Antisemitismus (III) – Israel in seiner Region und in der Welt

Israel wäre nie ohne die helfende Hand des britischen Imperialismus entstanden, seine Entstehung stand im Kontext der westlichen (europäischen) Unterwerfung der Welt. Und, heute stützt es die westlichen Hegemonie ab, bekommt (dafür) grosse westliche Unterstützung, hauptsächlich natürlich von der USA. Israel und seine Anhänger gefallen sich in ihrer „Die ganze Welt ist gegen uns“-Attitüde, zelebrieren sie, biegen die Realität dahin gehend um. Der Zionismus grenzte sich immer ab von der Region, in der der Judenstaat entstehen sollte, war bezüglich der “Eingeborenen” nicht an Gleichwertigkeit und Austausch interessiert, was seinen kolonialen Charakter unterstreicht. Und, er war auf Vertreibungen der ansässigen Palästinenser ausgerichtet. Diese begannen mit dem UN-Teilungsvorschlag vom November 47 in grossem Maß (missachteten diese Teilungspläne…) und gingen bis zum Waffenstillstand Mitte 49. 1967 wurde der Rest Palästinas erobert. Sich heute von der Siedlungspolitik in den 67 eroberten Gebieten abzugrenzen1, ist gleichzeitig eine Entschuldigung für die Nakba und die Diskriminierung der Palästinenser in den Gebieten die schon vor den Eroberungen 67 von “Israel” beherrscht wurden.

Zionismus, das ist im Grunde die Ideologie und Praxis der Siedlerbewegung…2 Bei Widerstand im Westjordanland lässt Netanyahu tausende Siedlerwohnungen in diesem Palästinensergebiet „legalisieren“. Israel basiert auf der Vertreibung und Unterwerfung der Palästinenser, der wiederum die Verachtung für diese zu Grunde liegt.3 Der jüdische Nationalfonds JNF/KKL begann im frühen 20. Jh damit, Palästina zu kolonisieren (und tut das noch immer). Der JNF hat nach der Nakba “gesäuberte” palästinensische Dörfer aufgeforstet, um im wahrsten Sinne des Wortes Gras (und Anderes) über die Vorbewohner bzw das Geschehene wachsen zu lassen, und um dem Land eine europäischere Vegetation zu geben… Er versucht seit einigen Jahren, sein Image aufzubessern, hauptsächlich mit einer “Umweltschutz”-Rhetorik. Vor einigen Jahren eine KKL-Veranstaltung in Wien, mit Muzicant, dem israelischen Botschafter,… Dazu ein Jubelbericht von Sylvia M. Steinitz im „Kurier“.

Noch hat Israel von den 1967 besetzten Gebieten “nur” den syrischen Golan/Jawlan sowie Ost-Jerusalem annektiert, aber es wird andauernd von Annexionen von Teilen des Westjordanlandes (oder des ganzen) geredet. Die “Zusiedlung” des Westjordanlandes zeigt klar, dass man den Palästinensern nicht viel lassen will; selbst wenn man ihnen eines Tages eine Art Unabhängigkeit zugestehen sollte. Und in den Gebieten, die Israel “ganz” einkassiert, werden Palästinenser einen Status haben, ähnlich dem den sie jetzt schon haben. Ihre Bürger- und Freiheitsrechte sind “Sicherheits”-Interessen Israels untergeordnet; wobei hier der Willkür ein weites Spielfeld geöffnet ist. Egal ob es um die Konfiszierung von Boden für neue israelisch-jüdische Siedlungen geht oder um Verhaftungen und Internierungen. Die alarmistischen “Antisemitismus”-Befunde Europa betreffend haben ja auch den Zweck, von solchen Zuständen abzulenken, sie zu relativieren, ihre Thematisierung zu diffamieren.

Was im Zionismus immer schon zentral war, ist Geschichstpolitik. Wenn Netanyahu über die neuesten Enteignungen und Vertreibungen von Palästinensern in Jerusalem/Quds redet, dann sagt er zB “Jews built Jerusalem 3000 years ago and jews build it now“…Wenn er über seine Weigerung redet, gegen Siedlungen (in den palästinensischen Restgebieten im Westjordanland) vorzugehen, die selbst für israelische Massstäbe illegal sind, redet er davon, dass “die Tage an denen Juden entwurzelt wurden, hinter uns liegen, nicht vor uns”…Und natürlich: die “Sicherheit Israels”, bei der man “keine Kompromisse” machen würde, auch so ein scheinbar unschlagbares “Argument”, aus dem heraus man so ziemlich Alles argumentieren kann (nicht zuletzt schwerste Menschenrechts-Verletzungen, bezüglich Nicht-Juden). Diese Geschichtspolitik beginnt natürlich mit religiösen Mythen, die mit geschichtlichen Fakten vermischt werden. Bei der “Rückkehr” in’s “Land” im 19. Jh4 wartete dann eine menschenleere Wüste darauf, besiedelt zu werden.

Die Palästinenser wurden oft genug als Teil der harten Landesnatur dar gestellt bzw aufgefasst, die es zu bezwingen galt. Es erinnert an deutsche Kolonialrevisionisten, die in der Zwischenkriegszeit um eine Rückgewinnung der verlorenen deutschen Schutzgebiete bemüht waren, zB Bernhard Voigt. Der stellte in einer Kolonialapologetik das Land auf dem Windhuk (Windhoek) entstand, als herrenlos dar, das erst durch das von Deutschen Geschaffene Eingeborene (v.a. Herero) angezogen hätte (diese stellte er als habgierig, neidig, in jeder Hinsicht inkompetent dar). Auch dort der Pioniermythos… Die Gegenwehr der Palästinenser gegen ihre Verdrängung ab den 1920ern wird als Ausdruck von Fanatismus und Antisemitismus dargestellt, während die jüdischen Einwanderer ja nur friedlich aufbauen wollten. Auch hinsichtlich der strategischen Interessen, der Kräfteverhältnisse und der Begleitumstände des israelisch-arabischen Kriegs und der palästinensischen Vertreibung und Flucht 1948, wird die Geschichte verfälscht. Und natürlich blieben die Palästinenser blutrünstige Terroristen, gegen die sich die Israelis verteidigen mussten und müssen. Die Schaffung eines universellen Feindbildes kann Staaten/Gesellschaften als politisches Bindemittel dienen.

Da ja von Kolonialrhetorik bzw -mentalität schon die Rede war: Beim Artikel über Guam und damit in Zhg Stehendes stiess Tiara auf Schilderungen zu den dortigen Chamorros, in denen Vieles an die zionistische Rhetorik und Behandlung der Palästinenser erinnert: “Upon entering these spheres of influence Chamorros would find a place already waiting for them, an identity, a place in the world that defined them through racist assumptions…..lessons, declarations made by the naval government and its representatives, and that Chamorros were dirty, backwards, primitive, unable to take care of themselves, and needed America to save them…..They did not have representatives in the US Congress or any votes for president. They did not have the right to jury trials or to any judicial appeals process…..Older historical writings glorify this period as one of incredible advancement and progress, with America benevolently teaching Chamorros…..this sort of rhetoric is customary in the cases of all modern colonizers…..The taking over of another’s land, and the re-directing and dictating of their future are acts that require some justification in order to disguise what might otherwise be racist or violent interventions of control as necessary or benevolent acts…..This typical civilizing rhetoric in colonialism, whitewashes the crass and sometimes cruel interests of the colonizer, and makes it appear as if the colonized are the ones who need and who will truly benefit from the colonization of their lands. So, in the case of Guam, the purpose of the US in being there has nothing to do with controlling the island by turning it into a key military outpost. The colonizing rhetoric masks the underlying racist, militaristic and imperial intentions…..’Civilizing’ the natives…..Chamorros (were) trapped between the promises of American democracy and liberty and the incessant demands of American military and national security interests…..Chamorros who chose assimilation accepted the new colonial order. They embraced the rhetoric of the Chamorro denigration and thus saw the purpose of the Chamorro during this era was to do whatever the US asked of them and to find whatever ways they could follow America’s example5…..Despite the haphazard efforts of the US Navy, Chamorros did not truly accept the rhetoric that they were dependent upon the US or that they merely existed to give up everything and follow America6…..not just proselytized about America’s greatness, but also instructed in Chamorro inferiority, dependence, or even non-existence as a people…..This order implicitly and explicitly argued that Chamorros were nothing, other than an obstruction, an obstacle that stubbornly prevented the progress that America was working to bring to the island. Therefore, as the navy positioned itself as a civilizing teacher to Chamorros, it crammed its spheres of influences with ‘lessons’ on American greatness and Chamorro inferiority…..”

Und, in einer (Germanistik-?)Dissertation an der Universität Stuttgart aus 2003, “Die postkoloniale deutsche Literatur in Namibia (1920 – 2000)”, von Thomas Keil, fand sich auch einiges hierfür Relevante: “Während der Nationalsozialismus den von ihm geforderten Lebensraum durch gezielte Ausrottung der Eingeborenen gewinnen wollte, beharrte der Kolonialismus auf der Führungsrolle der Weißen gegenüber der Eingeborenenbevölkerung, so daß ein Zusammenleben, wenn auch unter rassistischen Vorzeichen, vorgezogen wurde…kulturalistische und rassistische Unterscheidungsmerkmale, die einzig und allein zur Legitimation der Kolonisation gedient hätten…die wissenschaftliche Erforschung des Landes primär der wirtschaftlichen Nutzbarmachung diente und selten aus rein wissenschaftlichem Selbstzweck erfolgte. Ferner ist noch bemerkenswert, daß die Eingeborenen und ihre Kultur von der Wissenschaft als Teil des südwestafrikanischen Naturraums betrachtet wurden, so daß sich auch einige der Naturforscher dazu berufen fühlten, ethnologische und kulturwissenschaftliche Studien im Rahmen ihrer naturkundlichen Forschungen zu betreiben…Die Kriegshandlungen der Herero gelten als Vernichtungskampf gegen die moderne Zivilisation. Damit werden sie als ein Beweis für die angebliche Primitivität und Zivilisationsfeindlichkeit der Eingeborenen angeführt…’Über ein Jahr dauerte die Verhetzung der Kaffern; dann kamen die Eingeborenen wieder zur Vernunft. Sie vermißten die gewissenhafte Fürsorge der deutschen Regierung und erkannten nun, in welch üble Lage sie die englischen Lügen gebracht hatten.’…Die ‘Eingeborenen’, über die man anfangs ebenso wenig wusste wie über das Territorium, wurden als ‘Eigentümer’ ihres Landes bestenfalls gering geschätzt. Die Behauptung, dass sie aus den ihnen anvertrauten Räumen und Ressourcen nichts machten, was auch nur entfernt an die produktive Arbeit und Wertschöpfung der Europäer erinnerte, schien Grund genug, sie zu enteignen. Gegen die meist unfairen und oft gewaltsamen Methoden der Kolonisatoren, sie zurückzudrängen und ihrer Lebensgrundlagen zu berauben, hatten die Afrikaner allen Grund, Widerstand zu leisten. Er war jedoch gegenüber den sehr ‘ehrpussligen’ Deutschen meist zwecklos, denn er wurde mit ungleichen Waffen geführt…”

Keil über die Kolonialrevisionisten (die hauptsächlich in der Weimarer Republik aktiv waren): “Die kolonialen Gewaltverhältnisse thematisierten sie nicht, und die Opferzahlen der Kolonisierten relativierten sie in Vergleichen mit anderen europäischen Kolonialmächten. Die KolonialrevisionistInnen versuchten, dem von den Siegermächten erhobenen Vorwurf der verfehlten Kolonialpolitik, den sie selbst als ‘koloniale Schuldlüge’ betitelten, damit zu begegnen, dass sie die vermeintlichen kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leistungen des deutschen Kolonialismus betonten. Die Kolonisierten stellten sie als ihre Hilfe benötigende ‘treue Eingeborene’ dar.”7 Seine Einschätzung über Hans-Otto Meissner (der sich nach dem 2. WK mit Südwestafrika/Namibia befasste) erinnert an Israel-Apologeten: “Es wird zwar der Eindruck erweckt, daß Meissner beiden Seiten Gehör verschaffe und die Standpunkte gegeneinander abwägen würde, tatsächlich bezieht er sich aber lediglich auf den Standpunkt der Weißen. So zum Beispiel, wenn er auf die Erfahrung der Buren im Umgang mit den Farbigen verweist. Diese diskriminierende Einschätzung entspricht ganz dem reaktionären Weltbild des Autors, der sich auf die angeblich natürliche Überlegenheit der weißen Rasse begründet. Im Hintergrund steht dann der koloniale Erziehungsgedanke, der den Schwarzen die Selbstbestimmung verwehrt. Sie werden auch weiterhin bevormundet, indem man ihnen politische Unreife und Unmündigkeit unterstellt. Doch die Reservate, die den Schwarzen zugewiesen wurden, sind keineswegs Gebiete der Selbstbestimmung. Es sind weitgehend unterentwickelte Gebiete, während sich die Weißen die wertvollen Gebiete selbst gesichert haben. Trotz der unübersehbaren Entrechtung der farbigen Bevölkerungsmehrheit stellt Meissner die Praxis der Apartheid so dar, daß der Eindruck entstehen muß, Südafrika betreibe eine fürsorgliche Politik. Verdeckt wird allerdings der Tatbestand, daß einer schwarzen Bevölkerungsmehrheit die politische Mitbestimmung und soziale Gleichstellung verweigert wird. Wenn die südafrikanische Regierung für die Schwarzen Siedlungen errichten läßt, geschieht das keineswegs aus fürsorglichen Motiven heraus, sondern um die politische Kontrolle auszuüben…Er beruft sich auf die Verantwortung der Weißen für den Frieden und schreckt mit der Aussicht auf einen permanenten Bürgerkrieg, der durch den bestehenden Tribalismus ausgelöst würde…Konflikte und Brüche innerhalb der weißen Bevölkerungsgruppe verschweigt er…Alle Regeln des täglichen Lebens werden von den Weißen gemacht. Schwarze erscheinen dagegen als politischer Gegenstand, nicht aber als selbstbestimmte Menschen, die über ihr Schicksal frei entscheiden können. Meissner übergeht dieses politische Defizit, indem er behauptet, den Schwarzen gehe es relativ gut.”8

Die “Eingeborenen” (Landesbewohner) werden von den Kolonialisten als “feindselig” gesehen, als Leute, die „miserabel wirtschaften”, sich nicht fügen; man kann nicht nachvollziehen, dass diese über einen anderen kollektiven Erfahrungshorizont verfügen als man selbst (die Zivilisierten). Es gibt in der Unterwerferrhetorik das Gerede vom „Befreien“9, vom „Segen“ den ihre Herrschaft darstelle. Den Unterworfenen wird nicht nur Zivilisiertheit und Reife abgesprochen, sondern auch ihre Geschichte… Sie werden als “Barbaren” (entspricht den “Untermenschen”) gesehen bzw gezeichnet, als unberechenbare, triebgesteuerte Wilde. Zum Beispiel die Palästinenser bzw Araber im zionistischen politischen Diskurs, im Privaten, in künstlerischen Darstellungen. Nach dem Motto “Wir säen, sie entwurzeln, wie bauen, sie zerstören,…”; und zu dieser Barbarei gehört natürlich ein “Antisemitismus” ab ovo (bzw mit der Muttermilch bzw der Babynahrung…).10

Das Dogma bzw der Bluff von Israel als der einzigen Demokratie in “seiner” Region… 100% des historischen Palästinas stehen de facto unter zionistischer Kontrolle, unter verschiedenen Formen der Herrschaft, werden Palästinenser gemäß dieser Verschiedenheiten unterschiedlich behandelt, aber überall krass benachteiligt. Der Gaza-Streifen wird belagert, Ost-Jerusalem wird als Teil des Israels behandelt, wie es 1948 bis 1967 bestand, die Palästinenser in diesem völkerrechtlich überwiegend anerkannten Israel gelten als “israelische Araber”, jene im Westjordanland leben zT unter einer sehr schwachen Autonomieverwaltung, die vom israelischen Militär in eigentlich allen Bereichen “aufgehoben” werden kann. Das israelische Militär (ZHL/IDF) tut das auf Anordnung der israelischen Politiker, die diese Palästinenser nicht wählen dürfen. An die 5 Millionen Palästinenser leben unter israelischer Militärverwaltung, direkt (Westjordanland) oder indirekt (Gaza). Jene politischen Kräfte im zionistischen Spektrum (also unter Jenen, die aktives und passives Wahlrecht in der Besatzungsmacht haben), die diesen Zustand von Grund auf in Frage stellen (und nicht bloss zum Zugeständnis von Erleichterungen bereit sind), sind eine kleine Minderheit, ragen geringfügig über das Bevölkerungssegment der israelischen Palästinenser hinaus.

Während es auch im jüdischen Bevölkerungssegment hierarchische Abstufungen gibt (und einige Gegenschwimmer), steht die nicht-jüdische Bevölkerung von Israel/Palästina (also überwiegendst Palästinenser, verschiedener Subgruppen) klar unterhalb der Juden. Israel ist bezüglich Juden demokratisch, bezüglich der Nicht-Juden nicht (auch wenn die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft etwas partizipieren dürfen). Wir sind wieder bei den Juden als Ethnie, um die sich im zionistisch-israelischen Zusammenhang alles dreht, wie in Teil I erwähnt. Und wir sind bei den Parallelen zum Apartheid-System in Südafrika; die Palästinenser haben nichts davon, dass Israel ein “bürgerlich-liberaler” Staat ist. Ihre Perspektive fehlt in der Regel bei den Einschätzungen zum System Israels, ihre Behandlung bzw ihr Status macht Israel zu einem der repressivsten Staaten der Region.11 Im Westjordanland (der Westbank) hat das israelische Militär die oberste Exekutivgewalt – für Palästinenser; für die jüdischen/israelischen Siedler dort gelten die Regeln/Gesetze der israelischen Demokratie. “Israel” ist also klar ein ethnisch abgestuftes System, eine Art Apartheid bzw Ethnokratie.

Eine “getrennte Entwicklung”, bei Erhaltung der Vormachtstellung der einen Ethnie. Mit dem Unterschied, dass Weisse in Südafrika immer eine Minderheit waren, Juden in Israel/Palästina durch gross angelegte Bevölkerungstransfers bzw auf “künstlichem” Weg zu einer knappen Mehrheit geworden sind.12 Wie einst in Südafrika wird das System mit “Sicherheits”-Überlegungen gerechtfertigt, wobei die “Sicherheits”-Lage erst durch dieses System (Unterdrückung grosser Bevölkerungsteile) zu Stande kam, und diesem wiederum eine rassistisch-kulturalistische Verachtung zu Grunde liegt, die auch hin und wieder an die Oberfläche kommt. Die Siedlungs-Politik wird gerne dargestellt als eine Art natürliche Ausbreitung “jüdischer Wohngegenden”, ist aber auf Verdrängung (der Palästinenser) angelegt, ist Teil des Besatzungs- und Apartheid-Regimes. Man kann es auch darauf herunterbrechen: Israel behandelt die Palästinenser, als ob Bürgerkrieg wäre, jegliche Gegenwehr wird aber wie gewöhnliche Kriminalität gg Zivilisten behandelt.

Die palästinensische Anwältin und Abgeordnete (zum Palästinensischen Legislativrat) Khalida Jarrar war 2015 gerade mit Vorarbeiten dazu beschäftigt, die palästinensische Sache zum Internationalen Strafgerichtshof zu bringen, als israelische Soldaten ihr Haus stürmten und sie mitnahmen. Unter Anderem um diese Vorgangsweisen ging/geht es in ihrer Eingabe – jemanden (palästinensischen) einfach so abführen und einsperren (noch dazu ein/e Abgeordnete/n), beliebig lange, in ihrem Fall war das ein Jahr, nur um bald darauf wieder eingesperrt zu werden. In der Nacht aufgeweckt und verhaftet werden, das gab es nicht nur unter Saddam im Irak, für Palästinenser unter Israel ist das alltäglich. “Administrativhaft” – ohne konkreten Grund, beliebig lange. In der deutschösterreichischen journalistischen Weichzeichnerei wird das ja ein wenig “verzerrt”. Zum Beispiel als “Reaktion” ausgelegt. Palästinenser leben natürlich mit dem Bewusstsein, beim “nächsten Mal” selbst Opfer der Repression zu werden. Und haben die Impertinenz, nicht zu kapitulieren.

Israels Bildungsminister Rafael Peretz (Habeit hayahud), ein Rabbiner13 vor einigen Monaten: “Ich will, dass die israelische Souveränität auf ganz ‘Judäa und Samaria’ (Westjordanland) ausgeweitet wird.“ Man wolle sich auch um die palästinensischen Einwohner kümmern, „aber sie werden keine politische Entscheidungsfähigkeit haben“, sollen kein Wahlrecht erhalten. Wäre keine so grosse Änderung bzw Verschlechterung mehr, Israel herrscht so seit über 50 Jahren über diese Palästinenser. Dieser Peretz sprach sich auch für “Konversionstherapien” für Homosexuelle aus. Der offen schwule Justizminister Amir Ohana (Likud)14 verurteilte diese Äusserungen. Netanyahu distanzierte sich von den Äusserungen des Bildungsministers in dieser Frage. Die israelische Rechte hat also auch inzwischen offen Homosexuelle, ist das Eine was man daraus folgern kann (wie die CDU), und Netanyahu sind schwule Juden immer noch lieber als heterosexuelle Palästinenser, das Andere. Oder auch, er ist so auf West-Anerkennung aus… Er hat übrigens vor Kurzem seine Pläne zur Annektierung israelischer Siedlungsgebiete im Westjordanland vorgestellt. „Ich werde nicht eine einzige Siedlung räumen. Und ich werde natürlich dafür sorgen, dass wir das Gebiet westlich des Jordans kontrollieren“

Amir Ohana, “Likud Pride”

Samuel Laster, ein im deutschen Sprachraum aktiver israelischer Lobbyist (mailt zB Beschwerden an unliebsame Medien), zu der (aufgebrachten) Gaza-Hilfsflotte: In Israel könne man für Alles demonstrieren, in Gaza nicht. Das stimmt nicht. Wenn Fischer vor Gaza in eine Zone hinausfahren, die ihnen eigentlich zusteht (um zu fischen), werden sie von der israelischen Marine beschossen, selbes passiert palästinensischen Bauern dort durch die israelische Armee wenn sie ihre Felder betreten wollen, die diese als Pufferzone oder Sperrgebiet deklariert hat. Man hat bei den Protesten der Palästinenser an der Grenze des Gaza-Streifens 2018/19 gesehen, wie schnell es bei Demonstrationen dort Tote gibt…durch Beschuss des israelischen Militärs (ZHL). Und bei Demonstrationen von “israelischen Arabern” wird schnell mit scharfer Munition geschossen von israelischen Staatsorganen. In Israel/Palästina können nur Juden für alles demonstrieren… Und immer wieder marschiert der rechte Pöbel durch palästinensische Wohngebiete (zB in Jerusalem), mit Fahnen und Sprechchören wie “Mavet le Aravim!” (“Tod den Arabern”).

Übrigens, der Zorn dieses Pöbels, wenn israelische(s) Militär/Polizei ihnen einmal Grenzen setzt, richtet sich in der Regel ebenfalls gegen die Palästinenser. Nachdem israelische Soldaten ein von israelischen Siedlern besetztes Haus in Hebron geräumt hatten, war es zu schweren Racheangriffen auf Palästinenser in der Stadt gekommen (30 Verletzte, fünf durch Schüsse). Aufmärsche oder Feiern der Siedler bedeuten für die Palästinenser in betreffenden Gegenden sehr oft Ausgangssperren; und selbst wenn es diese nicht gibt, bleiben Palästinenser dann lieber weg (bei solchen Nur-für-Juden-Paraden), aufgrund der Übergriffe der israelischen Siedler auf sie – gegen die die Soldaten wenig bis keinen Schutz bieten (bei Gegenwehr aber…). Jene, die im “Kastensystem” oben stehen und aufgrund ihrer (daraus resultierenden) ökonomischen Privilegien in wohlhabenden, geschlossenen Wohnanlagen leben, können es “sich leisten”, eine moralische Fassade “anzunehmen”, und ihre Verachtung ohne “blatanten” Rassismus oder “extremen” Nationalismus zu zeigen, beim Ausschluss der “Anderen” (also der Palästinenser). Das gilt auch für Jene in der “Diaspora”, zB in Österreich.

Zum Einen wird immer wieder vorgegeben, dass alle „emanzipativen“ Bestrebungen in dieser Region im Sinne Israels seien, eine Region die man aufklären müsse… zum Anderen heisst es dann, Saudi-Arabien (der rückständigste Staat der Region) und sein Wohl sei im Sinne Israels, und wenn sich die Ägypter für Demokratie erheben sei das eine Bedrohung. Israel hat in „seiner“ Region nie Demokratie gefördert, im Gegenteil, genau so wenig wie die USA (bzw der Westen) weltweit. Israel-Fans sehen echt emanzipative Bewegungen/Entwicklungen in “der Region” (Nordafrika bis Zentralasien) in der Regel mit Unbehagen/Missgunst. Israel (Netanyahu) protzt damit, dass es “sogar” verletzte Kämpfer des syrischen Bürgerkriegs “verarztet”; nun, Kämpfer der islamistischen Al-Nusra (Anti-Iran, aus dem al Qaida-Milieu) behandelt Israel besser als normale Palästinenser…15

2016 in Hebron die Exekution eines angeschossenen kampfunfähigen Palästinensers (der Soldaten mit einem Messer attackiert hatte) durch einen israelischen Sanitätssoldaten. Es folgten im IT und anderswo Anprangerungen und Bedrohungen des Zeugen, der vor Gericht gegen den Täter Elor Azaria aussagte, gegen den palästinensischen Schuster der die Sache filmte, auch gegen die Richter (wurden unter Anderem mit Hitler-Bärtchen dargestellt), Dann Einmischungen der Politik zugunsten einer Begnadigung des Mörders, von Netanyahu abwärts (mit gewohnter Rhetorik). Am Ende war Azaria etwa gleichlang im Gefängnis wie das Mädchen Ahed Tamimi, sie für einen “Schlag” gegen einen Besatzungssoldaten…gegen sie hetz(t)en israelische Politiker auch. Azaria ist für die meisten Israelis ein Held.16 Noam Shalit, der Vater des von Hamas-Kräften entführten Gilad, sagte in einem Fernsehinterview, er würde auch einen israelischen Soldaten entführen, wäre er ein Palästinenser. “Wir haben ja auch britische Soldaten entführt, als wir für unsere Freiheit kämpften”. Alles was Zionisten heute, bzw seit 48, bekämpfen, von illegaler Einwanderung bis Terrorismus, haben sie früher selbst praktiziert, zT auch danach.

Jene, die für Haganah, IZL oder LEHI nach dem 1. WK Anschläge verübten, wurden israelische Staats- oder Ministerpräsidenten oder anderwärtig Helden. Der niederländische Jude Jacob de Haan, ein Autor, war für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Juden und Arabern (daneben wahrscheinlich homosexuell), wurde deshalb 1924 von der Haganah (bzw ihrer Spezialeinsatzgruppe Palmach) ermordet17; der Mörder Tehomi/Zilberg wurde als “Held” verehrt. Er war einer jener, die die Gründung des (noch viel gewalttätigeren) IZL aus Haganah-Teilen initiierten, nach dem palästinensischen Aufstand 1929, mit dem Zwischenschritt Haganah Bet. Oder Meir Har-Zion (Horowitz)… Er war in den 1950ern in Scharons „Einheit 101“ aktiv, die viele Massaker verübte. 1954 (nach anderen Angaben 1955) waren seine Schwester und deren Partner im Gebiet des Toten Meeres auf jordanischem Territorium unterwegs, wurden dort von Beduinen getötet. Har-Zion und einige Kollegen aus seiner ZHL-Einheit nahmen Rache, an Angehörigen des (vermuteten) Stammes der Mörder, wiederum in Jordanien; entführten sechs, verhörten sie, töteten fünf und liessen den sechsten zurückkehren damit er erzählt was passiert ist.

Die Getöteten hatten wahrscheinlich nichts mit dem “ursprünglichen” Mord zu tun, nur dem selben Stammesverband angehört. Scharon sagte, dies sei die Art von Rache, die Beduinen genau verstünden. Wieder einmal die (einzige) Sprache die Araber verstehen, ein Sentiment das bis heute unter (Philo-) Zionisten gang und gäbe ist… Har-Zions Beschützer im politisch-militärischen Establishment Israels, von Ben Gurion abwärts, sorgten dafür dass er (und die anderen Beteiligten) sich schnell wieder ihrer Einheit anschliessen konnten. Har-Zion wurde auch anlässlich seines Todes 2014 von israelischen Politikern und Medien als Held verehrt.18 In den 1980ern war die rechtsextreme zionistische Terrororganisation “Jüdischer Untergrund” aktiv, mit Verbindungen zu Siedlerorganisationen wie “Gush Emunim” (Mosche Levinger,…) und Rabbinern, die Bomben-Anschläge u.a. auf Bürgermeister palästinensischer Städte unternahmen, wie gegen Bassam Shakaa (Nablus; beide Beine verloren), und den Felsendom zerstören wollten. Anführer/Haupttäter Mordechai Zar, ein Freund von Scharon, war im Endeffekt nur ein paar Monate im Gefängnis, die Strafe der Anderen (Nir, Etzion, Sharbaf, Livni,…) wurde drei Mal von Präsident Hertzog heruntergesetzt (auf Betreiben von Premier Shamir); die Terroristen seien von “israelischen Patriotismus” getragen worden… Sie kamen nach wenigen Jahren frei, wurden Helden für Viele.

Siedler-Führer Levinger erschoss 1988 einen Palästinenser und bekam 3 Monate dafür. Soldat Ami Popper erschoss 1990 in Rishon le Zion einfach so 7 Palästinenser19; Shamir nannte ihn “verwirrt”. Popper bekam zunächst lebenslang, wurde religiös im Gefängnis, eine kanadische Jüdin aus einer Kach-Familie durfte ihn heiraten und besuchen, die Strafe wurde reduziert, kam (als 7-fach-Mörder) in ein Minimum-Sicherheits-Gefängnis in Ramla. In diesem Gefängnis war er im selben Block wie Ex-Präsident Kazav (der für Vergewaltigung, von Jüdinnen, 5 Jahre im Gefängnis sass).20. Rechte Politiker setzten sich für seine Freilassung und die anderer Israelis ein die “nur” Palästinenser getötet hatten. Er bekam Gefängnisurlaube, bei einem solchen kam bei einem Autounfall ein Teil seiner Familie ums Leben, er heiratete weitere 2 Male, seine Familie bekommt Spenden von recht(sextrem)en Zionisten…. Wie zB auch Rabin-Mörder Yigal Amir.

Har-zion ist für mehr Zionisten ein Held als Baruch Goldstein (der ebenfalls in Hebron Palästinenser ermordete), der wird “nur” von Rechtsextremen verehrt, Harzion auch vom Staat. Sheizaf im in der Fussnote verlinkten Artikel: “Let’s remember that the next time Israelis condemn the PA for idolizing their killers.” Bei Elon Azaria ist man auch an Günther Kümel erinnert, der 1965 bei einer Borodaikewycz-Demonstration in Wien Ernst Kirchweger niederstiess und ihn damit tötete, auch er redete von „Notwehr“, auch er hatte Fans, und er kam für 5 Monate ins Gefängnis. Wenn ein Shalom Eisner einem dänischen Friedensaktivisten mit seinem Gewehr die Nase bricht, wird er auch ein Held (für viele Zionisten)…der südafrikanische Jurist Richard Goldstone dagegen wurde unter Juden eine Unperson. Weil schlimm war ja nicht das israelische Vorgehen gegen den Gaza-Streifen 08/09, sondern der Bericht darüber. Oder die Thematisierung der Besatzungssituation (für die Palästinenser) in Hebron. Der gefeierte Mörder…Charles Manson oder “Jack” Unterweger für gewisse Frauen, Ratko Mladic bei gewissen Serben, islamistische Attentäter in gewissen Milieus.

Gaza ist ein Ort, an dem israelische Politiker und Militärs „ihre Muskeln“ (bzw Waffensysteme) spielen lassen können. Und einer, der nach dem Abzug 05 weiter unter scharfer Kontrolle (bzw als Freiluftgefängnis) gehalten wird. Es gibt, auch von bundesdeutschen Israelfreunden, das Postulat wonach Geschosse aus Gaza das Leiden der Gaza-Palästinenser widerlegen würden…und sie die Ursache der israelischen Politik ggü dem Gebiet wären. Als ob die Tragödie dieser Gegend um die Stadt Gaza nicht schon durch die Nakba begonnen hätte. Schliesslich stammt ein sehr grosser Teil der Bevölkerung des Gaza-Streifens aus Familien, die damals aus Gegenden des südlichen Palästinas flüchten mussten bzw vertrieben wurden – in dieses Gebiet, das vom ägyptischen Militär gehalten werden konnte. Das letzte grosse israelische “Rasenmähen” in Gaza, 2014, hatte (wie auch die vorherigen) wenig zu tun mit der Hamas. 2018/19 die Grenzproteste, wiederum mit vielen getöteten Palästinensern. Einige Minister, wie Naftali Bennett, die den Israel-Katar-Hamas-“Deal” Ende 18 stark kritisiert hatten, waren froh, dort wieder eine Eskalation zu sehen.

Vor der ersten israelischen Wahl ’19 (April) flogen angeblich „Raketen” aus Gaza auf den Raum Tel Aviv („erstes Mal seit 14“), wurden „abgefangen“. Jedenfalls bekam Netanyahu die Gelegenheit von „Gegenschlägen“ gg Gaza, zu einer Demonstration nach Innen und Aussen, konnte sagen, es gab einen „Raketenangriff auf Tel Aviv“, “ich verteidige euch” (bzw, “ich muss israel verteidigen”),… Wenn die Leute in Gaza Stadt oder Khan Younis echte Raketen bekommen, die auch nicht abgefangen werden können, ist das kaum eine Meldung wert und wird immer als Gegenreaktion dargestellt. Trump leistete Netanyahu vor dieser Wahl auch Hilfe (beide angeklagt in ihren Ländern21), kündigte die Akzeptanz der israelischen Annexion von Golan/Jawlan durch die USA an. Und Netanyahu liess vor der Wahl weiter die Muskeln spielen, auch wieder Syrien angreifen. Ende 19, inmitten des Patts nach der zweiten Wahl und seinen Korruptions-Schwierigkeiten, Eskalation zwischen Israel und der im Gaza-Streifen aktiven Miliz Islamischer (D)jihad, die begann als die Zionisten einen von deren Kommandanten töteten, auch Hamas-Ziele wurden angegriffen; es wurden mittlerweile über 25 Palästinenser getötet. Um sich zu retten, versucht Netanyahu einen Krieg mit den Gaza-Palästinensern zu provozieren; würde dann sagen, er habe nur Terror bekämpft.22

Es ist fraglich, ob die israelischen Avodah-Regierungen bei den Friedensverhandlungen (?) im ausgehenden 20. Jh ernsthaft die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung erwogen. Nun ist der Friedensprozess jedenfalls (klinisch) tot. 100% des historischen Palästinas23 stehen unter Kontrolle “Israels”, manche Gebiete im engeren Sinn, andere (wie der “Gaza-Streifen”) nur unter einer Art “Oberaufsicht”. “Friedensverhandlungen”, wie es sie seit ca. 1993 gibt, laufen darauf hinaus, diesen jetzigen Zustand aufrecht zu erhalten, einzufrieren, die Verhältnisse sogar weiter zuungunsten der Palästinenser zu verschlechtern (v.a. durch weitere Siedlungstätigkeiten im Westjordanland, also Landenteignungen und Ähnliches); und den Palästinensern Almosen zu überlassen. Nur keine Auseinandersetzung mit den Wurzeln des Konflikts. Daher auch keinen echten Siedlungsstopp oder echte Verhandlungen oder echte Zugeständnisse. Nicht “Land” aufgeben wollen, bedeutet, nicht die Vorherrschaft aufgeben wollen, nicht auf einer Ebene mit Palästinensern leben zu wollen (statt eine über ihnen).

Netanyahu hat die Likud-Linie (v.a. von Shamir vorgegeben) fort gesetzt, Verhandlungen nur aufzunehmen, wenn man von der USA(-Regierung) stark dazu gedrängt wird, dann aus der Position des Herrschers über Palästina auf Zeit zu spielen, möglichst wenige Zugeständnisse (an die Palästinenser) zu machen, und sich diese auch neuer teuer “abkaufen” zu lassen und ihre Implementierung hinaus zu zögern…und während dessen mit dem Landraub in der “Westbank” weiter zu machen. Likud-Führer stellen den “Nahostkonflikt” gerne als einen von “arabischen Aggressoren” und “jüdischen Verteidigern” (bzw “Opfern”) dar (ob sie ihn wirklich so sehen, sei dahin gestellt). Netanyahu sprach vom Oslo/Washington-Abkommen (und die Folgeabkommen) als „Appeasement“, tat ihn seiner ersten Periode als Premierminister alles, um den Friedens-/Verhandlungsprozess zu zerstören (was von Sharon dann fort gesetzt bzw vollendet wurde), fühlte sich nicht an diese von Vorgängerregierungen abgeschlossenen internationalen Verträge gebunden, liess Vieles neu verhandeln (während die Palästinenser auf Berücksichtigung früherer Verhandlungen bzw von deren Ergebnissen bestanden), und das wenige was er dann umsetzen liess, tat er ungern, schleppend und immer mit begleitenden Gegenmaßnahmen.

Da geht es auch immer um Netanyahus Koalitionspartner, die in der Regel Parteien noch rechts vom Likud sind und schon zu gar keinen Zugeständnissen bereit sind. Aber, aus israelischer Position kann man endlos “verhandeln”, hauptsache es ändert sich nichts Substantielles und alle “Beobachter”/Mediatoren/… bleiben ruhig. Und, man redet dann von “Existenz, Sicherheit, Iran, Priorität,…”. Netanyahus “Siedlungsstop” vor ca 10 Jahren: genehmigte wurden fertig gebaut (noch rasch viele Baugenehmigungen), beim Ausbau bestehender Siedlungen wurde auch kein Stop gemacht, Ost-Jerusalem war schon mal gar nicht betroffen,…24 2009 sagte Netanyahu: “I told President Obama in Washington, if we get a guarantee of demilitarization, and if the Palestinians recognize Israel as the Jewish state, we are ready to agree to a real peace agreement, a demilitarized Palestinian state side by side with the Jewish state.”

Seit damals hat er sich vom “Konzept” einer Schein-Unabhängigkeit bzw Pseudo-“Zwei-Staaten”-Lösung für die Palästinenser weg bewegt. Offiziell unterstützt er im Konflikt mit den Palästinensern anscheinend weiter eine Zweistaatenlösung -während er ungehindert die Ausweitung der jüdischen Siedlungen im (seit nunmehr über 50 Jahren von Israel besetzten) Westjordanland voran treibt. Mit Trump hat er seit ’17 endlich den gewünschten Partner in Washington, und die Aufbrüche des Arabischen Frühlings zum Beginn seiner zweiten Amtszeit sind längst gewichen, stattdessen das Wüten von IS/Daesh gegen Moslems und gegen “Westler”. Trump hat die Israel/Palästina-Sache Kushner in die Hände gelegt hat, der an einem “Friedensplan” arbeiten soll. Er hat im Wahlkampf klar gesagt, als Präsident würde er im “Nahost-Friedensprozess” lediglich auf Zeit spielen, und (wie in Teil II angeführt25) er ist Netanyahu in vielerlei Hinsicht entgegen gekommen – und das ist natürlich eine Politik die von einer Friedens/Verhandlungslösung weit weg führt.26

Ein Kommentar Netanyahus zur Legalisierung jüdischer/israelischer Siedlungen in den palästinensischen Restgebieten: Israel sei “keine militärische Besatzungsmacht“, es gehe darum, dass die “in den betroffenen Gebieten lebenden Juden wie alle anderen Israelis normal leben“ könnten. Aber jedenfalls nicht die Palästinenser. Die Rechte und Privilegien der Juden im Land auf diese auszudehnen, kommt nicht in Frage. Das Zentralkomitee von Israels Regierungspartei Likud hat Ende 17 eine formale Annexion des besetzten Westjordanlandes verlangt. In einer nicht bindenden Resolution rief das Gremium die Likud-Abgeordneten in der Knesset auf, die „Souveränität Israels auf Judäa und Samaria” (Westjordanland) auszuweiten. Parteichef Netanjahu, der natürlich Mitglied des Zentralkomitees ist, war bei der Abstimmung nicht anwesend… Fraglich ist, inwiefern sich die Standpunkte der Parteien aus der “blau-weissen Allianz” hierzu unterscheiden; bei der Rolle der (jüdischen) Religion im Staat gibt es da gravierende Unterschiede, aber ggü den Palästinensern, der Region,… Und wie gesagt gibt es noch Parteien rechts vom Likud. Netanyahus Regierungspartner Naftali Bennett (damals Habeit hayahud), hat mit dem Austritt aus der Regierung gedroht, sollte diese mit den Palästinensern Verhandlungen auf Grundlage der Grenzen von 1967 aufnehmen, wie das der damalige US-Aussenminister John Kerry vorgeschlagen hatte.

Zusiedlung und Annexion der “Westbank” ist in Israel eine Mainstream-Position, kann man sagen. Gleichwohl gibt es immer wieder die Rhetorik mit der “Existenz” Israels, die die Palästinenser nicht anerkennen würden, die Vorbedingung für einen Frieden sei,… Von den Palästinensern wird immer erwartet, sich zur “Existenz” von “Israel” zu äussern, diese “anzuerkennen”, ohne dass eine reziproke Anerkennung “Palästinas” damit verbunden wäre, oder wenigstens eine Abgrenzung “Israels”… Als ob es die Palästinenser wären, die die Existenz von Israel verhinderten, und nicht umgekehrt. Israelische Politiker, Militärs und Geistliche erklären andauernd, dass es niemals einen palästinensischen Staat geben soll, dass das ganze Land ihnen gehört,… Frieden/ Anerkennung liege an den Palästinensern, heisst es, die unter einer Besatzung leben. Während immer wieder geäussert wird, die Palästinenser existierten gar nicht (zumindest nicht als “Volk”27) und man ihre Existenzgrundlagen “abgräbt”, wird davon gefaselt, dass Israel „in seiner Existenz gefährdet“ sei, sein „Existenzrecht“ anerkannt werden müsse, dies die Grundlage des “Konfliktes” sei.28 Die Hamas-Charter und jene von Likud (oder Habeit hayahud,…)… Und Lieberman: “Palästinenser? Hamas, der Islamische Dschihad und die Hisbollah sind bloß Marionetten von Teheran”.

Die Ausführungen über die “Anerkennung des Existenzrechts” und die diesbezügliche Reziprozität finden sich in diesem Text nicht umsonst nach jenen über “Verhandlungen”. Über die Anerkennung (Rest-) Palästinas als UN-Beobachterstaat 2012 bzw die zionistischen Reaktionen darauf könnte man einen eigenen Artikel schreiben. Diese Reaktionen bewegten sich zwischen „bedeutungslos“, „lebenswichtige israelische Sicherheitsinteressen gefährdet“, Drohungen (auch ggü int. Gemeinschaft bzgl „Friedensprozess“), Aktionen (Einbehaltung Steuern, Ausbau Siedlungen), Lamentieren über „internationalen Druck“, “Schleimen” ggü den Regierungen die mit “Nein” stimmten,… Rechts von Likud/Netanyahu kam auch zu diesem Anlass das offen, was er verklausuliert sagt: „Wir werden niemals einen palästinensischen Staat neben IL akzeptieren“. Netanyahu “drohte”, Israel werde “nun” (!!!) ebenfalls ohne Abstimmung Maßnahmen ergreifen, als man das nicht seit gut 100 Jahren täte… In bzw aus Österreich gab es zum palästinensischen Antrag auf Vollmitgliedschaft und seiner Bearbeitung 2011/12 sowie zur Souveränitätserklärung 2013 die zu erwartenden Reaktionen, jene von Ariel Muzicant im Teil II, über jene von Isabelle Daniel hier.

Wenn von Landkonfiszierungen (zum Siedlungsbau,…) in den palästinensischen Restgebieten die Rede ist, wird die Sache auch damit zu apologetisieren versucht, dass man “anzweifelt”, dass dies “arabisches” oder “palästinensisches” Land sei, als ob es darum ginge… Und nicht darum, dass den Palästinensern auch von den etwas mehr als 20% des Landes, die ihnen 1948 geblieben sind (unter ausländischer Verwaltung, bis 1967), täglich etwas weg genommen wird, sie davon verdrängt werden, mit den verschiedensten Begründungen. “Es war nie euer (bzw: ihr) Land”, wegen Tanach und so. Den Palästinensern gehe es ohnehin gut, heisst es dann, in anderen Worten: das was sie bekommen von uns, reicht für sie. Das Recht auf ein Zusammenleben mit Juden auf Augenhöhe haben sie jedenfalls nicht. Zionistisches Standard-Repertoire (zB auch bei Muzicant) ist das Um/Verdrehen dieser Verhältnisse.

Da kommen also die Behauptungen, Israel-Kritikern bzw Anti-Zionisten (palästinensischen und anderen) gehe es generell um bzw gegen einen jüdischen Staat, nicht um diesen konkreten (und was er für Nicht-Juden in bzw aus diesem Land bedeutet); somit handle es sich um Antisemitismus. Hier müssen Differenzierungen vorgenommen werden (wie auch bei den “Raketen”, von denen im Zhg mit dem Gaza-Streifen immer die Rede ist): “Staat” kann ja sowohl “(Heimat-) Land” als auch die Herrschaftgewalt eines Staates bezeichnen. Und, in dem Zhg heisst es dann gerne, dass Widerstand gegen bzw Gegnerschaft zu IL nicht aus Verletzung elementarster Interessen der Palästinenser resultiere, sondern aus Islamismus, Antisemitismus, Fanatismus; und dass das die Alternative zu IL-Apologetik/Schönfärberei sei.29 Ein Gedicht des Palästinensers Mahmoud Darwish wurde 1988 im israelischen Parlament (Knesset) vom damaligen Premier Shamir angeführt. Darwishs darin enthaltene Aufforderungen, das Land zu verlassen, wurden (auch bei anderen Gelegenheiten) als Beleg für die Wurzel des Konfliktes, die Haltung der Palästinenser,… genommen.

In diesem Zusammenhang kommen dann auch Beschwörungen, man müsse sich verteidigen gegen die Vernichtung, und oft ist der frühere palästinensische Mufti auch nicht weit. Der Autor Ammiel Alcalay, ein sephardischer Jude in der USA, schrieb, die hysterische Überreaktion auf das Gedicht zeige viel von der israelischen Psyche, über die (Versuche der) Umdrehung der Realität der Besatzung. Dass sich “Israel” seit über 50 Jahren de facto über das ganze historische Palästina erstreckt30, ist in diesem Diskurs immer wieder ein nebensächliches Detail. Rechte der Palästinenser werden als abzuwehrendes Unrecht dargestellt, von diesen eine totale Kapitulation erwartet. Widerstand wie auch kleineres Entgegenkommen wird gerne als potentielle “Zerstörung Israels”, “Zerstörung Israels als Staat der Juden”, “Appeasement”,… dargestellt. In diesem Ausdruck aggressiver Paranoia werden Unterdrückung und Gegenwehr, Angriff auf Staat, Regime und Ethnie mit einander verquickt. Aus der Bekämpfung eines bestimmten Systems wird ein (genozidärer) Angriff auf eine Ethnie gemacht, und aus der Verteidigung dieses Systems (das Anderen Rechte vorenthält!) ein heldenhafter Abwehrkampf.

Beim Apartheid-Regime Südafrikas kamen zum Widerstand (gegen die Unterwerfung von Millionen Menschen) auch immer wieder „Vernichtungs“-Unterstellungen (bzgl der Afrikaaner/Buren bzw generell der Weissen dort) sowie Unterstellungen, es ginge um (gegen) die Selbstbestimmung der Afrikaaner/Weissen. Oder im nationalsozialistischen Deutschen Reich, die Rhetorik vom „Kampf ums Überleben“ und den “Feinden”, aus Widerstand gg Hitlerismus (von Alliierten und Widerstandskämpfern und “Untermenschen”) wurden Angriffe auf Deutsche gemacht; und durch die Angriffskriege wurden daraus selbsterfüllende Prophezeiungen, die (wie das Nemmersdorf-Massaker) propagandistisch ausgeschlachtet wurden. Tja, und der „Warthegau“ ging am Ende auch unter. In den Südstaaten der USA31, die sich 1861 als Confederate States of America (CSA) unabhängig machten, sah man Opposition zur Aufrechterhaltung der Sklaverei als “heuchlerisch”, sich als “Verteidiger der Zivilisation”, und die “ganze Welt gg uns” eingestellt… Auch im kommunistischen Ostblock gab es ein Selbstbild bzw Propaganda-Motto, in dem Gegnerschaft bzw Widerstand zum System mit Aggression gegen das Land bzw seine Menschen durcheinander gebracht wurde.

Wobei es so etwas dort auch gab, auch über das Ende der kommunistischen Systeme hinaus. Die Debatte um das AKW Temelin (Tschechien) brachte in Österreich Atomkraftskepsis (berechtigte Sorge/Gegenwehr) und Anti-Osteuropa-Reflexe zusammen, zB bei der FPÖ. So wie Islamismus-Kritik zur Diffamierung palästinensischer Anliegen (Hamas!) missbraucht wird. Peter Handke ist pro-serbisch und (war) pro Milosevic, was aber nicht notwenigerweise eins ist, eben so wenig wie bei der Haltung zu Iran und Khomeini oder Khamenei. A propos: Im Westen gibt es diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Erhebungen (und ihnen zu Grunde liegenden Unterdrückungen) in Hongkong, Palästina, Venezuela,… Zurück zum (PR-) Diskurs über “Vernichtung” und “Existenz”: Israel als Apartheidsystem hätte, zB bei einer Kriegsniederlage, wirklich viel zu verlieren.

In israelischen Wahlkämpfen und sonstigen “offiziellen” Diskursen braucht es keinen (in Codewörtern) versteckten Rassismus wie in der USA (seit der Niederlage von Goldwater 1964), es läuft in der Regel über das „Wir Juden“ und „die Region“, „Sie wollen uns vernichten“, „Wir müssen uns wehren“, “Wir sind die Zivilisierten”,… Wobei das natürlich auch Codes bzw verschlüsselte Ressentiments sind. Für “Wir müssen uns gegen Umvolkung wehren”, “wollen nicht mit ihnen gleichberechtigt zusammenleben”, etc. Den offeneren Rassismus (“gefährlich schmutzig, primitiv,…”) gibt es auf/in anderen Ebenen/Diskursen. In Sprechchören eines Mobs der durch palästinensische Wohngegenden zieht, auf Graffitis oder wenn man israelische Siedler reden hört32. Wie den israelischen Abgeordneten Bezalel Smotrich, einem Siedler und Politiker der Habeit hayahud. Im April 2018 erklärte Smotrich über Twitter, die 16-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi, die wegen Ohrfeigens eines israelischen Soldaten zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war, habe „eine Kugel verdient – mindestens in die Kniescheibe“.33

Israelische Pogromrhetorik gegen Palästinenser (bzw Panikmache vor ihnen) kommt in verschiedenen Formen daher. Der bereits in Teil II erwähnte Avi Dichter, Politiker und ehemaliger Geheimdienst-Chef: “Die israelische Armee hat genug Kugeln für jeden Palästinenser.” Er kommentierte die Proteste von Palästinensern im Gaza-Streifen bzw an dessen Grenze zu Israel.34 Offensives ggü Palästinensern oder Anderen in der Region kommt gerne so daher wie von Netanyahu, wenn er die Ausweitung bzw Legalisierung der israelischen Siedlungen in den palästinensischen Restgebieten begründet/ankündigt: “Die Tage, an denen Planierraupen Juden entwurzelten, liegen hinter uns, nicht vor uns“.35 Zur Zeit “warnt” Netanyahu vor einer “blau-weissen” Minderheitsregierung seines Rivalen Gantz mit Unterstützung der palästinensisch-israelischen Parteien, die er als “Terrorsympathisanten” abstempelt, während er über den “Schwenk” der Trump-Regierung bzgl israelischer Siedlungspolitik frohlockt.

Wenn Netanyahu dabei verachtungsvoll-spöttisch über die “Aravim” (Araber) redet, kennt sich jeder aus. Im Wahlkampf 2015 hat er sich auch einer solchen Rhetorik bedient, zog über die israelischen Palästinenser her, die von ihrem Wahlrecht (als Bürger 3. Klasse) Gebrauch machten, und stellte die “Linke” als im Bunde mit ihnen dar… In seiner “Entschuldigung” nach der Wahl bediente er sich des anderen zionistischen Chauvinimus (> nächstes Kapitel), Israel sei ein Land in dem diese Minderheit so gut behandelt werde, im Gegensatz zu anderen Staaten der Region, usw. Das andere Herrengefühl ggü den „primitiven Einheimischen”. Benjamin Netanyahus Sohn Jair hat vor Kurzem in einem Facebook-Post “alle Muslime” zum Verlassen “Israels” aufgefordert. Es gebe nur zwei Optionen für Frieden in Israel, “entweder alle Juden verlassen Israel, oder alle Muslime gehen. Ich ziehe die zweite Option vor.“ Fragt sich, wo für ihn “Israel” endet – wohl kaum an der “grünen Linie” (Grenzen Israels nach der Nakba 1949 bis zu den Besetzungen 1967)…und “Muslime” wird für so jemanden ein Synonym für Palästinenser sein (also auch christliche oder jene Drusen, die sich Israel verweigern). Es heisst, der Junge wird von seinem Vater zum Nachfolger (politischen Erben) aufgebaut.

Facebook löschte den Kommentar und blockierte die Seite von Netanyahu junior für 24 Stunden, wie dieser über Twitter mitteilte; der warf Facebook dabei auch vor, eine „Gedankendiktatur“ zu errichten. orf.at berichtete darüber unter „Leute“…: “…wegen antimuslimischer Äußerungen Probleme mit Facebook bekommen.” Es auf die Religion (den Islam) herunterbrechen wieder mal… Die Betroffenen (die er loswerden möchte) sind aber alles Palästinenser und mit „Israel“ meint er wohl auch die palästinensischen Restgebiete. Aber einen Anti-Palästinensismus oder so gibt es ja nicht und „antiislamisch“ ist schlechtestenfalls Gegenwehr zum Islamismus, oder?36 Der Sohn des Herrschers über das ganze historische Palästina meint anscheinend ernsthaft, man solle die Palästinenser ganz aus diesem Land vertreiben, es von ihnen “säubern”… Natürlich mit dem opferhysterischen „Sonst bringen sie uns um“, bzw “wir müssen uns gegen die Umvolkung verteidigen“. So wie beim Gerede vom “white genocide”, dieses sich als Ziel einer Bedrohung darstellen, um seiner Aggression den Charakter von “Gegen-” bzw “Verteidigungsmaßnahmen” zu verleihen.

Die Dämonisierung des Anderen indem man ihm unterstellt, er wolle einen vernichten…so kommt der zionistisch-jüdische Chauvinismus meist daher. Umgekehrt, wenn Abbas’ Sohn oder ein anderer Palästinenser über die Ausweisung von Juden (aller!) aus Palästina schreiben würde, wer würde da nicht aller alarmiert sein bzw tun, von ADL bis Seb. Kurz. Und die knieweiche “Strafmaßnahme” von Facebook ist also „Gedankendiktatur”. Es gibt aktive israelische Politiker, die Sachen dieser Art gesagt haben. Bennett etwa: „Ich habe in meinem Leben schon viele Araber getötet, das ist gar kein Problem“ oder dass “Juden schon eine Hochkultur hatten, als Araber noch auf Bäumen lebten”.37 Oder Yishai über Israel als dem “Land des weissen Mannes” (ob das wirklich schlechter ist als das Gerede das andauernd kommt, nämlich jenes vom Land das den Juden gehöre), Ben-Ari der ggü den israelischen Palästinensern zu Gewalt aufrief (mit der Unterstellung, dass diese eine “fünfte Kolonne” seien), Moshe Ya’alon aus dem “blau-weissen Bündnis”, ein Militär, der die “palästinensische Bedrohung” als “etwas wie Krebs” bezeichnet. “Es gibt verschiedene Möglichkeiten Krebsgeschwüre zu behandeln. Im Moment versuch’ ich’s grade mit Chemotherapie”, so Yaalon vor einigen Jahren. Und Lieberman, Shaked, Feiglin,…

Das Thema Rassismus im Zionismus… Jüdischer Rassismus bleibt unbeachtet, ist ein Anathema. Auch Rassismus im Namen von Philo-Judaismus und -Zionismus. Verachtung gegenüber Palästinensern und der Region ist die Eintrittskarte in die zionistische Gesellschaft (>Einwanderer aus der SU, Mizrahis,…). Zum Thema Rassismus in IL ist auch dieser Artikel relevant. Der Sänger Alexander Rosenbaum, russischer Jude (evtl Doppelstaatsbürger), er ist auch Abgeordneter der Putin-Partei Единая Россия, ist Unterstützer der rassistischen, rechtsextremen, faschistoiden Yisrael Beitenu, dennnoch wird einer wie er höchstens als potentielles Opfer von russischem Antisemitismus dargestellt, seine Haltungen nicht kritisch unter die Lupe genommen. 2010 schrieb die (jüdische) Journalistin Andrea Nagel in der südafrikanischen “Times” in einer Auto-Kritik (Lexus IS250C), der Motor sei so ruhig wie ein “moslemischer Schädling (“Rodent”) in einer Synagoge”. So kommt diese Art von Hassrede eben daher, indem dem Betreffenden ein Hass unterstellt/umgehängt wird (und man sich selbst jenseits von Hass/Vorurteilen verortet), aber nicht nur so.

Es gibt zwei zionistische Chauvinismen, bei den Wahlen heuer fielen die ziemlich mit den Lagern von Netanyahu bzw Gantz zusammen. Der Widerspruch/ Gegensatz zwischen Bennett über das Araber-töten (s.o.) und Muzicant “Wir Juden bedauern jeden Toten”, zwischen der “engstirnigen” Realität und einem universalistischen “Anspruch”, zwei Arten von Protzen. Chaim Noll oder Dieter Graumann zu Sarrazins erstem Buch (siehe Teil II). Oskar Deutsch der sagt, dass Israel „Licht unter den Völkern” sei, weil es eine pluralistische Demokratie sei und es auch Moslems dort so gut gehe (siehe), und die andere Variante: weil wir sie bekämpfen, ihnen Zunder geben…38 Die zionistische Haltung zum Orient ist ein Kapitel für sich, oszilliert zwischen Verächtlichmachung, Geprotze, Bekämpfung, Dazugehörenwollen, Geklage,… 2 Sätze im ersten Buch des ehemaligen Mossad-Mannes Victor Ostrovsky sagen alles über diese Haltung, über die beiden Chauvinismen39: Einerseits, so Ostrovsky, sieht man Araber dort als als “Gehirnlose”, andererseits ist man traurig, dass man zu ihnen, zur Region um “Israel”, keinen “Zugang”, keinen “Draht” hat.

Einmal: Israel habe nichts mit der umgebenden Region zu tun, hebe sich in jeder Hinsicht positiv davon ab, zeichne sich durch “westliche Werte” aus; ein anderes Mal: Es ist antisemitisch zu behaupten, Israel sei ein fremdes Implantat in seiner Region, wir würden so gerne von den Nachbarn akzeptiert werden. Mal sagen sie’s selber, mal prangern sie an wenns wer anderer sagt. Ganz ähnlich war es mit Apartheid-Südafrika. Auf die Region “scheissen” und dann klagen, dort nicht geschätzt zu werden, nicht dazugehören wollen, und dann doch… Der Zionismus als Gegenthese zur Region und der Juden-Staat als Verbündeter des Westens gegen diese (> Herzl) oder aber der Versuch einer Neu-Definition des Zionismus, u.a. indem man die Palästinenser zu Nachfahren der arabischen Eroberer des 7. Jh (und damit zu “Gebietsfremden”) macht. Lieber gemeinsamen Grund mit den Weissen Südafrikas suchen (wie das über Jahrzehnte hinweg auf verschiedenen Ebenen geschah) oder aber mit den Zulus oder Xhosas (wie das gelegentlich probiert wird). Weisse Siedler sein oder farbige Einheimische.

Das entspricht der Dichothomie “Wir wollen Frieden (aber sie nicht)” – “Wir wollen die Unterwerfung der Palästinenser”. Die Einen stellen lieber ihren Hass auf Moslems in den Vordergrund, die Anderen deren Hass (mit sich als Opfer). Wir haben nichts gegen sie schon. Den eigenen Rassismus leugnen oder aber selber promoten. Das vulgäre Verspotten bzw Dämonisieren von “Gegnern” (zB “camel riders”/ “Kameltreiber”) oder aber das Plärren über deren tatsächliche/vermeintliche Ressentiments (“antisemitisch”). Es gibt jene (Israelis), die mit Hassparolen gg Palästinenser marschieren (bevorzugt durch deren Wohngebiete) und Muzicant (> Teil II), der sagt “…dass es auch hierzulande 5 000 bis 10 000 Moslems gibt, die mit Hasstiraden gegen Israel herum marschieren”. Muzicant oder auch “Hagalil”-Gall äusserten den “Wunsch” (bzw die Erwartung) nach Moslems als Verbündeten gg Rechte hier; es gibt aber auch (zB) Daniel Pipes oder David Bukay, die sich lieber mit Rechten gegen Moslems “& Co”40 verbünden… Scharon einst über Moslems in Europa (wie selbstverständlich rein als Feind betrachtet) oder über “moslemische” Atomwaffen (“zu kompliziert”). Der Gegensatz zu Zweiterem ist die Darstellung des iranischen Atomprogramms als existenzielle Bedrohung für das Judentum.

Wenn Netanyahu damit protzt, dass er diplomatische Beziehungen Israels zum Tschad (“a huge muslim country that borders Libya”) hergestellt hat, lässt er offen wie das zu beurteilen ist. Im vierten und letzten Teil wird es auch um die Instrumentalisierung von “Orientalen” im Sinne von Zionismus und Islamophobie gehen.41 Das läuft gerne über das “Das ist eine(r) von denen, der/die nicht verhetzt ist” (bzw “der erweckt wurde”); aber es gibt ja auch (zB) das Spotten über die “goatfucker”/”Ziegenficker” und dergleichen, die pauschale Hetze (nicht nur) des Kahanismus,… Damit die Sache nicht so abstrakt ist: Ein Video auf Youtube, “an Israeli motorist runs down a Palestinian boy in East Jerusalem”, unter den Kommentaren: “See, they can fly without carpets.” „They all need to have their skulls crushed. Dumb Palestine s as always.“ (graysonkatz, > Foto), „NUKE paleSWINE! Israel 4 eva!“,… Unter einem Video, in dem israelische Soldaten in den palästinensischen Restgebieten eine Frau mit ihren Schusswaffen bedrohen, zB “The girl obviously wants to have sex with the soldier haha LOL – it’s her way of getting attention!”. Immer wieder Witze über Ziegen in Zhg mit Moslems. Und immer mehr: Rechte Deutsche, Amerikaner,… die sich die israelische Sache zu eigen machen, teilweise auch “die jüdische” an sich. (> Artikel II).

Ein Beispiel für die andere Richtung ist (auf yt) “muhammadqathem”, mit seiner pseudoliberalen Islamophobie, dort stellt man sich (Israel und den Westen) in einen Gegensatz zu Faschismus und Rassismus, erzählt von moslemischer Sklaverei, Hitler und den Palästinensern, streut die Hamas-Charter ein, ereifert sich über Fanatismus,…42 – das meiste davon wird in der anderen Richtung positiv affirmiert! Tötungen von Palästinensern durch israelische Soldaten werden von den Einen gefeiert, den Anderen heruntergespielt (und die Thematisierung als „antisemitisch“ deklariert). Entweder das “dann wäre endlich Frieden” (wenn “sie uns” nicht mehr bekämpfen) oder aber “we will always kick their asses”. Muzikant behauptet(e), 80 bis 90 Prozent der Israelis seien für “Frieden mit den Palästinensern” (wie immer ein solcher definiert ist), bzw er hätte davon gehört, und “Ähnliches höre ich aber nicht von der palästinensischen Seite”. Das ist der eine Chauvinismus (wir sind friedenswillig, sie sind die Bösen). Im anderen heisst es da zB “Fuck your goat Mohamed and may piss be upon him and his bride aisha the whore child”.43

Das offene oder das “getarnte” Bekenntnis zur Verachtung für diese Region. Muzicant behauptet in seinem pseudo-liberalen Zionismus ein Bild von Israel als der selbstverteidigenden Unschuld, das sich verzweifelt um Frieden bemüht. Zeichnet die Palästinenser und die anderen Völker (aus) der nordafrikanisch-westasiatischen Region gleichzeitig mit paternalistischer Verachtung: “Normalerweise führen Demokratien zu weniger Kriegen, aber bei dem, was wir jetzt sehen, sind wir von Demokratie noch Lichtjahre entfernt“ (zum Arabischen Frühling), “Sensibel kann man vorgehen, wenn man in Mitteleuropa lebt. Im Nahen Osten wird ein sensibles Vorgehen als Schwäche ausgelegt”, “Die Türken in Österreich sind weniger aufgehetzt als die Araber durch Al-Jazeera und ähnliches”, “wenn nach der Anerkennung (Rest-Palästinas) real nichts passiert, wird es unter den Palästinensern zu massivem Frust kommen. Und Frust hat sich dort noch immer in Gewalt entladen”, “Man hat das Gefühl, die Palästinenser müssten ehrenhalber einmal einen Krieg gewinnen, damit sie Frieden machen können. Nur das Risiko können die Israelis nicht eingehen…”.

Arik Brauer nimmt einerseits gegen die Besatzung der palästinensischen Restgebiete Stellung, stellt sie aber so dar, dass die Palästinenser quasi daran selbst Schuld seien (> Teil II, “Diskussion” mit Abado). Danny Ayalon von der israelischen (offenen) Rechten dagegen: “Wir besetzen gar nichts”. Dort heisst es, das Land gehört uns, wir sind den Palästinensern überlegen, sind der Boss über sie,…und manchmal auch, das Land gehöre dem “weissen Mann” (= Juden). Die Einen monieren “Palästinensische Kinder rennen herum und rufen: ‘Tod allen Juden!'”, die Anderen marschieren herum und skandieren „Tod den Arabern!“. Im einen Chauvinismus lobt man sich, wie gut man zu den Palästinensern sei (anderes zu behaupten sei antisemitisch), im anderen, wie hart man zu ihnen ist (diesen Antisemiten). Das „politisch-inkorrekte“ Stehen zu Rassismus oder aber sich “rassischer” Gleichheit und Toleranz rühmen (die es auf „Gegenseite“ nicht gäbe). Der Zionismus sieht sich als die radikalste Antwort auf Antisemitismus, aber nicht unbedingt als die Gegenthese… Auch das Eintreten für Israel wird ja nicht unbedingt aus einem Antifaschismus heraus motiviert.

Was Feiglin oder Ben Ari als “jüdische Werte” definieren, wird von Anderen als “antisemitische Unterstellung” verworfen werden. Die beiden zionistischen Chauvinismen zeigen sich auch beim Umgang mit den Kriegen Israels: “Wir/Sie wurden 6 mal angegriffen”44 oder aber “Wir/Sie haben 6 mal gewonnen, gegen euch/sie”. Zwischen Häme und Pathos. Verbindend ist (in der Regel) die Verdrehung, dass “die Araber” diese Kriege begonnen hätten, und dass sich Änderungen von Grenzen bzw Herrschaftsverhältnissen aus diesen gewonnenen/verlorenen Kriegen ergäben. Die Gross-Israel-Idee: Ist seine Thematisierung antisemitisch oder seine „Vorenthaltung“? Und der Anspruch darauf ist entweder „natürliches Recht“ oder (nicht-existente) „antisemitische Unterstellung“. Wie sich auch am de.wiki-Artikel über dieses Lemma ablesen lässt. Einerseits sei es eine Ausgeburt “islamischer Verschwörungstheorien” und andererseits gäbe es eine “Unteilbarkeit von Eretz Israel”.

Hegemonial ist die “linke” Variante des zionistischen Chauvinismus’, so wird Israel vorwiegend im Westen dargestellt und auch wahr genommen. Und gerne als Konsens unter Juden dargestellt. Also die Affirmation Israels als “progressiv” und “aufgeklärt”. Die Realität Israels mit rassistischer Diskriminierung und militärischer Besatzung wird unter den Tisch gekehrt, eine „permanente Bedrohungssituation“ angeführt, Ressentiments gegen Palästinenser (und andere Völker der Region) werden zum Ausdruck gebracht wie von Golda Meir (“Erst wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen, wird es Frieden geben”)45. Ein Kommentator bei Lysis dazu: “Im Meir-Zitat steckt nicht nur eine fette Lüge drin (dass es ums Verzeihen gehen würde z.B., oder dass Kriegsherren die getöteten feindlichen Söhne am Herzen lägen), die bloße Existenz der Palästinenser ist bereits als Grund für ‘Abschreckung’ unterstellt, also sind sie doppelt Schuld: an eigenen Opfern und an den Krokodilstränen, die man wegen ihrer erfolgreichen ‘Beseitigung’ vergießen muss. Mit dieser Tour lassen sich sogar die Opfer, die man selbst produziert, als infame Schweinerei des Feindes ins Unrecht rücken.”

Und im anderen Lager während eines anderen Rasenmähens in Gaza, im Sommer 2014, abendliche Sprechchöre in Tel Aviv: „Morgen fällt in Gaza die Schule aus, denn dort gibt es keine Kinder mehr.“46 Der eine zionistische Chauvinismus (zB Livni, siehe FN 45): “Der Hass gehört den Anderen”47, in der anderen Variante steht man zu seinem Hass. Giordano (in seinen späten Jahren) war einer jener, die bzgl des „Immigrantenproblems“ in Deutschland/Europa Ressentiments über den Populismus “aufgeklärtes Abendland – rückständiges Morgenland” zum Ausdruck brachten; also “wir sind gegen die Einwanderer weil sie homophob, antisemitisch, patriarchalisch, undemokratisch,… sind”. Der israelische Spitzenpolitiker Yishai begründet seine Ablehnung der afrikanischen Einwanderung nach Israel dagegen damit, dass “das Land uns, dem weissen Mann gehört”. Netanyahu tönte: „Wir werden nicht zulassen, dass Israel von einer Welle illegaler Migranten und Terroristen überschwemmt wird“.48

Entweder: Sich über das „super-ineffektive” BDS mokieren („Tourismus nach IL boomt“) oder dessen Delegitimierung promoten (“Angriff auf Existenz, Nachfolger der Nazis“); die Palästinenser und Araber sind entweder zurückgebliebene Kameltreiber, den Zionisten hoffnungslos unterlegen, oder … Dieser “Gegensätzlichkeit” entspricht: das Protzen „Alle Kopten/ Inder/ Westler/… auf unserer Seite“ oder aber das Greinen „Alle gegen uns“. Geklage dass „alle“ so „islamfreundlich“ seien oder Frohlocken über Islamfeindlichkeit. Ebenso: Mit Erfolg, Einfluss, Macht prahlen oder aber (zB wenn dies jemand Anderer herausstellt) als offensiv deklarieren. Oder, der Umgang mit den „seltsamen“ Bettgenossen, wie Apartheid-Südafrika, der Umgang von Peres damit oder aber jener von Eitan. Den rassistischen israelischen Normalzustand schönreden/bestätigen. Die Programmatik der ADL oder der JDL, AJC oder aber ZOA49, Avodah oder Likud,…50 Die eine Seite die sagt “Wenn…(uns die Palästinenser/Araber) genau so lieben würden wie wir sie)…dann wäre endlich Frieden”, und die andere Seite, von wo es anders tönt.

Es gibt auch Mischformen dieser Chauvinismen, eine “Übergangszone” dazwischen, und Gemeinsamkeiten. Eine Form von Protzen ist jedenfalls dabei, man ist siegreicher/toleranter als die Gegenseite, der Einsatz von Gewalt wird von den Einen bedauert (und als “notwendig” dargestellt), von den Anderen bejubelt. Wobei: Die eigene Gewalt hat mit der bestialischen Gewalt der Anderen, der Gegenseite, natürlich nichts zu tun, ist darüber erhaben… Das “Identitätsproblem” Israels zeigte sich auch bei der Freilassung des Soldaten Shalit, der vor dem Empfang von Netanyahu noch in eine Militäruniform gesteckt wurde; andererseits wollte man ihn ja nicht als Rädchen des israelischen Militärs darstellen, ihn als eine Art neue Anne Frank “verkaufen”. Es stimmt ja nicht, dass Israel, je mehr Gewalt es einsetzt, es desto mehr die von ihm angestrebte Legitimität zerstört. Es gibt jene Israel-Fans, die genau davon “angezogen” werden… Jeder kann da was ableiten für sich, einen Impuls für neue Religiosität oder für Atheismus (im Westen), die Einen sehen einen starken (Ethno-) Nationalismus und ein durchschlagskräftiges Militär, Andere ein linkes Paradies.

Den 2 zionistischen Chauvinismen entsprechen schliesslich westlichen, also in Deutschland die Richtung “Junge Freiheit” und die Richtung „Jungle World“. Der Rechtsextreme Claus Nordbruch (Weiss-Rassist, Holocaust-Leugner,….) oder aber Götz Nordbruch aus dem „Jungle World“-Milieu (einschlägige Dissertation); es gibt Punkte bei denen sie sich einig werden. Möglicherweise auch bezüglich Südafrika, wohin es den einen Nordbruch gezogen hat (in das dortige Apartheid-Nostalgiker-Milieu). Es ja dort auch jene, die einfach möglichst wenig Apartheid-Aufarbeitung (in der einen oder anderen Hinsicht) wollen, Andere (eine Minderheit) verteidigen sie offensiv, rassistisch. Caroline Glick, israelisch-amerikanische Politikerin und Propagandistin, verachtet (wie in Teil II angeschnitten) offen das Liberale. Sie soll aus einem liberalen „Umfeld“ kommen, in Chicago, studierte dort Politikwissenschaft. Wie sie selber schrieb, entzog sie sich dem “Liberalen” durch Emigration nach Israel und Hinwendung zum Zionismus. Diente in der israelischen Besatzungsarmee, in diversen Funktionen, dann u.a. Netanyahu (der voll auf ihrer Linie liegt), der “Jerusalem Post”,…

Die zionistische Psychopathin ist in die rechtsextreme israelische Partei Hayamin hehadash (“Neue Rechte”) eingetreten (bzw hat sie mitgegründet; nachdem sie zuvor in anderen aktiv war), eine Abspaltung von Habeit hayahud, zusammen mit Bennett, Shaked… Sie will einen israelischen Nationalismus unter grösserem Einschluss der Religiösen, unter Ausschluss von fast allem Liberalen. Bei der ersten Wahl 19 ist die Partei nicht ins Parlament gewählt worden, bei der zweiten zusammen mit zwei anderen schon; Glick hat anscheinend keinen Sitz bekommen. Das Bündnis steht im Netanyahu-Lager. Die Siedlerin ist auch eine der Verantwortlichen von “Latma”, zumindest bei “We Con the World”, wo (bildlich) auf den Getöteten der “Mavi Marmara” getanzt wurde.51 Sie hat auch ein Video mit einem israelischen Schauspieler produziert, der einen USA-Präsidenten darstellen soll, auf Barack Obama “anspielt” (bzw diesen verhöhnt); der “Präsident” singt davon, wie sehr er Juden hasst.52

Glick war eine von Breiviks Lieblingsjuden, und sie äusserte Verständnis für seinen “Anschlag”, in der “Jpost” (siehe); sie ist auch eine von Wilders’ Verbündeten. Nicht alleine steht sie auch da mit ihren Versuchen, den “Nahostkonflikt” als Kampf “Israels” gegen den “Djihad” (statt als Territorialkonflikt) zu definieren. Also einer der Bemühungen, aus der Islamkrise Nutzen zu ziehen. Natürlich (muss man eigentlich sagen) ist sie für die israelische Annexion der “Westbank”, für einen (jüdischen) Staat im historischen Palästina. Dies (mit den Palästinensern als Untertanen) ist ohnehin schon so gut wie Realität. Was da für die Palästinenser wohl vorgesehen ist? Dieses “das ganze Land gehört uns, von Mittelmeer bis Jordan und ganz Jerusalem sowieso” wird bei ihr ergänzt, indem sie das Wort “Palestine” immer in Anführungszeichen schreibt. „It has never existed as a political entity, just a geographical one.” > Israel vor 1948, Italien bis 1861, Irak bis 1932, Ukraine bis 1991, Tschechoslowakei vor 1918, das Kurdistan, um das sich manche Zionisten jetzt bemühen,… Die palästinensische Erfahrung mit dem Zionismus seit den 1920ern (also seit gut 100 Jahren) zeigt wohl, dass eine Staatsgründung überfällig ist, und seit 2012/13 gibt es einen Staat Palästina, in den Post-Nakba-Grenzen und unter einer Besatzungssituation.53 Glick ist bei weitem nicht die Einzige, die davon ausgeht, dass dieses Land immer “Eretz Israel” war, und die Palästinenser daher “Eindringlinge” seien54, diesen (daher) keine Rechte zustünden…

Blut und Boden vom Feinsten, und dann noch auf Grundlage von Geschichtsfälschungen. Hier werden auch die doppelten Standards im Diskurs wieder deutlich – die Skandalisierung, wenn Palästinenser Juden als Eindringlinge sehen, das ganze Land beanspruchen (Israel nicht anerkennen),… Dort wird das dann zur Wurzel des Konflikts gemacht. In ihrer Verachtung für Europa (die sie mit Netanyahu teilt) steckt vieles Weitere drinnen: “I think that the root of Europe’s refusal to support Israel is Europe’s refusal to accept the true lessons of the Holocaust. The lesson that Europe took from the Holocaust is that nationalism is bad. This of course, is absurd. Nationalism is neutral. Its relative badness or goodness is a direct function of how any specific nation behaves. The true lesson of the Holocaust is that nations and individuals have a responsibility to distinguish between good and evil and to support good and fight evil. Israel’s struggle against its neighbors, who refuse to accept it as a sovereign state just as Europeans refused to accept Jews as individuals in the 20th century, constitutes a moral challenge to Europe. And since Europe has refused to discard its moral relativism for moral choice, Europeans project their own moral blindness and weakness on Israel.”

Zunächst einmal: “refuse to accept it as a sovereign state” > das was Israel den Palästinensern vorenthält (eine gewisse Souveränität, Akzeptanz,…), erwartet (nicht nur) sie von den Staaten in der Umgebung.55 Dass das “liberale Europa” (und seine “globalen Aussenposten”) den Anspruch auf universale Standards auch für die Palästinenser nicht ganz aufgegeben hat, macht sie auch zum Vorwurf. Ja, ein Europa dass Israel so unterstützt wie die Trump-USA oder noch mehr…die Palästinenser ganz “aufgeben”… Die Dichothomie von “good” und “evil” (und mit Zweiteren kann man machen was man will)56 ist keine Lehre aus dem NS, sondern eine Reminiszenz. “freedom versus the forces of slavery and jihad” ist auch so eine Mischung aus faschistischer Rhetorik und jener des Kalten Kriegs; die Palästinenser sind also böse, u.a weil sie den “Kräften der Sklaverei angehören”, und daher kann man sie auch ohne Skrupel versklaven. Auch zum Zusammenhang von Nationalsozialismus und Nationalismus (in Deutschland und allgemein) und Anderem könnte man Viel sagen, aber eigentlich sollte sich so etwas wie das von Glick von selbst disqualifizieren.

Beim Hetz-Film „Obsession“ wirkte Glick auch mit; dort redet sie auch über islamistischen Terrorismus: “Every single country is dealing with this on one level or another… And of course, you see it in the Middle East, whether it is in Iraq, Iran, Syria, Lebanon, Egypt, and of course, Israel and Saudi Arabia. All of these areas that we refer to as separate wars, the Palestinian war in Israel, the Iraq war—they see all of these not as specific wars but as fronts in a global jihad.“ Israel und Saudi-Arabien…und: “Palestinian war in Israel” – Hebron und das ganze Westjordanland ist ja auch “Israel” und das Recht, sich irgendwie gegen Besatzung zu wehren, haben die Palästinenser ja nicht. Dies in den Kontext des “Djihadismus” von IS oder al Kaida zu stellen, daran hat es in den letzten Jahren nicht gemangelt. Gesteht sie (ihresgleichen) Irakern oder Iranern zu, Opfer von Islamismus und seinem Terror zu sein, oder sind diese Länder an sich Parteien in diesem Krieg Gut gg Böse? Palästinensern gesteht sie so eine Existenz abseits von jener als „Jihadisten“, „Terroristen“ und „Problemmachern“ jedenfalls nicht zu! Und schon gar nicht einen Nationalismus (Gott bewahre), den sie an sich verteidigt. Aber KSA ist da die Antithese zum Islamismus…

Ihre Gegenüberstellung von “eigene Kultur” und “fremder Barbarei” erinnert an jene von IS oder Nazis. Zur “National Review” sagte Glick: “The shackled warrior is Israel. Between the Israeli peace movement, the local and international media, the U.N., Europe and the U.S., Israel is both forced to fight the war being waged against it with both hands tied behind its back and to believe that it bears responsibility for the genocidal anti-Semitism that has taken over the Islamic world.” Sie sagt noch viel mehr kranke Sachen, aber Alles muss man wirklich nicht kommentieren. Jemand mit so genozidären Ansichten (an deren Umsetzung sie arbeitet) greint über “genozidären Antisemitismus”… Noch einmal: Sie ist keine Aussenseiterin (war Beraterin von Netanyahu, im israelischen Militär, bei der “JPost”,…). Und David Horowitz, Daniel Pipes, die Littmans, Pamela Geller, Efraim Karsh, Ilana Mercer, Mordechai Kedar, Benny Morris, David Bukay57, Barry Rubin, Richard Landes, Phyllis Chesler können ihr das Wasser reichen. Charles Krauthammer kritisierte Trump wenigstens für seine mangelnde Abgrenzung von Weiss-Suprematisten, die ihn unterstützen und manches Andere (auch wenn er die wichtigsten Punkte seiner Politik doch unterstützte), er wollte „Nahost“-„Friedensverhandlungen“ nicht ganz verurteilen (auch wenn er Israels Riesen-Startvorteil noch grösser machen wollte und Alle verdammte die das anders sehen), differenzierte zumindest zwischen IS und Iran; er sah die Saudi-Achse auch als Verbündete des „Westens“.

Der Israel-Fetischist posaunte, über Antisemitismus: „…Ressentiments gegen Zivilisation und Individualität, gegen Intellektualität und Liberalität, gegen Ausschweifung und Freizügigkeit, gegen Bürgerlichkeit im ursprünglichen Sinne und gegen Kommunismus im einzig emanzipativen Sinne, nämlich der Herstellung der Möglichkeit individuellen Glücks als absoluter Gegensatz zum völkischen Identitätswahn…”. Leute wie er tun so, als ob es diese Affirmation des Illiberalen (samt völkischen Identitätswahn,…) im Sinne des Zionismus bzw der Israel-Solidarität einfach nicht geben würde. Muzicant singt im Grunde ein ähnliches Lied. Wie gesagt, diese Polarität gibt es auch im Westen-Islam-Diskurs. Tja, es gibt jene, die den Feminismus bzw Frauenrechte gegen “den Islam” in Stellung zu bringen versuchen (so wie Schirmbeck), und dann gibt es Milo Yiannopoulos, zB mit einem Video (auf Yt) “Yiannopoulos Tells Feminist She’s Ugly” (2,9 Mio. Aufrufe). Oder: die Thematisierung des islamischen Sklavenhandels, um vom westlichen abzulenken, während Andere sagen, der westliche Sklavenhandel war schon OK.58 In der Nazi-Apologetik gibt es ja auch das “Sie haben das gar nicht gemacht was man ihnen ankreidet” und das “War schon OK, was sie gemacht haben”.

Das was manche Zionisten als „antisemitische Unterstellung“ anprangern, propagieren andere Zionisten lautstark (oder prahlen damit)… > Behandlung Palästinenser, Meinung über Region, Beeinflussung des Westens,… Für die Grausamkeit im Zionismus gibt es (zynische) Unterstützung oder aber ein Auge-zudrücken (oder ein Mittelding). Hegemonial ist die Unterdrückung der Thematisierung. Zionisten geht es dabei um die Aufrechterhaltung einer Ordnung deren Exponenten und Nutzniesser sie sind. Israels “war against incitement” (und der seiner Helfer) soll nicht nur dazu dienen, von der eigenen Politik (hauptsächlich der ggü Palästinensern) abzulenken, er ist auch selbst eine Form von Hetze. Und eine “Verlängerung” der israelischen Zensur. In (bzw unter) Israel gibt es nur für eine Seite Demokratie, nur für eine Seite Medienfreiheit. Dort entscheidet der Militär-Zensor, was israelische und palästinensische Medien berichten, und was dort tätige ausländische Journalisten an Informationen bekommen. Trotz dieser Zustände: “Gott sei Dank gibt es die israelische Presse, wie ich immer sage. Denn wo sonst wird heutzutage noch die grausame, brutale Behandlung verurteilt, die Israel den Palästinensern angedeihen läßt? … Denn in der westlichen Welt ist derzeit fast überall eine extrem bösartige Verleumdungskampagne im Gange. Jeder Journalist, jeder Aktivist fällt ihr zum Opfer, der oder die es wagen sollte, die israelische Politik u. die sie gestalten zu kritisieren. Immer wahlloser wird dabei die Allzweck-Verleumdungswaffe des ‘Antisemitismus’ zum Einsatz gebracht, selbst gegenüber Leuten, die die Skrupellosigkeit palästinensischer Selbstmordanschläge um kein Haar weniger verurteilen als die Grausamkeit Israels, das auch immer wieder Kinder tötet. Man versucht die Leute einfach mundtot zu machen.”

Schrieb der britische Journalist Robert Fisk, gegen den auch gerne die “Antisemitismus”-Keule geschwungen wird. Deutsche Journalisten (wie Sabine Scholt vom WDR) kriechen vor Militärsprecher Shalicar, reden dann von „AS“. Israel (sein Militär, auf Anweisung seiner regierenden Politiker) schliesst immer wieder Radio-Sender im Westjordanland (weil sie “Hetze verbreiten”), verhaftet dort Journalisten oder tut Schlimmeres; Palästinenser werden auch für Facebook-Postings verhaftet… Im israelischen Kerngebiet wird (mit Polizei, Justiz, Politik) auch gegen Medien der israelischen Palästinenser vorgegangen. Von staatlicher israelischer Seite wird auch gg Menschenrechtsgruppen, Anti-Besatzungs-Initiativen u.ä. vorgegangen, zumindest solange diese in Israel und Rest-Palästina agieren. Während dessen gibt Netanyahu israelischen Medien und IT-Seiten freie Hand, die gegen Palästinenser hetzen. Ein “war on incitement” wie in Netanyahu & Co führen wollen, wird nichts am palästinensischen Leiden ändern – es soll vor den Augen der Welt verborgen werden. 2015 reiste Israels Vize-Aussenministerin “Tzipi” Hotovely in die USA, in’s Silicon Valley in California, zu den Bossen von Google, um über dessen Tochtergesellschaft Youtube zu reden, bzw über Zensur – was Videos von israelischen Brutalitäten an Palästinensern betrifft.

Netanyahu behauptet(e), solche Videos hetzten Palästinenser auf59, um “des Friedens Willen” müssten sie daher zensiert werden. Als ob nicht die Besatzung und die Unterdrückung, sondern Zeugnisse davon das Problem wären… Sehr viele Palästinenser haben selbst solche Erfahrungen gemacht; und in vielen Fällen werden Videos von israelischen oder anderen Juden gepostet bzw der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – so wie das von der Hinrichtung eines Messerstechers in Hebron ’16 (s.o.) durch einen Soldaten, der zum Held wurde. Und zwar durch das Narrativ, “sie sind auf unsere blosse Existenz aus60, wollen diese vernichten (und er wollte uns beschützen)”, das (nicht nur hier) die Realität verzerren/verdrehen soll, jene der Besatzung, für die Palästinenser, in Hebron und anderswo. Die Hetze und Verhetzung, die von Netanyahu und anderen israelischen Politikern und Militärs kommt, spielt in diesem Konflikt auch eine Rolle…61 Und, jene die die Situation der Palästinenser thematisieren oder dabei Abhilfe/Erleichterungen schaffen wollen, werden auch drangsaliert. Die Arbeit von NGOs in der TR und in IL, und der Diskurs darüber… Die viel beschworene Medien-/Pressfreiheit, wenn sie in Staaten62 die mit dem Westen verbündet sind, verletzt wird, steckt man die Köpfe in den Sand.

A propos Türkei und Israel: die westlichen Kommentare zu den Gezi-Protesten 2013…„Vorgehen Türkei gegen Demonstranten“, „Gewalt gegen die türkische Opposition“, „umstrittenes Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten“, “Die türkische Regierung droht den Demonstranten im Land mit dem Einsatz der Armee.”,… > Proteste der Palästinenser an den Grenzen des Gaza-Ghettos gg die Besatzer, in irgendeiner Stadt im Westjordanland gg israelisches Militär oder in Galiläa/Jalil/Galil oder Negev/Nagab von israelischen Palästinensern…und da geht es nicht um ein Bauprojekt oder eine bestimmte Regierung, sondern ein jahrzehntelanges Schicksal unter diesem Staat. Ja, Polizeigewalt (zB gg Demonstranten) in Russland oder Türkei, und solche in USA oder Israel-Palästina (dort normalerweise Militär). Oder politische Gefangene hier und dort, Widerstand als politischer (manchmal physischer) Selbstmord, doppelte Standards… Die Skandalisierung des türkischen (oder russischen) Eingreifens in Syrien, die Tabuisierung des israelischen.63 Weiter mit dem Diskurs über den “Nahostkonflikt”:

„Provokationen“ im Kontext mit Islam und Erdogan (hier Einiges darüber) und im zionistischen Kontext: 2008 Aufruhr in Akka/Akko, aus orf.at dazu (Hervorhebung von Tiara): “Nach tagelangen Ausschreitungen zwischen Juden und Arabern in der nordisraelischen Stadt Akko hat die Polizei jetzt den VERURSACHER festgenommen. Gestern Abend nahmen israelische Polizeibeamte den arabischen Autofahrer in Gewahrsam, der in der Vorwoche mit seiner Fahrt während des höchsten JÜDISCHEN FEIERTAGES Jom Kippur (‘Versöhnungstag’) in ein überwiegend von Juden bewohntes Viertel die Unruhen in der Küstenstadt AUSGELÖST hatte. An diesem Feiertag ruht in Israel gewöhnlich der Verkehr, daher sahen die jüdischen Bewohner die Fahrt als PROVOKATION. Danach kam es in der Stadt an mehreren Tagen wiederholt zu ZUSAMMENSTÖSSEN zwischen Arabern und Juden, in deren Verlauf mindestens 20 Menschen verletzt und 54 RANDALIERER festgenommen wurden.” Gil Yaron in den “Salzburger Nachrichten” gibt auch den israelischen Palästinensern die Schuld für das Anfachen des “Konflikts”, das er mit Hilfe von israelisch-palästinensischen Bewohnern Haifas für den vom Pöbel belagerten Autofahrer ansetzt.64 Das ist eigentlich auch relevant bzgl Bigotterie(-Vorwürfen), der „es werde licht“-Sendung,…

Zustände die man in Iran oder Türkei bemängelt (bzw instrumentalisiert), verteidigt man bzgl Israel, auch was Überwachung betrifft. Im Falle Israels ist meist schon eine solche Thematisierung “Antisemitismus”. Menschenrechtsverletzungen, die niemanden aufregen oder nicht thematisiert werden dürfen… Kritik an israelischer Politik ist wohl deshalb so “schockierend”, weil man nicht wahrhaben will, Unterdrücker zu sein (bzw auf ihrer Seite zu stehen), unfähig ist, sich selbst nicht als das eigentliche Opfer zu empfinden. Das hysterische Gebell der proisraelischen Lobbyisten und Publizisten soll über Israels völkerrechtswidrige Politik hinweg täuschen. Was ja gar nicht in Frage kommt, ist, sich inhaltlich damit auseinander zu setzen bzw eine Glasglocke über „Israel“ weg zu nehmen. Nicht der Apartheid-Staat ist das Problem, sondern die Kritik daran…65 Man versucht, Widerstand gegen Israel (bzw Kritik an ihm) in Nationalsozialismus und Islamismus einzubetten, die Überbringer der Diagnose anzugreifen, die Situation von Juden im Exil mit jener in Israel/Palästina durcheinander zu bringen,…

Zionisten flüchten sich vor aktuellen “Konflikten” in die Doktrin eines „ewigen Antisemitismus“, versuchen damit von (pro-) israelischer Politik und Rhetorik (> C. Glick) abzulenken; eigentlich ein Fall von Täter-Opfer-Umkehr. Die alltäglichen Schikanen, Verhaftungen, Beschiessungen, Konfiskationen etc der Palästinenser werden als Selbstverteidigung oder aber Propagandalüge dargestellt, man versucht, die Rolle eines heldenhaften Opfers einzunehmen, redet von „anti-israel people“, „attacking israel“, „Antisemiten“, „Terror-Unterstützer“… Es ist für Zionisten entscheidend, Israel-Kritik in einen Zusammenhang mit „Antisemitismus“ zu stellen bzw so zu diffamieren. Bei Pro-Palästina-Demos gibt es Fotografen und andere „Beobachter“, die nach „gewissen“ Spruchbändern oder Rufen Ausschau halten, und glücklich sind, wenn sie etwas Entsprechendes gefunden haben, das selbe bezüglich Texten… Es soll eine einigermaßen kritische Auseinandersetzung mit Netanyahu und seiner Politik (v.a. ggü Palästinensern) sowie jahrzehntelangen Konstanten israelischer Politik unterbleiben. Israel darf nur als potentielles Opfer das sich wehrt, und Objekt der Beschönigung sowie der eigenen Profilierung vorkommen.

Man hängt sich (bildlich) einen gelben Stern um, um zu insinuieren, es ginge um (gegen) Juden (als Rasse bzw Ethnie), nicht um eine bestimmte Politik oder den Charakter des zionistischen Projekts. Beobachtungen des “Israel/Palästina-Konflikts” oder des Diskurses darüber ziehen unweigerlich “Antisemitismus”-Beschuldigungen und Verschwörungstheorien66 nach sich. Engagement für Palästinenser (Gesicht zeigen, zB bei Demonstrationen im Westen67) ohnehin; es werden Belege dafür gesucht, dass “Israelkritik” und „Antizionismus“ nicht von „Antisemitismus“ zu trennnen seien. “Avi” Shlaim zeigt in “The Iron Wall” auf, wie Israel die Politik des Jabotinsky-Ethos der “Eisernen Mauer” bis in die Gegenwart verfolgt und gleichzeitig die Mär vom Bedrohten und ewig Verfolgten pflegt.

Die Palästinenser werden gerne nur als Konfliktpartei dargestellt, die Israeler als menschliche Individuen (und Kinder des Holocaust,…) und potentielle Opfer. Auf zionistischer Seite ist Alles “Verteidigung”, bei Palästinensern Alles “Angriff” bzw “Aggression”. Bei jüdischen Opfern wird ihre Jüdischkeit in den Vordergrund gestellt, bei palästinensischen Opfern ergibt sich aus ihrem Palästinensisch-Sein gewissermaßen die Notwendigkeit zum Vorgehen gegen sie… Israelfreunde auf Youtube zu einem Video von Verhaftungen von Palästinensern: “War sicher kein Heiliger, gab sicher Grund dafür..”. Sie sind einfach Verdächtige, Terroristen, ihnen ist kein Widerstand gestattet. Typischer dummdeutscher Kommentar: „so als ob israelische Soldaten mutwillig Kinder abschießen würden. Davon kann keine Rede sein, auch wenn dieser konkrete Fall zweifellos scheußlich ist. Hingegen bringen die palästinensischen Extremisten ganz gezielt Zivilisten um. Dass es in letzter Zeit kaum noch Selbstmordattentate gab, ist einzig die Folge des unseligen Sperrzauns, den es aber nun einmal braucht, solange es massenhaft palästinensische Judenkiller gibt.” Alle israelischen Tötungen sind Notwendigkeiten oder Irrtümer, Palästinenser/Araber töten immer aus Freude bzw weil es um Juden geht, nicht weil es gegen eine Besatzung geht. Sich Scheuklappen anzulegen, ändert nichts an den Apartheid-Zuständen.

Es kommt eben darauf an, auf welcher Seite der Apartheid man sich wiederfindet… Und Israel-Verteidiger in Deutschland wie Michel Friedman haben kein grösseres Problem, als dass man von „jüdischen“ und nicht „israelischen“ Siedlungen spricht, hier sei AS gegeben; als ob Nicht-Juden in diesen Siedlungen leben dürften (und nicht für diese vertrieben werden würden). Andere versuchen, die Apartheid-Realität umzudrehen, es gehe bei der Verdrängung der Palästinenser nur darum, dass diese Gebiete nicht “judenrein“ sind. Oder um “natürliches Wachstum jüdischer Wohngebiete”. “Manchmal” aber auch darum, dass Gott dieses Land den Juden zugesprochen hätte. “Nett”, wenn im Rahmen der Siedlungstätigkeit auch Kindergärten oder Schulen gebaut werden; Palästinenser sind aber in jeder Hinsicht Israel unterworfen, auch bei Bautätigkeiten, erst Recht in Städten wie Hebron. Wo einige hundert israelische/jüdische Siedler inmitten von rund 200 000 Palästinensern leben „umfassend von der israelischen Armee geschützt werden“ (orf.at). Oder terrorisiert. Die „Beziehungen beider Seiten gelten als äußerst angespannt“.

Solche Verdrehungen in den Formulierungen der Medien kommen oft aus Ahnungslosigkeit, geschehen aber auch bewusst. Auch so etwas: „Sarah Palin gilt als starke Befürworterin des Existenzrechts Israels“. Ganz so defensiv wie das klingt, ist ihre diesbezügliche Haltung aber nicht; sie unterstützt die israelische Siedlungspolitik (Verdrängungspolitik); trägt auch eine Kette mit “Davidstern” um den Hals. Oder, über jemand Anderen: “supported the right of Israel to defend itself against rocket attacks from Hamas”. Aber, die Medien die angeblich so propalästinensisch und antiisraelisch berichten, das ist ein immer wiederkehrendes Motiv, auch so eine Realitäts-Umdrehung. Die Zeichnung des harmlosen bedrohten Israel, mit den starken bösen Regionalmächten, der Westen der passiv und beschwichtigend agiere (und echte Helden wie Bush und Trump verkenne)… Und natürlich das mit den doppelten Standards (dazu noch mehr)… ZB: 3000 tote syrische Demonstranten lösten keine Proteste aus, somit sei Thematisierung der usraelischen Militäraktionen “antisemitisch”…sagen Jene, die solche Massaker an Palästinensern als “Schutz vor Terroristen” unterstützen/begrüssen – die selbe Rhetorik wendet das syrische Regime an bei seinem Vorgehen gg Aufständische (“Schutz vor Terroristen”).

Greg Shupak diuskutiert in “The Wrong Story: Palestine, Israel and the media”, wie Mainstream-Medien die Kolonisation Palästinas trivialisieren: die Rhetorik von “zwei Seiten” (als ob es keine Besatzungssituation gäbe), die Darstellung des Konflikts als einen “zwischen Extremisten und Moderaten” und das Gerede von “Israels Recht sich zu verteidigen“. Gerne hervorgebrachte “Argumente” sind auch: eine Bevölkerung, die es auch in den prekärsten Situationen verstanden hat, demokratische Werte hochzuhalten [für sich]; den Palästinensern geht es auch (oder: gerade) unter Israel so gut. Der Terror gegen die Palästinenser wird ausgeblendet bzw als selbst verständlich (hin) genommen; dass es das ist was die Palästinenser zur Hamas treibt (diese gross werden liess), deren Aktionen nur die zionistische/israelische Politik wiederspiegelt, den Konflikt ankurbelt, will man nicht wahr haben. Diese Form von Nationalismus wird von Israel-Freunden über die viel beschworene(n) Menschenrechte, regionale und globale Stabilität gestellt.

Am 15. Mai 2016 nahm Michael Ben-Ari mit Anhängern der rechtsextremen Organisation Im Tirtzu an einer Demonstration gegen “israelische Araber”, die an diesem Tag der Nakba gedenken68, teil. Verkündete dazu höhnisch: „Wir sind hierhergekommen, um ihnen ein frohes Nakbafest zu wünschen. Sie heulen, weil sie es nicht geschafft haben, uns zu vernichten.” Wieder dieser Chauvinismus in Form von Unterstellungen von Vernichtungswünschen (oder schon mit Drohungen, dies zu “verhindern”). Gerade in den Kreisen von Ben-Ari und Im Tirtzu kommen Spott und Hohn ggü Palästinensern aber auch ganz ohne Vernichtungs-Unterstellungen. Bei Ariel Muzicant (> Teil II) dagegen Hymnen auf die himmelhoch überlegene Moral der Israelis, die Verachtung in Form von “Wir wollen mit ihnen in Frieden leben, sie sind aber aufgehetzt, demokratieunfähig, Israel verteidigt sich nur,…“69. Und dann das mit den Gewächshäusern in Gaza70, nein wie grosszügig… Auf Youtube ein Zionist, der anders formuliert: “The population in Gaza should be instructed to take out the dicks from the cunts of the Fatmas before ejaculating, then there will be no problem of density…And instruct the gazans not to cut the tip of the condoms before putting them on the dick…”

Wenn Muzicant über das Verhältnis zu Moslems in Österreich redet (oder Andere aus seinem Milieu), kommen Lamentos über jene, denen die Palästinenser ein Anliegen sind (die werden als hasserfüllt und feindselig ggü Juden dargestellt) und das Rühmen, dass man sie gegen Rechte (FPÖ,…) verteidige. So etwas was zB Hackl (Erich/Christian?) vor einigen Jahren im “Standard” geschildert hat, wird weit von sich gewiesen. Er schrieb über eine österreichische Studentin in Israel/Palästina, die als propalästinensische/israelfeindliche Aktivistin ausgewiesen wurde. “Die junge Frau der Einwanderungsbehörde nennt sie ‘Araber-Freundin’ und beginnt über Muslime in Europa und deren Gefahrenpotenzial zu reden.”71 Ja, die Einen loben Netanyahu für seine (n Willen zu) Scheinverhandlungen, die Anderen bejubeln seine Ankündigungen, das Westjordanland (oder Teile davon) annektieren zu wollen. Gerne wird eine Ritterlichkeit der israelischen Seite behauptet, eine unsittlich-barbarische Kriegsführung der anderen. Die Realität über das israelische Militär ist weniger heroisch. Es macht den Palästinensern in den kleinen Gebieten die ihnen noch geblieben sind, das Leben täglich schwer.72 Und genau dafür wird es auch von Vielen (jüdischen und nicht-jüdischen Zionisten) geschätzt.

Was “Sanktionen” im weiteren Sinn für seine Besatzungspolitik betrifft, ist Israel (und seine Fürsprecher) sehr sensibel, wie etwa die Reaktionen auf Boykott-Aufrufe oder die Kennzeichnung von Waren aus den Siedlungen (die nicht einmal Israel an sich bestrafen!) zeigen. Bei der Mauer und den Siedlungen heisst es, diese töteten niemanden, so schlimm seien diese also nicht.73 Wenn es nun aber um ökonomische Strafmaßnahmen  geht… Israels Ministerium für strategische Angelegenheiten verlangte von der EU, Finanzhilfen für NGOs davon abhängig zu machen, dass sich diese gegen einen Boykott Israels bekennen… Aus diesem Ministerium wird gegen die “Feinde Israels” ordentlich ausgeteilt.74 Natürlich gibt es diese Art von Propaganda nicht nur von staatlicher/offizieller Seite. Newsdesk Israel etwa firmierte nach den islamistischen Anschlägen/Massakern in Paris 2015 ein Video von Palästinensern, die nach der Gewährung des Beobachterstatus bei der UN 2012 jubelten, um, als Footage von Palästinensern die über die Anschläge in Paris jubelten.75

Doron Rabinoviczi, österreichisch-israelischer Autor, erzählte von einer Diskussion im Wiener Veranstaltungszentrum WUK zu “Nahost”, von pro-palästinensischen Österreichern, denen er verblümt “Antisemitismus” unterstellt (der Palästinenser Abado sei ausgewogen gewesen); “Warum ist das für die ein so grosses Thema” – fragt er sich das auch bei den österreichischen IL-Fans (wie man sie zB in IT-Diskussionsforen erleben kann und die oft “etwas Gehässiges” haben)?? In Österreich und Europa generell werde vielfach “nicht verstanden, warum für Israel das Regime in Teheran eine unmittelbare Lebensbedrohung sei” – und es daher eine dauerhafte Präsenz des Iran in Syrien unbedingt verhindern will, auch mit militärischen Mitteln, wie im Frühling 18 geschehen. Dass die FPÖ und andere Rechtsparteien Israel nun als „Bündnispartner“ gegen Djihadisten sehen, das an der „äussersten Front“ im Kampf gegen Islamismus stehe, liegt für Rabinovici in einem „Missverständnis“ begründet. Denn die Rechte übersehe, dass Israel „nicht gegen das Kopftuch kämpft und auch keinen Kulturkampf führt, sondern einen nationalen Kampf“. Djihadisten gehe es nicht darum, dass es keine österreichische Stadt auf diesem Boden geben soll – sehr wohl sei das aber mit Tel Aviv, Netanja und jeder anderen israelischen Stadt der Fall. Europa müsse nicht ein Land verteidigen, sondern die freie Gesellschaft. Mit jeder Verschärfung in Richtung „kulturalistischer Konflikt, in dem alle Musliminnen, die Kopftücher tragen, zu unseren Feinden werden“, gehe man auf das Konzept der Islamisten ein.

Da singt auch er das Lied von Israel als der sich nur selbst verteidigenden (und unverstandenen) Unschuld… Vermischt den “Kampf” von Salafisten (wie al Nusra in Syrien) mit dem Widerstand in Palästina (welcher ist den Palästinensern denn gestattet?). “Lebensbedrohung, “nationaler Kampf”, “Überlebenskampf”,…siehe Abschnitt “Existenz”. Den nationalen Kampf Israels sehen ja viele Zionisten (ob israelische oder nicht, auch nicht-jüdische, ob Politiker oder nicht) darin, den Palästinensern (dies- und jenseits der grünen Linie) das Leben schwer zu machen (weil das Land “uns” gehört und mit anderen Begründungen), ihre Existenz bedrohen, zB in Hebron; und während die Gebiete der Palästinenser immer kleiner werden, verlangt Israel (und seine Befürworter für es) von der Gegenseite “Anerkennungen”, als “jüdischer Staat” und so weiter. Israels Politik bezüglich Syrien76 verdient auch nähere Betrachtung, darunter sein (unausgesprochenes) Bündnis mit Saudi-Arabien auch dort (das für Andere eine Bedrohung darstellt…), siehe unten. Dass Israel und Djihadisten immer verfeindet wären, stimmt ja nicht. Es stimmt auch nicht, dass es ein „Missverständnis“ von Seiten der westlichen Rechten wäre, Israel als Bündnispartner gegen Islam/Islamisten zu sehen.

Da ist nicht nur Netanyahu der vor der Wahl 15 der israelischen “Linken” eine “Kapitulationsmentalität” ggü “Islamismus” unterstellte und dabei die Grenzen zwischen IS und palästinensischem Widerstand zu verwischen trachtete, und Lieberman der den “Überlebenskampf Israels” in den Kontext eines grösseren solchen “Kampfes” zwischen dem Westen und Islam/Islamismus (da wird nicht so genau unterschieden77) stellt, und Kontakte zu europäischen Rechtspopulisten unterhält, Bennett, und so weiter; nebenbei: das sind die Regierenden Israels. Da hat Rabinoviczi den Diskurs der letzten fast 20 Jahre verschlafen oder er tut so als kenne er ihn nicht. Diesen “gemeinsamen Grund” bzw “Kampf” zu sehen, ist im Westen wie unter Zionisten Mainstream (geworden); wenn man FPÖ, AfD, FN,… weg-tut, bleiben immer noch die (Kurz-) ÖVP, CDU/CSU, Republican Party,… Es gibt diese klaren Abgrenzungen von israelischer Seite nicht, im Gegenteil78, darum ging es ja (nicht zuletzt) in Teil II. Und wie sich zB bezüglich Südafrika oder USA (früher wie heute) zeigt, geht es nicht nur um Moslems bzw Orientale, auch um andere Nicht-Weisse…

Genau so wenig, wie Ressentiments und Rassismus von FPÖ nur an “Kopftüchern” und Islamismus fest zu machen wären, wenn es nur so wäre… Rabinoviczi wäre glaubwürdiger, wenn er Israel nicht als Monolith darstellen würde (“Israel führt keinen Kampf gegen das Kopftuch, auch keinen Kulturkampf…”), sondern dessen Diversität berücksichtigen würde. Es gibt ja jüdische, israelische Gruppen die anderen in grundlegenden gesellschaftlichen Fragen diametral gegenüber stehen, bei den letzten beiden Wahlen waren das in etwa die “blau-weisse” Allianz und das Netanyahu-Lager (mit den religiösen Parteien und den religiös-nationalen). Einen Kulturkampf gibt es (auch) dort; das was er als “freie Gesellschaft” bezeichnet, ist das Yair-Lapid-Konzept, das ist kein Konsens dort… Und ist das hier Konsens? Derartige Kritik bringt er immer wieder. Selbiges gilt für den Sprayer in Wien der sich über “österreichische Nahostexperten” echauffiert, zB an diesem WUK, aber mit österreichischer Israel-Solidarität kein Problem hat.79

Pro-Israel Kundgebung Wien (Lugeck) ’14 während des israelischen Bombardements des “Gaza-Streifens”

Kanzler Sebastian Kurz hat seit Ausbruch der Koalitionskrise 19 infolge des Ibiza-Videos mehrmals betont, dass der israelische PR-Berater Tal Silberstein hinter dem Video steckt. Auch hier ortet Rabinovici ein “Spiel mit antisemitischen Stereotypen”; bereits im Wahlkampffinale 2017 habe Kurz die Wahl als „Volksabstimmung darüber, ob wir die Silbersteins in Österreich wollen“, bezeichnet. Silberstein arbeitete damals für die SPÖ unter Kanzler Kern und startete eine “Dirty-Campaigning-“Kampagne gegen FPÖ und ÖVP. Kurz sei damals von ÖVP-nahen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Wiens auf die “antisemitische Tendenz” angesprochen worden, habe entgegnet, es sei “so” nicht gemeint gewesen. Was hier wiederum auffällt: Rabinoviczi findet an dieser ÖVP/FPÖ-Regierung etwas Antisemitisches, hat aber anscheinend nichts auszusetzen an ihrer Behandlung, ihrem Diskurs von „Antisemitismus“ (die Aktionen von Sobotka, Strache,…) oder an ihrer pro-israelischen Ausrichtung (ÖVP wie FPÖ; siehe Teil II). Es stört ihn nicht die Stossrichtung, die schwarz-blaue Koalition ist ihm nur nicht “anti-antisemitisch” genug. Aber, solange Kurz auf seinem hardcore-pro-israelischen Kurs bleibt…wird Kritik an ihm aus der IKG klein bleiben. Rabinoviczi bemängelt “Verständnis” für Israel in Österreich; Maxim Biller beklagt „Hassausbrüche gg Israel in Deutschland“, den proisraelischen Rassismus (zB von der AfD) übergeht er (wobei sein „Befund“ schon nahe an der einen Spielart davon ist) ebenso wie Rassismus und Chauvinismus aus/in Israel.

Hans Rauscher schreibt von aus dem Nahost-Konflikt heraus argumentierten “Urteilen” über Juden…aber die aus diesem “Konflikt” und aus einem “Westismus” herausargumentierten rassistischen Urteile über Orientale, der Philosemitismus, der Charakter der Israel-Solidarität… Wolfgang Sobotka nahm das Gedenken an die „Reichskristallnacht“ in Wien 1938 zum Anlass, um vor “neuem Antisemitismus” zu warnen, häufig diene dabei der Staat Israel als Projektionsfläche…Leuten wie ihm aber auch, in anderer Hinsicht. Wenn sich Leute im Westen gegen Unterdrückung der Palästinenser engagieren, wird ihnen gerne vorgehalten, sie könnten sich doch auch für Zypern oder Afrika („wo es Leuten schlechter geht“) engagieren, sollten sich lieber mit Nazi-Vergangenheit befassen, ihre „Israel-Kritik“ käme aus dieser heraus, sie verstünden nichts von dem Konflikt, sollten sich lieber mit Moslems/Islamisten (“gefährlicher”) befassen, Israel/Juden sei(en) das eigentliche Opfer. Dazu lässt sich natürlich Viel sagen… Zum Beispiel: Menschen verhungern, werden bombardiert und massakriert, doch manche Organisationen und Personen halten es für wichtiger, in Europa und anderswo nach Antisemiten zu suchen. Oder, welche Rolle Nazi-Vergangenheit bei Israel-Solidarität spielt.

In einer IT-Diskussion in der es (ursprünglich) um die Waldbrände in Haifa 2016 ging (für die israelische Palästinenser verantwortlich gemacht wurden)80, fand Tiara auch so jemanden (irgendwo aus den englisch geprägten Ländern), der in seiner Israel-Begeisterung und seinem Philosemitismus Rassimus und Menschenverachtung an den Tag legt, während er sich über Antijüdisches in den Diskussionen empört. Der auf Disqus registrierte “Titanium” gibt sich als liberal und aufgeklärt; Hervorhebungen & Kommentare von tiara.

Even Russians don’t use this retarded Khazarian empire propaganda, they invented. Too dumb. Palestinian people have been created by KGB strategists too after a shameful disaster of 1967 but you are too dumb to know that. It’s time to upgrade your Nazi propaganda ante, learn something fresh, something more hip, in line with the Millenials’ thinking?…” – „Nicht einmal Russen“…die Russen sind auch mindestens eine Stufe unterhalb in der „Rassenhierarchie“. Unterhalb von wem eigentlich? Juden und Anglos? Oder gewissen von denen. Und jenen Teutschösterreichern die sich unter sie zu schummeln verstehen… Über das Geld das von der USA an Israel fliesst: “Have you also bothered to check WHY! and how this money is spent? First, there is a financial reciprocity in this ‘special relationship’ quite unlike any other that the USA has. Much, and in many years most, of the money that the USA gives Israel has been used by Israel to purchase goods and services, both military and civilian, from the USA, so that American aid money is recycled back into the American economy. Nearly 90% of US aid to Israel is military, and Israel spends about 75% of that buying U.S. goods. This aid has been described as an indirect American subsidy to U.S. arms manufacturers. But, second, there is more to this issue than merely Israel’s using American money to help the US economy. Israel is a very powerful military ally as well. The security cooperation between Israel and the United States is vast, and Israel has consistently been a major security asset to the United States, an asset upon which America can rely, far more so than have been other state recipients of American largesse. In the field of military intelligence Israel is arguably the world’s leading expert in collecting intelligence on terrorist groups and in counter-terrorism. It provides intelligence and know-how to the U.S. According to Maj. Gen. George J. Keegan Jr., former head of U.S. Air Force intelligence, America’s military defense capability ‘owes more to the Israeli intelligence input than it does to any single source of intelligence,’ the worth of which input, he estimated, exceeds ‘five CIAs.’ He further stated that between 1974 and 1990, Israel received $18.3 billion in U.S. military grants. During the same period Israel provided the U.S. with $50-$80 billion in intelligen­ce, research and developmen­t savings, and Soviet weapons systems captured and transferre­d to the U.S. Israeli and American intelligence agencies continuously exchange information, analyses, and operational experience in counterterrorism and counter-proliferation. The U.S. Department of Homeland Security and its Israeli counterpart share technical know-how in defending against terrorist attacks, countering unconventional weapons and cyber-threats, and combating the drug trade. On the battlefield, Israeli armaments protect Bradley and Stryker units from rocket-propelled grenades, while Israeli-made drones and reconnaissance devices allow for safe surveillance of hostile territory. U.S. fighter aircraft and helicopters incorporate Israeli concepts and components, as do modern-class U.S. warships. The IDF has furnished U.S. forces with its expertise in the detection and neutralization of improvised explosive devices (IEDs), the largest cause of American casualties in Iraq and Afghanistan. Former Supreme Commander of NATO and U.S. Secretary of State Gen. Alexander Haig (deceased) described Israel as ‘the largest US aircraft carrier, which does not require even one US soldier, cannot be sunk, is the most cost-effective and battle-tested, located in a region which is critical to vital US interests. If there would not be an Israel, the US would have to deploy real aircraft carriers, along with tens of thousands of US soldiers, which would cost tens of billions of dollars annually, dragging the US unnecessarily into local, regional and global conflicts’. In short, support for Israel has been a very profitable investment for the USA. Israel is an ideal ally for America in the Middle East. Haifa is one of the safest and most hospitable ports for the 6th Fleet, a dependable base for pre-positioning emergency military stores for deployment in neighboring countries, and a base for close-by sophisticated medical services. For a 3 bil a year – INCREDIBLE BARGAIN! What do American taxpayers get from bankrolling nasty murderous parasites, fake Pali people?” – Um den letzten Satz ganz zu “verstehen”, “musste” die ganze Litanei gebracht werden, keine Zusammenfassung. Damit der Charakter von Israel-Solidarität (das ist kein Ausreisser) noch einmal veranschaulicht wird, die von jemandem der an anderer Stelle greint: “…It’s been a shocking surprise to see such a tsunami of Jew hatred on this site.”, oder “Your comments just show how ignorant, uneducated and narrow minded you are, yet your hatred has no limits.”

Weiteres zu diesem “titanium”: “…Do you know that the Russian Tzar, Alexander II, the Liberator (he liberated Russian Serfs, yes, millions of white slaves no one talks about) was assasinated by the Russian terrorists/nihilists.” – Spätestens hier merkt man, dass man es mit einem sehr Rechten zu tun hat, der ausserdem Geschichte verbiegen will. Alexander II. für seine Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 (!) zu rühmen, ist ungefähr wie das Lob für Israel, dass es sich aus dem Gaza-Streifen oder vom Sinai zurückgezogen hat, seine eigene Besatzung dort beendet hat… “Brits were fighting Arab terrorists in Palestine way before Israel was founded in 1948. This is when the practice of wrapping bodies of dead terrorists in pig skins had stopped the wave of terror. We are too politically correct pussies to do it now, though we should.” – eine Allianz bzw Waffenbrüderschaft der Briten mit den Zionisten 1918-1948? Nicht wirklich… “So here we have a prime example of a psychopathic, post-rejection Jew hatred, and an ideal material for a Hitler wannabe. He might be even a self-hating Jew himself, like Soros. Those are the most vicious.” Nicht er, aber ein Gleichgesinnter: “God bless Israel. And please have mercy on these stupid racist hate filled dimwits who have been totally brainwashed by Muslim propaganda.”, und über Leute mit “poop colour skin” und “monobrows”… – So etwas ist bei IL-Solidarität nie weit; da sieht man auch was von Schwarzen oder Latinos im US-Militär gehalten wird, von Drusen im israelischen, von kurdischen “Verbündeten”,… So etwas kommt von den selben, die dann bei einem vermeintlichen Giftgasangriff im Syrischen Bürgerkrieg unverschämt Anteilnahme für Syrer vorheucheln, wenn es um eine massive Intervention der USA und anderer führender Westmächte in Syrien geht.81

„titanium“ hat auf seiner Profilseite seine Beiträge verborgen, das Muster bzw der Charakter würde noch deutlicher werden; nicht nur hat er die ärgsten Hasspostings positiv bewertet, er schreibt auch selbst solche. Kein Wunder, dass Pro-Israel-Aktivisten die Veranstaltung „Israels rechte Freunde in Europa und in den USA“ in Bonn verhindern wollten.82 Das hört man nicht so gerne, darüber wird kaum geredet: Rassismus von Juden, individueller und der im Zionismus angelegte, und was unter Philozionismus bzw Israel-Begeisterung so alles blüht. Israels Geschichte wird lieber als ein einziger heroischer Kampf gegen das Böse verstanden, gegen Faschisten, Islamisten,… Wer das realistischer sieht, für den wartet auch das “Antisemit”-Etikett. Die Sache mit den Bündnissen, die von Israel eingegangen wurden und werden (von den Evangelikalen über lateinamerikanische Diktaturen bis zu den Saudis), und mit der Bewunderung, die es bekommt, ist ein “empfindlicher Punkt” für Zionisten, weil dies dem Topos von Reinheit und Unschuld entgegen steht.

Relevant dazu ist auch der Teil mit Fidel Castro im II. Teil. Ein zionistischer Kampfposter im Forum von “Der Standard”, der mit der “Antisemitismus”-Keule Kritik an Israel abzuwürgen versucht: „immer wieder schön wie sich die Antisemiten aufregen müssen und einander dann erklären, was Israel alles darf/muss/soll…kaum vorzustellen, was dieser Mob anfangen würde, wenn Juden keinen Staat hätten oder doch, eigentlich muss man sich nur die Taten der Grossväter der hier postenden ‘Experten’ ansehen…”. Bei Lob oder Zustimmung für Israel aus Österreich/Deutschland (von Osten-Sacken bis Strache) sind dann deren Grossväter GAR NICHT so wichtig, befindet man sich plötzlich in einer “westlichen Wertegemeinschaft” oder “jüdisch-christlichen Zivilisation”; der eigene Rassismus und Verachtung ggü Palästinensern ist ohnehin tabu. Das Leid der Palästinenser braucht diese Österreicher/Deutschen/… nicht zu kümmern, warum auch. Und gewisse “Antifaschisten” nehmen Israel-Unterstützung83 auch von ganz rechts, während sie Palästina-Solidarität zu diffamieren trachten (als “antisemitisch”).

Das Verzerren des Konfliktes in/um Palästina/Israel zu einer Folge religiöser Intoleranz…die Ethnisierung und Konfessionalisierung des „Nahostkonflikts“, die (pro)israelischen Versuche, ihn auf die religiöse Ebene zu legen bzw durch diese Brille zu sehen..84 Der “eine jüdische Staat und 20 arabische und dutzende moslemische” > als ob die Zahl der Länder die arabisiert oder islamisiert wurden, etwas bezüglich der Behandlung der Palästinenser entlasten würde, etwas an Menschenrechtsverletzungen ändern. Deutsch wie Muzicant (Führer Jüdische Gemeinde Wien) zB bringen gerne die Ebenen Religion-Nation (die im zionistischen Konzept verschmelzen!) durcheinander, zB wenn sie behaupten, dass es “auch Moslems” in Israel so gut gehe (oder “unter”?). Der alawitische Syrer Esber/Adonis hob dagegen Israel mit seinem ethnonationalistischen Charakter negativ ggü der Region hervor. Wie schon mehrmals betont, sind Juden eigentlich eine ethno-religiöse Gemeinschaft, und im Zionismus dreht sich auch alles um den ethnischen Charakter des Judentums (bzw die Juden als Volk). Da hat der „Antisemitismusforscher” Clemens Heni ausnahmsweise recht.

Wahrscheinlich ist es verlockend, einen Konflikt Juden-Moslems um Palästina/Israel zu sehen, einen Religionskonflikt. orf.at: „Als Reaktion auf anhaltenden Raketenbeschuss Israels aus den Palästinensergebieten griff Israel (2014) für einige Wochen Gebiete in Gaza an. Der Krieg empörte vor allem Muslime und heizte die religiösen Konflikte weltweit – aber auch in Frankreich an.“ Nichts über das Töten und Zerstören in Gaza, nichts über die Unterstützung Israels, nichts über die Vorgeschichte dieses „Raketenbeschusses“, es ging quasi um verletzte religiöse Gefühle…; siehe auch den Abschnitt über Haifa und die religiöse Empörung dort. Max Blumenthal, ein progressiver jüdisch-amerikanischer Aktivist, hat den #JSIL-hashtag auf Twitter eingeführt, der zum Ausdruck bringen soll, dass Israel (“JSIL”) beansprucht, das Judentum zu repräsentieren, so wie IS(IL) den Islam. Islamophobe und Islamisten treffen sich darin, dass sie Individuen am liebsten über ihre (angebliche) Zugehörigkeit zu einer Religion klassifizieren; bei Antisemiten und Zionisten ist es wahrscheinlich ähnlich.

Islam (“Angst” vor Fundamentalismus, Terror) wird auch im Judenstaat oft vorgeschoben wird, zur Rechtfertigung für Xenophobie (daneben auch für Besatzung und Minderheitenfeindlichkeit). Netanyahu ein Mal, die israelische Vorherrschaft bzgl aller Ausgrabungen in Israel/Palästina “begründend”: „Wir haben ja schon gesehen, was mit den heiligen Stätten im Nahen Osten passiert – was in Palmyra, im Irak und in Syrien und an anderen Orten passiert ist. Radikale Muslime zerstören gegenseitig ihre Moscheen, gar nicht zu reden von christlichen und jüdischen Stätten.“  > Fleischhacker über Raubkunst aus Afrika in Europa, im Brasilien II – Artikel. Relevant in diesem Kontext sind auch die Bekundungen aus Israel, 09 auf einen Sieg Ahmadinejads bei der iranischen Präsidentenwahl zu hoffen (siehe). Oder gewisse Haltungen zum Arabischen Frühling. Eine Art von Ethnisierung ist es natürlich auch, die Verurteilung der zionistischen Verbrechen in Palästina als “rass(ist)ischen Antisemitismus” zu diffamieren.

“How BDS is trying to blow up the Jewish state” – Bildschirmfoto eines Videos von Rabbiner Jonathan Sacks

Sind die Interessen von Israel und jene der westlichen Welt wirklich eins, wie das etwa von Netanyahu gelegentlich insinuiert wird? Oder sollten sie das eigentlich sein und wäre das die moralisch richtige Seite? Oder ist es schon eine Anmaßung, dass der Staat Israel und die Juden weltweit die selben Interessen hätten? Und, die jüdische Bevölkerung Israels, ist die wirklich eins, zB hinsichtlich der Haltung zur Religion?85 Wenn es heisst, Juden und Christen hätten einen silbernen Weg gefunden (aber mit Moslems sei das anders), teilten gemeinsame Werte, ist da wieder das Pressen von Menschen in konfessionelle Schubladen; es werden Gemeinschaften/Kollektive vorausgesetzt, die so nicht existieren, und dort die “inneren Gräben” übergangen. Und es werden die Nicht-Weissen aus der “christlichen Welt” ausgeblendet, sie zählen nicht wirklich…werden als “Dritte Welt” ausgelagert.86 Aber auch aus der weissen/westlichen Welt werden Leute ggf heraus-definiert.

Im Zionismus dominierte seit den Anfängen in der zweiten Hälfte des 19. Jh (und bei der Linken noch mehr) die Überzeugung, man müsse sich an den Westen klammern, um sich in der Region behaupten zu können. Im Zeitalter der Islamkrise liess sich auch für Israel der Glaube an die zivilisatorische Überlegenheit des “Westens” und an die Zugehörigkeit zu ihm neu affirmieren und argumentieren. Israel-Fürsprecher im Westen wiederum (linke wie rechte) sehen den Staat gerne als liberalen, westlichen Aussenposten in einer barbarischen Region (ähnlich wie es Herzl einst formulierte), und das verstärkt in den letzten fast 20 Jahren. Die Einstellung mit der “asiatischen Barbarei” und der Überlegenheit westlicher Kultur hat sich gehalten, wurde integraler Teil des zionistischen Chauvinismus’. Wobei auch die (vermeintliche/tatsächliche) Kultur von anderen Juden als “primitiv” gesehen wird, die Mizrahis sehen sich daher oft genötigt, sich von anderen “Orientalen” (Palästinensern,…) abzugrenzen, sich abzuheben. Ehud Barak, der Militär, der für die Mifleget HaAvodah/ Arbeiterpartei 99-01 Ministerpräsident war, beschrieb Israel als “Villa im Dschungel”… In der Kampagne für die Wahl 2001 (die er gegen Scharon verlor) rief er “Wollt ihr nach Europa oder in den Kosovo?”.

Es gibt auch eine massive Auswanderung von jüngeren Israeleren nach West-Europa (auch Nord-Amerika,…), nicht zuletzt nach Deutschland (Berlin!). Entgegen den Phrasen von ach so gefährdeten und verschwindenen Juden dort („Kann man hier noch leben“)… Es heisst, (Zweit-) Pässe (west-) europäischer Staaten sind unter Israelis eine Art Statussymbol, Prestigeobjekt. Der israelische Politiker und Diplomat Daniel “Danny” Ayalon ist einer jener, die davon reden, “sie bedrohen unsere Existenz”, “aber auch die restliche westliche Zivilisation” (also so ungefähr wie Lieberman,…oder Broder). Womit israelische Politik und Militäraktionen einmal mehr als (heldenhafte) “Verteidigung” deklariert werden, die Feindseligkeit ggü der Region umgedreht wird (hier die westliche Zivilisation, dort das Böse)…in diesem Geist stehen ja auch Netanyahus Bemühungen, auch den Holocaust den Palästinensern umzuhängen. Relevant in diesem Zusammenhang sind auch Rabinovicizi (“Missverständnis”,…) und “titanium” sowie sein Kollege (über die Leute mit “kackbrauner Haut”). In den Clarion-Filmen/Webseiten/… heisst es auch „…mission is to educate people about the threat of radical islam“, „our way of life“, „western civilization“,…

Der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks (auch Parlaments-Mitglied87) sprach vor einigen Jahren auf der anglikanischen Synode von einer “weltweiten Schicksalsgemeinschaft von Christen und Juden”, die Beziehung der beiden Religionen/Religionsgemeinschaften sei noch nie so gut gewesen. Also was nun? Ein noch nie gesehenes Antisemitismus-Level im Westen oder aber die grosse Übereinstimmung zwischen Juden & Christen?88 Eine Einheit des Westens (minus die Antisemiten in ihm) unter Einschluss der Juden gegen …äh, seine Feinde halt, oder aber „Eurabien“ oder so etwas. Rechtsextreme Zionisten (also zB Bennett, Lieberman, noch rechts von Netanyahu oder Broder) sind auch nicht unbedingt einverstanden mit der westlich-säkularen Staatsdoktrin, nehmen teilweise eine negative Haltung zum Westen ein, wegen dessen vorgeblicher Liberalität (Menschenrechte, „Multikulti“,…). Da zählt nur, dass Israel ein jüdischer Staat ist (wobei Lapid zB “jüdisch” ganz anders definiert), Menschenrechte für Nicht-Juden sind da irrelevant. Der israelische Rechtsextremist Naftali Bennett sagte über die Siedlungs-/Besetzungs-/Verdrängungspolitik: “Der Westen wird es akzeptieren”. Auf den Orient (bzw die Region) und den globalen Süden wird ohnehin ges….sen, auch auf die “gemeinsamen Werte” und deren “Universalität”. Bennett auch: “Die Türkei führt die EU wie einen Tanzbären vor”. Ausgerechnet er…

Aber auch sie sind ja in den Augen der Westisten Teil des “freien Westens”. Aber sobald es in diesem leichten Widerspruch ggü Israel gibt (zB durch Pochen auf Universalität der vorgegebenen Werte), setzt die Antisemitismusdiffamierung ein, wird aus der “Wertegemeinschaft” (zB) das “antisemitische Europa” und sein “Opfer”, bzw, es werden entsprechende Gruppen aus diesem guten Westen herausdefiniert (zB Linke). Wohlgemerkt, bei Israel-Kritik, nicht bei echtem AS, oder auch sobald die Hegemonie, der Konsens gefühlt auf der “Gegenseite” ist. Zionisten stellen das westliche System gerne in Frage, wenn dieses tatsächlich universalistisch ist… Leute werden zu Unpersonen, obwohl (oder gerade weil) sie nichts als die Prinzipien des humanitären Völkerrechts, die vielgerühmten zivilisatorischen Standards des „Freien Westens“, verteidigen. Andreas Koller posaunt mal, man dürfe sich die “bürgerlichen Freiheiten nicht wegbomben oder wegadministrieren lassen” > die bürgerlichen Freiheiten der Palästinenser…oder jene die sich für diese Freiheiten einsetzen. Wieso dann eine “Einheitszivilisation” im Sinne der westlichen propagieren, wenn man den “Braunhäutigen” Selbstbestimmung usw. dann ohnehin nicht zugesteht, sie ggf als “zurückgeblieben” darstellt, eingesteht dass diese “Werte” keine universalistischen sind.

Westler sollen ruhig sein zur Unterdrückung der Palästinenser weil * sie Antisemiten, Nazierben oder auch Terrorfreunde sind; * ihr Abendland von den Zionisten gegen die Wilden heldenhaft verteidigt wird, sie das nicht zu schätzen wissen, naiv sind. Auch die EU und die USA, die wichtigsten Partner Israels (wirtschaftlich, strategisch, kulturell,…) bekommen das ab; siehe zB Glick zu Europa. Obama hat nichts zu sagen bezüglich “Israel”, heisst es, weil Staat der Juden; aber USA-Solidarität für den Judenstaat wird schon eingefordert, aber wie.       Aus diversen europäischen und anderen westlichen Staaten ist immer wieder von „Verantwortung für Israel“ die Rede; Unangenehmes wird als „Einmischung“ brüsk zurückgewiesen. Netanyahu sagt gerne, der Westen müsse dieses und jenes tun89, wenn es aber um Israel geht… Übrigens, bei Venezuela, wo Maduro sagt, er werde sich „dem Druck Europas nicht beugen“, wird diese Haltung als (weiterer) Beleg dafür genommen, dass er gestürzt werden muss; wer behauptet, dass es den Putschisten inner- und ausserhalb Venezuela um die Kontrolle der weltweit grössten Erdölvorkommen geht, leidet unter Verschwörungsphantasien. Ergebenheitsadressen an Israel à la Kurz/Merkel und fanatische Solidarität von Neokonservativen, Rechtspopulisten, Evangelikalen vorzugsweise aus der USA, das wird natürlich akzeptiert.

Als Ägyptens Diktator Sisi in Wien war, sagte Sebastian Kurz: „Wir sind in gute Gespräche eingetreten, wie man die Zusammenarbeit intensivieren kann“, der Bundeskanzler lobte Ägypten einmal mehr für die „Eindämmung der illegalen Migration“. Sisi, Mursi, Mubarak, Demokratie, der Westen und der Rest, Berlusconi, Trump, Netanyahu, al Saud, Erdogan, Orban, Putin, Bolsonaro, Rouhani, Pinochet,… Achselzuckend schwere Menschenrechtsverletzungen hinnehmen (aus politischer Korrektheit oder aus Zustimmung?) einerseits, andererseits Erhebungen unterstützen, sich als Verteidiger der Demokratie profilieren (> Iran, Hongkong/China,…). Was im Fall Palästina der Krawall von unbelehrbaren, aufgehetzten Antisemiten ist, ist anderswo das mutige, unterstützenswerte Streben nach Demokratie, gegen Besatzung und Unterdrückung. Eine Doppelmoral, die nach Interessenlage bestimmt, wer die “Guten“ sind und wer Terrorist, Geschäftspartner oder Schuft. Die Fassaden der liberalen Demokratie.

Japans Tenno Hirohito sollte 1945 eigentlich angeklagt werden, die USA verzichtete aus politischen Gründen darauf (wegen der Entwicklung, die Japan nehmen sollte). Bei Manchen aus der NS-Maschinerie war es ja auch so, wegen der Richtung die der BRD zugedacht war. Guido Preparata: “Und was die Dämonisierung des besiegten Feindes anging, hätten die Deutschen Angloamerika kein glorreicheres Geschenk machen können: Es ist, als ob sie sich unentgeltlich und folgenschwer als der Antichrist darstellten. Umgekehrt bedeutete dies, dass die angloamerikanischen Truppen und Kommandeure die Legionen Gottes sein mussten…Im mythologischen Namen führen sie bis heute ungestraft Kriege in aller Welt. Für Menschenrechte, Demokratie und Friedenssicherung, wie ‘sie’ sagen.” Deutschland war mit der BRD endlich im Westen angekommen; nicht mehr imperialer Eigenweg sondern Teilnahme an West-Imperialismus, der ja in Ordnung ist.

Aber, das vorgegebene Bild des Westens wird ja gelegentlich konterkariert, von Leuten aus diesem Westen! 2008 verfasste Handke einen Kommentar für die französischen Zeitung „Le Figaro“, in dem er an die Geschichte Jugoslawiens und dessen Sieg über den Nationalsozialismus erinnerte und die westlichen Staaten (im Hinblick auf ihr Eingreifen gegen Rest-YU in den 1990ern) als „Gaunerstaaten“ bezeichnete. Strache, Handke, die „Anti“deutschen und die Serben (…und der “Held” George W. Bush und sein triumphaler Empfang in Albanien mit anschliessender Anerkennung der Unabhängigkeit von Kosovo/Kosova)90. Über das Ende der Nachahmung des Westens in Osteuropa (Verlierer im Kalten Krieg) erschien kürzlich (von Ivan Krastev und Stephen Holmes) “Das Licht, das erlosch: Eine Abrechnung mit der Wende”. Die Autoren sehen die erzwungene Abtrennung der Krim von der Ukraine an Russland als Parodie/Nachahmung der USA-Aussenpolitik (bzgl der Abtrennung Kosovos von Rest-Jugoslawien bzw Serbien91) durch Putin. Aber auch Orban ist in diesem Kontext zu nennen…und Trump (der zum nationalen Egoismus steht, nicht von “westlichen Werten” schwadroniert und innerhalb der USA relativ still und heimlich einen weissen Ethno-/Partikular-Nationalismus fördert).

Besteht der Westen aus vorbildlichen Demokratien? Gehörte Apartheid-Südafrika dazu? Dort ist der Widerspruch bzw die Heuchelei etwas klarer als bei USA, Australien, Canada,… In Aussenposten Europas bzw der westlichen Welt gab es ggü „Eingeborenen“/“Farbigen“ ähnliche Einschränkungen wie in Südafrika, ab der Ankunft des weissen Mannes dort, nach der Emanzipation der dortigen Siedler vom europäischen Mutterland (Unabhängigkeit). Diese Rassendiskriminierungen wurden gar nicht so viel früher als in Südafrika (1990-94) geändert! Die Jim-Crow-Gesetze in der USA waren bis in die 1960er wirksam, die die Aborigines diskriminierenden Gesetze in Australien in den 1970ern,… In RZA sind Schwarze/Nicht-Weisse in der Mehrheit, das ist ein Unterschied. Im Apartheid-System war hin und wieder (zB auf Tafeln die die Petty Apartheid regelten) dezidiert von “Europäern” die Rede, wenn Weisse gemeint waren. Apartheid-Südafrika, in vieler Hinsicht ein enger Verbündeter Israels…

Die „Neue Kronen Zeitung“ titelte heuer: “Raketenhagel gegen Song Contest“, weil Geschosse aus dem Gaza-Streifen nach Israel gefeuert wurden. Die Probleme der Ersten Welt gegen jene der Dritten… Mehrere Dutzend Kulturschaffende in Grossbritannien haben den Sender BBC zum Boykott des Eurovision Song Contest in Israel aufgerufen. Israel sei wegen systematischer Verletzungen der Menschenrechte von Palästinensern nicht als Austragungsort des Wettbewerbs geeignet, hiess es in einem in der Zeitung “The Guardian” veröffentlichten Brief.  Die rund 50 Unterzeichner (darunter die Musiker Roger Waters und Peter Gabriel und die Modedesignerin Vivienne Westwood) forderten die BBC auf, sich für eine Verlegung der Veranstaltung in ein anderes Land einzusetzen. “Die BBC sollte sich an ihre Prinzipien halten und sich für eine Verlegung in ein Land stark machen, in dem es keine Verletzungen dieser Freiheit gibt.” Andere sehen Israel als Mitglied der 1. Welt, der Weissen, das sich gegen die unterentwickelten Orientalen behauptet (und nicht gegen die Holocaust-Urheber). Regierungen92 die “mit dem Säbel rasseln”, um die gravierenden Probleme im Land zu überspielen, gibt es auch in Israel…nicht zuletzt ggü Gaza, siehe oben.

Und, Rechte von Palästinensern werden gerne mit Auswüchsen islamischer Kultur anderswo zu desavouieren versucht. Als ob irgendein Islamismus israelische Besatzung und Apartheid rechtfertigen würden…bzw die Vorenthaltung grundlegender Rechte ggü normalen Palästinensern. Das Muster des israelischen Teils einer Zusammenarbeit mit Westlern bzw der Darstellung dieses Parts ist oft das des leidgeprüften, wissenden, vernünftigen, versierten, kundigen Mahners, Informanten und natürlich auch Opfers, das allzu oft auf taube, antisemitische, naive Ohren stösst und das Wohl eigentlich der ganzen Welt im Auge hat. Und, oft die Auffassung im Westen ggü Israel, dass diesem vollste Unterstützung zustehe, weil Vorposten des zivilisierten Westens in einer unzivilisierten Region, und dass sich eine solche Haltung aus dem Stehen zu “westlichen Werten” ergeben würde (korrelliert mit gewissen israelischen Selbstbildern). Westliche(s) Werte und Bewusstsein, nicht angekränkelt, keine Selbstkasteiung,… So wie das zB Alain Finkielkraut fordert. Bei diesen Westisten gleichzeitig Preisungen des Westens und Attacken, weil so “dekadent”.

Finkielkraut auch: Die europäischen Kolonisierung (zB jene Afrikas) hätte nur Gutes bedeutet bzw gebracht, die “Zivilisation” zu den “Wilden”, “westliche Traditionen” verfielen durch “Multikulturalismus” und “Relativismus”, und “Israel-Kritik” ist da für ihn irgendwie mittendrin. Im Westen hat sich gottlob eine kolonialkritische Haltung durchgesetzt, nicht unumschränkt, aber unter Intellektuellen bzw im wissenschaftlichen Diskurs schon. Die kolonialapologetische Position wird heute nur noch von einer Minderheit vertreten (dafür hat sich eine andere Art von “Westismus” etabliert). Broder bei Straches Veranstaltung im Kursalon Hübner (siehe Teil IV): “Deutschland ist zum Irrenhaus verkommen, das sich nicht mehr seinen fundamentalen Problemen stelle und seine Grundwerte verteidige, sondern lieber über ‘genderneutrale Toiletten’ diskutiere.”

Was bedeutet es konkret, dass der Westen zu seine Werten stehen soll, seine Grundwerte verteidigen? Wieder Anderl von Rinn-Verehrung? Soll man wieder auch die erste und zweite Strophe des Deutschlandlieds singen, was ja nach dem Zweiten Weltkrieg bzw der Nazi-Diktatur abgeschafft wurde? Die Deutschen wieder, auch die Österreicher, und die Migranten zur Integration? Oder eine illiberale Politik à la Orban? Strache lobte dessen Flüchtlingspolitk (“Mitstreiter und einsamer Verfechter eines christlichen Europas”) und wollte ja auch die Medienlandschaft Österreichs nach dem ungarischen Vorbild umgestalten… Aber, wie gesagt, militantes „West-Verständnis” kann unterschiedlich ausschauen, zB pro Russland (gerade wegen Putin) oder aber russophob (alten Traditionen folgend).

Aufstellung von auch slowenisch-sprachigen Ortstafeln in Kärnten 1972, deren Stürmungen, mit Hilfe der Polizei, eine Art neuer “Abwehrkampf”; Kundgebung in Klagenfurt dazu, wo es hiess “An klanen Adolf bräuchat ma”.93 Was sind die Werte? Sind Love Parade oder Pizza deutsche Kultur? Oder schlimmes Multikulti? Gibt eine deutsche Infrastruktur mit Würstchenbuden uÄ in Mallorca…auch mit Döner-Buden. Mina Ahadi, Onkel Tom der Islamophobie-Szene in Deutschland, eine ehemalige Kommunistin aus dem aserbeidschanischen Teil Irans, singt das Lied vom “Scheitern von Multikulti” nach; aber was genau ist darunter eigentlich zu verstehen? So etwas wie Penis-Beschneidung, also fremde Sitten? Dass es weniger chinesische Restaurants geben soll? Dem Westen folgen, von ihm lernen? Bedeutet was? Der Philozionismus von Grigat bzw “Der Standard” oder der von Strache/”Neue Kronen Zeitung“? Das jeweils andere Lager nimmt die Entscheidung jedenfalls übel… Es gibt ja auch jene, die moslemische Sklaverei thematisieren, um von der westlichen/europäischen abzulenken, und jene, die diese europäische Sklaverei positiv affirmieren, verteidigen. Ähnlich verhält es sich mit anderen Grossverbrechen des Westens; das Selbstverständnis heutiger „Westisten“ ist gewissermaßen multikulturell.

Europa, der Westen, verkauft seine vielbeschworenen Werte an den Teufel bzw für die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien, für wirtschaftliche und strategische Interessen. „Saudi-Arabien ist wichtig für Stabilität in Region“, und für das grosse Geschäft. Und da ist auch egal, was das saudische Regime in der Region so treibt und wie es im Lande herrscht. Saudi-Arabien ist der wichtigste Verbündete von USA, Israel, EU,… in der Region (“Naher”/”Mittlerer Osten”), trotz seines Regimes (bzw Charakters), und was es für die eigene Bevölkerung bedeutet (härteste Repression im eigenen Land), seiner Förderung des salafistischen Islamismus’ weltweit, Beanspruchung bzw Durchsetzung einer Hegemonie in der Region. Die Achse gab es im Kalten, Krieg, gibt es weiterhin. Waffengschäfte mit Mörderstaaten wie Saudi-Arabien…”Hoch lebe die westliche Doppelmoral und auch ein demokratischer Bauchschuss tut anders weh … oder tötet, sind ja deutsche saubere Qualitätswaffen!”94

Man klagt (eigentlich zu Recht) über arabische/islamische Diktaturen, fordert seit Bush II eine Demokratisierung “der Region” (eigentlich zu Recht) – und arbeitet mit der repressivsten dieser Diktaturen zusammen, weil es eigenen (egoistischen) Zielen dient. Der westliche „Kampf gegen Islamismus“ ist allgegenwärtig, aber der schlimmste (der saudische) wird gefördert…früher die Mujahedin in Afghanistan, aus denen die Taliban hervorgingen. Man redet und schreibt vom islamischen Faschismus, den wirklichen hätschelt man.95 Die wahren Islam(ismus)-Verharmloser (und “Kulturrelativisten”!) sind Saudi-Freunde und -Unterstützer wie Trump, Missfelder,… (gewesen). Gegenüber dem Iran (zB) werden Menschenrechte, Demokratie, Säkularismus angeführt, bezüglich KSA aber… Und, Saudi-Arabien ist ein wichtiger Verbündeter Israels geworden. In seiner Peripherie-Strategie hat Israel seit den 1950ern Verbündete am Rande “der Region” bzw der “islamischen Welt” gesucht (darunter Iran unter dem letzten Schah) – nun ist der wichtigste Verbündete in der Region die arabische Führungsmacht bzw das Zentrum der “arabischen Welt”. Siehe auch Glicks Ausführungen dazu. Aber Israel hat ja immer keine andere Wahl, als sich mit Vorster, Videla, Evren, Alijev, Bolsonaro oder eben Saud ins Bett zu legen (oder mit Skorzeny zusammen zu arbeiten).

Im Zionismus stellt man sich ja so gerne als Gegenpol zum Islamismus dar, versteht sich als Bastion der Aufklärung in einer dunklen Region,… Im Impressum von “Stop the bomb” dropthebomb wird zB eine „Liga für Aufklärung und Freiheit im Nahen und Mittleren Osten“ angegeben. Oh, und Homosexuellen-Rechte die bei dropthebomb so gross angeführt werden…auch da bekommt KSA eine Art Wild card. KSA, bzw sein Führer, Kronprinz Mohammed bin Salman al Saud (MBS), hat ja 2018 einen seiner Bürger (Jamal Khashoggi, der ein Dissident wurde) in seinem Konsulat in Istanbul töten lassen… Israel bzw seine NSO Group hat Saudi-Arabien mit der “Pegasus”-spyware ausgestattet, und zwei der Beamten, die MBS für den Mord pro forma “degradierte”, waren involviert in proisraelische Öffentlichkeitsarbeit in KSA. Nicht lange vor dem Mord an Khashoggi hat MBS bei einem Treffen mit jüdischen Organisationen in der USA schwadroniert, die Palästinenser müssten Trumps “Deal of the Century” azeptieren, zurück an den Verhandlungstisch kommen oder aber den Mund halten und aufhören “sich zu beklagen”…

Netanyahu war dann auch schnell zur Stelle mit Beschwichtigung zum Khashoggi-Mord, brachte ein Wort, das die ganze Doppelmoral herüber bringt: “Stabilität”, für die Region, nein für die Welt, darum gehe es (ihm), und das rechtfertigt ja nun alles, rückt den Tod eines Journalisten ins “richtige” Lot. Saudi-Arabien müsse stabil bleiben, die recht geheime, entstehende Allianz seines Landes, gegen den gemeinsamen Feind Iran, mit diesem darf nicht erschüttert werden.96 Kronprinz Mohammed bin Salman al Saud hat Irans Rahbar/Staatschef Ali Chamenei in die Nähe von Adolf Hitler gerückt („Hitler versuchte, Europa zu erobern, Chamenei dagegen versucht, die Welt zu erobern.“); das könnte auch von Netanyahu gewesen sein. Zum Auftakt der umstrittenen „Nahost-Konferenz“ in Warschau 19 sprach Netanyahu in einem (von seinem Büro verbreiteten) Video davon, dass er mit den arabischen Teilnehmern „unser gemeinsames Anliegen eines Krieges mit dem Iran“ voranbringen wolle.97 Es war wie bei seiner Äusserung über die Verwantwortlichkeit Husseinis für den Holocaust oder jener über die „israelischen Araber“ die wählen gehen…

Bezüglich des iranisch-saudischen Stellvertreter-Kriegs in Jemen sagte Netanyahu, der Iran plane Angriffe vom Jemen aus auf Israel. Israels Generalstabschef Gad(i) Eisenkot sagte in einem Interview mit der saudi-arabischen Zeitung “Elaph”, der Iran sei “die grösste Bedrohung für die Region”98 und Israel sei (diesbezüglich) bereit, Geheimdienst-Informationen mit “moderaten arabischen Staaten” zu teilen. Wenn von “moderaten arabischen Staaten” die Rede ist, dann sind immer Staaten wie Saudi-Arabien und einige seiner Nachbarn in der “Golfregion” gemeint… 99 Die saudische ultrakonservative Auslegung des Islam und seine Bemühungen, diese Moslems weltweit aufzuoktroyieren (von Bosnien bis Indonesien), zeugt ja auch von dieser moderaten Ausrichtung. Die Ankündigung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu im Wahlkampffinale 19, im Falle eines Sieges das (mittlerweile von Palästinensern grossteils “gesäuberte”) Jordantal im besetzten Westjordanland zu annektieren, hat international Kritik ausgelöst, auch von KSA. Es ist nicht so leicht, beides unter einen Hut zu bringen, die Politik gegen die Region und die Bündnispolitik mit anderen reaktionären Mächten dort. Relevant dazu ist auch Fussnote 15.

Die Trump-Regierung lobt die Mini-Reform-Schritte von MBS in KSA, lässt die vielen “Rückschritte” unter ihm un-kommentiert. Jene, die die Sauds dafür loben, ein paar Kinos zugelassen zu haben, die Geschlechtertrennung in Restaurants aufgehoben, oder für ihren „Beitrag zur Stabilität“ (!!!), oder die türkischen Kemalisten für Fortschritte,… immer implizierend dass man ihnen (dafür) ihre “Undemokratie” durchgehen lässt, erinnern zumindest an jene, die Hitler für den Bau von Autobahnen loben. Im Iran gibt es zumindest zivilgesellschaftliche Strukturen (nicht wegen sondern trotz des islamistischen Regimes), eine Demokratie-Bewegung, gibt es wenigstens Wahlen in einem sehr engen Rahmen (unter Kandidaten, die sich zur Islamischen Republik bekennen und von dieser anerkannt werden), das Verbot für Frauen, Auto zu fahren oder zu studieren, hat es auch unter dem Mullah-Regime nicht gegeben,… Die meisten Iraner sind gegen „ihr“ Regime – im Fall der Saudi-Araber wird so etwas (vom Westen) gar nicht erwartet, würde auch nicht unterstützt werden, obwohl dieses Regime eigentlich noch viel reaktionärer ist… Jürgen Todenhöfer: Wäre Syrien ein USA-Verbündeter, könnte es sich noch eine viel brutalere Diktatur leisten.

Einerseits heisst es, es “gibt schon genug arabische Staaten” (mit denen sie nichts anfangen könnten…) – aber dann unterstützt man Separatisten der arabischen Minderheit im Iran (Provinz Khusistan), wie die Gruppe al-Ahwasieh, die einen weiteren gründen wollen. Verschiedene westliche Mächte unterstützen (teilweise zusammen mit Saudi-Arabien) Gruppen von Belutschen, Kurden, Aseris,… im Iran, die eine Abspaltung von Territorien anstreben. Der US-amerikanische republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher will Minderheiten im Iran aufhetzen (lassen), daneben die Volksmujahedin und Saudi-Arabien (dem man Menschenrechtsverletzungen nachsehen solle) unterstützen – aus “nationalen Interessen” der USA. Mehr dazu hier. Aus nationalen Interessen hat die USA (und weitere westliche Mächte) zB auch Pakistans Militärdiktator Muhammad Zia-ul-Haq unterstützt, der dem ultrakonservativen saudischen Islam in “seinem” Land Tür und Tor öffnete, zumal es damals um den Kampf gegen die Kommunisten in Afghanistan ging. Aus nationalen/strategischen Interessen haben die Anglo-Mächte Premier Mossadegh im Iran gestürzt, bei dem der Islam keine (politische) Rolle spielte. Der bereits erwähnte „Adonis“ kritisierte/thematisierte die westliche Unterstützung von Saudi-Arabien („Europa verbeugt sch vor Staaten die nicht einmal eine Verfassung haben wie KSA“), nennt sie als Mitgrund von Islamismus und Terrorismus.100

Peres bei Aserbeidschans Staatschef Alijew; zum Verhältnis Israel-Aserbeidschan hier mehr: http://tiara013.at/2017/11/06/das-iranische-atomprogramm-teil-4-geo-strategisches-weltpolitisches-regionales/

Die Regionen Zentralasien, Westasien, Nordafrika (gerne zu “Naher” oder “Mittlerer Osten” zusammengefasst) sind (ungefähr seit dem 1. WK) sehr konflikt-geplagte geworden, und das hat nicht nur innere (Islam bzw Umgang damit) oder nur äussere (Öl bzw Gier danach) Gründe, beides. Fast jede dritte weltweit gehandelte Waffe ging in den vergangenen fünf Jahren in den “Nahen Osten”, zeigte eine Studie des Friedensforschungsinstituts SIPRI. Und, westliche Staaten sind Hauptexporteure in dieser Region (bzw diesen Regionen) geblieben. Saudi-Arabien steht an dritter Stelle der Abnehmer deutscher Rüstungsexporte, es braucht diese ja, um sich zu verteidigen (Jemen,…).101 Deutschland profitiert indirekt vom Jemen-Krieg, seine Rüstungsindustrie; Israel ist natürlich auch einer ihrer Abnehmer. Nach dem israelischen “Rasenmähen” in Gaza ’14, das Deutschland politisch und publizistisch unterstützte, wurden (von Merkel/ Von der Leyen) weitere Kooperationen zwischen Bundeswehr und Zahal beschlossen (u.a. Lektionen in „asymmetrischer“ Kriegsführung).

Israel selbst ist zu einem der grössten Waffenexporteure der Welt aufgestiegen; nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums zeitweilig zur Nummer Drei, nach der USA und Russland. Es verkauft seine Militärgüter in westliche Länder und jene der “Dritten Welt” (v.a. Südostasien und Südamerika). Rüstungsgüter-Herstellung, -Verwendung und -Verkauf sind bei Israel eng mit einander verbunden, das Verkaufsargument der israelischen Rüstungsindustrie ist die Tatsache, dass ihre Waffen- und Kampfsysteme in der Praxis getestet wurden, gegenüber den Palästinensern, bei Operationen im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Zunehmend auch in bzw gegenüber Syrien. Der Syrien-Krieg wurde/wird als Beleg für Urteile über die “arabische Welt” wie jene von Muzicant (> Teil II) angeführt.102 Als 2013 das syrische Regime (Assad) angeblich Giftgas gegen Aufständische einsetzte, trommelten die selben, die das 03 für den Krieg im Irak taten, für einen (eine westliche Militärintervention) in Syrien, begründeten das (wie 03) mit dem Willen, den Menschen dort (für die sie Verachtung haben) zu helfen, sie zu befreien…103 2017 wieder angeblicher Einsatz von Giftgas bzw chemischen Waffen, in bzw auf in Khan Shaykhun, eine Stadt (bei Idlib), die seit 2014 unter der Kontrolle von Israels Verbündetem, der al Nusra-Front/ Jabhat al-Nusra stand.

Die Trump-Regierung liess darauf hin Marschflugkörper auf den behaupteten Ausgangspunkt des Gasangriffs (?), eine Luftwaffenbasis, abfeuern. Trump-Sprecher Sean Spicer sagte, Assad sei schlimmer als Hitler, wegen der Chemiewaffen. Man kann das so deuten, dass er Hitler dafür pries, keine Chemiewaffen eingesetzt zu haben.104 Israels Minister Katz verlangte und bekam dafür eine Entschuldigung. Nun, bei Vielen von Trumps Anhängern (siehe Teil II) wird ein Hitler-Vergleich eher eine Auszeichnung für Assad sein… Und, Katz’ Chef Netanyahu ist ja einer, der den Hitlerismus am liebsten den Arabern/Moslems umhängt, ähnlich wie es Spicer getan hat. Nach Berichten über den Einsatz eines Gefängniskrematoriums in Syrien ebenfalls 2017 hat ein anderer israelischer Minister, Bauminister Joav Galant, die Tötung des syrischen Präsidenten Assad gefordert, bei einer „Sicherheitskonferenz“ in Latrun. „In Syrien werden Leute hingerichtet, gezielt mit Chemiewaffen angegriffen, und jetzt werden auch noch ihre Leichen verbrannt – etwas, was wir seit 70 Jahren nicht mehr erlebt haben.“ Wenn Netanyahu oder Andere über die “Aravim” herziehen, dann trotz der Tatsache dass es für diese noch die Verwendung als argumentatives Kanonenfutter sowie als “Verbündete” (gegen Iran) gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Es ist aber in Mode gekommen, diese zu apologetisieren, siehe Abschnitt über Muzicant in II
  2. Wenn zB in Jerusalem/Quds Palästinenser enteignet werden, gibt es auf Youtube ein Video dazu mit dem Titel „Court Orders Arab Squatters Off Jerusalem Property“
  3. So eine Art illegale Immigration, die ständig (unter dem Schutz der Besatzung) in die palästinensischen Restgebiete herein strömt…
  4. Die Begründung des Zionismus war und ist zum Einen “Schutz vor Verfolgung”, zum Anderen “historisches Recht”
  5. > “Israelische Araber” (israelische Palästinenser)
  6. >Mizrahis
  7. Bernhard Voigt argumentierte seinen Kolonialrevisionismus in der ZKZ auch damit, dass die Rechte von “Eingeborenen” in britischen Kolonien mehr mit den Füssen getreten wurden als in den deutschen…
  8. Dazu ist auch hilfreich: Bartholomäus Grill: Wir Herrenmenschen (2019), über Denkmuster des Kolonialismus
  9. Zum Beispiel auch von IS/Daesh
  10. Während der Arbeit an diesen Artikeln eine ORF-Pressestunde mit IKG-Chef O. Deutsch, passenderweise mit A. Koller. Sang alte Lieder (von orf.at zu einer Topmeldung gemacht): Geklage über Anstieg AS, Lob f. Kurz (>IL), Kritik an FPÖ; neben rechten und linken Gruppen seien auch oft Flüchtlinge, „die bereits mit der Babynahrung in den arabischen Ländern Antisemitismus eingetrichtert bekommen haben“, beteiligt. Auch manche türkischstämmigen Personen, die stark vom türkischen Präsidenten Erdogan beeinflusst seien, zählt er zu den (potentiellen) Antisemiten. In seiner Gemeinde gibt es jedenfalls keinerlei Vorurteile und Ressentiments, keine Beeinflussung durch Netanyahu oder Lieberman. Von der Staats- und Regierungsspitze über Medien, Kulturschaffende und Kirchen bis zur Zivilbevölkerung müssten alle „dieses Krebsgeschwür bekämpfen“ und sagen, „Antisemitismus ist ein No-Go“ (bzw, Verschiedenes soll als “AS” definiert werden). “Möglich” sei eine Antisemitismus-Beobachtungsstelle mit einem halbjährlichen Bericht. Deutsch sprach sich überdies für härtere Strafen aus. Bei Muzicant wie Deutsch die selben selbstgerechten Anklagen, die einseitigen Einschätzungen, der Lobbyismus, die (Ver-) Ortung der Verhetzung auf der Gegenseite, der Übergang von „AS“-Anklagen zu Behauptungen über „Nahost“…
  11. Wenn Nicht-Juden in bzw unter IL Rechte hätten wie Nicht-Schiiten/Nicht-Moslems in der IR Iran, wäre das ein sehr grosser Fortschritt
  12. Wenn man das völkerrechtlich anerkannte Israel und die von ihm besetzten Gebiete zusammen nimmt, wohlgemerkt; im “eigentlichen” Israel machen Juden eine ganz klare Mehrheit aus (ca. 80%)
  13. War Oberrabbiner des israelischen Militärs
  14. Marokkanischer Herkunft und ein ehemaliger Shin Bet-Offizieller
  15. Gegen Iran arbeitet Israel auch mit Islamisten zusammen. Ex-Mossad-Chef Ephraim Halevy: Israel hilft al Nusra (zumindest) medizinisch, Iran ist keine existenzielle Bedrohung f. IL, al Qaida hat israel nicht angegriffen, soviel er weiss (www.youtube.com/watch?v=vweHtxqnh-Y&list=PLR5DYFMi3_5Q5SjILBz1VJ28ZKWB5YlaH). Israel leistet medizinische Hilfe für Kämpfer des Syrischen Kriegs, darüber gibt es zB das Yt-Propaganda-Video „Israeli Hospitals Treat Wounded Syrians“ (viele ähnliche). Die meisten dieser Kämpfer, die über den Golan/Jawlan kommen, gehören der islamistischen al Nusra (nun Tahrir al-Sham) an. Nach offiziellen israelischen Angaben gehe es dabei um humanitäre Hilfe für Syrer “quer durch die Bank”. Der ehemalige Chef des israelischen Militär-Gemeindienstes Aman, Amos Yadlin, erklärte, sunnitische Islamisten (wie Nusra/Tahrir al-Sham) seien das kleinere Übel ggü schiitischen (die mit dem Iran verbündet sind). Der ehemalige Generalstabschef Eisenkot soll eingestanden haben, dass Israel Gruppen wie Tahrir al-Sham auch militärisch unterstützt, es gibt dafür auch einige Hinweise
  16. Und die zionistische Rhetorik von „Zivilisten“ (Siedler), „Terroristen“ (Palästinenser), „schützen“ (Soldaten)
  17. Auf en.wikipedia: “…for his anti-Zionist political activities and contacts with Arab leaders”
  18. Dazu Noam Sheizaf in 972.magazin
  19. Wie Viele sind eigentlich 1972 in München getötet worden? 11 (israelische Sportler & Betreuer; + 1 dt. Polizist, 5 vom “Schwarzen September”)
  20. Popper drangsalierte diesen dort, da der ihn als Präsident nicht begnadigt hatte, worauf hin er in anderes Gefängnis kam
  21. Und nicht für das, was ihre Politik eigentlich abscheulich macht; so “selbstreinigend” sind die politischen Systeme dieser Länder doch nicht
  22. Erinnert an die FPÖ, die eine Auflösung der IGGiÖ fordert inmitten ihrer Skandale (Casino, Ibiza,…)
  23. So definiert durch das britische Mandatsgebiet, das nach dem 1. WK durch Abtrennung vom Osmanischen Reich zu Stande kam, vorher hauptsächlich das Mutesarriflik/Mutasarrifat Jerusalem/Kudus bildete. Palästina wurde seit römischen Zeiten in der Regel mit anderen, benachbarten Gebieten verwaltet, daher gibt es keine eindeutige Abgrenzung. Nach der arabischen Eroberung gab es (unter Omayaden, Abbasiden und Fatimiden) den Militärbezirk Palästina (جند فلسطين, Jund Filasṭīn), der nur den nördlichen Teil des heutigen Israel/Palästina umfasste, aber auch kleinere Gebiete östlich des Jordans/Urduns
  24. Aus Verärgerung über den zehnmonatigen „Siedlungsstop“ sind israelische Siedler damals gewaltsam gegen staatliche Bauinspektoren vorgegangen, wurden vorüber gehend festgenommen. Wenn sie Palästinenser gewesen wären…
  25. Während der Arbeit an diesem Text dann USA-Aussenminister Pompeo und seine Meldung, wonach die israelische Siedlungs-/Besatzungspolitik doch nicht gegen internationales Recht verstosse
  26. Die Beiden haben so Manches gemeinsam…etwa ihr Umgang mit den Anklagen in ihren Staaten. Netanyahu hat dazu zB gesagt, “die Linke und die Medien haben den Generalstaatsanwalt unter Druck gesetzt, mich um jeden Preis anzuklagen”. Nach der Entscheidung, ihn anzuklagen, jammerte er über eine “Hexenjagd” auf ihn. Das könnte Alles auch von Trump sein. Die Linke, die Medien, die Araber, die Europäer,… Netanyahus Demagogie kommt auch bei seinen Bemühungen um eine grosse Kolaition mit dem Gantz-Lager heraus: „…Jene denen IL am Herzen liegt…“
  27. „Palästinenser existieren nicht“ > als Volk/ als Menschen
  28. Die politisch korrekte Mär
  29. Zum Beispiel Grigat „Das kann man an dem Fakt festmachen, dass Antizionismus ja erst mal nicht mehr meint, als das Juden und Jüdinnen kein Recht auf eine eigene nationalstaatliche Existenz haben. Bekanntlich gesteht man das den meisten anderen Ländern dieser Welt zu. Warum also den Juden nicht?“. Irgendwo hat er auch dekretiert, dass der Kern bzw die Wurzel des “Nahostkonflikts” der “Antisemitismus” (von “arabischer” Seite) sei
  30. Und einen kleinen Teil Syriens
  31. Bzw Südost-Staaten
  32. Ist, wie einem Skinhead zuzuhören, wenn man ein paar Variablen ändert
  33. Twitter sperrte ihn darauf für die Dauer von zwölf Stunden. Smotrich ist orthodoxer Jude, verheiratet, hat sechs Kinder und wohnt mit seiner Familie in der israelischen Siedlung “Kedumim” im Westjordanland
  34. Erinnert an jene Kärntner, die sagen, es gibt nicht 15 000 Kärntner Slowenen zu viel, sondern 15 000 Maschinengewehre zu wenig…oder Ähnliches
  35. In Wahlkämpfen rühmt er sich damit, Siedlungen ausgeweitet zu haben (auf Kosten der Palästinenser, versteht sich), ggü westlichen Politikern und Diplomaten stellt er die Sache anders dar
  36. Siehe auch das Kapitel über Konfessionalisierung
  37. Sein Kommentar, wonach sich westliche Politiker ggü Iran wie leichtgläubige Touristen in einem persischen Bazar verhielten, wirkt dagegen harmlos; er sagt aber auch viel über sein Weltbild aus
  38. Jüdische Gemeinden (in der “Diaspora”) nehmen generell den verbal “gemäßigteren” Part im jüdisch-zionistischen Spektrum ein. Für das “Exil” (Mikroperspektive) gibt es andere Ansprüche als für Israel (Makroperspektive), da soll es so minderheitenfreundlich und liberal wie möglich zugehen, und dort… Übrigens, Graumann, ehemaliger ZdJ-Chef, ist auch israelischer Staatsbürger, Muzicant u.a. wohl auch
  39. Selbst wenn Ostrovsky gar nicht beim Mossad gewesen ist, wie Manche behaupten, wäre das so
  40. Wie schon im letzten Teil erwähnt: Es gibt Christen (wie Azmi Bishara), Zoroastrier, Drusen,… die “immer” mit in diesen Topf geworfen werden
  41. Die Exil-Iranerin Maryam Namazie nimmt gegen “Islamofaschismus” Stellung, grenzt sich aber schon von gewissen Heuchlern und Hetzern im “Islamophobie”-Milieu ab
  42. In Videos, Kommentaren, sonstigen Kanal-Inhalten
  43. Muss einer von den 10-20% (Friedensunwilligen) sein
  44. Manche zählen auch die “Raketen” aus Gaza dazu
  45. Muzicant: “Ich bin überzeugt davon, dass irgendwann der Tag kommt, an dem es den Müttern wichtiger ist, dass ihre Kinder leben und eine Zukunft haben. In Israel ist das so. In den arabischen Ländern und vor allem unter den Palästinensern ist scheinbar ‘das sich Umbringen’ und möglichst viele junge Frauen mit in den Tod zu reißen eine ganz tolle Tat”. “Tzipi” Livni, die Tochter eines führenden IZL-Terroristen (Eitan Benozovich) beim Gaza-Massaker um die Jahreswende 2008/09, als israelische Aussenministerin: „Die Palästinenser lehren ihren Kindern uns zu hassen, wir dagegen lehren, deinen Nächsten zu lieben.“ Und so weiter
  46. So etwas zu erwähnen könnte schon als “antisemitisch” gewertet werden
  47. Abgesehen von der Heuchelei bzw dem Zynismus der Aussage gerade zu diesem Zeitpunkt
  48. So ungefähr begründet er auch seine Politik ggü den Palästinensern, indem er ihnen derartiges umhängt
  49. AJC = American Jewish Comittee, ZOA = Zionist Organization of America. AJC gibt sich als “liberal”, ZOA steht der Republican Party nahe
  50. Passt hier auch einigermaßen hin: die “JPost” lästert/triumphiert über die (angebl.) Zahl der Alkoholiker im Iran > die Islamophoben und der Alkohol bei den Moslems… > andere Möglichkeit ist Verbote und Abstinenz anzuprangern
  51. Und: “Hamas is Mother Theresa” hiess es da; Solidarität mit und Hilfe für den/die Gaza-Palästinensern soll mit dieser Vermischung bzw Konflation diffamiert werden… Und natürlich zielt das “Lied” in erster Linie auf “Westler” ab, die diesbezüglich (Gaza-Palästinenser) nicht gleichgültig oder unterstützend sind
  52. Dazu ist zu sagen, dass dieser “Präsident” nicht mit “Mohren”-Gesicht oder so dargestellt wurde – sie wollte(n) die Botschaft rüber bringen ohne dass sich die Leute mit (ihrem) Rassismus beschäftigen. Und bezüglich des “Hassens”: Es ist da ein Muster erkennbar: Auch Muzicant redet zB von Arabern oder Türken als (mehr oder weniger) “aufgehetzt”, wenn er seine Abneigung zum Ausdruck bringt. So ist das (auch) im “Antisemitismus”-Diskurs
  53. Er wird z Zt von 137 Staaten anerkannt, “Israel” von 161
  54. Und nicht die Juden, die fast ausschliesslich Einwanderer des 19. und 20. Jh sind oder von solchen abstammen
  55. Von denen Israel zur Zeit noch die syrischen Golan/Jawlan-Höhen besetzt hält (nach manchen Meinungen auch das libanesische Shebaa-Gebiet), früher auch den ägyptischen Sinai
  56. Wie sich Israel ggü den Palästinensern verhält (“behave”), ist natürlich kein Faktor, weil die sind ja “böse”
  57. „jerusalemsummit“,…; Es heisst, dass er sogar von SWC und JDL kritisiert wird
  58. Niall Ferguson oder Alain Finkielkraut sagen zwar nicht gerade das, kommen dem aber schon sehr nahe
  59. > Muzicant!
  60. “Als Juden”
  61. Plus jene von staatlichen, halboffiziellen, privaten zionistischen Organisationen und Initiativen in und ausserhalb Israels, vom Memri bis Gatestone Institute
  62. Beziehungsweise in Gebieten die unter der Herrschaft solcher Staaten stehen
  63. orf.at auch: „Israel weist Erdogans Drohung wegen Jerusalem zurück” (Es ging um Siedlungen, besetzte Gebiete,…
  64. Gil Yaron ist „Nahost“-Korrespondent diverser deutschsprachiger Medien, betreibt eine relativ moderate zionistische “Aufklärungsarbeit” (nutzt zB Anschläge zur Apologetik für israelische Besatzungspolitik); in seinem Youtube-Kanal: Song “Jerusalem is mine”, Video von einer schwarzen amerikanischen Studentin die pro Israel ist und sich gg BDS ausspricht (auf dem Kanal dieses Hochladers wiederum viel amerikanisches Rechtes…), syrianinterpreter,…  Ein Journalismus, der sich einem Narrativ fügt, ist ein Widerspruch in sich selbst
  65. Siehe die Rücknahme eines “Menschenrechtspreises” an Angela Davis durch das BCRI auf zionistischen Druck, weil sie auch Palästina-Israel bzw die Verbindungen zu rassistischen Strukturen der USA thematisiert)
  66. Man habe ein Problem mit lebenden Juden, stehe in der Tradition des NS, wolle die Existenz Israels auslöschen,…
  67. Manche Zionisten hätten gerne die Auflösung solcher Demos durch das isr. Militär…andere verlangen (zT erfolgreich) Verbote/Auflösungen von israelkritischen Veranstaltungen in Deu/Öst
  68. Israel feiert um diese Zeit seine Proklamation 1948, um die herum die Nakba statt fand
  69. Einige Aussagen von ihm aus drei im letzten Teil detailliert angeführten Medien-Interviews zusammengefasst; in dem sie „ehrenhalber einen Krieg gewinnen lassen“ kommt seine Herablassung ja auch gut herüber
  70. “Die Israelis sind aus dem Gazastreifen abgezogen und haben den Palästinensern die ganzen Gewächshäuser überlassen. In der Hoffnung, dass sie dort Jobs schaffen. Sie haben von dort Raketen geschossen und jetzt ist alles kaputt. Wenn sie schießen, schießen wir zurück.”
  71. Die meisten Frauen, die mit ihr abgeschoben wurden, seien moldawische und russische Arbeiterinnen gewesen, die Jahrelang illegal als Pflegekräfte in Israel gearbeitet hatten
  72. Und legt damit den Grundstein zur Feindseligkeit ggü Israel, den Nahostkonflikt,… das Gegenteil von Sicherheit
  73. Sie stellen aber für Viele einen Terror dar
  74. Es unterhält eine Anti-BDS-task-force, geleitet von der früheren Militärzensur-Chefin Sima Vaknin-Gil und Minister Gilad Erdan. Israelfreunde in der Republikanischen Partei der USA woll(t)en ein Anti-BDS-Gesetz auf die Beine bringen
  75. Über die Anschläge in der USA 2001 zirkulieren auch solche “Jubelvideos” von Palästinensern
  76. Wie gegenüber den Palästinensern mit seiner hochgerüsteten Militärmaschinerie; und, man hat ja gesehen welche Reaktionen ggü Grass kamen, der deutsche Rüstungs-Lieferungen an Israel kritisierte, aus einer Verpflichtung wg. dem Holocaust heraus
  77. Lieberman auch: “‘Palästinenser’? Hamas, der Islamische Dschihad und die Hisbollah sind bloß Marionetten von Teheran”
  78. Die Bündnisse und Verbindungen gibt es nicht erst seit Kurzem und nicht nur bei der Rechten Israels. Zu Zeiten der intensiven Zusammenarbeit Israels mit Frankreich war Shimon Peres, Ben Gurions rechte Hand, eng mit dem französischen Rechtsaussen Jacques Soustelle befreundet. Oder: die Arbeiterpartei-Regierungen und die Apartheid-Regierungen Südafrikas…
  79. Oder mit deutscher, zB wenn “Die Welt” oder “Jungle World” das israelische “Rasenmähen” in Gaza regelmäßig begrüssen
  80. Naftali Bennett damals: „Nur die, denen das Land nicht gehört, sind fähig, es in Brand zu stecken.“ Übrigens, 2012 sind sind im chilenischen Nationalpark Torres del Paine binnen weniger Tage 13 000 Hektar Land abgebrannt. Ausgelöst wurde der Brand angeblich durch einen Touristen, der benutztes Klopapier verbrannte. Der Israeli wurde verhaftet, sieht sich selbst aber als Opfer der Behörden
  81. Nochmals zu Youtube, und was dort an Videos hochgeladen bzw kommentiert wird: Die selben Leute, die dort über „Antisemitismus” lamentieren, schreiben/reden dort gerne über „Israels wachsenden Krebs“ (natürlich die Palästinenser), es gibt kein Palästina, keine Palästinenser,… Teilweise geht das eine in das andere über. Oder auch: “nakba in europe please” > es gab doch keine
  82. Siehe auch: linkezeitung.de/2019/02/17/israelkritik-unerwuenscht-meinungsfreiheit-in-deutschland-in-gefahr
  83. Und Hetze im Rahmen von Pro-Israel
  84. Siehe auch den Mufti, Kunstreich & Naber und die Hunde,…
  85. Israel als Teil der westlichen Welt > Braucht der Westen noch einen weiteren Schotterhaufen, Herr Brauer? Hat schon die halbe Welt kolonialisiert und Nordamerika zB auf Dauer
  86. Daher zählt Gewalt in Uganda oder Kolumbien auch nicht als “christliche Gewalt”
  87. Und hat einen Youtube-Kanal
  88. Jedenfalls wieder das Pressen von Realitäten in konfessionelle Schablonen
  89. ZB: „Seit Jahren habe ich gefordert, Sanktionen wieder vollständig gegen das mörderische Terrorregime Irans zu verhängen, das die ganze Welt bedroht“, anlässlich der von Trump veranlassten neuen USA-Sanktionen gegen Iran
  90. Im serbischen Nationalismus/Faschismus sind USA/NATO Feindbilder…
  91. Die sie also als etwas westliches/amerikanisches, gegen Osteuropa gerichtetes interpretieren
  92. Bzw militärisch-politische Komplexe
  93. Oder: im IT-Forum der “Krone”, nach der Attacke auf einen Bezirkspolitiker in Wien (Täter waren “Ösis”): “annababy” meinte am 25. 4. 2008 18:22 “den beiden gehört die todesstrafe,wie kommen andere personen dazu das sie jetzt im komma liegen,es gehört wieder ein hitler her.” 10 Leser waren auch dieser Meinung. > Leserbriefe, IT-Kommentare und Jeannee sind am Unappetitlichsten an der “Krone”. Und sein Ableger „heute“
  94. Schrieb ein Kommentator im “Freitag”
  95. Leute wie Kurz denken eher an Erdogan oder die Moslembrüder, wenn sie über Islamismus-bekämpfen nachdenken…
  96. Dazu ist auch zu sagen, dass Israel 1982 den Mord an einem seiner Diplomaten zum Anlass nahm für einen Kriegszug gegen den Libanon
  97. Sein Büro löschte das Video aber anschliessend und schwächte die Aussage ab (> offen über Krieg reden, iranischen Demokraten vormachen dass man sie unterstützt, der Welt vormachen, dass man Islamismus bekämpft,…).. In der geänderten englischen Übersetzung des Büros des israelischen Ministerpräsidenten wurde das Wort „Krieg“ durch „Bekämpfung“ ersetzt. In dem gelöschten Video hatte Netanjahu allerdings das hebräische Wort für „Krieg“ (מלחמה) verwendet
  98. Natürlich geht es einem darum, um die(se) Region, ihr Wohl
  99. Bei der Mittelmeerkonferenz MED 2019 in Rom sagte Israel Katz (Likud), Aussenminister des sich in (nach dem Wahl-Patt) einer Staatskrise befindlichen Israel, es sei für die westlichen und die arabischen Länder „höchste Zeit“, eine Koalition zu bilden, die den Iran bedrohe und ihm sage, sein Atomprogramm zu stoppen. Am Rande der Konferenz kritisierte Katz die Europäer dafür, den engstirnigen und kurzsichtigen Kurs von USA-Präsident Donald Trump gegen den Iran nicht mit zu tragen. In diesem Interview mit der „Corriere della Sera“ gab er auch Bescheid „Wir werden dem Iran nicht erlauben, Atomwaffen zu produzieren oder zu erhalten.“ Eine Bombardierung des Iran käme „erst dann“ in Frage, wenn alle anderen Wege ausgeschöpft seien
  100. Solche wie er werden aber marginalisiert und angefeindet, auch Leute mit “Islamauffassungen” wie Bahman Nirumand oder Fatima Hajaig; man hält sich die Ahmad Mansours und Rushdies, quasi als Gegengewicht zur Saudi-Unterstützung
  101. Wenn ein Tobias Huch (FDP,…) über diese Region schreibt (zB über das Wirken eines “Journalisten” in Krisengebieten), dann sind deutsche Waffenlieferungen dorthin natürlich kein Thema
  102. Was den Arabischen Frühling betrifft, so war der Zionismus bzw die Islamophobie von Anfang an alles Andere als begeistert darüber – genau so wenig wie Saudi-Arabien. Und wenn man etwas Positives fand, verortete man das entsprechend. Etwa Thomas von der Osten-Sacken in der “Jungle world”, wonach Kriegsverbrechen à la Irak-Krieg den Weg zum Volksaufstand in Ägypten geebnet hätten
  103. Broder 13 in der “Welt”: “…wenn ich mir heute die Aktionen der Friedensbewegung anschaue, die dem Massaker in Syrien ungerührt zuschaut, aber nicht müde wird, gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan zu demonstrieren, dann weiß ich, dass Pazifismus und Kretinismus nahe Verwandte sind.” Für 11 Bootsflüchtlinge aus Afrika, die damals im Mittelmeer ertranken, reichte das “Mitgefühl” dieser Leute nicht
  104. Der Soldat Hitler bekam im 1. WK welche ab

Antisemitismus (II) – Israel und die Rechte

“Für Europa würden wir dort [in Palästina] ein Stück des Walles gegen Asien bilden. Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen. Wir würden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das unsere Existenz garantieren müßte” (Herzl). Europäer die Wilde unterwerfen, den wilden Orient beherrschen, das war und ist das vorherrschende Selbstbild des Zionismus… Israel als Mitglied der “1. Welt”, der Weissen, das sich gegen die unterentwickelten Orientalen behauptet (und nicht gegen die Holocaust-Urheber). Das bringt Sympathien und Bewunderung von westlichen Rechten. Und dann noch ein ethnischer Nationalismus, wie es ihn in Europa schon lange nicht mehr gibt. Und die Mythen von Bibel/Tanach. Und dann noch das scheinbar unschlagbare Argument der Solidarität mit den Juden nach dem Holocaust. Die “Araber” können mit ihren Ländern „nichts anfangen“, hat Erich/Arik Brauer gesagt, so sehen auch FPÖ & Co die Orientalen, deshalb bewundern Rechte Israel weil dort die einzigen vernünftigen, fleissigen,… Menschen weit und breit sind. „Konkret“ vor einigen Jahren: “Israel ist eine Agentur neuzeitlicher Aufklärung in einer Region weltgeschichtlichen Mittelalters“.1 So sahen es auch Mildenstein, Strauss, sieht es Trump,…!

Die Palästinenser als Teil einer grossen islam(ist)ischen Plage, die Muslime in Europa quasi die hiesige “Variante” davon. Und der Westen muss zusammenstehen dagegen. So ungefähr sehen das Deutsch-Nationale wie “Anti”deutsche, Nazis wie Zionisten, FPÖ wie JDL. Wobei “Islam” ein Platzhalter ist. So wie früher der “Kommunismus”. Jedenfalls, Rass(ist)isches, Kulturelles, Politisches vermischt sich stillschweigend. Man selbst ist natürlich aufgeklärt, Rückständigkeit ist Merkmal der Orientalen; man glaubt nur an hohe demokratische Standards bei Israel, in einer rückständigen Region. Und an israelische(s) “Sicherheits”-Lösungen/Know How. Und bewundert den israelischen Militarismus. Vielleicht auch das Kleinhalten Anderer damit. Europa ist jedenfalls so gleichgültig, apathisch, zu tolerant, steht nicht zu seinen Wurzeln. Und mit “Islamkritik” und Pro-Israel lässt sich sogar ein Deutsch-Nationalismus ausleben, ohne Ewiggestrige(r) zu sein. Die Sympathien westlicher Rechter für Israel wird erwidert2, aber die diesbezügliche neue Affinität ist nicht auf die Rechten hier und dort beschränkt.3 Der jüdische FPÖ-Politiker Lasar, der “Heimat hier wie dort schützen will”, ist da nur eine schwache Brücke, da gibt es ganz andere Verbindungen.4

Antisemitismus ist geächtet, hat als politischer Faktor ausgedient im säkularen, ethnisch durchmischten, postmodernen Westeuropa. Und Israel-Sympathie breitet sich im Westen weiter aus, und was sich hinter dieser versteckt, das wäre viele Analysen wert. Der Weg der bedingungslosen Solidarität mit Israel führt ebenso bedingungslos nach Rechts. An dieser Stelle sei Eines schon klar gesagt: islamistische Anschläge wie jene in Frankreich sind tatsächlich besorgniserregend; jene im Irak aber auch (muslimisch geprägte Länder leiden am heftigsten unter islamistischem Terror). Besorgniserregend ist es auch, wenn sich Moslems über Christchurch (den Anschlag) empören bzw Empörung erwarten, aber zu Colombo ruhig bleiben; jene Moslems die für sich Toleranz reklamieren, selbst aber keine haben/üben. Die jammern, dass “nackte Frauen” ihre Gefühle verletzten, aber so etwas wie zu Sylvester in Köln vor einigen Jahren nicht weiter schlimm finden. Und: Eigentlich ist es schlimmer, wenn Leute rein wegen biologischen Merkmalen oder der Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe angegriffen oder diskriminiert werden (wie Palästinenser von Israel) als für ein Kopftuch oder andere religiöse Bräuche.

Netanyahu, Lieberman, Bennett, Hotovely, Shaked,… sind im Grunde viel fragwürdigere Kreaturen als Strache oder Kneissl, Vilimsky. Der Rassismus des Netanyahu stellt jenen Straches (oder Berlusconis) locker in den Schatten, die von ihm ausgehende Gewalt ohnehin.5 Esther Shapira hat mal bei einer „Woche der Brüderlichkeit“-Veranstaltung gesagt, Palästinenser seien verantwortlich dafür, wen sie wählen (deutete an, sie seien zu messen daran).6 Eldad Beck sagte auch, die Hamas sei Stimme der Palästinenser, da von diesen gewählt. Israelis sind aber nicht verantwortlich dafür, wen sie wählen? Nein, sondern die die unter einer Besatzung leben, eine Besatzung die von gewählten Politikern angeordnet wird. Von Avigdor Lieberman zB, früher Evet Lvovich Liberman, aus Sowjet-Moldawien und von der Kach geprägt. Dass er sagt, Israel solle die “Westbank” annektieren, ist noch das wenigste; auch, weil israel de facto ohnehin über sie bestimmt, Palästinenser verdrängt. Er sprach auch davon, den Assuan-Staudamm zu bombardieren, Teheran mit Raketen anzugreifen.7

Haupt-Zielscheibe seines Chauvinismus’ sind aber die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft (die in den israelischen Grenzen 1948-67). Ihnen sollte bei “Illoyalität” die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Jene, die “Kollaborateure” seien, sollten hingerichtet werden. Palästinensische Politiker in Israel (“arabische Israelis”) beschimpft und bedroht er regelmäßig, nennt sie “Terroristen” oder “Kriegsverbrecher”, die “uns von Innen zerstören”…8 Zusammen mit Netanyahu versuchte er zunächst, mit einer  Erhöhung der Sperrklausel deren Parteien zu drangsalieren (die palästinensischen Parteien schlossen sich darauf hin zu einer Gemeinsamen Liste zusammen), dann erliessen sie ein Gesetz, das es der (jüdischen) Dreiviertelmehrheit im Parlament ermöglicht, einen (palästinensischen) Abgeordneten auszuschliessen, wenn ihr seine Ansichten nicht gefallen. Aber, die Zauberformel zur “Beschwichtigung” für all das: “Wir kämpfen um unser Überleben.” Sein Nachsatz “Aber nicht nur Israel, als Nächstes wird Europa an der Reihe sein.” Lieberman unterhält Kontakte u.a. mit Geert Wilders.9

Politiker wie Wilders können rassistisch sein, wie sie wollen, solange sie nicht israel-kritisch sind; bei Orban zeigt sich dass man auch in gewisser Hinsicht anti-jüdisch sein kann, nur eben nicht israel-kritisch (auf Israel gleiche Maßstäbe anlegen wie auf Andere)… Israel-Kritiker sind „Antisemiten“, Israelfreunde im Umkehrschluss Freunde der Juden. Rechtsextremismus, NS-Erbe, Zionismus, und das „Koscher“-Zertifikat. Das betraf früher auch Johannes Vorster oder Franz J. Strauss, heute auch Berlusconi, Trump oder Bolsonaro. Es gab und gibt da nicht nur eine “Honorierung” pro-israelischer Standpunkte, sondern durchaus auch Schnittmengen mit israelischen Politikern und Intellektuellen. Auch die AfD hetzt heute meist politisch korrekt, es gibt aber eine innere Auseinandersetzung diesbezüglich…und eine unter Juden sowie Israel-Freunden, dazu noch mehr. Gelegentlich kommt man ins Dilemma, da Antisemiten nur Israel-Gegner sein können. Auch bei Trump oder der FPÖ muss “man” gelegentlich Einiges in Kauf nehmen… Der von Israel praktizierte ethnische Nationalismus wird von jüdischen Interessensvertretern selbstverständlich verteidigt, überall woanders aber eigentlich abgelehnt; bezüglich Israel so rechts wie möglich, bzgl Diaspora-Juden so links wie möglich. Das korrespondiert mit der (vorgegebenen) Doppelnatur moderner Juden: Teil des Westens oder aber Opfer des Westens; Europa verlassen um Europäer zu werden.

Wie gesagt war/ist der Zionismus nicht die Antithese zum Faschismus, dennoch wird dies gerne behauptet, ja die Akzeptanz dessen eingefordert… Und wer Israel nicht unkritisch sieht, müsse aus dieser Ecke kommen, die Alternative zu (Philo-) Zionismus sei AS in irgendeiner Form, islamistischer oder klassisch-westlicher. Das Holokaust-Gedenken, seine Aufarbeitung, wird benutzt, IL sakrosankt zu machen und die AS-Definition auszudehnen, sich (auch) im Kontext des Zionismus) in die Opferrolle zu begeben. Der zionistisch konnotierte Pseudo-Antifaschismus, wie ihn etwa die “Anti”deutschen “beschwören”: Versuche einer Geschichtspolitik, hohle Gesten, Umdeklarierung des eigenen Rassismus… Heinz Brandt (* 1909 in Posen, † Januar 1986 in Frankfurt am Main, jüdisch) war kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, in der DDR zunächst SED-Funktionär und später politischer Häftling. Wandte sich gegen den SU-Kommunismus, 1979 war er Gründungsmitglied der Grünen. Über Teile der neuen Linken: “Wie mutig durchbohren sie immer wieder und wieder den längst toten Drachen, das Naziungeheuer, dem ihre Eltern huldigten – und unterlagen. Und wie munter kraulen sie die Zotten des lebendigen Drachens der Despotie, die aus dem Osten kommt – im Friedenspelz, im antifaschistischen Schafspelz.” Das trifft auch manche der hier Erwähnten zu.

Leopold von Mildenstein war SS-Offizier im SD, wurde dort “Judenreferent” (34-36), war Vorgänger Eichmanns (den er für sein Referat anwarb)…und pro-zionistisch. Sein Wirken stellt einen Aspekt der Nazi-Judenpolitik dar, der lange gut verborgen war, und bei dessen Thematisierung sich Manche nur dadurch zu helfen wissen, wild um sich zu schlagen. Er begrüsste den Zionismus aus einer Blut-und-Boden-Ideologie, wollte die “Judenfrage” mit deren Auswanderung nach Palästina lösen, traf sich hier mit deutschen Zionisten (damals eine Minderheit unter deutschen Juden), knüpfte positive Kontakte mit deren Vertretern. Und, im Herbst 1933 eine mehrmonatige Reise Mildensteins ins britisch kontrollierte Palästina, von deutschen Zionisten unterstützt, zusammen mit dem führenden deutschen Zionisten Kurt Tuchler (1. WK-Teilnehmer, jüd. Burschenschafter, Freund von W. Benjamin, L. Freud) samt Gattinnen. 1934 eine Serie darüber in der Nazi-Zeitung “Angriff”: “Ein Nazi in Palästina”, voller Bewunderung für zionistische Siedler, deutsche Zionisten und der Nazi sahen beide den Wilden Orient in dem man mit einem grossen Besen durchkehren müsste, eine passende Lösung der Judenfrage, Blut-und-Boden-Lösung. Die Nazis liessen sogar eine Medaillie prägen, die Hakenkreuz und Davidstern auf den 2 Seiten zeigte…

35 war Mildenstein in seiner Funktion Beobachter beim Zionistischen Kongress in der Schweiz, die Tuchlers auch dort, dort wurde ein Boykott von Nazi-Deutschland beantragt, v.a. die deutschen Delegierten waren dagegen, v.a. weil sie noch mit Unterstützung durch den NS rechneten. Von Mildenstein holte als Referent für seine Abteilung auch Adolf Eichmann aus einer anderen SD-Abteilung, der dann nach weiteren Stationen das Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt aufbaute. Mildenstein wird nach 45 eine Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung angedichtet, eine mit der CIA ist wahrscheinlicher, er arbeitete jedenfalls für Coca Cola in (West-) Deutschland… 1980 brachte die renommierte britische „History Today“ einen sachlichen, eher zionismus-freundlichen Artikel über diese Reise und die Umstände und löste damit wütende Proteste, Drohungen und Sabotageversuche aus. Es sind Charakterzüge des Zionismus (siehe dazu auch den Teil über den revisionistischen Zionismus unten), die man heute liebend gerne verbergen würde. Noch dazu, wo es hier um einen Zusammenhang mit Nationalsozialismus und Holocaust geht.

Ein Robert Schediwy hat im de.wiki-Artikel kommentiert: “Mildensteins Reise von 1933 und die danach geprägte Medaille werden ebenso wie das Ha’avara-Abkommen gelegentlich von rechtsgerichteten und israelfeindlichen Autoren als Beleg für ein konspiratives Zusammenarbeiten von Nationalsozialismus und Zionismus missverstanden.” So unenzyklopädisch diese Bearbeitung auch ist, so lange hatte sie auch Bestand. Hier bereits der Versuch der Umdrehung der nazi-zionistischen Zusammenarbeit (Diffamierung jener die sie thematisieren). So sehr man versucht, palästinensische Anliegen durch den NS-Versuch der Aufwiegelung von arabischen Völkern gegen Grossbritannien sowie moslemische Kollaborationen zu diffamieren, so sehr will man zB die Anerkennung des Zionismus in Deutschland durch den Nazi-Funktionär Mildenstein zum Anathema machen (bzw sein lassen). Das gilt auch für den aktuellen Kontext, Unterstützung für israel von ganz rechts, oder aber vermeintliche Querfronten gegen Israel. Der Westen (und auch Israel) hat NS-Sympathisanten unterstützt, wenn es ihm in den Kram passte.

Kaum irgendwo waren Post-Nationalsozialismus und Zionismus so nahe bei einander wie bei der Unterstützung der Apartheid in Südafrika, darüber ausführlich im entsprechenden Artikel. Im Teil über Trump und die Republican Party unten finden sich aber auch diesbezügliche Querverbindungen. Und wie ist das bei der FPÖ, der AfD,…? In der unmittelbaren Nachkriegs-/ Nachfaschismuszeit warfen Deutsche Palästinensern bereits vor, das Land über die Jahrhunderte “verfallen gelassen zu haben”, auch andere Ressentiments tauchten schon damals auf. Etwas was man (zuhauf) auch ggü Afrikanern und anderen “braunen Völkern” findet… Israel, eine Insel des Lichts in einer Region der Dunkelheit, in mehrerer Hinsicht, aus Sicht seiner Anhänger; Juden als Teil des Westens, der gegen den unterentwickelten Orient gewinnt; und wir Österreicher/Deutsche stehen diesmal auf der richtigen Seite.10 Jemandes Nazi-Vergangenheit wird bei Israel-Lob normalerweise nicht bemüht.

Nun zum revisionistischen Zionismus bzw der zionistischen Rechten. Ihr Mit-Gründer Vladimir Z. Jabotynski hat einst mit Petljura verhandelt, so wie Herzl mit Plehve, Tuchler mit Mildenstein, Rabin (und Andere) mit Vorster,… Ein wichtiger Wegbegleiter/Mitarbeiter von Jabotynski war Benzion Mileikowsky (nahm den Namen “Netanyahu” an) aus Polen, der Vater des jetzigen israelischen Führers. Christopher Hitchens (Islamkritiker aber nicht unbedingt Israelanhänger) hat einmal in einem Artikel aufgezeigt, wie Benzion Netanyahu (Mileikowsky), vom selbsterklärten Faschisten Ahimeir/Geisinovich beeinflusst wurde, und letztendlich auch Benjamin Netanyahu.11 Der “Revisionismus” war für die militärische Eroberung von ganz Palästina und Ausweisung/Unterwerfung seiner Einwohner, ausserdem die Inbesitznahme der Gebiete östliche des Jordans/Urduns (die nach dem 1. WK auch von osmanischer in britische Herrschaft übergingen und dann [Trans-]Jordanien wurden). Zu Benzion Mileikowsky/Netanyahu ist auch dieser “Haaretz”-Artikel informativ.

Wichtigste Organisation der Revisionisten war die Terrorgruppe/Miliz IZL, die sich 1931 von der (“sozialdemokratisch” dominierten) Haganah abspaltete, mit dem späteren israelischen Premier Biegun/Begin als Führer. Die Irgun Zwai Leumi war zeitweise mit den Briten verbündet, im Gegensatz zu LEHI anscheinend nie mit den Achsenmächten verbunden. 1948 ging der politische Arm der IZL in die Partei Herut über, der militärische in die israelischen Streitkräfte (ZHL). Die IZL verübte Terroranschläge auf britische und palästinensische Ziele, selten auf militärische Ziele. Wenn es um (gegen) Briten ging, hat sie auch gelegentlich vorher Warnungen geschickt. 1946 der Anschlag auf das “King David”-Hotel in Jerusalem/Quds, das auch britisches Hauptquartier war, wahrscheinlich war auch die Haganah beteiligt. Es ging um Rache für das britische Vorgehen gegen zionistische Milizen/Terrorgruppen. Der Vater der israelischen Politikerin Tzipora “Tzipi” Livni, Eitan Benozovich (ebenfalls aus Polen), ein führender “Aktivist” der IZL, war etwa 3 Monate zuvor festgenommen worden. Drei Monate nach seiner Festnahme legten Irgun-Mitglieder im Jerusalemer King-David-Hotel eine Bombe, die 91 Menschen tötete.

Nur 16 waren britische Soldaten oder Polizisten, der Grossteil war Hotelangestellte und Palästinenser. Die Täter dürften als “Araber” verkleidet im Hotel die Bombe gelegt haben; es ist bis heute der tödlichste Terroranschlag im ganzen Palästina-Konflikt und einer der tödlichsten im 20. Jh weltweit. Auf Repressalien der Briten danach reagierten Zionisten mit Hinrichtungen von gefangenen britischen Soldaten. Die telefonischen Warnungen im Vorhinein sind in Details umstritten. Die IZL übernahm die Verantwortung, schob sie wegen der Nicht-Evakuierung aber gleich an die Briten weiter und beklagte jüdische Opfer (angeblich 17). Der zionistische “Hauptstrom” distanzierte sich teilweise vom Attentat, begrüsste es teilweise heimlich. Begin behauptete in seinen Memoiren sogar, dass die Briten das Gebäude absichtlich (deshalb) nicht räumten und Zivilisten drinnen liessen um “jüdische militante Gruppen zu verteufeln”… Netanyahu junior redete anlässlich eines Jubiläums des Anschlags von einem “legitimen militärischen Ziel” und hob die Sache mit der Warnung heraus, um chauvinistisch einen “Unterschied” zu heutigen Anschlägen gegen Israel/den Zionismus hervor zu heben. Beschönigungen prägen den zionistischen Umgang mit dem Attentat bis heute, dies und die “zwiespältige” Haltung ggü den Briten drückt sich im Text auf der Erinnerungstafel zum 60-Jahr-Jubiläum aus, der in Hebräisch anders ausieht als auf Englisch.12

Die LEHI oder “Stern-Gruppe” war eine noch radikalere Abspaltung von der IZL. Die LEHI trug sich den Nazis an und anderen europäischen Faschisten, 1940/41, trotz deren Antijudaismus und damaligen Massentötungen von Juden in Europa (v.a. seinem Osten), gegen die Briten. Beide Kräfte waren gg die jüdische Diaspora, das Religiöse, das Orientalische,… Manche haben mit der faschistischen Terrorgruppe kein grösseres Problem, dass sie “abwertend” Stern-Bande genannt wird. Andere sehen schon Thematisierung ihres Charakters als “Antisemitismus”. LEHI-Leute töteten 1944 Walter Guinness (den Lord Moyne), damals britischer Resident in der Region.13 1948, im Palästina-Krieg, ermordete LEHI wie erwähnt UN-Vermittler Folke Bernadotte. Aus der Herut ging der Likud (und im Endeffekt alle zionistischen Rechtsparteien) hervor. In der Tradition von Jabotynski, dem Revisionismus und IZL stehen auch die Gruppen, die auf Meir Kahane zurückgehen, einen US-amerikanischen Rabbiner, also JDL, Kach,…

Das offene Eintreten für ein Gross-Israel (grösser als mit Westjordanland und so) und für Ausweisungen der Palästinenser findet sich dort, dazu kommt das Bekenntnis zu einem theokratischen Staat. Die aktuelle Kahanisten-Partei ist Otzma Yehudit, geführt von Michael Ben-Ari, der von der ersten Wahl heuer ausgeschlossen wurde. Und verbündet mit Netanyahus Likud. Kahanisten sind in zentralen Punkten offener als der Hauptstrom, zB was jüdische Vorherrschaft betrifft. Otzma bekam in der 2. Wahl 19 keine Mandate (und trat nicht mehr in einem Kleinbündnis mit anderen Rechtsextremisten/Faschisten an), ansonsten wären auch Kahanisten in der nächsten (israelischen) Regierung möglich gewesen. Der anti-arabische Rassismus des Kahanismus ist für Netanyahu schon mal gar kein Problem und für den israelischen Hauptstrom kaum.14

Auch heute knüpft der revisionistische Zionismus, also Likud, Kontakte zu Rechtsaussen-Parteien in Europa, mit “dem Islam” als gemeinsamen Feind. Das bringt diesen Rechtsparteien, wie FPÖ in Österreich, die Anerkennung (und das Selbstverständnis) “keine Antisemiten” mehr zu sein. Und der israelischen Rechten mehr Unterstützung aus dem Westen für ihre Vertreibungen von und Gewalt gegen Palästinenser. Dass sich Rassismus beider Seiten nicht nur gegen Moslems richtet, versteht sich von selbst. Gegen Christen wie Azmi Bishara oder Zoroastrier wie Trita Parsi wird ebenso gehetzt, wenn es politisch passt, Orientale sind eben “Ziegenficker“. Gerade aus der Likud-Ecke wurde immer gegen Barack Obama gehetzt, auch ein “Anti-Semit” sei er; da verbindet sich Israel-Lobbyismus, Rassismus, Islamophobie,… Und der FPÖ/ÖVP-Mensch aus Österreich kann jetzt auch kommen und den “Neger” den er ablehnt, politisch korrekt als “Antisemiten” aburteilen. Leider ist das inzwischen typisch für die Behandlung des “Antisemitismus”-Themas. Pirincci, Grass, Hamsun, Strache, Bernadotte, Pinochet, Obama,… – und die Einteilung in “Gut” und “Böse”.

Im israelischen/zionistischen politischen Spektrum ist Netanyahu bzw der Likud in der Mitte, was aber einiges über dieses Spektrum aussagt. Die Grundlagen für diesen Staat wurden von Politikern und Militärs (und Wissenschaftern) der Arbeiterpartei/Avodah (in der Mapai-Tradition) geschaffen. Die Sicht auf die Palästinenser und die Region als auf einer niedrigeren Stufe gibt es dort erst Recht. Ben Gurion (Grün) Führer des zionistischen Projekts in Palästina von den 1920ern bis in die 1960er, war, was Nicht-Juden/Palästinenser betrifft, kaum zu überbieten an Feindseligkeit. Oder Theodor “Teddy” Kollek, ebenfalls von der Avodah, der langjährige Bürgermeister von Jerusalem, nach der Eingliederung auch vom Osten der Stadt. Kollek war zuvor Haganah-Fädenzieher, dann Gurion-Handlanger. Der ebenfalls österreichisch geprägte Journalist Ari Rath über ihn: “Er hat mit seiner Toleranz und Menschlichkeit die Reibungen etwas ausgeglichen. Aber man soll sich nicht irren, was Jerusalem betrifft, war Teddy Kollek ein ganz starker, strenger, israelischer Patriot. Er hat den Bau der Siedlungen um Jerusalem unterstützt. Er hat auch immer gesagt, Jerusalem kann nie geteilt werden. Es soll palästinensische Bezirke mit Selbstverwaltung geben, aber Jerusalem sollte als ganzes israelisches Territorium bleiben.” Er war auch ein Freund des “Kronen Zeitung”-Herausgebers Hans Dichand, der auch einen jüdischen Preis bekam.15

Es ist leicht, Kahane als “Extremist” zu verurteilen, aber seine Anhänger hätten nicht die palästinensischen Restgebiete samt Einwohner als “Spielwiese” für ihren Chauvinismus, wenn nicht die von der Avodah/Arbeiterpartei dominierten Regierungen mit dem israelischen Militärapparat nach den Eroberungen 67 dort das Siedlungsprojekt begonnen hätten. Und Netanyahu bekommt im Westen erschreckend viel Akzeptanz… Die Führer des jetzigen (“blau-weissen”) Gegenbündnisses, Benjamin Gantz und Yair Lapid, sind aber bezüglich der Palästinenser kaum “besser”. Der nationale chauvinistische Konsens. Die rechten Zionisten (und rechte Anhänger vom Zionismus) heucheln nicht vor, dass Israel antirassistisch-universalistisch agieren bzw sein soll. Rechter und “linker” Zionismus, der Unterschied zeigt sich zB bei den Erklärungen von Rafael Eitan und Shimon Peres zur Kooperation mit Apartheid-Südafrika, die sie im Nachhinein dazu abgaben. Eitan stand dazu, auch zur damaligen Sicht wonach Israel und die Weissen in Südafrika viel gemeinsam hätten, nicht zu ihrer Region gehörten, diese bekämpfen müssten, etc; Peres & Co lamentieren, dass sie keine andere Wahl gehabt hätten, dass es “antisemitisch” sei, Israel diesbezüglich “herauszuheben”,…

Der Krieg Israels gegen die Nachbarländer 1967 markiert in mehrerer Hinsicht einen Wendepunkt – auch was die Haltung westlicher Rechter ggü Israel betrifft. Die (neue) Linke war zumindest in der BRD, Österreich bis 67 “aus Holocaust-Gründen” (primär) proisraelisch, dann übernahmen die Rechten diese Rolle. Der “Spiegel” damals: “Ausgerechnet Juden, die deutsche Nazis für feig, faul und verkommen hielten, gewannen im Gegensatz zu deutschen Herrenmenschen schon zum drittenmal einen [von ihnen begonnenen] Krieg gegen eine erdrückende Übermacht.” Israel wurde für Rechte ein positives Gegenstück zum eigenen satten, friedlichen, toleranten Land, in dem das Militärische weitgehend auf den Wehrdienst begrenzt war (und „Wachdienste“ für die USA), und zum (Diaspora-) Judentum, wie man es “gewohnt” war (darauf hat es der Zionismus auch angelegt). Ulrike Meinhof damals in “konkret”: “Nicht die Erkenntnis der Menschlichkeit der Juden, sondern die Härte ihrer Kriegsführung, nicht die Anerkennung ihrer Rechte als Mitbürger, nicht die Einsicht in die eigenen Verbrechen, sondern der israelische Blitzkrieg, die Solidarisierung mit der Brutalität, die Vertreibung, die Eroberung, führte zu Solidarität…Erfolg und Härte des israelischen Vormarsches lösten einen Blutrausch aus, Blitzkriegtheorien schossen ins Kraut, BILD gewann in Sinai endlich, nach 25 Jahren, doch noch die Schlacht von Stalingrad…der Einmarsch in Jerusalem wurde als Vorwegnahme einer Parade durchs Brandenburger Tor begrüßt. Hätte man die Juden, statt sie zu vergasen, mit an den Ural genommen, der zweite Weltkrieg wäre anders ausgegangen, die Fehler der Vergangenheit wurden als solche erkannt, der Antisemitismus bereut, die Läuterung fand statt, der neue deutsche Faschismus hat aus dem alten gelernt, nicht gegen – mit den Juden führt der Antikommunismus zum Sieg.“ Das Meiste davon ist nach wie vor aktuell… Bei einer Minderheit war der alte Antisemitismus doch stärker als die neue Begeisterung für die militärisch überlegenen Israelis.

Mit der Islamkrise ab etwa 2001 kam nicht nur die rechte Israel-Begeisterung zu neuen Höhen, auch die Linken im Westen wurden wieder pro-israelisch. Die Projektion eigener nationaler Wünsche auf Israel spielt beim “Philo-Zionismus” sehr oft eine entscheidende Rolle…nicht zuletzt bei Deutschen und Österreichern. Was Rechten an IL gefällt und wie rechts IL ist, zeigt sich zB am Nationalstaatsgesetz, das 2018 erlassen wurde und Teil der De-facto-Verfassung des Staates wurde. Die Definition Israels als jüdischer Staat, die de jure und de facto immer da war, wird darin „bekräftigt“. Es definiert Israel als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“, in dem allein Juden das “Recht auf Selbstbestimmung” haben. Es richtet sich v.a. gg die „israelischen Araber“, die aber ohnehin immer Bürger dritter Klasse waren. Hebräisch wurde alleinige Nationalsprache, Arabisch herabgestuft. Israel war ohnehin immer nur der Staat der Juden, hier wurde die Schein-„Gleichberechtigung“ der „israelischen Araber“ auch offiziell eingeschränkt. Und das geschieht mit der Umdrehung der Opferrolle, der Vernichtungsrhetorik des Zionismus. Es sei Ziel der Palästinenser, „den Nationalstaat der Juden zu vernichten“, das Gesetz solle sicherstellen, dass Juden „ein freies Volk in unserem Land“ sein können…, sagte der Likud-Abgeordnete “Avi” Dichter, ein ehemaliger Geheimdienst-Chef. Netanyahu postete auf Instagram, dass Israel nur seinen jüdischen Bürgern gehöre.

Wenn so etwas irgendwo anders (und mit Juden als Minderheit) verabschiedet werden würde… Im Westen haben Juden gleiche Rechte, Nicht-Juden unter israelischer Herrschaft nicht. Israel steht dafür, dass es keine Gleichberechtigung von Juden und Nichtjuden gibt. Israel ist als Ethnokratie attraktiv für Rechte im Westen, praktiziert einen Ethnonationalismus, sodass nicht jeder eingewanderte Chinese oder Afrikaner gleichrangiger Bürger werden kann, herrscht über “Niederrangige”. Israel ist auch/gerade in den offen rassistischen Kreisen hoch angesehen, mit seinem völkischen Nationalismus, mit seiner Privilegierung einer Bevölkerungsschicht, die Manche hier auch gerne hätten.16 Juden dort werden nicht mehr als gefährdete oder aber “schädliche” Minderheit wahrgenommen, sondern als Herrscher des Landes, das sie zudem “aufblühen” liessen. Rechte westliche Israel-Fans sind eigentlich Jene, die den Zionismus ganz richtig verstehen, nicht die (pseudo-) linken Israel-Fans.17 Wenn es um eine Neudefinition von Nation(alem) geht, spielt Israel (als Ethno-Staat, der über Andere herrscht, sich nicht um Gleichheit schert) gerne eine Vorbildrolle. Vor Allem für jene, die Hass auf „Multikulti“ und “Ethno-Pluralismus” empfinden.

Schnitt, in das Lettland der Zwischenkriegszeit. Karlis Ulmanis war im unabhängigen Lettland vor dem Einmarsch der Roten Armee und dann der Wehrmacht Minister-, dann Staatspräsident einem autoritären System. Es war eine von mehreren Halbdiktaturen in Europa damals. Ulmanis propagierte “Lettland den Letten”, führte Diskriminierungen der Minderheiten ein, das waren damals hauptsächlich Deutsche, Juden, Polen. Diese wurden toleriert, den ethnischen Letten aber klar untergeordnet. Ein solcher Nationalismus ist Normalität in Israel… Was das undemokratische Gebahren anbelangt, Ulmanis liess das privilegierte Volk, die ethnischen Letten, nicht mehr wählen und liess Protagonisten verschiedener politischer Richtungen inhaftieren, ein Unterschied. Von Israel werden “Protagonisten” des beherrschten Volkes (das in einer Besatzungssituation lebt) inhaftiert.

Zur rechten Freude über Israel trägt auch bei, dass sich die jüdische Härte nicht gg Verantwortliche des Holocausts sondern gg „unterentwickelte Völker“ richtet. Rechte, die Israel “in Schutz nehmen”, sich mit ihm identifizieren, es liebkosen, um mit ihrem Rassismus durchzukommen, um Progressivität, Aufgeklärtheit vorzuheucheln… Und da geht es nicht nur um “Islam” und “Moslems”, da vermischt sich Einiges, Hass ggü Obama, seiner Politik und seiner Herkunft, Nelson Mandela sei sehr wohl ein Terrorist gewesen18, Rigoberta Menchu eine Lügnerin19, man propagiert ein “weisses und islamfreies” Europa, Rassismus (im Westen) an sich wird verharmlost (von Leuten die das nicht einschätzen können)20, die Antikriegsbewegung mit Nazis gleichgesetzt,… Trump, Netanyahu, Strache, al Saud…und der „Schutz“ von Grenzen vor „Eindringlingen“. Zum “Ausgleich” sagt man dann, dass die “Weisen-Protokolle” in arabischen Ländern und Iran die grösste Auflage hätten, rümpft die Nase, man ist aufgeklärt, die sind es nicht. Frischzellenkur für Rechte…nicht um verräterische Ethnizität geht es, sondern “Kultur”. Manches aus diesem “Konglomerat” gab es früher im Zeichen des “Antikommunismus”.

Und natürlich das israelische Militär… Für den französischen Autor, Offizier, Militärtheoretiker Jean “Lartéguy” (Osty) waren die Israelis die Soldaten, die seinen Idealen und seiner Vorstellung von Effektivität am nächsten kamen. “Guerre d’Algérie” wurden in Hebräisch übersetzt und im israelischen Militär anscheinend zu Ausbildungszwecken verwendet, die Anerkennung war also gegenseitig. In den 1970ern warf er Israel gleichwohl vor, sich zu sehr von amerikanischer Waffentechnologie abhängig gemacht zu haben, dadurch “ihre frühere Qualität” verloren zu haben. Vor einiger Zeit eine ATV-Doku über “Selbstverteidigung” (in Österreich), gleich zwei Rechts-Machos mit Schusswaffen traten auf, mit IL-Sympathie/-Bewunderung/-Connection. Mit so etwas haben die “liberalen Zionisten” (Regenbogenfahne, Homosexuellenrechte…), wie es sie auch in Wien gibt, gleichwohl nie ein Problem. Ein Broder oder Finkielkraut wiederum können mit solchen Zionisten nicht viel anfangen.

Für Apartheid-Premier Vorster wurde in Jerusalem der rote Teppich ausgerollt, später kam Strache mit Burschenschafter-Kappe nach Yad Vashem…Norman Finkelstein aber zB wurde die Einreise in Israel verwehrt, Günter Grass bekam ein Einreiseverbot, von den Palästinensern, die von dort stammen, ganz zu schweigen. Ein Netanyahu stellt einen Strache mit seiner Politik und Rhetorik locker in den Schatten, mit seinen rassistischen Herabsetzungen von Menschen in der Region, in der “Israel” gegründet wurde. Auch den Holokaust würde er am liebsten den Palästinensern zuschieben (siehe Teil I), (echt) liberale Juden wie Soros gibt er für antisemitische Angriffe frei (s.u.). Über Israel-Solidarität wird eine Anschlussfähigkeit zu rassistischen Diskursen hergestellt; globalpolitician, vdare oder frontpagemagazine sind so Treffpunkte für Chauvinisten von hier und dort, was den englischsprachigen Raum betrifft. Alte europäische/westliche Rechtsextremisten wie auch rechtsextreme Zionisten sind besorgt, ihr Image zu modernisieren, und in Zeiten von Islamismus und Islamophobie geht das auch ziemlich leicht. Aber es gibt Zustrom und Akzeptanz aus der Mitte für die entsprechenden Diskurse.

Im deutschsprachigen Raum gibt es nicht nur Broder, der für so gut wie alle rechten Inhalte seinen Segen gibt, Blanko-Schecks verteilt. Ralph Giordano: “Was, Germania, ist hier falsch gelaufen? Damit komme ich auf jene professionellen Multikulti-Illusionisten, xenophile Anwälte aus der linksliberalen Ecke, wie Hans Christian Ströbele und Claudia Roth, gnadenlose Verneiner berechtigter Eigeninteressen der Mehrheitsgesellschaft und Großverhinderer jeglicher realistischen Lagebeurteilung des Immigrantenproblems – sie sind im Auge zu behalten.“ Fragt sich auch, was zu diesen berechtigten Eigeninteressen der “Mehrheitsgesellschaft” zählt und wie sie abgegrenzt ist… Es gibt mehr Buddhisten als Juden in der BRD (ca. 270 000 zu 200 000), und was folgern wir daraus? Mossab H. Yousef oder Ahmad Mansour kann man als “gnadenlose Verweigerer von berechtigten Interessen der (palästinensischen) Mehrheitsgesellschaft” sehen. Walter Zeev Laqueur, jüdischer Brite und Amerikaner deutscher Herkunft, ein Gelehrter, der u.a. als “Terrorexperte” gilt, schrieb das Buch „Die letzten Tage von Europa“; es gäbe hier eine “Entvölkerung” (niedrige Geburtenrate), Masseneinwanderung (> Moslems), „Appeasement“, Europa sei ängstlich, apathisch,… (> BHL, Broder,…).

Rechte Politik mit Pro IL verkaufen (zB Philipp Missfelder, Helmut Markwort) oder aber durch rechte Einstellungen auf Pro IL kommen (zB Christian Ortner, José Aznar), da gibt es einige feine Unterschiede. Jedenfalls muss man damit nicht auf seinen Rassismus verzichten. Der Kampf gegen Anti-Rassismus ist denn auch etwas, dass zionistische und westliche Rechte eint; was man auch an der Hysterie über die Antirassismus-Konferenzen unter UN-Auspizien (2001, 2009, 2011) sieht, die nach dem Tagungsort der ersten Konferenz in Südafrika “Durban-Konferenzen” genannt werden.21 Stolz wird berichtet, dem Mossad sei die Unterwanderung der französischen Organisation SOS-racisme (SOS-Rassismus) gelungen, damit die “Enttarnung” von Antirassismus und Palästina-Solidarität als “antisemitisch”… Und, der Rassismus im Fahrwasser der Israel-Solidarität ist etwas, vor dem normalerweise die Augen verschlossen werden. Dass und wie Antijudaismus über den „Umweg“ „Israel-Solidarität“ in Moslemophobie übergeht (übergegangen ist), kann man zB bei Gudrun Eussner anschauen > Es müsse nur jeder seine Erfahrungen mit Moslems abgleichen mit dem was (von Leuten wie ihr) über diese geschrieben wird.

Der Rechtsextreme Patrick Brinkmann hat “erkannt”: „Nicht Juden sondern Moslems sind das Problem“. Ja, in der “westlichen” Rassenhierarchie sind die Moslems/Orientalen eigentlich unter den Juden. Moslems sind keine Rasse und wie erwähnt, Nicht-Moslems aus “diesem” Kulturrraum wie Bishara oder Parsi werden da immer mit eingeschlossen. Manche sehen sich gezwungen, Anti-Regime-Iraner oder Kurden “auszuzunehmen, bzw welche heraus zu picken, versuchen zu vereinnahmen. Und, es geht hier oft im gleichen Maß gegen “Farbige” generell wie gegen „Moslems“. Mit dem “Antisemitismus”-Vorwurf stellt man sich in eine scheinbar hehre moralische Position, über “AS”-Hysterie werden rassistische Bedeutungsinhalte transportiert, Feinbilder konstruiert…Eigenen Rassismus und Ressentiments als “Kampf gg Antisemitismus” (und “für Frauenrechte”, “gegen Schwulendiskriminierung”,…) deklarieren, kommt nicht selten vor. Diese Ressentiments ausleben und gleichzeitig reinwaschen, auf scheinheilig.

Als Lega (Nord) – Chef Matteo Salvini wieder einmal nach Israel reiste, schrieb der jüdische italienische Künstler Stefano Levi Della Torre eine Art offenen Brief, an die Juden Italiens gerichtet; es sei alarmierend dass Netanyahu Salvini mit einer Pro-Israel-Lizenz ausstatte, die diesen von “Antisemitismus” freispreche während er mit seiner xenophoben, rassistischen Kampagne fortfährt, die auch Bündnisse mit antisemitischen Kräften in Italien und Europa inkludiere. Salvini sagte anlässlich dieses Besuchs brav, der “wachsende Antisemitismus” ginge Hand in Hand mit islamischen Extremismus, und (Alarmismus) niemand beachte das. Und zu Levis Brief, “Ich brauche mich nicht jedes Mal rechtfertigen, wenn ich nach Israel fliege”. Meinungsverschiedenheiten wie diese unter den italienischen Juden gibt es vielerorts, nicht nur in Europa. In Österreich hat zB der Künstler Arik Brauer Strache den “Segen” erteilt, während Andere in den jüdischen Gemeinden bemängelten, dass ein anderer FPÖ-Mensch (Vilimsky) während einer der letzten Gaza-“Kriege” Israel kritisierte… Gelegentlich wird auch thematisiert, dass eine Abkehr vom Antisemitismus nur zur Stärkung eines anderen Rassismus’ eigentlich widersprüchlich und heuchlerisch ist.22

Was dabei in der Regel unter den Tisch fällt: Wenn europäische Rechtsaussen Israel besuchen und die dort Regierenden wie Netanyahu, Bennett, Lieberman oder Yishai treffen, stellt sich die Frage, auf welcher Seite eigentlich die “unappetitlicheren” Rechtsaussen sind! Über den “Antisemitismus” von Salvini, Strache oder Le Pen wird gesprochen und geschrieben, und Islamismus und Terror und den Westen, aber nicht über die gemeinsamen Feindbilder der Rechtspolitiker beider Seiten… In den Pro-Israel-Kreisen wird auch unterschiedlich mit der Kollaboration israelischer und jüdischer Funktionäre mit westlichen Rechtspolitikern umgegangen, das geht von der Affirmation der Rechten als “antiantisemitische und antiislamistische Kräfte” (Maul, AfD, >) über Lippenbekenntnisse zur Abgrenzung bis zu Versuchen der Umdrehung (Rechte seien in Wirklichkeit mit Moslems/Islamisten gegen Juden/Zionisten verbündet, in Querfront mit Linken/Antiimperialisten; der Zionismus sei erhaben über Verbindungen dieser Art).

“AS”-Anklagen von Rechten dienen meist der eigenen Reinwaschung/Profilierung, der Formulierung eines neuen Fremdenhasses sowie Abrechnungen mit Linken. Der der sich zum Inquisitor macht, braucht sich nicht mit seinen eigenen Sünden auseinander zu setzen, will ablenken was für ein Drecksschwein er selber ist (und nicht Saubermann). Man entsorgt quasi die Nazi-Vergangenheit über die Moslems, und packt Leute wie Grass zu Ersteren dazu. Mit der “AS”-Beschuldigung erscheinen Rowdies zivilisiert, obwohl es sich dabei oft um böse, rassistische Attacken und Verleumdungen handelt. Palästinensern, Arabern, Moslems, Orientalen werden die eigenen, verdrängten, Ressentiments umgehängt, ein Fremdenhass mit „Antisemitismus“-Chauvinismus wird formuliert. Österreicher die Krieg wollen wie der Opa und auch andere Kulturen verachten, sind dann „AS“-Bekämpfer, können damit ihren Rassismus behalten. Nein, ich kann kein Rassist sein, Antisemit auch nicht, ich bin ja proisrael. “Antifaschismus” über “Israel”, ohne wirkliche Läuterung. Auch für im Grunde antijüdische Rechte ist das Schwingen der AS-Keule, v.a. im Nahost-Kontext, eine Option, gg Linke und “Orientale”.

Die „Aufarbeitung“ von NS/Holocaust sowie der „Kampf gg Antisemitismus“ findet in Deutschland/Österreich zunehmend über andere Rassismen statt. Den Islam zum NS machen, um aus seinem Rassismus etwas „Antifaschistisches“ machen zu können, wie bei Nicolaus Fest… Israelliebe als Ersatz für eine Abwendung von bzw Auseinandersetzung mit Rassismus usw. > M. Stürmer. Andere finden in Israel-Identifikation nicht nur ihr ersatzvölkisches Betätigungsfeld und die Lizenz zum Rassismus, sie schlüpfen durch die Annahme einer jüdischen Identität selbst in eine Opferrolle… Wer für Israel ist, kann nicht antisemitisch sein, kann nicht rechtsextrem, rassistisch, nicht deutsch-national, undemokratisch, fanatisch sein, hat eine Exkulpation. Kann seinen Ausländerhass legitimieren, linke Anliegen delegitimieren. “AS”-Jäger sind auch oft die grössten Rassismus-Relativierer (Broder, Osten-Sacken,…). Wobei der Rassismus von Israelis und Juden in der Regel ausgeblendet wird.

Es ist leichter, sich in „Holocaust-Wiedergutmachung“ zu üben und in dem Zhg einen anderen Nationalismus (den Zionismus) zu unterstützen, als sich mit den Strukturen des Rassismus in Österreich auseinander zu setzen, jenem ggü Gastarbeitern (früher), jener aus dem heraus Harry Belafonte noch in den 1980ern der Zutritt zu einem Lokal in Linz verwehrt wurde… # Strache, Kurz23. Die israelische Soziologin Irit Dekel sprach von der „Manipulation von Holokaust-Gedenken für ihre politischen Zwecke bei europäischen Rechtspopulisten” (Holokaust-Verurteilungen von Strache, Orban, Salvini,…)24, von “Lippenbekenntnissen statt Sinneswandel”, denn deren Politik sei das Gegenteil von der Lehre aus NS/Holokaust > Hetze und Ausschluss von Bevölkerungs-Gruppen, Diskriminierungen. Netanyahu, so Dekel, gibt Diesen Anerkennung. Strache & Co lieben Juden, so Dekel, um ihre rassistische Ideologie zu legitimieren (aber sie bekommen ja Anerkennung, nicht nur von Netanyahu). Bolsonaro hat nach einem Besuch von Yad Vashem25 gesagt, der NS sei eine linke Bewegung gewesen. Die Auslagerung von Holokaust-Gedenken an Linke sowie Moslems ist gang und gäbe.

Der homophobe, antisemitische, frauenfeindliche, demokratieunfähige Moslem auf der einen Seite, auf der anderen Seite der aufgeklärte Deutsche, als Teil eines “freien, überlegenen Westens”, der an der Seite der Juden steht… Ein “linker Nationalismus” (man ist aufgeklärt und Intoleranz ist Merkmal der Anderen) hat bei Rechten Einzug gehalten und verbindet gegen „Islam“ und für „Israel“, unterstellt Anderen Verbindungen zum Bösen; nicht mehr die Ablehnung des “Liberalen” sondern dessen Übernahme/Vereinnahmung. Das “Unfreie”, “Intolerante” und “Gewalttätige” wird den Orientalen und Südländern umgehängt, der alte Fremdenhass ist heutzutage aufgepeppt mit Frauenrettertum, Philosemitismus,…  Auch rechte Profilierung gg Linke funktioniert so, also zB „Antisemitismus wurde durch linke Toleranz für Zuwanderung importiert, nur wir haben den Mut, dies anzusprechen..”. Sind der weisse Ritter, der die Fahne des Guten hochhält. Auch Homophobie wird nun so bevorzugt „vergeben“, wie tatsächlicher/ vermeintlicher „AS“, Sklaverei, Holocaust,…

Ein neuer Westen wird definiert, der an der Seite der Juden steht, der Verfolgten,…, der die Antithese zum Faschismus ist, gleichbdeutend mit dem jüdisch-christlichen Abendland ist. Auf diese Weise kann auch das Dilemma zwischen Holocaustaufarbeitung und “white guilt” (“weisser Selbsthass”) gelöst werden, man wälzt ihn bzw die zugrunde liegende Haltung gewissermaßen ab. Broders Geschreibe von „Degenerierten im Westen“ (je 1/3 der Männer sei schwul, impotent, unwillig) und Ähnliches lässt sich vereinbaren mit dem Diskurs vom homophoben Moslem… Der Homosexuellen-Toleranzchauvinismus richtet sich üblicherweise nicht gegen Nicolaus Fest oder Kardinäle, sondern gg. Nicht-Europäer; und wird bei Bedarf ausgesetzt, bei Saudi-Arabien muss man nachsichtig sein (> Missfelder,…), wie bei Israel und seinen Homophoben. Wenn Broder in einem Kommentar über den Anschlagsversuch eines Somaliers auf den Mohammed-Zeichner die “Dritte Welt” und den “Westen” bemüht, geht es natürlich (auch) darum, Anliegen der “3. Welt” und des “Anti-Rassismus” zu diffamieren (bzw Rassismus zu verharmlosen), über den Islamismus, und einen “Westismus” zu formulieren. Ähnlich wird es in diesen Kreisen mit dem Klimawandel versucht (s.u.). Wer Israel kritisiert, ist ohnehin Antisemit, auch wer den Kapitalismus analysiert, die USA-Kritik (z Zt Bush, Trump),… Immer wieder kommt der “Nachweis” einer „verkürzten Kapitalismuskritik“, bzw die “Enttarnung” der Anti-Globalisierungsbewegung als “antisemitisch” (oder: von “Judenhass als Verlängerung antikapitalistischen Denkens”). Dreisätze werden da konstruiert, Umkehrschlüsse behauptet, Lehren propagiert (hauptsache, den Kapitalismus wie er ist26 annehmen), agitiert.

Die v.a. in der USA starken Evangelikalen waren früher antijüdisch, haben sich gewissermaßen über Israel-Begeisterung davon abgewendet, wie bei Rechten üblich. Eine “Rückkehr” der Juden in “ihr” Land werde die “Endzeit” schneller herbei führen, glaubt man dort. Juden werden nur über dem Zionismus gesehen und dieser “vereinnahmt” für eigene Ziele, auch unterstützt. Die Evangelikalen waren in der USA unter Bush junior besonders mächtig; es verbindet sich da Einiges, Pro-Israel-Politik aus religiös-ideologischen Gründen, und aus den Interessen Öl und Einfluss in der Region.27 US-amerikanische Evangelikale, zusammengeschlossen in der Christian Coalition of America, sind mit der Republican Party verbunden (und auch mit offen rassistischen Gruppen) und auch mit Rechten in Europa. Marion Gordon “Pat” Robertson ist einer der Führer der Evangelikalen, trat 1988 für die RP bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftsnominierung an.

Der Televangelist, der von der Southern Baptist Convention kommt, engagierte sich für die “Contras” in Nicaragua, das Apartheid-System in Südafrika, Mobutu in “Zaire”, rief zur Ermordung von Hugo Chavez auf. Und, er kommentierte Ariel Sharons Schlaganfall 06 sei eine Strafe Gottes für die “Aufgabe” des Gaza-Streifens gewesen. Dies wurde ihm auch von zionistischer Seite verübelt, ansonsten hatte man dort kein Problem mit ihm (im Gegenteil), auch nicht dass er den Hinduismus als “dämonisch” bezeichnete, den Buddhismus als “Krankheit”28, die Bürgerrechtsorganisation ACLU mitverantwortlich für die Anschläge in der USA 2001 machte, das Erdbeben in Haiti ’10 als historische Strafe für die Haitianer sah,… Während man bei Pat(rick) Buchanan zB schnell das Etikett “Antisemit” bei der Hand hat(te). Natürlich ist Robertson gg die Teilung Jerusalems, alles gehöre Israel… Erwähnenswert hier ist auch Richard Kemp, britischer Offizier, christlicher Zionist, selbst an der britischen Besatzung von Nordirland oder Irak beteiligt.29

Er gilt als “Terrorismus-Experte”, hat ein Institut, ist wahrscheinlich auch (dick) im Waffenhandel. Und natürlich ist er ein groooosser Israel-Anhänger. Schrieb etwas über das Gaza-Massaker 08/09 (natürlich ein “Freispruch” für die israelische Seite, ohne Infos zu haben) für das JCPA (Jerusalem Center for Public Affairs), stellte dies als Expertise dar.30 Gegen Kritiker kommt er mit “Antisemitismus”-Vorwürfen; angeblich hat er eine Todesdrohung von al Qaida bekommen. Kemp sprach zb am CUFI (Evangelikale)-Gipfel in der USA, rührte einem Teilnehmer zufolge Leute zu Tränen. Er ist führend in der britischen Israel-Lobby, gut vernetzt in der bzw im internationalen Islamophobie/Philozionismus. Aus seinen Vorlieben ergibt sich seine Saudi-Arabien-Apologetik fast von selbst; KSA ist zB der grösste Abnehmer britischer Waffenexporte. “Wir schätzen ihr System nicht aber sie haben Öl und helfen uns gegen Feinde”. Kemp wird zB vom einschlägigen Rebel News (> Sun News) promotet, das das auch mit David Horowitz, Pamela Geller, Daniel Pipes, Robert Spencer, Brigitte Gabriel macht.31

Auf Twitter zeigte sich Kemp ergriffen am Grab von Orde Wingate, jenem evangelikalen britischen Offizier, der 1936 bis 1941 in Palästina “diente”, dabei die zionistischen Milizen ausbildete und unterstützte, auch in Terror-Taktiken. Die Schirrmachers, führende Evangelikale in Deutschland (Deutsche Evangelische Allianz, Lausanner Bewegung,…), begnügen sich mit “Analysen” im “wissenschaftlichen” Gewand. Das organisierte Judentum arbeitet oft mit Evangelikalen zusammen, v.a. in der USA. Dennis Prager ist einer der Ansprechpartner der Evangelikalen unter zionistischen Juden in der USA, er veranstaltet für diese Touren in Israel (Genesis Tours). Zionistische Rechte und christliche Evangelikale haben viele Gemeinsamkeiten, von der Verurteilung der Abtreibung über die Ablehnung Linker bis zur Dämonisierung von Moslems. Auf Youtube ist dieser Prager mit Propaganda-Videos als „prager university“ unterwegs, betreibt auch dort Brückenbau zu Evangelikalen und anderen Rechten im Westen; zB mit dem Video „The suicide of europe“ (> Moslems, Einwanderung, “Appeasement”, “Werte”, Israel,…). Die religiöse Rechte unterstützt Trump, obwohl er zum 3. Mal verheiratet ist und alle 3 Ehefrauen betrogen hat sowie weitere sexuell belästigt. Und, evangelikale “Christen” helfen den israelischen Siedlern im Westjordanland bei der Ernte, zB in der Siedlung “Psagot” bei der Traubenlese.

Zur “Hohmann-Grenze” kommen wir bald, und auch zur Rechten in Osteuropa, dem Nazi-Erbe der Rechtspopulisten in Europa, und Anderem was hier relevant ist. Evangelikale jedenfalls kennen sich mit religiösem Fanatismus aus, wie Islamisten maßen sie sich an, zu wissen, was “Gott” will. Der Hurrikan “Katrina” wurde zB in diesen Kreisen häufig als “Strafe Gottes” dargestellt, auch die Anschläge in der USA 2001. Mit ihrer proisraelischen und antimoslemischen Ausrichtung sind sie über AS “erhaben”, auch wenn sie diesen früher “hochhielten”. Evangelikale sind (wie Islamisten) gg Homosexualität, halten diese in der Regel für “sündig” und “krank”. Dennoch treffen sich diese rechten (Philo)Zionisten mit den (pseudo)linken Zionisten (wie den “A”D), solche Querfronten gab es zB bei Demonstrationen auf denen israelische Aktionen gegen Gaza begrüsst wurden, immer wieder, etwa wenn sich bei einer Demo Leute der PBC (Partei Bibeltreuer Christen) und dem BAK Shalom der Linken fanden.

Es gibt aber Stolpersteine in der Zusammenarbeit von Evangelikalen und Zionisten. Hier kommen wir nochmal zum “alten Antisemitismus”. Karfreitag, das Gedenken an die Kreuzigung Jesu’, war in früheren Jahrhunderten für Juden oft gefährlich. Die Kreuzzüge nahmen sich zuerst Juden vor, zB zu Beginn des ersten im Rheinland; sahen diese als nahe bei den Moslems. Und End-Ziel der Evangelikalen ist die Mission bzw Konversion der Juden. Mit Christen unter arabischen Völkern haben die Evangelikalen ein kleines Problem – das sie zu lösen trachten in dem sie diese gegen ihre moslemischen Landsleute aususpielen versuchen. Wobei die grössten christlichen Konfessionen unter den Palästinensern Orthodoxe, Melkiten und Katholiken sind und diese für die meist baptistisch, methodistisch, presbyterianisch, calvinistisch geprägten Evangelikalen ohnehin kaum als “echte” bzw “gleichrangige” Christen wahrgenommen werden.

Broder traf sich bei einem seiner Wien-Besuche in den letzten Jahren mit dem ehemaligen Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Bezüglich “Islam” waren sich die Herren einig, Laun sagt(e) dazu, Christen sollten alles tun, die Moslems “mit Jesus Christus bekannt zu machen”, und der Staat solle “die schützen, die Christen werden wollten”. Und man solle “christliche Einwanderer ins Land zu holen”, weil sonst “die Moslems aus Europa ein durch und durch islamisches Land machen” werden. Christliche Schwarzafrikaner zB? Da werden Laun und seine “Schäfchen”, die schon mit Osteuropäern “überfordert” sind, eine Freude haben.32 Oder palästinensische Christen wie Edward Said und Azmi Bishara. Die Rolle des „Christentums“ im „Nahost-Konflikt“ und „Konflikt der Kulturen“… Der ehemalige südafrikanische anglikanische Bischof Desmond Tutu war entschiedener Anti-Apartheid-Kämpfer und auch Kritiker israelischer Politik ggü den Palästinensern. Der von Zionisten oft angefeindete Tutu beklagte auch die Intoleranz bzgl solcher Kritik: “The Israeli government is placed on a pedestal [in the US] and to criticise it is to be immediately dubbed anti-Semitic“. Dudu Masango-Mahlangu vom South African Council of Churches zu Israels kürzlichen Attacken auf den Gaza-Streifen.

A propos, dass Laun gesagt hat, Homosexuelle seien „irgendwie gestörte Männer und Frauen, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren“, hat Broder natürlich nicht gestört. Und jene, mit denen Broder bei Stopthebomb dropthebomb auftreten, die Diskriminierungen von Homosexuellen in Iran in ihrer Pro-Israel-Rhetorik verwenden…? Ja, Christentum kann unterschiedlich konnotiert sein, von den brennenden Kreuzen des KKK bis zur Befreiungstheologie. Und, israelische Rechtspolitiker treten zwar gerne mit Evangelikalen auf, manchmal zerreissen sie aber auch die Bibel.33 Und die FPÖ beschwört zwar auch das “christlich(-jüdisch)e Abendland”, der Tiroler FPÖ-Abgeordnete Werner Königshofer hat in einem offenen Brief an den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn (nach dessen Kritik an FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz34) gemeint, Schönborn solle sich besser um “warme Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder” kümmern.35

Das „Experiment Bundesrepublik“ ist gelungen, nicht trotz der alten Nazis, sondern wegen ihnen, die (in unterschiedlichen Läuterungsstufen) nahtlos in ein neues Mitläufertum über gingen. Westdeutsche “NS-Aufarbeitung” fand in Form von Unterstützung der (und Orientierung zu) USA und Israel statt. Besonders “Russland-Experten” aus SS, Wehrmacht, Gestapo,… wurden in bundesrepublikanischen Staatsorgane übernommen, der “Feind Nr. 1” war ja der gleiche geblieben. Hinter “Antikommunismus” und Israel-Begeisterung konnten sich so manche Kontinuitäten behaupten. Es war wahrscheinlich Micha Brumlik, der gesagt hat, “Israel bedurfte der BRD für Geld und Waffen, und die BRD bedurfte Israels und der Juden, um zu zeigen, dass sie mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gebrochen hatten.” Gehlens BND (bzw die Vorläuferorganisation) arbeitete mit dem Mossad zusammen, Verteidigungsminister Strauss begann die militärische Zusammenarbeit der BRD mit Israel,… Israel wurde auch Projektionsfläche für Deutsche, auch für eigene national-politische Sehnsüchte. Die Springer-Medien entdeckten es für eine Art deutschen Ersatz-Nationalismus.

Mit Beginn der Berliner Republik sowie der Islamkrise wurde das noch massiv verstärkt, dann kamen noch Wirtschaftskrise und Flüchtlingsansturm. Der israelisch-deutsche Historiker Moshe Zuckermann schrieb in “Der allgegenwärtige Antisemit” (2018 erschienen): „So wird Israel von solchen Pseudo-Philosemiten nicht in seiner Wirklichkeit wahrgenommen, sondern vor allem als Projektionsfläche ideologisch verformter deutscher [rechter wie linker] und auch jüdisch-zionistischer Befindlichkeit. Sollte sich etwa die abstrakte Solidarität mit einem völkerrechtlich verkommenen und verbrecherischen Israel als eine psycho-ideologisch motivierte Entlastung der historischen Schuld der Deutschen erweisen?“ Philozionismus besorgt gleichzeitig eine vermeintliche Holocaust-Wiedergutmachung, das Finden eines neuen Deutsch-Nationalismus, hilft bei einer politisch korrekten Xenophobie (Ablehnung wird gerne über “Rückständigkeit” zB der Palästinenser begründet, welche sich etwa in deren “Antisemitismus” zeige), das Finden eines neuen Platzes an der Sonne,…

Gunnar Heinsohn, der „Völkermord-Forscher“, schreibt passenderweise auf Broders “Achse des Guten” und für “Junge Freiheit”, sichert sich ab mit Teilnahme an der Holocaust- und Antisemitismus-“Forschung”, durch Anlehnung an die Anglo-Westmächte; ähnlich wie bei Sarrazin sind bei ihm nicht nur Moslems, auch so ziemlich alle anderen Nicht-Weissen/ Nicht-Europiden die “Unnützen”, Juden werden positiv beurteilt. Die (deutsche) Pro-Israel-Querfront, von Pseudo-Links zu Offen-Rechts… Der Philo-Zionismus ist eine Art Ersatz für Deutsch-Nationalismus bzw eine Form davon geworden. Von rechts bis links, wobei die “Anti”deutschen ohnehin früher oder später bei “Springer” landen (und Springer-Leute gelegentlich bei AfD, manche “Anti”deutsche auch direkt zur AfD). Siehe Osten-Sacken, Fest, Maul. Bei Ersterem sind Bestrebungen zur Umgestaltung “der Region” (welche wohl) und deutsches Mitmischen dabei schon ziemlich offen…der Übergang von negativer Deutschtümelei zu positiver.

Der deutsche Landser konnte nach seiner Abrüstung ein Bewunderer der israelischen Armee werden und pro-amerikanisch und ein Teil des freien Westens, ohne Läuterung; und seine Kinder und Enkel „Antisemitismus-Experten“; für die Palästinenser gab es seit den 1920ern eine „handfeste“ Konfrontation mit „dem Judentum“, mit den „Meilensteinen“ 1948 und 1967, auch für Ägypter und Nachbarn Palästinas seit 1948. Der israelischen Armee (oder alternativ den US Armed Forces) gilt die militärische Begeisterung der Deutschen heutzutage, und ihrem Aufräumen mit den Feinden der freien Welt. “Claudio Casula” vulgo Rolf Behrens macht “spiritofentebbe”, schreibt auch bei “hagalil”, “achgut”, “diejüdische”, “honestlyconcerned”,… Ja, Entebbe und die Heldentaten der israelischen Soldateska. Und dann erst die bei der Partisanen-Bekämpfung. Zu Einheit 101 oder Sayeret Matkal kann man eben noch aufschauen. “101”-Held Davidi (aus Bessarabien) war der Erfinder von Sar-El, wo auch “Feliks” aus Bayern (> Teil I) Wehrsportübungen machte. Der “Anti”deutsche Thomas Ebermann ist dagegen, dass die Nachfahren vertriebener Palästinenser (bzw ein Teil davon) zurückkehren können, Israel habe als “Fluchtpunkt für antisemitisch Bedrängte” da zu sein, so der Deutsche.

Der “Kampf gg Antisemitismus“ findet in “Gross-Deutschland” gewöhnlich über andere Rassismen statt. Und, es hat sich längst eine Absolution etabliert, zwischen deutschen (seltener auch österreichischen) Stellen und zionistischen (können auch Journalisten/Publizisten in Deutschland sein…), es wird Einem Holocaust-Aufarbeitung/Wiedergutmachung bescheinigt (Sünden erlassen), wenn man Zugeständnisse an Israel macht, zB dort nicht universelle Standards (v.a. bei der Behandlung der Palästinenser) anzulegen. Man kann sich dabei über Moslemophobie treffen, die sind ja quasi in beiden “Ländern” die Ärgermacher. Die politisch korrekte “Xenophobie”. Von Teilen der jüdischen Gemeinde Berlin wurde mal die “Wiedervereinigung Jerusalems und Berlins” gefeiert… deutscher und jüdischer bzw zionistischer Chauvinismus in Eintracht. In den Fällen beider Städte ist die Antwort auf die Frage, warum sie geteilt wurden (1945 bzw 1948), ergiebig. Ja, natürlich wegen den bösen Russen und bösen Arabern. Besonders unter Merkel bzw Netanyahu wurde die “Zusammenarbeit” der Staaten in neue Höhen katapultiert…gemeinsame Kabinettssitzungen, Waffenlieferungen sowieso, geheimdienstliche “Kooperationen”, im Technologiebereich,… Deutschland verspricht, sich für Israel (gg Palästinenser) auf allen Ebenen einzusetzen, falls es einen einen Sitz im UN-Sicherheitsrat bekommt…deutsche Botschaften sollen auch für Israelis da sein,… Und immer wieder “Staatsräson”, „immerwährende Verantwortung”,…

Hegemoniale Teile aller deutschen Parteien sind pro-zionistisch ausgerichtet, das ganze Spektrum von Gauland bis Kipping. Ausländerfeindlichkeit hat sich vielfach mit Pro-Israel/Anti-Islam verbunden. Merkel wurde ja Feindbild der ganz neuen Rechten, wegen der Politik während der Flüchtlingskrise, über sie finden sich im IT Kommentare wie „Danke! Merkel. Gern würde ich lesen, dass Merkel Opfer einer Massenvergewaltigung wurde! Dann würde ich mich ebenfalls sehr gern bedanken!“. Wobei bezüglich Fremdenfeindlichkeit mal Integration und Vermischung das Bedrohliche war (und zT noch immer ist), auch wenn der Diskurs heute so läuft, dass die sich nur integrieren müssten, keine Parallelgesellschaften bilden. Man tut so, das Problem bestünde darin, dass Türken in ihre eigenen Lokale gehen anstatt in deutsche, obwohl es für Manche (noch immer) darin besteht, dass (wenn) Türken in deutsche Lokale gehen. Das schön-im-eigenen-Milieu-bleiben war einmal ein Imperatif. Fremdheit bzw Anfremdung trotz völliger Anpassung musste Joma Mangold erfahren, deutsch-nigerianischer Journalist. Die Sündenbock-Rolle ist von den Juden weg gewandert;36 der “Antisemitismus” der in Deutschland ausgemacht wird, ist meistens eine Kritik an israelischer Politik, die zu diffamieren versucht wird.

Antisemitisch bzw antijüdisch war zB die Schändung der kurz zuvor wieder eröffneten Synagoge in Köln zu Weihnachten 1959, durch zwei Mitglieder der Deutschen Reichspartei (DRP). Sie beschmierten die Synagoge Köln mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Deutsche fordern: Juden raus“. Es folgte eine Welle ähnlicher Schmierereien in der ganzen BRD, 59/60. Die Stasi soll in Wirklichkeit dafür verantwortlich sein, wird behauptet. Es handelt sich jedenfalls in der BRD um keinen “Antisemitismus ohne Juden” mehr, den gab es in der alten BRD, bevor Einwanderung aus der Ex-SU, Israel, Polen,… einsetzte. Jesse schrieb, Juden seien in der BRD vielfach privilegiert, in “Philosemitismus, Antisemitismus und Anti-Antisemitismus” (1990)37, zB durch die Befreiung vom Wehrdienst. In Thilo Sarrazins 2010 erschienenem „Deutschland schafft sich ab“ werden Juden zu den Guten eingeteilt, den schlechten Moslems gegenüber gestellt – womit er in Deutschland “freie Fahrt” hatte.

Der scheinbar mit Zahlen und Daten unterfütterte Text thematisiert ja nicht nur Zuwanderer nach Deutschland, er qualifiziert zB auch die Aufstände des Arabischen Frühlings ab, über die Akademiker-Quote von Einwanderern dieser Länder in Deutschland.38 Und, er thematisiert Rasse, Gene,… Von ZdJ (unter Graumann) gab es deshalb ein bisschen Protest, wohingegen Broder oder NPD Sarrazin lobten. Chaim Noll und andere Israelis verteidigten auch Sarrazin. Noll: “Die verschreckte Reaktion der deutschen Zentralrats-Funktionäre auf das Wort ,Gen’ findet in Israel wenig Verständnis. Ein Tabu, jüdische Identität mit Genetik in Zusammenhang zu bringen, besteht hierzulande nicht. An den israelischen Universitäten wird auf diesem Gebiet intensive fachwissenschaftliche Forschung betrieben, in zunehmendem Ausmaß.” PI wie auch deutsche Philozionisten feierten Nolls Aussagen, mit denen er sogar Recht hat…bezüglich Israel ist man so ethnonationalistisch wie möglich und wenn es um die Diaspora-Juden geht… In der “Diaspora” ist es ein Tabu, über jüdische Gene bzw Juden als Ethnie zu reden, in bzw bzgl Israel dreht sich alles um Juden als Ethnie! Diese 2 Naturen werden uns noch begegnen, in diesem Text.

Sarrazins nächstes Buch: gegen den Euro, gegen Hilfe für “Schwache” in der EU (hauptsächlich Griechenland), diese sei aus dem schlechten Gewissen wegen dem Holocaust motiviert. Bei Sarrazin sieht man, wie (pseudo-progressiv argumentierte) Islamophobie mit Anderem gepaart ist, und dass Israel-Fantum gerne das Feigenblatt oder die Legitimation für sehr Rechtes ist, nicht zuletzt in Deutschland… Im Windschatten von Sarrazin kamen Kristina Schröder (Köhler) die seine Behauptung von moslemischer Deutschenfeindlichkeit aufgriff, Seehofer mit einer Forderung nach Zuwanderungsstop für Türken und Araber, Merkel die “Multikulti” für gescheitert erklärte und sagte „moslemische Gewalt darf kein Tabu sein“. Kristina Köhler (die unter Angela Merkel zur Bundes-Ministerin wurde) ist eine jener, die einen neuen Deutsch-Nationalismus ausleben wollen ohne Ewiggestrige zu sein (bzw diesen weisswaschen, relaunchen), über Anti-Islam und Pro-Israel, Instrumentalisierung von “Antisemitismus“. Tenor wurde: Man muss ES sagen dürfen, die Faschismuskeule sei gemein, es gäbe einen „Tabu-Katalog der politisch korrekten Meinungsdiktatur“,…

Wenn es um Saudi-Arabien geht, befürwortete zB Philipp Missfelder (auch ein proisraelischer CDU-Rechtsaussen) dann doch Tabus; weil: Saudi-Arabien sei für Israel wichtig; und als Abnehmer für die deutsche Rüstungsindustrie, deren Lobbyist Missfelder war. Also nicht zu streng sein mit deren “Innenpolitik”, und auch nicht mit ihrer Aussenpolitik (ansonsten spielte er ein bisschen den “Menschenrechtler”). Gegenüber der Linken versuchte er sich mit „Antisemitismus“-Inquisitionsheuchelei zu profilieren (“Israel-Kritik” betreffend). Den Pöbel verachtend (Kommentar über Hartz-IV-Bezieher), einen Krieg gegen Iran befürwortend, hat sich Missfelder auch ggü Putin als jemand gezeigt, der ggf pragmatisch über Manches hinweg sieht (obwohl er im Ukraine-Konflikt natürlich gegen Russland Stellung bezog).39 Hans-Georg Maassen, BfV-Chef (12-18), nun im BMfI, ebf CDU-Rechtsaussen (mit Berührungspunkten zur AfD), nannte Edward Snowden einen „Verräter“ und möglichen russischen Agenten, pries die USA (welche???) bzw die Freundschaft zu ihr. „Likte“ einen “NZZ”-Artikel in dem moniert wird, dass es in manchen deutschen Städten nur noch eine relative Mehrheit von „echten Deutschen“ gegenüber Leuten mit Migrations-Hintergrund gibt. Broder muss über ihn ja ganz entzückt sein.40

Als es 2018 in Chemnitz im Rahmen von Protesten (bei denen öfter der Hitlergruss gezeigt wurde) Ausschreitungen von Rechtsextremen ggü Ausländern kam, verharmloste er diese, wie auch Gauland und Seehofer. Knapp zwei Wochen danach griffen „mutmaßlich“ Neonazis ein jüdisches Restaurant in Chemnitz an. Innenminister Horst Seehofer hat ’18 die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet (> Engländer Nordamerika, Juden Palästina,…). Die CSU (AfD light) sieht den Kampf gegen den politischen Islam als „grösste Herausforderung unserer Zeit“ an (Leitantrag für den Parteitag ’16). So wie früher der gegen den Kommunismus, bei dessen Bekämpfung man sich auch mit Islamisten zusammengetan hat, auch mit Unterstützung der CSU, Politikern wie Otto (von) Habsburg. Die CSU-Gründer (Franz J. Strauss,…) mussten einst ihre Bekämpfung der SU (in Uniformen der Wehrmacht) nur um-deklarieren, nun in Anzügen als Politiker der BRD durchführen. An der Seite eines “freien Westens”, von der „Hauptstadt der Bewegung“ aus (wo Hitler seinen Aufstieg begann), im NS-Kernland. Die unzerstörte „Alpenfestung“ wurde von den Amerikanern „befreit“, bzw hat eleganter als Berlin die Seiten gewechselt. Schön, dass dann Hamed Abdel-Samad in einem Vortrag vor Vertretern der Jungen Union Bayerns darüber redet, dass „die arabische Welt verseucht ist mit Antisemitismus“, da kann man seine Nase rümpfen und sich auf der “richtigen Seite” wähnen.

Wenn wir zum Schulterschluss von alten Konservativen mit der neuen Rechten kommen, ist Martin Hohmann nicht weit. Hohmann sagt, als CDU-Abgeordneter, 1999, in einer Ablehnung des Holokaust-Denkmals, “Kein Land hat Verbrechen in seiner Geschichte aufgearbeitet und bereut, Entschädigung und Wiedergutmachung geleistet wie wir….”. Ein ander’ Mal stellte er die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, die Zahlungen an die EU sowie die Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter während des NS-Regimes und an die jüdischen Opfer des Holocaust angesichts der schlechten Wirtschaftslage zu verringern. Dann seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003, die “antisemitisch” bewertet wurde (“Hohmann-Affäre”), und zu seinem Parteiausschluss 2004 führte. Es ging dabei hauptsächlich um die Rolle von Juden im Kommunismus in Osteuropa, dabei hat er auch Henry Ford angeführt. 2016 wurde Hohmann als Parteiloser über die Liste der AfD in den Kreistag seiner Heimatstadt Fulda (Hessen) gewählt und trat der Partei anschliessend bei. Nach der Bundestagswahl 2017 zog er als AfD-Abgeordneter wieder in den Bundestag ein.

Die Hohmann-Grenze, ihr Überschreiten, die deutsche Rechte (zB Werte Union der CDU) und die AfD… Auch für die AfD ist der Komplex aus Holocaust-Wiedergutmachung/Aufarbeitung/Reue, deutscher Schuld, Kommunismus und Rolle der Juden darin ein zentraler und einer wo man sich “leicht die Finger verbrennt” (genau so wie ein deutscher Ethno-Nationalismus), wo es zu Spaltungen innerhalb der Partei kommt, Abspaltungen von ihr, wo das selbst auferlegte “Tabu brechen” auf Grenzen stösst. Broders Westismus ist selbstverständlich auch anti-kommunistisch affirmiert, aber hier kommt auch seine Förderung/Toleranz für Rechte an ihre Grenzen. Vera Lengsfeld, in der DDR sozialisiert, ist heute so rechts dass sie Autorin der AfD-nahen Internetzeitung „Die Freie Welt“ ist, Verteidigerin von Martin Hohmann, auf Broders “Achse des Guten” (die ideologischen Anforderungen dafür erfüllt sie). War Initiatorin der gegen die deutsche Einwanderungspolitik gerichteten „Gemeinsamen Erklärung 2018“ (Erstunterzeichner Broder, Sarrazin, Matussek, Herman, Tellkamp, Flaig,…). In Deutschland gebe es einen „Gesinnungskorridor zwischen gewünschter und geduldeter Meinung“. Es unterschrieben auch andere “Achgut”-Leute wie Wendt, Leute aus dem Umfeld von IfS/„Junge Freiheit“/Antaios/… wie Karlheinz Weissmann oder Thorsten Hinz (riet in der “JF” von einer „Holocaust-Religion“ ab, den Terminus stufte Clemens Heni als „antisemitisch“ ein…), Leute aus dem Umfeld der AfD wie Max Otto (ein “Transatlantiker”) oder Michael Klonovsky (schrieb, „Anton Maegerle“ vulgo Gernot Modery arbeite für linksextremistische Periodika), aus dem Umfeld der Springer-Presse wie Heimo Schwilk41, der Politikwissenschaftler Bassam Tibi (wurde ja auch Objekt von Leuten wie Wolfgang Sobotka), Martin Semlitsch von den österreichischen Identitären, der Autor Frank Böckelmann („globaler Siegeszug eines dunkelhaarigen und kaffeebraunen Standardmenschen in einer einheitlichen Weltkultur”), der Historiker Jörg Friedrich („kontroverse neue Sicht“ auf Kriegsschuld, Kriegszweck und Kriegsausgang, zunächst mal bzgl 1. WK), der Autor Jörg Bernig (die Bundesregierung plane aus antideutschen Motiven einen Bevölkerungsaustausch mit anderen Ethnien und Religionen),…

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland begrüßte die Erklärung; ebenso tat dies Götz Kubitschek. Der Schauspieler Uwe Steimle liess sich streichen, er ist zwar PEGIDA/AfD-nahe, übt aber Kritik an USA und Israel > es stellt sich die Frage ob Steimle eine Belastung für die Erklärung ist oder das Unterzeichnen dieser etwas Peinliches über Steimle aussagt. Frank Böckelmann ist zwar ein Niemand, aber in diesem Zhg verdient seine Haltung Beachtung. Er vertritt einen antiuniversalistischen Standpunkt. Er spricht den “Dunkelhaarigen” und “Kaffeebraunen” das Recht und die Fähigkeit ab, mit “Postulaten der europäischen Aufklärung die Verständigung der Weltteile untereinander zu regeln”. Ist einer jener, bei denen man sich fragen muss, ob sie aus Abneigung ggü Islam/ismus eine neue Rechte mitbauen, oder ob Islam/ismus die alte Rechte zu einer neuen „aufpeppt“. Und ein Anderer der Genannten: die Bundesregierung plane aus antideutschen Motiven einen “Bevölkerungsaustausch mit anderen Ethnien und Religionen”. Die sich so nennenden “Anti”deutschen behaupten ja, dass sie die “westliche Aufklärung” den “Kaffeebraunen” bringen wollen. Und was “Transatlantiker” in dem Zhg mit diesem Milieu (und überhaupt im deutschen Konzext) bedeutet, dazu unten noch mehr.

In der AfD gibt es einen “gemäßigten” und einen “rechtsaussen” Flügel. Also jene, die Frauen- oder Schwulenrechte politisch korrekt gegen Moslems in Stellung bringen und jene die sich lieber der Hohmann-Grenze annähern. Wobei Alice Weidel ja auch Sinti/ Roma als „kulturfremde Völker“ bezeichnet, von denen „wir überschwemmt werden“. In der selben Email hat sie die deutsche Regierung als “Marionetten der Siegermächte des 2. WK” bezeichnet, mit der „Aufgabe, das deutsche Volk klein zu halten“. Im EP-Wahlkampf 19 äusserte sie sich dann lobend über Trump, seinen Wahlkampf zum Präsidenten einer dieser Siegermächte. Bezüglich der Klimakrise verleugnet sie die Realität. Als Broder in der AfD-Fraktion zu Gast war, hat er die Äusserungen über die Siegermächte ihr ggü nicht angesprochen, davon darf man ausgehen, auch dass ihn das Andere von Weidel nicht stört. Sie trifft sich mit Broder und der Süd-Tiroler Freiheit, man darf sich fragen wer weiter rechts ist.42

Kein Spitzenmann der AfD steht so weit rechts wie Björn Höcke, heisst es. Er lehnt den derzeitigen Umgang mit dem Holocaust und manches Andere in der BRD ab, kritisierte (17) das Berliner Holocaust-Mahmmal und deutsche Schuld-Kultur. Die Politikwissenschaftler Marc Grimm und Bodo Kahmann (Grigat-Speichellecker) nannten Höcke einen „weltanschaulich gefestigten Antisemiten“ und „attestieren“ seinen Äußerungen eine „antisemitische Feindbildkonstruktion“, die seiner „völkischen Agitation inhärent“ sei. So habe Höcke Christentum und Judentum als „Antagonismen“ bezeichnet und eine „überschwänglich formulierte Leseempfehlung“ für ein 2015 erschienenes „antisemitisches Pamphlet“ von Wolfgang Gedeon abgegeben, auch über Höckes „Antiamerikanismus“ würden „antisemitische Bedeutungsinhalte transportiert”. Der „Nahostexperte und gefragte Publizist“ (Wiener Akademikerbund) hat ein Buch über AfD & FPÖ herausgebracht, über “Antisemitismus”, “völkischen Nationalismus” und “Geschlechterbilder” in ihr, also eine Pseudokritik, die über Verschiedenes hinweg täuschen soll…hauptsächlich, wo es dann gemeinsame Schnittmengen gibt, bezüglich Feindbildern,… Es ist die selbe Pseudoabgrenzung und Verdrehung, die Küntzel einst ggü Breivik vornahm (gewissermaßen in Broders Namen). Broder (Dropthebomb-Teilnehmer natürlich) war Anfang 19 bei der AfD im Bundestag, auf deren Einladung, Kritik daran machte ihn wieder zum “Opfer” (wie nach dem Breivik-Lob für ihn). Um das „miteinander reden…“ sei es gegangen, und gegen die angebliche „Political Correctness“, auch um die Klimawandel-Leugnung (> unten).

AfD-Spitzenmann Gauland verlangte ’17 bei einem Treffen der AfD-Strömung “Flügel” (Höcke, Meuthen,…) eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen, einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit. Gauland 18 bei einer Tagung der AfD-Nachwuchsorganisation in Thüringen: „Hitler und die Nationalsozialisten sind nur ein Vogelschiss in 1 000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. In einem Text für die “FAZ” hat Gauland, der PEGIDA als „natürliche Verbündete“ seiner AfD sieht, eine “Heimatlosigkeit der Eliten” angeprangert, eine “globalistische Klasse” gebe “kulturell und politisch den Takt vor”, ihre Mitglieder fühlten sich als Weltbürger in einer “abgehobenen Parallelgesellschaft”,…43 Wolfgang Gedeon gehört ebenfalls zum rechten Flügel der AfD, äusserte sich zu den “Protokollen der Weisen von Zion”, zum Holocaust, äusserte auch IL-Kritik. Sachsen-Anhalt-LT-Abg. Marcus Spiegelberg (AfD) wurde aus einer Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht 38 in Weissenfels geworfen; er sei auch deshalb so fassungslos, sagt Spiegelberg, weil der Rauswurf ihm indirekt Antisemitismus unterstelle, dabei fühle er sich “dem jüdischen Volk als Christ sehr verbunden, und das jüdisch-christliche Abendland ist für mich keine Phrase”. Er bekomme seither pausenlos Solidaritätsbekundungen.

Der Politiker Heinrich Fiechtner, ein Evangelikaler, tritt für die „klassische Ehe mit Familie“ ein, verglich den Koran mit „Mein Kampf“, sieht Antisemitismus als “faule Wurzel” der Partei, ist sehr proisraelisch, gg IL-Kritik (schlug vor, sich in der Präambel der Fraktionssatzung zum „Existenzrecht Israels“ zu bekennen), hat auch die Fahnen von Israel und Deutschland überkreuzt am Revers. Der Abgeordnete zum Landtag von Baden-Württemberg trat ’17 hauptsächlich wegen Gedeon aus der AfD aus. Er würde gerne Einiges als “antisemitisch” deklarieren und einen Deutschnationalismus über “Israel-Solidarität” fördern. Nach dem Anschlag kürzlich in Halle44 schrieb der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Roland Ulbrich auf Facebook: “Was ist schlimmer, eine beschädigte Synagogentür oder zwei getötete Deutsche?”. Michel Friedman zu Halle: „Judenhass und Menschennhass haben bei der AfD eine neue Heimat gefunden”. AfD-Abgeordneter Brandner tweetete über Friedman („Koksnase“), re-tweetete ausserdem über die Opfer und Politikergedenken vor Moscheen und Synagogen (in die selbe Richtung wie Ulbrich), rief scharfe Reaktionen hervor.

Dieses Jahr wurde die Bundes-Vereinigung “Juden in der AfD” (JAfD) gegründet. Voraussetzung für eine Aufnahme in die Vereinigung sei neben der AfD-Mitgliedschaft eine ethnische oder eine religiöse Zugehörigkeit zum Judentum, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fuhl. Fuhl hat sein Mitwirken in der AfD mit dem “Fallout” des israelischen Gaza-“Feldzugs” 2014 begründet, Demos in Deutschland, die seiner Auffassung nach “antijüdischen” Charakter gehabt hätten. Hier stellt sich die Frage, ob wirklich Juden (wie Fuhl) für das israelische Vorgehen “verantwortlich” gemacht wurden (zum “Handkuss” kamen) oder ob Juden wie er die Gegnerschaft zu diesem Vorgehen als gegen Juden bzw sich gerichtet auffassten, aus Solidarität mit Israel… Wer stellt(e) die Verbindung Israel-Juden her, darum ging es auch schon im 1. Teil. Die 2 000 getöteten Palästinenser waren auf keinen Fall Opfer, soviel ist mal klar… Und der/die überbordende(r) Rassismus und Hetze von israelischer und proisraelischer Seite während dieses “Kriegs” ist schon gar kein Thema. JAfD-Vorsitzende Vera Kosova sagte, die AfD distanziere sich von Antisemitismus in jeglicher Form. Mit dabei von der Partie ist auch Michael Kühntopf, wie der im 1. Teil dieser AS-Behandlung genannte Grünewald zionistisch-chauvinistisch auf der deutschen Wikipedia unterwegs und ein Konvertit.

Auf der wikipedia wurde er oftmals gesperrt, wegen Regelverletzungen, hat sich unter neuen Pseudonymen immer wieder registriert (“Ba Tofelet gavohot”,… ), zur Zeit dürfte er dort als “shlomohamelekh” (König Salomon…) unterwegs sein. Es gibt nun auch einen Artikel auf dieser Wiki über ihn, als ob er eine bedeutende Persönlichkeit wäre, und vermutlich ist es ein unkritischer. Der in der Schweiz lebende deutsche Theologe macht Jewiki, rief (natürlich) zu Wahl der AfD auf. Über seine Facebook-Seite teilt Kühntopf Slogans und Verschwörungstheorien von rechten Wutbürgern und Rechtsextremen; er ist einer jener Deutschen, für den Islam das Böse und Israel das Gute ist.45 Ja, was (wer) sind wohl die Feindbilder von den AfD-Juden? Prominente Vertreter der jüdischen Öffentlichkeit in Deutschland wie Charlotte Knobloch und Michel Friedman bekundeten über die JAfD-Gründung Befremden, taten so als ob “da” Welten dazwischen wären.

Mosche Zuckermann: “…ein humanistisches, antirassistisches, demokratisch-tolerantes Bild der Juden wird da gerade von jenen heraufbeschworen, deren menschenfreundliche Emphase merklich verblasst, wenn es um die Verurteilung der über 50 Jahre andauernden Knechtung der Palästinenser durch den israelischen Staat geht. Im Gegenteil, sobald sich jüdische (und andere) Kritiker zu Wort melden, die die israelischen Verbrechen in den besetzten Gebieten, die brutale fortwährende Verletzung von Menschenrechten und dem Völkerrecht, verurteilen, werden sie von diesen Vertretern der jüdischen Verbände in Deutschland des Antisemitismus geziehen und als ‘sich selbst hassende Juden’ verleumdet.” Man liest über die Skepsis aus dem ZdJ ggü der AfD das, was man auch von IKG über die FPÖ-Annäherung liest, es sei (“noch immer”) viel “Antisemitisches” in der Partei, auch dass Juden dort als “Feigenblatt” benötigt werden, seltener wird die Skepsis mit der antimoslemischen und rassistischen Hetze der AfD begründet; und etwas Kritisches darüber, wie der Israel-Diskurs bei dieser Partei läuft, kommt nur von Aussenseitern wie Zuckermann.

Während Israel-“Kritik” ausgewälzt wird, zerlegt, diffamiert, mit Antisemitismus und Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht…bleiben diese Botschaften äusserst blass. Michael Wolffssohn hat die Gründung der JAfD gar als „Akt der Verzweiflung“ erklärt, als „Notwehr“,  weil die Gesellschaft allzu passiv sei gegenüber „moslemischen Antisemitismus“. Dass Juden auch aus puren Ressentiments, aus Chauvinismus und Rassismus zB gegenüber Arabern oder Türken, handeln könnten, will er nicht wahrhaben bzw verzerren. Der deutsch-israelische Historiker Wolffsohn, der sich gedanklich auch für Folter erwärmen kann, schwimmt meistens mit dem zionistischen Strom, zB schwang er zur Zeit des Gaza-Massakers 14 die “AS”-Keule. Er “anerkennt” manche Anliegen deutscher Rechter, zB die Anerkennung der deutschen Vertriebenen als Opfer – ob Wolffsohn auch ein Fall für die JAfD ist? Für die “Die Welt” schrieb er einen Nachruf auf Scharon, der “allen aus der Mode gekommenen Militaristen und Chauvinisten vor strahlendem Patriotismus das Wasser in die Augen treiben musste” (transatlantikblog.de). Tja, und Rafael “Rafi” Eitan, ehemaliger Mossad-Mann, nicht der Militär gleichen Namens, später wie dieser auch in der Politik, hat lobende Grussworte an die AfD gerichtet (muss kurz vor seinem Tod gewesen sein).

Da ist wieder die Graumann-Noll-Dichothomie (s.o.)… Bezüglich vieler israelischer Parteien46 ist die AfD (mit oder ohne Juden) ja wirklich beinahe linksliberal. Zuckermann: “An Rassismus, Xenophobie, Araberhass und rabiater Volksverhetzung kann es Israels politische Kultur allemal mit der AfD aufnehmen, und zwar nicht nur ‘auf der Straße’, sondern auch – und gerade – in der Sphäre der hohen Politik. Von der zunehmenden Faschisierung der israelischen Politstrukturen sei hier geschwiegen.” Abraham Melzer: “Ganz abwegig wäre ‘Juden in der AfD’ oder ‘Juden in der NPD’ nicht, wenn man sich die Skala des Rechtsextremismus bzw. des National-Zionismus ansieht. Da gibt es in diesen politischen Anschauungen schon Übereinstimmungen. Denken wir an Minister wie Bennet, Shaked, Lieberman, .. so wären dies ‘Juden’, die selbst die AfD nicht nehmen würde; aber bei der NPD hätten solche rechtsradikale Minister allerdings gute Chancen.” Es gibt aber die Propaganda (bzw “Denkschule”), der zufolge die AfD eigentlich auch “antisemitisch” ist, Juden also auch ihr “Opfer”.

Samuel Salzborn behauptet “Die AfD hat ein rein instrumentelles Verhältnis zu Juden, man will den massiven Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus in der Partei mit der Gründung dieser Minigruppierung ‘Juden in der AfD’ kaschieren”. Tja, Kühntopf & Co sehen das anders, und Salzborn ist nicht nur in vielen Fragen mit Kühntopf einer Meinung, die beiden arbeiten auch zusammen… So wie Grigat (s.o.)47 mit Broder (der der AfD “indirekt” den “Koscher”-Stempel gibt, den sie will). Und, ein anderer “Anti”deutscher, Thomas Maul, sieht die AfD als einzige Kraft gegen “Antisemitismus” und “Abendlandzersetzung”. In Deutschland (nicht nur dort) kann man rechtsextrem und proisraelisch sein, wie sich zB auch an Wikipedia-Bearbeitern wie „PrussianZionist“ zeigt. Pro-israelisch ist die AfD allemal. Parteichef Alexander Gauland: “Die AfD hat sich immer an die Seite Israels, aber auch der Juden in Deutschland gestellt”. Meuthen sagte, die AfD sei durch und durch projüdisch.

Und einer der grössten Israel-Freunde und “Antisemitismus-Feinde”, Nicolaus Fest, ist einer der grössten xenophoben Chauvinisten… Melzer: “…nonchalant aus Überzeugung werden die Protagonisten um von Storch selbstredend pathetische Reden halten, wie natürlich die Nähe von Judentum und deutschem Rechtskonservatismus sei.”48 Wie auch die Missfelders. Die AfD hat eine echte Bewunderung für Israel (wie Rechte gewöhnlich), bezüglich Juden in Deutschland ist sie taktisch-pragmatisch wie “Anti”deutsche ggü gewissen Exil-Iranern (oder Kurden) und Israel bzgl der Drusen…Oder wie die USA ggü Saudi-Arabien? Wenn es sich um eine primär antisemitische Organisation handeln würde, hätte man nicht nur bewertet, inwiefern das Werben um die Teilnahme von Moslems Resonanz zeigt und welche Interaktionen es gibt (zwischen AfD und IL),…sondern auch die Tatsache einer “blossen” positiven Bezugnahme (wie jene der AfD auf Israel). Man kann sich gut vorstellen, was gewisse Kreise daraus machen würden.49 Hier sagen dann die Einen, sie sind gar nicht wirklich pro-israelisch und eigentlich auch anti-semitisch. Und die Anderen sagen, “alles Antisemiten ausser die AfD”.

Wenn es rein um Israel geht, gibt es bei der AfD (und bei Rechten generell) keine Probleme mit Juden; aber: Schächten und Beschneiden (fremde Sitten), Holocaust-Aufarbeitung (eigene Schuld,…)50, ZdJ-Interventionismus in deutscher Politik,… Bezüglich USA gibt es mit Trump jemanden, auf den sich AfD und Hauptstrom der Juden in Deutschland “einigen” können; grundsätzlich ist es aber so, dass sich der neue Deutsch-Nationalismus ggü den Siegermächten des 2. WK nicht mehr unterordnen will. Und Thematisierung von NS und Holocaust wird dort als eine Vorstufe zu „White Guilt“/”Selbsthass” ausgelegt. Wenn man NS und AS den Moslems unterschieben kann, ist das natürlich was anderes. Was “Ehe für Alle” und Frauenrechte betrifft, gibt es auf beiden “Seiten” solche und solche Ansichten. Jüdische Organisationen sind auf oberen Ebenen bzw offiziell noch gegen die Rechtspopulisten. Es gibt die Haltung, bezüglich Israel so rechts und ausschliessend (ggü Nicht-Juden) wie möglich zu sein, bezüglich der “Diaspora” so liberal wie es geht (also zB das Recht auf Schächten als Minderheiten-Recht einzufordern, aber auch den Ethno-Nationalismus den Israel praktiziert, hier abzulehnen).

Der bayerische Publizist Rainer Meyer („Don Alphonso“ im FAZ-Blog, nun „Welt“), ein Neo-Rechter, versucht, der AfD den Anstrich von Glaubwürdigkeit zu verleihen bezüglich “progressiver Inhalte”, “universeller Rechte”, “Diversity und Minderheiten”, konkret der homosexuellen Weidel, sie afrikanischen und moslemischen politischen Organisationen positiv gegenüber zu stellen. Auch hier stehen Salzborn und die “Anti”deutschen (und andere, die auf “links” machen) auf der Gegenseite. Manche versuchen, Juden zum “Opfer” der AfD machen; gegen wen sie hauptsächlich hetzt, ist hier egal (bzw wird begrüsst). Dass jüdische Unterstützung für die AfD als “Notwehr gg moslemischen Antisemitismus” deklariert wird, zeugt von einer gewissen Schieflage… Zumal Palästinensern etwas derartiges nie zugebilligt wird, immer als Ausdruck ihres “eigentlichen Charakters” ausgelegt wird, quasi als Grundlage für den Konflikt dort. Übrigens: Auch PEGIDA schwankt zwischen offen rechts (zB auch Ablehnung christlicher Flüchtlinge aus Afrika oder “Nahost”, Bekenntnis zu eigenem Radikalismus) und politisch korrekt rechts (für “christlich-jüdische Kultur”, gegen Radikalismus der Anderen). Beim PI-Pöbel gibt es auch etwas in dieser Art.

Zum Politischen Aschermittwoch der AfD am 1. März 17 im bayerischen Osterhofen trat als Ehrengast und Redner auch FPÖ-Chef Strache auf. > “Die Völkerwanderung ist gelebter Irrsinn“, es gelte der Grundsatz „Willst Du eine soziale Wohnung haben, musst Du ein Kopftuch tragen“. Die FPÖ kam unter Strache voll auf die Linie mit den anderen alten (FN, VB, ..) und neuen (PVV, Fidesz,…) europäischen Rechtsparteien, mit Anti-Islam und als Beschützer der Juden, Verteidigern des Abendlandes, infolge Verschiebungen nach 11/9/01. Zur Veranstaltung von Strache mit Broder heuer zu “moslemischen Antisemitismus” etwas im vierten Teil. Die FPÖ, in der sich nach der Nazi-Zeit die meisten Nazis Österreichs sammelten (und sich mit ihr mehr oder weniger in die Zweite Republik integrierten), die die meiste Zeit ihres Bestehens eine Rechtsaussen-Linie fuhr, versucht einen Relaunch vor dem Hintergrund globaler Umwälzungen. Der Saubermann Heinz-Christian Strache musste kürzlich zurücktreten (er hatte es zum Vizekanzler gebracht…), nachdem er vermeintlichen russischen Oligarchen in Ibiza Staatsaufträge gegen illegale Spenden angeboten hatte, dort auch verriet dass er das Mediensystem in Österreich nach dem Vorbild von Orban-Ungarn umgestalten will; zur selben Zeit kamen auch Hinweise auf Verbindungen der FPÖ zu Rechtsextremen (die Wurzeln von Strache), mit Gottfried Küssel, den Identitären,…51 PEGIDA hält Strache für eine “seriöse Bürgerrechtsbewegung”. bei der zweiten Wiener PEGIDA-Kundgebung Festnahmen wegen Zeigens des Hitlergrußes (bei vier habe es sich um Proponenten einer Spaßpartei gehandelt, bei den anderen zwei um PEGIDA-Anhänger).

Strache (links), Journalistin Isabelle Daniel (rechts), ORF-Pressestunde März 17

Jörg Haider, einer von Straches Vorgängern als FPÖ-Bundesparteiobmann, sagte 2001 über den amerikanischen “Spin doctor” Stanley Greenberg, einen Juden, der gerade für die SPÖ Wahlkampf in Wien machte52: „Der Häupl hat einen Wahlkampfstrategen, der heißt Greenberg … den hat er sich von der Ostküste einfliegen lassen! Liebe Freunde, ihr habt die Wahl, zwischen Spin-Doctor Greenberg von der Ostküste oder dem Wienerherz zu entscheiden … wir brauchen keine Zurufe von der Ostküste. Jetzt ist einmal genug“. Im selben Jahr, ein paar Monate später, war die Rede Haiders im Bierzelt in Ried, als er über IKG-Chef Muzicant herzog. Robert Spencer (USA; hp’s wie jihadwatch, dhimmiwatch,…), ein Breivik-Vorbild, ist einer aus der Islamophobie-Industrie, der sich positiv auf Haider bezog, ihm Tribut zollte. Greenberg leistete in Israel für die Avodah-Partei zur Zeit von Ehud Barak Wahlkampfhilfe, ausserdem für Nelson Mandela und dessen ANC bei der ersten freien Wahl in Südafrika 1994; wahrscheinlich war das was von Likud-Seite dazu (zu Greenberg) kam, gar nicht so weit weg von dem was Haider sagte. Als die FPÖ 2000 mit der ÖVP die österreichische Regierung bildete (Haider blieb damals in Kärnten als Landeshauptmann), zog Israel seinen Botschafter aus Wien ab.53

Das FPÖ-Programm ’97 war ein wichtiger Schritt von (deutsch)nationalen, klassisch-rechten Zielen zur “Sorge” um Europa, den Westen,… Vollends kam dieser neue rechte Charakter aber erst unter H.-C. Strache zum Durchbruch, der 05 Parteichef wurde, nachdem Haider mit Teilen der Partei von dieser wegbrach und das BZÖ gründete.54 Juden wurden nun als gut für den Westen gesehen, Westen positiv affirmiert, Moslems wurden das Andere,… Wobei natürlich auch hier nicht-weisse Christen wie Schwarzafrikaner zu den “Anderen” gezählt werden55, das Ganze hat (vornehm ausgedrückt) eine rassi(ist)sche “Komponente”, und eine kulturalistische. Auch Frauen- oder Schwulenrechte wurden bei den europäischen “Rechtspopulisten” gegenüber “dem Islam” in Stellung gebracht, bei der FPÖ eigentlich nur Erstere. Man versucht, sich mit Pro-Zionismus und “Antisemitismus”-Anklagen ggü Linke zu profilieren. “Die bösen Zuwanderer sind antisemitisch und frauenfeindlich, deshalb sind wir (die Fortschrittlichen) gegen sie…”. Strache: „Islamismus ist der Faschismus des 21. Jh, totalitär, eine Kriegserklärung an das aufgelärte Europa, frauenfeindlich, Moscheen sind Herrschaftssymbole, es wird dem ggü Appeasement betrieben…” Wie von Grigat.

Haider hatte einst zB gesagt: „Wozu haben wir die Türkenkriege geführt, wenn die heute alle da sind?“; es wird aber versucht, dies im Nachhinein entsprechend zu verdrehen. Es stellt sich die Frage, wohin sich die FPÖ unter Strache genau gedreht hat, was bzw wem eigentlich (sich) die Bahn gebrochen hat/wurde. Strache auch: „Nach allem was Juden im Exil angetan wurde, tragen wir Verantwortung für eine sichere Zukunft des jüdischen Volkes“; das war schon deutlich auf Israel gemünzt. Bevor Strache 06 aus dem Wiener Gemeinderat/Landtag in den Nationalrat wechselte, versuchte er im Rathaus noch eine Verurteilung des Völkermords an den Armeniern zu erreichen. Oder sagen wir so, er versuchte sich auch über dieses Thema zu profilieren, nahm sich dem an, um anti-türkische Ressentiments zu schüren.56 2010 dann die Solidaritäts-Reise Straches mit einer FPÖ-Delegation (David Lasar, Andreas Mölzer57, Hilmar Kabas, Elisabeth Sabaditsch-Wolf,…) nach Israel, wo er mit anderen Führern von europäischen Rechtsparteien (Geert Wilders, Filip De Winter,…) die “Jerusalemer Erklärung” abgab. Un an einer “Konferenz über islamischen Terror” teilnahm. Die FPÖ-Leute wurden dort u.a. vom israelischen Vizeminister Ayoub Kara (einem Drusen…) empfangen.

Dieser Kara hat der FPÖ anscheinend auch eine Art Gegenbesuch in Wien abgestattet; 2014 nahm der israelische Siedler-Führer Gershon Mesika (Chef der Regionalverwaltung von “Samaria”/Schomron im Westjordanland58) an einer “Konferenz” mit FPÖ und anderen westlichen Rechten teil. Zwischen Leuten vom Likud und rechts davon stehenden Parteien ist es in den letzten jahren immer wieder zu Kontakten gekommen. Von Seiten der FPÖ wird lieber darüber geredet (sehen das als gut für ihren Ruf), von Seiten der Israelis lieber vertuscht (fürchten um den Ruf) – obwohl Kontakte der revisionistischen Zionisten zu europäischen Rechten bis in die 1920er zurückgehen (siehe oben; es wird darüber mal einen Artikel geben…). Strache verwies gerne auf jüdische Mitglieder in der FPÖ. Der wichtigste davon war David Lasar, langjähriger Wiener Gemeinderat, dann Nationalrat. Lasar lag mit der Israelitischen Kultusgemeinde im Clinch, war aber Zionist; er organisierte die Reisen der FPÖler nach Israel. Und daher wurde er, im Gegensatz zu Israel-Kritikern in der IKG, in ihr nicht geschnitten. Lasar, der sagte, es gäbe keinen Antisemitismus in der FPÖ, legte ’19 seine Tätigkeiten für/in die/der Partei nieder (stehe ihr nicht mehr „als Symbol zur Verfügung”), begründete das mit Partei-Rechtsaussen Martin Graf. Aus der Partei will er jedoch nicht austreten, mit der Regierungsarbeit (besonders mit Innenminister Herbert Kickl) sei er “mehr als zufrieden” gewesen.

„In der FPÖ ist kein Platz für Antisemitismus“, so dieser Kickl. Nein, antisemitisch ist man nicht mehr, dies ist ja Merkmal der Orientalen, ausserdem ist Israel ja Retter des Westens usw. Zu Peter Sichrovsky, ebenfalls ein Jude in der FPÖ, kommt hier noch etwas. An dieser Stelle: Man kann sich vorstellen, wie aus dem Umfeld der IKG kommentiert worden wäre, wenn sich FPÖ-Leute mit Moslems getroffen und dann auch noch über Juden/Israel geredet hätten et cetera. Strache: “Ich halte …den Herrn Al-Rawi, der anti-israelische Demos anführt, für skandalös.” So könnte auch der “linksalternative” Florian Klenk über den irak-stämmigen SPÖ-Politiker geurteilt haben. Strache am Burschenschafter/WKR-Ball in Wien am Tag der Auschwitz-Befreiung angesichts der Proteste dagegen: „Wir sind die neuen Juden”.59 Strache redet(e) auch über “neuen Antisemitismus”, etwa in einem Interview mit der rechten israelischen “Jerusalem Post”, wo er gegen SPÖ-Politiker Darabos nach dessen Kritik an Avigdor Lieberman austeilte.60 

Nach dem guten Abschneiden der FPÖ bei der Nationalratswahl 17 analysiert die israelische Zeitung „Haaretz“ die Rolle der jüdischen Gemeinschaft in Österreich, aber auch anderen europäischen Staaten. Sie werde zunehmend von rechtspopulistischen Parteien als Instrument benutzt, um Muslime und andere Minderheiten zu dämonisieren, schreibt „Haaretz“ in einem Kommentar über den neuen „Philosemitismus“. „Noch vor fast drei Jahrzehnten wurde Heinz-Christian Strache bei einem Fackelmarsch einer Gruppe, die sich selbst die Hitlerjugend zum Vorbild nahm, festgenommen. In diesen Tagen klingt der 48-jährige Chef der politisch weit rechts stehenden Freiheitlichen Partei – die nach der Wahl am Sonntag sehr wahrscheinlich Teil der neuen österreichischen Regierung sein wird – so, als wolle er Israels bester Freund sein.“ Wie gesagt, Teile des jüdischen Hauptstroms sind bezüglich Israel so rechts (und ethnonationalistisch) wie möglich (und da kann es auch zu Kooperationen mit Rechten im Westen kommen, zumal unter den Vorzeichen von Westismus und Islamophobie), bezüglich der Diaspora für so viel Liberalismus und Minderheitenrechte wie möglich (und da werden die selben Rechten dann ggf als Gefahr gesehen).61

2017-19 dann die ÖVP/FPÖ-Regierung mit Kurz und Strache. Internationale und österreichische jüdische Organisationen lobten Kurz über den grünen Klee, äusserten glz “Besorgnis” über Strache/FPÖ. Was ziemlich heuchlerisch war, angesichts der Kontakte zwischen FPÖ und Juden auf verschiedenen Ebenen, der proisraelischen (und antimoslemischen) Haltung der FPÖ, dem Charakter der Rechten in Israel…und angesichts ihrer Sympathien für Sebastian Kurz. Die meisten Vertreter jüdischer Organisationen halten es so, sich mit FPÖ-Politikern nicht zu treffen. Davon betroffen war auch Aussenministerin Karin Kneissl, parteilos aber von der FPÖ nominiert bzw ihr nahe stehend. Kneissl, die u.a. in Arabistik ausgebildet ist und auch an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert hat, versuchte, mit Schönreden von Israel-Politik und sich Anbiedern über “Antisemitismus”-Verurteilung aus dem rechten Eck zu kommen. Etwa anlässlich ihrer Teilnahme an einer “Konferenz zur Bekämpfung von Antisemitismus” der OSZE in der Slowakei. Gegenüber der „Times of Israel“ sagte Kneissl, die EU lege besonders strenge Maßstäbe an Israel an, sie sei für eine Intensivierung der Beziehungen der EU mit Israel, hob ein Engagement der ÖVP-FPÖ-Regierung für die jüdische Gemeinschaft und den Staat Israel hervor und verwies diesbezüglich auch auf die EU-“Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus” in Wien. Vizekanzler Strache attestierte sie, „grosses Interesse an Israel, seiner Geschichte und Kultur“ zu haben. Das stimmt sogar, und grosse Sympathien.

„Ich bin absolut überzeugt, dass weder er noch ein anderes Mitglied dieser Regierung antisemitisch ist oder Antisemitismus toleriert“, schleimte Kneissl weiter. Am Rande der „Nahost-Konferenz“ in Warschau 19 hatte sie die Ehre, Netanjahu zu treffen, „Er ist sehr sympathisch auf mich zugekommen und wir haben uns unterhalten unter anderem über meine Zeit in Israel“. Was bei jemandem, der immer wieder die “westliche Welt” beschwört und den Holocaust den Palästinensern in die Schuhe schieben möchte, nicht verwundern darf. Wenn Kneissl Netanyahu trifft oder Kurz Lieberman, läge es eigentlich an den Österreichern, sich von Rechtsextremisten fernzuhalten… Österreich werde bald Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen die Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichen, so Kneissl.62 In die Bemühungen der FPÖ um eine Verbesserung der Beziehung zu Israel fällt auch ein Brief von ihrem Generalsekretär Christian Hafenecker an die Botschafterin in Österreich, Talya Lador-Fresher. Darin hiess es, rechtsextreme Gesten bei FPÖ-Veranstaltungen sei „Agitation politischer Gegner“, Linke seien wahre Extremisten, man distanziere sich vom NS, versuchte man über eine „Neudefinition“ rechter Inhalte („…Begriffe wie ‚Heimat’, ‚Tradition‘ und ‚Patriotismus‘ von manchen politischen Kreisen als rechtsextrem dargestellt“) Brücken zu den Zionisten herzustellen.

Eine Anbiederung die IL gleichzeitig zu einer Anti-Rechtsextremismus-Institution macht und (das trifft seinen Charakter schon eher) als nationalistischen Ethnostaat anerkennt. Im Rahmen der Bemühungen um eine Verbesserung der Beziehungen zu Juden hat die FPÖ auch eine parteiinterne Kommisson (Mölzer, Hafenecker, Wilhelm Brauneder, Thomas Grischany,…) eingesetzt, die die Geschichte und „braune Flecken“ der von früheren Nationalsozialisten begründeten Partei beleuchten soll. Die NS-Liederbuch-Affäre war hier der Auslöser. Ursprünglich wollte die FPÖ einen israelischen Historiker finden, um den “Untersuchungsbericht” absegnen zu lassen. Die FPÖ verweist in ihrem Bericht auf ihr Pro-Israel um den Bruch mit Antisemitismus zu belegen. Kritik kam u.a. von Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Uni Wien und Leiter des wissenschaftlichen Beirats des „Hauses der Geschichte“. Woran genau? Für die Broders und Netanyahus zählt ja (auch) genau das. Und ihre Islamophobie (für Kritiker des Berichts ein Thema?) gefällt dort auch, verbindet.

Unsauberen Umgang mit der eigenen Vergangenheit bzw dem Nationalsozialismus mit Pro-Israel und Philosemitismus zu “übertünchen”, hat sich etabliert. Mangelnde Distanz zu NS-Gedankengut wird dabei immer wieder offensichtlich. Strache hat zB als Vizekanzler in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ den von den rechtsextremen Identitären verwendeten Begriff des „Bevölkerungsaustauschs“ gebraucht.63 Auf den Einwand, dass „Bevölkerungsaustausch“ ein Begriff der rechtsextremen Szene sei, entgegnet der FPÖ-Obmann in einer späteren Ausgabe der selben Zeitung:„…Wir wollen nicht zur Minderheit in der eigenen Heimat werden. Das ist legitim, und redlich und zutiefst demokratisch…“. Mit solchen Kategorien operiert der Zionismus seit seiner Begründung, und daher eignet er sich auch nicht zur Läuterung von Rechten, im Gegenteil… Auf Englisch und Französisch heisst “Bevölkerungsaustausch” Replacement, siehe dazu die Teile über die Rechte in der USA und in Frankreich sowie dem Neuseeland-Attentäter. Strache blieb bei seinen Aussagen, Kritik sei „Diskussionsverweigerung“, er werde sich „nicht den Mund verbieten lassen“ (> Rhetorik von Broder & Co).

Bezeichnend war auch, wie Strache vor einigen Jahren (noch als Oppositionspolitiker) Beobachtungen von Journalisten dementierte, wonach bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung in Wien Anhänger lautstark „Türken raus” gerufen hätten. Er und die ebenfalls anwesende Ursula Stenzel hätten “nur vor einem neuen Antisemitismus durch Zuwanderung gewarnt”.64 Darüber schon hier. Der “Antisemitismus”-Vorwurf zur eigenen Profilierung und Reinwaschung. Die Wiener FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel ist im September 19 bei einem Aufmarsch der rechtsextremen Identitären-Bewegung in Wien („Befreiung Wiens 1683“) mitmarschiert, hielt eine Rede bei Abschlusskundgebung („Liebe Freunde…“). Stenzel, die gerne auf ihre jüdischen Wurzeln verweist, ist immer weiter nach rechts gerückt, ist jetzt anscheinend dort, wo sie hin gehört. Faselte davon, etwas zu verteidigen „wofür unsere Vorfahren gekämpft haben”65, attackierte den türkischen Präsidenten Erdogan (der die EU in der Flüchtlingsfrage „unter Druck setzt“), die “Bedenkenlosigkeit vieler europäischer Regierungen“,…

Stenzel unter Identitären

Später sagte sie, sie sei mit Anderen mitgegangen, habe nicht gewusst worum es eigentlich ging… Wie Parteikollegin Susanne Winter einst, die sagte ihre Zustimmung zum als “antisemitisch” inkriminierten Facebook-Posting sei durch Hudelei zu Stande gekommen. Oder Stephan Grigat (dessen “Stopthebomb” Stenzel unterstützt), nachdem sein Auftritt im Akademikerbund bekannt wurde, auch er hat sich da als Opfer inszeniert. In seinem Klagelied über „Leute die ihm am Zeug flicken wollten” hiess es, er hätte nichts über den Akademikerbund gewusst, sein Israel-Engagement hätte ihn mit jemanden von dort “zusammengeführt”; und: der Abend sei “eskaliert” als bekannt (gegeben) wurde dass seine Begleitern Simone Hartmann Jüdin sei und nicht Iranerin… Das ist bezeichnend für Grigat, aber auch den „Antisemitismus“-Diskurs! Will insinuieren, die im Akademikerbund (und Rechte überhaupt) hätten nichts gegen Iraner (obwohl sie sich genau darüber mit diesen pseudolinken Israellobbyisten getroffen haben), wohl aber gegen Juden > man hängt sich den gelben Stern um, um vom Wesentlichen abzulenken, um das mit der Ausgrenzung umzudrehen… Die Israel-Begeisterung (auch) in der (extremen) Rechten, die grosse Schnittmenge zwischen diesem pseudolinken Lager und der Rechten (Anti-Islam, ProIsrael), der Brückenbau zwischen ihnen – das “muss” man natürlich verdrehen.66

Im Präsidium dieses Wiener Akademikerbundes (aus der ÖVP ausgeschlossen nach der Forderung u.a. nach Aufhebung des Nazi-Verbotsgesetzes) ist auch Elisabeth Sabaditsch-Wolf, die ja mit Strache in Israel war; Breivik hat positiv auf sie Bezug genommen. Was FPÖ-Politiker und ihre Anhänger in sozialen Medien von sich geben, ist ja auch aufschlussreich. Wenn Christian Höbart etwa in einem Facebook-Posting Asylwerber als „Erd- und Höhlenmenschen“ beschimpft.67 Strache stilisiert sich ja auch immer wieder als Opfer, wenn seine Postings und die Reaktionen seiner Fans thematisiert werden. “Die Praxis, die Freiheitlichen und ihren Obmann mittlerweile tagtäglich medial anzupatzen, nimmt unerträgliche Formen an“. Eine richtige Campaign. Plakate des RFJ Steiermark 19 wurden nicht nur von IGGiÖ-Vural, sondern auch IKG-Deutsch als „rassistisch“ kritsiert; die Broders unter den Juden und die Pirinccis bei den Moslems (auf der selben „Achse“ wie diese Broders…) werden kein Problem damit haben, im Gegenteil. Strache hat den damaligen Bundeskanzler Werner Faymann vor einigen Jahren in einer Neujahrs-Rede „Staatsfeind“, „Bürgerfeind“ und „Österreich-Feind“ genannt.

Die Suche der FPÖ nach Partnern in Europa ist eine ewige, hat man den Eindruck, die Rechten Europas lassen sich schwer zusammenfassen, organisieren. Gründe dafür wurden in diesem Artikel dargelegt. Das lässt sich auch an den Änderungen der rechten Fraktionsgemeinschaft im EP (zur Zeit hauptsächlich die “Identität und Demokratie”)68 ablesen. Jedenfalls, die neue Rechte versucht sich über Anti-Islam, Pro-Judentum und anderen Toleranzchauvinismus-Versatzstücken neu zu definieren. Alle Mitgliedsparteien der “Identität und Demokratie” (VB, RN, Lega, AfD, PVV,…) haben Kontakte ins rechtsextreme Lager in ihren Ländern. Die FPÖ arbeitet(e) auch mit der ungarischen Jobbik zusammen – welche aber einen Teil des Burgenlands beansprucht, und deren “antisemitische” Linie sich mit jener der FPÖ beisst. In Österreich hat die FPÖ nicht nur die Identitären als Partner, sondern auch die Kurz-ÖVP und Teile der SPÖ stehen dafür bereit. Der jetzige burgenländische Landeshauptmann Hans P. Doskozil ist einer solchen Koalition zugeneigt; Doskozil hat als Innenminister mit Israel im „Sicherheits“-Bereich zusammengearbeitet.

Die FPÖ ist nicht appetitlicher geworden mit ihrer Hinwendung zu Islamophobie und Israelbegeisterung, ganz und gar nicht. Wenn Strache zu Orban fuhr und dann vom gemeinsamen Kampf gg Einwanderung und jenem gg Menschenhandel sprach, sandte er Signale in 2 Richtungen… Das Rechte wird ja jetzt bei der FPÖ (und Ähnlichen) als “Abgrenzung von den Barbaren” affirmiert. Mit islamophoben und anderen rassistischen Ausfällen kommt man durch, mit antisemitischen nicht. Bei Susanne Winter war das so, über „Neger“ und „Gene“ konnte sie sagen was sie wollte, bezüglich Moslems versuchte sie (wie Viele) die Grenze zwischen Islamkritik, Islamismuskritik, Moslemophobie und allgemeiner Fremdenfeindlichkeit zu verwischen. Wenn sie sagt, der “Islam gehöre zurück hinters Mittelmeer”, meint sie natürlich (auch) die Einwanderer (die Menschen) die aus diesem “Kulturkreis” kommen, und ihre Aussagen über Afrikaner unterstreichen das – da geht es um Rasse (und Kultur), nicht Religion. Sie bekam parteiintern und ausserhalb erst massiven Gegenwind, als ihr etwas Antijüdisches vorgeworfen werden konnte.69 Und, als die FPÖ in einem Inserat Israel neben der Türkei als nicht in der EU erwünscht darstellte, gab es nur wegen Ersterem Aufregung und Kritik.70 Ähnlich sind die Anforderungen an die AfD.

Zu den Widersprüchen und Gemeinsamkeiten zwischen den Israelfreunden der FPÖ und jenen aus der Cafe critique-Ecke später. Die von Broder oder den Littmans (David und Gisele alias “Bat Yeor”) oder Caroline Glick formulierte Islamophobie spricht und lädt natürlich (auch) Leute aus dem alt-rechten Milieu ein, dient zur Entlastung ohne Läuterung.71 Im Stab von Andreas Herzog als Trainer des israelischen Fussball-Nationalteams72 ist auch der ehemalige FPÖ-Mann Klaus Lindenberger, was natürlich auch für Niemanden ein Problem ist. Dagegen, die linke Kleinpartei SLP wurde etwa von Zionisten in Wien auf Plakaten als „Israelhasser“ und „Nazischweine“ beschimpft (beschmiert); rassistisch darf man sein, aber nicht “israelkritisch”… Da schlägt der „Antisemitismus-Detektor“ an, oder eher: er wird hochgefahren.

Der Schriftsteller Michael Köhlmeier warf der FPÖ beim NS-Opfergedenken des Parlaments im Mai 18 Heuchelei im Umgang mit den Juden vor. Der Künstler und Holocaust-Überlebende Arik Brauer ist einer jener, die finden dass die Strache-FPÖ eine “faire und richtige Einstellung zum Judentum” hat. Da kamen Straches Relaunch und Brauers Rechtsruck73 zusammen. Juden wie Brauer respektieren Strache wegen seiner Israel-Solidarität, nehmen ihm diese ab (und segnen sie ihm ab) und damit auch vieles Andere. Und für die Haltung zu Moslems ist natürlich auch Israel entscheidend. Das zeichnete sich schon ein paar Jahre zuvor ab, als “Der Standard” Brauer und Strache zu einer Diskussion bat (als vermeintliche Gegenpole). Brauer spielte etwas Abgrenzung vor, in der Zustimmung versteckt war74 Dabei kam das was die beiden verbindet, der blühende Staat der auf den österreichischen Burschenschafter Herzl zurückgeht (wie es Strache ausdrückte), gar nicht zur Sprache – wahrscheinlich weil Straches Pro-Israel Brauer peinlich gewesen wäre.75

Brauer hat immer hervorgestrichen, dass er sich für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern engagiert hätte, von der Gegenseite würde aber nur Hass und Gewalt kommen, die im Endeffekt antisemitisch motiviert sei. Das ist weit verbreitet unter „liberalen Zionisten“; “Wir sind eigtl zu gut zu den Palästinensern, zu naiv, wir werden ausgenutzt, sie sind die Bösen, verstehen eigtl nur eine Sprache,…”. Er versteht den Konflikt nicht. Hat eine Villa in Wien und eine im “israelischen Künstlerdorf” En Hod. Dieses war ein palästinensisches Dorf (Ein Howd), dessen Bewohner im Zuge der israelischen Staatsgründung bzw Nakba 1948 vertrieben wurden. Die meisten der vertriebenen/geflohenen Dorfbewohner (zwischen 500 und 1000) ließen sich in Jenin nieder, einige siedelten sich in der Nähe ihres ehemaligen Dorfes an und gründeten dort das neue Ein Howd – das erst 1992 vom israelischen Staat als Gemeinde anerkannt wurde. Wie hat sich Brauer, der mit das Künstlerdorf macht(e), für “Frieden” engagiert? Indem er in Tel Aviv mit “Shalom Achshav”-Leuten demonstriert hat und dergleichen. Hat er sich für die in der Nähe “seines” Dorfes lebenden Palästinenser (nun Nachfahren der Vertriebenen) irgendwie gekümmert, oder um jene die es nach Jenin verschlagen hatte?

Einsatz für “Menschenrechte” und “Frieden” sieht anders aus, wenn man in seiner Umgebung damit beginnt, wenn das Einsatzfeld konkret und nahe und nicht abstrakt und entfernt ist. Seine Stellung bzw Behandlung als Jude in diesem Staat bedenkt er nicht mit, bzw was an Geben (Zugeständnissen) für einen Frieden notwendig wäre. Der inner-zionistische Dialog läuft so, “Gebts ihnen (den Palästinensern) Almosen” – “Gebts ihnen keine”. Bemerkenswert war auch sein “ZiB”-Auftritt mit dem palästinensischen Künstler Marwan Abado, wo er die selben Lieder sang wie in den letzten ca. 20 Jahren. “Wenn ich weiss, dass du mich nicht umbringst, kannst du alles haben.-Ich bin jetzt Israel und du Palästina”. Was ist eigentlich Palästina? Wird es von Israel anerkannt (oder eher das was noch übrig ist, zugesiedelt), und welche Grenzen hat es? Es ist auch bezeichnend, dem Anderen wird eine Vernichtungsabsicht unterstellt, die Grund des Konflikts sei, man macht sich zu seinem Opfer. Bzw, der Andere wird zur Behandlung seiner aggressiven Paranoia aufgefordert. Womit wir wieder bei Awraham Burg sind (Teil I).76

Brauers Vater ist aus dem Russischen Reich nach Österreich ausgewandert, im „Grossdeutschen Reich“ wurde ihnen abgesprochen, Österreicher zu sein bzw sogar, Menschen zu sein, der Vater getötet. Eigentlich ist es sehr verständlich, dass er sich, nachdem das vorbei war, gefragt hat, wo er eigentlich hingehört, wo es für ihn Sicherheit gibt. Und längere Zeit hat er auch einen liberalen Zionismus vertreten. Vermutlich leidet er, wie Broder, darunter dass er es nicht schaffte, sich in Israel eine dauerhafte Existenz aufzubauen, es gibt da einige Parallelen zwischen den beiden.77 In seiner Autobiografie schrieb er ausser vom „Friedensengagement in Israel“ auch davon „mit Fahrrad durch Afrika gefahren“ zu sein, „dort einen Sklaven befreit“,…

Der Christchurch-Attentäter Tarrant unterstützte die Identitären in Österreich, die österreichische Regierung mit FPÖ-Innenminister Kickl kündigte an, diese nun verbieten zu wollen. Dazu muss(te) die FPÖ erst ihre Kontakte in diese Ecke „entsorgen“. Der erste Konflikt in der Koalition, kurz bevor sie auseinander brach, anlässlich des Ibiza-Videos. Kurz und Strache, zwei solche Saubermänner… Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP): Es gebe „keine Toleranz für gefährliche Ideologien, ganz gleich, aus welcher Ecke sie kommen“. Egal welche Art von Extremismus, „so was darf keinen Platz in unserem Land und in unserer Gesellschaft haben“, und so etwas dürfe „niemals toleriert werden“. Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) kündigte eine “schonungslose Aufklärung” an. Kurz zeigte sich mit der „Abgrenzung“ der FPÖ von den Identitären zufrieden. Absolution für die FPÖ durch Kurz, der selbst auf Absolutionen aus ist. Als die ÖVP/FPÖ-Regierung 17 zustande kam, hiess es die „blaue Regierungsbeteiligung belastet das Verhältnis Österreichs zu Israel“.

Was wieder insinuiert, dass Israel eine Art antifaschistische moralische Instanz sei… Von Ariel Muzicants Sohn Georg, dessen Nachfolger im Immobilienunternehmen, kam vor der Wahl 17 eine Spende an Kurz. Natürlich könnten dabei auch wirtschaftspolitische Überlegungen eine Rolle gespielt haben… Kurz war als Aussenminister (13-17) doch der, als der er als Integrations-StS zu befürchten war (und als Kanzler erst recht). Unter Kurz ist ÖVP so rechts geworden (trotz Gesellschafts-Liberalismus), damit auch pro-israelisch… Was sich zB bei seinen Stellungnahmen zur Gewalt in und um Gaza 14 zeigte oder bei Kurz’ Israel-Reise 16 (die von mitgereisten journalistischen Groupies begeistert behandelt wurde). Und die Sache der Koalition mit der FPÖ wollte Kurz nochmal extra abgelten. Von Netanyahu abwärts gab es auch Lob für Kurz, für dessen „klares Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus“ (Kritik an Israel), und für seinen Willen, sich in der EU stärker für Israels „Sicherheits“-Interessen (Maßnahmen gegen Palästinenser und gegen die Region als solche hinnehmen) einsetzen zu wollen.

Foto oben: Demo in Wien gegen die türkis-blaue Regierung, mit israelischer Flagge (links)… “Linke” Israelfreunde demonstrieren gegen rechte Israelfreunde, versuchen zu suggerieren, dass Israel ein Gegenpol zu dieser rechten Regierung sei. Es gab wahrscheinlich noch nie eine solch proisrealische Regierung wie die von Kurz & Strache, und jene von Netanyahu steht nochmal klar rechts von ihr

In seiner Zeit als Aussenminister sei ihm bewusst geworden, dass Antisemitismus und Antizionismus „heute Hand in Hand gehen und oft zwei Seiten einer Medaille sind“, so Kurz. Da ist ihm klar geworden, dass man sich mit “Eintreten für die Sicherheit Israels” international profilieren kann, sich selbst inszenieren, rechte Inhalte legitimieren. Bei Stenzel ist das “Engagement gegen Antisemitismus” auch in einen konservativen Kreuzzug eingebettet ist > ÖVP zu links weil für eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle und ein moslemischer Kandidat78, Auftritt bei Demo gg “Genderwahn”,… An der erwähnten „Antisemitismuskonferenz“ war die IKG anwesend, „weil daran kein FPÖ-Politiker teilnehmen werde“. Es kamen u.a. Ronald Lauder (WJC), Moshe Kantor (EJC), EU-Justizkommissarin Vera Jourova, EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn sowie EU-Parlamentspräsident und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber79; Netanyahu musste ja absagen. Es wurde, “als konkreter Schritt” ein “Handbuch gegen Antisemitismus” präsentiert, das von “Experten” im Auftrag des EJC erarbeitet wurde. Zur selben Zeit hatte Innenminister Kickl zu einer EU-Konferenz geladen, bei der der Antisemitismus ebenfalls Thema war. Der Kampf gegen den politischen Islam und den Antisemitismus „müssen sichtbarer auf der EU-Agenda stehen“, so Kickl.

Kurz versuchte bei der Konferenz dann, die EU-Staaten mit einer gemeinsamen Erklärung zu einer einheitlichen Definition des „Antisemitismus“ bringen (die auf “Israel-Kritik” abzielt). Er hoffe sehr, dass das während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft gelingt; Kurz bezeichnete es als „unglaublich“, dass Antisemitismus auch knapp 100 Jahre nach der Schoah noch existiert. Zum immer schon vorhandenen Antisemitismus sei auch ein „neu importierter“ gekommen, sagte er in Anspielung auf Migranten und Migrantinnen aus islamischen Staaten. Kurz forderte auch die Staaten der EU dazu auf, ihr Stimmverhalten bei UNO-Abstimmungen “über Israel” zu überdenken. Er behauptete, es gäbe ein in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstandenes, „immer stärker konzertiertes Vorgehen gegen Israel, in einem Ausmaß, das sicher nicht als ganz korrekt bezeichnet werden kann“, stimmte Kurz der zuvor vom Chef des AJC, David Harris, geäusserten Kritik an den UNO-Staaten zu. Österreich und Israel waren sich auch einig bei der Ablehnung (Nicht-Unterzeichnung) des UN-Migrationspakts.80

Dann, Irans Präsident Hassan Rouhani ’18 in Österreich; Kurz telefonierte vor dem Treffen mit Netanyahu, um die „israelische Sichtweise“ zu hören”…und sprach rund um das Treffen andauernd von „österreichischer Verantwortung“, „Sicherheit Israels“,… Ro(u)hani differenzierte, auf häufige „Nachfrage“ der Österreicher, zwischen Juden und Zionisten (Israel) – was ihm aber zum Vorwurf gemacht wurde („hetzt gg Israel/Juden“,..), in den Entrüstungs-Chor von Drop, IKG, SWC,… stimmte dann auch Kurz mit ein. Wiederum sprach er von einem „konzertierten Vorgehen gegen Israel“ im Rahmen der UN. Kurz’ Kotau vor Netanyahu (dessen Hetzreden nie ein Thema sind) rund um den Rouhani-Besuch samt UN-Kritik sind ja eingebettet in ein entsprechendes ideologisches Umfeld. Was sich auch beim EU-Afrika-Forum in Wien anlässlich des österreichischem EU-Ratsvorsitzes im Dezember 18 zeigte. Ratsvorsitzender/Kanzler Kurz sagte dort, dass „Afrika nicht den Chinesen überlassen werden“ dürfe. Der Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki-Mahamat (Tschad) antwortete, man dürfe Afrika nicht „infantilisieren“, Afrika sei „kein Spielplatz, bei dem jeder hergehen kann und sagen, was er will“, es sei kein „leeres Terrain, auf dem sich Amerikaner, Chinesen und Europäer miteinander schlagen“ und „um Ressourcen streiten, auch wenn das in der Vergangenheit so war“. Afrika gehöre den Afrikanern.

Man ist an den “Wettlauf um Afrika” (Scramble for Africa) erinnert, das Rennen um die totale Aufteilung dieses Kontinents unter europäischen Mächten und der USA, etwa von 1881 bis 1914. Begonnen hatte diese Inbesitznahme etwa 500 Jahre früher. Noch nach dem 2. WK hiess es, Afrika sei ein “Ergänzungskontinent” für Europa…und es wurde auch so behandelt, über die Entkolonialisierung hinaus. China sieht Afrika als Möglichkeit, Europa sieht Afrika als Problem“; welchen Grund sollte Afrika haben, Europa „zugeneigt“ (ausgeliefert) zu bleiben. Dass Afrika eigenständig für sich entscheidet, das geht ja schon mal gar nicht. Man ist an den Kolonialrevisionismus im Deutschen Reich der Weimarer Republik erinnert, als in vielen Reden und Texten versucht wurde, die verbliebenen europäischen Kolonialmächte in Afrika zu diskreditieren und Deutschland als “Beschützer der Kolonisierten” und “wahren Treuhänder” darzustellen. Anlässlich Israels Offensive gegen den Gaza-Streifen um den Jahreswechsel 08/09, kritisierte Südafrikas damaliger Präsident Kgalema Motlanthe (ANC) die United Nations Organisation bzw ihr System, mit dem Sicherheitsrat bzw den Vetomächten.

Die UN und ihr Sicherheitsrat müssten repräsentativer für die Weltbevölkerung werden, die lobbyistische Politik von Vetomächten wie der USA sei gegen die Idee der Vereinten Nationen. Aber wenn sich in der UN die globalen Mehrheitsverhältnisse wiederspiegeln und dort eine “Politik” abseits von westlicher Vorherrschaft ausgeübt wird, kommen Organisationen wie UNwatch von Hillel Neuer81 und prangern das an. UN Watch ist ein Organ des American Jewish Comittee (AJC), wird von manchen Medien nicht als Lobbyorganisation behandelt, sondern als von “wissenschaftlichen” oder “menschenrechtlichen” Bedenken motiviert (ähnlich wie MEMRI). Motlanthe hat damals gesagt, Israelis und Palästinenser hätten das Recht, nebeneinander zu existieren; aber man kann davon ausgehen, dass Neuer daraus eine “Befangenheit ggü Israel” gemacht hat, so wie Kurz. Was bezeichnend ist für den Diskurs, bei Obama war es ja auch so, dass man ihm “Anti-Israel” unterstellt hat, weil er die Israel-Unterstützung der USA in manchen Teilen hinterfragt hat. Eric Louw, ein Aussenminister Südafrikas zu dessen Apartheid-Zeiten (damals war Israel eng mit Südafrika verbündet) nannte die Aufnahme unabhängiger afrikanischer Staaten in die UN eine “Ermunterung für die Kräfte der Barbarei”…

Apartheid-Südafrika hat auch immer über die UN gejammert und was sich die Nicht-Weissen erlauben. Nun ja, “Spurenelemente” dieser Haltung zeigen sich bei Israel-Unterstützern wie Sebastian Kurz. Nachdem über ein Verbot des Schächtens durch die ÖVP/FPÖ-Regierung (bzw ihre parlamentarische Mehrheit) diskutiert wurde, beruhigte Kanzleramtsminister Blümel (Kurz’ “rechte Hand” bzw Schnösel-Kollege), redete von „jüdisch-christlichen Wurzeln”, “jüdischen Mitbürgern”, “verteidigen“,… Engagiert in dieser Thematik ist aus der ÖVP auch Wolfgang Sobotka, Nationalratspräsident und zuvor Innenminister, ein fremdenfeindlicher Rechtspopulist. Bei einer Gedenkfeier im Parlament 2018 für die Novemberpogrome 1938 bedankte er sich bei Kanzler Kurz dafür, dass man sich zu „null Toleranz gegenüber Antisemitismus“ bekannt habe. Dieser damals: „Unsere historische Verantwortung endet weder an der österreichischen noch an der europäischen Grenze“, denn Österreich habe eine Verantwortung, nicht nur für jüdisches Leben hierzulande und in Europa, sondern auch gegenüber den Juden in Israel. Sobotka präsentierte vor einiger Zeit82 eine von ihm in Auftrag gegebene Studie über “Antisemitismus in Österreich”, von IFES (Eva Zeglovits) und Braintrust (Thomas Stern). Es sei erfreulich dass es die stärkste Zustimmung bei Befragten nicht zu antisemitisch gefärbten Inhalten gab, sondern zu der Aussage, dass Österreich wegen der Verfolgung im Zweiten Weltkrieg die moralische Pflicht hätte, Juden beizustehen.

Also eine Pro-Israel-Politik fahren, wie Kurz… Damit kann man ja die Juden-Verfolgungen der Vergangenheit auslagern gewissermaßen. Sobotka versucht das ja auch, mit solchen Initiativen, seine Fremdenfeindlichkeit kann er so als “Kampf gegen zugewanderten AS“ deklarieren, mit „keine Toleranz ggü Intoleranten“ suggerieren, dass er eine solche hätte,… Ja, es ist ein Vorteil, wenn man Hassrede definieren kann, zB über solche Studien und die Kommentare dazu. Wer selbst so integer und sittsam agiert (wie Sobotka, Kurz, Strache), dem steht es zu, Andere zu ermahnen und zu rügen. Als Kronzeuge (für “moslemischen Antisemitismus”) führte Sobotka Bassam Tibi an, der sich lange Zeit eigentlich seriös mit dem Islam und Themen die mit ihm im Zusammenhang stehen, beschäftigte. Bassam Tibi ist bekömmlicher als Ahmed Tibi, der “israelische Araber”; und Hanan Zoabi ist schwerer zu verdauen als Sarah Zoabi.

17 ein Bericht des „Falters“ über „antisemitische Witze“, “Frauenhass” und “Spott über Behinderte” in Chatgruppen („Jus Männerkollektiv“) von Funktionären der ÖVP-nahen AktionsGemeinschaft (AG) am Juridicum der Universität Wien kurz vor ÖH-Wahl. Ausschluss der Funktionäre; Empörung von JVP-Chef Sebastian Kurz, „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk, VSStÖ, GRAS, orf.at, Mauthausen Komitees Österreich, Jüdische österreichische HochschülerInnen (JöH),… Das ist auch in Ordnung. Aber: Als die israelische Justizministerin Ayelet Shaked einige Wochen davor im Juridicum auftrat, kam von den Selben kein Protest. Im Gegenteil, man kann davon ausgehen, dass der eine oder andere Genannte den Auftritt beworben hat….und bei Auseinandersetzungen mit dieser Shaked und ihrer Politik die AS-Keule geschwungen haben. IKG-Chef Deutsch über die Chatgruppe: „Die Empörung ist schnell artikuliert. Jetzt müssen wir das Problem benennen, Ursachen analysieren und bekämpfen: Antisemitismus im akademischen Betrieb“.83

Das Verhältnis der ÖVP (und Österreichs!) zu Juden und Israel war eine Zeit lang von Bundespräsident Waldheim geprägt, aufgrund dessen Wehrmachts-Vergangenheit bzw dem Umgang damit.84 Waldheim-Schwiegersohn ist seit vielen Jahren EP-Abgeordneter (für die ÖVP). Mit Kurz kam das österreichisch-israelische Verhältnis in neue Höhen – nicht weil er der antifaschistischste Kanzler/ ÖVP-Chef ist, sondern weil er die Verstrickung Österreichs in NS-Verbrechen mit Israel-Unterstützung “wieder gut zu machen” versucht, an statt die dieser Verstrickung zu Grunde liegende Geisteshaltung zu behandeln; und weil er mit Netanyahu den passenden Partner dafür hat. Im Inneren war das bislang Strache bzw die FPÖ. Sein Appeasement ggü Trump bei seinem Besuch im Weissen Haus ’19 und seine Vorstösse in der Flüchtlingspolitik zeigen ja auch, wessen Geistes Kind Kurz ist. „Ein Land, das versucht, Journalisten und Oppositionsführer einzusperren, hat in der Europäischen Union keinen Platz“, sagte er über die Türkei.

Kurz gratulierte Netanyahu zum “Sieg” bei der ersten israelischen Wahl 19 per Twitter: „Obwohl das offizielle Ergebnis noch nicht veröffentlicht wurde, ist eine Sache klar: Sie haben – einmal mehr – das Vertrauen der Menschen in Rekordzahlen gewonnen“, Er freue sich darauf, mit Netanjahu „in Zukunft zusammenzuarbeiten, zum Wohle der Menschen in Israel und der Menschen in Österreich“. Trump meinte, Netanyahus Sieg erhöhe die Chancen auf Frieden im Nahen Osten.

Bezüglich Menschenrechten ist er aber “flexibel”; bei Saudi-Arabien wird so etwas wie “Journalisten einsperren” nicht so streng gesehen (und so etwas wie Opposition gibt es dort gar nicht erst), und bei Israel schon gar nicht. Und während er die Ausschaltung des Parlaments in Venezuela (seit der Wahl ’15 vom Oppositionsbündnis MUD dominiert) unter Nicolas Maduro ’17 thematisiert (und den selbsternannten Übergangspräsidenten Guaido unterstützt), bleibt er ruhig zum “stillen Coup” in Brasilien, wo das Parlament ’16 die Präsidentin (Rousseff) ausschaltete, und zur Ausschaltung „Lulas“ durch die Justiz von der Wahl ’18. Zurück zur Türkei und Flüchtlingen: Zu Drohungen aus der Türkei, den Flüchtlingspakt mit der EU zu kündigen, wenn es nicht zu der verabredeten Visa-Freiheit für ihre Bürger kommen sollte, sagte Kurz, in diesem Fall müsse die EU ihre Aussengrenzen selbst schützen – „nach dem Vorbild Australiens“. Bootsflüchtlinge, so Kurz, sollten nach dem Vorbild Australiens im Mittelmeer abgefangen, sofort zurückgeschickt oder auf Inseln interniert werden. Nun, allzu weit weg ist er auch nicht entfernt von John Howard. Kurz und Strache spielen das Zuwandererthema, um vom Sozialen, von Umweltthemen (wie der Klimakrise) und vom eigenen Chauvinismus abzulenken. Sein Vorgänger als ÖVP-Chef und Vizekanzler, Reinhold Mitterlehner, geizte nicht mit Kritik an Kurz, bezeichnete diesen als “Rechtspopulisten“.

Ein Blick auf die Schweiz: Die “Weltwoche”, die 1933 Sympathie für den Faschismus und ihre Schweizer Ableger (hauptsächlich die Nationale Front) zum Ausdruck gebracht hat, unterstützt heute ziemlich offen die Schweizerische Volkspartei (SVP). Roger Köppel, Ziehsohn von Christoph Blocher, ist Chefredakteur der “Weltwoche”, nun auch SVP-Politiker (Nationalrats-Abgeordneter); zwischendurch war er auch passenderweise bei “Die Welt” in leitender Funktion. „Weltwoche“ wie SVP sind weit rechts und pro Israel; erstere hat zB auch “PI” anklagend verteidigt („unabhängige und populäre Gegenstimme“). Selbst für Weltwoche/SVP-Massstäbe auffallend rechts ist Philipp Gut. Warum bevorzugt Rechtskonservative wie SVP-Mann Ulrich “Ueli” Maurer Israel-Lobbyisten sind, wird von zionistischer Seite meist damit “erklärt”, dass die Linke eben so “antisemitisch” sei… Im März 2013 ein Artikel in der „Basler Zeitung“: „Die sieben geläufigsten Propaganda-Märchen. Israel ist böse, Palästinenser sind Opfer: Seit Jahren nimmt das Gros der westlichen Medien diese Perspektive ein. Das sind die sieben perfidesten Märchen.“ Autor: der Deutsche David Harnasch, war Bush-Fan, dürfte auch Trump-Fan sein, ein Hardcore-Zionist (“Entebbe”-Leibchen,…). „Basler Zeitung“: Miteigentümer ist SVP-Patron Christoph Blocher.

Laut Richard Spencer ist Donald Trump zwar kein Vertreter der “Alt-Right”, sein Wahlsieg 16 sei aber ein erster Schritt in Richtung einer “schlüssigeren” Politik, Trumps Populismus sei tief in der “identitären Politik” verwurzelt. Spencer, Bonzensöhnchen, US-amerikanischer White-Supremacy-Aktivist, prägte die Bezeichnung “Alt-Right”. Es gehe darum, die USA von „Nichtweissen“ zu „säubern“, zu verhindern dass die weissen US-Amerikaner in “ihrem eigenen Land” künftig eine Minderheit sein werden. Die Nazi-Diktion und -“Versatzstücke” stehen dem nicht entgegen, dass sich dieser Spencer als “weisser Zionist” bezeichnet, er wolle ein “sicheres Heimatland” für “seine Leute” wie es Israel für Juden sei, einer der wenigen Ethnostaaten. Er ist auch gg Juden in der USA (bzw sieht sie nicht als “Weisse”), ist nichtsdestotrotz ein Israel-Anhänger, klassisch… Über Trumps Wahl (und Obamas Abtritt) gab es Frohlocken in diesen Kreisen, eben so wie bei Zionisten (Naftali Bennett strahlte schon, dass mit Trump eine Zweistaatenlösung bzw ein Staat Palästina „vom Tisch“ sei), Saudis und Leuten wie Robert Spencer. Am Ende einer Veranstaltung seines National Policy Institute im November 2016 in Washington D.C., auf der Trumps Sieg gefeiert wurde, rief er den Anwesenden unter anderem zu: „Hail Trump, hail our people, hail victory!“ Teile des Publikums zeigten daraufhin den Hitlergruss.

USA-Präsident Donald Trump hat im Sommer 19 zunächst mit einem Tweet wieder gezeigt, wie primitiv (und) rassistisch er ist. Er schimpfte über einige weibliche Kongress-Abgeordnete der DP, die aus „Ländern mit korrupten und katastrophalen Regierungen“ kämen, und sich erdreisteten der Bevölkerung der USA („the greatest and most powerful Nation on earth“) zu sagen wie Politik zu funktionieren habe, „Why don’t they go back…“ und richten ihre Herkunftsländer her („the totally broken and crime infested places“). „Then come back and show us how it is done“. Dazu noch ein Seitenhieb auf Pelosi. Seine Äusserungen über „progressive demokratische Kongressabgeordnete“ waren unschwer erkennbar auf die jungen Alexandria Ocasio-Cortez (aus einer puertoricanischen Familie in New York), Ilhan Omar (aus Somalia), Rashida Tlaib (in USA in eine palästinensische Familie geboren) und Ayanna Pressley (Afro-Amerikanerin) gemünzt, 3 davon also von Geburt US-Amerikanerinnen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz warfen die vier Abgeordneten Trump offenen Rassismus vor. Bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps in North Carolina, als er erneut begann, Ilhan Omar zu attackieren, skandierte das Publikum „Schickt sie zurück“. Trump ließ die Menge gewähren, was er später leugnete. Dann tweetete er noch „Ich glaube nicht, dass die vier Kongressabgeordneten in der Lage sind, unser Land zu lieben“

Da findet sich Einges: Menschen mit dem Elend “ihrer” Länder „assoziieren“; ihnen zu sagen dass sie eigentlich zu anderen Ländern gehören, nicht zur USA, sich nicht “einzumischen” haben, sich anderswo um Probleme kümmern sollten,… Die “Anti”deutschen, die sich gerne so frauenfreundlich und progressiv geben (und pro-amerikanisch!), blieben hier natürlich ruhig. Omar geriet ausserdem in Kritik für “Israel-Kritik”. Glenn Greenwald verteidigte sie dafür bzw kritisierte die Zensurversuche gegen sie; als Kommentar dazu tweetete Omar: “It’s all about the Benjamins baby” > Israel-Unterstützung in der USA käme aus finanziellen Zuwendungen und Ähnlichem. Abagond kommentierte zutreffenderweise: “It’s not all about the Benjamins, despite what Ilhan Omar might think. As powerful and monied as is AIPAC (American Israel Public Affairs Committee), way more people belong to CUFI (Christians United for Israel). And yet more simply read their Bibles and see God as promising the land of Palestine to the Jews. And they mostly vote Republican, which is why Republicans are so blindly loyal to Israel even though few Jewish Americans vote for them. In the US most Zionists are not Jewish but Christian, in particular White Evangelical Protestants.”

Als eine der ersten moslemischen und afrikanisch-stämmigen Frauen, die in den Congress gewählt wurden, war Omar ohnehin von Anfang an Zielscheibe entsprechender Kreise gewesen, nach dem “Benjamins”-Kommentar (> Franklins Konterfei, auf Banknoten) kam nun auch die Allzweckwaffe “Antisemitismus” hervor. Etwa beim rassistischen Babyface Ben Shapiro (“The Ugly Truth About Antisemitism in the Democrat Party 2018 midterm will bring many new faces to Washington, but few will find as much adoration as Ilhan Omar…“) oder von den Murdoch-Medien (Fox, “New York Post”,…). Natürlich wurde sie auch in die Islamisten-Ecke gestellt, auch von Trump. Es gibt von diesen Praktiken schon Parallelen zum klassischen Antisemitismus, auch wie er sich in Nazi-Deutschland äusserte… Dann erliess Israel ein Einreiseverbot für die US-Abgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar, Ministerin Hotovely begründete das mit dem „Absprechen des Existenzrechts“. (Der Amerikanerin) Tlaib wurde dann doch ein „humanitärer Besuch” bei ihrer 90-jährigen Grossmutter im besetzten Westjordanland genehmigt. israel bestimmt natürlich auch dort über Ein- und Ausreise (und so ziemlich alles Andere)…und anerkennt nicht das Existenzrecht eines Palästinas.85

Trump beschimpfte dann auch den afroamerikanischen Kongress-Abgeordneten Elijah Cummings (DP) übel, als „brutalen Tyrannen“ und die mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Stadt Baltimore, die teilweise zu Cummings Wahlkreis gehört, als “schlimmste der USA”. „Cumming (sic) Wahlkreis ist ein widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch.” Kein Mensch würde dort leben wollen“, fuhr Trump in seiner Twitter-Tirade fort. Der Präsident stellte die Frage, was aus staatlichen Fördermitteln für den Distrikt geworden sei. „Wo ist das Geld hin? Wie viel wurde gestohlen?“ Damit zielte er offenkundig auf die Kritik des Demokraten Cummings an seiner verschärften Asyl-Politik an der Grenze zu Mexiko. Cummings habe sich über die „großartigen Männer und Frauen des Grenzschutzes“ und die Lage an der Südgrenze der USA ausgelassen, während „sein Baltimore-Wahlkreis weitaus schlimmer und gefährlicher“ sei. Es zeigt sich anhand dieser Fälle, wie Rassismus gegen Afro-Amerikaner, Schwarzafrikaner und Moslems/Orientale miteiander verbunden ist. Das war auch bei Keith Ellison aus Minnesota so, der erste Moslem im USA-Congress. Er hatte 17 mit seiner Kandidatur für den Vorsitz der Democratic Party keinen Erfolge, nach einer Schmutzkübelkampagne über seinen Glauben, seine Verbindungen mit der Nation of Islam (“Black Muslims”) in seiner Jugend und seiner Unterstützung für Rechte der Palästinenser an der Seite Israels. Seine Rasse wurde dabei nur “indirekt” thematisiert.

Der schwarze Professor Tommy Curry wurde auch rassistisch angegriffen, u.a. von der Alt-Right-Bewegung, Evangelikalen und anderen christlichen Zionisten. Nach Kommentaren über Waffengebrauch in der USA, gegen “Farbige” und von diesen; Curry thematisierte in diesem Zusammenhang Hetze gegen liberale und antirassistische Professoren in der USA. Angela Davis setzt sich für Schwarze in der USA und Palästinenser unter Israel ein, unterstützt BDS. Sie weist darauf hin, dass Israel US-Polizeikräfte trainiert (die gewaltsam gegen Schwarze vorgehen); das militärische Erscheinungsbild (und das entsprechende Vorgehen) der Polizei zB in Ferguson (Missouri) ähnelt nicht nur den israelischen “Sicherheitskräften”, die so gegen Palästinenser (“Terroristen”) vorgehen, es kommt auch von diesen. Deshalb haben Palästinenser den Protestierenden in Ferguson auch Ratschläge getweetet. Davis meint, dass die Unterdrückten über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten sollen. Bei einem Besuch in den bestzten palästinensischen Gebieten (2011) stellte sie fest, dass es dort weit schlimmer ist als ihrer Kindheit und Jugend in Birmingham (Alabama) der 1950er und frühen 1960er… Palästinenser haben ein Recht auf Widerstand, so Davis. Sie merkte auch an, dass manche Progressive in der USA progressiv bei Allem sind, ausser bei Israel-Palästina. Die Bestätigung kam dann, als das Birmingham Civil Rights Institute (BCRI) heuer (19) ihren Menschenrechtspreis, der Davis zugesprochen worden war, wieder “zurücknahm”.86

’17 in Charlottesville (Virginia) Aufmarsch vom KKK (inkl. David Duke), Neonazis,… gegen die Entfernung einer Statue von CSA-General Robert Lee, Gegendemo, ein Alex Fields fuhr sein Auto in diese rein, 1 Tote und 35 Verletzte. Von Trump eine verhaltene Reaktion mit allgemeiner Gewalt-Verurteilung und indirekter Verteidigung der Alt Right, unter den Marschierern (nicht den Gegendemonstranten!) in Charlottesville seien “very fine people” gewesen. David Duke, ein früherer KKK-Anführer, gratulierte Trump für seinen „Mut, die Wahrheit zu sagen”, und die „Charlottesville Rally” sei “Part of Effort to Take Country Back“ gewesen. Duke lobte auch Trumps Eintreten für einen Mauerbau an der Grenze zu Mexico.87 Die Israel-Unterstützer in der USA und die Rechtsextremisten dort unterstützen beide Trump und es gibt eine Überschneidung von diesen Gruppen. Die meisten Israel-Freunde dort sind schliesslich nicht Juden, sondern evangelikale Christen – die teilweise im Lager des “weissen Nationalismus” stehen.88 Diese Unterstützung wird von zionistischer Seite sehr gerne genommen (s.o. Evangelikale), auch wenn antijüdische Ressentiments von dort teilweise nicht so weit entfernt sind. (> Synagoge Pittsburgh).

Es gibt die Israel-Unterstützung aber eben auch in rechtsextremen Kreisen. Trump und Netanyahu lassen beide Mauern bauen, zu den “bösen und gefährlichen Nachbarn”, teilweise mit der selben Rhetorik. Unter jenen Neonazi-Rassisten, die 17 in Minnesota einen Bombenanschlag auf eine Moschee verübten, waren auch welche die sich freiwillig für Mithilfe am Bau von Trumps Mauer zu Mexico angeboten haben. Ja, und Trump bemüht sich eifrig, die Stimmen der Nazis zu bekommen, mit seinen rassistischen Bemerkungen. Zur Zeit von Bush hiess es, „Nein, wir führen doch keine Kriege für Öl“ (bzw, seine Unterstützer sagten das über ihn), unter Trump heisst es offen „Lasst uns (weitere) Kriege für Öl führen“.89 Bush heuchelte ggü Afro-Amerikanern Gleichheit vor; er hat auch ein Gesetz erlassen, das eine weltweite Überwachung „antisemitischer Tendenzen“ durch das US-Aussenministerium in Washington vorsieht. “Wir werden dafür sorgen, dass der alte Impuls des Antisemitismus in der modernen Welt niemals einen Platz finden wird.” Er redete auch von „Islamo-Faschismus“. Von Bush junior waren in Deutschland v.a. gewisse Alt-Rechte und Ex-Linke entzückt. Auch, weil sie die Necons als eine Art globalen Gegenpol zum Islamismus sahen. Dass sein Grossvater Prescott Bush Geschäfte mit den Nazis machte, und auch viele Rechtsextreme für ihn Sympathien hatten, war da völlig bedeutungslos.

Das ideologische Umfeld, in das die Israel-Unterstützung (nicht nur) von Trump eingebettet ist: Verkleinerung von Naturschutzgebieten (betrifft auch Indianer), Austritt aus dem Klimaschutzvertrag, Rassismus im Inneren und Äusseren, schamloser Imperialismus, Frauenverachtung,… Das meiste davon trifft zB auch auf Bolsonaro zu. Dass das wiederum die pseudolinken Deutsch/Österreicher nicht stört, die immer von “Antiamerikanismus” faseln (und das was sie als solchen sehen, zum Gradmesser für politische “Neigungen” machen!), versteht sich eigentlich von selbst. In der USA sind diese Ansichten grossteils auch hauptströmig. Der republikanische Senator Lindsey Graham hat heuer von Trumps damaligen Sicherheitsberater John Bolton einen “überwältigenden” Militärangriff auf den Iran gefordert. Bei Graham, einem baptistischen Südstaatler (South Carolina), Ex-Militär, Bilderberger, korresondiert seine Haltung zu Israel bzw Iran klarerweise mit seinen Positionen zu Waffenfreigabe, Krankenversicherung, Bürgerrechte, Klimawandel, Todesstrafe, Einwanderung,… Das ist auch bei Nicht-Politikern wie “Chuck” Norris so.

Eröffnung der neuen US-Botschaft für Israel ’18, mit Graham und weiterer israelisch-amerikanischer Prominenz

Trump liess die USA-Botschaft für Israel 17/18 von Tel Aviv nach Jerusalem/Quds verlegen, anerkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels.90 Ohne Erwähnung der Besatzung u.a. vom Ost-Teil der Stadt (seit 1967) und ohne Gegen-Konzession von Israel. Trumps “Nahostberater” Kushner spielte bei dem Schritt eine wichtige Rolle, der mit Saudi-Arabien abgesprochen wurde. Triumphgeheul von Netanyahu abwärts, verbunden mit Delektieren an Aufregung in der islamischen Welt. Trump, ein rassistischer Wahnsinniger, geistig schwach und im Hass auf innere und äussere “Feinde” fanatisch91, steht für den Niedergang der USA.92 Er hat Medienberichten zufolge die Aufnahme von Migranten aus Haiti und afrikanischen Staaten in Zweifel gezogen und diese als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet. In derselben Beratungsrunde mit Senatoren und Kongressabgeordneten im Weissen Haus hat er anscheinend vorgeschlagen, stattdessen mehr Einwanderer aus Ländern wie Norwegen aufzunehmen. Oder Schweden? > Greta Thunberg… Israel ist für ihn kein “shithole country”, ganz im Gegenteil, Trump kommt Israel mehr entgegen als alle früheren USA-Präsidenten (trotz oder wegen Ankündigungen einer Politik aus ureigenen US-Interessen)…auch hier kein Anschein von Unparteilichkeit mehr.

Die USA ist unter ihm auch aus der UNESCO ausgetreten, wegen derer „israelfeindlicher Haltung“; bzw aus der Feindlichkeit von Trump und seinem Klüngel ggü der „3. Welt“, dem globalen Süden. Die USA stellte auch, 2018, die Zahlungen an das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) ein. Insbesondere Trumps Schwiegersohn und Nahostberater Jared Kushner hat sich vehement für die Kürzung ausgesprochen. Die Democratic Party (DP) nannte Trump “juden- und israelfeindlich“, auch: „Democrats hate the USA“ (> ,,Volksfeinde/-verräter”). Trump akzeptiert Juden irgendwie als Teil der weissen Bevölkerung der USA (die für ihn zählt). Sein jüdischer Schwiegersohn (Jared Kushner), die Ernennung weiterer Juden in wichtige Positionen (wie David Friedman), seine ungezügelte Unterstützung für Israel und seine Unterstützung durch Juden, das hängt wohl alles miteinander zusammen. Und die Haltung ggü Israel ist ohnehin das was zählt (> Broder, Netanyahu, Brauer,…). Juden wurden im Gegensatz zu Mexikanern oder Moslems von Trumps Xenophobie ausgespart. Aber es gibt bei ihm und in seinem Umfeld und Anhängern auch die klassische Haltung von Rechten, Israel zu bewundern, mehr als Juden an sich (> Richard Spencer). Trump selbst verachtet hauptsächlich linke, liberale, kosmopolitische Juden, wie George Soros.

Eine Woche nach Abfangen der Briefbomben des Trump-Fans Cesar Altieri an Trump-Kritiker im Oktober 18 das Schuss-Attentat auf die Synagoge in Pittsburgh (11 Tote), durch einen Robert Bowers, dem Trump zu wenig nationalistisch und zu sehr jüdischem Einfluss „ausgesetzt“ ist. Und der Juden (Organisationen wie HIAS) für nicht genehme Einwanderung verantwortlich macht. Sechs Monate später heuer dann ein ähnlicher Anschlag auf eine Synagoge in California, der Attentäter (auch ein weisser rechter Amerikaner) bezog sich dabei auch auf den Attentäter von Christchurch. In beiden Fällen handelte es sich um Weiss-Rassisten, die Juden nicht aussparten in ihrem Hass. Manche, die bei der Gewalt in Charlottesville oder Christchurch oder zu Trumps weissen Nationalismus mit den Achseln zuckten, waren nun (erst) entsetzt (über rechte Gewalt)93. Jüdische Vertreter aus Pittsburgh warfen Trump in einem offenen Brief vor, eine Mitverantwortung für den Anschlag zu tragen. „In den vergangenen drei Jahren haben Ihre Worte und Ihre Politik eine wachsende weisse nationalistische Bewegung ermutigt“. Trump wies die Vorwürfe vehement zurück und bezichtigte wiederholt die kritisch über ihn berichtenden Medien, Hassgefühle zu schüren. Die israelische Regierung und die grossen jüdischen Organisationen verteidigten Trump, dieser habe nichts mit dieser Gewalt zu tun.

Auf Trumps Vorgänger Barack Obama gab es bekanntlich viele rassistische Angriffe, nicht zuletzt auch von Israel-Freunden. Gegen ihn haben Zionisten und Weiss-Rassisten gehetzt, jeder für sich, manchmal zusammen, beide aus Unbehagen über einen Afro-Amerikaner als Präsident der USA. McCain warf Obama vor, die “Rassismus-Karte” auszuspielen. Das “birther movement”, das behauptet(e), dass Obama nicht in der USA geboren sei, stellt rassis(tis)che Feindseligkeiten als Motivation zT in Abrede, steht zT dazu. Birther leader Orly Taitz ist eine Jüdin aus Sowjet-Moldawien mit Israel-Verbindung.94 Daniel Pipes verbreitet(e) Verschwörungstheorien mit, dass Obama insgeheim Muslim sei. Auch Donald Trump gehört zu den „Skeptikern“.95 Obamas Gegenkandidat von 08, John McCain, hat Obama, als “Hamas-Favoriten” bezeichnet. Er dagegen wäre als Präsident der “schlimmste Alptraum” der islamistischen Palästinenserbewegung Hamas. In Wahrheit ist es umgekehrt…was die radikalen Kräfte im Islam benötigen ist ein Feindbild und als solches wäre McCain als “würdiger” Nachfolger Bushs natürlich weitaus passender als Obama. Die unsinnigen Aussagen und Ziele McCains (“Bomb, bomb, bomb Iran”) waren genau das, was im “Nahen Osten” hilft, gegen den Westen zu polarisieren, was den Islamismus verstärkt. Beim Tod McCains 18 würdigte Netanyahu ihn als „grossen amerikanischen Patrioten und grossen Unterstützer Israels“. Quelle seiner “anhaltenden Unterstützung für den jüdischen Staat” seien McCains „Glaube an Demokratie und Freiheit“ gewesen…

Glenn Beck, rechter Kommentator, warf Obama “anti-weissen Rassismus” vor, unterstützte dessen Gegner (zB die „Tea Party“-Bewegung). Der christliche Zionist (trat vom Katholizismus zum Mormonentum über, und von CNN zu Fox) dichtet eine Verbindung von Islam und Kommunismus zu einer „neuen Weltordnung“. Die Vorzugsbehandlung Israels durch die USA wurde unter Obama etwas gelockert, alles in allem hat bei ihm gegenüber Israel dann doch das Appeasement dominiert. Aber, und auch trotz Obamas “taktvollerem” Auftreten in Yad Vashem (verglichen mit Trump96), hält sich die überwiegende zionistische Feindseligkeit ggü Obama (und die positive Einstellung ggü Trump). US-amerikanische Werte waren nie universalistische, Teile der Bevölkerung der USA wurden oft als “unamerikanische Elemente” (für den KKK wie für den Mainstream) gesehen (ob “Neger”, “Indianer” oder Kommunisten, lange auch Katholiken oder Juden). “Der Weltpolizist und globale Richter verstösst im eigenen Land immer noch gegen jene menschenrechtlichen Prinzipien, in deren Namen er seine Interessen weltweit so brutal durchsetzt.”97 Die WASP-Vorherrschaft in der USA wurde spät herausgefordert, ist nun im Schwinden (Einwanderung und Aufstieg Anderer), wenngleich noch vorhanden (grosse Teil der Eliten,…). “WASP” schliesst („alteingesessene“) nicht-britische Nordwest-Europäer, Iren oder auch Juden manchmal mit ein. Für Samuel Huntington war WASP-Hegemonie das, was die USA ausmacht. Er hat Südamerika und Osteuropa klar von seiner Definition des “westlichen Kulturkreises” ausgeschlossen, auch Israel und Japan, sogar bei den katholischen Ländern Europas tat er sich schon schwer.

Juden werden im amerikanischen Mainstream heute überwiegend als “Weisse” gesehen, sie selbst sehen sich dort auch teilweise so. Wobei gut 80% der etwa 8 Millionen amerikanischer Juden Aschkenasen sind. Der amerikanische Rabbiner und Aktivist Michael Lerner (relativ liberal): “Jews can only be deemed white if there is massive amnesia on the part of non-Jews about the monumental history of anti-Semitism”. Und: “In America, to be ‘white’ means to be the beneficiary of the past 500 years of European exploration and exploitation of the rest of the world”. Der afro-amerikanische Aktivist Cornel West: “I think that antisemitism has proven itself to be a powerful force in nearly every post of Western civilization where Christianity has a presence.” Der „racial realist“ Samuel J. Taylor (Journal „American Renaissance”) und sein Kreis sind sich über Juden (und ihren Nutzen fur weisse nordische Rasse) noch nicht einig/schlüssig. Lawrence Auster (blog “view from the right”), Cousin von Autor Paul, vom Judentum zum Christentum übergetreten, wettert gg Einwanderung in die USA und arbeitet bei der Kampagne für eine weisse USA mit allen Möglichen zusammen, attackiert andererseits jene Rechte die ihm nicht antiislamisch genug sind oder aber wo ihm „Antisemitismus“ auffällt. Wurde für seinen Rassismus sogar vom frontpagemag(azine) rausgeworfen.

IT-Troll Carl Benjamin alias “Sargon of Akkad” macht auf Youtube für seine Hunderttausenden Zuseher rassistische, sexistische Hetze. Der Engländer deklariert sich als “klassischer Liberaler”, aber nur um weissrassistische Inhalte weiss zu waschen. Der “Alt-Right-Bewegung” steht er eigentlich nahe, ist aber anscheinend auf persönlicher Ebene mit Richard Spencer verfeindet, verbreitet die Verschwörungstheorie wonach dieser “kontrollierte Opposition” sei.98 Carl of akkad ist ein Rechtsextremer, bei dem Israel und Juden weder Freund noch Feind sind; er wird auf Aynrand promotet. Auch bei seinen Kollegen Pat Condell oder Stefan Molyneux99 ist Westen etwas Weisses, ist auch der Feminismus ein Gegner, wird Trump unterstützt, über “Zensur” und die “herrschende Geisteshaltung” gejammert. Ben Shapiro (“truth revolt”,…) versucht, Anliegen der Juden und Zionismus mit diesen (anderen) rechten Anliegen zusammenzuführen (nicht unähnlich Broder).

Die Wahl von Trump ins White House 2016 löste bei vielen zionistischen Lobbyisten in der USA und anderswo und rechten Israelis Euphorie aus, die weitgehend bis heute angehalten hat. Trotz Trumps Isolationismus-Ansätzen und trotz anderen Trump-Fans wie jenen die im November 16 in Washington den Wahlsieg mit „Hail Trump” und Hitler-Gruss (s.o.) begrüssten. In der Trump-Regierung gibt es mehrere Richtungen/Einflüsse, Widersprüche gibt es v.a. zwischen den früher von Steven Bannon angeführten Nationalisten und den von Jared Kushner geführten “Zentristen”. Trumps jüdischer Schwiegersohn Kushner (seine Eltern wanderten aus der SU in die USA ein) ist sein Berater, hauptsächlich für “Nahost”.100 Bei Kushner laufen, wenn man so will, die Fäden zwischen Trump, Netanyahu, al Saud zusammen, ihm gelang es, die “Nahost”-Politik Trumps in die gewünschte Richtung zu lenken.

Auf die Frage, ob die Palästinenser völlige Freiheit von Israels Regierung und Militär erwarten könnten, antwortete Kushner mit Zweifeln an deren diesbezüglichen Fähigkeiten – nicht mit Zweifel an Israels Willen, so etwas zuzulassen. Kushner, der an einem „Nahost-Friedensplan“ arbeitet, stellte sein “Team” sorgfältig zusammen, hauptsächlich Jason Greenblatt als Sondergesandter (inzwischen zurückgetreten) und David Friedman als USA-Botschafter für Israel.101 David Friedman ist ein rechtsgerichteter Hardliner, steht mit seinen Positionen zum “Nahost-Konflikt” (Besatzung und Widerstand) der israelischen/zionistischen Rechten nahe, ist Siedlungs/Besatzungsbefürworter102, verglich liberale Juden mit den Kapos aus den Nazi-“Konzentrationslagern”; seine Tochter ist nach Israel eingewandert (Wie gesagt, Israel betrachtet Juden weltweit als Israelis im Wartestand). Netanyahu erfreut: „Ein Freund Israels“. Das passt zu seiner Rhetorik (und jener im Diskurs), sachliche Kritiker sind „Feinde Israels“, „Israelhasser“,… Und, wer hier Identitäten, Lobbyismus, Loyalitäten,… thematisiert, ist ein „Antisemit“.

Etwas gänzlich Neues ist das ja nicht. Netanyahu hat jedenfalls Kushner als Bestimmer US-amerikanischer Politik bezüglich Israel/Palästina, der kann einen “Friedens-Prozess” beaufsichtigen, unter dem Israel seine Kolonialisierung von Rest-Palästina vollenden kann. Es gab Trumps Entscheidung zu Hauptstadt bzw Botschaft, Ausstieg aus der UNESCO wegen Israel (s.o.), den Ausstieg aus dem Iran-Atomdeal, neue Sanktionen gegen Iran, Drohungen, verbunden mit einer Verstärkung der Unterstützung von Saudi-Arabien,…103 Trump hat auch angekündigt, die USA sollten die Souveränität Israels über die Golan/Jawlan-Höhen anerkennen, die auch seit 1967 besetzt gehalten werden. Offiziell ist Trump für eine Zweistaatenlösung in “Nahost”, arbeitet sein Kushner an einem “Friedensplan”. Israels rechtsextreme Justizministerin Ajelet S(c)haked hat den von Trump angekündigten “Friedensplan” als „Zeitverschwendung“ bezeichnet. Netanyahu ist da diplomatischer, geniesst und schweigt.

Tony Judt: „Zu sagen, dass Israel und seine Lobbyisten einen übermächtigen und verhängnisvollen Einfluss auf die Politik der Supermacht haben, ist eine faktische Aussage. Doch wenn man sagt, dass ‚die Juden‘ Amerika kontrollieren, um ihre Ziele zu erreichen, begibt man sich auf das Feld des Antisemitismus“. 2003 ein differenzierter Artikel aus der indischen Teitung “The Hindu” über die jüdische Israel-Lobby in der USA…”AIPAC and the AJC are powerful, but they do not determine U.S. foreign policy. They are powerful not just because of their money, but because their views converge with those of the neo-conservative elements who dominate the ruling coalition in Washington.” Israel ist 1967 für die USA wichtig geworden, und eher aus aussen- als innenpolitischen Gründen, weil es als strategischer Verbündeter gesehen wird. AIPAC rennt mit Vielem in Washington offene Türen ein. Eine wichtige Rolle in diesem Lobbying spielt Sheldon Adelson. Der 80-jährige US-amerikanische Glücksspiel-Tycoon Adelson, ein Netanyahu-Freund, hat bei den letzten 2 USA-Präsidenten-Wahlen tief in seine “Taschen gegriffen” um den für Israel günstigsten Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, 12 Romney bzw Gingrich, 16 Trump.104 2012 hat er erfolglos über 90 Millionen US-Dollar “verzockt”, in dem er zweimal auf die falschen Pferde setzte; zuerst war es Newt(on) Gingrich, dann Mitt Romney. Gingrich sprach in den Vorwahlen der Republikaner auch von den Palästinensern als „erfundenem Volk“ (# Hassrede).

Der einzige Kandidat in den RP-Vorwahlen 12, der kein Klon von Romney war, ihm in entscheidenden Punkten kontra gab, war Ron(ald) Paul. Ron Paul wird gelegentlich versucht, “Antisemitismus” anzuhängen, während etwa Gingrich für seine Aussage(n) eher gefeiert wird. Das ist eine Schieflage, um die es in diesem Text geht. Für die US-Wahl ’16 stellten sich “Jeb” Bush, Chris(topher) Christie, John Kasich und Scott Walker bei Adelson in Las Vegas anlässlich einer Tagung der Republican Jewish Coalition vor, wurden dort von Adelson und Konsorten im Hinblick auf ihre Israel-Gesinnung auf Herz und Nieren geprüft. Adelson setzte dann ja auf Trump. Der Präsident der Zionist Organization of America (ZOA), Morton Klein, unterhält enge Verbindungen zu Adelson und Netanyahu, und hat Einfluss auf die Trump-Regierung. Es heisst, Klein war beteiligt an der Ernennung von John Bolton (auch schon unter Bush tätig und ein grosser Israel-Freund) als Trumps Sicherheitsberater bzw an der Entlassung von dessen Vorgänger McMaster (wegen “antiisraelischer” Haltung…).

In Israel hilft Adelson Netanyahu zB durch die kostenlose Hetz-Zeitung “Israel HaYom” und natürlich beim Bau weiterer Siedlungen in Ost-Jerusalem, Westjordanland und Golan/Jawlan. Im Endeffekt geht es dabei um ethnische Säuberungen, aber schaut schön aus, wenn zB in der Siedlung “Ariel” (die ab 1978 entstand, auf enteignetem landwirtschaftlichen Land der Palästinenser aus umliegenden Dörfern wie Salfit) der Grundstein für eine medizinische Universität gelegt wird, mit Geld von Adelson und im Beisein von Netanyahu105. Adelson und Andere zahlen zwar Milliarden Dollar für Pro-IL-Lobbying (also gegen Palästinenser-Menschenrechte, Frieden in der Region), kaufen Macht und Einfluss, die meisten (jüdischen und anderen) “Beteiligten” (zB bei CAMERA, MEMRI) arbeiten aber nicht wegen Geld mit sondern aus Fanatismus bzw Ideologie (Zionisten, Evangelikale,…), und das Geld fliesst eigentlich in die Gegenrichtung (Unterstützung IL durch USA).

Die Neokonservativen wurden unter Bush junior bzw nach den Anschlägen in der USA 2001 mächtig. Paul Wolfowitz, Richard Perle, Douglas Feith, William & Irving Kristol, Eliot Abrams, Charles Krauthammer, Norman Podhoretz,… sind hier zu nennen. Die Genannten sind Juden, Intellektuelle, kamen in den Umkreis der Macht bzw zu Einfluss, sind miteinander befreundet, versuch(t)en, die Politik der USA zu beeinflussen, im Sinne des Krieges gegen Irak 03, für einen gegen Iran, für eine Rolle der USA als Weltpolizist (mit ungleichen Regeln),… Eliot Abrams zu Bush: “Sie haben die enorme Verantwortung, einen neuen Holocaust zu verhindern. Sie sind der Einzige, der den Mumm hat, das zu tun”. In der zionistischen Rhetorik geht es normalerweise um “Sicherheit”, um das “Verhindern einer Vernichtung”, et cetera. Wenn es um die Absicherung der Eroberungen und Annexionen Israels von 1967 geht.

Krauthammer, der mit für den Irak-Krieg trommelte, wollte später kein Neokonservativer (Neocon) mehr sein, dieses label(ing) sei „antisemitisch“ (geworden); er attackierte Obamas Aussenpolitik als eine „des Rückzugs“, dieser sei feindselig ggü Israel und Netanyahu. 2012 bestritt “Daily Beast”-Blogger Ali Gharib eine Konflation von Neokonservativismus und Jüdischkeit; Neokonservativismus sei eine amerikanische (“imperialistische”), nicht eine jüdische Bewegung/Ideologie, auch wenn eine Handvoll Juden dabei seien; nannte wichtige nicht-jüdische Konservative wie Daniel Moynihan und Jeane Kirkpatrick, sowie Juden die die Dinge anders sehen, wie Dov Zakheim. Die Juden unter den Neocons würden aber gerne von jenen hervor gehoben, die Kritik an diesen als “antisemitisch” diffamieren würden. Die “Feinde der USA” und “Israels” bzw deren Interessen stimmen in den Augen der Neocons über ein. Relevant dazu ist auch das Buch von Stephen J. Sniegoski: The Transparent Cabal: The Neoconservative Agenda, War in the Middle East, and the National Interest of Israel (2008).

Die Neokonservativen der ersten Generation waren ehemalige Linke, die in den 1960ern und 1970ern nach rechts drifteten; einige waren für das AJC-Organ “Commentary” tätig, wie Norman Podhoretz. Die “Sorge” für Israel spielte eine Rolle (auch) bei diesem Rechtsruck. Es heisst, die Neocons (auch Bolton kann als solcher gesehen werden) lesen gerne Machiavelli, bewundern Churchill, lesen die Geschichte anhand des “Scheiterns” der 1930er (Appeasement, Hitler) und des “Erfolgs” der 1980er (“Fall” der Berliner Mauer, Implosion Ostblock)…Gedanke dazu: gleich 2x Deutschland, und die meisten Deutschen die Hitler einst dienten (nicht nur jene wie Franz J. Strauss, die in der BRD mächtig wurden) mussten sich gar nicht viel verbiegen, um gleich darauf wieder gegen „den Russen“ zu sein, gegen „die Teilung“, gegen die Mauer, usw. Der frühere Neocon (oder Neocon-Unterstützer) Francis Fukuyama kritisierte Krauthammer 2004 scharf, in einem Essay mit dem Titel “The Neoconservative Moment”, der sich hauptsächlich um den Irak-Krieg drehte, das Nicht-Auffinden von Massenvernichtungswaffen nach der Invasion dort. Krauthammer zog es dann vor, seine eigenen Behauptungen über MVW im Irak “unter den Teppich zu kehren”; Fukuyama nannte er einen “Antisemiten”

Einschub: Der „Antiamerikanismus“-Vorwurf in Europa, hauptsächlich im deutschsprachigen Raum. Andrei Markovits, der auch ein Buch darüber geschrieben hat, schrieb von einem „Tandem von Antisemitismus und Antiamerikanismus“. Nun, zumindest ist der “Antiamerikanismus”-Vorwurf eng verbunden mit jenem des “Antisemitismus”. Es geht Markovits, Broder, Joffe, Grigat,… aber um eine bestimmte USA; sie haben zB nie bei (sehr oft rassistischen) Angriffen aus Deutschland auf den US-amerikanischen Politiker Barack H. Obama (Staatspräsident 2009-17) das Wort erhoben, im Gegenteil. Es war in den Bush-Jahren (01-09), als Unterstellungen des  „Antiamerikanismus“-Unterstellungen besonders wucherten. Und als eine “Westlichkeit” erfunden wurde, die Faschismus, Kommunismus wie Islamismus trotze. Die „Transatlantiker“ in Deutschland wurden quasi die Anti-Antisemiten, egal welches Erbe (politisch, familiär) sie in Wirklichkeit vertreten. “Schiedel“/Peham: „Die Positionierung zu den Alliierten zeigt bis heute Nähe oder Distanz zum NS“.106

Für Deutschland spielt(e) es keine Rolle, dass Schwarze (Afro-Amerikaner) in den US-Südstaaten auch nach der Befreiung Europas von Hitler in den Bussen hinten sitzen und sich ihr Wahlrecht erkämpfen mussten. Und, die USA konnte nach diesem Krieg auf NS-Errungenschaften wie Gehlens Unterlagen zur Sowjetunion oder von Brauns Raketenarbeit bauten. Im Agana-Artikel wurde auch thematisiert, dass es vorkam, dass (nazi)deutsche Kriegsgefangene von US-Amerikanern besser behandelt wurden als Afro-Amerikaner, auch solche die in Europa gegen Hitlers Heer kämpften. Felix Steiner, aus Ost-Preussen, kämpfte im 1. und 2. WK, war Mitglied von NSDAP, SA, SS (baute letztere mit auf), war an der Besetzung der Tschechoslowakei beteiligt; er wurde dafür bekannt dass im März 45 Hitler und andere Nazi-Führer falsche Hoffnungen auf ihn setzten, Berlin und das Reich bzw das Regime noch zu retten (er wurde am 27. 4. seines Kommandos enthoben, paar Tage nach dem Hitler das Ende eingesehen hatte). Er kam im Mai in US-Kriegsgefangenschaft Mai, blieb dort bis 48; und arbeitete dann für die CIA. Die Abgrenzung, die er zu NS-Verbrechen vornahm, sollten dazu dienen, Wehrmacht und Waffen-SS zu rehabilitieren.

Henry Ford, Charles Lindbergh oder George Patton waren nicht nur antikommunistisch, sondern auch antijüdisch und, bis zu einem gewissen Grad „nazifreundlich“. Um welche USA geht es also? Samuel Huntington oder Ann Coulter sind geachtete Referenzfiguren der Islamophobie; Huntington hat aber Israel von seiner Definition des Westens ausgenommen, Coulter gilt als antijüdisch. Der ehemalige texanische Gouverneur Richard Perry ist einer der RP-Politiker, die nicht an Klimawandel und an die Evolutionstheorie glauben, die Homosexualität scharf ablehnen, den Evangelikalen nahestehen, liberal nur beim Waffenrecht sind,… Es ist anzunehmen, dass Perry auch Pro-Israel ist, man könnte es recherchieren, Leute aus diesem Milieu sind es für gewöhnlich. Was solche Amerikaner ggü nicht-weissen Amerikanern für Einstellungen haben, ist Typen wie Marco Schreuder (“Regenbogen-Zionisten”) egal, aber das andere Illiberale an ihnen anscheinend auch. USA-Politik zu kritisieren, fällt (oft) unter “Antiamerikanismus” (und damit glz unter „AS“), aber nicht jene, die tatsächlich oft rassistisch motiviert ist, an Obama oder Jesse Jackson…

Netanyahu hat einmal gesagt, die Clinton-Regierung sei extrem pro-palästinensisch gewesen; was viel über seine Massstäbe aussagt, unter Clinton und zT auch noch Bush hat die USA bezüglich Israel/Palästina eine unparteiische Rolle eingenommen bzw vorgemacht. Bernard-Henri Levy brachte damals mit Michel Friedman ein Buch heraus, mit der Aussage “USA-Kritik=Antiamerikanismus=Antisemitismus=Rechstextremismus”. Und die “Anti”deutschen damals… Robert Kurz: “Die antideutschen Kriegshetzer und ihre nützlichen Idioten … wollen die Kritik an der US-Militärmaschine … mit dem Odium des rechten, völkischen Antiamerikanismus versehen, und dazu paßt, daß sie die Linke und die Antikriegsbewegung in den USA ebenso maßlos denunzieren wie die Bewegungen in Europa. Sie stellen nur das seitenverkehrte Spiegelbild des völkischen Antiamerikanismus dar, indem sie die unmittelbare positive Identifikation mit dem Gewaltapparat der letzten Weltmacht verlangen und der US-Gesellschaft, deren Internierungsquote von sozialer Delinquenz mittels Knast und Straflagern heute höher ist als diejenige der Sowjetunion zu Stalins Zeiten, einen ‘zivilisatorischen Vorsprung’ bescheinigen. Auch die Amerikaner ‘dürfen’ nicht antikapitalistisch, sondern sollen bloß ‘antideutsch’ sein.”

Als Obama ins Weisse Haus kam, konnte (und wollte) man nicht mehr Kritik an US-amerikanischer Politik (im aktuellen wie historischen Kontext) als „anti-amerikanisch“ klassifizieren und von dort elegant die „Verbindung“ zum „Antisemitismus“ herstellen. Norbert Hofer von der FPÖ107 sagte anlässlich der Kopenhagener Klimakonferenz 09: “Das [“Scheitern” der Konferenz] verdanken wir einem ehemaligen Hoffnungsträger der Politik, dem Herrn Barack Hussein Obama, der beschlossen hat mit asiatischen Freunden, den gesamten Klimagipfel scheitern zu lassen – eine grosse Enttäuschung”. Sein zweiter Vorname “Hussein” wurde von seinen Gegnern besonders gerne betont. In einer TV-Doku über israelische Siedler-Rowdys sah man Leute über den “Antisemit Hussein Obama” reden, und über “Druck aus Washington” (bzgl der Siedlungen) klagen…ui, antiamerikanisch. Schmutzkübel auf Obama kamen/kommen gerne mit einem Mix aus Bezügen auf seine afrikanisch-moslemische Herkunft und Verdächtigungen seiner innen- und aussenpolitischen Politik, die sich daraus ergäbe > bereits in Vorwahlen von seiner parteiinternen Konkurrentin Hillary; manchmal auch ganz vulgär oder mit Verschwörungstheorien über seinen Geburtsort, usw.

USA-Kritik zu Bushs Zeiten, zu Obamas Zeiten… John Kerry (teilweise jüdischer Herkunft) war Bushs Gegenkandidat 04, dann Obamas Aussenminister (Nachfolger von Hillary Clinton). orf.at schrieb zu einem Kerry-Kommentar zur Siedlungs-/Besatzunsgpolitik Israels: “Kerry geiselt Israel”. Hm, wer ist jetzt Anti-USA? Und wie war das mit den “Antiamerikanismus”/”Antisemitismus”-Behauptungen, zu Bush-Zeiten? Ein Osten-Sacken schwärmte damals von Sarah Palin von der Tea Party. Und dann kam Trump… Bekennende Rechte waren/sind für ihn, Solchen gefällt zB wie er nach Aussen mit Mexico umspringt und im Inneren mit “Latinos”. FPÖ-Chef Strache war samt Delegation Anfang 17 bei Trumps Amtseinführung in Washington; Mölzer ist pro Trump wegen dessen „Einwanderungspolitik“. Es wird versucht, USA-Kritik über den „völkischen Antiamerikanismus“ zu diffamieren, aber Mölzer oder Strache sind eh pro Trump. Die FPÖ hat Huntington dezidiert Recht gegeben bzw Bezug genommen auf ihn, in einem Programm 08.

Der damalige CSU-Chef Horst Seehofer schwärmte, Trump setze „mit Konsequenz und Geschwindigkeit“ seine Wahlversprechen Punkt für Punkt um. „In Deutschland würden wir da erst mal einen Arbeitskreis einsetzen, dann eine Prüfgruppe und dann noch eine Umsetzungsgruppe“. Marine Le Pen machte sich nach Trumps Wahl fast in die Hosen vor Freude, tweetete dass die Amerikaner nun (wieder) “frei” seien. Von rassischer Gleichheit? Geert Wilders gratulierte den Amerikanern dafür, ihr Land zurückgewonnen zu haben… Viktor Orban schrieb, dass Trumps Sieg zeige dass die Demokratie “noch am Leben” sei. Auch die AfD verteidigte Trump, es werde von ihm ein “einseitiges Bild in Medien gezeichnet”…Hier wäre auch interessant, was macht er denn gut (in ihren Augen)? “Weltwoche”-Chefredakteur Roger Köppel ereiferte sich in einem Gastkommentar für “Die Welt”: “Gab es das schon mal? Noch nie seit Journalistengedenken wurde ein demokratisch gewählter Regierungschef derart angefeindet, geradezu kriminalisiert von seinen Gegnern”. Auch Salvini, Bolsonaro, Sarrazin, Broder,… waren/sind unter den Trump-Verstehern. Merkel kam ggü Trump, wie man es von ihr gewohnt ist, mit Appeasement; ähnlich Sebastian Kurz (s.o.). Kritik am US-Präsidenten wurden ab nun wieder als “antiamerikanisch” verteufelt. Es gibt jene, die erst dann ein Problem mit Trump haben, als der ankündigt, die Rechte von Transsexuellen einzuschränken…

Über Steve King oben bereits etwas; King wurde von der FPÖ-Plattform Unzensuriert.at interviewt. Er stimmte mit dem Interviewer überein, dass ein “Great Replacement” im Gange sei, das zur Vertreibung weisser Europäer führen soll. John Schmitz war ebenfalls ein republikanischer Abgeordneter im Repräsentanten-Haus, nicht nur in der antikommunistischen John Birch Society aktiv, sondern auch für das Institute for Historical Review, das den Holocaust leugnet. Jene Deutschen/Österreicher, die sonst bei USA-Kritik die “Nazi”- oder “AS”-Keule schwingen, bleiben bei solchen Fällen ruhig. Und wenn King ein evangelikaler Israel-Freund wäre, wären seine anderen Positionen auch kein Problem. Der Grieche Konstantinos Plevris, ein rechtsextremer Intellektueller, war in verschiedenen Parteien aktiv (die er zT selber gründete), die auch judenkritisch/antijüdisch waren/sind…und arbeitete mit der CIA zusammen; also ist er OK? Auch hier zeigt sich, dass die Realitäten bzw Fronten “etwas” komplexer sind: www.heise.de/ix/artikel/Suendenfall-794636.html , Zum Tod des Hackers Karl Koch.> unter den Kommentaren: „Clifford Stoll ist zu bewundern. an Robin Hood Märchen glaube ich nicht. Karl Koch war ein Junkie und Vaterlandsverräter.“ Ein “Vaterlandsverräter” wie Stauffenberg.

Gerade Dixie-Rednecks108 unter US-Amerikanern, also die Stammklientel der Republikanischen Partei, wettern über die “Ostküste” (also den Nordosten der USA), die so liberal und so mächtig sei. Manche Speichellecker dieser Republikaner in Europa sehen trotzdem einen Gegensatz zwischen diesen Rednecks und den hiesigen Lamentierern über die Ostküste… Trump hatte im Wahlkampf 16 harte Attacken gegen “das System“ geritten, womit er die Verquickung von Politik- und Finanzelite meinte. Der Westismus broderscher Art hat ja eine starke antikommunistische Komponente. Wobei es auch hier innere Widersprüche gibt. Kardinal Jozsef Mindszenty etwa, der sich nach der ungarischen “Revolution” 1956 in die USA-Botschaft in Budapest flüchtete, und 1971 ausreisen konnte, war sehr pro-amerikanisch…und wurde beschuldigt, antisemitisch bzw ein Nazi-Kollaborateur (gewesen) zu sein.109 Lustig wird das mit der “Antisemitismus”-Opfer-Keule auch in der Rosenberg-Sache, weil es hier ja gegen die USA geht und weil der Kommunismus nicht entlastet werden darf; ausserdem war der Staatsanwalt im Prozess der McCarthy-Mitarbeiter Roy Cohn (wahrscheinlich homosexuell, und in späteren Jahren Trump-Anwalt), also Jude, wie auch der Richter. Der rechts-esoterische Kopp Verlag (Ulfkotze, Eva Herman, Elsässer,…) rechnet gerne mit Linken ab, zB über Islamisierungs-Behauptungen, bringt Bücher über “freie Waffen” (Ratgeber, “Selbstverteidigung”), ist aber auch gg USA-Dominanz.

Für den Rechtsextremismus und Faschismus in Grossbritannien war früher das Verhältnis zu Juden und Deutschen “entscheidend”, heute zu Moslems und anderen Zuwanderern, was sich zT überschneidet, da die meisten Moslems in GB aus dem südasiatischen (“indischen”) Raum kommen, was neben der Karibik des Haupt-Herkunftsgebiet der Einwanderer ist. Es gibt/gab Entwicklungen die jenen andernorts ähneln. Vorurteile/Abneigungen gegen Juden oder Schwarze wurden zunehmend inakzeptabel, Moslems wurden “das Andere” bzw Ausgrenzungen (wie “Paki-bashing”) wurden eher aus religiösen Gründen statt aus rassischen argumentiert. Wobei hier parallelgesellschaftliche Strukturen und Anschläge wie jener in London 05 natürlich auch eine Rolle spiel(t)en… Die National Front (NF) fordert “Keep Britain white”, womit sie  in doppelter Hinsicht am Zionismus andockt: Zum Einen die bösen Antisemiten dort draussen lassen, ausserdem eine Parallele zu “Keep Israel jewish” (was etwa 90% der jüdischen Israelis unterschreiben würden) > einen Antagonismus zwischen diesen und jenen herstellen; eine Bedrohung dieser “Reinheit” in den Raum stellen, aus der ggf eine “Bedrohung der Existenz” wird. Die British National Party (BNP) ging aus der NF hervor, war früher stark antijüdisch (“antisemitisch”), jetzt antimoslemisch; akzeptiert Weisse nicht-britischer Herkunft als gleichrangig, wenn sie in einer der britischen Ethnien assimiliert sind, glaubt an rassische Unterschiede, arbeitet zB mit antimoslemischen Sikh-Gruppen zusammen.

Die English Defence League (EDL) entstand 09 aus dem Milieu/Umfeld der BNP und NF, umfasst auch protestantisch-britische Terroristen aus Nord-Irland sowie Fussball-Hooligans, hat auch den Focus auf Antiislam. Der eine Führer ist Paul Ray (Breiviks „Vordenker“, „selbsternannter Wiederbeleber des Kreuzrittertums), der andere “Tommy Robinson” (Stephen Yaxley-Lennon). Die EDL ist “trotz” ihres Neonazicharakters (den sie trotz ihres seriösen Anstrichs hat) zionistisch, projüdisch und hat viele jüdische Verbündete und Witwirkende, wie Pamela Geller (die die Verbindung zur Tea Party ist), Rabbi Shifren (aus USA, ein Kahanist), Roberta Moore aus Brasilien. Anti-Islam-Aufmärsche mit Hitlergruß und israelischen Flaggen… Die EDL unterhält auch Kontakte zu den “Anti”deutschen. Im 2. WK war die British Union of Fascists (BUF) von Oswald Mosley aktiv, auf der Seite Hitler-Deutschlands. Vidal Sassoon, britischer Jude, Friseur-Unternehmer, gehörte damals zu einer militanten antifaschistischen Organisation, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die BUF engagierte; und nahm auf zionistischer Seite (Haganah) am Ersten Arabisch-Israelischen Krieg (1948) bzw der Nakba teil. In späteren Jahren engagierte er sich als Gründer u. a. des Vidal Sassoon International Centre for the Study of Antisemitism an der Hebräischen Universität Jerusalem (Wistrich, Küntzel…), das den AS-Diskurs im zionistischen Sinne zu lenken versucht.

Australiens Premier John Howard sprach gerne vom “jüdisch-christlichen Erbe”; gegenüber den Aborigines hat er zB die 1967 errungene Bundes-Vollmacht für Aborigines-Angelegenheiten gegen sie ausgelegt, bei Bauvorhaben. Auch seine Flüchtlings- und Einwanderungspolitik war im Sinne des weissen Australiens. Dass die Aborigines weitgehend christianisiert und anglisiert sind, hilft ihnen da nicht. 2006 hat die israelische Botschafterin in Australien, Naftali Tamir, gesagt dass Israel und Australien wie Geschwister seien, beide lägen in Asien und ihre Einwohner hätten nicht die asiatischen Charakteristiken von “gelber Haut und Schlitzaugen”, sondern gehörten der “weissen Rasse” an. Das ist der ewige innere Widerstreit des Zionismus, sich als “Kolonialisten” oder doch als “Eingeborene” verstehen, lieber Weisser oder Aborigine, Westler oder Orientale, Landser oder Partisane, und das korrespondiert mit den Haltungen von Graumann und Noll zu Sarrazin. In Canada ist ebf. die Rechte (CPC, besonders Harper) proisraelisch, mit ähnlicher Rhetorik/Motiven. Rechtsextreme, also rechts von den Konservativen, versuchen auch dort, mit Pro-Israel (zum Anti-Islam dazu) Mainstream-Akzeptanz zu bekommen; Yves Engler dazu.

Niederlande: Geert Wilders verliess 06 die rechtsliberale VVD, um die rechtspopulistische PVV zu gründen, eigentlich primär eine Partei für Gutverdiener, die möglichst wenig Steuern zahlen wollen. Das Fremdenfeindliche macht sie bei breiteren Bevölkerungsschichten populär, das Philosemitische dient der (nicht zuletzt internationalen) Akzeptanz. Wilders würde nicht offen zu Rasssimus gegen Schwarze stehen, lieber Ablehnung in „Anti-Jihad“ kleiden oder argumentieren, man lehne Frauen- oder Schwulenfeinde ab. Er will ein Verbot des Islams, weil dieser gefährlicher als der Nationalsozialismus sei. Die PVV ist eine der westlichen rechten Gruppen, die nun projüdisch sind bzw im Bündnis mit (gewissen) Juden. Jordanien sei eigentlich Palästina, soll heissen die Palästinenser haben in dem Land in dem sie seit den 1920ern kontinuierlich zurückgedrängt werden, schon gar keine Rechte, höchstens auf Gnade und Almosen.110 Wilders will “Israel” in die EU.

Aber es gibt auch klassisch Rechtes an der PVV, wovon auch die Achse mit der FPÖ zeugt; oder die Forderung nach einem Schächtverbot… Die PVV hat scheinbar kein Nazierbe, doch sie steht in einer Traditionslinie der Rechtsaussen in der NL, die Beachtung wert ist (gerade weil ein Schreuder sich damit lieber nicht auseinander setzen will). Es gibt eine Linie von den Faschisten/ Nazi-Kollaborateuren (hauptsächlich war das die NSB111) über die “Kolonialisten” in Indonesien, Kalten Krieger, bis zu den Rechtspopulisten von LN, LPF (sowie LVF), PVV. Der Reihe nach: Die Frage der Unabhängigkeit Indonesiens (Niederländisch-Indiens), der wichtigsten Kolonie, war rund um den 2. WK ein wichtiges Thema für die Niederlande.112 1958 wurde die Oud-Strijders Legioen (OSL) gegründet, als Abspaltung von der VLN, eine Organisation von Veteranen aus Indonesien sowie Korea; und zwar nachdem die VLN 1956 in Ungarn militärisch aktiv werden wollte.

Die OSL, lange von Prosper Ego geführt, war anti-kommunistisch und pro USA; in den 1980ern organisierte sie Gegenproteste zu jenen gegen die Stationierung von Nuklearwaffen in der NL (einer ihrer Slogans war damals „Liever een raket in de tuin dan een Rus in de keuken“). Und, sie unterstützte die Apartheid-Regime (mit teilweise Kolonial-Charakter) von Südafrika und Israel. Gut, auch wenn man Israel und Südafrika 1948-1994 nicht als Apartheidsysteme sieht, die OSL hat die beiden jedenfalls unterstützt; sie hat auch ein Emblem kreiert aus dem südafrikanischen Springbock, dem Davidstern und dem niederländischen Löwen. Sie gab ein Magazin heraus, “Sta-Vast”, in den 1990ern war Mathieu “Mat” Herben ihr Herausgeber. Herben spielte dann in der Lijst Pim Fortuyn (LPF) eine führende Rolle. Wilhelmus “Pim” Fortuyn war zunächst in der (eigentlich liberalen) Leefbar Nederland (LN) aktiv, nach einem Wahlerfolg in Rotterdam 2002 gründete er eine eigene Partei, die LPF eben. Thematisierte (eigentlich nicht zu Unrecht) islam(ist)ische Hetze gegen Homosexuelle in der NL, formte daraus eine neue Xenophobie bzw Rechtspopulismus, der Zeit entsprechend. Ein Rechtspopulismus, der scheinbar mit den bisherigen Inhalten der Rechten nichts zu tun hatte.113

Kurz vor der Neuwahl 02 wurde Fortuyn ja von einem Tierschützer ermordet. Die LPF bekam auch ohne ihn grossen Zuspruch, wurde zweitstärkste Partei; formte mit der christdemokratischen CDA und der VVD eine Koalition. Mat Herben kristallisierte sich als neuer Frontmann der LPF heraus, wurde aber nicht Teil der Regierung Balkenende I (sondern parlamentarischer Führer der LPF). Interne Konflikte in der LPF liessen die Regierung bald zusammenbrechen und bei der Neuwahl 03 fiel ihre Zustimmung von 17% auf 5,7 (ging in die Opposition). Die LPF (mit Herben als Führer) war nicht leefbar ohne ihren eponymen Gründer, daran änderte auch eine Namensänderung (in LVF) nichts. Sie wurde 08 aufgelöst, die LN bereits vorher. Reste von LVF und LN gingen hauptsächlich in der PVV auf, bzw die Wähler wechselten zu dieser.

Die Fortschrittspartei (FrP) in Dänemark hat sich anfangs auch über wirtschaftliberalen Populismus und Antikommunismus definiert, dann kam Ausländerfeindlichkeit hinzu. Von ihr hat sich 1995 die DF unter Pia Kjaersgaard abgespalten, der Nationalismus wurde mehr, der Libertarismus weniger, infolge des 11. 9. 01 konnte man auch politisch korrekt hetzen (und bekam Auftrieb). Die norwegische FrP (Fremskrittspartiet) unter Siv Jensen und Carl Hagen ist noch etwas prosiraelischer als die DF (die dänische FrP ist in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt). Die proisraelischste Partei ist auch in Norwegen die rechteste. Siv Jensen hat Israel zB im Sommer 08 besucht, auch Sderot, und dort wurde sie, traut man en.wikipedia (bzw den Autoren des Artikels über Jensen) Zeugin (und “Opfer”) eines Hamas-“Raketen”-Angriffs aus dem Gaza-Streifen. Jensen verteidigt “Israels Recht auf Selbstverteidigung”114, will die Verlegung der norwegischen Botschaft für Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Sie ist natürlich auch nur gegen den radikalen Islam115. Jedenfalls hat die Partei, die immer eine Anti-Einwanderungs-Partei war)116, nun auch die Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit politisch korrekt zu vertreten, sich auch noch als Kämpfer für etwas Gutes zu präsentieren.

Die Klimawandel-Skeptikerin Jensen hat Verbindungen zur Henry Jackson Society, ist blond, sauber, “arisch”, und aus einem Land das für Trump das Gegenteil eines Shithole country ist; gut möglich dass Netanyahu, dessen Sohn eine norwegische Freundin hat, das so ähnlich sieht (obwohl das von ihm bekämpfte Abkommen mit den Palästinensern dort ausgehandelt wurde). Während des “Gaza-Kriegs” 08/09 demonstrierte die rechte FrP zusammen mit der christdemokratischen KrF für die israelischen Angriffe Verteidigung. Es gab in Oslo auch Proteste gegen den Krieg sowie gegen die grosse Pro-Israel-Kundgebung im Jänner 09 (mit Jensen). Es gibt einen Artikel auf en.wiki, „2008–09 Oslo riots“, eine Spielwiese für einschlägige Aktivisten auf Wikipedia; natürlich waren die “riots” “antisemitisch”, von Moslems und Linken durchgeführt,…117 > Homosexuellen-Feinde unter norwegischen oder israelischen Rechten… Angesichts des Doppelterroranschlags in Norwegen ’11 mit 77 Toten  bereute Jensen „einzelne Ausdrücke“ die sie zwei Jahre zuvor im Wahlkampf gemacht hatte, etwa von einer „schleichenden Islamisierung“ Norwegens. Unter den Opfern der Anschläge war auch eine Jensen bekannte Person. Die Chefin der dänischen DF, Kjaersgaard, nannte Jensens “Reue” „schrecklich“ und eine „ganz, ganz falsche Entscheidung“.

Anders B. Breivik hat die “Creme” der Islamophobie (Glick, Broder, Pipes, Spencer,…) ganz richtig erkannt. Alles aus seinen Texten findet sich im islamophoben Sumpf, der sich seit 01 breit gemacht hat („neue Türkenbelagerung, neuer Kreuzzug nötig um Abendland zu retten, (kein) Kotau/Kapitulieren vor Moslems, Einsatz der NATO gg serbische Brüder war inakzeptabel, feiges Verhalten der Regierung bei Mohammed-Karikaturenkrise, multikulturelle Gesellschaft schlecht, Eurabien im Entstehen, Koran sollte verboten werden, Geld an Israel statt an Palästinenser, Moslems aus Europa deportieren,…”). Viele redeten wie “Krone”-Jeannee vom “unpolitischen, wirren Einzeltäter118; solche wie Breivik sind “unpolitisch” aber solche wie Amri “politisch”? Eine Zionistin auf youtube schreibt von einem „muslim false flag inside job“, ähnliches deutet auch FPÖ-Königshofer an (“Ciu [sic] bono”), er relativierte auch die Anschläge angesichts einer islamistischen Gefahr. Christian Zeitz (Akademikerbund): „Breivik ist kein Christ“ (aber Jihadisten sind Repräsentanten des Islam…). Andere aus dem rechtspopulistisch-zionistisch-islamophoben Bereich rechtfertigen sich mit „Kann sich Anhänger nicht aussuchen“, „Opfer werden nun für Agenda ausgeschlachtet“ oder „war auch gg uns gerichtet“; Broders selbstgerechte Rechtfertigung in „Die Welt“: Wiederholung seiner Ideen, Breivik hätte seine Taten rational zu begründen versucht, das habe er bei Islamisten gelernt. Aber Küntzel und Andere sind Broder auch beigesprungen, halfen ihm, sich abzuputzen.

Kurz, Jeannee, C. Dichand ’18

Robert Misik in der “taz”: “Ein einzelner Wirrer sei das in Norwegen gewesen, trommeln jetzt die Sprecher rechtspopulistischer Parteien und die Poster in der gut vernetzten islamophoben Bloggosphäre, sinnlos sei es, über so jemandes ‘Motive’ zu sprechen. Klar: Denn ‘die Motive’ der Taten, so wissen wir derweil, das sind genau jene Ideologieversatzstücke, die die österreichischen Freiheitlichen, Rechtspopulisten wie Geert Wilders, ‘Pro Köln’, die norwegische ‘Fortschrittspartei’ und die ‘Schwedendemokraten’ oder Blogs wie ‘Politically Incorrect’ und andere Tag für Tag in die Welt hinausposaunen. Kein Wunder, dass sie jetzt nicht über ‘die Motive’ ihres Gesinnungsfreundes reden wollen.”119 Über Rechte in Schweden (SD, K. Ekeroth,…), Finnland,… liesse sich diesbezüglich auch Einiges schreiben, aber hier gibt’s nur eine Auswahl. Avigdor Lieberman hat vor einigen Jahren als Aussenminister zuerst Schweden, dann Norwegen angegriffen, mit Antisemitismusvorwürfen. Schweden wegen eines Artikels in einer Zeitung über israelische Soldaten in den besetzten Palästinenser-Gebieten, die Organe toter Palästinenser entnommen hätten; die schwedische Regierung lehnte es unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit ab, den Artikel zu verurteilen. Norwegen angesichts der 150-Jahr-Feiern für seinen Schriftsteller Knut Hamsun, wegen dessen Haltung zu Nazi-Deutschland.

“Counterjihad-Konferenz” Brüssel 07; F. Dewinter, A. Eldad/Scheib, D. Littmann; Foto P. Geller; der Vater dieses Eldad war einer der Mörder von F. Bernadotte

In Frankreich gibt es auch die Versuche, das Rechte nicht nur “appetitlich” zu machen, sondern auch das “Unappetitliche” den Anderen umzuhängen… Algerien wurde im 19. Jh wichtigste französische Kolonie; in den 1940ern gab es im französischen Diskurs über Algerien diesen Übergang von der Verbindung aus Nationalismus und Katholizismus zum “freien Westen” (nach dem Krieg, auch wenn es um Kolonialismus ging) – mit der “Zwischenstation” der Vichy-Verwaltung, für die nicht wenige Colons Sympathien hatten. Mit eingeschlossen in diesem Übergang ist jener vom tapferen Nazi-Opfer zum Unterdrücker ausserhalb Europas (bzw: zur 4. Republik); 1954 der Übergang vom Indochina- zum Algerien-Krieg. In der 4. Republik gab es eine recht starke Zusammenarbeit mit dem Zionismus bzw Israel. In dieser Zeit legte auch die Action française ihren Antijudaismus ab.

Alain Finkielkraut (polnisch-jüdischer Herkunft) beklagt u.a. den „widerlichen Diskurs der Selbstkritik bezüglich Sklaverei und Kolonialismus“, den “Verfall westlicher Traditionen” (durch “Multikulturalismus” und “Relativismus”); er verteidigt den Kolonialismus und hat auch ein Problem mit den (christlichen) Schwarzen120 in “Hauptland”-Frankreich bzw in seinem Fussball-Nationalteam. Jean-François Copé, jüdischer Politiker (RPR, UMP, LR) stösst grossteils in selbe Horn, will eine stolze und von Komplexen befreite französische Rechte (verkörpern); was ihn auch zum entschiedenen Gegner der Einführung der Homosexuellenehe macht. Es gibt weitere Intellektuelle und Prominente in Frankreich, die auf dieser Welle unterwegs sind, darunter der bereits genannte BHL und Ex-Linke wie Pascal Bruckner (der den Westen vor Moslems und selbsthassenden “Westlern” retten möchte).

Die Front national (FN), seit 2018 Rassemblement national (RN), hat um 2010 die Wendung vollzogen, zu proisraelisch, philojüdisch, antimoslemisch121, Nationalismus neu definieren, Homosexuelle oder Juden ggü Moslems in Schutz nehmen,… Das war in der Endzeit von Jean-Marie Le Pens Führerschaft und am Beginn der seiner Tochter. Bezüglich der deutschen Besatzung von Frankreich (1940-44) wusste die FN ja lange Zeit nicht, wie sie sich positionieren sollte, wegen État français, Kollaboration und so. Jean-M. Le Pen verglich nun Moslems in Frankreich mit der deutschen Besatzung. Übrigens: Daniel Schwammenthal hat 03 darüber gejammert, dass Frankreich unter Jacques Chirac nicht am Irak-Krieg teilnahm, höhnte dass Chirac statt Bush oder Sharon normalerweise korrupte afrikanische Diktatoren empfinge. Wenn Frankreich seinen Einfluss in Afrika aufgäbe, wäre das zum Vorteil dieser Länder, man muss nur an den Sturz von Laurent Gbagbo in der Côte d’Ivoire 2011 denken.

Silvio Berlusconi, Herrscher über das Mediaset-Imperium und die Forza Italia (und damit gut 10 Jahre mit Unterbrechungen Ministerpräsident Italiens) sprach einst von von “antisemitischen Einstellungen in Teilen der italienischen Linken”. Natürlich ging es um Israel122, und um jene Linken, die noch nicht voll Pro-Israel geworden waren. Unter Anderem dafür bekam Berlusconi eine Preis von der ADL, trotz Lobes für Mussolini. Bei einer Berlusconi-Kundgebung in Rom war eine israelische Fahne zu sehen… Jemand der so sauber ist (tut), der muss Dreck am Stecken haben; er der auf den Trümmern der I. Republik zur Macht kam, hat sich als korrupter erwiesen als deren Protagonisten. Und natürlich, ab etwa 2000 konnte er seine rechte Israel-Begeisterung als Antithese zu Antisemitismus deklarieren, sich damit als Quasi-Antifaschist positionieren…

2004 eine „Antisemitismus-Konferenz“ in Italien (Villa Madama in Rom), veranstaltet von der ADL und der konservativen Zeitung “Il Foglio”; Teilnehmer waren unter anderem ein Richter des obersten israelischen Gerichtshofs, der oberste Rabbi in Rom und der US-amerikanische Botschafter in Italien. Im Mittelpunkt standen die Rolle der Medien und mögliche Maßnahmen von Regierungen. Natürlich ging es “auch” um Israel-Weisswaschung. Eröffnet wurde die Tagung vom damaligen Aussenminister Gianfranco Fini, auch Chef der Alleanza Nazionale (AN), Nachfolgepartei der neofaschistischen MSI. Diese Partei entstand einst im Milieu von Funktionären der Repubblica Sociale Italiana (1943-45, Nord-Italien), einem Marionettenstaat von Nazi-Deutschland, entstanden nach dem Sturz von Mussolini. Finis Vater wie auch der langjährige MSI-Chef Almirante waren solche Funktionäre gewesen. Inzwischen war er ein (auch international) salonfähiger Politiker, der sich und seine Partei von ihrer faschistischen Vergangenheit weisswaschen wollte. Ja, Fini hat 08 gesagt, das Verbrennen einer israelischen Fahne sei schlimmer als der Mord an einem (italienischen) Mann in Verona durch Skinheads damals.

08/09 das Gaza-Massaker (unter Olmert, wie das 06), die letzten Tage von Bush als USA-Präsident, während Netanyahu in Israel vor einer Rückkehr an die Macht stand. Zu jenen, die Israel damals verbal unterstützten, gehörte auch Roms Bürgermeister Gi(ov)anni Alemanno (damals AN) – nach dem Aufruf einer linksradikalen Gewerkschaft zum Boykott von Israel. Auch ein Ex-Faschist, mit möglichen Mafia-Verbindungen. Dem israelischen Soldaten Gilad Shalit trug er die Ehrenbürgerschaft der Stadt an. Wichtigste Rechtspartei Italiens ist inzwischen die Lega (Nord), und ihr Chef Salvini ist auch ein grosser Israel-Freund; nicht immer zum Behagen der Juden Italiens – das ist eine Parallele zu Österreich, Deutschland,…die unterschiedlichen Ansprüche von Israel und der Diaspora. Vor einigen Jahren gab es in Mailand ein “Gipfeltreffen” europäischer Rechtsparteien; Schwerpunkte waren laut Lega Nord unter anderem Themen wie Migration, Banken, Handel und der Schutz der lokalen Produktion.

Spanien: Die franquistische Staatspartei war die FET y de las JONS (“Movimiento Nacional”), die 1977 aufgelöst wurde. Ihr Erbe ging in die Unión de Centro Democrático (UCD; A. Suarez), die Alianza Popular (AP; M. Fraga) sowie die Fuerza Nueva (FN; B. Pinar) über. “Im Schatten” von drei UCD-Wahlsiegen (und -Alleinregierungen) fristeten AP und die FN (die einzige der Drei, die man wirklich als rechtsextrem bezeichnen kann) ein Dasein als parlamentarische bzw ausserparlamentarische Opposition. Zu Zeiten der PSOE-Regierungen (F. Gonzalez) ging ein grosser Teil der UCD in der AP auf, die 1989 zur Partido Popular (PP) wurde. Diese deckte auch den Bedarf im rechten Spektrum so weit ab, dass die FN oder eine andere pro-franquistische, rechtsextreme Partei keine Chance hat(te). José M. Aznar (Jahrgang 1953) war in einer falangistischen/franquistischen Studentenorganisation aktiv gewesen, dann in der AP; sein Vater und Grossvater waren franquistische Journalisten bzw Staatsfunktionäre gewesen. Der ehemalige Steuerinspektor wurde PP-Chef, war 90-96 Oppositions-Chef, dann 96-04 Premierminister. Das Erbe des Franquismus ist über die AP teilweise in die PP eingegangen, nicht zuletzt durch José Aznar.

Die PP hat kaum einen Bruch mit dem Franquismus bzw dem Estado Español vollzogen. Aznar verlieh als Premier zB dem hochrangigen Funktionär der franquistischen politischen Polizei Brigada Político-Social, Gestapo-Zuarbeiter und Folterer von “Terrorverdächtigen” (v.a. Basken), M. Manzanas, posthum einen Orden. Demokratiepolitisch bedenklich bzw dazu passend war auch dass Aznar 02 den (versuchten) Sturz des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez (bzw die Proklamation von P. Carmona als sein Nachfolger) gleich anerkannte. Damals bekam er in Südamerika den Beinamen “perrito yanqui” (Yankee-Pudel) oder “George Bushs Pudel”.123 Zwischen hispanischer und angelsächsischer Rechter wird es aber nicht so leicht eine Einigung geben, einiges dazu im Brasilien II – Artikel. Aznar gründete ’10 mit John Bolton und Anderen die neorechte Friends of Israel Initiative, ist ausserdem aktiv für MEMRI oder News Corporation (Murdoch). 2010 ein Gastartikel von ihm in “The Times” nach dem “Mavi Marmara”-Massaker – die Welt bzw der Westen müsse Israel unterstützen, denn wenn es “untergehe”, gingen “wir alle” unter.

Auch hier also wieder wilde Projektionen auf Israel… Aber das ist noch nicht Alles. Walther Bernecker: “…zahlreiche Veröffentlichungen neofranquistischer Apologeten trugen zur Perpetuierung vieler franquistischer Mythen bei, z.B. Franco habe bewußt und geschickt einen Eintritt Spaniens in den Zweiten Weltkrieg verhindert, er habe viele Juden vor nationalsozialistischer Verfolgung gerettet, er habe von Anfang an eine bewußte Modernisierungspolitik betrieben.” Dass Francisco Franco Juden “beschützt” hätte (vor dem Holocaust), wird gerne vorgebracht, um ihn zu rehabilitieren… Dass er sich nicht ganz mit Hitler eingelassen hat, wird zur Bezeugung seiner historischen Unschuld vorgebracht. Franco selbst hat von einem „gemeinsamen Kampf mit dem Westen gegen den Zerstörer der christlich-abendländischen Zivilisation, den Kommunismus“  geredet. Und, “der Westen” hat ihn ja nach dem 2. WK, im Kalten Krieg, tatsächlich als Verbündeten behandelt.

Erst in den letzten Jahren ist eine Partei rechts von der PP aufgetaucht, die sich behaupten konnte, Vox. Vox (gesellschaftlich sehr konservativ) ist nicht unbedingt für Juden, sondern für Zionisten. Sie ist hauptsächlich für Zentralismus, gg Regionalismen, profitiert von den katalonischen Abspaltungsbemühungen. “Anti-Sezessionisten” wie Vox können sich auf Israel anscheinend ebenso gut beziehen wie Sezessionisten (wie die Liga Veneta von Rocchetta in Italien). Sie ist auch stark gegen Islam, Einwanderung, “Multikulti”; rief die Partei im Regional-Wahlkampf in Andalusien zur „Reconquista“ auf, womit u.a. die Abschiebung von schwarz- und nordafrikanischen Einwanderern gemeint war.124 Islamisten-Anschläge wie jener in Barcelona ’17 bringen ihr Aufwind.

Brasiliens neuer Präsident (ein dreiviertel Jahr) Jair Bolsonaro ist ein grosser Freund von Israel und Netanyahu; die Freundschaft steht auf solidem Grund, wie die Beziehung Israels zu den Apartheid-Regierungen Südafrikas. Bolsonaro sieht Netanyahu sogar als eine Art Vorbild… Die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem kommt ja nun doch nicht zu Stande. Nach einer Israel-Reise traf sich Bolsonaro mit evangelikalen Priestern in Rio de Janeiro, redete auch über seinen Besuch in der Holocaust-Gedenstätte Yad Vashem in Jerusalem. Die Erinnerung an den Holocaust sei wichtig, „Wir können vergeben, aber wir können nicht vergessen“, sagte er dazu. Der Hinweis auf Vergebung rief bei Israel heftigen, zornigen Widerspruch hervor. Netanyahu blieb ruhig, er der sonst keine Gelegenheit auslässt, den Holocaust zu instrumentalisieren Der selbe Opportunismus wie zB sein Nicht-Erscheinen im Likud-Vorstand, wenn dieser für die Annexion von Teilen der palästinensischen Restgebiete stimmt. Bolsonaros Lob für die Militärdiktatur Brasiliens, für andere Diktaturen (wie jene Pinochets), sein Rassismus, Sexismus, Verachtung für politische Gegner, für die Natur,… waren alles kein Problem für Israel. Und auch dass Bolsonaro Hitler einen “grossen Strategen” nannte, störte nicht in den Beziehungen.

„thetimesofisrael“ empört sich: „Brazil’s Workers’ Party likens pro-Israel presidential front-runner to Hitler“. Das macht der schon selber. Ausgerechnet bei einem Treffen mit Evangelikalen (mit die grössten Israel-Fanatiker) sagte er etwas, dass Israel verärgerte. Aber, auch Trump vergab man ja seinen Umgang mit dem Holocaust (s.o.). Rechtsdiktaturen in Lateinamerika hatten in der Vergangenheit oft Nazi-Verbindungen ( > Aufnahme ehemaliger) bzw -Sympathien. Und dennoch auch eine Israel-Verbindung (Militärberater, Waffenkäufe,…).125 Zum Beispiel das Regime von Argentinien 1976-83. Was ja auch Einiges über so manche gängige AS- oder NS-Analyse aussagt. Bolsonaro will auch Brasilien wieder eng an die USA binden, nicht trotz sondern gerade weil diese einst die Militärdiktatur 1964-85 unter-stützte, und weil dort jetzt Trump an der Macht ist. Er sprach die Möglichkeit einer US-Militärbasis in Brasilien an, wird wohl die Reichtümer des Landes zur Plünderung freigeben. Bolsonaro bedeutet für die innere und äussere Emanzipation Lateinamerikas einen gewaltigen Rückschlag. Bolsonaros Herrschaft bedroht auch die “Indianer” und den “Regenwald”, deren Schicksal in Brasilien eng miteinander zusammenhängen und ohnehin schon angegriffen sind; ausserdem die Stellung der Nicht-Weissen, der Frauen, Homosexuellen, Behinderten, den Säkularismus…und die Demokratie.

Nicht nur dass er die Militärdiktatur und ihre Methoden lobte, sein Vizepräsident ein neuerliches Eingreifen des Militärs in die Politik androhte, ein Verbündeter (Rio-Gouverneur Witzel) sprach sich für ein Gefangenenlager in Brasilien nach dem Vorbild des US-Lagers Guantanamo auf Cuba aus, für “Terroristen” (oder politische Gegner?). Bei Bolsonaro wird die ideologische Einbettung von ISrael-Freundschaft wieder deutlich.126 Trump, Netanyahu, Bolsonaro, Saud, Salvini,… So wie er die brasilianische Politik bezüglich des Regenwalds reversiert hat, hat er sie ggü Palästina/Israel. Seinen Rassismus oder seine undemokratische Haltung lassen ihm manche durchgehen, weil er ist ja pro Israel und pro USA… Für den Westen ist die Herrschaft nach Innen meist egal, wird nur ein Thema wenn die Politik nach Aussen „problematisch“ ist; was sich zB bei Mubarak zeigte.

Israel hat auch mit dem Pinochet-Regime in Chile gute Verbindungen unterhalten127, Einiges darüber hier. Victor Farias, ein chilenischer Historiker der lange im Exil in Deutschland war (FU Berlin), versucht(e) Salvador Allende, der ja von Pinochet als Präsident gestürzt wurde, antisemitische, homophobe, rassistische Ansichten sowie die Befürwortung von Euthanasie unterzujubeln. Tat das in “Salvador Allende. Antisemitismus und Euthanasie” (2003), hauptsächlich anhand Allendes Medizin-Dissertation aus 1933. Farias’ Motivation ist unklar, zumal er kein Pinochet-Anhänger zu sein scheint. Übrigens hat er auch Martin Heidegger sowie der Sozialistische Partei Chiles (PS, Allendes Partei) der Nazisympathisantenschaft beschuldigt. Natürlich war man auf gewissen Seiten überglücklich über Farias’ Buch über Allende; mittlerweile ist aber ziemlich klar, dass Farias’ Vorwürfe auf (Ver)fälschungen und Verdrehungen basieren. Allendes “Antisemitismus” steht ausserdem seine eigene teil-jüdische Herkunft entgegen, sowie die Tatsache, dass seine politische Gegner diese gegen ihn instrumentalisierten.128

Naziverbrecher Walter Rauff, Erfinder der Gaslastwagen zur Ermordung von Juden, war nach dem Krieg in Chile untergetaucht. Als er dort aufgespürt wurde, stellte die deutsche Bundesregierung ein Auslieferungsersuchen, das jedoch 1963 vom Obersten Gerichtshof Chile mit der Begründung einer Verjährung abgelehnt wurde. “Nazi-Jäger” Simon Wiesenthal wartete darauf hin, bis in Chile eine andere Regierung kam, 1972 wandte er sich an Allende. Allende antwortete, dass aufgrund der Gewaltenteilung ausschliesslich die Gerichte über solche Anliegen eine Auslieferung Rauffs. Dann (bevor Wiesenthal oder BRD ein neues Gesuch stellten) der Staatsstreich, es kam das Pinochet-Regime – das Rauff schützte. Farias behauptete dagegen, Allende habe Rauff vor dem Zugriff der internationalen Justiz geschützt und die Bitte um Auslieferung durch Wiesenthal schroff zurückgewiesen.

Die Rechtsextremen wurden auch in Osteuropa Pro-Israel und Anti-Islam, was sie ggü Juden in ein Dilemma bringt und die jüdischen Organisationen sowie Israel ebenfalls. Der russische Rechtsextremist Vladimir Shirinovki (LDPR) wird auch als “Antisemit” gesehen, wobei sein Vater aber polnisch-ukrainischer Jude war, mit dem Namen Edelstein (in dieser Familie gab es einige Holokaust-Opfer). Dieser verliess die russische Mutter Shirinovskis, ging nach Israel, unterstützte Herut/Likud. Shirinovski, der also Verwandte in Israel hat und nach dem Ende der SU politisch aktiv wurde, ist für Buchanan, für Trump; äusserte sich israel-kritisch (auch über Einfluss Zionisten in USA), aber auch gegenteilig („Russland wird nie Gewalt gg Israel zulassen“). Die Netanyahu-Regierung kommt gut mit den Regierungen in Ungarn, Polen und Litauen aus. Ungarn wird nun besonders ausführlich behandelt.

Viktor Orbán (Fidesz), ungarischer Ministerpräsident 98-02 und seit 10, beschrieb in einer Rede 14 seine Zukunftsvision von Ungarn als einer “illiberalen Demokratie” (mit Wladimir Putin als Vorbild). Es gibt ja auch jene (“Westisten”), die damit protzen liberale Demokrat(i)en zu sein was sie von (nichtwestlichen) Barbaren unterscheide, während Andere Frontstellung gg Barbaren im Gegenteil „verwirklicht“ sehen, im Bekenntnis zum Illiberalen. Orban sagt zB, dass er mit seiner Flüchtlingspolitik das „Christentum in Europa verteidigen“ will. Und Ungarn befindet sich unter Orban, letztes Jahr wiedergewählt, bereits auf dem Weg in ein autoritäres System. Es gibt jene, die das bei Ungarn hinnehmen oder begrüssen, bei Erdogan (Türkei) oder Maduro (Venezuela) aber geisseln.129 Fidesz befindet sich international z Zt am Rande der EVP; Orban: „Konservative sind zu liberal geworden“. Er unterhält mit Putins “Geeintes Russland” gute Beziehungen sowie mit den meisten europäischen Rechtsaussen-Parteien, wie der FPÖ. Und liebäugelt mit einer neuen rechten europäischen Allianz, in der Parteien wie PVV, CSU, Lega einen Platz hätten.130

Den ungarischstämmigen Juden George Soros hat sich die Orban-Regierung als ein Feindbild ausgesucht. “Dessen” Central European University wurde etwa gezwungen, ihre Kurse für Flüchtlinge zu beenden. Auch auf Wahlplakaten wurde gegen Soros Stimmung gemacht – dabei ging es aber nicht gegen Juden sondern gegen Migranten. Dagegen wurde die Milton Friedman University staatlich unterstützt, die von dem ungarischen jüdischen Verband EMIH betrieben wird, der eine Chabad-Einrichtung ist. EMIH wird von Orban überhaupt unterstützt, und EMIH-Chef Shlomo Köves verteidigt Orban bzw die Fidesz-Regierung gegen Kritik, etwa bezüglich ihrer Flüchtlingspolitik. Der jüdische Dachverband in Ungarn, MAZSIHISZ, ist da weniger nahe bei Orban.131 Orban rühmt sich auch gerne seiner Unterstützungen der Juden in Ungarn. Er hält sich von antijüdischen Aussagen/Maßnahmen fern, hat solche verurteilt, soll Netanyahu bei seinem Besuch 17 gesagt haben, dass er null Toleranz dafür habe. Auch wenn er wahrscheinlich gerne die Rolle von Juden im kommunistischen System thematisieren würde.

Er positioniert sich auch als Beschützer der ungarischen Juden, vor heimischem Antisemitismus wie vor “importiertem”/”zugewandertem”. Hinzu kommt sein Pro-Israel, das er als von islamischen Horden und Barbaren umzingelt132 sieht. Es gibt aber auch jene ungarischen Juden, die Orbans Flüchtlingspolitik als einfach anti-humanitär sehen und sich lieber an der Seite anderer Minderheiten wie der Sinti sehen. Orbán pries den Reichsverweser 1920-44, Miklos Horthy133, der Ungarn mit Nazi-Deutschland verbündete und sich antisemitisch äusserte. Seine Regierung machte eine Leugnung des jüdischen Holocausts 2010 illegal. Orban und die Seinen sehen den Holocaust in Ungarn aber als etwas, das die deutschen Invasoren begangen.134 Da ist er in einer Reihe mit den meisten osteuropäischen Staaten, auch Österreich (und in gewisser Hinsicht die DDR) handhabte das so in seinem “offiziellen” Narrativ. Orban hat auch dem “antisemitischen” Dichter Döbrentei einen Preis verliehen, oder dem Archäologen Bakay, der Juden unterstellen soll, im Mittelalter den Sklavenhandel organisiert zu haben.

Und Orban hat einen guten Draht zu Netanyahu. Hat ihn besucht (mit obligatorischem Yad Vashem-Besuch), dieser war dann auch in Ungarn. Man fand sich in der Abneigung gegen “Soros” (liberale Juden) und Moslems, gegen Linke, im Nationalismus. Und, die Orbans und Netanyahus sehen ungarische Juden eher als Juden, denn als Ungarn. “Zionism … harmonizes with Orbán’s ethno-culturalist nationalism. It marks Jews as members of the Jewish nation — as Jewish rather than Hungarian. A Zionist, pro-Israel politics maintains and even strengthens, the distinction between who is truly Hungarian and who is not.”135 Orban braucht ebenso internationale Akzeptanz für seine rechte Politik (in seinem Fall das autoritäre Gehabe, gegenüber der eigenen Bevölkerung) wie Netanyahu (seine Politik ggü Palästinensern in erster Linie). Aber es gibt ein gewisses Grund-Misstrauen gegen einander, eine echte Allianz ist schwierig, beide Seiten müssten etwas aufgeben.

Netanyahu sieht in Orban den unzivilisierten osteuropäischen Antisemiten; 2013 hat er in der UN-Generalversammlung bei Drohungen gg Iran über seinen Grossvater Nathan und dessen Bruder Juda (Mileikowsky) geredet, am Westrand des Russischen Reichs im 19. Jh (“im Herzen Europas”), der Opa wurde von “antisemitischen Strolchen” geschlagen, als er im Schlamm lag, schwor er sich, diese Verhältnisse zu ändern. Max Blumenthal zeigte auf, dass Netanyahu die selbe Geschichte 2 Jahre zuvor vor Wirtschaftstreibenden in Tel Aviv erzählte, als es um die Massensabschiebung von Afrikanern ging – die “jüdische demographische Mehrheit ist in Gefahr” – und um die Weigerung von einem Siedlungsstopp. In NY gelang es dem Bruder des Opas zu fliehen, in TA ging die Geschichte so, dass der vom Opa gerettet wurde. Orban wiederum sieht in dem Juden zwar ein Renommierobjekt aber auch die politische Korrektheit die es da einzuhalten gibt, das Kommunistische, Unnationale, Ausbeuterische,… Israel ist, über die Jahrzehnte eigtl viel ethno-nationalistischer als Fidesz oder AfD, bezüglich der “Diaspora” hat es aber andere Ansprüche.

Netanyahu hat zugegeben, dass er mit Orban über einen akzeptablen Kompromiss verhandelt bezüglich des Narrativs über Ungarn und den Holocaust. Es gibt einen erlaubten und einen nicht erlaubten Antisemitismus, und erster ist eigentlich ein solcher im Gegensatz zu zweiterem. Rechts von Fidesz gibt es noch Jobbik, wo es (grossteils noch) keine Israel-Connection gibt. Feldmajer von ungarischen Juden-Verband MAZSIHISZ: “Orban muss gg Jobbik auftreten. Die EU muss Jobbik die Grenzen der Meinungsfreiheit aufzeigen”. Warum aber nicht auch Fidesz, wenn aus der Hetze kommt (gegen Andere als Juden)? Krisztina Morvai von Jobbik ist auch noch propalästinensisch (obwohl ihr Mann angeblich jüdischer Herkunft ist), um sie herum wird eine hysterische Aufregung gemacht (von “Jungle world”, diversen Wikipedia-usern,…). Der Schritt von FIDESZ zu Jobbik, von Trump zu Duke, innerhalb der AfD von Weidel zu Höcke, in der FPÖ von Lasar zu Graf,…  Jobbik-Abgeordneter Marton Gyöngyösi hat vor einigen Jahren im ungarischen Parlament in einer Rede verlangt, eine Liste aufzustellen, wie viele Juden im Parlament und in der Regierung in Ungarn sitzen; sie stellten ein „nationales Sicherheitsrisiko“ dar.

Wenn in Israel so etwas vorkäme, im Hinblick auf die “israelischen Araber”, wäre das niemandem eine Meldung wert; weil “Israels Sicherheit” gewöhnlich auf alles Mögliche “ausgedehnt” wird und das wird international akzeptiert. Es kommt aber nicht vor, da “israelische Araber” (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) ohnehin überall so ausgegrenzt sind. Gyöngyösi stellte die Forderung im Zusammenhang mit der Debatte um die „Gewalteskalation“ zwischen Israel und den Gaza-Palästinensern und fragte, wann sich das ungarische Aussenministerium „endlich auch für die leidenden Palästinenser einsetzen wird“. Es sei vor allem Israel, das den „Weltfrieden bedroht“. Die Regierung von Orban distanziert sich einen Tag später von den Äusserungen des Jobbik-Abgeordneten. International und in Ungarn Aufregung um „offenen Antisemitismus“. Die oppositionellen Sozialdemokraten (MSZP) machten die Politik Orbans und seiner Partei dafür verantwortlich, dass „die öffentliche politische Rede in Ungarn so weit sinken konnte“. Der stellvertretende Parlamentspräsident Istvan Ujhelyi (MSZP) eröffnete am Folgetag die Sitzung des Parlaments mit einem gelben Stern, wollte nach eigener Aussage damit seine Solidarität mit all jenen zum Ausdruck bringen, die durch Gyöngyösi „beleidigt wurden“. Dieser bat dann seine „jüdischen Landsleute“ um Verzeihung.

Es ist aber nicht so, dass Jobbik, seine Politik und seine Vertreter, generell abgelehnt werden, es lohnt sich, anzusehen wer in Israel nicht Einreiseverbote sondern Einladungen bekommt. Zum Beispiel Sebastian Gorka, britisch-ungarisch-amerikanischer “Sicherheitsanalyst”, war Berater von Orban, dann von Trump, Anhänger der Alt Right, und für die Magyar Garda aktiv, die de facto Jobbiks Miliz war, dann aufgelost wurde. Der islamophobe Fox-Kommentator war Teilnehmer/Redner bei einer “Anti-Terrorismus-Konferenz” in Herzliya136. Die “Jerusalem Post”, Michael Rubin, Trent Frank und andere Zionisten preisen ihn als Freund Israels und als “nicht antijüdisch“; es wurde sogar das jüdisch-amerikanische Magazin “Forward” angegriffen, weil es ihn als “Antisemiten” sieht. Im “umgekehrten Fall”, wenn Gorka zB bei einer “Palästinenser-Veranstaltung” aufgetreten wäre…oder sich so wie Parteifreund Gyöngyösi geäussert hätte…137 Ja, Pro-Israel (und Anti-Islam) macht vieles wett.

Viktor Orbán hat sich auch mit Aung San Suu Kyi getroffen, De-Facto-Regierungschefin von Birma, anscheinend um sich über “Gefahren wachsender moslemischer Bevölkerungsgruppen” zu unterhalten. In Birma gibt es gerade die Vertreibungen der moslemischen Rohingya, für Orban sind Moslems “das Andere”.138 Gerade Juden im Westen mit Osteuropa-Hintergrund, wie Broder (1957 aus Polen nach Westdeutschland) oder Pa(u)l Lendvai (1957 aus Ungarn nach Österreich), sehen Osteuropas Rechtspopulisten eher kritisch-ablehnend, auch wenn diese pro-zionistisch sind. Lendvai hat in seinem Buch „Mein verspieltes Land“ (2010) die Politik Orbans kritisiert. Bei manchen Lesungen daraus mit Lendvai war es zu Störversuchen gekommen, andere wurden aus Angst davor abgesagt. Die regierungsnahe ungarische Wochenzeitung „Heti Valasz“ bezichtigte Lendvai, ein „freiwilliger Informant“ des kommunistischen Regimes gewesen zu sein.139

Netanyahu hatte 2017 an einem Treffen der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) teilgenommen und die Länder dann für 2019 nach Israel eingeladen. Polen hat seine Teilnahme abgesagt, Hintergrund ist ein Streit zwischen beiden Ländern, inwiefern Polen während des Zweiten Weltkrieges mit den deutschen Besatzern kollaboriert haben. Israels Aussenminister Yisrael Katz (Likud), Sohn von Holocaust-Überlebenden aus Lettland bzw Rumänien, hatte (im israelischen Fernsehen) gesagt: „Es gab viele Polen, die mit den Nazis kollaboriert haben.“ Katz zitierte ausserdem zustimmend Ex-Premier und Ex-Terrorist Yizhak Schamir (als Y. Jezerniecki/Jezernitski im damals russischen Ost-Polen geboren), der gesagt hatte: „Die Polen haben Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen.“ Polens Premier Morawiecki (PiS) bezeichnete die Worte von Katz als „rassistisch“.140 Zuvor gab es (2018) das “Holocaust-Gesetz” in Polen, das es in Polen strafbar macht, Nazi-Verbrechen Polen “in die Schuhe zu schieben”; eigentlich handelt es sich um die Novelle eines Gesetzes aus 1998.

Es gab ein Delektieren an diesem Gesetz (und der vermeintlich zu Grunde liegenden Geisteshaltung) fast wie bei Erdogan. Andererseits: Gesetze oder Maßnahmen gegen das was als „antiisraelisch“ oder “antisemitisch“ deklariert wird, aus Israel oder anderswo. Hier also (noch) keine Einigung zwischen der rechtskonservativen Regierung (PiS) und Israel (bzw internationalen jüdischen Organisationen) wie bei Ungarn. Obwohl die PiS auch die anti-islamische Karte spielt, nicht die antijüdische. Wie auch der nationalistischer Prediger Jacek Miedlar; der warf etwa einer liberalen Abgeordneten vor, die sich gegen eine Verschärfung des ohnehin strengen Abtreibungsrechts aussprach, vor, Anhängerin des Mordens und der Islamisierung zu sein, rief indirekt zu ihrem Mord auf, über Twitter. Wie in anderen osteuropäischen Ländern wurde/wird auch in Polen Juden gelegentlich unterstellt, das kommunistische System mit errichtet und getragen zu haben (ungefähr in die Richtung ging ja Hohmann); dies darf aber nicht auf den Wahrheitsgehalt überprüft werden, wird in der Regel vielmehr umgedreht zu einer Anklage gegen jene, die das thematisieren.141

Kroatien war zur Zeit des Hitler-Stalin-Kriegs wie Ungarn (und anders als Polen) verbündet mit Hitler-Deutschland; das heisst, seine Unabhängigkeit von Jugoslawien kam eigentlich nur durch die Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte (und Kollaboration eines Teils der Kroaten) zu Stande. Sehr viele Kroaten bekämpften aber das Ustascha-Regime, im Rahmen der Partisanen-Armee. Einer davon war Franjo Tudjman (Tuđman). Dieser wendete sich dann gegen das kommunistische Jugoslawien, wurde Dissident, gründete 1989 die HDZ, die im Jahr darauf in Kroatien (damals noch eine YU-Republik) an die Macht kam. Im Jahr der Gründung seiner Partei brachte er auch ein Buch über den 2. WK heraus (beides war vorher nicht möglich gewesen), “Bespuća povijesne zbiljnosti” (etwa: “Die Sinnlosigkeit der historischen Realität”; auf Deutsch und Englisch dann anders übersetzt). Darin stimmt er dem britischen Kunsthistoriker Gerald Reitlinger zu, dass die Gesamt-Zahl der damals getöteten Juden bei etwa 4 Millionen lag. Daneben enthält das Buch Ansichten Tudjmans über die Rolle der Juden in der Geschichte, die dann ebenfalls (hauptsächlich ausserhalb Kroatiens) Anstoss erregten.142

Anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Kroatiens mit Israel 1998 distanzierte sich Tudjman vom Ustascha-Regime und seiner Juden-Verfolgung. Dennoch kamen immer wieder “AS”-Angriffe auf ihn. Es kommt eben darauf an, bei Vorster (Südafrika) störte seine Nazi-Vergangenheit nicht, bei Videla nicht der Antijudaismus… Bei Kroatien (zb) wird eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den eigenen Mythen verlangt, Juden die das tun (wie Ilan Pappe) sind „Selbsthasser“ oder “Verräter”, werden ausgegrenzt. Umstritten ist (auch) der kroatische Kardinal Alojzije Stepinac (1898 – 1960), der nach der kommunistischen Machtübernahme (die im Zuge der Befreiung Jugoslawiens kam), 1946, zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er mit den Faschisten kollaboriert haben soll. Papst Johannes Paul II. hatte Stepinac 1998 seliggesprochen. Und 2016 hat ein kroatisches Gericht den Schuldspruch aufgehoben. Das Wiesenthal-Zentrum (SWC) hat empört auf die Rehabilitierung des katholischen Geistlichen reagiert.

Rumänien: Der inzwischen verstorbene C. Vadim Tudor gründete nach dem Ende des kommunistischen Regimes (an dem er gewissermaßen mitgewirkt hatte) die rechtsextreme PRM (Partidul România Mare). Er kam wegen Antisemitismus unter Kritik. Sah dann aber Juden als das Volk der Bibel und holte sich (in den 00ern) israelische Berater, womit sein Rechtsextremismus und Hetze gegen Andere (ob Ungarn oder Afrikaner) nicht mehr so schlimm war. Der eine Berater war Eyal Arad (zuvor beriet dieser Sharon), der andere „Nati“ Meir (eigentlich ein Doppelstaatbürger). In beiden Fällen kam es zu einer Trennung und wurden nach dieser “AS”-Vorwürfe erhoben; bei Meir gab es jedenfalls (auch) Korruptionsdelikte, diesbezügliche Gerichtsverfahren. 2012 sagte er, „In Rumänien gab es keinen Holocaust“, möglicherweise im Kontext dass Rumänien diesen nicht ausführten, sondern die Besatzer (> Polen, Ungarn). Die rumänischen Faschisten und Nazi-Kollaborateure waren in der Organisation aktiv, die die Namen “Legiunea Arhanghelului Mihail“, “Garda de fier” (eigentlich die Miliz der Org.), “Totul pentru Ţară” trug. Führer waren nach einander Corneliu Codreanu und Horia Sima. Sima fand nach dem Krieg Exil in Franco-Spanien (> oben).143

Ελληνική Λύση/Elliniki Lysi/”Griechische Lösung“ (EL) ist eine der griechischen Rechtsparteien, wird von Kyriakos Velopoulos geführt, errang Achtungserfolge bei Wahlen 19. Auf seinem Teleshoppingkanal verkauft Velopoulos diverse Wundermittel oder „exklusive Kopien von handgeschriebenen Briefen Jesu Christi“. Der Putin-Fan und EU-Gegner will ein „christliches Europa ohne Islamisten“, der Zustrom von „illegalen Migranten“ nach Griechenland sollte durch Minenfelder und eine Mauer entlang der nordöstlichen Grenze zur Türkei eingedämmt werde. Ist ein Freund von Verschwörungstheorien, behauptete, dass die tödlichen Waldbrände nahe Athen im vergangenen Sommer Teil einer zionistischen Verschwörung gewesen seien, um den Import chinesischer Waren nach Westeuropa anzukurbeln. Für Menschenhändler, Drogendealer und Pädophile schwebt Velopoulos die Todesstrafe vor. Wenn er sich als Freund Israels gegeben hätte, zB im Rahmen der Verteidigung des Abendlandes (> Aznar,…), hätte er den Segen Vieler bekommen. So aber wird die Partei angeführt als Beleg für einen “besorgnis erregenden Antisemitismus” unter den Rechtsextremen Europas, die “Sündenbock-Rolle Israels”, die “Pflicht dagegen aufzustehen”, die “Rückständigkeit Osteuropas”,…

Simon Petljura hat nach dem 1. WK die Ukraine zeit- und teilweise in die Unabhängigkeit geführt. In dieser gab es Pogrome gegen Juden. 1921 hat Jabotynski (auch: Jabotinsky), Führer des revisionistischen Zionismus (der aus der Ukraine stammte), mit Petljura (kurz vor dessen Sturz) ein Abkommen abgeschlossen. Jabotynski, der sich zu dieser Zeit den Briten antrug, setzte sich dann auch für den exilierten Petljura ein. Bereits einige Jahr vor Petljura war der ukrainische Dichter Ivan Franko aktiv, dem man heute Antisemitismus vorwirft. Es gab in der Sowjet-Ukraine einige jüdische Politiker (wie Lazar Kaganovich und Serafima Hopner) und in der unabhängigen einige mit jüdischen Wurzeln (wie Yulia Timoschenko oder Vitali Klitschko). Und es gibt im prowestlichen Lager der Ukraine (das seit 2014 an der Macht ist) zwei rechtsextreme, antirussische Parteien, mit Sympathien für Israel. Svoboda, eigentlich (1995) als eine Art Neo-Nazi-Partei gegründet, wurde von SWC einmal in ihre Top-Antisemiten-Liste aufgenommen, ihre Führer preisen aber Israel (zB als “einen der nationalischsten Staaten der Welt”), treffen sich mit dessen Botschafter in der Ukraine. Wieder so eine Art “Noll/Graumann-Paradoxon”. Prawy Sektor entstand währen der Euromaidan-Proteste 2013/14, sieht sich in einer Traditionslinie mit der OUN (die mit den Nazis kollaborierte)144. Bei der ukrainischen Parlamentswahl 2019 traten Svoboda und Prawy Sektor zusammen mit anderen rechtsextremistischen Gruppen an, errangen kein Mandat.

Auch über Prawy Sektor gab es einst Aufregung internationaler jüdischer Organisationen und Israels. Wenn man sich ihre Standpunkt ansieht (zB: “An ideology of defense, preservation, and state assertion of the Ukrainian nation”), muss man feststellen, dass diese Partei im israelischen Spektrum in der Mitte stehen würde. Und, die Ukraine herrscht nicht über eine grosse Zahl von “Unterworfenen” in einer Art Militärherrschaft, Unterworfene die in dieser Nation nicht mitbestimmen, ihr nicht angehören, ihr aber ausgeliefert sind.145 Prawy Sektor ist zwar prowestlich, aber antiliberal eingestellt, also gegen Werte, die Parteien wie FPÖ inzwischen positiv affirmieren. An dieser Stelle: der Westen vertritt in der “Ukraine-Krise” (Besetzung Ost-Ukraine, Abtrennung Krim infolge Euromaidan-Umsturz) seine eigenen (geopolitischen) Interessen, unter dem Mantel von “Demokratisierung” oder “Beschützung der Ukrainer”, gegen Russland gerichtet, nicht zum ersten Mal in der Geschichte.

Es gäbe noch viele Länder diesbzüglich (Islamophobie, Pro-Zionismus, eigener Nationalismus, Allianzen und Widersprüche) “abzuklappern”… Zum Beispiel Indien und die “Hindu-Nationalisten” (wie der regierenden BJP). Bei Hindu-Nationalisten oder der libanesischen (maronitischen) Kataib (Phalange) sind auch Nähe sowohl zum Zionismus (eher aktuell) als auch zum NS & AS (eher historisch) gegeben. Und, kein Küntzel, kein Peham/Schiedel, kein Cüppers und kein Netanyahu persönlich mit Geschichtspolitik. Der wachsenden Allianz Israels mit Indien (hauptsächlich unter BJP-Regierungen) steht eigentlich auch die traditionelle Verachtung des Zionismus für Asien (siehe Theodor Herzl, siehe Naftali Tamir) entgegen. Beziehungsweise, auch das Paradigma von Israel als Teil des Westens, von der Deckung westlicher und zionistischer Interessen, Interessen die noch dazu immer im Sinne von Fortschritt, Aufklärung,… wären. Übergriffe auf Frauen in Indien, (gleichzeitig) die Existenz von Sittenpolizeien aus dem hindu-fanatistischen Milieu oder das Vorgehen der Hindu-Zentristen auch gegen Christen (nicht nur gegen Moslems146)…werden aber gegebenenfalls “geschluckt”.

Die Sikh sind seit der Spät-Zeit der Mogul-Herrschaft in der Regel mit Hindus gegen Moslems verbündet, so auch bei der Unabhängigkeit und Teilung Indiens 1947, spielen zB auch in der Diaspora (GB) eine Rolle in der Islamophobie (> BNP). Und da stösst man dann auf sowas: Bhagat Singh, ein Sikh aus dem Punjab, kämpfte mit seiner Hindustan Socialist Republican Association gegen die Briten, wurde von diesen 1931 hingerichtet. Sein Tod löste Krawalle im Punjab aus, und er gilt in Nordindien als Märtyrer (Shahid)… Relevant hier ist auch, was “Pat” Robertson über den Hinduismus sagt, zumal der ja auch ein grosser Israelfreund ist. Aber irgendwie geht das, hindu-zentrische Inder, Kurden (darüber auführlich im 4. Teil), weisse Südafrikaner, evangelikale Amerikaner, iranische Nationalisten, weisse Suprematisten, kemalistische Türken,.. als Verbündete.

Nochmal zum ideologischen Umfeld von Philozionismus und “Rechtspopulismus”: auch Klimawandel-Leugnung gehört hier dazu, Angriffe auf Greta Thunberg inbegriffen. Die von Thunberg mit angestossenen “Klimaproteste” werden von jenen, die den Klimawandel nicht wahrhaben wollen, zu diffamieren versucht, im Westen hauptsächlich aus rechten Kreisen. Von dort schlägt Thunberg viel Hass entgegen, der bis hin zu Morddrohungen reicht. Ja, wir haben ja auch eine zweite Welt im Keller147. Die deutsche AfD ist hier zu nennen, hat Greta Thunberg in ihrer Ver-Leugnung der drohenden Klimakatastrophe immer wieder angegriffen. AfD-Fraktionschefin Weidel glaubt nicht an einen menschengemachten Klimawandel, AfD-Politiker verunglimpfen Thunberg als „armes Kind, das einen Psychotherapeuten braucht“; im Umfeld der Identitären (ausgerechnet!!!) zieht man Nazi-Vergleiche. Als Broder heuer bei der AfD im BT auftrat, kam auch eine verpackte Attacke auf Greta Thunberg. Jan Rübel, der ja nicht ganz verloren ist, kritisierte diesen Auftritt etwas, verharmloste ihn aber eigentlich. Ein bisschen was Richtiges kam diesbezüglich von ihm:

“Eine 16-Jährige ist nicht wirklich ein Kind, und ‘Kindesmissbrauch’ ist ein Sexualstraftatbestand und hat nichts mit politischer Instrumentalisierung zu tun – was Broder womöglich meint. Entweder formuliert er hier unfähig ungenau oder hat komische Phantasien oder denkt einfach mit untersten Schubladen hantieren zu können. Allein, dass er das Alter dieser ‘Klimaretterin’ zur Herabwürdigung heranzieht, erzählt von einer gewissen Hemdsärmeligkeit. Ich stiege auf ein ähnlich niedriges Niveau herab, würde ich Broder entgegnen, er wäre ein alter Greis, der nicht mehr wisse, was er sagt.” Nun, wenn Broder in Berlin einen kalten Cafe serviert bekäme, wäre das für ihn Antisemitismus, Kritik an ihm jeder Art ohnehin, also muss Rübel da aufpassen, denn beim Einstecken ist Broder nicht so grossherzig. Die Erderwärmung ist eine für Broder unbequeme Wahrheit… Rübel weiter: “Bei Thunberg sind es auch nicht ihre Worte, auf die Kritiker direkt eingehen. Stattdessen wird vermerkt, sie sei ob ihres Alters manipuliert oder instrumentalisiert, jedenfalls nicht voll zu nehmen. Ich kann mir nur vorstellen, solche Kritiker erinnern sich nicht mehr, was sie als 16-Jährige umgetrieben hat. Hätte man ihnen damals zugerufen, sie seien nicht wirklich ernst zu nehmen, hätten sie gelangweilt die Nase gerümpft. Hinzu kommt, dass Thunbergs Leben mit Asperger, einer Spielart des Autismus, selbst instrumentalisiert wird, nach dem Motto: eine Behinderte, was soll die schon wissen?  Interessant, wie sich Frauenhass, Jugendhass und Ableismus hier vereinigen. Argumente? Fehlanzeige”

Jair Bolsonaro hat Greta Thunberg als “Göre” bezeichnet, nachdem diese die Ermordung zweier Ureinwohner im brasilianischen Amazonas-Regenwald verurteilt hat. AfD-Meuthen erklärte, dass er es akzeptiere, dass der Mensch einen Anteil am Klimawandel habe – allerdings lediglich als “Hypothese”. Als Kernproblem mache er das “Bevölkerungswachstum” und die damit einhergehende “Emissionsintensität” aus – schuld sind also eigentlich die “Massen” der “3. Welt” und nicht die westlichen Industriestaaten. Der Israeler Shaviv, ein führender Klimawandel-Leugner, trat für die AfD ebenfalls im Bundestag auf – schön, gleich in zweifacher Hinsicht ein Alibi. Thomas Schmid (war deutscher 68er, Grüner, dann zu Springer, war Herausgeber von “Die Welt“, konservativer Sack), attackiert Thunberg in Form von einer “Wegnahme des Heiligenscheins”. Natürlich kommen auch von Donald Trump brutale Beleidigungen von ihr; Michael Knowles (Fox) nannte Thunberg in einer Sendung zum UN-Klimagipfel in der USA ein „psychisch krankes schwedisches Kind“, „In der Klima-Hysterie-Bewegung geht es nicht um Wissenschaft“. Bolsonaro ist natürlich auch in der Reihe der Klimawandel-Skeptiker…dem entsprechend sieht seine Politik zum Regenwald Brasiliens aus.

Michael Niavarani über Thunberg und die Wut die diese von gewissen Milieus auf sich zieht: „…Wenn jemand eine schlimme Diagnose bekommt, dann fängt er an zu verleugnen…Wahrheit tut weh.“ Daher: wegsehen, und jene (persönlich) angreifen, die die Umwelt (die Lebendgrundlagen) erhalten wollen. Sie können auf einer Sachebene nicht gewinnen. Klimawandelleugner versuchen wie gewisse Israelfreunde, vom eigentlichen Thema abzulenken. Hier sieht man auch, welcher Anti-Aufklärungs-Geist in diesen Milieus herrscht, entgegen ihrem Selbstverständnis. es geht da auch um ein Frauenbild der Rechtspopulisten und Rechtsextremisten. In mancher Hinsicht hat Greta Thunberg viel mit George Soros gemeinsam (bzw die Angriffe auf sie), um ihn wird es im IV. Teil nochmal gehen.

Nochmal zur Zusammenarbeit zwischen zionistischen und westlichen Nationalisten; es gibt darin gewisser Stolpersteine, sie spiegeln vielleicht das jüdisch-christliche Verhältnis wieder. Zwischen Orban und Netanyahu (s.o.) zeigt sich das ganz gut. Wie erwähnt richteten sich die Kreuzzüge auch gegen die Juden, nicht nur gg “den Islam”; Juden in Europa und im “Orient” (1096 wurden die verbliebenen Juden in Palästina im Zuge des Ersten Kreuzzuges nahezu ausgerottet). Aber es gibt eine Art westlich-zionistische Konvergenz in den letzten Jahren, nicht nur zwischen den Rechtsaussen beider Seiten. Die Rechtsaussen Israels sind in einer ganz anderen Situation als jene in Europa und Nordamerika; es geht dort auch um eine Art Kolonialsituation, um Militärherrschaft über Andere, Besatzung, Vertreibungen,… Eva “Herman” (Bischoff) nahm zwar gg die moslemische Einwanderung nach Deutschland Stellung (auch ihr Frauenbild war noch nicht das Problem), fand am NS aber auch gute Seiten. Die genannten Stolpersteine zeigen sich auch anhand der Mitwirkung bzw Nicht-Mitwirkung von Juden in Deutschland an der “Erinnerungsarbeit” der Vertriebenen. Auch ein Broder, dem es sonst nicht rechts genug sein kann, hält sich da eher zurück. Die Schwierigkeiten beginnen natürlich damit, dass diese Vertreibungen von Deutschen aus Osteuropa (grossteils aus Gebieten die Teil des Deutschen Reichs waren) am Ende des 2. WK oder in der NKZ das Resultat nationalsozialistischer Politik waren. Und, weil die Vertriebenen eine ethnonationalistische Definition von Deutschtum aufwerfen, die Juden (in der Diaspora) Unbehagen bereitet.

Julius H. Schoeps, ein gut vernetzter “Antisemitismus-Forscher”, hat das geplante BdV-Projekt “Zentrum gegen Vertreibungen” zunächst unterstützt, dann kam die Kehrtwende. Die doch sehr reaktionäre GfbV übernahm ein Interview aus dem noch (deutsch-)reaktionäreren “konkret” mit Ralph Giordano (…), in dem dieser das Zentrum gg Vertreibungen gg die “Anti”deutschen verteidigte; auch dieser hat später seine Haltung diesbezüglich geändert. Die Vertreibungen von Palästinensern wären aber ohnehin kaum thematisiert worden. Aber auch das Wirken von Geert Wilders ist in diesem Kontext relevant. Er ist in Tel Aviv aufgetreten, wird von Broder und Caroline Glick unterstützt, tritt auch148 mit Strache auf, trat/tritt für ein Schächtverbot ein (das SWC war empört darüber), und das Sarrazin-Buch über das “Abschaffen Deutschlands” war nach ihm ein Anzeichen dafür, dass Deutschland mit sich ins Reine kommt, den “Schuldkomplex” überwunden habe. Der verstorbene Islamophobe Ulfkotte sprach auch von der „Grausamkeit des Schächtens“ (ausserdem von „christlich-jüdische Traditionen“, „freiheitlich-demokratischer Grundordnung“,  “Bedrohung europäischer Kultur“, “römisch-christliche Wurzeln“,…).149 Ann Coulter (USA) stösst zwar ins anti-moslemische “Horn” und faselt vom “Genozid an Weissen”, ist aber auch “juden-kritisch”.

“An anti-Semite used to mean a man who hated Jews. Now it means a man who is hated by Jews.”, sagte Joseph Sobran, ein rechter katholischer amerikanischer Autor, 2010 gestorben; er wurde von Podhoretz angeprangert, von Coulter verteidigt. Ja, manchmal sind “Antisemitismus” und Rassismus auch zusammen… Und, wie gesagt, die Zusammenarbeit bzw die Ansprüche von Rechten aus verschiedenen Nationen gestaltet sich in der Regel schwierig. Klischees über Italiener in der Schweiz (“faul, stinkend, lüstern,…”) können Leute von der Lega natürlich nur irritieren, auch wenn sie von der dortigen Rechten kommen.150 Und die evangelikalen US-Amerikaner grenzen gerne die Lateinamerikaner aus, auch jene die rechts und prozionistisch sind, auch jene die protestantisch und evangelikal (und weiss) sind.

Nun zu Querfronten und Widersprüchen zwischen rechten und linken Israel-Fans im Westen. Bis zum Krieg 67 war die (neue) Linke grossteils pro-Israel, dann drehte sich das und die Israel-Begeisterung ging zur Rechten über. Mit dem “Ausbruch” der Islamkrise (Islamismus & Islamophobie) etwa 2001 wurde auch die Linke grossteils wieder prozionistisch, manche Teile ganz radikal, verbunden natürlich mit einer Islamophobie – von dort, den „Anti“deutschen (über sie extra in Teil IV), schliesst sich auch schnell ein Kreis mit der Rechten. Begeisterung für den Zionismus ist bei den Pseudo-Linken und der Neo-Rechten (in der USA Neocons/Tea Party/Evangelikale/…) am grössten; jene die den Zionismus “links” etikettieren wollen, sind meist aus dem deutsch-österreichischen Raum… Zwischen “AS”-Wahn, Westchauvinismus und Moslemophobie in linker und rechter Spielart, also zB von Marco Schreuder und Ursula Stenzel, gibt es Widersprüche, Parallelen und Berührungspunkte.

In dem Spektrum, das sich in progressiver oder linker Tradition wähnt – oder eine solche vorgaukelt – wird Philozionismus toleranzchauvinistisch (“Schwulenrechte”…) begründet /affirmiert (verlogen/naiv), die israelische Flagge mit der des Regenbogens kombiniert151, hier verschmilzt der israelische Staat und die israelische Friedensbewegung (die Shalom-Achshav-Richtung), während eigentlich eine Likud-Linie unterstützt wird. Die Anderen kombinieren die israelische Flagge mit ihrer Nationalflagge oder Kreuzen (wie Evangelikale). Um die Heldenhaftigkeit der israelischen Armee herauszustreichen, wird sie als eine Art “Partisanenarmee” porträtiert oder aber dafür glorifiziert, dass sie “Partisanen” bekämpft.152 Beide sehen Israel “vernichtungswilligen” Palästinensern gegenüber stehen, als Vorhut der Unzivilisierten der Region – deren Unzivilisiertheit wird aber unterschiedlich begründet. Beide Seiten sind bereit, Israel-Kritik mit AS gleichzusetzen und diesen den Moslems/Orientalen umzuhängen (oder aber der jeweils anderen “Seite”!), zur Weisswaschung des Westens.

Broder ist irgendwie am Schnittpunkt, so zwischen Altrechten (die sich neu affirmieren) und “Anti”deutschen, die Brücke zwischen rechter und pseudolinker Islamophobie/Israelunterstützung, auch Ostensack ist so eine Schnittstelle. Es gibt gemeinsame Inhalte, Querfronten sind auch gelegentlich zu beobachten. Auf einer Veranstaltung zum “Tag der Patrioten“ vor einigen Jahren von/mit Merkle (“Mannheimer”) (PI) gab es NPD- und Israel-Fahnen… Mitglieder des BAK Shalom (Linke) mit Klaus Lederer demonstrierten Anfang 2009 zusammen mit der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) und anderen offen Rechten für die Bombardierung des Gaza-Streifens durch Israel. Auf PI werden auch die Mantras der Grigats und Küntzels (oder ihre Veranstaltungen) beworben. „Fred Alan Medforth“, aus evangelikalem/PBC-Umfeld kommend, ist vernetzt mit dem ganzen „anti“deutschen Rudel, verlinkt auf seiner Homepage zustimmend den Auftritt des “antideutschen” ”Politologen” Grigat im ORF zu dropthebomb, bewirbt einen Simone-Hartmann-Auftritt auf einem „Antifacamp“, spielt die serbisch-nationale Karte (deshalb gegen NATO),…

Die ÖVP-FPÖ-Regierung (Kurz/Strache, 17-19) hat eine “Initiative gegen den politischen Islam” angekündigt. Kurz sah sich gefordert, „unsere freie Gesellschaft vor dem politischen Islam und seinen Auswüchsen wie dem Antisemitismus zu schützen“ und kündigt die Schaffung einer Dokumentationsstelle für politischen Islam nach dem Vorbild des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) an. Die Ergebnisse der jüngsten Antisemitismusstudie hätten gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe. Begleitet werden soll die Arbeit von einem “wissenschaftlichen Beirat”, durch “wissenschaftliche Studien” und der Herausgabe eines “Jahresberichts”. „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn unsere Grundwerte, wie Demokratie oder die Gleichstellung von Mann und Frau, offen abgelehnt werden …“, erklärte Kurz das Vorhaben seiner Regierung. Vizekanzler Heinz-Christian Strache bezeichnete den „Islamismus“ als die „größte Bedrohung unserer freien Gesellschaft“. „Die Einrichtung einer Beobachtungsstelle gegen den politischen Islam ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Man muss den Anfängen wehren.“

Ein Profilierungsprojekt der österreichischen Rechten also, alles Rückständige (bzw das was diese Rechten JETZT als rückständig definieren) soll an Moslems/Orientale delegiert werden, eine Deutungshoheit über „Antisemitismus“ versucht. Wobei: Saudi-Arabien wird aus weltpolitisch-wirtschaftlichen Gründen samt seines Islams verschont werden, so wie Japaner beim Apartheid-Regime Südafrikas aus wirtschaftlichen Gründen als “Weisse” durchgingen. Und, das DÖW ist längst auf der Linie von Strache/Kurz, formuliert anders. Peham/”Schiedel”, von Medien auf das Vorhaben angesprochen, hat nichts dagegen einzuwenden, hat nichts zu sagen über Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Heuchelei, Weisswaschung von FPÖ und ÖVP…kein Widerspruch, im Gegenteil. Die österreichische Volksgemeinschaft…und ihre Obrigkeitstreue.153

Offen rechts (zB auch Ablehnung christlicher Flüchtlinge aus Afrika oder “Nahost”, Bekenntnis zu Radikalismus) oder aber politisch korrekt rechts (für “christlich-jüdische Kultur”, gegen Radikalismus). Der “Islam” ist auch im Endeffekt hauptsächlich Platzhalter für Anderes. Die Einen sagen, der Westen ist stärker durch Diversität, Homosexuellen-Rechte,… die Anderen “durch weisse Vorherrschaft”. Für die einen Zionisten (zB die Evangelikalen) ist Homosexualität das Barbarische, für die Anderen Intoleranz ggü Homosexuellen. Ablehnung der Homosexualität oder aber die aggressive Affirmation ihrer Rechte. Linkswestisten (Islamophobe/Zionisten) täuschen eine gemeinsame Front von Juden, Schwulen, Frauen (gg Islam/ismus) vor, als ob es nicht grosse Vorbehalte ggü Homosexualität in grossen Teilen des Judentums geben würde, grosse Israel-Solidarität bei der Rechten, als ob Frauen als der moslemischen Welt ihre Schutzbefohlenen wären, als ob es keine Rassenvorurteile ggü moslemischen Frauen gäbe, keine Feindschaft von hiesigen Rechten ggü Homosexuellen. Frauen aus/in der moslemischen Welt oder die offene Gesellschaft ins Spiel bringen, um die eigene Fremdenfeindlichkeit zu beschönigen…

Die Geschlechter- und Gesellschaftsbilder der Wähler von Schas, Yahadut HaTora HaMeuhedet,… und anderer Rechtsparteien (keine Aussenseiter, immer wieder an Regierungen beteiligt). Moslems/Orientale sind böse weil keine Toleranz für Homosexuelle, weil Antisemiten, frauenfeindlich et cetera oder aber weil sie so dumm und und stinkend und inferior sind, Kameltreiber, Ziegenficker. In beiden Narrativen zersetzen sie gewissermaßen westliche Nationen/Kultur. „Annoying liberals“ oder aber „Liberalismus hochhalten“ gg Illiberale, beide im Sinne des Zionismus, einer „freien Gesellschaft“. Hegemonial im zionistisch-islamophoben Diskurs ist das Linkschauvinistische, also wir sind tolerant zu Schwulen im Gegensatz zu ihnen, daher besser.154 Es gibt immer wieder die Diskussionen, in was sich Immigranten zu integrieren hätten, an was zu assimilieren. Soll man ihnen Toleranz für küssende Männer abverlangen oder doch nicht? Wenn sie dann aus dem Integrationskurs rausgehen und in die nächste Kneipe rein, könnten sie diesbezüglich einer anderen Realität der hiesigen Gesellschaft begegnen. “Frauenhass, Homophobie und Antisemitismus” beklagen oder die diesbezügliche politische Korrektheit.155

Es gibt jene Islamophobe die zu Homophobie und Antifeminismus stehen, wie Matthias Matussek oder Eric Zemmour156, jene die es etwas kaschieren wie Henryk Broder, jene die es ganz kaschieren (Springer-Leute,…), und jene die Toleranzchauvinismus auf ihrer Flagge haben (wie Schreuder). Die rechtsextreme Zionistin Caroline Glick (über sie im III. Teil) auf ihrer Website über ihr Aufwachsen in der USA: “I grew up in Chicago’s ultra-liberal, anti-American, and anti-Israel stronghold of Hyde Park. Hyde Park’s newest famous resident is Barack Obama. He fits right into a neighborhood I couldn’t wait to leave. I made aliyah to Israel in 1991, two weeks after receiving my BA in Political Science from Beir Zeit on the Hudson—otherwise known as Columbia University. I joined the Israel Defense Forces that summer and served as an officer for five and a half years.“ > Die Links-Islamophoben und (Pseudo-) Links-Zionisten würden sich hüten, Bir Zeit als „liberal“ zu etikettieren, im Gegenteil, in diesen Kreisen ist alles Palästinensische, Orientalische „illiberal“ und daher verdammenswert, für „Reeducation“ überfällig, das Westliche das „Liberale“; sie aber verachtet v.a. liberale Juden und Westler, fast so sehr wie Palästinenser und Andere aus dieser Region.

Mal wird behauptet, dass „Illiberalität die innere Struktur des Antisemitismus kennzeichnet“, dann wieder, dass die Liberalen dafür verantwortlich sind. Friedrich Meinecke kam 1946 in “Die deutsche Katastrophe”, gedruckt mit Erlaubnis der US-Besatzer, zu dem Ergebnis: “Zu denen, die den Becher der ihnen zugefallenen Macht gar zu rasch und gierig an den Mund führten, gehörten auch viele Juden. – Die Juden, die dazu neigen, eine ihnen einmal lächelnde Gunst der Konjunktur unbedacht zu genießen, hatten mancherlei Anstoß erregt seit ihrer vollen Emanzipation. Sie haben viel beigetragen zu jener allmählichen Entwertung und Diskreditierung der liberalen Gedankenwelt, die seit dem Ausgange des 19. Jahrhhunderts eingetreten ist”. Jedenfalls, bei Trump oder Bolsonaro wollen wir bezüglich ihrer Politik und Einstellungen mal nicht so streng sein, schliesslich sind die pro Israel. Und auch “Saudi-Arabien ist wichtig für Israel”, daher…

Manchmal erfindet man das eigene Kollektiv als “liberal”, das dem “Bösen”, “Illiberalen” gegenüber steht. Die (proisraelischen) Evangelikalen in der USA aber empören sich über Waffenkontrolle/-verbote, Homsexualität, die Gleichheit der Rassen,… Der rechtskonservative Grazer Bürgermeister Nagl verteidigte einst Schwarzenegger und seine Todesstrafen-Entscheidung als Gouverneur von California; Andere sehen die Todesstrafe (zB im Iran) als Beleg für Barbarismus, welcher “dem Islam” innewohne (obwohl dort fast alle Hingerichteten auch Moslems sind). Erdogan ein „autoritärer, rückständiger, populistischer Führer”, aber Orban…und die “verweichlichten, selbsthassenden, liberalen Gutmenschen”. 2018 Verleihung des “Echo”-Preises an Farid „Bang“ El Abdellaoui (marokkanischer Herkunft) & “Kollegah”, denen “Antisemitismus” in Texten vorgeworfen wird, grosse Protestwelle (u.a. Rückgabe seines Preises von “Campino”). Über 6000 Mal wurde das Posting eines Lehrers geteilt, der von “Fremden- und schwulenfeindlicher, frauenverachtender und antisemitischer Scheiß[e]” schrieb. Für Andere ist er einfach ein “Kanake”, wahrscheinlich auch für den neurechten Deutsch-Rapper „Koljah” (kolerikah), der gg „Kanaken” und “Neger“ sowie “Islamversteher” hetzt. Eine Dokumentation wirft der deutschen Rapszene “massiven Antisemitismus” vor; aber “Koljah” muss ja in Ordnung sein, da zionistisch.

Attacken bzw Aussagen mit klarem “Rassismus”, also die abwertende “Thematisierung” von “Rasse” und dergleichen, ist selten geworden. Man kann ja auch einfach jemand zB als “Antisemiten” oder so ablehnen. Manchmal kommt so etwas aber doch hervor, zB die Beschimpfung der italienisch-kongolesischen Ärztin und Politikerin Kyenge als “Affe” durch die Lega. Oder, wenn der “Westen” als “weiss” definiert wird, so wie von Steve King. Die fliessende Grenze zwischen „Islamkritik“ und Rassismus… Etwa bei den Kommentaren unter einem Youtube-Video über das Fussball-WM-Spiel 1990, zwischen den Teams von Niederlande und Deutschland (in Mailand): „damals spielten auch noch keine Türken und Afrikaner für uns ;)”, „1990 und 1996 die letzten Deutschen Helden. Die heutige Migrantentruppe kann man sich ja nicht anschauen. Muss man sich ja schämen, dass sowas einen Adler trägt. Aber so verfault Europa allgemein zur Multikulti Mischmasch ohne Identität.”, „Scheiß Holland!”,…157 Den Sack schlagen, den Esel meinen; sagt man, wenn jemand stellvertretend für Andere, die eigentlich gemeint sind, kritisiert wird.

“Islamische und afrikanische Invasion”

Als Dhoruba al-Mujahid bin Wahad aus der USA, ehemaliger Black-Panther-Aktivist und Mitbegründer der Black Liberation Army, 2018 in Wien reden sollte, über seinen politischen Werdegang und seine Erfahrungen als militanter Kämpfer und langjähriger Gefangener, im Rahmen einer Vortragsreihe zum Themenkomplex Kolonialismus, Rassismus und Black Power, forderte die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) vom veranstaltenden Institut für Afrikawissenschaften die Absage der Veranstaltung, weil der Verein “Dar Al-Janub” (israelkritisch) Mitveranstalter war. Es kam zur Ausladung, Mujahid durfte nicht reden… Veranstaltungen im Zhg mit dem “Dar Al-Janub” werden immer wieder Zielscheibe der zionistischen Szene Wiens. Eine Stellungnahme von dem Verein. Es gab in den Diskussionen in der ÖH auch eine Verwischung rassischer und anderer Ressentiments mit „Antisemitismus“-Inquisition, es ging auch um (bzw gegen) den Vortragenden und die Thematik… So wie bei den Attacken von Trump und seinen Anhängern gegen Alexandria Ocasio-Cortez und Ilhan Omar; Ocasio hat gar nichts moslemisches, hat nichts über die “jüdische Lobby” gesagt, wird dennoch auch angefeindet.

Ein dünn verhüllter Rassismus kam auch gegenüber Bilal Hassani zum Vorschein. Er hat Frankreich heuer beim Song Contest (in Israel) vertreten. Ist marokkanischer Herkunft und eine Art Drag Queen. Mit seiner Nominierung in Frankreich begann es, er wurde von homophoben Trolls beleidigt, aber auch jenen, die ihn als nicht würdigen Vertreter Frankreichs sahen wegen seiner Herkunft. Bei Erdogan-Kritik “rutscht” auch gerne Antitürkisches und Fremdenfeindliches in Kommentare “hinein”, wird versucht diese Feindlichkeit über den Anteilnahme-Umweg zu relativieren (es ginge einem um Demokratie und Menschenrechte).158 Auf Youtube gibt es den Benutzernamen “brennendemoschee”159; ob es ihm nicht um brennende Menschen geht… “frenchlegioner” ist ein Nazianhänger, von Breivik, aber auch von Walid Shoebat. “amerasu0“ ist ein PI-aktivist, unterstützt(e) auch proNRW, pro Israel, postet von Grigat u.a. ein Video bei dessen “Kritischer Islamkonferenz”. Das was man auf Englisch “political punditry” nennt (politische Analytik), ist auf YouTube übrigens auch von Rechten dominiert, von Pat(rick) Condell bis “Carl von Akkad”.160

Beim Schuss-Attentat auf 2 Moscheen in Christchurch, NZL, heuer (~50 Tote) war der Täter ja ein Weiss-Suprematist/ Neonazi/Rechtsextremist aus Australien. Dieser Brenton Tarrant postete (auf 8chan) sein Manifest, mit dem Titel “The Great Replacement”. Bezog sich dabei vor allem auf Renaud Camus, der 2010 ein Buch mit diesem Titel herausbrachte (bei Antaios), behauptend dass ein “Bevölkerungsaustausch” im Gange sei, Frankreich von Nordafrikanern und Westasiaten “überrannt” werde. 2012 hat er Marine Le Pen in der französischen Präsidentenwahl unterstützt. Das “Konzept” des „grand remplacement“ ist mehr oder weniger dasselbe wie das der „white genocide conspiracy“, dass das weisse christliche Europa von Schwarz- und Nordafrikanern sowie Westasiaten (hauptsächlich Moslems) übernommen werde, kulturell und physisch. Es geht auf „Bat Yeor“ (Giselle Littman) sowie Jean Raspail zurück. Wurde von vielen rechten Parteien und Initiativen in Europa (hauptsächlich im westlichem) aufgegriffen oder ähnlich formuliert.

David und Giselle Littman mit Enkelin, 2009

R. Camus schrieb in seinem “La campagne de France” (2000 erschienen, in Englisch “Diary of 1994”), dass in einer Literatursendung eines französischen Radio-Senders die meisten Kritiker Juden seien und diese jüdische Autoren bevorzugt behandelten. Dieser Camus ist gleichzeitig ein grosser Israel-Untersützer und Alain Finkielkraut war einer jener Prominenter, die ihn (deshalb) gegen den “Antisemitismus”-Vorwurf verteidigten…161 Ein Dilemma für Manche. Jedenfalls: Es gibt diese Nähe, diese Nachbarschaft von „westliche Kultur in Gefahr“ (und diese wird in diesem Dikurs gewöhnlich als “liberal” affirmiert), „Multikulti ist Kulturrelativismus“, “weisses, christliches Europa in Gefahr“ oder „Diversität/Multikulti ist ein Codewort für weissen Genozid“. Die Querverbindungen von KKK-Leuten die vom „Genozid an Weissen“ faseln, über 1,2 Zwischenstationen zu Gisele Littman und ihrem “Eurabien“, oder zur „Gefährdung westlicher Werte“. Man sieht an diesem Camus auch wieder mal die “Einbettung” von Israel-Solidarität. Die unscharfe Abgrenzung zwischen „die antisemitischen und homophoben Muselmanen“ zu „die dunkelhäutigen Bedroher unserer Kultur und Rasse“.

Die Morde des Australiers waren rass(ist)isch motiviert, keine “Religionskritik”, und das gilt generell für Islamophobie. Also den Leuten aus moslemischen Kulturen/Ländern eine Andersartigkeit zusprechen, sie diffamieren über die (zT vermeintliche) Zugehörigkeit zu einer Religion/Ideologie, zB indem man aus ihrem Islam einen Islamismus macht. Trump sagte, “weisse Vorherrschaft” bzw das Bestreben danach sei „kein grosses Problem“; nun, er ist ein Teil dieses Problems, kein Schiedsrichter oder Analytiker. Und, es gibt Deutsche, die in gleichem Maß projüdisch sind wie gegen “Farbige”. Bei den Rechten, zB jenen in der Ukraine (s.o.) oder in Deutschland nach dem NS, zeigt sich ein scharfer Bruch in der Sicht auf die Juden; Israel lässt sich in das nationalistische Narrativ integrieren, Juden als Herrscher Israels ist das eine. Anders sieht es mit den “Diaspora”-Juden (zB jenen in der Ukraine) aus, da bleibt die Sicht auf eine “schädliche Minderheit” zT bestehen (ähnlich wie in Israel auf die “israelischen Araber”).162 Israel wiederum sieht Juden ausserhalb als gefährdete Minderheit.

Zu den “linken” Israelfreunden/Islamophoben. Die “Abgrenzung” der Grigats von den Straches geschieht, indem behauptet wird, die Rechten seien gar nicht proisraelisch (was insofern stimmt, als sie damit gewisse Ziele voran treiben wollen, aber sie haben den Charakter Israels erkannt) und gar nicht anti-moslemisch (was insofern stimmt, als Moslems bzw Islamismus oft politisch korrekter Platzhalter/Sündenbock sind für “allgemeinen” Rassismus), Juden seien viel gefährdeter/verhasster. Grigat faselt von „taktischer IL-Solidarität“ auf dieser Seite > die wahre kommt von ihm und seinesgleichen. Rechte IL-Fans bemängeln wiederum auch die „IL-Solidarität“ der (Pseudo-) Linken, beanspruchen ebenfalls Deutungshoheit darüber. Auch wird gerne behauptet, die Distanz zwischen den Rechten und Moslems/Islamismus sei nicht so gross. Und dass Weidel und Osten-Sacken unterschiedliche Feindbilder hätten.

März 17: Thomas Rammerstorfer, oberösterreichischer Grüner, der sich als „Antifaschist“ sieht, und als „Rechtsextremismus-Experte“ (von orf.at und “Falter” diesbezüglich promotet wird), hielt einen Vortrag über Extremismen und “demokratiefeindliche Bewegungen” an einem Linzer Gymnasium (BORG). Unter den Schülern war ein Sohn von FPÖ-Nationalratsabgeordneten Roman Haider, der informierte seinen Vater, der intervenierte, auch als gewählter Elternvertreter der Schule (darüber dass Rammerstorfer erwähnt hatte, dass bei der FPÖ Vertreter rechtsextremer Burschenschaften dabei seien). Es sei eine Frechheit, eine Nationalratspartei wie die FPÖ mit Extremismus in Zusammenhang zu bringen. Als der Vortragende zur Diskussion kommen wollte, wurde auf Weisung des Direktors abgebrochen. Aufregung über den Abbruch (v.a. bei Grünen und SPÖ OÖ). Landesschulrat-Präsident Enzenhofer sagte, wenn die FPÖ tatsächlich in Zusammenhang mit mörderischen Extremisten vom Schlage eines IS erwähnt worden sei, dann sei das nicht ausgewogen, und der Direktor habe zu Recht abgebrochen. Roman Haider sprach von einem „linksextremen Vortrag“. Ein anderer Sohn von ihm von ihm ist “übrigens” vom Bundesheer bestraft worden, weil er bei einer Veranstaltung im Parlament (Preisverleihung der FPÖ-nahen Dinghofer-Gesellschaft) in Bundesheeruniform und einer Burschenschafter-Schleife erschienen war.

Scheinheiligkeit auf beiden Seiten, die beiden, Rammerstorfer und Haider, haben einander verdient. Das kann man auch bezüglich Norbert Bolz und “Falter”-Klenk sagen. Bolz, deutscher Medienwissenschafter, wurde von Mitte-Rechts (CDU) zu rechts-aussen (nahe AfD), radikalisierte sich ab ca. 2013 über twitter, gegen „politische Korrektheit“, „rot-grünen Grundkonsens“,… Auch mit Rhetorik über „Antisemitismus“ (> Linke, Zuwanderer). Kam natürlich auf Broders “Achse des Guten”, wird von „Cicero“ gebracht. Auf Servus TV eine Diskussion über den ORF, mit Klenk als Gegenredner, Bolz mit Schaum in den Mundwinkeln; beide borniert, gefallen sich in ihren Rollen. In Teil III wird es wieder um Rechts-Links-Widersprüche gehen, bei Zionisten; ein Bild von Israel verbergen (und in Abrede stellen) oder aber stolz zeigen. Ein kleiner Vorgeschmack: www.youtube.com/watch?v=yCkFgmK1-dY&t=1s : Israel setzt gegen Palästinenser die sich gegen neue Siedlungen bzw ihre Enteignungen und Vertreibungen wehren, einmal nicht scharfe Munition ein, sondern u.a. Tränengas und eine speziell für Palästinenser entwickelte übelst riechende Flüssigkeit…

Die Kommentare (auf Englisch) darunter sind dominiert von Häme und Hass: „Scheisse zu Scheisse“, „Araber zurück nach Arabien“, „Lang lebe Israel“, „Europa sollte das gegen illegale Immigranten einsetzen“, oder: „Good job Israel. They already stink, so I’m not sure what the problem is.“. Kritisiert wird höchstens der Kommentar im Video bezüglich „excessive force“ (> „RT you pripaganda bastards”). Viele Bildschirm-Seiten nach unten ziehen sich solche Kommentare, von jüdischen und nicht-jüdischen Zionisten. Das ist die eine Spielart des Zionismus: Kommentare wie „skunk/sewer spray is to make these animals smell better“. Und die andere ist eben, Berichte über solche Einsätze als „antisemitische Diffamierung“ zurück zu weisen, die Thematisierung des Einsatzes und solcher Kommentare als „antisemitisch“, die Siedlungs (Verdrängungs-) Politik gegen die Palästinenser herunter zu spielen (nicht mehr: „Palästinenser raus“ oder „Es gibt keine Palästinenser“), sich in der Opferrolle zu verorten und Regenbogen-Flagge mit der israelischen zu kombinieren, von Homo-Rechten zu schwafeln, von „Antisemitismus“, usw. In dieser „linken“ Spielart des Zionismus werden Berichte über solches Vorgehen gegen Palästinenser auch angezweifelt (und RT als „antiisraelisch“,“antisemitisch“ deklariert), das Vorgehen das in der anderen Spielart bejubelt wird „Antisemitismus-Untersuchungen“ stürzen sich gewöhnlich auf Kommentare zu solchen Berichten/Videos und picken die „antisemitischen“ heraus und ignorieren den Kontext bzw die Grundlage dafür rundwegs, ebenso die proisraelischen.

Zur Verschleierung rechtsextremer Positionen ist dieser Artikel empfehlenswert. Nun soll der Scheinwerfer der Analyse auf die Entwicklungen zwischen den Rechten und Zionisten (auch nicht-jüdische) gerichtet werden (die auch nicht-zionistische Juden betreffen). Juden waren für Rechte das Andere (nicht zugehörig zu ihrer Nation und diese “zersetzend”), aber nun wegen Israel auch Träger eines bewundernswerten, superstarken Ethno-Nationalismus; und Verbündete gg Moslems. Es ist die Politik Israels, die antijüdische Gefühle in Europa und anderswo umgekehrt hat, hauptsächlich bei Rechten, ob aus religiösen oder politischen Überzeugungen. Mit Pro-Israel ist für Rechte auch ein Relaunch ihrer Identität möglich. Und, wenn Strache Israel/Palästina besucht, darf er überall hin reisen, im Gegensatz zu den Palästinensern.

„Rechtsextremes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ > gut oder schlecht für Zionisten? Denn das bedeutet in der Regel Islamophobie, Nationalismus, gg Multikulti, Pro-Israel, Bündnisse mit der israelischen Rechten163,… Ramzy Baroud: “Israel is unabashedly exploiting the unmitigated rise of global neo-fascism and populism. Worse, the once perceived to be anti-Semitic trends are now wholly embraced by the ‘Jewish State’, which is seeking to broaden its political influence but also its weapons market. Politically, far-right parties understand that in order for Israel to help them whitewash their past and present sins, they would have to submit completely to Israel’s agenda in the Middle East. And that is precisely what is taking place from Washington, to Rome to Budapest to Vienna … And, as of late, Brasilia.”

Daniel Pipes freut sich, dass Europa “sich auf seine Wurzeln besinnt”, FPÖ, BNP, VB, FN, PVV,… sollen Moslems Einhalt gebieten, schreibt von “Indigenous Europeans”.164 Kampf gegen Rechts? Broder lacht darüber. Nur wenn eine dieser Gruppierungen dann noch nicht ganz auf Pro-Israel-Linie ist165 oder doch wieder etwas antijüdisches/judenkritisches sagen…- die Hohmann-Grenze. Oder wenn einer doch “Kontakte zu Moslems” hat. In der Logik in der “kruden Allianzen” (im aktuellen wie im historischen Kontext) “geortet” werden, geht es ja nach dem Motto “Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist”. Aber bei Strache zB wird die Sache ja so hin gedreht, er sei geläutert, hätte seine Partei gesäubert, würde nun gg AS vorgehen, hätte einen Schritt in die richtige Richtung gemacht…bekommt Respekt und Anerkennung dafür, das Pro-Israel, Pro-Juden sage etwas GUTES über ihn aus, nicht etwas SCHLECHTES über Israel und den Diskurs der ihm nutzt.

Ja, Israel-Begeisterung der Rechten (und rechter Pseudoantifaschismus) wird als Läuterung bzw notwendige Schutzgewährung vor den Bösen dargestellt/aufgefasst… Als ein “positives Signal” wertete IKG-Chef Deutsch die „positiven Bekenntnisse zu Israel“ im Regierungsprogramm von FPÖ-ÖVP. „Israel kann es sich nicht leisten, einen Krieg zu verlieren“, wiederholte Deutsch die zionistischen Propaganda-Mantras. Israel brauche daher internationale Unterstützung. Für seine Besatzung? Dennoch sei der rechtsextreme Antisemitismus nicht ausgestorben. „Frage, ob man der neuen Seite der FPÖ trauen könne“, redet von NS-Erbe, Antisemitismus bei FPÖ, 2 Gesichtern, Straches Glaubwürdigkeit, „Er versucht nämlich, mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten zu tanzen“. Über die Moslemophobie oder den anderen Rassismus der FPÖ (> Aussagen zu David Alaba, Cesar Sampson,…) gar nichts166, die FPÖ wird stattdessen verdächtigt, nicht philosemitisch und proisraelisch genug geworden zu sein, mit den Moslems (weiter) unter einer Decke zu stecken.

“Mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten tanzen“ – kann man auch über die IKG sagen, nicht nur wegen Lasar und so…bzgl Israel und Minderheiten wird etwas Anderes verteidigt/gefordert/unterstützt als für sich in der Diaspora. Es werden gelegentlich Stellungnahmen gegen die FPÖ abgegeben, aber es wird ihr nicht in die Parade gefahren wenn sie sich zB mit einer Veranstaltung zum “moslemischen Antisemitismus” (Teil IV) profilieren möchte, im Gegenteil. Kritisierst du mein Israel nicht, vergebe ich dir deine Nazi-Vergangenheit und bist du kein Rechtsextremist mehr, diese Absolution wird immer wieder erteilt. Und der “altmodische” europäische Rechtspöbel ist fein raus. Auf anderen Ebenen ist es ähnlich: Die iranischen Mujahedin-e Kalq (MEK) waren früher nicht nur gg die USA, auch gg IL, gg den Schah, für Saddam, nun… Jene die sich das Pro-Israel gross auf die Fahne heften, geben in der Regel auch vor, sich mit dem NS und dem Holokaust auseinandergesetzt zu haben, Lehren aus ihm gezogen zu haben, dieser Ideologie entgegen zu treten…das Gegenteil ist aber der Fall. „Pro-Israel“ dient zur Rechtfertigung bzw Garnierung rechter Politik/Haltungen.167 Und, die Avancen der Rechtspopulisten in West- und Osteuropa werden von zionistischer Seite sehr wohl “erwidert”, man muss nur an die israelischen Berater von Vadim Tudor (s.o.) denken.

Die Zeitschrift „Datum“ brachte mal einen Artikel über Funktionäre des FPÖ-Jugendverbandes RFJ, denen Kritik an israelischen Militäraktionen schwer angekreidet wird, viel mehr als verhetzende Aussagen über Immigranten; ein ander’ Mal über die Geschäfte, die Österreicher, die mit dem bösen Iran machen. „Malmö“ schreibt über „Antisemitismus“ bei den mexikanischen Zapatisten, aber über Trump und seinen überbordenden Rassismus… “Danny” Leder, “Kurier”-Korrespondent in Frankreich, läuft immer zu grosser Form auf, wenn er über Juden als Opfer der Moslems in Frankreich schreibt. „Wenn Juden und Muslime für die FN stimmen, sind vielfach die selben Gründe wie für die restliche Bevölkerung ausschlaggebend, also etwa die aktuelle Jobkrise oder die Angst vor Kriminalität. Aber ein Teil der jüdischen Wähler sehen in der FN auch eine Antwort auf die oben beschriebene Bedrohung durch radikalisierte junge Muslime. Während auf Seiten der muslimischen Wähler ein Teil, nicht zuletzt aus Aversion gegen Israel, die Judenfeindschaft von Jean-Marie Le Pen attraktiv finden.“ Die Juden Frankreichs seien ggü Vereinnahmungsversuchen der FN standhaft geblieben, Rassismus unter ihnen sei ein Anathema. Dieudonne Mbala Mbala wird dagegen als im Bunde mit FN, Nazis, Islamisten gg Juden dargestellt.

Ex-IKG-Chef Ariel Muzicant (heute EJC) über die neue FPÖ: „Dessen kann man sich leider nicht erwehren. Die sind einfach draufgekommen, dass es nicht mehr fesch ist, Antisemit zu sein, und versuchen jetzt, diesen braunen Fleck auf der weißen Weste loszuwerden. Gott soll mich behüten vor solchen Freunden“. Fast genau so hat Strache formuliert, als er auf die Unterstützung von Seiten der Neonazis wie Honsik angesprochen wurde… er könne sich gegen eine solche Unterstützung nicht wehren (und hat das selbst als klare Abgrenzung zu Honsik gewertet). Und weiter: “Eine Partei, die rechts vom Zulässigen steht, die fließende Verbindungen zum Rechtsextremismus und Nationalsozialismus und gleichzeitig mit dem Iran Verbindungen hat und ein Naheverhältnis zu einem Herrn Friedmann168, hat, der regelmäßig in den Iran fährt, vom Iran bezahlt und ausgehalten wird.” Es gibt genug Verbindung von westlichen (auch österreichischen) Rechten zu Israel/ dem Zionismus, anstatt dies zu thematisieren, wird verlangt dass die Rechten noch zionistischer werden… “Auf der einen Seite schimpft man gegen die Moslems in Wien, auf der anderen Seite versucht man mit irgendwelchen Mullahs Geschäfte zu machen.”. Da ist sogar etwas dran, Rechte/Rechtssextreme reden manchmal im heimischen Zhg von „Kanaken“ und dergleichen, sehen die Dinge bzgl deren Herkunftsländern anders.

In diesem Zusammenhang müssten aber auch jene Rechten (wie Orban) thematisiert werden, die Israel unterstützen (teilweise glorifizieren), auf Juden in ihren Ländern (der “Diaspora”) aber eine ganz andere Sicht haben. Und, jene islamophoben Israel-Freunde, die bei Saudi-Arabien plötzlich ganz “still” werden… Anlässlich einer der erwähnten Antisemitismus-Konferenzen schlug Muzicant alarmistische Töne an169, streute der Kurz-Strache-Regierung Blumen (In Sachen “Antisemitismus” sei die österreichische Situation „Gott sei Dank eine der besten in Europa“)170, nannte als Quelle des AS in Österreich Flüchtlinge, Israel-Feindlichkeit sowie (“einen immer stärker werdenden”) Rechtsextremismus. Die Rechtsextremen von Ungarn bis Schweden sind aber alle pro-Israel, das kehrte er unter den Tisch, und das ist ja, was zählt (nur nicht die alarmierende Situation der Palästinenser zB im Jordantal oder Hebron thematisieren); mit dem Verweis auf Flüchtlinge (vielleicht hat er auch Immigranten generell erwähnt) sandte der EJC-Vizepräsident wieder Signale an die FPÖ > Sucht euch andere Feindbilder, so lange ihr die habt, ist es OK.171

Mit Kurz und Strache gemeinsam Anti-Rassismus desavouieren… Muzicant war vor 00/01 ziemlich moderat, schlug dann (einem Trend folgend) einen rechtszionistischen Kurs ein, einen sehr chauvinistischen. Juden stellt er, entgegen den Realitäten, als ganz schlimm bedroht dar, über Strache in Jerusalem und dergleichen schweigt er sich aus, ebenso wie (meistens) über die Feindbilder der FPÖ (und Vieler in ÖVP,…), kritische (realistische) Thematisierung von Israel/Palästina gestattet er keine. Der FC-Israel-Fanklub-Chef in Österreich wird Kritik an Israel nicht aussprechen selbst wenn er dort etwas kritisch sehen würde. Aber Journalisten fragen ihn ja immer wieder nach Einschätzungen zum “Nahost-Konflikt”…und Musikant sitzt in DÖW, Wiesenthal-Institut, Mauthausen-Komitee. 2006 Muzicant im Interview mit Chili TV, z Zt des “Libanon-Kriegs”: “Die Türken (in Österreich) sind weniger aufgehetzt (als die Araber) durch Al-Jazeera und ähnliches, während die hauptsächlich aus Nordafrika stammenden Araber aus Frankreich durch die Beeinflussung der arabischen Medien aufgehetzt werden. In Frankreich leben sie in Vororten, wo sie wie in Ghettos gehalten werden, weder sozialisiert noch integriert sind und einer sehr großen jüdischen Bevölkerung gegenüber stehen”…Allein über den ersten Satz (und seine Konnotationen) müsste man eigentlich ausführlich reden.

Weiter: “Zu den Moslems in Österreich haben wir eine hervorragende Beziehung. Wenn es Probleme beim Schächten gab oder wenn die FPÖ ihre üblichen Hasstiraden losgelassen hat, dann waren wir es, die aufgestanden sind, um diese Attacken gegen Moslems zu bekämpfen. Unabhängig davon, dass es auch hierzulande 5.000 bis 10.000 Moslems gibt, die mit Hasstiraden gegen Israel herum marschieren”…Die IKG unter Muzikant hat etwa Veranstaltungen von “stopthebomb” (wo es Kriegsaufrufe ggü Iran gab) mitveranstaltet und unterstützt. Und er sagt den Österreichern zB, dass Türken und Araber aufgehetzt sind. Jene, die ggü dem Schicksal der Palästinenser nicht gleichgültig sind (ob moslemisch oder nicht) werden von Muzicant gleich diffamiert. Den Hass sieht er, bzgl Österreich und generell, nur auf der einen Seite…hängt den Hass und die Vorurteile immer der Gegenseite um, man selbst sei so gutwillig und tolerant und friedenswillig, seine Verachtung zeigt er, indem er den Moslems hier und dort Verhetzung und dergleichen unterstellt (siehe oben & unten)172…”Ich bin überzeugt davon, dass irgendwann der Tag kommt, an dem es den Müttern wichtiger ist, dass ihre Kinder leben und eine Zukunft haben. In Israel ist das so. In den arabischen Ländern und vor allem unter den Palästinensern ist scheinbar ‘das sich Umbringen’ und möglichst viele junge Frauen mit in den Tod zu reißen eine ganz tolle Tat.”…Zu der solchen Aussagen zu Grunde liegenden Denkweisen im nächsten Teil einiges. Es ist sein Chauvinismus, seine Aufgehetztheit; es gibt aber auch Juden/Zionisten, die zu ihrer Verachtung stehen (siehe die Kommentare zum “Sprühattacken”-Video).

“Die Israelis sind aus dem Gazastreifen abgezogen und haben den Palästinensern die ganzen Gewächshäuser überlassen. In der Hoffnung, dass sie dort Jobs schaffen. Sie haben von dort Raketen geschossen und jetzt ist alles kaputt. Wenn sie schießen, schießen wir zurück. Man hat das Gefühl, die Palästinenser müssten ehrenhalber einmal einen Krieg gewinnen, damit sie Frieden machen können. Nur das Risiko können die Israelis nicht eingehen…”…Einen Abzug nach 38 Jahren Besatzung als grosszügig darzustellen…das Elend Gazas begann mit der Nakba, als Palästinenser aus vielen Teilen des südlichen Palästinas dorthin flüchteten, und es hörte mit dem Abzug der Siedler und Soldaten nicht auf… “…werden die Israelis solange hinhauen, bis die Bombardierung Nordisraels aufhört und die Menschen in Haifa nicht in ständiger Terrorangst leben müssen. Sensibel kann man vorgehen, wenn man in Mitteleuropa lebt. Im Nahen Osten wird ein sensibles Vorgehen als Schwäche ausgelegt“…Darüber könnte man auch lange analysieren, momentan nur soviel: es ist Muzicants Art zu zeigen, dass er von dieser Region, diesem Konflikt nichts versteht (oder absichtlich verdreht), und seine Art, Verachtung zu zeigen.173

“Wenn die säkularen und geistlichen Führer der Muslime nicht gegen die Sympathisanten des Terrorismus vorgehen, werden wir uns in einigen Jahren in einem furchtbaren Kulturkrieg befinden, der sich auch auf den Straßen abspielen wird. Die europäischen Bevölkerungsteile werden es nämlich nicht akzeptieren, dass immer wieder Terroristen aus den Reihen der islamischen Glaubensgemeinschaft Terrorakte verüben”…die Führer der Muslime, die europäischen Bevölkerungsteile…”Zunächst wirkt der Underdog-Effekt – die Palästinenser werden als die armen Schwachen wahrgenommen und die Israelis als die bösen Starken…”…>jene die sich auf Seite Israels stellen weil diese als SIEGER (über Araber/Orientale) wahrgenommen werden, und auch jene die sie als underdog ggü Arabern/Moslems wahrnehmen (man muss nur einmal die Kommentare auf “DerStandard” lesen, oder nachlesen wie man in Apartheid-Südafrika Israel gesehen hat – bzw seine Nostalgiker heute noch)…”Ich bin Österreicher und Jude und kann die israelische Politik nicht bestimmen”…”Eine Anerkennung bringt den Palästinensern gar nichts – außer dass ein paar Extremisten auf der israelischen Seite Gegenmaßnahmen verlangen werden. Und wenn nach der Anerkennung real nichts passiert, wird es unter den Palästinensern zu massivem Frust kommen. Und Frust hat sich dort noch immer in Gewalt entladen”…darin steckt auch so viel Verdrehung, dass man kaum glauben kann, dass er das wirklich glaubt. Wiegesagt, der Fanklub-Chef wird immer versuchen, seinen Verein in ein günstiges Licht zu stellen…(über Friedenswillen) “Wie ich höre, sind 80 bis 90 Prozent der Israelis dieser Meinung. Ähnliches höre ich aber nicht von der palästinensischen Seite“…wo er Sachen hört Israel/Palästina betreffend…und was er daraus macht. Der Besatzer, der kann leicht sagen, ich bin für den Frieden, fürs Verhandeln, wenn man dies endlos hinaus zieht, ohne substantielle Zugeständnisse. Israelis oder andere Juden können (zB) in Tel Aviv demonstrieren, auch für Frieden mit den Palästinensern, wenn Palästinenser (zB) in Hebron auf die Strasse gehen, müssen sie damit rechnen, niedergeschossen zu werden. Aber selbst unter diesen Prämissen stimmt das mit den 80, 90 % bei weitem nicht.

“…die Zivilbevölkerung in Gaza kriegt keine Bomben auf den Kopf; Das war die Antwort auf Tausende Raketen, die auf Israel abgefeuert wurden. Das war eine Reaktion, keine Aktion”…Nur eines dazu: Eine Rakete (italienisch rocchetta) ist ein Flugkörper mit Rückstossantrieb (Raketenantrieb). Raketen werden als militärische Waffe, in der Raumfahrt oder als Feuerwerkskörper eingesetzt. Das was von palästinensischen Milizen aus dem Gaza-Streifen nach Israel “hinein”geschossen wird, sind keine Raketen…”Es waren 23 000 Israelis in den vergangenen 60 Jahren. Es gab sicher mehr Araber unter den Opfern, aber keiner der Kriege wurde von den Israelis begonnen.”…das stimmt natürlich auch nicht…”Palästinensische Kinder rennen herum und rufen: ‘Tod allen Juden!'”… Anhänger von Liebermans Partei YB (und vieler anderer Parteien) skandieren u.a. in Wahlkämpfen Slogans wie „Tod den Arabern!“. Davor verschliesst Muzikant natürlich auch die Augen. Bei ihm ist ein komplettes Ausblenden des Rassismus’ und der Hetze der (pro)zionistischen Seite festzustellen, ein komplettes Ausblenden dessen was die israelische Politik für Palästinenser bedeutet, dafür jede Menge Verharmlosung dazu.174 Sein feuriger Zionismus kommt immer auf zivilisiert-friedlich daher; aber in der Sache…

Ein “Profil”-Interview 2010/11, wiederum seeehr viele Kommentare zu “Israel” und “seiner Region”, die viel über ihn aussagen, in denen er wieder ein grosses Repertoire von Ressentiments ausspie: Muzikant sieht den Arabischen Frühling (die Bemühungen der Menschen in den arabischen Ländern um Demokratisierung) „mit Sorge“, wie Zionisten generell. „Der ägyptische Präsident Mubarak war zwar kein Freund, aber ein vertragstreuer Partner Israels. Die Frage ist, ob diese Vertragstreue jetzt auch weiterhin eingehalten wird“. Normalerweise führten Demokratien zu weniger Kriegen, „aber bei dem, was wir jetzt sehen, sind wir von Demokratie noch Lichtjahre entfernt“. Und es hat laut Muzicant im Nahen Osten immer die Strategie gegeben: „Wenn es mir schlecht geht, führe ich Krieg gegen Israel, um von meinen eigenen Problemen abzulenken.“ Diese Möglichkeit sei auch jetzt „so unwahrscheinlich nicht“. Zu den Revolutionen in mehreren arabischen Ländern, die entgegen allgemeinen Erwartungen nicht unter der Fahne der Islamisten stattfanden, meinte Muzicant: „Warten Sie bis zu den ersten Wahlen. Dann haben Sie überall 35 Prozent Islamisten in den Regierungen.“ Zugleich bekräftigte Muzicant seine Kritik an der Unterstützung eines Palästinenserstaates durch SPÖ, Grüne, FPÖ und BZÖ. Er werfe ihnen vor, „dass sie gar nicht wissen, wofür sie hier eigentlich eintreten.“ Viele österreichische Politiker seien ahnungslos, was das betrifft. „Sie brauchen nur einmal schauen, was die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen anrichtet: fast keine Pressefreiheit mehr, Menschenrechtsverletzungen, die niemanden aufregen. Wenn Sie von einem palästinensischen Staat reden, dann kann mir niemand garantieren, dass das nicht genauso in der Westbank passiert“, unkte Musikant, als ob es ihm um die Menschenrechte der Palästinenser gehen würde. “Die Araber haben drei Kriege begonnen – 1948, 1967 und 1973 – und alle drei verloren. Die Konsequenz verlorener Kriege sind Grenzverschiebungen, das ist nun einmal so..Ich bin dagegen, dass es am Ende heißt, es dürfen etwa in Hebron, von wo 1929 viele Juden blutig vertrieben wurden, keine Juden leben. Es kann auch nicht sein, dass die Waffenstandslinien von 1967 die Grundlage des palästinensischen Staats wären und keine Juden in Ostjerusalem leben dürfen.” “Selbst die Theorie ist schon schlecht, aber selbst wenn sie gut wäre, wird in der Praxis etwas ganz anderes geschehen.”

Gerade war das Problem mit dem Palästinenser-Staat noch gewesen dass dieser ungünstig für die jüdischen Siedler (bzw Israel) sein würde, dann geht es um dortige Demokratie, macht er sich darüber “Sorgen”…Was Mubarak für die Ägypter war, spielt keine Rolle, nur, was sein Sturz möglicherweise für Israel bedeuten könnte. Diese Haltung zum Arabischen Frühling (der gescheitert ist, aber gezeigt hat, dass die Bevölkerungen dieser Länder bereit sind, für ihre Demokratisierungen zu kämpfen) gibt Aufschluss über die zionistische “Unterstützung” der iranischen Demokratie-Bewegung (bzw Vereinnahmung, so wie im Film “Iranium”)… “Die Konsequenz verlorener Kriege sind Grenzverschiebungen, das ist nun einmal so.” – Ja, als Nazi-Deutschland Polen überfiel (auch, weil es dort Deutsche gab), verleibte es sich einen grossen Teil dessen Territoriums ein, die SU unter Stalin die baltischen Staaten, Rest-Jugoslawien unter Milosevic versuchte das mit Teilen Kroatiens und Bosniens, Putin hat die Krim Russland einverleibt, Irak unter S. Hussein wollte Kuwait kassieren,… Etwas zu besetzen und annektieren ist eine Sache, glücklicherweise hat das in der Geschichte nicht immer Bestand.

Komisch, dass jene die die irakische Invasion von Kuwait unbedingt mit einer amerikanischen Militärintervention “abgegolten” haben wollten (nicht weil es ihnen um Kuwait und die Kuwaiter ging…), (in der Regel) die Resultate des israelischen Angriffskriegs auf Jordanien, Ägypten, Syrien mit der selben Vehemenz einfrieren möchten. Ja, Kuwait hat diesen Krieg im Sommer 1990 verloren und Saddam Hussein wurde auch deshalb dann zu einem “neuen Hitler” gemacht… In dem Satz mit den “verlorenen Kriegen” steckt ja auch ein gewisser Hohn, ein gewisses Feixen…das werden wir uns auch im nächsten Teil genauer ansehen. Und dann die Aussagen über die besetzten Gebiete… Er verdreht das Problem mit der Besatzung, mit den Siedlungen, mit der ethnischen “Säuberungen”. Bewusst oder aus Ahnungslosigkeit (man kann davon ausgehen, dass seine “Quellen” nicht die objektivsten sind). Es ist dies so geläufig, dass man sich fragen muss, ob da Einer vom Anderen nachbetet/abschreibt. Netanyahu-Sprecher Gendelman: „Are Jewish communities in judea&Samaria the obstale[sic] to peace or is it the PA’s demand for ethnic cleansing[!]?“. Avigdor Lieberman: “Die Siedlungen ein Problem? Palästina darf nicht judenrein werden”. Eldad Beck, ein Israeler in Berlin, verteidigt ebenfalls die Siedlungen, mit dieser Rhetorik. Diese seien nicht das Hauptproblem von Nahost, erzählt das Märchen vom Siedlungsstop unter Friedensfürst Netanyahu (sei schwierige Situation wg Regierungspartner YB), IL habe “unglaubliche Kompromisse” gemacht, habe mit Gaza und Sinai “schon 2x gezeigt dass Siedlungen nicht das Problem” seien,…

Das ist so, wie wenn ein mehrfacher Entführer damit protzt, dass er schon 2x seine Opfer wieder freigelassen hat…anstatt sich damit auseinander zu setzen, dass er diese Entführungen 175 begangen hat. Wir werden im nächsten Teil noch eingehender zu Israel kommen, hier nur soviel: Israel vertreibt Palästinenser, um neue Siedlungen zu schaffen oder bestehende auszubauen. Palästinenser dürfen dort nicht leben, höchstens untergeordnete Arbeiten verrichten. Israel kontrolliert de facto 100% des historischen Palästinas, auch den Gaza-Streifen. Juden sind überall in einer privilegierten Position ggü Nicht-Juden. Es ist Israel, das kein Zusammenleben mit Palästinensern auf gleicher Ebene will/duldet, da nutzen auch keine Nebelgranaten. Die Siedlungen sind nur für Juden, existieren auf Kosten der Palästinenser, und dann kommt das Gezeter mit “judenrein“, die Umdrehung der Apartheid-Realität in IL/Palästina,… Das ist das, was Awraham Burg thematisiert hat (am Ende des Teil I darüber). Der Siedler Baruch Goldstein, der 1994 30 Palästinenser mit seinem “Galil”-Sturmgewehr tötete, liess sich auch mit einem Nazi-Judenstern ablichten. Er sorgte ja nur dafür, dass Hebron nicht judenrein wird.

Die Verwendung “judenrein” in diesem Kontext kam auch von Netanyahu… Muzicant reagierte 2012 erbost auf die Haltung der österreichischen Parlamentsparteien, die – mit Ausnahme der ÖVP… – den palästinensischen Anspruch auf Anerkennung als Staat und UNO-Mitgliedschaft befürwortet haben. Darüber im Israel-Apartheid-Artikel schon etwas. John Bunzl, Nahost-Experte am Österreichischen Institut für Internationale Politik, hat Muzicants Kommentar kommentiert. Dessen Wortwahl erinnere ihn an die Diktion und Demagogie der israelischen Rechten; die Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die politischen Parteien sei “tagespolitisch legitim und aus diplomatischer Sicht richtig”. Dass die Palästinenser einen Antrag auf Mitgliedschaft in der UN gestellt hätten, entspreche einem “Schritt der Verzweiflung” und habe keine “antisemitischen” Motive, wie sie in der Stellungnahme der Israelitischen Kultusgemeinde Wien unterstellt werden. Auch Doron Rabinoviczi kritisiert, im “Standard”, die Muzicant-Tirade, wies auf jene Israelis hin, die für eine 2-Staaten-Lösung bzw die Anerkennung einer palästinensischen Unabhängigkeit sind, wie Yehuda Bauer, Amos Oz.176

Im Zusammenhang damit sei auch darauf hingewiesen: Wer stellt die Verbindung Juden-Israel her? Die “Antisemiten” oder die IKG, wie mit dieser Stellungnahme zur österreichischen Aussenpolitik… wenn es um Anerkennung von Rest-Palästina als Staat neben Israel geht,… Als Muzicant, der ja nun als EJC-Vizechef gg IL-Kritik wirkt, vor einigen Jahren als IKG-Chef abtrat, gab es in den österreichischen Medien nur Hagiographien, im “Standard” ein Interview, mit eigentlich nur einer kritischen Frage, nach seinen “Attacken” auf die FPÖ. Zu fragen wäre nach den Anlässen gewesen, bei denen er der FPÖ nicht entgegentrat, und nach seiner eigenen Hetze, wie in den genannten Interviews. In der österreichischen Öffentlichkeit kommen zu ihm nur entweder vulgäre mehr oder weniger direkt antijüdische Attacken wie jene von Haider 01, einen “Spass” mit seinem Namen, als ob es nichts Anderes an ihm auszusetzen gäbe; oder eben einen Glassturz über ihn, und gerade noch höflich nach der “Meinung”/”Expertise” zu “Nahost” gefragt, die unwidersprochen hingenommen werden. Muzicant ist dort zu kritisieren, wo es angebracht ist, also bei seinen chauvinistischen Verdrehungen im Kontext mit Israel/Palästina und seinem diesbezüglichen Lobbyismus.

Es gab ja nicht nur Lasar in der FPÖ, ein anderer prominenter Jude war Peter Sichrovsky, linker” “Standard”-Ressortleiter, dann FPÖ-Generalsekretär und -Abgeordneter. Beim Fussballmatch der Auswahlen Österreichs und Israels 2001 (als ORF-Reporter Huber u.a. mit Steinen beworfen wurde) war er neben Vizekanzlerin Riess-Passer auf der Ehrentribüne, jubelte bei Andreas Herzogs spätem Ausgleichstor frenetisch. 2005 verkündete er, jahrelang für den Mossad spioniert zu haben; als dies (den Gesetzen entsprechend) für ihn Konsequenzen zu haben drohte, widerrief er diese Aussagen wieder. Heute ist er bei den Kommenaren unter den Artikeln des “Standard” unter seinem Klarnamen zionistisch-chauvinistisch unterwegs. Als er zur FPÖ ging, wurde er von Muzicant kritisiert; das war zur Zeit der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Schüssel, als die Annäherungen zwischen den Rechten und Israel noch nicht so weit gediehen waren. Sichrovsky nannte Muzicant darauf hin einen “Berufsjuden“, der seinen toten Verwandte ausnütze, um im TV zu erscheinen, “unendlich geldgierig” und “unendlich reich” sei.

Eine Jillian Becker beschrieb die RAF als “Hitler’s Children” (so genanntes Buch 1977; > Täterenkel, -erben), es gibt weitere ähnliche Einstufungen. Diese Becker ist eine Jüdin aus Südafrika, die nach GB, dann USA ging, als “anti-kommunistisch“ eingestuft wird, was eine Art Black Box war, in der alles Mögliche versteckt werden konnte, bei ihr ist es eine Form des „Westismus“, der mit dem Ende des Kalten Kriegs etwas umdeklariert wurde. Sie attackierte nicht nur die Baader-Meinhof-Gruppe, sondern auch weisse Apartheid-Gegner wie Nadine Gordimer (die ebenfalls Jüdin war), ein Zustand in ihrem Herkunfts-Land der sie kalt liess. Und ist dem rechten Zionismus verbunden; war angeblich mit der israelischen Armee 82 bei der Invasion im Libanon dabei, schrieb dann ein Buch gg die PLO (das Apologie-Buch zum Krieg), erschienen bei Weidenfeld & Nicolson. Und sie gibt sich als „Terrorismus-Expertin“ aus, war 1984 bei einer “Terrorismus-Konferenz” von/mit Netanyahu (“Jonathan Institute”), B. Lewis, G. Schultz, C. Krauthammer,…; gründete das “Institute for the Study of Terrorism” (IST). Ist in der britischen konservativen “Freedom Association” aktiv.

Aber wie verläuft die Kontinuitätslinie wirklich? Die NS-Vergangenheit Kiesingers, Schleyers,… und die Verdrängung, gegen die sich die 68er-Bewegung engagierte… Aus ehemaligen Nazis wurden grosse USA-Freunde, ob von Braun, Gehlen oder Franz J. Strauss, der es in der Wehrmacht nur bis zum Oberleutnant gebracht hatte. Jene, die der damaligen radikalen Linken ihren Antizionismus vorwerfen, wollen darüber hinweg täuschen dass es auf der Gegenseite die Kontinuitätslinie vom NS in die an die USA angelehnte BRD, zur Israel-Begeisterung, zum Westismus gab.177 Franz J. Strauss 1969: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen!“. Der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der CSU wollte eine deutsche Atombombe.178 Im BT-Wahlkampf 1980 (als er Spitzenkandidat von CDU/CSU war) rück-beschimpfte er linke Demonstranten/Gegner als „Nazis“ bzw versuchte, sie zu belehren wer das wirklich sei. Seine Unterstützung von Apartheid-Südafrika und Israel war nur logisch angesichts seiner Weltanschauung.

Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Österreich und der BRD wurde dadurch behindert, dass die Justiz und die Politik in diesen Staaten von ehemaligen „NS-Juristen“ infiltriert war. In der BRD waren das zB Globke, Filbinger, Rehse, Fränkel, in Österreich zB Hermann Hiltscher: Nazi der ersten Stunde, Ermittlungsrichter am NS-Volksgerichtshof, 45 zwangspensioniert, dann mit Hilfe von ÖVP und Katholischer Kirche ans Oberlandesgericht Wien gebracht, wo er bis 1968 wirkte. Es gab aber zB auch Heinrich Gross oder Taras Borodajkewicz, in anderen Bereichen. Anscheinend war da doch ein „kleines Durchlüften“ notwendig. Der Autor und Literaturwissenschafter Hans E. Holthusen publizierte 1966 im „Merkur“ seinen Erinnerungsbericht „Freiwillig zur SS“179; er trat 1983 aus der Berliner Akademie der Künste aus, nachdem die Akademiemitglieder Günter Grass und Heinrich Böll sich seiner Meinung nach zu stark politisch engagiert hatten, etwa durch ihre Kritik am NATO-Doppelbeschluss… Die antikommunistische Guerilla, die es in der Nachkriegszeit überall in Osteuropa gab, besonders die in Rumänien und Bulgarien, war stark mit ehemaligen Faschisten und NS-Kollaborateuren durchsetzt.

Zu Daniel Cohn-Bendit, der ein Softcore-Zionist wurde, kamen 1968 bei seiner Ausweisung aus Frankreich nach Westdeutschland Rufe wie „Cohn-Bendit nach Dachau“. Ulrike Meinhof, eine radikale Kritikerin an der BRD, stellte zB Nachforschungen über NS-Täter Karl Wolff (der in der BRD „aufgegangen“ war) oder das Verhalten von Bundespräsident Lübke in der NS-Zeit an. Nach dem Sieg Israels in seinem Angriffs-/Eroberungskrieg 1967 (den Medien der BRD als Blitzkrieg feierten) bekräftigte Meinhof noch ihre Solidarität mit Israel, verband dies mit Kritik an der neorechten IL-Soli, war anscheinend für einen Rückzug Israels auf die Vorkriegsgrenzen180; Klaus R. Röhl von dem sie sich in diesem Jahr trennte, sah die Gründung Israels als Besetzung eines fremden Landes. Das Olympia-Attentat 72 lobte sie vom Gefängnis aus, auch seine Austragung in der BRD, nannte dabei Dayan den „Himmler Israels“, kritisierte den Befreiungsversuch, die „Instrumentalisierung“ der Sportler durch Israel > dafür bekommt sie, bis heute, besonders viel Kritik.

Nach ihrer Festnahme 72 wurde sie zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht, dort wurde von Anwesenden Bedauern geäussert, „keinen Hitler mehr zu haben“ (Quelle: Diewald-Kerkmann). Derartige Kommentare von Stuttgartern wurden auch von TV-Kameras aufgezeichnet, anlässlich des Selbstmordes on Baader & Co 77. Hermann Witter war bei der NSDAP und deren Berufsverbänden, durfte dann auch Schäden von NS-Opfern begutachten (> das war genau jene BRD, die Meinhof & Co bekämpften), sollte auch Meinhof begutachten, einweisen, untersuchen, behandeln… SS-Untersturmführer Hanns M. Schleyer war einer wenigen Ex-Nazis unter den Opfern der RAF; Stefan Wisniewski: „Er musste nie für die Nazizeit bezahlen oder Rechenschaft ablegen“. Nun, er machte als Wirtschafts-Manager weiter. Anne Ameri-Siemens beschäftigt(e) sich nicht mit den Untaten von Schleyer in Tschechien, sondern mit jenen der RAF (Film „Wer gab euch das Recht zu morden?“). Tja, und Alex. Strassner, Jg 74, bayerischer Politologe, bei Oberreuter gelernt181, ist auch so ein „Experte für Terrorismus“, wird in vielen de.wiki-Artikeln rund um die RAF promotet.

Der ehemalige RAF-Mann Dellwo (in der „Taz“) war 2009 einer jener, die sich empörten dass Antiimperialisten in Hamburg die von „Anti“deutschen organisierte Vorführung des Films „Warum Israel“ von Lanzmann störten (um an die tägliche Schikanierung der Palästinenser durch dieses Israel zu erinnern sowie ihre von deutschen IL-Fans unter Beschuss genommenen Räumlichkeiten zu verteidigen). Dellwo war dabei in Gesellschaft mit Broder („Judenboykott“), Lanzmann selbst, „Die Welt“, BAK Schalom,… Lars C. Ehlers alias Lars Quadfasel, ein „Anti“deutschen-Führer, zeigte einen Antifaschisten182 an, weil ihn dieser bei einem Gerangel vor dem Kino geschlagen und bedroht habe; die Justiz liess ein Verfahren wegen „gefährlicher Körperverletzung“ zu, aufgrund des öffentlichen Drucks. Nicht nur Dellwo hat sich gedreht (angepasst), bei „Jungle World“ und „konkret“ schreiben dieselben Leute (z.B. Oliver Tolmein), die einst dem Antiimperialismus der RAF noch ein ziviles Sprachrohr boten, heute gegen „Antiamerikanismus“.

Der israelische Gesandte in der BRD, Meroz, warf in seinen Memoiren den Grünen „Antisemitismus“ vor, was darauf zurück zu führen ist, dass diese damals aus dem kultur-(und menschenrechts-) relativistischen BRD-Konsens bezüglich Israel-Palästina etwas ausscherten. Was sich behauptet hat, ist die von Strauss oder Gehlen begründete Zusammenarbeit dieser Staaten, bzw, diese „Denkrichtung“ hat sich in der BRD durchgesetzt. Beate Klarsfeld ging gegen alte Nazis vor, ohrfeigte Kiesinger, doch an diesem Konsens und rechten Israel-Fans in Deutschland hat sie nichts auszusetzen – so wie anscheinend an Pinochet nur wegen dessen Schutz für Altnazis, nicht wegen dieser Diktatur an sich.

Zum Abschluss nochmals Südafrika. Apartheid-Premier Hendrik Verwoerd sorgte 1960 dafür, dass südafrikanische Medien den Beginn der Krise im Congo nach dessen Unabhängigkeit von Belgien auch grosszügig ausschlachten, dahingehend dass es in Südafrika ähnlich laufen würde bei einem Ende der Apartheid – was er auf die damalige Kritik an der Apartheid (auch aus dem Westen, auch aus GB) „hin-lenkte“. Das ist die Rhetorik, die von/in Israel ggü der Möglichkeit von Entgegenkommen ggü den Palästinensern dominiert (allen voran bei Netanyahu), von Israelfreunden bzgl des Arabischen Frühlings,… Donald Trump zeigt seine ganze Bösartigkeit und Dummheit mit einem Tweet Ende Aug. 18 nach dem auf „seinem“ Fox News ein Bericht über angebliche Enteignungen von weissen Landwirten in Südafrika gelaufen war, in dem die Regierung Südafrikas als „rassistisch“ bezeichnet wurde. Er habe Aussenminister Pompeo angewiesen, „Enteignungen von Bauern“ sowie die „grossangelegte Tötung von Farmern“ in Südafrika genau zu beobachten.

Ein Blick in Youtube: Benutzer „israelmuse“: Neben dem Üblichen über “Terror” und “Antisemitismus” auf diesem Hass-Propaganda-Kanal (gleichnamige Website,…) auch Verehrung des Meir Kahane, der „zutreffenderweise“ eine „Anti-Israel“-Politik des ANC voraus gesagt habe… Israel hat das rassistische Apartheid-Regime Südafrikas unterstützt, man selbst gehört zu den offenen Faschisten des Kahanismus…aber Israel ist im Endeffekt das „Opfer“. Dann gibt es dort noch ein Video über einen „israelische Elitesoldaten“ der weisse Farmer in Südafrika trainiere. Stolz – es gibt auch jene Zionisten, die so etwas als „antisemitisch“ in Abrede stellen…183 „Christo Joubert”, Youtuber aus RZA: “They are a lot of White South Africans that and will support the Jews. Israel. They stood up for us and they still do. We will gladly fight along with them…“ > Apartheid & Apartheid. Und jene die sonst unter solchen Videos unterwegs sind mit „AS“-Moralisierungen, sind da still… diese Unterstützung von Rechts wird vom Zionismus immer stillschweigend GENOMMEN. „truthreconciliation1“ könnte aus dem Walusz-Umfeld sein (polnisch-osteuropäische Bezüge), verherrlicht den Mord an Chris Hani, propagiert die „Unabhängigkeit des Kaps von Südafrika”184, hetzt gegen das demokratische Südafrika, verherrlicht Israel (keine Analysen von Schwarz-Friesel & Konsorten darüber, keine Politiker-Worte von Sobotka), hetzt gg Richter Goldstone,… Lange könnte man diesbezügliche Benutzerkanäle und Videos analysieren.

Dieter Gerhardt, über den hier schon die Rede war, ist als Kind aus Deutschland nach Südafrika eingewandert, sein Vater war ein Nazi-Sympathisant und daher185 interniert, in einem Lager in Koffiefontein (heute Provinz Free State), das während des 2. WK für solche Sympathisanten eröffnet wurde, südafrikanische (v.a. burische) und aus Europa zugewanderte (v.a. Deutsche), hinzu kamen etwa 2 000 italienische Kriegsgefangene186, einige deutsche. Unter den etwa 800 Südafrikanern die interniert waren, war auch der spätere Premierminister (in der Apartheid-Zeit) Johannes „John“ Vorster. Bald nach diesem Krieg, durch den Wahlsieg der Nationalen Partei 1948, kam diese politische Richtung unter den Buren/Afrikaanern ja an die Macht in Südafrika, begründete die Apartheid-Politik (mit engen Beziehungen zu Israel). Dieter Gerhardts Vater war am Aufbau der „Sicherheits“ (Unterdrückungs) – Strukturen dieses Apartheid-Staates involviert.

Gerhardt selbst ging zur Marine, stieg dort ab den späten 1950ern auf; und, aus innerer Opposition zu diesem Regime spionierte er (wahrscheinlich ab Anfang der 1960er187 für den Ostblock. Der Kontext war die Verbindung der kommunistischen Partei Südafrikas (CPSA bzw dann SACP) mit dem ANC bzw mit dem Anti-Apartheid-Kampf, im Inneren; die Allianzen des Regimes im Äusseren bzw die Frontstellung ggü den Unabhängigkeitsbewegungen in den Nachbarstaaten, die überwiegend kommunistisch ausgerichtet waren. Gerhardt protestierte damit gegen seinen Vater und das Apartheid-Regime – jeweils Kontinuitäten aus dem Nazi-Reich! Er gab Informationen über das südafrikanische Militär (die SADF), sein Atomprogramm (auch über die diesbezügliche Kollaboration mit Israel) und weitere westliche Helfer/Verbündete an die SU (die ja auch im südlichen Afrika indirekt engagiert war), zT auch an die Öffentlichkeit.

1983 wurde er enttarnt, in der USA mit seiner Frau verhaftet, an Südafrika ausgeliefert. Die Verhöre führte hauptsächlich der (ebenfalls deutschstämmige) Polizei-Offizier Lothar Neethling durch, das Gerichts-Verfahren fand hinter verschlossenen Türen statt (hauptsächlich um ausländische Helfer der Apartheid nicht zu blamieren…); Richter Munnik verurteilte ihn (83) zu lebenslänglicher Haft (Ruth Gerhardt zu 10 J), wollte eigentlich die Todesstrafe für ihn. Als Frederik W. de Klerk 1989 Präsident Südafrikas wurde, begann der bald mit Reformen, liess Anfang 1990 politische Gefangene (darunter Nelson Mandela) frei, begann den Verhandlungsprozess. Gerhardt wurde vom ANC, nicht aber von dem Regime als politischer Gefangener gesehen; seine Freilassung zog sich bis Februar 1994, also fast bis zu den ersten freien Wahlen.188

Politischer Gefanener/ Kalter-Krieg-Spion/ Verräter sind nicht nur (pseudo-) moralische, sondern auch juristische Kategorien. Manche (zB auf en.wiki, Artikel über Gerhardt) wollen sein Wirken so darstellen, als ob er etwas getan hätte, das immer und überall ein Verbrechen darstellt (so wie ein ziviler Mord), als ob die Apartheid-Politik der südafrikanischen Regierungen von 1948 bis etwa 1994 hierfür belanglos seien… „Verrat“ war aber der übliche Vorwand für dieses Regime (und nicht nur dieses!), Leute zu verurteilen und einzusperren die gegen die Apartheid kämpften. Der Kontext einer Verurteilung ist entscheidend, so wie bei Stephen Biko oder Sophie Scholl, denen man ebenfalls „Verrat“ vorwarf. Andere versuchen herauszustreichen, dass er Geheimnisse andere Staaten betreffend auch weiter gegeben hat, wie sei dies mit Opposition zur Apartheid zu erklären. Was man hier auch schön sieht: der Zionismus hat sich mit den in Koffiefontein Internierten verbündet, nicht ihren Gegnern…und die Allianzen und Sympathien gehen bis heute weiter.

PS: Bücher von Jeffrey Herf brauchen eigentlich nicht weiter besprochen werden; aber wenn man schon in der “SZ” auf eine unkritische Kritik (hier darüber) über sein neuestes Propaganda-Werk stösst (“Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche radikale Linke 1967-1989”): Diese “Thematik” überschneidet sich natürlich mit den hier in den letzten 2 Abschnitten behandelten (Hitlers children, Südafrika); nachdem es dort auch um die DDR geht, liesse sich noch ein Hinweis auf die Afrika-Politik von BRD und Israel einerseits und DDR/SU andererseits anbringen, nicht zuletzt die bzgl der Republik Südafrika (bis 1961 Südafrikanische Union).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Passenderweise war in dieser Ausgabe etwas von Grigat über „Antisemitismus“ (Israel-Kritik) in der KPÖ…
  2. Ein Ausschnitt davon hier
  3. “Symbiose” (von altgriechisch σύν sýn, deutsch ‚zusammen‘ sowie altgriechisch βίος bíos, deutsch ‚Leben‘) bezeichnet die Vergesellschaftung von Individuen zweier unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist
  4. Ob diejenigen, die das betrifft, sich bei dieser Feststellung angegriffen oder geschmeichelt fühlen?
  5. An dieser Stelle: der Rassismus und die Hetze der „Anti“deutschen stellte jenen der klassischen Rechten in den Schatten, zB an Unis (Studierende und Lehrende) in Österreich jenen von RFS
  6. Sagte auch, sie seien so gut ausgebildet; die Besetzung ist kein Faktor, nein, nicht die von Gaza oder des Westjordanlands; stattdessen kehrt sie ihre Bildung hervor, es hat gerade noch gefehlt, dass sie Israel dafür verantwortlich macht
  7. Und ausgerechnet er nannte den türkischen Präsidenten Recep Erdogan einen „antisemitischen Strassenrowdy, nach dem “Charlie Hebdo”-Massaker, kritisierte auch Europa in diesem Zusammenhang scharf, hier lasse “man” Erdogan „und seine Bande genau so gewähren lasse wie die Antisemiten in den 30er-Jahren“ – Europa an sich ist also nicht antisemitisch gewesen, nur jene die man gewähren liess, darüber stand quasi noch eine Instanz
  8. Eine Wahlwerbung seiner Partei Yisrael Beitenu: www.youtube.com/watch?v=o32cws8IcWY
  9. Ende ’18 Eskalation der Scharmützel zwischen dem belagertem Gaza-Streifen und dem Belagerer Israel, in typischer Ungleichheit der Waffen, die intensivsten Angriffe seit dem „Krieg“ 2014. Israels Militärminister Lieberman trat aufgrund der Waffenruhe mit der Hamas-Regierung in Gaza, zurück, das sei eine „Kapitulation vor dem Terror“. Netanyahu hat seinen geplanten Wien-Besuch bei der EU-Konferenz „gegen Antisemitismus“ wegen der innenpolitischen Turbulenzen abgesagt
  10. In diesem Zusammenhang: “Schwarze”/”Braune” wurden und werden gar nicht als ebenbürtige Opposition zu Hitler angesehen, niemand (Deu,..) findet was am Rassismus im Film “Casablanca”
  11. Auf en.wikipedia wird “Ahimeir” in “seinem Artikel weissgewaschen, u.a. wird am Ende ein Interview von dessen Sohn mit der „Jerusalem Post“ angeführt, “Hitchens is a known anti-Israel writer who takes my father’s writing completely out of context. Fascism in 1928 can’t be viewed in the context of the 1930s. Of course he would not be a fascist in view of how it developed.” Gut, die Ahimeirs wollen keine Faschisten mehr sein; abgesehen davon, dass sich der Faschismus in Europa nicht zuletzt gg Juden entwickelte/richtete, was stört(e) sie daran?
  12. Ein “Terror-Experte” von der Rand Corporation namens Bruce Hoffmann schrieb eine Weisswaschung der Irgun/IZL, die auch im en.Wikipedia-Artikel über den Anschlag eingearbeitet wurde. Dass dieser Hoffmann jüdisch ist, darf dort nicht erwähnt werden, man will ihn als “Experten” präsentieren. Das ist eben auch etwas, was nur “in eine Richtung” läuft. Zu doppelten Standards: Eine VICE-Doku “Settlers, Olives, and Occupation: Voices from the West Bank”, unter den gehässigen Youtube-Kommentaren: “Vice tries to have a non biased news report. Then uses a Palestinian born film maker. LMAO”, „Oh look. Another pro Islamist puff piece. Why does Vice carry water for these people? oder „It is not west bank, it is Judea and Samaria.“
  13. Die beiden Terroristen, wahrscheinlich ägyptische Juden die dazu angestiftet wurden, wurden im Jahr darauf in Ägypten hingerichtet. 1975 wurden ihre Überreste nach Israel überführt, wo sie ein Heldenbegräbnis bekamen, auf Briefmarken geehrt wurden (als “Märtyrer”)
  14. Kahanistische Gruppen (auch Lehava ist so eine) waren zeitweise verboten von Israel, weil sie mit ihrem offenen Rassismus ein schlechtes Image schufen. Dass der Kahanismus in den Siedlungen überproportional präsent ist, davon zeugt auch der Hebron-Massenmörder von 1994, Baruch Goldstein. Das Konzept bzw der Name einer Defense League von der JDL haben viele westliche Gruppen und Initiativen übernommen, von der EDL bis zum Youtube-Kanal “Anonymous Defence League – STOP George Soros”
  15. Jeannee und die Leserbriefe sind in der “Krone” am unappetitlichsten
  16. Wobei es bzgl Israel ein “Nativismus” der Einwanderer über die “Eingeborenen” ist, also eigtl das Gegenteil von dem was diese wollen
  17. Grigat über „AS“: „Ebensowenig, wie der heutige Antisemitismus auch nur irgendetwas mit dem tatsächlichen Verhalten von Juden und Jüdinnen zu tun hat, hat der Antizionismus als Platzhalter und Ausdruck dieses Antisemitismus unmittelbar etwas mit dem Verhalten der jeweiligen israelischen Politik zu tun. Der Antisemitismus wie der Antizionismus speisen sich aus dumpfen Ressentiments – Ressentiments gegen Zivilisation und Individualität, gegen Intellektualität und Liberalität, gegen Ausschweifung und Freizügigkeit, gegen Bürgerlichkeit im ursprünglichen Sinne und gegen Kommunismus im einzig emanzipativen Sinne, nämlich der Herstellung der Möglichkeit individuellen Glücks als absoluter Gegensatz zum völkischen Identitätswahn
  18. Bzw, die Apartheid in Südafrika war gar nicht so schlimm bzw sie war eigentlich richtig
  19. Da geht es um westliche wie männliche Vorherrschaft
  20. Und gleichzeitig ausgeübt
  21. Die “Neue Zürcher Zeitung” schrieb 09 unhysterisch und ausgewogen zur damaligen Antirassismuskonferenz; u.a., dass arabische Staaten gg die Ahmadinejad-Tiraden seien, weil diese die westliche Israel-Solidarität stärkten; 2 jüdische und 1 iranische NGO wurden damals wegen Rassismus ausgeschlossen
  22. Es also nicht wirklich eine Läuterung gegeben hat, eher ein Gehen mit der Zeit
  23. Und wenn man noch eine Stellungnahme von Belafonte für die Palästinenser findet, kann der Rassist diesem auch “AS” unterstellen #Täter-Opfer-Umkehr
  24. Israel nimmt eine solche Manipulation aber auch vor
  25. Wo es eine Aussicht auf das frühere Dorf Deir Yassin gibt…
  26. Der Ausschluss der “Braunen” usw ist schon OK
  27. “Israel is a prized ally as a heavily militarized ‘white’ outpost near much of the world’s oil”
  28. Von seinen Aussagen über den Islam zu schweigen
  29. Verteidigte auf seiner Homepage den Irak-Krieg 03 gg den Chilcot-Bericht, wiederum ausblendend wer Saddam früher stützte usw
  30. Leuten wie er müssen bei Kommentaren zu israelischen Aktionen gegen Gaza aufpassen, dass sie nicht in Begeisterung dahin schwelgen
  31. Zwischen Pro-Israel und Anti-Islam findet sich bei Rebel Media auch Hetze gegen Obama oder Umweltschützer…
  32. Als nun eine Halb-Inderin zum “Nürnberger Christkind” gekürt wurde, kommentierte etwa der AfD Kreisverband München-Land “Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen”. Nicht Religion verbindet, sondern Hautfarbe/Rasse trennt hier… Nicht Integration wird anerkannt, sondern eine Bedrohung gesehen
  33. Dieser Michael Ben-Ari protestierte beim Besuch von Papst Franziskus I. in Israel/Palästina 2014 gemeinsam mit anderen Rechtsradikalen mit Schildern, auf denen in Hebräisch Parolen wie „Das verfluchte Christentum“ oder „Unreiner Papst, verlass unser heiliges Land!“ zu lesen waren
  34. Die Kandidaten Rosenkranz und Gehring nahmen im österreichischen BP-Wahlkampf ’10 gg die “Islamisierung Österreichs” Stellung; viele die gegen Rosenkranz demonstrierten bzw Stellung bezogen, haben die selben Feindbilder wie sie
  35. Der rechte Historiker Lothar Höbelt war führender Exponent in einem Unterstützungskomitee für Rosenkranz bei der Wahl; er redet(e) auch im Akademikerbund, man kann davon ausgehen, dass er liberaler ist als Grigat und Konsorten…
  36. In der Türkei sind Andere die “Sündeböcke”
  37. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse, Rainer Zitelmann (Hg.): Die Schatten der Vergangenheit
  38. Heinsohn hat im “Zeit”-Artikel „Finis Germaniae“ (05) eigentlich mindestens genau so rassistisch-westistisch argumentiert
  39. Jörg Grünewald (siehe Teil 1) hat da in dem einen oder anderen Punkt ähnliche Ansichten, obwohl bei einer anderen Partei; zu einem watteweichen Warnschuss bzgl seines Wirkens auf de.wikipedia kommentierte er zB: “Ich hab dafür kein Verständnis aus Gründen, die ich ggf. morgen benennen werde (anders als diverse Trolle habe ich einfach aushnamsweise mal als Vollererwerbstätiger keine Zeit für so einen Scheiß, und wenn ihr mich sperrt, prima, toll, alle Macht dem Präkariat (sic), das 24/7 vor dem Bildschirm sitzt. Laila tov”
  40. Es stellt sich die Frage, wie Maassen die Schlechten bei den „echten Deutschen“ definiert (die Linken?), und wie die Echtheit bei Deutschen > Juden aus Osteuropa wie Broder? christliche Schwarzafrikaner? Solche wie Mbarek, die halb halb sind? CDU-Politikerin aus Chemnitz Veronika Bellmann sagte, auch säkulare Muslime hätten in der Partei nichts verloren
  41. Ernst Elitz verteidigte im „Cicero“ die Erklärung teilweise
  42. Broderismus (über)trifft des öfteren auch den Stammtisch
  43. Der Antisemitismus- und NS-Forscher Wolfgang Benz sagte dem “Tagesspiegel”, Gauland habe ähnlich argumentiert wie Adolf Hitler in einer Rede von 1933. Aber Benz wird von zionistischen Kreisen auch angegriffen
  44. Oktober 19, ein dt. Nazi, beschoss auch einen Dönerladen, hauptsächlich aber eine Synagoge, zum jüdischen Feiertag Yom Kippur, einige Gemeinsamkeiten mit Christchurch, erschoss vor der Synagoge eine Passantin und wenig später den Gast eines Dönerimbisses, Opfer 2 „Bio-Deutsche“, offenbar überlegte er eine Moschee oder eine linke Einrichtung anzugreifen, entschied sich dann aber für die Synagoge. Juden hier als Gegensatz/Bedrohung zu „Weissen“ und „Westen“ gesehen. n-tv auf seiner hp: “Antisemitismus-Forscher Matthias Becker von der Technischen Universität Berlin sagte uns jedoch, es sei zu kurz gegriffen, in der Gamer-Szene die Hauptursache für solche Gewalttaten auszumachen.”, bringt dazu Foto v. Demo mit israelischer Flagge, „Wie Antisemitismus durch Bildung bekämpft werden kann und wie verbreitet Judenfeindlichkeit in Deutschland aktuell ist, hören Sie im Podcast.“
  45. “rosenkohl” ist ein typischer Vertreter der “Gegenrichtung” der zionistischen Deutsch-Wikipedianer, der heuchlerischen Pseudo-Antifaschisten
  46. Wahrscheinlich aller mit Likud verbündeten
  47. Es gehe bei AfD oder FPÖ hauptsächlich gegen Juden, USA, Frauen, nicht um Islamophobie/Moslemophobie…
  48. der-semit.de/juden-in-der-afd-eine-veralberung-des-waehlers/
  49. Jene, die dabei sind, Querfronten zu sehen bzw zu konstruieren
  50. Eine Partei, die Neonazis den Weg in die Mitte der Gesellschaft ebnet
  51. Martin Sellner von den österreichischen Identitären hat einst die Synagoge in Baden bei Wien beschmiert mit Hakenkreuz/Swastika, ist „nicht mehr antisemitisch“, aber „weiterhin patriotisch“. Vor 2 oder 3 Jahren gab es eine gemeinsame Veranstaltung von “Institut für Staatspolitik”, dem Antaios-Verlag, AfD, Identitären, mit Sellner; der ist eines der Verbindungsglieder zwischen FPÖ und Neonazis
  52. Greenberg ist mit dem Israeli Tal Silberstein verbunden, der dem Ex-Bundekanzler Kern (SPÖ) nahe steht
  53. Für Haider gab es ein Einreiseverbot nach Israel; ungefähr selbe Zeit spielte FC Kärnten, dessen Präsident er war, im Fussball-Europacup gegen einen israelischen Klub (Maccabi oder Hapoel Tel Aviv oder Haifa). Dessen Präsident, ein reicher Unternehmer, lud Haider als “seinen persönlichen Gast” nach Israel ein. Gut möglich dass dieser rechts von Haider stand
  54. Zwischen 00 und 05 war Haider nicht mehr FPÖ-Chef gewesen, aber dennoch der “heimliche” Führer
  55. Auf der Website des Freiheitlichen Akademikerverbandes Salzburg stand zB etwas über „Neger“ und ihrem „Hass auf uns Weisse“; der Sänger Cesar Sampson (Wurzeln in der Karibik) der Österreich mal beim Song Contest vertrat, wurde in der Zeitschrift „Aula“ als „Quotenmohr“ bezeichnet;…
  56. Leider wird mit den osmanischen Deportationen und Massakern an Armeniern und anderen Christen im 1. WK gerne so umgegangen; je nach aktuellem politischen Bedarf, so von Israel oder USA
  57. Der ist auch nach Japan zum Yazukuni-Schrein gereist
  58. Eine israelische staatliche Behörde!
  59. “Islamkritiker” und Philozionisten suchen mit Juden auch gerne eine Opfergemeinschaft
  60. Auch der damalige ÖVP-Chef Spindelegger kritisierte damals Darabos
  61. Muzicant soll Netanyahu nach Karas Treffen mit Strache in einem offenen Brief aufgefordert haben, Kara zu „feuern“
  62. Dies wurde auch umgesetzt, es gibt das Angebot der Doppelstaatsbürgerschaft für Nachfahren jener Menschen, die vor den Nazis flüchten mussten
  63. Die FPÖ gehe „den Weg für unser Heimatland Österreich, den Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch, konsequent weiter, wie es die Menschen von uns auch erwarten“
  64. „Stenzel und ich haben vor einer gefährlichen Entwicklung, wo Menschen aus Regionen kommen, die antisemitische Gedanken mitnehmen und oftmals auch den Staat Israel vernichten wollen, gewarnt, wo wir Angst haben müssen, dass ein neuer Antisemitismus entsteht. Wir haben eine besondere Verantwortung, dass nie wieder Juden aber auch andere Menschen hier in Wien aufgrund ihrer Religion Angst haben müssen und attackiert werden.“
  65. Dazu in diesem Artikel Einiges
  66. Siehe auch Grigats Buch über AfD & FPÖ. Und dass es in seinem Vortrag auch darum ging, dass sich “religiöse und ideologisch bedingte Lebensentwürfe auch gegen den Willen der Mehrheitskultur und -bevölkerung durchsetzen”, davon gilt es auch abzulenken
  67. Auf Puls 4 war Höbart in einer Diskussion mit dem Grünen Marco Schreuder, fragt sich wer schlimmer ist
  68. Daneben sind Rechtsparteien aber auch in der ECR zu finden (PiS, SD, Vox, FdI,…), EFD, EPP/EVP (Fidesz suspendiert) sowie Fraktionslose (wie Jobbik)
  69. Manche, die Winters Islamophobie bejubelten (“Meinungsfreiheit”), jaulten nun auf
  70. Dieter Egger hängt der „Exiljuden”-Sager auch bis heute nach, über Türken konnte er sagen, was er wollte
  71. Anne-Catherine Simon zB war Mitarbeiterin vom FPÖ-EP-Abgeordneten Kronberger, als Journalistin der Wiener „Presse“ seiert sie, dass „Kritik“ am Islam abgewürgt werde, preist dabei David Littman,…
  72. Seine Bestellung ist Ausdruck des “bilateralen” Verhältnisses unter Kurz und Netanyahu
  73. Einen solchen gab es infolge 2. Intifada ab 2000 und Anschläge in USA 2001 bei grossen Teilen des Judentums, das sich als liberal verstand. Zum Beispiel auch beim Internet-Portal “Hagalil”, eines der Leitorgane der deutschsprachigen Zionisten
  74. Z. B.: “Die FPÖ hat zu Recht erkannt, dass es ein Integrationsproblem bei Muslimen gibt. Imame sollen auf Deutsch predigen, wer Hass verbreitet, muss rausfliegen oder in den Häf’n – einverstanden. Wir müssen die Radikalen und den Rest auseinanderdividieren. Doch indem Strache verallgemeinert, tut er genau das Falsche. Wir haben kein Ausländerproblem, der Islam hat ein Islamproblem.”
  75. Brauer sagte auch “Berührungsängste habe auch ich keine. Ich hätte mich selbst mit Osama Bin Laden an einen Tisch gesetzt.” Auch so eine Andeutung
  76. In dem “kannst alles haben” steckt ja auch die Verfügungsgewalt über die Palästinenser und ihr Land. Sein Auftritt damals war auf seine Wirkung auf österreichische Zuseher abgestimmt, er begann ja auch mit “Ich hör die Zuschauer schon schnarchen”
  77. Holokaust-Überlebende aus bzw mit Wurzeln in Osteuropa, in Öst/Deu verblieben bzw sogar hin gegangen, Israel-Verbindung aber nicht Lebensmittelpunkt dorthin, wurden bezüglich “Israel” und “Islam” in gewisser Hinsicht blindwütig, und “Antisemitismus” wird bei ihnen rein über die Haltung zu Israel definiert (bzw es wird eine positive Affirmation davon verlangt)
  78. Die Mossab Yousefs und Hamed Abdelsamads und auch die Basssam Tibis sollen in ihrer Ecke bleiben
  79. CSU; Der Schutz Israels sei „nicht nur eine deutsche Verantwortung, sondern eine europäische Verantwortung“; zugleich sprach er sich mit Blick auf die israelische Politik im Nahost-Konflikt dafür aus, Meinungsverschiedenheiten „innerhalb Israels“ zu berücksichtigen
  80. Netanyahu: „Wir sind entschlossen, unsere Grenzen gegen illegale Einwanderer zu schützen. Das haben wir getan und das werden wir auch weiterhin tun.“ Es geht hier aber um die Legalisierung einer Einwanderung im bescheidenen Maß
  81. Anne Bayefski ist ebenfalls eine Anti-UN-Zionistin
  82. Von der “Kronen Zeitung” gefeatured
  83. Übrigens, die ÖVP-FPÖ-Regierung hat neue Regeln gegen Hass im IT angekündigt. Am selben Tag veröffentlichte die FPÖ auf Facebook und anderen Kanälen einen Werbespot, in dem eine stereotyp gezeichnete und finster lachende Comicfigur namens “Ali” plant, die Krankenkasse(n) über das Ohr zu hauen…in der Werbung ging es um Fotos auf E-Cards (“Ali” will sich in dem Film mit der E-Card seines Cousins “Mustafa” die Zähne richten lassen”)
  84. Israel zeigte an den Diskussionen über Waldheims Vergangenheit zunächst wenig Interesse, es war damals mit der Niederschlagung des Aufstands der Palästinenser gegen die Besatzung beschäftigt, mit Partisanen-Bekämpfung gewissermaßen
  85. Wie selektiv die Aufregung über Omar bzw ihre Andeutung dass Pro-Israel-Positionen gekauft werden, ist, zeigt sich an Steve King, Congress-Abgeordneter (RP) aus Iowa. King ist nicht nur Gegner von Einwanderung und “Multikulturalismus”, er ist einer der offen die Interessen von “Weissen” in der USA (und anderswo!!) von jenen “Anderer” trennt (sieht Juden als Teil der Anderen), dabei auch mit europäischen Rechtsextremisten zusammenarbeitet. Der hatte heuer in einem Interview mit der „New York Times“ die Vorherrschaft von Weissen verteidigt und gefragt, seit wann Begriffe wie „weisser Nationalist“ oder „westliche Zivilisation“ in den USA “beleidigend” seien. Dass er “Westen” und “Weisse” in eine Beziehung zu einander setzt (tut er immer wieder), ist dabei ja auch bedeutend (also nicht “Werte” und so…). Trump, der sich über Omar empörte und sie zum Rücktritt aufforderte, reagierte gar nicht auf diese Aussagen von King, auf Nachfrage sagte er, er hätte davon nichts mitbekommen… King zeigt auch gern die Konföderierten-Flagge, obwohl Iowa Teil des Nordens bzw der Union war. Zu Obamas Wahl fragte er, wie denn dessen Äusseres auf den Rest der Welt wirke. Etwas Ähnliches hat die rechtsextreme israelische Politikerin Anastasia Michaeli-Samuelson (eine blonde Konvertitin zum Judentum) zur Sängerin Liel Kolet (aus einer Familie indischer Juden) bzw deren möglicher Teilnahme am Song Contest für Israel gesagt… Vergleiche dazu auch den Hitler-Spruch über Weisse, Kultur, Zivilisation, Überlegenheit
  86. Sie würde doch nicht alle Kriterien erfüllen…
  87. Duke ist im Gegensatz zu anderen Rechten kein Israelfreund/Zionist, auch nicht ausgeprägt islamophob; jene die sich ereifern dass Kenneth O’Keefe in Dukes Radio-Show auftrat, haben kein Problem mit dem (vergleichbaren) Rassismus von Geert Wilders oder David Littman
  88. Kein USA-Nationalismus…
  89. In einem Werbefilm von Bush jun. im Präsidenten-Wahlkampf 04 wurde die Olympia-Teilnahme in diesem Jahr von Afghanistan und Irak thematisiert (die er “befreit” hatte), das war auch Linie seiner Verteidiger: die USA im Allgemeinen, Bush im Besonderen, seien eigentlich Freunde dieser Länder,…
  90. UN-Abstimmung zur Anerkennung von Jerusalem/Quds/Jebus als HS Israels: Netanyahu attackiert im Vorhinein die UN, Trump droht mit Entzug von Finanzhilfen an Länder die dagegenn stimmen, 128 der 193 Länder stimmten für eine Resolution, die die USA aufforderte, die Entscheidung zurückzunehmen. Der Kommentar von Yahoo-Huch zeigt deutlich die Verlogenheit des Deutsch-Zionismus („Resolution von Diktaturen initiiert, amerikanisch-israelische Freundschaft, Antisemitismus,…”). Es folgten weitere rechte Regierungen mit einem Schritt wie Trump, und jene die Länder wie Guatemala als “Shithole” sehen (s.o.), streuten diesen nun Rosen
  91. Er habe die Absicht, “den radikalislamischen Terrorismus vom Erdboden auszulöschen“ – und unterstützt Saudi-Arabien fanatisch, schwächt die Moderaten unter den Herrschenden im Iran, schert Moslems immer wieder über einen Kamm
  92. Macron warnt vor Zuständen wie in den 1930ern, nennt Orban oder die PiS in Polen, aber nicht Trump (dem ggü er Appeasement übt) oder Bolsonaro, Netanyahu, Saud…
  93. Fanden aber weiterhin nichts an den fast 200 Getöteten an der Grenze vom Gaza-Streifen zu Israel zur selben Zeit, bei den Grenzprotesten 18/19
  94. Andererseits waren Juden auch “führend” unter Obamas Unterstützern, wie Sarah Silverman. Sie pries Obama unter Juden als Unterstützer Israels an
  95. Diese Verschwörungstheorie korrespondiert mit jener wonach Heather Heyer in Charlottesville nicht getötet wurde, sondern an einem Herzanfall starb
  96. Schrieb dort ins Gästebuch: „Es ist eine Ehre, mit all meinen Freunden hier zu sein…So großartig + werde nie vergessen“
  97. www.trend.infopartisan.net/trd0716/t460717.html
  98. Auch Greg Johnson von Counter Currents publishing, antijüdisch und weiss-rassistisch (> Konzept weisser Ethnostaat) ist mit diesem Spencer verfeindet
  99. Molyneux: “Believing in ‘Universal Human Rights’ Makes Christians Vulnerable to Migrants”
  100. Er ist wie sein Schwiegervater Immobilienmogul und betreibt zusätzlich eine Zeitung. Seine Bestellung wurde in Frage gestellt aufgrund eines Anti-Nepotismus-Gesetzes aus 1967 und Unvereinbarkeitsregeln
  101. Passend dazu hat Israel-Lobbyist Joseph Lieberman bei der Absegnung der Ernennung im Congress eine Rolle gespielt
  102. Hat zB der „New York Times“ gesagt: „Ich denke, dass Israel unter gewissen Umständen das Recht hat, einen Teil, aber wahrscheinlich nicht alles, vom Westjordanland zu behalten.“
  103. Das sind jene Entscheidungen zugunsten Israels, die S. Kurz an Trump gelobt hat…
  104. McCain 08 oder Bush 04 wurden noch von Anderen aus der Israel-Lobby führend unterstützt
  105. Das Foto unten stammt von dieser Gelegenheit
  106. “Anti”deutsche missbrauchen seit einigen Jahren das Gedenken an das Ende des 2.WK bzw die Befreiung Österreichs am 8. Mai, zu anti-palästinensischen, usa-imperialistischen und pseudo-antifaschistischen „Feiern“
  107. Nachfolger Straches als FPÖ-Chef, anders als dieser bezweifelt er nicht, dass die Erderwärmung menschengemacht ist
  108. Konservative Südstaatler
  109. Was jedenfalls der jüdische Reporter George Seldes meinte. Mehr über diesen Themenkreis im Abschnitt mit Jillian Becker
  110. Die Propagandalüge „Jordan is Palestine“ wird häufig von Zionisten vorgebracht, zB auf Youtube vom evangelikalen Kanal “Last Days Now!”. Es gibt aber auch jene (Philo-)Zionisten die auch Jordanien als eigtl zu Israel gehörig sehen…
  111. Die Nationaal-Socialistische Beweging, Anton Mussert
  112. Die diesbezüglichen Details würden den Rahmen dieses Artikel sprengen. 2 Anmerkungen dazu: Die Katholieke Nationale Partij (KNP) war eine der Parteien, die sich gegen die Unabhängigkeit engagierten; nach der Unabhängigkeit Indonesiens engagierte sie sich für Minderheiten unter Indonesiern wie Molukken und Papua. Zu Raymond Westerling etwas bei Christopher Othen
  113. Äusserlich war das auch so, Antijudaismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit wurden in ihr “Gegenteil” umgedreht
  114. Es wird ja immer nur zurückgeschossen…
  115. Gerede über “Kameltreiber” (wie immer das auf Norwegisch heisst) und so kommt im Umkreis der FrP nur “inoffiziell” vor
  116. Und inzwischen auch Regierungs-Beteiligung hatte
  117. “Three windows of the hair salon of a well-known homosexual was smashed, with circumstances suggesting a hate crime”
  118. Von Broders Anti-Südländer-Tirade im Griechenland-Kontext (die nicht isoliert da steht) zu Jeannees Hohelied 2014 an den deutschen Fussball bzw dt. Tugenden, mit Nazi-Anspielungen (wurde entschärft) ist es eigentlich nicht so weit. Broder und Jeannee sind auch in vielen anderen Punkten auf Linie: Gewalt und Hass in Sprache (“Pöbel-Journalisten”; bei Jeannee zB “Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben”), Pro-USA-Ausrichtung (J. attackierte zB den Schuh-Werfer auf Bush, im Lateinamerika-Kontext sind jene die Guten die pro USA sind; schliesst natürlich nichts Progressives an der USA mit ein, im Gegenteil), ob Jeannee proisraelisch ist, wie Richard Nimmerrichter (“Staberl“)?, frauenfeindliche Note, Stolz auf seinen “Mut“, zu schreiben, was Andere nur zu denken wagen würden; Jeannee blies ORF-Wehrschütz verbal einen weil dieser bekennender und unterdrückter FPÖ-ler sei, er kritisiert die FPÖ auch gelegentlich, wenn sie dem Grossbürger zu “unterschichtig” ist
  119. Und weiter: “Es sind Politiker, Blogger, Publizisten, die das Klima angeheizt haben, in dem einer wie Anders Behring Breivik erst auf die Idee kommen konnte, dass der ‘bloße’ politische oder publizistische Kampf gegen die als elementar bedrohlich imaginierte Moslemgefahr nicht mehr ausreicht. Es ist wie eine groteske Spiegelung: Was sie immer den normalen Muslimen angedichtet haben, dass diese ‘irgendwie verantwortlich’ seien für die Gewaltakte islamistischer Terror-Sekten, das haben sie jetzt selbst geschaffen: Spinner, die bereit sind, der Flausen wegen, die sie ihnen in den Kopf gesetzt haben, Dutzende von Menschen zu ermorden. Wenn der Begriff vom ‘geistigen Mittäter’ je einmal Sinn gemacht hat, dann hier. Wird das in diesem Milieu wenigstens Nachdenkprozesse auslösen? Henryk M. Broder, der antiislamische Autor, von dem einige Textstellen in Behring Breiviks Manifest affirmativ zitiert werden, wehrt auf unfassbar kaltschnäuzige Weise in der Welt jede Mitverantwortung seines Milieus ab. Breivik habe sich im Gegenteil die Dschihadisten zum Vorbild genommen, so die wirre Logik. Was will uns Broder, den manche gute Bürger selbst heute noch für einen preiswürdigen Schriftsteller halten, damit sagen? Dass der islamfeindliche Terrorist gewissermaßen ein verkappter Moslem war? Wenigstens auf ‘Politically Incorrect’, dem Quasi-Zentralorgan der Moslemhasser, gab man sich im ersten Schrecken nachdenklicher: ‘Was er schreibt, sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten.’ Und dann wird spekuliert, ob der Mann, der doch aus ihrer Sicht ganz vernünftiges Zeug geschrieben habe, ‘an einer psychischen Krankheit leidet, die seither schlimmer geworden ist?'”
  120. Ob aus der Karibik oder Schwarzafrika
  121. Wobei Maghrebiner schon zuvor in der “Zielscheibe” der FN waren
  122. Konkret um die Ramallah-Lynchungen 2000, Filmmaterial, Brief eines RAI-Journalisten an die Zeitung der palästinensischen Autonomiebhörde
  123. Siehe es.dreamstime.com/im%C3%A1genes-de-archivo-libres-de-regal%C3%ADas-perrito-del-doodle-del-yanqui-image14561859
  124. Aber auch die Wiedereingliederung Gibraltars
  125. Genau so wie Apartheid-Südafrika
  126. Was die Grigats gerne verschleiern würden; Andere stehen stolz dazu
  127. Während manche Juden im Widerstand gegen Pinochet eine herausragende Rolle spielten, genau so wie im Apartheid-Regime Südafrikas
  128. So wie zB bei der Kommunalwahl in London im Mai 16. Im Kampf um die Nachfolge von Boris Johnson als Bürgermeister der Hauptstadt traten (u.a.) der Jude Zac(harias) Goldsmith (CUP) und der Moslem Sadiq Khan (LP) an. Goldsmith & Co versuchen, Khan in die islamistische Ecke zu drängen
  129. Anders herum aber auch
  130. Wie schon erwähnt, internationale Zusammenarbeit und Zusammenschlüsse der europäischen Rechten ist eine komplizierte Sache, ist dauernd im Wandel begriffen. Stephen Bannon hat das “Movement” gegründet, eine solche Vereinigung; daneben will er eine inter-kontinentale Vereinigung, mit Trump, Netanyahu, Bolsonaro,… Salvini will eine „Allianz der europäischen Völker“. 2016 haben rechtsextreme Gruppen die Initiative „Festung Europa“ gegründet (Pegida,…). Salvini (Lega), Orban (Fidesz), Le Pen (RN) waren Sieger der EP-Wahl 19 in ihren Ländern
  131. Als Orban nach Israel reiste, war Köves an seiner Seite, aber niemand von MAZSIHISZ
  132. Das klassische Israel-Bild
  133. Ein Admiral ohne Flotte regierte ein Land ohne Küste als Königreich ohne König
  134. Unter Horthy war Ungarn 41-44 an Seite der Achsenmächte, steuerte Truppen an diverse Fronten bei; in dieser Zeit gab es die ersten Deportationen von Juden. 1944/45 die nazideutsche Invasion, Kollaborationsregierung der Pfeilkreuzler unter Szalasi, massive Judendeportationen. Dann die Rote Armee
  135. 972mag.com/tapping-the-hidden-spring-of-anti-semitism-in-orbans-hungary/138149/
  136. Über solche “Konferenzen” könnte man zB einen eingehenden Artikel schreiben
  137. Dann wäre das als Beleg für “antisemitische Querfronten” ausgewälzt worden
  138. An dieser Stelle: Die genannten “Doppelstandards” gibt es auch bei Moslems, etwa wenn sich über die Rohingya-“Sache” in Birma gross empört wird, aber vor den Diskriminierungen von Nicht-Moslems in Pakistan (zB) die Augen davor verschlossen werden oder ihnen beigepflichtet wird. So sehr der middleeastmonitor auch Wichtiges aufzeigt, dieser Artikel geht am Entscheidenden vorbei…The Israelification of India…or it’s Pakistanization?
  139. Lendvai spricht (bzw schreibt) immerhin von “arroganter Siedlungspolitik” Israels, schätzt diese (bzw ihre Folgen) aber im Endeffekt nicht richtig ein
  140. Der polnische Jude Adam Michnik (Dissident in kommunistischer Zeit, dann Zeitungs-Herausgeber) kritisierte die “hartnäckige Kategorisierung Polens als ‘antisemitische Nation’, die einst auch ein Alibi für den Betrug des Westens an Polen in Jalta war”
  141. Es gab die Bermans, 2 Brüder, einer (Jakub) wurde nach dem 2. WK Funktionär (Minister) im kommunistischen System, der andere (Adolf) war Zionist und ging nach Palästina, wurde dort Abgeordneter für Mapam und andere Linksparteien
  142. Diese Ansichten gehen grossteils auf Ante Ciliga zurück, wie Tudjman ein Kroate der sich vom Kommunismus abwandte. Ciliga stammte aus dem damals österreichischen Istrien, war einer der frühen Führer der SKJ (kommunistische Partei Jugoslawiens), obwohl er nach dem 1. WK eigentlich Italiener war (als Istrier), lebte dann in der SU, wo er sich vom Kommunismus abwandte; bei einer Einreise nach Ustascha-Kroatien wurde er (dennoch) gefangen genommen und in das Lager Jasenovac gebracht. Er lernte dort Juden kennen. Dann ging er ins westliche Exil, war ein Gegner des kommunistischen YU, Anhänger des kroatischen Nationalismus, kritisierte aber Ustascha-Führer Pavelic für die Bindung an die Achse
  143. Zu Raed Arafat und Ilan Laufer im 4. Teil des AS-Artikels
  144. Der „Erfolg“ der von deutscher Seite gewünschten, ja geforderten Deportation jüdischer Menschen aus den verschiedenen Ländern in Hitlers Machtbereich hing wesentlich vom Antisemitismus vor Ort ab
  145. Aber, da gibt es ja dann den heroischen “Gegenwehr”-Mythos, man verteidigt sich nur
  146. An dieser Stelle sei aber auch gesagt dass islamistische Anschläge wie der in Mumbai/Bombay 2011 das “ihrige” zum Erstarken von Islamophobie und Hindu-Nationalismus unter Indern beitrugen…
  147. © Culcha Candela
  148. Ein “aber” ist hier eigentlich nicht angebracht
  149. Im Endeffekt war er weniger scheinheilig und hetzerisch als Viele aus diesem “Milieu” und hat ein paar scharfe Analysen gemacht
  150. Entspricht den Rechts-Zionisten, die die OUN und Bandera nicht wirklich gut finden können
  151. Die während Irak-Kriegs 03, von diesen deutschnationalen “Anti”deutschen frenetisch begrüsst, unter Beschuss kam, weil auch von Kriegsgegnern verwendet
  152. Jene, die jugoslawische Partisanen des 2. WK als Freiheitskämpfer sehen, können sich genau so positiv auf “Israel” beziehen wie jene die diese in Täterrolle verorten und Israel für seine Partisanen-Bekämpfung bewundern
  153. Das DÖW hat mal eine Anzeige gg “Zur Zeit” gemacht, wg einem “antisemitschen” Artikel, ist zur anti-islamischen Linie der FPÖ sehr zurückhaltend
  154. Sowohl Broders/achgut als auch cafe critique titulieren sich als „liberal“
  155. Auf Youtube schreibt einer zum Film “Breakfast Club”: “If The Breakfast Club was made today, there would be a gay student, a trans, an atheist, a Black and a Hispanic… and maybe, just maybe… one white student.” Übrigens waren die Schauspieler in dem Film, nicht die Charaktere, durchwegs Juden
  156. Der ist auch für die Todesstrafe, bringt Apologetiken der Sklaverei (die Andere auch abwälzen möchten)
  157. Übrigens, bei Ashkan Dejagah gab es auch diese fliessende Grenze, bei den Reaktionen um eine Absage eines Länderspiels mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft in Israel. Der Doppelstaatsbürger fürchtete bei einem Antreten negative Konsequenzen für sich und seine Familie, aufgrund des Verhältnisses zwischen Iran und Israel. Es gab Aufregung, von ZdJ-Chefin Knobloch („privaten Judenboykott”, “soll aus deutschem Team entfernt werden”) abwärts, und in IT-Foren gab es eben auch die Kommentare, es gäbe ohnehin zu viele “Kanaken” im deutschen Team, er solle deshalb entfernt werden… Dejagah hat sich mit der Absage wenigstens die rassistischen Sprechhöre der israelischen Fans erspart > Teil IV, Abschnitt “Antisemitismus und Fussball”. Auch bei Forderungen, das iranische Team von der WM 06 in Deutschland auszuschliessen (“wegen Ahmadinejad”) gab es diesen “Fluss”, diese Doppelbödigkeit und Heichelei
  158. Siehe zB Andreas Becker und seinen Leserbrief  an “11 Freunde”
  159. Mit einer Zahl am Ende
  160. Hinzu kommen reine Propaganda-Kanäle wie “speedy” oder “prager university”
  161. In Frankreich gibt es einige antiislamische Intellektuelle, die gleichzeitig der Rechten und Zionisten nahestehen, wie Alexandre Del Valle
  162. Weshalb sich manche Juden in verschiedenen Ländern eine Israel-Verbindung “andichten”, aber nicht nur aus diesem Grund
  163. Die rechts von Likud haben da in der Regel wenig “Genierer”
  164. Der “Anti-Amerikanismus” (bzw die Haltung zur USA) der von den Grigats dann zur Relativierung/Verdrehung aufgebracht wird, spielt hier gar keine Rolle
  165. Die IKG hob bzgl der FPÖ hervor, dass Vilimsky gegen eines der “Rasenmähen” in Gaza “protestiert” hatte…
  166. Oder zum Rassismus im Zuge von Pro-Israel, zB in Österreich…fehlende Distanz zum rechtsextremistischen Pöbel aus der prozionistischen Ecke
  167. Abgesehen davon, der Zionismus ist keineswegs die Gegenthese zu Nationalsozialismus und Holokaust (> I)…
  168. Muzicant liess die Kinder des antizionistischen Rabbiners (?) M. Arye Friedmann aus einer jüdischen Schule ausschliessen – während er Lasar oder Sichrovsky “unangetastet” liess. Es wird im nächsten oder übernächsten Teil nochmal darum gehen, wie er jüdische Anhänger eines echten Ausgleichs mit Palästinensern (v.a. in “seiner” Gemeinde) ausgrenzt und abkanzelt
  169. “Antisemitische Vorfälle…Die Situation der Juden in Europa ist schlimm…60 bis 70 Prozent der Juden überlegten, Europa zu verlassen…Es ist höchste Zeit zum Handeln…es geht so nicht weiter“…
  170. Behielt sich gewissermaßen Vorbehalte gegen die FPÖ vor, “Distanzierung vom Antisemitismus noch nicht glaubwürdig genug, nicht komplett“, bei Strache anscheinend schon
  171. NR-Wahl 08: Muzicant: „Sage überall im Ausland dass rechte (FPÖ-) Wähler keine Nazis sind”
  172. Wie man liest, leugnet Rabbiner Schlomo Hofmeister (IKG) nicht nur die Existenz der Besatzungs- und Siedlergewalt gegen die Palästinenser, sondern die Existenz der Palästinenser an sich
  173. An einer anderen Stelle: “Sie und andere Träumer gehen immer davon aus, dass man mitteleuropäische Konzepte auf den Nahen Osten übertragen kann”…so wie den Zionismus
  174. Auch Brauer (s.o.) hat so etwas wie “Tod den Juden” vorwurfsvoll gesagt, sogar auf Arabisch. Dafür und für Wörter wie “Sharmouta” reichen dann sogar die Arabisch-Kenntnisse, so weit lässt man sich mit den Palästinensern ein
  175. > Besetzungen
  176. Es geht schon auch um die Umstände einer Unabhängigkeit Palästinas. Barak hat 2000 ein Angebot gemacht, das als “grosszügig” dargestellt wurde, aber alles andere als das war, Netanyahu hat mal eine Art “Angebot” dieser Art gemacht, war zu keinem echten Siedlungsstopp bereit, wäre bereit für endlose “Verhandlungen”, aus der Position des Besatzers heraus, kaum zu Zugeständnissen (eher zu Almosen), während seine Partner, wie Bennett und Lieberman, nicht mal dazu bereit sind
  177. Ein Detail dazu: Die Bereitschaftspolizei W-Berlins hatte bis 1970 auch paramilitärische Aufgaben, als Reserve der Alliierten, das Personal war zu einem grossen Teil früher in der Wehrmacht, Einsatzkonzepte stammten aus der Weimarer Republik, sie wurden für den Kalten Krieg umgemodelt; beim Besuch des iranischen Schahs 1967 gab es Gewalt wie in den 1930ern
  178. Ulrike Meinhof schrieb 1961 in „Konkret“ dazu den Artikel „Hitler in Euch“
  179. Worauf ihm der unter dem NS verfolgte Hans Mayer („Jean Améry“) antwortete
  180. > Muzicant, Träumer
  181. Die CSU-Inzucht in Bayern: Oberreuter darf im BR Wahlen kommentieren, einem Sender der natürlich auch dieser Partei nahe steht
  182. Dieser sagte: „Dem Richter hat es schlicht und ergreifend an Mut für eine politisch nicht opportune Entscheidung gefehlt. Deutschland steht im sogenannten Krieg gegen den Terror fest an der Seite der USA und Israels und weltweit auf Platz drei der Rüstungsexporteure. Wer wagt sich heutzutage noch in die Schusslinie, wenn aberwitzige Antisemitismus-Vorwürfe als Munition benutzt werden, um Kriegsgegner mundtot zu machen?“
  183. ZB anlässlich Netanyahus offensiver Politik in Schwarzafrika…
  184. Die westliche Kap-Region ist vermutlich noch die weisseste Gegend Südafrikas, wird von der Democratic Alliance auch so behandelt
  185. Unter der probritischen südafrikanischen Regierung
  186. Südafrika stand GB bzw den Alliierten in diesem Krieg militärisch bei
  187. Als die Situation im südlichen Afrika eskalierte, u.a. mit dem Beginn der Entkolonialisierung der Region; Gerhardt: “Die finale wekroep vir my was die doodslag van talle swart mense….“
  188. Anscheinend hat auch Boris Jelzin für ihn interveniert

Antisemitismus (I)

Einleitendes: alter und neuer Antisemitismus

Die Grenze zwischen “altem” und “neuem” Antisemitismus(-Diskurs) ist mit der Verwirklichung des Zionismus (und einer damit verbundenen “Verwestlichung” des Judentums) anzusetzen.1 Eine solche Einteilung gibt es etwa auch bei Broder. Der sagte in einer Anhörung vor dem Bundestag “Überlassen sie die Beschäftigung mit dem guten alten Antisemitismus à la Horst Mahler den Archäologen, den Antiquaren und den Historikern. Kümmern Sie sich um den modernen Antisemitismus im Kostüm des Antizionismus und um dessen Repräsentanten, die es auch in Ihren Reihen gibt.”2 Also muss man auf den “alten Antisemitismus” eigentlich gar nicht näher eingehen, oder? Also, bei der geballten Kompetenz und Objektivität die ein Broder hier mitbringt. Oder sollte man diese Art von Ablasshandel (v.a. in Deutschland) thematisieren, Unterstützung Israels (bzw Diffamierung der Kritik daran) als Holocaust-Aufarbeitung und -Wiedergutmachung? Die es ja nicht zuletzt bei der CDU/CSU gibt (Kristina Köhler hat auch Broder als “Experten” in den Bundestag geladen).

Lasst uns den “alten Antisemitismus” etwas abhandeln. Juden waren als Nicht-Christen und Nicht-Europäer in Europa in einer “exponierten Lage”. Die christlichen Kirchen sahen Juden vorwiegend als Mörder von Jesus, nicht als dessen “Landsleute”. Angesichts von Konfrontationen mit islamischen Mächten (Kreuzzüge, Osmanen,…) wurden Juden auch als “Verbündete” der Orientalen/Moslems gesehen bzw verfolgt…3 Und im orientalisch-islamischen Raum in späteren Zeiten als “Agenten” Europas. Der Begriff “Antisemitismus” soll in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Marr, einem antjüdischen deutschen Nationalisten, geprägt worden sein. Die Juden wurden/werden hier also über ihre (vermeintliche) Rassen-Zugehörigkeit “definiert”. In der späten Neuzeit setzte sich unter Juden teilweise Säkularisierung und Assimilierung durch; ein guter Teil blieb aber dem religiös geprägten Lebensstil treu. Und, Juden wurden im 19. Jh wichtige Mitwirkende in der westlichen Zivilisation, infolge der Aufklärung, ihrer Beiträge zu Wissenschaften und Künsten, usw. Wenn heute von “jüdisch-christlicher Zivilisation” geredet wird (Merkel,…), wird auf die Wurzeln des Christentums “angespielt” sowie auf die Beiträge von Juden in westlichen Staaten ca. 2000 Jahre später (und das dazwischen ausgeblendet, bzw das heutige Selbstverständnis rückprojeziert).

Europäischer Antijudaismus kam in den islamischen Orient, es entstand dort aber auch ein “autochthoner”. 1840 die Damaskus-Affäre im damals osmanischen Syrien, ein Ritualmordanklage gegen dortige Juden, die zu Interventionen europäischer Grossmächte führte, und zur Gründung der (französisch-jüdischen) Alliance israélite universelle (AIU), die sich fortan in Angelegenheiten “orientalischer” Juden einmischte, vermeintlich zu deren Gunsten. Gegen Ende dieses Jahrhunderts begann die Umsetzung des Zionismus, die Einwanderung von Juden in das ebenfalls noch osmanische Palästina, das von der zionistischen Bewegung als “alte-neue Heimat der Juden” beansprucht wurde. Ab den 1920ern kam es infolge dieser Landnahme zu Konflikten dieser Juden mit der Bevölkerung Palästinas, die infolge der arabischen Eroberung des Landes im 7. Jh arabisiert und islamisiert worden ist, aber von semitischen Völkern wie den Kanaanitern abstammt.

Pierre-Joseph Proudhon (1809–1865), der französische Politiker und Philosoph, deklarierte zumindest in seinen Tagebüchern Hass auf Juden, dachte ihre Ausweisung nach Asien oder “Vernichtung” an, nannte dabei u.a. Heine, Rothschild4, Crémieux (Mitgründer der AIU), Marx, als Gründe für seinen Hass. Proudhons Landsmann (und Zeitgenosse) Joseph E. Renan war ein Gelehrter in semitischen Sprachen und Zivilisationen. Er bestritt, dass die modernen Juden von den antiken abstammen, sah sie (zumindest die aschkenasischen) hauptsächlich als Nachfahren der Khasaren, die im Mittelalter zwischen (und nördlich) Schwarzem und Kaspischem Meer lebten5 und teilweise zum Judentum konvertierten. Es wird hier einmal einen Artikel über diese Fragen geben. An dieser Stelle: Es gab und gibt durchaus Menschen, die irgendwie antijüdisch eingestellt sind, aber (bzw: und) gleichzeitig Anhänger des Zionismus sind; darum wird es auch in diesem Text (und in seinen Fortsetzungen) gehen.

Ein nennenswerter Antisemit/Antijudaist aus dem Deutschland der späten Neuzeit war Heinrich von Treitschke, ein Historiker, Publizist und Politiker (Reichstags-Abgeordneter). Mit einem 1879 veröffentlichten Aufsatz löste Treitschke den Berliner Antisemitismusstreit aus; dieser Aufsatz enthält den Satz „Die Juden sind unser Unglück“, der dann vom Nationalsozialismus aufgegriffen wurde. Der Text “Die Protokolle der Weisen von Zion” (angebliche Dokumente eines Treffens von jüdischen Weltverschwörern) wurde erstmals 1903 in Russland veröffentlicht.6 Hilaire Belloc, Historiker, Schreiber, Politiker, sah hinter dem Kapitalismus, den er ablehnte, Juden, stellte sich im Dreyfus-Prozess 1894 auf die Seite von dessen Gegnern. Gleichzeitig sah er Juden auch hinter dem Kommunismus/ Bolschewismus. In seiner Schrift „The Jews“ (1922, dt. „Die Juden“, 1927) sprach er sich dafür aus, Juden ein Heimatland zu geben, um ihren “Einfluss” (im Westen) zu reduzieren…

Von konservativer Seite kam oft der Vorwurf, dass Juden Agenten der Moderne seien – die „assimilierten“ Juden. Als etwa in der Ersten Republik Österreichs die Sozialdemokraten einen Vorstoss zur Einführung der Ehescheidung unternahmen, sprach der Christlichsoziale Wilhelm Miklas von einem „jüdisch-freimaurerisch-sozialdemokratischen Anschlag“. Man kann auch an Papst Pius IX. denken.7 Kurt Tucholsky ist vom Judentum zum protestantischen Christentum übergetreten, wurde von Gerhard/Gerschom Scholem als “widerwärtiger jüdischer Antisemit” bezeichnet, u.a. wegen dessen „Wendriner“-Geschichten – die aber evtl mehr die Bourgeoisie zeigen sollen (als die Juden). Tucholsky war einer jener missliebigen Deutschen, die 1933 von den Nazis ausgebürgert wurden (zu Staatenlosen).

Es ist fraglich, ob der Antijudaismus im Deutschen Reich grösser war als anderswo, und ob er vom NS (in diesem Ausmaß) oktroyiert wurde oder die Meinung des Volkes wiederspiegelte. Hitlers rassistisch-antijüdische Prägung fand wahrscheinlich in seinen Wiener Jahren (1907-13) statt. Eric Sanders, jüdischer Holocaust-Überlebender (Österreich > GB): “Nicht alle Nazis waren Antisemiten”, einer der sein Freund blieb, sagte, Österreich brauche einfach eine starke Hand. Es ist umstritten, inwiefern sich die Katholische Kirche und insbesondere der Vatikan bezüglich des Holocausts/Holokausts mit-schuldig gemacht haben. Zu Pius XII. hier Einiges. Zu seinem Vorgänger Pius XI. (1922-39; Achille Ratti) gibt es das Buch eines David Kertzer. Als sich Ratti wegen der Judenverfolgung an Mussolini wandte, soll dieser gehöhnt haben, die Faschisten würden die Juden schon nicht so schlecht behandeln, wie die Kirche das in der Vergangenheit getan hatte.

Rhizom: “Das Bild, das die Nazis von den Juden aufrichten, ist alles andere als vielschichtig und facettenreich. Vielmehr reduziert es sich auf einige wenige Motive, zu deren wichtigsten die angebliche ‘Lüsternheit’ der Juden gehört. Durch ständige Bezugnahme auf dieses Motiv gaben die Antisemiten selbst zu erkennen, daß man ihren Judenhaß zuallerst unter dem Aspekt des Sexualneides zu betrachten habe. Monoton wiederholt sich in allen modernen antisemitischen Traktaten das Thema des geilen Juden, der sich planmäßig an arischen Frauen und Mädchen vergehe, wie etwa auch in Hitlers ‘Alpdruckversion der Verführung von Hunderten und Tausenden von Mädchen durch widerwärtige, krummbeinige Judenbastarde’. Und an anderer Stelle schreibt Hitler in Mein Kampf: ‘Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens, Volke raubt.'”

Der Holocaust und die Verwirklichung des Zionismus’ (Ausrufung Israels) kamen ja relativ knapp hinter einander. Holocaust und Zionismus wurden aber erst um 1967 (mit Israels Eroberungskrieg) für viele Juden bedeutend, als Bezugspunkte bzw Komponenten jüdischer Identität8. Mit der Islamkrise, die ab etwa 2001 offensichtlich wurde, veränderte sich der “Antisemitismus”-Diskurs noch einmal. http://www.jf-archiv.de/archiv00/430yy45.htm : Kritik eines Antisemitismus-Buchs von Raphael Gross, in der „Jungen Freiheit“, aus 2000, von Günter Maschke, Ex-Linker; noch weitgehend der altschulische AS-Diskurs. Die “Junge Freiheit” schaukelt inzwischen längst mit Broder Eier (“Westen gegen Islam” usw).9 Maschke damals: „So wie Antisemiten einer bestimmten Spezies nur Juden und Jüdisches sehen, so sieht Gross nur Antisemiten und Antisemitistisches.“ Maschke kommentierte auch: „Wer nicht von den Ursachen des Antisemitismus reden will, sollte auch von diesem schweigen, und schweigen sollte auch der, der sich weigert, dessen Realitätskern zu untersuchen, weil wahnhafte Reaktionen möglich sind. La verdad es siempre deliciosa“.

Götz Aly bringt in seinem Buch “Warum die Deutschen? Warum die Juden?” (2011) Antijudaismus im 19., frühen 20. Jh mit anti-schwabischen Ressentiments im Berlin der 1990er in Zusammenhang. Es habe damals “den Schwaben” als Feindbild gegeben, fleissige Zuwanderer einerseits, andererseits den Berliner, der es gewohnt ist, dass seine Stadt am “Subventionstropf” hängt. Und gut 100 Jahre früher “Trägheit und Ungebildetheit” bei der Mehrheit der “christlich-deutschen Bevölkerung”, die “mit den rasanten Veränderungen der Moderne nicht mitkam, ganz im Gegensatz zu vielen Juden”. “Schwaben raus” sei später an Fassaden gestanden, wo früher “Juden raus” stand. Es ist dieses “Juden werden gehasst weil so smart/erfolgreich/…”, das es in vielen Variationen gibt.

In den 00ern ist der AS-Diskurs in gewisser Hinsicht entgleist. Mit der Islamkrise wurden Juden im Westen das Prachtstück westlicher Zivilisation und Trumpf gegen orientalische Barbarei. Der “Antisemitismus”-Diskurs wurde in den Dienst von Islamophobie und Zionismus gestellt, und von einem neuen “Westismus”. “Antisemitismus”-Vorwürfe kommen schnell daher, auf allen Ebenen, gegen Journalisten, Akademiker,… Es wurde ein „neuer Antisemitismus“ entdeckt, der die Funktion übernahm, Israel international vor Kritik zu schützen. Dieser äussere sich natürlich in „Israelkritik“, käme von Linken, Rechten wie Moslems. Der Vorwurf kommt von Rechtskonservativen, Pseudolinken, Israel-Lobbyisten, die sich gerne als „Experten“ deklarieren. Laut Netanjahu (auch ein „Antisemitismus-Experte“) vermischt sich “der neue Antisemitismus” etwa von radikalisierten Muslimen mit dem “klassischen Antisemitismus” der Rechten. “Anti”deutsche und andere Anwender behandeln (vermeintlichen/tatsächlichen) Antisemitismus nicht, um ihn zu bekämpfen, sondern als politische Ideologie, um darüber Freund und Feind zu markieren. Das Schwingen der diesbezüglichen Keule bedeutet “Ich habe keine Argumente aber ich würde mich gerne moralisch über dich stellen”.

Es gibt inzwischen auch schon einen ganz neuen Antisemitismus, struktureller/tendenzieller/sekundärer „AS“; auch Kritiker der Politik US-amerikanischer Regierungen werden damit belegt, und Menschen, die sich gegen Rassismus oder für Belange des globalen Südens einsetzen. Nicht zuletzt in Deutschland hat sich das Konzept des “neuen Antisemitismus” etabliert und ein damit zusammenhängender McCarthyismus10, und Österreich ist in gewisser Hinsicht der Blinddarm von Deutschland. Ludwig Watzal: Ein sogenannter neuer Antisemitismus ist zum Kampfbegriff der zionistischen Israellobby geworden…In Deutschland ist keine rationale Debatte über das zionistische Regime mehr möglich…Antisemitismus ist das Vorurteil oder der Hass auf Juden wegen ihres Jude-seins. Da diese „primäre“, plumpe Form heutzutage weltweit geächtet ist, haben die diversen israelischen Regierungen und die mit ihr aufs engste kooperierende Israellobby Surrogate in Form neuer Spielarten oder Elementen des Antisemitismus ausgemacht. Zum Beispiel den sekundären Antisemitismus, der sich aus dem Schamgefühl und der Verdrängung über die Verbrechen am europäischen Judentum speist. Überspitzt und zynisch könnte man formulieren, dass es sich dabei um Judenhass nicht trotz, sondern wegen Ausschwitz handelt. Einige rechtslastige Israel-Unterstützer sprechen sogar schon vom „tertiärem“ Antisemitismus und meinen damit den „Hass auf Israel“. Für sie gilt bereits der Antizionismus als „sekundärer Antisemitismus“.

Schon klar, Watzal ist ein “bekannter antiisraelischer” Schreiber. Ist er das? Er gilt deshalb als “antiisraelisch” und wird auch als “antisemitisch” diffamiert, weil er Verschiedenes an Israel aufzeigt, das nicht so schmeichelhaft ist… Und der “alte Antisemitismus” ist in gewisser Hinsicht weiter gewandert bzw umgewandelt worden. Der französische Rassentheoretiker Arthur (de) Gobineau 1853: „Der Anteil an arischem Blut, das bereits so oft verwässert worden ist, der in unseren Ländern noch immer existiert und ganz alleine verantwortlich ist für die Aufrechterhaltung unserer Gesellschaft, kommt Tag für Tag der letzten Grenze vor dem völligen Aufgehen näher.“  Befunde dieser Art liest man auch heutzutage, darin geht es dann um “Zuwanderung” und “Kultur” (nicht mehr um Rassenmischung). Und, zwischen den Israel-Lobbyisten (jüdischen und anderen) und diesen Kulturkämpfern gibt es eine ziemlich grosse Schnittmenge.

In Deutschland/Österreich gibt es wöchentlich eine Antisemitismus-Konferenz/ TV-Dokumentation/ Diskussionsrunde/ Politikermahnung/…11 Abraham “Abi” Melzer (von dem wir noch lesen werden, ein Stachel im Fleisch des Anpasslertums): “Das Anti-Antisemitismus-Geschrei floriert im heutigen Deutschland mehr denn je”. Wenn irgendwo über “Antisemitismus” geschrieben oder geredet wird, kann man davon ausgehen, dass eine Kritikabwehr an Israel und/oder eine islamophobe Zielrichtung dahinter steht. Verbunden hat sich das mit dem Holocaust-Gedenken (bzw seiner Aufarbeitung). Das gilt nicht nur für bundesdeutsche Antisemitismusbehandlungen. Vor einigen Jahren gab es eine UN-“Konferenz über Antisemitismus” mit Elie(zer) Wiesel, bei der, dem Zeitgeist folgend, “Israel-Kritik” in den Mittelpunkt gerückt wurde; Wiesel ist einer, der zumindest das Siedlungs/Verdrängungsprojekt in Jerusalem/Quds unterstützt hat. Man denke hier auch an die Rassismus-Konferenzen der UN und die Hysterie darüber. Deutschland leistet sich auch einen Regierungsbeauftragten für Antisemitismus.12

Die Studien, Diskussionen, Bücher, Artikel, Sendungen, Umfragen,… zum Antisemitismus zeichnen sich in der Regel durch einen aufdeckerischen Anspruch und alarmistischen und anklagenden Charakter aus. Antisemitismus wird immer wieder neu entdeckt (oder es wird diesbezüglich auf einander verwiesen), als ausufernd und grosse Gefahr dargestellt, Untätigkeit bzw Beschwichtigung beklagt. Man kann sich fragen, ob die “Antisemitismus-Forscher” (staatliche und private) nicht vom Problem leben, das sie “untersuchen” (so ähnlich wie die “Bewerbungsindustrie” von den Arbeitslosen); ein nicht-alarmistischer Befund, kann man sich so etwas überhaupt leisten? Der AS wird in solchen “Untersuchungen” meist so definiert, dass praktisch jede “Israel-Kritik” darunter fällt, es werden Querfronten “konstatiert”, die Enkel der Nazi-Täter-Generation dozieren darüber dass Deutschland, Europa, der Westen Beschützer der Juden, hauptsächlich vor den Orientalen, zu sein haben, aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Westen und ihrer früheren Verfolgung dort; Juden bekommen den Part des unschuldigen und gefährdeten potentiellen Opfers. Ein Streifzug durch die letzten 10, 15 Jahre:

2004 erschien das Buch “Neuer Antisemitismus?”, herausgegeben von Doron Rabinovici, Ulrich Speck, Natan Sznaider; dazu erschien dann eine Fortsetzung. An der Volkshochschule Wien gab und gibt es etliche Veranstaltungen/Vorträge zum AS, vom Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung zusammen mit dem DÖW, von einschlägigen Figuren wie Andreas Peham, Judith Götz, Bernhard Weidinger,…, zB zum “Verhältnis von Antisemitismus und Fußball in Österreich”.13 Dann, einmal die TV-Doku eines Thorsten Berrar zum Thema, über israelische Politik, Krav Maga, Kreuzberg,… Weiter, orf.at berichtet von einer Umfrage unter 16 000 Juden in der EU, Antisemitismus sei aus ihrer Sicht am Vormarsch, sei dabei, “normalisiert” zu werden (werde teilweise nicht als solcher wahrgenommen). Die am häufigsten erlebte “Hetzparole” sei „Israel agiert gegen Palästina wie die Nazis gegen Juden“. Die Israelitische Kulturgemeinde (IKG) Wien reagierte betroffen auf den Bericht.

2010 präsentierte die israelische Regierung unter Netanyahu einen Bericht des “Antisemitismus-Forschungszentrums” der Universität von Tel Aviv, das “antisemitische Taten in aller Welt zählt.” Der Antisemitismus sei auf dem höchstem Stand seit zehn Jahren, hiess es in dem Bericht. Es wurde eine “extremistische Propaganda gegen Israel nach der Operation ‘Gegossenes Blei’” behauptet, wobei es zu einem Zusammenschluss zwischen radikalen Islamisten und klassischen Antisemiten gekommen sei. Zum Jahreswechsel 2008/09 griff das israelische Militär den Gaza-Streifen massiv an (dies war die “Operation”), tötete dabei etwa 1500 Palästinenser, richtete gewaltige Zerstörungen an, bei etwa 15 israelischen Opfern, begründete dies mit “Raketenangriffen” aus Gaza. Netanyahu machte bei der Präsentation auch den Bericht der UN-Untersuchungskommission über die israelische Militäraktion, den sogenannten Goldstone-Bericht, für die “Zunahme des Antisemitismus” verantwortlich… Die “Militäroperation” an sich war ja auch kein “Problem”, sondern der Untersuchungsbericht und das was “Islamisten” und “Nazis” daraus gemacht haben. Zumindest sieht das der politisch Verantwortliche für die “Operation” so, und praktischerweise bescheinigt das auch eine “Untersuchung”. Ein vorzügliches Beispiel für die Praxis des “Antisemitismus”-Diskurses, hier zur Diffamierung von Kritik an dieser Militäraktion…14

Die Doku eines Adrian Oeser (HR), lief zB auf Servus TV („Im Kontext“), das Übliche: „Neuer/islamischer Antisemitismus“, Hysterie, Alarmismus,… Eine Ausstellung im Jüdischen Musum Wien zum Thema. ORF.at berichtete dann einmal: “Hass und Gewalt gegen Juden: Europaweite Umfrage zeichnet beängstigendes Bild…Belästigungen von Juden haben 2013 einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew Research Center zufolge global betrachtet ein Siebenjahreshoch erreicht. Besonders auffällig sei der Anstieg der Vorfälle in Europa.” 2018 eine „Antisemitismus-Konferenz“ im Rahmen der Wiener Vorlesungen („An End to Antisemitism!“), mit Bernard-Henri Levy, Monika Schwarz-Friesel, Dina Porat, Klaus Dawydowicz, Armin Lange,… und Ariel Muzikant, dem langjährigen IKG-Vorsitzenden. Damit die Veranstaltung auch nicht zu objektiv wird. Schwarz-Friesel: Antisemitismus verändere sein Gesicht; bzw die Definition wird von Leuten wie ihr verändert, damit sie passt. EJC (European Jewish Congress) und IKG wollten demnächst eine grosse „Antisemitismus-Konferenz“ veranstalten, hiess es damals (siehe dazu unten).

Michael Friedman, “dieser streitbare und immer irgendwie sehr besondere Medienmacher”, widmete sich in seiner Reportagereihe “Friedman schaut hin” auf Welt (dem früheren N24) auch dem “wachsenden Antisemitismus” in Deutschland; “unfassbare Schilderungen” soll es dabei gegeben gaben, bezüglich des “neuen Antisemitismus'”.15 2018 dann die EU-“Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus” in Wien, von EJC (Ariel Muzicant), der IKG Wien (Oskar Deutsch) und dem österreichischen Bundeskanzleramt (Sebastian Kurz) organisiert. Auch so ein Inquisitionstribunal gegen Israel-Kritik, verbunden mit Exkulpationen. Ein ander’ Mal eine Art Studie von Julius Schoeps vom Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam. Juden in Deutschland sähen sich mit einer neuen Form des Antisemitismus konfrontiert, es fände eine Verschiebung vom „rechtsradikalen ins muslimische Milieu“ statt, Schoeps sähe schwarz bezüglich der Zukunft des traditionellen Judentums in Deutschland. Wieder der Kanon, der 1000. Aufguss, im wissenschaftlichen Kleid.

2019 hat die israelische Regierung, spezifisch das Diaspora-Ministerium unter Naftali Bennett16, anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags einen “weltweiten Anstieg antisemitischer Taten” angeprangert. Rund 70 Prozent der Übergriffe seien “anti-israelisch” motiviert gewesen. Vor diesem Hintergrund müsse Israel “den Millionen Juden in der Diaspora helfen, die immer mehr antisemitischen Verbrechen ausgesetzt sind”, so Minister Bennett.17 Ein Extrembeispiel: “Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, ein Film fürs Fernsehen von Joachim Schroeder (> “Entweder Broder – Die Deutschland-Safari”) und Sophie Hafner (WDR), so tendenziös dass ihn ARD und Arte zunächst nicht ausstrahlen wollten. Arte brachte nach Sendung des Propagandafilms eine Diskussion, u.a. mit Michael Wolffsohn, Achmed Mansour, Rolf Verleger. Der Film sollte eigentlich eine Dokumentation über Antisemitismus in Europa sein, durch die Reaktionen wurden die Macher (und ihr Umfeld) dazu motiviert, das Lied über die „Wahrheit über Antisemitismus, über die nicht gesprochen werden darf“ zu singen, sich als “Underdog” zu geben.

Der Film beginnt mit einem Reisebericht in den Gaza-Streifen, unterlegt mit “Fakten” die belegen sollen, denen geht’s ja gar nicht soo schlecht, zB einen Vergleich der Bevölkerungs-Dichte Gazas mit jener von Paris18, bringt folgerichtig auch Mohammed al Husseini, Grigat, Alexander Feuerherdt, A. Mansour19, Memri-Clips, NGO-monitor, Nathan Jessen,… Es wird versucht, Palästina-Solidarität und Israel-Kritik20 über den „Antisemitismus“-Diskurs und eine Instrumentalisierung des Holocausts zu diffamieren bzw israelische Politik zu apologetisieren (inklusive seiner Siedlungs-Politik), die Nakba zu verharmlosen. Von der UNRWA bis zur Linken-Politikerin Annette Groth kriegt da jeder, der sich irgendwie für Palästinenser einsetzt(e), sein Fett ab. Sehr sehr deutsch.

2017 auch schon eine „Antisemitismus-Doku“ dieses Schröder, „Der ewige Antisemit“ (für ARD), mit Henryk Broder und Leon de Winter, dazu Hamed Abdelsamad, eine Fahrt durch Europa. Es geht natürlich um Haltungen ggü Israel (werden Juden von diesen Israel-Freunden mit Israel in Verbindung gebracht), Linke und Moslems werden als Schuldige präsentiert, es wird „antiisraelisches Propagandamaterial“ in einem Uni-Seminar in Hildesheim angeprangert, Juden fix in einer Opferrolle verortet, über einen Puschel, der von SPD zu NPD ging, berichtet; natürlich nichts über rechte Israel-Begeisterung, nichts über Zustimmung für Broder von ganz rechts,… In einem Ankündigungstext zu dem Film, der anscheinend von einem Ulrich Gambke (BR) stammt, wird der Film als „klug und witzig“ gelobt, von einer „Handvoll Juden die noch in Europa leben“ (!) gefaselt21, und dass es zwischen Broder und De Winter „Liebe auf den ersten Blick“ gegeben habe. Das dürfte sogar stimmen, die beiden sind ähnlich radikal und rassistisch gepolt.22

Eine positive Ausnahme von diesem “Antisemitismus”-Diskurs kam ausgerechnet von einem israelischen Filmemacher, Yoav Shamir. Sein Film über den “neuen Antisemitismus”, “Defamation”, ist eine seltene kritische Thematisierung. Der AS-Vorwurf wird “benutzt, um eigenes Versagen zu verarbeiten und damit Politik zu machen”, heisst es da. Shamir hat sich auch mit der ADL angelegt, deren Chef Foxman auch in dem Film vorkommt. Mit seinem Gegen-den-Strom-schwimmen hat er sich wenige Freunde gemacht. Mutige Wahrheitssuche angesichts Propaganda wird selten belohnt. Eine Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) zu Antisemitismus wurde vor einiger Zeit präsentiert. Dieser sei “wieder” auf dem Vormarsch, besonders in Ungarn, Frankreich und Belgien. Es wurden dazu Juden befragt, und die Studie wurde vom EJC präsentiert. Antisemitismus käme primär im Internet – zum Beispiel auf Videoplattformen wie YouTube – und in den Medien zum Ausdruck. Serge Cwajgenbaum, Generalsekretär des EJC, bedankte sich bei der FRA, Antisemitismus sei keine jüdische, sondern eine demokratische Angelegenheit. Muzicant, als Vizepräsident des EJC bei der Präsentation vertreten, behauptete auch dass vor allem das Internet anfällig für antisemitische Inhalte sei, und nannte die Seite Alpen-donau.info, die 2011 vom Netz genommen wurde. „Die Redefreiheit endet dort, wo Hasskriminalität beginnt“, so Muzicant.

Es ist aber so, dass Redefreiheit an ganz anderen “Punkten” endet (leider), und dass verbaler Hass eigentlich in alle Richtungen geahndet werden sollte, das wäre tatsächlich eine demokratische Angelegenheit. Bei “Israel-Kritik”23 wird in der Regel versucht, die Meinungs-/Redefreiheit einzuschränken, über ihre Diffamierung als “antisemitisch”. Bei Hassreden von der israelischen/proisraelischen Seite ist man da “toleranter”. Der US-amerikanische Politiker “Dick” Armey (RP) rief etwa ’02 zur Ausweisung der Palästinenser aus ihren Rest-/Autonomiegebieten auf, und Inbesitznahme des Landes durch Israel. Weder ist Armey ein Aussenseiter (er war, auch damals, Fraktionschef seiner Partei im Repräsentantenhaus), noch ist diese Äusserung ein “Ausreisser”, von israelischen Politikern, Journalisten,… wird so etwas immer wieder gefordert (von Israel-Fans ohnehin). Als der malaysische Premierminister Mahathir Mohammad 03 sagte, Juden beherrschten die Welt indem sie Andere für sich kämpfen liessen, gab es grosse Aufregung. Bei Armey aber…oder bei David Bukay oder Naftali Bennett oder auf Youtube (sowohl was Videos als auch was Kommentare betrifft) – dazu noch mehr.

Antisemitismus-Untersuchungen sind nur dann seriös, wenn sie auch Rassismus und Hetze von jüdischer und philosemitischer Seite (in der Israel-Solidarität) mit berücksichtigen, auch die Politik von Israel gegenüber den Palästinensern und der Region, und nicht die eine Seite von Vorhinein in der Opferrolle verortet. Ansonsten sind sie nicht einfach nur wertlos sondern haben einen negativen Wert, ist ein parteiischer Charakter zu attestieren, sind sie Propaganda-Bestandteil des Konflikts. Und da festzustellen ist, da es hier einige blinde Flecken gibt, widmet sich dieser Text auch diesen. Nicht nur, dass sich der Umgang von Israel-Fürsprechern (Zionisten) mit Kritik an Israel meist im Schwingen der “Antisemitismus”-Keule erschöpft bzw Versuchen, die Kritik in dieses Schema zu pressen – daneben ist auch deren Rassismus, Verachtung (die dem “Nahost-Konflikt” zu Grunde liegt!) eine Art Tabu. Tiara wartet noch immer auf die Studie, die sich zB mit dem Rassismus und der Menschenverachtung von Israel-Fans im deutschsprachigen Raum beschäftigt, etwa anhand der Auswertung von IT-Foren. Über ihre Motive und Methoden. Oder allgemein über deutsch-österreichische Israel-Begeisterung.

Es wäre ergiebig, eine Analyse durch zu führen von gewissen Studienabschlussarbeiten, etwa der eines “anti”deutschen Recken in Österreich, über palästinensische Anschläge in Österreich (ob er da ein Problem bzw einen Feind gefunden hat, das/der ihm die gewünschte Verbindung herstellt?), oder die eines zionistischen Einpeitschers in Deutschland, über die zionistische Aktivität im Deutschland der 1920er (ja, die gab es dort bevor Hitler an die Macht kam und als sie in Palästina mit der Verdrängung richtig begann). Daher geht es hier auch darum, Israel-“Solidarität” zu beleuchten, nicht nur jene im „deutschen“ Raum, ungleiche Standards im Zusammenhang damit,… Es gibt die Parteinahme für Israel als NS-“Aufarbeitungsarbeit” (hauptsächlich in “Deutschösterreich”), verbunden mit dem Versuch, die lange Geschichte des christlichen Antijudaismus überhaupt zu entsorgen, diesen den “Orientalen” umzuhängen. Auch im wissenschaftlichen Gewande. Israel-Kritik und Antijudaismus werden vermischt, Islamismus und Widerstand,… Man gibt sich als Antisemitenjäger und versucht damit, das eigene rassistische Handeln/Denken zu überdecken oder auch seine Verstrickungen in oder Präferenzen für verbrecherische Politik und nimmt gegebenenfalls noch die Rolle des über jeden Verdacht erhabenen Richters bzw. des objektiven Wissenschafters ein. Der Missbrauch des “Antisemitismus”begriffs (bzw die Umformung zum Kampfbegriff) dient auch als ideologische Hülle für den eigenen Rassismus.

Eckhard Jesse: “Viele Kritiker des Antisemitismus argumentieren umso lautstarker und unbarmherziger, je schwächer er in Wirklichkeit ist.” Die diesbezüglichen Alarmierungen und die Vorwürfe sind in den letzten (über 15) Jahren inflationär geworden. Es gibt Institute und Forscher, deren Existenzzweck es ist, „Antisemitismus“ zu finden, andere dessen zu zeihen, anzuprangern. Da gibt es persönlich-berufliche Motive und natürlich die politische Agenda. Das zionistische Antisemitismus-Verständnis bzw die diesbezügliche Verwendung (also zur Abwehr unliebsamer Kritik an Israel) scheint sich durchzusetzen, ist mehr oder weniger die Norm geworden.24 Teilweise ist dieses Konzept an der Bezeichnung “neuer Antisemitismus” erkennbar. Im Zuge dieser Zionismusapologetik wird sehr gerne auch Antiimperialismus zu diffamieren versucht, ein Neokonservativismus beworben, werden historisch-politische Abrechnungen gemacht,… “Antisemitismus”-Vorwürfe werden gerne erhoben, um den eigenen Chauvinismus zu maskieren, der aber in dieser Maskierung steckt (nach der Art “Wir sind zivilisiert, sie nicht”). Juden werden in “Antisemitismus-Untersuchungen” in der Regel mit Israel verbunden, werden praktisch nur als potentielle Opfer gesehen. Kontextualisierung wird von Manchen schon als seine Relativierung/Verkennung/Leugnung angesehen, ebenso, Antisemitismus in eine Reihe mit anderen Rassismen /Diskriminierungen zu stellen. Auf kritische Rezeptionen folgen oft aggressive Reaktionen.

Zu den einzelnen Kapiteln: Jede kritische Thematisierung israelischer Politik wird mit dem Judentum in Zusammenhang gebracht, als „gegen Juden“ gerichtet. Darum geht es im 2. Kapitel. Wer bringt eigentlich immer Juden in Verbindung mit Israel? Teil II dieser Untersuchung beschäftigt sich mit Israel und der Rechten, Teil III mit Israel in seiner Region und in der Welt (aus verschiedenen, teilweise bereits genannten, Gründen kommt man nicht herum, hier auch den sogenannten “Nahostkonflikt” zu behandeln). Teil IV besteht aus: Islamismus, moslemischer Antisemitismus und der Blick darauf; schliesslich der Blick auf den Diskurs und die Mechanismen des „Antisemitismus“-Diskurses sowie einige Literatur-Empfehlungen sowie IT-Links

Die Verbindung Juden-Israel

Der wichtigste Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, sah einen jüdischen Nationalstaat als Lösung für den Antisemitismus.25 Diese Lösung war gleichzeitig die Alternative zur “Diaspora”. Der Holocaust, quasi der Gipfel der europäischen Judenverfolgungen, bestätigte diese Sicht für Viele. Der israelische Historiker Tom Segev brachte in seinem Buch “Die siebte Million” die These, dass die jüdische Gemeinschaft in Palästina zur Zeit des NS/2.WK mehr an der Schaffung ihres eigenen Staates interessiert waren als an der Rettung europäischer Juden. Auch bezüglich 1948 und 1967 räumt er mit zionistischen Mythen auf. Nachdem mit dem Krieg ’67 Israel wie auch der Holocaust für Juden allgemein bedeutender wurden, entstand der Vorwurf, Gegnerschaft zum Zionismus bzw zu Israel richte sich gegen die (“nationale”) Selbstbestimmung der Juden, diskriminiere Juden negativ gegenüber Anderen, komme aus einer antisemitischen/antijüdischen Haltung heraus (bzw sei gleichbedeutend mit Antisemitismus) – auch wenn es sich (bei diesen Gegnern) um Juden handelte oder Palästinenser, die betroffen waren von Vertreibungen, Enteignungen,… im Zuge der Verwirklichung des Zionismus.

Während man die Zustimmung (und konkrete Unterstützung) von Rechten oder Staaten im Westen (nicht zuletzt aus bzw von der BR Deutschland) nahm, ohne so viel zu analysieren… Inzwischen wird nicht nur Gegnerschaft zum Zionismus sondern auch Kritik an manchen seiner Spezifika als “antisemitisch” eingestuft. Und, diese “Einstufungen” kommen auch von nicht-jüdischen “Westlern”, nicht zuletzt aus Deutschland. Die Gleichsetzung von Judentum und Israel ist wahrscheinlich genauso problematisch wie der daraus resultierende Umkehrschluss (also keine Verbindung gegeben) falsch. Früher (teilweise auch jetzt noch) wurde (und das nicht ganz zu Unrecht) als antisemitisch kritisiert, Juden (an sich) mit Israel und seiner Politik in Verbindung zu bringen. Was heute, zumindest im deutschen Raum, hegemonial ist, ist aus „Israel-Kritik“ „Antisemitismus“ zu machen. In anderen Worten: Die feste Verbindung Israel-Juden die von Antisemiten hergestellt wurde, wird nun von ihrem vermeintlichen Gegenpol hergestellt. Das Jüdische an Israel und die Verbindung der Juden zu Israel kehren immer die Zionisten heraus, im Positiven wie im Negativen.

Anti-Antisemitismus-Kundgebungen (wie diese in Berlin im Sep. 2014) immer mit Israel-Flaggen…

Dass Israelkritik per se Judenfeindlichkeit sei (bzw aus ihr komme), hilft natürlich bei der Unterdrückung der Thematisierung der Unterdrückung der Palästinenser und anderen Realitäten des Zionismus. Das offizielle Judentum, der Zentralrat der Juden in Deutschland oder IKG in Österreich, und seine führenden Vertreter verteidigen Israel und seine Politik, identifizieren sich damit. Wie und warum sollen da Andere differenzieren? Aus solchen Differenzierungen wird ausserdem auch ein (Antisemitismus-) Vorwurf konstruiert. IKG-Chef Deutsch hat über jemanden (vergessen, wer es war), der israelische Politik kritisierte, sich auch für Aufarbeitung des Holocausts einsetzte, gesagt, dieser habe anscheinend “ein Problem mit lebenden Juden“… Umgekehrt erhebt auch Israel (seine Regierung, staatlichen Organe,…) den Anspruch, für Juden überall auf der Welt zu sprechen. Alle „Antisemitismus“-Diskussionen werden mit „Israel“ in Verbindung gebracht, alle “IL”-Diskussionen mit “AS”…hauptsächlich von den IL-Freunden. Auch, weil “man” sich bezüglich Israel-Kritik in der Regel nur mit “Antisemitismus”-Vorwürfen zu helfen weiss.26

Die Haltung zu Israel zählt, entscheidet darüber, ob jemand “Antisemit” ist oder nicht, meinen Hauptstrom-Zionisten aus Israel oder der “Diaspora” (Netanyahu, Broder,…), und Rechte im Westen wie Strache oder „Staberl“ nehmen das gerne auf (“Ich bin pro Israel, kann also kein Antisemit sein”). Für die meisten jüdischen und nichtjüdischen Zionisten ist nur ein zionistischer Jude ein kompletter Jude; viele Antisemiten/Antijudaisten sehen das auch so. Israel versucht, Juden weltweit an sich zu binden, braucht dazu auch Antijudaismus, dazu noch mehr. Viele „Diaspora“-Juden neigen dazu, Israel blind zu verteidigen, so wie die „(Neue) Kronen Zeitung“ reflexartig Polizisten verteidigt, egal um was es geht, egal wessen sie beschuldigt werden; und je berechtigter der Vorwurf ist bzw diese in Bedrängnis sind, desto engagierter und sturer wird diese Verteidigungshaltung eingenommen. Broder und auch Michel Friedman antworteten beide öfters mit einer Gegenfrage nach “Island”, als sie auf Israel nach angesprochen wurden und ihre Verbindung dazu…als ob sie keine hätten, ganz entgegen ihrem sonstigen Wirken und der Bedeutung (bzw Priorität) die Israel ganz offensichtlich für sie hat.27 „Der jüdische Staat“ oder „der Staat der Juden“, eigentlich ist da ein Unterschied. Israel ist in seinem Selbstverständnis beides (und auch im Verständnis seiner jüdischen und nicht-jüdischen Anhänger). Daher ist es auch nicht der Staat seiner Bürger und noch weniger aller seiner Einwohner (der Menschen die unter seiner Herrschaft leben); sondern Staat der (beziehungsweise aller) Juden.

Das Judentum ist eigentlich mehr als eine Religion; es ist (auch) eine ethnoreligiöse Gemeinschaft, Judentum ist zT biologisch definiert (jüdische Mutter). Auch wenn es zu allen Zeiten Übertritte zum Judentum gab. Für jene Juden, die religiös sind, steht der ethnische Charakter des Judentums in der Regel im Hintergrund, für jene Juden die nicht religiös sind, ist es eher umgekehrt.28 Der israelische Schriftsteller Joram Kaniuk hat sich 2011 (2 Jahre vor seinem Tod) das Recht erkämpft, sich als „religionslos“ registrieren zu lassen. Er könne daher sehr wohl Jude von Nationalität und gleichzeitig religionslos sein. Die israelische Justiz gab dem schliesslich nach. Da Judentum seine Nationalität/Ethnizität blieb (wenn auch nicht seine Religion), verlor er keine Privilegien im israelischen System. Israel unterstellt Juden weltweit nicht nur einen Bezug zu „Israel“, es sieht sie auch als “Israelis im Wartestand”. Oswald Rufeisen, ein polnischer Jude, in der Zwischenkriegszeit zionistisch geprägt (Akiva,…), überlebte den Holokaust durch Versteck in einem Kloster, wurde selbst katholisch, sogar Mönch und Priester; er wollte dann in den 1950ern von Polen nach Israel einwandern, pochte darauf, Volks-Jude geblieben zu sein, versuchte sich das Recht auf Einwanderung als Jude zu erkämpfen; “indirekt” wurde ihm das zugestanden, er zog in’s Karmeliter-Kloster in Haifa, tat etwas für christlich-jüdische „Koexistenz“.

Als Michael Douglas vor einigen Jahren auf einer AIPAC-Konferenz auftrat, stand in einer evangelikalen Publikation (aus dem Umfeld des Mitternachtsruf) etwas Begeistertes darüber, dass sich der “amerikanische Jude” für Israel einsetzte > das ist er primär für Zionisten (jüdische und nichtjüdische) und (echte) Antisemiten, ein (amerikanischer) Jude. Echte Antisemiten können aber auch sehr wohl pro-zionistisch sein, Antijudaismus und Philozionismus schliessen sich keineswegs aus. Aber der Zionismus trat/tritt selbst oft-genug antijüdisch auf, auch wenn er einen “jüdischen Staat” propagiert. Es wurde das Bild des “neuen Juden” propagiert, des wehrhaften Juden, des „Muskeljuden“ (wie Max Nordau ihn nannte), der mit Abscheu auf die europäischen Juden blickt, die “Opfer” bzw “hilflos” geblieben sind, gewissermaßen die „ewigen Juden“. Auf der Suche nach einer neuen jüdischen Identität bedient(e) sich der Zionismus/Israel selber antisemitischer Vorurteile, in seiner Verachtung für die Diaspora, für Religiöse, für Orientale,… Von zionistischen Führern wie Herzl oder Arthur Ruppin sind Stellungnahmen überliefert, wonach Hass auf (Diaspora-) Juden in ihrem Sinne ist (siehe dazu auch unten).

Ariel Muzicant hat um 2000 herum (vor der Radikalisierung) in einer ORF-Diskussions-Sendung aus Hassbriefen an die IKG zitiert, darunter aus einem in dem es hiess “Wir schätzen die Israelis aber verachten die orthodoxen Saujuden”. Nun, das gibt es öfters, eine derartige Haltung… Und, wie hat Broder gesagt: „Kritik an der israelischen Politik, das ist der einzige zeitgenössische Antisemitismus, der von Bedeutung ist“ (Verharmlosung/Rehabilitierung Rechtsextremismus und Rassismus gg Andere als Juden ist ein Kerntopos bei ihm), und viele andere Zionisten sehen das auch so. > Also ist das eigentlich kein Antisemitismus, zumindest keiner von Bedeutung (?). In der selben Sendung hat der FPÖ-Politiker Harald Ofner von seinen jüdischen Freunden gesprochen, welche von gewissen Moslems Angst hätten, sich als Freund/Beschützer der Juden gegeben, ein Fingerzeig in die Zukunft

1903 das Pogrom an Juden in Chisinau/Kischinow, Bessarabien, damals im Russischen Reich, ca. 50 Tote, grosse psychologische Wirkung unter den Überlebenden, der Zionismus bekam dadurch auch Zulauf. Der russische Innenminister Vyacheslav von Plehve wird als Organisator des Pogroms gesehen; er traf bald darauf Herzl (in St. Petersburg), die beiden vereinbarten ein Stillschweigen Herzls zum Pogrom gegen ein gutes Wort des Zaren beim osmanischen Sultan für den Zionismus (der ja das damals osmanische Palästina betraf). David Grün (später Ben Gurion und jahrzehnte lang Chef des zionistischen Projekts in Palästina) schrieb in seinen Memoiren über seine Jugend im ebenfalls russischen Ost-Polen, er sei nicht wegen Antisemitismus aus Płońsk nach Palästina gezogen, er habe wenig davon erfahren, es sei nicht um negative Gründe sondern um den positiven des “Wiederaufbau des Heimatlandes” gegangen. Es gab auch eine Bewunderung von Nationalsozialisten für den Zionismus, und eine Zusammenarbeit…; darüber im Teil über den “revisionistischen” Zionismus und in der Passage davor. Auch der Ukraine-Abschnitt (Petljura,…) ist in diesem Kontext relevant.

Rechte Judenfeinde, die den Zionismus bewunder(te)n und ihn unterstütz(t)en, vom zaristischen Russland über Mildenstein zu Apartheid-Südafrika und den Evangelikalen…29 Das war/ist nicht einseitig, wurde/wird auch erwidert, wie noch aufgezeigt wird, schlug/schlägt sich in Zusammenarbeiten nieder. Rechtsdiktaturen in Lateinamerika hatten in der Vergangenheit oft Nazi-Verbindungen (> Aufnahme ehemaliger und Sympathien für dieses System), dennoch (oder gerade deshalb…) war eine Israel-Verbindung meist nicht weit. Über Nihal Atsiz wurde im Türkei-Artikel schon geschrieben; ein Antijudaist, der Israel bewunderte, wie bei Rechten oft. Auch deutscher Rechtsextremismus ist mit dem Zionismus längst vereinbar, darum geht es in diesem Text noch ausführlich, hauptsächlich im Kapitel über “Israel und die Rechte”. Während Zionismus-Kritiker von Zionisten wütend als Nachfolger/Sympathisanten/Geistesbrüder/… der Nazis attackiert werden, sind diese aber unter den Israel-Fans…und das ahnen bzw wissen zumindest einige dieser Zionisten. Und umgekehrt, die Haltungen von Zionisten zu jenen, die Juden halfen: Folke Bernadotte, schwedischer Diplomat, half, Juden vor den Nazis nach Skandinavien zu retten; während des “israelischen Unabhängigkeitskriegs” (bzw der Nakba an den Palästinensern30) war er UN-Vermittler in der Region, und wurde im September 48 von der zionistischen Terrorgruppe LEHI (s.u.) ermordet, von einem Kommando mit Yizhak Shamir (Jezerniecki).

Ein “Einschub”, um exemplarisch Einiges aufzeigen, „Feliks“ in der deutschsprachigen Wikipedia. Jörg E. wurde Israel-Fan, bei ihm dürften sich das Bestreben nach einer “eleganten” NS-Aufarbeitung und Faszination für israelischen Militarismus verbunden haben (da ist er nicht der Einzige…). Er begann mit aggressivem Israel-Lobbyismus auf Wikipedia31, trat dann zum Judentum über (nicht umgekehrt), es war nicht die Religion die ihn anzog… Und änderte seinen Namen. Er hat nicht nur eine jüdische Identität angenommen, sondern auch eine als Linker, ist in dieser deutschen Partei aktiv… Die (den) Leute(n) von Gruppe42 („Geschichten aus Wikihausen“, Youtube), die seine Identität, die seine Machtspiele ermöglich(t)en, aufdeckten, klagte er, drohte er und er bearbeitete Artikel über sie auf der Wiki. Auch in dieser Situation kam von ihm dieses Pendeln zwischen kalter Überheblichkeit und aggressivem Gezeter, mit dem er auf Wikipedia agiert. Hinter seinen (zT sehr hetzerischen) Bearbeitungen auf der Wiki steckt eine ordentliche “Portion” Chauvinismus (um es vornehm zu sagen), aber natürlich sind die anderen die Bösen, die seine Aktivitäten thematisieren, da verweist er dann auf sein angenommenes Judentum.

“Solche Hetze gegen mich als Jude zieht sich auch durch andere von mir bearbeitete Artikel…”, klagte “Feliks”. Er missbraucht das Judentum als sein eigenes Schutzschild. Er nimmt den historischen Antijudaismus und versucht das dann auf sich selbst zu übertragen, als ob er nicht zu Recht unter Kritik stehe und er nicht ein “biodeutscher” Konvertit wäre, an dem gar nichts semitisch ist, und er nicht in einer sehr deutschen Tradition stünde. “Antisemitisch” sind seine verbalen Angriffe auf jüdische Israel-Kritiker in Deutschland und das Bild dass er von den Palästinensern zu verbreiten trachtet. Er versucht davon abzulenken, wofür er in Wirklichkeit angegriffen wird, suhlt sich nun in einer Opferrolle, ungeachtet von seinem Austeilen. Dass er jetzt Jude ist, soll ihn unangreifbar machen, Kritik an seinem Wirken zu „AS“ machen, ihn zum „Opfer“… Aber ja, er könnte nach IL einwandern (man darf davon ausgehen dass er das tut), hätte dort mehr Rechte als Palästinenser die seit Jahrhunderten dort leben.32

Wie schon erwähnt: Die Auswanderung von Juden ein Krisenzeichen? Israel fördert und fordert diese aber immer. Zionismus und Antisemitismus müssten eigentlich die größten Feinde sein. Doch: Der Zionismus ist in seinem Rassismus (echtem) Antisemitismus in gewisser Hinsicht ähnlich, nur die andere Seite einer Medaille. Und: Ohne den Antisemitismus (also ohne Bedrohung für “Diaspora”-Juden) kein Zionismus. Der Antisemit braucht den Juden wie die Luft zum atmen, der Zionismus braucht den Antisemitismus (tatsächlichen/vermeintlichen) zum atmen. Auch der Islamismus erwies sich als günstig für den Zionismus, was noch ausgeführt werden wird. Die Anschläge auf Synagogen in Bagdad 1950/51 durch israelische Agenten und irakische Zionisten sollten die irakischen Juden zur Auswanderung nach Israel bewegen, was auch geschah. Das Israel-Projekt brauchte damals jüdische Einwanderungsschübe, braucht sie heute, zur demographischen Absicherung der Vorherrschaft über die (verbliebenen) Palästinenser. Abgesehen davon, echter Antijudaismus ist eine Art Feuerschutz (bzw Deckung) für Israel und sein Vorgehen ggü Palästinensern und in der Region; Kritik daran lässt sich leichter als “antisemitisch” diffamieren, das “Wir müssen uns gegen die böse Welt verteidigen” leichter aufrecht erhalten,…33 Man ist an das syrische Regime erinnert (das von Assad, das jetzt wieder den grössten Teil Syriens kontrolliert), das versucht, die Angst der alawitischen und der christlichen Minderheiten vor den Aufständischen zu schüren, möglicherweise sogar Gewaltakte von Einwohnern sunnitischer Dörfer sowie Islamisten auf alawitische Nachbardörfer zu ermutigen.

Israel-Kritik wird sehr leicht in die “Antisemitismus”-Ecke gedrängt. Die meisten „antisemitischen“ Vorfälle haben mit tatsächlichem Antisemitismus, nämlich eine Art Rassismus gegenüber Juden, nichts zu tun; es handelt sich dabei um Kritik an der Besatzungspolitik des Staates Israel.34 Und bei der “Antisemitismus”-Debatte geht es eigentlich weniger um Antisemitismus als um die Verdrängung/Diffamierung der berechtigten und notwendigen Kritik an Israels Politik. Es kommt zu einer Gleichsetzung von politischem Antizionismus mit den eigentlich rass(ist)isch zu verstehenden Termini “antisemitisch”/”antijüdisch”. Es wird das Recht auf Anprangerung von aktuellen Verbrechen abgesprochen, nur weil sie von einem Staat begangen werden, der sich selbst als jüdisch definiert (und für alle Juden auf der Welt zuständig).

Wenn israelische Soldaten, Polizisten, Grenzwächter, Agenten,… (in der Regel auf Anordnung israelischer Politik) Gewalt ausüben, Leid anrichten, und es im Westen zaghafte Kritik daran gibt (jene aus dem “Osten” wird bestenfalls ignoriert), regnet es Diffamierungen gegen diese Kritiker, Unterstützungserklärungen an Israel, werden Bedrohungs-, Vernichtungs- und Verteidigungsszenarien beschworen, von zionistischen Juden und “Goys”. Die totale Unterstützung. Dass “antiisraelische Stimmungen” in Judenfeindschaft umschlagen können, ist auch auf die Verbindung Israel-Judentum zurückzuführen, die von israelischer und proisraelischer Seite konstruiert wird. Es wird unterstellt, Widerstand gegen und Thematisierung von Verdrängung und Diskriminierung der Palästinenser geschehe, weil diese von Juden ausgehe bzw weil Juden involviert seien35, dass Kritik an der Politik Israels aus „Hass auf Israel“ komme und dahinter „Hass auf die Juden“ stecke bzw diese Kritik einen solchen Hass darstelle.

Israel-Kritiker würden Juden mit Israel gleichsetzen, daher sei Antizionismus antisemitisch usw. Die Grenzen verwischen zwischen AS und IL-Kritik tun aber die Zionisten, sie setzen Juden mit Israel gleich. Es wird vorgeworfen, den Staat Israel mit seiner Bevölkerung sowie Juden weltweit über Israels militärische (und sonstige „sicherheitspolitische“) Aktivitäten zu identifizieren. Es sind aber Israel, jüdische Gemeinden und Organisationen, Israel-Fans,…, die Israel mit dem Judentum verbinden bzw so eng in Zusammenhang bringen. Nicht die “Antisemiten” – die werden (auch) dort ausgemacht wo man das zu trennen trachtet… Zwischen Juden und Israel/Zionismus zu differenzieren, sich auf jüdische (echte) Friedensaktivisten (bzw jüdische Israel-Kritiker, die es auch in Israel/Palästina gibt) zu berufen, zieht nur neue AS-Vorwürfe nach sich. Sich einigermaßen kritisch oder nur realistisch mit der desaströsen Lage in den von Israel besetzten palästinensischen Rest-Gebieten zu befassen, geht gar nicht. Erlaubt ist, die Palästinenser als Ursache aller Probleme in diesem Land darzustellen, als Teil der unzivilisierten moslemisch-orientalischen Region, die Israelis als ihre Opfer (den Konflikt bzw die Gegenwehr der Palästinenser in den globalen Islamismus einzubetten).

Der getrübte Blick auf Israel: Wo eigentlich? Ein idealisiertes Israel-Bild (das immer eine Dämonisierung der Palästinenser beinhaltet): die einzige Option? Besonders im bzw für den deutschsprachigen Raum wird die Diffamierung von “Israel-Kritik” über die Holocaust-Thematisierung verstärkt > Deutsche, Österreicher dafür verantwortlich, daher keinerlei Kritik an “jüdischer” Politik erlaubt, oder auch die Behauptung, diese Kritik käme aus demselben “Geist” wie der NS. Eine Konstante in diesem Diskurs ist auch die Behauptung, Israel sei in seiner Existenz gefährdet und ein Eintreten für die Palästinenser laufe auf die Auslöschung Israels (und der Juden) hinaus; auch wenn sich dieses Eintreten gegen die Verdrängung der Palästinenser richtet, die seit circa 100 Jahren läuft (in den 1920ern begann). Kritik an Israel und Eintreten für die Palästinenser kann Kritik an der israelischen Besatzungspolitik über die palästinensischen Restgebiete36 bedeuten oder Ablehnung des Zionismus (des Staates Israel), zu Gunsten eines multiethnischen interreligiösen Staates (was nach den zionistischen “Säuberungen” der letzten Jahrzehnte eine Utopie ist) – beides wird als “Antisemitismus” ausgelegt.

Bei treffender Kritik am Zionismus kommen aggressive Ablenkung und Umdrehungen, von Betreffenden und ihren Helfern37. John Bunzl: “Um sich nicht mit diesen Ursachen auseinanderzusetzen, werden Israel-Kritikern in jedem Fall unlautere Motive unterstellt, was wiederum eine Art Selbst-Tabuisierung erlaubt und vor unangenehmen Realitätsbezug bewahrt.” Erinnert an das Gleichnis vom erschlagenen Boten. Aus Israel-Kritik wird auch “Antisemitismus” gemacht (inklusive Vernichtungsvorwürfen), um vom Rassismus im Zionismus (seiner Praxis, seiner Apologetik) abzulenken. Jeder missliebiger „Umgang” mit “Israel” wird mit dem “Antisemitismus”(-Vorwurf) zu diffamieren versucht. Der “jüdische Charakter” Israels (auch einzelner Staatsfunktionäre, Politiker oder Militärs) wird vorgeschoben, um dahinter “Pikantes” zu verstecken, mit dem “AS”-Vorwurf kontern zu können. Über Versuche, Reaktionen auf israelisches Handeln (darunter palästinensischen Widerstand!) in Kategorien des alten AS zu pressen, in anderen Teilen dieses Textes noch mehr.

Norman Finkelstein hat das ideologische Geschäft mit dem “Antisemitismus”-Vorwurf, der Israel gegen jede Kritik immunisieren soll, in seinem Buch “Antisemitismus als politische Waffe” eingehend analysiert. Wird entsprechend angegriffen/angefeindet. Er schreckt dennoch nicht davor zurück, kontroversiell zu sein. Einen substantiellen Diskurs über israelische Politik bzw den Zionismus generell zu führen, ist v.a. im deutschsprachigen Raum schwierig und gefährlich. Bunzl in “Der lange Arm der Erinnerung”: “Israelkritik, Antizionismus und Antisemitismus werden als ununterscheidbares Gespenst an die Wand gemalt”. Die Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden“ wird natürlich in Verbindung zur BDS-Bewegung gebracht, zur Dämonisierung negativer Rezeption von Widerstand gegen Israel sowie zur eigenen Viktimisierung. BDS wird gewissermaßen als Beginn einer Kausalkette konstruiert, als eine Form von Aggression (auch Neuaufguss einer ewigen Bedrohung), die die Existenz Israels notwendig mache… Die ganze Welt ist böse und gegen uns.

Eigentlich ist das eine Verharmlosung von Antisemitismus. Islamophobie bzw Moslemophobie ist im Blühen, aber das kommt auch davon dass Manche (Islamisten wie Islamophobe) versuchen, den Unterschied zwischen Moslems, Islam und Islamismus zu verwischen, ob das jetzt der austro-ägyptische Salafist ist oder jene „Islamophobe“, die Saudi-Arabien hofieren. Auch eine Analogie: Der österreichische Neonazi Gottfried Küssel war kürzlich wieder mit dem Gesetz bzw den Behörden im Konflikt. Sein Anwalt zu Medien: „Ich glaube, er hat vor, weiterhin seiner Tätigkeit im Vertrieb einer Getränkefirma nachzugehen. Es ist natürlich in Österreich nicht sehr einfach, mit dem Namen Küssel einen neuen Job zu bekommen, denke ich einmal.“ Es liegt quasi an Österreich, und er wird für seinen Namen „diskriminiert“, nicht für seine Taten…38 Eben so bringen Zionisten bei Kritik “Kategorien”, die völlig irrelevant sind. Den Zionismus bzw Israel zu kritisieren, macht jemanden nicht zum “Antisemiten”, genau so wenig wie ein Gegner der südafrikanischen Apartheid “anti-weiss” war oder jemand, der IS/Daesh ablehnt, “islamophob”.

Wer nicht einmal zwischen der israelischen Siedlungspolitik (bzw Kritik daran) und dem Anspruch von Juden in der Welt auf ein Leben ohne rassistische Anfeindungen (bzw der “Infragestellung” dieses Anspruchs) einen Unterschied macht, öffnet echtem Antijudaismus/Antisemitismus die Türen… Die Warnungen vor einem “neuen Antisemitismus” ernst nehmen oder handelt es sich hier um eine propagandistische Panik-Kampagne? Israels völkerrechtswidrige Politik lässt sich, erst recht seitdem Netanjahu wieder an der Macht ist (> 10 Jahre), auch in Zeiten der Islamkrise nicht mehr so leicht legitimieren. Netanyahu und sein Umfeld haben das Wüten des IS im Wahlkampf ’15 auch inner-israelisch instrumentalisiert, mit einem TV-Wahlwerbespot, der eine “Kapitulationsmentalität” der israelischen “Linken” (damals das Lager unter Isaac Hertzog) suggerierte.

Auch der Boykott und auch schon die Kennzeichnung von Waren aus Siedlungen in den besetzten Gebieten sei “Antisemitismus”, sagen auch linke (?) Zionisten. Netanyahu und Andere haben den Aufruf des EU-Parlaments an die EU-Kommission zur Kennzeichnung von Waren aus von Israel besetzten palästinensischen Restgebieten mit dem Nazi-Boykott jüdischer Waren verglichen. wolfwetzel: “Der Boykottaufruf richtet sich nicht gegen ‘die Juden’, sondern gegen die Nutznießer, gegen die Profiteure der Besatzung. Weder im Vordergrund, noch im Zentrum steht das Jüdisch-Sein, sondern der Besatzungsstatus. Der Aufruf zielt nicht auf ein ethnisches Sein, sondern auf ein bestimmtes, also veränderbares Tun, also ausschließlich und explizit gegen jene, die von dem Besatzungsstatus leben bzw. profitieren.”

Hebron

Die „Israel-Solidarität“, die eingefordert wird, erstreckt sich auch auf die Besatzungspolitik, die Errichtung neuer Siedlungen auf Kosten der Palästinenser, der Militärherrschaft über die Palästinenser. Das geschieht über den Kniff der “AS”-Keule (die meist mit einer pseudo-aufdeckerischen Attitüde kommt), oft verbunden mit einer Thematisierung von NS/Holocaust (s.o.), sowie einer Deklarierung dieser Politik als “Verteidigung”, bzw Dämonisierung der Palästinenser.39 Einen Unterschied zwischen Israel “an sich” und seiner Politik zu machen (auch wenn diese schon Jahrzehnte lang anhält), wird Einem eher zum Vorwurf gemacht als gedankt. Israel-Lobbyistin Melody Sucharewicz (tingelt in Deutschland von Talkshow zu Talkshow, um die Wahrheit zurecht zu biegen und man lässt sie freudig gewähren) sprach von „praktischer Solidarität“, die sie sich von Deutschland ggü Israel wünsche. Der Zusammenhang war nicht die Siedlungspolitik an sich, sondern die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem/Quds durch Trump, die sie lobte.40 USA-Präsident Trump erliess neue Sanktionen gegen Iran, Europa ist nicht dabei, dies sei auch “Antisemitismus”, hiess es.

ARD-Diskussion zu AS, 18; Melody Sucharewicz, Gil Ofarim, Uwe-Karsten Heye, Lamya Kaddor, Dietmar Ossenberg

„Wenn Antisemitismus die Sonderbehandlung von Juden ist, dann ist Antizionismus die Sonderbehandlung von Israel“, schrieb Henryk Broder in “Die Welt”. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man auf Israel gleiche Standards anwendet, kommt die AS-Keule. Jene, die einigermaßen universalistisch agieren, wie UN oder AI oder Obama, werden des “Antisemitismus” geziehen… Menschenrechte der Palästinenser im Zusammenhang mit der israelischen Besatzungspolitik aufzubringen sei „antisemitisch“, jene Leute, die neben dem jüdischen Recht auf dieses Land auch das palästinensische (sowie auf politische Selbstbestimmung) artikuliert haben, ebenfalls. Georg Hoffmann-Ostenhof wurde für seine Artikel im “Profil” über die Situation im Land in mehreren veröffentlichten Leserbriefen (Wolfgang Ferdin, Victor Wagner,…) u.a. als “tendenziell antisemitisch” attackiert. Wenn durch objektiven Zugang, universelle Massstäbe etwas “israel-kritisches” herauskommt… Westliche Palästina-Solidarität wird als bestenfalls naiv und schlimmstenfalls “querfrontig” dargestellt, man befinde sich damit auf einer “Achse” von linken “Antisemiten”, Rechtsextremen und Islamisten. Hauptsache, man kamm eine offene und öffentliche Debatte über die israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik, eine adäquate Beschreibung zionistischer Realitäten, verhindern.

Hoffmann-Ostenhoff 1982 in der “Arbeiter-Zeitung” über Antisemitismus in Polen

Eine unvoreingenommene/nüchterne Betrachtung der Dinge wird dann bemängelt als “Empathie aus dem Eisschrank gegenüber Israel” (Dieter Graumann zu Jakob Augstein). Nur Beschönigung ist hier erlaubt, also die “einzige Demokratie weit und breit” usw (dazu im 3. Teil des Textes). Die israelische Herrschaft ist in Wirklichkeit auch eine Segnung für die Palästinenser, die tapferen Soldaten und die heissen Frauen und die tollen Clubbings41 wollen gelobt werden. Die israelische Perspektive ist immer richtig, die palästinensische ist immer böse Propaganda. Emmanuel Macron hat kürzlich den Antizionismus als “eine neue Form des Antisemitismus” bezeichnet, ggü Netanyahu sogar. Appeasement auch von der Europäische Union als Ganzes, aber auch einzelner ihrer Mitgliedsstaaten, die die israelischen Völkerrechtsverletzungen immer wieder ignorieren und in nicht wenigen Fällen die Argumentation der israelischen Regierung übernehmen. Unkenntniss über die historischen Zusammenhänge des “Nahostkonflikts” (Naivität) oder bewusste Verdrehungen liegen den krampfhaften Verteidigungen zu Grunde.

Bei der Aktivierung bzw Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs während und nach des “Gaza-Krieges” im Sommer 201442 wurde deutlich: Je brutaler Israel dort Gewalt ausübte, desto lauter tönte dieser Vorwurf, der integraler Teil des begleitenden Propagandakriegs war… So funktioniert der “Antisemitismus”-Diskurs, es geht darum, jede echte Debatte über Israels Politik zu unterbinden, Kritik abzuwehren, rhetorisch-propagandistisch auch hier die Rolle des Verteidigers ein zu nehmen (was man in seiner Rhetorik zu den Militäraktionen gegen Gaza43 längst getan hat), der angegriffen wird (aus einem ewigen Antisemitismus, Fanatismus,…), zu reagieren hat. Springer-“Bild” machte während des Massakers eine “Aktion gegen Antisemitismus”, wo von Gauck bis Giordano Worte gesammelt wurden44; nur ganz wenige davon versuchten eine universelle, generelle Verdammung von Gewalt und Rassismus, es überwog klar ein „Ausspielen“ von “Antisemitismus“ gegen Rassismus, zionistischer Ansprüche gegen palästinensische. Natürlich wurde nicht nur Israel in der Opferrolle verortet, sondern auch jeder Protest als “antisemitische Stimmungsmache” zu qualifizieren versucht.

Dabei wurden einerseits Anti-Kriegs- bzw Pro-Palästinenser-Proteste als “antisemitisch” zu diffamieren versucht, in dem man das Bild von “Übergriffen auf wehrlose Diaspora-Juden die nichts mit Israel zu tun haben” zeichnete, andererseits hat(te) man aber mit der “Israel-Kritik” ein Problem. Dieses Dilemma versuchten die Israel-Fürsprecher zu lösen, indem sie unterstellten/insinuierten, dass Israel-Kritiker die Verbindung zwischen Israel und Juden herstellten (und nicht die Gegenseite). In Leitartikeln und Kommentaren wurde argumentiert, als ob es in dem “Nahost-Konflikt” um Islamismus gehen würde, als ob es ggü Islamismus im Westen keinen Widerspruch gäbe, als ob Israel ernsthaft gefährdet wäre, die Palästinenser hier die bessere Presse hätten, als ob “Israel-Kritik” erlaubt wäre, und als ob Israel im Westen keine oder nur “Waisenknaben” als Anhänger und Fürsprecher hätte… Tatsächlich oder vermeintlich antijüdische Formen von Antizionismus und Israelkritik zu thematisieren ohne rassistische, hetzerische, menschenverachtende Formen von Israel-Solidarität zu erwähnen (bzw: auszublenden), ist entweder Ahnungslosigkeit oder Tatsachen-Verdrehung, steht jedenfalls im Dienste des Israel-Lobbyismus.45

Natürlich wird der “Antisemitismus”-Vorwurf auf die Palästinenser ausgeweitet, wenn es irgendwie geht. Es wird unterstellt, Palästinenser hätten keinen anderen Grund, gegen einen jüdischen Staat zu sein oder diesen jüdischen Staat, als unerbittlicher, grundloser Hass auf Juden.46 Es wird versucht, den Eindruck zu erwecken, der Widerstand der Palästinenser und der Hass der Araber käme nicht wegen Besatzung und Unterdrückung der Palästinenser durch Israel und seine Politik der Region ggü, sondern weil es sich um Juden handelt. Als ob es keinen Unterschied gäbe zwischen einem Palästinenser, dessen Familie in den letzten 100 Jahren durch den Zionismus Schlimmstes widerfahren ist und der (nach wie vor) unter israelischer Herrschaft lebt, und einem russischen Kosaken der in ein jüdisches Dorf am Westrand des Zarenreichs einfällt (vor etwas mehr als 100 Jahren). Welchen Sinn sollte es für Besiegte geben, ihre Beherrscher (bzw ihr Besatzungsregime) zu lieben? Es ist einer anderen Position als der deutsche/österreichische Täterenkel, der dort als Tourist/Gedenkdiener/… hinfliegt, volle Bewegungsfreiheit hat, als jemand aus der “freien westlichen Welt” gesehen wird,…

Aber wie gesagt, man versucht, es auf die Jüdischkeit Israels bzw seiner Bürger (und Protagonisten) herunterzubrechen, damit können (elementare) palästinensische Anliegen/Ansprüche delegitimiert und dämonisiert werden, und der Zionismus weissgewaschen werden. Man hat es mit einer Besatzungs-, Unterdrückungs- und Quasi-Bürgerkriegssituation zu tun, mindestens so einer wie der in Nord-Irland, wahrscheinlich aber einer viel schlimmeren. Norman Finkelstein: “When you cage people in a ghetto, deprive them of food, medicine, water, work and then you bomb them and then incinerate them and when you spray neighborhoods with white phosphorous you really dont need mickey mouse to teach them to hate Israel.” Widerstand von Palästinensern und die damit verbundene “Dämonisierung” der Besatzer wird gerne als Verlängerung bzw Form von (europäischem) Antijudaismus darzustellen versucht, entgegen den Tatsachen: Ihr “Antisemitismus” kommt aus ihrer Unterdrückung und diese wiederum aus einer Verachtung für die Region, wie sie im Zionismus von Anfang an angelegt war. Die Kausalkette sieht anders aus. Standard ist auch, zu insinuieren, wer sich für Palästinenser einsetzt, unterstütze bewusst/unbewusst die Hamas, stehe dem Islamismus nahe.

Den palästinensischen Widerstand in den weltweiten Islamismus einzuordnen, ist ein Mittel, Anliegen der Palästinenser nicht ins öffentliche Bewusstsein kommen zu lassen, bzw diese als etwas darzustellen wofür es keine Grundlage gibt. Tja, und die Querfront mit dem europäischen AS/NS zu konstruieren – dafür auch der Mufti auch wieder zentral. Ressentiments ggü Palästinenser „und Ähnliche“ werden heute, politisch korrekt, bevorzugt aus „deren Antisemitismus“ heraus argumentiert…und Moslemophobie als “Gegnerschaft zum AS” deklariert. Bei all dem geht es darum, vorzugaukeln dass es keinen Realkonflikt gäbe, aufgrund der zionistischen Verdrängungspolitik ggü den Palästinensern seit gut 100 Jahren. Dass sich Deutsche und Juden in keinem Realkonflikt miteinander befanden47 (Juden waren vielmehr eine Projektionsfläche für rassistische Phantasien), ist einer der Unterschiede vom NS zum Widerstand der Palästinenser gegen die Zionisten. Und, es gibt Juden und auch Israelis, die Palästinensern helfen, israelische Politik kritisieren. Von den Ursachen palästinensischer Gewalt wird gerne abgesehen, diese als Wurzel des Konflikts deklariert, die israelische Gewalt ausgeblendet, schöngeschrieben – und manchmal auch bejubelt…

Der jetzige israelische Militärsprecher Arye Sharuz-Shalicar “berichtet” in seiner Autobiografie von Libanesen in Deutschland, welche ihm “aufgrund seines Sterns an der Halskette” feindselig gegenüber waren. Das könnte sogar einigermaßen stimmen; aber auch hier wird Ursache und Wirkung, Henne und Ei, verdreht. Der Libanon musste viele israelische Bombenkampagnen erdulden, von Israel vertriebene Palästinenser aufnehmen,… Ob das irgendwie damit zu tun haben könnte?48 Oder, viel anmassender: die Israel-Lobbygruppe UNwatch bringt (zB auf Youtube) Videos, zB eine UN-Sitzung zur „human rights situation in palestine“ oder „Antisemitism in UNRWA schools“.49 Die Anklage sagt was über seine Urheber aus, und unfreiwillig was über den Konflikt. Die UNRWA angreifen, um abzulenken dass Israel dieses Elend angerichtetet hat. Das Gaza-Elend in den Schatten der Reaktionen darauf stellen, diese Reaktionen in europäische Schablonen pressen, die Opfer-Rolle beanspruchen… Das Antisemitismusgefasel hier kann sich mit jenem von Schroeder messen.

Auch bei Thematisierungen von Rassismus und Diskriminierungen im (pro-) israelischen Kontext kommt die „AS“-Keule.50 Wenn Leute in Europa gg Israel demonstrieren und dabei Juden bedrängen, ist es Antisemitismus, wenn Juden in Israel/Palästina gegen Palästinenser demonstrieren und sie belästigen, ist es antisemitisch darüber zu berichten. Ein Israeli wurde 2018 in Berlin vielbeachtetes Opfer eines Moslems (u.a. in “Stern TV” eingeladen), in Israel verprügelte (oder verhaftete) Palästinenser bekommen nicht so eine Aufmerksamkeit, schon gar nicht ereifert sich dann eine Merkel. Hier ist dann nicht der Übergriff das Problem, sondern seine Thematisierung… Israel-Kritiker werden als “antisemitisch” diffamiert, für Äusserungen die in vergleichbaren Fällen banal sind. Und, als Deutsch-österreicher ist man selbstverständlich in einer Position, das einzuschätzen, hier richten zu können. Gerne stellen sich solche Leute aus der “Israel”-Fankurve in eine Opfergemeinschaft mit Juden, als quasi sekundäre “AS”-Opfer…

Schnitt; in einem anderen Zusammenhang stiess Tiara auf Diskurse zur Kriminalität von Afro-Amerikanern in der USA, ihren Ursachen,… Und fand Vieles, was auf Kommentare zu Gewalt von Palästinensern passt: „Schwarze Kriminalität“ exzessiv behandeln (“beschwören”), aber nicht ihren historischen Rahmen bzw das System in dem sie stattfindet…weisse Polizeibrutalität ausblenden (oder aber glorifizieren!)…die strukturellen Ungleichheiten verschleiern die den Weissen helfen, ihnen einen (gewaltigen) Vorteil geben…Tötungen von unbewaffneten schwarzen Männern durch die Polizei werden zu rechtfertigen versucht, indem man sie als Gangster porträtiert…in Wahlwerbungen kommen seit den 1960ern “nur noch” indirekte rassistische Botschaften, Ausgrenzung von Afro-Amerikanern wird in Form von Thematisierungen schwarzer Kriminalität bzw als “Sicherheits”thema beworben, rassistische Appelle kommen nun implizit51…Politiker denen man vorwirft, “soft on crime” zu sein, wirft man eigentlich etwas Anderes vor…strafende Maßnahmen (Bau neuer Gefängnisse, Aufstockung Polizei) lieber als präventive (Armutsbekämpfung, Abbau Rassenschranken)…die “kulturelle” Antwort auf die imaginäre schwarze Vergewaltigung einer weissen Frau war früher das Lynchen, 1922 Widerstand im Congress gegen ein Anti-Lynch-Gesetz, v.a. aus dem Süden, “Wir wollen weiterhin unsere Frauen schützen”…für das Staatsvolk/ die Mehrheitsgesellschaft waren/sind Afro-Amerikaner mehr ein Feind im eigenen Land als Landsleute…werden aber gebraucht, als billige Arbeitskräfte (nicht mehr Sklaven)52 und im Militär, Gleichberechtigung ist rein theoretisch…totaler Ausschluss dieser “Anderen” hätte bedeutet, selbst die Arbeit auf Plantagen zu verrichten… > da trifft Vieles auf die “israelischen Araber” zu, Vieles auf die Palästinenser in den “Autonomiegebieten”. Aus dem Artikel über Israel und die Apartheid ein Satz noch zur Abrundung hier, aus einem dort zitierten Kommentar zu den Rassenunruhen in Ferguson (Missouri): “…Gazans remain trapped in a ghetto in which no Ferguson resident would want to live…”53

Der Staat der Juden bzw jüdische Staat – über jede Kritik erhaben! Nur idealisiertes Israelbild zugelassen – wobei dieses Ideal im Detail ganz unterschiedlich gestaltet ist !!! Welches Israel darf eigentlich nicht kritisiert werden? Dass jenes der (echten) Friedensbewegung nicht das echte ist und Bezugnahme auf dieses „antisemitisch“, das ist schon klar. Aber es gibt zwei zionistische Lager, das “liberale” und das “konservative”, das säkular-westliche und das religiös-orientalische, grob vereinfacht, der Zionismus den die Lapids (Vater und Sohn, verschiedene Parteien) wollen und jener den Eliahu Yishai und seine Anhänger wollen. Die “Linke”, also die Partei in der Traditionslinie von Mapai/Avodah, ist in dieser Konstellation (die sich in den 2010ern herausgebildet hat) im (pseudo-) liberalen Lager, spielt dort aber keine führende Rolle. Der Gegensatz Liberalismus – Konservativismus wird gerne mit Tel Aviv – Jerusalem “gleichgesetzt”, wobei es in Tel Aviv die ausländerfeindlichen Ausschreitungen (gegen Afrikaner) gab, vielleicht auch, weil diese nach Jerualem gar nicht erst gelassen werden. Es gibt jenen zionistischen Nationalismus(-Versuch) der auch die Religiösen miteinschliessen will und das “Liberale” ggf links liegen lässt, was Netanyahu und sein Likud tun (die das rechtskonservative Lager anführen) oder Naftali Bennett, der in 3 Parteien (führend) aktiv war.

Die 2 Wahlen in diesem Jahr, die 2 Blöcke (die “Blau-Weiss”-Allianz sowie Likud und Verbündete), die 2 Pattsituationen. „Ein historischer Fehler“, so hat Netanyahu im November 18 auf die Einleitung von vorgezogenen Wahlen reagiert, ganz seiner üblichen pathetischen Rhetorik entsprechend.54 Auf einem Wahlplakat von Blau-Weiss wird die Allianz noch rechterer Parteien (Likud, religiöse Parteien wie Schas, rechtsextremistische wie Yisrael Beitenu oder die kahanistische Otzma Yehudit) indirekt als Block von unzivilisierten Fanatikern dargestellt. Netanyahu wiederum versuchte Blau-Weiss Nähe zu den israelischen Palästinensern (bzw deren Parteien) “anzuhängen”. Die Koalitionsverhandlungen Netanyahus nach der 1. Wahl, mit den nationalistischen und nationalreligiösen Parteien seines Lagers, scheiterte aufgrund von Widersprüchen in diesem Lager. Avigdor Lieberman und Andere waren zB dafür, dass auch streng orthodoxe Juden in Zukunft zum Militärdienst verpflichtet werden, die Religiösen natürlich dagegen. Blau-Weiss wird von den Generälen Benjamin Gantz, Mosche Yaalon, Gabriel Ashkenazi (sowie Yair Lapid) geführt; Gantz prahlte im Wahlkampf mit Gewalt gegen Gaza, drohte mit weiterer sowie gegen Iran.

Lapid der Jüngere, dessen Yesh Atid nun Teil der “Blau-Weiss”-Allianz ist, war (13-15) in einer Koalition mit den Rechtsparteien. Sein Vater (als Tomislav Lampel in Jugoslawien geboren, in eine ungarisch geprägte jüdische Familie) ist gerne über den „levantinischen Misthaufen“ (religiöse und orientalische Juden) hergezogen, auch der Junior sieht diese religiöse Juden und nicht-“angepasste” Mizrahis als (mehr oder weniger) in einer Reihe mit den “Arabern”, als Teil “des Problems”, ist streng westistisch-säkular-aschkenasisch, vertritt den einen Chauvinismus. Aber auch Yishai gibt ja vor, das echte Israel zu repräsentieren. Jenes, das der propagierten Modernität Israels entgegen steht; wo religiöse Grundsätze fallweise auch zu Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben (zB Schulen) führen, und zu Konflikten mit (israelischen) Staatsorganen. Die Siedler sind nicht notwendigerweise religiös, aber die religiösen und die rechten Parteien sind miteinander verbündet, und der grössere Teil der Mizrahis gehört auch zu diesem Lager. Netanyahu hat vor einigen Jahren in einer Knesset-Sitzung den “israelischen Arabern” (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) zugerufen (sie aufgefordert), die “Extremisten” unter ihnen “hinaus zu werfen”; man könnte jetzt kommentieren, was ist mit seinen politischen Partnern, den Religiösen und Ultranationalisten, aber eigentlich genügt es, sich anzusehen, wofür Netanyahu und der Likud stehen.

Was Israelis des einen Lagers über jene des anderen sagen, würde bei manchen deutsch-österreichischen Israelfans eine Herzattacke auslösen, wenn diese nicht ihre Augen vor der Realität verschliessen würden und beschäftigt wären, mit der “Antisemitismus”-Beschuldigung “Israel-Feinde” zu diffamieren zu versuchen. Unter einem Youtube-Video über randalierende Religiöse (Ultraorthodoxe) in Israel schreibt ein säkularer Zionist (“ASMR ROAR”): “They need the oven”. “Lion of Zion” (religiöser Zionist) antwortet: “and ur mom need another sharmuta son”.55 Beide Lager sind sich über einen Grundkonsens einig, gegen die Palästinenser, gegen die (echte) Friedensbewegung, für Netanyahus “Rasenmähen” in Gaza,… Die Aufspaltung in konservatives und “liberales” Lager ist nicht deckungsgleich mit jener in Aschkenasen und Mizrahis, aber Mizrahis waren wie Religiöse im ursprünglichen Zionismus “deklassiert”56, sind es immer noch in vieler Hinsicht.57 Der Zionismus stand ursprünglich im Gegensatz zur jüdischen Religion, in mehrerer Hinsicht, und Vieles davon hat sich bis heute erhalten; westliche Israel-Fans beziehen sich selten auf Mizrahis oder Religiöse, aber noch weniger auf die echt Liberalen dort.58

Welche israelische Politik darf also kritisiert werden? Jene, die sich für einen echten Ausgleich mit den Palästinensern stark macht, klar. Das Oslo-Abkommen, das von einer Avodah-geführten Regierung ausgehandelt wurde, auch. Der von Sharon angeordnete Abzug von Siedlern und Militär aus dem Gaza-Streifen? Als jüdische Israelis im Rahmen der Sozialproteste vor einigen Jahren gegen “Raubtierkapitalismus” demonstrierten, waren Beissreflexe der deutschen Israelfreunde lustig. Der Dokumentarfilm (über die Besatzungssituation, Landraub,…) “5 Broken Cameras” wurde vom Palästinenser Emad Burnat und dem Israeli Guy Davidi gemacht, er wurde 2013 für einen “Oscar” nominiert. Die Aussicht auf einen Oscar für einen Film, der in gewisser Hinsicht ein israelischer war, aber mit unangenehmen Wahrheiten über Israel… Es war ähnlich wie beim Literaturnobelpreis für Orhan Pamuk (der sich für die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern einsetzt) und der Stimmung in der Türkei damals oder beim Friedensnobelpreis an Shirin Ebadi und der Reaktion des iranischen Regimes darauf. Davidi sagte damals, es werde Druck auf die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgeübt, damit der Film keinen Preis bekommt. Dazu kam noch, dass auch ein ganz israelischer Film im Rennen war, “The Gatekeepers” (von Dror Moreh), in dem ehemalige Chefs des Inlands-Geheimdienstes Shin Bet59 zur Sprache kommen und sich kritisch zur Besatzung äussern.60

2015 gab es Aufruhr in Israel nach einem Übergriff von Staatsorganen auf einen Israeli der äthiopischer Jude war, für einen “illegalen” Einwanderer gehalten wurde. Äthiopisch-stämmige Israeler protestierten gegen ihre Diskriminierung, teilweise gab es Zusammenstösse mit der Polizei.61 Netanyahu ordnete eine “Untersuchung” an; die “Äthiopier” sind auch unter seinen Wählern. Wenn ein Nicht-Jude Opfer gewesen wäre, hätte er von “unverschämten Behauptungen” gesprochen, von “Angriffen auf unsere Polizei” welche “unsere Sicherheit beschützt”, von “Hetze gegen Juden”,… Wir kommen gleich nochmal zu Netanyahu: Beim Antrittsbesuch von BRD-Aussenminister Gabriel 2017 weigerte er sich, diese zu treffen, weil der sich mit Vertretern der Organisationen Betselem und Schofrim Schtika („Schweigen brechen“) traf62, die vor allem das Besatzungsregime in den palästinensischen Rest-Gebieten verurteilen. Der damalige österreichische Bundeskanzler Kern (hat eine ziemlich starke Israel-“Connection”), der sich damals ebenfalls in Israel aufhielt, versuchte anscheinend, zwischen Netanyahu und Gabriel zu vermitteln, ohne Erfolg. Nach einem Treffen des belgischen Premiers Michel mit Vertretern israelischer NGOs war der belgische Botschafter ins israelische Aussenministerium zitiert und gerügt worden.63

orf.at „wusste“ u.a., dass Schofrim Schtika-Gründer Schaul „Gerüchte über Brunnen vergiften“ (von Zionisten an Palästinensern) in die Welt gesetzt hätte, quasi Munition für infame „Angriffe“ gg Israel bzw für seine „Feinde“ geliefert habe und die Organisation in Israel „umstritten“ sei. Letzteres stimmt sogar. Echte Linke bzw Liberale sind unter Zionisten eine kleine Minderheit. Es gibt diesen Lapid-Liberalismus, der sich hauptsächlich gegen religiöse und orientalische Juden und ihren Einfluss in zionistischen System richtet, und den Amos Oz-Liberalismus, der (nur) die Herrschaft über die ’67 eroberten Gebiete Palästinas kritisch sieht. Ihre Vertreter werden aber auch schon angefeindet. Die Realität ist komplex, es gibt Likud-Wähler die zu Palästinensern weniger Distanz fühlen als Wähler von Yesh Atid, wahrscheinlich gar nicht so wenige… Machsom Watch behandelt eigentlich nur Symptome bzw lindert diese. Jene die 1948 als Problem sehen, die Nakba (zumindest teilweise) anerkennen, Israels Geburt in Gewalt, sind auch nicht ganz an der Wurzel des Problems, das begann etwa in den 1920ern (Beginn der Landnahme auf Kosten der Palästinenser, kein gleichrangiges Zusammenleben mit diesen64); es gibt die Leute in der Tradition von Mapam, die für einen echten Ausgleich, Koexistenz mit den Palästinensern stehen.

Diese Kritiker des Zionismus, die auch irgendwie am zionistischen Projekt mitwirkten (es aber ändern wollten), wie Abraham Leon, Mosche Machover oder Jacob de Haan, waren in diesem Projekt immer Aussenseiter. Es gibt da eine seltsame “Allianz” von (echter) Israelkritik aus Israel (bzw dem jüdischen Teil der Bevölkerung dieses Landes) sowie der Diaspora, aus Linksliberalen, Strengreligiösen (die aus religiösen Gründen gegen dieses “Israel” sind) und jenen Mizrahis die sich als Teil der Region sehen. Baruch Kimmerling, 1952 aus Rumänien nach Israel, Gelehrter, blieb Zionist, kritisierte an seinem Lebensende gerade deshalb Israel, das er auf dem Weg zum Faschismus sah, als kleine Supermacht, schrieb auch über das Ende der aschkenasische Hegemonie. Bruno Kreisky war eine der Zielscheiben von Juden, was Österreich betrifft, aufgrund seiner Unterstützung für die Palästinenser, Arafat. Der linke jüdische US-amerikanische Anwalt Ronald Kuby schloss sich mit 13 der faschistoiden/faschistischen Jewish Defense League (JDL) an (unter dem Einfluss seines Vaters), emigrierte dann nach Israel, verliess es aber wieder aufgrund des erfahrenen (beobachteten) anti-arabischen Rassismus’. Sylvain Cypel, ein französischer jüdischer Journalist ist das was Arik Brauer einen “selbsthassenden Juden” nennt. “Nach manchen Artikeln65 bekomme ich bis zu fünzig Briefe am Tag, zwei Drittel davon mit Beschimpfungen und Drohungen, viele sind gleich lautend, das heißt organisiert”, so Cypel.

In der Hetze gegen George Soros, die Neturai Karta (religiöse jüdische Antizionisten), Uriel Avineri oder Mordecahi Vanunu findet sich VIEL von dem, was sonst als “antijüdische Hetze” eingestuft wird… Diese Anfeindungen ähneln jenen gegenüber weissen Südafrikanern, die sich gegen die Apartheid engagierten, gegen Moslems die Islamismus bekämpfen und andere Bekämpfer von Totalitarismen aus den “eigenen Reihen”.66 In Teil IV geht es (im Zusammenhang mit Broder übrigens) nochmal um “selbsthassende”, “verräterische” Juden, “Alibijuden”. Der Historiker Benny Morris galt früher auch als solcher, steht heute rechts der Mitte; Benjamin Freedman war ein Hardcore-Zionist, trat dann zum Christentum über. Uri Avineri (ursprünglich Helmut Ostermann) war mit 15 IZL-Terrorist, wurde zum Friedensaktivisten. Der Begriff “Alibijude” stammt anscheinend von Ignatz Bubis (ZdJ), der 1992 über den ihn als “Immobilienspekulanten” verunglimpfenden Bundeswehr-Professor Michael Wolffsohn sagte: “Wolffsohn ist der Alibijude der Rechtsradikalen. Wahrscheinlich will er Bundeswehrgeneral werden.” Der Begriff wird aber seit einigen Jahren von bedingungslosen Anhängern der israelischen Besatzungspolitik dazu verwendet, auch differenzierende Kritiker Israels abzukanzeln, die Juden sind.

Nicht-jüdische Israel-Anhänger beziehen sich auf ein bestimmtes Israel, bzw ein bestimmtes (Wunsch-) Bild das sie sich gemacht haben. Der USA-Nordstaatler John W. Booth (Lincoln-Mörder) war Anhänger der Südstaaten, ihres Lebensstils und Lebensgefühls – soweit es die dortige weisse Oberschicht betraf…nicht etwa der Lebensart der afro-amerikanischen Sklaven, die den Weissen dienten. Jene Philozionisten, die in Deutschland/Österreich über “Balkanmachos” schimpfen, welche ihren Testosteron-Haushalt nicht unter Kontrolle hätten, werden Solche auch unter (jüdischen) Israelis treffen, auch wenn sie so etwas gedanklich in der bösen Nachbarschaft Israels abladen wollten. Und im islamophoben, philosemitischen Sumpf der “Anti”deutschen? “Hintergrund” über Stefan Kunath von der Linken: “…wenn es um die gute Sache der Verherrlichung des Zionismus und des israelischen Militärs geht, dann bedient sich der stellvertretene Bundessprecher des BAK Shalom und Sprecher des AK Antisemitismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Stefan Kunath, – nebenbei ist er Mitarbeiter des Linken-Bundestagsabgeordneten Frank Tempel – auch gern einmal antisemitischer Ressentiments: ‘Die ultraorthodoxen Juden sitzen den ganzen Tag an der Klagemauer und beten, nichts anderes, Zionisten sind sie nicht, da Israel schon von Gott erschaffen werden muss und nicht von Menschenhand,’ lautet seine Expertise über – gemessen an ‘antideutschen’ Normen – verhaltensauffälligen Problem-Juden, gegen die er offenbar eine starke Abneigung empfindet. ‘Also weiter auf Sozialhilfe leben, beten und betteln und Militärdienst verweigern – und ab und an Gott ein Kind schenken.’“67

“lizaswelt” etc wettern auch gg „falsche Juden“ wie Avineri. Grigat frohlockt über das „Dilemma“ der israelischen Linken, der rechtszionistische Weg ist der einzig gangbare. www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=48 : “Die linke und selbst die bloß liberale Opposition ebenso wie die Antikriegsbewegung in Israel werden von den Antideutschen genauso übel denunziert wie alle anderen. Auch hier stellen sie sich an die Seite der reaktionärsten rassistischen Kräfte, an die Seite der Rabin-Mörder und ihrer Hintermänner, und besitzen noch die Chuzpe, dies als die einzig legitime ‘Kritik des Antisemitismus’ hinzustellen. Sie maßen sich überhaupt die Definitionsmacht über den antisemitischen Komplex an, um das ominöse Etikett nach Belieben selbst in ihrem eigenen Dunstkreis verteilen oder damit drohen zu können, falls sich auch nur die geringste Abweichung vom Bahamas-Über-Ich andeutet. Die angebliche Kritik des Antisemitismus wird so derart inflationiert und entwertet, daß sie ins Unernsthafte umschlägt und damit gerade das antisemitische Syndrom deckt.” Also nochmal: Welches Israel darf kritisiert werden?

Manch Einer gibts sich antifaschistisch, als “Nazigegner”, aber dann ist die Haltung zu Israel das Einzige was zählt, wird da grosszügig über Anderes hinweg gesehen, Früheres vergeben, werden Schwämme darüber gelegten, doppelte Standards hoch gehalten, vornehm geschwiegen, Werte verhandelt, Absolutionen erteilt. Rechte haben die Möglichkeit, mit “Israel”-Unterstützung und “Antisemitismus”-Beschuldigungen Anerkennung zu bekommen. Und umgekehrt, Günter Grass war einer, der aufgrund seiner früh(er)en Israel-Unterstützung viel Kredit hatte, dann in Ungnade fiel als er die Dinge dort etwas anders sah. “AS”-Beschuldigungen werden aufgebracht, um israelische Politik zu rechtfertigen. Bei “Stop the bomb” dropthebomb wird die “AS”-Keule geschwungen, der Iran sei wegen des “AS” des Regimes zu bekämpfen sei, und Österreich müsse das unterstützen wegen seiner Nazi-Vergangenheit. Gegebenenfalls werden auch nicht nur “Antisemiten” sondern auch Israel-Kritiker geduldet (bis zu einem gewissen Grad), aus strategischen Gründen. Alan Dershowitz etwa ist schnell dabei, Israel-Kritiker als “Antisemiten” abzuurteilen; Stephen „Steve“ Bannon wurde aber davon verschont. Zumindest solange er Teil der Trump-Regierung war, die als wichtig und gut für Israel eingestuft wird.

Bannon soll antijüdisch sein, bezeichnet sich aber als christlichen Zionisten; er preist Benito Mussolini (will auch eine neue Rechtsallianz in Europa schaffen); ein katholischer irischer US-Amerikaner, der sich von nicht-weissen lateinamerikanischen Katholiken abgrenzt. Apartheid-Südafrika, das von ehemaligen Nazis geführt wurde, wo auch eine Art Antisemitismus lebte und das ein zutiefst rassistisches System war – war eng(st)er Verbündeter Israel, und daher über entsprechende Kritiken erhaben. Es gibt bis heute Israelis, die eine Solidarität zu den Weissen Südafrikas verspüren (zu jenen, die sich von den Nicht-Weissen abgrenzen), der Apartheid nachtrauern, weil diese den braunhäutigen Eingeborenen der Region (hier sieht man das Verbindende) ihre Grenzen aufgezeigt hat – wie Rafael Eitan bis zu seinem Tod.68 Dies zu thematisieren könnte aber schon “AS” darstellen… Heute gilt für Saudi-Arabien so eine Art Schutz vor Kritik, aus ähnlichen Gründen. Zumindest in den Augen jener Israel-Freunde, die sonst auf moralische Einmischung ins Weltgeschehen scharf sind, und besonders, islamische Gesellschaften als Hort von Rückständigkeit zu kritisieren.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro lobte nicht nur die die brasilianische Militärdiktatur (1964 bis 1985), er nannte auch Hitler “einen grossen Strategen”. Aber, er ist pro Israel, ein Netanyahu-Verbündeter, schon allein wegen den Evangelikalen des Landes, pro USA (zur Zeit von Trump, nicht Obama). Netanyahu und die Israel-Lobby die sonst keine Gelegenheit versäumen, den Massenmord an den Juden in Europa als Grundlage für israelische Politik dar zu stellen und Forderungen aufgrund dieses Völkermords zu erheben, immer implizierend dass Zionismus die Antithese zu den europäischen Faschismen sei, haben zB mit diesem deklarierten Hitler-Bewunderer kein Problem… Wohingegen, der österreichische Linke Leo Gabriel (keine Macht im Gegensatz zu Bolsonaro) zB wollte bei der “Mavi Marmara” mitfahren, wurde (daher) als „österreichischer Hamas-Unterstützer“ diffamiert und auch mit der “Endlösung der Judenfrage” (NS-Begriff) in Zusammenhang gebracht.69 Übrigens hat dieser Gabriel auch eine Lateinamerika-Verbindung… Leute wie er werden, wie israelische Linke, auf die giftigste Weise denunziert.

Wenn man sich mit Israel gut stellt, kann man sich Vieles erlauben, dann verpuffen viele Anschuldigungen. Israelische Führer (Präsident Peres, Premier Netanyahu) haben vor einigen Jahren dem früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro (wir bleiben in Lateinamerika) für seine “Unterstützung” in mehreren Interviews70  gedankt. Darin hatte Castro den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad scharf kritisiert und gesagt, Israel habe das Recht, “als jüdischer Staat zu existieren”. Dies war kurz nachdem Castro einräumte dass sein System auf Cuba nicht funktioniere, gekommen. In der Vergangenheit hatte Castro stets die Palästinenser verbal unterstützt. Es kommt eben darauf an. Gegen den Orientalisten Hans-Peter Raddatz wird der Vorwurf von „judenfeindlichen Untertönen” erhoben71, obwohl der das Buch „Allah und die Juden. Die islamische Renaissance des Antisemitismus“ schrieb. Raddatz ist ein Islamophober, aber mit mehr Ahnung und weniger Hetze als die Pseudolinken im deutschsprachigen Raum. Er ist ein klassischer Rechter, schreibt bei “Junge Freiheit”, wird von „Zur Zeit“ gepriesen, Strache hat von ihm gelernt. Hat er etwa etwas Negatives über Israel gesagt/geschrieben?

Ethnisierung kommt immer nur bei Israel-Kritik, nicht aber bei Israel-Untersützung, obwohl (oder: gerade weil) da eine solche Analyse sehr erhellend wäre. Da heisst es zB, “After all, why should a British Labourite be sympathetic to anti-Zionism if she is not herself related to a Palestinian – unless that sympathy is, perhaps, unconsciously, tinged by anti-Semitism.” Nun, warum sollte zB ein österreichischer Christdemokrat pro-israelisch sein, wenn er nicht verwandt mit Juden ist – vielleicht, weil er von Rassismus und Imperialismus angetrieben ist? Und, weil er dies als (bequeme) Holokaust-Aufarbeitung sieht (u.a. durch Delegation). Welche Süppchen mit (Philo-) Zionismus so alle gekocht werden, welche Motive da mitschwingen…wird gerne tabuisiert. Und man findet einen gemeinsamen Grund. Der “Schwergewichts-Weltmeister der Antisemitismus-Forschung”, der “anti”deutsche Samuel Salzborn in der “Jungle World” 2015: „Es ist zu vermuten, dass auf den Familiengeschichten derer, die sich heute in Deutschland öffentlich antisemitisch äußern, nach wie vor die tiefe und nicht aufgearbeitete Schuld des nationalsozialistischen Antisemitismus lastet. Eine Schuld, die anzuerkennen und zu ertragen man umgekehrt in immer größerer Beharrlichkeit verweigert.“ Und mit “antisemitisch” meint er natürlich antizionistisch oder israelkritisch.

Aber wie sieht das wirklich aus? Bernd Wollschläger: Vater war Nazi während der NS-Diktatur und danach, Sohn wurde Jude und Israeli (lebt in der USA), hat dadurch ein gutes Gewissen. Wolfgang Neugebauer vom DÖW, Sohn eines SSlers, ist nicht konvertiert, versucht “nur”, im wissenschaftlichen Gewand, Israel-Kritik zu delegitimieren. Lahnstein von der DIG ist mit einer Jüdin verheiratet, er ist der typische Fall von deutscher IL-Apopogetik aus Holokaust-Aufarbeitungs-Gründen heraus. Der deutschnationale „Antideutsche“ Thomas von der Osten-Sacken engagiert sich diesbezüglich auf journalistischer und anderen Ebenen. Kommt aus einem Adelsgeschlecht mit vielen NSDAP-Mitgliedern auch in der Zeit vor der Machtergreifung, sowie preussischen Militärs (und das sind nur die Vorfahren väterlicherseits…), gilt als Bismarck-Fan. Sein Israel-Engagement hat wohl mit seiner Familiengeschichte “zu tun”, und es ersetzt ihm gewisse Aufarbeitungen und Distanzierungen,… Auch einer jener „USA-Fans“ die bei Obama ganz ganz „leise“ geworden sind. Oder Julia Schramm von der implodierten Piratenpartei, eine “Anti”deutsche, Enkelin eines SS-Mannes.

Die jüdische amerikanische Anti-Defamation League (ADL) hat (neben Otto Schily und Matthias Küntzel und Anderen) Silvio Berlusconi (der ebenfalls Mussolini gelobt hatte) 2003 mit einem Preis ausgezeichnet (als Freund Israels). Wir sind in der „Antisemitismus-Forschung“ und „-Bekämpfung“, und es geht auch hier hauptsächlich um Israel, um Tadel/Absolution, je nachdem was für gut/schlecht für Juden gehalten wird; gleichwohl gilt die ADL Manchen als „Menschenrechtsorganisation“. Die Gründung geht auf die Mordanklage gegen Leo Frank zurück, Fabriksmanager und Bnai Brith-Funktionär im Süden der USA, der in den 1910ern für den Mord an einem Mädchen verurteilt wurde, die Todesstrafe wurde wegen des Drucks umgewandelt, Frank dann gelyncht vom KKK. Frank, der die Schuld auf einen Afro-Amerikaner schob, wurde als “amerikanischer Dreyfus” porträtiert. Ausser für die Zusammenführung von Israelkritik mit Antisemitismus (und damit zusammenhängenden Diffamierungen) wird die ADL für ihre Haltung zum Armenier-Völkermord und angebliches Bespitzeln von Bürgerrechtlern und Linken in der USA samt Denunziation an dortige Behörden sowie Israel, kritisiert.

Beim Bau eines Holocaust-Museums in Washington wurden Afro-Amerikaner oder Indianer übergangen. Gegenüber Schwarzen erhob die ADL einst anlässlich eines Streits über die Besetzung von Stellen im New Yorker Schulsystem (mit Juden) “Antisemitismus”-Vorwürfe.72 ADL-Chef Abraham Foxman bekommt Audienzen beim Papst und anderen Mächtigen, stellt dort Forderungen. Seiner eigenen Argumentation nach ist das Verhalten dieser Führer eigentlich antisemitisch, da diese die Juden für mächtig halten, ihn deshalb empfangen und auf Forderungen der ADL eingehen. Er intervenierte beim deutschen Bundespräsidenten gegen die Verleihung eines Ordens an Felicia Langer. Foxman gestand nach dem Oslo/Utoya-Massaker 2011 (Anders B. Breivik) die Existenz einer “anti-islamischen Ideologie” ein, die Ähnlichkeiten zu früherem europäischen Antisemitismus hat.

Israel und der Holocaust ist ein Kapitel für sich. Peter Novick hat herausgearbeitet, dass der Massenmord an den europäischen Juden unter den Nazis während der ersten zwei Jahrzehnte danach von den israelischen Machthabern und jüdischen Verbänden nicht stark hervorgehoben wurde, eher im Gegenteil. Israel sah sich als als Positiv zu den entwurzelten und verfolgten Diaspora-Juden. Durch den Krieg 1967 änderte sich das, dieser wurde als Überlebenskampf Israel und der Juden dargestellt, die Besatzung und Besiedlung der Gebiete die man den Palästinensern 1948 noch gelassen hatte, als Sicherheitsmaßnahmen. Holocaust und Zionismus wurden 1967 für den jüdischen Hauptsrom zentral, auch um sich angesichts der Besatzungspolitik in eine Opferrolle zu begeben. West-Deutschland war ein wichtiger Verbündeter Israels geworden. Die Funktionalisierung der NS-Geschichte für politische Ziele begann damals, man sah es im jüdischen wie im zionistischen Interesse, Israel in die Tradition der NS-Holocaust-Opfer zu stellen, ein Opfer das sich nun endlich wehrt gegen Verfolger. Die Instrumentalisierung des Holocausts um die anhaltende Nakba in dessen Schatten zu stellen, um die Behandlung der Palästinenser zu rechtfertigen, um Kritik daran abzuwehren

Holokaust-Gedenken und -Aufarbeitung an sich sind längst eng verbunden mit Zionismus-Promotion bzw Hasbara. Wie an kein anderes Ereignis der Geschichte wird heutzutage weltweit an den Holocaust erinnert. Und, es wird damit Politik gemacht wird, nicht nur in Form von direkten politischen Forderungen, auch in den “wissenschaftlichen” Analysen darüber. Israel, jüdische Institutionen73 und Helfer benutzen Holocaust-Gedenken in der Regel für „AS“-Anprangerungen, Beschwörung einer universalen jüdischen Bedrohtheit (gegen die man sich wehren müsse) und der Zuständigkeit Israels für alle Juden, die Delegitimierung/Diffamierung von jedem Widerstand gegen, jeder Kritik an Israel.74 Gerade im Zusammenhang mit NS und Holocaust hat der “Antisemitismus”-Vorwurf eine Art “Totschlag”-Charakter, verleiht den Anschein von moralischer Überlegenheit.75 NS/Holocaust-„Aufarbeitung“ durch Pro-IL/Philozionismus bringt aber keine Auseinandersetzung mit dem Geschehenen, keine Wiedergutmachung, im Gegenteil… Die abverlangte Solidarität mit israelischer Politik behindert eher die NS-Aufarbeitung und erst Recht eine gerechte Lösung für Israel/Palästina.

Als ob die Lehren aus Oświęcim & Co ein Opfer-/Schutzstatus bzw eine Wild card für einen Staat wären, (der) die Menschenrechte und Völkerrecht aufhebt. Die geschilderte Rhetorik von O. Deutsch („lebende Juden“) ist typisch für das Muster, mit der jüdische Funktionäre die Verbindung Holocaust-Israel herstellen. Oder ein Anderer: „Alles Andere liesse unser öffentliches Gedenken, Mahnen … zu einer hohlen Geste verkommen..“ Sucharewicz und die Forderung nach „praktischer Solidarität“ (wenn die gewährte nicht ausreicht). 2012 zeigte sich Israels Botschafter in Österreich, Schir-on, „tief enttäuscht“ von Österreich wegen dessen Verhaltens beim Votum des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen über die israelische Siedlungspolitik im besetzten Westjordanland. Es sei ihm „völlig unverständlich, warum Österreich im Gegensatz zu Deutschland keine Solidarität mit Israel“ zeige. Hasbara-Aktivistin Esther Schapira vermischt gerne aggressive Israel-Apologetik, NS- und Holocaust-Diskurs, „Antisemitismus“-Vorwürfe, für das deutsche Publikum; auf der Welle der Islamophobie/ Abendland-Rettung geht das auch leichter. 2006, als Israel Gaza und Libanon (v.a seinen Süden) in Schutt und Asche legte, ein Sprecher von Yad Vashem: “Der Westen muss aufstehen“.76

Autsch: Israel hat verärgert auf einen Tweet des deutschen Außenministeriums zum 90. Geburtstag von Anne Frank reagiert. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums schrieb kürzlich auf Twitter von “Geschichtsklitterung”. „Anne Franks Tagebuch ist KEINE Warnung für wischiwaschi pseudouniverselle Werte! Anne Franks Vermächtnis ist eine Warnung gegen den Hass und die Verfolgung von JUDEN. Der Versuch, ‚die Lehren der Schoah zu verallgemeinern‘, ist nichts anderes als ein unehrliches Umschreiben von Geschichte.“ Das deutsche Aussenministerium hatte zuvor auf Twitter Außenminister Heiko Maas auf Englisch zitiert: „Ihr [Anne Franks] Tagebuch ist heute relevanter als jemals zuvor als eine Warnung gegen Diskriminierung, Marginalisierung und Verfolgung und als ein Symbol der Menschlichkeit.“

Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, hielt ’14 eine Rede in der Knesset, spulte dabei die deutsche (Pro-)Israel-Rhetorik ab, brachte auch etwas sanfte Kritik an der Besatzung, dass israelischen Siedlern gegenüber den Palästinensern (ihren Dörfern) viel mehr Wasser zur Verfügung steht und über die Blockade des Gazastreifens durch Israel. Deshalb inszenierten Politiker einen Eklat, Abgeordnete der rechten Siedlerpartei Habeit Hayahud/ Jüdisches Heim von Wirtschaftsminister Bennett riefen „Schande“ und verließen unter Protest den Saal, „Ich fordere den Präsidenten des Europäischen Parlaments auf, sich von seinen beiden lügnerischen Äußerungen zu distanzieren“, wütete Bennett. „Ich akzeptiere keine Lügen von einem Deutschen“, so Mosche Feiglin, Mitglied der Likud-Partei von Regierungschef Netanyahu (der: “selektive Wahrnehmung” Schulzs) und Hitler-Bewunderer, er war während der Rede abwesend, “weil es unpassend ist, dass im Parlament des jüdischen Staates eine Rede in der Sprache gehalten wird, in der unsere Eltern in die Eisenbahnwaggons und in die Krematorien gestoßen wurden“, heuchelte er dann. Andere wiesen auf Syrien hin wo alles viel schlimmer sei usw (wäre ihnen entgegenzuhalten wenn sie plärren über Andere) Das mit dem Wasser ist eines der Grundprobleme des Konfliktes…hier zeigt auch sich die totale Kontrolle der Zionisten über das ganze historische Palästina.

Das Wiesenthal-Institut Wien (VWI) wird u.a. getragen von IKG, DÖW, Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien, Jüdisches Museum Wien,…; verflochten ist das Institut auch mit internationalen einschlägigen Organisationen/ Institutionen, darunter Yad Vashem. Dort Wirkende wie Neugebauer, Wodak, Markovits, Rabinoviczi, Fastenbauer, Brumlik,… sorgen dafür, dass es eine pseudo-wissenschaftliche Fassade (“Holokaust-Studien“/ “Genozid-Forschung”) zur Delegitimierung von Zionismus-Kritik gibt77, staatlich erhalten. Erster Vorsitzender war der eigentlich “linientreue” Anton Pelinka, aber die IKG intervenierte, so dass Pelinka zurücktrat und Ariel Muzicant im Vorstand war, Bailer-Galanda gestärkt wurde. Es gab dann zB einen Vortrag des israelischen Historikers Gilad Margalit (über den auch Medien wie orf.at berichteten). Deutsche (Jugendliche) beschäftigten sich brav mit dem Holocaust, “Deutschtürken” seien eher desinteressiert und (spezifisch türkisch) “antisemitische Ansichten” seien weit verbreitet; das übliche Schuldzuweisen, Alarmschlagen, Opfermantel vergeben, Stereotypen, Ablenkungen.

Der Zionismus war weder historisch noch inhaltlich eine Antithese zu Faschismus und Völkermord (dem in/von Deutschland und überhaupt). Zum Zeitpunkt von Hitlers Machtergreifung in Deutschland gab es in Palästina bereits eine komplette zionistische Infrastruktur und wurden Palästinenser bereits verdrängt. Aus dem NS eine Privilegierung von Juden abzuleiten und/oder eine Unterdrückung von Palästinensern, bedeutet seine “Rehabilitierung”. Über gleichzeitigen Antijudaismus und Philozionismus wurde oben bereits geschrieben. Es gab zumindest beim revisionistischen Zionismus Sympathien für den Faschismus in Europa, auch vice versa, darüber folgt noch mehr. Israel arbeitete mit ehemaligen NS-Funktionären und -Kollaborateuren zusammen, ob Gehlen oder Vorster, sowie mit aktuellen Bewunderern von NS/Hitler (wie Pinochet). Und, während Anderen bei jeder (taktischen) Gelegenheit AS, NS-Verharmlosung und Ähnliches vorgeworfen wird, wird einer wie Bolsonaro von Zionisten hofiert, einer der auch ohne sein Hitler-Lob, rein mit seinen politischen Plänen, “disqualifiziert” sein müsste. Na ja, „kontrovers“ ist er vielleicht höchstens.

David Ben Gurion schrieb, dass er, wenn er die krächzende Stimme seines politischen Rivalen Begin im Radio hörte, an Adolf Hitler denken musste. Und als einer der Nachfolger der beiden, Rabin, in den 1990ern Friedensverhandlungen mit der PLO einleitete, wurde er von rechten Gegnern als Puppe in SS-Uniform durch die Strassen geführt. Netanyahus Minister für “strategische Angelegenheiten” Gilad Erdan nennt die Gaza-Palästinenser gerne “Nazis”, liest man. “The number [of peaceful Palestinian protesters] killed does not mean anything because they are just Nazis anyhow”… Wenn dagegen Palästinenser oder Menschen die ihnen helfen wollen (auch Juden) zionistische Aktionen mit solchen der Nazis vergleichen, wird das skandalisiert. Obwohl dabei Nazis negativ affirmiert werden, entgegen dem was man “ihnen” gerne vorwirft, nämlich Sympathien für den Nationalsozialismus, im aktuellen und historischen Kontext.

Araber und allgemein Orientale werden antisemitische, nazistische Motive unterstellt/umgehängt, sogar zu den ursprünglichen Tätern umgelogen, zur Weisswaschung des Westens, damit Unterdrückung der Palästinenser gewissermaßen zu Widerstand gg NS “umdeklariert”, auch zur Rechtfertigung des eigenen Rassismus. Dies geschieht von zionistischer wie philo-zionistischer Seite, zB zur NS-Entsorgung von deutsch-österreichischer Seite, zur Delegation des eigenen Antijudaismus. Was den historischen Kontext hier anbelangt: So erging und ergeht es jenen aus der “farbigen Welt”, die mit den Alliierten gegen die Achse kämpften. Keine Bücher der Küntzels im deutschsprachigen Raum darüber. Netanyahu sagte 2015, dass der ehemalige palästinensische (Gross-) Mufti Mohammed A. al Husseini und nicht Hitler hauptverantwortlich für den Holokaust war… In seiner Hitler-Verteidigung steckt sein ganzer Hass für den “Orient”…und ein Dilemma des Zionismus. Der Jerusalamer Mufti war 1937 vor den Briten aus Palästina geflohen, von den Nazis wurde er für eine Propaganda-Rolle eingespannt. Jahrzehnte später wurde er gewissermaßen für eine andere Propaganda-Rolle entdeckt.

Husseini ist für Pro-Israel-Propaganda zentral, weil er dazu dient, den „Nahostkonflikt“ in die Schablonen des „klassischen“ AS zu pressen (mit den dazu gehörenden Täter- und Opfer-Rollen), die Unterdrückung der Palästinenser zu rechtfertigen (da damals Feinde der Juden), eine (Mit)Schuld der Palästinenser am Holocaust suggerieren, und dass der Zionismus eine Art Rettungsprojekt bzw Gegenwehr zum Holocaust war (und ist > “Kontinuitätslinie”), Schuld vom Westen wegzunehmen (der noch dazu heute Israel unterstützt), gewissermaßen den Realkonflikt in Palästina (wie er etwa seit den 1920ern besteht) wegzuleugnen, palästinensischen Widerstand in diese Tradition zu stellen,… So ist er für viele Juden und Nicht-Juden (v.a. Christen) eine wichtige Bezugsfigur geworden. Joseph Massad merkte an, dass in der 4-bändigen “Enzyklopädie des Holocaust”, herausgegeben von Israels (offizieller) Gedenkstätte Yad Vashem, der Artikel über Husseini doppelt so lang ist wie die Artikel über die Nazi-Führer Goebbels und Göring und länger als jene über Himmler und Heydrich zusammen. Der Eintrag über Hitler, so Massad, ist nur knapp länger als jener über Husseini… Und dass die zionistische Miliz/Terrorgruppe LEHI damals versuchte, mit den Nazis zu einer Zusammenarbeit gegen die Briten zu kommen, dürfte dort eher nicht erwähnt werden.

Die Thematisierung des Holocaust, um Unterstützung für die Unterdrückung der Palästinenser abzunötigen, die Darstellung dieser als “Verteidigung”… Der Zionismus, dieser Zionismus, sei die Lehre aus dem Nazi-Völkermord und früheren Verfolgungen. Damals wurde eine Bedrohung durch das Judentum konstruiert, ein Völkermord begonnen. Reale Bedrohung lief entgegengesetzt der vermeintlichen, die “Gemeinschaft”, die sich als “bedroht” deklarierte, wurde selbst der Bedrohliche. Emmanuel Todd schrieb, Juden seien in der USA privilegiert und würden einen neurotischen Kult um den Holocaust machen, teilweise Spielball einer rückwärtsgewandten Dynamik sein. Awraham Burg, früherer (Avodah-) Spitzenpolitiker Israels (Parlamentspräsident,…), hat sich dieser Thematik gewidmet, in “Hitler besiegen”: Israel, Holokaust, “Monopolisierung des Schreckens /des Leids”, Opfer-Paranoia, ein schier undurchtrennbarer Knoten politischer Interessen und irrationaler Ängste, die Shoah als “theologische” Stütze moderner jüdischer Identität, Grundlage des nationalen Selbstverständnisses, aus geschlagenen Kindern werden schlagende Väter, “allein gegen die Welt”, in Wirklichkeit viele Verbündete,…

Antisemitismus, tatsächlichen oder angeblichen, herausheben, ohne auf andere Rassismen einzugehen (oder diese sogar zu unterstützen!), ihn im “Nahostkonflikt” auszumachen ohne auf diesen Konflikt an sich (die Besatzungssituation der Palästinenser) einzugehen und auf die Haltung ggü Palästinensern, die ihm (mit) zu Grunde liegt, Rassismus von Juden als Tabu zu behandeln, ist nur dummdreistes Geschwätz, ist wie die Anfeuerungen eines Fussballteams von seinen Fans, sicher keine Schiedsrichter-Perspektive.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Religiöse Juden sahen den jüdischen Staat als etwas, das der Messias errichten wird, strengreligiöse noch immer
  2. Aber auch alle anderen “gängigen” “Antisemitismusforscher” definieren den Anti-Antisemitismus in dieser Art
  3. Siehe AH & HE Cutler: The Jew as Ally of the Muslim. Medieval Roots of Anti-Semitism (1986)
  4. Edmond Rothschild unterstützte das zionistische Projekt in Palästina mit grossen Geldsummen
  5. Ein Gebiet, das Teil Russlands wurde
  6. Übrigens, der deutsche Wikipedia-Artikel darüber, mit den Fingerzeigen und Zuweisungen, ist exemplarisch für den heutigen Umgang mit den “Protokollen” und überhaupt für den Antsemitismus-Diskurs
  7. Und ist auch irgendwie an die Ressentiments gegenüber George Soros erinnert
  8. Nur einer aus 20 amerikanischen Juden reiste vor dem Juni 67 nach Israel. Beim einem Symposium des AJC (über “jüdische Identität”) kurz vor diesem Krieg wurde “Israel” kaum thematisiert. Podhoretz: Israel wurde 1967 die “Religion” der amerikanischen Juden. Auch die Bewunderung westlicher Rechter für Israel verstärkte sich mit diesem Krieg entscheidend
  9. Und Broder steht längst rechts von der JF
  10. Broders Aufforderung im Bundestag förderte/stützte ja auch diese Tendenz
  11. Watzal: „Fast wöchentlich wird in Deutschland eine „antisemitische Sau“ durchs Dorf getrieben.“
  12. Als dieser Felix Klein, der gerne alarmistisch-hysterische Meldungen macht, sagte, er könne Juden nicht empfehlen, überall jederzeit in Deutschland Kipa zu tragen, gab es grosses Medienecho; erst rechte als der israelische Präsident Rivlin kommentierte. Wobei, Judentum an der Kipa festzumachen, steht eigentlich im Gegensatz zum Zionismus bzw zum Selbstverständnis vieler Juden
  13. Darunter etwas über die „Vergleichbarkeit von Antisemitismus und (antimuslimischem) Rassismus“, das möglicherweise halbwegs ernstzunehmen war
  14. Netanyahu kleidet Juden (von ihm “abwärts”) quasi pauschal ins Opfermäntelchen, anhand von tatsächlichen/behaupteten Übergriffen gegen Juden, apologetisiert die Angriffe auf Gaza damit
  15. Wusste ein Eric Leimann von teleschau.de, wiedergegeben auf yahoo. Dort ein Kommentator: “Gäbe eine Tabelle von 1 bis 10 der unsympatichen Menschen in Deutschland ,Michael Friedmann gehört eine 10. Als er damals durch Nachtbars zog , Drogen konsumierte ,also ein Vorbild für die Jugend war ,wäre er nie wieder hoch gekommen , hätte ihn nicht das Staatsfernsehen hoch auf einem weissen Schimmel aus dem Dreck geholt. Jetzt ist er der Saubermann , weiter unsympathisch und in seiner Sendung Friedmann, ein abstossender Frager. Der Judenhass in Deutschland ,ist immer grösser nachdem Muslime mit 8-10 Millionen an Anzahl in Deutschland leben.”-Ob der für die “Antisemitismus-Untersucher” wohl als “antisemitisch” gilt, obwohl er ja zum “richtigen Schluss” kommt?
  16. Das 1999 geschaffene Diaspora-Ministerium bekam 07–09, unter Isaac Hertzog als Minister, Agenden des “Kampfes gegen Antisemitismus” übertragen, auch im Namen (des Ministeriums)
  17. Für einen Teil der tatsächlichen Antisemiten wie auch für Bennett & Co haben alle Juden eine Verbindung zu Israel, spricht Israel für alle Juden…
  18. Nicht etwa Gaza Stadt und Paris werden gegenüber gestellt, sondern der Gaza-Streifen und Paris…und dieser Streifen hat eine quasi-urbane Bevölkerungsdichte
  19. Ein Palästinenser, den auch Joachim Schröder akzeptieren kann
  20. Besonders linke, besonders die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen)
  21. Abgesehen von dem Blödsinn: Einerseits ist Auswanderung von Juden Zeichen von Krise, etc, andererseits fordern und fördern Zionisten von Netanyahu abwärts diese Migration bei jeder Gelegenheit. Gerade Leon de Winter versucht sich immer wieder mit düsteren Prognosen diesbezüglich zu profilieren, zB „In 40, 50 Jahren gibt es keine Juden mehr in Europa“. Watzal: “Wie erklärt dann de Winter die 30 000 Zuwanderer aus Israel nach Berlin?”
  22. Über Broder kommt noch Einiges in diesen 4 AS-Texten. Von De Winter gibt es auch diese meist aus Israel-Solidarität heraus argumentierte “Abkanzelung” der “islamischen Welt”, die bei ihm u.a. ein Plädoyer für ein “Iran plattmachen”, Zustimmung zur Tötung der Türken auf der “Mavi Marmara”, eine Fürsprache für “racial profiling”, beinhalten
  23. Wenn irgendwie zB die Politik der DR Congo (Kongo) gegenüber Ruanda kritisiert wird, oder eine Vorherrschaft des Congo-Volkes in der DRC ggü den Luba, oder die politische Kultur dieses Landes (zB im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl 2018, nach der der unterlegene Kandidat Fayulu Schiebungsvorwürfe erhob), wird nicht von “Kongo-Kritik” gesprochen, oder die Betreffenden und ihre Aussagen als “anti-kongolesisch” deklariert
  24. Der de.wikipedia-Artikel über „Antizionismus“: Ob dort eine ernstzunehmende Aussage bzw nicht-ideologische Quelle zu finden ist?!
  25. Wobei dieser Staat nicht unbedingt in Palästina sein musste und Herzl sich hauptsächlich mit europäischem Antijudaismus beschäftigte
  26. Dass kulturelle, sportliche, wissenschaftliche,… Aktivitäten aus Israel meist von dessen Regierenden “vereinnahmt” werden, ist weniger bemerkenswert/ungewöhnlich. Auf Barzilais Song Contest-Sieg ’18 folgten Politisierungen von ganz oben, Netanjahu twitterte „Nächstes Jahr in Jerusalem”
  27. Bei Broder ist daraus auch eine Art Running Gag geworden
  28. Es gibt natürlich auch Juden, die ihr Judentum nicht zum Zentrum ihrer Existenz machen
  29. Die Thematisierung dessen wird gewöhnlich mit der “Antisemitismus”-Keule abzublocken versucht…
  30. Bzw ihrem wichtigsten Teil
  31. Früher stand auf seiner Wikipedia-Benutzerseite noch von seiner “multikulturellen Herkunft” aus Nieder- und Oberbayern…
  32. Es sind in diesem Zusammenhang diverse (de.)Wikipedia-Seilschaften relevant, sowohl von ihren Bearbeitungen wie von ihrem Gebahren, Selbstverständnis. “Hardenacke”, wenn man so will, die norddeutsche Entsprechung zu “feliks”: “Ich glaube, was sie dem alten Springer am meisten übelnehmen, ist, daß er sich so klar gegen den Antisemitismus und für Israel ausgesprochen und das zu einem der vier Grundprinzipien auch der Bildzeitung gemacht hat, bis heute”. Beim Promoten seiner Freund/Feindbilder schlägt er in der Regel sanfte Töne an, gleichwohl hat er etwas Fanatisches, Hetzerisches. Zum Beispiel wenn es darum geht, Personen in der Wikipedia als “Antisemit” oder “Verschwörungstheoretiker” zu stigmatisieren. Er und seine Kumpanen wollten etwa Hugo Chavez “Antisemitismus” umhängen; da zeigt sich auch schön, wie dieser Vorwurf von Deutschen als Instrument verwendet wird, um einen Rassismus auszuleben (und sich noch quasi als über Rassismen stehend zu fühlen). Auf seiner Benutzerseite war/ist ein Bild vom Entebbe-Flughafen mit einem entsprechenden Kommentar; über die deutsche Bewunderung für das israelische Militar kommt hier noch etwas. Wenigstens spielt er nicht den “Antideutschen”; er protestierte etwa (zusammen mit Anderen) betroffen, als jemand über die britischen Luftangriffe auf Dresden eine kecke Anspielung machte…
  33. Siehe dazu auch: www.middleeastmonitor.com/20150711-israeli-spy-admits-we-encouraged-anti-semitic-conspiracy-theories/ > “To convince certain regimes it had powerful influence over the Americans, Israel actually encouraged belief in the anti-Semitic conspiracy theory that the Jews control the world (as is reflected in the “Protocols,” a notorious Tsarist forgery).”
  34. Und, wenn ein Infotisch von BDS Austria am Graben in der Wiener Innenstadt tätlich angegriffen wird (samt Drohung mit der Kultusgemeinde und “Nazi”-Diffamierungen), wird das vermutlich auch als “antisemitischer Vorfall” registriert…
  35. Bei manchen Thematisierungen trifft das sogar zu, das wird auch dankbar aufgeblasen bzw “ausgedehnt”
  36. Also das was nach 1948/49 blieb, abzüglich noch einiger gravierender Abstriche
  37. “Betroffene Hunde bellen”
  38. Gut, es ist die Aufgabe eines Anwalts, so für seinen Mandanten zu argumentieren
  39. Siehe dazu auch die Kommentare von Muzicant über Hebron, Grenzen,… in Teil II
  40. Andere glauben, in dem Zhg sei relevant, dass sie Siedlungen besucht hätten und “nette Menschen” getroffen hätten. Ja, Freundlichkeit ggü Besuchern aus Deutschland oder anderswo aus dem Westen (die oft mit einer Grund-Sympathie für dieses Siedlungs/Verdrängungsprojekt kommen!) wiegt quasi das auf, was die Siedlungen für die Palästinenser bedeuten, zählt auch mehr… Warum nicht gleich die Ansiedlung von Deutschen im Posen-Gebiet (“Warthegau”) während der nazideutschen Besatzung Polens damit rechtfertigen, dass diese Deutschen nett gewesen seien
  41. Da treffen sich Strache und die Wiener „Anti“deutschen
  42. Mit der Geschichte des Gaza-Streifens und dem “Krieg” ’14 hat sich Tiara schon beschäftigt. Und um Gaza wird es in Teil III dieses Textes noch einmal gehen
  43. Und generell in dem Konflikt
  44. Die A-Promis der Israel-Solidarität, aber auch “Neutrale”, denn wer wollte schon riskieren, dass seine/ihre Absage für eine solche Wortspende publik wird
  45. Menschenverachtung entgegen treten sei menschenverachtend bzw Manche haben Recht auf Menschenverachtung
  46. Hier spielt der frühere palästinensische Mufti eine wichtige Rolle, das werden wir uns noch genauer ansehen
  47. Die „KZ“ hatten nichts mit dem eigentlichen Kriegsgeschehen zu tun und Juden war keine Kriegspartei
  48. Angenommen sein “Davidstern” war damals kein Bekenntnis zu Israel sondern zu seiner religiösen/ethnischen Identität, dann war die Reaktion der Libanesen (wie er sie beschrieb) dennoch nicht notwendigerweise eine auf dieses, sein Judentum, sondern eher auf die Assoziation mit Israel. Wiegesagt, es gibt dort einen Realkonflikt, auch wenn man ihn anders einschätzt als das hier geschieht
  49. UNRWA ist die 1949 gegründete UN-Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge; auch die Wikipedia-Artikel über die Organisation (in den verschiedenen Sprachen) ist gespickt mit Diffamierungen aus der Israel-Lobby-Ecke
  50. Wenn man zB der Menschenverachtung von Bennett oder Netanyahu entgegen tritt
  51. “law and order”, Nixon
  52. Anzumerken wäre hier auch, dass man den Nachfahren der Afrikaner die versklavt wurden, in Nord- und Süd-Amerika, nicht nur keinerlei Wiedergutmachung zukommen hat lassen, man fordert sie auch auf (direkt/implizit), zu vergessen und “weiterzumachen”
  53. A propos: Jener Nathan Brown, Politologie-Professor an der George Washington University, gefeiert für seine “Untersuchungen” (Anprangerungen) palästinensischer Schulbücher, hat zu diesen Fragen sicher auch eine Meinung; gerade deshalb weil er das Lob der Israel-Lobby sucht
  54. Verteidigungsminister Lieberman (YB) hat die Regierung verlassen, wegen der Feuerpause ggü Gaza, ausserdem sträubte sich gegen eine Verlängerung der Befreiung von Religiösen vom Militär
  55. “Sharmouta”: das arabische Wort für “Hure” – wenn es daran geht, sind auf einmal auch Bemühungen da, Palästinenser/Araber zu “verstehen”, ihre Sprache,…
  56. Was sich auch am nationalen Maskottchen „Srulik“ zeigt
  57. Fernseh-Werbespots sind zB normalerweise voll mit “weissen” Figuren, ausser es geht darum, einen Arbeiter oder Kriminellen zu spielen. In TV- oder Kino-Filmen ist das ähnlich
  58. Religion ist ja Sache der rückständigen Moslems, Juden sind Vorhut der Aufklärung, und Penis-Vorhaut-Beschneidung ist auch kein Anliegen der Philojuden, religiöse Jüdinnen die Kopfbedeckungen tragen, blamieren auch den Fortschrittschauvinismus. Als es in der jüngeren Vergangenheit in Europa zu Debatten über Beschneidungen (etwas das Juden und Moslems verbindet) kam, haben aber zumindest jüdische Gemeinden aufgeschrien angesichts eines möglichen Verbots. Teile der “Anti”deutschen und der neuen Rechtspopulisten konnten/können einem solchen Verbot etwas abgewinnen… Die Linken-Abgeordnete Christine Buchholz unterstützte das Recht der jüdischen und muslimischen Gemeinden, die rituelle Beschneidung durchzuführen. Sie begründete dies mit dem Recht auf Religionsfreiheit in einer Gesellschaft, die immer noch von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus geprägt sei. Buchholz wird immer wieder Zielscheibe von Israel-Freunden in Deutschland, durch ihre Nichtzustimmung zum Linken-Fraktionsbeschluss gegen die BDS-Kampagne (Versuch, diese als “antisemitisch” zu brandmarken) > “Grünewald”: de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christine_Buchholz&diff=next&oldid=163668684
  59. Zuständig für die palästiensischen Restgebiete
  60. Vor einigen Jahren gab es beim Song Contest mal eine vergleichbare Situation, die israelische Gruppe trat mit einer Choreographie auf, bei der am Ende die israelische und syrische Flagge überkreuzt gezeigt wurden. Auch da haben sich Viele aus der israel-Fankurve zurückgezogen
  61. Wenn Juden demonstrieren, auch wenn es äthiopische sind, setzt Israel Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas auf sie an, wenn Palästinenser demonstrieren, werden Soldaten mit scharf geladenen Schusswaffen geschickt
  62. Nach anderen Angaben wollte sich Gabriel nur mit ihnen treffen
  63. Merkel hat das Treffen von Gabriel mit regierungskritischen Gruppen überraschend verteidigt, Präsident Steinmeier kroch bald danach zu Netanyahu
  64. Und das, die Verachtung für die Region, war/ist im Zionismus an sich angelegt
  65. Den “Nahost-Konflikt betreffend
  66. “Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherisch-dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um…”
  67. www.hintergrund.de/politik/inland/antiimperialistischen-kurs-beibehalten
  68. Diese Sympathie von Israel wird von diesen weissen Rechtsaussen erwidert, dazu noch mehr
  69. “Aktion gegen Antisemitismus Österreich und “Hagalil fanden das wichtig und veröffentlichtenswert
  70. Anscheinend erschienen im US-Magazin „Atlantic“
  71. Von Figuren wie Hannes Stein
  72. Damals war auch von einem “neuen Antisemitismus” die Rede…
  73. Zum Beispiel jene die in der USA wirken und auch “einen Fuss” in Israel haben, wie das Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA), eingebettet sind in ein ideologisches Umfeld von Likud & Neocons
  74. Yaacov Lozowick war Direktor des Archivs von Yad Vashem, schrieb u.a. das Buch “Israels Existenzkampf. Eine moralische Verteidigung seiner Kriege” (deutsch im Konkret Verlag…). Man darf davon ausgehen, dass darin der Holocaust mit diesen Kriegen verknüpft wird
  75. Auch wenn es eigentlich eher an das Glashaus und die Steine erinnert
  76. Sich eine Opferrolle zulegen, kam auch in den folgenden Kriegen gegen den Gaza-Streifen. 06 forderte der “Liberale” Beilin einen Angriff auf Syrien, Amos Oz unterstützt die israelischen Angriffe, Premier Olmert wurde unter seinen Leuten trotz Eisenkot-Kriegsführung wg “Nachgiebigkeit” kritisiert, nur Aussenseiter wie Barenboim gaben Kontra
  77. Wenn in der USA die Richtigen herrschen, wird das zB auch auf USA-Kritik ausgedehnt

Agana 1944 und was damit zusammen hängt

Die Sache 

Agana (heute Hagatna) ist die Hauptstadt der Insel Guam1. Dort ereigneten sich zu Weihnachten 1944 “Unruhen” innerhalb US-amerikanischer Truppen, die die Insel einige Monate zuvor von den Japanern zurückerobert hatten, im Pazifikkrieg; die Agana race riot.

Dazu ist zu sagen, dass es in den Streitkräften der USA damals noch immer getrennte Einheiten für Weisse und Schwarze gab. Im 2. WK gab es erstmals Schwarze in Kampfeinheiten, eigenen. Spannungen zwischen weissen und schwarzen Marines begannen im August ’44. Die dort praktizierte Rassentrennung war natürlich eine hierarchische, die Schwarzen standen deutlich unter den Weissen, in vieler Hinsicht. Ein schwarzer Marine verglich die Zustände in den militärischen Lagern auf der Insel mit einer Stadt “tief im Süden” (der USA). Ein Streitpunkt war(en) (bzw ergab sich aus) die einheimischen Frauen Guams bzw seiner Hauptstadt Agana (Agaña), die die US-amerikanischen Soldaten gelegentlich “aufsuchten”, ob gegen Bezahlung oder nicht. Nachdem bereits mehrmals weisse Soldaten (hauptsächlich der 3. Marines Division) versucht hatten, ihre schwarzen Kollegen (von der Marine 25th Depot Company) davon abzuhalten, die Stadt und ihre Frauen zu besuchen2, eskalierte zu Weihnachten 44 der Konflikt.

In einem Streit um eine Guamer Frau erschoss ein weisser Marine einen schwarzen in Agana. Anscheinend war das am 24. Dezember. Am nächsten Tag beschossen weisse Marines schwarze in der Stadt. Dies führte fast zu einem grösseren internen Kampf, nachdem die zum Militärlager zurückgekehrten Afro-Amerikaner LKWs entwendeten und in die Stadt fuhren. Die Militärpolizei, die nun einschritt, hielt sie davon ab, durch Strassensperren. Aber im Lager brachen nun Feuergefechte aus, zwischen Weissen und Schwarzen. Es gibt wenige Informationen über die rassischen “Unruhen” im US-Militär auf Guam 44; und darüber, wieviele Todes-Opfer es an diesem 25. Dezember gab. Es folgten jedenfalls Militärgerichts-Verfahren (anscheinend fast nur gegen Schwarze), Verurteilungen, 1946 Begnadigungen.

Jener in Agana war beileibe nicht der einzige Konflikt dieser Art in den Streitkräften der USA, auch nicht in diesem Krieg.

Am Militärstützpunkt Fort Lawton (Bundesstaat Washington) lebten 1944 US-amerikanische Soldaten (schwarze und weisse), deutsche und italienische Kriegsgefangene “zusammen”. Es kam zu einem Streit zwischen Afro-Amerikanern und Italienern, einem Kampf (1 toter Italiener), die (weisse) Militärpolizei griff ein, ein Militärgericht (mit weissen Offizieren) verurteilte Afro-Amerikaner… Camp Claiborne lag ausserhalb Alexandria (Louisiana). Auch dort US-amerikanische Soldaten und deutsche Kriegsgefangene. Und blatante Bernachteiligung der nicht-weissen Amerikaner, strikte Rassentrennung (auch in der baptistischen Kirche). Und Gegenwehr der Betroffenen, in Form einer Art Meuterei, die 1944 begann, wieder “Gegenreaktionen” nach sich zog,… Darüber hier; zu Beobachtungen zur Behandlung von Kriegsgefangenen aus Nazi-Deutschland oder aber Afro-Amerikanern etwa in Huntsville unten im Rassismus-Abschnitt mehr.

In einer Marine-Basis in Port Chicago (California) kam es im Juli 1944 in einem Munitionsdepot während des Beladen eines Schiffes für den Pazifikkrieg zu einer Explosion, die 320 Soldaten sowie Zivilisten tötete und Hunderte weitere verletzte. Die meisten davon waren wiederum Afro-Amerikaner, warum auch immer… Einen Monat später führten unsichere Arbeitsbedingungen beim Laden von Munition zu einer Meuterei von Marine-Soldaten in Port Chicago. 50 “Meuterer” wurden dafür (von einem Kriegsgericht) zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt; sie waren dann etwa eineinhalb Jahre inhaftiert. Infolge der Sache wurde die Rassentrennung in den Streitkräften etwas diskutiert. “Trennung” bedeutete (auch) hier kein gleichberechtigtes Nebeneinander, sondern zB die Delegation schwieriger und gefährlicher Aufgaben an jene, die in der Hierarchie unten standen. Verantwortliche für die Munitionsexplosion bzw die Arbeitsbedingungen wurden keine zur Verantwortung gezogen.

Abseits des Kriegsgeschehens, aber in Zusammenhang mit ihm, gab es 1943 in Detroit rassische Unruhen, die etwa 3 Tage dauerten. Auslöser waren soziale Spannungen durch die Umwidmung der Automobilindustrie der Stadt für Rüstungsprojekte, sowie der Zustrom Hunderttausender in die Stadt in den Jahren davor (Weisse und Schwarze). Die Nationalgarde von Michigan schlug die Unruhen nieder.

Während das Militär der USA die faschistischen Achsenmächte bekämpfte, gab es nicht nur “zu Hause” (in der USA) einen nicht zu übersehenden Rassismus (der hauptsächlich Afro-Amerikaner betraf), sondern auch in diesen Streitkräften. Der Sänger Harry Belafonte (Harold Bellanfanti), einer der Afro-Amerikaner, die im 2. Weltkrieg, in eigenen Einheiten, teilnahmen (er in der Marine): “Es ging für uns Schwarze nicht nur um Hitler und Europa, sondern auch um die USA”. Dort gab es auch nach diesem Krieg vielerorts noch Rassentrennung. Und Lynchjustiz. Der (1915 neu geründete) Ku Klux Klan wollte unter den Grand Wizards James Colescott und Samuel Green mit Nazi-Deutschland zusammenarbeiten – bis Pearl Harbor. Zu dieser Zeit wurde auch der pro-nazi German American Bund aufgelöst, mit dem der KKK zusammenarbeitete. Der “Klan” war damals nicht nur in den Südstaaten der USA (womit eigentlich der Südosten gemeint ist) aktiv, sondern zB auch in Detroit, bei den Unruhen von 1943. Der Urenkel vom wichtigsten Führer des ersten, originalen Klans, Nathan B. Forrest III (aus Tennessee), war General im USA-Militär in diesem Krieg, wurde ’43 über Kiel abgeschossen. Sein Kriegseinsatz sagt nichts über seine Haltung zu Nicht-Weissen aus (sein Vater war jedenfalls noch ein hohes KKK-Tier), nur dass er bereit war, für die globalen Machtinteressen der (weissen) USA zu kämpfen.3

Auch bei (bzw in) anderen Mächten diesen Kriegs gab es interne Konflikte, im Land und in der Armee. Auch in Nazi-Deutschland, man denke etwa an den militärischen Widerstand. Und, bei einem derart rassistisch ausgerichteten Regime gestalteten sich auch die Beziehungen zu Verbündeten “schwierig”, auch zu den engsten, Italien und Japan. In der Sowjetunion gab es Teile mehrerer Völker, die versuchten im Zuge des Krieges von der stalinistischen Herrschaft loszukommen, nicht zuletzt bei den Ukrainern. Bei den Briten waren es hauptsächlich verschiedene Kolonialvölker, die “ausscherten”. Ein Teil der Inder etwa. Oder die Srilanker, die auf Cocos Island meuterten. Dieser Konflikt weist eigentlich Ähnlichkeiten mit dem auf Guam auf: Hilfstruppen, die als rassisch minderwertig gesehen und erniederigend behandelt wurden, die sich wehrten, am Ende wurde aber die alte Ordnung wieder hergestellt. Die Afro-Amerikaner auf Guam stellten aber nicht ihre “Mission” dort, den Kampf für ihre Herren dort gegen die Japaner, in Frage. Die Kokos-Inseln liegen wie Guam “zwischen” Asien und Ozeanien, auch auf Neuguinea4 oder Timor trifft das zu.

Die Sache in Agana war eigentlich weder Meuterei noch Desertion noch Befehlsverweigerung, auch die erwähnten Ereignisse in Fort Lawton, Long Binh und Houston gehören in eine andere Kategorie, bei Camp Clairborne und Port Chicago handelte es sich um Meutereien.

1948 wurde die Rassentrennung (Segregation) in den US-Streitkräften von Präsident Harry Truman aufgehoben. Im Korea-Krieg gab es erstmals gemischte weiss-schwarze Einheiten im USA-Militär, theoretische Gleichberechtigung gab’s ab dem Vietnam-Krieg.

Die Gewalt unter US-Truppen auf Guam 1944 führt in den folgenden Kapiteln zur Geschichte Guams, zum 2. Weltkrieg bzw dazu relevanten Aspekten (Pazifik-Krieg, Kriegsende,…), zur Geschichte von Unruhen bzw gewaltsamen Auseinandersetzungen in der USA, schliesslich zum Thema Rasse und Rassismus in der USA.

Guam

Guam und die anderen Marianen-Inseln gehören zu Mikronesien, dem nördlichen Teil Ozeaniens. Der Begriff hat eine geografische wie eine ethnisch-linguistische Bedeutung.5 Guam und die nördlich “anschliessenden” Inseln Rota, Saipan, Tinian,… liegen nach Ost-Asien hin “offen”. Sie wurden vom portugiesischen Seefahrer in (damals) spanischem Dienst, Fernão de Magalhães/ Ferdinand Magellan 1521 entdeckt und besucht; zusammen mit jenem Archipel, der dann Filipinas benannt wurde. Es folgte die spanische Inbesitznahme, die Inselgruppe wurde Marianas (Marianen) genannt, nach der Königsgattin Maria Anna (Mariana) von Habsburg.6 Ab dem 17. Jh wurden die Marianas/Marianen von Spanien besiedelt (Kirchenleute, Händler, Soldaten,…), auch mit Leuten von den Filipinas/Philippinen.

Spanische Karte von Guam aus dem 18. Jh

Die Bevölkerung Guams und der anderen Marianen-Inseln wurde durch etwas (biologische) Vermischung mit Filipinos/Philippinos und kultureller Prägung durch die Spanier zu Chamorros7. “Häuptling” Matå’pang war einer der Anführer der Chamorros, die bis ins 17. Jh Widerstand leisteten, um die Beibehaltung der althergebrachten Kultur kämpften. Ein Kampf, der verloren ging.8 In der Rassen-Hierarchie der Spanier auf den Marianen standen Peninsulares ganz oben, das waren in Spanien geborene Spanier; es folgten Criollos, auf den Marianen geborene Spanier; dann Mestizos (Personen die von Partnerschaften9 von Chamorros und Spaniern abstammten), Filipinos, und ganz unten Chamorros, die “Urbevölkerung” der Inseln. Eingeschleppte Pocken töteten viele von diesen. Die Chamorros durften ihre Gobernadorcillos (Bürgermeister) wählen, ihre eigenen Angelegenheiten (im engsten Sinn) selbst verwalten. Die Marianen wurden zusammen mit den Philippinen verwaltet. Spanische Schiffe kamen aus Amerika (in der Regel aus Acapulco, Mexico, Neu-Spanien) in die pazifische Region, hielten am Weg zu den grösseren und wichtigeren Philippinen (Manila) auf den Marianen, wurden Manila-Galeonen genannt. Die Spanier bauten auf Guam Festungsanlagen, die zT heute noch stehen, wie das Fort Nuestra Señora de la Soledad in Umatac.

Indias orientales españolas (Spanisch Ost-Indien) war der Überbegriff für die spanischen Kolonien im ostasiatisch-pazifischen Raum. Neben Philippinen und Marianen schlossen diese Indias orientales auch die südlich an die Marianen angrenzenden Carolinas/ Karolinen (Yap, Palau/Palaos,…) mit ein. Diese wurden auch im 16. Jh von Spanien entdeckt und in Besitz genommen, wurden zeitweise Nuevas Filipinas genannt. Zeitweise, in der frühen Neuzeit, wurden auch die Molukken/Moluccas/Maluku, Sulawesi/ Celebes und Formosa/ Taiwan bzw Teile davon von Spanien beherrscht und in sein Ostindien inkludiert. Dieses Kolonialreich hatte etwa 350 Jahre bestand, von Mitte des 16. Jh bis Ende des 19. Es stand an Bedeutung für Spanien klar im Schatten von jenem in Amerika, war wahrscheinlich etwas wichtiger als die Kolonien in Afrika. Die Gebiete von Spanisch Ost-Indien wurden als Teil des Vizekönigreichs Nueva España/ Neu-Spanien (mit dem Zentrum Mexico Stadt) verwaltet, waren (seit 1565) im Generalkapitanat Philippinen (Capitanía General de las Filipinas) zusammengefasst. Anfang des 19. Jh verlor Spanien ja infolge der Napoleonischen Kriege in Europa10 den allergrössten Teil dieses Vizekönigreichs, seine Amerika-Kolonien, behielt nur Puerto Rico und Cuba, auf der Atlantik-Seite bzw in der Karibik.11

Der Verlust von Mexico veranlasste Manche in der spanischen Regierung, die Aufgabe von Guam, der anderen Marianen, sowie der Karolinen zu erwägen. Diese Gebiete waren einst, wie die Philippinen, von ihnen von Mexico (Mexiko) aus erobert, dann verwaltet und bewirtschaftet worden. Die Kolonien in Mikronesien wurden dann aber (noch) stärker mit den Philippinen verbunden, verwaltungsmäßig, wirtschaftlich,… Vor “Einführung” des Flug-Verkehrs, nach der Fertigstellung des Suez-Kanals und vor jener des Panama-Kanals, also im späteren 19. Jh, war dieses spanische Ostindien vom “Mutterland” lange Schiffsreisen entfernt. Guam wurde im 19. Jh als Walfänger-Station wichtig. Cuba (Kuba) und Puerto Rico waren näher bei Spanien und auch abgesehen davon die wichtigeren Kolonien. Die Sklaverei hat Spanien dort erst 1873 (Puerto Rico) bzw 1886 (Cuba) abgeschafft. Bis in die 1860er wurden Afrikaner dort hin verschleppt, zur Zwangsarbeit hauptsächlich auf Zuckerrohr-Plantagen.12 Seine anderen Amerika-Kolonien hatte Spanien Anfang des Jahrhunderts verloren, bevor eine Sklaverei-Abschaffung auf “den Tisch kam”. Darüber hinaus wurde die Peonage betrieben, eine der Sklaverei sehr nahe kommende Form der unfreien Arbeit. Auf Guam wurde das auch nicht für Chamorro praktiziert, da die Spanier dort kaum Plantagenwirtschaft betrieben. Was auch damit zu tun hatte, dass die Region immer wieder von Taifunen heimgesucht wird.

Mitte des 19. Jh waren waren die Indianer-Völker in der Osthälfte des Landes unterworfen, wurde die kontinentale Ausbreitung der USA komplettiert durch Aneignungen mexikanischen Territoriums.13 Wahrscheinlich ist der Beginn des Imperialismus der USA mit der Eroberung grosser Teile Nord-Mexicos anzusetzen. Der Westen der USA war ein “wilder”, in dem die Indianer noch unterworfen werden mussten. Was in der zweiten Hälfte des 19. Jh geschah, mit dem Wounded Knee-Massaker weitgehend zum Abschluss kam. Am Weg vom Gadsen-Kauf (eines weiteren Teil Mexicos) zu Wounded Knee (1890) war der Kauf Alaskas von Russland (1867) gewissermaßen eine Zwischenstation. Und auch durch den Guano Islands Act von 1856 wurde das US-amerikanische Staatsgebiet vergrössert.14 Hinzu kam die “Öffnung” Japans, die Beteiligung an der “Öffnung” Chinas,… In dieser Phase, dem späteren 19. Jh, kamen aus/in der USA, als Unterpfand dieses Imperialismus, Manifestationen eines Auserwähltheitsanspruchs, der sich nur auf bestimmte Bevölkerungsteile als “Träger” dieses Staates bezogen, die herrschenden Anglosachsen (und an sie Assimilierte).

Beim Historiker John Fiske gab es das Konzept einer “angelsächsischen (rassischen) Überlegenheit”, beim protestantischen Geistlichen Josiah Strong die Verbindung dieses Anglo-Saxonism mit pseudo-christlichen Ideen, ein US-amerikanischer Imperialismus sei eine Missionierung, bedeute eine Zivilisierung für die Welt. Beim Politiker Theodore Roosevelt (zum Teil niederländischer Herkunft, aber das waren/sind zB die genannten “Assimilierten”/Aufgenommenen) gab es auch diesen rassi(sti)schen Imperialismus, und er war entscheidend an seiner Umsetzung beteiligt. Der Politiker der Republican Party und Militär hat mit seiner Meinung über Nicht-Weisse nicht hinter dem Berg gehalten. Die Sklaverei (von Afrikanern) sei deshalb ein Verbrechen, weil sie Afrikaner nach Amerika brachte. 1886 in einer Rede in New York über “Indianer”, die verbliebenen in der USA: “I don’t go so far as to think that the only good Indians are dead Indians, but I believe nine out of ten are, and I shouldn’t like to inquire too closely into the case of the tenth. The most vicious cowboy has more moral principle than the average Indian.” Das war vier Jahre vor dem Wounded Knee-Massaker, als es fast keinen Widerstand mehr von den Indianern gegen die USA gab, diese schon unterworfen waren.15

Als Vize-Marineminister war er entscheidend an der Vorbereitung des Kriegs gegen Spanien um dessen Kolonialgebiete in der Karibik und im Pazifik beteiligt, dann auch als Offizier in diesem Krieg. Das Ende des 19. Jh war in der USA gekennzeichnet vom Beginn der “Progressiven Ära”, die auf das Gilded Age folgte, eine Ära die von aussenpolitisch-militärischen Erfolgen, Wirtschaftswachstum, Technisierung, wissenschaftlichen Innovationen, Einwanderung gekennzeichnet war. Der Spanisch-Amerikanische Krieg 1898 war so etwas wie die Einleitung zur letzten Phase der Expansion der USA, gleichbedeutend mit ihrem Aufstieg zur Weltmacht/Weltpolizist. Es war der erste grössere Krieg der USA nach Abschluss der Festland-Expansion und nach dem Bürgerkrieg (oder: Sezessionskrieg), er war relativ kurz und leicht.

Der Krieg USA-Spanien 1898 in und um Cuba, Puerto Rico, Guam, Philippinen dauerte 10 Wochen. Präsident William McKinley startete ihn nach dem Sinken des Kriegsschiffes „USS Maine“ im Hafen von Havanna, das den Spaniern in die Schuhe geschoben wurde.16 Die “Maine” war ab 1897 in den Gewässern der damals spanischen Kolonie Cuba eingesetzt worden, im Jänner 1898 ging sie vor Havanna vor Anker, um durch ihre Anwesenheit Druck auf die Spanier auszuüben. Die Hearst- und Pullitzer-Presse hatten lange für diesen Krieg getrommelt, wie auch viele Politiker, brachte “Mitgefühl” für die Untertanen der Spanier zum Ausdruck, die wirtschaftlichen und strategischen Gründe oft hinter dem Berg haltend. Es ist diese Rhetorik, die US-amerikanische Militäraktionen praktisch immer begleitet, ob Panama 1989 oder Irak 2003…es geht um Hilfe für die Menschen dort.

Von den verbliebenen spanischen Kolonien war Cuba am wichtigsten, dann kam Puerto Rico, die Marianen und die anderen Pazifikgebiete, dann die Afrika-Kolonien; sowohl für Spanien als auch für die USA, die es darauf abgesehen hatten. Das Generalkapitanat Philippinen, also die eigentlichen Philippinen, die Marianen, und die Carolinen, wurde ab 1821 (Ende Neuspanien) direkt von Madrid aus verwaltet. Diese Gebiete wurden von Spanien im 19. Jh “vernachlässigt”. Auf den Philippinen gab es eine Unabhängigkeits-Bewegung (wie auf Cuba), gelegentliche Aufstände17, und eine starke spanische Präsenz nur auf der “Hauptinsel” Luzon. Die Marianen (mit ihrer Hauptinsel Guam) hatten die letzte Botschaft aus Spanien im April 1898 erhalten, einen Monat bevor die USA den Krieg erklärten. “Teddy” Roosevelt verliess seinen Vizeminister-Posten, um als Colonel/Oberst in den Krieg auf Cuba zu ziehen; die Schlacht bei den Hügeln von San Juan im Sommer 1898, mit seinen “Rough Riders”, war eine entscheidende am dortigen Kriegsschauplatz Cuba. In der USA erfreute man sich daran, dass “Nordstaatler und Südstaatler”, “Weisse und Schwarze” in diesem Krieg zusammen kämpften. Einige Konföderierten-Generäle, wie Joseph Wheeler, hatten diesen Rang nun in der “Bundesarmee” inne. Afro-Amerikaner kämpften in eigenen Einheiten; Führer der Afro-Amerikaner wie Booker Washington waren grossteils überzeugt, dass sie die richtige Seite unterstützten mit dem Krieg (nicht zuletzt die Schwarzen auf Cuba gegen weisse Spanier)18.

Roosevelt mit seinen Rough Riders in Cuba 1898

In den Kriegsschauplatz Pazifik (Philippinen, Guam) stach die USA-Flotte von Kalifornien aus, fuhr über Hawaii (das von der USA noch nicht ganz in Besitz genommen war). Auf den Philippinen begannen im Mai 1898 die Kämpfe mit den Spaniern (unter den am Ende rasch wechselnden Generalgouverneuren, wie Basilio Augustin) und ihren philippinischen Hilfstruppen, gingen bis August. Am 20. Juni kam der Kreuzer “USS Charleston” unter Kapitän Henry Glass mit einigen Begleitschiffen vor Guam an, fuhr den Hafen Apra an. Die “Charleston” feuerte eine Runde auf das Fort Santa Cruz, ohne eine “Antwort” zu bekommen. Es heisst, es erschienen dann zwei einheimische Offizielle, nicht wissend dass ein Krieg erklärt worden war, im Glauben, das “Feuer” sei ein Salut gewesen. Am nächsten Tag schickte Glass Soldaten auf die Insel, um die spanischen Infanteristen (54 sollen es gewesen sein) und den spanischen Statthalter gefangen zu nehmen. Sie wurden von der “Charleston” als Kriegsgefangene auf die Philippinen gebracht (wo die Eroberung alles andere als unblutig verlief). Keine Soldaten wurden zurück gelassen, bis die “USS Bennington”, ein anderes Kriegschiff erschien. Und das war erst Anfang 1899.19 Die Einnahme der Insel war deshalb so gewaltlos, weil sie für Spanien ziemlich unwichtig war. Im Dezember 1898 wurde Guam von der USA (Präsident McKinley) bereits der Kontrolle seiner Marine unterstellt.

Die “USS Charleston” bei der Anfahrt auf Agana

Im Dezember 1898 wurde in Paris ein Vertrag zwischen der USA und Spanien abgeschlossen, darin musste Spanien Cuba, Puerto Rico, Philippinen und Guam (ohne die restlichen Marianen) an die USA abtreten. Der Vertrag trat Anfang 1899 in Kraft, nach den Ratifikationen durch die beiden Parlamente. Er beinhaltete eine Entschädigungszahlung der USA. Die Kriegsniederlage und der Verlust seiner Kolonien in der Karibik und im Pazifik, nach fast 400 Jahren, verursachte ein nationales Trauma für Spanien, das sich nun endgültig von der Vorstellung, noch eine Grossmacht zu sein, verabschieden musste. Wie erwähnt war Cuba (Kuba) für Spanien die bei weitem wichtigste dieser Kolonien gewesen. Die restlichen Marianen sowie die Karolinen blieben vorerst spanisch. Daneben “besaß” Spanien nun “nur” noch einige Gebiete in Afrika: Rio Muni, Bioko (Fernando Pó) und Annobon in Zentral-/Westafrika (die Spanien Ende des 18. Jh von Portugal übernommen hatte), wurden im 20. Jh zu Spanisch-Guinea vereinigt; Gebiete im Norden (Ceuta, Melilla,…) und Süden (Ifni, Juby) von Marokko (Spanisch-Marokko); die West-Sahara (kurz vor dem Spanisch-Amerikanischen Krieg erobert; Spanisch-Sahara); und die vor Afrika liegenden Kanaren.20

Es war die Zeit von König Alfons(o) XIII., Sohn einer Habsburgerin, der eine Mountbatten geheiratet hatte. Dieser letzte spanische König (1886-1931) vor Juan Carlos (dessen Grossvater er war) hielt Spanien dann im 1. WK neutral, unterstützte die De Rivera-Diktatur, versuchte mit aller Gewalt, wenigstens die spanische Herrschaft im Norden Marokkos zu behaupten, im Rif-Krieg (1920–1926), weshalb er auch “Alfonso el Africano” genannt wurde.21 Dieser Rifkrieg prägte Francisco Franco; der rechte Putschversuch gegen die Zweite Republik unter ihm 1936 (aus dem sich der Bürgerkrieg entwickelte) wurde dann auch von Marokko aus begonnen.

Der Spanier Julio Cervera, der in Puerto Rico gekämpft hatte, veröffentlichte danach ein Pamphlet, in dem er die auf Puerto Rico Einheimischen für die dortige Niederlage gegen die USA verantwortlich machte.22 Nach den Verlusten im Krieg gegen die USA machte die “Beibehaltung” der restlichen Pazifik-Kolonien (nördliche Marianen, Carolinen mit Palau) für Spanien keinen Sinn mehr. Das Königreich verkaufte sie daher 1899 an das Deutsche Reich.23 Das sie seinem Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea angliederte. Im 1. WK besetzte Japan die deutschen Gebiete in Ostasien und Ozeanien, bekam die ozeanischen Gebiete in Versailles zT als Mandatsgebiet zugesprochen24. Im Zweiten Weltkrieg eroberten USA-Truppen diese Inseln, bekamen sie danach zugesprochen. Das betraf also die Nord-Marianen, Karolinen (mit Palau), Marshall-Inseln. Die nördlichen Marianen sind, genau wie die südlichste Insel des Marianen-Archipels, Guam, noch immer amerikanisch, als Aussengebiete (Unincorporated United States possessions). Die Carolinen wurden getrennt, in Vereinigte Staaten von Mikronesien und Palau, beide sind nun unabhängig, assoziiert mit der USA. Die USA wurde und ist dominierende Macht in der Region Mikronesien25, so dass sie zB auf dem Bikini-Atoll (Marshall-Inseln) nach dem 2. WK in Ruhe Atomwaffenversuche durchführen konnte. So wie auch andere Westmächte in dieser Zeit im Pazifik Atomwaffenversuche machten.

Guam ist also seit 1898 getrennt von den anderen Marianen-Inseln (mit denen es unabhängig von den Spaniern viel gemeinsam hat), blieb das auch nachdem die Nord-Marianen im 2. WK auch US-amerikanisch wurden. Guam wurde eine grosse Marinebasis für die USA. Apra blieb der wichtigste Hafen (auch für zivile Schiffe), wurde ausgebaut. Da Schiffe nicht genug Kohle für die Fahrt von Hawaii auf die Philippinen mitnehmen konnten, wurde Apra hier Zwischenstation. In Piti entstand bald eine Marine-Schiffs-Werft, in Sumay eine Kaserne,… Wie schon unter den Spaniern war/ist Guam eine wichtige Zwischenstation für Schiffe auf dem Weg von und zu den Philippinen/Pilipinas. Kokosnüsse wurden unter der USA auf Guam verstärkt angebaut.

Begleitet wurde die Inbesitznahme von einer Rhetorik, die schon vor dem Krieg gegen Spanien ertönte, nun zB vom ersten Militär- (Marine-) Gouverneur der USA für Guam, Richard Leary, kam: Die Kolonisierung Guams erfolge zum Schutz der (dort) Bedürftigen, mit Hilfe für die Bedürftigen,… Die “New York Times” jubelte 1900: “No more Slavery in Guam. Capt. Leary Ordered Its Abolition on Washington’s Birthday”.26 Es ist die protzende Rhetorik, die Eroberungen und Machtübernahmen generell begleitet. Nicht viel anders, wenn Daesh/IS irgend ein Gebiet übernimmt. Das Diktat über das Leben Anderer wird als Barmherzigkeit und Grosszügigkeit dargestellt.

Die Aufteilung des USA-Festlandes in Bundesstaaten war zum Zeitpunkt der amerikanischen Eroberung Guams noch nicht komplett, das war sie erst 1912, als Arizona 48. Bundesstaat wurde. Von den später angeeigneten und ausserhalb des geschlossenen Staatsgebiets gelegenen Gebieten wurden nur Alaska und Hawaii Bundesstaaten, 1959. Für Guam kam das damals schon gar nicht in Frage, als weit entfernte Insel, von Nicht-Weissen bewohnt, die nicht Englisch-sprachig und katholisch waren. Bei Cuba und Philippinen war die Sache ähnlich. Der Krieg gegen Spanien war der erste der USA, dessen Beute weder damals noch später zu Bundesstaaten “aufgewertet” wurde. Der US Supreme Court musste sich 1901 bis 1904 immer wieder mit dem Status der neuen Gebiete befassen (die “Insular Cases”), nannte sie schliesslich “unincorporated territories”, in denen die Verfassung der USA nicht vollständig galt, die nicht für Bundesstaatlichkeit vorgesehen waren, deren Bewohner (vorerst) nicht USA-Staatsbürger werden sollten.

Strategisch wichtig waren diese Gebiete aber, wirtschaftlich auch zum Teil. Die Bevölkerung Guams, die Chamorros, bekamen keine Selbstregierung. Ab 1917 durfte zeitweise ein Kongress von Notabeln Guams zusammentreten, der den amerikanischen Militärgouverneur beraten durfte. Militärgouverneur Willis Bradley liess ab 1931 eine Art Inselparlament (Guam Congress) wählen, daneben auch Bürgermeister.27 Es kamen viele Einschränkungen für die Guamesen: ihrer Sprache und Bräuche etwa. Und, es sollen auch Partnerschaften mit Amerikanern, die nun auf die Insel kamen, verboten worden sein… Manche Guamesen bzw Chamorros von dort wanderten auf die nördlichen, japanischen Marianas aus, da sich diese wirtschaftlich anders entwickelten.

Etwas ganz Anderes: die tiefste Meeres-Stelle überhaupt ist ja der Marianen-Graben. Dieser liegt östlich der Marianen-Inseln, wurde nach der Inselgruppe benannt. Ab Ende des 19. Jh wurde der Meeresgraben von Schiffen ausgelotet; 1875, also noch in spanischer Zeit, von der Besatzung der britischen “HMS Challenger”, die eine Stelle mit über 8000 Meter Tiefe maß. 1899 wurde von dem US-amerikanischen Schiff „Nero“ per Drahtlotung eine Meerestiefe von 9 660 Meter ermittelt. 1960 tauchte der Schweizer Jacques Piccard mit seinem Tauchboot auf über 10 000 m, fast die Maximaltiefe.

Auf Cuba hat es im 19. Jh Unabhängigkeits-Bestrebungen ggü Spanien gegeben. Von 1868 bis 1878 gab es einen grösseren Aufstand, der als „10-Jahres-Krieg“ bezeichnet wird. Es standen sich gegenüber: Tabak-Pflanzer aus dem Osten der Insel, die für Unabhängigkeit und Sklavenbefreiung kämpften, und die Zuckerpflanzer aus dem Westen, die die spanischen Truppen unterstützten (und die Sklaverei beibehalten wollten). Die weisse/spanische Bevölkerung im Westen war dominiert von „Criollos“ (auf Cuba Geborene/Eingewurzelte), jene im Osten von „Peninsulares“ (Einwanderern aus Spanien). Es gab aber auch Zucker-Pflanzer, die gegen Sklaverei und für Unabhängigkeit waren (wie Carlos M. de Céspedes) und Unabhängigkeits-Befürworter, die die Sklaverei beibehalten wollten. Es folgten weitere Aufstände, 1879-80, und jener der 1895 begann und bis zur amerikanischen Eroberung 1898 lief, unter Jose Martí.28

Marti (1853-95), ein Weisser, hatte zur USA eine äusserst ambivalente Haltung – die vielleicht das Verhältnis zwischen Cuba und USA antizipierte. Unter US-amerikanischer Herrschaft ab 1898 wurden (bzw blieben!) die früher versklavten Afro-Cubaner zu Lohnarbeitern, ohne dass sich dadurch ihre soziale Lage entscheidend besserte. Und, es wurden Formen von Peonage betrieben. 1902 wurde Cuba von der USA in die Unabhängigkeit entlassen29, doch der Inselstaat war, wie die gesamte mittelamerikanisch-karibische Region, dem “grossen Bruder” ausgeliefert. Die Bucht von Guantanamo behielt sich die USA; und zwischen 1902 und 1959 ankerten immer wieder US-Kriegsschiffe im Hafen von Havanna, um nicht genehme Regierungen abzusetzen oder wirtschaftspolitische Entscheidungen zugunsten der USA zu erzwingen. In der Guanatanmo-Bucht wurde ein amerikanischer Militärstützpunkt errichtet, 2002 dort die Einrichtung des berüchtigten Gefangenenlagers.

Keinem der vier von den Spaniern eroberten Gebiete wurde eine echte Unabhängigkeit gewährt. Und keines dieser Gebiete, mit nicht-weisser und nicht-englischsprachiger Bevölkerung, bekam einen Status als Bundesstaat der USA; Einwanderer von dort in das Festland der USA wurden und werden auch nicht als Binnenwanderer gesehen. Auf den Philippinen gab es bald einen Aufstand gegen die USA-Herrschaft. Der Aufstand gegen die Spanier hatte ja 1896 begonnen, war (wie die Unabhängigkeitsbestrebungen in Cuba und Puerto Rico) von der USA paternalistisch “unterstützt” und zur Rechtfertigung ihres Eroberungskriegs heran gezogen worden… Nach der Niederlage der Spanier in der Bucht von Manila riefen die Unabhängigkeits-Aktivisten, die die Amerikaner bei ihrer Eroberung zT unterstützt hatten, nun, 1898, die Unabhängigkeit der Philippinen (als Republik) aus. Dies waren die Militärherrscher der USA nicht zu akzeptieren bereit, und die Unterdrückung der Unabhängigkeit führte 1899 zu einem neuen Aufstand, der von den Amerikanern bis 1902 niedergeschlagen wurde. Nach diesem Krieg wurden die “Rebellen”-Führer wie Emilio Aguinaldo und Apolinario Mabini von der USA auf Guam exiliert. Die amerikanische Herrschaft 1898-1946 wurde von der japanischen (1941-45) unterbrochen. Die kommunistische Hukbalahap-Miliz unter Luis Taruc kämpfte gegen die Japaner, dann (46-54) gegen den (mit der USA verbündeten) philippinischen Staat.30

Der Krieg 1898 verstärkte das Selbstbild der USA enorm, als “Verteidiger der Demokratie”, als “Gerechte im Dienst des gerechten Anliegens”31 – trotz imperialistischer eigennütziger Expansion, Jim-Crow-Gesetzen im Süden bzw Südosten der USA,… Der Marine-Offizier und Historiker Alfred T. Mahan begründete mit seinem 1890 veröffentlichten Buch “The Influence of Sea Power upon History” die moderne USA-Marine-Doktrin der Seeüberlegenheit. Der Sieg über Spanien war so etwas wie der Eintritt der USA in die Weltpolitik, der endgültige Aufstieg zur Grossmacht. Präsident McKinley annektierte noch 1898 Hawaii, wo es schon einige Jahrzehnte mitmischte, angestachelt von dem Nationalismus, der im Zuge des Krieges aufkam. Und Theodore Roosevelt kehrte als Kriegsheld aus Cuba in die Politik zurück, wurde 1899 Gouverneur von New York. Der britische Autor Rudyard Kipling war während eines USA-Aufenthalts mit “Teddy” Roosevelt persönlich bekannt geworden, schrieb nach dem Krieg das “Gedicht” “The White Man’s Burden” (Des weissen Mannes Bürde bzw Last). Um die Jahrhundertwende, zum Höhepunkt der westlichen/ europäischen Weltherrschaft. Der Literatur-Nobelpreisträger von 1907 wollte den damaligen Gouverneur zu einer weiteren imperialen Ausdehnung der USA motivieren, diese einmahnen. Die Kolonialisierung Nicht-Weisser sei ein humanitärer Akt, eine Wohltat für die Welt.32

Ob „Teddy“ Roosevelt diese Ermunterung nötig hatte? Zu Beginn des 20. Jh erklärte er, “It is manifest destiny for a nation to own the islands which border its shores.” Diese „offensichtliche Bestimmung“ gestand er natürlich nicht allen Nationen zu, im Gegenteil… 1901 wurde Roosevelt Vizepräsident unter McKinley, nach dessen Wiederwahl; nach etwa einem halben Jahr nach dem Mordanschlag (durch einen polnischen Anarchisten) auf diesen rückte er zum Staatspräsidenten auf, herrschte bis 1909. Die Republikanische Partei wurde in dieser Zeit allmählich die rechte Partei der USA, die Demokraten wurden “links”, aber das auszuführen, würde jetzt zu weit (weg) führen. 1904 verkündete Roosevelt seine “Corollary” (Zusatz) zur Doktrin eines seiner Amtsvorgänger, James Monroe, von 1823, die beanspruchte, den amerikanischen “Doppelkontinent” gegenüber europäischer “Einmischung” frei zu halten. De facto beanspruchte die USA damit eine Hegemonie über Lateinamerika und Karibik. Dies formulierte Roosevelt in seiner Ergänzung auch offen so, und er setzte diese Auffassung von “Schiedsrichterfunktion” und “Interventionsrecht” der USA im südlicheren Amerika auch um. Eine Politik des Isolationismus hat die USA eigentlich nie betrieben, es änderten sich aber immer wieder die Auffassungen von “eigenen Angelegenheiten”.

Diese Verkündigung Roosevelts kam nach der “Venezuela-Krise” von 1902/03.33 Venezuelas Präsident Cipriano Castro weigerte sich, Auslandsschulden des Landes zu bezahlen; darauf hin verhängten Grossbritannien, Deutsches Reich und Italien eine Seeblockade gegen das Land. Castro nahm an, dass die USA aufgrund der Monroe-Doktrin eine solche Intervention europäischer Mächte in Amerika nicht hinnehmen würde. Doch Teddy Roosevelt hatte, welche Überraschung, kein Problem damit. Nur gegen eine Inbesitznahme von Territorium auf dem amerikanischen Kontinent sei man, hiess es damals von der US-amerikanischen Regierung. In Roosevelts “corollary” hiess es dann auch, die USA würden Ansprüche europäischer Staaten gegenüber südamerikanischen helfen durchzusetzen, quasi in deren Namen. Und, Roosevelt dehnte den Hegemonienaspruch der USA 1904 auf die ganze “westliche Hemissphäre” aus. Natürlich nur zum Wohle Aller.

Roosevelt beanspruchte eine Führungsrolle für die USA in der Welt34, erklärte dazu, dass er “sanft sprechen und einen grossen Stock” tragen würde. Dieser Stock war die Marine der USA. 1907 schickte er die “Great White Fleet” auf eine Weltumfahrt, als Machtdemonstration, einen Verband von Marineschiffen, der 1909 zurück kam. “Teddy” Roosevelt sagte, er lehne “Imperialismus” ab, wolle sich stattdessen “Expansionismus” zu eigen machen. Er begann dann mit den „Bananen-Kriegen“ (Banana Wars), militärischen Interventionen im zirkum-karibischen Raum, meist durch das Marine Corps, teilweise in Form von Kanonenbootpolitik. Teilweise wird der Spanisch-Amerikanische Krieg auch schon dazu gerechnet, der den Karibik-Raum geopolitisch veränderte.

Der Ausdruck stammt von einem Lester Langley aus den 1980ern. Im Krieg gegen Spanien 1898 musste die USA ein Kriegsschiff noch aus Kalifornien über Kap Hoorn in die Karibik schicken. 1903 “erzwang” die USA unter Roosevelt von Kolumbien die Abtrennung von dessen Departemento del Istmo, wo ein Kanal gebaut werden sollte. Ein Bau-Abkommen zwischen Kolumbien und USA war 1903 vom kolumbianischen Parlament abgelehnt worden. Darauf hin unterstützte man in dieser Provinz eine “Unabhängigkeits-Bewegung”, und schon erklärte “sich” diese als “Panama” unabhängig. Gegen eine Intervention Kolumbiens kreuzten amerikanische Kriegsschiffe auf… Anderswo ging es auch um Bananen, bzw die Interessen der United Fruit Company.

US Marines Nicaragua 1926 mit erbeuteter Sandinisten-Fahne

Bis in die 1930er, zu Franklin D. Roosevelts „Nachbarschaftspolitik“ gingen diese Interventionen im zirkumkaribischen Raum, dem „Hinterhof“ der USA, aus wirtschaftlichen und strategischen Interessen. Danach hat die USA dort und in Lateinamerika meist nicht mehr direkt militärisch eingegriffen, aber umso mehr über Klientelpolitik, Geheimdienstaktionen, Wirtschaftskriege,… Es handelte sich bei den “Bananen-Kriegen” nach der erzwungenen Panama-Abtrennung von Kolumbien meist um Interventionen ohne territoriale Akquisition. Es kamen aber im 20. Jh u.a. noch die Virgin Islands (damals Dansk Vestindien) zur USA, wenn auch nicht als Bundesstaaten. Anderswo wurden “nur” Militär-Stützpunkte errichtet, Marionetten-Regime eingesetzt oder wirtschaftlicher Einfluss gesichert. Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson waren beides Interventionisten, Roosevelt begründete dies machtpolitisch, Wilson (der erste Südstaatler als Präsident nach Sezession/Bürgerkrieg) pseudo-ethisch.35 Noch heute gibt es diese zwei Varianten, Trump vertritt auch die ehrliche, Bush jun. noch die verlogene. Wilson liess während der Mexikanischen Revolution bzw dem Mexikanischen Bürgerkrieg (ca. 1910-1920) auch wieder dort intervenieren. Und zwar 1914 in Veracruz an der Karibik-Küste, nach dem so genannten „Tampico-Zwischenfall“, bzw mit ihm als Vorwand.36 In den 1. WK führte Wilson die USA dann „gegen Despotismus und für Demokratie“. Es war der endgültige Aufstieg zur Weltmacht.

Agana vor dem 2. WK

1940 zog ein verheerender Taifun über Guam, die Marianen, Mikronesien,…Am 7. Dezember 1941 der Angriff des japanischen Militärs auf den US-Marinehafen Pearl Harbor auf Oahu, Hawaii. Stunden später griffen Japaner Guam, ein anderes USA-Aussengebiet, an, in der “ersten Schlacht um Guam”, nahmen die Insel in wenigen Tagen ein. Der amerikanische Militär-Gouverneur McMillin wurde gefangen genommen, der zuvor angesichts der Spannungen die meisten Amerikaner evakuieren hatte lassen. Die Guamesen/Chamorros wurden sich selbst überlassen, anscheinend auch jene, die im Militär der USA dienten…37 Die japanische Herrschaft (zweiundeinhalb Jahre) brachte für Guam eine Wiedervereinigung mit den anderen, nördlicheren Marianen-Inseln, die ja seit dem 1. WK japanisch waren. Chamorros wurden nun von dort nach Guam gebracht, u.a. um zu übersetzen. Die guamesischen Chamorros wurden als Kriegsgefangene, als Unterworfene behandelt, die nord-marianischen halfen diesen Besatzern (gewissermaßen) – dies verstärkte die Kluft zwischen den Chamorros auf der südlichsten Marianen-Insel und jenen auf den nördlicheren, ist bis heute ein Thema!

Die Schlacht von Midway (eine der “Guano-Inseln”) im Juni 1942 wird ja das “Stalingrad des Pazifikkriegs” genannt, da es dort eine Kriegswende einleitete. Im Juli/August 1944 die “zweite Schlacht um Guam”, die Amerikaner eroberten Guam zurück (u.a. mit Flächenbombardements), die japanischen Verteidiger leisteten fast drei Wochen lang erbitterten Widerstand.38 Ihr Kommandeur Hideyoshi Obata beging rituellen Selbstmord (Seppuku). Am “Liberation Day” wird bis heute dem Beginn der Kämpfe am 21. Juli gedacht. Einzelne japanische Soldaten, die sich der Gefangennahme entziehen konnten, verübten nach der Rückeroberung der Insel durch die Amerikaner noch verschiedentlich Anschläge oder versteckten sich. Die nördlichen Marianen nahmen US-Truppen schon zuvor von Japan ein. Guam wurde noch während der Kampfhandlungen, wie zuvor schon Saipan oder Tinian, mit amerikanischen Militärstützpunkten “übersät”.

Japanische Kriegsgefangene Guam

1945 kam die „USS Indianapolis“, eines der USA-Kriegsschiffe, die 1941 nicht in Pearl Harbor waren, auf die Marianen. Die „Indianapolis“ hatte im Frühling ’45 die US-amerikanische Landung auf den japanischen Inseln Iwo Jima und Okinawa unterstützt, die letzten Kriegshandlungen vor den Atombombenabwürfen. Anschliessend brachte sie Teile der Atombombe „Little Boy“ auf die Marianen-Insel Tinian, wo diese getestet wurde. Danach fuhr die „Indianapolis“ nach Guam, Militärpersonal absetzen, anderes aufnehmen; am Weg zu den Philippinen wurde sie dann noch nahe Guam versenkt, im Juli 45, von einem japanischen U-Boot; es gab 800 Tote, durch Ertrinken, Hai-Angriffe,… Es war dies die grösste Marine-Opferzahl von einem Schiff in der USA-Geschichte; Gerettete wurden nach Guam gebracht. Im August 45 startete die „Enola Gay“ von Tinian, warf die Atombombe dann über Hiroshima ab. Die Marianen, gerade von Japan erobert, hatten sich als “unsinkbarer” Flugzeugträger bewährt, gegen Japan.

Die maximale geographische Ausdehnung direkter US-amerikanischer Kontrolle war nach dem 2. WK gegeben, nach der Kapitulation des “Grossdeutschen Reichs” und dann Japans, und vor der Unabhängigkeit der Philippinen 1946. Man kann aber auch die Phase nach Ende des Kalten Kriegs, als die USA (damals von Clinton regiert) auch Russland (unter Jelzin) gewissermaßen “kontrollierte”, als Höhepunkt amerikanischer Machtausübung sehen. Seit Franklin Roosevelt sind US-Präsidenten (zumindest) so etwas wie Welt-Mit-Beherrscher. Wie erwähnt, kamen Ende des 19., Anfang des 20. Jh einige Gebiete unter Kontrolle der USA, die nicht Bundesstaaten wurden, Gebiete die zum “kontinentalen” Staatsgebiet keine Verbindung haben und eine nicht-weisse Bevölkerungsmehrheit (oder fast unbewohnt sind, wie die “Guano-Inseln”). Es gibt unterschiedliche Status und Bezeichnungen (Insular Areas, Outlying territories, Commonwealth, Incorporated territory, Unincorporated territory, dependent territory,…). Manche wurden aufgegeben über die Jahrzehnte hindurch, wie die Panamakanal-Zone, Palau, Philippinen, Mikronesien, Cuba; in der Regel verblieben dort US-Militär-Basen. Andere Eroberungen, wie Puerto Rico, Guam und (nördliche) Marianen wurden behalten.

Infolge des 2. WK kam es also zu einer Art “Wiedervereinigung” von Guam und den anderen Marianen, da beide Gebiete nun unter USA-Herrschaft standen, sie blieben aber dennoch getrennt. Auch die Nord-Marianen wurden nach diesem Krieg von der USA (weiter) militärisch intensiv genutzt. In der Bevölkerung Guams (Chamorros, Philippinos, Mischlinge, Weisse) gab es nun Verlangen nach Selbstregierung und Aufwertung des Status innerhalb der USA, auch vom Inselparlament. 1949 unterschrieb USA-Präsident Harry Truman den Organic Act, ein Gesetz39, das Guam (seinem Parlament) Autonomie für “innere Angelegenheiten” einräumte. Statt eines amerikanischen Militärgouverneurs gab es nun einen (ernannten) zivilen amerikanischen Gouverneur. Die (nicht-weissen) Guamer/Guamesen bekamen die Staatsbürgerschaft der USA; durften aber nicht an US-amerikanischen Wahlen teilnehmen. Seit 1946 steht Guam auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung, die UN nahm und nimmt die Entkolonialisierungsfrage relativ ernst. Wie bei Puerto Rico gab und gibt es auf Guam die drei Optionen Verlangen nach Bundesstaatlichkeit (oder anderer Formen stärkerer “Integration” in der USA), nach Selbstständigkeit (Unabhängigkeit), Beibehaltung des jetzigen Status. Man kann die „Erhebung“ zur Bundesstaatlichkeit als Akt der Gleichberechtigung sehen oder aber als (“verbindlichere”) Annexion.

1949 wurde eine Commercial Party gegründet, als erste Guamer Partei. Vor der Wahl 1950 wurde sie in Popular Party umbenannt. Bei den folgenden Wahlen gewann sie fast alle Sitze im Parlament Guams. 1956 spaltete sich ein Teil als Territorial Party ab, was an der Dominanz der PP zunächst nichts änderte. Nachdem sie sich mit der US-amerikanischen Democratic Party verbunden hatte, wurde sie 1964 zur Democratic Party of Guam. Die Territorial Party gewann die Wahl 1964, danach kehrte die Dominanz der Democratic Party zurück. 1966 wurde sie zur Republican Party of Guam, nachdem sie sich mit den amerikanischen Republikanern zusammengeschlossen hatten. Seither gleicht das Parteiensystem auf der Insel dem US-amerikanischen. Anscheinend spielt die ethnische Zugehörigkeit keine bestimmende Rolle bei dieser Dichotomie, eher die Klassen-Zugehörigkeit. Inzwischen sind längst nicht mehr alle Guamer/Guamesen Chamorro, es sind inzwischen unter 40%. Hat mit der Einwanderung zu tun, aber auch mit der Auswanderung von chamorrischen Guamern, eine Diaspora gibt es in anderen Teilen der USA (Hawaii, California,…).

Die Einwanderung von Philippinos begann schon zur spanischen Zeit, heute stammen über 25% der Guamer von diesem Archipel in der Nachbarschaft, mit dem Vieles verbindet. Weisse, überwiegendst eingewanderte Amerikaner, machen unter 10% aus. Dann gibt es noch eingewanderte Ozeanier (v.a. von der ehemaligen Carolinen-Insel Chuuk, heute bei den Föderierten Staaten von Mikronesien) und Asiaten, sowie Mischlinge. Die Chamorros sind ähnlich wie die Philippinos zuerst hispanisiert, dann anglifiziert worden. Englisch ist die wichtigste Sprache geworden, hat Chamorro teilweise sogar im privaten Bereich verdrängt. Filipino spielt eine gewisse Rolle, Spanisch dagegen gar nicht mehr. Nur mehr Familiennamen erinnern an diese 400-jährige Kolonialherrschaft. Und die Dominanz der Katholischen Kirche. Durch die vielen US-Militär-Einrichtungen auf der Insel gibt es einen ständigen “Zufluss” und “Abfluss” von Amerikanern aller Bevölkerungsgruppen. Chamorros verpflichten sich überproportional oft zum USA-Militär, verlassen auch so ihre Insel öfters. Die Insel besitzt für die USA nach wie vor eine grosse strategische Bedeutung, blieb v.a. Marine-Stützpunkt.

In den frühen 1960ern wurde der Hafen Apra für atombetriebene U-Boote ausgebaut, die mit strategischen Mittelstreckenraketen bestückt werden. Während des Vietnam-Kriegs, in dem die USA ab 1964 (ein USA-Kriegsschiff, im Tonkin-Golf angeblich von einem nord-vietnamesischen Schiff angegriffen) massiv involviert war (bis 1973), war Guam wieder Aufmarsch- oder Zwischenstation v.a. für Kriegsschiffe. Wie auch die Philippinen, dort v.a. die Marinebasis in der Bucht von Subic auf Luzon, von den Spaniern einst gebaut. Im Juli 1969 reiste USA-Präsident Nixon, nach der Mondlandung, während des Vietnam-Kriegs40 um die halbe Welt, absolvierte Staatsbesuche in Asien, reiste dann über Europa heim. Bei einem Stop in Guam sprach er über die neue Asien-Politik der USA und die Weltpolitik, formulierte dort seine “Nixon-Doktrin”. Demnach erwarteten die Vereinigten Staaten künftig von ihren Verbündeten, ihre militärische Verteidigung – vor allem finanziell – in die eigene Hand zu nehmen. In Vietnam sollten die Süd-Vietnamesen allmählich mehr Verantwortung bei der Kriegführung übernehmen.41 1972 kam Richard Nixon wieder zu Besuch auf Guam, hielt eine Rede. Das war im Jahr seiner Wiederwahl, die er gewann, nachdem er in das Hauptquartier der Demokratischen Partei (des Democratic National Comittee) im Watergate-Gebäude in Washington einbrechen lassen hatte.42 Am Ende des Vietnam-Kriegs 1975 flüchteten Offizielle Süd-Vietnams über Guam in die USA.

Seit 1970/71 darf die Bevölkerung Guams ihre Gouverneure wählen, die also im Zusammenspiel mit Inselparlament (Legislature of Guam/ Liheslaturan Guåhan) regieren. Zum ersten Mal seit 500 Jahren, dem Auftauchen der ersten Europäer dort und der folgenden Kolonialisierung (Spanier, Amerikaner, Japaner), konnten die Guamesen zumindest über ihre eigensten Angelegenheiten wieder selbst bestimmen. Wenn auch nicht über vieles Andere und wenn auch die Chamorros weniger als die Hälfte der Inselbevölkerung ausmach(t)en. Carlos Garcia Camacho (1924 – 1979), ein Republikaner, war letzter ernannter Governor von Guam (1969-1971) und erster gewählter (1971-1975). Seit 1972 darf Guam einen nicht stimmberechtigten Delegierten in den Congress der USA wählen. Zu den Conventions der Grossparteien dürfen Mitglieder dieser Parteien auf Guam Delegierte wählen, die dort stimmberechtigt sind.

Die Nördlichen Marianen wurden ja 1898 von Guam getrennt; als diese Trennung in Versailles 1919 “bestätigt” wurde, gab es in der Marine der USA längst Ansprüche auf diese Inseln. Der Anteil der Chamorros an der Bevölkerung ist dort noch weiter geschrumpft als auf der südlichsten Marianen-Insel Guam; sie machen weniger als ein Viertel aus, Philippinos sind die grösste Ethnie, dann gibt es grosse Gruppen an Asiaten (Chinesen,…), Ozeaniern (Carolinier,…), Mischlingen, einen kleinen Anteil an Weissen. Die Nord-Marianen haben inzwischen einen ähnlichen Status und das selbe politische System wie Guam, mit gewählten Gouverneur und Parlament, nicht-stimmberechtigtem Delegierten im Congress, die Bürger sind (seit 1986) Staatsbürger der USA, dürfen aber nicht an seinen Präsidenten-Wahlen teilnehmen. 1947 bis 1994 waren die Nord-Marianas mit den Föderierten Staaten von Mikronesien, Marshall-Inseln und Palau zum (von der USA verwalteten) UN-Trust Territory of the Pacific Islands (TTPI) zusammengefasst. 1978 bekamen die N-Marianen den Status eines mit der USA assoziierten Staates (Commonwealth, wie Puerto Rico, früher Philippinen), nachdem sie jahrzehntelang von der Marine, dann vom Innenministerium der USA verwaltet wurden. Anders als Guam hat es hier auch die deutsche und japanische Kolonialphase gegeben, die geprägt haben.

Nachdem Guam und die nördlichen Marianen-Inseln infolge des 2. WK beide unter US-amerikanischer Herrschaft “vereint” waren, begann der Diskurs über eine Wiedervereinigung, der hauptsächlich von den Chamorros auf den Inseln getragen wurde. Auf den Marianen gab es ebenfalls eine Popular Party (PP) und eine Territorial Party (TP); die PP war für die Wiedervereinigung mit Guam (und ging in der DP auf), die TP für eine engere Anbindung an die USA (und ging in der RP auf). Als 1957 sowohl auf Guam als auch auf den Nord-Marianen die jeweilige Popular Party die Wahlen gewann, wurde die Wiedervereinigungs-Thematik in beiden Parlamenten ernsthaft diskutiert. Jenes von Guam nahm 1958 eine Resolution bezüglich der Wiedervereinigung mit den Nord-Marianen an, die an den USA-Congress gerichtet wurde. Es scheint, dass dieser Irredentismus aber auf den nördlichen Marianen eine wichtigere Rolle spielt(e). 1958, 1961, 1963 gab es inoffizielle Referenden, in denen die Bevölkerung ein Zusammengehen mit Guam befürwortete. Diese Resultate wurden auch dem UN Special Committee on Decolonization weitergeleitet. Die Wiedervereinigung der Marianen war sowohl für jene auf diesen Inseln anstrebenswert, die die “Aufwertung” zu einem Bundesstaat der USA anstrebten43, als auch für jene die die Unabhängigkeit befürworteten, und für jene die für die Beibehaltung eines “losen” Verhältnisses mit der USA waren.

Im November 1969 lehnte die Bevölkerung Guams aber eine Wiedervereinigung mit 3 720 zu 2 688 Stimmen ab. Nur 32% der etwa 20 000 Wahlberechtigten stimmten ab, zur Fragestellung “Should all of the islands of the Marianas be politically reintegrated within the framework of the American Territory of Guam, such as a new territory to be known as the Territory of the Marianas?”. 5 Tage später stimmte die Bevölkerung der Nord-Marianen ab. Hier gab es eine viel höhere Beteiligung, gab es mehr Wahlmöglichkeiten. Die Wiedervereinigung bekam eine klare Mehrheit, die Option “Unabhängigkeit” bekam ganze 19 Stimmen. Wie ist das Nein auf Guam zu erklären? Auf Guampedia findet sich eine Analyse dazu. Das Verhalten der Nord-Marianer im 2. WK an Seite der japanischen Besatzer wurde nicht vergessen. Anders gesagt: Man hat sich kolonialhistorisch anders entwickelt. Wie Äthiopier und Eritreer. Dann gab es kaum eine Werbung für das Referendum – daher auch die geringe Beteiligung. Weiters: Guam war und ist besser entwickelt, reicher, von daher fürchteten Viele auf der Insel, dass die Nord-Marianen mit ihrem Geld aufgebaut werden müssten. Daneben war bereits das Rennen für die erste Gouverneurs-Wahl, 1970, eröffnet, und im Wahlkampf der drei DP-Kandidaten hat das Team von Ricardo Bordallo (Gouverneur 1975-79, 83-87) indirekt gegen eine Wiedervereinigung Stellung genommen, aus wahltaktischen Gründen (um sich von den Konkurrenten abzugrenzen).

In einem Referendum 1970 haben sich die Nord-Marianer für engere Bindungen an die USA ausgesprochen, gegen die Unabhängigkeit. Auf Guam gab es 1976 und 1982 weitere Referenden über den Status, in denen die Unabhängigkeits-Option ebenfalls keine Rolle spielte. Zuspruch bekam eine engere Bindung an die USA, deutlich mehr als die Aufwertung zum Bundesstaat und die Beibehaltung des Status. Ansonsten wurde auf Guam immer wieder über die Legalität des Glücksspiels abgestimmt. Im Fussball sind Beide schon unabhängig. Sowohl Guam als auch die Nord-Marianen haben einen eigenen Fussballverband und ein Fussball-Nationalteam. Beide gehören dem asiatischen Verband (AFC), nicht dem ozeanischen (OFC), an.44 Zur Zeit ist weder für Guam noch die Nord-Marianen die Vereinigung eine Option noch die Unabhängigkeit noch die Bundesstaatlichkeit. Die demographische Situation spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Für einen Bundesstaat sind die Inseln wohl zu wenig “weiss”. Dass die Chamorro-Anliegen für die Zukunft ausschlaggebend sind, nach Jahrhunderten der Kolonial-/Fremdherrschaft, dazu ist diese Urbevölkerung wahrscheinlich schon zu weit zurückgedrängt worden.

Und solange die Inseln für die USA militärisch oder wirtschaftlich eine Bedeutung haben, werden sie an diese gebunden sein. Die Region Mikronesien45 ist ganz in der Hand der Amerikaner. Der Pazifik, heisst es, rückt zunehmend ins Zentrum des Weltgeschehens. Dort stehen sich die beiden Weltmächte USA und China gegenüber. Und Nordkorea drohte (jedenfalls 2017) mit Angriffen auf Guam, sowie das US-Festland und Hawaii. Nachdem Trump mit “Feuer und Wut” gedroht hatte, im Atom-/Raketenstreit. Und weil Angriffe der USA auf Nordkorea wohl über Guam laufen würden, “Amerikas Tor zu Asien”. Guams damaliger Gouverneur Calvo (RP) stellte sich damals gleich hinter die USA. de.wikipedia weiss: „Die Verbindungen zu den USA werden in der Bevölkerung weitgehend positiv bewertet, auch sind die Militärstützpunkte für die Wirtschaft von Guam wichtig. Unter den Einwohnern ist die US-amerikanische Kultur weit verbreitet.“ Der zweite Satz stimmt sogar irgendwie. Ein Viertel der Inselfläche gehört dem USA-Militär; wichtig sind der Hafen von Apra mit den Atom-U-Booten und die “Andersen” Luftwaffen-Basis im Norden der Insel.

Massive Konflikte zwischen diesem Militär und der Bevölkerung hat es, anders als auf dem japanischen Okinawa, noch nicht gegeben. Auch weil diese Bevölkerung in diesen Streitkräften ja zum Teil mitmacht.46 Rund um die Militäreinrichtungen (bzw für diese) gibt es Prostitutionsangebote, und es gibt auf der Insel einen diesen zugrunde liegenden “Frauenhandel”. Darüber hinaus gibt es aber auch immer wieder Berichte über andere Ausbeutung ausländischer Arbeiter auf Guam, auch durch Chamorros. Die Bedeutung des amerikanischen Militärs für Guam zeigt sich auch dadurch: Die US-Navy hat vor einigen Jahren Guam mit toten Mäusen “bombardiert”, um den bedrohten Vogelbestand der Insel vor der Braunen Nachtbaumnatter zu retten, eine Schlangenart die das Militär selbst vor Jahrzehnten (wahrscheinlich im 2. WK) eingeschleppt hatte. Die toten Mäuse dienten als Köder und wurden mit Paracetamol versehen, das für Schlangen bereits in geringen Dosen tödlich ist. Guams “anderes” wirtschaftliches Standbein ist die Tourismus-Industrie, besonders Japaner und Koreaner kommen gerne, aber auch US-Amerikaner, Philippinos,…

Ein Motto für Guam ist “Where America’s Day Begins”, was sich auf die Nähe zur globalen Datumsgrenze bezieht, darauf, dass Guam das erste US-amerikanische Gebiet auf der “asiatischen” (bzw der westlichen) Seite dieser Grenze ist. Diese Datumsgrenze ist eigentlich ein zutiefst eurozentrisches “Konzept”, ein Erbe des europäischen Kolonialismus. 1884 wurde der Nullmeridian durch den Londoner Stadtteil Greenwich gezogen, der “Gegenbogen” auf der anderen Erdseite (180. Längengrad bzw 180° Greenwich) wurde als Datumsgrenze fest gelegt. Der “Anfang” in der Hauptstadt der damaligen Weltmacht Nr. 1 (bzw durch sie)47, das “Ende” auf der anderen Seite der Welt, dort können ruhig miteinander vernetzte (Insel-) Gebiete zerteilt werden. Infolge dessen wurden auch Zeitzonen eingeführt. Bis dahin war die Datumsgrenze von den europäischen Kolonialmächten individuell (“willkürlich”) festgelegt worden, auch immer irgendwo durch den Pazifik.

So führten die Spanier die Datumsgrenze westlich der Philippinen, weil sie diese von Mexico (Mexiko) aus bewirtschafteten. Nach der Unabhängigkeit von Nueva España als Mexico 1821 verschob Spanien (in den 1840ern) die Datumsgrenze nach Osten, schloss die Philippinen gewissermaßen an Asien an, trennte sie von Amerika ab. Alaska lag, so lange es zu Russland gehörte, auf der asiatischen Seite (wie das gegenüberliegende Sibirien), also westlich der Datumsgrenze. Mit dem Verkauf an die USA gelangte es auf die amerikanische (östliche) Seite. Mikronesien (liegt südlich von Russlands Fernem Osten) liegt grösstenteils auf der asiatischen Seite der Datumslinie, diese verläuft quer durch Polynesien. Das zur mikronesischen Region gehördende Kiribati war durch die Datumsgrenze “geteilt”. 1994/95 entschied sich der Staat, komplett zur asiatisch-ozeanischen Seite zu gehören, diese bekam dadurch eine erhebliche Ausbuchtung. Man wird sehen, ob aus der “Rückseite der Welt”, dem Pazifik-Raum, nicht einmal eine Vorderseite wird.

Der zweite Weltkrieg und sein Ende 

Um zurück zu kommen auf den Aufstand in Agana 1944, und den Krieg, in dem die USA diese südlichste Marianen-Insel von Japan zurückeroberte, im Rahmen des Pazifikkriegs: An diesem Kriegsschauplatz und überhaupt ging der Krieg ja durch die amerikanischen Atombombenabwürfe auf Japan im August 1945 (die, siehe oben, zu den Marianen ja auch einen Bezug haben) und die darauf folgende japanische Kapitulation zu Ende (und bald in einen Kalten Krieg zwischen den Alliierten dieses Kriegs über). Über die Details dieses Endes lassen sich einige interessante (und hierfür relevante) Beobachtungen machen, auch über die amerikanische Einbindung in diesen Krieg.

Bis Pearl Harbor 1941 gab es grosse Debatten in der USA um den Kriegseintritt; zuvor gab es in diesem Jahr unter Franklin Roosevelt bereits Verhandlungen mit GB, die als erste alliierte Konferenzen gelten. Das US-amerikanische Heer wurde hauptsächlich in den Pazifik (gegen Japan) geschickt, dann auch nach Nord-Afrika, von wo nach Italien übergesetzt wurde, und natürlich in die französische Normandie. Japan führte in den 1930ern und 1940ern Kriegszüge in der ostasiatisch-pazifischen Region, ging ein Bündnis mit den faschistischen Mächten Europas ein. Obwohl der Angriff auf Pearl Harbor verheerend war, war es den Japanern auf Hawaii nicht gelungen, die US-amerikanischen Flugzeugträger im grossen Stil zu zerstören, was sich bei Midway 1942 für sie rächen sollte. Die USA blieben materialmäßig trotz der Verluste in Pearl Harbor im „Pazifikkrieg“ überlegen. 1940 war bereits die Wehrpflicht eingeführt worden, von daher waren die Amerikaner ohnehin von dem Krieg betroffen. Japanische Amerikaner und Andere waren wiederum von Internierungen betroffen.

Aber der 2. WK kam auch auf das Territorium der USA. Nicht nur durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Aussengebiet Hawaii (das damals noch kein Bundesstaat war) und die Kämpfe mit den Japanern auf den amerikanischen “Guano”-Inseln (wie Midway, Wake,…), die erwähnte Rückeroberung der Philippinen und Guam 1944, die Eroberung der Nord-Marianen. Die deutsche Kriegsmarine tastete sich 1941/42 mit U-Booten an die US-amerikanische Ostküste heran, griff dort Schiffe an (“Unternehmen Paukenschlag”). ’42 konnte sich Saboteure von einem U-Boot an Land setzen, diese wurden in New York festgenommen. 1943 wurde auch einmal versucht, deutsche Gefangene am Festland zu befreien. In einem Fall kam es zu Kämpfen auf amerikanischem Boden während des Zweiten Weltkriegs.

Die Japaner nahmen im Juni 1942 zwei Inseln der zu Alaska (auch noch kein Bundesstaat) gehörenden Aleuten ein; 1943 wurden Attu und Kiska zurück erobert. Und dann gab es die japanischen Ballonbomben/ Brandballons/ Fu-gō heiki, Gasballons die Bomben von Japan über den Pazifik nach Amerika trugen. Etwa 9 000 solcher Ballons wurden an der Ostküste der japanischen Insel Honshū gestartet, von November 1944 (als das Bombardement Japans durch amerikanische Kampfflugzeuge begann) bis April 1945. Etwa 300 Ballons kamen an die Westküste der USA sowie Canadas, man fand sie dort vielerorts. Im Mai 1945 tötete einer in Oregon sechs Menschen, die die einzigen Kriegsopfer am Festland bzw in Bundesstaaten der USA wurden.48 Die letzte scharfe Ballonbombe wurde 1955 gefunden, eine durch Verwitterung entschärfte noch 1992, in Alaska. Entsprechendes gibt es ja, Jahrzehnte nach Kriegsende, auch in Europa.

Der blutigste bzw tödlichste Tag für das US-Militär in diesem Krieg (und überhaupt!) war aber fern von “zu Hause”, nach der Landung in der Normandie, am 6. Juni 1944, als etwa 2 500 Soldaten getötet wurden, von Wehrmachts-Angehörigen. Die Normandie-Offensive ging dann noch weitere 1 1/2 verlustreiche Monate weiter. Nach der amerikanischen Landung auf der japanischen Insel Okinawa im April ’45 tobte dort bis Juni eine Schlacht zwischen Angreifern und Verteidigern, bei der etwa 14 000 Amerikaner und um die 100 000 Japaner getötet wurden. Besonders verlustreich war auch die Maas-Argonnen-Offensive 1918 im 1. WK (eineinhalb Monate), Gegner ebenfalls Deutsches Reich.

Die Schlacht von Okinawa kam, als USA-Truppen bereits die Philippinen zurückerobert hatten (eingeleitet mit der Landung auf Leyte 1944), nach der Landung auf der japanischen Insel Iwojima (Anfang ’45, mit dem fotografierten Hissen der USA-Flagge nach der Schlacht). In dieser Endphase des Kriegs flogen (meist) Freiwillige der japanischen Luftwaffe Kamikaze-Selbstmordangriffe gegen Kriegsschiffe der USA (und ihrer Verbündeten). Im August 45 die Atombomben-Einsätze (anstatt einer Invasion auf den japanischen Hauptinseln), ausserdem der Kriegseintritt der SU an der Pazifikfront gegen Japan, die Besetzung von Süd-Sachalin und den nördlichen Kurilen sowie die Invasion in der Mandschurei. Mit der Kapitulation Japans im September war der Krieg eigentlich zu Ende. In Europa war er das schon seit Mai, mit den Kapitulationen Nazi-Deutschlands.

Letzte bedeutende Schlacht in Europa war jene um Berlin (Apr/Mai 45). Einzelne Verbände der Wehrmacht, wie die 8. Armee, kämpften noch einige Tage über die Gesamt-Kapitulationen hinaus gegen sowjetische Truppen (in Ungarn, Tschechoslowakei); dies vor allem in dem Bestreben, Militärverbände und Zivilisten noch in die Westgebiete zu transportieren. Darüber hinaus waren manche Einheiten noch selbstständig aktiv: in Norwegen, Teilen Frankreichs, auf den britischen Kanalinseln, in Lettland. Die “Werwolf”-Kampfgruppen des untergehenden NS-Regimes waren dagegen mehr Mythos bzw Propagandaphänomen als von militärischer Bedeutung (“Untergrundkampf”), gingen hauptsächlich gegen Deutsche vor, die mit Alliierten zusammenarbeiteten.

Scharmützel gab es in Europa über die Kapitulationen hinaus, Stellvertreter-Kämpfe, Rückzugsgefechte, Frontwechsel. In Poljana (Slowenien/Jugoslawien) kämpften Kollaborateure der Achsenmächte in YU (v.a. kroatische und slowenische) mit zurückweichender Wehrmacht Mitte Mai gegen die Tito-Partisanen und britische Verbände. Infolge des Sieges der alliierten Seite dort (15. Mai) kam es zu den Repatriierungen der “Kollaborateure” bei Bleiburg und Vorstössen jugoslawischer Partisanen nach Kärnten. Danach kämpften auf der niederländischen Insel Texel noch georgische Kollaborateure der Wehrmacht gegen ihre bisherigen Meister. Es gab am Kriegsende Fluchtbewegungen, hauptsächlich aus Ost- nach West-Europa, blutige Abrechnungen, Besetzungen,…

1944 gab es die “Haudegen”-Expedition der Wehrmacht, die Errichtung einer Wetterstation auf Spitzbergen im norwegischen Svalbard-Archipel, eine von mehreren im Arktis-Gebiet. Im Mai 1945 verloren die Soldaten den Funkkontakt. Am 4. September wurden sie von norwegischen Robbenjägern gefunden, zwei Tage nach der Kapitulation Japans; es war die letzte Wehrmachts-Einheit die sich ergab. Mancherorts ging ein Konflikt beinahe nahtlos in einen anderen über. Der Chinesische Bürgerkrieg, der aufgrund der japanischen Invasion pausiert hatte, ging im Juli 45 wieder los. Die polnische Widerstandsarmee Armia Krajowa löste sich offiziell im Jänner 45 auf, als die Rote Armee Polen von den Deutschen befreite. Doch viele Einheiten griffen wieder zu den Waffen, als sich abzeichnete, dass die Sowjetunion Polen keine echte Selbstbestimmung gestattete. Vorboten des Kalten Kriegs.

Im Pazifikraum (Ostasien-Ozeanien-Westküste Amerika) gab es auch Scharmützel über die japanische Kapitulation hinaus, und auch das “Übergehen”  dieses Krieges in neue Konflikte. Und das Auftauchen japanischer “Aushalter” lange nach Kriegsende. Auf den Philippinen kam es nach der Wiederherstellung amerikanischer Herrschaft 44/45 die Gewährung der Unabhängigkeit 46 und den Guerilla-Kampf der kommunistischen “Huks”. Abgesehen davon hatten sich vielerorts japanische Soldaten versteckt, die oft weiterkämpften, im Laufe der Jahre auftauchten. Shōichi Shimada war auf der Insel Lubang verblieben, führte einen einsamen Kampf; 1954 wurde er bei einem Gefecht mit philippinischen Soldaten getötet.

Andere Japaner schlossen sich nach dem grossen Krieg den nationalen Unabhängigkeitsbewegungen gegen europäische Kolonialmächte an, v.a. in Vietnam und Indonesien. Murata Susumu wurde 1953 auf der Marianen-Insel Tinian in einer Hütte festgenommen; er wusste noch nichts vom Kriegsende. Berühmt wurde der Fall des japanischen Unteroffiziers Shōichi Yokoi, der erst am 24. Januar 1972 auf Guam entdeckt wurde. Am 10. August 1944 hatten die Amerikaner die Kontrolle über Guam wieder; aber es gab noch Monate darüber hinaus Widerstand von versprengten Truppen. Die sich v.a. in Höhlen in den Hügeln der Insel versteckten. Im Dezember 45 wurden 3 Marines bei einem Angriff (wahrscheinlich dem letzten “organisierten”) getötet.

Shoichi Yokoi Guam 1972

Auch Shōichi Yokoi war Teil einer Kleingruppe, von anfangs 10. Sie überlebten durch Fischen, Jagen und gelegentlichen Diebstählen von Guamesen. Vom Kriegsende erfuhren die Männer 1952 durch ein abgeworfenes Flugblatt. Sie entschieden sich aber gegen eine Kapitulation, da sie eine solche als unehrenhaft empfanden. Dann “übersiedelten” Sieben in einen anderen Teil der Insel – vielleicht waren die 2 japanischen Holdouts, die 1960 gefunden wurden, aus dieser Gruppe. Yokois letzter Kamerad starb 1964, bei einer Flut. 8 Jahre lebte er alleine, in einer getarnten Höhle, jagte in der Nacht, lernte sich in der Situation zu helfen, wurde gewissermaßen ein Waldmensch. 1972 wurde er von zwei Fischern gefunden. Er dachte sie seien hinter ihm her, so griff er sie an, sie überwältigten ihn aber. Und übergaben ihn der Polizei. Seine Heimkehr nach Japan wurde dort im Fernsehen übertragen, war eine grosse Sache. Er selbst soll gesagt haben: “Es ist mir sehr peinlich, lebend zurückzukehren.” Er war aber nicht der letzte japanische Soldat aus dem 2. WK, der aus seinem Versteck auftauchte.

Hiroo Onoda wurde 1974 auf den Philippinen (Lubang) gefunden. Im Dezember 1944, als die US-amerikanische Rückeroberung im Gange war, wurde er auf die Insel “versetzt”, sollte dort in einer Einheit Widerstand leisten. Einige Monate später zogen sich die vier Überlebenden der Einheit in Berge zurück, kämpften einen Guerilla-Krieg. Auch hier wurden Flugblätter abgeworfen, um japanische Holdouts über das Kriegsende zu informieren. Ab 1972 war Onoda alleine. Er traf 1974 einen japanischen Weltenbummler, dem er sich anvertraute. Dieser musste Onodas früheren Kommandanten in Japan aufspüren, der dann auf die Insel kam – um ihn aus dem Dienst zu entlassen, beinahe 30 Jahre nach Kriegsende. Onodas Gruppe hatte um die 30 philippinische Soldaten getötet, über die Jahre, aber er wurde vom philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos begnadigt. Marcos hatte im Weltkrieg auf amerikanischer Seite gegen die Japaner gekämpft; 1972 hatte er die Demokratie suspendiert und das Kriegsrecht ausgerufen.49 Einige Monate später tauchte dann noch Teruo Nakamura in Indonesien auf, ein Angehöriger der Urbevölkerung Taiwans, das 1895 bis 1945 unter japanischer Herrschaft stand.

Waren die Gefechte bzw Angriffe der versprengten japanischen Weltkriegs-Soldaten (die also bis in die 1970er hinein gingen) noch “Nachhutgefechte” dieses Kriegs? Wäre eine mehr als gewagte Interpretation, aber andererseits: Wo ist die Grenze zu ziehen? Es gab sogar noch später Aufgetauchte… Shigeyuki Hashimoto and Kiyoaki Tanaka hatten sich nach der japanischen Kapitulation in Malaysia dem Unabhängigkeitskampf gegen GB angeschlossen, dann einem Aufstand bzw Guerilla-Kampf der kommunistischen Partei Malaysias (PKM) – der 1989 zu Ende ging. Im Jänner 1990 kehrten die Beiden nach Japan zurück. Und Ishinosuke Uwano war auf Sachalin in sowjetische Gefangenschaft geraten, war in diversen Lagern, 1958 riss der Kontakt seiner Familie zu ihm ab. 2006 tauchte er in der Ukraine auf. Das stellt locker Rudolf Hess in den Schatten, der inhaftiert wurde, als es noch keinen Kalten Krieg gab, gestorben ist, als dieser schon fast zu Ende war. Im 1. WK hatte es einen deutschen Hauptmann gegeben, Hermann Detzner, der sich zu Kriegsbeginn im Busch von (Deutsch-)Neuguinea versteckte und schlappe 4 Jahre aushielt.

Für Japan, unter Tenno Hirohito, bedeutete die Kriegsniederlage 45 natürlich einen tiefen Bruch, brachte einen Machtverlust des Tenno, einen inneren und äusseren Kurswechsel, eine Besetzung durch die USA, Gebietsverluste,… es bekam aber nach einer Änderung der Weltlage die Souveränität zurück, wurde Verbündeter bzw Teil des Westens. Die Japaner waren für Hitler Verbündete und gleichzeitig Vorhut einer “gelben Gefahr”50; so weit ist das wahrscheinlich gar nicht von ihrer nachmaligen Wahrnehmung im Westen entfernt. Shiro Ishii war ein japanischer Mediziner, der in der „Einheit 731“ seiner Armee wirkte, die im Chinesisch-Japanischen Krieg 1937-45 in der Mandschurei Lebend-Menschen-Versuche für biologischen Waffen vornahm; 1948 schloss die USA (auf Initiative des Generalmajors Charles Willoughby) mit Ishii und anderen aus der Einheit ein geheimes Abkommen, in dem sie im Gegenzug für aus den Menschenversuchen gewonnene Daten zur biologischen Kriegführung Immunität gegen Verfolgung als Kriegsverbrecher zusicherten. Parallelen also zu Deutschland.51 Der Spanische Bürgerkrieg ging wenige Monate vor Beginn des 2. WK zu Ende, brachte die Diktatur unter Francisco Franco. Der Hitler dann etwas Hilfe zukommen liess (Division Azul), so wie dieser ihm zuvor (Legion Condor). Und bald nach dem Sieg über Hitler begann die USA, Franco zu stützen; 1953 entstanden US-Militärbasen in Spanien, und solange Spanien im US-amerikanischen geopolitischen System blieb, konnte es jede Art von Hilfe gegen eine Rebellion von Innen oder Regimewechsel von Aussen erwarten.

Es gibt noch etwas, dass Guam mit diesem Krieg verbindet: Methamphetamin. Im 2. WK wurde es in den Armeen Deutschlands („Pervitin“) und Japans (“Philopon”) eingesetzt. Nicht zuletzt bei japanischen Kamikaze-Piloten, im Pazifikkrieg. In Japan gab es nach dem Krieg eine Meth-Welle, die Mitte der 50er abebbte, aufgrund von Gesetzesänderungen. Sie schwappte aber über, in andere Länder des Pazifik-Raums, kam über die Philippinen, Guam, die Marshall Islands, Hawaii in die Festland-USA, an deren West-Küste.

Unruhen und Ähnliches in der USA

Abzugrenzen von Aggressionen nach Aussen, im Rahmen von Expansion oder auch nicht. Innere Konflikte, die mit Gewalt ausgetragen wurden, so wie jener im Militär auf Guam im 2. WK nach der Rückeroberung (> 1. Abschnitt). Konflikte wo der Staat bzw seine bewaffneten Kräfte eine Konfliktpartei war, auch solche die gewissermaßen an ihm vorbei liefen. Innere Gewalt hat es nach dem Ende der Expansion und dem Bürgerkrieg immer wieder gegeben. Der erste (quasi-) militärische Angriff auf die USA seit Pearl Harbor 1941, der am 11. September 2001 (die 4 gekaperten Flugzeuge), gehört nicht in diese Kategorie, da er zwar Gewalt in der USA beinhaltet, aber eben von Aussen gekommen ist.

* Die Unterwerfung der “ur-“amerikanischen Bevölkerung, der “Indianer”, begann zu Kolonialzeiten, ging bis Ende des 19., Anfang des 20. Jh.52

* Die Sklaverei muss an sich als Aggression aufgefasst werden; inner-amerikanische Konflikte ergaben sich hier aus dem Widerstand versklavter Afro-Amerikaner. Am bekanntesten ist die Sklaven-Rebellion unter “Nat” Turner 1831 in Virginia, mit etwa 50 Toten bevor die Repressalien bzw die Niederschlagung begannen. Zu dieser Zeit begann übrigens im Norden der USA die Industrialisierung, begannen sich Norden und Süden der USA auseinander zu entwickeln.

* Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg (1846-48) endete mit dem Vertrag von Guadelupe Hidalgo im Februar 1848, mit dem Mexico fast ganz Alta California und einen Teil von (Santa Fe de) Nuevo Mexico an die USA abtreten musste.53 Doch bereits im Jänner 1848 begann der California Gold Rush, begannen US-Amerikaner also, Gold in Kalifornien zu fördern, als das Land de facto aber noch nicht de jure ihnen gehörte. Infolge des “Goldrauschs” wurde California rasch ein US-Bundesstaat (1850).54 In diesem lebten zum Zeitpunkt der “Übernahme” etwa 100 000 Mexikaner, “Weisse”, “Indianer” (der grösste Teil davon!) und “Mischlinge”.55 Diese beteiligten sich auch an der Goldsuche, viele mit Erfolg. Diese Mexikaner in Kalifornien waren damals “das Andere”. Zwischen 1848 und 1860 wurden über 150 mexikanische Kalifornier gelyncht, von weissen Amerikanern, darunter frischen Einwanderern aus Europa. Von einem der Opfer ist der Name bekannt, Josefa Segovia; sie wurde schuldig befunden, einen Amerikaner getötet zu haben, der in ihr Haus einbrach.56

* Wahltag in Louisville, Kentucky 1855, Massaker von Anhängern der American Party (“Know Nothing Party”), WASPs, an irischen und deutschen Einwanderern, Anhänger der Democratic Party, 22+ Tote. Einwanderer sind entgegen dem US-Mythos vom “Schmelztiegel der Nationalitäten” nie populär gewesen. Auch dann nicht, wenn sie dringend gebraucht wurden.

* Die Church of Jesus Christ of Latter-day Saints bzw Mormonen-Kirche hat eine Entstehungsgeschichte, die mit viel Gewalt verbunden ist.57 Die Latter-day Saints bzw Mormonen waren (ab den 1820ern) die erste in der USA entstandene Kirche. Ab 1831 wanderten Joseph Smith und seine Anhänger in den Westen Amerikas, wie viele Andere damals. Auf diesem Weg gab es viele “Auseinandersetzungen”, mit anderen Siedlern oder Behördenvertretern oder aber Indianern. 1838 in Missouri mit nicht-mormonischen Siedlern (Amerikanern). 1844 wurden Joseph Smith und sein Bruder in Illinois gelyncht. Brigham Young führte den „Exodus“ weiter; der Zug kam 1847 in das Gebiet der Ute-Indianer, noch Teil von Alta California, Mexico, aber im laufenden Krieg (1846-48) gerade dabei an die USA verloren zu werden – wie das Gebiet um Coloma, wo dann Gold gefunden wurde (s.o.). Young wurde Gouverneur des Utah-Territoriums (bestand 1850-1896). Es gab in dieser Phase und auch danach bei den Mormonen Ansätze von Separatismus gegenüber der USA, jedenfalls aber eine Sonderentwicklung, religiös begründet, ethnisch waren sie so WASP wie nur möglich.

1857 wollte USA-Präsident James Buchanan (DP) Young als Gouverneur von Utah absetzen und Kontrolle über das Territorium herstellen. In Washington befürchtete man, dass sich Utah unter Young zu einer Mormonen-Theokratie entwickelte, schickte eine Militär-“Expedition”. Daraus ergab sich dort 1857/58 eine Art Besatzungssituation. Im September 1857 entluden sich Spannungen, als Angehörige einer Mormonen-Miliz im südlichen Utah ungefähr 100 Siedler töteten, die nach Kalifornien ziehen wollten. 1858 wurde nach Verhandlungen zwischen der Regierung und der Mormonen-Führung Young als Gouverneur abgesetzt, Utah enger an die USA gebunden und die “Aufständischen” von Buchanan begnadigt, ausser die an dem Massaker Beteiligten. Utah wurde 1896 Bundesstaat. Die allerletzten Auseinandersetzungen, die als Teil der Indianerkriege (Indian wars) gelten, ereigneten sich auch in Utah, bildeten den Abschluss der “Ute-Kriege”. 1923 war das, zwischen einer Gruppe von Ute und Paiute unter einem Posey und der USA-Armee, dauerte einige Tage, bewirkte einen Massenexodus von Ute/Paiute innerhalb Utahs – dem Staat der ihnen seinen Namen verdankt.58

* Die Cortina-Kriege: Juan Cortina (1824 – 1894), ein weisser Mexikaner, lebte in Tamaulipas, war dort Gouverneur (1843, 1844/45). Tamaulipas grenzte an Coahuila y Texas, Cortina erlebte die amerikanische Inbesitznahme von Texas (1835-1845), bei der Tamaulipas auch einen Teil an das amerikanische Texas verlor. Nach dem Krieg 1848 musste dann noch ein umstrittenes Grenzgebiet von Tamaulipas an Texas abgetreten werden. Ende der 1850er stellte Cortina paramilitärische Verbände auf, drang mit ihnen in den USA-Bundesstaat Texas ein, griff ihm im Rio Grande-Tal Angloamerikaner an, die in jenem Gebiet siedelten, das Cortinas Familie gehört hatte. Es gab dort Kämpfe mit bewaffneten Gruppen (United States Army, Texas Rangers, lokale Milizen); der “Erste Cortina-Krieg” ging von 1859 bis 1860, die Mexikaner wurden zurückgeschlagen, über den Rio Grande. 1861 der zweite Versuch und der daraus folgende zweite “Krieg”. Der USA-Bürgerkrieg (oder: Krieg zwischen USA und CSA) hatte gerade begonnen, und Cortina überquerte wieder mit einer Miliz den Rio Grande, nach Texas, das sich den Konföderierten Staaten angeschlossen hatte. Die Mexikaner bekamen es so mit CSA-Truppen zu tun, diese wurden von Santos Benavides geführt, einem Tejano, also mexikanischen Texaner. Es gab dann, speziell um die Jahrhundertwende, noch viele Scharmützel an der mexikanisch-amerikanischen Grenze.

*  Den blutigsten Tag in der amerikanischen Militätgeschichte überhaupt gab es in diesem Bürgerkrieg (1861-65): die Schlacht von Antietam (Maryland) am 17. September 1862, als über 3 600 Soldaten beider Seiten getötet wurden. Es gab auch mehrere Massaker in diesem Krieg. Im Oktober 1862 eines in Gainesville (Texas), an dort lebenden Zivilisten, die verdächtigt wurden, “Unionisten” zu sein, also Sympathisanten/Unterstützer der USA bzw der Bundestruppen. 41 solche wurden gehängt, nach Aburteilungen durch ein “Bürgergericht”, 2 weitere bei Fluchtversuchen erschossen. 1863 veranstalteten CSA-Truppen in Lawrence (Kansas) ein Massaker, töteten 164 Zivilisten. Um den “roten Faden” dieses Artikel aufzunehmen: Kriegsziel der Südstaaten war ja eigentlich die Behauptung der Unabhängigkeit/Souveränität. Der Autor Edward Pollard aus Virgina aber wälzte Pläne für die USA und die CSA für den Fall eines Siegs der zweiteren. Die Industrie im Norden sollte zerschlagen werden, die CSA sollte in den Karibikraum expandieren, ein auf Sklaverei basierendes Imperium errichten (mit einer weissen englischsprachigen Herrenschicht).59

* Unfälle: Auf dem Mississippi-Dampf-Schiff „Sultana“ 1865 eine Explosion, anschliessender Untergang,  1 168 Tote, kurz nach Ende des Bürgerkriegs und der Ermordung von Präsident Lincoln; Brand im Iroquois-Theater in Chicago 1903, forderte 602 Menschenleben; Gasexplosion in New London (Texas) 1937, 295 Opfer; 1913 Grubenunglück in New Mexico durch Dynamit-Verwendung; Italian Hall in Calumet (Michigan) 1913 Massenpanik; American Airlines Flugzeug 1979 Absturz (Wartungsfehler); 1963 Zug-Busunfall Chualar (California);…

* Lynchmorde an Afro-Amerikanern, das Wirken des Ku Klux Klan. Nach einer Schätzung des Tuskegee Institute sind allein in der Zeit von 1882 bis 1968 über 4 700 Menschen in der USA gelyncht worden, hauptsächlich in den Südstaaten, ungefähr drei Viertel davon Afro-Amerikaner. Mit “Lynchen” sind natürlich Hinrichtungen/Tötungen aus Selbstjustiz/Standrecht gemeint; aber jemanden aus rassistischen Gründen ein Verbrechen zu unterstellen/umzuhängen (und ihn dafür zu töten) und jemanden aus rassistischen Gründen zu töten – das ist nicht immer so klar abzugrenzen.

Der bereits erwähnte Nathan B. Forrest war Sklavenhändler u.a. in Tennessee, CSA-General im Bürgerkrieg60, beteiligt beim Massaker 1864 in Fort Pillow (TN) an USA-Truppen (hauptsächlich Schwarzen). Nach dem Krieg Begnadigung, zurück zur Baumwollplantage, Misshandlung von Schwarzen dort, stiess 1867 zum 2 Jahre zuvor gegründeten KKK. Der Klan kämpfte gewissermaßen gegen den Ausgang des Kriegs, die Herrschaft des Nordens, drangsalierte Afro-Amerikaner, hatte im Südosten der USA viele mehr oder weniger autonome lokale Verbände. Forrest wurde Grand Wizard des Klans, bis 1869. 1871 wurde er, im Rahmen der Reconstruction, aufgelöst. Nach Forrest, der der Democratic Party angehörte, sind noch immer Plätze u.a. in der USA benannt. Das Lynchen an Afro-Amerikanern erreichte um 1900 einen Höhepunkt.

In dieser Zeit tauchten in der USA auch Berichte über Folterungen auf den Philippinen auf, von US-Soldaten an Philippinos.61 Wie erwähnt hatten sich die Philippinos gegen die Spanier aufgelehnt; nach der amerikanischen Eroberung (die auch mit diesem Aufstand gerechtfertigt wurde) und der Errichtung einer neuen Fremdherrschaft flammte der Aufstand neu auf62, richtete sich gegen die Amerikaner, wurde zu einer Art Krieg (1899-1902). Vor diesem Hintergrund wurden Philippinos gefoltert. Präsident Theodore Roosevelt hat sich in dieser Zeit zu Lynchmorden in der USA an Schwarzen und Folter auf den Philippinen geäussert. So 1902 bei einer Rede auf dem Arlington Friedhof in Virgina, verurteilte und relativierte gleichzeitig die Gräuel, rief nicht zu einem Ende des Lynchens in der USA auf, sondern zu einem Ende der Kritik am amerikanischen Militär.

24. Infanterie-Division der Armee der USA, Philippinen 1902

Der Krieg ging zu Ende, als die USA (mit dem Philippine Organic Act) den Philippinen 1902 etwas Selbstverwaltung zugestand. Einige Senatoren, weisse Demokraten aus dem Süden, blockierten das Gesetz einige Zeit, da sie Roosevelts Äusserungen über die Süd-USA und die Philippinen als ein Schuldeingeständnis sahen. 1903 tadelte er, in einem Brief, Teilnehmer von Lynchmobs etwas, und führte aus, dass der “schwarze Mann in manchen Fällen schuldig war, an grausamen Verbrechen”63. Die “schwarzen” US-Amerikaner die auf die Philippinen geschickt wurden, um den dortigen Aufstand niederzuschlagen64, waren auch dort Rassismus von ihren Landsleuten ausgesetzt, innerhalb der Armee. Nicht anders als “zu Hause”. In dieser Zeit, zwischen 1899 und 1902 wurden 381 Afro-Amerikaner in der USA gelyncht. Nun waren sie Fusssoldaten, Ausführende in einem Krieg, der auf der selben rassistischen Ideologie basierte, wie jene die sie in Amerika erfuhren. Philippinos wurden von weissen Amerikanern so charakterisiert/eingestuft, wie auch die Afro-Amerikaner: minderwertig, unbeholfen, unreif. Die selbe Konstellation gab es in Vietnam, Irak,…

KKK-Parade Washington 1926

Der Ku Klux Klan wurde ja nach einem Film 1915 neu gegründet65, nahm seine Tätigkeit wieder auf, der aber in der Zwischenzeit (seit seiner Auflösung) auch nachgegangen worden war. Einer der Führer des 2. Klans, David Stephenson (Grand Dragon in Indiana), wurde in den 1920ern wegen Mord und Vergewaltigung einer (weissen) Frau verurteilt (und dann vorzeitig freigelassen). Imperial Wizard Hiram Wesley trat 1939 zurück, nachdem er von Anti-Katholizismus (seinem und dem des KKK) abgerückt war.66 1939 kam auch das Lied “Strange Fruit” von Billie Holiday heraus, komponiert von Abel Meeropol (Jude russischer Herkunft aus New York). Gelynchte Menschen auf Bäumen im Süden der USA, sonderbare Früchte des Baums die da herunterhängen. Der 2. Klan, unter James Colescott dann, musste 1944 aufgrund von Steuerzahlungsforderungen des Staates aufgelöst werden – nicht wegen seiner Ideologie, seinen Aktivitäten. Ab den 1950ern gibt es lokale/regionale Neugründungen.

Emmett Till, 14 Jahre, wurde 1955 in Mississippi gelyncht, nachdem er eine weissen Frau im Geschäft von deren Familie “angemacht” hatte (Pfiff ausgestossen,…), nicht vom KKK, von Leuten die in der Mitte der Gesellschaft waren67, Verwandten und Freunden der Frau; sie wurden freigesprochen. 1981 wurde Michael Donald in Alabama von Mitgliedern des Ku Klux Klan gelyncht, nachdem ein Afroamerikaner des Mordes an einem (Weissen) freigesprochen wurde. Dieser Lynchmord gilt als der letzte (derartige) in der USA.

* In Opelousas (Louisiana) gab es 1868 ein Pogrom an Afro-Amerikanern (über 300 Tote), kurz nach der Aufhebung der Sklaverei also, im Zuge des Bemühens die ehemaligen Sklaven an der Ausübung der ihnen theoretisch zugestandenen politischen Rechte zu hindern.

* 1871 ein Massaker an Chinesen in Los Angeles, etwa 20 Tote

* 1887 in Thibodaux (Louisiana) ein Streik bzw Aufstand von Zuckerrohr-Arbeitern, ehemaligen Sklaven, die Niederschlagung…die Angaben über Opferzahlen reichen von 30 bis 100; die Arbeiter kehrten zu den Bedingungen ihrer Arbeitgeber wieder auf die Plantagen zurück

* Der Johnson County War in Wyoming, 1889-93, ein Konflikt um Weideland; es gab viele weitere solcher Landfehden

*  Casey’s Armee: ein Arbeitslosenmarsch 1894, Tausende Teilnehmer, geführt von Jacob Casey (einem Geschäftsmann!), „Jack London“ war dabei, sollte von Ohio nach Washington DC gehen, wurde in Montana aufgelöst von „Sicherheitskräften“, zuvor schon wurden die Führer verhaftet

* Naturkatastrophen: ein Hurrikan über Texas 1900 (ca 10 000 Tote; im Jahr davor ein ähnlich verheerender, der die Karibik betraf und auch Puerto Rico, das als Teil USA zu sehen ist oder auch nicht), Erdbeben San Francisco/Kalifornien 1906, 1899 Überflutung Pennsylvania, Hitzewelle 1980, 1918 Waldbrand in Minnesota, 1927 Mississippi-Flut, Mount St. Helens Vulkanausbruch 1980 „Katrina“ 2005,

* Gewalt gegen Einwanderer aus Griechenland in South Omaha (Nebraska) 1909

* Houston 1917: Nachdem Präsident Wilson 1917 entschieden hatte, auf Seiten der Entente in den Krieg in Europa einzutreten (> “Lusitania”, Zimmermann-Telegramm,)68, wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt, erstmals seit dem Bürgerkrieg, für Männer zwischen 21 und 30 Jahren ein. Auch etwa 300 000 Afro-Amerikaner wurden eingezogen, ausserdem meldeten sich etwa 50 000 von ihnen freiwillig. Das 3. Battailon des 24. Infanterie-Regiments, ausschliesslich mit afro-amerikanischen Soldaten, wurde zur Grundausbildung in New Mexico versammelt, dann nach Houston, Texas, verlegt. Dort wurde Rassentrennung gelebt, und daher hatten die Einwohner Probleme mit dem Auftauchen afro-amerikanischer Soldaten (die für die USA kämpfen sollten). Zumal viele der Soldaten (jene die nicht aus dem Südosten sammten) strikte Rassentrennung nicht gewohnt war, und sich an ihrer Behandlung durch weisse Houstoner störten.

Als die Polizei von Houston eine schwarze Frau gewaltsam verhafteten, waren gerade schwarze Soldaten in der Nähe. Soldaten versuchten die Frau zu beschützen. Ein Polizist schoss auf einen der Soldaten. Ähnlich wie in Agana verbreitete sich die Nachricht von der gewaltsamen Auseinandersetzung in der Stadt zum Battailon. In dieser Situation ordneten die Kommandierenden des Battailons (alles Weisse) die Entwaffnung der Soldaten an. Stattdessen marschierte ein Grossteil der Soldaten mit ihren Waffen und weiteren, die sie im Lager fanden, in die Stadt. Dort kam es zu einer stundenlangen Schiesserei mit Polizisten… 19 Tote zählte man am Abend. Kriegsrecht wurde in der Stadt verhängt, die als “Anführer” bzw “Aufrührer” des Battailons Gebrandmarkten vor ein Kriegsgericht gestellt. 19 Soldaten wurden zum Tode verurteilt und aufgehängt, 63 bekamen lange Gefängnisstrafen. Die ersten toten Amerikaner gab es also (im eigenen Land), bevor die USA unter dem Rassentrennungsbefürworter Wilson in den Krieg in Europa eintrat, um (wie dann auch ab 1941 und viele weiter Male) das Böse in der Welt draussen zu bekämpfen.69

Diese “Houston Riot” wurde dahingehend diskutiert, welche Gefahr von schwarzen Soldaten ausgehe, nicht bezüglich des rassistischen Verhaltens von Polizisten der Stadt, der Verhältnisse im Süden/Südosten der USA, der Stellung der Afro-Amerikaner in diesem Land für das sie kämpfen sollten,… Aus Afro-Amerikanern in den Streitkräften der USA wurden für den Krieg in Europa zwei Infanterie-Divisionen gebildet, der Grossteil kam aber nicht diese Kampfeinheiten (Combat units), sondern in Arbeitseinheiten (support units), wo sie keine Waffen bekamen, aber harte Arbeit wie Entladen von Kriegsschiffen und Strassenbau leisten mussten, streng separiert von den weissen “Kameraden”. Malcolm X / Malik Shabazz hat ja nach der westlichen Intervention im Congo 1960, die mit der Gewalt an (weissen) Frauen dort begründet wurde, gesagt, wenn diese Mächte in Afrika für Weisse intervenierten, könnten afrikanische Armeen eigentlich in der USA anlässlich von Gewalt gegen Schwarze dort intervenieren. In Houston engagierten sich immerhin schwarze US-Soldaten für schwarze Zivilisten. Abgesehen davon, die Sache hätte sich eigentlich auswachsen können, bzw wie ein Lauffeuer verbreiten in der USA. Wilson erhielt 1919 den Friedensnobelpreis „für seine Verdienste um die Beendigung des Ersten Weltkriegs“.

* Nach diesem Krieg kam es in Tulsa (Oklahoma) zu Spannungen zwischen Weiss und Schwarz, die sich entluden. Dort gab es eine auf JimCrow-Gesetzen basierende Rassendiskriminierung. 1921 wurde ein schwarzer Schuhputzer beschuldigt, eine weisse Fahrstuhlführerin sexuell angefallen zu haben. Ein “weisser” Mob stürmte das Gerichtsgebäude/Gefängnis, wollte die Übergabe des Beschuldigten, um ihn zu lynchen. Eine Gruppe Afro-Amerikaner, möglicherweise Veteranen des 1. WK eilte hin, um ihn zu retten. Es folgte ein “Vorgehen” eines weissen Mobs gegen diese Afro-Amerikaner und ihre Wohngegenden, mit Unterstützung der Polizei von Tulsa, das 2 Tage ging. Die meisten der 100–300 Toten waren Afro-Amerikaner.

* Im selben Jahr auch ein ganz anderer Konflikt in der USA: Die “Schlacht am Blair Mountain”, in Logan County (West Virginia). Ein Arbeitskampf, zwischen Arbeitern von Kohle-Bergwerken in den Appalachen und den Besitzern dieser Bergwerke (von den Behörden unterstützt), der bereits Jahre zuvor begann. Der grösste Arbeiteraufstand in der Geschichte der USA, einer der schärfsten Konflikte in diesem Land seit dem Bürgerkrieg. Fünf Tage lang Ende August, Anfang September 1921 standen sich 10 000 bewaffnete Bergarbeiter und 3000 Polizisten, Soldaten, Streikbrecher, Abgehöriger privater Sicherheitsdienste,… gegenüber. Es ging um (bzw gegen) den Versuch, die Kohlearbeiter der Region gewerkschaftlich zu organisieren; Anführer der “Aufständischen” war William “Bill” Blizzard von den United Mine Workers. Ungefähr 100 Menschen wurden getötet, viele wurden verhaftet.

* “Bonus Army” wurde 1932 in der USA ein Protestmarsch von etwa 43 000 Menschen genannt (1. WK-Veteranen, ihre Familien, weitere Angehörige), die sich in der Hauptstadt Washington versammelten, um auf die Auszahlung von “Gutscheinen” (Boni in Form von Zertifikaten) zu drängen die sie für ihren Militärdienst bekommen hatten. Die von Walter Waters Geführten nannten sich “Bonus Expeditionary Force”. Sie “belagerten” das Capitol-Gebäude. Der Militärheld Smedley Butler (Spanisch-Amerikanischer Krieg, „Bananenkriege“, 1. WK) sprach den Protestierenden Solidarität zu. Als die Polizei die Demonstration auflösen wollte, kam es zu Gewalt, zwei toten Demonstranten. Nun liess Präsident Herbert Hoover Militär in die Hauptstadt kommen. Armee-Stabschef Douglas MacArthur (mit Dwight Eisenhower als Adjutant) organisierte diesen Aufmarsch (Kavallerie, Infanterie), auch eine Panzereinheit unter George Patton kam. Dieser Angriff, der die ehemaligen Soldaten aus der Stadt vertrieb, forderte 4 Tote.  Der genannte Smedley Butter war nach seiner Militärkarriere Polizeichef von Philadelphia. 1934 behauptete er, dass rechtsgerichtete Geschäftsleute und Faschisten wie KKK und American Liberty League 1933 einen Staatsstreich gegen Präsident Franklin Roosevelt und seine Regierung geplant hatten. Unzufriedene Militär-Veteranen sollten dazu benutzt werden. Und Butler hätte Führer der USA werden sollen. Butler schrieb bald danach ein kritisches Buch über die Kriege der USA, an denen er teil genommen hatte.

* Der Bezirk/County McMinn in Tennessee wurde um den 2. WK herum von der Cantrell-Familie “geführt”. Anlässlich der Vorwahl für die Sheriffswahl von McMinn County 1946 entzündeten sich lange bestehende Spannungen. Vor allem in der dort gelegenen Stadt Athens, wo es zur “Schlacht von Athens” kam. Wieder beteiligt waren zurückgekehrte Soldaten des 2. WK, die sich gegen Wähler-Einschüchterung und Ähnliches wehrten, sich mit den Polizisten ein Schussgefecht lieferten.

* Interessanterweise gibt es in den zur USA gehörenden Gebieten, die nicht Bundesstaaten sind, Bestrebungen diese zum 51. Staat zu machen, aber auch Unabhängigkeitsbestrebungen. Kandidaten für den Bundesstaat-Status und für die Sezession sind Puerto Rico, Guam, die Northern Mariana Islands, U.S. Virgin Islands70, American Samoa (Ost-Samoa); der District of Columbia nur für Ersteres, die Guano-Inseln für keine der beiden Möglichkeiten. Gebiete ausserhalb des geschlossenen Staatsgebietes, die dann Bundesstaaten wurden, sind ja Hawaii und Alaska. In beiden Staaten gibt es auch Sezessionsbewegungen, in Hawaii werden diese von der “Urbevölkerung” getragen, zielen auf eine Restauration des Königreichs Hawaii (Aupuni Mōʻī o Hawaiʻi) ab. Ansonsten hat es bei Indianer-Völkern immer wieder Unabhängigkeits-Aktivismus gegeben, zur Zeit am konkretesten bei den Lakota. Auch bei Afro-Amerikanern gab es Ansätze, Tendenzen dazu, von den Repatriierungs-Bemühungen nach Afrika bis zur Nation of Islam. Die Mormonen und Utah wurden schon erwähnt.

Kalifornien, der Westen des mexikanischen Alta California, liegt am Rand der USA, könnte als unabhängiger Staat bestehen71, und hat Ansätze einer eigenen nationalen Identität (historisch-ethnisch-kulturell-…), nicht nur da WASP’s dort nicht in der Mehrheit sind. 2015 wurde die Yes California Independence Campaign gegründet (an frühere Initiativen anknüpfend72); sie bekam durch den Sieg von Donald Trump durch die Präsidentschaftswahl im November ’16 grösseren Zulauf. Hillary Clinton war dort mehr als 4,2 Millionen Wählerstimmen vor Trump gelegen, wenn man so will 4 der 3 Millionen Stimmen die Clinton insgesamt mehr als Trump bekam. Yes California will die Abspaltung Kaliforniens von der USA, mittels eines Referendums, für dessen Abhaltung sie Unterschriften sammelte. Die Kampagne durfte Unterschriften sammeln, nachdem Kaliforniens Innenminister dafür im Jan. 17 grünes Licht gab. Im April stoppte die Kampagne diese Initiative, im Zusammenhang mit der möglichen russischen Einflussnahme in diese Präsidentenwahl und den Russland-Verbindungen von Kampagnen-Leiter Louis Marinelli, einem New Yorker (italienischer Herkunft) der in Russland lebt, ehemaliger Republikaner ist und angab, 2016 für Trump gestimmt zu haben.

Die Abhaltung eines Referendums und eine Mehrheit dabei wäre jedenfalls für einen (“geregelten”) Austritt nicht genug; der Congress müsste dazu auch einen entsprechenden Verfassungszusatz annehmen, wofür eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig ist. Die Kampagne zur Abspaltung Californias vom Rest der USA wird von der California National PartyPartido Nacional de California (CNP) unterstützt, die 2014 gegründet wurde. Latinos/Hispanics/Chicanos, also Menschen lateinamerikanischer Herkunft, machen einen bedeutenden Teil der Bevölkerung Kaliforniens aus, wahrscheinlich die Mehrheit. Wobei Californios, also Nachfahren der mexikanischen Einwohner von Alta California, nur einen kleinen Teil davon ausmachen, die meisten Latinos in Kalifornien sind Einwanderer aus Mexico oder Nachfahren solcher. Und hier kommen wir zu einem anderen Punkt: Neben dem “Calexit” (kalifornischer Separatismus) gibt es noch einen Irredentismus Kalifornien betreffend. Jene Gebiete der USA, die Mitte des 19. Jh von Mexico abgetrennt wurden (Kalifornien einer der Bundesstaaten), werden von manchen Mexikanern noch immer oder wieder beansprucht. Wobei sich die Urheimat der (von den Spaniern unterworfenen) Azteken, Aztlán, im Südwesten der USA befunden haben soll, was diese Ansprüche unterstreicht.73 Bei Samoa und Virgin ist es ja so, dass die USA nur die eine Hälfte dieses Gebiets bekommen haben, bei den Marianen anfangs auch, wobei West-Samoa zwar unabhängig ist, die östlichen Virgin Islands aber britisch. In Texas gibt es seit den 1990ern auch eine Unabhängigkeits-Bewegung74, wie Kalifornien einer der grössten Bundesstaaten, dort kommt die Idee zur Trennung daraus dass man sich als konservativer als der Rest der USA sieht, konträr zum überdurchschnittlich liberalen Kalifornien!

Dort gibt es aber (noch) keine Konflikte, anders als bei Puerto Rico – nun zum eigentlichen Punkt. Dort gab es ja, wie auf Cuba und Philippinen eine Unabhängigkeitsbewegung gegen die Spanier vor der USA-Eroberung. Für die Unabhängigkeit von Puerto Rico von der USA kämpfte früher die Partido Nacionalista de Puerto Rico (PNPR), ab 1930 von Pedro Albizu Campos geführt. Bevor Puerto Rico Ende der 1940er, Anfang der 1950er Selbstverwaltung bekam (und den jetzigen Status), führte staatliches amerikanisches Vorgehen gegen die PNPR75 zu Gegenwehr dieser, zur Aufnahme eines gewaltsamen Kampfes. Dieser wurde auch in die “Kern-USA” getragen; 1950 versuchten PNPR-Aktivisten USA-Präsident Truman zu töten, 1954 gab es ein Schuss-Attentat der Organisation auf den Congress in Washington. Während die PNPR (auch nach dem Tod von Albizu) bis heute aktiv ist, übernahm in den 1970ern eine andere Guerilla-Organisationen, die FALN (Fuerzas Armadas de Liberación Nacional Puertorriqueña), die führende Rolle im Unabhängigkeits-Kampf.76 Der Unabhängigkeits-Kampf wird heute von einer Partei geführt, der PIP, die keinen grossen Zuspruch bekommt.77

* In der damals amerikanischen Panamakanal-Zone gabs 1964 Unruhen gegen die US-Herrschaft, die blutig niedergeschlagen wurden; die Unruhe entzündete sich am Hissen von Flaggen (der amerikanischen und der panamaischen), als Ausdruck der Zugehörigkeit bzw Hoheit. Dieses Gebiet ist eines jener, das die USA nach langer Herrschaft abgegeben haben, de-facto-Staatschef Torrijos handelte mit US-Präsident Carter 1977 die Rückgabe der Kanalzone aus (die als solche schon 1979 aufgelöst wurde), die 1999/2000 vollzogen wurde – im Rückgabevertrag wurde der USA ein Interventionsrecht im Falle von “Gefahr für die Neutralität” des Kanals eingeräumt.

* Die Intervention der USA im Krieg zwischen Nord- und Süd-Vietnam ging von 1964 bis 1973, ab dem Tonkin-Golf-“Zwischenfall”, zuvor waren aber schon 20 000 US-Soldaten in Süd-Vietnam… Der Truppenaufmarsch der USA (auf See) nach Vietnam lief wie erwähnt grossteils über Guam. Eine wachsende Antikriegsbewegung, Teil der dortigen 68er-Bewegung, und die Wehrpflicht machten den Vietnam-Krieg trotz der grossen Distanz sehr präsent in der USA.78 In diesem Krieg gab es ja theoretische Gleichberechtigung zwischen Weissen und Nicht-Weissen in den Streitkräften der USA, die Integration im Militär begann damals, parallel zur allgemeinen Emanzipation der Afro-Amerikaner in der USA (Bürgerrechtsgesetze wie auch Rassenunruhen in den 1960ern). Die 1940 eingeführte Wehrpflicht lief 1947 aus, wurde im beginnenden Kalten Krieg 1948 wieder eingeführt und 1973 (mit dem Abzug aus Vietnam) erneut ausgesetzt.79 Es gab auch in diesem Krieg einen überproportional hohen Anteil von Afro-Amerikanern im USA-Militär, die Todesrate war noch höher, die Offiziersrate wesentlich geringer (in allen früheren Kriegen waren diese Zahlen noch extremer)…80

Vor allem in der Freizeit gab es eine Trennung zwischen Schwarz und Weiss im USA-Militär in Vietnam. Mit zunehmender Kriegsdauer kamen dort rassische Konflikte auf. Martin L. King, der ja für ein Miteinander von “Weiss” und “Schwarz” kämpfte (und Andere), sagte(n), die USA-Intervention sei ein Rassenkrieg in der das Establishment der USA „schwarze Söldner benutze um braune Menschen zu töten”.81 Mir ist nicht bekannt, ob es wirklich Versuche des Vietcong (FNL) oder des nord-vietnamesischen Staates gab, afro-amerikanische Soldaten zum Überlaufen zu bewegen. Im Film „Dead Presidents“ (1995) wird so etwas (mittels Flugblätter) dargestellt. Der afro-amerikanische Autor und Amateurhistoriker Wallace Terry (1938 – 2003) brachte 1984 “Vietnam, Bloods: An Oral History of the Vietnam War” heraus, das Grundlage für diesen Film war.82 Auch Muhammed Ali hat es klar ausgedrückt (siehe unten), eine Verbindung zwischen Rassismus und Diskriminierung zu Hause, in jener Nation, für die diese Afro-Amerikaner kämpfen sollten, und diesem Krieg hergestellt. Die “Kongo-Krise” endete etwa da, als das USA-Mitmischen in Vietnam (und damit der Vietnam-Krieg) richtig losging. Malcolm X hat einen Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Afro-Amerikaner in der USA und westlichem Eingreifen im Congo/Kongo hergestellt (siehe oben)83, Andere auch einen zwischen diesen inneren Zuständen und dem Wirken als Weltpolizei allgemein.

Die grosse Meuterei oder Kriegsdienstverweigerung gab es aber nicht, wie auch nicht in den Weltkriegen84, dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, Irak,… wo ebenfalls das Potential dazu gegeben war. Und es kam auch zu keiner “Fraternisierung” (Überlaufen) zwischen Afro-Amerikanern (“Niggern”) und “Schlitzaugen” oder “Kameltreibern”. Ansätze von Meutereien gab es aber, wie wahrscheinlich nie vorher und danach in den US-Streitkräften. Und das nicht nur unter jenen, die auch nach Vietnam kamen. 43 schwarze Soldaten die in Fort Hood (Texas) stationiert waren, verweigerten rund um den Wahl-Parteitag der Democratic Party 1968 in Chicago den Einsatz gegen Anti-Kriegs-Demonstranten (denen es u.a. um bzw gegen Kriegs-Präsident Johnson ging). Natürlich übten auch Weisse im Militär Proteste aus. Flugblätter und Ähnliches gegen den Krieg zirkulierten auf fast allen Militärstützpunkten in der USA. In South Carolina verweigerte 1967 ein Militärarzt namens Howard Levy, bei den Green Berets dienende Sanitäter auszubilden, wurde dafür von einem Kriegsgericht verurteilt. Oder, zu Weihnachten 1969 gab es eine Antikriegsdemonstration von (etwa 50) US-Soldaten in Saigon.85 Die damals ausufernde Drogeneinnahme von Soldaten war vielleicht auch eine Art Protest, jedenfalls eine Flucht. Manche Soldaten wachten nach Abrüsten/Rückkehr/Verwundung auf, wie Ron(ald) Kovic, der der Organisation Vietnam Veterans Against the War angehört.

Einberufungszentrum Oakland bei San Francisco, 1967

Ja, und die innere Gewalt die in diesem Punkt hauptsächlich behandelt werden soll, ereignete sich im Militärgefängnis im US-Militär-Stützpunkt in Long Binh nahe Saigon. die Basis bestand 65-7586, das Gefängnis war das grösste amerikanische in diesem Krieg, und etwa 90% der Insaßen waren Afro-Amerikaner. Ein Gary Payton etwa verliess nach einer rassistischen Beschimpfung durch einen Vorgesetzten seinen Posten, wurde dafür (dort) eingesperrt. Und 1968 kam es in Long Binh zu einem Aufstand der Schwarzen in dem Gefängnis, die Militärpolizei hielt dagegen, am Ende zählte man einen toten weissen Gefangenen, 4 entkommene Gefangene87. Folgen waren eine “Verstärkung” des Lagers, Strafen für die Beteiligten.

Das Long Binh-Gefängnis nach der Auflehnung

* Militante Indianer-Aktionen nach Abschluss der Unterwerfung der Ureinwohner wurden einige von AIM unternommen. So wie jene 1973 in Wounded Knee.

* 1992 die rassischen Unruhen in Los Angeles (Einsatz der Nationalgarde,…), wie in den 1960ern in verschiedenen Teilen der USA

* In Waco (Texas) 1993 Belagerung und Schiesserei zwischen der Branch Davidians Sekte und staatlichen Kräften (82 Tote). 1997 in San Diego (Kalifornien) Gruppenselbstmord einer anderen Sekte, der Heaven’s Gate. Auch beim Massen-Selbst(?)-Mord 1978 in Guyana waren so ziemlich alle Beteiligten/Betroffenen US-Amerikaner. Ausserhalb der USA ereignete sich auch der Flugzeugabsturz über Lockerbie (Schottland/Grossbritannien) 1988, auch hier waren hauptsächlich Amerikaner betroffen. Beim Untergang der „Titanic“ 1912 war das teilweise der Fall. Beim Anschlag nicht geklärter Provenienz auf die Truppenunterkünfte der Multinational Force in Lebanon (MNF) am Flughafen Beirut 1983 waren die meisten Getöteten Amerikaner, beim israelischen Angriff auf die „USS Liberty” 1967 alle.

* Zu nennen wären noch diverse Gewaltakte aus dem Bereich Terror/Massaker/Amoklauf. Die Ereignisse vom 11. 9. 01 sind wie gesagt von Aussen gekommen, war keine innere Gewalt (es sei denn, die Dinge waren doch anders). Aber: 1910 der Anschlag auf das Gebäude der „Los Angeles Times“ durch einen Gewerkschaftsaktivisten, auf das Verwaltungsgebäude in Oklahoma City 1995 durch einen Rechtsextremisten, oder auf eine Disco in Orlando 2016 durch einen Islamisten waren politische “innere” Anschläge. Jene in Bath Town 1927 (Michigan, Schule, Andrew Kehoe), Austin 1966 (Turm Uni-Gelände), San Ysidro 1984 (McDonalds-Filiale), Columbine (Colorado) 1999, Las Vegas 2017,… waren unpolitische. Wobei: Wo verläuft dort die Grenze, was ist die Definition? Die Washington Sniper 2002 waren vielleicht im Graubereich dazwischen. Gewalt von Abtreibungsgegnern ist sehr politisch. Die Morde der “Manson-Familie” waren das auch, “indirekt”. Jene von “Ted” Bundy, der 1974-78 mindestens 35 Frauen tötete88 (dafür selbt vom Staat getötet wurde), eigentlich nicht. Und der Aufstand im Gefängnis von Attica 1971?

Rassismus in der USA

Die „Frontier“ war bei der Entstehung der USA, der Ausbreitung der europäischen Siedler, die Grenze zwischen „Wildnis“ und „Zivilisation“. Jenseits dieser Grenze hauptsächlich die (aus Asien stammenden) “Indianer”, aber auch hinter dieser “Front”, und die als Sklaven geholten Afrikaner. Diese Afro-Amerikaner waren schon im USA-Unabhängigkeitskrieg (gegen GB) in der ersten Armee der USA, der Continental Army, dabei, seither (in wachsender Zahl) in allen weiteren, von der “Indianer“-Unterwerfung über die „Weltkriege“ und darüber hinaus. Sie wurden benötigt, aber man fürchtete lange, dass sie die mit Militärdienst verbundene(n) Waffen und Ausbildung einsetzten, ihre Rechte zu Hause zu erkämpfen. “Buffalo Soldiers” war ursprünglich die Bezeichnung für ein afro-amerikanisches Regiment 1866, die ihr von Indianern gegeben wurde, später Synonym für afro-amerikanische Soldaten/Einheiten in USA-Streitkräften. Theoretische Gleichberechtigung gab es wie erwähnt ab dem Vietnam-Krieg. Was die Kluft zwischen Norden und Süden der USA, die sich ab den 1830ern auftat, betrifft, ich habe kürzlich “Die Kultur der Niederlage” von Wolfgang Schivelbusch gelesen, wo dies, als Hintergrund zur Niederlage von 1865, analysiert wird. Der Autor weist darauf hin, dass die Afro-Amerikaner auch in der Nord-USA lange um Bürgerrechte kämpfen mussten, es dort möglicherweise mehr Rassismus gab als im Süden.

Unter Präsident Woodrow Wilson (DP) intervenierten die USA im 1. Weltkrieg und bestimmten die Nachkriegsordnung in Europa maßgeblich mit; Basis dafür war sein im Jänner 1918 vorgestelltes 14-Punkte-Programm, das v. a. ein “Selbstbestimmungsrecht der Völker” und sowie die Schaffung eines Völkerbundes vorsah – im weissen Weltsystem. Wilson betrieb der afroamerikanischen Minderheit gegenüber wie gesagt eine rassistische Politik, verteidigte Rassentrennung generell, hielt eigene Einheiten im Militär für sie mit weissen Kommandeuren aufrecht. Als der Völkerbund 1919 eine Resolution zur Gleichheit der Rassen (von Japan eingebracht) verabschieden wollte, scheiterte dies hauptsächlich am Widerstand der USA-Regierung unter Wilson. Darüber hinaus waren/sind die auf ihn zurückgehenden Grenzziehungen in vielen Fällen fragwürdig. Aber auch unter dem fortschrittlicheren Franklin Roosevelt noch gab es in der USA einen dreisten Rassismus. Jesse Owens wurde nach seinen 4 Leichtathletik-Goldmedaillien bei Olympia in Berlin vor Hitler im Gegensatz zu weissen amerikanischen Medaillien-Gewinnern nicht von Roosevelt ins Weisse Haus eingeladen.

Aufschlussreich ist auch der Blick darauf, wie Kriegsgefangene aus Nazi-Deutschland oder aber Afro-Amerikaner im bzw. nach dem 2. Weltkrieg in der USA behandelt wurden. Etwa in Fort Hunt (Virginia) – dort wurden nach dem 2. WK auch deutsche Wissenschafter befragt, die in die USA kommen wollten. Die USA nahmen ab 1942 ihren Anteil an den Alliierten-Kriegsgefangenen der Achsenmächte auf. Kriegsgefangenen-Lager, hauptsächlich für deutsche und italienische Soldaten, entstanden in mehreren Bundesstaaten. Am Kriegsende befanden sich etwa 500 000 Gefangene in der USA, 380 000 davon Deutsche. Ab 1943 wurden die Kriegsgefangenen auch zu Arbeiten eingesetzt, hauptsächlich in der Landwirtschaft (auf Farmen). In Huntsville (Texas) gab es etwa so ein Lager. Die Journalistin Heather Tirado-Gilligan hat darüber einen empfehlenswerten Artikel geschrieben. Mit dem Arbeitseinsatz der Deutschen auf den Feldern brach das Eis zwischen den Gefangenen und den Einheimischen, schreibt sie. Die Deutschen arbeiteten dort Seite an Seite mit Afro-Amerikanern auf den Baumwoll-Feldern. Sogar “Nazi-Gefangene” waren schockiert darüber, wie Afro-Amerikaner in Texas von den Einheimischen (Weissen) und Behördenvertretern behandelt wurden, so Tirado. Dies trotz dem Rassismus der Nazi-Ideologie in deren Namen Deutschland beherrscht und der Krieg geführt wurde.

Und die vormaligen “Landser” durften in “whites-only” Cafeterias essen, im Gegensatz zu den schwarzen Amerikanern. Die im Lager die niedrigsten Tätigkeiten durchführen “durften”. Die Deutschen und die Afro-Amerikaner kamen aber mit einander aus; deutsche Soldaten hatten auch erlebt, heisst es, dass afroamerikanische Soldaten sie vor Übergriffen weisser amerikanischer Soldaten beschützt hatten. In Huntsville gab es auch ein Umerziehungsprogramm für die Deutschen. In dem die Bedeutung von “Demokratie” erklärt wurde, die Befreiung von “Konzentrationslagern” in Filmen gezeigt wurde,… Die Behandlung der Afro-Amerikaner die sie dort erlebten, war auch ein gutes Stück Erziehung, Lehre, Erfahrung. Was vielleicht nicht ganz zu Allem passte, was in Vorträgen oder Filmen kam. Zu diesem Themenkreis hat Matthias Reiss Einiges publiziert.89 In Fort Ritchie (Maryland) wurden deutschsprachige Amerikaner sowie Juden, die aus dem “Grossdeutschen Reich” fliehen mussten, dafür ausgebildet, nach der Invasion dort Befragungen durch zu führen. Ein Afro-Amerikaner war darunter, William Warfield. Trotz seiner sehr guten Deutsch-Kenntnisse kam er dann nie zum Einsatz in Deutschland.90

Umerziehungs-Material für Deutsche in Huntsville

Afro-Amerikanische Soldaten kämpften im 2. WK, je nach Sicht, gegen die Kräfte des Faschismus in Europa oder für den US-amerikanischen Imperialismus. In eigenen Einheiten wie gesagt, am meisten Renommé bekamen wohl die Tuskegee airmen. Walter Manning war ein afroamerikanischer Kampfpilot, der im Frühling 1945 südlich von Linz abstürzte. Er wurde in ein Gefängnis im Fliegerhorst Hörsching gebracht, dann von Nazi-Funktionären und dem regionalen Mob aus seiner Zelle geholt, schwer misshandelt und schliesslich erhängt wurde, mit einem Schild mit den Worten „Wir wehren uns!“ um den Hals. Wenig später rückten Bodentruppen der US-Streitkräfte ein. Hier gab es keine Suche nach den Verantwortlichen. Wehrmachts-General Anton Dostler hingegen wurde in Italien (im Dezember 45) von US-Truppen kriegsrechtlich erschossen, da er 15 amerikanische Kriegsgefangene töten hatte lassen. Bei Manning war es ja so: Nicht-Weisse in den Reihen der Armeen der Alliierten, ob Afro-Amerikaner oder asiatische Sowjetbürger oder französische Kolonialtruppen aus Afrika, wurden von Nazi-Deutschland (wie auch solche Soldaten in den Reihen der Entente-Heere im 1. WK) als Verletzung von Spielregeln gesehen, als Gefährdung des Abendlandes. Davon (und dass Nicht-Europäer in beiden grossen Kriegen des 20. Jh für westliche Mächte kämpften)91 soll auch ein gewisser heutiger Umgang mit der Materie ablenken. Und die Afro-Amerikaner und ihre überdurchschnittlich hohen Opfer im Zweiten Weltkrieg? Im April 1945 kam es auf der Luftwaffenbasis “Freeman Army Airfield” bei Seymour (Indiana) zu einem grossen Aufruhr, nachdem afroamerikanische Luftwaffen-Angehörige versuchten, den Offiziers-Club auch zu nutzen, sich zu integrieren. Am Ende wurden 162 schwarze Offiziere verhaftet, weil sie sich gegen ihre Diskriminierung gewehrt hatten, kam es zu einigen Kriegsgerichtsanklagen. Es war dieses Ereignis ein Faktor, der zur Aufhebung der Segregation in den Streitkräften der USA 1948 durch Truman führte.

Aber auch zur Entstehung der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung nach diesem Krieg, auch aufgrund entsprechender Erfahrungen in ihm.92 Die Sklaverei war nach dem Bürgerkrieg in die Segregation über gegangen, bzw in eine Art Apartheid, hauptsächlich in den Südstaaten. In den 1960ern die Bürgerrechtsgesetze unter Johnson, die die formale Gleichstellung von Afro-Amerikanern in der USA brachten.93 Eine Integration fand v.a. in der Musik und im Sport statt. Wobei es leichter war, ein schwarzes Show-Basketball-Team wie die “Harlem Globetrotters” zu fördern, als Schwarze in NBA-Teams. „Duke“ Ellington und andere Jazz-Musiker (hauptsächlich Schwarze) wurden in den 50ern und 60ern von USA-Regierungen in im Kalten Krieg „umstrittene“ Länder geschickt, um USA und Westen zu promoten, Image zu verbessern. Das zu einer Zeit, wie Andrea Böhm schrieb, als rechte Politiker im Kongress der USA Gift und Galle angesichts „Negermusik“ spuckten, Schwarze im Süden der USA noch von Wahlen ausgeschlossen waren und gelyncht wurden.94

USA-Verteidiger zu Bush- und Trump-Zeiten ziehen/zogen gerne Rassismus von (hauptsächlich europäischen) USA-Kritikern im Westen (also eine USA-Kritik, die sich am Nicht-Weissen und Liberalen dort stört) heran, um USA-Kritik an sich zu diffamieren – obwohl diese „Kritiker“ Gesinnungsfreunde dieses US-amerikanischen institutionalisierten Rassismus sind, und solche USA-Verteidiger die Thematisierung dieses Rassismus zu verhindern suchen. Als ob zwischen Duke Ellington und George Wallace nicht zu differenzieren wäre, als ob sie zu Zeiten der Obama-Präsidentschaft nicht ihre Haltung zur USA bzw ihrer Politik geändert hätten… Ich glaube, es war Wolfgang G. Lerch, der geschrieben hat (in “Halbmond, Kreuz und Davidstern”?), “Einst stand Ella Fitzgerald beim Baalbek-Festival auf der Bühne, heute ist es Schiiten-Hochburg”. Lerch gehört nicht zu dieser Sorte “USA-Freunde”, und seiner Feststellung (bzw Gegenüberstellung) liegt ja eine sehr scharfe Beobachtung zu Grunde. Ich will aber auf sie eingehen, weil es ja Leute gibt, die sie nicht richtig lesen werden. Ab 1955 wurden die Baalbe(c)k (International) Festivals abgehalten. Ella Fitzgerald, liess sich herausfinden, trat 1971 und 1972 dort auf.95 In den Jahren des Bürgerkriegs im Libanon (1975-1990) fiel das Festival klarerweise aus.

Fitzgerald war 1954 nach Australien zu einer Tournee geflogen, wobei die ersten beiden Konzerte, in Sydney, abgesagt und nachgeholt werden mussten. Der Grund war, dass Fitzgerald und 2 weitere Afro-Amerikaner aus ihrer Begleitung, die Tickets für die 1. Klasse des PanAm-Fluges (Honolulu – Sydney) hatten, des Flugzeugs verwiesen worden waren… Baalbek bzw die Bekaa-Ebene waren schon seit Jahrhunderten ein Siedlungsschwerpunkt der Schiiten im Libanon, lange bevor dort der schiitische Islamismus stark wurde (das war eigentlich während des Bürgerkriegs), hauptsächlich durch die Hisbollah (oder die Hisbollah mit ihm), mit Unterstützung des Regimes des Iran. Ja, das Festival in Baalbek steht gewissermaßen im Gegensatz zu diesem Islamismus, auch wenn es noch immer statt findet. Aber, die ganze “Geschichte” ist eben, dass Frau Fitzgerald in ihrem Land, der USA, wegen ihrer Rasse diskriminiert wurde, wie alle Afro-Amerikaner (die Sache mit dem Flug wird nicht die einzige gewesen sein). Auch wenn in den letzten Jahren verstärkt versucht wird, den Westen als so frei, lustvoll und tolerant zu definieren. Und zu insinuieren, dass alle die das anders sehen, dies aus einer Gegnerschaft zu dieser “Lust” und “Freiheit” täten.96

Im Übergang zum Kalten Krieg wurde Deutschland (bzw sein Westteil) schnell Partner der USA und der anderen Westmächte. Afro-Amerikaner wurden in dieser Partnerschaft wiederum nicht als Amerikaner wie Andere auch gesehen. Russen und andere Osteuropäer durften für viele Deutsche nun das bleiben, was sie für sie auch waren, als im von Hitler-Deutschland angezettelten Krieg rund 27 Millionen Russen getötet wurden. Von jenen Deutschen, die als Kriegsgefangene in die USA gekommen waren, kehrten nach Krieg und Freilassung bzw Rückkehr etwa 8 000 in die USA zurück bzw wanderten dort ein. In vielen Fällen gab es dabei Hilfe von jenen Farmern, für die sie als Gefangene gearbeitet hatten. Andere kamen zumindest zu häufigen Besuchen, hielten Kontakt zu “ihren” Farmern. Wernher von Braun kam über Fort Bliss und White Sands auch in ein Huntsville, eine Stadt dieses Namens in Alabama, durfte dort wieder an militärischen Raketen und solchen für die Raumfahrt arbeiten. Von Braun und sein Team (Walter Dornberger,…) wurden gleich von der 1958 gegründeten NASA übernommen; bis 1970 war Huntsville ihr Tätigkeitszentrum.

Etwas entfernt von Huntsville, aber auch in Alabama, liegt Montgomery. 1955, dem Jahr als Von Braun die Staatsbürgerschaft der USA bekam, mussten Leute wie Rosa Parks noch darum kämpfen, in Autobussen nicht hinten sitzen zu müssen. 1963, in dem Jahr in dem George Wallace das erste Mal Gouverneur von Alabama wurde, begann das FBI unter John Edgar Hoover, Martin Luther King (der ebenfalls in Montgomery wohnte), in sein COINTELPRO-Programm aufzunehmen, ihn zu bespitzeln und psychischen Druck auf ihn auszuüben. Auch nachdem er 1964 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, wurde King in der USA noch als Staatsfeind gesehen. 1967, als Alabama durch den Obersten Gerichtshof der USA dazu gezwungen wurde, als einer der letzten Staaten der USA das Verbot von “Mischehen” aufzuheben, startete die von Von Braun entwickelte “Saturn V” zu ihrem Erstflug und wurde der Westpreusse in die National Academy of Engineering aufgenommen.

Das Verbot von rassischer Diskriminierung kam mit den Bürgerrechts-Gesetzen unter Präsident Lyndon Johnson, hauptsächlich waren das der (eigentliche) Civil Rights Act 1964 und das Wahlrechtsgesetz 1965. Mit Johnson97 wurde die Democratic Party (DP) vollends die linkere der beiden Grossparteien der USA. Von den 1860ern bis ins frühere 20. Jh war die Republican Party (RP, “GOP”) jene Partei gewesen, die die Afro-Amerikaner überwiegendst unterstützten. Die Partei des Nordens, der Sklavereigegner. Dies begann sich schon mit Theodore Roosevelt zu ändern. Die Südstaaten-Demokraten um Alabamas Gouverneur George Wallace waren die schärfsten Gegner der Politik von dem Südstaatler Johnson.98 Der (weisse) Süden wurde republikanisch und die Republikanische Partei rutschte nach Rechts. Und die Afro-Amerikaner wechselten zur DP. Es waren hauptsächlich die Präsidenten-Wahlen 1964 und 1968, die diese Transformation “finalisierten”. Auch weil die RP 64 einen der wenigen Senatoren als Präsidentschafts-Kandidat aufstellte, die gegen das Bürgerrechtsgesetz in diesem Jahr stimmten.

Aus der Zeit nach dem Bürgerkrieg

Die RP begann mit Ronald Reagan (schon in den 1970ern), die Rassenkarte getarnt zu spielen. Man stellt Drogen, Kriminalität, “Sicherheit”99 in den Vordergrund, Religion, “amerikanische Werte”. Konservative Botschaften werden gesendet, die nicht rassistisch, reaktionär, aufhetzend klingen (sollen). Die Republikanische Partei versucht manchmal auch, „ihre“ Rolle (die der damaligen RP) bei der Beendigung der Sklaverei hervor zu streichen, und dass die meisten ihrer Abgeordneten im Congress auch für die Bürgerrechtsgesetze stimmten. Normalerweise bemüht sie sich aber um die Abschaffung von jeder affirmative action. Die Republikaner leugnen die tiefgreifenden und anhaltenden Folgen von Sklaverei und “Jim Crow”, stellen auch einen Rassismus in der Gesellschaft der USA sowie von Behörden in Abrede, wenn sie diesen Rassismus nicht bestärken, stützen. Einerseits sich Gegnerschaft zur rassischen Unterdrückung auf die Fahnen heften (man ist fortschrittlich), andererseits diese apologetisieren. Ähnlich ist es bei der Democratic Alliance in Südafrika (> Apartheid). Man stellt sich in gewissen politischen Kreisen gerne “farbenblind”. Arian Schiffer-Nasserie: “Die sozialistischen Kritiker der Black Panther hatten recht, als sie der Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King vorwarfen, dass mit der rechtlichen Gleichstellung für die eigentumslosen Massen nichts gewonnen sei – nicht einmal ein gewaltfreies Überleben in Armut. Und jene Schwarzen-Organisationen, die Kings Gewaltlosigkeit kritisiert hatten, fühlten sich durch seine Ermordung 1968 bestätigt.”100 Opposition zu dieser USA, nicht Integration in ihr, war von Black Panthers oder Black Muslims die Devise.

1966 wurde bekannt (gegeben), dass der Boxer Muhammad Ali101 für eine Einberufung in das amerikanische Militär für Vietnam in Frage kam, entgegen früherer Musterungs-Befunde. In diesem Zusammenhang kündigte er an, zu verweigern, aus religiösen Gründen und aus politischer Gegnerschaft zum Krieg, gab die Kommentare über den Vietnam-Krieg und die USA ab, die berühmt wurden. “Kein Vietnamese hat mich jemals ‘Nigger’ genannt“, “Wenn ich jemanden bekämpfe, dann euch”, “Ihr seid meine Feinde… Ihr seid meine Gegner bezüglich Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit. Ihr wollt dass ich irgendwo hin gehe und für euch kämpfe? Ihr setzt euch nicht einmal für meine Rechte hier ein”, “Ihr könnt mich ins Gefängnis stecken, ich bin seit 400 Jahren im Gefängnis, ich kann auch für 4 oder 5 mehr bleiben“. Als er 1967 in Houston einrückte, legte er verweigerndes, boykottierendes Verhalten an den Tag. Wurde darauf hin verhaftet, angeklagt. Der Rechtsstreit zog sich bis ’71; es war sein Status als Boxlegende und die wachsende Opposition zum Krieg in der USA, die ihn rettete.

Anti-Vietnam-Krieg-Demonstration 1967, Leroy Henderson (mit Alis Spruch)

Vietnam war ja jener Krieg, in dem ansatzweise Gleichberechtigung in das Militär der USA einkehrte. Und natürlich einer, in dem die USA (unter Johnson und Nixon) eingriff, um „Demokratie zu schützen“, et cetera. Genau auf die Diskrepanz zwischen der US-amerikanischen Rolle (Anmaßung) als Weltpolizist und so manchen Zuständen in diesem Land selbst, hat Ali ja abgezielt. Ein Weltpolizist dessen Truppen zu einem Drittel aus “Schwarzen” bestehen. Auch nachdem die Wehrpflicht 1973 abgeschafft (bzw inaktiv gemacht) wurde. Aber Viele melden sich eben freiwillig, mangels anderer Jobchancen. Colin Powell, im New Yorker Stadtteil Harlem in eine Familie jamaicanischer Emigranten geboren, Vietnam-Veteran, ist bis zum Generalstabschef (Chairman of the Joint Chiefs of Staff) dieses Heeres aufgestiegen, dann noch in die Politik gegangen. Ansonsten gab es nur einen Generalstabschef, der nicht entweder anglokeltischer oder sonstiger nord-/mitteleuropäischer Herkunft war/ist, Powells Nachnachfolger John Shalikashvili. Wie sich bei den niederländisch-stämmigen Roosevelts, dem deutschstämmigen Rumsfeld, dem jüdischstämmigen Lieberman, dem schwedischstämmigen Rehnquist oder dem französischstämmigen Du Pont zeigt, aus gewissen “Ethnien” kann man zum Ehren-WASP aufsteigen – auch wenn früher sogar schon Iren schwer diskriminiert wurden.102 An Präsidentschaftskandidaten von Grossparteien gab es nur zwei, deren Vorfahren aus südlicheren Gefilden stammten, Michael Dukakis und Barack Obama. Und zur Zeit von Obamas Präsidentschaft gab es eine neue staatliche Gewaltwelle gegen Afro-Amerikaner.

Zeitschrift der Black Panther 1969

Bei/von der USA gibt es einerseits den Anspruch, universales Licht für die Völker zu sein, andererseits ihr spezifisches WASP-Mirsanmir (das unter Trump wieder stärker hervor kommt). Was “unamerikanische Elemente” in Amerika sind, und wer die “Kräfte der Barbarei und des Bösen” draussen in der Welt sind, das hat sich immer wieder geändert. Was man auch an den Spielfilmen aus der USA (die seit den 1910ern in der Regel in dem Los Angeleser Stadtteil Hollywood produziert werden) nachverfolgen kann. Was in Amerika (USA) so im Laufe der Jahrhunderte als “unamerikanisch” gesehen wurde, geht aber vor die Entstehung der Filmindustrie zurück. Und, wie man gesehen hat, Nazi-Deutschland etwa wurde zwar richtigerweise bekämpft, aber Vieles davon “stehen gelassen” oder sogar “abgeschöpft”. General Patton wollte mit den Deutschen gleich den Krieg gegen die Sowjetunion weiter führen. Und für die Afroamerikaner begann der Kampf nach diesem Krieg erst. Unablässig die „Freiheit“ im Munde führend, hat man diese nicht einmal jenen im eigenen Land zugestanden, die für diese vorgegebene Definition von “Freiheit” anderswo gekämpft haben. Auch die Monroe-Doktrin und ihre Auslegungen unterstreichen, dass amerikanische “Werte” nie universalistische waren. Rassisches wurde früher gerne als Teil eines “Kampfes gegen den Kommunismus” deklariert, heute als “Kampf gegen Islamismus” ausgegeben.

Die WASP-Vorherrschaft in der USA wurde spät herausgefordert. In Hawaii hat es eine “weisse” Mehrheit nie gegeben, es überwiegt die asiatische Bevölkerung (Japaner,…). Zusammen mit der “Urbevölkerung” (den Hawaiianern) bilden diese wahrscheinlich eine absolute Mehrheit. Der District of Columbia, kein Staat, hat eine Mehrheit von Afro-Amerikanern. Dann gibt es einige Bundesstaaten, die kaum noch eine “weisse” Mehrheit haben. New Mexico hat eine Mehrheit von Hispanics/ Chicanos/ Latinos; California, Arizona, Texas sind nicht so weit davon entfernt. Kalifornien (und wahrscheinlich einige weitere Staaten) hat nur dann eine weisse Mehrheit, wenn man die “Latinos” die “weiss” sind, als Weisse zählt. Bei den mexikanischstämmigen Latinos im Südwesten gibt es nicht so Viele überwiegend europäischer Herkunft wie unter den Exil-Cubanern in Florida. In der USA haben die “Latinos” mit mittlerweile knapp 15 Prozent die Afroamerikaner als zweitgrösste Bevölkerungsgruppe hinter Weissen abgelöst. Wobei: “Weisse” (Caucasians) und “Schwarze” (Afro-Amerikaner) sind rassische Klassifizierungen bzw Konzepte (oder ethnorassische Gruppen), die “Latinos” sind rassisch sehr diversifiziert. Es geht um die Zuwanderer aus Lateinamerika (bzw deren Nachkommen), weiters die (Nachkommen der) Californios, Tejanos, Neomexicanos, sowie die Puertoricaner. Also um eine kulturell-historische Prägung oder so.

Die drei grossen Gruppen der Latinos sind: die mexikanisch Geprägten im Südwesten, meist arm und mit starkem “Einschlag” von Azteken/Nahua, Maya,… gegen ihre weitere Einwanderung will Trump eine Mauer bauen lassen103; die Cubaner im Südosten (Florida), seit dem Umsturz 1959, oft wohlhabend und weiss; die Puertoricaner, jene auf der Insel (die kein Bundesstaat ist, aber zur USA gehört) und jene in New York. Diverse Quellen zur Demographie Puerto Ricos führen die Puertoricaner als zu etwa drei Viertel “weiss” an. Hier kann man etwas genauer hinsehen. Als USA-Präsident Donald Trump nach dem Hurrikan in der Karibik 2017, der auch diese Insel heimsuchte, die Puertoricaner als “faul” tadelte, sprang ihm Tucker Carlson von Fox News bei, dies könne nicht rassistisch sein, da die meisten Puertoricaner weiss seien. Über die “Weissheit” der Puertoricaner bzw deren Konstruktion hier etwas.104 Leute wie Benicio Del Toro, südeuropäischer Herkunft, werden für Manche nicht als “Weisse” zählen, wie die Spanier Ende des 19. Jh für die USA keine ebenbürtigen Kolonialherren waren.

Steve King, Abgeordneter (RP) aus Iowa, ist gegenwärtig Jener im Congress, der “Rasse” am offensten thematisiert. Er propagiert einen “weissen Nationalismus”, wovon die USA als Ganze ja so circa um den 2. WK abgekommen ist. Macht dabei auch mit europäischen Rechtspolitikern gemeinsame Sache (was George Wallace ja zB nicht getan hat). Natürlich sind Einwanderer in die USA (und das sind hauptsächlich Mexikaner und andere Mittelamerikaner) und “Multikulturalismus” für ihn ganz schlimm. Er hatte auf seinem Schreibtisch eine “Südstaaten”-Flagge (jene der CSA), obwohl Iowa nicht Teil der CSA war. Er hat sie entfernt, nachdem in Iowa ein Rechtsextremist mit Südstaaten-Symbolen zwei Polizisten erschoss. Das sind die, die noch rechter sind als seinesgleichen, die den Staat USA (und seine Vertreter) hassen (und bekämpfen), rechtsextreme Milizionäre, Neonazis, Skinheads, KKK-Leute, auch radikale “Christen” (Hutaree,… sektenähnliche Organisationen). Im Jänner dieses Jahres fragte er die “New York Times” in einem Interview, “White nationalist, white supremacist, Western civilization — how did that language become offensive?”.

2008 sagte er zur Wahl von Obama dass Terroristen diese feiern würden, und: “When you think about the optics of a Barack Obama potentially getting elected President of the United States – I mean, what does this look like to the rest of the world? What does it look like to the world of Islam?”. Er hat den “Westen” eher implizit rassisch (weiss) definiert; etwas dass andere “Westisten” weeiiit von sich weisen würden, da ginge es ja um “gemeinsame Werte”105, et cetera. Samuel J. Taylor ist ein US-Amerikaner (ein „racial realist“), der “Westen” explizit über “Weisse” definiert. Wobei sich auch hier Fragen stellen: Weisse Lateinamerikaner gehören für ihn wohl kaum dazu. Und Osteuropäer? Aschkenasische Juden? Vor diesen “Problemen” stand auch das Apartheid-Regime in Südafrika – und hat Japaner aus wirtschaftlichen Gründen als Ehren-Weisse gesehen, nicht weisse Juden/Israelis (Mizrahis,…) ebenfalls (aus einer Mischung aus wirtschaftlichen und ideologischen Gründen), zähneknirschend auch Portugiesen – man durfte in dieser Lage nicht so wählerisch sein. Der Rassismus von Trump ist verhüllter, jener der Clintons mehr.

Leute wie dieser King treffen sich ja mit “antiamerikanischen” Europäern, die die USA aufgrund ihrer nicht-weissen Bevölkerung (ca. 1/3) ablehnen. Wo sich Rechtskonservative hüben (Mitteleuropa) und drüben (USA, angelsächsische Welt) einigen können oder auch nicht, sind Beurteilungen der US-amerikanischen Interventionen in Europa, in den “Weltkriegen”. Aber es geht schon, wie man zB bei Franz J. Strauss oder George Patton gesehen hat. Jene rechtsextremen US-Amerikaner (KKK, Neonazis,…), die 2017 in Charlottesville (Virginia) gegen die Entfernung einer Statue von CSA-General Robert Lee demonstrierten und dabei Gegendemonstranten angriffen (einen töteten), eine Sache an der Präsident Trump die “unfaire Berichterstattung der Medien” über die Demo störte sowie Gewalt dort “allgemein”, werden auch keine Probleme haben, Gleichgesinnte in Europa zu finden. Bei einem Rechten aus Griechenland oder Spanien wird es schon fraglicher sein, ob sie in der USA zB von einem Steve King als grundsätzlich gleichrangig angesehen werden.

Anfang der 00er kam, im Zuge der Islamkrise (bzw der geschürten globalen Polarisierung), in Deutschland und Österreich ja, hauptsächlich von Ex-Linken, eine pro-amerikanische Welle (nicht trotz sondern wegen Bush junior), verbunden mit selbstgerechten Unterstellungen des „Antiamerikanismus“. Andeutend, dass es zB zwischen Martin L. King und seinem Mörder (bzw Gegnern der Gleichberechtigung von Afroamerikanern) keinen Unterschied gäbe, und dass man selbst auf der “progressiven” Seite stünde. Als ob man nicht differenzieren müsste, zwischen Ella Fitzgerald und jenen, die sie aus dem Flugzeug warfen. Ein Feminismus der “Herrinnen der Plantage” kümmert sich da lieber um Hillary Clinton und ihre politischen Ambitionen. „Hitler wurde nicht von Demonstranten besiegt“, hiess es in den Apologetiken zu Bushs-Irak-Krieg 03 andauernd; nein, unter sehr grossen Opfern der afroamerikanischen Soldaten im Militär der USA.106 Und dass Iraks Herrscher Saddam Hussein in den 1980ern von der USA (mit Bush senior als Vizepräsident), vom Westen unterstützt wurde – kein Thema.

Die Geschäftsverbindungen der Bush-Familie mit Bin Laden (über ihre Beteiligung am Carlyle-Konzern)? Darüber schweigen wir lieber. Bush war ja quasi eine Held des Antifaschismus. Er selbst spannte bei einem Besuch in Oswieczim/Auschwitz (Polen) den Bogen vom Holokaust zum islamistischen Terror („evil“…). Dass man auch den Djihad der Mujahedin in Afghanistan unterstützte, aus dem u.a. Al-Kaida hervor ging, und Saudi-Arabien bis heute – das tut hiier doch nichts zur Sache. Und dass sein Grossvater Prescott Bush Geschäfte mit Nazi-Deutschland machte (über die Bank Brown Brothers Harriman), über Pearl Harbor hinaus, soll(te) bei dieser Geschichts-Aufarbeitung auch nicht stören. Hübsch zu sehen war, dass sich am Ende der Ära Bush junior die Initiatoren des Irak-Kriegs, von Bush abwärts107, von diesem gewissermaßen distanziert haben. Und Trump hat diesen Krieg deutlich verurteilt… Und der Haufen deutsch-österreichischer Ex-68er und “Anti”deutscher, der damals am lautesten dafür “gejubelt” hat?

Ob Jens Söring ein Justizopfer ist oder ein Mörder, kann ich nicht beurteilen. Die Tendenz der Berichte in Deutschland ist für ihn, in der USA scheint es anders herum zu sein. Seine deutschen Verteidiger erwähnen beim Hinweis auf sein Leid immer wieder, dass er als Weisser/Deutscher im Gefängnis (in Virginia) ist, mit Schwarzen und Latinos. Gibt aber auch Deutsche, die hier die Justiz der USA “blind” unterstützen/verteidigen, nicht als ein deutsches Opfer sehen, seinen Verteidigern “Antiamerikanismus” unterstellen. Wenn Söring Afro-Amerikaner wäre, gäbe es von diesen wahrscheinlich nicht das “Maulen” über eine Verurteilung bei dieser Beweislage. Manche deutsche Medien und Kommentatoren stellen auch den in USA wegen Pädophilie-Porno-Konsum verurteilten Zauberer Rouven/Füchtener als Opfer der amerikanischen Justiz dar.108

 

Literatur & Links

Daniel Immerwahr: How to Hide an Empire: A Short History of the Greater United States (2019). Englisch

Stephen Kinzer: Putsch! Zur Geschichte des amerikanischen Imperialismus (2007). Englisches Original: Overthrow: America’s Century of Regime Change from Hawaii to Iraq (2007)

Thomas G. Dyer: Theodore Roosevelt and the Idea of Race (1992). Englisch

Howard Zinn: A People’s History of American Empire (2008 6. Auflage). Englisch

Sebastian E. Bitar: US Military Bases, Quasi-Bases and Domestic Politics in Latin America (2016). Englisch

Michael L. Conniff: Africans in the Americas: A History of Black Diaspora (1994). Englisch

Robert F. Rogers: Destiny’s Landfall: A History of Guam (1995). Englisch. Scheint objektiv zu sein, wohin gegen “A History of Guam” (2001) von Lawrence Cunningham und Janice Beaty einen Pro-USA-POV haben dürfte

Carl Heine: Micronesia at the Crossroads: A Reappraisal of the Micronesian Political Dilemma (1974). Englisch

James Heartfield: Unpatriotic History of the Second World War (2012). Englisch. Heartfield schreibt, dass Alliierte wie Achsenmächte um das Gleiche kämpften: Territorium, Märkte, Natur-Resourcen

José A. Cabranes: Citizenship and the American Empire: Notes on the Legislative History of the United States Citizenship of Puerto Ricans (1978). Englisch

Cecil B. Currey: Long Binh Jail: An Oral History of Vietnam’s Notorious U. S. Military Prison (2001). Englisch

Matthias Reiss: Explaining Jim Crow to German Prisoners of War: the Impact of the South on the World War Two Reeducation Program. In: M. Berg, C. van Minnen (Hg.): The U.S. South and Europe (2013). Englisch

Doloris C. Cogan: We Fought the Navy and Won: Guam’s Quest for Democracy (2008). Englisch

Roger W. Gale: The Americanization of Micronesia: A Study of the Consolidation of US Rule in the Pacific (1979). Englisch

Matthias Reiss: The Nucleus of a New German Ideology? The Re-education of German Prisoners of War in the United States during World War II. In: B. Hately-Broad, B. Moore: Prisoners of War, Prisoners of Peace: Captivity, Homecoming and Memory in World War II (2005). Englisch

Klaus Brinkbäumer: Nachruf auf Amerika: Das Ende einer Freundschaft und die Zukunft des Westens (2018)

Louis Pérez: Cuba in the American Imagination: Metaphor and the Imperial Ethos, the Spanish–American War of 1898 (2008). Englisch

Matthias Reiss: „Wir waren anstelle der Neger dort“: Deutsche Kriegsgefangene und andere Vertragsarbeiter auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt.. In D. Dahlmann, M. Schulte-Beerbühl M (Hg.) Perspektiven in der Fremde? Arbeitsmarkt und Migration von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart (2011)

Johan Galtung: Hitlerisme, stalinisme, reaganisme: Tre variasjoner over et tema av Orwell (1984). Norwegisch/Bokmal

Hamid Dabashi: Europe and Its Shadows: Coloniality After Empire (2019). Englisch

Carlos Fuentes: Contra Bush (2004). Essay, wahrscheinlich nicht auf Deutsch übersetzt. Der Mexikaner Fuentes wurde für sein unabhängiges Denken in den 1960ern in der USA mit einem Einreiseverbot belegt

Scot Ngozi-Brown: African-American Soldiers and Filipinos: Racial Imperialism, Jim Crow and Social Relations. In: The Journal of Negro History Vol. 82, No. 1 (Winter, 1997), S. 42-53

Guams seven historical eras

How the US has hidden it’s empire

Gedanken zu Datumsgrenze, Null-Meridian und Zeitzonen

Amerikanischer Kolonialismus auf Guam

Der lange Weg nach Charlottesville

“The Agana Race Riot” ist ein ein-stündiger-Dokumentarfilm, von Carla Smith (ein schwarze Historikerin auf Guam), 2018 erstmals ausgestrahlt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Sie liegt an der Küste, aber der bedeutende Hafen Apra liegt ausserhalb der Stadt
  2. Angeblich, weil sie sie für sich (alleine) wollten
  3. Sehr relevant dazu ist auch die Behandlung von nazideutschen Kriegsgefangenen in der USA, auf die im Schluss-Abschnitt eingegangen wird
  4. Die Grenze zwischen West- und Ost-Neuguinea (oft als eine Grenze zwischen Asien und Ozeanien gesehen) wurde schnurgerade entlang dem 141. Breitengrad gezogen, war damals, 1884, eine Abgrenzung des niederländischen Besitzes ggü deutschem und britischen
  5. “Austronesier” ist ein Überbegriff für den grössten Teil der Bevölkerung Südost-Asiens und Ozeaniens und ihre Sprachen; Subgruppen sind die Taiwan-Eingeborenen und Malaio-Polynesier, zu Zweiteren gehören neben Polynesiern auch Melanesier und Mikronesier
  6. Die Heirat mit ihrem Onkel, König Felipe IV., war eine der vielen Fälle von Inzucht bei den spanischen Habsburgern, diese ein Grund für ihren Untergang
  7. Wahrscheinlich wurden die Marianen einst von den Philippinen aus besiedelt, stammen die Chamorros von den Philippinos ab
  8. Auf der Marianen-Insel Agrigan/Agrihan/Aguiguan wurde besonders lange Widerstand geleistet, 1695 wurde die Bevölkerung unterworfen und deportiert, nach Saipan und Guam
  9. Oder Sexualbeziehungen
  10. Oder: Durch die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Siedler in diesen Kolonien, die diesen Krieg in Europa zum Anlass nahmen
  11. Die spanischen Karibik-Besitzungen, die Antillas Occidentales, waren Teil von Neuspanien. Im 17. und 18. Jh hatte Spanien einen Teil der Inseln dort bereits an andere europäische Kolonialmächte verloren
  12. 1839 der Aufstand auf dem “La Amistad“-Schiff von versklavten Afrikanern, Angehörigen des westafrikanischen Mende-Volkes, die von Havanna zu einem anderen Hafen Cubas gebracht werden sollten, zu einer Zuckerrohr-Plantage. Sie verlangten, zurück nach Afrika gebracht zu werden. Von der überlebenden Besatzung wurden sie aber bezüglich des Kurses getäuscht, die “Amistad” wurde an die USA-Küste gebracht, landete an Long Island vor New York. Dort wurden die Sklaven in Gefangenschaft genommen. Es folgte ein Prozess, ein Rechtsstreit durch alle Instanzen, in dem es darum ging, ob die Afrikaner tatsächlich unrechtmäßig versklavte Menschen waren, die sich legal mit allen Mitteln gegen ihre Gefangennahme wehren durften. 1841 sprach der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) den Afrikanern die Freiheit zu, die meisten kehrten darauf hin nach Afrika zurück, in die britische Sierra Leone Colony and Protectorate
  13. Ausgehend von dem Gebiet, das britisches Kolonialgebiet gewesen war und 1776 als USA unabhängig erklärt wurde, gab es drei grosse Expansionsschritte (und einige kleine Gebietsübernahmen): Der Westen des französischen Louisiane wurde 1803 gekauft; Mitte des 19. Jh wurde mexikanisches Gebiet in 3 Schritten angeeignet; zur selben Zeit kam das Oregon-Territorium dazu, das gemeinsam mit den Briten in Besitz genommen und dann geteilt wurde
  14. Dieses (nach wie vor gültige) Gesetz besagt, dass jeder US-Staatsbürger, der eine