwiegend als Erfindung ohne wahren Kern gesehen. Die Frage der Historizität stellt sich auch bei König Artus, Robin Hood, Wilhelm Tell oder Hiram Abiff.

Die Piri-Reis-Karte: osmanische Seekarte, die Gebiete zeigt, die zum Zeitpunkt ihrer Erstellung (frühes 16. Jh) teilweise noch nicht von Europäern entdeckt waren.

Ausschnitt der Piri-Reis-Karte, die im Topkapi-Palast in Istanbul liegt

Auf Oak Island (Kanada) wurden Ende des 18. Jh. ein zugeschütteter Schacht sowie angeblich Schieferplatten mit Zeichen entdeckt. Seither finden Grabungen nach dort vergrabenen Schätzen statt, die bislang nichts zu Tage brachten. Andere Beispiele für langwährende Gerüchte und Suchaktionen um vermeintliche Schätze sind der Toplitzsee in Österreich, in dem Werte aus der NS-Zeit zu Kriegsende versenkt worden sein sollen (jedenfalls das im “Unternehmen Bernhard” hergestellte Falschgeld), das Gold der Konföderierten Staaten (dem nach der Sezession von den USA proklamierten Staat), dessen Verbleib ungeklärt ist und der angebliche Dorak-Schatz.

Im Sommer 1980 stürzte ein DC-9-Passagierflugzeug bei der Insel Ustica aus zunächst ungeklärter Ursache ins Tyrrhenische Meer, alle 81 Insassen starben. Nach jahrelangen Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Flugzeug aufgrund eines Treffers durch eine militärische Luft/Luft-Rakete abgestürzt war. Es soll im Absturzgebiet ein Luftkampf zwischen Kampfflugzeugen der NATO und Libyens stattgefunden haben. Diese Erkenntnisse werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten, zumal die italienischen Behörden die Ermittlungen massiv behinder(te)n. Das Unglück bei der Flugvorführung in Ramstein 1988 soll Teil der Vertuschung des Ustica-Unglücks sein. Ungeklärt sind auch die Ursache der Entzündung des Luftschiffes “Hindenburg” bei der Landung in USA 1937, der Grund für den Absturz eines JAT-Passagierflugzeugs 1972 am Weg von Stockholm nach Belgrad über der damaligen Tschechoslowakei (eine Überlebende; Bombe einer kroatischen Extremistengruppe oder irrtümlicher Abschuss durch die CSSR?), und natürlich für den Malaysia Air-Flug 370 2014. Auch der Absturz eines PanAm-Flugzeugs 1988 über Lockerbie gibt zumindest für Spekulationen Stoff.

Stonehenge wirft, ähnlich wie die Carnac-Steine, Fragen über die Bedeutung/den Zweck, auch über Herstellung und Transport, auf.

Atlantis, die legendäre Insel, erstmals von Platon erwähnt, wird u.a. mit der untergegangenen minoische Kultur Kretas in Zusammenhang gebracht. Zu diesem und anderen legendären Orten wird es einmal einen eigenen Artikel geben.

Angeblich verschwundene Militär-Einheiten: die römische 9. Legion, 71 Männer einer australischen Einheit im 1. Weltkrieg bei Ypern während/nach dem Kampf gegen Deutsche anseite der Briten (in “Celtic Wood”), die Armee von Kambyses/Kambudschiye II. 525 vC in Ägypten.

Die Gesichter auf dem Boden eines Hauses in Belmez (Spanien), von denen seit 1971 berichtet wird. 2004 starb die Hausbesitzerin Maria Gomez, die auch als Urheberin der Bilder verdächtigt wird.

Ungeklärte Verbrechen die nicht Morde sind, wie den/die “Geisterschütze(n)” der/die 1927/28 in New Jersey Fahrzeuge traf, Leute verletzte; der Kunstraub von Gotha 1979, ein Einbruchdiebstahl, nachts wurden fünf Gemälde aus Schloss Friedenstein gestohlen, gilt als schwerwiegendster Kunstraub in der Geschichte der DDR und als einer der spektakulärsten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

An den Behauptungen vom Philadelphia-Experiment” ist wahrscheinlich nichts dran. Dabei geht es um ein angebliches Experiment der USA-Marine während des 2. Weltkriegs in Philadelphia mit dem Kriegsschiff “USS Eldridge”, das Teleportation, Tarntechnologie und Zeitreisen umfasst haben soll. Die Geschichte geht auf einen Matrosen zurück, der 12 Jahre nach dem angeblichen Ereignis einen UFO-Schreiber kontaktierte. In Zusammenhang damit steht manchmal die Montauk-Station/Fort Hero.

Als Millennium-Probleme bezeichnet man die im Jahr 2000 vom Clay Mathematics Institute (CMI) in Cambridge (Massachusetts) in einer Liste aufgezählten ungelösten Probleme der Mathematik. Das Institut hat für die Lösung eines der sieben Probleme ein Preisgeld von jeweils einer Million US-Dollar ausgelobt. 1 von 7 wurde bislang gelöst.

Wo liegt … begraben (z.B. Dschingis Khan) ist meist nicht so brisant. Im Fall der Überreste Alexanders des Grossen ist man kürzlich in Amfipolis in Makedonien auf die Spuren eines gewaltigen Mausoleums gestossen das sein Grabmal sein könnte.

Die Zweifel an den Mondlandungen hat Kaysing begründet, es wird u.a. darauf hingewiesen, dass alle bemannten Mondlandungen unter Nixon stattgefunden haben.

Weiters: der Verbleib des Bernsteinzimmers, die Inschrift auf der Phaistos-Scheibe, wandernde Felsen (v.a. im Death Valley/Valle de la Muerte in Kalifornien), Kugelblitze, die Entstehung bzw. Herkunft des HI-Virus, das Brummton-Phänomen/Taos Hum, Kentucky Meat Shower 1876, die Identität der “Mona Lisa”,…

In der Serie “History’s Mysteries” auf “History Channel” wurde etwa in der Folge “Nazi Bomb” ergründet, wie nahe Nazi-Deutschland der Entwicklung einer Atombombe kam oder “The True Story of Rasputin” erzählt. Eigentlich gings da weniger um historische Rätsel/Geheimnisse bzw ihre Aufklärung, als um die Aufbereitung von geheimnis-umwitterten oder beliebten Themen. Die Gründe für den Hess-Flug nach GB sind nicht ganz klar, die Sache stellt evtl. ein echtes historisches Rätsel dar; nahe daran sind umstrittene historische Fragen wie die Hintergründe des Pearl Harbor-Angriffs oder die Ursachen der Irischen Hungersnot. Rund um “Dracula” gibts da auch vieles, was aber bleibt ungeklärt, wenn man erst mal den Unterschied zwischen der Legende und  der “zugrundeliegenden” historischen Figur sowie die Herkunft des Mythos’ um das Fabelwesen des Vampirs herausgestellt hat? Die Verschwörungstheorien des Abbé Barruel zur Französischen Revolution setzen kein Fragezeichen hinter das gängige Narrativ von ihr. Bezüglich des Titanic-Untergangs gibts einige Irrtümer aufzuklären, die Sache an sich ist aber nicht rätselhaft. Kannibalismus im Notfall wie in den Anden 1973 oder bei der Donner-Reisegruppe 1846/47 ist immer wieder interessant, aber auch kein Geheimnis. Ähnlich verhält es sich mit im Moor konservierten Leichen.

Zum Tod von Diana Spencer gibts viele Mordtheorien, noch um einiges abstruser sind Behauptungen vom Presley-Weiterleben oder gar jene (politisch motivierten) um Staatsbürgerschaft/Religion/… von Obama. Die “Weisen von Zion-Protokolle” stellen sind eine nachgewesene Fälschung bzw. Falschauslegung. Von angeblich übersinnlichen, paranormalen, parapsychologischen, unerklärlichen, esoterischen, okkulten, magischen Phänomenen, die von Telepathie über Schmerzausschaltung durch Trance oder Ekstase bis Heilungen reichen, ist nur ein Teil ernstzunehmen; Uri-Geller-Zaubertricks, die etwa Telekinese vortäuschen jedenfalls nicht. Wissenschaft kann zwar nicht alles erklären aber Hochstapelei und Aberglaube noch weniger. Der Grat zwischen pseudowissenschaftlichen Behauptungen wie jenen von Von Däniken und ernstzunehmender Theorie ist oft schmal; die geschichtsrevisionistischen Thesen von Illig (600 sei die Jahrrechnung um 300 Jahre nach vor gedreht worden) liegen vielleicht gerade darauf.

Robert Anton Wilsons “Lexikon der Verschwörungstheorien” erhebt nicht den Anspruch der Ernsthaftigkeit, ist aber lesenswert. Charles Fort schrieb über allerlei Rätsel, Carroll Quigley hauptsächlich über Verschwörungstheorien. Von einem Michael Schneider kam 2002 “Spuren des Unbekannten. Kryptozoologie. Monster, Mythen und Legenden” heraus. Daneben sei auf http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/ und historic mysteries verwiesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Krude Allianzen

Die Thematik, ihre Konstruktion und Verwendung

Die Herstellung von Verbindungen zwischen Islam(ismus) und deutschem Faschismus durch geschichtsrevisionistische und rechtszionistische Aktivisten, im historischen und aktuellen Kontext, ist in den letzten Jahren, an der Schnittstelle von Politologie, Geschichtswissenschaft, Publizistik und politischen Kampagnen, sehr modern geworden. Moslems, die für Nazi-Deutschland kämpften, nazi-deutsche Bemühungen um Bündnispartner (auch) in moslemisch geprägten Gegenden, palästinensische Bemühungen um Bündnispartner gegen Zionisten, und manch anderes werden als Beleg für eine vorgebliche Verwandtschaft von Nationalsozialismus und Islam bzw. Islamismus bzw. Menschen in/aus islamisch geprägten Kulturen ausgeschlachtet. Die Thematik bzw. ihre Verdrehung bietet reiche Gelegenheit zu Diffamierung (z. B. der Anliegen der Palästinenser an sich) oder Vergangenheitsbewältigung (im Sinne von Entsorgung oder Umschreibung einer Vergangenheit), sie erweist sich (zumal es hier um die selben, uralten Feindbilder geht) als Kitt, um verschiedene Fraktionen miteinander zu verbinden, die viel eher jene Querfront bilden, die sie woanders orten wollen. Inzwischen singen ja auch Rechtspopulisten wie der Österreicher Strache das Lied von den drei Totalitarismen Faschismus, Kommunismus, Islamismus, denen “der Westen” und “die Juden” gegenüber stünden und versuchen sich ein antifaschistisches Mäntelchen umhängen. Die Geschichtspolitik im Dienste gegenwärtiger Kampagnen zielt hier u.a. darauf ab, Israel als Gegenstand kritischer Analyse und Reflexion zu entsorgen und nur noch als Objekt der Affirmation und Beschönigung zuzulassen.

Die Konstruktion bzw. Verwendung der Thematik spielt z. B. bei bei der deutsch-österreichischen Kampagne “Stop Drop the bomb” (auf Iran) eine wichtige Rolle, wo “linke” Polit-Kommissare, Israel-Fetischisten und Freizeit-Likudisten gerne auch den Brückenbau ins rechtskonservative Lager üben (nicht nur in jenes, in dem die “ersatzlose Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes” oder die Anerkennung der “effektiven Verschiedenheit von Rassen und Völkern” gefordert wird). Die Teilnahme an der Kampagne ist für diverse Wissenschafter und Publizisten die Verlängerung ihrer jeweiligen Arbeit. Der israelische Historiker Benny Morris etwa untersuchte früher mutig die Vertreibungen von Palästinensern im Zuge der israelischen Staatsgründung, gab dann dem Druck nach, der aufgrund dieser Arbeit auf ihn ausgeübt wurde, und befindet sich längst am rechten Rand des zionistischen Spektrums. Heute sagt er dass diese Vertreibungen gut waren und plädiert für weitere. Im Rahmen einer “Drop”-Veranstaltung 2008 in Wien rief er zu einem (gegebenenfalls atomaren) Präventivkrieg gegen den Iran auf, in dem Zusammenhang rechtfertigte er auch das israelische Atomprogramm. In der „Welt“ kam er mit dem praktischen Befund “palästinensische Mitschuld am Holocaust“ daher. Jeffrey Herf hat sich der “wissenschaftlichen Untersuchung von islamischem Antisemitismus” verschrieben, schreibt von einer “Synthese” während der “nazi-islamistischen Kollaboration”, von der heute noch die verschiedenen Formen des Islamismus geprägt sein würden, und wirkt ebenfalls an Drop mit. Matthias Küntzel, ein früher linksextremer Politikwissenschaftler und Publizist, heute ein angesehener und gut vernetzter Agitator, Vorstandsmitglied von SPME (Verhinderung Vorträge und Anprangerung unliebsamer Wissenschafter, Plattform für konforme), ADL-Preisträger, beherrscht wie kein anderer im deutschen Raum die deutsche Schuldentsorgung über “den Islam”, bei der der Brückenschlag ins rechte Lager und die Legitimierung israelischer Politik integrale Bestandteile sind; sein „Djihad und Judenhaß. Über den neuen antijüdischen Krieg“ erschien z. B. auf Englisch bei “Telos Press”, dem Hausverlag der neuen Rechten in USA/Grossbritannien, der u.a. auch De Benoist und Carl Schmitt verlegt. Von Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers, deutschen Erstunterzeichnern von “stopthebomb”, stammt „Halbmond und Hakenkreuz“, das Buch wurde in Wien von ziemlich jenen Kreisen, die Stop bzw Drop veranstalten, promotet. Volker Koop war Sprecher von CDU-Politikern, ist jetzt Publizist, er brachte “Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz” heraus. Vorzügliche Demonstrationen, wie auch im 21. Jahrhundert Wissenschaft in den Dienst von Propaganda gestellt wird. “Anti”deutsche (wie sich jene “israelsolidarischen Linken” nennen, zu denen die genannten grossteils gehören) und ihre Partner argumentieren auch einen usraelischen Militärschlag gegen den Iran und Ignoranz für dessen Opfer aus dem Holocaust heraus – was nicht mehr ganz so leicht ist, seit man sich verpflichtet fühlt, die iranische Demokratiebewegung zu vereinnahmen. Niedlich wirds, wenn Küntzel auf einer Dropthebomb-“Konferenz“ davor warnt, diese zu einer „akademischen“ zu machen, und eine politische Intervention propagiert…

Die Verschiebung des NS in den “Nahen Osten”, wie auch die seit den 1950er-Jahren grassierende „Israelitis“ in Deutschland (und anderswo), ist nicht Folge der Aufarbeitung, sondern gerade der Verdrängung der eigenen Geschichte. Hannah Arendt kommentiert Anfang der 1960er einmal so: „Israel ist überflutet von Deutschen, die so philosemitisch sind, dass einem das Kotzen ankommt.“ Im Krieg 1967 solidarisiert sich ein Grossteil der westdeutschen Presse mit Israel, nicht nur der Springer-Verlag. “Spiegel” schrieb bewundernd von „Israels Blitzkrieg“ und schwärmte: „Sie rollten wie Rommel, siegten wie Patton und sangen noch dazu.“

Die Fakten

Im Verlauf des 2. Weltkrieges wurden nicht-deutsche Freiwillige und Kriegsgefangene, vor allem Osteuropäer, in Verbänden der deutschen Waffen-SS oder der Wehrmacht verwendet. Fast eine halbe Million Ausländer dienten in der Waffen-SS, in etwa 20 Divisionen, die ethnisch definiert waren. Diese ausländischen SS-Einheiten gab es für Rumänen, Serben, Spanier, Schweden, Ukrainer (s. u.), Bulgaren, Belgier (Degrelle), Briten, Dänen, Inder (ursprünglich der Wehrmacht unterstellt, siehe unten), Esten, Finnen, Ungarn, Letten, Niederländer, Norweger, Franzosen (“Charlemagne”), Italiener, Portugiesen, Weissrussen, Russen (die “Kosaken“-Division, gebildet aus seit dem Russischen Bürgerkrieg Exilierten; nach Kriegsende wurden sie in Lienz von Westalliierten an die Rote Armee ausgeliefert), Armenier, Georgier, Kroaten (inkl. Bosniaken, s.u.), Albaner (s.u.). Daneben gab es multinationale wie die “Wiking” oder die “Osttürkische” (s.u.) sowie jene der “Volksdeutschen” wie die „Prinz Eugen“. Aus kleineren Staaten wie Luxemburg oder Schweiz dienten Freiwillige in Divisionen benachbarter Völker. Der Grossteil der vertretenen Nationen waren Kriegsgegner Nazi-Deutschlands oder zumindest keiner seiner Verbündeten.

Ausländische Verbände in der Wehrmacht, die sogenannten “Ostlegionen”, umfassten neben vielen anderen die sogenannte Wlassow-Armee (von NS-Deutschland in Kriegsgefangenschaft gewonnene Russen, mehr als 300 000 Mann), die Indische Legion bevor sie der SS unterstellt wurde (s.u.), Einheiten von Ukrainern (s. u.), Georgiern, Polen, Armeniern, Kalmüken sowie jene, die im weitesten Sinn als “moslemisch” verstanden werden können und unten beleuchtet werden.

Hinzu kamen mit dem “nationalsozialistischen” Deutschen Reich verbündete Staaten bzw. Regime wie Italien, Japan, Spanien, Kroatien nach der Aufteilung Jugoslawiens,…

Asiaten aus der Sowjetunion, die als Soldaten der Roten Armee in nazi-deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, wurden anfangs als “rassisch minderwertig” eingestuft, ehe man auf die Idee kam, anti-russische bzw. anti-sowjetische Gefühle auch bei ihnen zu nutzen um Bündnispartner gegen die SU zu finden. Die Gebiete dieser Asiaten waren zum grössten Teil noch nicht von den Deutschen erobert worden. Die Wehrmacht lieferte allein in den ersten 8 Monaten ihres Einmarsches 1941/42 geschätzte 2,8 Millionen Kriegsgefangene dem Hungertod aus. Von daher wurde eine solche Rekrutierung von den Betroffenen auch als Überlebensmöglichkeit gesehen. Aus Soldaten dieser sowjetischen Nationalitäten wurden dann SS-/Wehrmachts-Einheiten gebildet oder sie in bestehende eingegliedert. Am Kriegsende wurden sie und andere freiwillige oder unfreiwillige Kollaborateure (gemäß der Yalta-Konferenz) von den Westalliierten an die Sowjetunion ausgeliefert und die betreffenden Völker unter Stalin zum Teil pauschal als Kollaborateure bestraft und umgesiedelt. Mohammed Amin al-Husseini, Grossmufti von Jerusalem, war aktiv bei der Anwerbung von Moslems, zum grössten Teil aus der Sowjetunion und vom Balkan, für Wehrmachts- und SS-Einheiten. Das deutsche Bemühen um Moslems aus der Sowjetunion (und anderswo) dürfte auch darauf angelegt gewesen sein, die Türkei auf ihre Seite zu ziehen sowie irgendwann die Ölfelder in Westasien und Aserbeidschan zu kontrollieren.

Zunächst einige Einzelheiten zur indischen Einheit. Inder hatten in verschiedenen Kriegen an Seiten der Briten gekämpft, im 1. Weltkrieg alleine 1,3 Millionen Mann. Damals hatte sich “Mahatma” Gandhi bereit erklärt, unter Indern für eine Teilnahme am Krieg der Briten zu werben, wahrscheinlich um damit die Briten in der Sache der indischen Unabhängigkeit gnädiger zu stimmen – eine Rechnung die nicht aufging. Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges in Europa erklärte der britische Generalgouverneur dem Deutschen Reich im Namen Britisch-Indiens (des “Indischen Empires”) den Krieg, ohne die indischen Politiker zu konsultieren. Diese wollten eine indische Kriegsbeteiligung von einer Gewährung der Unabhängigkeit abhängig machen. Dennoch meldeten sich auch diesmal wieder Inder in Millionenstärke um für die Sache ihrer Kolonialmacht zu kämpfen. Subhash C. Bose gehört in der Zwischenkriegszeit im Indischen Nationalkongress jener Fraktion an, die mit Gewalt statt mit passivem Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft kämpfen wollten. Nachdem er 1941 einem von den Briten verhängten Hausarrest entflohen war, gründete er die Exilregierung “Azad Hind” und paktierte, nach dem Motto “Der Feind meines Feindes ist mein Freund”, mit den Achsenmächten gegen die Briten. Die indische Öffentlichkeit sympathisierte ganz und gar nicht mit den Nationalsozialisten, auch Boses Fraktion nicht wirklich. Die von ihm aus indischen Soldaten in britischen Diensten, die von Achsenmächten gefangengenommen worden waren, sowie indischen Exilanten in Südost-Asien aufgestellte “Indische Nationalarmee” kämpfte zusammen mit den Japanern in Birma, von wo aus Indien eingenommen werden sollte. In Deutschland formierte er ab 1941 aus zumeist in Nordafrika gefangengenommenen indischen Soldaten die für die britische Armee gekämpft hatten, etwa 3500, eine militärische Einheit, die “Legion Freies Indien” oder “Indische Legion” oder “Tiger-Legion”. Geplant war, sie an Seite der Wehrmacht im sowjetischen Kaukasus einzusetzen um dann über den Iran nach Indien vorzustoßen und dort die britische Kolonialherrschaft zu beenden. Aufgrund der Lage an der Ostfront kam die Legion nie dorthin, wurde stattdessen an der Westfront, hauptsächlich in Frankreich, eingesetzt. 1944 wurde die Einheit der Waffen-SS unterstellt. Ein Jonathan Trigg, der mehrere Bücher über diese ausländischen SS-Divisionen geschrieben hat (“Hitler’s Vikings”, “Hitler’s Flemish Legions”,…), schrieb in “Hitler’s Jihadis” dass die Indische Legion zu zwei Dritteln aus Moslems bestand und zu einem Drittel aus Hindus und Sikhs; anderen Quellen zufolge (z.B. Neulen 1985) entsprach die religiöse Verteilung dieser Soldaten dagegen in etwa der damaligen indischen Gesamtbevölkerung, bestand also zu mindestens zwei Dritteln aus Hindus. Nach der deutschen Kriegsniederlage wurden die indischen Soldaten von Briten in das noch immer von ihnen beherrschte Indien zurückgebracht, wo Druck der Bevölkerung zu ihrer Freilassung führte. Die NS-Führung hatte aus rassistischen Gründen immer Vorbehalte gegenüber den indischen Soldaten sowie der Unabhängigkeit Indiens von Grossbritannien gehabt, die sie auch nicht förderte (Hitler in „Mein Kampf“: “Lieber Briten als Herrscher Indiens als wer anderer”). Sie hatte auch Vorbehalte gegenüber Bose und seiner Verbindung mit einer Österreicherin. Bose zweifelte immer mehr an den Nazis, nicht zuletzt, weil er auch ihren Rassismus zu spüren bekam. Auch das faschistische Italien stellte im 2. Weltkrieg eine indische Legionärs-Einheit auf, das Battaglione Azad Hindoustan.

Nun zu den “moslemischen” Einheiten. In der Wehrmacht gab es zunächst die “Wolgatatarische Legion” oder „Idel-Ural“, nach einer historischen Region in Russland, die ein Zentrum u.a. der Tataren ist. Die Namensgebung war, wie in anderen Fällen auch, ein “Appell” an nationale Gefühle – die in den Dienst der grossdeutschen Sache zu stellen waren. Wolga-Tataren wurden darin mit christlichen Mordwinen und anderen Nationalitäten aus dem europäischen Russland zwangsrekrutiert; viele liefen zu Partisanen über. Bekanntestes Mitglied war der tatarische Dichter Musa Dsahlil (auch Cälil oder Jalil). Er war nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion in die Rote Armee einberufen worden, mit der er NS-Deutschland bekämpfte. Er geriet schwer verwundet in deutsche Kriegsgefangenschaft, wurde in die “Wolgatatarische Legion” gesteckt und wurde in dieser der Kopf einer tatarischen Widerstandsgruppe. 1943 gelang 950 Männern von dieser das Überlaufen zu sowjetischen Truppen, bald darauf flogen Dsahlil und 10 weitere auf. 1944 wurde er im Gefängnis Plötzensee in Berlin hingerichtet, wo heute auch ihm gedacht wird. Daneben wurden aus kriegsgefangenen Kaukasus-Moslems (wie Aseris oder Tschetschenen) und “Turkestanern“ (v. a. Zentralasiaten) Einheiten gebildet. Die “Legion Freies Arabien” bestand aus Arabern, moslemischen und griechisch-orthodoxen, und Moslems vom Balkan, Freiwilligen und Kriegsgefangenen. Sie wurde in Griechenland eingesetzt. Auch hier gab es Desertionen und deutsche Unzufriedenheit über die Moral. Der “Sonderverband Bergmann” unter Oberländer war ein 1941 aufgestellter Verband der Wehrmacht, der aus deutschen Vorgesetzten und kaukasischen Rekrutierten, Georgiern, Armeniern, Aserbaidschanern und Nordkaukasiern, bestand.

Die “Handschar“ war die eine kroatische SS-Division. In ihr waren Bosniaken (Bosnien-Herzegowina wurde nach dem deutschen Angriff auf Jugoslawien einem unabhängigen Kroatien zugeschlagen, quasi als Ausgleich dafür, dass Kroatien seine gesamte Adria-Küste an Hitlers wichtigsten Verbündeten Italien abtreten musste) und Kroaten unter deutschen und “volksdeutschen”  (Donauschwaben aus Jugoslawien) Offizieren zusammengefasst. Viele Bosniaken, z. B. ihr Mufti Pandza, waren unzufrieden mit ihrer Lage in Ustascha-Kroatien, einem Staat an dessen Politik sie wenig partizipierten. Für viele Ustascha-Aktivisten waren die moslemischen Bosniaken Sympathisanten der kommunistischen Partisanen und sie griffen deshalb ihre Dörfer an und töteten viele Zivilisten. Die serbisch dominierten Tschetniks beschuldigten die Bosniaken, an den Ustascha-Grausamkeiten gegen Serben teilzunehmen und verübten ähnliche Gewalttaten gegen sie. Im Oktober 1941 unterzeichnete eine Gruppe von 108 moslemischen bosnischen Notabeln in Sarajevo eine Resolution, die Ustascha-Verbrechen verurteilte und Sicherheit für alle Bürger des Landes, ungeachtet ihrer Nationalität, verlangte. Himmlers Phantasien über eine Zusammenarbeit war nicht auf ein Wohlergehen der Betroffenen abzielend; der Mufti aus Palästina war auch hier notwendig, um Bosniaken, denen ihre Ulemas eine Kollaboration mit dem Ustascha-Regime verboten hatten, von einer Rekrutierung für die Deutschen zu überzeugen. Bei und nach der Rekrutierung waren sie auch deutscher Propaganda ausgesetzt. Die Rekrutierten mussten ihren Eid auf Hitler und den Ustascha-Führer Pavelic ablegen. Die “Handschar” wurde v.a. gegen kommunistische Partisanen im jugoslawischen Raum (in deren Reihen sich ebenfalls Bosniaken befanden…) eingesetzt. Es gab Fälle von Desertionen und Meutereien, u.a. schon bald nach ihrer Gründung 1943 in Frankreich, wo sie ausgebildet werden sollten. Ursprünglich aus etwa 20 000 Männern bestehend, war die Division gegen Kriegsende in Auflösung begriffen und bestand zu ca. 50% aus Deutschen. Die “Kama”, die 2. kroatische SS-Division, war wahrscheinlich nur geplant, was immer auch davon umgesetzt wurde, ging in der “Handschar” auf. Die blutigen Abrechnungen in Jugoslawien nach dem Krieg betrafen auch diese Bosniaken. Eine einigermaßen objektive Darstellung scheint George Lepres “Himmler’s Bosnian Division: The Waffen-SS Handschar Division 1943–1945” zu sein. Dass kroatische Bosnier (v.a. in der Herzegowina) viel stärker als Bosniaken in Ustascha-Aktivitäten verstrickt waren und dieses Ustascha-Kroatien an sich eng mit der Achse verbündet bzw. von ihr geschaffen war, “fällt” meistens unter den Tisch.

Die “Skanderbeg“-SS-Division umfasste 6500 Albaner aus Jugoslawien, die zunächst für die “Handschar” rekrutiert wurden, und Albanien, beides Länder, die von den Achsenmächten besetzt waren. Gemäß der religiösen Diversifizierung der Albaner umfasste sie nicht nur Moslems, zu ihren„Verbündeten“ zählte z.B. ein katholischer Clan. Wie die kroatisch-bosnische Division(en) wurde auch sie von deutschen Offizieren geleitet. Die Division wurde gegen die Hoxha-Partisanen, also kommunistische Albaner, sowie gegen Juden und Serben, eingesetzt. In ihrer kurzen Operationszeit, gab es viele Fälle von Befehlsverweigerungen u.ä. Die Mitglieder wurden teilweise in Wehrmachtseinheiten gesteckt.

Der “Osttürkische Waffen-Verband” der SS  bzw. das “Ostmuselmanische SS-Regiment” setzte sich aus diversen, v.a. moslemischen, Nationalitäten aus der SU (war insofern multinational) zusammen, Zentralasiaten/Turkestanern, Wolgatataren, Krimtataren, Kaukasiern. SS-Hauptsturmführer Billig exekutierte 78 Mitglieder der Einheit wegen Befehlsverweigerung. Ein Teil der Mitglieder wurde der Dirlewanger-Brigade zugeschlagen, die für viele Massaker verantwortlich war.

Nazi-Deutschland sendete über Radio auch Propaganda in den arabischen Raum (die Menschen dort mussten also erst überzeugt werden); ein Klaus Faber, Ex-Staatssekretär (auch sonst diesbezüglich aktiv), hat auf “Hagalil” eine Anpreisung eines Herf-Buchs geschrieben, das auch diese “behandelt”. Eine Jane ist dem Gesülze dort so überzeugend entgegengetreten, dass ich aus ihrem Kommentar zitieren will: “…solche Radioprogramme sagen aber mehr über die Nazis aus, als über die Muslime und bzgl. letzterem macht es Sinn die muslimischen Medien auszuwerten und da stellen sich die Dinge eben, wie zu erwarten, sehr viel differenzierter dar…Nicht zu letzt muss auch eines klar sein. Für die National-Sozialisten waren auch die Muslime letztendlich semitische Untermenschen und nur ebenfalls nur dann interessant, wenn sie ihrer politischen Agenda in irgend einer Form nützlich waren. Deutscher Rassismus und deutscher Chauvnismus hat wenig übrig für islamische, braune, glutäugige Muslime. Aus der Ecke betrachtet sehen die Dinge dann nämlich auch noch mal ganz anders aus…Natürlich war Propaganda der Nazis judenfeindlich und es kann nicht verwundern, dass da, wo sich Muslime in ihrer Exisenz nicht ohne Grund durch die hohe Einwanderung und politische Agitation der Zionisten gefährdet sahen, mitunter glaubten, dass sie von der Judenfeindschaft der Nazis politisch was zu gewinnen hätten…anders als eine angebliche ‘jüdische Gefahr’ in Deutschland, stellte die massive Einwanderung und nicht zu leugnende Verdrängungspolitik der Zionisten gegenüber der muslimischen Bevölkerung ja keine eingebildete, sondern eine ganz und gar konkrete Gefahr dar… Wenn übrigens sich schon viele Deutsche nicht bewusst waren, was in den Konzentrationslagern geschah, in einer Zeit in der die Massenmedien erste Gehversuche machten, was zum Teufel erwartet man dann denn von den muslimischen Bauern in Palästina?…Dieser Tage haben jüdische Rabbis in Tel Aviv einen Aufruf gestartet keine Wohnungen an Gastarbeiter zu vermieten, weil dies angeblich gegen die Gesetze der Torah verstieße. Wenn sich heute schon manche Juden zu solch fremdenfeindlicher Agitation veranlasst sehen, weil sie glauben dass das Dasein der Gastarbeiter sie irgendwie bedrohen würde, um wieviel mehr ist es nachzuvollziehen, dass sich Palästinenser in den 30ern durch Juden bedroht sahen. Die Gastarbeiter heute in Israel sind zumeist da, weil sie dort gebraucht werden und stellen bestimmt keine Gefährdung Israels dar, das zionistische Projekt war aber sehr konkret und mit militärischen Mitteln tatsächlich auf Verdrängung der einheimischen Bevölkerung angelegt…Die Konflikte um Palästina in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts mit der rassistischen und chauvinistischen ‘arischen Bewegung’ in einen Topf zu werfen, missachtet einfach viele eigentlich nicht zu übersehende Komponenten der Geschichte…”

Exkurs zur ukrainischen OUN und Stepan Bandera. Die “Organisation ukrainischer Nationalisten” wurde in der Zwischenkriegszeit von Exil-Ukrainern gegründet, die die Ukraine aus der Sowjetunion “herausführen” wollten. Bandera leitete den radikalen Flügel der Organisation (OUN-B), Melnyk den gemäßigten OUN-M. Einheiten der OUN (bestehend vor allem aus Ukrainern, die aus dem Polen der Zwischenkriegszeit stammten, wo sie um die 15% der Bevölkerung ausmachten) nahmen in den Bataillonen “Nachtigall” und “Roland” im Verband der Wehrmacht beim deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 teil. Die “Galizische SS-Division” wurde dann aus diesen Einheiten oder anderen OUN-Kadern geformt. Nach dem Einmarsch proklamierten diese ukrainischen Nationalisten unter Bandera eine unabhängige Ukraine. Eine solche war aber nur einer von mehreren NS-Plänen für diese Region, die Deutschen machten die Ukrainer, auch die Kollaborateure unter ihnen, nicht zu gleichberechtigten Partnern; für das NS-Regime waren sie nützliche Vehikel gegen die Sowjetunion. Bald nach der deutschen Einnahme der ukrainischen Gebiete tauchten daher Zwistigkeiten zwischen den Verbündeten auf, noch 1941 wurden Bandera und andere OUN-Führer wie Stetsko verhaftet und nach Deutschland gebracht, 1942 in das KZ Sachsenhausen (in die Abteilung für hochstehende politische Gefangene, wo u.a. auch Kurt Schuschnigg, Julius Leber, Herschel Grynszpan, Georg Elser, Francisco Largo-Caballero saßen) eingeliefert. Die ukrainischen Gebiete wurden von den Deutschen hauptsächlich auf das “Reichskommissariat Ukraine” und das “Generalgouvernement” aufgeteilt, Gebiete im Osten nahe der sowjetischen Front kamen unter Militärverwaltung, das ebenfalls verbündete Rumänien bekam auch einen Teil ab, die Karpato-Ukraine gab Hitler (im “Wiener Schiedsspruch”) an Ungarn. Teile der ukrainischen Bevölkerung hatten die Wehrmacht als Befreierin von russischem und kommunistischem Joch begrüsst, die Abwürgung der Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen, die Verschleppung von Menschen als Zwangsarbeiter und die Abschöpfung von Ernte und Produktion ins “Reich” brachten aber auch die deutschfreundliche Bevölkerung gegen die Besatzer auf. Der grösste Teil von “Roland”, “Nachtigall” und “Galizien” ging in der “Ukrainischen Aufständischen Armee” (UPA) auf, die ab 42/43 bis Mitte der 50er  für eine unabhängige Ukraine kämpfte. Diese bekämpfte Russen (bzw. die Sowjetunion), Polen, Deutsche (die mit ihnen zuvor verbündeten NS-Truppen), Juden, Tschechoslowaken und verübte dabei Massaker auch an Zivilisten. Der ukrainisch-katholische Metropolit Szeptycki (mehr Pole als Ukrainer) war an der Ausrufung des ukrainischen Staates durch die OUN betetiligt, segnete ukrainische SS-Einheiten, rettete aber auch Juden. Die Rückeroberung der Ukraine ab 1943 durch die Rote Armee wurde nunmehr von grossen Teilen der Bevölkerung als Befreiung empfunden. 1944, als (auch) an der Ostfront die Kriegslage für Deutschland höchst prekär war, wandte sich das “Reichssicherheitshauptamt” (RSHA) an Bandera und Stetsko in Sachsenhausen, um eine neue Zusammenarbeit der ukrainischen Nationalisten gegen die Rote Armee einzufädeln. Die OUN-Führer wurden freigelassen, die UPA kollaborierte am Kriesgsende wieder mit den Deutschen, ehe für beide Seiten das dicke Ende kam. In der Beurteilung der OUN/UPA spiegeln sich nach wie vor die persönlichen/ nationalen/ politischen Präferenzen von Historikern (v.a. ukrainischen und polnischen) wieder. Die zeitweise enge Beziehung zu Nazi-Deutschland wird von Historikern wie David Marples als zwiespältig, taktisch und opportunistisch beschrieben, als Beziehung in der beide Seiten erfolgslos versuchten, die jeweils andere für ihre Ziele einzuspannen.

In der Nachkriegszeit gab es Differenzen zwischen US-Amerikanern und Briten über die Unterstützung der Guerillatätigkeit der OUN in der nun wieder sowjetischen Ukraine (v.a. ihrem Westen); die Briten (MI6) leisteten erhebliche geheimdienstliche und militärische Hilfe, während die Amerikaner (CIA) den ukrainischen Nationalisten kritisch gegenüberstanden – wegen dem brutalen Vorgehen der OUN v.a. im westdeutschen Exil auch gegen andere antisowjetische Nationalisten, weil sie skeptisch gegenüber ihrem Einfluss unter den Ukrainern, im Land wie im Exil, sowie ihren Möglichkeiten gegen die Sowjetmacht, waren, weil Bandera in seinem bundesdeutschen Exil falsche Dollar-Noten produzieren liess um die OUN-Aktionen zu finanzieren und weil sie sich einfach keine unabhängige Ukraine wünschten. Gerhard von Mende, baltendeutscher Herkunft, „Russland-Forscher“, war in der NS-Zeit bzw im 2. Weltkrieg in die Besatzung von sowjetischen Gebieten involviert gewesen. Er unterstützte  ab 1948, also noch zu Besatzungszeiten, die britische Position. In der BRD erhielt Von Mende wieder eine hohe Position auf Bundesebene, er setzte sich dann bei bayerischen Landes- sowie Bundesbehörden stark für Bandera und seine Truppe in München ein. Als ab 1953 auch die Briten zögerlicher wurden, hielt er sich mehr zurück. Daher übernahm 1956 Reinhard Gehlen, mit Mende seit grossdeutschen Zeiten politisch eng verbunden durch die “Fremden Heere Ost” (siehe unten), die Förderung der Bandera-Leute, im Gegenzug für Informationen aus der Ukraine und aus der Emigrantenszene, gegen den Willen der US-Amerikaner. Bandera wurde 1959 in München vom KGB ermordet.

Obwohl OUN-Theoretiker nachzuweisen versuchten, dass die Ukrainer keine Slawen, sondern Nachkommen einer „autochthonen Urbevölkerung“ seien, hielt Hitler sie für „genauso faul, unorganisiert und nihilistisch-asiatisch wie die Großrussen“. Die Haltung/Politik von “Anti”deutschen und anderen Hetzern gegenüber (etwa) Kurden lässt grüssen.

Nach dem Krieg flüchteten Nazis über die “Rattenlinie” über Italien, v.a. nach Lateinamerika (wo sie manchmal Terrormethoden an rechte Diktaturen vermittelten, die oft auch amerikanische und israelische Unterstützung hatten) und Westasien. Manche Rosinen aus dem Nazikuchen pickten sich aber die USA heraus. Viele Deutsche, darunter Ex-Nazis, kämpften in den 1950ern mit der französischen Fremdenlegion in Indochina und Algerien (dort wurden auch ehemalige italienische Kriegsgefangene gegen die Aufständischen eingesetzt), wo es für Unabhängigkeits-Aktivisten auch eine Art Auschwitz-Schaukel gab. Gegen “Wilde” waren Deutsche erst recht willkommene Bündnispartner, nicht nur gegen Russen im Kalten Krieg.

Walther Rauff, in der NS-Zeit im RSHA und maßgeblich am Einsatz von Gaswagen als Tötungsinstrument beteiligt, verhandelte am Kriegsende mit Alliierten, floh dann über die “Rattenlinie” zuerst nach Italien, war Fluchthelfer für andere Nazis. War dann ein Jahr in Syrien, arbeitete für den dortigen Geheimdienst. Diese Episode lassen sich Mallmann & Cüppers nicht entgehen; die Aktionen der Einsatzkommandos in Nord-Afrika werden bei ihnen in den Zusammenhang einer “deutsch-arabischen Aktion” gestellt die gegen den „Yishuv“ in Palästina gerichtet gewesen sei. Laut diesem Artikel hat Rauff auch für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet. Er verbrachte dann etwa 10 Jahre in Ecuador, bevor er nach Chile ging, nach eigenen Angaben war der spätere chilenische Diktator Pinochet dafür verantwortlich, den er in Ecuador kennenlernte. Von Chile aus arbeitete er mit dem BND zusammen, dort hatte er Freunde aus der Zeit im RSHA. Nach dem Putsch Pinochets und der Etablierung der Militärdiktatur arbeitete Rauff offenbar auch für deren Geheimdienst DINA. Chilenische Juden hatten, als integraler Teil der Mittelklasse, den Putsch gegen Allende grossteils unterstützt. Anders als die argentinische Militärdiktatur (1976-1983) verwarf die chilenische den Antisemitismus. Pinochet besuchte Synagogen zu Yom Kipur und ernannte Juden in hohe Ämter seines Regimes, etwa Sergio Melnick, der einer seiner wirtschaftlichen Berater war und Minister wurde, oder Jose Berdichewsky, der im Militär bis zum General aufstieg und schliesslich Botschafter in Israel wurde. Das Pinochet-Regime unterhielt sehr gute Beziehungen zu Israel, kaufte dort Waffen, v. a. nachdem die USA unter Carter (ab 1977) ihm die Unterstützung versagten. Das alles hinderte Pinochet nicht daran, die Wehrmacht anzupreisen und mit Ex-Nazis in Chile Kontakte zu halten (http://www.jewishworldreview.com/0798/pinochet1.asp). Spätestens ab Anfang der 1970er war Simon Wiesenthal hinter Rauff her. Reagan, der die von Carter unterbrochene amerikanische Unterstützung der Pinochet-Diktatur wieder aufnahm, empfing Wiesenthal, es folgten Floskeln, amerikanische Interessen schienen durch Druck auf das Regime gefährdet. Auch Israel, das mit dem Regime, das Rauff schütze, verbündet war, und jetzt auch die BRD, forderten die Auslieferung von Rauff, der „inmitten“ dieses Interessengemenges starb.

Die Zusammenarbeit zwischen den Auslandsgeheimdiensten BND und Mossad begann 1957, wahrscheinlich auf Initiative des BND-Chefs Reinhard Gehlen, dem früheren Chefspion Hitlers im Wehrmachtsgeheimdienst “Fremde Heere Ost”, und als Versuch der Emanzipation vom CIA. Gehlen hatte sich mit seinen Unterlagen über die Sowjetunion in Bayern der USA gestellt und machte eine steile Karriere in der BRD. Er verhalf noch dem engsten Mitarbeiter von Eichmann, Alois Brunner, zur Flucht nach Syrien, vielleicht auch Eichmann selber, und war laut Otto Köhlers Buch “Unheimliche Publizisten” auch enger Freund des Rechtsextremisten Gerhard Frey. Der erste Kontakt zwischen den Geheimdiensten wurde wohl über die damalige israelische Mission in Köln aufgenommen, deren Aufgabe in der Umsetzung des Luxemburger Abkommen über die so genannte “Wiedergutmachung” bestand und in der auch ein Mossad-Mitarbeiter stationiert war. Der BND, bzw. seine Vorläuferorganisation, die “Organisation Gehlen”, war, von Gehlen abwärts, von alten Nazis durchsetzt, von Fremde Heere Ost wurde viel Personal übernommen, darunter auch ehemalige SS-Angehörige (teilweise mit neuer Identität). Mit “Für die Sicherheit Israels kooperieren wir sogar mit dem Teufel” soll sich der damalige Mossad-Chef Isser Harel für eine Zusammenarbeit mit den Westdeutschen ein- und durchgesetzt haben. Wie auch beim Apartheid-Regime Südafrikas oder der argentinischen Militärjunta, wenns um die “Sicherheit Israels” geht, geht man eben einen “Pakt mit dem Teufel” ein. Pragmatismus aus “nationalem Interesse” über Moral zu stellen, ist aber nicht jedem erlaubt.

In Deutschland wiederum gab es spätestens nach dem erfolgreichen israelischen Angriff auf Ägypten an der Seite Grossbritanniens und Frankreichs 1956 eine Bewunderung für die militärische Durchschlagskraft des jüdischen Staates. Der BND hatte Informationen durch seine Informanten in arabischen Ländern zu bieten, der Mossad über Osteuropa. Wertvoll waren für den BND in der Hochzeit des Kalten Krieges die Informationen von Juden, die aus Warschauer-Pakt-Staaten nach Israel kamen, v.a. übergelaufene Mitarbeiter von dortigen Geheimdiensten, durch die Ostblock-Spione in westdeutscher Politik und Verwaltung enttarnt wurden. Gehlen beauftragte seinen Vertrauten Wolfgang Langkau (anscheinend NS-unbelastet) als Verbindungsoffizier des BND für den Kontakt mit den Israelis. Auf israelischer Seite war der Mossad-Resident in Paris, Shlomo Cohen, für den Kontakt zum BND verantwortlich; dieser verstand sich auf Operationen “unter falscher Flagge”, etwa Personen (z.B. arabische Diplomaten in Bonn) für eine nachrichtendienstliche Arbeit (Geheimnis-Verrat) anzuwerben, sie jedoch dabei im Glauben zu lassen, sie arbeiteten für ein anderes Land. Langkau entwickelte auch gute persönliche Beziehungen zu Harels Nachfolger Meir Amit (Slutsky), der sich damit rühmte, die Heere Ägyptens, Syriens, Iraks, mit seinen Informanten infiltriert zu haben. Im Winter 1960/61 kam es dann zum ersten Besuch Harels im BND-Hauptquartier in der “Doktor-Villa” in der ehemaligen “Rudolf-Heß-Siedlung” an der Heilmannstraße in Pullach, wo einst Hitlers Parteikanzleichef Martin Bormann residierte. Der Besuch war der offizielle Beginn einer kurz zuvor begonnenen geheimdienstlichen und militärischen Kooperation zwischen Deutschland und Israel, die damals trotz des Wiedergutmachungsabkommens von 1952 noch keine offiziellen Beziehungen unterhielten. Gehlen bot dem Mossad, der im BND-Jargon den Decknamen “Blaumeise” bekam, unter anderem operative Freiheit auf deutschem Boden.

Selbst ehemalige Nazis wie Otto Skorzeny, Hitlers Offizier für besondere Operationen, Befreier Mussolinis und später mutmaßlicher Kopf der Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen (ODESSA), wurde vom Mossad eingespannt, mit oder ohne Mitwirkung des BND. Nach seinem Ausbruch aus einem deutschen Gefängnis in der Nachkriegszeit war Skorzeny ins franquistische Spanien geflüchtet. Dort konnte er ungestört Kontakte zu ehemaligen Größen der NS-Zeit wie Léon Degrelle aufrechterhalten und als Waffenhändler und Vermittler von Söldnern (unter anderem nach Südafrika) sein Geld verdienen. Ab 1953 fungierte er unter anderem als Berater des argentinischen Präsidenten Juan Perón und des ägyptischen Staatschefs Gamal Abdel Nasser, für den er militärische Aktionen gegen die Briten in der Suezkanal-Zone und Israel vorbereitete. Skorzeny wechselte dann die Seite und arbeitete mit dem Mossad gegen seinen vormaligen Arbeitgeber zusammen, lieferte Informationen über die deutschen Raketenwissenschafter in Ägypten sowie über ehemalige Nazis – um zu erreichen dass Wiesenthal ihn von der Liste der gesuchten Nazi-Verbrecher strich, was nach der Entführung Adolf Eichmanns (den CIA und BND lange deckten) 1960 auch eine Art von pragmatischem Deal war (darüber schrieb Tom Segev in seiner Simon Wiesenthal-Biografie).

Reste von SS-Divisionen und Wehrmachts-Einheiten mit Moslems aus der Sowjetunion waren Grundlage für eine Moschee in München und gewissermaßen den Islam in Nachkriegs-Deutschland; der eigentliche Beginn ist aber eher mit der Verpflichtung türkischer Gastarbeiter anzusetzen. Diese Moschee und der damit verbundene Said Ramadan, eine Führungsfigur der ägyptischen Moslembrüder, von Nasser aus Ägypten ausgewiesen, wurden im Kalten Krieg von den USA (CIA, Radio Liberty/Free Europe,…) unterstützt. Als das USA-Interesse nachliess, nahmen sich Islamisten von anderswo und Ghadaffi der Moschee an. Gerhard von Mende, in der NS-Besatzung der Sowjetunion u.a. für den Kontakt zu dortigen Moslems zuständig, war auch in der BRD als Forscher und für staatliche Stellen tätig, nun im Zusammenhang Kalter Krieg/Antikommunismus, u.a. war er mit dieser Gemeinschaft von Moslems aus der Sowjetunion im Umfeld der Münchner Moschee befasst. Zu dieser Moschee erschienen Bücher von Ian Johnson (“Die vierte Moschee”), er scheint die Sache halbwegs unvoreingenommen/untendenziös zu behandeln und Stefan Meining (der auch eine TV-Doku dazu gestaltete), „Zwischen Halbmond und Hakenkreuz“, seine Sachlichkeit scheint eher in Frage zu stehen.

Die USA versuchten im Safehaven-Abkommen Anderen, hier v.a. Lateinamerikanern, die Beschäftigung von im NS tätigen deutschen Wissenschaftern zu untersagen – sie spannten aber die meisten Ex-Nazis ein. Manche amerikanische Konzerne haben sogar schon am Aufstieg Hitlers mitgewirkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand schnell eine Konkurrenz zwischen den Alliierten im Hinblick auf Hinterlassenschaften des “3. Reichs”. Die V2-Rakete (in Nazi-Deutschland unter Einspannung von Zwangsarbeitern entwickelt und auch eingesetzt), war das interessanteste Rüstungsgut der Deutschen. Interessant als Reparationsleistung, als vorbeugende Abrüstung, vor allem aber zur Verkürzung eigener Entwicklungsarbeit; die USA hatten ja die Atombombe, aber kein Raketensystem, um sie zu schicken. Die V2-Leute um von Braun, Dornberger, Rudolph, Debus verliessen Nordhausen am Kriegsende und stellten sich in Bayern den USA (zur Verfügung) – der (west)deutsche “Frontwechsel” nach dem Krieg bzw. die amerikanische Wiederverwendung im Kleinen. Im Rahmen von “Overcast”, “Paperclip” und Nachfolge-Programmen wurden sie und andere Wissenschafter und Techniker des 3. Reichs in die USA gebracht (insgesamt etwa 4000 inkl. Familien bis in die 50er, die meisten blieben). Die USA transportierten auch, im Wettlauf mit der SU, die diese Zone zugesprochen bekam, Raketenteile und Dokumente aus Nordhausen ab. Das V2-Team arbeitete in den USA erfolgreich an militärischen Raketen mit, am Weltraumprogramm und dann oft noch in der Privatwirtschaft. Arthur Rudolph war der seltene Fall einer Verstossung nach erfolgter Beschäftigung, die Betreffenden hatten ja nun intime Kenntnisse von amerikanischer Rüstungsproduktion und/oder dem Weltraumprogramm. Oder Hubertus Strughold. Auch er konnte in den USA unbehelligt Karriere machen (Weltraummediziner für die NASA) obwohl er im nationalsozialistischen Deutschland als führender Luftfahrtmediziner in Menschenversuche verwickelt war, er entkam so einer Anklage im Nürnberger Ärzteprozess. Unter den deutschen Raketenwissenschafter in Ägypten waren auch im NS aktive, die dazwischen am französischen Raketenprogramm gearbeitet hatten, in die USA gingen aber die namhafteren.

Oder Otto von Bolschwing, ein Adjutant Adolf Eichmanns, der sofort nach Kriegende die Seite wechselte und in Österreich für die CIA arbeitete. 1954 durfte er in die USA einreisen, wurde fünf Jahre später US-Staatsbürger und begann eine Karriere als erfolgreicher Geschäftsmann. Mit der Festnahme Eichmanns 1960 fürchtete er, seine wahre Vergangenheit könnte auffliegen. Das dauerte aber: Während man in der CIA laut dem Bericht debattierte, ob man bei Bekanntwerden alles leugnen oder sich auf die Umstände ausreden sollte, kam das US-Justizministerium Bolschwing erst 1979 auf die Schliche. 1981 sollte er ausgewiesen werden, starb aber noch im selben Jahr. Die USA interessierten sich für die Frage der Verantwortung für die Gräuel in Peenemünde, Nordhausen und anderswo von für sie strategisch Wichtigen bestenfalls am Rande (Widerstand gegen die Verpflichtungen gab es zeitweise im Aussen- und Justizministerium). Während etwa Speer im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess v.a. wegen seiner Verantwortung für den Zwangsarbeiter-Einsatz verurteilt wurde, bekamen dafür direkt Verantwortliche wie Dornberger Arbeitsverträge in den USA. Auch manche Kollaborateure gingen in die USA, siehe John Demjanjuk.

Die USA arbeiteten bald nach dem Krieg mit dem Franco-Regime in Spanien zusammen, das wenige Jahre zuvor 18 000 Spanier als „Blaue Division“ an die Seite Nazi-Deutschlands in den Krieg geschickt und Hitler Wolfram geliefert hatte, von diesem bei seiner Machtergreifung (im Bürgerkrieg) unterstützt worden war. Die Nr. 2 des Regimes, Carrero, hat sich einen Tag vor seiner Ermordung mit Kissinger zu einem Gespräch (über die Ölkrise) getroffen. Hingewiesen sei hier auf den Dokumentationsfilm „Dienstbereit“ über Nazis und Faschisten im Dienst der CIA im Kalten Krieg, von D. Pohlmann.

Analyse

Mit der vorgeblich geschichtsbewussten These, die “Feinde” Israels seien die Nachfolger der Nationalsozialisten, werden lästige Hindernisse einer bedingungslosen und militanten Parteinahme für Israel beseitigt und wird dessen Politik legitimiert. Beunruhigend erscheint, dass gerade diejenigen, die sich die Aufarbeitung der eigenen Geschichte zum Ziel gesetzt hatten, nicht bemerken (oder kein Problem damit haben), dass sie den Nahen Osten als Entsorgungsfeld für eben diese Geschichte missbrauchen. Die Wahrheit ist, Asiaten und Afrikaner (moslemische und andere) haben für den weissen Mann Kriege bestritten (ja, auch die “Weltkriege” waren Kriege der Weissen), nicht nur im 20. Jahrhundert, und davon gilt es, abzulenken.

In Nord-Aserbeidschan etwa, nach der Abtrennung von Persien Anfang des 19. Jahrhunderts unter russischer Herrschaft, wurden nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im 2. Weltkrieg Soldaten für die Rote Armee rekrutiert und eingesetzt. Nazi-Deutschland hat aus einem Teil jener, die in seine Kriegsgefangenschaft gerieten, wie auch im Fall anderer nicht-russischer Nationalitäten in der SU, Einheiten gebildet, die nun für sie kämpfen sollten; Freiwillige dürfte es hier nicht gegeben haben, zumal es NS-Deutschland nicht gelang, in diese SU-Republik vorzudringen. Es gab keine rein aserbeidschanischen Einheiten, sie wurden mit anderen Kaukasiern/Türken/Moslems zusammengespannt, unter deutschen Offizieren, in der “Ostmuselmanischen”/ “Osttürkischen” SS, in den “Turkestan”-, “Bergmann”- und “Kaukasus”-Wehrmachts-Einheiten. Fast 700 000 Aserbeidschaner (über 100 000 davon Frauen) kämpften für die Rote Armee, 250 000 wurden dabei getötet; 40 000 kämpften für das nationalsozialistische Deutsche Reich, wobei es, wie erwähnt, fraglich ist, ob hier eine Freiwilligkeit vorlag, und es hier Exekutionen wegen Befehlsverweigerungen sowie das Überlaufen zu Widerstandsbewegungen gab.

Es gab Araber/Moslems, die an der Seite der Alliierten gegen die Achse kämpften (v.a. mit Russen und Franzosen), Moslems die Juden im Holocaust halfen (etwa der marokkanische Sultan gegenüber dem Vichy-Regime, die damaligen Verantwortlichen der Moschee in Paris, die Zuflucht bot, der iranische Diplomat Abdol Hossein Sardari,…), Araber, die Opfer des Nationalsozialismus wurden; diese alle bekommen aber nie jene Aufmerksamkeit (zumal im deutschsprachigen Raum) wie jene, anhand derer man Schuld abzuwälzen versucht und heutige Politik rechtfertigen möchte. Wenn Satloff vom neokonservativ-rechtszionistischen WINEP einen aufwändigen Film über eine Suche nach einem arabischen “Gerechten unter den Völkern” macht, ist das noch eine relativ ausgewogene Behandlung des Themas, wenngleich natürlich auch hier der Ansatz, den Nahostkonflikt in den Holocaust mit seinen Opfer-/Täter-Rollen “einzubetten”, erkennbar ist.

Es gab Staaten/Völker/politische Organisationen, die Nazis während ihrer Macht oder danach halfen (auch die USA, die einige aufnahm), entweder weil man ideologische Gemeinsamkeiten sah oder aus pragmatischen Überlegungen – ohne dass entsprechende Rückschlüsse gezogen werden. Die „moslemischen“ SS-Divisionen waren auf deutsche Initiative hin entstanden, hatten deutsche Kommandanten, Deutsche waren unter den Mitgliedern, sie sollen aber nicht auf heutige Deutsche sondern heutige Moslems abfärben. Die Kollaboration von (20 000) “Kosaken” soll nichts über Russen und Ukrainer aussagen (oder über das orthodoxe Christentum, dem sie mehrheitlich angehörten), die von (ca. 10 000) “Ost-Türken” schon über sie bzw. ihre Religion; 40 000 Ungarn oder 60 000 Letten in SS-Einheiten sind, bekommt man den Eindruck, nichts gegen 20 000 Bosniaken (und andere Nationalitäten die in dieser Einheit dienten, siehe oben) oder 6 500 Albaner.

Natürlich hat das NS-Lebensborn-Projekt auch nur (helle) Nord- oder Osteuropäer(innen) eingeschlossen, nie Asiaten oder Afrikaner.

Johann von Leers, ein antijüdischer und antichristlicher Publizist im Nationalsozialismus, flüchtete nach dem Krieg zuerst in Perons Argentinien, dann nach Nassers Ägypten, wo er zum Islam konvertierte. Für jene, die mit der Konstruktion der Verbindung NS-Islam beschäftigt sind, wie Herf, ist er eine wichtige Ikone. Dabei würde (beispielsweise) die Karriere eines von Braun in USA mindestens genauso viel über beide Seiten aussagen, oder dass die USA allgemein deutschen Nazis willentlich Unterschlupf gewährt hat.

Die Sowjetunion war vom Nationalsozialismus und seinen Kriegen am stärksten getroffen und trug die Hauptlast am Sieg über ihn. Im Kalten Krieg wurden auf westlicher Seite Ex-Nazis wie auch faschistische Diktatoren wie Pinochet gegen die Nazi-Bezwinger eingesetzt. Gleichwohl setzten Rechtskonservative wie F.J. Strauss im Kalten Krieg den “Kommunismus” bzw. das, was sie darunter verstanden, auf eine Stufe mit dem Faschismus, und sich in Äquidistanz zu beiden.

Was dankbar angeprangert und verzerrt wird, sobald es in das betreffende Schema passt, darüber wird andernfalls (bzw. anderswo) gnädig (oder verschreckt) hinweggesehen. Hitler/NS-Begeisterung in Indien z.B., etwa beim kürzlich verstorbenen Hindu-Fundamentalisten Bal Thackeray, dem Gründer der “Shiv Sena”. Von den Küntzels werden auch die faschistischen Wurzeln der (maronitischen) Falange ausgeblendet oder dass die erste volle arabische Übersetzung der “Protokolle der Weisen von Zion” (Mu’amarat al al-Yahudiyya ‘ala-‘l-shu’ub) das Werk eines maronitischen Priesters aus dem Libanon, Anton Yamin, war (1925).

Hingewiesen sei hier auch auf den führenden SS-Ideologen Leopold von Mildenstein, Vorgänger Eichmanns als “Judenreferent” im RSHA, der die “Judenfrage” mit deren Auswanderung nach Palästina lösen wollte, und sich hier mit deutschen Zionisten (damals eine Minderheit unter deutschen Juden) traf. Er unternahm im Herbst 1933 eine mehrmonatige Palästinareise, zusammen mit dem führenden deutschen Zionisten Kurt Tuchler (ein Teilnehmer des 1. Weltkriegs und jüdischer Burschenschafter). Die Nazis liessen danach sogar eine Medaillie prägen, die Hakenkreuz und Davidstern auf den zwei Seiten zeigte. 1934 fand die Reise in einer enthusiastischen Artikelserie (“Ein Nazi in Palästina”) in Goebbels’ Zeitung “Der Angriff” ihren Niederschlag, deutsche Zionisten und Nazis waren voller Bewunderung für die zionistischen Siedler, fanden dass das Land den Juden gehörte und Juden dorthin gehörten, und sahen einen Wilden Orient in dem man mit grossem Besen durchkehren müsste. Der Zionismus war eben immer schon enger mit der westlichen Rechten verbunden als mit irgendwelchen anderen Kräften. Israel hat auch, wie erwähnt, mit dem von ehemaligen Nazis durchsetzten BND oder rechten Diktaturen wie jener in Chile eng zusammengearbeitet. Im Fall der Partnerschaft Israels mit Apartheid-Südafrika störte es auch nicht, dass dessen Premierminister aus der Nationalen Partei wie Verwoerd oder Vorster während des 2. Weltkriegs gegen die südafrikanische Unterstützung der Alliierten und die Aufnahme von Juden aus Europa agitiert hatten.

Dem de.wikipedia-Artikel über v. Mende kann man entnehmen wie die Sache insgesamt hingebogen wird von entsprechender Seite: Ein Benutzer „T.M.L.-KuTV“ schreibt dort von „Nazi-Moslems“ (mit Link zu „Islamfaschismus“-Artikel, wo dieser eigentlich nicht als Kollaboration sondern als Einschätzung von Islamismus definiert ist) und den „moslemischen Alliierten der Nazis“, löscht die Information über die ursprüngliche Kriegsgefangenschaft dieser SU-Moslems mit fadenscheinigen „Begründungen“, beschreibt den „Sonderverband Bergmann“ als Truppe “moslemischer Soldaten der Wehrmacht” (solchen ist übrigens zuzutrauen, dass sie aus Unwissen bzw. Ignoranz auch christliche Kaukasier wie Georgier zu „Moslems“ zählen und nicht gegen besseres Wissen), verschweigt Mendes Engagement für Ukrainer und andere SU-Völker, usw. Nach dem von diesen Kreisen verbreiteten Paradigma „Moslems und Nazis haben sich gefunden weil sie einander ähnlich sind“ müsste die Tatsache dass die USA (die Guten also) nach dem Krieg ebenfalls diese Moslems aus der SU einspannte, ja entweder etwas gutes über diese Tataren und andere oder etwas schlechtes über die Amerikaner aussagen, was aber beides nicht sein darf. Aus diesem Dilemma versuchen er und seine “Zuarbeiter” herauskommen indem sie schreiben, dass nicht alle von ihnen Kollabos waren, dass die USA nur Einfluss über sie wollten (aha) und die BRD bzw. alte Nazi-Seilschaften ebenfalls, und -nicht zuletzt- dass sich die Moslems geschickt gegenüber den Amerikanern tarnten. Man könnte noch lange fortfahren, die ganzen tendenziösen Bearbeitungen in diesem und anderen Artikeln aufzuzeigen. Jemand hat im Zusammenhang mit der Politisierung der Wikipedia darauf hingewiesen, dass der Artikel über den al Dura-Vorfall in der englischen Wiki fast doppelt so lang ist wie der über den Krieg 1948 um Palästina dort. Der Artikel „Relations between Nazi Germany and the Arab World“ ist an sich ein Produkt der Bemühungen, Wikipedia für Propaganda zu benützen.

Rassismus und Diffamierung/Dämonisierung über angebliche NS-Verwicklung (nicht zuletzt, um die eigene zu verstecken) ist gar nicht so ungewöhnlich. Im Roman „Die Insel der Abenteuer“ von Enid Blyton (Original „The Island of Adventure“) gibt es einen schwarzen Diener namens Jo-Jo, der als Feind der Briten dargestellt wird. Er ist ein Spion für die Nazis und grausam zu Kindern… Mehr zu Blyton aus Wikipedia: Blytons Erzählungen enthalten teilweise zeitbedingten versteckten bis offensichtlichen Rassismus, besonders in der Noddy-Serie, in der die dunkelhäutigen „Golliwogs“ („Golliwogs“ sind traditionelle „Negerpuppen“, die Minstrel-Musiker darstellen, zudem ist „Golliwog“ in Großbritannien ein Schimpfwort für Schwarze) oft Unsinn anstellen und den anderen Spielzeugpuppen geistig unterlegen sind. Die heutigen Noddy-Ausgaben erscheinen daher in einer bearbeiteten Fassung, in der die Golliwogs sympathischer dargestellt werden.

In “Icon of Evil. Hitler’s Mufti and the Rise of Radical Islam” von David G. Dalin (einem amerikanischen Rabbiner und Historiker), John Rothmann und Alan Dershowitz (2008) geht es einmal mehr um den Mufti Husseini, und der Titel sagt schon, wofür ihn die Autoren brauchen. Die Aussage in einem Satz: Der Geist des Nationalsozialismus ist über Husseini, der in Hitlers innerem Kreis gewesen sei, in die islamische Welt hineingetragen worden, wo er durch Arafat oder Ahmadinejad weiterleb(t)e. Lob von B. Morris bestätigt den Charakter des Buchs mit seinen verfälschten Geschichtsbildern. Tom Segev schrieb in der “New York Times” eine Kritik.

Annette Herskovits tritt in diesem Artikel den von proisraelischen Ideologen verbreiteten Mythen entgegen, stellt diese in den Zusammenhang von “moralischen” Rechtfertigungen, die Eroberer anderer Länder in die Welt setzen. Vertreibungen und Enteignungen von Palästinensern, die bis heute andauern, so Herskovits, verlangen nach Dekonstruktion der Beziehung von Land und Einwohnern, sowie der Neu-Produktion moralisch erscheinender Rechtfertigungen. Vor diesem Hintergrund würden Leute wie Alan Dershowitz die spärliche Zusammenarbeit von Arabern und Moslems mit Nazis ausschlachten um sie im “Nahostkonflikt” als Erben des Nazismus zeichnen, darauf erpicht, Juden auszurotten, und diese darin als unschuldige Opfer.

Ein aktuelles Buch von Gilbert Achcar, “Die Araber und der Holocaust. Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen”, entlarvt zahlreiche pseudo-wissenschaftliche Arbeiten zum Thema und stellt arabische Haltungen zum Holocaust und den Juden in ihren angemessenen historischen und intellektuellen Kontext, wie der israelische Historiker Avi Shlaim urteilte. Das Buch zeigt, wie die “Nazifizierung” der Araber/Moslems mit dem Mufti von Jerusalem im Mittelpunkt (der gerne als repräsentativ für Palästina in jener Zeit dargestellt wird, obwohl seine Rolle hauptsächlich darin bestand, Moslems vom Balkan oder der damaligen Sowjetunion von einer Kollaboration zu überzeugen) funktioniert. Pipes’ “Campus Watch” hat umgehend eine Hetzkampagne gegen Achcar gestartet.

“Confronting fascism in Egypt: dictatorship versus democracy in the 1930s” von Jankowski/Gershoni ist ebenfalls eine sachliche Behandlung des Themas europäischer Faschismus im islamischen Raum.

Der deutsche Historiker René Wildangel hat in einer Studie, “Zwischen Achse und Mandatsmacht”, Palästina zur Zeit des Nationalsozialismus’ in Deutschland und in Bezug dazu, untersucht, u.a. anhand damaliger palästinensischer Zeitungen (anstatt nur anhand deutscher Geheimdienstberichte oder Nazi-Radioprogramme). Die Person Hitler, so Wildangel, seine Wirkung auf die Massen, die nationale Begeisterung, faszinierte durchaus (wie auch andernorts). Auch manche NS-Parolen seien in Palästina positiv aufgenommen worden, meistens allerdings weniger aus einer grundsätzlichen antijüdischen Haltung heraus, wie oft unterstellt, sondern getreu dem Motto “Der Feind meines Feindes ist mein Freund” (Peres und seine “Begründung” zur engen, auch nuklearen, Zusammenarbeit mit Apartheid-Südafrika lässt grüssen). Die Palästinenser kollektiv als Anhänger des Nazi-Regimes darzustellen, sei vor allem der politischen Entwicklung nach 1945 geschuldet.

Richard Wolin argumentiert in einem Artikel in “The Chronicle” aus 2009, Autoren wie Herf würden ein Amalgam aus einander widersprechenden Phänomenen konstruieren. Etwa aus den ägyptischen Muslimbrüdern unter Sayyid Qutb und der Regierung von Nasser, die sich eng an die SU anlehnte, anti-religiös war, Qutb hinrichten und die Moslembrüder verfolgen liess. Auch die USA hätten ehemalige Nazis weiter beschäftigt (eigentlich viel mehr und viel “wichtigere” als Nasser oder jeder andere arabische Herrscher), ohne dass sie allein dadurch faschistisch geworden sei. Der Islamismus, so Wolin, ist von realen Ereignissen in diesem Raum (als es gegen die kommunistische Regierung in Afghanistan ging, wurden Islamisten wie Bin Laden auch noch von den USA unterstützt…) und vom wahabitischen Saudi-Arabien geprägt worden, nicht von Ideen und der Propaganda durch Nazis und einzelnen Muftis und Imamen oder einer “Mufti-Gailani-Leers-Linie”, wie Herf behauptet. Nur in Qutb’s Spätschriften, insbesondere “Our struggle with the jews”, finde sich eine deutlich “islam-faschistische“ Verbindung, die dann von al-Qaida und anderen Salafiten aufgenommen wurde. Das Fortleben “nazistischer” Ideen in “Arabien” nach 1945 sei eng begrenzt gewesen.

Von Peter Wien, Gerhard Höpp und René Wildangel erschien 2004 “Blind für die Geschichte? Arabische Begegnungen mit dem Nationalsozialismus”, ein Sammelband des Zentrums Moderner Orient (ZMO). Darin wird das oft vereinfacht dargestellte Verhältnis arabischer Menschen, Regierungen oder Medien zum europäischen, besonders deutschen, Faschismus untersucht, auch auf die aktuelle Instrumentalisierung historischer Erfahrungen in der palästinensisch-israelischen Auseinandersetzung eingegangen. Der israelische Historiker Israel Gershoni untersucht in seinem Beitrag die Situation in Ägypten zu Beginn der 1930er, weist darauf hin, dass insbesondere die auflagenstarke Zeitschrift “Al-Hilal”, ein Organ der Intellektuellen und städtischen gebildeten Mittelschicht, schon früh und äusserst besorgt von den totalitären Strukturen und der rassistischen Hetze in Deutschland unter dem NS berichtete und diese ablehnte. Auch in Palästina gab es nazikritische Haltungen. Gerhard Höpp belegt in seiner Untersuchung detailgenau, dass in den Lagern der Nazis auch Araber gefangen und getötet wurden. Von der rassistischen Behandlung in deutschen Kriegsgefangenenlagern konnten auch die maghrebinischen Soldaten berichten, die in der französischen Armee gekämpft hatten und in Gefangenschaft geraten waren. Die Arbeit von Götz Nordbruch behandelt aktuellen Debatten zum Nationalsozialismus in Ägypten.

Die heutige “Judenfeindschaft” im “Orient”, inklusive jene unter Palästinensern, wird auch gerne mit der behaupteten “Verbindung” zu erklären versucht, als ob die Kinder in den palästinensischen Gebieten nicht von einer brutalen Besatzung, von der israelischen Armee, einem Staat, der darauf besteht, als “jüdisch” anerkannt zu werden, und seinen Siedlern, die die Bevölkerung in Hebron und anderen Orten terrorisieren, erzogen werden würden. Es ist einfacher, Palästinenser als Nachfolger/Agenten der Nazis zu denunzieren, als auf die wirklichen Gründe ihres Widerstands einzugehen. Rassismus in Israel, in der Presse, vor allem in “Yedioth Ahronoth”, aber auch von Politikern und Rabbinern, wird in der Regel ausgeblendet, zum Tabu gemacht – von “Memri”, das den Anspruch erhebt, die Medienlandschaft der Region repräsentativ wiederzugeben, aber nur “moslemische” Medien, Geistliche, Politiker, oft genug verzerrt, “wiedergibt”, sowieso. Der ägyptische Historiker Salah Issa schrieb zu den Vorwürfen des “Antisemitismus” in arabischen Medien, dass diese in einigen Fällen berechtigt seien, in Ägypten hätten sich einige Journalisten das ursprünglich europäische antijüdische Vokabular angewöhnt, ohne sich seiner historischen Dimension bewusst zu sein. Der Sache, der sie dienen wollten, nütze das nicht. Es sei dumm, Autoren wie Roger Garaudy und David Irving zu verteidigen, wenn man sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen wolle. Erst dadurch gebe man die Gelegenheit, die ägyptische Presse als “antijüdisch” an den Pranger zu stellen.