Von Links nach Rechts

Die Unterscheidung „links“ – „rechts“ als politische Richtungsbegriffe geht auf die Französische Revolution und die Entstehung der Nationalversammlung aus den Generalständen von 1789 zurück. Die Sitzordnung wandelte sich dort vom Abbild gesellschaftlicher Hierarchien zu einem der politisch-ideologischen Auseinandersetzungen. Auf der rechten Seite (vom Rednerpult aus gesehen) nahmen jene Abgeordneten Platz, die die Monarchie und das mit ihr verbundene gesellschaftliche System erhalten wollten, auf der linken Seite die Republikaner, Anhänger der Revolution; die “Extremisten” dieser Lager aussen, die “Moderaten” innen. Bald wurden die räumlichen Adjektive „links“ und „rechts“ substantiviert und man sprach von “la gauche” (der Linken) und “la droite” (der Rechten). Die wiederum in mehrere Gruppen/Flügel zerfielen, die sich in Klubs organisierten, wie Feuillants oder Girondisten. Das Ende der Revolution (und des Pluralismus) wird ja meist mit Napoleons “Militärputsch” 1799 (Beginn seines Konsulats) angesetzt.1 Doch unter der Herrschaft der Jakobiner (Jacobins)2 1793/94 gab es schon mal eine rigorose Beschneidung des als legitim geltenden politischen Spektrums. Nach der Restauration (der absoluten Monarchie) 1814/15 kam es allmählich zu einer Revitalisierung von politischen Richtungen/Gruppen, in ggü der Revolutionszeit abgewandelter Form.3

Das Rechts-Links-Schema breitete sich von Frankreich aus aus, im Paulskirchen-Parlament von Frankfurt 1848 etwa wurde die Sitzordnung danach ausgerichtet. Das Schema hielt sich ja auch nach dem Übergang von lockeren Vereinigungen zu festen, institutionalisierteren Parteien. “Rechts”, “links”, “liberal”, “konservativ” bedeutet aber nicht überall das selbe. Hier geht es also um Menschen, die von der linken auf die rechte politische Seite wechselten, in verschiedenen Zeiten, Ländern, Umständen.4 In manchen Fällen war damit nicht nur ein inneres “Überlaufen” oder ein Parteiwechsel verbunden, sondern eine tatsächlich, physische Abwanderung. In diesem Artikel geht es ja um militärische Desertionen und Ähnliches; diese weisen gewisse Parallelen zum Verlassen eines politischen Wertesystems auf. Wobei es von der Perspektive abhängt, ob es sich bei so einem Wechsel von Links nach Rechts um Apostasie, Verrat, Läuterung, Erweckung, oder etwas Anderes handelt.

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Nun noch einige Abgrenzungen. Es geht hier nicht um die Querfronten-Thematik, also Zusammenarbeit von Rechts und Links, oder auch Berührungspunkte/Gemeinsamkeiten dieser Lager/Ideologien. Abzugrenzen von dem hier behandelten politischen Seitenwechsel sind auch innere Widersprüche Doppelbödigkeiten oder Heucheleien bei Linken. Also etwa bei den Schriftstellern John „Jack” London und Charles Dickens, die sich zwar für Arbeiter und Arme engagierten, aber grosse Vorbehalte ggü Nicht-Weissen hatten; auch im Werk von Karl Marx oder dem Baron von Montesquieu findet man Rassismus und Kulturalismus. Von Justin Trudeau wird gesagt, dass er immer links blinkt und dann rechts abbiegt; bei Barack Obama war es ähnlich.5 Von ihnen ist hier auch nicht die Rede. Amir Peretz sah sich anscheinend ausserstande, als (israelischer) Verteidigungsminister liberal/links zu agieren; ein Seitenwechsel ist nicht auszumachen.

Jemand wie Apartheid-Spion Williamson hat sich als links ausgegeben, um den Feind zu infiltrieren (siehe). Es gab in Frankreich Leute, die in der Résistance gegen Nazi-Deutschland aktiv waren, dann später bei der OAS6, wie Jacques Soustelle; daraus ist aber zu schliessen, dass es in diesem Widerstand auch sehr Rechte gab. Sarrazin war nie ein Linker, wenn auch in der SPD. Brigitte Bardot, die sich mit 40 aus dem Filmgeschäft zurückzog, nahm sich zwar des Tierschutzes an, ist aber “ansonsten” eine Rechte7, und mit dem FN/RN-Mann und Algerien-Veteranen D’Ormale zusammen. Was Osama bin Laden betrifft, sein Islamismus war zwar (zumindest) faschistoid, aber er war “davor” nie links, auch wenn es ein Foto mit ihm und seiner Familie in Schweden gibt, auf der er als “Blumenkind” erscheint. Paul Hewson (Bono Vox) lobte zwar George Bush jun. (was der für Afrika getan hätte), wurde aber insgesamt nicht rechts. Der US-amerikanische Sänger Barry McGuire (“Eve of destruction”) wurde ein „wiedergeborener Christ“; die (Wieder-) Entdeckung von Religion ist zwar ein häufiger “Anlass” für einen Rechtsruck, bei McGuire scheint sich ein solcher aber nicht vollzogen zu haben.

Bei Milton Friedman drehte sich ja Alles um die Wirtschaft (nannte sich selbst “Liberaler”, hob die Vorteile eines freien Marktes und die Nachteile staatlicher Eingriffe hervor), sind die Dinge auch etwas “anders”. Er war kein Seitenwechsler (obwohl einst Anhänger des New Deal, dann Libertarist). Er war jemand, der sich unpolitisch-liberal-expertenhaft gab (was Wirtschaft betrifft). Und der Mentor der Gruppe von chilenischen Ökonomen war, den nach der Chicagoer Schule benannten Chicago Boys, die in der Militärdiktatur Pinochets die Wirtschaftspolitik Chiles bestimmten. Bei seinem Besuch in Chile 1975 traf Friedman auch mit Pinochet zusammen. Orlando Letelier, ein Minister der von Pinochet gestürzten Allende-Regierung, warf Friedman in einem Beitrag für “The Nation” 1976 in dieser Hinsicht Doppelmoral bei seinem Verständnis von „Freiheit“ vor.

Der West-Berliner Polizist Karl-Keinz Kurras (der 1967 einen Demonstranten erschoss) war ein vermeintlicher Rechter der in Wirklichkeit Stasi-IM und SED-Mitglied war. Es gibt Leute, die diesbezüglich nicht so leicht einzuordnen sind, wie Slavoj Žižek oder Dimitri Kitsikis. Es gibt solche bei denen man nicht erwarten würde (bzw nicht wusste), dass sie rechts sind, wie Alain Delon (der zwischendurch die FN unterstützte, meist aber Gaullist war).8 Abzugrenzen vom Gegenstand des Artikels sind auch unterschiedliche politische Haltungen in einer Familie. Es gibt Menschen, die aus einer liberalen/linken Familie kommen und rechts wurden und es gibt das Umgekehrte. Was Ersteres betrifft, bei David Horowitz war nicht nur das gegeben, er wurde selbst ein Linker, vollzog dann einen Rechtsruck, daher ist er für den Artikel relevant. Die US-amerikanische Atheisten-Führerin Madalyn Murray-O’Hair (die durch einen ehemaligen Angestellten entführt und ermordet wurde) hatte einen Sohn, dieser wurde Aktivist einer evangelikalen Erweckungsbewegung – nicht relevant für hier.

Bei der Familie Meinhof-Röhl ist nicht relevant, dass sich das Paar entzweite oder die eine Tochter sowohl mit der Mutter als auch mit dem Vater politisch brach, sondern dass “er” sich von Links nach Rechts bewegte. Das Paar Pflüger (CDU) – Mathiopoulos (SPD) ist also auch kein Thema für hier, ebenso wenig wie die Beziehung des österreichischen Grünen Voggenhuber mit einer Tochter des Rechtsextremisten Scrinzi, oder der One Night Stand der Schweizer Markus Hürlimann (SVP) und Jolanda Spiess-Hegglin (Grüne). Etwas Anderes ist auch die Wendung von Links zur Mitte wie sie zB Alfred Gusenbauer vollzog, oder die Übernahme (der Transfer) von Inhalten oder Slogans von der Linken zur Rechten. Die FPÖ drehte sich in mehrerer Hinsicht, in den 1960ern war sie noch für den Bau von Atomkraftwerken in Österreich gewesen, bei der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme von jenem in Zwentendorf 1978 schon nicht mehr, und das hat sie anscheinend beibehalten. Lockl von den Grünen vor ein paar Jahren über diese Gemeinsamkeit: “Die FPÖ ist gegen Zwentendorf – sollen wir jetzt dafür sein?”. Die Front National hat bei der französischen Präsidenten-Wahl 2012, als Marine Le Pen Dritte wurde, den Slogan „Debut d’une lutte prolongee“ aus dem französischen 1968 hervor geholt.

Ein Rechtsruck liegt auch nicht vor wenn sich Rechte nur neu ausgerichtet haben, wie die “Internationale Gesellschaft für Menschenrechte” (IGFM) nach dem “Kalten Krieg”. In Brasilien hat die Partei MDB von Michel Temer das Lager gewechselt, von Links (“Lula”, PT) nach Rechts (Bolsonaro), ohne sich aber zu verändern. Leute aus kommunistischen Systemen im Ostblock sind hierfür nur relevant, wenn sie überzeugte, aktive Kommunisten waren und sich dann auch aktiv nach rechts bewegten (zumindest rechtskonservativ wurden), nicht einfach (hier wie dort) mitliefen. Das betrifft sowohl jene, die zu Zeiten des Kalten Kriegs “rüber machten”9 als auch jene, die nach der Wende aktiv wurden bzw blieben. Günter Schabowski oder Wolf Biermann finden sich daher in dieser Auflistung, Angela Merkel nicht. Sie war mehr oder weniger zwangsweise in FDJ usw aktiv, dann in der CDU, war dort und da Mitläuferin. Wendehälse dieser Art gab es viele, in verschiedenen “Metiers”, Agenten, Journalisten,… sie waren nicht wirklich links, wurden nicht wirklich rechts. Putin oder Jelzin werden hier auch als solche gesehen, sind aber -zugegebenermaßen – nahe bei den Grenzfällen (s.u.).

Angela Kasner als FDJ-Pionierin bei einer Zivilschutzübung 1972

Und, es kommen nur einigermaßen Prominente vor, also keine Arbeiter die bei Wahlen von der SPÖ zur FPÖ gingen, von der KPD zur NSDAP, der PCF zum FN, von der Linken zu AfD gehen,… Vielleicht wird’s mal einen Artikel über Leute geben, die sich in die Gegenrichtung bewegten, über Rechte die Linke wurden. In Rumänien etwa gingen rund um den 2. Weltkrieg Faschisten zu den Kommunisten, hauptsächlich von TPT zur PCR bzw FND. Oder Jürgen Todenhöfer, Gert Bastian, Carlos U. di Borbone-Parma, J. Manuel Zelaya, Ronald Kovic,… Reinhard Gehlen oder George Wallace bewegten sich von rechts aussen in die Mitte, wenn man so will. Für weltanschauliche Paradigmenwechsel gibt es natürlich unterschiedliche Gründe, wie auch die Umstände (und die Arten) des Wandels bzw Wechsels unterschiedlich sind. Der Spruch, wonach man kein Herz hat, wenn man mit 20 (Jahren) kein Sozialist ist, und kein Hirn wenn man es mit 40 noch immer ist, wird u.a. Winston Churchill zugeschrieben. Demnach ist der Wechsel nach Rechts Ausdruck eines Reifungsprozesses, Begeisterung für Linkes dagegen von jugendlicher Unerfahrenheit. Ja, das könnte von Churchill sein.

Klar ist, dass man “die Dinge” mit zunehmendem Alter anders sieht, sich die Sicht und manche Eigenschaften verändern. Das muss aber nicht auf’s Konservativ-werden hinauslaufen, und bei diesem spielen oft spezifische zeitgeschichtliche Entwicklungen und individuelle persönliche Erlebnisse eine entscheidende Rolle. Bei den hier behandelten Personen (es sind Tote wie Lebende darunter) zeigt sich auch, dass die Verschiebung nicht immer gleich offensichtlich wird.10 Noch eine Erklärung zur Reihung bevor es losgeht. Entscheidend ist die “Abenteuerlichkeit”, die Drastik des Wechsels, der Weg den eine/r zurück gelegt hat, nicht von wo er/sie kam oder wo er hin kam; und auch die allgemeine Relevanz der Person. In gewissen Fällen werden “Zusammengehörende” (wie französische Ex-68er) gemeinsam behandelt bzw mit einem “Herausragenden” dieser “Gruppe” mit. Am Ende dann einige Grenzfälle, hauptsächlich Leute die nicht besonders links gewesen sind oder nicht besonders rechts geworden sind.

 

Oriana Fallaci war in der Resistenzia aktiv, dann als Journalistin und Autorin, die nicht zuletzt durch ihre Interviews bekannt wurde. Ihre frühere linke Haltung kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sie mit ihrem Gesprächs-Partner Alexandros Panagoulis, der im Widerstand gegen die griechische Militärdiktatur aktiv war, dann (in den frühen 1970ern) eine Liebes-Beziehung hatte. Ihr Roman “Ein Mann” (“Un Uomo”, 1979) ist eine Pseudo-Biografie von Panagoulis; Fallaci gehörte zu jenen, für die sein “Unfalltod” 1976 ein Anschlag von “Überbleibseln” der griechischen Militärjunta war. Im September 1979 interviewte sie in Teh(e)ran Ruhollah Khomeini, der damals gerade die Macht im Iran “ergriff”. Sie nahm während des Gesprächs den “Tschador” ab, es heisst er hätte nichts dagegen gehabt. Fallaci sah auch den letzten Schah (Mohammed Reza Pahlevi), den sie ebenfalls interviewte, als frauenfeindlich. Ab den 1980ern hatte sie Uni-Lehraufträge, lebte in der USA und Italien, verlor etwas von der Bedeutung die sie (hauptsächlich in den 70ern) gehabt hatte.

Ihre Krebserkrankung und die Anschläge vom 11. 9. 01 (v.a. in New York, wo sie vorwiegend lebte) hatten sicher einen Einfluss auf ihren Rechtsruck in den letzten Jahren ihres Lebens (sie starb 06), der sich sich bei ihr hauptsächlich über Anti-Islam ausdrückte. Sie schrieb 3 Bücher in dieser Zeit, die sich darum drehten. Das erste und wichtigste davon war “Die Wut und der Stolz” (2001 kam das italienische Original heraus). Auf Deutsch im List-Verlag erschienen, war es eines der meistverkauftesten Bücher seiner Zeit (00er-Jahre) im Westen. Es traf genau den Zeitgeist. Das was es zur Hetzschrift macht (und was nicht wenige Leute daran so schätzen), ist dass sie ihren Wunsch äussert, ein Zelt mit somalischen Flüchtlingen anzuzünden, das “muslimische Wesen” als “hinterhältig”, “gewalttätig”, “verschlagen” und “schmutzig” beschreibt, davon schreibt dass sich “Allahs Söhne wie Ratten vermehren”,… Da traf sie eben nicht die Unterscheidungen die im Zeichen der Islamophobie sonst gerne hochgehalten werden, im anderen Chauvinismus.

Das “Eurabia”-“Konzept” von Frau Littman (“Bat Yeor”) hat sie übernommen (wie auch Anders Breivik), und die Behauptung, dass der Westen ggü Moslems zu tolerant sei, äussert auch sie. Fallacis letztes Buch vor “Die Wut…” war, 1990, “Inschallah” gewesen, ein Tatsachenroman/ZG-Roman, über Soldaten des italienischen Kontigents der multinationalen Streitkräfte im Bürgerkrieg des Libanon in den frühen 1980ern. Darin und früher hat sie Kritik am Westen und an Israel geübt, in den 2000ern dann zu ihrer IL-Kritik etwa gesagt “Ja, ich weiss, ich habe sie oft kritisiert, aber ich war in Wirklichkeit immer auf ihrer Seite”…und Yassir Arafat hätte beim Interview mit ihr eine feuchte Aussprache gehabt. Der islamische Fundamentalismus sei ein Wiederaufleben des Faschismus, den sie ihrer Jugend bekämpft hat11. Sie hat aber auch das Europäische Sozialforum (ESF), als es 2002 in ihrer Heimatstadt Florenz/Firenze tagte, mit der einstigen Nazi-Besatzung der Stadt verglichen. Und, die italienische Regierung wurde in ihren letzten, “rechten” Jahren hauptsächlich aus Forza Italia (FI), Alleanza Nazionale (AN), Lega Nord (LN) gebildet. Die AN geht auf die MSI zurück, in der sich nach dem Ende des Faschismus in Italien alte und neue Faschisten sammelten; die LN steht/stand in mancher Hinsicht noch rechts davon; und Ministerpräsident Berlusconi (AN) hat Mussolini mehrmals gelobt bzw verteidigt.

Politiker dieser italienischen Rechtsparteien bezogen sich öfters positiv/lobend auf Fallaci. Kritik an Berlusconi kam von ihr nur, nachdem sich dieser für eine Bemerkung über die “Überlegenheit westlicher Kultur” über die islamische “entschuldigte”. Rechte Zeitschriften wie “Junge Freiheit” oder “bahamas” in Deutschland veröffentlich(t)en begeistert aus Fallacis Schriften. Sie kehrte nicht zur katholischen Kirche zurück, blieb Atheistin, nannte sich nun “christliche Atheistin”, nahm gegen Abtreibung oder Homosexuellen-Ehe Stellung. Und traf sich (2005) mit „Benedikt“ Ratzinger, pries ihn. Ratzinger hatte vor seinem Pontifikat, 2004, einen Essay geschrieben, “Wenn sich Europa selbst hasst”, der es Fallaci besonders angetan hatte. 2001 (mit den islamistischen Anschlägen, die eine neue “Ära” einleiteten) bewirkte bei vielen Linken einen Rechtsruck, bzw liess diesen zum Vorschein kommen. Da war Fallaci nicht die Einzige; sie schaffte es zur Ikone der Linken, dann der Rechten (und für diese war es ein besonderer Triumph, das sie eine bedeutende Ex-Linke “einkassiert” hatten). Noch etwas, was bei Fallaci beispielhaft war: auch ihre Rechtswendung war verbunden mit einer Wendung zu Pro-Israel (manchmal wurde diese Wendung auch so garniert).12 Wenn man sich die Zeit nimmt, kann man vermutlich herausarbeiten, was bei ihr die Kontinuitäten von ihrer früheren in ihre späten Zeit sind.

Oriana Fallaci ’79 im Iran, rechts der spätere Präsident A. Bani Sadr (der sich als solcher dann mit Khomeini “zerkrachte”)

Bei David Horowitz sieht man, dass Ex-Linke zumindest oft die schlimmsten Reaktionäre werden.13 Das linke Engagement des US-amerikanischen Publizisten/ Propagandisten14 gipfelte in der Unterstützung der Black Panther und dabei kam es zu seiner “Bekehrung”. Seine Eltern stammen aus dem Russischen Reich, Juden die in New York lebten, Lehrer waren und die kommunistische Partei der USA (CPUSA) unterstützten. Sie verliessen die Partei 1956 nach (aufgrund) der Abrechnung von Chrustschow mit Stalin, nicht etwa wegen Stalins Verbrechen (die nicht zuletzt an Kommunisten stattfanden). David Horowitz studierte wie sein Vater Englisch, ging nach Grossbritannien und arbeitete dort für Bertrand Russells Friedens-Stiftung. Ende der 1960er wurde er Mit-Herausgeber des neo-linken Magazins “Ramparts”, liess sich in California nieder.

Und, in den frühen 1970ern schloss er Freundschaft mit Huey Newton, einem der Gründer der Black Panther Party (BPP).15 Einen Teil ihrer Arbeit widmete die BPP einer Schule für Arme in Oakland (wo die Organisation 1966 gegründet worden war). Horowitz vermittelte Newton eine (weisse) Buchhalterin namens Betty Van Patter, die für “Ramparts” arbeitete. Van Patter arbeitete noch nicht lange bei den Schwarzen Panthern, als sie (Ende 1974) tot vor San Francisco treibend gefunden wurde. Sicher ist, dass sie ermordet wurde, sicher ist dass niemals jemand dafür belangt wurde. Es handelt sich um einen ungeklärten Mord, der ein politischer sein dürfte/könnte. Wie bei Bohdan Piasecki, Daniel Casolaro, Jill Dando, Alois Estermann,… Horowitz war (und ist) sich sicher, dass die “Panther” dafür verantwortlich waren, und er ist da nicht der Einzige. Als mögliches Motiv wird angeführt, dass Van Patter Steuerhinterziehungen der BPP öffentlich machen wollte. Horowitz hatte sie zu den Panthern gebracht; für ihn wurde der Mord das was etwa für Koestler (>) und Andere die stalinistischen Schauprozesse in der Sowjetunion waren.

Horowitz wandte sich in der Folge von der BPP und allgemein von der Linken ab. 16 Weil er ein Abdriften der BPP in “Gangsterismus” sah oder sich von ihr getäuscht, wie auch immer. Er hielt seine Umorientierung über ein Jahrzehnt “geheim”, angeblich weil er sich vor Repressalien fürchtete. 1976 war er ein Mitgründer des Magazins “In These Times”, das aber anscheinend bis heute links geblieben ist. 1987 sein coming out als Konservativer, mit der ersten “Second Thoughts Conference”, in Washington, zusammen mit Peter Collier, einem anderen rechtsgewendeten Ex-Linken. Für ihn war die Abwendung von der Linken ja auch eine Auseinandersetzung mit den stalinistischen Eltern; diese machte er auf dieser Konferenz zT öffentlich. Die Hinwendung zum Reaganismus bzw zum Hauptstrom der Republican Party war aber nur eine Zwischenstation, inzwischen ist er eigentlich noch viel weiter rechts.

Die Korrelation zwischen seinen kommunistischen Idealen und Anliegen der Afro-Amerikaner, des Anti-Rassismus, des globalen Südens, die er früher sah, sieht er noch immer, “nur” aber ins Negative gedreht. Israel/Palästina wurde aber kein sehr wichtiges Anliegen für ihn, sein Focus liegt auf der USA. Und da auf Schwarzenrechtlern, Linken, Einwanderern (und jenen die sich für sie engagieren), Moslems. In Zeiten wie diesen kann man zumindest gegen Letztere politisch korrekt agitieren, man ist ja nur gegen Islamismus und so. Ein grosser Teil seiner Publikationen ist gegen die Linke (alte und neue) gerichtet, nicht zuletzt gegen Jene an US-amerikanischen Universitäten die er dafür hält. Er verteidigt und promotet etwa S. Jared Taylor, einen offenen Rassisten, über den man über höchstens eine Ecke bei Ku Klux Klan, stormfront.org, “white pride” ist, und diese “Ecke” ist Don(ald) Black; Horowitz kritisierte die USA auch als “anti-weiss”. 2018 verteidigte er zwar nicht das Lynchen von Afro-Amerikanern, attackierte aber eine Initiative die sich dem Gedenken an diese Opfer widmet, als “rassistisch” und “anti-weiss”, behauptete dass ein Drittel der Lnych-Opfer in der USA Weisse gewesen seien. Auf en.wikipedia haben organisierte Teams dafür gesorgt, dass Verschiedenes in einem kurzen Absatz mit dem Titel „Allegations of racism” zusammengefasst ist…

Horowitz, der mit einer Krauthammer verheiratet war17, sieht sich nicht als Neokonservativer. Kam aber zu Zeiten des jüngeren Bush zu etwas Bedeutung. Er ist hauptsächlich über/ in sein(em) David Horowitz Freedom Center aktiv, und dessen Publikation, “FrontPage Magazine”. Auch über Webseiten wie “truth revolt” (> Ben Shapiro) und “Discover the Networks”, Organisationen wie “Students for Academic Freedom18, Projektnamen wie “Terrorism awareness”. Eine kritische Auseinandersetzung mit Horowitzs gegenwärtigen Aktivitäten scheint das Buch “Cold Breezes and Idiot Winds. Patriotic Correctness and the Post-9/11 Assault on Academe” von Valerie Scatamburlo-D’Annibale (2011) zu beinhalten.

Nach Horowitz gleich noch jemand, der sich bei den “Schwarzen Panthern” engagiert hat und sie dann verliess, Leroy Eldrige Cleaver war aber länger dort und viel enger mit der Organisation verbunden. Wegen seines politischen Aktivismuses musste er die USA verlassen, vollzog nach seiner Rückkehr eine Rechtswendung, die ins Geschäftsleben, zu Reagans Republikanern und der Mormonischen Kirche führte. Cleaver war ein Führer der Black Panther Party, bekam die Funktionen des Minister of Information sowie Head of the International Section. Davor war er anscheinend bei den “Black Muslims” (Nation of Islam) aktiv gewesen.19 Im Frühling 1968, im Zuge der Unruhen nach dem Mord an Martin L. King, verübten die “Panther” Cleaver und Robert Hutton einen Angriff auf eine Polizei-Station in Oakland (2 verletzte Polizisten); Hutton wurde getötet, Cleaver gefasst. Er konnte dann aber entkommen, zunächst nach Cuba, wo er etwa ein halbes Jahr verbrachte.

Bei der Präsidenten-Wahl 1968 wurde er dennoch von der Peace and Freedom Party (PFP) als Kandidat aufgestellt, konnte nur in einigen Bundesstaaten kandidieren aufgrund zu geringen Alters.20 Cleaver wollte als seinen Vizepräsidentschafts-Kandidaten übrigens Jerry Rubin (s.u.). 1969, in dem Jahr, in dem FBI-Direktor J. Edgar Hoover die BPP die “grösste Gefährdung für die innere Sicherheit” der USA nannte (als ob es keine handfesten Ursachen für diese Art des Aktivismus gegeben hätten) und sie in sein COunter INTELligence PROgram (COINTELPRO) aufnahm, das u.a. die Infiltration “solcher” Organisationen umfasste, wurde Panther-“Führer” Fred(erick) Hampton in seiner Wohnung in Chicago von Polizisten getötet. Cleaver zog 1969 von Cuba nach Algerien um. In dieser Zeit gehörte es in manchen Kreisen fast zum guten Ton, die Black Panther zu unterstützen, siehe Horowitz, und Leonard Bernstein hielt 1970 eine Benefizveranstaltung für sie ab; darüber hat sich Thomas “Tom” Tom Wolfe in seinem Buch “Radical Chic & Mau-Mauing the Flak Catchers” mokiert.

Zu Beginn der 1970er kam es zu einem grundlegenden Richtungsstreit unter den Führern der BPP, hauptsächlich zwischen dem exilierten Eldridge Cleaver (blieb anscheinend Herausgeber der “Panther”-Zeitschrift) and Huey Newton in der USA. Es ging hauptsächlich um die Notwendigkeit eines bewaffneten Kampfes (Aufbau einer Stadt-Guerilla), als Antwort auf COINTELPRO und andere Staats-Aktionen gegen sie; Cleaver befürwortete diesen, während Newton dafür plädierte, auf politischem und sozialem Weg um Verbesserungen für Afro-Amerikaner zu kämpfen. Hinzu kam, dass Cleaver starke Verbindungen zu globalen Gegnern des USA-Imperialismus aufbauen wollte. Er zog den Kürzeren, wurde aus dem Zentralkomitee der Partei ausgeschlossen, wurde in der Black Liberation Army aktiv, die usrprünglich der bewaffnete/paramilitärische Flügel der Partei gewesen war – inwiefern sich die BLA unter Cleaver und “Assata O. Shakur” dann selbstständig machte, ist nicht ganz klar. Cleaver beschuldigte Newton, ein “Uncle Tom” zu sein, der lieber mit Weissen kooperieren wolle als sie zu “stürzen”. Zu den internen Streitigkeiten (die die Gruppe schwächten) kamen noch jene aufgrund der Morde an Alex Rackley 1969 und Betty Van Patter 1974, die den “Panthern” zur Last gelegt wurde.

Rackley, ein schwarzes Mitglied, soll von ihnen getötet worden sein, da er als Polizei-Spitzel verdächtigt wurde. Die Konflikte in der BPP ähneln in mancherlei Hinsicht denen im American Indian Movement (AIM), die etwas später losgingen, einer Organisation, die ebenfalls in’s Visier des CONINTELPRO genommen wurde. Die Black Panthers und die BLA gingen Bindungen mit diversen “antiimperialistischen” Staaten und Organisationen ein, wie Cuba, Algerien (wo Cleaver von 1969 bis 1972 war), Nordkorea, China, Nord-Vietnam, PLO21. 1972 bis 77 hielt sich Cleaver in Frankreich auf, wurde dort ein “wiedergeborener Christ” und begann eine Modefirma. Dann kehrte er in die USA zurück (nach anderen Angaben bereits 1975). 1977 kehrte auch Newton zurück, der sich seit 1974 in Cuba aufgehalten hatte22, weil er wegen Mordes gesucht wurde. Newton wurde in seinem Prozess freigesprochen, Cleaver kam nach einem “Deal” bzw einer Reduzierung der Anklage mit Sozialarbeit davon.

Cleaver machte mit seinem Modelabel weiter, auch mit seinem Christentum, war in mehreren, hauptsächlich evangelikalen, Gruppen aktiv, auch in einem Zweig der “Moon-Sekte”. In diesen Jahren, den frühen 1980ern, löste sich auch das, was von der BPP noch übrig war, auf (1982)… 1983 schloss sich Cleaver dann der konservativen “Mormonen-Kirche” (Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) an. Damit nicht genug, wurde er auch noch aktiver Republikaner, ausgerechnet Cleaver, der Führer des radikalen Flügels der Panther. Landete dort, wo auch Horowitz damals war, bei Reagan, der 1967 als Gouverneur von Kalifornien ein Gesetz veranlasst hatte, das BPP-Mitglieder im Waffenrecht diskriminierte. Anscheinend hat Cleaver dann auch noch eine eigene Religion/Sekte gegründet, Eldridge Cleaver Crusades, eine Synthese aus Christentum und Islam. Seine letzten 10 Jahre, 1988 bis 1998, waren von Drogen, Gesetzeskonflikten, Krankheit gekennzeichnet. Newton ist 1989 von einem Drogendealer getötet worden. Von den BPP-Führern lebt nur noch Robert “Bobby” Seale.

Der Neokonservativismus entstand Ende der 1960er, Anfang der 1970er, durch vormalige Linke/Liberale23, die von der Democratic Party oder der “Wildnis” links davon kamen. Irving Kristol, so eine Art Gründervater der Neocons, war ein Trotzkist gewesen; er sagte mal, der Neokonservative sei ein Liberaler, den die Realität heimgesucht habe.24 Bereits in den 1950ern entstand durch Ex-Kommunisten wie James Burnham die “National Review”, die zu einer Art Zentralorgan des Neokonservativismus wurde. Burnham, der in den 1930ern als trotzkistischer Philosoph aktiv gewesen war, war gewissermaßen ein Wegbereiter der Neocons. Die Neocons der ersten Generation setzten sich in den frühen 1970ern (zur Zeit der Präsidentschaft Nixons von der traditionellen Rechten) noch u.a. mit David Horowitz von der Neuen Linken auseinander… Damals war der Kalte Krieg das Ausschlaggebende.

Es stellt sich die Frage, ob die Neokonservativen durch ihre Rechtswendung (bzw Entstehung als solche) Pro-Israel wurden oder ob Sorge für Israel ihre Rechtswendung (mit) bedingte. Sicher ist, dass der Krieg 1967 viele Juden und Nicht-Juden (da hauptsächlich Rechte) “solidarisch” mit Israel verband. Viele der Neocons der ersten Generation waren/sind Juden, und Israel wurde für diese “Bewegung” ein wichtiges Anliegen, ist es bis zur Gegenwart geblieben. Paul Wolfowitz sprach sich in seiner Doktorarbeit in Politikwissenschaft an der Universität Chicago 1972, in der es um “Nuclear Proliferation in the Middle East: The Politics and Economics of Proposals for Nuclear Desalting” geht, noch entschieden gegen eine atomare Aufrüstung Israels aus (die damals gerade zum Abschluss gekommen ist). Wurde erst in den Jahren danach jener „Falken“, als der er (als Funktionär der Bush-Regierung) bekannt wurde. Wolfowitz besuchte an dieser Uni noch einige Vorlesungen von Leo Strauss, einem (ebenfalls jüdischen) politischen Philosphen, der als ein Ahnvater der Neocons gilt. Mehr beeinflusst wurde Wolfowitz aber von seinem Doktorvater Albert Wohlstetter; ab dem Studium gingen Wolfowitz und Richard Perle gemeinsame Wege, so als Gehilfen beim rechten DP-Senator Henry Jackson.

Unter Bush dem Jüngeren kamen die Neocons dann zu Macht und Einfluss; grossteils nach den Anschlägen von 2001, also etwa ein dreiviertel Jahr nach Bush’s Amtsantritt (dem eine umstrittene Wahl zugrunde liegt).25 Seit damals (10 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs) wird propagiert, dass die USA, der Westen und Israel auf einer Seite stünden, dem selben Feind gegenüber, dem Islamismus, bei gleichzeitiger Unterstützung Saudi-Arabiens. Neokonservative gibt es natürlich auch längst (zB) in Deutschland. Norman Podhoretz war nicht so links gewesen wie viele Neokonservativismus-Begründer, dennoch soll er herausgegriffen werden. Er wuchs in einer jüdischen Familie aus Osteuropa in New York auf. Die Familie war linksgerichtet, nicht religiös; dennoch machte er im tertiären Bildungsbereich auch eine jüdische theologische Ausbildung. Neben einem Abschluss in englischer Literatur. Dann, 1960, wurde er Chefredakteur von “Commentary (Magazine)”, der Zeitschrift des American Jewish Committee (AJC), blieb dies bis zu seiner “Pensionierung” 1995, wurde dann anscheinend Herausgeber des Magazins.

Dass er nie wirklich links/liberal war zeigt sein “Essay” aus 1963 mit dem Titel “My Negro Problem – And Ours”. Er war in einem multikulturellen und ärmeren Viertel von Brooklyn aufgewachsen, konnte nicht verstehen was das Erbe der Sklaverei für eine Gesellschaft/ein Land tatsächlich bedeutet. Sein damaliger Freund war der 07 verstorbene Autor Norman Mailer26, der war schon in den 1960ern talentierter und erfolgreicher. Das zeigte sich auch anhand von Podhoretz’ Memoiren, “Making It” (1967; wo er seinen Willen zu Erfolg, Geld, Einfluss bekundete). In den frühen 1970ern begann er sich gegen die bzw das Linke zu wenden, nahm “Commentary” (das er in den 60ern etwas liberal gemacht hatte) mit mit ihm. Die USA befände sich im “Vierten Weltkrieg” (Titel eines Buchs von ihm) gegen den “Islamofaschismus”, als nächstes solle der Iran drankommen (mit Krieg überzogen zu werden), Bush und er streuten sich gegenseitig Rosen27, von Giuliani wurde er Berater,… Deshalb hat die Springer-“Welt” auch einen Gastkommentar von ihm gebracht28; alles Andere ist ja “Antiamerikanismus”.

Podhoretz wurde einer der radikalsten Neokonservativen, die Wendung  an sich ist bei ihm nicht so abenteuerlich wie bei Anderen. Seine Tochter und noch mehr sein Schwiegersohn Elliott Abrams sind so radikal wie er (geworden), dieser Abrams auch noch um einiges mächtiger. Podhoretz endete als Cheerleader von Bush, Palin, Trump – letzterem hält er die Stange, während sich Bush, Wolfowitz, Romney, McCain, William “Bill” Kristol29 abwandten… Was sagte Podhoretz’ früherer Freund Mailer (der gemäßigt links blieb) zu Bushs Irak-Krieg 03: “Fascism is more of a natural state than democracy. To assume blithely that we can export democracy into any country we choose can serve paradoxically to encourage more fascism at home and abroad. Democracy is a state of grace that is attained only by those countries who have a host of individuals not only ready to enjoy freedom but to undergo the heavy labor of maintaining it.”

Der australische Historiker Keith Windschuttle war in den 1960ern und 1970ern ein Angehöriger der Neuen Linken, ein Rechtsruck zeigte sich bei ihm mit dem Buch “The Media”, über die Medien in Australien. Während die erste Ausgabe 1984 noch für staatliche Regulationen im Medienwesen plädierte (das politische Programm der Rechten kritisierte), sah er in der dritten Ausgabe (1988) die Dinge anders: „Overall, the major economic reforms of the last five years, the deregulation of the finance sector, and the imposition of wage restraint through the social contract of The Accord, have worked to expand employment and internationalize the Australian economy in more positive ways than I thought possible at the time.“ 1994 stieg Windschuttle dann mit “The Killing of History” in den Historikerstreit (history wars) um die Entwicklung Australiens seit der Ankunft der Briten 1788 (und was sie für die Aborigines und Torres Strait Islanders bedeutete/brachte) ein; seine Rechtswendung scheint also vor Beginn seiner Beschäftigung mit den Aborigines geschehen zu sein. Die history wars waren 1968 vom Anthropologen William Stanner angestossen/ losgetreten worden, als er in einer Fernseh-Sendung das australische Selbstverständnis (bzw die im Land vorherrschende Geschichtsauffassung) kritisierte.

Mit dem australischen Referendum 1967 wurde die Emanzipation der Aborigines (keine ideale Bezeichnung) in die Wege geleitet, konkret wurde damit eine Verfassungsänderung angenommen, auf deren Grundlage in den 1970ern Bundesgesetze kamen, welche die Lage der Ureinwohner verbesserten. Es ist kein Zufall, dass der Historikerstreit (der einer innerhalb der weissen australischen Gesellschaft ist) parallel zu dieser Gleichstellung auf Touren kam. Historiker (auch andere Wissenschafter sowie Journalisten waren beteiligt) stiessen mit ihren Bestrebungen zu einer Revision der australischen Historiographie klarerweise auf Widerstände. Der Historiker Geoffrey Blainey höhnte 1993 im Magazin “Quadrant”, es hätte sich mit den “neuen Historikern” eine Geschichtsschreibung mit schwarzem Armband etabliert, was dem modern gewordenen Vorwurf des “Selbsthasses” nahe kommt.30 Es geht um den Charakter der Inbesitznahme und Besiedlung Australiens durch GB, inwiefern das friedlich geschah, schlechte Behandlung der indigenen Bevölkerungen Ausnahmen oder Regel war, ob evtl sogar ein Genozid vorliegt. Der Zeitraum der dabei behandelt wird, ist die Zeit der “Grenzkriege”, die die Ausbreitung der Weissen dort mit sich brachten, die etwa 150 Jahre vom späten 18. Jh bis zu den 1930ern. Aber die Diskussion betraf und betrifft natürlich die lebenden Aborigines und ihre Situation.

In “The Killing of History: How a Discipline is being Murdered by Literary Critics and Social Theorists” (erste Auflage 1994) attackiert Windschuttle die australische Aufarbeitung der Massaker, Vertreibungen, Drangsalierungen,… der (bzw gegen) Aborigines, verteidigt die Praktiken und Ergebnisse der “traditionellen” weiss-australischen Geschichtsschreibung. Er beschäftigt sich seither fast nur noch mit den Aborigines des Landes, bzw der Geschichtsschreibung sie betreffend. Wurde führend auf der “rechten” Seite fes “Geschichtskriegs”, neben Geoffrey Blainey; von der “Gegenseite” sind Henry Reynolds oder Stuart MacIntyre zu nennen. Es ist diese Auseinandersetzung eine unter “weissen” Australiern; was sie jedenfalls gebracht hat, ist eine gewisse Integration der Indigenen/Aboriginals in die australische Geschichte, ein anderer Status als geschichtslose unterworfene Objekte für sie, zumindest eine gewisse Anerkennung der Verbrechen an ihnen. Die Geschichtskriege um die (Neu-) Beurteilung der Vergangenheit betreffen natürlich auch die Identität Australiens, seinen Charakter, können deren/dessen Neudefinition bewirken, die Anerkennung dass das Land mehr als nur die britische(n) Tradition/ Wurzeln hat.

Die Auseinandersetzung ist so politisch, dass sich Politiker in sie eingeschaltet haben, voran John Howard (Liberal Party/ LP), Premierminister 1996–2007, der natürlich für die konservative Seite Partei ergriff, die dem Magazin “Quadrant” nahe steht.31 Von der Australian Labor Party (ALP) hat sich dazu v.a. Ex-Premier Keating zu Wort gemeldet. Mit der Haltung zu den Aborigines bzw zu einer gemeinsamen Geschichte mit ihnen korrelieren in Australien für gewöhnlich eine Reihe weiterer Standpunkte, entlang der Links-Rechts-Scheide.32 Der erste Band von “The Fabrication of Aboriginal History” von Windschuttle kam 2002 heraus. Darin beschuldigt er “linke” Historiker, Quellenmaterial “verdreht” zu haben, um ihre politische Agenda zu stützen. Sich und die mit ihm “assoziierten” Historiker sieht er auf der Seite der unvoreingenommenen Geschichtsforschung.

Klaus R. Röhl, der deutsche Historiker und Publizist, war ja privat und politisch in den 1960ern mit Ulrike Meinhof zusammen, zusammen brachte man die Zeitschrift “Konkret” und Zwillingstöchter hervor.33 Man übte radikale Kritik an der BRD, hatte Einfluss auf die “APO” (die hauptsächlich von Studenten getragen wurde). 1964 die Trennung von “konkret” von der DDR bzw der (damals illegalen) KPD, ’67 die Trennung zwischen Röhl und Meinhof (68 Scheidung), 69 jene Meinhofs von “konkret”. Während Röhl in Hamburg um die Leitung der linken Zeitschrift kämpfte, zog Meinhof mit den Zwillingstöchtern Bettina und Regine nach West-Berlin, ging auch politisch eigene Wege. Meinhof beteiligte sich 1970 an der Befreiung des zuvor als Kaufhausbrandstifter bekannt gewordenen Andreas Baader, ging in den Untergrund, schloss sich der kurz danach gegründeten “Roten Armee Fraktion” (RAF) an; Röhl kritisierte diesen Weg von Teilen der “Neuen Linken” zur Gewalt (mit Repräsentanten des Systems, oder was dafür gehalten wurde) entschieden.

Röhl musste 1973 “konkret” verlassen, bald danach wurde die Zeitschrift eingestellt; 1974 kam es zu einem Neustart unter Hermann Gremliza. Röhl machte weiter als leitender Redakteur bei anderen linken Magazinen, “das da” und “Spontan”. Wann er genau sein Geschichte-Studium begann, ist nicht so einfach zu eruieren, möglicherweise war er auch ein “Ultra”-Langzeitstudent, dessen Studienzeit sich über Jahrzehnte hinzog. Mit der Trennung von “konkret” scheint bei Röhl jedenfalls die politische Kehrtwende eingeleitet worden zu sein. Und, 1993 schloss er sein Studium bei Ernst Nolte an der FU Berlin mit einer Dissertation über “Nähe zum Gegner. Die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nationalsozialisten beim Berliner BVG34-Streik von 1932″ ab.

Das diese Kehrtwende damit zu einem Abschluss gekommen ist, zeigt sich auch durch das Buch “Linke Lebenslügen”, das 1994 von ihm herauskam, auch weil er dort schrieb: „Im Sommer 1987, zwei Jahre vor der Wende, habe ich angesichts der maßlosen und ungerechtfertigten Kampagne gegen Ernst Nolte beim sogenannten Historikerstreit‚ an diesen geschrieben und ihm den Vorschlag gemacht, solidarisch, gewissermaßen demonstrativ bei ihm zu promovieren. Die Wahl des Doktorvaters war also keineswegs ein Zufall.“ Hier sieht man auch schön, dass Orientierung an früheren Positionen ein Charakteristikum dieser “Gewendeten” zu sein scheint, man dreht sich in gewissen Fragen um 180°, wie Röhl zu Nolte.

Er sieht sein Schreiben auch als “Aufklärung” über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und linksutopischen Aktivitäten, an denen ich als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“. 1994 war er einer der Autoren des Sammelbands “Die selbstbewusste Nation”, 1995 trat er der FDP bei. Er engagierte sich dort im nationalliberalen Flügel der Partei um Rainer Zitelmann, Alexander von Stahl, Heiner Kappel („Liberale Offensive“). Mit Zitelman sowie weiteren Springer-“Welt”-Journalisten (Ulrich Schacht, Heimo Schwilk) initiierte Röhl in diesen Jahren “Aufrufe” deutsch-nationalen Charakters. Röhl, der aus Westpreussen ist, schreibt heute u. a. für die “Preußische Allgemeine Zeitung” (ehemals “Ostpreußenblatt”). Nun ja, er wurde weniger “transatlantisch” (oder “israel-freundlich”) als deutsch-national, weniger verlogen als so manche Schreiber gerade bei “Die Welt”… Missfelder oder Stürmer propagier(t)en eben einen anderen National-Chauvinismus, einen der auf einer breiteren Grundlage steht. Viele, wenn nicht die meisten, 68er sind reaktionär geworden, in der einen oder anderen Form, es kommen auch noch welche vor, hier (ausserdem  “Anti”Deutsche, Ex-Grüne); Röhl ist nicht so rechts geworden wie Rabehl oder Mahler aber mehr als Aust, Enzensberger oder Schily, und offener rechts als die etwas jüngeren Küntzel oder Ditfurth.

Der Kanadier Patrick Moore war Umweltaktivist, einer der Greenpeace-Mitbegründer, bis 1986 Präsident von Greenpeace Canada. Es heisst, er begann mit der Politik zusammen zu arbeiten, um seine Vorstellungen von Umweltschutz umzusetzen, was ihn in Konflikt mit Greenpeace brachte. 1986 verliess er die Organisation bzw wurde dazu aufgefordert; wie bei Trennungen im Schlechten auch privat so üblich, stellte er dies dann so dar, dass er von sich aus gegangen sei (“Extremisten” hätten Greenpeace übernommen). Laut Greenpeace war es anders. Moore wechselte die Seiten, stellt sich als “Umweltexperte” Allen gegen Geld zur Verfügung, wurde Lobbyist/ PR-Berater/ “Botschafter” v.a. der Atom-, Papier- und Gentechnik-Industrie. Bei David MacTaggart, einem anderen Mitgründer von Greenpeace war es umgekehrt, er war ein Unternehmer bevor er sich dort engagierte. Moore bestreitet einen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel, dafür gäbe es keinen wissenschaftlichen Hinweis; ausserdem seien CO2-Emissionen gut für den Planeten und die Menschheit. Er ist Kritiker von GP geworden, nennt die Umweltbewegung “destruktiv” (sie hätte falsche Richtung eingeschlagen, nicht er). Er versteht sich weiterhin als Umweltschützer bzw gibt sich als solcher aus (ist als solcher zu buchen), gründete 1991 das PR-Unternehmen Greenspirit, das seine Aktivitäten koordiniert.

Arthur Koestler (Artúr Kösztler) wurde 1905 in Budapest geboren, war Sohn eines deutschsprachigen jüdischen Industriellen, erlebte als Kind in Ungarn das Ende der Habsburger-Monarchie (Österreich-Ungarn) 1918, die kommunistische Revolution unter Béla Kun (Kohn) 1919, und die rumänische Besetzung von Budapest im selben Jahr. In diesem Jahr zog die Familie nach Wien und er tudierte dort ab 1922 parallel etwas Technisches und etwas Geisteswissenschaftliches. Wurde während seines Studiums Mitglied der schlagenden jüdischen Studenten-Verbindung “Unitas”. Er ist einer Jener, die als Geistesgrössen gelten, die ihr Studium abgebrochen bzw nicht abgeschlossen haben. Köstler tat das 1926, als er in das damals britische Palästina ging, um am zionistischen Projekt dort mitzumachen. Er kam zunächst in einen Kibbuz in Nord-Palästina (“Heftziba”), der einige Jahre zuvor entstanden war, durch Juden aus Mitteleuropa wie ihm; hielt sich etwa ein Jahr in Palästina auf. In dieser Zeit begann er zu schreiben, Reportagen, die in Deutschland veröffentlicht wurden. Dorthin, nach Berlin genau, zog er 1930, schloss sich der KPD an, reiste in den Spanischen Bürgerkrieg, berichtete von ihm,…

Unter dem Eindruck der stalinistischen “Säuberungen” und Schauprozesse in der Sowjetunion 1936 bis 1938 (die sich hauptsächlich gegen “abweichlerische” Kommunisten richteten!) wandte sich Koestler vom Kommunismus ab. 1939/40 reiste er über Frankreich nach GB aus. In den Jahren des 2. WK diente er im britischen Militär, begann auf Englisch zu schreiben, besuchte wieder Palästina – Köstler entschied sich schliesslich für Grossbritannien als sein Land der Zukunft, eine gewisse Verbindung zum revisionistischen Zionismus (> Herut, Likud) blieb. Das englische Original von “Diebe in der Nacht” kam 1946 heraus, ein Roman der teilweise auf seinen eigenen Kibbuz-Erfahrungen basierte, und der den entstehenden zionistisch-arabischen Konflikt aus zionistischer Perspektive darstellt. Irgendwann wandte er sich von Belletristik und Politik/Zeitgeschichte ab und naturwissenschaftlichen und parapsychologischen Themen zu, hier ist  “Roots of Coincidence”/”Wurzeln des Zufalls” (1972) hervor zu heben. Eines seiner letzten Bücher war “Der dreizehnte Stamm” (1976), in dem er den aschkenasischen Juden eine Abstammung von den Khasaren statt von den alten Israeliten zusprach. 1983 verübte er mit seiner Frau angesichts schwerer Krankheiten gemeinsamen Selbstmord in London. Posthum kamen Vergewaltigungsvorwürfe ihm ggü.

Benny Morris war einer der „neuen Historiker“ Israels, die mutig die Massaker und Vertreibungen der Nakba (die um die israelische Staatsgründung herum statt fand) untersuchten. Er wurde linientreuer israelischer Historiker, steht nun rechts der Mitte, rechtfertigt längst Vertreibungen von Palästinensern. Aber das ist längst nicht Alles. Auf einer dropthebomb-“Konferenz” 08 hat Morris (wie auch schon 07 in “Die Welt”) einen präventiven atomaren Angriff Israels auf den Iran gefordert, wegen dessen Atomprogramm. Wobei, die Einladung durch Grigat & Konsorten allein schon aussagt, wo und für was er steht. ”Ich denke, alle rundherum wären sehr ruhig danach“, so Morris damals über einen Nuklearkrieg gegen Iran. Die Iraner hätten das Regime zu verantworten und seien damit selber schuld. Widersprochen hat ihm dort niemand. Dort waren auch Leute, die propagieren, dass die Iraner eigentlich für “ihre Befreiung” seien, was auch auf ein Kriegs-Plädoyer hinausläuft, nur verkaufen ihn diese nicht als “Strafe” für Iraner, sondern “Befreiung”. Von ihm kommen am laufenden Band Kommentare, Prophezeiungen, Einschätzungen, die sich an Zynismus und an Rassismus und Verachtung ggü “Arabern” (oder was er dafür hält) übertreffen.

Morris selbst hat seinen “Wandel” so kommentiert, dass er seine Ansichten nach der palästinensischen Zurückweisung des Barak-Angebots in Camp David 2000 und dem Beginn der Zweiten Intifada bald danach geändert hätte. “My turning point began after 2000. I wasn’t a great optimist even before that. True, I always voted Labor or Meretz or Sheli and in 1988 I refused to serve in the territories and was jailed for it, but I always doubted the intentions of the Palestinians. The events of Camp David and what followed in their wake turned the doubt into certainty.” Die Palästinenser wollten Alles, habe er da gewusst. Während dieser Intifada bezeichnete er die Palästinenser dann als “wilde Tiere”, die weggesperrt werden müssten, am Holocaust haben sie praktischerweise auch Mitschuld,… Bei Morris sieht man, wie relativ das ist, was Windschuttle postuliert hat (und für sich in Abrede stellt), bei Morris änderten sich mit den Ansichten über die Palästinenser die “Forschungsergebnisse”, die “Befunde” über sie35, seine Texte sie betreffend. Dazu auch hier einige grundlegende Gedanken.

Ilan Pappe, einer jener neuen Historiker, die mutig weiterforschten in der eingeschlagenen Richtung, sagte über Morris, dieser habe dem Druck der in Israel auf ihn ausgeübt wurde, nachgegeben, darum gebeten, wieder in den Stamm aufgenommen zu werden, mache nun ein Mea culpa. Pappe selbst hat Israel unter diesem Druck verlassen. Jedenfalls wäre Morris bei Weitem nicht der einzige Zionist, der um 2000 seine Haltung (ggü Palästinensern usw) änderte, bzw bei dem “aus Zweifeln Gewissheit wurde”, die sich dann rühmten wie grosszügig und gleichzeitig naiv sie doch gewesen seien.

Sita Ram Goel (1921–  2003) war ein indischer Autor und Aktivist. Dass er Hindu war, hatte für ihn lange kaum eine Bedeutung. Er fühlte sich in seiner Jugend zu den Lehren von Karl Marx hingezogen, wollte der indischen kommunistischen Partei (CPI) beitreten. So wie Sri Aurobindo (Ghose) den Schlüssel zu einer harmonischen menschlichen Persönlichkeit bot, dachte Goel damals, stand Marx für ein harmonisiertes soziales System. Er stammt aus dem Punjab, studierte Geschichte (mit Abschluss) in Delhi, zog dann nach Kalkutta/ Kolkata – alles Gebiete in denen Hindus, Moslems und Andere zusammen lebten. Lange kämpfte man zusammen um die Unabhängigkeit Indiens von Grossbritannien. Gleichzeitig wurde aber eine Entzweiung zwischen Hindus und Moslems stärker, zwischen dem Indian National Congress (der eigentlich auch die Anliegen der moslemischen Inder vertrat) und der All-India Muslim League.36 Nach dem Wahlsieg der Labour Party unter Attlee in GB und der Wahl zur Legislativversammlung in Indien jeweils 1945, war die Unabhängigkeit Indiens bereits ziemlich nahe.

Mitte ’46 wurde in den Regionen Britisch-Indiens gewählt37, auf Grundlage dessen dann eine Verfassungsgebende Versammlung zusammengestellt, aus der eine provisorische Regierung gebildet wurde. Es gab im Sommer 46 Streit um einen (möglichen) Vorrang des INC bzw der Hindus, die Muslim League unter Mohammed A. Jinnah boykottierte die Konstituante.38 Jinnah rief Moslems in Indien für den 16. August zum “Direct Action Day” auf, der eigentlich aus Streiks und Demonstrationen bestehen sollte. In Bengalen, neben Punjab jenes Gebiet, in dem Hindus und Moslems am stärksten mit einander “verwoben” waren, wurde der Tag zu einer der Gewalt zwischen den Volksgruppen, hauptsächlich in Kolkata/Kalkutta, wo sich damals ja auch Goel aufhielt. Es ist natürlich umstritten, welche Seite angefangen hat, welche sich nur verteidigte und wer die meisten der an die 10 000 Opfer zu beklagen hatte. Der Tag war für die weitere Geschichte Indiens einschneidend und entscheidend; hier erst legte sich die Muslim League definitiv auf die Forderung nach einem eigenen Staat für Moslems in Indien fest, ab hier war nicht mehr die Unabhängigkeit im Vordergrund sondern die Teilung.39 So auch beim Engagement von Mochandas Gandhi.

Sita Goel schrieb später, er wäre am 16. August 1946 von einem moslemischen Mob gelyncht worden, wenn er sich nicht als Moslem verstellt hätte, was ihm durch seine Beherrschung von Urdu gelang.40 Am Tag danach brachte er sich und seine Familie in Sicherheit, so Goel in seiner Autobiografie “How I Became a Hindu” (erstmals 1982 veröffentlicht). Er wurde ausgesprochen anti-kommunistisch und zunehmend hindu-nationalistisch (auch unter dem Einfluss von Ram Swarup). Die meisten seiner Bücher schrieb er auf Englisch, weniger auf Hindi. Hervor zu heben ist etwa “The Story of Islamic Imperialism in India” (1. Auflage 1982). Auf der en.wikipedia-Seite über Goel sind am Ende bei “See also” Verweise zu Koenraad Elst, Oriana Fallaci, Robert Spencer, “Ibn Warraq”, Andrew Bostom, Srdja Trifkovic,… Man will aus ihm eine Ikone der Islamophobie machen. Über die Fallstricke bei der diesbezüglichen Einbindung des Hindu-Nationalismus steht in den Antisemitismus-Artikeln schon Einiges. Evangelikale wie “Pat” Robertson können ja auch Hinduismus und Buddhismus nicht akzeptieren, Goel wiederum hat sich als Kritiker des Christentums in Indien und generell hervor getan41; Vielen in diesen Milieus sind Inder an sich zu “orientalisch” und “dunkel”,… Es ist im Grunde das selbe wie mit Griechen ggü Türken, es gibt (westliche) Versuche, sie als “positive Antithese” zu deklarieren, sie werden dann aber doch immer wieder als ihnen (den Türken) zu ähnlich aufgefasst.42 Goel scheint sich nicht gedreht zu haben, um jemandes Anerkennung zu bekommen, schon gar nicht von Rassisten aus dem Westen.

Der politische Philosoph Pascal Bruckner, ein Franzose, ist etwas zu jung um ein bedeutender 68er zu sein, wurde in diesem Milieu aber politisch sozialisiert, blieb ihm die 70er hinweg treu. Er ist einer der Ex-68er die sich nach Rechts drehten. 1983 kam ein Buch von ihm auf den Markt, “Le Sanglot de l’Homme blanc” (Die Tränen des weissen Mannes), in dem er eine “antiwestliche”, “antiweisse” Haltung in der Linken beklagt. Der Titel ist abgeleitet von Ruyard Kiplings Gedicht “Des Weissen Mannes Bürde”, von dessen Geist ist Bruckner nicht so weit weg; damit hat er u.a. Michel Thomas (“Houellebecq”) beeinflusst. Zu Bedeutung kam er erst als Rechter, als „neo-reac“ der er geworden ist (so etwas wie “Neocons” in Frankreich), als Abendlandretter gegen Farbige, Moslems, Linke, mit/für Zionisten. Er spricht/schreibt von “islamo-gauchisme”, einer “Allianz” zwischen der areligiösen (westlichen) Linken und dem Islamismus. In “La Tyrannie de la Pénitence: Essai sur le Masochisme Occidental” beklagt er die Haltung westlicher Intellektueller, die aus “Schuldgefühl” ggü Vergangenem den Westen für Massen-Einwanderung öffnen würden, von Afrikanern und Moslems, welche eben diesen Westen (von “Innen”) zerstören könnten.

Das “Schuldgefühl” sei natürlich auch unangebracht, und eine damit verbundenen “Romantisierung” und “Viktimisierung” des “Südens”. Inzwischen sei “West-Hass” etwas zutiefst westliches. Gelobt sei die USA, wo man, anders als in Europa, noch nicht in “Selbsthass” versunken sei. Israel werde vom/im Westen ungerecht negativ beurteilt/behandelt, aus diesem “Schuldkomplex” heraus – den Holocaust versucht er nicht den Moslems “überzustreifen”, nein, aber jene die Israel kritisierten (im Westen), arbeiteten an einer Befreiung dieser historischen Schuld. Wenn er schreibt, Europa sei “der kranke Mann des Planeten”, könnte das auch von einem Islamisten sein. Wie er jetzt Westen/Europa definiert (gehört Russland dazu?,…), ob er Frauen- oder Homosexuellenanliegen als “westlich” sieht oder schon eine “Abweichung” von den westlichen Werten, oder Gruppen wie AfD/PEGIDA als in seinem Sinne..?

Alain Finkielkraut war in seiner Jugend in kommunistischen Gruppen aktiv, wurde ganz rechts (auch ein Abendlandretter), garniert seine reaktionären Haltungen wenigstens nicht mit Frauenrechtsengagement, steht zu einer gewissen Frauenfeindlichkeit. Bruckner arbeitet(e) passenderweise mit Finkielkraut zusammen, bläst in das selbe Horn wie Alexandre del Valle oder Pierre-André Taguieff. Ähnlich wie Bruckner hat sich André Glucksmann entwickelt, weniger reaktionär wurde Bernard Kouchner (der im französischen 68 schon wichtig gewesen war), bei Stéphane Courtois, dem Ex-Maoisten, dreht sich heute Alles um Antikommunismus (ohne Abendlandrettung), Renaud Camus oder Alain de Benoist43 waren nie links. Im “Cercle de l’Oratoire” werden sich die meisten der Genannten wahrscheinlich treffen. Regis Debray wurde ein moderater Konservativer bzw Mitte Links, Alain Geismar ist anscheinend nicht konservativ/rechts geworden.

Unter jenen Ostblock-Überläufern, die das nicht aus “Pragmatismus” taten, befindet sich Arkady Shevchenko. Der Ukrainer machte Karriere im diplomatischen Dienst der SU, wurde Vize-Generalsekretär der UN, Berater von Aussenminister A. Gromyko. Er wurde zur Zeit der Annäherung zwischen Ost- und Westblock in den 1970ern mit der SU-Politik unzufrieden; erwog Rücktritt und einen Versuch der Richtungsänderung in der SU, nahm dann aber mit der CIA in der USA Kontakt auf – die wollten, dass er weitermachte… Nachdem er 1978 in die SU zurückbeordert wurde, quittierte er den Dienst, blieb in der USA, machte sein Überlaufen öffentlich. Er war wahrscheinlich der höchstrangige Ostblock-Funktionär der das getan hat. Seine Frau in der SU machte nicht mit, starb dann unter ungeklärten Umständen; er bekam einen Prozess in Abwesenheit. Er starb 1998 in der USA an Leberzirrhose, nachdem er eine Autiobografie heraus gebracht hatte.

K. Wolf Biermann ist in Hamburg geboren, jüdischer Herkunft, wuchs in der DDR auf; nach einer Konzerttour durch die BRD 1976 wurde dem regimekritischen Liedermacher die Wiedereinreise verweigert und er ausgebürgert. So landete er wieder in Hamburg. In einem Interview hat er davon geredet, dass er auch danach noch an den Kommunismus geglaubt hat, irgend einen “wahren”, der im Ostblock nicht verwirklicht war – eigentlich ist nur dadurch hier nennenswert. Erst durch die Begegnung mit Manes Sperber in Paris sei ihm da etwas klar geworden. Er wurde ein spiessiger Ex-Kommunist, der es sich rechts gemütlich gemacht hat. 1998 trat er bei der CSU-Klausurtagung in Kreuth auf, am Kamin mit Waigel & Co. Merkel stuft er als nahezu ideale Politikerin ein, welche höchstens den Fehler gemacht habe, dem “Mehrheitsdruck des Mobs” beim Atomausstieg nachzugeben. Zu 25 Jahre Mauerfall 2014 hetzte er im Bundestag gegen die Linke, redete vom “Sieg über die Drachenbrut”.

Comer Vann Woodward (1908 – 1999) war ein US-amerikanischer Historiker, der sich hauptsächlich mit den Südstaaten der USA und mit Rassenbeziehungen beschäftigte. Woodward war ein Linksliberaler, Aktivist für Bürgerrechte. Von Bedeutung war v.a. sein Buch “The Strange Career of Jim Crow” (1955), in dem er das späte 19. Jh als Beginn der Rassentrennung in den Südstaaten ausmachte. Es heisst, aufgrund von Attacken von Neuen Linken auf ihn in den späten 1960ern “rutschte” er nach Rechts. Er engagierte sich gegen Kommunisten, im historischen akademischen Betrieb. Aber auch bezüglich des Rassischen änderte er seine Haltung, er schrieb ein Lob auf Dinesh D’Souza’s „Illiberal Education: The Politics of Race and Sex on Campus“. Es dürfte ihm allgemein um bzw gegen „politische Korrektheit“ gegangen sein.

Die deutsch-österreichischen “Anti”deutschen entstanden Anfang der 1990er, was schon mal eine Rechtswendung war (mehr als ein Richtungswechsel innerhalb der Linken). 2001 kam es zu einer Radikalisierung, zum Bruch mit anderen Linken, in vieler Hinsicht einer Abwendung vom Linken, seither zu weiteren Rechtsrucken.44 Auch “A”D-“Vordenker” bzw Bezugsfiguren wie “Jean Amery” (Hans Mayer) waren gewendete Linke. Die Führungsfiguren der ersten “A”D Anfang der 1990er kamen vorwiegendst vom (maoistischen) Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) und anderen K-Gruppen, so wie Matthias Küntzel. Auch hier stellt sich die Frage, ein Bruch mit der Ideologie oder konsequente Weiterentwicklung? Küntzel beansprucht, als Wissenschafter ernst genommen zu werden. Hans-Gerhart “Joscha” Schmierer war im SDS führend tätig, dann im KBW (bis zu dessen Selbstauflösung 1985); er ging zu den Grünen, wurde auch eine Art “A”D. Schmierer kam unter “Joschka” Fischer ins Aussenministerium, versuchte, seine früheren Positionen umzudeuten, und lobte George W. Bush.

Die “bahamas” hat ja bereits 09 die Bezeichnung “antideutsch” von sich gewiesen (> AS IV) und Manche in dem Milieu stehen auch dazu, rechts geworden zu sein, andere (noch) nicht. Deutschland-schelte hatte dort jedenfalls immer die Funktion einer Tarnung, für einen offenen, neuen, hässlichen Deutsch-Nationalismus. Sören Pünjer promotet zB die rechtsextreme britische Hooligangruppe “English Defence League” wie auch die FPÖ, bezeichnet Neofaschisten als “von links Getriebene”, was Demonstrationen gegen sie “immer lächerlicher und überflüssiger” mache. Maul schwärmt für die AfD, sieht das ja nicht als “Übertritt”, im Gegenteil… An solchen Fällen sieht man, wie nahe “Anti”deutsche und Recht(sextrem)e einander sind.45 Aber es gibt ja noch immer jene “Anti”deutschen, die sich als „Linksradikale“ sehen bzw präsentieren, Seite an Seite mit den offen Rechten agieren, so wie bei den drop-“Konferenzen”.46

Der Engländer Christopher Hitchens durfte als Journalist um die Welt reisen und seine Meinungen zu Geschehenem an Zeitungen schicken, die es veröffentlichten. In Zypern lernte er eine Frau kennen, mit der er dann Kinder hatte, in der USA blieb er länger, wurde auch ihr Staatsbürger. Politisch gehörte er in den 1960ern der Labour Party an, wurde mit Anderen ausgeschlossen, angeblich wegen Gegnerschaft zur Unterstützung des Vietnam-Kriegs durch Premierminister Harold Wilson. Hitchens war dann in kleinen trotzkistischen Gruppen aktiv. In späteren Jahren schrieb er hauptsächlich für die liberale amerikanische Wochenzeitschrift “The Nation”, Bücher, hielt Vorträge. Noch 2001 kam von ihm ein kritisches bzw angemessenes Buch über Henry Kissinger (“The Trial of Henry Kissinger”) heraus; der sich nicht zuletzt dadurch schuldig gemacht hat, dass er den Pinochet-Putsch in Chile, am 11. September 1973, unterstützt/ermöglicht hat. Nach den Anschlägen vom 11. 9. 2001 verliess er “The Nation”, ätzte dabei, dort sähe man John Ashcroft  (Bushs Justizminister) als grössere Plage denn Osama bin Laden.

Hitchens sprach/schrieb von “Faschismus mit islamischem Gesicht”, der von einer interventionistischen Politik (also einer Anglo-Weltpolizei) herausgefordert werden sollte. Er stellte sich auf die Seite von Bush und den Neokonservativen, begrüsste den Irak-Krieg, distanzierte sich von der Linken, die er in einer Art “Appeasement” sah – das war unter Linken in dieser Zeit gang und gäbe, besonders jenen die um 1968 herum politisch sozialisiert worden sind. Was er sich nicht fragte, ist warum man im Westen Bin Laden erst in den 1990ern als Problem aufgefasst/behandelt hat, und in den 1980ern mit ihm zusammengearbeitet, als er von Pakistan aus islamistischen Terror gegen Afghanistan und seine Regierung organisierte. Oder, bezüglich der Khomeini-Fatwa gegen Salman Rushdie, den er seinen Freund nannte: Wann der Westen in Ländern wie Iran (oder Türkei) jemals emanzipatorische Bewegungen/Herrscher/… unterstützt hat. Hitchens bestand aber darauf, kein Neocon geworden zu sein.

So wie er ein un-orthodoxer Linker gewesen war, wurde er dann auch kein orthodoxer Konservativer. In einem BBC-Interview 2010 gab er an, noch immer wie ein Marxist zu denken und sich als Linken zu betrachten. Mit Gore Vidal hat sich Hitchens jedenfalls in seinem letzten Jahrzehnt politisch-menschlich zerkracht. Und, seine “Ausweitung der Kampfzone” (nennen wir seine Wendung so, nach dem Titel eines Houellebecq-Romans) brachte ihm insgesamt eine Erweiterung seiner Leserschaft und seiner Anerkennung. Hitchens wurde aber Keiner, der das Abendland mit Israel-Unterstützung retten wollte und wurde auch “bzgl Frauen” nicht unbedingt politisch korrekt. Er, der teilweis jüdischer Herkunft war, blieb auch konsequent (und nicht selektiv) ein Atheist bzw eher Antitheist. Der starke Trinker und Raucher erlag der Krankheit, die sich daraus “ergab” 2011.

Auch George Robert Conquest47 zog es aus Grossbritannien in die USA und ihn definitiv vom Kommunismus weg. Er war zum Beginns eines Studiums in Oxford „offenes“ Mitglied in der Communist Party of Great Britain (CPGB) aber auch im Conservative Carlton Club. Als die CPGB den Kriegseintritt von GB 1939 als “imperialistisch” und “kapitalistisch” ablehnte, brach Conquest mit ihr. 1940 wurde er selbst in’s Militär eingezogen, blieb dort bis 1946. Danach arbeitete er für das Information Research Department (IRD) des britischen Aussenministeriums, im Zeichen von Propaganda-Bemühungen im beginnenden Kalten Krieg. Conquest blieb dem Anti-Kommunismus als Historiker/Politologe treu, zT in staatlichen Diensten. 1968 veröffentlichte er sein “Opus magnum”, „The Great Terror: Stalin’s Purges of the 1930s“, über die stalinistischen “Säuberungen” in der SU, die ja zB Köstler vom Kommunismus abgebracht haben.48 Er unterstützte die Holodomor-These, wonach der Hungertod von Millionen Ukrainern unter Stalin absichtlich in die Wege geleitet worden sei.

Seine wissenschaftliche Arbeit scheint eine Art Fortsetzung seiner Propaganda-Tätigkeit für das Aussenministerium in der Nachkriegszeit und in einem Militär-Geheimdienst in der Kriegszeit gewesen zu sein (auch wenn sicher viel Wahres dran ist an dem was er über den Terror Stalins schrieb). Conquest veröffentlichte auch, zusammen mit seinem Freund Kingsley Amis, die fünfbändige “Spectrum”-Reihe von SF-Anthologien. In „What to Do When the Russians Come: A Survivor’s Guide“ entwickelt er die Idee einer Besetzung der USA durch die Rote Armee…49 Conquest war Mitglied bei konservativen Denkfabriken wie dem Center for Strategic and International Studies. Er kritisierte auch linke Persönlichkeiten im Westen, wie Jean-Paul Sartre und Bertolt Brecht, als “Apolgeten Stalins”. Er wirkte an der Stanford-Universität in Kalifornien, bekam von Bush 05 einen USA-Orden, zusammen mit Aretha Franklin und Alan Greenspan. Dafür war Hitchens vermutlich noch zu jung und ausserdem insgesamt zu un-konservativ geworden. Der bekam bei seinem Tod eine Würdigung von GB-Premier Blair. Conquest ist ein Beispiel für einen Kommunisten der ein Anti-Kommunist wurde, wobei nicht ganz klar ist, inwiefern er, als Student, einer geworden war.

Salvatore „Sonny“ Bono, Italo-Amerikaner, war Pop-Sänger, Partner von „Cher“ (Cherilyn Sarkisian) in der Hippie-Zeit. Er ging in die Politik nachdem er beim Versuch, in Palm Springs (California) ein Restaurant zu eröffnen, von der Bürokratie der Gemeinde frustriert worden war. Und zwar über die Republikanische Partei. Zunächst, 1988, liess er sich zum Bürgermeister von Palm Springs wählen. 1992 dann die Wahl in’s Repräsentanten-Haus nach Washington. Ausserdem ging er noch zu Scientology… 1998 starb er nach einem Unfall beim Ski-Fahren in Kalifornien. Seine Frau Mary Bono sagte, er sei süchtig von Medikamenten wie ” Vicodin” (siehe) und “Valium” gewesen, dies habe ihrer Ansicht nach den Unfall ausgelöst. Sie folgte ihm ’98 als Abgeornete in dem Wahlkreis.

Jay V. „Whittaker“ Chambers (1901-1961) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Redakteur, der sich angesichts Stalins Wirkens vom Kommunismus abwandte und eine scharfe Rechtswendung machte, zu einem Repräsentanten des Antikommunismus wurde. Er wurde (1925) Mitglied der CPUSA und spionierte für die SU (1932-1938). Es war auch bei ihm in erster Linie Stalins Vorgehen gegen Kommunisten, die ihn umdenken liessen. Chambers’ Freundin und Ko-Spionin Juliet Stuart-Points (Mitgründerin der CPUSA) reiste in den späteren 1930ern in die SU, als durch Stalins „Säuberungen“ auch einige ihrer Freunde getötet wurden, überlebte die Reise, trat danach anscheinend aus der Partei aus…und verschwand 1937 in New York City. 1939 bekam Chambers, nunmehr Ex-Kommunist, eine Stelle beim “Time”, stieg dort bis zum Chefredakteur auf, und schrieb scharf antikommunistische Artikel. Auch das Christentum soll er (wieder)entdeckt haben.

Nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt) 1939 erzählte Chambers dem amerikanischen Vize-Aussenminister Adolf Berle, was er von den kommunistischen Aktivitäten in der USA wusste. Nachdem der junge Abgeordnete Richard Nixon auf ihn aufmerksam geworden war, sagte Chambers 1948 darüber vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) aus, einem Untersuchungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses50. Er nannte dabei auch den Namen des Regierungsbeamten Alger Hiss. Der wehrte sich gegen die Beschuldigungen der kommunistischen Spionage u.a. mit “Vorwürfen”, Chambers sei homosexuell. Chambers musste in den beiden Prozessen gegen Hiss 1949/50 aussagen, verlor in dieser Zeit seine Stelle bei “Time”. Er unternahm einen Selbstmordversuch, brachte seine Autobiografie heraus, wurde Herausgeber der “National Review”. Ronald Reagan verlieh ihm posthum 1984 die “Presidential Medal of Freedom”.

Der US-Amerikaner Jerry Rubin war in den 1960ern an der Universität in Berkeley politisch engagiert, war einer der Gründer der Youth International Party (YIP) bzw der Yippies, zusammen mit Abbot “Abbie” Hoffman (wie Rubin jüdisch). Rubin spielte eine wichtige Rolle bei den Demonstrationen gegen das Establishment der Democratic Party anlässlich des DP-Parteikonvents in Chicago 1968. Demos die sich hauptsächlich gegen den Vietnam-Krieg bzw das amerikanische Mitmischen (Johnson/Humphrey) richteten. Nach dem Ende des Vietnam-Krieg 1973 (Rückzug USA) bzw 1975 (ganz) wurde Rubin Geschäftsmann. Die ersten 68er (ob Hippies oder Yippies/Spontis), die eine “Wende” machten, taten dies bereits in den 1970ern, Jerry Rubin war einer davon. In den 1980ern machte er mit Abbie Hoffman eine Diskussionstour namens “Yippie versus Yuppie”. Rubin sagte dort, dass die Gegenkultur durch den Missbrauch von Drogen, Sex und Privateigentum “schaurig” geworden sei, und dass die Erreichung von Wohlstand für Alle die wahre “amerikanische Revolution” sei. Daniel Cohn-Bendit hat über diese Debatten geschrieben, sie diskutierten miteinander und verweigerten gleichzeitig, sich zu verstehen, es handle sich um eine “Taubstummendiskussion”. Als Hoffman 1989 Selbstmord verübte, kam Rubin zu dessen Begräbnis. 1994 wurde er beim Überqueren einer Strasse von einem Auto erfasst und getötet. Noch etwas über Rubin und seinen Wandel

Charlton Heston (früher John C. Carter) war ja in seinen späteren Jahren ein Aushängeschild der Waffenlobby NRA und für weitere rechte (republikanische) Anliegen. Weniger bekannt (bzw schon sehr lange her) ist, dass er einmal typischer Unterstützer liberaler (demokratischer) Anliegen war. Heston/Carter, der in der Schlusssphase des 2. WK im Militär der USA zum Einsatz kam und sich wenige Jahre später in Hollywood durchsetzte, war in den 1960ern Unterstützer der Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner, die nach dem Ende der Sklaverei ein Jahrhundert auf formale Gleichberechtigung “warten” mussten, nahm am Bürgerrechtsmarsch 1963 teil. Ende der 1960er setzte er sich auch für Einschränkungen von Waffen”freiheit” in der USA ein… 1965 bis 1971 war er Präsident der Screen Actors Guild, eine der Kino-Schauspieler-Gewerkschaften. In der Präsidenten-Wahl 1968 unterstützte Heston nach der Ermordung von Robert Kennedy Hubert Humphrey, den konservativsten der verbliebenen Kandidaten der DP, aber immer noch einen Demokraten. 1969 wurde er von dieser Partei gefragt, ob er für einen der Senats-Sitze von Kalifornien kandidieren würde, gegen George Murphy (RP), einen anderen Schauspieler.

In seiner Autobiografie “In the Arena” (1995) erzählt Heston, dass er bei einer Autofahrt eine Reklamewand mit einer Wahlwerbung für Barry Goldwater sah, das muss 1964 gewesen sein, als dieser für die Präsidentschaft gegen Johnson kandidierte. Die Aufschrift: “In Your Heart You Know He’s Right”; er habe damals zu sich selbst gedacht “Eigentlich hat er Recht”. Wenn das so war, dauerte es aber noch etwas, bis sich das bei ihm durchsetzte. Er hat sich nämlich erst 1972 zur “GOP” hingewendet, nicht zuletzt aus Abneignung gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten dieses Jahres, George McGovern. Demnach hat er 1972 Richard Nixon gewählt (aber noch nicht öffentlich unterstützt). Eigentlich waren die Republikaner ja die linkere der zwei amerikanischen Grossparteien, die Partei die für die Abschaffung der Sklaverei war und diese (unter Präsident Lincoln) umsetzte. Die diesbezügliche Verschiebung vollzog sich etwa in der Zeit von 1910 bis 1968, in der Zeit von Theodore Roosevelt bis Lyndon Johnson. Entscheidend dabei war die Präsidenten-Wahl 1964. Der RP-Kandidat 1964, Goldwater, bekannte sich “in Theorie” zu “Desegregation” (also gegen die Apartheid in den Südstaaten), seine Gegnerschaft zu Bürgerrechtsgesetzen erklärte er damit, Föderalist zu sein, der gegen “Einmischung” der Bundesregierung in Angelegenheiten der Bundesstaaten sei.51

Goldwaters wichtigster RP-interner Gegenkandidat ’64 war Nelson Rockefeller, Gouverneur von New York, der den Nordstaaten-Republikaner repräsentierte. Bei der Wahl 64 gewann Goldwater mehrere Staaten des Südens52 mit seiner Wahlkampagne gegen das in diesem Jahr (unter seinem Gegenkandidaten Johnson) erlassene Bürgerrechtsgesetz. Konservative Weisse im Süden zog es damals zur RP, ebenso solche Politiker, wie Strom Thurmond, die RP wurde die rechtere der beiden Parteien, und die Afro-Amerikaner zog es zur DP. Bei der Wahl 68 machte Nixon eine verklausulierte Kampagne, wenn er über “law and order” sprach, meinte er (meistens) die Afro-Amerikaner. Um zu Heston zurück zu kommen, der hatte den Vietnam-Krieg (bzw das US-amerikanische Mitmischen bzw Anheizen) in dessen früheren Stadien noch abgelehnt, Anfang der 1970er änderte er auch hier seine Meinung; 1973 zog sich die USA unter Nixon ja von dort zurück.

In den 1980ern unterstützte Heston Ronald Reagan, das Recht aus Waffenbesitz, wurde Mitglied der RP,… Er sagte dazu, “I didn’t change. The Democratic Party changed.” Ganz ähnlich hat es Reagan selbst formuliert (> Politiker die von der DP zur RP wechselten), der etwa 10 Jahre vor Heston, damals selbst noch Schauspieler, das politische Lager wechselte. Das stimmt sogar i-wie (s.o.), aber Heston hat sich ja auch gedreht (s.u.). 1998 bis 2003 war er Präsident der Waffenlobby National Rifle Association (NRA). Ehe er sich aufgrund seiner Alzheimer-Krankheit aus der Öffentlichkeit zurückzog. Bei der NRA-Convention 2000 machte er “natürlich” Wahlwerbung für George Bush, hob ein Gewehr über seinen Kopf und erklärte dass ein Präsident Al(bert) Gore dieses (nur) aus seinen kalten, toten Händen wegnehmen (können) werde. Als ob es bei strengeren Waffengesetzen um solche historischen Flinten gehen würde und nicht um Waffen wie jene, die beim Schulmassaker von Columbine (Colorado) 1999 verwendet wurden… Elf Tage nach diesem Amoklauf fand, wie geplant, die Jahresversammlung der NRA in Denver (ebf. Colorado) statt. Der Vater eines Columbine-Opfers sagte bei einer Demonstration dort „Es gibt viele verantwortungsvolle Waffenbesitzer. Aber es ist an der Zeit zu begreifen, dass eine halbautomatische TEC-9-Waffe53 nicht zur Wildjagd genutzt wird.“54 Für den Dokumentationsfilm “Bowling for Columbine”55, der 2002 herauskam, interviewte Michael Moore Heston.

Dort sagte Heston zu Gründen der Schusswaffen-Gewalt in der USA, “we have probably more mixed ethnicity”.56 Die Gewaltkriminalität in der USA hat sicher damit zu tun, dass ein Teil der Bevölkerung jahrhundertelang (vor der Staatsgründung schon) als Sklaven leben musste, und über die Befreiung davon hinaus lange als Bürger zweiter (dritter?) Klasse behandelt wurde (zT noch wird); das zeigt sich ja zB bei der Lynchkriminalität gegen Afro-Amerikaner. Und das Nebeneinander von Arm und Reich in diesem Land ist eine Folge dieser Behandlung/Diskriminierung, und eine Grundlage für diese Gewaltkriminalität; die meisten Amokläufer sind aber Weisse. In Reden/Interviews in seinen späten Jahren hat Heston in der Regel Politisches und Rassisches vermischt, in unappetitlicher Weise, dabei stellte er Weisse, besonders rechte rurale protestantische männliche heterosexuelle, als eigentlich Unterdrückte der USA dar, als Missverstandene, Nicht-Geschätzte, Opfer einer political correctness, eines “Kulturkrieges”. Wenn sein Rechtsruck tatsächlich um 1972 erfolgte, war er damals 50 Jahre alt, was die These vom Alters-Faktor dabei stützen könnte. 2008 konnte das Gewehr aus seinen kalten, toten Händen entnommen werden.

Elizabeth Terrill-Bentley (1908 – 1963) war eine US-amerikanische Spionin für die SU, von 1938 bis 1945. 1945, als der Kalte Krieg bereits im Entstehen war, verliess sie die CPUSA und den damaligen SU-Geheimdienst NKGB, dann wurde sie eine Informantin für USA-Behörden. Sie enttarnte ein “Netzwerk” von etwa 80 Amerikanern die dort für die Sowjetunion arbeiteten, heisst es. Sie war zur SU “übergelaufen” als diese noch kein richtiger Feind für die USA war, “kehrte zurück” als sie dies wurde.

Es gab im früheren Jugoslawien Jene, die beim Auseinanderfall den “Kommunismus verliessen” (in gewisser Hinsicht bedingte das den Auseinanderfall), und jene die das schon vorher taten. Wenn man die Präsidenten der Teil-Republiken zur Zeit des Auseinanderfalls 1991/92 nimmt, Tudjman und Izetbegovic gehören zur ersteren Katgorie, Milosevic, Kucan, Gligorov, Bulatovic zur zweiteren. Franjo Tudjman war bei den Partisanen und in der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) aktiv gewesen; an einem Punkt sah er Kroatien in einem sozialistischen Jugoslawien nicht mehr gut aufgehoben und kam in Dissidenz zu diesem. Seine Geschichtsauffassung und sein politisches Engagement bedingten einander, wie schon hier angemerkt. 1989/90 gründete er die christlich-konservative-nationalistische HDZ mit; bei der Wahl zum kroatischen Parlament im Frühling 1990 siegte diese, das Parlament wählte Tudjman zum Präsidenten Kroatiens, noch immer Teilrepublik Jugoslawiens.57 1991 die Unabhängigkeits-Erklärung, dann der Krieg gegen die Abspaltung der mehrheotlich serbisch besiedelten Gebiete Kroatiens. Anton Tus, unter dem die kroatischen Streitkräfte entstanden (im Krieg), war General der jugoslawischen Luftwaffe gewesen, und wenn kein überzeugter Kommunist, zumindest Partei-Mitglied.

Wie im entsprechenden Artikel bereits geschrieben, Überlaufen zur “Gegenseite” stand am Anfang und am Ende von Jugoslawien, das betraf Politiker, Militärs,… Eine Reform Jugoslawiens scheiterte 1990/91, und der Auseinanderfall 1991/92 wurde blutig, nachdem die Volksgruppen nicht fein-säuberlich nach Teilrepubliken aufgeteilt waren. Soldaten liefen zT in Kriegen über, von der JNA zur entstehenden Armee ihrer unabhängig werdenden Republik. Nachdem sich die Delegationen aus den Teil-Republiken am Parteitag der kommunistischen Partei SKJ nicht auf eine Reform von Land/Partei einigen konnten (1990), war diese Partei bzw der Kommunismus/Sozialismus kein einigendes Band mehr. Slobodan Milosevic, seit 1989 Präsident Serbiens, machte es ähnlich wie Racan in Kroatien, die Teilorganisation der KP in Serbien (SKS) wurde in eine eigenständige, sozialdemokratische Partei umgewandelt, in diesem Fall die SPS. Milosevic agierte aber nationalistischer als die nationalistische Opposition in Serbien (und war auch nicht bereit, Macht abzugeben). Für ihn bekam die Schaffung eines Gross-Serbiens Priorität über den Erhalt (eines serbisch dominierten bzw zentralistischen) Jugoslawiens, damit setzte er sich auch bezüglich der JNA durch.

Milosevic, der Machthaber im späten Jugoslawien, und dann in Rest-Jugoslawien wurde58 ist gewissermaßen der Prototyp Jener im YU-Raum, die sich Anfang der 1990er vom Kommunismus ab- und dem (ihrem) Nationalismus zuwandten. Jenem Kommunismus, den Tito ggü der SU bzw dem Ostblock behaupten wollte, weshalb er (ab) 1948 mit Stalin brach. Ein Wendehals? Wie schon hier angemerkt, Präsident von “Rest”-Jugoslawien (der Bundesrepublik YU) wurde 1992 der Schriftsteller Dobrica Cosic. Dieser hatte sich im 2. Weltkrieg den Partisanen angeschlossen, weil er glaubte, dass der Kommunismus den serbischen Interessen am besten diente. Aus dem selben Motiv wandte er sich um 1968 vom kommunistischen System ab – es soll ihm damals primär um (gegen) die Autonomie von Kosova und Vojvodina innerhalb Serbiens gegangen sein. Ante Markovic, ein kroatischer Bosnier, wurde 1989, noch als Kommunist bzw SKJ-Mann, Ministerpräsident Jugoslawiens; 1990 gründete er eine neue Partei (SRSJ), mit dem Ziel, Jugoslawien zu reformieren (und zu erhalten). Auch eine Abwendung vom Kommunismus also, aber nicht hin zum Nationalismus.

Beim amerikanischen Historiker Eugene D. Genovese (1930-2012) gibt es starke Parallelen zum genannten Woodward. Auch er war Historiker mit Focus auf dem Südosten der USA und ihrer Sklaverei. Er nahm vielleicht weniger “Partei” als Woodward, brachte aber eine marxistische Perspektive ein. Kam daher in den 1960ern unter Beschuss von rechten Politikern wie Richard Nixon. Mit „The Southern Tradition: the Achievements and Limitations of an American Conservatism“ (1994) wurde ein Wandel im Denken Genoveses sichtbar, bezüglich seines Forschungsobjekts (Südstaaten,…) und darüber hinaus. Der Kritik am Kapitalismus blieb er treu, aber in seinen späteren Jahren sah er die Sklavenhalter des Südens gewissermaßen auch als sein Opfer, nahm den Konservativismus des Südens an; den agrarischen Patriarchalismus, als positives Gegenstück zum Arbeitsethos der “liberalen”, industriellen Demokratie des Nordens (der USA), die für den Kapitalismus steht. Diese Wendung schloss auch eine “Rückkehr” in die Katholische Kirche mit ein. Seine Frau Elizabeth Fox-Genovese, ebenfalls Historikerin, ging diesen Weg mit ihm.

Einige prominente/führende 68er landeten ganz rechts aussen; nicht bei den “Anti”deutschen sondern im Milieu von NPD und “Junge Freiheit”. Horst Mahler und Bernd Rabehl bei der NPD. Mahler kam als Rechtsanwalt zur RAF, dann ins Gefängnis; gegen Ende der 1990er wandte er sich zum Rechtsextremismus/ Deutschnationalismus. Eine Art Coming out war die Laudation für den Sozialphilosophen Günter Rohrmoser, die er 1997 bei dessen Geburtstagsfest hielt.59 Er schloss sich (für einige Jahre) der NPD an, zog nach Brandenburg (weniger Ausländer dort). In einer seiner Erklärungen für seinen Weg sagt er, Heimat sei eben eine Grundkonstante des menschlichen Seins. Ende der 00er-Jahre stand er andauernd vor Gericht, wegen Holocaust-Leugnung und Anderem, ist seither meist im Gefängnis, war zeitweise auf der Flucht, ist gesundheitlich angeschlagen. Es muss Schluss mit dem deutschen Selbsthass sein, so Mahler.

Auch Bernd Rabehl war ein linker Akademiker, vollzog Ende der 1990er einen Schwenk nach Rechts, wegen „kultureller Überfremdung“ und so. Günter Maschke war wie Mahler und Rabehl im SDS aktiv gewesen; und in der (seit 1956 illegalen) KPD, und mit Johanna Ensslin, der Schwester von Gudrun, verheiratet. Die Fahnenflucht vor seinem Bundeswehr-Dienst “trieb” ihn über Österreich (R. Schindel) nach Cuba. Die Zeit dort, 1968/69, brachte eine erste Abwendung von der Linken, Rückkehr in die BRD, Arbeit als Journalist (“FAZ”,…). In den 1980ern eine zweite Rechtswendung, seither schreibt er für Zeitungen wie “Staatsbriefe” oder Bücher im Antaios-Verlag. wiki: „Die antirevolutionäre Wende ging einher mit dem Studium des Werkes von 60 Carl Schmitt“. Zusammen mit dem ebenfalls vom Links- zum Rechtsextremismus gewechselten Horst Mahler veröffentlichte Günter Maschke 1998 eine Erklärung zur Bewegung von 1968, worin sie dieser eine nationalrevolutionäre Deutung geben. So ähnlich hat es Rabehl auch ausgedrückt.

Nicht alle Ex-68er sind natürlich so weit nach rechts gerückt wie Rabehl oder Röhl; aber Hans M. Enzensberger oder Stefan Aust sind auf eine andere Art auch sehr reaktionär geworden. Der Bayer Enzensberger, der auch mit Maschke (bevor dieser ganz rechts wurde) zu tun hatte, konnte 03 auch nicht widerstehen, Bush und seinem Irak-Krieg zu bejubeln, und das auch noch mit moralischer Geste.61 Stefan Aust (früher „konkret“, später „Spiegel“, Springer) hat den “Spiegel” einer gewissen Selbstüberhöhung bzw einem Chauvinismus geöffnet, mit Titeln wie „Stille Islamisierung Deutschlands“ (nach der zurückgenommenen Entscheidung einer Richterin) oder „Unverschleierte Würde des freien Westens“, Autoren wie Broder. Vorgänger von Aust als “Welt”-Herausgeber war Thomas Schmid, auch mal 68er, dann Grüner. Die Freunde Fischer und Cohn-Bendit haben einigermaßen die “Balance gehalten”, auch wenn Ersterer nach seiner politischen Karriere Berater vom Gross-Kapital (bzw seiner Besitzer) geworden ist, USA- und IL-Freund. Wolfgang Kraushaar zeigt mit seiner Laufbahn, seinem Engagement, auch, was aus der „Bewegung“ so geworden ist, er ein konformistischer Bundesrepublikaner.

Elia(s) Kazan(zoglou) wurde 1909 in Istanbul, damals Osmanisches Reich geboren, in eine griechische Familie (aus Kappadokien)62. Während des 1. WK Auswanderung in die USA, wurde Schauspieler (Theater), Regisseur > Hollywood. In seinen 20ern, von 1934 bis 1936, war er Mitglied der CPUSA, in New York; nach eigener Aussage verliess er die Partei aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts – der aber erst 1939 war. Er wurde nicht wirklich rechts; aber: er musste 1952 vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) aussagen, dem Untersuchungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses, der v.a. Anfang der 1950er eine “Hexenjagd” auf Kommunisten (?) in Hollywood veranstaltete. Kazan sollte Kommunisten unter Schauspielern/Regisseuren aus seiner Zeit in der CPUSA nennen, weigerte sich zunächst, Namen zu nennen, nannte dann 8 frühere Theater-Kollegen, wie Clifford Odets, der die Partei zur selben Zeit wie er verliess. Die Personen waren dem Ausschuss bereits bekannt, dennoch haben ihm Viele v.a. in Hollywood die Aussage nicht verziehen, diese als Denunziation gesehen.63

Übertritte von Politikern der Democratic Party zur Republican Party der USA sind meist keine so grosse Sache, kein so grosser Schritt, da die beiden US-amerikanischen Grossparteien nicht so weit auseinander sind, bzw die Democrats nicht wirklich links. Zur diesbezüglichen Verschiebung, siehe den Heston-Abschnitt. Ronald Reagan sagte mal, er habe die Democratic Party nicht verlassen, sie habe ihn verlassen. Er stieg 1962 zur RP um. Es ist die Rede von “Reagan Democrats”, Demokraten die 80 und 84 für ihn stimmten, hauptsächlich Weisse im Süden sowie Arbeiter im Norden. Und ziemlich am Beginn des Artikels war ja von zwei ehemaligen Black Panthern die Rede, die unter Reagan RP-Anhänger wurden, sie sind nicht die einzigen ehemals Linksextremen, auch Rubin wird dazu gehören. John Connally, Strom Thurmond, Elizabeth Dole, “Rick” Perry, Jesse Helms, Trent Lott, Philip Gramm, Jeane Kirkpatrick, David Duke, Condoleeza Rice sind Politiker die von der DP zur RP wechselten. In der Aufzählung sind jene bis Lott solche, die aufgrund der genannten Verschiebung im politischen Koordinatensystem das Lager wechselten. Joseph Lieberman wurde 06 ein Unabhängiger, nachdem er die Untertützung seiner Partei für die Wiederkandidatur zum Senat in Connecticut nicht bekam, war zumindest 2008 ein grosser Unterstützer vom RP-Präsidenten-Kandidaten John McCain.

Günter Schabowski machte im November 1989 bei einer Pressekonferenz in Ost-Berlin irrtümlich falsche Angaben zum geplanten Reisegesetz der DDR, löste damit ungewollt die Grenzöffnung (“Mauerfall”) am selben Tag in Berlin aus. Schabowski, damals eine Art Regierungssprecher, vorher u.a. Chefredakteur der Regimezeitung “Neues Deutschland”. Er verlor dann Anfang Dezember 89 seine Macht bzw Position, durch den geschlossenen Rücktritt von Politbüro und Zentralkomitee der SED; bald darauf wurde er von der SED auf dem Parteitag auf dem sie sich in PDS umbenannte, mit anderen bisherigen Grössen ausgeschlossen. Im wiedervereinten Deutschland (oder der vergrösserten BRD?) musste er als Redakteur bei Kleinblättern neu anfangen; und er musste sich in den Politbüro-Prozessen, die ab 1992 liefen, verantworten, bekannte sich zu einer Mitverantwortung für das DDR-Regime. Er verbrachte schliesslich 1999/2000 ein knappes Jahr im offenen Strafvollzug. Danach leistete er Wahlkampf für die CDU, kritisierte die PDS. Die PDS-Spitzenpolitikerin Petra Pau hielt Schabowski vor, vom 150-prozentigen Kommunisten zum 150-prozentigen Antikommunisten mutiert zu sein.64 Da er sich aktiv vom Kommunismus abgewandt hat, ist er relevant für diesen Artikel.

Oleg A. Gordijewski (Gordievsky) trat 1963 in den KGB ein und wurde 1974 vom britischen Geheimdienst MI6 angeworben, agierte fortan als Doppelagent. 1982 wurde er stellvertretender Resident des KGB in London, informierte den MI6 über die sowjetische Fehlinterpretation des NATO-Manövers “Able Archer 83” als potentiellen atomaren Erstschlag gegen die Sowjetunion. Dies soll dazu geführt haben dass das Manöver nicht bis ins letzte Detail ausgespielt wurde. Dann war es aber ein “Maulwurf” bzw Doppelagent im CIA, Aldrich Ames, der ihn enttarnte.65 Als Gordijewski 1985 plötzlich in die SU zurück beordert wurde, riet ihm die MI6 zum “Desertieren”. Der KGB-Oberst hörte aber nicht, wurde nach der Ankunft verhört (und natürlich seines Postens enthoben), dann aber nicht eingesperrt, sondern überwacht. Dennoch gelang es ihm, einen mit dem MI6 abgemachten Fluchtplan zu aktivieren, die Sache lief Berichten zufolge wie in einem Agentenkrimi und über die finnische Grenze. Neben Arkady Shevchenco (>) ist er wohl der höchstrangige bekannte SU-Überläufer. Inwiefern er an den Kommunismus geglaubt hat und dann davon abkam, zu Gunsten einer anderen, “rechteren” Ideologie, ist aber auch hier nicht so leicht auszumachen.66

Joseph Roth, ein galizischer Jude, der nach Wien ging, dann nach Berlin, ein Trinker, wandte sich in der Zwischenkriegszeit vom Sozialismus ab und dem Monarchismus zu. Die Wandlung dürfte sich 1925/26 vollzogen haben. de.wikipedia dazu: “Uwe Schweikert … ordnet Roth im Nachhinein als Sozialromantiker ein und beschrieb seine spätere Abkehr von linker Position als typisch für einen nicht genügend durch sozialistische Theorie gefestigten bürgerlichen Intellektuellen.” Jedenfalls kam es bei ihm zu einer nachträglichen Verklärung der Habsburger-Monarchie, auch in seinem literarischen Werk, wie “Radetzkymarsch” (1932) und “Kapuzinergruft” (1938). Je mehr sich die Diktatur in Österreich und Deutschland festsetzte, ab 1933, desto mehr dürfte sich diese Haltung verhärtet haben. Aus dem Berliner Exil sah er auch klar den Unterschied zwischen der Strenge Preussens und der österreichischen “Lässigkeit”. 1933 ging er nach Paris, wo er 1938 starb. Anscheinend war nicht ganz klar, ob er zum Katholizismus übergetreten war.67

Ryszard Kuklinski war Offizier der polnischen Armee, und anscheinend überzeugter Kommunist. Um 1970 änderte er seine Haltung, u.a. wegen der Niederschlagung des Prager Frühlings. 1972 diente er sich auf einer dienstlichen Auslandsreise dem CIA an. 1981 beendete er das “Doppelspiel” und setzte sich in die USA ab.

(Ehemalige) Grüne, die rechts wurden: Schmierer, der bei den “Anti”deutschen behandelt wurde, hätte auch hier hin gepasst.68 Und Schily der hier vermerkt ist, zu den Ex-68-ern. 2008 trat die ehemalige Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Margareta Wolf aus Brandenburg bei den Grünen aus, wegen deren Haltung zur Atomkraft. Sie war intern in “Bedrängnis” geraten, weil sie für einen Kommunikationsberater arbeitet, der auch Öffentlichkeitsarbeit für die Atomenergie-Lobby macht. Wolf sagte: “Ich sage nur, man kann nicht aus opportunistischen Gründen die Kohle ablehnen, weil sie klimaschädlich ist, und gleichzeitig die Kernkraft abschalten wollen.” Die Behauptung, nur aus erneuerbaren Energien könne die Energieversorgung einer Industrienation wie Deutschland sichergestellt werden, grenze an “Volksverdummung”. Mit ihrer Tätigkeit habe diese Auffassung nichts zu tun. Sie sei “nur ganz am Rande” für den “Arbeitskreis Kernenergie” tätig. Sie wurde allerdings eindeutig eine Atomenergie-Lobbyistin.

Matthias Berninger aus Hessen, wie Wolf ein “Realo”, wie diese in der schwarz-grünen „Pizza-Verbindung“ (Nähe zu Missfelder…), und unter Schröder/Fischer Parlamentarischer Staatssekretär gewesen, natürlich wirtschaftsliberal, wurde ebenfalls Lobbyist, für den Nahrungsmittelkonzern Mars, dann für Bayer. Er hat die Partei aber anscheinend nicht verlassen. Für Jutta Ditfurth, die 1991 mit dem Hardcore-“Fundi”-Flügel bei den Grünen austrat, waren diese allesamt zu angepasst, grundsatzlos, “verdorben”,… Sie selbst ist inzwischen eine “Anti”deutsche und damit wahrscheinlich rechts von diesen Grünen-Rechtsabweichlern. Otto Schily hatte vor seiner Zeit bei den Grünen die als Anwalt von RAF-Leuten; wie nahe er dieser “Szene” stand, sei dahin gestellt. Ende der 1980er ging er jedenfalls zur SPD, dort dann zum rechten Flügel. Bei Hubert Kleinert, in den 1980ern ein enger Fischer-Mitarbeiter im Bundestag, ist auch nicht klar, ob er die Grünen verlassen hat. Er steht jedenfalls in mehrerer Hinsicht für einen rechts-gewendeten Grünen. Was Ilka Schröder nun macht, das Wohlstandskind das sich über Hetze gegen Palästinenser zu profilieren trachtete? Jürgen Trittin nimmt inzwischen an Bilderberger-Treffen teil.

Wo Antje Hermenau inzwischen steht? So weit rechts wie Vera Lengsfeld, die zur Zeit der Wende zu den Ost-Grünen ging (dann zur CDU, dann nach ganz rechts)? Zur Volkskammer-Wahl im Frühling 1990, der letzten und einzigen freien, waren vier grüne Gruppierungen entstanden, die in zwei “Listen” antraten: Bündnis 90, bestehend aus dem Neuen Forum (NF)69, der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) und Demokratie Jetzt (DJ), und kam auf 2,9%. Die Grüne Partei in der DDR und der Unabhängige Frauenverband  (UFV) kamen gemeinsam auf 2%. Zusammen bildet man eine Fraktionsgemeinschaft (Bündnis 90/Grüne), schloss sich dann zu einer Partei zusammen und diese mit den West-Grünen.70 Unter den Grünen-Volkskammer-Abgeordneten befanden sich Joachim Gauck (NF), Vera Wollenberger (Grüne/UFV), Marianne Birthler (IFM), Jens Reich (NF), Matthias Platzeck (Grüne/UFV)71, Günter Nooke (DJ),… Die antikommunistisch geprägten Ost-Grünen und die neo-linken West-Grünen trennt(e) so Manches.72 Gauck war unter jenen 144 VK-Abgeordneten, die nach der Vereinigung in den BT übernommen wurden, aber nur für einen Tag, dann wurde er Regierungsbeauftragter für die Aufarbeitung der “Stasi”-Unterlagen; er war immer überparteilich(-konservativ) unterwegs, B’90 war damals keine Partei ieS. Die Thüringerin Wollenberger, seit 1991 wieder Lengsfeld, gehörte dem Bundestag von 1990 bis 2005 an.73

Lengsfeld, Nooke und andere Ost-Grüne traten 1996 zur CDU über, weil sie bei ihrer Partei zu wenig Abgrenzung zur PDS sahen.74 Lengsfeld schreibt heute für die AfD75, ist Verteidigerin von Martin Hohmann, auf Broders “Achse des Guten”, Initiatorin einer Anti-Einwanderungs-Erklärung76. Stellt sich die Frage, welcher dieser (vier) Fakten eine rechtere Gesinnung ausweist… Aber noch einmal: als Ost-Grüne ist sie nicht von all zu weit links “gestartet”. Lengsfeld sprach auch auf einer Veranstaltung von EIKE, einem Verein, der den wissenschaftlichen Konsens bezüglich der menschengemachten globalen Erwärmung ablehnt.

Während Fischers Krise bzw der Diskussion um seine Vergangenheit, 2001, plauderte sie aus der Grünen-Fraktion von früher aus. Andere wie Werner Schulz blieben den gesamtdeutschen Grünen treu, nahmen dort aber “Sonderpositionen” ein, zu 68, DDR, RAF,… Und Boris Palmer ist ja auch bei den Grünen. Angelika Beer ist die Tochter eines GB/BHE-Politikers, war im KB, war Friedensaktivistin und hat sich zunehmend zur Militärfreundin entwickelt (auch privat), ging zu den Piraten. Grüne in Deutschland und Österreich, die sich rein auf den Umweltschutz konzentrieren wollten, wie Herbert Gruhl und Josef Buchner, waren schnell weg. A propos Österreich, da gibt es natürlich noch einige Kandidaten für hier. Von Novomatic-Glawischnig über E. Dönmez (> ÖVP) bis “Heimat Österreich”-Pilz.

Wilhelm S. Schlamm wurde 1904 in Galizien (damals Österreich-Ungarn, heute Polen) geboren, in eine jüdische Familie, die nach Wien ging. Er schrieb bis in die 1930er Jahre für kommunistische Zeitschriften, gehörte der KPÖ an, lernte den Psychoanalytiker Wilhelm Reich kennen. Ab 1933 bestimmten extreme politische Ideologien sein Leben. In diesem Jahr wechselte er zur “Weltbühne”, die wegen dem Nationalsozialismus von Berlin nach Wien übersiedelt war; 1934 ging die Zeitschrift wegen dem Austrofaschismus nach Prag, Schlamm blieb auch dort, als er aus ihrer Redaktion heraus gedrängt worden war. 1938, als Hitler die zT deutschsprachigen Randgebiete der Tschechoslowakei annektierte, emigrierte Schlamm in die USA. Dort war er weiter journalistisch tätig, verabschiedete sich aber von seiner linken Haltung, wurde ein politischer Freund von Senator Joseph McCarthy, wurde ziemlich rechts.

1959 kehrte William S. Schlamm, wie er nun hiess, nach Europa zurück, als politischer Publizist/Autor im deutschsprachigen Raum, der er auch vor der Emigration gewesen war, nur nun eben einer der Rechten. Als solcher wurde er von Axel Springer für seine “Welt” verpflichtet, jener deutsche Verleger/Herausgeber, der wegen Untauglichkeit nicht in die Wehrmacht musste, dessen vom Vater geerbte Zeitung vom NS-Regime wegen Papierknappheit eingestellt wurde, der sich 1938 von seiner halbjüdischen Frau trennte; und der Israel für eine Art Ersatz-Nationalismus entdeckte. Der „Kalte Krieg“ wurde für Schlamm ein wichtiges Betätigungsfeld, auch die 1968er-Bewegung attackierte er. 1972 gründete er mit Otto Habsburg-L. die “Zeitbühne”, im Seewald-Verlag brachte er einige Bücher heraus.

Die iranischen Mujahedin-e Kalq (MEK; Volks-Mujahedin) unter Massud und Maryam Rajavi entstanden in den 1960ern im Bemühen, Islam und Sozialismus zu verbinden. Sie kämpften gegen die Monarchie (das Schah-Regime), waren an der Revolution gegen dieses beteiligt, auch in der ersten Jahren von Khomeinis Herrschaft über den Iran, auch bei der Stürmung und Gefangennahme (in) der USA-Botschaft in Iran 1980, waren international mit anti-imperialistischen Kräften verbündet; 1981 die Entzweiung der Mujahedin mit den Mullahs. Wobei: Viele (Parteien und Personen) haben sich gegen den Schah mit dem Ajatollah und den anderen Mullahs eingelassen, im Glauben dass es nur besser werden konnte, und dass Khomeini die Macht zumindest teilen werde. Und wurden dann eines Besseren belehrt. 81 versuchten die MEK den Sturz der Mullahs bzw die Verhinderung ihrer Marginalisierung, mit Bombenanschlägen auf Führer des klerikalen Regimes, darunter Mohammad Beheshti und Mohammad Rajai; danach wurden tatsächliche/vermeintliche Mujahedin im Iran und ausserhalb Irans gejagt, und das Regime stabilisierte seine Macht, auch über den Krieg gegen den von Saddam Hussein anders reaktionär-faschistoid regierten Irak.77

Die MEK verlegten ihr Hauptquartier in den Irak, kämpften an der Seite von Husseins Armee gegen die iranische. Als das Baath-Regime 2003 vom Heer der USA und ihrer Verbündeten gestürzt wurde (nun mit Rumsfeld als Verteidigungsminister von Bush dem Jüngeren), hatten sich die MEK bereits gedreht, und die Gruppe (die einst als islamisch inspirierte Terrororganisation galt, sich als antiimperialistisch sahen) hatte in der USA unter Neokonservativen Verbündete. Bis 2016 wurden die MEK aus dem Irak gebracht, sie haben längst im Westen diverse “Stützpunkte”. Sind ein Ansprech-Partner des zionistisch-neokonservativen Lagers unter Iranern geworden. Das “Fussvolk” hat bei den Richtungs-Entscheidungen nicht mitzureden, sondern zu gehorchen. Und die Führung ist ideologisch flexibel, wird auch in Zukunft versuchen, ihre neuen Meister zu beeindrucken.78

Leszek Kołakowski erlebte die nazideutsche Besatzung Polens, studierte im kommunistischen Nachkriegs-Polen Philosophie, wandte sich aktiv zum Kommunismus hin…Und in den 1950ern wieder ab, er unterstützte die polnischen “Aufstände” 1956 und 1968. Musste/durfte daher in’s westliche Ausland gehen, liess sich in Oxford nieder.

(Auguste-)Maurice Barrés: 1862-1923, französischer Autor und Politiker: War boulangistischer Abgeordneter (1889–93), ehe er unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre 1896/97 nach Rechts “rutschte”. Dazu ist zu sagen, dass es hier bezüglich Rechts-Links “kompliziert” wird. Das Rechte war in Frankreich historisch die Aristokratie, wohin gegen der Boulangismus eine Massenbewegung war, die Klassenhierarchie ignorierend bzw umschmeissend… Daher muss/kann man den Boulangismus trotz seines nationalistischen Charakters als eher “links” einstufen. Im Rahmen der Frankreich spaltenden Dreyfus-Affäre (1898) bezog er Position als „Anti-Dreyfusard“. Es heisst, die französische Rechte wurde grossteils Ende des 19. Jh von ehemaligen Boulangisten geformt. Barras wurde Abgeordneter für die Federation republicaine, schloss sich der Ligue des Patriotes an. Er war antideutsch, antijüdisch, antidemokratisch. In seinem Magazin “La Cocarde” versuchte er eine Art Querfront zur extremen Linken zu bauen. Der Süden Frankreichs war für Barras ein Fremdkörper in seiner Nations-Auffassung von Frankreich. Bezüglich seines Antijudaismus‘ ruderte er in seinen späten Jahren, nach dem 1. WK, zurück, stellte sich damit gegen die Action Française.

Der Schauspieler Ronald Silver war die längste Zeit seines Lebens Anhänger der Democratic Party (DP)79, das änderte sich angesichts der Anschläge in der USA von 2001; da wurde er Bush-Anhänger. 2000 mit-begründete er bereits die Organisation “One Jerusalem”, in Protest gegen Friedensverhandlungen Israels mit den Palästinensern bzw möglicher Aufgabe von Territorialkontrolle durch Israel zugunsten der Palästinenser. Er sprach am Wahlparteitag (National Convention) der Republican Party (RP) 2004, natürlich in Form einer Unterstützung für George Bush d. J.80 Rudolph Giuliani ernannte ihn dort zum Vorsitzender eines Partei-Komitees. Silver war in den 00er-Jahren Erzähler in den Propaganda-Filmen “Fahrenhype 9/11” (gegen Michael Moore und Bush-Kritik) und “The Arab and Iranian Reaction to 911: Five Years Later” (aus der MEMRI-Ecke, mit Generalisierungen und Hetze ggü Iranern und Arabern).81

Er sprach die Hörbuch-Versionen von verschiedenen Philip-Roth-Romanen, darunter “Verschwörung gegen Amerika”, eine Art Dystopie-Kontrafaktik. Bush ehrte Silver durch Aufnahme in das United States Institute of Peace, nahm ihn mit zu einer Reise in das ungeteilte Jerusalem. Silver soll auch Mitglied des Council on Foreign Relations geworden sein. In seinem Blog auf Pajamas Media jammerte Silver, dass Freunde und Kollegen auf seine Bush-Unterstützung so negativ reagierten. In einem seiner letzten Interviews (er starb 09 infolge einer Krankheit) nahm er 08 für das Kandidatenpaar John McCain/Sarah Palin für die Präsidentschaftswahl in diesem Jahr Partei.

Die britische Journalistin Julie Burchill war eine “militante Feministin”, “fand” dann Gott und wurde zuerst “christliche Zionistin”, konvertierte dann anscheinend zum Judentum. Das wirkte sich natürlich auf ihre Sicht auf Israel aus, sie wurde diesbezüglicher rechter/nationalistischer als die die dortigen (zionistischen, israelischen) Rechten, und warf dem “Guardian” Antisemitismus vor. Und, das zieht sich jetzt wie ein roter Faden durch diese Aufzählung von Ex-Linken, sie war begeistert über Bushs Irak-Krieg 03; und in der Bush-Kamarilla war Condoleeza Rice ihre Favoritin.

Bei der US-Amerikanerin Norma McCorvey war auch die neu gefundene Religiosität Angelpunkt der politischen Wandlung (oder war es eher eine persönliche?). Unter dem Pseudonym “Jane Roe” erstritt sie (mit Anderen) in den frühen 1970ern das Abtreibungsrecht in der USA. 1995 entdeckte sie das Christentum neu, wurde entschiedene Abtreibungs-Gegnerin, nannte ihre Rolle bei der Legalisierung von Abtreibungen einen grossen Fehler. Dabei ging sie so weit, sich sogar für den Fall einer Vergewaltigung gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch auszusprechen.

Der US-amerikanische Film-Schauspieler Jon(athan) Voight war am Höhepunkt seiner Karriere (1970er) wie Viele in Hollywood ein Linksliberaler, zumindest für amerikanische Massstäbe – das dürfte sich in den frühen 2000ern gedreht haben, zu Zeiten des jungen Bush. Bei ihm sind manche Parallelen zu Heston zu erkennen, Voight ist halt nur etwas jünger. Gegnerschaft zum Vietnam-Krieg sei “marxistische Propaganda” gewesen, sagte er nun. Bush sei der Führer der “freien Welt”, dessen Kritiker in der USA seien unpatriotisch; er steht sogar der Tea-Party-Bewegung nahe, unterstützte Rudolph Giuliani, Michael Huckabee, Sarah Palin,… Und, er wurde natürlich auch christlicher Zionist, bezeichnete Israel als „moralisches Leuchtfeuer“, attackierte Barack Obama als “Förderer des Antisemitismus” und dafür, eine “sozialistische Agenda” zu verfolgen.

Vor der israelischen Parlamentswahl 2015 rief er zur Wahl des Likud/Netanyahu auf, mit “Appeasement”-Vorwurf ggü Isaac Herzog (Avodah)… Bei der USA-Präsidentenwahl 2016 warb er für Donald Trump, warf Gegenkandidatin Hillary Clinton unter Anderem vor, die Einwanderungspolitik von Obama zu befürworten und die “Religionsfreiheit” einschränken zu wollen. Bei Voight zeigt sich schön, wie Rechtes heutzutage daher kommt, mitunter auch in einem “antifaschistischen” Mäntelchen, man ist ja gegen Antisemitismus, gegen Appeasement (gegenüber dem Bösen), für Israel, für die Moral, für die freie Welt, für die Religion, für den Patriotismus bzw die Nation (welche),… Von Trump bekam er ’19 auch einen Orden.

Matthias Matussek war früher in leitenden Positionen bei „Spiegel“, hatte eine TV Sendung bei SWR („Matussek trifft…“), war dann bei „Welt“ (erster Schritt seiner Radikalisierung), wurde ’15 nach einem vergnügten “Tweet” zum Pariser Terror („Debatten nun in frische Richtung…“) entlassen. Ganz früher war er ein Marxist gewesen, nun hat er sich u.a. zum Katholizismus hingewandt (klagte darüber dass „Gläubige“ unter „Blödheitsverdacht“ stünden), wurde „identitär“, homophob, leicht misogyn, ein Neorechter. Er landete folgerichtig auf Broders “Achse”, sowie bei Tichys “Einblick“.

Yves Montand (Ivo Livi) rückte im Lauf seines Lebens von ziemlich weit links nach ziemlich weit rechts; in den 1980ern wollten ihn viele Franzosen in einer politischen Funktion haben

Wolfgang Gedeon, AfD-Rechtsaussen, Arzt, war mal Kommunist; als solcher war er ohne Bedeutung, im Ggs zu jetzt

Mehrmals gedreht hat sich Alfred Mechtersheimer: Bundeswehr, Politologie-Studium, RCDS, CSU, Ausschluss dort durch Friedensengagement Anfang 80er, Linksruck, Grüne, für die im Bundestag, Kontakte zu Ghadaffi-Libyen, “National-Pazifismus”, > Rechtsruck, heute bei der rechtspopulistischen Pro-Köln-Bewegung; auch Jürgen Elsässer ist eine Art politisches Chamäleon, hat sich auch von links nach rechts gedreht

Herbert Röttgen/ Victor Trimondi, der mit seinem Buch zum Dalai Lama (zusammen mit seiner Frau) bekannt wurde und weiteren zu “exotischen Religionen”, scheint sich auch in diese Richtung gedreht zu haben

Der Schriftsteller Saul Bellow galt in früheren Jahren als “Liberaler” (was im US-amerikanischen Kontext ja etwas Anderes bedeutet als hier), in seinen späteren als “Neocon”

Der Bund gegen Anpassung 82 von Fritz Hoevels und der mit ihm verbundene Ahriman-Verlag, der auch die “Ketzerbriefe” des Bundes heraus bringt. Die politisierende Psychosekte wurde bereits in den 1980ern rechts, noch in den 1990ern wurde Saddam als „unangepasster Held“ gefeiert, Islam wurde in den 2000ern Feindbild (“Bomben auf Teheran für Rushdie!“), Anti-USA ist man dort anscheinend noch immer, aber von Pro-Palästinenser ist man zu Pro-Israel geschwenkt, in bundesrepublikanischer Manier83

John Dos Passos, US-amerikanischer Schriftsteller (1896-1970), zT portugiesischer Herkunft: es heisst, es waren seine Erlebnisse im Spanischen Bürgerkrieg, die ihn zum Rechten machten; er unterstützte in seinen späteren Jahren Joseph McCarthy, Barry Goldwater, Richard Nixon

Christa Zöchling: österreichische Journalistin, war früher beim Kommunistischen Studentenverband (KSV), wurde konservativ und westistisch, auch über Zionismus-Promotion, wie Andere

Hans Püschel war nach der deutschen Wiedervereinigung Gründungsmitglied der SPD in Sachsen-Anhalt und war von 1990 bis 1994 sowie von 2001 bis 2013 Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011 wechselte er zur NPD; diese scheiterte dann knapp an der Fünf-Prozent-Hürde

Jan Fleischhauer soll ein Ex-Linker gewesen sein, wie auch sein Freund Broder

Peter Sichrovsky, ebenfalls Journalist: “linker” “Standard”-Ressortleiter, dann FPÖ-Politiker, nun ist er irgendwo dazwischen

Seymour M. Lipset, ein amerikanischer Soziologe, der das angebliche King-Zitat über Israel-Kritik aufbrachte, wurde vom Sozialisten zum Neocon

Weiters: Samuel Schirmbeck, Melanie Phillips, Ignazio Silone, André Gide, John R. Chamberlain (US-amerikanischer Journalist), Raymond Moley, Tajar Zavalani, Bella Dodd, Max Eastman, Morrie Ryskind, Frank Meyer, Will Herberg, Sidney Hook,…

Grenzfälle bzw leichtere Verschiebungen: Hier geht es wie oben erwähnt, um solche, bei denen die Verschiebung nicht so gross war

Thomas Manns Sohn Angelus “Golo” Mann (Bruder von Klaus), machte anscheinend einen Abschluss in Philosophie (Karl Jaspers, Heidelberg), in Geschichte nicht – die Arbeit für das Staatsexamen mit einem Wallenstein-Thema84 war bereits eingereicht, zur Prüfung kam es nicht mehr, denn Mann verliess 1933 wie andere Mitglieder seiner Familie das Deutsche Reich wegen der Hitler-Diktatur, war demnach ein Amateurhistoriker. Exil in der USA, in New York lebte er einige Zeit in einer Wohngemeinschaft mit Wystan H. Auden, Benjamin Britten, Paul Bowles. Ging zum US-amerikanischen Militär, kehrte so nach Deutschland zurück. Etablierte sich akademisch in der BRD; 1963 wurde Manns geplante Berufung als Professor an die sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt durch die dort wirkenden Max Horkheimer und Theodor Adorno verhindert.85 Umzug in die Schweiz. Mann war Adenauer etwas zugetan, lange Zeit seines Lebens aber SPD-Unterstützer, und Brandt-Redenschreiber! Die 68er brachten ihn nach rechts, nach den Ostverträgen löste er sich von Willy Brandt, die RAF-Aktionen der 1970er radikalisierten ihn weiter. Schliesslich “landete” er dann bei Franz J. Strauss, der Politiker der “die linke Bewegung eindämmen” könnte. 1979/80 unterstützte er diesen als Spitzenkandidaten der CDU/CSU bei der Bundestagswahl

Paul Rassinier war ein französischer Linker (Kommunist/Sozialist), Historiker (Lehrer) sowie Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im 2. WK, war daher in den KZs Buchenwald und Dora-Mittelbau interniert. Er überlebte als Invalide, war nach dem Krieg kurz Abgeordneter für SFIO (Vorgängerin der PS) im Parlament. In seinen ersten 2 Büchern kritisierte er dann vornehmlich die kommunistisch dominierte Häftlingsführung in KZs, nahm gegen „selbstgerechte Deutschland-Verurteilungen“ Stellung und äusserte Zweifel an Gaskammern und dem Ausmaß des Holocausts. Danach wurde er verklagt und von SFIO ausgeschlossen. Nach Veröffentlichungen in den 50ern u.a. zum Pazifismus nahm er sich in den 60ern verstärkt das Thema Holocaust und Krieg vor. Er verurteilte NS-Prozesse von Nürnberg bis Jerusalem. 1964 stellte er in einem Buch den Holocaust als solchen in Abrede, mit Kritik u.a. an Zeugenaussagen und technischen Möglichkeiten (diese seine Ausführungen sollen sachlich widerlegt worden sein), unterstellte dabei Juden, aus Nazi-Verbrechen Kapital für den Zionismus schlagen zu wollen. Nach Hochhuths historischem Theaterstück „Der Stellvertreter“ schrieb der Atheist ein Buch zur Verteidigung von Pius XII. Er starb relativ früh, an den Spätfolgen der Folter im KZ. Er wurde so etwas wie ein Vater der Holocaust-Leugnung; die Frage ist, inwiefern er mit jenen (Rechtsextremen) zu assoziieren ist, die sich auf ihn berufen, die das NS-Regime entlasten wollen

Der KGB-Agent Bogdan Staschinski tötete 1959 in der BRD im Auftrag seiner Behörde den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, der mit Wehrmacht und BND zusammenarbeitete, mit einer Blausäurepistole. Stas(c)hinski stellte sich später in W-Berlin, wollte wegen einer Liebe überlaufen, bekam in der BRD eine milde Strafe (“nur Beihilfe“)86, dann eine neue Identität. Es hatte aufgrund der Tätigkeit von Banderas OUN neben dem KGB auch andere Kandidaten für den Mord gegeben. Jedenfalls, Staschinski lief wegen einer Frau über, so weit bekannt ist, nicht weil er den Kommunismus “fallen liess”. Bandera ist evtl. als Überläufer von Ost nach West zu sehen, auch wenn er das vor Ausbruch des KK tat, Stashinski jedenfalls als Überläufer vom Osten in den Westen

Gianfranco Corsi (“Franco Zeffirelli“) war im 2. WK als Student bei den Partisanen sowie als Dolmetscher für britische Militär-Einheiten aktiv.87 Dann wurde er Theater-, Opern- und Film-Regisseur.88 Shakespeares Werke inszenierte er immer wieder, „Romeo und Julia“ etwa im Theater und im Film (1968). 1969 erlitt er einen schweren Autounfall, zusammen mit (Lui)gina Lollobrigida89, in Orvieto, mit Kopfverletzungen. Es heisst, er wurde danach sehr katholisch. Sein Franz-von-Assisi-Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ (1973) soll vor dem Hintergrund entstanden sein; und auch die 1977 erschienene Miniserie “Jesus of Nazareth” (“Gesù di Nazareth”). 1991 äusserte er sich negativ über die “arabische Kultur” und den islamischen Fundamentalismus, ähnlich wie Fallaci und Andere 10 Jahre später. Von 1994 bis 2001 (zwei Legislatur-Perioden) war Corsi/Zeffirelli  für Silvio Berlusconis Forza Italia im Senat, in der Zeit nach dem Ende der Ersten Republik (siehe). Die Frage ist, ob er konservativer geworden ist, und wenn ja, durch den Unfall. Er war vorher Christdemokrat, also auch Mitte Rechts90

“Nick” und “Bobbi” Ercoline, das Pärchen vom Cover der Woodstock-LP (1970 heraus gekommen), zwei aus 500 000 bei dem Konzert in Bethel, waren schon zur Zeit des 20-Jahre-Jubiläum des Konzerts 1989 für Bush senior und “Pershing II” -Raketen, das dürfte sich kaum gedreht haben. Das Foto stammt von Burk Uzzle, der für die Agentur Magnum fotografierte, wurde am Morgen des dritten von vier Konzerttagen aufgenommen. Die Beiden betonten später, dort keine Drogen genommen zu haben, nur Wein und Bier; sie waren damals nicht Teil einer “linken Subkultur”, später schon gar nicht

Leute in der Democratic Alliance (DA) von Südafrika, die als liberal galten, aus einem solchen Milieu kommen, sich gegen die Apartheid engagierten (in den Vorgänger-Parteien der DA, wie der DP), nach dem Ende Apartheid ein Stück nach rechts rutschten bzw sich als konservativ herausstellten („bewahrend“; ohne sich viel zu verändern). Die DP (Democratic Party) wurde 1999 wichtigste “weisse” Partei Südafrikas, v.a. durch den Zustrom von Afrikaanern – weil sie unter “Tony” Leon nach rechts gerückt war oder rückte sie durch den Zustrom bisheriger NP-Wähler und -Politiker nach rechts?

Im ANC gibt es Politiker, die von der linken Seite kommen und nach dem Ende der Apartheid eine gewisse Wandlung machten, zumindest im wirtschaftspolitischer Hinsicht. So wie Cyril Ramaphosa, der zwar nicht im Bergbau arbeitete, aber in der (schwarzen) Gewerkschaft der Minenarbeiter anfing, als Rechtsberater, nach seinem Übergangen-Werden als Mandela-Nachfolger (das entschied sich bereits 1994) in die Wirtschaft ging, zum Minenbesitzer wurde, ehe er wieder in die Politik ging. Paul Trewhela ist ein Weisser, der im ANC gegen die Apartheid kämpfte, ins Exil (GB) ging und dort blieb, sich von der Linken abwandte. Es gibt eine bunte Liste von Politikern, die vom ANC zu anderen Parteien gingen (oder diese mit-gründeten), Sobukwe (PAC), Buthelezi (IFP), Mavuso (NP), Holomisa (UDM), Lekota (COPE), Malema (EFF),…91

Arlo Guthrie wurde wie sein Vater (Woodrow “Woody” Guthrie, christlicher Anglo-Amerikaner, dessen Vater beim KKK in Oklahoma) Protest-Folk-Sänger; Mutter war Jüdin, wurde für seine Bar Mitzwa von Rabbiner Meir Kahane vorbereitet, der dann u.a. die faschistische Jewish Defense League (JDL) gründete. “Rabbi Kahane was a really nice, patient teacher”, so Arlo Guthrie später, “but shortly after he started giving me my lessons, he started going haywire92. Maybe I was responsible.” Guthrie trat 1977 zum Katholizismus über, interessierte sich später für andere Religionen. Er stand der DP nahe, hat einige Zeit die RP unterstützt (hauptsächlich Ronald Paul), soll dies begründet haben “We had enough good Democrats. We needed a few more good Republicans. We needed a loyal opposition.” Francis “Frank” Sinatra ist ein anderer Nicht-Politiker, der von DP zu RP wechselte. Auch “Easy Rider” Dennis Hopper unterstützte zeitweise die Republikaner

Roland Freisler geriet 1915 an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft, verbrachte den Rest des Krieges in einem Offizierslager in der Nähe von Moskau. Nach der Oktoberrevolution und dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurden diese Lager einer deutschen Selbstverwaltung übergeben, Freisler wurde zu einem ihrer Kommandanten ernannt. Er war den russischen Sozialdemokraten (Bolschewiki) beigetreten. Obwohl die Gefangenen 1918 in die Heimat entlassen wurden, blieb Freisler noch zwei Jahre länger in Sowjetrussland. War in der Zeit des Russischen Bürgerkriegs Kommissar für Nahrungsmittelverteilung, scheint ein Bolschewik gewesen zu sein, nicht nur zwangsweise. Er kehrte 1920 nach Deutschland zurück und schloss sein Jus-Studium ab. Bald hatte er eine eigene Anwaltskanzlei, verteidigte zunächst NSDAP-“Aktivisten”. Bis er selbst ein solcher wurde, und nach der Machtergreifung 1933 Karriere machte, die ihn an den Volksgerichtshof führte, dessen Präsident er 1942 wurde. Dort ging es ja um “Hochverrats”-Sachen, Freisler fällte selbst über 2500 Todesurteile… Im Februar 1945 wurde er bei einem US-Luftangriff im “Volksgericht” getötet, was u.a. Fabian von Schlabrendorff rettete93

Wilhelmus „Pim“ Fortuyn, der niederländische Soziologe der in die Politik ging, interessierte sich in seiner Jugend für den Kommunismus, sympathisierte mit der Communistische Partij Nederland (CPN), wurde später aktives Mitglied der sozialdemokratischen PvdA. Ab 1989 engagierte er sich in der rechtsliberalen VVD. Sein politisches Wirken beschränkte sich auf wenige Monate, die Zeit von Ende 2001 bis Mai 2002, für LN und LPF.94 Kurz vor den Parlamentswahlen im Mai 02 wurde Fortuyn in Hilversum von einem Tierschützer erschossen.95 Fortuyn war als Politiker kontrovers-kontroversiell; er war bekennender Homosexueller sowie Islamgegner, stammte aus einem katholisch-konservativen Haus, attackierte die Reformierten/Calvinisten, war Gegner der Monarchie und Anhänger eines 2-Parteien-Systems nach USA-Vorbild, Gegner des Tierschutzes und der Einwanderung, Populist aber kein wirklicher Nationalist; und hatte einen tiefen Impakt in der Niederlande

Der österreichische Publizist Günther Nenning (1921-2006) erlebte Erste Republik, Austrofaschismus, Nazi-Diktatur, Zweite Republik. Als Wehrmachts-Soldat wurde er (nach Kriegsende) von der Roten Armee gefangen genommen und kam in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Studierte Sprachwissenschaft sowie Religionswissenschaft (wurde Doppel-Doktor). Schrieb für das ,,Forvm” des Friedrich “Torberg” (Kantor-Berg), das vom CIA ausgehalten wurde, übernahm dieses dann; später schrieb er für “Profil”. Moderierte im Rundfunk u.a. die Sendung “Club 2” im ORF. War als Journalisten-Vertreter im ÖGB wichtig, wurde dann dort rausgeschmissen. War bei der SPÖ, dann Mitgründer der Grünen in Österreich. Nenning wechselte auch “seine” Frauen oft, wurde als Senior nochmal Vater, bezeichnete sich als „Feministen“. Relevant für diesen Artikel wird er durch gewisse “Metamorphosen” gegen Ende seines Lebens. Schrieb für “Krone”. Wurde angeblich ein Monarchist. Und: Nenning, der evangelisch war und zur katholischen Kirche übertrat, wurde religiös. Ach ja, und der Wiener starb schliesslich in Tirol

Jorge Mario Vargas Llosa, peruanischer Autor und Politiker, 2010 Literatur-Nobelpreis-Gewinner: wie andere lateinamerikanische Intellektuelle war Vargas Llosa ein “Unterstützer” von Fidel Castro und dessen System in Cuba. Und wie bei  Anderen war der Umgang mit dem Autor Heberto Padilla mit ausschlaggebend für eine diesbezügliche Kehrtwende. Padilla wurde aufgrund regimekritischer Inhalte drangsaliert, bis er 1980 ausreisen/emigrieren durfte (in die USA…).96 1987 stieg er ja mit der Gründung des Movimiento Libertad in die Politik ein. Die Partei ging mit zwei anderen Rechtsparteien die Dreier-Allianz Frente Democrático (FREDEMO) ein. Und Vargas trat bei der Präsidenten-Wahl 1990 als ihr Kandidat an, verlor gegen Alberto Fujimori (Cambio 90). Das Buch über “den Kelten” zeigte jedenfalls, dass Vargas kein Rechter wurde

Michael “Mikis” Theodorakis ist ein Linker, wurde mit der Wahl 1964 Abgeordneter für die EDA. Diese Legislaturperiode wurde ja durch den Militärputsch 1967 unterbrochen, der zum rechten Militärregime bis ’74 führte. Gegen dieses engagierte sich Theodorakis, wofür er eingesperrt wurde und seine Lieder verboten. Nach dem Abtritt der Junta 1974 war er Kandidat der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) für das Amt des Athener Bürgermeisters. 1981 wurde er Abgeordneter der KKE, bis 1985 oder 1989. 1989 ein kleiner Rechtsruck, er kandidierte (als Parteiloser) für die Mitte-Rechts-Partei ND von Konstantinos Mitsotakis, wurde gewählt, war 1990-92 Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung von Mitsotakis, die mit dem Aufräumen des Erbes der Skandale der Regierung von Andreas Papandreou (PASOK) beschäftigt war. In dieser Funktion setzte er sich u.a. für eine Verbesserung der Beziehungen zur Türkei ein, was er auch danach immer wieder tat. Theodorakis ist politisch nicht leicht einzuordnen. Er setzte sich in den 1990ern für Serbien bzw Rest-Jugoslawien ein, gegen den Krieg der USA im Irak 03 (> vgl. Voight), Israels Besatzungspolitik97

Die brasilianische Politikerin “Marina” Silva hat vier Mal die Partei gewechselt. Die längste Zeit war sie eigentlich bei der Arbeiterpartei (PT), für die Grünen (PV) und die Sozialisten (PSB) ist sie bei Präsidentenwahlen angetreten, unter “Lula” war sie Ministerin. Bei einer Rechtspartei ist sie nicht gelandet, aber bei einer evangelikalen Kirche, wurde eine Pfingstlerin. Worauf sich manche Inhalte änderten, so ist sie seitdem gegen das Recht auf Abtreibung. Und bei der Präsidentenwahl ’14 unterstützte sie im zweiten Wahlgang den PSDB-Kandidaten Neves über Rousseff von der PT

C. Vadim Tudor war Hofpoet von Rumäniens Diktator Ceaucescus, sagt man. In postkommunistischer Zeit wurde er Gründer und Führer der rechtsextremen Partei PRM, holte sich auch israelische Berater (siehe). Man kann sagen, er blieb reaktionär…oder ein Mitläufer/Wellenreiter98

Der deutsche Filmemacher Volker Schlöndorff engagierte sich einst für faire Haftbedingungen für RAF-Gefangene, ist heute Merkel-Unterstützer, hat dies in dem Film von Felix Möller erklärt; ebenfalls ein Grenzfall bzw ein moderater Rechtsruck

Auch Rainer Langhans wird bei den Grenzfällen bzw Fragezeichen angeführt. Mit DDR-Erfahrung hinter sich kam er nach West-Berlin, wurde dort einer der “führenden” deutschen 68er. Wobei er das Politische ja im Privaten sah. Aus Berlin ging er nach München (wo er sich einen “Harem” aufbaute) und zur Esoterik. Aus diesem Blickwinkel deutete er dann den Nationalsozialismus. Eine Zeit lang war er der Piratenpartei zugetan. Der Burda-“Focus” hat ihm eine Plattform gegeben. Auch Kontakte mit Rechtsextremen soll er (gehabt) haben. Richtig arbeiten tut er ja nicht, regelmäßiger Teil seines Einkommens ist eine Rente, die auf seine 2- jährige freiwillige Bundeswehr-Zeit zurückzuführen ist

Die Sängerin “Michelle Shocked” schockierte Manche mit Aussagen gegen Homosexualität (als deren “Proponentin” sie gesehen wurde), aus einer christlichen Ideologie heraus; Parallelen zu Marina Silva

Friedrich Hayek, der Ökonom österreichischer Herkunft, wichtiger Theoretiker des Wirtschafts-Liberalismus, begeisterte sich in seiner Jugend für den fabianischen Sozialismus und planwirtschaftlichen Vorstellungen Walther Rathenaus; es heisst, infolge der Lektüre des Buches “Die Gemeinwirtschaft” von Ludwig von Mises wandte er sich von sozialistischen Ideen ab

Papst Pius (Pio) IX. (Giovanni M. Mastai-Ferretti): 1846 Papst, anfangs Liberaler, erlebte 1848 im Zuge des Risorgimento die Römische Republik G. Garibaldis > Bruch mit italienischer Nationalbewegung, wurde stockkonservativ > Römische Frage (> 1870), 1. Konzil > Unfehlbarkeit

1983
1983

Franz Morak? Künstler, dann Politiker. War er links? Wurde er rechts?

2000
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Der deutsche Historiker Götz Aly99…noch ein ehemaliger 1968er, einer der Kritiker der Bewegung wurde. Fraglich ist aber, ob er rechts wurde und wenn ja, wie

Bob Dylan” (Robert Zimmerman) hat auch so manche Wandlung absolviert (welcher Mensch nicht?), wie sein Übertritt vom Judentum zum Christentum (mit der Aussage, diesbzgl “wiedergeboren” zu sein)

Eric A. Blair (“George Orwell“) war eine Art Sozialist, und ein Gegner von Totalitarismus. 1936 nahm er auf republikanischer Seite am Spanischen Bürgerkrieg teil; schrieb darüber 1937 “Mein Katalonien” (engl.: “Homage to Catalonia”). Darin thematisiert er auch das Wirken stalinistischer Kräfte auf republikanischer Seite in Spanien. In GB gehörte er zeitweise der Independent Labour Party (ILP) an, und nicht der CPGB. In “Der Löwe und das Einhorn” (1941) brachte Orwell seine Vorstellung von britischem Sozialismus vor. In “Farm der Tiere” und “1984” ging es natürlich auch um anti-autoritäre und -totalitäre Prinzipien. Er wurde von britischen Behörden für seine linken Aktivitäten beobachtet, auch schon vor dem Kalten Krieg

In den 1990ern oder 2000ern wurde bekannt, dass “Orwell” nach dem 2. WK (im beginnenden KK) dem Information Research Department des britischen Aussenministeriums, der Behörde für die George Conquest damals arbeitete, einer Bekannten zuliebe, die Conquests Mitarbeiterin war, eine Einschätzung von als “kommunistisch” verdächtigten britischen Künstlern abgab, darunter war auch “Charlie” Chaplin. Orwell hat Einige, bei denen er “fehlende Distanz” zur SU bzw zum Stalinismus sah, der Behörde ggü diesbezüglich eingeschätzt, Andere zB als “Mitläufer”. Unter Ersteren waren auch solche, die sich später als SU-Spione (hauptsächlich dem Ring um Philby zugehörig) heraus stellten. Welche Konsequenzen das für die Betroffenen hatte, ist eine andere Frage. Nicht wirklich eine Rechtswendung von Orwell, andererseits auch nicht so weit entfernt von dem was zB Kazan tat

Über Victor Farias und sein Anti-Allende-Buch hier. Die Motivlage und die Ausrichtung von Farias ist unklar

Monte Melkonian, Armenier aus der USA, ging als Jugendlicher in den “Orient” (Vorderasien), um sich dort anti-imperialistisch zu betätigen; ungefähr da als Sowjet-Armenien unabhängig wurde, zog er dort hin, machte sich die armenische nationale Sache zu eigen, wurde Kommandant im Karabach-Krieg mit Aserbeidschan, in dem er 1993 getötet wurde

Ursula “Uschi” Glas, die Schauspielerin. Nun ja, sie wandte sich in den 1970ern Franz Josef Strauss und der CSU zu, wie in ihrem Milieu üblich, und davor war sie irgendwie linksliberal gewesen, der Zeit entsprechend

 

Noch einige Buchhinweise:

Mary Eberstedt: Why I Turned Right: Leading Baby Boom Conservatives Chronicle Their Political Journeys (2007). Einigermaßen Prominente (wie Dinesh D’Souza), aber nicht solche die links waren, sondern solche die mit ihrer Politisierung rechts wurden

Richard Wolin: The Seduction of Unreason: The Intellectual Romance with Fascism from Nietzsche to Postmodernism (2006)

Tom Garrison: Why We Left the Left: Personal Stories by Leftists / Liberals Who Evolved to Embrace Libertarianism (2001). Über Nicht-Prominente

Richard Crossman: The God That Failed. A Confession (1949). 6 ehemalige Kommunisten schildern darin ihre Erfahrungen: Arthur Koestler, André Gide, Ignazio Silone, Richard Wright, Louis Fischer, Stephen Spender

Daniel Oppenheimer: Exit Right: The People Who Left the Left and Reshaped the American Century (2016). Von Christopher Hitchens bis Whittaker Chambers

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. A propos: Napoleon(e) B(u)onaparte ist vielleicht ein Kandidat für diese Liste. Wurde gross in der Revolution, die er dann gewissermaßen beendete. Militärischer Aufstieg unter dem Direktorium – das er dann 1799 beseitigte. 1804 krönte er sich ja zum Kaiser. Nach seinem erzwungenen Abtritt 1814 die Restauration der alten Monarchie. Bei Barres bzw Boulanger zeigt sich aber die Problematik der Einteilung Rechts-Links im Frankreich des 19. Jh
  2. Ein Klub der Montagnards
  3. Bei den drei Umstürzen 1830, 1848 und 1870 waren hauptsächlich Republikaner aktiv, 1830 ausserdem moderate (konstitutionelle) Monarchisten
  4. Es gab es vor der Französischen Revolution schon Menschen, die etwas derartiges vollzogen, aber die heutigen Kategorien sind eben (ab) damals entstanden
  5. In einer Nahost-Rede etwa kritisierte Obama zwar die bahrainische Regierung, nicht aber das saudische Königshaus. Dafür wird der langjährige Bündnispartner in der Region offenbar noch als zu wichtig gesehen; nicht zuletzt wegen Iran. Und Obama hat an mehreren Fronten Appeasement ausgeübt, auch ggü jenen die ihm ggü rassistisch sind
  6. Damit nicht nur gegen algerische Unabhängigkeits-Kämpfer aktiv, sondern auch gegen den französischen Staat
  7. Wettert u.a. in ihrem 2003 erschienenen Buch „Ein Ruf aus der Stille“ ähnlich wie Le Pen gegen eine “Islamisierung Frankreichs”
  8. Er pflegt(e) aber Freundschaften mit Persönlichkeiten der Linken, wie Luchino Visconti
  9. Wie Rudolf Nurejev oder Milos Forman oder Conrad Schumann
  10. Es werden in der Zukunft solche “Verschiebungen” evident werden, die sich gerade vollziehen…
  11. Hier also ging es um islamischen Fundamentalismus, nicht um den Ratten-artigen Charakter von Muslimen/Migranten
  12. Ang Swee Chai, eine chinesische Malaysierin, wanderte von Pro IL zu Pro Palästinenser (bzw einer realistischeren Betrachtung des “Nahost-Konflikts”, ohne Rechts/Links-Konnotationen
  13. Das trifft auch auf manche Leute zu, die sich noch nicht von der Linken verabschiedet haben. Auch solche sind oft reaktionärer und menschenverachtender als gestandene Rechte
  14. Diese, zweitere Bezeichnung verdient(e) er sich zB mit einem Buch wie “The Professors: The 101 Most Dangerous Academics in America” (2006)
  15. Newton war 1970 in der Berufungsverhandlung von einer Mordanklage frei gesprochen worden
  16. Eher in der Form von Selbst-Bezichtigungen (“Wie konnte ich nur…?”) als von Selbst-Lügen (“Eigentlich war ich nie dafür!”). Auch wenn er über das “Kriegsverbrechens-Tribunal”, dass die Russell-Stiftung in den 1960ern bezüglich des US-amerikanischen Mitmischens im Vietnam-Krieg abhielt, dann Jahrzehnte später sagte, dass er Vorbehalte dagegen gehabt und nicht teilgenommen hätte
  17. Also möglicherweise einer Verwandten von Charles Krauthammer, dem verstorbenen Neocon, der auch von der Linken/Liberalen kam
  18. Vergleiche “Scholars for peace in the middle east”, „Liga für Aufklärung und Freiheit im Nahen und Mittleren Osten“,…
  19. In “Soul on Ice”, einer Sammlung von Essays, die Cleaver 1968 heraus brachte, schrieb er: “If a man like Malcolm X could change and repudiate racism, if I myself and other former Muslims can change, if young whites can change, then there is hope for America.”
  20. Staaten legten die Erreichung des Mindestalters von 35 unterschiedlich aus, bezüglich der Nominierung, der Wahl oder aber der Amtsübergabe
  21. Es war nicht so, dass man sich auf der “Gegenseite” nicht zusammenfand/-tat. Und Praktiken der Unterwanderung wie vom FBI ggü der BPP ähnelten israelischen (Mossad, Shin Bet) ggü palästinensischen Organisationen
  22. Dort, in Havanna, hat ihn James “Jim” Jones besucht, der Führer des Peoples Temple (of the Disciples of Christ). Der Kontakt zwischen den Beiden blieb aufrecht, auch nachdem sich der “Volkstempel” nach Guyana “zurückgezogen” hatte. Ein Cousin von Newton zog auch dorthin nach Jonestown, entkam dem erzwungenen Massenselbstmord von 1978
  23. „Liberal“ bedeutet in der USA und anderen Anglo-Staaten eher was Linkes, anderswo was Rechtes
  24. “a liberal who has been mugged by reality”
  25. Wolfowitz war etwa Vize-Verteidigungsminister unter Bush, 01-05
  26. Sohn eines aus Südafrika in die USA eingewanderten Geschäftsmanns und der Tochter eines Rabbiners
  27. “Sie haben die enorme Verantwortung, einen neuen Holocaust zu verhindern. Sie sind der Einzige, der den Mumm hat, das zu tun”. Bush verlieh ihm die „Presidential Medal of Freedom“
  28. Gerüchten zufolge nicht über sein/ unser “Negerproblem”
  29. Sohn von Irving und gleich ausgerichtet; bei Donald und Robert Kagan ist es ähnlich
  30. Oder dem Lamento über “white guilt“. Immerhin anerkannte er im selben Satz, dass vor dem Aufkommen dieser Auseinandersetzung die Historiographie Australiens gewissermaßen zu unkritisch war (“the Three Cheers View”)
  31. Windschuttle hat “The Breakup of Australia: The Real Agenda Behind Aboriginal Recognition” (2016) bei Quadrant Books, dem dazu gehörenden Verlag publiziert
  32. Wie die Haltungen zur Umwandlung Australiens in eine Republik, zur Einwanderungspolitik, Aussenpolitik, Umwelt- bzw Klimapolitik,… Die Gesetze zugunsten der Aborigines in den 1970ern wurden unter der Labor-Regierung von Gough Whitlam erlassen, die Entschuldigung an die Aborigines für die staatliche Entführungen ihrer Kinder kam Ende der 2000er von Kevin Rudd
  33. Bei ihm kommt eine Tochter aus erster Ehe dazu, Anja Röhl, diese warf ihm vor, sie als Kind sexuell belästigt zu haben. Derartiges wurde unter “68ern” damals jedenfalls anders gesehen
  34. Berliner Verkehrsbetriebe
  35. Ja, die Veranstaltung in Wien 08 war ja auch eine Art “wissenschaftliche Konferenz”…
  36. Warum, das ist eine längere Geschichte; es wäre zu einfach, das auf langdauernde britische Intrigen zurück zu führen, aber auch, die Moslems bzw die League als Abkömmlinge der Invasoren darzustellen
  37. Diese Wahlen kamen Volkszählungen gleich, Gegenden in denen der Congress gewann, waren überwiegend hinduistisch, die von der League gewonnenen mehrheitlich moslemisch; es zeigten bzw bestätigten sich jene Gebiete im Norwesten und Nordosten in denen Moslems die Mehrheit bildeten
  38. Die kleineren Religionsgruppen Indiens, Sikh, Christen, Parsen/Zoroastrier, Buddhisten, Jainas,…, sind in der Regel eher mit den Hindus “verbündet”
  39. Im September 46 kam dann die provisorische Regierung zu Stande unter Jawaharlal Nehru, im Oktober gab die Moslem-Liga den Boykott von Konstituante und Regierung auf
  40. Auch wenn dies in gesprochener Form nicht allzu grosse Unterschiede zu Hindi aufweist
  41. Und hat Robertson ein Buch von ihm über Jesus geschickt nach dessen Kommentaren über den Hinduismus
  42. Mehr dazu in Teilen dieses Artikels
  43. De Benoist, der nach einer Reise nach Apartheid-Südafrika auf Einladung der Verwoerd-Regierung 1965 den Essay “Vérité pour l’Afrique du Sud” geschrieben hatte, und auch Rhodesien bereist und gelobt hatte, als “Aussenposten des Westens” zu Zeiten der “schändlichen” Entkolonisierung und “Negrifizierung”, wurde mit der Zeit etwas kritischer ggü dem Anglo-Imperialismus, besonders jenem der USA
  44. Die “A”D-Recken der “bahamas” haben 03 ihren “Abschied von der Linken” erklärt
  45. Auch mit Islamisten gibt es Gemeinsamkeiten, Korrelationen. Wie leicht diese Übertritte von Islamisten zu Islamophoben (Zionismus, Neokonservativismus,..) immer gehen… > Mossab Youssef, Mehdi Khalaji, Hamed Abdelsamad, Maajid Nawaz,…
  46. In Österreich gibt es da einen Kurt Wendt in der KPÖ, der ein Organisator von Demonstrationen gegen die erste ÖVP/FPÖ-Regierung war (Anfang der 00er, Schüssel), dann von der “anti”deutschen Strömung in der Partei (Peham,…) erfasst wurde, sagte dass es ein Fehler gewesen sei, diese Demos auch auf bzw gegen die Bush-Kriege auszudehnen…zur Zeit der neuen ÖVP/FPÖ-Regierung (Ende der 10er, Kurz) pudelte er sich dann wieder als Linker und als Held der Arbeit auf
  47. Sohn eines Amerikaners und einer Norwegerin
  48. In der Zeit nach dem 2. WK gab es in diversen Ostblock-Staaten nochmal so eine “Inquisitions”-Welle gegen kommunistische “Abweichler”. Zusätzlich zum Vorgehen gegen Demokraten, das oft als eins gegen “Faschisten”/”Kollaborateure” deklariert wurde
  49. Siehe die Überlegungen bei Morris/Windschuttle zur Arbeit eines Historikers. Mit der Frage beschäftigte sich auch Peter Novick: That noble dream: the “objectivity question” and the American (1988)
  50. Nicht zu verwechseln mit den Aktivitäten von Joseph McCarthy im Senat, hauptsächlich im Government Operations Committee, 1953-55
  51. Mit dem 1965 von Präsident Lyndon Johnson unterschriebenen Voting Rights Act wurde dann das bisherige Wahlrecht ausser Kraft gesetzt, dem zufolge etwa nur solche Bürger ins Wählerverzeichnis aufgenommen wurden, die einen Lesetest erfolgreich absolviert hatten
  52. Wenn bezüglich der USA vom “Süden” die Rede ist, ist meistens eigentlich der Südosten gemeint, etwas mehr als der “Old South” (der etwa Georgia nicht inkludiert) und etwas weniger als der “Solid South” (der bis Texas geht)
  53. Wie sie von den beiden Mördern benutzt wurden
  54. Heston verwischte auf dem NRA-Kongress gerade solche Differenzierungen… “It implies that 80 million honest gun owners are somehow to blame.”
  55. Eine kräftige “Antithese” zum Bushismus, das Columbine-Massaker war eine Art Aufhänger im Film
  56. Das Interview fand 2001 statt, bevor Heston seine Erkrankung öffentlich machte
  57. Die Vorgänger Tudjmans in dieser Funktion waren alle von der kroatischen Sektion (SKH) der kommunistischen Partei Jugoslawiens (SKJ). Die SKH wandelte sich 1990 unter Ivica Racan in eine sozialdemokratische und eigenständige Partei namens SDP um
  58. Sein Ziel, auf Kosten der Bosnier und Kroaten ein Gross-Serbien zu schaffen, war 1995 gescheitert, 2000 wurde er gestürzt
  59. Rohrmoser hat ihn übrigens in seiner ersten (“linksextremen”) Haftzeit im Auftrag einer Kommission der Bundesregierung im Gefängnis besucht. Rohrmoser erklärte 1998, bezüglich der „die Religion und die sittliche Substanz zerstörenden Wirkung der 68er“ seien seine und Mahlers Positionen identisch
  60. dem „politischen Philosophen“
  61. Es gab/gibt viele Alt-Linke, die (ab) Anfang der 00er in der “Islamkrise” Stellung in einer ähnlichen Art bezogen, bis hin zu Manfred Deix. Bei Anton Pelinka ist es vermutlich etwas komplexer. Ralph Giordano hat nicht wie Enzensberger erst 03 aggressive und pseudomoralische Werbung für den Irak-Krieg gemacht, sondern bereits 91; als Saddam Hussein in den 1980ern sein Heer den Iran angreifen liess, blieb er dagegen ruhig
  62. Siehe
  63. In den 1960ern ermittelte das HUA-Committee gegen die Neuen Linken, Betroffene wie Jerry Rubin und Abbie Hoffman hatten viel weniger zu verlieren als Regierungs-Beamte oder Künstler in der Filmindustrie; sie verwandelten die Befragungen in Shows, dadaistische Happenings
  64. Es ist nicht bekannt, ob Pau diese Aussage bei einem ihrer Besuche in der israelischen Botschaft in Berlin oder in Jerusalem/Quds getätigt hat
  65. Erinnert an den Spielfilm “Departed/Unter Feinden”, mit Matt Damon und Leonardo di Caprio, als Polizei-Agenten in Boston, der Eine als Spitzel in die irische Mafia eingeschleust, der Andere Spitzel für diese Mafia in der Polizei…dort kommt es ja aber zu keiner Enttarnung
  66. Beim KGB-Mann Oleg Kalugin war es so, dass er mit dem System der SU in den 1980ern unzufrieden war, dies auch äusserte, an seiner Reform mitwirkte; übergelaufen ist er nicht und er hat auch solche wie Gordijewski scharf dafür kritisiert. Er lebt jetzt in der USA. Auch nicht so leicht einzuordnen
  67. “Bei der Beerdigung kam es beinahe zu Zusammenstößen zwischen den sehr heterogenen Beteiligten der Trauergesellschaft: österreichische Legitimisten, Kommunisten und Juden reklamierten den Toten jeweils als einen der ihren.”
  68. Er ging zu den Grünen, während viele Andere aus den K-Gruppen eine Beamten-Laufbahn einschlugen
  69. Der andere Teil der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum trat als Deutsche Forumpartei (DFP) zusammen mit LDP und FDP der DDR als BFD an
  70. Erst 1993 gingen Bündnis 90 und Die Grünen in der heutigen Partei Bündnis 90/Die Grünen auf, bis dahin gab es nur eine Art Allianz
  71. Später bekanntlich SPD
  72. Repression und Umweltverschmutzung kamen dort von einem linken Regime, die Kirchen waren Orte des demokratischen Widerstands, Ex-Nazis waren auch dort ins Regime gegangen
  73. Bei der vorgezogenen Wahl nach der Vereinigung Ende 90 wurden die Grünen nur im Osten gewählt> Wollenberger, Schulz, Poppe, Ullmann,… 05 scheiterte Lengsfeld/Wollenberger mit ihrer Kandidatur um Vorzugsstimmen auf der CDU-Liste mit einem Dekoltee-Bild
  74. Ex-Bürgerrechtler haben die CDU auch ein Stück weit verändert. So ähnlich wie Ismail Cem der für die CHP zu liberal war, nach einer “Tour” zu SHP, DSP, YTP (seine Gründung) zu ihr zurück kehrte, ihren liberalen Flügel stärkte
  75. “Freie Welt”, ausserdem für „eigentümlich frei“ (IfS), die “Preußische Allgemeine Zeitung“ sowie für das CSU-Organ „Bayernkurier“
  76. „Gemeinsame” Erklärung 2018, mit Broder, Sarrazin, Matussek, Herman, Tellkamp, Flaig,…; seit 2014 tritt sie als Kritikerin der „flüchtlingsfreundlichen Politik“ von Bundeskanzlerin Merkel auf
  77. Der Westen unterstützte damals den Irak, Donald Rumsfeld kam in dem Zhg als Reagans Beauftragter nach Bagdad
  78. In Afghanistan gab es Kommunisten, die zu den Taliban hinüber wechselten, hauptsächlich von der (paschtunischen) Khalqi-Fraktion der Demokratischen Volkspartei Afghanistans, was auch eine Art “Rechtsruck” ist. Es gibt im Irak einen hohen Anteil von Ex-Baathisten im IS, darunter die Nakschbandi-Miliz unter Issat Ibrahim al-Duri (der wegen seiner roten Haare “Karotte” genannt wurde), aus Angehörigen oder Anhängern des alten Regimes. Die Baath war irgendwie links (strebte neben arabischem Nationalismus eine Form von Sozialismus an), Salafisten i-wie rechts
  79. In einem 1989 gedrehten Film über Claus von Bülow spielte er passenderweise bzw “vorausschauend” Alan Dershowitz. Auch Henry Kissinger hat er mal gespielt
  80. Er setzte sich auch für den Handlanger von Bushs Vize Cheney, Libby, ein
  81. Vielleicht muss man es so sehen, dass in diesem Milieu wenigtens zwischen Arabern und Iranern unterschieden wird, ist ja auch schon was
  82. Auch “Bund zur Verbreitung unerwarteter Einsichten”, “Zegg” und weitere Tarnnamen
  83. Der Ahriman-Verlag (Name ist aus der zoroatrischen Theologie) verlegt auch den in der Schweiz (als Drogenhändler) lebenden Serbo-Faschisten „Alexander Dorin“ vulgo Boris Krljić, mit einem Buch in dem der Srebrenica-Genozid geleugnet wird, diesbezüglich von einem “Lügen-Auschwitz der Nato” geschrieben wird…
  84. Eigentlich hiess der Mann Waldstein
  85. In einem Fernsehinterview 1989 bezeichnete Golo Mann beide als „Lumpen“, Adorno und Horkheimer hätten ihn beim damaligen hessischen Kultusminister als „heimlichen Antisemiten“ angeschwärzt, nachdem er sich um den Lehrstuhl beworben hatte. Eine Schilderung der Vorgänge gab der Historiker Joachim Fest, der ausser der Antisemitismus-Unterstellung auch Manns Homosexualität nennt
  86. > Als Staschinski-Fall bekannt gewordene Entscheidung des Bundesgerichtshofs
  87. Sein Aufwachsen ohne Mutter, unter Mussolini und mit englischen Erzieherinnen verarbeitete er im Film „Tee mit Mussolini“
  88. 1958 interpretierte er Verdis Oper „La Traviata“ an der Mailänder Scala “unorthodox”, machte 1983 auch einen Film daraus
  89. Die bei der Berlinale 1986 über den Sieger des Goldenen Bären, einen Film über RAF-Häftlinge in Stammheim, Abfälliges sagte
  90. Er sah keinen Gegensatz zwischen seiner Homosexualität und seinem Katholizismus
  91. An dieser Stelle: war das radikale Eintreten für die Rechte der unter der Apartheid Entrechteten des PAC eigtl. rechts (nationalistisch) oder links?
  92. verrückt
  93. Hitler selbst war nach dem 1. WK anscheinend in einem Soldatenrat der Räterepublik in Bayern gewesen; was aber wahrscheinlich mehr von Mitläufertum als von linker Gesinnung zeugt
  94. Bei 2 Wahlen 02, der Kommunalwahl in Rotterdam und der nationalen Parlamentswahl. Zu den Traditionslinien der niederländischen Rechten hier
  95. Man muss nur auf de.wiki gehen, um diesbezügliche Verschwörungstheorien zu lesen; Versuche, Verbindungen zu Moslems herzustellen, und -“unschuldig-naiv” formuliert- „Es schloss sich eine Diskussion darüber an, ob linke Kritiker von Fortuyn eine Art indirekter Mitschuld an dem Attentat hätten.“
  96. Eine Querverbindung in diesem Artikel: Der genannte Günter Maschke war ja auch in Cuba gewesen (und dort nicht froh geworden), durfte dann auf Vermittlung von Hans M. Enzensberger (ebf hier genannt) bei Suhrkamp eine Übersetzung eines Gedichtbands von Padilla rausbringen
  97. Er schalt auch George Papandreou für seine Etablierung engerer Beziehungen Griechenlands mit Israel bzw Netanyahu
  98. A propos: Der Titel Conducător, den sich der rechte Diktator Antonescu (40-44) zulegte, wurde auch für den linken Diktator Ceaucescu (65-89) verwendet
  99. Der von “Kammertürken” abstammt

Antisemitismus (II) – Israel und die Rechte

“Für Europa würden wir dort [in Palästina] ein Stück des Walles gegen Asien bilden. Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen. Wir würden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das unsere Existenz garantieren müßte” (Herzl). Europäer die Wilde unterwerfen, den wilden Orient beherrschen, das war und ist das vorherrschende Selbstbild des Zionismus… Israel als Mitglied der “1. Welt”, der Weissen, das sich gegen die unterentwickelten Orientalen behauptet (und nicht gegen die Holocaust-Urheber). Das bringt Sympathien und Bewunderung von westlichen Rechten. Und dann noch ein ethnischer Nationalismus, wie es ihn in Europa schon lange nicht mehr gibt. Und die Mythen von Bibel/Tanach. Und dann noch das scheinbar unschlagbare Argument der Solidarität mit den Juden nach dem Holocaust. Die “Araber” können mit ihren Ländern „nichts anfangen“, hat Erich/Arik Brauer gesagt, so sehen auch FPÖ & Co die Orientalen, deshalb bewundern Rechte Israel weil dort die einzigen vernünftigen, fleissigen,… Menschen weit und breit sind. „Konkret“ vor einigen Jahren: “Israel ist eine Agentur neuzeitlicher Aufklärung in einer Region weltgeschichtlichen Mittelalters“.1 So sahen es auch Mildenstein, Strauss, sieht es Trump,…!

Die Palästinenser als Teil einer grossen islam(ist)ischen Plage, die Muslime in Europa quasi die hiesige “Variante” davon. Und der Westen muss zusammenstehen dagegen. So ungefähr sehen das Deutsch-Nationale wie “Anti”deutsche, Nazis wie Zionisten, FPÖ wie JDL. Wobei “Islam” ein Platzhalter ist. So wie früher der “Kommunismus”. Jedenfalls, Rass(ist)isches, Kulturelles, Politisches vermischt sich stillschweigend. Man selbst ist natürlich aufgeklärt, Rückständigkeit ist Merkmal der Orientalen; man glaubt nur an hohe demokratische Standards bei Israel, in einer rückständigen Region. Und an israelische(s) “Sicherheits”-Lösungen/Know How. Und bewundert den israelischen Militarismus. Vielleicht auch das Kleinhalten Anderer damit. Europa ist jedenfalls so gleichgültig, apathisch, zu tolerant, steht nicht zu seinen Wurzeln. Und mit “Islamkritik” und Pro-Israel lässt sich sogar ein Deutsch-Nationalismus ausleben, ohne Ewiggestrige(r) zu sein. Die Sympathien westlicher Rechter für Israel wird erwidert2, aber die diesbezügliche neue Affinität ist nicht auf die Rechten hier und dort beschränkt.3 Der jüdische FPÖ-Politiker Lasar, der “Heimat hier wie dort schützen will”, ist da nur eine schwache Brücke, da gibt es ganz andere Verbindungen.4

Antisemitismus ist geächtet, hat als politischer Faktor ausgedient im säkularen, ethnisch durchmischten, postmodernen Westeuropa. Und Israel-Sympathie breitet sich im Westen weiter aus, und was sich hinter dieser versteckt, das wäre viele Analysen wert. Der Weg der bedingungslosen Solidarität mit Israel führt ebenso bedingungslos nach Rechts. An dieser Stelle sei Eines schon klar gesagt: islamistische Anschläge wie jene in Frankreich sind tatsächlich besorgniserregend; jene im Irak aber auch (muslimisch geprägte Länder leiden am heftigsten unter islamistischem Terror). Besorgniserregend ist es auch, wenn sich Moslems über Christchurch (den Anschlag) empören bzw Empörung erwarten, aber zu Colombo ruhig bleiben; jene Moslems die für sich Toleranz reklamieren, selbst aber keine haben/üben. Die jammern, dass “nackte Frauen” ihre Gefühle verletzten, aber so etwas wie zu Sylvester in Köln vor einigen Jahren nicht weiter schlimm finden. Und: Eigentlich ist es schlimmer, wenn Leute rein wegen biologischen Merkmalen oder der Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe angegriffen oder diskriminiert werden (wie Palästinenser von Israel) als für ein Kopftuch oder andere religiöse Bräuche.

Netanyahu, Lieberman, Bennett, Hotovely, Shaked,… sind im Grunde viel fragwürdigere Kreaturen als Strache oder Kneissl, Vilimsky. Der Rassismus des Netanyahu stellt jenen Straches (oder Berlusconis) locker in den Schatten, die von ihm ausgehende Gewalt ohnehin.5 Esther Shapira hat mal bei einer „Woche der Brüderlichkeit“-Veranstaltung gesagt, Palästinenser seien verantwortlich dafür, wen sie wählen (deutete an, sie seien zu messen daran).6 Eldad Beck sagte auch, die Hamas sei Stimme der Palästinenser, da von diesen gewählt. Israelis sind aber nicht verantwortlich dafür, wen sie wählen? Nein, sondern die die unter einer Besatzung leben, eine Besatzung die von gewählten Politikern angeordnet wird. Von Avigdor Lieberman zB, früher Evet Lvovich Liberman, aus Sowjet-Moldawien und von der Kach geprägt. Dass er sagt, Israel solle die “Westbank” annektieren, ist noch das wenigste; auch, weil israel de facto ohnehin über sie bestimmt, Palästinenser verdrängt. Er sprach auch davon, den Assuan-Staudamm zu bombardieren, Teheran mit Raketen anzugreifen.7

Da leuchten die Wangen

Haupt-Zielscheibe seines Chauvinismus’ sind aber die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft (die in den israelischen Grenzen 1948-67). Ihnen sollte bei “Illoyalität” die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Jene, die “Kollaborateure” seien, sollten hingerichtet werden. Palästinensische Politiker in Israel (“arabische Israelis”) beschimpft und bedroht er regelmäßig, nennt sie “Terroristen” oder “Kriegsverbrecher”, die “uns von Innen zerstören”…8 Zusammen mit Netanyahu versuchte er zunächst, mit einer  Erhöhung der Sperrklausel deren Parteien zu drangsalieren (die palästinensischen Parteien schlossen sich darauf hin zu einer Gemeinsamen Liste zusammen), dann erliessen sie ein Gesetz, das es der (jüdischen) Dreiviertelmehrheit im Parlament ermöglicht, einen (palästinensischen) Abgeordneten auszuschliessen, wenn ihr seine Ansichten nicht gefallen. Aber, die Zauberformel zur “Beschwichtigung” für all das: “Wir kämpfen um unser Überleben.” Sein Nachsatz “Aber nicht nur Israel, als Nächstes wird Europa an der Reihe sein.” Lieberman unterhält Kontakte u.a. mit Geert Wilders.9

Politiker wie Wilders können rassistisch sein, wie sie wollen, solange sie nicht israel-kritisch sind; bei Orban zeigt sich dass man auch in gewisser Hinsicht anti-jüdisch sein kann, nur eben nicht israel-kritisch (auf Israel gleiche Maßstäbe anlegen wie auf Andere)… Israel-Kritiker sind „Antisemiten“, Israelfreunde im Umkehrschluss Freunde der Juden. Rechtsextremismus, NS-Erbe, Zionismus, und das „Koscher“-Zertifikat. Das betraf früher auch Johannes Vorster oder Franz J. Strauss, heute auch Berlusconi, Trump oder Bolsonaro. Es gab und gibt da nicht nur eine “Honorierung” pro-israelischer Standpunkte, sondern durchaus auch Schnittmengen mit israelischen Politikern und Intellektuellen. Auch die AfD hetzt heute meist politisch korrekt, es gibt aber eine innere Auseinandersetzung diesbezüglich…und eine unter Juden sowie Israel-Freunden, dazu noch mehr. Gelegentlich kommt man ins Dilemma, da Antisemiten nur Israel-Gegner sein können. Auch bei Trump oder der FPÖ muss “man” gelegentlich Einiges in Kauf nehmen… Der von Israel praktizierte ethnische Nationalismus wird von jüdischen Interessensvertretern selbstverständlich verteidigt, überall woanders aber eigentlich abgelehnt; bezüglich Israel so rechts wie möglich, bzgl Diaspora-Juden so links wie möglich. Das korrespondiert mit der (vorgegebenen) Doppelnatur moderner Juden: Teil des Westens oder aber Opfer des Westens; Europa verlassen um Europäer zu werden.

Wie gesagt war/ist der Zionismus nicht die Antithese zum Faschismus, dennoch wird dies gerne behauptet, ja die Akzeptanz dessen eingefordert… Und wer Israel nicht unkritisch sieht, müsse aus dieser Ecke kommen, die Alternative zu (Philo-) Zionismus sei AS in irgendeiner Form, islamistischer oder klassisch-westlicher. Das Holokaust-Gedenken, seine Aufarbeitung, wird benutzt, IL sakrosankt zu machen und die AS-Definition auszudehnen, sich (auch) im Kontext des Zionismus) in die Opferrolle zu begeben. Der zionistisch konnotierte Pseudo-Antifaschismus, wie ihn etwa die “Anti”deutschen “beschwören”: Versuche einer Geschichtspolitik, hohle Gesten, Umdeklarierung des eigenen Rassismus… Heinz Brandt (* 1909 in Posen, † Januar 1986 in Frankfurt am Main, jüdisch) war kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, in der DDR zunächst SED-Funktionär und später politischer Häftling. Wandte sich gegen den SU-Kommunismus, 1979 war er Gründungsmitglied der Grünen. Über Teile der neuen Linken: “Wie mutig durchbohren sie immer wieder und wieder den längst toten Drachen, das Naziungeheuer, dem ihre Eltern huldigten – und unterlagen. Und wie munter kraulen sie die Zotten des lebendigen Drachens der Despotie, die aus dem Osten kommt – im Friedenspelz, im antifaschistischen Schafspelz.” Das trifft auch manche der hier Erwähnten zu.

Leopold von Mildenstein war SS-Offizier im SD, wurde dort “Judenreferent” (34-36), war Vorgänger Eichmanns (den er für sein Referat anwarb)…und pro-zionistisch. Sein Wirken stellt einen Aspekt der Nazi-Judenpolitik dar, der lange gut verborgen war, und bei dessen Thematisierung sich Manche nur dadurch zu helfen wissen, wild um sich zu schlagen. Er begrüsste den Zionismus aus einer Blut-und-Boden-Ideologie, wollte die “Judenfrage” mit deren Auswanderung nach Palästina lösen, traf sich hier mit deutschen Zionisten (damals eine Minderheit unter deutschen Juden), knüpfte positive Kontakte mit deren Vertretern. Und, im Herbst 1933 eine mehrmonatige Reise Mildensteins ins britisch kontrollierte Palästina, von deutschen Zionisten unterstützt, zusammen mit dem führenden deutschen Zionisten Kurt Tuchler (1. WK-Teilnehmer, jüd. Burschenschafter, Freund von W. Benjamin, L. Freud) samt Gattinnen. 1934 eine Serie darüber in der Nazi-Zeitung “Angriff”: “Ein Nazi in Palästina”, voller Bewunderung für zionistische Siedler, deutsche Zionisten und der Nazi sahen beide den Wilden Orient in dem man mit einem grossen Besen durchkehren müsste, eine passende Lösung der Judenfrage, Blut-und-Boden-Lösung. Die Nazis liessen sogar eine Medaillie prägen, die Hakenkreuz und Davidstern auf den 2 Seiten zeigte…

35 war Mildenstein in seiner Funktion Beobachter beim Zionistischen Kongress in der Schweiz, die Tuchlers auch dort, dort wurde ein Boykott von Nazi-Deutschland beantragt, v.a. die deutschen Delegierten waren dagegen, v.a. weil sie noch mit Unterstützung durch den NS rechneten. Von Mildenstein holte als Referent für seine Abteilung auch Adolf Eichmann aus einer anderen SD-Abteilung, der dann nach weiteren Stationen das Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt aufbaute. Mildenstein wird nach 45 eine Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung angedichtet, eine mit der CIA ist wahrscheinlicher, er arbeitete jedenfalls für Coca Cola in (West-) Deutschland… 1980 brachte die renommierte britische „History Today“ einen sachlichen, eher zionismus-freundlichen Artikel über diese Reise und die Umstände und löste damit wütende Proteste, Drohungen und Sabotageversuche aus. Es sind Charakterzüge des Zionismus (siehe dazu auch den Teil über den revisionistischen Zionismus unten), die man heute liebend gerne verbergen würde. Noch dazu, wo es hier um einen Zusammenhang mit Nationalsozialismus und Holocaust geht.

Ein Robert Schediwy hat im de.wiki-Artikel kommentiert: “Mildensteins Reise von 1933 und die danach geprägte Medaille werden ebenso wie das Ha’avara-Abkommen gelegentlich von rechtsgerichteten und israelfeindlichen Autoren als Beleg für ein konspiratives Zusammenarbeiten von Nationalsozialismus und Zionismus missverstanden.” So unenzyklopädisch diese Bearbeitung auch ist, so lange hatte sie auch Bestand. Hier bereits der Versuch der Umdrehung der nazi-zionistischen Zusammenarbeit (Diffamierung jener die sie thematisieren). So sehr man versucht, palästinensische Anliegen durch den NS-Versuch der Aufwiegelung von arabischen Völkern gegen Grossbritannien sowie moslemische Kollaborationen zu diffamieren, so sehr will man zB die Anerkennung des Zionismus in Deutschland durch den Nazi-Funktionär Mildenstein zum Anathema machen (bzw sein lassen). Das gilt auch für den aktuellen Kontext, Unterstützung für israel von ganz rechts, oder aber vermeintliche Querfronten gegen Israel. Der Westen (und auch Israel) hat NS-Sympathisanten unterstützt, wenn es ihm in den Kram passte.

Kaum irgendwo waren Post-Nationalsozialismus und Zionismus so nahe bei einander wie bei der Unterstützung der Apartheid in Südafrika, darüber ausführlich im entsprechenden Artikel. Im Teil über Trump und die Republican Party unten finden sich aber auch diesbezügliche Querverbindungen. Und wie ist das bei der FPÖ, der AfD,…? In der unmittelbaren Nachkriegs-/ Nachfaschismuszeit warfen Deutsche Palästinensern bereits vor, das Land über die Jahrhunderte “verfallen gelassen zu haben”, auch andere Ressentiments tauchten schon damals auf. Etwas was man (zuhauf) auch ggü Afrikanern und anderen “braunen Völkern” findet… Israel, eine Insel des Lichts in einer Region der Dunkelheit, in mehrerer Hinsicht, aus Sicht seiner Anhänger; Juden als Teil des Westens, der gegen den unterentwickelten Orient gewinnt; und wir Österreicher/Deutsche stehen diesmal auf der richtigen Seite.10 Jemandes Nazi-Vergangenheit wird bei Israel-Lob normalerweise nicht bemüht.

Nun zum revisionistischen Zionismus bzw der zionistischen Rechten. Ihr Mit-Gründer Vladimir Z. Jabotynski hat einst mit Petljura verhandelt, so wie Herzl mit Plehve, Tuchler mit Mildenstein, Rabin (und Andere) mit Vorster,… Ein wichtiger Wegbegleiter/Mitarbeiter von Jabotynski war Benzion Mileikowsky (nahm den Namen “Netanyahu” an) aus Polen, der Vater des jetzigen israelischen Führers. Christopher Hitchens (Islamkritiker aber nicht unbedingt Israelanhänger) hat einmal in einem Artikel aufgezeigt, wie Benzion Netanyahu (Mileikowsky), vom selbsterklärten Faschisten Ahimeir/Geisinovich beeinflusst wurde, und letztendlich auch Benjamin Netanyahu.11 Der “Revisionismus” war für die militärische Eroberung von ganz Palästina und Ausweisung/Unterwerfung seiner Einwohner, ausserdem die Inbesitznahme der Gebiete östliche des Jordans/Urduns (die nach dem 1. WK auch von osmanischer in britische Herrschaft übergingen und dann [Trans-]Jordanien wurden). Zu Benzion Mileikowsky/Netanyahu ist auch dieser “Haaretz”-Artikel informativ.

Wichtigste Organisation der Revisionisten war die Terrorgruppe/Miliz IZL, die sich 1931 von der (“sozialdemokratisch” dominierten) Haganah abspaltete, mit dem späteren israelischen Premier Biegun/Begin als Führer. Die Irgun Zwai Leumi war zeitweise mit den Briten verbündet, im Gegensatz zu LEHI anscheinend nie mit den Achsenmächten verbunden. 1948 ging der politische Arm der IZL in die Partei Herut über, der militärische in die israelischen Streitkräfte (ZHL). Die IZL verübte Terroranschläge auf britische und palästinensische Ziele, selten auf militärische Ziele. Wenn es um (gegen) Briten ging, hat sie auch gelegentlich vorher Warnungen geschickt. 1946 der Anschlag auf das “King David”-Hotel in Jerusalem/Quds, das auch britisches Hauptquartier war, wahrscheinlich war auch die Haganah beteiligt. Es ging um Rache für das britische Vorgehen gegen zionistische Milizen/Terrorgruppen. Der Vater der israelischen Politikerin Tzipora “Tzipi” Livni, Eitan Benozovich (ebenfalls aus Polen), ein führender “Aktivist” der IZL, war etwa 3 Monate zuvor festgenommen worden. Drei Monate nach seiner Festnahme legten Irgun-Mitglieder im Jerusalemer King-David-Hotel eine Bombe, die 91 Menschen tötete.

Nur 16 waren britische Soldaten oder Polizisten, der Grossteil war Hotelangestellte und Palästinenser. Die Täter dürften als “Araber” verkleidet im Hotel die Bombe gelegt haben; es ist bis heute der tödlichste Terroranschlag im ganzen Palästina-Konflikt und einer der tödlichsten im 20. Jh weltweit. Auf Repressalien der Briten danach reagierten Zionisten mit Hinrichtungen von gefangenen britischen Soldaten. Die telefonischen Warnungen im Vorhinein sind in Details umstritten. Die IZL übernahm die Verantwortung, schob sie wegen der Nicht-Evakuierung aber gleich an die Briten weiter und beklagte jüdische Opfer (angeblich 17). Der zionistische “Hauptstrom” distanzierte sich teilweise vom Attentat, begrüsste es teilweise heimlich. Begin behauptete in seinen Memoiren sogar, dass die Briten das Gebäude absichtlich (deshalb) nicht räumten und Zivilisten drinnen liessen um “jüdische militante Gruppen zu verteufeln”… Netanyahu junior redete anlässlich eines Jubiläums des Anschlags von einem “legitimen militärischen Ziel” und hob die Sache mit der Warnung heraus, um chauvinistisch einen “Unterschied” zu heutigen Anschlägen gegen Israel/den Zionismus hervor zu heben. Beschönigungen prägen den zionistischen Umgang mit dem Attentat bis heute, dies und die “zwiespältige” Haltung ggü den Briten drückt sich im Text auf der Erinnerungstafel zum 60-Jahr-Jubiläum aus, der in Hebräisch anders ausieht als auf Englisch.12

Die LEHI oder “Stern-Gruppe” war eine noch radikalere Abspaltung von der IZL. Die LEHI trug sich den Nazis an und anderen europäischen Faschisten, 1940/41, trotz deren Antijudaismus und damaligen Massentötungen von Juden in Europa (v.a. seinem Osten), gegen die Briten. Beide Kräfte waren gg die jüdische Diaspora, das Religiöse, das Orientalische,… Manche haben mit der faschistischen Terrorgruppe kein grösseres Problem, dass sie “abwertend” Stern-Bande genannt wird. Andere sehen schon Thematisierung ihres Charakters als “Antisemitismus”. LEHI-Leute töteten 1944 Walter Guinness (den Lord Moyne), damals britischer Resident in der Region.13 1948, im Palästina-Krieg, ermordete LEHI wie erwähnt UN-Vermittler Folke Bernadotte. Aus der Herut ging der Likud (und im Endeffekt alle zionistischen Rechtsparteien) hervor. In der Tradition von Jabotynski, dem Revisionismus und IZL stehen auch die Gruppen, die auf Meir Kahane zurückgehen, einen US-amerikanischen Rabbiner, also JDL, Kach,…

Das offene Eintreten für ein Gross-Israel (grösser als mit Westjordanland und so) und für Ausweisungen der Palästinenser findet sich dort, dazu kommt das Bekenntnis zu einem theokratischen Staat. Die aktuelle Kahanisten-Partei ist Otzma Yehudit, geführt von Michael Ben-Ari, der von der ersten Wahl heuer ausgeschlossen wurde. Und verbündet mit Netanyahus Likud. Kahanisten sind in zentralen Punkten offener als der Hauptstrom, zB was jüdische Vorherrschaft betrifft. Otzma bekam in der 2. Wahl 19 keine Mandate (und trat nicht mehr in einem Kleinbündnis mit anderen Rechtsextremisten/Faschisten an), ansonsten wären auch Kahanisten in der nächsten (israelischen) Regierung möglich gewesen. Der anti-arabische Rassismus des Kahanismus ist für Netanyahu schon mal gar kein Problem und für den israelischen Hauptstrom kaum.14

Auch heute knüpft der revisionistische Zionismus, also Likud, Kontakte zu Rechtsaussen-Parteien in Europa, mit “dem Islam” als gemeinsamen Feind. Das bringt diesen Rechtsparteien, wie FPÖ in Österreich, die Anerkennung (und das Selbstverständnis) “keine Antisemiten” mehr zu sein. Und der israelischen Rechten mehr Unterstützung aus dem Westen für ihre Vertreibungen von und Gewalt gegen Palästinenser. Dass sich Rassismus beider Seiten nicht nur gegen Moslems richtet, versteht sich von selbst. Gegen Christen wie Azmi Bishara oder Zoroastrier wie Trita Parsi wird ebenso gehetzt, wenn es politisch passt, Orientale sind eben “Ziegenficker“. Gerade aus der Likud-Ecke wurde immer gegen Barack Obama gehetzt, auch ein “Anti-Semit” sei er; da verbindet sich Israel-Lobbyismus, Rassismus, Islamophobie,… Und der FPÖ/ÖVP-Mensch aus Österreich kann jetzt auch kommen und den “Neger” den er ablehnt, politisch korrekt als “Antisemiten” aburteilen. Leider ist das inzwischen typisch für die Behandlung des “Antisemitismus”-Themas. Pirincci, Grass, Hamsun, Strache, Bernadotte, Pinochet, Obama,… – und die Einteilung in “Gut” und “Böse”.

Im israelischen/zionistischen politischen Spektrum ist Netanyahu bzw der Likud in der Mitte, was aber einiges über dieses Spektrum aussagt. Die Grundlagen für diesen Staat wurden von Politikern und Militärs (und Wissenschaftern) der Arbeiterpartei/Avodah (in der Mapai-Tradition) geschaffen. Die Sicht auf die Palästinenser und die Region als auf einer niedrigeren Stufe gibt es dort erst Recht. Ben Gurion (Grün) Führer des zionistischen Projekts in Palästina von den 1920ern bis in die 1960er, war, was Nicht-Juden/Palästinenser betrifft, kaum zu überbieten an Feindseligkeit. Oder Theodor “Teddy” Kollek, ebenfalls von der Avodah, der langjährige Bürgermeister von Jerusalem, nach der Eingliederung auch vom Osten der Stadt. Kollek war zuvor Haganah-Fädenzieher, dann Gurion-Handlanger. Der ebenfalls österreichisch geprägte Journalist Ari Rath über ihn: “Er hat mit seiner Toleranz und Menschlichkeit die Reibungen etwas ausgeglichen. Aber man soll sich nicht irren, was Jerusalem betrifft, war Teddy Kollek ein ganz starker, strenger, israelischer Patriot. Er hat den Bau der Siedlungen um Jerusalem unterstützt. Er hat auch immer gesagt, Jerusalem kann nie geteilt werden. Es soll palästinensische Bezirke mit Selbstverwaltung geben, aber Jerusalem sollte als ganzes israelisches Territorium bleiben.” Er war auch ein Freund des “Kronen Zeitung”-Herausgebers Hans Dichand, der auch einen jüdischen Preis bekam.15

Es ist leicht, Kahane als “Extremist” zu verurteilen, aber seine Anhänger hätten nicht die palästinensischen Restgebiete samt Einwohner als “Spielwiese” für ihren Chauvinismus, wenn nicht die von der Avodah/Arbeiterpartei dominierten Regierungen mit dem israelischen Militärapparat nach den Eroberungen 67 dort das Siedlungsprojekt begonnen hätten. Und Netanyahu bekommt im Westen erschreckend viel Akzeptanz… Die Führer des jetzigen (“blau-weissen”) Gegenbündnisses, Benjamin Gantz und Yair Lapid, sind aber bezüglich der Palästinenser kaum “besser”. Der nationale chauvinistische Konsens. Die rechten Zionisten (und rechte Anhänger vom Zionismus) heucheln nicht vor, dass Israel antirassistisch-universalistisch agieren bzw sein soll. Rechter und “linker” Zionismus, der Unterschied zeigt sich zB bei den Erklärungen von Rafael Eitan und Shimon Peres zur Kooperation mit Apartheid-Südafrika, die sie im Nachhinein dazu abgaben. Eitan stand dazu, auch zur damaligen Sicht wonach Israel und die Weissen in Südafrika viel gemeinsam hätten, nicht zu ihrer Region gehörten, diese bekämpfen müssten, etc; Peres & Co lamentieren, dass sie keine andere Wahl gehabt hätten, dass es “antisemitisch” sei, Israel diesbezüglich “herauszuheben”,…

Der Krieg Israels gegen die Nachbarländer 1967 markiert in mehrerer Hinsicht einen Wendepunkt – auch was die Haltung westlicher Rechter ggü Israel betrifft. Die (neue) Linke war zumindest in der BRD, Österreich bis 67 “aus Holocaust-Gründen” (primär) proisraelisch, dann übernahmen die Rechten diese Rolle. Der “Spiegel” damals: “Ausgerechnet Juden, die deutsche Nazis für feig, faul und verkommen hielten, gewannen im Gegensatz zu deutschen Herrenmenschen schon zum drittenmal einen [von ihnen begonnenen] Krieg gegen eine erdrückende Übermacht.” Israel wurde für Rechte ein positives Gegenstück zum eigenen satten, friedlichen, toleranten Land, in dem das Militärische weitgehend auf den Wehrdienst begrenzt war (und „Wachdienste“ für die USA), und zum (Diaspora-) Judentum, wie man es “gewohnt” war (darauf hat es der Zionismus auch angelegt). Ulrike Meinhof damals in “konkret”: “Nicht die Erkenntnis der Menschlichkeit der Juden, sondern die Härte ihrer Kriegsführung, nicht die Anerkennung ihrer Rechte als Mitbürger, nicht die Einsicht in die eigenen Verbrechen, sondern der israelische Blitzkrieg, die Solidarisierung mit der Brutalität, die Vertreibung, die Eroberung, führte zu Solidarität…Erfolg und Härte des israelischen Vormarsches lösten einen Blutrausch aus, Blitzkriegtheorien schossen ins Kraut, BILD gewann in Sinai endlich, nach 25 Jahren, doch noch die Schlacht von Stalingrad…der Einmarsch in Jerusalem wurde als Vorwegnahme einer Parade durchs Brandenburger Tor begrüßt. Hätte man die Juden, statt sie zu vergasen, mit an den Ural genommen, der zweite Weltkrieg wäre anders ausgegangen, die Fehler der Vergangenheit wurden als solche erkannt, der Antisemitismus bereut, die Läuterung fand statt, der neue deutsche Faschismus hat aus dem alten gelernt, nicht gegen – mit den Juden führt der Antikommunismus zum Sieg.“ Das Meiste davon ist nach wie vor aktuell… Bei einer Minderheit war der alte Antisemitismus doch stärker als die neue Begeisterung für die militärisch überlegenen Israelis.

Mit der Islamkrise ab etwa 2001 kam nicht nur die rechte Israel-Begeisterung zu neuen Höhen, auch die Linken im Westen wurden wieder pro-israelisch. Die Projektion eigener nationaler Wünsche auf Israel spielt beim “Philo-Zionismus” sehr oft eine entscheidende Rolle…nicht zuletzt bei Deutschen und Österreichern. Was Rechten an IL gefällt und wie rechts IL ist, zeigt sich zB am Nationalstaatsgesetz, das 2018 erlassen wurde und Teil der De-facto-Verfassung des Staates wurde. Die Definition Israels als jüdischer Staat, die de jure und de facto immer da war, wird darin „bekräftigt“. Es definiert Israel als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“, in dem allein Juden das “Recht auf Selbstbestimmung” haben. Es richtet sich v.a. gg die „israelischen Araber“, die aber ohnehin immer Bürger dritter Klasse waren. Hebräisch wurde alleinige Nationalsprache, Arabisch herabgestuft. Israel war ohnehin immer nur der Staat der Juden, hier wurde die Schein-„Gleichberechtigung“ der „israelischen Araber“ auch offiziell eingeschränkt. Und das geschieht mit der Umdrehung der Opferrolle, der Vernichtungsrhetorik des Zionismus. Es sei Ziel der Palästinenser, „den Nationalstaat der Juden zu vernichten“, das Gesetz solle sicherstellen, dass Juden „ein freies Volk in unserem Land“ sein können…, sagte der Likud-Abgeordnete “Avi” Dichter, ein ehemaliger Geheimdienst-Chef. Netanyahu postete auf Instagram, dass Israel nur seinen jüdischen Bürgern gehöre.

Wenn so etwas irgendwo anders (und mit Juden als Minderheit) verabschiedet werden würde… Im Westen haben Juden gleiche Rechte, Nicht-Juden unter israelischer Herrschaft nicht. Israel steht dafür, dass es keine Gleichberechtigung von Juden und Nichtjuden gibt. Israel ist als Ethnokratie attraktiv für Rechte im Westen, praktiziert einen Ethnonationalismus, sodass nicht jeder eingewanderte Chinese oder Afrikaner gleichrangiger Bürger werden kann, herrscht über “Niederrangige”. Israel ist auch/gerade in den offen rassistischen Kreisen hoch angesehen, mit seinem völkischen Nationalismus, mit seiner Privilegierung einer Bevölkerungsschicht, die Manche hier auch gerne hätten.16 Juden dort werden nicht mehr als gefährdete oder aber “schädliche” Minderheit wahrgenommen, sondern als Herrscher des Landes, das sie zudem “aufblühen” liessen. Rechte westliche Israel-Fans sind eigentlich Jene, die den Zionismus ganz richtig verstehen, nicht die (pseudo-) linken Israel-Fans.17 Wenn es um eine Neudefinition von Nation(alem) geht, spielt Israel (als Ethno-Staat, der über Andere herrscht, sich nicht um Gleichheit schert) gerne eine Vorbildrolle. Vor Allem für jene, die Hass auf „Multikulti“ und “Ethno-Pluralismus” empfinden.

Schnitt, in das Lettland der Zwischenkriegszeit. Karlis Ulmanis war im unabhängigen Lettland vor dem Einmarsch der Roten Armee und dann der Wehrmacht Minister-, dann Staatspräsident einem autoritären System. Es war eine von mehreren Halbdiktaturen in Europa damals. Ulmanis propagierte “Lettland den Letten”, führte Diskriminierungen der Minderheiten ein, das waren damals hauptsächlich Deutsche, Juden, Polen. Diese wurden toleriert, den ethnischen Letten aber klar untergeordnet. Ein solcher Nationalismus ist Normalität in Israel… Was das undemokratische Gebahren anbelangt, Ulmanis liess das privilegierte Volk, die ethnischen Letten, nicht mehr wählen und liess Protagonisten verschiedener politischer Richtungen inhaftieren, ein Unterschied. Von Israel werden “Protagonisten” des beherrschten Volkes (das in einer Besatzungssituation lebt) inhaftiert.

Zur rechten Freude über Israel trägt auch bei, dass sich die jüdische Härte nicht gg Verantwortliche des Holocausts sondern gg „unterentwickelte Völker“ richtet. Rechte, die Israel “in Schutz nehmen”, sich mit ihm identifizieren, es liebkosen, um mit ihrem Rassismus durchzukommen, um Progressivität, Aufgeklärtheit vorzuheucheln… Und da geht es nicht nur um “Islam” und “Moslems”, da vermischt sich Einiges, Hass ggü Obama, seiner Politik und seiner Herkunft, Nelson Mandela sei sehr wohl ein Terrorist gewesen18, Rigoberta Menchu eine Lügnerin19, man propagiert ein “weisses und islamfreies” Europa, Rassismus (im Westen) an sich wird verharmlost (von Leuten die das nicht einschätzen können)20, die Antikriegsbewegung mit Nazis gleichgesetzt,… Trump, Netanyahu, Strache, al Saud…und der „Schutz“ von Grenzen vor „Eindringlingen“. Zum “Ausgleich” sagt man dann, dass die “Weisen-Protokolle” in arabischen Ländern und Iran die grösste Auflage hätten, rümpft die Nase, man ist aufgeklärt, die sind es nicht. Frischzellenkur für Rechte…nicht um verräterische Ethnizität geht es, sondern “Kultur”. Manches aus diesem “Konglomerat” gab es früher im Zeichen des “Antikommunismus”.

Und natürlich das israelische Militär… Für den französischen Autor, Offizier, Militärtheoretiker Jean “Lartéguy” (Osty) waren die Israelis die Soldaten, die seinen Idealen und seiner Vorstellung von Effektivität am nächsten kamen. “Guerre d’Algérie” wurden in Hebräisch übersetzt und im israelischen Militär anscheinend zu Ausbildungszwecken verwendet, die Anerkennung war also gegenseitig. In den 1970ern warf er Israel gleichwohl vor, sich zu sehr von amerikanischer Waffentechnologie abhängig gemacht zu haben, dadurch “ihre frühere Qualität” verloren zu haben. Vor einiger Zeit eine ATV-Doku über “Selbstverteidigung” (in Österreich), gleich zwei Rechts-Machos mit Schusswaffen traten auf, mit IL-Sympathie/-Bewunderung/-Connection. Mit so etwas haben die “liberalen Zionisten” (Regenbogenfahne, Homosexuellenrechte…), wie es sie auch in Wien gibt, gleichwohl nie ein Problem. Ein Broder oder Finkielkraut wiederum können mit solchen Zionisten nicht viel anfangen.

Für Apartheid-Premier Vorster wurde in Jerusalem der rote Teppich ausgerollt, später kam Strache mit Burschenschafter-Kappe nach Yad Vashem…Norman Finkelstein aber zB wurde die Einreise in Israel verwehrt, Günter Grass bekam ein Einreiseverbot, von den Palästinensern, die von dort stammen, ganz zu schweigen. Ein Netanyahu stellt einen Strache mit seiner Politik und Rhetorik locker in den Schatten, mit seinen rassistischen Herabsetzungen von Menschen in der Region, in der “Israel” gegründet wurde. Auch den Holokaust würde er am liebsten den Palästinensern zuschieben (siehe Teil I), (echt) liberale Juden wie Soros gibt er für antisemitische Angriffe frei (s.u.). Über Israel-Solidarität wird eine Anschlussfähigkeit zu rassistischen Diskursen hergestellt; globalpolitician, vdare oder frontpagemagazine sind so Treffpunkte für Chauvinisten von hier und dort, was den englischsprachigen Raum betrifft. Alte europäische/westliche Rechtsextremisten wie auch rechtsextreme Zionisten sind besorgt, ihr Image zu modernisieren, und in Zeiten von Islamismus und Islamophobie geht das auch ziemlich leicht. Aber es gibt Zustrom und Akzeptanz aus der Mitte für die entsprechenden Diskurse.

Im deutschsprachigen Raum gibt es nicht nur Broder, der für so gut wie alle rechten Inhalte seinen Segen gibt, Blanko-Schecks verteilt. Ralph Giordano: “Was, Germania, ist hier falsch gelaufen? Damit komme ich auf jene professionellen Multikulti-Illusionisten, xenophile Anwälte aus der linksliberalen Ecke, wie Hans Christian Ströbele und Claudia Roth, gnadenlose Verneiner berechtigter Eigeninteressen der Mehrheitsgesellschaft und Großverhinderer jeglicher realistischen Lagebeurteilung des Immigrantenproblems – sie sind im Auge zu behalten.“ Fragt sich auch, was zu diesen berechtigten Eigeninteressen der “Mehrheitsgesellschaft” zählt und wie sie abgegrenzt ist… Es gibt mehr Buddhisten als Juden in der BRD (ca. 270 000 zu 200 000), und was folgern wir daraus? Mossab H. Yousef oder Ahmad Mansour kann man als “gnadenlose Verweigerer von berechtigten Interessen der (palästinensischen) Mehrheitsgesellschaft” sehen. Walter Zeev Laqueur, jüdischer Brite und Amerikaner deutscher Herkunft, ein Gelehrter, der u.a. als “Terrorexperte” gilt, schrieb das Buch „Die letzten Tage von Europa“; es gäbe hier eine “Entvölkerung” (niedrige Geburtenrate), Masseneinwanderung (> Moslems), „Appeasement“, Europa sei ängstlich, apathisch,… (> BHL, Broder,…).

Rechte Politik mit Pro IL verkaufen (zB Philipp Missfelder, Helmut Markwort) oder aber durch rechte Einstellungen auf Pro IL kommen (zB Christian Ortner, José Aznar), da gibt es einige feine Unterschiede. Jedenfalls muss man damit nicht auf seinen Rassismus verzichten. Der Kampf gegen Anti-Rassismus ist denn auch etwas, dass zionistische und westliche Rechte eint; was man auch an der Hysterie über die Antirassismus-Konferenzen unter UN-Auspizien (2001, 2009, 2011) sieht, die nach dem Tagungsort der ersten Konferenz in Südafrika “Durban-Konferenzen” genannt werden.21 Stolz wird berichtet, dem Mossad sei die Unterwanderung der französischen Organisation SOS-racisme (SOS-Rassismus) gelungen, damit die “Enttarnung” von Antirassismus und Palästina-Solidarität als “antisemitisch”… Und, der Rassismus im Fahrwasser der Israel-Solidarität ist etwas, vor dem normalerweise die Augen verschlossen werden. Dass und wie Antijudaismus über den „Umweg“ „Israel-Solidarität“ in Moslemophobie übergeht (übergegangen ist), kann man zB bei Gudrun Eussner anschauen > Es müsse nur jeder seine Erfahrungen mit Moslems abgleichen mit dem was (von Leuten wie ihr) über diese geschrieben wird.

Der Rechtsextreme Patrick Brinkmann hat “erkannt”: „Nicht Juden sondern Moslems sind das Problem“. Ja, in der “westlichen” Rassenhierarchie sind die Moslems/Orientalen eigentlich unter den Juden. Moslems sind keine Rasse und wie erwähnt, Nicht-Moslems aus “diesem” Kulturrraum wie Bishara oder Parsi werden da immer mit eingeschlossen. Manche sehen sich gezwungen, Anti-Regime-Iraner oder Kurden “auszuzunehmen, bzw welche heraus zu picken, versuchen zu vereinnahmen. Und, es geht hier oft im gleichen Maß gegen “Farbige” generell wie gegen „Moslems“. Mit dem “Antisemitismus”-Vorwurf stellt man sich in eine scheinbar hehre moralische Position, über “AS”-Hysterie werden rassistische Bedeutungsinhalte transportiert, Feinbilder konstruiert…Eigenen Rassismus und Ressentiments als “Kampf gg Antisemitismus” (und “für Frauenrechte”, “gegen Schwulendiskriminierung”,…) deklarieren, kommt nicht selten vor. Diese Ressentiments ausleben und gleichzeitig reinwaschen, auf scheinheilig.

Als Lega (Nord) – Chef Matteo Salvini wieder einmal nach Israel reiste, schrieb der jüdische italienische Künstler Stefano Levi Della Torre eine Art offenen Brief, an die Juden Italiens gerichtet; es sei alarmierend dass Netanyahu Salvini mit einer Pro-Israel-Lizenz ausstatte, die diesen von “Antisemitismus” freispreche während er mit seiner xenophoben, rassistischen Kampagne fortfährt, die auch Bündnisse mit antisemitischen Kräften in Italien und Europa inkludiere. Salvini sagte anlässlich dieses Besuchs brav, der “wachsende Antisemitismus” ginge Hand in Hand mit islamischen Extremismus, und (Alarmismus) niemand beachte das. Und zu Levis Brief, “Ich brauche mich nicht jedes Mal rechtfertigen, wenn ich nach Israel fliege”. Meinungsverschiedenheiten wie diese unter den italienischen Juden gibt es vielerorts, nicht nur in Europa. In Österreich hat zB der Künstler Arik Brauer Strache den “Segen” erteilt, während Andere in den jüdischen Gemeinden bemängelten, dass ein anderer FPÖ-Mensch (Vilimsky) während einer der letzten Gaza-“Kriege” Israel kritisierte… Gelegentlich wird auch thematisiert, dass eine Abkehr vom Antisemitismus nur zur Stärkung eines anderen Rassismus’ eigentlich widersprüchlich und heuchlerisch ist.22

Was dabei in der Regel unter den Tisch fällt: Wenn europäische Rechtsaussen Israel besuchen und die dort Regierenden wie Netanyahu, Bennett, Lieberman oder Yishai treffen, stellt sich die Frage, auf welcher Seite eigentlich die “unappetitlicheren” Rechtsaussen sind! Über den “Antisemitismus” von Salvini, Strache oder Le Pen wird gesprochen und geschrieben, und Islamismus und Terror und den Westen, aber nicht über die gemeinsamen Feindbilder der Rechtspolitiker beider Seiten… In den Pro-Israel-Kreisen wird auch unterschiedlich mit der Kollaboration israelischer und jüdischer Funktionäre mit westlichen Rechtspolitikern umgegangen, das geht von der Affirmation der Rechten als “antiantisemitische und antiislamistische Kräfte” (Maul, AfD, >) über Lippenbekenntnisse zur Abgrenzung bis zu Versuchen der Umdrehung (Rechte seien in Wirklichkeit mit Moslems/Islamisten gegen Juden/Zionisten verbündet, in Querfront mit Linken/Antiimperialisten; der Zionismus sei erhaben über Verbindungen dieser Art).

“AS”-Anklagen von Rechten dienen meist der eigenen Reinwaschung/Profilierung, der Formulierung eines neuen Fremdenhasses sowie Abrechnungen mit Linken. Der der sich zum Inquisitor macht, braucht sich nicht mit seinen eigenen Sünden auseinander zu setzen, will ablenken was für ein Drecksschwein er selber ist (und nicht Saubermann). Man entsorgt quasi die Nazi-Vergangenheit über die Moslems, und packt Leute wie Grass zu Ersteren dazu. Mit der “AS”-Beschuldigung erscheinen Rowdies zivilisiert, obwohl es sich dabei oft um böse, rassistische Attacken und Verleumdungen handelt. Palästinensern, Arabern, Moslems, Orientalen werden die eigenen, verdrängten, Ressentiments umgehängt, ein Fremdenhass mit „Antisemitismus“-Chauvinismus wird formuliert. Österreicher die Krieg wollen wie der Opa und auch andere Kulturen verachten, sind dann „AS“-Bekämpfer, können damit ihren Rassismus behalten. Nein, ich kann kein Rassist sein, Antisemit auch nicht, ich bin ja proisrael. “Antifaschismus” über “Israel”, ohne wirkliche Läuterung. Auch für im Grunde antijüdische Rechte ist das Schwingen der AS-Keule, v.a. im Nahost-Kontext, eine Option, gg Linke und “Orientale”.

Die „Aufarbeitung“ von NS/Holocaust sowie der „Kampf gg Antisemitismus“ findet in Deutschland/Österreich zunehmend über andere Rassismen statt. Den Islam zum NS machen, um aus seinem Rassismus etwas „Antifaschistisches“ machen zu können, wie bei Nicolaus Fest… Israelliebe als Ersatz für eine Abwendung von bzw Auseinandersetzung mit Rassismus usw. > M. Stürmer. Andere finden in Israel-Identifikation nicht nur ihr ersatzvölkisches Betätigungsfeld und die Lizenz zum Rassismus, sie schlüpfen durch die Annahme einer jüdischen Identität selbst in eine Opferrolle… Wer für Israel ist, kann nicht antisemitisch sein, kann nicht rechtsextrem, rassistisch, nicht deutsch-national, undemokratisch, fanatisch sein, hat eine Exkulpation. Kann seinen Ausländerhass legitimieren, linke Anliegen delegitimieren. “AS”-Jäger sind auch oft die grössten Rassismus-Relativierer (Broder, Osten-Sacken,…). Wobei der Rassismus von Israelis und Juden in der Regel ausgeblendet wird.

Es ist leichter, sich in „Holocaust-Wiedergutmachung“ zu üben und in dem Zhg einen anderen Nationalismus (den Zionismus) zu unterstützen, als sich mit den Strukturen des Rassismus in Österreich auseinander zu setzen, jenem ggü Gastarbeitern (früher), jener aus dem heraus Harry Belafonte noch in den 1980ern der Zutritt zu einem Lokal in Linz verwehrt wurde… # Strache, Kurz23. Die israelische Soziologin Irit Dekel sprach von der „Manipulation von Holokaust-Gedenken für ihre politischen Zwecke bei europäischen Rechtspopulisten” (Holokaust-Verurteilungen von Strache, Orban, Salvini,…)24, von “Lippenbekenntnissen statt Sinneswandel”, denn deren Politik sei das Gegenteil von der Lehre aus NS/Holokaust > Hetze und Ausschluss von Bevölkerungs-Gruppen, Diskriminierungen. Netanyahu, so Dekel, gibt Diesen Anerkennung. Strache & Co lieben Juden, so Dekel, um ihre rassistische Ideologie zu legitimieren (aber sie bekommen ja Anerkennung, nicht nur von Netanyahu). Bolsonaro hat nach einem Besuch von Yad Vashem25 gesagt, der NS sei eine linke Bewegung gewesen. Die Auslagerung von Holokaust-Gedenken an Linke sowie Moslems ist gang und gäbe.

Der homophobe, antisemitische, frauenfeindliche, demokratieunfähige Moslem auf der einen Seite, auf der anderen Seite der aufgeklärte Deutsche, als Teil eines “freien, überlegenen Westens”, der an der Seite der Juden steht… Ein “linker Nationalismus” (man ist aufgeklärt und Intoleranz ist Merkmal der Anderen) hat bei Rechten Einzug gehalten und verbindet gegen „Islam“ und für „Israel“, unterstellt Anderen Verbindungen zum Bösen; nicht mehr die Ablehnung des “Liberalen” sondern dessen Übernahme/Vereinnahmung. Das “Unfreie”, “Intolerante” und “Gewalttätige” wird den Orientalen und Südländern umgehängt, der alte Fremdenhass ist heutzutage aufgepeppt mit Frauenrettertum, Philosemitismus,…  Auch rechte Profilierung gg Linke funktioniert so, also zB „Antisemitismus wurde durch linke Toleranz für Zuwanderung importiert, nur wir haben den Mut, dies anzusprechen..”. Sind der weisse Ritter, der die Fahne des Guten hochhält. Auch Homophobie wird nun so bevorzugt „vergeben“, wie tatsächlicher/ vermeintlicher „AS“, Sklaverei, Holocaust,…

Ein neuer Westen wird definiert, der an der Seite der Juden steht, der Verfolgten,…, der die Antithese zum Faschismus ist, gleichbdeutend mit dem jüdisch-christlichen Abendland ist. Auf diese Weise kann auch das Dilemma zwischen Holocaustaufarbeitung und “white guilt” (“weisser Selbsthass”) gelöst werden, man wälzt ihn bzw die zugrunde liegende Haltung gewissermaßen ab. Broders Geschreibe von „Degenerierten im Westen“ (je 1/3 der Männer sei schwul, impotent, unwillig) und Ähnliches lässt sich vereinbaren mit dem Diskurs vom homophoben Moslem… Der Homosexuellen-Toleranzchauvinismus richtet sich üblicherweise nicht gegen Nicolaus Fest oder Kardinäle, sondern gg. Nicht-Europäer; und wird bei Bedarf ausgesetzt, bei Saudi-Arabien muss man nachsichtig sein (> Missfelder,…), wie bei Israel und seinen Homophoben. Wenn Broder in einem Kommentar über den Anschlagsversuch eines Somaliers auf den Mohammed-Zeichner die “Dritte Welt” und den “Westen” bemüht, geht es natürlich (auch) darum, Anliegen der “3. Welt” und des “Anti-Rassismus” zu diffamieren (bzw Rassismus zu verharmlosen), über den Islamismus, und einen “Westismus” zu formulieren. Ähnlich wird es in diesen Kreisen mit dem Klimawandel versucht (s.u.). Wer Israel kritisiert, ist ohnehin Antisemit, auch wer den Kapitalismus analysiert, die USA-Kritik (z Zt Bush, Trump),… Immer wieder kommt der “Nachweis” einer „verkürzten Kapitalismuskritik“, bzw die “Enttarnung” der Anti-Globalisierungsbewegung als “antisemitisch” (oder: von “Judenhass als Verlängerung antikapitalistischen Denkens”). Dreisätze werden da konstruiert, Umkehrschlüsse behauptet, Lehren propagiert (hauptsache, den Kapitalismus wie er ist26 annehmen), agitiert.

Die v.a. in der USA starken Evangelikalen waren früher antijüdisch, haben sich gewissermaßen über Israel-Begeisterung davon abgewendet, wie bei Rechten üblich. Eine “Rückkehr” der Juden in “ihr” Land werde die “Endzeit” schneller herbei führen, glaubt man dort. Juden werden nur über dem Zionismus gesehen und dieser “vereinnahmt” für eigene Ziele, auch unterstützt. Die Evangelikalen waren in der USA unter Bush junior besonders mächtig; es verbindet sich da Einiges, Pro-Israel-Politik aus religiös-ideologischen Gründen, und aus den Interessen Öl und Einfluss in der Region.27 US-amerikanische Evangelikale, zusammengeschlossen in der Christian Coalition of America, sind mit der Republican Party verbunden (und auch mit offen rassistischen Gruppen) und auch mit Rechten in Europa. Marion Gordon “Pat” Robertson ist einer der Führer der Evangelikalen, trat 1988 für die RP bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftsnominierung an.

Der Televangelist, der von der Southern Baptist Convention kommt, engagierte sich für die “Contras” in Nicaragua, das Apartheid-System in Südafrika, Mobutu in “Zaire”, rief zur Ermordung von Hugo Chavez auf. Und, er kommentierte Ariel Sharons Schlaganfall 06 sei eine Strafe Gottes für die “Aufgabe” des Gaza-Streifens gewesen. Dies wurde ihm auch von zionistischer Seite verübelt, ansonsten hatte man dort kein Problem mit ihm (im Gegenteil), auch nicht dass er den Hinduismus als “dämonisch” bezeichnete, den Buddhismus als “Krankheit”28, die Bürgerrechtsorganisation ACLU mitverantwortlich für die Anschläge in der USA 2001 machte, das Erdbeben in Haiti ’10 als historische Strafe für die Haitianer sah,… Während man bei Pat(rick) Buchanan zB schnell das Etikett “Antisemit” bei der Hand hat(te). Natürlich ist Robertson gg die Teilung Jerusalems, alles gehöre Israel… Erwähnenswert hier ist auch Richard Kemp, britischer Offizier, christlicher Zionist, selbst an der britischen Besatzung von Nordirland oder Irak beteiligt.29

Er gilt als “Terrorismus-Experte”, hat ein Institut, ist wahrscheinlich auch (dick) im Waffenhandel. Und natürlich ist er ein groooosser Israel-Anhänger. Schrieb etwas über das Gaza-Massaker 08/09 (natürlich ein “Freispruch” für die israelische Seite, ohne Infos zu haben) für das JCPA (Jerusalem Center for Public Affairs), stellte dies als Expertise dar.30 Gegen Kritiker kommt er mit “Antisemitismus”-Vorwürfen; angeblich hat er eine Todesdrohung von al Qaida bekommen. Kemp sprach zb am CUFI (Evangelikale)-Gipfel in der USA, rührte einem Teilnehmer zufolge Leute zu Tränen. Er ist führend in der britischen Israel-Lobby, gut vernetzt in der bzw im internationalen Islamophobie/Philozionismus. Aus seinen Vorlieben ergibt sich seine Saudi-Arabien-Apologetik fast von selbst; KSA ist zB der grösste Abnehmer britischer Waffenexporte. “Wir schätzen ihr System nicht aber sie haben Öl und helfen uns gegen Feinde”. Kemp wird zB vom einschlägigen Rebel News (> Sun News) promotet, das das auch mit David Horowitz, Pamela Geller, Daniel Pipes, Robert Spencer, Brigitte Gabriel macht.31

Auf Twitter zeigte sich Kemp ergriffen am Grab von Orde Wingate, jenem evangelikalen britischen Offizier, der 1936 bis 1941 in Palästina “diente”, dabei die zionistischen Milizen ausbildete und unterstützte, auch in Terror-Taktiken. Die Schirrmachers, führende Evangelikale in Deutschland (Deutsche Evangelische Allianz, Lausanner Bewegung,…), begnügen sich mit “Analysen” im “wissenschaftlichen” Gewand. Das organisierte Judentum arbeitet oft mit Evangelikalen zusammen, v.a. in der USA. Dennis Prager ist einer der Ansprechpartner der Evangelikalen unter zionistischen Juden in der USA, er veranstaltet für diese Touren in Israel (Genesis Tours). Zionistische Rechte und christliche Evangelikale haben viele Gemeinsamkeiten, von der Verurteilung der Abtreibung über die Ablehnung Linker bis zur Dämonisierung von Moslems. Auf Youtube ist dieser Prager mit Propaganda-Videos als „prager university“ unterwegs, betreibt auch dort Brückenbau zu Evangelikalen und anderen Rechten im Westen; zB mit dem Video „The suicide of europe“ (> Moslems, Einwanderung, “Appeasement”, “Werte”, Israel,…). Die religiöse Rechte unterstützt Trump, obwohl er zum 3. Mal verheiratet ist und alle 3 Ehefrauen betrogen hat sowie weitere sexuell belästigt. Und, evangelikale “Christen” helfen den israelischen Siedlern im Westjordanland bei der Ernte, zB in der Siedlung “Psagot” bei der Traubenlese.

Zur “Hohmann-Grenze” kommen wir bald, und auch zur Rechten in Osteuropa, dem Nazi-Erbe der Rechtspopulisten in Europa, und Anderem was hier relevant ist. Evangelikale jedenfalls kennen sich mit religiösem Fanatismus aus, wie Islamisten maßen sie sich an, zu wissen, was “Gott” will. Der Hurrikan “Katrina” wurde zB in diesen Kreisen häufig als “Strafe Gottes” dargestellt, auch die Anschläge in der USA 2001. Mit ihrer proisraelischen und antimoslemischen Ausrichtung sind sie über AS “erhaben”, auch wenn sie diesen früher “hochhielten”. Evangelikale sind (wie Islamisten) gg Homosexualität, halten diese in der Regel für “sündig” und “krank”. Dennoch treffen sich diese rechten (Philo)Zionisten mit den (pseudo)linken Zionisten (wie den “A”D), solche Querfronten gab es zB bei Demonstrationen auf denen israelische Aktionen gegen Gaza begrüsst wurden, immer wieder, etwa wenn sich bei einer Demo Leute der PBC (Partei Bibeltreuer Christen) und dem BAK Shalom der Linken fanden.

Es gibt aber Stolpersteine in der Zusammenarbeit von Evangelikalen und Zionisten. Hier kommen wir nochmal zum “alten Antisemitismus”. Karfreitag, das Gedenken an die Kreuzigung Jesu’, war in früheren Jahrhunderten für Juden oft gefährlich. Die Kreuzzüge nahmen sich zuerst Juden vor, zB zu Beginn des ersten im Rheinland; sahen diese als nahe bei den Moslems. Und End-Ziel der Evangelikalen ist die Mission bzw Konversion der Juden. Mit Christen unter arabischen Völkern haben die Evangelikalen ein kleines Problem – das sie zu lösen trachten in dem sie diese gegen ihre moslemischen Landsleute aususpielen versuchen. Wobei die grössten christlichen Konfessionen unter den Palästinensern Orthodoxe, Melkiten und Katholiken sind und diese für die meist baptistisch, methodistisch, presbyterianisch, calvinistisch geprägten Evangelikalen ohnehin kaum als “echte” bzw “gleichrangige” Christen wahrgenommen werden.

Broder traf sich bei einem seiner Wien-Besuche in den letzten Jahren mit dem ehemaligen Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Bezüglich “Islam” waren sich die Herren einig, Laun sagt(e) dazu, Christen sollten alles tun, die Moslems “mit Jesus Christus bekannt zu machen”, und der Staat solle “die schützen, die Christen werden wollten”. Und man solle “christliche Einwanderer ins Land zu holen”, weil sonst “die Moslems aus Europa ein durch und durch islamisches Land machen” werden. Christliche Schwarzafrikaner zB? Da werden Laun und seine “Schäfchen”, die schon mit Osteuropäern “überfordert” sind, eine Freude haben.32 Oder palästinensische Christen wie Edward Said und Azmi Bishara. Die Rolle des „Christentums“ im „Nahost-Konflikt“ und „Konflikt der Kulturen“… Der ehemalige südafrikanische anglikanische Bischof Desmond Tutu war entschiedener Anti-Apartheid-Kämpfer und auch Kritiker israelischer Politik ggü den Palästinensern. Der von Zionisten oft angefeindete Tutu beklagte auch die Intoleranz bzgl solcher Kritik: “The Israeli government is placed on a pedestal [in the US] and to criticise it is to be immediately dubbed anti-Semitic“. Dudu Masango-Mahlangu vom South African Council of Churches zu Israels kürzlichen Attacken auf den Gaza-Streifen.

A propos, dass Laun gesagt hat, Homosexuelle seien „irgendwie gestörte Männer und Frauen, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren“, hat Broder natürlich nicht gestört. Und jene, mit denen Broder bei Stopthebomb dropthebomb auftreten, die Diskriminierungen von Homosexuellen in Iran in ihrer Pro-Israel-Rhetorik verwenden…? Ja, Christentum kann unterschiedlich konnotiert sein, von den brennenden Kreuzen des KKK bis zur Befreiungstheologie. Und, israelische Rechtspolitiker treten zwar gerne mit Evangelikalen auf, manchmal zerreissen sie aber auch die Bibel.33 Und die FPÖ beschwört zwar auch das “christlich(-jüdisch)e Abendland”, der Tiroler FPÖ-Abgeordnete Werner Königshofer hat in einem offenen Brief an den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn (nach dessen Kritik an FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz34) gemeint, Schönborn solle sich besser um “warme Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder” kümmern.35

Das „Experiment Bundesrepublik“ ist gelungen, nicht trotz der alten Nazis, sondern wegen ihnen, die (in unterschiedlichen Läuterungsstufen) nahtlos in ein neues Mitläufertum über gingen. Westdeutsche “NS-Aufarbeitung” fand in Form von Unterstützung der (und Orientierung zu) USA und Israel statt. Besonders “Russland-Experten” aus SS, Wehrmacht, Gestapo,… wurden in bundesrepublikanischen Staatsorgane übernommen, der “Feind Nr. 1” war ja der gleiche geblieben. Hinter “Antikommunismus” und Israel-Begeisterung konnten sich so manche Kontinuitäten behaupten. Es war wahrscheinlich Micha Brumlik, der gesagt hat, “Israel bedurfte der BRD für Geld und Waffen, und die BRD bedurfte Israels und der Juden, um zu zeigen, dass sie mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gebrochen hatten.” Gehlens BND (bzw die Vorläuferorganisation) arbeitete mit dem Mossad zusammen, Verteidigungsminister Strauss begann die militärische Zusammenarbeit der BRD mit Israel,… Israel wurde auch Projektionsfläche für Deutsche, auch für eigene national-politische Sehnsüchte. Die Springer-Medien entdeckten es für eine Art deutschen Ersatz-Nationalismus.

Mit Beginn der Berliner Republik sowie der Islamkrise wurde das noch massiv verstärkt, dann kamen noch Wirtschaftskrise und Flüchtlingsansturm. Der israelisch-deutsche Historiker Moshe Zuckermann schrieb in “Der allgegenwärtige Antisemit” (2018 erschienen): „So wird Israel von solchen Pseudo-Philosemiten nicht in seiner Wirklichkeit wahrgenommen, sondern vor allem als Projektionsfläche ideologisch verformter deutscher [rechter wie linker] und auch jüdisch-zionistischer Befindlichkeit. Sollte sich etwa die abstrakte Solidarität mit einem völkerrechtlich verkommenen und verbrecherischen Israel als eine psycho-ideologisch motivierte Entlastung der historischen Schuld der Deutschen erweisen?“ Philozionismus besorgt gleichzeitig eine vermeintliche Holocaust-Wiedergutmachung, das Finden eines neuen Deutsch-Nationalismus, hilft bei einer politisch korrekten Xenophobie (Ablehnung wird gerne über “Rückständigkeit” zB der Palästinenser begründet, welche sich etwa in deren “Antisemitismus” zeige), das Finden eines neuen Platzes an der Sonne,…

Gunnar Heinsohn, der „Völkermord-Forscher“, schreibt passenderweise auf Broders “Achse des Guten” und für “Junge Freiheit”, sichert sich ab mit Teilnahme an der Holocaust- und Antisemitismus-“Forschung”, durch Anlehnung an die Anglo-Westmächte; ähnlich wie bei Sarrazin sind bei ihm nicht nur Moslems, auch so ziemlich alle anderen Nicht-Weissen/ Nicht-Europiden die “Unnützen”, Juden werden positiv beurteilt. Die (deutsche) Pro-Israel-Querfront, von Pseudo-Links zu Offen-Rechts… Der Philo-Zionismus ist eine Art Ersatz für Deutsch-Nationalismus bzw eine Form davon geworden. Von rechts bis links, wobei die “Anti”deutschen ohnehin früher oder später bei “Springer” landen (und Springer-Leute gelegentlich bei AfD, manche “Anti”deutsche auch direkt zur AfD). Siehe Osten-Sacken, Fest, Maul. Bei Ersterem sind Bestrebungen zur Umgestaltung “der Region” (welche wohl) und deutsches Mitmischen dabei schon ziemlich offen…der Übergang von negativer Deutschtümelei zu positiver.

Der deutsche Landser konnte nach seiner Abrüstung ein Bewunderer der israelischen Armee werden und pro-amerikanisch und ein Teil des freien Westens, ohne Läuterung; und seine Kinder und Enkel „Antisemitismus-Experten“; für die Palästinenser gab es seit den 1920ern eine „handfeste“ Konfrontation mit „dem Judentum“, mit den „Meilensteinen“ 1948 und 1967, auch für Ägypter und Nachbarn Palästinas seit 1948. Der israelischen Armee (oder alternativ den US Armed Forces) gilt die militärische Begeisterung der Deutschen heutzutage, und ihrem Aufräumen mit den Feinden der freien Welt. “Claudio Casula” vulgo Rolf Behrens macht “spiritofentebbe”, schreibt auch bei “hagalil”, “achgut”, “diejüdische”, “honestlyconcerned”,… Ja, Entebbe und die Heldentaten der israelischen Soldateska. Und dann erst die bei der Partisanen-Bekämpfung. Zu Einheit 101 oder Sayeret Matkal kann man eben noch aufschauen. “101”-Held Davidi (aus Bessarabien) war der Erfinder von Sar-El, wo auch “Feliks” aus Bayern (> Teil I) Wehrsportübungen machte. Der “Anti”deutsche Thomas Ebermann ist dagegen, dass die Nachfahren vertriebener Palästinenser (bzw ein Teil davon) zurückkehren können, Israel habe als “Fluchtpunkt für antisemitisch Bedrängte” da zu sein, so der Deutsche.

Der “Kampf gg Antisemitismus“ findet in “Gross-Deutschland” gewöhnlich über andere Rassismen statt. Und, es hat sich längst eine Absolution etabliert, zwischen deutschen (seltener auch österreichischen) Stellen und zionistischen (können auch Journalisten/Publizisten in Deutschland sein…), es wird Einem Holocaust-Aufarbeitung/Wiedergutmachung bescheinigt (Sünden erlassen), wenn man Zugeständnisse an Israel macht, zB dort nicht universelle Standards (v.a. bei der Behandlung der Palästinenser) anzulegen. Man kann sich dabei über Moslemophobie treffen, die sind ja quasi in beiden “Ländern” die Ärgermacher. Die politisch korrekte “Xenophobie”. Von Teilen der jüdischen Gemeinde Berlin wurde mal die “Wiedervereinigung Jerusalems und Berlins” gefeiert… deutscher und jüdischer bzw zionistischer Chauvinismus in Eintracht. In den Fällen beider Städte ist die Antwort auf die Frage, warum sie geteilt wurden (1945 bzw 1948), ergiebig. Ja, natürlich wegen den bösen Russen und bösen Arabern. Besonders unter Merkel bzw Netanyahu wurde die “Zusammenarbeit” der Staaten in neue Höhen katapultiert…gemeinsame Kabinettssitzungen, Waffenlieferungen sowieso, geheimdienstliche “Kooperationen”, im Technologiebereich,… Deutschland verspricht, sich für Israel (gg Palästinenser) auf allen Ebenen einzusetzen, falls es einen einen Sitz im UN-Sicherheitsrat bekommt…deutsche Botschaften sollen auch für Israelis da sein,… Und immer wieder “Staatsräson”, „immerwährende Verantwortung”,…

Hegemoniale Teile aller deutschen Parteien sind pro-zionistisch ausgerichtet, das ganze Spektrum von Gauland bis Kipping. Ausländerfeindlichkeit hat sich vielfach mit Pro-Israel/Anti-Islam verbunden. Merkel wurde ja Feindbild der ganz neuen Rechten, wegen der Politik während der Flüchtlingskrise, über sie finden sich im IT Kommentare wie „Danke! Merkel. Gern würde ich lesen, dass Merkel Opfer einer Massenvergewaltigung wurde! Dann würde ich mich ebenfalls sehr gern bedanken!“. Wobei bezüglich Fremdenfeindlichkeit mal Integration und Vermischung das Bedrohliche war (und zT noch immer ist), auch wenn der Diskurs heute so läuft, dass die sich nur integrieren müssten, keine Parallelgesellschaften bilden. Man tut so, das Problem bestünde darin, dass Türken in ihre eigenen Lokale gehen anstatt in deutsche, obwohl es für Manche (noch immer) darin besteht, dass (wenn) Türken in deutsche Lokale gehen. Das schön-im-eigenen-Milieu-bleiben war einmal ein Imperatif. Fremdheit bzw Anfremdung trotz völliger Anpassung musste Joma Mangold erfahren, deutsch-nigerianischer Journalist. Die Sündenbock-Rolle ist von den Juden weg gewandert;36 der “Antisemitismus” der in Deutschland ausgemacht wird, ist meistens eine Kritik an israelischer Politik, die zu diffamieren versucht wird.

Antisemitisch bzw antijüdisch war zB die Schändung der kurz zuvor wieder eröffneten Synagoge in Köln zu Weihnachten 1959, durch zwei Mitglieder der Deutschen Reichspartei (DRP). Sie beschmierten die Synagoge Köln mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Deutsche fordern: Juden raus“. Es folgte eine Welle ähnlicher Schmierereien in der ganzen BRD, 59/60. Die Stasi soll in Wirklichkeit dafür verantwortlich sein, wird behauptet. Es handelt sich jedenfalls in der BRD um keinen “Antisemitismus ohne Juden” mehr, den gab es in der alten BRD, bevor Einwanderung aus der Ex-SU, Israel, Polen,… einsetzte. Jesse schrieb, Juden seien in der BRD vielfach privilegiert, in “Philosemitismus, Antisemitismus und Anti-Antisemitismus” (1990)37, zB durch die Befreiung vom Wehrdienst. In Thilo Sarrazins 2010 erschienenem „Deutschland schafft sich ab“ werden Juden zu den Guten eingeteilt, den schlechten Moslems gegenüber gestellt – womit er in Deutschland “freie Fahrt” hatte.

Der scheinbar mit Zahlen und Daten unterfütterte Text thematisiert ja nicht nur Zuwanderer nach Deutschland, er qualifiziert zB auch die Aufstände des Arabischen Frühlings ab, über die Akademiker-Quote von Einwanderern dieser Länder in Deutschland.38 Und, er thematisiert Rasse, Gene,… Von ZdJ (unter Graumann) gab es deshalb ein bisschen Protest, wohingegen Broder oder NPD Sarrazin lobten. Chaim Noll und andere Israelis verteidigten auch Sarrazin. Noll: “Die verschreckte Reaktion der deutschen Zentralrats-Funktionäre auf das Wort ,Gen’ findet in Israel wenig Verständnis. Ein Tabu, jüdische Identität mit Genetik in Zusammenhang zu bringen, besteht hierzulande nicht. An den israelischen Universitäten wird auf diesem Gebiet intensive fachwissenschaftliche Forschung betrieben, in zunehmendem Ausmaß.” PI wie auch deutsche Philozionisten feierten Nolls Aussagen, mit denen er sogar Recht hat…bezüglich Israel ist man so ethnonationalistisch wie möglich und wenn es um die Diaspora-Juden geht… In der “Diaspora” ist es ein Tabu, über jüdische Gene bzw Juden als Ethnie zu reden, in bzw bzgl Israel dreht sich alles um Juden als Ethnie! Diese 2 Naturen werden uns noch begegnen, in diesem Text.

Sarrazins nächstes Buch: gegen den Euro, gegen Hilfe für “Schwache” in der EU (hauptsächlich Griechenland), diese sei aus dem schlechten Gewissen wegen dem Holocaust motiviert. Bei Sarrazin sieht man, wie (pseudo-progressiv argumentierte) Islamophobie mit Anderem gepaart ist, und dass Israel-Fantum gerne das Feigenblatt oder die Legitimation für sehr Rechtes ist, nicht zuletzt in Deutschland… Im Windschatten von Sarrazin kamen Kristina Schröder (Köhler) die seine Behauptung von moslemischer Deutschenfeindlichkeit aufgriff, Seehofer mit einer Forderung nach Zuwanderungsstop für Türken und Araber, Merkel die “Multikulti” für gescheitert erklärte und sagte „moslemische Gewalt darf kein Tabu sein“. Kristina Köhler (die unter Angela Merkel zur Bundes-Ministerin wurde) ist eine jener, die einen neuen Deutsch-Nationalismus ausleben wollen ohne Ewiggestrige zu sein (bzw diesen weisswaschen, relaunchen), über Anti-Islam und Pro-Israel, Instrumentalisierung von “Antisemitismus“. Tenor wurde: Man muss ES sagen dürfen, die Faschismuskeule sei gemein, es gäbe einen „Tabu-Katalog der politisch korrekten Meinungsdiktatur“,…

Wenn es um Saudi-Arabien geht, befürwortete zB Philipp Missfelder (auch ein proisraelischer CDU-Rechtsaussen) dann doch Tabus; weil: Saudi-Arabien sei für Israel wichtig; und als Abnehmer für die deutsche Rüstungsindustrie, deren Lobbyist Missfelder war. Also nicht zu streng sein mit deren “Innenpolitik”, und auch nicht mit ihrer Aussenpolitik (ansonsten spielte er ein bisschen den “Menschenrechtler”). Gegenüber der Linken versuchte er sich mit „Antisemitismus“-Inquisitionsheuchelei zu profilieren (“Israel-Kritik” betreffend). Den Pöbel verachtend (Kommentar über Hartz-IV-Bezieher), einen Krieg gegen Iran befürwortend, hat sich Missfelder auch ggü Putin als jemand gezeigt, der ggf pragmatisch über Manches hinweg sieht (obwohl er im Ukraine-Konflikt natürlich gegen Russland Stellung bezog).39 Hans-Georg Maassen, BfV-Chef (12-18), nun im BMfI, ebf CDU-Rechtsaussen (mit Berührungspunkten zur AfD), nannte Edward Snowden einen „Verräter“ und möglichen russischen Agenten, pries die USA (welche???) bzw die Freundschaft zu ihr. „Likte“ einen “NZZ”-Artikel in dem moniert wird, dass es in manchen deutschen Städten nur noch eine relative Mehrheit von „echten Deutschen“ gegenüber Leuten mit Migrations-Hintergrund gibt. Broder muss über ihn ja ganz entzückt sein.40

Als es 2018 in Chemnitz im Rahmen von Protesten (bei denen öfter der Hitlergruss gezeigt wurde) Ausschreitungen von Rechtsextremen ggü Ausländern kam, verharmloste er diese, wie auch Gauland und Seehofer. Knapp zwei Wochen danach griffen „mutmaßlich“ Neonazis ein jüdisches Restaurant in Chemnitz an. Innenminister Horst Seehofer hat ’18 die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet (> Engländer Nordamerika, Juden Palästina,…). Die CSU (AfD light) sieht den Kampf gegen den politischen Islam als „grösste Herausforderung unserer Zeit“ an (Leitantrag für den Parteitag ’16). So wie früher der gegen den Kommunismus, bei dessen Bekämpfung man sich auch mit Islamisten zusammengetan hat, auch mit Unterstützung der CSU, Politikern wie Otto (von) Habsburg. Die CSU-Gründer (Franz J. Strauss,…) mussten einst ihre Bekämpfung der SU (in Uniformen der Wehrmacht) nur um-deklarieren, nun in Anzügen als Politiker der BRD durchführen. An der Seite eines “freien Westens”, von der „Hauptstadt der Bewegung“ aus (wo Hitler seinen Aufstieg begann), im NS-Kernland. Die unzerstörte „Alpenfestung“ wurde von den Amerikanern „befreit“, bzw hat eleganter als Berlin die Seiten gewechselt. Schön, dass dann Hamed Abdel-Samad in einem Vortrag vor Vertretern der Jungen Union Bayerns darüber redet, dass „die arabische Welt verseucht ist mit Antisemitismus“, da kann man seine Nase rümpfen und sich auf der “richtigen Seite” wähnen.

Wenn wir zum Schulterschluss von alten Konservativen mit der neuen Rechten kommen, ist Martin Hohmann nicht weit. Hohmann sagt, als CDU-Abgeordneter, 1999, in einer Ablehnung des Holokaust-Denkmals, “Kein Land hat Verbrechen in seiner Geschichte aufgearbeitet und bereut, Entschädigung und Wiedergutmachung geleistet wie wir….”. Ein ander’ Mal stellte er die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, die Zahlungen an die EU sowie die Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter während des NS-Regimes und an die jüdischen Opfer des Holocaust angesichts der schlechten Wirtschaftslage zu verringern. Dann seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003, die “antisemitisch” bewertet wurde (“Hohmann-Affäre”), und zu seinem Parteiausschluss 2004 führte. Es ging dabei hauptsächlich um die Rolle von Juden im Kommunismus in Osteuropa, dabei hat er auch Henry Ford angeführt. 2016 wurde Hohmann als Parteiloser über die Liste der AfD in den Kreistag seiner Heimatstadt Fulda (Hessen) gewählt und trat der Partei anschliessend bei. Nach der Bundestagswahl 2017 zog er als AfD-Abgeordneter wieder in den Bundestag ein.

Die Hohmann-Grenze, ihr Überschreiten, die deutsche Rechte (zB Werte Union der CDU) und die AfD… Auch für die AfD ist der Komplex aus Holocaust-Wiedergutmachung/Aufarbeitung/Reue, deutscher Schuld, Kommunismus und Rolle der Juden darin ein zentraler und einer wo man sich “leicht die Finger verbrennt” (genau so wie ein deutscher Ethno-Nationalismus), wo es zu Spaltungen innerhalb der Partei kommt, Abspaltungen von ihr, wo das selbst auferlegte “Tabu brechen” auf Grenzen stösst. Broders Westismus ist selbstverständlich auch anti-kommunistisch affirmiert, aber hier kommt auch seine Förderung/Toleranz für Rechte an ihre Grenzen. Vera Lengsfeld, in der DDR sozialisiert, ist heute so rechts dass sie Autorin der AfD-nahen Internetzeitung „Die Freie Welt“ ist, Verteidigerin von Martin Hohmann, auf Broders “Achse des Guten” (die ideologischen Anforderungen dafür erfüllt sie). War Initiatorin der gegen die deutsche Einwanderungspolitik gerichteten „Gemeinsamen Erklärung 2018“ (Erstunterzeichner Broder, Sarrazin, Matussek, Herman, Tellkamp, Flaig,…). In Deutschland gebe es einen „Gesinnungskorridor zwischen gewünschter und geduldeter Meinung“. Es unterschrieben auch andere “Achgut”-Leute wie Wendt, Leute aus dem Umfeld von IfS/„Junge Freiheit“/Antaios/… wie Karlheinz Weissmann oder Thorsten Hinz (riet in der “JF” von einer „Holocaust-Religion“ ab, den Terminus stufte Clemens Heni als „antisemitisch“ ein…), Leute aus dem Umfeld der AfD wie Max Otto (ein “Transatlantiker”) oder Michael Klonovsky (schrieb, „Anton Maegerle“ vulgo Gernot Modery arbeite für linksextremistische Periodika), aus dem Umfeld der Springer-Presse wie Heimo Schwilk41, der Politikwissenschaftler Bassam Tibi (wurde ja auch Objekt von Leuten wie Wolfgang Sobotka), Martin Semlitsch von den österreichischen Identitären, der Autor Frank Böckelmann („globaler Siegeszug eines dunkelhaarigen und kaffeebraunen Standardmenschen in einer einheitlichen Weltkultur”), der Historiker Jörg Friedrich („kontroverse neue Sicht“ auf Kriegsschuld, Kriegszweck und Kriegsausgang, zunächst mal bzgl 1. WK), der Autor Jörg Bernig (die Bundesregierung plane aus antideutschen Motiven einen Bevölkerungsaustausch mit anderen Ethnien und Religionen),…

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland begrüßte die Erklärung; ebenso tat dies Götz Kubitschek. Der Schauspieler Uwe Steimle liess sich streichen, er ist zwar PEGIDA/AfD-nahe, übt aber Kritik an USA und Israel > es stellt sich die Frage ob Steimle eine Belastung für die Erklärung ist oder das Unterzeichnen dieser etwas Peinliches über Steimle aussagt. Frank Böckelmann ist zwar ein Niemand, aber in diesem Zhg verdient seine Haltung Beachtung. Er vertritt einen antiuniversalistischen Standpunkt. Er spricht den “Dunkelhaarigen” und “Kaffeebraunen” das Recht und die Fähigkeit ab, mit “Postulaten der europäischen Aufklärung die Verständigung der Weltteile untereinander zu regeln”. Ist einer jener, bei denen man sich fragen muss, ob sie aus Abneigung ggü Islam/ismus eine neue Rechte mitbauen, oder ob Islam/ismus die alte Rechte zu einer neuen „aufpeppt“. Und ein Anderer der Genannten: die Bundesregierung plane aus antideutschen Motiven einen “Bevölkerungsaustausch mit anderen Ethnien und Religionen”. Die sich so nennenden “Anti”deutschen behaupten ja, dass sie die “westliche Aufklärung” den “Kaffeebraunen” bringen wollen. Und was “Transatlantiker” in dem Zhg mit diesem Milieu (und überhaupt im deutschen Konzext) bedeutet, dazu unten noch mehr.

In der AfD gibt es einen “gemäßigten” und einen “rechtsaussen” Flügel. Also jene, die Frauen- oder Schwulenrechte politisch korrekt gegen Moslems in Stellung bringen und jene die sich lieber der Hohmann-Grenze annähern. Wobei Alice Weidel ja auch Sinti/ Roma als „kulturfremde Völker“ bezeichnet, von denen „wir überschwemmt werden“. In der selben Email hat sie die deutsche Regierung als “Marionetten der Siegermächte des 2. WK” bezeichnet, mit der „Aufgabe, das deutsche Volk klein zu halten“. Im EP-Wahlkampf 19 äusserte sie sich dann lobend über Trump, seinen Wahlkampf zum Präsidenten einer dieser Siegermächte. Bezüglich der Klimakrise verleugnet sie die Realität. Als Broder in der AfD-Fraktion zu Gast war, hat er die Äusserungen über die Siegermächte ihr ggü nicht angesprochen, davon darf man ausgehen, auch dass ihn das Andere von Weidel nicht stört. Sie trifft sich mit Broder und der Süd-Tiroler Freiheit, man darf sich fragen wer weiter rechts ist.42

Kein Spitzenmann der AfD steht so weit rechts wie Björn Höcke, heisst es. Er lehnt den derzeitigen Umgang mit dem Holocaust und manches Andere in der BRD ab, kritisierte (17) das Berliner Holocaust-Mahmmal und deutsche Schuld-Kultur. Die Politikwissenschaftler Marc Grimm und Bodo Kahmann (Grigat-Speichellecker) nannten Höcke einen „weltanschaulich gefestigten Antisemiten“ und „attestieren“ seinen Äußerungen eine „antisemitische Feindbildkonstruktion“, die seiner „völkischen Agitation inhärent“ sei. So habe Höcke Christentum und Judentum als „Antagonismen“ bezeichnet und eine „überschwänglich formulierte Leseempfehlung“ für ein 2015 erschienenes „antisemitisches Pamphlet“ von Wolfgang Gedeon abgegeben, auch über Höckes „Antiamerikanismus“ würden „antisemitische Bedeutungsinhalte transportiert”. Der „Nahostexperte und gefragte Publizist“ (Wiener Akademikerbund) hat ein Buch über AfD & FPÖ herausgebracht, über “Antisemitismus”, “völkischen Nationalismus” und “Geschlechterbilder” in ihr, also eine Pseudokritik, die über Verschiedenes hinweg täuschen soll…hauptsächlich, wo es dann gemeinsame Schnittmengen gibt, bezüglich Feindbildern,… Es ist die selbe Pseudoabgrenzung und Verdrehung, die Küntzel einst ggü Breivik vornahm (gewissermaßen in Broders Namen). Broder (Dropthebomb-Teilnehmer natürlich) war Anfang 19 bei der AfD im Bundestag, auf deren Einladung, Kritik daran machte ihn wieder zum “Opfer” (wie nach dem Breivik-Lob für ihn). Um das „miteinander reden…“ sei es gegangen, und gegen die angebliche „Political Correctness“, auch um die Klimawandel-Leugnung (> unten).

AfD-Spitzenmann Gauland verlangte ’17 bei einem Treffen der AfD-Strömung “Flügel” (Höcke, Meuthen,…) eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen, einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit. Gauland 18 bei einer Tagung der AfD-Nachwuchsorganisation in Thüringen: „Hitler und die Nationalsozialisten sind nur ein Vogelschiss in 1 000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. In einem Text für die “FAZ” hat Gauland, der PEGIDA als „natürliche Verbündete“ seiner AfD sieht, eine “Heimatlosigkeit der Eliten” angeprangert, eine “globalistische Klasse” gebe “kulturell und politisch den Takt vor”, ihre Mitglieder fühlten sich als Weltbürger in einer “abgehobenen Parallelgesellschaft”,…43 Wolfgang Gedeon gehört ebenfalls zum rechten Flügel der AfD, äusserte sich zu den “Protokollen der Weisen von Zion”, zum Holocaust, äusserte auch IL-Kritik. Sachsen-Anhalt-LT-Abg. Marcus Spiegelberg (AfD) wurde aus einer Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht 38 in Weissenfels geworfen; er sei auch deshalb so fassungslos, sagt Spiegelberg, weil der Rauswurf ihm indirekt Antisemitismus unterstelle, dabei fühle er sich “dem jüdischen Volk als Christ sehr verbunden, und das jüdisch-christliche Abendland ist für mich keine Phrase”. Er bekomme seither pausenlos Solidaritätsbekundungen. Vielleicht sollte er sich lieber um konkretere Probleme kümmern.

Der Politiker Heinrich Fiechtner, ein Evangelikaler, tritt für die „klassische Ehe mit Familie“ ein, verglich den Koran mit „Mein Kampf“, sieht Antisemitismus als “faule Wurzel” der Partei, ist sehr proisraelisch, gg IL-Kritik (schlug vor, sich in der Präambel der Fraktionssatzung zum „Existenzrecht Israels“ zu bekennen), hat auch die Fahnen von Israel und Deutschland überkreuzt am Revers. Der Abgeordnete zum Landtag von Baden-Württemberg trat ’17 hauptsächlich wegen Gedeon aus der AfD aus. Er würde gerne Einiges als “antisemitisch” deklarieren und einen Deutschnationalismus über “Israel-Solidarität” fördern. Nach dem Anschlag kürzlich in Halle44 schrieb der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Roland Ulbrich auf Facebook: “Was ist schlimmer, eine beschädigte Synagogentür oder zwei getötete Deutsche?”. Michel Friedman zu Halle: „Judenhass und Menschennhass haben bei der AfD eine neue Heimat gefunden”. AfD-Abgeordneter Brandner tweetete über Friedman („Koksnase“), re-tweetete ausserdem über die Opfer und Politikergedenken vor Moscheen und Synagogen (in die selbe Richtung wie Ulbrich), rief scharfe Reaktionen hervor.

Dieses Jahr wurde die Bundes-Vereinigung “Juden in der AfD” (JAfD) gegründet. Voraussetzung für eine Aufnahme in die Vereinigung sei neben der AfD-Mitgliedschaft eine ethnische oder eine religiöse Zugehörigkeit zum Judentum, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fuhl. Fuhl hat sein Mitwirken in der AfD mit dem “Fallout” des israelischen Gaza-“Feldzugs” 2014 begründet, Demos in Deutschland, die seiner Auffassung nach “antijüdischen” Charakter gehabt hätten. Hier stellt sich die Frage, ob wirklich Juden (wie Fuhl) für das israelische Vorgehen “verantwortlich” gemacht wurden (zum “Handkuss” kamen) oder ob Juden wie er die Gegnerschaft zu diesem Vorgehen als gegen Juden bzw sich gerichtet auffassten, aus Solidarität mit Israel… Wer stellt(e) die Verbindung Israel-Juden her, darum ging es auch schon im 1. Teil. Die 2 000 getöteten Palästinenser waren auf keinen Fall Opfer, soviel ist mal klar… Und der/die überbordende(r) Rassismus und Hetze von israelischer und proisraelischer Seite während dieses “Kriegs” ist schon gar kein Thema. JAfD-Vorsitzende Vera Kosova sagte, die AfD distanziere sich von Antisemitismus in jeglicher Form. Mit dabei von der Partie ist auch Michael Kühntopf, wie der im 1. Teil dieser AS-Behandlung genannte Grünewald zionistisch-chauvinistisch auf der deutschen Wikipedia unterwegs und ein Konvertit.

Auf der wikipedia wurde er oftmals gesperrt, wegen Regelverletzungen, hat sich unter neuen Pseudonymen immer wieder registriert (“Ba Tofelet gavohot”,… ), zur Zeit dürfte er dort als “shlomohamelekh” (König Salomon…) unterwegs sein. Es gibt nun auch einen Artikel auf dieser Wiki über ihn, als ob er eine bedeutende Persönlichkeit wäre, und vermutlich ist es ein unkritischer. Der in der Schweiz lebende deutsche Theologe macht Jewiki, rief (natürlich) zu Wahl der AfD auf. Über seine Facebook-Seite teilt Kühntopf Slogans und Verschwörungstheorien von rechten Wutbürgern und Rechtsextremen; er ist einer jener Deutschen, für den Islam das Böse und Israel das Gute ist.45 Ja, was (wer) sind wohl die Feindbilder von den AfD-Juden? Prominente Vertreter der jüdischen Öffentlichkeit in Deutschland wie Charlotte Knobloch und Michel Friedman bekundeten über die JAfD-Gründung Befremden, taten so als ob “da” Welten dazwischen wären.

Mosche Zuckermann: “…ein humanistisches, antirassistisches, demokratisch-tolerantes Bild der Juden wird da gerade von jenen heraufbeschworen, deren menschenfreundliche Emphase merklich verblasst, wenn es um die Verurteilung der über 50 Jahre andauernden Knechtung der Palästinenser durch den israelischen Staat geht. Im Gegenteil, sobald sich jüdische (und andere) Kritiker zu Wort melden, die die israelischen Verbrechen in den besetzten Gebieten, die brutale fortwährende Verletzung von Menschenrechten und dem Völkerrecht, verurteilen, werden sie von diesen Vertretern der jüdischen Verbände in Deutschland des Antisemitismus geziehen und als ‘sich selbst hassende Juden’ verleumdet.” Man liest über die Skepsis aus dem ZdJ ggü der AfD das, was man auch von IKG über die FPÖ-Annäherung liest, es sei (“noch immer”) viel “Antisemitisches” in der Partei, auch dass Juden dort als “Feigenblatt” benötigt werden, seltener wird die Skepsis mit der antimoslemischen und rassistischen Hetze der AfD begründet; und etwas Kritisches darüber, wie der Israel-Diskurs bei dieser Partei läuft, kommt nur von Aussenseitern wie Zuckermann.

Während Israel-“Kritik” ausgewälzt wird, zerlegt, diffamiert, mit Antisemitismus und Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht…bleiben diese Botschaften äusserst blass. Michael Wolffssohn hat die Gründung der JAfD gar als „Akt der Verzweiflung“ erklärt, als „Notwehr“,  weil die Gesellschaft allzu passiv sei gegenüber „moslemischen Antisemitismus“. Dass Juden auch aus puren Ressentiments, aus Chauvinismus und Rassismus zB gegenüber Arabern oder Türken, handeln könnten, will er nicht wahrhaben bzw verzerren. Der deutsch-israelische Historiker Wolffsohn, der sich gedanklich auch für Folter erwärmen kann, schwimmt meistens mit dem zionistischen Strom, zB schwang er zur Zeit des Gaza-Massakers 14 die “AS”-Keule. Er “anerkennt” manche Anliegen deutscher Rechter, zB die Anerkennung der deutschen Vertriebenen als Opfer – ob Wolffsohn auch ein Fall für die JAfD ist? Für die “Die Welt” schrieb er einen Nachruf auf Scharon, der “allen aus der Mode gekommenen Militaristen und Chauvinisten vor strahlendem Patriotismus das Wasser in die Augen treiben musste” (transatlantikblog.de). Tja, und Rafael “Rafi” Eitan, ehemaliger Mossad-Mann, nicht der Militär gleichen Namens, später wie dieser auch in der Politik, hat lobende Grussworte an die AfD gerichtet (muss kurz vor seinem Tod gewesen sein).

Da ist wieder die Graumann-Noll-Dichothomie (s.o.)… Bezüglich vieler israelischer Parteien46 ist die AfD (mit oder ohne Juden) ja wirklich beinahe linksliberal. Zuckermann: “An Rassismus, Xenophobie, Araberhass und rabiater Volksverhetzung kann es Israels politische Kultur allemal mit der AfD aufnehmen, und zwar nicht nur ‘auf der Straße’, sondern auch – und gerade – in der Sphäre der hohen Politik. Von der zunehmenden Faschisierung der israelischen Politstrukturen sei hier geschwiegen.” Abraham Melzer: “Ganz abwegig wäre ‘Juden in der AfD’ oder ‘Juden in der NPD’ nicht, wenn man sich die Skala des Rechtsextremismus bzw. des National-Zionismus ansieht. Da gibt es in diesen politischen Anschauungen schon Übereinstimmungen. Denken wir an Minister wie Bennet, Shaked, Lieberman, .. so wären dies ‘Juden’, die selbst die AfD nicht nehmen würde; aber bei der NPD hätten solche rechtsradikale Minister allerdings gute Chancen.” Es gibt aber die Propaganda (bzw “Denkschule”), der zufolge die AfD eigentlich auch “antisemitisch” ist, Juden also auch ihr “Opfer”.

Samuel Salzborn behauptet “Die AfD hat ein rein instrumentelles Verhältnis zu Juden, man will den massiven Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus in der Partei mit der Gründung dieser Minigruppierung ‘Juden in der AfD’ kaschieren”. Tja, Kühntopf & Co sehen das anders, und Salzborn ist nicht nur in vielen Fragen mit Kühntopf einer Meinung, die beiden arbeiten auch zusammen… So wie Grigat (s.o.)47 mit Broder (der der AfD “indirekt” den “Koscher”-Stempel gibt, den sie will). Und, ein anderer “Anti”deutscher, Thomas Maul, sieht die AfD als einzige Kraft gegen “Antisemitismus” und “Abendlandzersetzung”. In Deutschland (nicht nur dort) kann man rechtsextrem und proisraelisch sein, wie sich zB auch an Wikipedia-Bearbeitern wie „PrussianZionist“ zeigt. Pro-israelisch ist die AfD allemal. Parteichef Alexander Gauland: “Die AfD hat sich immer an die Seite Israels, aber auch der Juden in Deutschland gestellt”. Meuthen sagte, die AfD sei durch und durch projüdisch.

Und einer der grössten Israel-Freunde und “Antisemitismus-Feinde”, Nicolaus Fest, ist einer der grössten xenophoben Chauvinisten… Melzer: “…nonchalant aus Überzeugung werden die Protagonisten um von Storch selbstredend pathetische Reden halten, wie natürlich die Nähe von Judentum und deutschem Rechtskonservatismus sei.”48 Wie auch die Missfelders. Die AfD hat eine echte Bewunderung für Israel (wie Rechte gewöhnlich), bezüglich Juden in Deutschland ist sie taktisch-pragmatisch wie “Anti”deutsche ggü gewissen Exil-Iranern (oder Kurden) und Israel bzgl der Drusen…Oder wie die USA ggü Saudi-Arabien? Wenn es sich um eine primär antisemitische Organisation handeln würde, hätte man nicht nur bewertet, inwiefern das Werben um die Teilnahme von Moslems Resonanz zeigt und welche Interaktionen es gibt (zwischen AfD und IL),…sondern auch die Tatsache einer “blossen” positiven Bezugnahme (wie jene der AfD auf Israel). Man kann sich gut vorstellen, was gewisse Kreise daraus machen würden.49 Hier sagen dann die Einen, sie sind gar nicht wirklich pro-israelisch und eigentlich auch anti-semitisch. Und die Anderen sagen, “alles Antisemiten ausser die AfD”.

Wenn es rein um Israel geht, gibt es bei der AfD (und bei Rechten generell) keine Probleme mit Juden; aber: Schächten und Beschneiden (fremde Sitten), Holocaust-Aufarbeitung (eigene Schuld,…)50, ZdJ-Interventionismus in deutscher Politik,… Bezüglich USA gibt es mit Trump jemanden, auf den sich AfD und Hauptstrom der Juden in Deutschland “einigen” können; grundsätzlich ist es aber so, dass sich der neue Deutsch-Nationalismus ggü den Siegermächten des 2. WK nicht mehr unterordnen will. Und Thematisierung von NS und Holocaust wird dort als eine Vorstufe zu „White Guilt“/”Selbsthass” ausgelegt. Wenn man NS und AS den Moslems unterschieben kann, ist das natürlich was anderes. Was “Ehe für Alle” und Frauenrechte betrifft, gibt es auf beiden “Seiten” solche und solche Ansichten. Jüdische Organisationen sind auf oberen Ebenen bzw offiziell noch gegen die Rechtspopulisten. Es gibt die Haltung, bezüglich Israel so rechts und ausschliessend (ggü Nicht-Juden) wie möglich zu sein, bezüglich der “Diaspora” so liberal wie es geht (also zB das Recht auf Schächten als Minderheiten-Recht einzufordern, aber auch den Ethno-Nationalismus den Israel praktiziert, hier abzulehnen).

Der bayerische Publizist Rainer Meyer („Don Alphonso“ im FAZ-Blog, nun „Welt“), ein Neo-Rechter, versucht, der AfD den Anstrich von Glaubwürdigkeit zu verleihen bezüglich “progressiver Inhalte”, “universeller Rechte”, “Diversity und Minderheiten”, konkret der homosexuellen Weidel, sie afrikanischen und moslemischen politischen Organisationen positiv gegenüber zu stellen. Auch hier stehen Salzborn und die “Anti”deutschen (und andere, die auf “links” machen) auf der Gegenseite. Manche versuchen, Juden zum “Opfer” der AfD machen; gegen wen sie hauptsächlich hetzt, ist hier egal (bzw wird begrüsst). Dass jüdische Unterstützung für die AfD als “Notwehr gg moslemischen Antisemitismus” deklariert wird, zeugt von einer gewissen Schieflage… Zumal Palästinensern etwas derartiges nie zugebilligt wird, immer als Ausdruck ihres “eigentlichen Charakters” ausgelegt wird, quasi als Grundlage für den Konflikt dort. Übrigens: Auch PEGIDA schwankt zwischen offen rechts (zB auch Ablehnung christlicher Flüchtlinge aus Afrika oder “Nahost”, Bekenntnis zu eigenem Radikalismus) und politisch korrekt rechts (für “christlich-jüdische Kultur”, gegen Radikalismus der Anderen). Beim PI-Pöbel gibt es auch etwas in dieser Art.

Zum Politischen Aschermittwoch der AfD am 1. März 17 im bayerischen Osterhofen trat als Ehrengast und Redner auch FPÖ-Chef Strache auf. > “Die Völkerwanderung ist gelebter Irrsinn“, es gelte der Grundsatz „Willst Du eine soziale Wohnung haben, musst Du ein Kopftuch tragen“. Die FPÖ kam unter Strache voll auf die Linie mit den anderen alten (FN, VB, ..) und neuen (PVV, Fidesz,…) europäischen Rechtsparteien, mit Anti-Islam und als Beschützer der Juden, Verteidigern des Abendlandes, infolge Verschiebungen nach 11/9/01. Zur Veranstaltung von Strache mit Broder heuer zu “moslemischen Antisemitismus” etwas im vierten Teil. Die FPÖ, in der sich nach der Nazi-Zeit die meisten Nazis Österreichs sammelten (und sich mit ihr mehr oder weniger in die Zweite Republik integrierten), die die meiste Zeit ihres Bestehens eine Rechtsaussen-Linie fuhr, versucht einen Relaunch vor dem Hintergrund globaler Umwälzungen. Der Saubermann Heinz-Christian Strache musste kürzlich zurücktreten (er hatte es zum Vizekanzler gebracht…), nachdem er vermeintlichen russischen Oligarchen in Ibiza Staatsaufträge gegen illegale Spenden angeboten hatte, dort auch verriet dass er das Mediensystem in Österreich nach dem Vorbild von Orban-Ungarn umgestalten will; zur selben Zeit kamen auch Hinweise auf Verbindungen der FPÖ zu Rechtsextremen (die Wurzeln von Strache), mit Gottfried Küssel, den Identitären,…51 PEGIDA hält Strache für eine “seriöse Bürgerrechtsbewegung”. bei der zweiten Wiener PEGIDA-Kundgebung Festnahmen wegen Zeigens des Hitlergrußes (bei vier habe es sich um Proponenten einer Spaßpartei gehandelt, bei den anderen zwei um PEGIDA-Anhänger).

Strache (links), Journalistin Isabelle Daniel (rechts), ORF-Pressestunde März 17

Jörg Haider, einer von Straches Vorgängern als FPÖ-Bundesparteiobmann, sagte 2001 über den amerikanischen “Spin doctor” Stanley Greenberg, einen Juden, der gerade für die SPÖ Wahlkampf in Wien machte52: „Der Häupl hat einen Wahlkampfstrategen, der heißt Greenberg … den hat er sich von der Ostküste einfliegen lassen! Liebe Freunde, ihr habt die Wahl, zwischen Spin-Doctor Greenberg von der Ostküste oder dem Wienerherz zu entscheiden … wir brauchen keine Zurufe von der Ostküste. Jetzt ist einmal genug“. Im selben Jahr, ein paar Monate später, war die Rede Haiders im Bierzelt in Ried, als er über IKG-Chef Muzicant herzog. Robert Spencer (USA; hp’s wie jihadwatch, dhimmiwatch,…), ein Breivik-Vorbild, ist einer aus der Islamophobie-Industrie, der sich positiv auf Haider bezog, ihm Tribut zollte. Greenberg leistete in Israel für die Avodah-Partei zur Zeit von Ehud Barak Wahlkampfhilfe, ausserdem für Nelson Mandela und dessen ANC bei der ersten freien Wahl in Südafrika 1994; wahrscheinlich war das was von Likud-Seite dazu (zu Greenberg) kam, gar nicht so weit weg von dem was Haider sagte. Als die FPÖ 2000 mit der ÖVP die österreichische Regierung bildete (Haider blieb damals in Kärnten als Landeshauptmann), zog Israel seinen Botschafter aus Wien ab.53

Das FPÖ-Programm ’97 war ein wichtiger Schritt von (deutsch)nationalen, klassisch-rechten Zielen zur “Sorge” um Europa, den Westen,… Vollends kam dieser neue rechte Charakter aber erst unter H.-C. Strache zum Durchbruch, der 05 Parteichef wurde, nachdem Haider mit Teilen der Partei von dieser wegbrach und das BZÖ gründete.54 Juden wurden nun als gut für den Westen gesehen, Westen positiv affirmiert, Moslems wurden das Andere,… Wobei natürlich auch hier nicht-weisse Christen wie Schwarzafrikaner zu den “Anderen” gezählt werden55, das Ganze hat (vornehm ausgedrückt) eine rassi(ist)sche “Komponente”, und eine kulturalistische. Auch Frauen- oder Schwulenrechte wurden bei den europäischen “Rechtspopulisten” gegenüber “dem Islam” in Stellung gebracht, bei der FPÖ eigentlich nur Erstere. Man versucht, sich mit Pro-Zionismus und “Antisemitismus”-Anklagen ggü Linke zu profilieren. “Die bösen Zuwanderer sind antisemitisch und frauenfeindlich, deshalb sind wir (die Fortschrittlichen) gegen sie…”. Strache: „Islamismus ist der Faschismus des 21. Jh, totalitär, eine Kriegserklärung an das aufgelärte Europa, frauenfeindlich, Moscheen sind Herrschaftssymbole, es wird dem ggü Appeasement betrieben…” Wie von Grigat.

Haider hatte einst zB gesagt: „Wozu haben wir die Türkenkriege geführt, wenn die heute alle da sind?“; es wird aber versucht, dies im Nachhinein entsprechend zu verdrehen. Es stellt sich die Frage, wohin sich die FPÖ unter Strache genau gedreht hat, was bzw wem eigentlich (sich) die Bahn gebrochen hat/wurde. Strache auch: „Nach allem was Juden im Exil angetan wurde, tragen wir Verantwortung für eine sichere Zukunft des jüdischen Volkes“; das war schon deutlich auf Israel gemünzt. Bevor Strache 06 aus dem Wiener Gemeinderat/Landtag in den Nationalrat wechselte, versuchte er im Rathaus noch eine Verurteilung des Völkermords an den Armeniern zu erreichen. Oder sagen wir so, er versuchte sich auch über dieses Thema zu profilieren, nahm sich dem an, um anti-türkische Ressentiments zu schüren.56 2010 dann die Solidaritäts-Reise Straches mit einer FPÖ-Delegation (David Lasar, Andreas Mölzer57, Hilmar Kabas, Elisabeth Sabaditsch-Wolf,…) nach Israel, wo er mit anderen Führern von europäischen Rechtsparteien (Geert Wilders, Filip De Winter,…) die “Jerusalemer Erklärung” abgab. Un an einer “Konferenz über islamischen Terror” teilnahm. Die FPÖ-Leute wurden dort u.a. vom israelischen Vizeminister Ayoub Kara (einem Drusen…) empfangen.

Dieser Kara hat der FPÖ anscheinend auch eine Art Gegenbesuch in Wien abgestattet; 2014 nahm der israelische Siedler-Führer Gershon Mesika (Chef der Regionalverwaltung von “Samaria”/Schomron im Westjordanland58) an einer “Konferenz” mit FPÖ und anderen westlichen Rechten teil. Zwischen Leuten vom Likud und rechts davon stehenden Parteien ist es in den letzten jahren immer wieder zu Kontakten gekommen. Von Seiten der FPÖ wird lieber darüber geredet (sehen das als gut für ihren Ruf), von Seiten der Israelis lieber vertuscht (fürchten um den Ruf) – obwohl Kontakte der revisionistischen Zionisten zu europäischen Rechten bis in die 1920er zurückgehen (siehe oben; es wird darüber mal einen Artikel geben…). Strache verwies gerne auf jüdische Mitglieder in der FPÖ. Der wichtigste davon war David Lasar, langjähriger Wiener Gemeinderat, dann Nationalrat. Lasar lag mit der Israelitischen Kultusgemeinde im Clinch, war aber Zionist; er organisierte die Reisen der FPÖler nach Israel. Und daher wurde er, im Gegensatz zu Israel-Kritikern in der IKG, in ihr nicht geschnitten. Lasar, der sagte, es gäbe keinen Antisemitismus in der FPÖ, legte ’19 seine Tätigkeiten für/in die/der Partei nieder (stehe ihr nicht mehr „als Symbol zur Verfügung”), begründete das mit Partei-Rechtsaussen Martin Graf. Aus der Partei will er jedoch nicht austreten, mit der Regierungsarbeit (besonders mit Innenminister Herbert Kickl) sei er “mehr als zufrieden” gewesen.

„In der FPÖ ist kein Platz für Antisemitismus“, so dieser Kickl. Nein, antisemitisch ist man nicht mehr, dies ist ja Merkmal der Orientalen, ausserdem ist Israel ja Retter des Westens usw. Zu Peter Sichrovsky, ebenfalls ein Jude in der FPÖ, kommt hier noch etwas. An dieser Stelle: Man kann sich vorstellen, wie aus dem Umfeld der IKG kommentiert worden wäre, wenn sich FPÖ-Leute mit Moslems getroffen und dann auch noch über Juden/Israel geredet hätten et cetera. Strache: “Ich halte …den Herrn Al-Rawi, der anti-israelische Demos anführt, für skandalös.” So könnte auch der “linksalternative” Florian Klenk über den irak-stämmigen SPÖ-Politiker geurteilt haben. Strache am Burschenschafter/WKR-Ball in Wien am Tag der Auschwitz-Befreiung angesichts der Proteste dagegen: „Wir sind die neuen Juden”.59 Strache redet(e) auch über “neuen Antisemitismus”, etwa in einem Interview mit der rechten israelischen “Jerusalem Post”, wo er gegen SPÖ-Politiker Darabos nach dessen Kritik an Avigdor Lieberman austeilte.60 

Nach dem guten Abschneiden der FPÖ bei der Nationalratswahl 17 analysiert die israelische Zeitung „Haaretz“ die Rolle der jüdischen Gemeinschaft in Österreich, aber auch anderen europäischen Staaten. Sie werde zunehmend von rechtspopulistischen Parteien als Instrument benutzt, um Muslime und andere Minderheiten zu dämonisieren, schreibt „Haaretz“ in einem Kommentar über den neuen „Philosemitismus“. „Noch vor fast drei Jahrzehnten wurde Heinz-Christian Strache bei einem Fackelmarsch einer Gruppe, die sich selbst die Hitlerjugend zum Vorbild nahm, festgenommen. In diesen Tagen klingt der 48-jährige Chef der politisch weit rechts stehenden Freiheitlichen Partei – die nach der Wahl am Sonntag sehr wahrscheinlich Teil der neuen österreichischen Regierung sein wird – so, als wolle er Israels bester Freund sein.“ Wie gesagt, Teile des jüdischen Hauptstroms sind bezüglich Israel so rechts (und ethnonationalistisch) wie möglich (und da kann es auch zu Kooperationen mit Rechten im Westen kommen, zumal unter den Vorzeichen von Westismus und Islamophobie), bezüglich der Diaspora für so viel Liberalismus und Minderheitenrechte wie möglich (und da werden die selben Rechten dann ggf als Gefahr gesehen).61

2017-19 dann die ÖVP/FPÖ-Regierung mit Kurz und Strache. Internationale und österreichische jüdische Organisationen lobten Kurz über den grünen Klee, äusserten glz “Besorgnis” über Strache/FPÖ. Was ziemlich heuchlerisch war, angesichts der Kontakte zwischen FPÖ und Juden auf verschiedenen Ebenen, der proisraelischen (und antimoslemischen) Haltung der FPÖ, dem Charakter der Rechten in Israel…und angesichts ihrer Sympathien für Sebastian Kurz. Die meisten Vertreter jüdischer Organisationen halten es so, sich mit FPÖ-Politikern nicht zu treffen. Davon betroffen war auch Aussenministerin Karin Kneissl, parteilos aber von der FPÖ nominiert bzw ihr nahe stehend. Kneissl, die u.a. in Arabistik ausgebildet ist und auch an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert hat, versuchte, mit Schönreden von Israel-Politik und sich Anbiedern über “Antisemitismus”-Verurteilung aus dem rechten Eck zu kommen. Etwa anlässlich ihrer Teilnahme an einer “Konferenz zur Bekämpfung von Antisemitismus” der OSZE in der Slowakei. Gegenüber der „Times of Israel“ sagte Kneissl, die EU lege besonders strenge Maßstäbe an Israel an, sie sei für eine Intensivierung der Beziehungen der EU mit Israel, hob ein Engagement der ÖVP-FPÖ-Regierung für die jüdische Gemeinschaft und den Staat Israel hervor und verwies diesbezüglich auch auf die EU-“Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus” in Wien. Vizekanzler Strache attestierte sie, „grosses Interesse an Israel, seiner Geschichte und Kultur“ zu haben. Das stimmt sogar, und grosse Sympathien.

„Ich bin absolut überzeugt, dass weder er noch ein anderes Mitglied dieser Regierung antisemitisch ist oder Antisemitismus toleriert“, schleimte Kneissl weiter. Am Rande der „Nahost-Konferenz“ in Warschau 19 hatte sie die Ehre, Netanjahu zu treffen, „Er ist sehr sympathisch auf mich zugekommen und wir haben uns unterhalten unter anderem über meine Zeit in Israel“. Was bei jemandem, der immer wieder die “westliche Welt” beschwört und den Holocaust den Palästinensern in die Schuhe schieben möchte, nicht verwundern darf. Wenn Kneissl Netanyahu trifft oder Kurz Lieberman, läge es eigentlich an den Österreichern, sich von Rechtsextremisten fernzuhalten… Österreich werde bald Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen die Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichen, so Kneissl.62 In die Bemühungen der FPÖ um eine Verbesserung der Beziehung zu Israel fällt auch ein Brief von ihrem Generalsekretär Christian Hafenecker an die Botschafterin in Österreich, Talya Lador-Fresher. Darin hiess es, rechtsextreme Gesten bei FPÖ-Veranstaltungen sei „Agitation politischer Gegner“, Linke seien wahre Extremisten, man distanziere sich vom NS, versuchte man über eine „Neudefinition“ rechter Inhalte („…Begriffe wie ‚Heimat’, ‚Tradition‘ und ‚Patriotismus‘ von manchen politischen Kreisen als rechtsextrem dargestellt“) Brücken zu den Zionisten herzustellen.

Eine Anbiederung die IL gleichzeitig zu einer Anti-Rechtsextremismus-Institution macht und (das trifft seinen Charakter schon eher) als nationalistischen Ethnostaat anerkennt. Im Rahmen der Bemühungen um eine Verbesserung der Beziehungen zu Juden hat die FPÖ auch eine parteiinterne Kommisson (Mölzer, Hafenecker, Wilhelm Brauneder, Thomas Grischany,…) eingesetzt, die die Geschichte und „braune Flecken“ der von früheren Nationalsozialisten begründeten Partei beleuchten soll. Die NS-Liederbuch-Affäre war hier der Auslöser. Ursprünglich wollte die FPÖ einen israelischen Historiker finden, um den “Untersuchungsbericht” absegnen zu lassen. Die FPÖ verweist in ihrem Bericht auf ihr Pro-Israel um den Bruch mit Antisemitismus zu belegen. Kritik kam u.a. von Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Uni Wien und Leiter des wissenschaftlichen Beirats des „Hauses der Geschichte“. Woran genau? Für die Broders und Netanyahus zählt ja (auch) genau das. Und ihre Islamophobie (für Kritiker des Berichts ein Thema?) gefällt dort auch, verbindet.

Unsauberen Umgang mit der eigenen Vergangenheit bzw dem Nationalsozialismus mit Pro-Israel und Philosemitismus zu “übertünchen”, hat sich etabliert. Mangelnde Distanz zu NS-Gedankengut wird dabei immer wieder offensichtlich. Strache hat zB als Vizekanzler in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ den von den rechtsextremen Identitären verwendeten Begriff des „Bevölkerungsaustauschs“ gebraucht.63 Auf den Einwand, dass „Bevölkerungsaustausch“ ein Begriff der rechtsextremen Szene sei, entgegnet der FPÖ-Obmann in einer späteren Ausgabe der selben Zeitung:„…Wir wollen nicht zur Minderheit in der eigenen Heimat werden. Das ist legitim, und redlich und zutiefst demokratisch…“. Mit solchen Kategorien operiert der Zionismus seit seiner Begründung, und daher eignet er sich auch nicht zur Läuterung von Rechten, im Gegenteil… Auf Englisch und Französisch heisst “Bevölkerungsaustausch” Replacement, siehe dazu die Teile über die Rechte in der USA und in Frankreich sowie dem Neuseeland-Attentäter. Strache blieb bei seinen Aussagen, Kritik sei „Diskussionsverweigerung“, er werde sich „nicht den Mund verbieten lassen“ (> Rhetorik von Broder & Co).

Bezeichnend war auch, wie Strache vor einigen Jahren (noch als Oppositionspolitiker) Beobachtungen von Journalisten dementierte, wonach bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung in Wien Anhänger lautstark „Türken raus” gerufen hätten. Er und die ebenfalls anwesende Ursula Stenzel hätten “nur vor einem neuen Antisemitismus durch Zuwanderung gewarnt”.64 Darüber schon hier. Der “Antisemitismus”-Vorwurf zur eigenen Profilierung und Reinwaschung. Die Wiener FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel ist im September 19 bei einem Aufmarsch der rechtsextremen Identitären-Bewegung in Wien („Befreiung Wiens 1683“) mitmarschiert, hielt eine Rede bei Abschlusskundgebung („Liebe Freunde…“). Stenzel, die gerne auf ihre jüdischen Wurzeln verweist, ist immer weiter nach rechts gerückt, ist jetzt anscheinend dort, wo sie hin gehört. Faselte davon, etwas zu verteidigen „wofür unsere Vorfahren gekämpft haben”65, attackierte den türkischen Präsidenten Erdogan (der die EU in der Flüchtlingsfrage „unter Druck setzt“), die “Bedenkenlosigkeit vieler europäischer Regierungen“,…

Stenzel unter Identitären

Später sagte sie, sie sei mit Anderen mitgegangen, habe nicht gewusst worum es eigentlich ging… Wie Parteikollegin Susanne Winter einst, die sagte ihre Zustimmung zum als “antisemitisch” inkriminierten Facebook-Posting sei durch Hudelei zu Stande gekommen. Oder Stephan Grigat (dessen “Stopthebomb” Stenzel unterstützt), nachdem sein Auftritt im Akademikerbund bekannt wurde, auch er hat sich da als Opfer inszeniert. In seinem Klagelied über „Leute die ihm am Zeug flicken wollten” hiess es, er hätte nichts über den Akademikerbund gewusst, sein Israel-Engagement hätte ihn mit jemanden von dort “zusammengeführt”; und: der Abend sei “eskaliert” als bekannt (gegeben) wurde dass seine Begleitern Simone Hartmann Jüdin sei und nicht Iranerin… Das ist bezeichnend für Grigat, aber auch den „Antisemitismus“-Diskurs! Will insinuieren, die im Akademikerbund (und Rechte überhaupt) hätten nichts gegen Iraner (obwohl sie sich genau darüber mit diesen pseudolinken Israellobbyisten getroffen haben), wohl aber gegen Juden > man hängt sich den gelben Stern um, um vom Wesentlichen abzulenken, um das mit der Ausgrenzung umzudrehen… Die Israel-Begeisterung (auch) in der (extremen) Rechten, die grosse Schnittmenge zwischen diesem pseudolinken Lager und der Rechten (Anti-Islam, ProIsrael), der Brückenbau zwischen ihnen – das “muss” man natürlich verdrehen.66

Im Präsidium dieses Wiener Akademikerbundes (aus der ÖVP ausgeschlossen nach der Forderung u.a. nach Aufhebung des Nazi-Verbotsgesetzes) ist auch Elisabeth Sabaditsch-Wolf, die ja mit Strache in Israel war; Breivik hat positiv auf sie Bezug genommen. Was FPÖ-Politiker und ihre Anhänger in sozialen Medien von sich geben, ist ja auch aufschlussreich. Wenn Christian Höbart etwa in einem Facebook-Posting Asylwerber als „Erd- und Höhlenmenschen“ beschimpft.67 Strache stilisiert sich ja auch immer wieder als Opfer, wenn seine Postings und die Reaktionen seiner Fans thematisiert werden. “Die Praxis, die Freiheitlichen und ihren Obmann mittlerweile tagtäglich medial anzupatzen, nimmt unerträgliche Formen an“. Eine richtige Campaign. Plakate des RFJ Steiermark 19 wurden nicht nur von IGGiÖ-Vural, sondern auch IKG-Deutsch als „rassistisch“ kritsiert; die Broders unter den Juden und die Pirinccis bei den Moslems (auf der selben „Achse“ wie diese Broders…) werden kein Problem damit haben, im Gegenteil. Strache hat den damaligen Bundeskanzler Werner Faymann vor einigen Jahren in einer Neujahrs-Rede „Staatsfeind“, „Bürgerfeind“ und „Österreich-Feind“ genannt.

Die Suche der FPÖ nach Partnern in Europa ist eine ewige, hat man den Eindruck, die Rechten Europas lassen sich schwer zusammenfassen, organisieren. Gründe dafür wurden in diesem Artikel dargelegt. Das lässt sich auch an den Änderungen der rechten Fraktionsgemeinschaft im EP (zur Zeit hauptsächlich die “Identität und Demokratie”)68 ablesen. Jedenfalls, die neue Rechte versucht sich über Anti-Islam, Pro-Judentum und anderen Toleranzchauvinismus-Versatzstücken neu zu definieren. Alle Mitgliedsparteien der “Identität und Demokratie” (VB, RN, Lega, AfD, PVV,…) haben Kontakte ins rechtsextreme Lager in ihren Ländern. Die FPÖ arbeitet(e) auch mit der ungarischen Jobbik zusammen – welche aber einen Teil des Burgenlands beansprucht, und deren “antisemitische” Linie sich mit jener der FPÖ beisst. In Österreich hat die FPÖ nicht nur die Identitären als Partner, sondern auch die Kurz-ÖVP und Teile der SPÖ stehen dafür bereit. Der jetzige burgenländische Landeshauptmann Hans P. Doskozil ist einer solchen Koalition zugeneigt; Doskozil hat als Innenminister mit Israel im „Sicherheits“-Bereich zusammengearbeitet.

Die FPÖ ist nicht appetitlicher geworden mit ihrer Hinwendung zu Islamophobie und Israelbegeisterung, ganz und gar nicht. Wenn Strache zu Orban fuhr und dann vom gemeinsamen Kampf gg Einwanderung und jenem gg Menschenhandel sprach, sandte er Signale in 2 Richtungen… Das Rechte wird ja jetzt bei der FPÖ (und Ähnlichen) als “Abgrenzung von den Barbaren” affirmiert. Mit islamophoben und anderen rassistischen Ausfällen kommt man durch, mit antisemitischen nicht. Bei Susanne Winter war das so, über „Neger“ und „Gene“ konnte sie sagen was sie wollte, bezüglich Moslems versuchte sie (wie Viele) die Grenze zwischen Islamkritik, Islamismuskritik, Moslemophobie und allgemeiner Fremdenfeindlichkeit zu verwischen. Wenn sie sagt, der “Islam gehöre zurück hinters Mittelmeer”, meint sie natürlich (auch) die Einwanderer (die Menschen) die aus diesem “Kulturkreis” kommen, und ihre Aussagen über Afrikaner unterstreichen das – da geht es um Rasse (und Kultur), nicht Religion. Sie bekam parteiintern und ausserhalb erst massiven Gegenwind, als ihr etwas Antijüdisches vorgeworfen werden konnte.69 Und, als die FPÖ in einem Inserat Israel neben der Türkei als nicht in der EU erwünscht darstellte, gab es nur wegen Ersterem Aufregung und Kritik.70 Ähnlich sind die Anforderungen an die AfD.

Zu den Widersprüchen und Gemeinsamkeiten zwischen den Israelfreunden der FPÖ und jenen aus der Cafe critique-Ecke später. Die von Broder oder den Littmans (David und Gisele alias “Bat Yeor”) oder Caroline Glick formulierte Islamophobie spricht und lädt natürlich (auch) Leute aus dem alt-rechten Milieu ein, dient zur Entlastung ohne Läuterung.71 Im Stab von Andreas Herzog als Trainer des israelischen Fussball-Nationalteams72 ist auch der ehemalige FPÖ-Mann Klaus Lindenberger, was natürlich auch für Niemanden ein Problem ist. Dagegen, die linke Kleinpartei SLP wurde etwa von Zionisten in Wien auf Plakaten als „Israelhasser“ und „Nazischweine“ beschimpft (beschmiert); rassistisch darf man sein, aber nicht “israelkritisch”… Da schlägt der „Antisemitismus-Detektor“ an, oder eher: er wird hochgefahren.

Der Schriftsteller Michael Köhlmeier warf der FPÖ beim NS-Opfergedenken des Parlaments im Mai 18 Heuchelei im Umgang mit den Juden vor. Der Künstler und Holocaust-Überlebende Arik Brauer ist einer jener, die finden dass die Strache-FPÖ eine “faire und richtige Einstellung zum Judentum” hat. Da kamen Straches Relaunch und Brauers Rechtsruck73 zusammen. Juden wie Brauer respektieren Strache wegen seiner Israel-Solidarität, nehmen ihm diese ab (und segnen sie ihm ab) und damit auch vieles Andere. Und für die Haltung zu Moslems ist natürlich auch Israel entscheidend. Das zeichnete sich schon ein paar Jahre zuvor ab, als “Der Standard” Brauer und Strache zu einer Diskussion bat (als vermeintliche Gegenpole). Brauer spielte etwas Abgrenzung vor, in der Zustimmung versteckt war74 Dabei kam das was die beiden verbindet, der blühende Staat der auf den österreichischen Burschenschafter Herzl zurückgeht (wie es Strache ausdrückte), gar nicht zur Sprache – wahrscheinlich weil Straches Pro-Israel Brauer peinlich gewesen wäre.75

Brauer hat immer hervorgestrichen, dass er sich für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern engagiert hätte, von der Gegenseite würde aber nur Hass und Gewalt kommen, die im Endeffekt antisemitisch motiviert sei. Das ist weit verbreitet unter „liberalen Zionisten“; “Wir sind eigtl zu gut zu den Palästinensern, zu naiv, wir werden ausgenutzt, sie sind die Bösen, verstehen eigtl nur eine Sprache,…”. Er versteht den Konflikt nicht. Hat eine Villa in Wien und eine im “israelischen Künstlerdorf” En Hod. Dieses war ein palästinensisches Dorf (Ein Howd), dessen Bewohner im Zuge der israelischen Staatsgründung bzw Nakba 1948 vertrieben wurden. Die meisten der vertriebenen/geflohenen Dorfbewohner (zwischen 500 und 1000) ließen sich in Jenin nieder, einige siedelten sich in der Nähe ihres ehemaligen Dorfes an und gründeten dort das neue Ein Howd – das erst 1992 vom israelischen Staat als Gemeinde anerkannt wurde. Wie hat sich Brauer, der mit das Künstlerdorf macht(e), für “Frieden” engagiert? Indem er in Tel Aviv mit “Shalom Achshav”-Leuten demonstriert hat und dergleichen. Hat er sich für die in der Nähe “seines” Dorfes lebenden Palästinenser (nun Nachfahren der Vertriebenen) irgendwie gekümmert, oder um jene die es nach Jenin verschlagen hatte?

Einsatz für “Menschenrechte” und “Frieden” sieht anders aus, wenn man in seiner Umgebung damit beginnt, wenn das Einsatzfeld konkret und nahe und nicht abstrakt und entfernt ist. Seine Stellung bzw Behandlung als Jude in diesem Staat bedenkt er nicht mit, bzw was an Geben (Zugeständnissen) für einen Frieden notwendig wäre. Der inner-zionistische Dialog läuft so, “Gebts ihnen (den Palästinensern) Almosen” – “Gebts ihnen keine”. Bemerkenswert war auch sein “ZiB”-Auftritt mit dem palästinensischen Künstler Marwan Abado, wo er die selben Lieder sang wie in den letzten ca. 20 Jahren. “Wenn ich weiss, dass du mich nicht umbringst, kannst du alles haben.-Ich bin jetzt Israel und du Palästina”. Was ist eigentlich Palästina? Wird es von Israel anerkannt (oder eher das was noch übrig ist, zugesiedelt), und welche Grenzen hat es? Es ist auch bezeichnend, dem Anderen wird eine Vernichtungsabsicht unterstellt, die Grund des Konflikts sei, man macht sich zu seinem Opfer. Bzw, der Andere wird zur Behandlung seiner aggressiven Paranoia aufgefordert. Womit wir wieder bei Awraham Burg sind (Teil I).76

Brauers Vater ist aus dem Russischen Reich nach Österreich ausgewandert, im „Grossdeutschen Reich“ wurde ihnen abgesprochen, Österreicher zu sein bzw sogar, Menschen zu sein, der Vater getötet. Eigentlich ist es sehr verständlich, dass er sich, nachdem das vorbei war, gefragt hat, wo er eigentlich hingehört, wo es für ihn Sicherheit gibt. Und längere Zeit hat er auch einen liberalen Zionismus vertreten. Vermutlich leidet er, wie Broder, darunter dass er es nicht schaffte, sich in Israel eine dauerhafte Existenz aufzubauen, es gibt da einige Parallelen zwischen den beiden.77 In seiner Autobiografie schrieb er ausser vom „Friedensengagement in Israel“ auch davon „mit Fahrrad durch Afrika gefahren“ zu sein, „dort einen Sklaven befreit“,…

Der Christchurch-Attentäter Tarrant unterstützte die Identitären in Österreich, die österreichische Regierung mit FPÖ-Innenminister Kickl kündigte an, diese nun verbieten zu wollen. Dazu muss(te) die FPÖ erst ihre Kontakte in diese Ecke „entsorgen“. Der erste Konflikt in der Koalition, kurz bevor sie auseinander brach, anlässlich des Ibiza-Videos. Kurz und Strache, zwei solche Saubermänner… Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP): Es gebe „keine Toleranz für gefährliche Ideologien, ganz gleich, aus welcher Ecke sie kommen“. Egal welche Art von Extremismus, „so was darf keinen Platz in unserem Land und in unserer Gesellschaft haben“, und so etwas dürfe „niemals toleriert werden“. Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) kündigte eine “schonungslose Aufklärung” an. Kurz zeigte sich mit der „Abgrenzung“ der FPÖ von den Identitären zufrieden. Absolution für die FPÖ durch Kurz, der selbst auf Absolutionen aus ist. Als die ÖVP/FPÖ-Regierung 17 zustande kam, hiess es die „blaue Regierungsbeteiligung belastet das Verhältnis Österreichs zu Israel“.

Was wieder insinuiert, dass Israel eine Art antifaschistische moralische Instanz sei… Von Ariel Muzicants Sohn Georg, dessen Nachfolger im Immobilienunternehmen, kam vor der Wahl 17 eine Spende an Kurz. Natürlich könnten dabei auch wirtschaftspolitische Überlegungen eine Rolle gespielt haben… Kurz war als Aussenminister (13-17) doch der, als der er als Integrations-StS zu befürchten war (und als Kanzler erst recht). Unter Kurz ist ÖVP so rechts geworden (trotz Gesellschafts-Liberalismus), damit auch pro-israelisch… Was sich zB bei seinen Stellungnahmen zur Gewalt in und um Gaza 14 zeigte oder bei Kurz’ Israel-Reise 16 (die von mitgereisten journalistischen Groupies begeistert behandelt wurde). Und die Sache der Koalition mit der FPÖ wollte Kurz nochmal extra abgelten. Von Netanyahu abwärts gab es auch Lob für Kurz, für dessen „klares Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus“ (Kritik an Israel), und für seinen Willen, sich in der EU stärker für Israels „Sicherheits“-Interessen (Maßnahmen gegen Palästinenser und gegen die Region als solche hinnehmen) einsetzen zu wollen.

Foto oben: Demo in Wien gegen die türkis-blaue Regierung, mit israelischer Flagge (links)… “Linke” Israelfreunde demonstrieren gegen rechte Israelfreunde, versuchen zu suggerieren, dass Israel ein Gegenpol zu dieser rechten Regierung sei. Es gab wahrscheinlich noch nie eine solch proisrealische Regierung wie die von Kurz & Strache, und jene von Netanyahu steht nochmal klar rechts von ihr

In seiner Zeit als Aussenminister sei ihm bewusst geworden, dass Antisemitismus und Antizionismus „heute Hand in Hand gehen und oft zwei Seiten einer Medaille sind“, so Kurz. Da ist ihm klar geworden, dass man sich mit “Eintreten für die Sicherheit Israels” international profilieren kann, sich selbst inszenieren, rechte Inhalte legitimieren. Bei Stenzel ist das “Engagement gegen Antisemitismus” auch in einen konservativen Kreuzzug eingebettet ist > ÖVP zu links weil für eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle und ein moslemischer Kandidat78, Auftritt bei Demo gg “Genderwahn”,… An der erwähnten „Antisemitismuskonferenz“ war die IKG anwesend, „weil daran kein FPÖ-Politiker teilnehmen werde“. Es kamen u.a. Ronald Lauder (WJC), Moshe Kantor (EJC), EU-Justizkommissarin Vera Jourova, EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn sowie EU-Parlamentspräsident und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber79; Netanyahu musste ja absagen. Es wurde, “als konkreter Schritt” ein “Handbuch gegen Antisemitismus” präsentiert, das von “Experten” im Auftrag des EJC erarbeitet wurde. Zur selben Zeit hatte Innenminister Kickl zu einer EU-Konferenz geladen, bei der der Antisemitismus ebenfalls Thema war. Der Kampf gegen den politischen Islam und den Antisemitismus „müssen sichtbarer auf der EU-Agenda stehen“, so Kickl.

Kurz versuchte bei der Konferenz dann, die EU-Staaten mit einer gemeinsamen Erklärung zu einer einheitlichen Definition des „Antisemitismus“ bringen (die auf “Israel-Kritik” abzielt). Er hoffe sehr, dass das während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft gelingt; Kurz bezeichnete es als „unglaublich“, dass Antisemitismus auch knapp 100 Jahre nach der Schoah noch existiert. Zum immer schon vorhandenen Antisemitismus sei auch ein „neu importierter“ gekommen, sagte er in Anspielung auf Migranten und Migrantinnen aus islamischen Staaten. Kurz forderte auch die Staaten der EU dazu auf, ihr Stimmverhalten bei UNO-Abstimmungen “über Israel” zu überdenken. Er behauptete, es gäbe ein in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstandenes, „immer stärker konzertiertes Vorgehen gegen Israel, in einem Ausmaß, das sicher nicht als ganz korrekt bezeichnet werden kann“, stimmte Kurz der zuvor vom Chef des AJC, David Harris, geäusserten Kritik an den UNO-Staaten zu. Österreich und Israel waren sich auch einig bei der Ablehnung (Nicht-Unterzeichnung) des UN-Migrationspakts.80

Dann, Irans Präsident Hassan Rouhani ’18 in Österreich; Kurz telefonierte vor dem Treffen mit Netanyahu, um die „israelische Sichtweise“ zu hören”…und sprach rund um das Treffen andauernd von „österreichischer Verantwortung“, „Sicherheit Israels“,… Ro(u)hani differenzierte, auf häufige „Nachfrage“ der Österreicher, zwischen Juden und Zionisten (Israel) – was ihm aber zum Vorwurf gemacht wurde („hetzt gg Israel/Juden“,..), in den Entrüstungs-Chor von Drop, IKG, SWC,… stimmte dann auch Kurz mit ein. Wiederum sprach er von einem „konzertierten Vorgehen gegen Israel“ im Rahmen der UN. Kurz’ Kotau vor Netanyahu (dessen Hetzreden nie ein Thema sind) rund um den Rouhani-Besuch samt UN-Kritik sind ja eingebettet in ein entsprechendes ideologisches Umfeld. Was sich auch beim EU-Afrika-Forum in Wien anlässlich des österreichischem EU-Ratsvorsitzes im Dezember 18 zeigte. Ratsvorsitzender/Kanzler Kurz sagte dort, dass „Afrika nicht den Chinesen überlassen werden“ dürfe. Der Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki-Mahamat (Tschad) antwortete, man dürfe Afrika nicht „infantilisieren“, Afrika sei „kein Spielplatz, bei dem jeder hergehen kann und sagen, was er will“, es sei kein „leeres Terrain, auf dem sich Amerikaner, Chinesen und Europäer miteinander schlagen“ und „um Ressourcen streiten, auch wenn das in der Vergangenheit so war“. Afrika gehöre den Afrikanern.

Man ist an den “Wettlauf um Afrika” (Scramble for Africa) erinnert, das Rennen um die totale Aufteilung dieses Kontinents unter europäischen Mächten und der USA, etwa von 1881 bis 1914. Begonnen hatte diese Inbesitznahme etwa 500 Jahre früher. Noch nach dem 2. WK hiess es, Afrika sei ein “Ergänzungskontinent” für Europa…und es wurde auch so behandelt, über die Entkolonialisierung hinaus. China sieht Afrika als Möglichkeit, Europa sieht Afrika als Problem“; welchen Grund sollte Afrika haben, Europa „zugeneigt“ (ausgeliefert) zu bleiben. Dass Afrika eigenständig für sich entscheidet, das geht ja schon mal gar nicht. Man ist an den Kolonialrevisionismus im Deutschen Reich der Weimarer Republik erinnert, als in vielen Reden und Texten versucht wurde, die verbliebenen europäischen Kolonialmächte in Afrika zu diskreditieren und Deutschland als “Beschützer der Kolonisierten” und “wahren Treuhänder” darzustellen. Anlässlich Israels Offensive gegen den Gaza-Streifen um den Jahreswechsel 08/09, kritisierte Südafrikas damaliger Präsident Kgalema Motlanthe (ANC) die United Nations Organisation bzw ihr System, mit dem Sicherheitsrat bzw den Vetomächten.

Die UN und ihr Sicherheitsrat müssten repräsentativer für die Weltbevölkerung werden, die lobbyistische Politik von Vetomächten wie der USA sei gegen die Idee der Vereinten Nationen. Aber wenn sich in der UN die globalen Mehrheitsverhältnisse wiederspiegeln und dort eine “Politik” abseits von westlicher Vorherrschaft ausgeübt wird, kommen Organisationen wie UNwatch von Hillel Neuer81 und prangern das an. UN Watch ist ein Organ des American Jewish Comittee (AJC), wird von manchen Medien nicht als Lobbyorganisation behandelt, sondern als von “wissenschaftlichen” oder “menschenrechtlichen” Bedenken motiviert (ähnlich wie MEMRI). Motlanthe hat damals gesagt, Israelis und Palästinenser hätten das Recht, nebeneinander zu existieren; aber man kann davon ausgehen, dass Neuer daraus eine “Befangenheit ggü Israel” gemacht hat, so wie Kurz. Was bezeichnend ist für den Diskurs, bei Obama war es ja auch so, dass man ihm “Anti-Israel” unterstellt hat, weil er die Israel-Unterstützung der USA in manchen Teilen hinterfragt hat. Eric Louw, ein Aussenminister Südafrikas zu dessen Apartheid-Zeiten (damals war Israel eng mit Südafrika verbündet) nannte die Aufnahme unabhängiger afrikanischer Staaten in die UN eine “Ermunterung für die Kräfte der Barbarei”…

Apartheid-Südafrika hat auch immer über die UN gejammert und was sich die Nicht-Weissen erlauben. Nun ja, “Spurenelemente” dieser Haltung zeigen sich bei Israel-Unterstützern wie Sebastian Kurz. Nachdem über ein Verbot des Schächtens durch die ÖVP/FPÖ-Regierung (bzw ihre parlamentarische Mehrheit) diskutiert wurde, beruhigte Kanzleramtsminister Blümel (Kurz’ “rechte Hand” bzw Schnösel-Kollege), redete von „jüdisch-christlichen Wurzeln”, “jüdischen Mitbürgern”, “verteidigen“,… Engagiert in dieser Thematik ist aus der ÖVP auch Wolfgang Sobotka, Nationalratspräsident und zuvor Innenminister, ein fremdenfeindlicher Rechtspopulist. Bei einer Gedenkfeier im Parlament 2018 für die Novemberpogrome 1938 bedankte er sich bei Kanzler Kurz dafür, dass man sich zu „null Toleranz gegenüber Antisemitismus“ bekannt habe. Dieser damals: „Unsere historische Verantwortung endet weder an der österreichischen noch an der europäischen Grenze“, denn Österreich habe eine Verantwortung, nicht nur für jüdisches Leben hierzulande und in Europa, sondern auch gegenüber den Juden in Israel. Sobotka präsentierte vor einiger Zeit82 eine von ihm in Auftrag gegebene Studie über “Antisemitismus in Österreich”, von IFES (Eva Zeglovits) und Braintrust (Thomas Stern). Es sei erfreulich dass es die stärkste Zustimmung bei Befragten nicht zu antisemitisch gefärbten Inhalten gab, sondern zu der Aussage, dass Österreich wegen der Verfolgung im Zweiten Weltkrieg die moralische Pflicht hätte, Juden beizustehen.

Also eine Pro-Israel-Politik fahren, wie Kurz… Damit kann man ja die Juden-Verfolgungen der Vergangenheit auslagern gewissermaßen. Sobotka versucht das ja auch, mit solchen Initiativen, seine Fremdenfeindlichkeit kann er so als “Kampf gegen zugewanderten AS“ deklarieren, mit „keine Toleranz ggü Intoleranten“ suggerieren, dass er eine solche hätte,… Ja, es ist ein Vorteil, wenn man Hassrede definieren kann, zB über solche Studien und die Kommentare dazu. Wer selbst so integer und sittsam agiert (wie Sobotka, Kurz, Strache), dem steht es zu, Andere zu ermahnen und zu rügen. Als Kronzeuge (für “moslemischen Antisemitismus”) führte Sobotka Bassam Tibi an, der sich lange Zeit eigentlich seriös mit dem Islam und Themen die mit ihm im Zusammenhang stehen, beschäftigte. Bassam Tibi ist bekömmlicher als Ahmed Tibi, der “israelische Araber”; und Hanan Zoabi ist schwerer zu verdauen als Sarah Zoabi.

17 ein Bericht des „Falters“ über „antisemitische Witze“, “Frauenhass” und “Spott über Behinderte” in Chatgruppen („Jus Männerkollektiv“) von Funktionären der ÖVP-nahen AktionsGemeinschaft (AG) am Juridicum der Universität Wien kurz vor ÖH-Wahl. Ausschluss der Funktionäre; Empörung von JVP-Chef Sebastian Kurz, „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk, VSStÖ, GRAS, orf.at, Mauthausen Komitees Österreich, Jüdische österreichische HochschülerInnen (JöH),… Das ist auch in Ordnung. Aber: Als die israelische Justizministerin Ayelet Shaked einige Wochen davor im Juridicum auftrat, kam von den Selben kein Protest. Im Gegenteil, man kann davon ausgehen, dass der eine oder andere Genannte den Auftritt beworben hat….und bei Auseinandersetzungen mit dieser Shaked und ihrer Politik die AS-Keule geschwungen haben. IKG-Chef Deutsch über die Chatgruppe: „Die Empörung ist schnell artikuliert. Jetzt müssen wir das Problem benennen, Ursachen analysieren und bekämpfen: Antisemitismus im akademischen Betrieb“.83

Das Verhältnis der ÖVP (und Österreichs!) zu Juden und Israel war eine Zeit lang von Bundespräsident Waldheim geprägt, aufgrund dessen Wehrmachts-Vergangenheit bzw dem Umgang damit.84 Waldheim-Schwiegersohn ist seit vielen Jahren EP-Abgeordneter (für die ÖVP). Mit Kurz kam das österreichisch-israelische Verhältnis in neue Höhen – nicht weil er der antifaschistischste Kanzler/ ÖVP-Chef ist, sondern weil er die Verstrickung Österreichs in NS-Verbrechen mit Israel-Unterstützung “wieder gut zu machen” versucht, an statt die dieser Verstrickung zu Grunde liegende Geisteshaltung zu behandeln; und weil er mit Netanyahu den passenden Partner dafür hat. Im Inneren war das bislang Strache bzw die FPÖ. Sein Appeasement ggü Trump bei seinem Besuch im Weissen Haus ’19 und seine Vorstösse in der Flüchtlingspolitik zeigen ja auch, wessen Geistes Kind Kurz ist. „Ein Land, das versucht, Journalisten und Oppositionsführer einzusperren, hat in der Europäischen Union keinen Platz“, sagte er über die Türkei.

Kurz gratulierte Netanyahu zum “Sieg” bei der ersten israelischen Wahl 19 per Twitter: „Obwohl das offizielle Ergebnis noch nicht veröffentlicht wurde, ist eine Sache klar: Sie haben – einmal mehr – das Vertrauen der Menschen in Rekordzahlen gewonnen“, Er freue sich darauf, mit Netanjahu „in Zukunft zusammenzuarbeiten, zum Wohle der Menschen in Israel und der Menschen in Österreich“. Trump meinte, Netanyahus Sieg erhöhe die Chancen auf Frieden im Nahen Osten.

Bezüglich Menschenrechten ist er aber “flexibel”; bei Saudi-Arabien wird so etwas wie “Journalisten einsperren” nicht so streng gesehen (und so etwas wie Opposition gibt es dort gar nicht erst), und bei Israel schon gar nicht. Und während er die Ausschaltung des Parlaments in Venezuela (seit der Wahl ’15 vom Oppositionsbündnis MUD dominiert) unter Nicolas Maduro ’17 thematisiert (und den selbsternannten Übergangspräsidenten Guaido unterstützt), bleibt er ruhig zum “stillen Coup” in Brasilien, wo das Parlament ’16 die Präsidentin (Rousseff) ausschaltete, und zur Ausschaltung „Lulas“ durch die Justiz von der Wahl ’18. Zurück zur Türkei und Flüchtlingen: Zu Drohungen aus der Türkei, den Flüchtlingspakt mit der EU zu kündigen, wenn es nicht zu der verabredeten Visa-Freiheit für ihre Bürger kommen sollte, sagte Kurz, in diesem Fall müsse die EU ihre Aussengrenzen selbst schützen – „nach dem Vorbild Australiens“. Bootsflüchtlinge, so Kurz, sollten nach dem Vorbild Australiens im Mittelmeer abgefangen, sofort zurückgeschickt oder auf Inseln interniert werden. Nun, allzu weit weg ist er auch nicht entfernt von John Howard. Kurz und Strache spielen das Zuwandererthema, um vom Sozialen, von Umweltthemen (wie der Klimakrise) und vom eigenen Chauvinismus abzulenken. Sein Vorgänger als ÖVP-Chef und Vizekanzler, Reinhold Mitterlehner, geizte nicht mit Kritik an Kurz, bezeichnete diesen als “Rechtspopulisten“.

Ein Blick auf die Schweiz: Die “Weltwoche”, die 1933 Sympathie für den Faschismus und ihre Schweizer Ableger (hauptsächlich die Nationale Front) zum Ausdruck gebracht hat, unterstützt heute ziemlich offen die Schweizerische Volkspartei (SVP). Roger Köppel, Ziehsohn von Christoph Blocher, ist Chefredakteur der “Weltwoche”, nun auch SVP-Politiker (Nationalrats-Abgeordneter); zwischendurch war er auch passenderweise bei “Die Welt” in leitender Funktion. „Weltwoche“ wie SVP sind weit rechts und pro Israel; erstere hat zB auch “PI” anklagend verteidigt („unabhängige und populäre Gegenstimme“). Selbst für Weltwoche/SVP-Massstäbe auffallend rechts ist Philipp Gut. Warum bevorzugt Rechtskonservative wie SVP-Mann Ulrich “Ueli” Maurer Israel-Lobbyisten sind, wird von zionistischer Seite meist damit “erklärt”, dass die Linke eben so “antisemitisch” sei… Im März 2013 ein Artikel in der „Basler Zeitung“: „Die sieben geläufigsten Propaganda-Märchen. Israel ist böse, Palästinenser sind Opfer: Seit Jahren nimmt das Gros der westlichen Medien diese Perspektive ein. Das sind die sieben perfidesten Märchen.“ Autor: der Deutsche David Harnasch, war Bush-Fan, dürfte auch Trump-Fan sein, ein Hardcore-Zionist (“Entebbe”-Leibchen,…). „Basler Zeitung“: Miteigentümer ist SVP-Patron Christoph Blocher.

Laut Richard Spencer ist Donald Trump zwar kein Vertreter der “Alt-Right”, sein Wahlsieg 16 sei aber ein erster Schritt in Richtung einer “schlüssigeren” Politik, Trumps Populismus sei tief in der “identitären Politik” verwurzelt. Spencer, Bonzensöhnchen, US-amerikanischer White-Supremacy-Aktivist, prägte die Bezeichnung “Alt-Right”. Es gehe darum, die USA von „Nichtweissen“ zu „säubern“, zu verhindern dass die weissen US-Amerikaner in “ihrem eigenen Land” künftig eine Minderheit sein werden. Die Nazi-Diktion und -“Versatzstücke” stehen dem nicht entgegen, dass sich dieser Spencer als “weisser Zionist” bezeichnet, er wolle ein “sicheres Heimatland” für “seine Leute” wie es Israel für Juden sei, einer der wenigen Ethnostaaten. Er ist auch gg Juden in der USA (bzw sieht sie nicht als “Weisse”), ist nichtsdestotrotz ein Israel-Anhänger, klassisch… Über Trumps Wahl (und Obamas Abtritt) gab es Frohlocken in diesen Kreisen, eben so wie bei Zionisten (Naftali Bennett strahlte schon, dass mit Trump eine Zweistaatenlösung bzw ein Staat Palästina „vom Tisch“ sei), Saudis und Leuten wie Robert Spencer. Am Ende einer Veranstaltung seines National Policy Institute im November 2016 in Washington D.C., auf der Trumps Sieg gefeiert wurde, rief er den Anwesenden unter anderem zu: „Hail Trump, hail our people, hail victory!“ Teile des Publikums zeigten daraufhin den Hitlergruss.

USA-Präsident Donald Trump hat im Sommer 19 zunächst mit einem Tweet wieder gezeigt, wie primitiv (und) rassistisch er ist. Er schimpfte über einige weibliche Kongress-Abgeordnete der DP, die aus „Ländern mit korrupten und katastrophalen Regierungen“ kämen, und sich erdreisteten der Bevölkerung der USA („the greatest and most powerful Nation on earth“) zu sagen wie Politik zu funktionieren habe, „Why don’t they go back…“ und richten ihre Herkunftsländer her („the totally broken and crime infested places“). „Then come back and show us how it is done“. Dazu noch ein Seitenhieb auf Pelosi. Seine Äusserungen über „progressive demokratische Kongressabgeordnete“ waren unschwer erkennbar auf die jungen Alexandria Ocasio-Cortez (aus einer puertoricanischen Familie in New York), Ilhan Omar (aus Somalia), Rashida Tlaib (in USA in eine palästinensische Familie geboren) und Ayanna Pressley (Afro-Amerikanerin) gemünzt, 3 davon also von Geburt US-Amerikanerinnen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz warfen die vier Abgeordneten Trump offenen Rassismus vor. Bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps in North Carolina, als er erneut begann, Ilhan Omar zu attackieren, skandierte das Publikum „Schickt sie zurück“. Trump ließ die Menge gewähren, was er später leugnete. Dann tweetete er noch „Ich glaube nicht, dass die vier Kongressabgeordneten in der Lage sind, unser Land zu lieben“

Da findet sich Einges: Menschen mit dem Elend “ihrer” Länder „assoziieren“; ihnen zu sagen dass sie eigentlich zu anderen Ländern gehören, nicht zur USA, sich nicht “einzumischen” haben, sich anderswo um Probleme kümmern sollten,… Die “Anti”deutschen, die sich gerne so frauenfreundlich und progressiv geben (und pro-amerikanisch!), blieben hier natürlich ruhig. Omar geriet ausserdem in Kritik für “Israel-Kritik”. Glenn Greenwald verteidigte sie dafür bzw kritisierte die Zensurversuche gegen sie; als Kommentar dazu tweetete Omar: “It’s all about the Benjamins baby” > Israel-Unterstützung in der USA käme aus finanziellen Zuwendungen und Ähnlichem. Abagond kommentierte zutreffenderweise: “It’s not all about the Benjamins, despite what Ilhan Omar might think. As powerful and monied as is AIPAC (American Israel Public Affairs Committee), way more people belong to CUFI (Christians United for Israel). And yet more simply read their Bibles and see God as promising the land of Palestine to the Jews. And they mostly vote Republican, which is why Republicans are so blindly loyal to Israel even though few Jewish Americans vote for them. In the US most Zionists are not Jewish but Christian, in particular White Evangelical Protestants.”

Als eine der ersten moslemischen und afrikanisch-stämmigen Frauen, die in den Congress gewählt wurden, war Omar ohnehin von Anfang an Zielscheibe entsprechender Kreise gewesen, nach dem “Benjamins”-Kommentar (> Franklins Konterfei, auf Banknoten) kam nun auch die Allzweckwaffe “Antisemitismus” hervor. Etwa beim rassistischen Babyface Ben Shapiro (“The Ugly Truth About Antisemitism in the Democrat Party 2018 midterm will bring many new faces to Washington, but few will find as much adoration as Ilhan Omar…“) oder von den Murdoch-Medien (Fox, “New York Post”,…). Natürlich wurde sie auch in die Islamisten-Ecke gestellt, auch von Trump. Es gibt von diesen Praktiken schon Parallelen zum klassischen Antisemitismus, auch wie er sich in Nazi-Deutschland äusserte… Dann erliess Israel ein Einreiseverbot für die US-Abgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar, Ministerin Hotovely begründete das mit dem „Absprechen des Existenzrechts“. (Der Amerikanerin) Tlaib wurde dann doch ein „humanitärer Besuch” bei ihrer 90-jährigen Grossmutter im besetzten Westjordanland genehmigt. israel bestimmt natürlich auch dort über Ein- und Ausreise (und so ziemlich alles Andere)…und anerkennt nicht das Existenzrecht eines Palästinas.85

Trump beschimpfte dann auch den afroamerikanischen Kongress-Abgeordneten Elijah Cummings (DP) übel, als „brutalen Tyrannen“ und die mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Stadt Baltimore, die teilweise zu Cummings Wahlkreis gehört, als “schlimmste der USA”. „Cumming (sic) Wahlkreis ist ein widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch.” Kein Mensch würde dort leben wollen“, fuhr Trump in seiner Twitter-Tirade fort. Der Präsident stellte die Frage, was aus staatlichen Fördermitteln für den Distrikt geworden sei. „Wo ist das Geld hin? Wie viel wurde gestohlen?“ Damit zielte er offenkundig auf die Kritik des Demokraten Cummings an seiner verschärften Asyl-Politik an der Grenze zu Mexiko. Cummings habe sich über die „großartigen Männer und Frauen des Grenzschutzes“ und die Lage an der Südgrenze der USA ausgelassen, während „sein Baltimore-Wahlkreis weitaus schlimmer und gefährlicher“ sei. Es zeigt sich anhand dieser Fälle, wie Rassismus gegen Afro-Amerikaner, Schwarzafrikaner und Moslems/Orientale miteiander verbunden ist. Das war auch bei Keith Ellison aus Minnesota so, der erste Moslem im USA-Congress. Er hatte 17 mit seiner Kandidatur für den Vorsitz der Democratic Party keinen Erfolge, nach einer Schmutzkübelkampagne über seinen Glauben, seine Verbindungen mit der Nation of Islam (“Black Muslims”) in seiner Jugend und seiner Unterstützung für Rechte der Palästinenser an der Seite Israels. Seine Rasse wurde dabei nur “indirekt” thematisiert.

Der schwarze Professor Tommy Curry wurde auch rassistisch angegriffen, u.a. von der Alt-Right-Bewegung, Evangelikalen und anderen christlichen Zionisten. Nach Kommentaren über Waffengebrauch in der USA, gegen “Farbige” und von diesen; Curry thematisierte in diesem Zusammenhang Hetze gegen liberale und antirassistische Professoren in der USA. Angela Davis setzt sich für Schwarze in der USA und Palästinenser unter Israel ein, unterstützt BDS. Sie weist darauf hin, dass Israel US-Polizeikräfte trainiert (die gewaltsam gegen Schwarze vorgehen); das militärische Erscheinungsbild (und das entsprechende Vorgehen) der Polizei zB in Ferguson (Missouri) ähnelt nicht nur den israelischen “Sicherheitskräften”, die so gegen Palästinenser (“Terroristen”) vorgehen, es kommt auch von diesen. Deshalb haben Palästinenser den Protestierenden in Ferguson auch Ratschläge getweetet. Davis meint, dass die Unterdrückten über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten sollen. Bei einem Besuch in den bestzten palästinensischen Gebieten (2011) stellte sie fest, dass es dort weit schlimmer ist als ihrer Kindheit und Jugend in Birmingham (Alabama) der 1950er und frühen 1960er… Palästinenser haben ein Recht auf Widerstand, so Davis. Sie merkte auch an, dass manche Progressive in der USA progressiv bei Allem sind, ausser bei Israel-Palästina. Die Bestätigung kam dann, als das Birmingham Civil Rights Institute (BCRI) heuer (19) ihren Menschenrechtspreis, der Davis zugesprochen worden war, wieder “zurücknahm”.86

’17 in Charlottesville (Virginia) Aufmarsch vom KKK (inkl. David Duke), Neonazis,… gegen die Entfernung einer Statue von CSA-General Robert Lee, Gegendemo, ein Alex Fields fuhr sein Auto in diese rein, 1 Tote und 35 Verletzte. Von Trump eine verhaltene Reaktion mit allgemeiner Gewalt-Verurteilung und indirekter Verteidigung der Alt Right, unter den Marschierern (nicht den Gegendemonstranten!) in Charlottesville seien “very fine people” gewesen. David Duke, ein früherer KKK-Anführer, gratulierte Trump für seinen „Mut, die Wahrheit zu sagen”, und die „Charlottesville Rally” sei “Part of Effort to Take Country Back“ gewesen. Duke lobte auch Trumps Eintreten für einen Mauerbau an der Grenze zu Mexico.87 Die Israel-Unterstützer in der USA und die Rechtsextremisten dort unterstützen beide Trump und es gibt eine Überschneidung von diesen Gruppen. Die meisten Israel-Freunde dort sind schliesslich nicht Juden, sondern evangelikale Christen – die teilweise im Lager des “weissen Nationalismus” stehen.88 Diese Unterstützung wird von zionistischer Seite sehr gerne genommen (s.o. Evangelikale), auch wenn antijüdische Ressentiments von dort teilweise nicht so weit entfernt sind. (> Synagoge Pittsburgh).

Es gibt die Israel-Unterstützung aber eben auch in rechtsextremen Kreisen. Trump und Netanyahu lassen beide Mauern bauen, zu den “bösen und gefährlichen Nachbarn”, teilweise mit der selben Rhetorik. Unter jenen Neonazi-Rassisten, die 17 in Minnesota einen Bombenanschlag auf eine Moschee verübten, waren auch welche die sich freiwillig für Mithilfe am Bau von Trumps Mauer zu Mexico angeboten haben. Ja, und Trump bemüht sich eifrig, die Stimmen der Nazis zu bekommen, mit seinen rassistischen Bemerkungen. Zur Zeit von Bush hiess es, „Nein, wir führen doch keine Kriege für Öl“ (bzw, seine Unterstützer sagten das über ihn), unter Trump heisst es offen „Lasst uns (weitere) Kriege für Öl führen“.89 Bush heuchelte ggü Afro-Amerikanern Gleichheit vor; er hat auch ein Gesetz erlassen, das eine weltweite Überwachung „antisemitischer Tendenzen“ durch das US-Aussenministerium in Washington vorsieht. “Wir werden dafür sorgen, dass der alte Impuls des Antisemitismus in der modernen Welt niemals einen Platz finden wird.” Er redete auch von „Islamo-Faschismus“. Von Bush junior waren in Deutschland v.a. gewisse Alt-Rechte und Ex-Linke entzückt. Auch, weil sie die Necons als eine Art globalen Gegenpol zum Islamismus sahen. Dass sein Grossvater Prescott Bush Geschäfte mit den Nazis machte, und auch viele Rechtsextreme für ihn Sympathien hatten, war da völlig bedeutungslos.

Das ideologische Umfeld, in das die Israel-Unterstützung (nicht nur) von Trump eingebettet ist: Verkleinerung von Naturschutzgebieten (betrifft auch Indianer), Austritt aus dem Klimaschutzvertrag, Rassismus im Inneren und Äusseren, schamloser Imperialismus, Frauenverachtung,… Das meiste davon trifft zB auch auf Bolsonaro zu. Dass das wiederum die pseudolinken Deutsch/Österreicher nicht stört, die immer von “Antiamerikanismus” faseln (und das was sie als solchen sehen, zum Gradmesser für politische “Neigungen” machen!), versteht sich eigentlich von selbst. In der USA sind diese Ansichten grossteils auch hauptströmig. Der republikanische Senator Lindsey Graham hat heuer von Trumps damaligen Sicherheitsberater John Bolton einen “überwältigenden” Militärangriff auf den Iran gefordert. Bei Graham, einem baptistischen Südstaatler (South Carolina), Ex-Militär, Bilderberger, korresondiert seine Haltung zu Israel bzw Iran klarerweise mit seinen Positionen zu Waffenfreigabe, Krankenversicherung, Bürgerrechte, Klimawandel, Todesstrafe, Einwanderung,… Das ist auch bei Nicht-Politikern wie “Chuck” Norris so.

Eröffnung der neuen US-Botschaft für Israel ’18, mit Graham und weiterer israelisch-amerikanischer Prominenz

Trump liess die USA-Botschaft für Israel 17/18 von Tel Aviv nach Jerusalem/Quds verlegen, anerkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels.90 Ohne Erwähnung der Besatzung u.a. vom Ost-Teil der Stadt (seit 1967) und ohne Gegen-Konzession von Israel. Trumps “Nahostberater” Kushner spielte bei dem Schritt eine wichtige Rolle, der mit Saudi-Arabien abgesprochen wurde. Triumphgeheul von Netanyahu abwärts, verbunden mit Delektieren an Aufregung in der islamischen Welt. Trump, ein rassistischer Wahnsinniger, geistig schwach und im Hass auf innere und äussere “Feinde” fanatisch91, steht für den Niedergang der USA.92 Er hat Medienberichten zufolge die Aufnahme von Migranten aus Haiti und afrikanischen Staaten in Zweifel gezogen und diese als „Drecksloch-Länder“ bezeichnet. In derselben Beratungsrunde mit Senatoren und Kongressabgeordneten im Weissen Haus hat er anscheinend vorgeschlagen, stattdessen mehr Einwanderer aus Ländern wie Norwegen aufzunehmen. Oder Schweden? > Greta Thunberg… Israel ist für ihn kein “shithole country”, ganz im Gegenteil, Trump kommt Israel mehr entgegen als alle früheren USA-Präsidenten (trotz oder wegen Ankündigungen einer Politik aus ureigenen US-Interessen)…auch hier kein Anschein von Unparteilichkeit mehr.

Die USA ist unter ihm auch aus der UNESCO ausgetreten, wegen derer „israelfeindlicher Haltung“; bzw aus der Feindlichkeit von Trump und seinem Klüngel ggü der „3. Welt“, dem globalen Süden. Die USA stellte auch, 2018, die Zahlungen an das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) ein. Insbesondere Trumps Schwiegersohn und Nahostberater Jared Kushner hat sich vehement für die Kürzung ausgesprochen. Die Democratic Party (DP) nannte Trump “juden- und israelfeindlich“, auch: „Democrats hate the USA“ (> ,,Volksfeinde/-verräter”). Trump akzeptiert Juden irgendwie als Teil der weissen Bevölkerung der USA (die für ihn zählt). Sein jüdischer Schwiegersohn (Jared Kushner), die Ernennung weiterer Juden in wichtige Positionen (wie David Friedman), seine ungezügelte Unterstützung für Israel und seine Unterstützung durch Juden, das hängt wohl alles miteinander zusammen. Und die Haltung ggü Israel ist ohnehin das was zählt (> Broder, Netanyahu, Brauer,…). Juden wurden im Gegensatz zu Mexikanern oder Moslems von Trumps Xenophobie ausgespart. Aber es gibt bei ihm und in seinem Umfeld und Anhängern auch die klassische Haltung von Rechten, Israel zu bewundern, mehr als Juden an sich (> Richard Spencer). Trump selbst verachtet hauptsächlich linke, liberale, kosmopolitische Juden, wie George Soros.

Eine Woche nach Abfangen der Briefbomben des Trump-Fans Cesar Altieri an Trump-Kritiker im Oktober 18 das Schuss-Attentat auf die Synagoge in Pittsburgh (11 Tote), durch einen Robert Bowers, dem Trump zu wenig nationalistisch und zu sehr jüdischem Einfluss „ausgesetzt“ ist. Und der Juden (Organisationen wie HIAS) für nicht genehme Einwanderung verantwortlich macht. Sechs Monate später heuer dann ein ähnlicher Anschlag auf eine Synagoge in California, der Attentäter (auch ein weisser rechter Amerikaner) bezog sich dabei auch auf den Attentäter von Christchurch. In beiden Fällen handelte es sich um Weiss-Rassisten, die Juden nicht aussparten in ihrem Hass. Manche, die bei der Gewalt in Charlottesville oder Christchurch oder zu Trumps weissen Nationalismus mit den Achseln zuckten, waren nun (erst) entsetzt (über rechte Gewalt)93. Jüdische Vertreter aus Pittsburgh warfen Trump in einem offenen Brief vor, eine Mitverantwortung für den Anschlag zu tragen. „In den vergangenen drei Jahren haben Ihre Worte und Ihre Politik eine wachsende weisse nationalistische Bewegung ermutigt“. Trump wies die Vorwürfe vehement zurück und bezichtigte wiederholt die kritisch über ihn berichtenden Medien, Hassgefühle zu schüren. Die israelische Regierung und die grossen jüdischen Organisationen verteidigten Trump, dieser habe nichts mit dieser Gewalt zu tun.

Auf Trumps Vorgänger Barack Obama gab es bekanntlich viele rassistische Angriffe, nicht zuletzt auch von Israel-Freunden. Gegen ihn haben Zionisten und Weiss-Rassisten gehetzt, jeder für sich, manchmal zusammen, beide aus Unbehagen über einen Afro-Amerikaner als Präsident der USA. McCain warf Obama vor, die “Rassismus-Karte” auszuspielen. Das “birther movement”, das behauptet(e), dass Obama nicht in der USA geboren sei, stellt rassis(tis)che Feindseligkeiten als Motivation zT in Abrede, steht zT dazu. Birther leader Orly Taitz ist eine Jüdin aus Sowjet-Moldawien mit Israel-Verbindung.94 Daniel Pipes verbreitet(e) Verschwörungstheorien mit, dass Obama insgeheim Muslim sei. Auch Donald Trump gehört zu den „Skeptikern“.95 Obamas Gegenkandidat von 08, John McCain, hat Obama, als “Hamas-Favoriten” bezeichnet. Er dagegen wäre als Präsident der “schlimmste Alptraum” der islamistischen Palästinenserbewegung Hamas. In Wahrheit ist es umgekehrt…was die radikalen Kräfte im Islam benötigen ist ein Feindbild und als solches wäre McCain als “würdiger” Nachfolger Bushs natürlich weitaus passender als Obama. Die unsinnigen Aussagen und Ziele McCains (“Bomb, bomb, bomb Iran”) waren genau das, was im “Nahen Osten” hilft, gegen den Westen zu polarisieren, was den Islamismus verstärkt. Beim Tod McCains 18 würdigte Netanyahu ihn als „grossen amerikanischen Patrioten und grossen Unterstützer Israels“. Quelle seiner “anhaltenden Unterstützung für den jüdischen Staat” seien McCains „Glaube an Demokratie und Freiheit“ gewesen…

Glenn Beck, rechter Kommentator, warf Obama “anti-weissen Rassismus” vor, unterstützte dessen Gegner (zB die „Tea Party“-Bewegung). Der christliche Zionist (trat vom Katholizismus zum Mormonentum über, und von CNN zu Fox) dichtet eine Verbindung von Islam und Kommunismus zu einer „neuen Weltordnung“. Die Vorzugsbehandlung Israels durch die USA wurde unter Obama etwas gelockert, alles in allem hat bei ihm gegenüber Israel dann doch das Appeasement dominiert. Aber, und auch trotz Obamas “taktvollerem” Auftreten in Yad Vashem (verglichen mit Trump96), hält sich die überwiegende zionistische Feindseligkeit ggü Obama (und die positive Einstellung ggü Trump). US-amerikanische Werte waren nie universalistische, Teile der Bevölkerung der USA wurden oft als “unamerikanische Elemente” (für den KKK wie für den Mainstream) gesehen (ob “Neger”, “Indianer” oder Kommunisten, lange auch Katholiken oder Juden). “Der Weltpolizist und globale Richter verstösst im eigenen Land immer noch gegen jene menschenrechtlichen Prinzipien, in deren Namen er seine Interessen weltweit so brutal durchsetzt.”97 Die WASP-Vorherrschaft in der USA wurde spät herausgefordert, ist nun im Schwinden (Einwanderung und Aufstieg Anderer), wenngleich noch vorhanden (grosse Teil der Eliten,…). “WASP” schliesst („alteingesessene“) nicht-britische Nordwest-Europäer, Iren oder auch Juden manchmal mit ein. Für Samuel Huntington war WASP-Hegemonie das, was die USA ausmacht. Er hat Südamerika und Osteuropa klar von seiner Definition des “westlichen Kulturkreises” ausgeschlossen, auch Israel und Japan, sogar bei den katholischen Ländern Europas tat er sich schon schwer.

Juden werden im amerikanischen Mainstream heute überwiegend als “Weisse” gesehen, sie selbst sehen sich dort auch teilweise so. Wobei gut 80% der etwa 8 Millionen amerikanischer Juden Aschkenasen sind. Der amerikanische Rabbiner und Aktivist Michael Lerner (relativ liberal): “Jews can only be deemed white if there is massive amnesia on the part of non-Jews about the monumental history of anti-Semitism”. Und: “In America, to be ‘white’ means to be the beneficiary of the past 500 years of European exploration and exploitation of the rest of the world”. Der afro-amerikanische Aktivist Cornel West: “I think that antisemitism has proven itself to be a powerful force in nearly every post of Western civilization where Christianity has a presence.” Der „racial realist“ Samuel J. Taylor (Journal „American Renaissance”) und sein Kreis sind sich über Juden (und ihren Nutzen fur weisse nordische Rasse) noch nicht einig/schlüssig. Lawrence Auster (blog “view from the right”), Cousin von Autor Paul, vom Judentum zum Christentum übergetreten, wettert gg Einwanderung in die USA und arbeitet bei der Kampagne für eine weisse USA mit allen Möglichen zusammen, attackiert andererseits jene Rechte die ihm nicht antiislamisch genug sind oder aber wo ihm „Antisemitismus“ auffällt. Wurde für seinen Rassismus sogar vom frontpagemag(azine) rausgeworfen.

IT-Troll Carl Benjamin alias “Sargon of Akkad” macht auf Youtube für seine Hunderttausenden Zuseher rassistische, sexistische Hetze. Der Engländer deklariert sich als “klassischer Liberaler”, aber nur um weissrassistische Inhalte weiss zu waschen. Der “Alt-Right-Bewegung” steht er eigentlich nahe, ist aber anscheinend auf persönlicher Ebene mit Richard Spencer verfeindet, verbreitet die Verschwörungstheorie wonach dieser “kontrollierte Opposition” sei.98 Carl of akkad ist ein Rechtsextremer, bei dem Israel und Juden weder Freund noch Feind sind; er wird auf Aynrand promotet. Auch bei seinen Kollegen Pat Condell oder Stefan Molyneux99 ist Westen etwas Weisses, ist auch der Feminismus ein Gegner, wird Trump unterstützt, über “Zensur” und die “herrschende Geisteshaltung” gejammert. Ben Shapiro (“truth revolt”,…) versucht, Anliegen der Juden und Zionismus mit diesen (anderen) rechten Anliegen zusammenzuführen (nicht unähnlich Broder).

Die Wahl von Trump ins White House 2016 löste bei vielen zionistischen Lobbyisten in der USA und anderswo und rechten Israelis Euphorie aus, die weitgehend bis heute angehalten hat. Trotz Trumps Isolationismus-Ansätzen und trotz anderen Trump-Fans wie jenen die im November 16 in Washington den Wahlsieg mit „Hail Trump” und Hitler-Gruss (s.o.) begrüssten. In der Trump-Regierung gibt es mehrere Richtungen/Einflüsse, Widersprüche gibt es v.a. zwischen den früher von Steven Bannon angeführten Nationalisten und den von Jared Kushner geführten “Zentristen”. Trumps jüdischer Schwiegersohn Kushner (seine Eltern wanderten aus der SU in die USA ein) ist sein Berater, hauptsächlich für “Nahost”.100 Bei Kushner laufen, wenn man so will, die Fäden zwischen Trump, Netanyahu, al Saud zusammen, ihm gelang es, die “Nahost”-Politik Trumps in die gewünschte Richtung zu lenken.

Auf die Frage, ob die Palästinenser völlige Freiheit von Israels Regierung und Militär erwarten könnten, antwortete Kushner mit Zweifeln an deren diesbezüglichen Fähigkeiten – nicht mit Zweifel an Israels Willen, so etwas zuzulassen. Kushner, der an einem „Nahost-Friedensplan“ arbeitet, stellte sein “Team” sorgfältig zusammen, hauptsächlich Jason Greenblatt als Sondergesandter (inzwischen zurückgetreten) und David Friedman als USA-Botschafter für Israel.101 David Friedman ist ein rechtsgerichteter Hardliner, steht mit seinen Positionen zum “Nahost-Konflikt” (Besatzung und Widerstand) der israelischen/zionistischen Rechten nahe, ist Siedlungs/Besatzungsbefürworter102, verglich liberale Juden mit den Kapos aus den Nazi-“Konzentrationslagern”; seine Tochter ist nach Israel eingewandert (Wie gesagt, Israel betrachtet Juden weltweit als Israelis im Wartestand). Netanyahu erfreut: „Ein Freund Israels“. Das passt zu seiner Rhetorik (und jener im Diskurs), sachliche Kritiker sind „Feinde Israels“, „Israelhasser“,… Und, wer hier Identitäten, Lobbyismus, Loyalitäten,… thematisiert, ist ein „Antisemit“.

Etwas gänzlich Neues ist das ja nicht. Netanyahu hat jedenfalls Kushner als Bestimmer US-amerikanischer Politik bezüglich Israel/Palästina, der kann einen “Friedens-Prozess” beaufsichtigen, unter dem Israel seine Kolonialisierung von Rest-Palästina vollenden kann. Es gab Trumps Entscheidung zu Hauptstadt bzw Botschaft, Ausstieg aus der UNESCO wegen Israel (s.o.), den Ausstieg aus dem Iran-Atomdeal, neue Sanktionen gegen Iran, Drohungen, verbunden mit einer Verstärkung der Unterstützung von Saudi-Arabien,…103 Trump hat auch angekündigt, die USA sollten die Souveränität Israels über die Golan/Jawlan-Höhen anerkennen, die auch seit 1967 besetzt gehalten werden. Offiziell ist Trump für eine Zweistaatenlösung in “Nahost”, arbeitet sein Kushner an einem “Friedensplan”. Israels rechtsextreme Justizministerin Ajelet S(c)haked hat den von Trump angekündigten “Friedensplan” als „Zeitverschwendung“ bezeichnet. Netanyahu ist da diplomatischer, geniesst und schweigt.

Tony Judt: „Zu sagen, dass Israel und seine Lobbyisten einen übermächtigen und verhängnisvollen Einfluss auf die Politik der Supermacht haben, ist eine faktische Aussage. Doch wenn man sagt, dass ‚die Juden‘ Amerika kontrollieren, um ihre Ziele zu erreichen, begibt man sich auf das Feld des Antisemitismus“. 2003 ein differenzierter Artikel aus der indischen Teitung “The Hindu” über die jüdische Israel-Lobby in der USA…”AIPAC and the AJC are powerful, but they do not determine U.S. foreign policy. They are powerful not just because of their money, but because their views converge with those of the neo-conservative elements who dominate the ruling coalition in Washington.” Israel ist 1967 für die USA wichtig geworden, und eher aus aussen- als innenpolitischen Gründen, weil es als strategischer Verbündeter gesehen wird. AIPAC rennt mit Vielem in Washington offene Türen ein. Eine wichtige Rolle in diesem Lobbying spielt Sheldon Adelson. Der 80-jährige US-amerikanische Glücksspiel-Tycoon Adelson, ein Netanyahu-Freund, hat bei den letzten 2 USA-Präsidenten-Wahlen tief in seine “Taschen gegriffen” um den für Israel günstigsten Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, 12 Romney bzw Gingrich, 16 Trump.104 2012 hat er erfolglos über 90 Millionen US-Dollar “verzockt”, in dem er zweimal auf die falschen Pferde setzte; zuerst war es Newt(on) Gingrich, dann Mitt Romney. Gingrich sprach in den Vorwahlen der Republikaner auch von den Palästinensern als „erfundenem Volk“ (# Hassrede).

Der einzige Kandidat in den RP-Vorwahlen 12, der kein Klon von Romney war, ihm in entscheidenden Punkten kontra gab, war Ron(ald) Paul. Ron Paul wird gelegentlich versucht, “Antisemitismus” anzuhängen, während etwa Gingrich für seine Aussage(n) eher gefeiert wird. Das ist eine Schieflage, um die es in diesem Text geht. Für die US-Wahl ’16 stellten sich “Jeb” Bush, Chris(topher) Christie, John Kasich und Scott Walker bei Adelson in Las Vegas anlässlich einer Tagung der Republican Jewish Coalition vor, wurden dort von Adelson und Konsorten im Hinblick auf ihre Israel-Gesinnung auf Herz und Nieren geprüft. Adelson setzte dann ja auf Trump. Der Präsident der Zionist Organization of America (ZOA), Morton Klein, unterhält enge Verbindungen zu Adelson und Netanyahu, und hat Einfluss auf die Trump-Regierung. Es heisst, Klein war beteiligt an der Ernennung von John Bolton (auch schon unter Bush tätig und ein grosser Israel-Freund) als Trumps Sicherheitsberater bzw an der Entlassung von dessen Vorgänger McMaster (wegen “antiisraelischer” Haltung…).

In Israel hilft Adelson Netanyahu zB durch die kostenlose Hetz-Zeitung “Israel HaYom” und natürlich beim Bau weiterer Siedlungen in Ost-Jerusalem, Westjordanland und Golan/Jawlan. Im Endeffekt geht es dabei um ethnische Säuberungen, aber schaut schön aus, wenn zB in der Siedlung “Ariel” (die ab 1978 entstand, auf enteignetem landwirtschaftlichen Land der Palästinenser aus umliegenden Dörfern wie Salfit) der Grundstein für eine medizinische Universität gelegt wird, mit Geld von Adelson und im Beisein von Netanyahu105. Adelson und Andere zahlen zwar Milliarden Dollar für Pro-IL-Lobbying (also gegen Palästinenser-Menschenrechte, Frieden in der Region), kaufen Macht und Einfluss, die meisten (jüdischen und anderen) “Beteiligten” (zB bei CAMERA, MEMRI) arbeiten aber nicht wegen Geld mit sondern aus Fanatismus bzw Ideologie (Zionisten, Evangelikale,…), und das Geld fliesst eigentlich in die Gegenrichtung (Unterstützung IL durch USA).

Die Neokonservativen wurden unter Bush junior bzw nach den Anschlägen in der USA 2001 mächtig. Paul Wolfowitz, Richard Perle, Douglas Feith, William & Irving Kristol, Eliot Abrams, Charles Krauthammer, Norman Podhoretz,… sind hier zu nennen. Die Genannten sind Juden, Intellektuelle, kamen in den Umkreis der Macht bzw zu Einfluss, sind miteinander befreundet, versuch(t)en, die Politik der USA zu beeinflussen, im Sinne des Krieges gegen Irak 03, für einen gegen Iran, für eine Rolle der USA als Weltpolizist (mit ungleichen Regeln),… Eliot Abrams zu Bush: “Sie haben die enorme Verantwortung, einen neuen Holocaust zu verhindern. Sie sind der Einzige, der den Mumm hat, das zu tun”. In der zionistischen Rhetorik geht es normalerweise um “Sicherheit”, um das “Verhindern einer Vernichtung”, et cetera. Wenn es um die Absicherung der Eroberungen und Annexionen Israels von 1967 geht.

Krauthammer, der mit für den Irak-Krieg trommelte, wollte später kein Neokonservativer (Neocon) mehr sein, dieses label(ing) sei „antisemitisch“ (geworden); er attackierte Obamas Aussenpolitik als eine „des Rückzugs“, dieser sei feindselig ggü Israel und Netanyahu. 2012 bestritt “Daily Beast”-Blogger Ali Gharib eine Konflation von Neokonservativismus und Jüdischkeit; Neokonservativismus sei eine amerikanische (“imperialistische”), nicht eine jüdische Bewegung/Ideologie, auch wenn eine Handvoll Juden dabei seien; nannte wichtige nicht-jüdische Konservative wie Daniel Moynihan und Jeane Kirkpatrick, sowie Juden die die Dinge anders sehen, wie Dov Zakheim. Die Juden unter den Neocons würden aber gerne von jenen hervor gehoben, die Kritik an diesen als “antisemitisch” diffamieren würden. Die “Feinde der USA” und “Israels” bzw deren Interessen stimmen in den Augen der Neocons über ein. Relevant dazu ist auch das Buch von Stephen J. Sniegoski: The Transparent Cabal: The Neoconservative Agenda, War in the Middle East, and the National Interest of Israel (2008).

Die Neokonservativen der ersten Generation waren ehemalige Linke, die in den 1960ern und 1970ern nach rechts drifteten; einige waren für das AJC-Organ “Commentary” tätig, wie Norman Podhoretz. Die “Sorge” für Israel spielte eine Rolle (auch) bei diesem Rechtsruck. Es heisst, die Neocons (auch Bolton kann als solcher gesehen werden) lesen gerne Machiavelli, bewundern Churchill, lesen die Geschichte anhand des “Scheiterns” der 1930er (Appeasement, Hitler) und des “Erfolgs” der 1980er (“Fall” der Berliner Mauer, Implosion Ostblock)…Gedanke dazu: gleich 2x Deutschland, und die meisten Deutschen die Hitler einst dienten (nicht nur jene wie Franz J. Strauss, die in der BRD mächtig wurden) mussten sich gar nicht viel verbiegen, um gleich darauf wieder gegen „den Russen“ zu sein, gegen „die Teilung“, gegen die Mauer, usw. Der frühere Neocon (oder Neocon-Unterstützer) Francis Fukuyama kritisierte Krauthammer 2004 scharf, in einem Essay mit dem Titel “The Neoconservative Moment”, der sich hauptsächlich um den Irak-Krieg drehte, das Nicht-Auffinden von Massenvernichtungswaffen nach der Invasion dort. Krauthammer zog es dann vor, seine eigenen Behauptungen über MVW im Irak “unter den Teppich zu kehren”; Fukuyama nannte er einen “Antisemiten”

Einschub: Der „Antiamerikanismus“-Vorwurf in Europa, hauptsächlich im deutschsprachigen Raum. Andrei Markovits, der auch ein Buch darüber geschrieben hat, schrieb von einem „Tandem von Antisemitismus und Antiamerikanismus“. Nun, zumindest ist der “Antiamerikanismus”-Vorwurf eng verbunden mit jenem des “Antisemitismus”. Es geht Markovits, Broder, Joffe, Grigat,… aber um eine bestimmte USA; sie haben zB nie bei (sehr oft rassistischen) Angriffen aus Deutschland auf den US-amerikanischen Politiker Barack H. Obama (Staatspräsident 2009-17) das Wort erhoben, im Gegenteil. Es war in den Bush-Jahren (01-09), als Unterstellungen des  „Antiamerikanismus“-Unterstellungen besonders wucherten. Und als eine “Westlichkeit” erfunden wurde, die Faschismus, Kommunismus wie Islamismus trotze. Die „Transatlantiker“ in Deutschland wurden quasi die Anti-Antisemiten, egal welches Erbe (politisch, familiär) sie in Wirklichkeit vertreten. “Schiedel“/Peham: „Die Positionierung zu den Alliierten zeigt bis heute Nähe oder Distanz zum NS“.106

Für Deutschland spielt(e) es keine Rolle, dass Schwarze (Afro-Amerikaner) in den US-Südstaaten auch nach der Befreiung Europas von Hitler in den Bussen hinten sitzen und sich ihr Wahlrecht erkämpfen mussten. Und, die USA konnte nach diesem Krieg auf NS-Errungenschaften wie Gehlens Unterlagen zur Sowjetunion oder von Brauns Raketenarbeit bauten. Im Agana-Artikel wurde auch thematisiert, dass es vorkam, dass (nazi)deutsche Kriegsgefangene von US-Amerikanern besser behandelt wurden als Afro-Amerikaner, auch solche die in Europa gegen Hitlers Heer kämpften. Felix Steiner, aus Ost-Preussen, kämpfte im 1. und 2. WK, war Mitglied von NSDAP, SA, SS (baute letztere mit auf), war an der Besetzung der Tschechoslowakei beteiligt; er wurde dafür bekannt dass im März 45 Hitler und andere Nazi-Führer falsche Hoffnungen auf ihn setzten, Berlin und das Reich bzw das Regime noch zu retten (er wurde am 27. 4. seines Kommandos enthoben, paar Tage nach dem Hitler das Ende eingesehen hatte). Er kam im Mai in US-Kriegsgefangenschaft Mai, blieb dort bis 48; und arbeitete dann für die CIA. Die Abgrenzung, die er zu NS-Verbrechen vornahm, sollten dazu dienen, Wehrmacht und Waffen-SS zu rehabilitieren.

Henry Ford, Charles Lindbergh oder George Patton waren nicht nur antikommunistisch, sondern auch antijüdisch und, bis zu einem gewissen Grad „nazifreundlich“. Um welche USA geht es also? Samuel Huntington oder Ann Coulter sind geachtete Referenzfiguren der Islamophobie; Huntington hat aber Israel von seiner Definition des Westens ausgenommen, Coulter gilt als antijüdisch. Der ehemalige texanische Gouverneur Richard Perry ist einer der RP-Politiker, die nicht an Klimawandel und an die Evolutionstheorie glauben, die Homosexualität scharf ablehnen, den Evangelikalen nahestehen, liberal nur beim Waffenrecht sind,… Es ist anzunehmen, dass Perry auch Pro-Israel ist, man könnte es recherchieren, Leute aus diesem Milieu sind es für gewöhnlich. Was solche Amerikaner ggü nicht-weissen Amerikanern für Einstellungen haben, ist Typen wie Marco Schreuder (“Regenbogen-Zionisten”) egal, aber das andere Illiberale an ihnen anscheinend auch. USA-Politik zu kritisieren, fällt (oft) unter “Antiamerikanismus” (und damit glz unter „AS“), aber nicht jene, die tatsächlich oft rassistisch motiviert ist, an Obama oder Jesse Jackson…

Netanyahu hat einmal gesagt, die Clinton-Regierung sei extrem pro-palästinensisch gewesen; was viel über seine Massstäbe aussagt, unter Clinton und zT auch noch Bush hat die USA bezüglich Israel/Palästina eine unparteiische Rolle eingenommen bzw vorgemacht. Bernard-Henri Levy brachte damals mit Michel Friedman ein Buch heraus, mit der Aussage “USA-Kritik=Antiamerikanismus=Antisemitismus=Rechstextremismus”. Und die “Anti”deutschen damals… Robert Kurz: “Die antideutschen Kriegshetzer und ihre nützlichen Idioten … wollen die Kritik an der US-Militärmaschine … mit dem Odium des rechten, völkischen Antiamerikanismus versehen, und dazu paßt, daß sie die Linke und die Antikriegsbewegung in den USA ebenso maßlos denunzieren wie die Bewegungen in Europa. Sie stellen nur das seitenverkehrte Spiegelbild des völkischen Antiamerikanismus dar, indem sie die unmittelbare positive Identifikation mit dem Gewaltapparat der letzten Weltmacht verlangen und der US-Gesellschaft, deren Internierungsquote von sozialer Delinquenz mittels Knast und Straflagern heute höher ist als diejenige der Sowjetunion zu Stalins Zeiten, einen ‘zivilisatorischen Vorsprung’ bescheinigen. Auch die Amerikaner ‘dürfen’ nicht antikapitalistisch, sondern sollen bloß ‘antideutsch’ sein.”

Als Obama ins Weisse Haus kam, konnte (und wollte) man nicht mehr Kritik an US-amerikanischer Politik (im aktuellen wie historischen Kontext) als „anti-amerikanisch“ klassifizieren und von dort elegant die „Verbindung“ zum „Antisemitismus“ herstellen. Norbert Hofer von der FPÖ107 sagte anlässlich der Kopenhagener Klimakonferenz 09: “Das [“Scheitern” der Konferenz] verdanken wir einem ehemaligen Hoffnungsträger der Politik, dem Herrn Barack Hussein Obama, der beschlossen hat mit asiatischen Freunden, den gesamten Klimagipfel scheitern zu lassen – eine grosse Enttäuschung”. Sein zweiter Vorname “Hussein” wurde von seinen Gegnern besonders gerne betont. In einer TV-Doku über israelische Siedler-Rowdys sah man Leute über den “Antisemit Hussein Obama” reden, und über “Druck aus Washington” (bzgl der Siedlungen) klagen…ui, antiamerikanisch. Schmutzkübel auf Obama kamen/kommen gerne mit einem Mix aus Bezügen auf seine afrikanisch-moslemische Herkunft und Verdächtigungen seiner innen- und aussenpolitischen Politik, die sich daraus ergäbe > bereits in Vorwahlen von seiner parteiinternen Konkurrentin Hillary; manchmal auch ganz vulgär oder mit Verschwörungstheorien über seinen Geburtsort, usw.

USA-Kritik zu Bushs Zeiten, zu Obamas Zeiten… John Kerry (teilweise jüdischer Herkunft) war Bushs Gegenkandidat 04, dann Obamas Aussenminister (Nachfolger von Hillary Clinton). orf.at schrieb zu einem Kerry-Kommentar zur Siedlungs-/Besatzunsgpolitik Israels: “Kerry geiselt Israel”. Hm, wer ist jetzt Anti-USA? Und wie war das mit den “Antiamerikanismus”/”Antisemitismus”-Behauptungen, zu Bush-Zeiten? Ein Osten-Sacken schwärmte damals von Sarah Palin von der Tea Party. Und dann kam Trump… Bekennende Rechte waren/sind für ihn, Solchen gefällt zB wie er nach Aussen mit Mexico umspringt und im Inneren mit “Latinos”. FPÖ-Chef Strache war samt Delegation Anfang 17 bei Trumps Amtseinführung in Washington; Mölzer ist pro Trump wegen dessen „Einwanderungspolitik“. Es wird versucht, USA-Kritik über den „völkischen Antiamerikanismus“ zu diffamieren, aber Mölzer oder Strache sind eh pro Trump. Die FPÖ hat Huntington dezidiert Recht gegeben bzw Bezug genommen auf ihn, in einem Programm 08.

Der damalige CSU-Chef Horst Seehofer schwärmte, Trump setze „mit Konsequenz und Geschwindigkeit“ seine Wahlversprechen Punkt für Punkt um. „In Deutschland würden wir da erst mal einen Arbeitskreis einsetzen, dann eine Prüfgruppe und dann noch eine Umsetzungsgruppe“. Marine Le Pen machte sich nach Trumps Wahl fast in die Hosen vor Freude, tweetete dass die Amerikaner nun (wieder) “frei” seien. Von rassischer Gleichheit? Geert Wilders gratulierte den Amerikanern dafür, ihr Land zurückgewonnen zu haben… Viktor Orban schrieb, dass Trumps Sieg zeige dass die Demokratie “noch am Leben” sei. Auch die AfD verteidigte Trump, es werde von ihm ein “einseitiges Bild in Medien gezeichnet”…Hier wäre auch interessant, was macht er denn gut (in ihren Augen)? “Weltwoche”-Chefredakteur Roger Köppel ereiferte sich in einem Gastkommentar für “Die Welt”: “Gab es das schon mal? Noch nie seit Journalistengedenken wurde ein demokratisch gewählter Regierungschef derart angefeindet, geradezu kriminalisiert von seinen Gegnern”. Auch Salvini, Bolsonaro, Sarrazin, Broder,… waren/sind unter den Trump-Verstehern. Merkel kam ggü Trump, wie man es von ihr gewohnt ist, mit Appeasement; ähnlich Sebastian Kurz (s.o.). Kritik am US-Präsidenten wurden ab nun wieder als “antiamerikanisch” verteufelt. Es gibt jene, die erst dann ein Problem mit Trump haben, als der ankündigt, die Rechte von Transsexuellen einzuschränken…

Über Steve King oben bereits etwas; King wurde von der FPÖ-Plattform Unzensuriert.at interviewt. Er stimmte mit dem Interviewer überein, dass ein “Great Replacement” im Gange sei, das zur Vertreibung weisser Europäer führen soll. John Schmitz war ebenfalls ein republikanischer Abgeordneter im Repräsentanten-Haus, nicht nur in der antikommunistischen John Birch Society aktiv, sondern auch für das Institute for Historical Review, das den Holocaust leugnet. Jene Deutschen/Österreicher, die sonst bei USA-Kritik die “Nazi”- oder “AS”-Keule schwingen, bleiben bei solchen Fällen ruhig. Und wenn King ein evangelikaler Israel-Freund wäre, wären seine anderen Positionen auch kein Problem. Der Grieche Konstantinos Plevris, ein rechtsextremer Intellektueller, war in verschiedenen Parteien aktiv (die er zT selber gründete), die auch judenkritisch/antijüdisch waren/sind…und arbeitete mit der CIA zusammen; also ist er OK? Auch hier zeigt sich, dass die Realitäten bzw Fronten “etwas” komplexer sind: www.heise.de/ix/artikel/Suendenfall-794636.html , Zum Tod des Hackers Karl Koch.> unter den Kommentaren: „Clifford Stoll ist zu bewundern. an Robin Hood Märchen glaube ich nicht. Karl Koch war ein Junkie und Vaterlandsverräter.“ Ein “Vaterlandsverräter” wie Stauffenberg.

Gerade Dixie-Rednecks108 unter US-Amerikanern, also die Stammklientel der Republikanischen Partei, wettern über die “Ostküste” (also den Nordosten der USA), die so liberal und so mächtig sei. Manche Speichellecker dieser Republikaner in Europa sehen trotzdem einen Gegensatz zwischen diesen Rednecks und den hiesigen Lamentierern über die Ostküste… Trump hatte im Wahlkampf 16 harte Attacken gegen “das System“ geritten, womit er die Verquickung von Politik- und Finanzelite meinte. Der Westismus broderscher Art hat ja eine starke antikommunistische Komponente. Wobei es auch hier innere Widersprüche gibt. Kardinal Jozsef Mindszenty etwa, der sich nach der ungarischen “Revolution” 1956 in die USA-Botschaft in Budapest flüchtete, und 1971 ausreisen konnte, war sehr pro-amerikanisch…und wurde beschuldigt, antisemitisch bzw ein Nazi-Kollaborateur (gewesen) zu sein.109 Lustig wird das mit der “Antisemitismus”-Opfer-Keule auch in der Rosenberg-Sache, weil es hier ja gegen die USA geht und weil der Kommunismus nicht entlastet werden darf; ausserdem war der Staatsanwalt im Prozess der McCarthy-Mitarbeiter Roy Cohn (wahrscheinlich homosexuell, und in späteren Jahren Trump-Anwalt), also Jude, wie auch der Richter. Der rechts-esoterische Kopp Verlag (Ulfkotze, Eva Herman, Elsässer,…) rechnet gerne mit Linken ab, zB über Islamisierungs-Behauptungen, bringt Bücher über “freie Waffen” (Ratgeber, “Selbstverteidigung”), ist aber auch gg USA-Dominanz.

Für den Rechtsextremismus und Faschismus in Grossbritannien war früher das Verhältnis zu Juden und Deutschen “entscheidend”, heute zu Moslems und anderen Zuwanderern, was sich zT überschneidet, da die meisten Moslems in GB aus dem südasiatischen (“indischen”) Raum kommen, was neben der Karibik des Haupt-Herkunftsgebiet der Einwanderer ist. Es gibt/gab Entwicklungen die jenen andernorts ähneln. Vorurteile/Abneigungen gegen Juden oder Schwarze wurden zunehmend inakzeptabel, Moslems wurden “das Andere” bzw Ausgrenzungen (wie “Paki-bashing”) wurden eher aus religiösen Gründen statt aus rassischen argumentiert. Wobei hier parallelgesellschaftliche Strukturen und Anschläge wie jener in London 05 natürlich auch eine Rolle spiel(t)en… Die National Front (NF) fordert “Keep Britain white”, womit sie  in doppelter Hinsicht am Zionismus andockt: Zum Einen die bösen Antisemiten dort draussen lassen, ausserdem eine Parallele zu “Keep Israel jewish” (was etwa 90% der jüdischen Israelis unterschreiben würden) > einen Antagonismus zwischen diesen und jenen herstellen; eine Bedrohung dieser “Reinheit” in den Raum stellen, aus der ggf eine “Bedrohung der Existenz” wird. Die British National Party (BNP) ging aus der NF hervor, war früher stark antijüdisch (“antisemitisch”), jetzt antimoslemisch; akzeptiert Weisse nicht-britischer Herkunft als gleichrangig, wenn sie in einer der britischen Ethnien assimiliert sind, glaubt an rassische Unterschiede, arbeitet zB mit antimoslemischen Sikh-Gruppen zusammen.

Die English Defence League (EDL) entstand 09 aus dem Milieu/Umfeld der BNP und NF, umfasst auch protestantisch-britische Terroristen aus Nord-Irland sowie Fussball-Hooligans, hat auch den Focus auf Antiislam. Der eine Führer ist Paul Ray (Breiviks „Vordenker“, „selbsternannter Wiederbeleber des Kreuzrittertums), der andere “Tommy Robinson” (Stephen Yaxley-Lennon). Die EDL ist “trotz” ihres Neonazicharakters (den sie trotz ihres seriösen Anstrichs hat) zionistisch, projüdisch und hat viele jüdische Verbündete und Witwirkende, wie Pamela Geller (die die Verbindung zur Tea Party ist), Rabbi Shifren (aus USA, ein Kahanist), Roberta Moore aus Brasilien. Anti-Islam-Aufmärsche mit Hitlergruß und israelischen Flaggen… Die EDL unterhält auch Kontakte zu den “Anti”deutschen. Im 2. WK war die British Union of Fascists (BUF) von Oswald Mosley aktiv, auf der Seite Hitler-Deutschlands. Vidal Sassoon, britischer Jude, Friseur-Unternehmer, gehörte damals zu einer militanten antifaschistischen Organisation, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die BUF engagierte; und nahm auf zionistischer Seite (Haganah) am Ersten Arabisch-Israelischen Krieg (1948) bzw der Nakba teil. In späteren Jahren engagierte er sich als Gründer u. a. des Vidal Sassoon International Centre for the Study of Antisemitism an der Hebräischen Universität Jerusalem (Wistrich, Küntzel…), das den AS-Diskurs im zionistischen Sinne zu lenken versucht.

Australiens Premier John Howard sprach gerne vom “jüdisch-christlichen Erbe”; gegenüber den Aborigines hat er zB die 1967 errungene Bundes-Vollmacht für Aborigines-Angelegenheiten gegen sie ausgelegt, bei Bauvorhaben. Auch seine Flüchtlings- und Einwanderungspolitik war im Sinne des weissen Australiens. Dass die Aborigines weitgehend christianisiert und anglisiert sind, hilft ihnen da nicht. 2006 hat die israelische Botschafterin in Australien, Naftali Tamir, gesagt dass Israel und Australien wie Geschwister seien, beide lägen in Asien und ihre Einwohner hätten nicht die asiatischen Charakteristiken von “gelber Haut und Schlitzaugen”, sondern gehörten der “weissen Rasse” an. Das ist der ewige innere Widerstreit des Zionismus, sich als “Kolonialisten” oder doch als “Eingeborene” verstehen, lieber Weisser oder Aborigine, Westler oder Orientale, Landser oder Partisane, und das korrespondiert mit den Haltungen von Graumann und Noll zu Sarrazin. In Canada ist ebf. die Rechte (CPC, besonders Harper) proisraelisch, mit ähnlicher Rhetorik/Motiven. Rechtsextreme, also rechts von den Konservativen, versuchen auch dort, mit Pro-Israel (zum Anti-Islam dazu) Mainstream-Akzeptanz zu bekommen; Yves Engler dazu.

Niederlande: Geert Wilders verliess 06 die rechtsliberale VVD, um die rechtspopulistische PVV zu gründen, eigentlich primär eine Partei für Gutverdiener, die möglichst wenig Steuern zahlen wollen. Das Fremdenfeindliche macht sie bei breiteren Bevölkerungsschichten populär, das Philosemitische dient der (nicht zuletzt internationalen) Akzeptanz. Wilders würde nicht offen zu Rasssimus gegen Schwarze stehen, lieber Ablehnung in „Anti-Jihad“ kleiden oder argumentieren, man lehne Frauen- oder Schwulenfeinde ab. Er will ein Verbot des Islams, weil dieser gefährlicher als der Nationalsozialismus sei. Die PVV ist eine der westlichen rechten Gruppen, die nun projüdisch sind bzw im Bündnis mit (gewissen) Juden. Jordanien sei eigentlich Palästina, soll heissen die Palästinenser haben in dem Land in dem sie seit den 1920ern kontinuierlich zurückgedrängt werden, schon gar keine Rechte, höchstens auf Gnade und Almosen.110 Wilders will “Israel” in die EU.

Aber es gibt auch klassisch Rechtes an der PVV, wovon auch die Achse mit der FPÖ zeugt; oder die Forderung nach einem Schächtverbot… Die PVV hat scheinbar kein Nazierbe, doch sie steht in einer Traditionslinie der Rechtsaussen in der NL, die Beachtung wert ist (gerade weil ein Schreuder sich damit lieber nicht auseinander setzen will). Es gibt eine Linie von den Faschisten/ Nazi-Kollaborateuren (hauptsächlich war das die NSB111) über die “Kolonialisten” in Indonesien, Kalten Krieger, bis zu den Rechtspopulisten von LN, LPF (sowie LVF), PVV. Der Reihe nach: Die Frage der Unabhängigkeit Indonesiens (Niederländisch-Indiens), der wichtigsten Kolonie, war rund um den 2. WK ein wichtiges Thema für die Niederlande.112 1958 wurde die Oud-Strijders Legioen (OSL) gegründet, als Abspaltung von der VLN, eine Organisation von Veteranen aus Indonesien sowie Korea; und zwar nachdem die VLN 1956 in Ungarn militärisch aktiv werden wollte.

Die OSL, lange von Prosper Ego geführt, war anti-kommunistisch und pro USA; in den 1980ern organisierte sie Gegenproteste zu jenen gegen die Stationierung von Nuklearwaffen in der NL (einer ihrer Slogans war damals „Liever een raket in de tuin dan een Rus in de keuken“). Und, sie unterstützte die Apartheid-Regime (mit teilweise Kolonial-Charakter) von Südafrika und Israel. Gut, auch wenn man Israel und Südafrika 1948-1994 nicht als Apartheidsysteme sieht, die OSL hat die beiden jedenfalls unterstützt; sie hat auch ein Emblem kreiert aus dem südafrikanischen Springbock, dem Davidstern und dem niederländischen Löwen. Sie gab ein Magazin heraus, “Sta-Vast”, in den 1990ern war Mathieu “Mat” Herben ihr Herausgeber. Herben spielte dann in der Lijst Pim Fortuyn (LPF) eine führende Rolle. Wilhelmus “Pim” Fortuyn war zunächst in der (eigentlich liberalen) Leefbar Nederland (LN) aktiv, nach einem Wahlerfolg in Rotterdam 2002 gründete er eine eigene Partei, die LPF eben. Thematisierte (eigentlich nicht zu Unrecht) islam(ist)ische Hetze gegen Homosexuelle in der NL, formte daraus eine neue Xenophobie bzw Rechtspopulismus, der Zeit entsprechend. Ein Rechtspopulismus, der scheinbar mit den bisherigen Inhalten der Rechten nichts zu tun hatte.113

Kurz vor der Neuwahl 02 wurde Fortuyn ja von einem Tierschützer ermordet. Die LPF bekam auch ohne ihn grossen Zuspruch, wurde zweitstärkste Partei; formte mit der christdemokratischen CDA und der VVD eine Koalition. Mat Herben kristallisierte sich als neuer Frontmann der LPF heraus, wurde aber nicht Teil der Regierung Balkenende I (sondern parlamentarischer Führer der LPF). Interne Konflikte in der LPF liessen die Regierung bald zusammenbrechen und bei der Neuwahl 03 fiel ihre Zustimmung von 17% auf 5,7 (ging in die Opposition). Die LPF (mit Herben als Führer) war nicht leefbar ohne ihren eponymen Gründer, daran änderte auch eine Namensänderung (in LVF) nichts. Sie wurde 08 aufgelöst, die LN bereits vorher. Reste von LVF und LN gingen hauptsächlich in der PVV auf, bzw die Wähler wechselten zu dieser.

Die Fortschrittspartei (FrP) in Dänemark hat sich anfangs auch über wirtschaftliberalen Populismus und Antikommunismus definiert, dann kam Ausländerfeindlichkeit hinzu. Von ihr hat sich 1995 die DF unter Pia Kjaersgaard abgespalten, der Nationalismus wurde mehr, der Libertarismus weniger, infolge des 11. 9. 01 konnte man auch politisch korrekt hetzen (und bekam Auftrieb). Die norwegische FrP (Fremskrittspartiet) unter Siv Jensen und Carl Hagen ist noch etwas prosiraelischer als die DF (die dänische FrP ist in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt). Die proisraelischste Partei ist auch in Norwegen die rechteste. Siv Jensen hat Israel zB im Sommer 08 besucht, auch Sderot, und dort wurde sie, traut man en.wikipedia (bzw den Autoren des Artikels über Jensen) Zeugin (und “Opfer”) eines Hamas-“Raketen”-Angriffs aus dem Gaza-Streifen. Jensen verteidigt “Israels Recht auf Selbstverteidigung”114, will die Verlegung der norwegischen Botschaft für Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Sie ist natürlich auch nur gegen den radikalen Islam115. Jedenfalls hat die Partei, die immer eine Anti-Einwanderungs-Partei war)116, nun auch die Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit politisch korrekt zu vertreten, sich auch noch als Kämpfer für etwas Gutes zu präsentieren.

Die Klimawandel-Skeptikerin Jensen hat Verbindungen zur Henry Jackson Society, ist blond, sauber, “arisch”, und aus einem Land das für Trump das Gegenteil eines Shithole country ist; gut möglich dass Netanyahu, dessen Sohn eine norwegische Freundin hat, das so ähnlich sieht (obwohl das von ihm bekämpfte Abkommen mit den Palästinensern dort ausgehandelt wurde). Während des “Gaza-Kriegs” 08/09 demonstrierte die rechte FrP zusammen mit der christdemokratischen KrF für die israelischen Angriffe Verteidigung. Es gab in Oslo auch Proteste gegen den Krieg sowie gegen die grosse Pro-Israel-Kundgebung im Jänner 09 (mit Jensen). Es gibt einen Artikel auf en.wiki, „2008–09 Oslo riots“, eine Spielwiese für einschlägige Aktivisten auf Wikipedia; natürlich waren die “riots” “antisemitisch”, von Moslems und Linken durchgeführt,…117 > Homosexuellen-Feinde unter norwegischen oder israelischen Rechten… Angesichts des Doppelterroranschlags in Norwegen ’11 mit 77 Toten  bereute Jensen „einzelne Ausdrücke“ die sie zwei Jahre zuvor im Wahlkampf gemacht hatte, etwa von einer „schleichenden Islamisierung“ Norwegens. Unter den Opfern der Anschläge war auch eine Jensen bekannte Person. Die Chefin der dänischen DF, Kjaersgaard, nannte Jensens “Reue” „schrecklich“ und eine „ganz, ganz falsche Entscheidung“.

Anders B. Breivik hat die “Creme” der Islamophobie (Glick, Broder, Pipes, Spencer,…) ganz richtig erkannt. Alles aus seinen Texten findet sich im islamophoben Sumpf, der sich seit 01 breit gemacht hat („neue Türkenbelagerung, neuer Kreuzzug nötig um Abendland zu retten, (kein) Kotau/Kapitulieren vor Moslems, Einsatz der NATO gg serbische Brüder war inakzeptabel, feiges Verhalten der Regierung bei Mohammed-Karikaturenkrise, multikulturelle Gesellschaft schlecht, Eurabien im Entstehen, Koran sollte verboten werden, Geld an Israel statt an Palästinenser, Moslems aus Europa deportieren,…”). Viele redeten wie “Krone”-Jeannee vom “unpolitischen, wirren Einzeltäter118; solche wie Breivik sind “unpolitisch” aber solche wie Amri “politisch”? Eine Zionistin auf youtube schreibt von einem „muslim false flag inside job“, ähnliches deutet auch FPÖ-Königshofer an (“Ciu [sic] bono”), er relativierte auch die Anschläge angesichts einer islamistischen Gefahr. Christian Zeitz (Akademikerbund): „Breivik ist kein Christ“ (aber Jihadisten sind Repräsentanten des Islam…). Andere aus dem rechtspopulistisch-zionistisch-islamophoben Bereich rechtfertigen sich mit „Kann sich Anhänger nicht aussuchen“, „Opfer werden nun für Agenda ausgeschlachtet“ oder „war auch gg uns gerichtet“; Broders selbstgerechte Rechtfertigung in „Die Welt“: Wiederholung seiner Ideen, Breivik hätte seine Taten rational zu begründen versucht, das habe er bei Islamisten gelernt. Aber Küntzel und Andere sind Broder auch beigesprungen, halfen ihm, sich abzuputzen.

Kurz, Jeannee, C. Dichand ’18

Robert Misik in der “taz”: “Ein einzelner Wirrer sei das in Norwegen gewesen, trommeln jetzt die Sprecher rechtspopulistischer Parteien und die Poster in der gut vernetzten islamophoben Bloggosphäre, sinnlos sei es, über so jemandes ‘Motive’ zu sprechen. Klar: Denn ‘die Motive’ der Taten, so wissen wir derweil, das sind genau jene Ideologieversatzstücke, die die österreichischen Freiheitlichen, Rechtspopulisten wie Geert Wilders, ‘Pro Köln’, die norwegische ‘Fortschrittspartei’ und die ‘Schwedendemokraten’ oder Blogs wie ‘Politically Incorrect’ und andere Tag für Tag in die Welt hinausposaunen. Kein Wunder, dass sie jetzt nicht über ‘die Motive’ ihres Gesinnungsfreundes reden wollen.”119 Über Rechte in Schweden (SD, K. Ekeroth,…), Finnland,… liesse sich diesbezüglich auch Einiges schreiben, aber hier gibt’s nur eine Auswahl. Avigdor Lieberman hat vor einigen Jahren als Aussenminister zuerst Schweden, dann Norwegen angegriffen, mit Antisemitismusvorwürfen. Schweden wegen eines Artikels in einer Zeitung über israelische Soldaten in den besetzten Palästinenser-Gebieten, die Organe toter Palästinenser entnommen hätten; die schwedische Regierung lehnte es unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit ab, den Artikel zu verurteilen. Norwegen angesichts der 150-Jahr-Feiern für seinen Schriftsteller Knut Hamsun, wegen dessen Haltung zu Nazi-Deutschland.

“Counterjihad-Konferenz” Brüssel 07; F. Dewinter, A. Eldad/Scheib, D. Littmann; Foto P. Geller; der Vater dieses Eldad war einer der Mörder von F. Bernadotte

In Frankreich gibt es auch die Versuche, das Rechte nicht nur “appetitlich” zu machen, sondern auch das “Unappetitliche” den Anderen umzuhängen… Algerien wurde im 19. Jh wichtigste französische Kolonie; in den 1940ern gab es im französischen Diskurs über Algerien diesen Übergang von der Verbindung aus Nationalismus und Katholizismus zum “freien Westen” (nach dem Krieg, auch wenn es um Kolonialismus ging) – mit der “Zwischenstation” der Vichy-Verwaltung, für die nicht wenige Colons Sympathien hatten. Mit eingeschlossen in diesem Übergang ist jener vom tapferen Nazi-Opfer zum Unterdrücker ausserhalb Europas (bzw: zur 4. Republik); 1954 der Übergang vom Indochina- zum Algerien-Krieg. In der 4. Republik gab es eine recht starke Zusammenarbeit mit dem Zionismus bzw Israel. In dieser Zeit legte auch die Action française ihren Antijudaismus ab.

Alain Finkielkraut (polnisch-jüdischer Herkunft) beklagt u.a. den „widerlichen Diskurs der Selbstkritik bezüglich Sklaverei und Kolonialismus“, den “Verfall westlicher Traditionen” (durch “Multikulturalismus” und “Relativismus”); er verteidigt den Kolonialismus und hat auch ein Problem mit den (christlichen) Schwarzen120 in “Hauptland”-Frankreich bzw in seinem Fussball-Nationalteam. Jean-François Copé, jüdischer Politiker (RPR, UMP, LR) stösst grossteils in selbe Horn, will eine stolze und von Komplexen befreite französische Rechte (verkörpern); was ihn auch zum entschiedenen Gegner der Einführung der Homosexuellenehe macht. Es gibt weitere Intellektuelle und Prominente in Frankreich, die auf dieser Welle unterwegs sind, darunter der bereits genannte BHL und Ex-Linke wie Pascal Bruckner (der den Westen vor Moslems und selbsthassenden “Westlern” retten möchte).

Die Front national (FN), seit 2018 Rassemblement national (RN), hat um 2010 die Wendung vollzogen, zu proisraelisch, philojüdisch, antimoslemisch121, Nationalismus neu definieren, Homosexuelle oder Juden ggü Moslems in Schutz nehmen,… Das war in der Endzeit von Jean-Marie Le Pens Führerschaft und am Beginn der seiner Tochter. Bezüglich der deutschen Besatzung von Frankreich (1940-44) wusste die FN ja lange Zeit nicht, wie sie sich positionieren sollte, wegen État français, Kollaboration und so. Jean-M. Le Pen verglich nun Moslems in Frankreich mit der deutschen Besatzung. Übrigens: Daniel Schwammenthal hat 03 darüber gejammert, dass Frankreich unter Jacques Chirac nicht am Irak-Krieg teilnahm, höhnte dass Chirac statt Bush oder Sharon normalerweise korrupte afrikanische Diktatoren empfinge. Wenn Frankreich seinen Einfluss in Afrika aufgäbe, wäre das zum Vorteil dieser Länder, man muss nur an den Sturz von Laurent Gbagbo in der Côte d’Ivoire 2011 denken.

Silvio Berlusconi, Herrscher über das Mediaset-Imperium und die Forza Italia (und damit gut 10 Jahre mit Unterbrechungen Ministerpräsident Italiens) sprach einst von von “antisemitischen Einstellungen in Teilen der italienischen Linken”. Natürlich ging es um Israel122, und um jene Linken, die noch nicht voll Pro-Israel geworden waren. Unter Anderem dafür bekam Berlusconi eine Preis von der ADL, trotz Lobes für Mussolini. Bei einer Berlusconi-Kundgebung in Rom war eine israelische Fahne zu sehen… Jemand der so sauber ist (tut), der muss Dreck am Stecken haben; er der auf den Trümmern der I. Republik zur Macht kam, hat sich als korrupter erwiesen als deren Protagonisten. Und natürlich, ab etwa 2000 konnte er seine rechte Israel-Begeisterung als Antithese zu Antisemitismus deklarieren, sich damit als Quasi-Antifaschist positionieren…

2004 eine „Antisemitismus-Konferenz“ in Italien (Villa Madama in Rom), veranstaltet von der ADL und der konservativen Zeitung “Il Foglio”; Teilnehmer waren unter anderem ein Richter des obersten israelischen Gerichtshofs, der oberste Rabbi in Rom und der US-amerikanische Botschafter in Italien. Im Mittelpunkt standen die Rolle der Medien und mögliche Maßnahmen von Regierungen. Natürlich ging es “auch” um Israel-Weisswaschung. Eröffnet wurde die Tagung vom damaligen Aussenminister Gianfranco Fini, auch Chef der Alleanza Nazionale (AN), Nachfolgepartei der neofaschistischen MSI. Diese Partei entstand einst im Milieu von Funktionären der Repubblica Sociale Italiana (1943-45, Nord-Italien), einem Marionettenstaat von Nazi-Deutschland, entstanden nach dem Sturz von Mussolini. Finis Vater wie auch der langjährige MSI-Chef Almirante waren solche Funktionäre gewesen. Inzwischen war er ein (auch international) salonfähiger Politiker, der sich und seine Partei von ihrer faschistischen Vergangenheit weisswaschen wollte. Ja, Fini hat 08 gesagt, das Verbrennen einer israelischen Fahne sei schlimmer als der Mord an einem (italienischen) Mann in Verona durch Skinheads damals.

08/09 das Gaza-Massaker (unter Olmert, wie das 06), die letzten Tage von Bush als USA-Präsident, während Netanyahu in Israel vor einer Rückkehr an die Macht stand. Zu jenen, die Israel damals verbal unterstützten, gehörte auch Roms Bürgermeister Gi(ov)anni Alemanno (damals AN) – nach dem Aufruf einer linksradikalen Gewerkschaft zum Boykott von Israel. Auch ein Ex-Faschist, mit möglichen Mafia-Verbindungen. Dem israelischen Soldaten Gilad Shalit trug er die Ehrenbürgerschaft der Stadt an. Wichtigste Rechtspartei Italiens ist inzwischen die Lega (Nord), und ihr Chef Salvini ist auch ein grosser Israel-Freund; nicht immer zum Behagen der Juden Italiens – das ist eine Parallele zu Österreich, Deutschland,…die unterschiedlichen Ansprüche von Israel und der Diaspora. Vor einigen Jahren gab es in Mailand ein “Gipfeltreffen” europäischer Rechtsparteien; Schwerpunkte waren laut Lega Nord unter anderem Themen wie Migration, Banken, Handel und der Schutz der lokalen Produktion.

Spanien: Die franquistische Staatspartei war die FET y de las JONS (“Movimiento Nacional”), die 1977 aufgelöst wurde. Ihr Erbe ging in die Unión de Centro Democrático (UCD; A. Suarez), die Alianza Popular (AP; M. Fraga) sowie die Fuerza Nueva (FN; B. Pinar) über. “Im Schatten” von drei UCD-Wahlsiegen (und -Alleinregierungen) fristeten AP und die FN (die einzige der Drei, die man wirklich als rechtsextrem bezeichnen kann) ein Dasein als parlamentarische bzw ausserparlamentarische Opposition. Zu Zeiten der PSOE-Regierungen (F. Gonzalez) ging ein grosser Teil der UCD in der AP auf, die 1989 zur Partido Popular (PP) wurde. Diese deckte auch den Bedarf im rechten Spektrum so weit ab, dass die FN oder eine andere pro-franquistische, rechtsextreme Partei keine Chance hat(te). José M. Aznar (Jahrgang 1953) war in einer falangistischen/franquistischen Studentenorganisation aktiv gewesen, dann in der AP; sein Vater und Grossvater waren franquistische Journalisten bzw Staatsfunktionäre gewesen. Der ehemalige Steuerinspektor wurde PP-Chef, war 90-96 Oppositions-Chef, dann 96-04 Premierminister. Das Erbe des Franquismus ist über die AP teilweise in die PP eingegangen, nicht zuletzt durch José Aznar.

Die PP hat kaum einen Bruch mit dem Franquismus bzw dem Estado Español vollzogen. Aznar verlieh als Premier zB dem hochrangigen Funktionär der franquistischen politischen Polizei Brigada Político-Social, Gestapo-Zuarbeiter und Folterer von “Terrorverdächtigen” (v.a. Basken), M. Manzanas, posthum einen Orden. Demokratiepolitisch bedenklich bzw dazu passend war auch dass Aznar 02 den (versuchten) Sturz des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez (bzw die Proklamation von P. Carmona als sein Nachfolger) gleich anerkannte. Damals bekam er in Südamerika den Beinamen “perrito yanqui” (Yankee-Pudel) oder “George Bushs Pudel”.123 Zwischen hispanischer und angelsächsischer Rechter wird es aber nicht so leicht eine Einigung geben, einiges dazu im Brasilien II – Artikel. Aznar gründete ’10 mit John Bolton und Anderen die neorechte Friends of Israel Initiative, ist ausserdem aktiv für MEMRI oder News Corporation (Murdoch). 2010 ein Gastartikel von ihm in “The Times” nach dem “Mavi Marmara”-Massaker – die Welt bzw der Westen müsse Israel unterstützen, denn wenn es “untergehe”, gingen “wir alle” unter.

Auch hier also wieder wilde Projektionen auf Israel… Aber das ist noch nicht Alles. Walther Bernecker: “…zahlreiche Veröffentlichungen neofranquistischer Apologeten trugen zur Perpetuierung vieler franquistischer Mythen bei, z.B. Franco habe bewußt und geschickt einen Eintritt Spaniens in den Zweiten Weltkrieg verhindert, er habe viele Juden vor nationalsozialistischer Verfolgung gerettet, er habe von Anfang an eine bewußte Modernisierungspolitik betrieben.” Dass Francisco Franco Juden “beschützt” hätte (vor dem Holocaust), wird gerne vorgebracht, um ihn zu rehabilitieren… Dass er sich nicht ganz mit Hitler eingelassen hat, wird zur Bezeugung seiner historischen Unschuld vorgebracht. Franco selbst hat von einem „gemeinsamen Kampf mit dem Westen gegen den Zerstörer der christlich-abendländischen Zivilisation, den Kommunismus“  geredet. Und, “der Westen” hat ihn ja nach dem 2. WK, im Kalten Krieg, tatsächlich als Verbündeten behandelt.

Erst in den letzten Jahren ist eine Partei rechts von der PP aufgetaucht, die sich behaupten konnte, Vox. Vox (gesellschaftlich sehr konservativ) ist nicht unbedingt für Juden, sondern für Zionisten. Sie ist hauptsächlich für Zentralismus, gg Regionalismen, profitiert von den katalonischen Abspaltungsbemühungen. “Anti-Sezessionisten” wie Vox können sich auf Israel anscheinend ebenso gut beziehen wie Sezessionisten (wie die Liga Veneta von Rocchetta in Italien). Sie ist auch stark gegen Islam, Einwanderung, “Multikulti”; rief die Partei im Regional-Wahlkampf in Andalusien zur „Reconquista“ auf, womit u.a. die Abschiebung von schwarz- und nordafrikanischen Einwanderern gemeint war.124 Islamisten-Anschläge wie jener in Barcelona ’17 bringen ihr Aufwind.

Brasiliens neuer Präsident (ein dreiviertel Jahr) Jair Bolsonaro ist ein grosser Freund von Israel und Netanyahu; die Freundschaft steht auf solidem Grund, wie die Beziehung Israels zu den Apartheid-Regierungen Südafrikas. Bolsonaro sieht Netanyahu sogar als eine Art Vorbild… Die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem kommt ja nun doch nicht zu Stande. Nach einer Israel-Reise traf sich Bolsonaro mit evangelikalen Priestern in Rio de Janeiro, redete auch über seinen Besuch in der Holocaust-Gedenstätte Yad Vashem in Jerusalem. Die Erinnerung an den Holocaust sei wichtig, „Wir können vergeben, aber wir können nicht vergessen“, sagte er dazu. Der Hinweis auf Vergebung rief bei Israel heftigen, zornigen Widerspruch hervor. Netanyahu blieb ruhig, er der sonst keine Gelegenheit auslässt, den Holocaust zu instrumentalisieren Der selbe Opportunismus wie zB sein Nicht-Erscheinen im Likud-Vorstand, wenn dieser für die Annexion von Teilen der palästinensischen Restgebiete stimmt. Bolsonaros Lob für die Militärdiktatur Brasiliens, für andere Diktaturen (wie jene Pinochets), sein Rassismus, Sexismus, Verachtung für politische Gegner, für die Natur,… waren alles kein Problem für Israel. Und auch dass Bolsonaro Hitler einen “grossen Strategen” nannte, störte nicht in den Beziehungen.

„thetimesofisrael“ empört sich: „Brazil’s Workers’ Party likens pro-Israel presidential front-runner to Hitler“. Das macht der schon selber. Ausgerechnet bei einem Treffen mit Evangelikalen (mit die grössten Israel-Fanatiker) sagte er etwas, dass Israel verärgerte. Aber, auch Trump vergab man ja seinen Umgang mit dem Holocaust (s.o.). Rechtsdiktaturen in Lateinamerika hatten in der Vergangenheit oft Nazi-Verbindungen ( > Aufnahme ehemaliger) bzw -Sympathien. Und dennoch auch eine Israel-Verbindung (Militärberater, Waffenkäufe,…).125 Zum Beispiel das Regime von Argentinien 1976-83. Was ja auch Einiges über so manche gängige AS- oder NS-Analyse aussagt. Bolsonaro will auch Brasilien wieder eng an die USA binden, nicht trotz sondern gerade weil diese einst die Militärdiktatur 1964-85 unter-stützte, und weil dort jetzt Trump an der Macht ist. Er sprach die Möglichkeit einer US-Militärbasis in Brasilien an, wird wohl die Reichtümer des Landes zur Plünderung freigeben. Bolsonaro bedeutet für die innere und äussere Emanzipation Lateinamerikas einen gewaltigen Rückschlag. Bolsonaros Herrschaft bedroht auch die “Indianer” und den “Regenwald”, deren Schicksal in Brasilien eng miteinander zusammenhängen und ohnehin schon angegriffen sind; ausserdem die Stellung der Nicht-Weissen, der Frauen, Homosexuellen, Behinderten, den Säkularismus…und die Demokratie.

Nicht nur dass er die Militärdiktatur und ihre Methoden lobte, sein Vizepräsident ein neuerliches Eingreifen des Militärs in die Politik androhte, ein Verbündeter (Rio-Gouverneur Witzel) sprach sich für ein Gefangenenlager in Brasilien nach dem Vorbild des US-Lagers Guantanamo auf Cuba aus, für “Terroristen” (oder politische Gegner?). Bei Bolsonaro wird die ideologische Einbettung von ISrael-Freundschaft wieder deutlich.126 Trump, Netanyahu, Bolsonaro, Saud, Salvini,… So wie er die brasilianische Politik bezüglich des Regenwalds reversiert hat, hat er sie ggü Palästina/Israel. Seinen Rassismus oder seine undemokratische Haltung lassen ihm manche durchgehen, weil er ist ja pro Israel und pro USA… Für den Westen ist die Herrschaft nach Innen meist egal, wird nur ein Thema wenn die Politik nach Aussen „problematisch“ ist; was sich zB bei Mubarak zeigte.

Israel hat auch mit dem Pinochet-Regime in Chile gute Verbindungen unterhalten127, Einiges darüber hier. Victor Farias, ein chilenischer Historiker der lange im Exil in Deutschland war (FU Berlin), versucht(e) Salvador Allende, der ja von Pinochet als Präsident gestürzt wurde, antisemitische, homophobe, rassistische Ansichten sowie die Befürwortung von Euthanasie unterzujubeln. Tat das in “Salvador Allende. Antisemitismus und Euthanasie” (2003), hauptsächlich anhand Allendes Medizin-Dissertation aus 1933. Farias’ Motivation ist unklar, zumal er kein Pinochet-Anhänger zu sein scheint. Übrigens hat er auch Martin Heidegger sowie der Sozialistische Partei Chiles (PS, Allendes Partei) der Nazisympathisantenschaft beschuldigt. Natürlich war man auf gewissen Seiten überglücklich über Farias’ Buch über Allende; mittlerweile ist aber ziemlich klar, dass Farias’ Vorwürfe auf (Ver)fälschungen und Verdrehungen basieren. Allendes “Antisemitismus” steht ausserdem seine eigene teil-jüdische Herkunft entgegen, sowie die Tatsache, dass seine politische Gegner diese gegen ihn instrumentalisierten.128

Naziverbrecher Walter Rauff, Erfinder der Gaslastwagen zur Ermordung von Juden, war nach dem Krieg in Chile untergetaucht. Als er dort aufgespürt wurde, stellte die deutsche Bundesregierung ein Auslieferungsersuchen, das jedoch 1963 vom Obersten Gerichtshof Chile mit der Begründung einer Verjährung abgelehnt wurde. “Nazi-Jäger” Simon Wiesenthal wartete darauf hin, bis in Chile eine andere Regierung kam, 1972 wandte er sich an Allende. Allende antwortete, dass aufgrund der Gewaltenteilung ausschliesslich die Gerichte über solche Anliegen eine Auslieferung Rauffs. Dann (bevor Wiesenthal oder BRD ein neues Gesuch stellten) der Staatsstreich, es kam das Pinochet-Regime – das Rauff schützte. Farias behauptete dagegen, Allende habe Rauff vor dem Zugriff der internationalen Justiz geschützt und die Bitte um Auslieferung durch Wiesenthal schroff zurückgewiesen.

Die Rechtsextremen wurden auch in Osteuropa Pro-Israel und Anti-Islam, was sie ggü Juden in ein Dilemma bringt und die jüdischen Organisationen sowie Israel ebenfalls. Der russische Rechtsextremist Vladimir Shirinovki (LDPR) wird auch als “Antisemit” gesehen, wobei sein Vater aber polnisch-ukrainischer Jude war, mit dem Namen Edelstein (in dieser Familie gab es einige Holokaust-Opfer). Dieser verliess die russische Mutter Shirinovskis, ging nach Israel, unterstützte Herut/Likud. Shirinovski, der also Verwandte in Israel hat und nach dem Ende der SU politisch aktiv wurde, ist für Buchanan, für Trump; äusserte sich israel-kritisch (auch über Einfluss Zionisten in USA), aber auch gegenteilig („Russland wird nie Gewalt gg Israel zulassen“). Die Netanyahu-Regierung kommt gut mit den Regierungen in Ungarn, Polen und Litauen aus. Ungarn wird nun besonders ausführlich behandelt.

Viktor Orbán (Fidesz), ungarischer Ministerpräsident 98-02 und seit 10, beschrieb in einer Rede 14 seine Zukunftsvision von Ungarn als einer “illiberalen Demokratie” (mit Wladimir Putin als Vorbild). Es gibt ja auch jene (“Westisten”), die damit protzen liberale Demokrat(i)en zu sein was sie von (nichtwestlichen) Barbaren unterscheide, während Andere Frontstellung gg Barbaren im Gegenteil „verwirklicht“ sehen, im Bekenntnis zum Illiberalen. Orban sagt zB, dass er mit seiner Flüchtlingspolitik das „Christentum in Europa verteidigen“ will. Und Ungarn befindet sich unter Orban, letztes Jahr wiedergewählt, bereits auf dem Weg in ein autoritäres System. Es gibt jene, die das bei Ungarn hinnehmen oder begrüssen, bei Erdogan (Türkei) oder Maduro (Venezuela) aber geisseln.129 Fidesz befindet sich international z Zt am Rande der EVP; Orban: „Konservative sind zu liberal geworden“. Er unterhält mit Putins “Geeintes Russland” gute Beziehungen sowie mit den meisten europäischen Rechtsaussen-Parteien, wie der FPÖ. Und liebäugelt mit einer neuen rechten europäischen Allianz, in der Parteien wie PVV, CSU, Lega einen Platz hätten.130

Den ungarischstämmigen Juden George Soros hat sich die Orban-Regierung als ein Feindbild ausgesucht. “Dessen” Central European University wurde etwa gezwungen, ihre Kurse für Flüchtlinge zu beenden. Auch auf Wahlplakaten wurde gegen Soros Stimmung gemacht – dabei ging es aber nicht gegen Juden sondern gegen Migranten. Dagegen wurde die Milton Friedman University staatlich unterstützt, die von dem ungarischen jüdischen Verband EMIH betrieben wird, der eine Chabad-Einrichtung ist. EMIH wird von Orban überhaupt unterstützt, und EMIH-Chef Shlomo Köves verteidigt Orban bzw die Fidesz-Regierung gegen Kritik, etwa bezüglich ihrer Flüchtlingspolitik. Der jüdische Dachverband in Ungarn, MAZSIHISZ, ist da weniger nahe bei Orban.131 Orban rühmt sich auch gerne seiner Unterstützungen der Juden in Ungarn. Er hält sich von antijüdischen Aussagen/Maßnahmen fern, hat solche verurteilt, soll Netanyahu bei seinem Besuch 17 gesagt haben, dass er null Toleranz dafür habe. Auch wenn er wahrscheinlich gerne die Rolle von Juden im kommunistischen System thematisieren würde.

Er positioniert sich auch als Beschützer der ungarischen Juden, vor heimischem Antisemitismus wie vor “importiertem”/”zugewandertem”. Hinzu kommt sein Pro-Israel, das er als von islamischen Horden und Barbaren umzingelt132 sieht. Es gibt aber auch jene ungarischen Juden, die Orbans Flüchtlingspolitik als einfach anti-humanitär sehen und sich lieber an der Seite anderer Minderheiten wie der Sinti sehen. Orbán pries den Reichsverweser 1920-44, Miklos Horthy133, der Ungarn mit Nazi-Deutschland verbündete und sich antisemitisch äusserte. Seine Regierung machte eine Leugnung des jüdischen Holocausts 2010 illegal. Orban und die Seinen sehen den Holocaust in Ungarn aber als etwas, das die deutschen Invasoren begangen.134 Da ist er in einer Reihe mit den meisten osteuropäischen Staaten, auch Österreich (und in gewisser Hinsicht die DDR) handhabte das so in seinem “offiziellen” Narrativ. Orban hat auch dem “antisemitischen” Dichter Döbrentei einen Preis verliehen, oder dem Archäologen Bakay, der Juden unterstellen soll, im Mittelalter den Sklavenhandel organisiert zu haben.

Und Orban hat einen guten Draht zu Netanyahu. Hat ihn besucht (mit obligatorischem Yad Vashem-Besuch), dieser war dann auch in Ungarn. Man fand sich in der Abneigung gegen “Soros” (liberale Juden) und Moslems, gegen Linke, im Nationalismus. Und, die Orbans und Netanyahus sehen ungarische Juden eher als Juden, denn als Ungarn. “Zionism … harmonizes with Orbán’s ethno-culturalist nationalism. It marks Jews as members of the Jewish nation — as Jewish rather than Hungarian. A Zionist, pro-Israel politics maintains and even strengthens, the distinction between who is truly Hungarian and who is not.”135 Orban braucht ebenso internationale Akzeptanz für seine rechte Politik (in seinem Fall das autoritäre Gehabe, gegenüber der eigenen Bevölkerung) wie Netanyahu (seine Politik ggü Palästinensern in erster Linie). Aber es gibt ein gewisses Grund-Misstrauen gegen einander, eine echte Allianz ist schwierig, beide Seiten müssten etwas aufgeben.

Netanyahu sieht in Orban den unzivilisierten osteuropäischen Antisemiten; 2013 hat er in der UN-Generalversammlung bei Drohungen gg Iran über seinen Grossvater Nathan und dessen Bruder Juda (Mileikowsky) geredet, am Westrand des Russischen Reichs im 19. Jh (“im Herzen Europas”), der Opa wurde von “antisemitischen Strolchen” geschlagen, als er im Schlamm lag, schwor er sich, diese Verhältnisse zu ändern. Max Blumenthal zeigte auf, dass Netanyahu die selbe Geschichte 2 Jahre zuvor vor Wirtschaftstreibenden in Tel Aviv erzählte, als es um die Massensabschiebung von Afrikanern ging – die “jüdische demographische Mehrheit ist in Gefahr” – und um die Weigerung von einem Siedlungsstopp. In NY gelang es dem Bruder des Opas zu fliehen, in TA ging die Geschichte so, dass der vom Opa gerettet wurde. Orban wiederum sieht in dem Juden zwar ein Renommierobjekt aber auch die politische Korrektheit die es da einzuhalten gibt, das Kommunistische, Unnationale, Ausbeuterische,… Israel ist, über die Jahrzehnte eigtl viel ethno-nationalistischer als Fidesz oder AfD, bezüglich der “Diaspora” hat es aber andere Ansprüche.

Netanyahu hat zugegeben, dass er mit Orban über einen akzeptablen Kompromiss verhandelt bezüglich des Narrativs über Ungarn und den Holocaust. Es gibt einen erlaubten und einen nicht erlaubten Antisemitismus, und erster ist eigentlich ein solcher im Gegensatz zu zweiterem. Rechts von Fidesz gibt es noch Jobbik, wo es (grossteils noch) keine Israel-Connection gibt. Feldmajer von ungarischen Juden-Verband MAZSIHISZ: “Orban muss gg Jobbik auftreten. Die EU muss Jobbik die Grenzen der Meinungsfreiheit aufzeigen”. Warum aber nicht auch Fidesz, wenn aus der Hetze kommt (gegen Andere als Juden)? Krisztina Morvai von Jobbik ist auch noch propalästinensisch (obwohl ihr Mann angeblich jüdischer Herkunft ist), um sie herum wird eine hysterische Aufregung gemacht (von “Jungle world”, diversen Wikipedia-usern,…). Der Schritt von FIDESZ zu Jobbik, von Trump zu Duke, innerhalb der AfD von Weidel zu Höcke, in der FPÖ von Lasar zu Graf,…  Jobbik-Abgeordneter Marton Gyöngyösi hat vor einigen Jahren im ungarischen Parlament in einer Rede verlangt, eine Liste aufzustellen, wie viele Juden im Parlament und in der Regierung in Ungarn sitzen; sie stellten ein „nationales Sicherheitsrisiko“ dar.

Wenn in Israel so etwas vorkäme, im Hinblick auf die “israelischen Araber”, wäre das niemandem eine Meldung wert; weil “Israels Sicherheit” gewöhnlich auf alles Mögliche “ausgedehnt” wird und das wird international akzeptiert. Es kommt aber nicht vor, da “israelische Araber” (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) ohnehin überall so ausgegrenzt sind. Gyöngyösi stellte die Forderung im Zusammenhang mit der Debatte um die „Gewalteskalation“ zwischen Israel und den Gaza-Palästinensern und fragte, wann sich das ungarische Aussenministerium „endlich auch für die leidenden Palästinenser einsetzen wird“. Es sei vor allem Israel, das den „Weltfrieden bedroht“. Die Regierung von Orban distanziert sich einen Tag später von den Äusserungen des Jobbik-Abgeordneten. International und in Ungarn Aufregung um „offenen Antisemitismus“. Die oppositionellen Sozialdemokraten (MSZP) machten die Politik Orbans und seiner Partei dafür verantwortlich, dass „die öffentliche politische Rede in Ungarn so weit sinken konnte“. Der stellvertretende Parlamentspräsident Istvan Ujhelyi (MSZP) eröffnete am Folgetag die Sitzung des Parlaments mit einem gelben Stern, wollte nach eigener Aussage damit seine Solidarität mit all jenen zum Ausdruck bringen, die durch Gyöngyösi „beleidigt wurden“. Dieser bat dann seine „jüdischen Landsleute“ um Verzeihung.

Es ist aber nicht so, dass Jobbik, seine Politik und seine Vertreter, generell abgelehnt werden, es lohnt sich, anzusehen wer in Israel nicht Einreiseverbote sondern Einladungen bekommt. Zum Beispiel Sebastian Gorka, britisch-ungarisch-amerikanischer “Sicherheitsanalyst”, war Berater von Orban, dann von Trump, Anhänger der Alt Right, und für die Magyar Garda aktiv, die de facto Jobbiks Miliz war, dann aufgelost wurde. Der islamophobe Fox-Kommentator war Teilnehmer/Redner bei einer “Anti-Terrorismus-Konferenz” in Herzliya136. Die “Jerusalem Post”, Michael Rubin, Trent Frank und andere Zionisten preisen ihn als Freund Israels und als “nicht antijüdisch“; es wurde sogar das jüdisch-amerikanische Magazin “Forward” angegriffen, weil es ihn als “Antisemiten” sieht. Im “umgekehrten Fall”, wenn Gorka zB bei einer “Palästinenser-Veranstaltung” aufgetreten wäre…oder sich so wie Parteifreund Gyöngyösi geäussert hätte…137 Ja, Pro-Israel (und Anti-Islam) macht vieles wett.

Viktor Orbán hat sich auch mit Aung San Suu Kyi getroffen, De-Facto-Regierungschefin von Birma, anscheinend um sich über “Gefahren wachsender moslemischer Bevölkerungsgruppen” zu unterhalten. In Birma gibt es gerade die Vertreibungen der moslemischen Rohingya, für Orban sind Moslems “das Andere”.138 Gerade Juden im Westen mit Osteuropa-Hintergrund, wie Broder (1957 aus Polen nach Westdeutschland) oder Pa(u)l Lendvai (1957 aus Ungarn nach Österreich), sehen Osteuropas Rechtspopulisten eher kritisch-ablehnend, auch wenn diese pro-zionistisch sind. Lendvai hat in seinem Buch „Mein verspieltes Land“ (2010) die Politik Orbans kritisiert. Bei manchen Lesungen daraus mit Lendvai war es zu Störversuchen gekommen, andere wurden aus Angst davor abgesagt. Die regierungsnahe ungarische Wochenzeitung „Heti Valasz“ bezichtigte Lendvai, ein „freiwilliger Informant“ des kommunistischen Regimes gewesen zu sein.139

Netanyahu hatte 2017 an einem Treffen der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) teilgenommen und die Länder dann für 2019 nach Israel eingeladen. Polen hat seine Teilnahme abgesagt, Hintergrund ist ein Streit zwischen beiden Ländern, inwiefern Polen während des Zweiten Weltkrieges mit den deutschen Besatzern kollaboriert haben. Israels Aussenminister Yisrael Katz (Likud), Sohn von Holocaust-Überlebenden aus Lettland bzw Rumänien, hatte (im israelischen Fernsehen) gesagt: „Es gab viele Polen, die mit den Nazis kollaboriert haben.“ Katz zitierte ausserdem zustimmend Ex-Premier und Ex-Terrorist Yizhak Schamir (als Y. Jezerniecki/Jezernitski im damals russischen Ost-Polen geboren), der gesagt hatte: „Die Polen haben Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen.“ Polens Premier Morawiecki (PiS) bezeichnete die Worte von Katz als „rassistisch“.140 Zuvor gab es (2018) das “Holocaust-Gesetz” in Polen, das es in Polen strafbar macht, Nazi-Verbrechen Polen “in die Schuhe zu schieben”; eigentlich handelt es sich um die Novelle eines Gesetzes aus 1998.

Es gab ein Delektieren an diesem Gesetz (und der vermeintlich zu Grunde liegenden Geisteshaltung) fast wie bei Erdogan. Andererseits: Gesetze oder Maßnahmen gegen das was als „antiisraelisch“ oder “antisemitisch“ deklariert wird, aus Israel oder anderswo. Hier also (noch) keine Einigung zwischen der rechtskonservativen Regierung (PiS) und Israel (bzw internationalen jüdischen Organisationen) wie bei Ungarn. Obwohl die PiS auch die anti-islamische Karte spielt, nicht die antijüdische. Wie auch der nationalistischer Prediger Jacek Miedlar; der warf etwa einer liberalen Abgeordneten vor, die sich gegen eine Verschärfung des ohnehin strengen Abtreibungsrechts aussprach, vor, Anhängerin des Mordens und der Islamisierung zu sein, rief indirekt zu ihrem Mord auf, über Twitter. Wie in anderen osteuropäischen Ländern wurde/wird auch in Polen Juden gelegentlich unterstellt, das kommunistische System mit errichtet und getragen zu haben (ungefähr in die Richtung ging ja Hohmann); dies darf aber nicht auf den Wahrheitsgehalt überprüft werden, wird in der Regel vielmehr umgedreht zu einer Anklage gegen jene, die das thematisieren.141

Kroatien war zur Zeit des Hitler-Stalin-Kriegs wie Ungarn (und anders als Polen) verbündet mit Hitler-Deutschland; das heisst, seine Unabhängigkeit von Jugoslawien kam eigentlich nur durch die Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte (und Kollaboration eines Teils der Kroaten) zu Stande. Sehr viele Kroaten bekämpften aber das Ustascha-Regime, im Rahmen der Partisanen-Armee. Einer davon war Franjo Tudjman (Tuđman). Dieser wendete sich dann gegen das kommunistische Jugoslawien, wurde Dissident, gründete 1989 die HDZ, die im Jahr darauf in Kroatien (damals noch eine YU-Republik) an die Macht kam. Im Jahr der Gründung seiner Partei brachte er auch ein Buch über den 2. WK heraus (beides war vorher nicht möglich gewesen), “Bespuća povijesne zbiljnosti” (etwa: “Die Sinnlosigkeit der historischen Realität”; auf Deutsch und Englisch dann anders übersetzt). Darin stimmt er dem britischen Kunsthistoriker Gerald Reitlinger zu, dass die Gesamt-Zahl der damals getöteten Juden bei etwa 4 Millionen lag. Daneben enthält das Buch Ansichten Tudjmans über die Rolle der Juden in der Geschichte, die dann ebenfalls (hauptsächlich ausserhalb Kroatiens) Anstoss erregten.142

Anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Kroatiens mit Israel 1998 distanzierte sich Tudjman vom Ustascha-Regime und seiner Juden-Verfolgung. Dennoch kamen immer wieder “AS”-Angriffe auf ihn. Es kommt eben darauf an, bei Vorster (Südafrika) störte seine Nazi-Vergangenheit nicht, bei Videla nicht der Antijudaismus… Bei Kroatien (zb) wird eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den eigenen Mythen verlangt, Juden die das tun (wie Ilan Pappe) sind „Selbsthasser“ oder “Verräter”, werden ausgegrenzt. Umstritten ist (auch) der kroatische Kardinal Alojzije Stepinac (1898 – 1960), der nach der kommunistischen Machtübernahme (die im Zuge der Befreiung Jugoslawiens kam), 1946, zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er mit den Faschisten kollaboriert haben soll. Papst Johannes Paul II. hatte Stepinac 1998 seliggesprochen. Und 2016 hat ein kroatisches Gericht den Schuldspruch aufgehoben. Das Wiesenthal-Zentrum (SWC) hat empört auf die Rehabilitierung des katholischen Geistlichen reagiert.

Rumänien: Der inzwischen verstorbene C. Vadim Tudor gründete nach dem Ende des kommunistischen Regimes (an dem er gewissermaßen mitgewirkt hatte) die rechtsextreme PRM (Partidul România Mare). Er kam wegen Antisemitismus unter Kritik. Sah dann aber Juden als das Volk der Bibel und holte sich (in den 00ern) israelische Berater, womit sein Rechtsextremismus und Hetze gegen Andere (ob Ungarn oder Afrikaner) nicht mehr so schlimm war. Der eine Berater war Eyal Arad (zuvor beriet dieser Sharon), der andere „Nati“ Meir (eigentlich ein Doppelstaatbürger). In beiden Fällen kam es zu einer Trennung und wurden nach dieser “AS”-Vorwürfe erhoben; bei Meir gab es jedenfalls (auch) Korruptionsdelikte, diesbezügliche Gerichtsverfahren. 2012 sagte er, „In Rumänien gab es keinen Holocaust“, möglicherweise im Kontext dass Rumänien diesen nicht ausführten, sondern die Besatzer (> Polen, Ungarn). Die rumänischen Faschisten und Nazi-Kollaborateure waren in der Organisation aktiv, die die Namen “Legiunea Arhanghelului Mihail“, “Garda de fier” (eigentlich die Miliz der Org.), “Totul pentru Ţară” trug. Führer waren nach einander Corneliu Codreanu und Horia Sima. Sima fand nach dem Krieg Exil in Franco-Spanien (> oben).143

Ελληνική Λύση/Elliniki Lysi/”Griechische Lösung“ (EL) ist eine der griechischen Rechtsparteien, wird von Kyriakos Velopoulos geführt, errang Achtungserfolge bei Wahlen 19. Auf seinem Teleshoppingkanal verkauft Velopoulos diverse Wundermittel oder „exklusive Kopien von handgeschriebenen Briefen Jesu Christi“. Der Putin-Fan und EU-Gegner will ein „christliches Europa ohne Islamisten“, der Zustrom von „illegalen Migranten“ nach Griechenland sollte durch Minenfelder und eine Mauer entlang der nordöstlichen Grenze zur Türkei eingedämmt werde. Ist ein Freund von Verschwörungstheorien, behauptete, dass die tödlichen Waldbrände nahe Athen im vergangenen Sommer Teil einer zionistischen Verschwörung gewesen seien, um den Import chinesischer Waren nach Westeuropa anzukurbeln. Für Menschenhändler, Drogendealer und Pädophile schwebt Velopoulos die Todesstrafe vor. Wenn er sich als Freund Israels gegeben hätte, zB im Rahmen der Verteidigung des Abendlandes (> Aznar,…), hätte er den Segen Vieler bekommen. So aber wird die Partei angeführt als Beleg für einen “besorgnis erregenden Antisemitismus” unter den Rechtsextremen Europas, die “Sündenbock-Rolle Israels”, die “Pflicht dagegen aufzustehen”, die “Rückständigkeit Osteuropas”,…

Simon Petljura hat nach dem 1. WK die Ukraine zeit- und teilweise in die Unabhängigkeit geführt. In dieser gab es Pogrome gegen Juden. 1921 hat Jabotynski (auch: Jabotinsky), Führer des revisionistischen Zionismus (der aus der Ukraine stammte), mit Petljura (kurz vor dessen Sturz) ein Abkommen abgeschlossen. Jabotynski, der sich zu dieser Zeit den Briten antrug, setzte sich dann auch für den exilierten Petljura ein. Bereits einige Jahr vor Petljura war der ukrainische Dichter Ivan Franko aktiv, dem man heute Antisemitismus vorwirft. Es gab in der Sowjet-Ukraine einige jüdische Politiker (wie Lazar Kaganovich und Serafima Hopner) und in der unabhängigen einige mit jüdischen Wurzeln (wie Yulia Timoschenko oder Vitali Klitschko). Und es gibt im prowestlichen Lager der Ukraine (das seit 2014 an der Macht ist) zwei rechtsextreme, antirussische Parteien, mit Sympathien für Israel. Svoboda, eigentlich (1995) als eine Art Neo-Nazi-Partei gegründet, wurde von SWC einmal in ihre Top-Antisemiten-Liste aufgenommen, ihre Führer preisen aber Israel (zB als “einen der nationalischsten Staaten der Welt”), treffen sich mit dessen Botschafter in der Ukraine. Wieder so eine Art “Noll/Graumann-Paradoxon”. Prawy Sektor entstand währen der Euromaidan-Proteste 2013/14, sieht sich in einer Traditionslinie mit der OUN (die mit den Nazis kollaborierte)144. Bei der ukrainischen Parlamentswahl 2019 traten Svoboda und Prawy Sektor zusammen mit anderen rechtsextremistischen Gruppen an, errangen kein Mandat.

Auch über Prawy Sektor gab es einst Aufregung internationaler jüdischer Organisationen und Israels. Wenn man sich ihre Standpunkt ansieht (zB: “An ideology of defense, preservation, and state assertion of the Ukrainian nation”), muss man feststellen, dass diese Partei im israelischen Spektrum in der Mitte stehen würde. Und, die Ukraine herrscht nicht über eine grosse Zahl von “Unterworfenen” in einer Art Militärherrschaft, Unterworfene die in dieser Nation nicht mitbestimmen, ihr nicht angehören, ihr aber ausgeliefert sind.145 Prawy Sektor ist zwar prowestlich, aber antiliberal eingestellt, also gegen Werte, die Parteien wie FPÖ inzwischen positiv affirmieren. An dieser Stelle: der Westen vertritt in der “Ukraine-Krise” (Besetzung Ost-Ukraine, Abtrennung Krim infolge Euromaidan-Umsturz) seine eigenen (geopolitischen) Interessen, unter dem Mantel von “Demokratisierung” oder “Beschützung der Ukrainer”, gegen Russland gerichtet, nicht zum ersten Mal in der Geschichte.

Es gäbe noch viele Länder diesbzüglich (Islamophobie, Pro-Zionismus, eigener Nationalismus, Allianzen und Widersprüche) “abzuklappern”… Zum Beispiel Indien und die “Hindu-Nationalisten” (wie der regierenden BJP). Bei Hindu-Nationalisten oder der libanesischen (maronitischen) Kataib (Phalange) sind auch Nähe sowohl zum Zionismus (eher aktuell) als auch zum NS & AS (eher historisch) gegeben. Und, kein Küntzel, kein Peham/Schiedel, kein Cüppers und kein Netanyahu persönlich mit Geschichtspolitik. Der wachsenden Allianz Israels mit Indien (hauptsächlich unter BJP-Regierungen) steht eigentlich auch die traditionelle Verachtung des Zionismus für Asien (siehe Theodor Herzl, siehe Naftali Tamir) entgegen. Beziehungsweise, auch das Paradigma von Israel als Teil des Westens, von der Deckung westlicher und zionistischer Interessen, Interessen die noch dazu immer im Sinne von Fortschritt, Aufklärung,… wären. Übergriffe auf Frauen in Indien, (gleichzeitig) die Existenz von Sittenpolizeien aus dem hindu-fanatistischen Milieu oder das Vorgehen der Hindu-Zentristen auch gegen Christen (nicht nur gegen Moslems146)…werden aber gegebenenfalls “geschluckt”.

Die Sikh sind seit der Spät-Zeit der Mogul-Herrschaft in der Regel mit Hindus gegen Moslems verbündet, so auch bei der Unabhängigkeit und Teilung Indiens 1947, spielen zB auch in der Diaspora (GB) eine Rolle in der Islamophobie (> BNP). Und da stösst man dann auf sowas: Bhagat Singh, ein Sikh aus dem Punjab, kämpfte mit seiner Hindustan Socialist Republican Association gegen die Briten, wurde von diesen 1931 hingerichtet. Sein Tod löste Krawalle im Punjab aus, und er gilt in Nordindien als Märtyrer (Shahid)… Relevant hier ist auch, was “Pat” Robertson über den Hinduismus sagt, zumal der ja auch ein grosser Israelfreund ist. Aber irgendwie geht das, hindu-zentrische Inder, Kurden (darüber auführlich im 4. Teil), weisse Südafrikaner, evangelikale Amerikaner, iranische Nationalisten, weisse Suprematisten, kemalistische Türken,.. als Verbündete.

Nochmal zum ideologischen Umfeld von Philozionismus und “Rechtspopulismus”: auch Klimawandel-Leugnung gehört hier dazu, Angriffe auf Greta Thunberg inbegriffen. Die von Thunberg mit angestossenen “Klimaproteste” werden von jenen, die den Klimawandel nicht wahrhaben wollen, zu diffamieren versucht, im Westen hauptsächlich aus rechten Kreisen. Von dort schlägt Thunberg viel Hass entgegen, der bis hin zu Morddrohungen reicht. Ja, wir haben ja auch eine zweite Welt im Keller147. Die deutsche AfD ist hier zu nennen, hat Greta Thunberg in ihrer Ver-Leugnung der drohenden Klimakatastrophe immer wieder angegriffen. AfD-Fraktionschefin Weidel glaubt nicht an einen menschengemachten Klimawandel, AfD-Politiker verunglimpfen Thunberg als „armes Kind, das einen Psychotherapeuten braucht“; im Umfeld der Identitären (ausgerechnet!!!) zieht man Nazi-Vergleiche. Als Broder heuer bei der AfD im BT auftrat, kam auch eine verpackte Attacke auf Greta Thunberg. Jan Rübel, der ja nicht ganz verloren ist, kritisierte diesen Auftritt etwas, verharmloste ihn aber eigentlich. Ein bisschen was Richtiges kam diesbezüglich von ihm:

“Eine 16-Jährige ist nicht wirklich ein Kind, und ‘Kindesmissbrauch’ ist ein Sexualstraftatbestand und hat nichts mit politischer Instrumentalisierung zu tun – was Broder womöglich meint. Entweder formuliert er hier unfähig ungenau oder hat komische Phantasien oder denkt einfach mit untersten Schubladen hantieren zu können. Allein, dass er das Alter dieser ‘Klimaretterin’ zur Herabwürdigung heranzieht, erzählt von einer gewissen Hemdsärmeligkeit. Ich stiege auf ein ähnlich niedriges Niveau herab, würde ich Broder entgegnen, er wäre ein alter Greis, der nicht mehr wisse, was er sagt.” Nun, wenn Broder in Berlin einen kalten Cafe serviert bekäme, wäre das für ihn Antisemitismus, Kritik an ihm jeder Art ohnehin, also muss Rübel da aufpassen, denn beim Einstecken ist Broder nicht so grossherzig. Die Erderwärmung ist eine für Broder unbequeme Wahrheit… Rübel weiter: “Bei Thunberg sind es auch nicht ihre Worte, auf die Kritiker direkt eingehen. Stattdessen wird vermerkt, sie sei ob ihres Alters manipuliert oder instrumentalisiert, jedenfalls nicht voll zu nehmen. Ich kann mir nur vorstellen, solche Kritiker erinnern sich nicht mehr, was sie als 16-Jährige umgetrieben hat. Hätte man ihnen damals zugerufen, sie seien nicht wirklich ernst zu nehmen, hätten sie gelangweilt die Nase gerümpft. Hinzu kommt, dass Thunbergs Leben mit Asperger, einer Spielart des Autismus, selbst instrumentalisiert wird, nach dem Motto: eine Behinderte, was soll die schon wissen?  Interessant, wie sich Frauenhass, Jugendhass und Ableismus hier vereinigen. Argumente? Fehlanzeige”

Jair Bolsonaro hat Greta Thunberg als “Göre” bezeichnet, nachdem diese die Ermordung zweier Ureinwohner im brasilianischen Amazonas-Regenwald verurteilt hat. AfD-Meuthen erklärte, dass er es akzeptiere, dass der Mensch einen Anteil am Klimawandel habe – allerdings lediglich als “Hypothese”. Als Kernproblem mache er das “Bevölkerungswachstum” und die damit einhergehende “Emissionsintensität” aus – schuld sind also eigentlich die “Massen” der “3. Welt” und nicht die westlichen Industriestaaten. Der Israeler Shaviv, ein führender Klimawandel-Leugner, trat für die AfD ebenfalls im Bundestag auf – schön, gleich in zweifacher Hinsicht ein Alibi. Thomas Schmid (war deutscher 68er, Grüner, dann zu Springer, war Herausgeber von “Die Welt“, konservativer Sack), attackiert Thunberg in Form von einer “Wegnahme des Heiligenscheins”. Natürlich kommen auch von Donald Trump brutale Beleidigungen von ihr; Michael Knowles (Fox) nannte Thunberg in einer Sendung zum UN-Klimagipfel in der USA ein „psychisch krankes schwedisches Kind“, „In der Klima-Hysterie-Bewegung geht es nicht um Wissenschaft“. Bolsonaro ist natürlich auch in der Reihe der Klimawandel-Skeptiker…dem entsprechend sieht seine Politik zum Regenwald Brasiliens aus.

Michael Niavarani über Thunberg und die Wut die diese von gewissen Milieus auf sich zieht: „…Wenn jemand eine schlimme Diagnose bekommt, dann fängt er an zu verleugnen…Wahrheit tut weh.“ Daher: wegsehen, und jene (persönlich) angreifen, die die Umwelt (die Lebendgrundlagen) erhalten wollen. Sie können auf einer Sachebene nicht gewinnen. Klimawandelleugner versuchen wie gewisse Israelfreunde, vom eigentlichen Thema abzulenken. Hier sieht man auch, welcher Anti-Aufklärungs-Geist in diesen Milieus herrscht, entgegen ihrem Selbstverständnis. es geht da auch um ein Frauenbild der Rechtspopulisten und Rechtsextremisten. In mancher Hinsicht hat Greta Thunberg viel mit George Soros gemeinsam (bzw die Angriffe auf sie), um ihn wird es im IV. Teil nochmal gehen.

Nochmal zur Zusammenarbeit zwischen zionistischen und westlichen Nationalisten; es gibt darin gewisser Stolpersteine, sie spiegeln vielleicht das jüdisch-christliche Verhältnis wieder. Zwischen Orban und Netanyahu (s.o.) zeigt sich das ganz gut. Wie erwähnt richteten sich die Kreuzzüge auch gegen die Juden, nicht nur gg “den Islam”; Juden in Europa und im “Orient” (1096 wurden die verbliebenen Juden in Palästina im Zuge des Ersten Kreuzzuges nahezu ausgerottet). Aber es gibt eine Art westlich-zionistische Konvergenz in den letzten Jahren, nicht nur zwischen den Rechtsaussen beider Seiten. Die Rechtsaussen Israels sind in einer ganz anderen Situation als jene in Europa und Nordamerika; es geht dort auch um eine Art Kolonialsituation, um Militärherrschaft über Andere, Besatzung, Vertreibungen,… Eva “Herman” (Bischoff) nahm zwar gg die moslemische Einwanderung nach Deutschland Stellung (auch ihr Frauenbild war noch nicht das Problem), fand am NS aber auch gute Seiten. Die genannten Stolpersteine zeigen sich auch anhand der Mitwirkung bzw Nicht-Mitwirkung von Juden in Deutschland an der “Erinnerungsarbeit” der Vertriebenen. Auch ein Broder, dem es sonst nicht rechts genug sein kann, hält sich da eher zurück. Die Schwierigkeiten beginnen natürlich damit, dass diese Vertreibungen von Deutschen aus Osteuropa (grossteils aus Gebieten die Teil des Deutschen Reichs waren) am Ende des 2. WK oder in der NKZ das Resultat nationalsozialistischer Politik waren. Und, weil die Vertriebenen eine ethnonationalistische Definition von Deutschtum aufwerfen, die Juden (in der Diaspora) Unbehagen bereitet.

Julius H. Schoeps, ein gut vernetzter “Antisemitismus-Forscher”, hat das geplante BdV-Projekt “Zentrum gegen Vertreibungen” zunächst unterstützt, dann kam die Kehrtwende. Die doch sehr reaktionäre GfbV übernahm ein Interview aus dem noch (deutsch-)reaktionäreren “konkret” mit Ralph Giordano (…), in dem dieser das Zentrum gg Vertreibungen gg die “Anti”deutschen verteidigte; auch dieser hat später seine Haltung diesbezüglich geändert. Die Vertreibungen von Palästinensern wären aber ohnehin kaum thematisiert worden. Aber auch das Wirken von Geert Wilders ist in diesem Kontext relevant. Er ist in Tel Aviv aufgetreten, wird von Broder und Caroline Glick unterstützt, tritt auch148 mit Strache auf, trat/tritt für ein Schächtverbot ein (das SWC war empört darüber), und das Sarrazin-Buch über das “Abschaffen Deutschlands” war nach ihm ein Anzeichen dafür, dass Deutschland mit sich ins Reine kommt, den “Schuldkomplex” überwunden habe. Der verstorbene Islamophobe Ulfkotte sprach auch von der „Grausamkeit des Schächtens“ (ausserdem von „christlich-jüdische Traditionen“, „freiheitlich-demokratischer Grundordnung“,  “Bedrohung europäischer Kultur“, “römisch-christliche Wurzeln“,…).149 Ann Coulter (USA) stösst zwar ins anti-moslemische “Horn” und faselt vom “Genozid an Weissen”, ist aber auch “juden-kritisch”.

“An anti-Semite used to mean a man who hated Jews. Now it means a man who is hated by Jews.”, sagte Joseph Sobran, ein rechter katholischer amerikanischer Autor, 2010 gestorben; er wurde von Podhoretz angeprangert, von Coulter verteidigt. Ja, manchmal sind “Antisemitismus” und Rassismus auch zusammen… Und, wie gesagt, die Zusammenarbeit bzw die Ansprüche von Rechten aus verschiedenen Nationen gestaltet sich in der Regel schwierig. Klischees über Italiener in der Schweiz (“faul, stinkend, lüstern,…”) können Leute von der Lega natürlich nur irritieren, auch wenn sie von der dortigen Rechten kommen.150 Und die evangelikalen US-Amerikaner grenzen gerne die Lateinamerikaner aus, auch jene die rechts und prozionistisch sind, auch jene die protestantisch und evangelikal (und weiss) sind.

Nun zu Querfronten und Widersprüchen zwischen rechten und linken Israel-Fans im Westen. Bis zum Krieg 67 war die (neue) Linke grossteils pro-Israel, dann drehte sich das und die Israel-Begeisterung ging zur Rechten über. Mit dem “Ausbruch” der Islamkrise (Islamismus & Islamophobie) etwa 2001 wurde auch die Linke grossteils wieder prozionistisch, manche Teile ganz radikal, verbunden natürlich mit einer Islamophobie – von dort, den „Anti“deutschen (über sie extra in Teil IV), schliesst sich auch schnell ein Kreis mit der Rechten. Begeisterung für den Zionismus ist bei den Pseudo-Linken und der Neo-Rechten (in der USA Neocons/Tea Party/Evangelikale/…) am grössten; jene die den Zionismus “links” etikettieren wollen, sind meist aus dem deutsch-österreichischen Raum… Zwischen “AS”-Wahn, Westchauvinismus und Moslemophobie in linker und rechter Spielart, also zB von Marco Schreuder und Ursula Stenzel, gibt es Widersprüche, Parallelen und Berührungspunkte.

In dem Spektrum, das sich in progressiver oder linker Tradition wähnt – oder eine solche vorgaukelt – wird Philozionismus toleranzchauvinistisch (“Schwulenrechte”…) begründet /affirmiert (verlogen/naiv), die israelische Flagge mit der des Regenbogens kombiniert151, hier verschmilzt der israelische Staat und die israelische Friedensbewegung (die Shalom-Achshav-Richtung), während eigentlich eine Likud-Linie unterstützt wird. Die Anderen kombinieren die israelische Flagge mit ihrer Nationalflagge oder Kreuzen (wie Evangelikale). Um die Heldenhaftigkeit der israelischen Armee herauszustreichen, wird sie als eine Art “Partisanenarmee” porträtiert oder aber dafür glorifiziert, dass sie “Partisanen” bekämpft.152 Beide sehen Israel “vernichtungswilligen” Palästinensern gegenüber stehen, als Vorhut der Unzivilisierten der Region – deren Unzivilisiertheit wird aber unterschiedlich begründet. Beide Seiten sind bereit, Israel-Kritik mit AS gleichzusetzen und diesen den Moslems/Orientalen umzuhängen (oder aber der jeweils anderen “Seite”!), zur Weisswaschung des Westens.

Broder ist irgendwie am Schnittpunkt, so zwischen Altrechten (die sich neu affirmieren) und “Anti”deutschen, die Brücke zwischen rechter und pseudolinker Islamophobie/Israelunterstützung, auch Ostensack ist so eine Schnittstelle. Es gibt gemeinsame Inhalte, Querfronten sind auch gelegentlich zu beobachten. Auf einer Veranstaltung zum “Tag der Patrioten“ vor einigen Jahren von/mit Merkle (“Mannheimer”) (PI) gab es NPD- und Israel-Fahnen… Mitglieder des BAK Shalom (Linke) mit Klaus Lederer demonstrierten Anfang 2009 zusammen mit der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) und anderen offen Rechten für die Bombardierung des Gaza-Streifens durch Israel. Auf PI werden auch die Mantras der Grigats und Küntzels (oder ihre Veranstaltungen) beworben. „Fred Alan Medforth“, aus evangelikalem/PBC-Umfeld kommend, ist vernetzt mit dem ganzen „anti“deutschen Rudel, verlinkt auf seiner Homepage zustimmend den Auftritt des “antideutschen” ”Politologen” Grigat im ORF zu dropthebomb, bewirbt einen Simone-Hartmann-Auftritt auf einem „Antifacamp“, spielt die serbisch-nationale Karte (deshalb gegen NATO),…

Die ÖVP-FPÖ-Regierung (Kurz/Strache, 17-19) hat eine “Initiative gegen den politischen Islam” angekündigt. Kurz sah sich gefordert, „unsere freie Gesellschaft vor dem politischen Islam und seinen Auswüchsen wie dem Antisemitismus zu schützen“ und kündigt die Schaffung einer Dokumentationsstelle für politischen Islam nach dem Vorbild des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) an. Die Ergebnisse der jüngsten Antisemitismusstudie hätten gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe. Begleitet werden soll die Arbeit von einem “wissenschaftlichen Beirat”, durch “wissenschaftliche Studien” und der Herausgabe eines “Jahresberichts”. „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn unsere Grundwerte, wie Demokratie oder die Gleichstellung von Mann und Frau, offen abgelehnt werden …“, erklärte Kurz das Vorhaben seiner Regierung. Vizekanzler Heinz-Christian Strache bezeichnete den „Islamismus“ als die „größte Bedrohung unserer freien Gesellschaft“. „Die Einrichtung einer Beobachtungsstelle gegen den politischen Islam ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Man muss den Anfängen wehren.“

Ein Profilierungsprojekt der österreichischen Rechten also, alles Rückständige (bzw das was diese Rechten JETZT als rückständig definieren) soll an Moslems/Orientale delegiert werden, eine Deutungshoheit über „Antisemitismus“ versucht. Wobei: Saudi-Arabien wird aus weltpolitisch-wirtschaftlichen Gründen samt seines Islams verschont werden, so wie Japaner beim Apartheid-Regime Südafrikas aus wirtschaftlichen Gründen als “Weisse” durchgingen. Und, das DÖW ist längst auf der Linie von Strache/Kurz, formuliert anders. Peham/”Schiedel”, von Medien auf das Vorhaben angesprochen, hat nichts dagegen einzuwenden, hat nichts zu sagen über Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Heuchelei, Weisswaschung von FPÖ und ÖVP…kein Widerspruch, im Gegenteil. Die österreichische Volksgemeinschaft…und ihre Obrigkeitstreue.153

Offen rechts (zB auch Ablehnung christlicher Flüchtlinge aus Afrika oder “Nahost”, Bekenntnis zu Radikalismus) oder aber politisch korrekt rechts (für “christlich-jüdische Kultur”, gegen Radikalismus). Der “Islam” ist auch im Endeffekt hauptsächlich Platzhalter für Anderes. Die Einen sagen, der Westen ist stärker durch Diversität, Homosexuellen-Rechte,… die Anderen “durch weisse Vorherrschaft”. Für die einen Zionisten (zB die Evangelikalen) ist Homosexualität das Barbarische, für die Anderen Intoleranz ggü Homosexuellen. Ablehnung der Homosexualität oder aber die aggressive Affirmation ihrer Rechte. Linkswestisten (Islamophobe/Zionisten) täuschen eine gemeinsame Front von Juden, Schwulen, Frauen (gg Islam/ismus) vor, als ob es nicht grosse Vorbehalte ggü Homosexualität in grossen Teilen des Judentums geben würde, grosse Israel-Solidarität bei der Rechten, als ob Frauen als der moslemischen Welt ihre Schutzbefohlenen wären, als ob es keine Rassenvorurteile ggü moslemischen Frauen gäbe, keine Feindschaft von hiesigen Rechten ggü Homosexuellen. Frauen aus/in der moslemischen Welt oder die offene Gesellschaft ins Spiel bringen, um die eigene Fremdenfeindlichkeit zu beschönigen…

Die Geschlechter- und Gesellschaftsbilder der Wähler von Schas, Yahadut HaTora HaMeuhedet,… und anderer Rechtsparteien (keine Aussenseiter, immer wieder an Regierungen beteiligt). Moslems/Orientale sind böse weil keine Toleranz für Homosexuelle, weil Antisemiten, frauenfeindlich et cetera oder aber weil sie so dumm und und stinkend und inferior sind, Kameltreiber, Ziegenficker. In beiden Narrativen zersetzen sie gewissermaßen westliche Nationen/Kultur. „Annoying liberals“ oder aber „Liberalismus hochhalten“ gg Illiberale, beide im Sinne des Zionismus, einer „freien Gesellschaft“. Hegemonial im zionistisch-islamophoben Diskurs ist das Linkschauvinistische, also wir sind tolerant zu Schwulen im Gegensatz zu ihnen, daher besser.154 Es gibt immer wieder die Diskussionen, in was sich Immigranten zu integrieren hätten, an was zu assimilieren. Soll man ihnen Toleranz für küssende Männer abverlangen oder doch nicht? Wenn sie dann aus dem Integrationskurs rausgehen und in die nächste Kneipe rein, könnten sie diesbezüglich einer anderen Realität der hiesigen Gesellschaft begegnen. “Frauenhass, Homophobie und Antisemitismus” beklagen oder die diesbezügliche politische Korrektheit.155

Es gibt jene Islamophobe die zu Homophobie und Antifeminismus stehen, wie Matthias Matussek oder Eric Zemmour156, jene die es etwas kaschieren wie Henryk Broder, jene die es ganz kaschieren (Springer-Leute,…), und jene die Toleranzchauvinismus auf ihrer Flagge haben (wie Schreuder). Die rechtsextreme Zionistin Caroline Glick (über sie im III. Teil) auf ihrer Website über ihr Aufwachsen in der USA: “I grew up in Chicago’s ultra-liberal, anti-American, and anti-Israel stronghold of Hyde Park. Hyde Park’s newest famous resident is Barack Obama. He fits right into a neighborhood I couldn’t wait to leave. I made aliyah to Israel in 1991, two weeks after receiving my BA in Political Science from Beir Zeit on the Hudson—otherwise known as Columbia University. I joined the Israel Defense Forces that summer and served as an officer for five and a half years.“ > Die Links-Islamophoben und (Pseudo-) Links-Zionisten würden sich hüten, Bir Zeit als „liberal“ zu etikettieren, im Gegenteil, in diesen Kreisen ist alles Palästinensische, Orientalische „illiberal“ und daher verdammenswert, für „Reeducation“ überfällig, das Westliche das „Liberale“; sie aber verachtet v.a. liberale Juden und Westler, fast so sehr wie Palästinenser und Andere aus dieser Region.

Mal wird behauptet, dass „Illiberalität die innere Struktur des Antisemitismus kennzeichnet“, dann wieder, dass die Liberalen dafür verantwortlich sind. Friedrich Meinecke kam 1946 in “Die deutsche Katastrophe”, gedruckt mit Erlaubnis der US-Besatzer, zu dem Ergebnis: “Zu denen, die den Becher der ihnen zugefallenen Macht gar zu rasch und gierig an den Mund führten, gehörten auch viele Juden. – Die Juden, die dazu neigen, eine ihnen einmal lächelnde Gunst der Konjunktur unbedacht zu genießen, hatten mancherlei Anstoß erregt seit ihrer vollen Emanzipation. Sie haben viel beigetragen zu jener allmählichen Entwertung und Diskreditierung der liberalen Gedankenwelt, die seit dem Ausgange des 19. Jahrhhunderts eingetreten ist”. Jedenfalls, bei Trump oder Bolsonaro wollen wir bezüglich ihrer Politik und Einstellungen mal nicht so streng sein, schliesslich sind die pro Israel. Und auch “Saudi-Arabien ist wichtig für Israel”, daher…

Manchmal erfindet man das eigene Kollektiv als “liberal”, das dem “Bösen”, “Illiberalen” gegenüber steht. Die (proisraelischen) Evangelikalen in der USA aber empören sich über Waffenkontrolle/-verbote, Homsexualität, die Gleichheit der Rassen,… Der rechtskonservative Grazer Bürgermeister Nagl verteidigte einst Schwarzenegger und seine Todesstrafen-Entscheidung als Gouverneur von California; Andere sehen die Todesstrafe (zB im Iran) als Beleg für Barbarismus, welcher “dem Islam” innewohne (obwohl dort fast alle Hingerichteten auch Moslems sind). Erdogan ein „autoritärer, rückständiger, populistischer Führer”, aber Orban…und die “verweichlichten, selbsthassenden, liberalen Gutmenschen”. 2018 Verleihung des “Echo”-Preises an Farid „Bang“ El Abdellaoui (marokkanischer Herkunft) & “Kollegah”, denen “Antisemitismus” in Texten vorgeworfen wird, grosse Protestwelle (u.a. Rückgabe seines Preises von “Campino”). Über 6000 Mal wurde das Posting eines Lehrers geteilt, der von “Fremden- und schwulenfeindlicher, frauenverachtender und antisemitischer Scheiß[e]” schrieb. Für Andere ist er einfach ein “Kanake”, wahrscheinlich auch für den neurechten Deutsch-Rapper „Koljah” (kolerikah), der gg „Kanaken” und “Neger“ sowie “Islamversteher” hetzt. Eine Dokumentation wirft der deutschen Rapszene “massiven Antisemitismus” vor; aber “Koljah” muss ja in Ordnung sein, da zionistisch.

Attacken bzw Aussagen mit klarem “Rassismus”, also die abwertende “Thematisierung” von “Rasse” und dergleichen, ist selten geworden. Man kann ja auch einfach jemand zB als “Antisemiten” oder so ablehnen. Manchmal kommt so etwas aber doch hervor, zB die Beschimpfung der italienisch-kongolesischen Ärztin und Politikerin Kyenge als “Affe” durch die Lega. Oder, wenn der “Westen” als “weiss” definiert wird, so wie von Steve King. Die fliessende Grenze zwischen „Islamkritik“ und Rassismus… Etwa bei den Kommentaren unter einem Youtube-Video über das Fussball-WM-Spiel 1990, zwischen den Teams von Niederlande und Deutschland (in Mailand): „damals spielten auch noch keine Türken und Afrikaner für uns ;)”, „1990 und 1996 die letzten Deutschen Helden. Die heutige Migrantentruppe kann man sich ja nicht anschauen. Muss man sich ja schämen, dass sowas einen Adler trägt. Aber so verfault Europa allgemein zur Multikulti Mischmasch ohne Identität.”, „Scheiß Holland!”,…157 Den Sack schlagen, den Esel meinen; sagt man, wenn jemand stellvertretend für Andere, die eigentlich gemeint sind, kritisiert wird.

“Islamische und afrikanische Invasion”

Als Dhoruba al-Mujahid bin Wahad aus der USA, ehemaliger Black-Panther-Aktivist und Mitbegründer der Black Liberation Army, 2018 in Wien reden sollte, über seinen politischen Werdegang und seine Erfahrungen als militanter Kämpfer und langjähriger Gefangener, im Rahmen einer Vortragsreihe zum Themenkomplex Kolonialismus, Rassismus und Black Power, forderte die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) vom veranstaltenden Institut für Afrikawissenschaften die Absage der Veranstaltung, weil der Verein “Dar Al-Janub” (israelkritisch) Mitveranstalter war. Es kam zur Ausladung, Mujahid durfte nicht reden… Veranstaltungen im Zhg mit dem “Dar Al-Janub” werden immer wieder Zielscheibe der zionistischen Szene Wiens. Eine Stellungnahme von dem Verein. Es gab in den Diskussionen in der ÖH auch eine Verwischung rassischer und anderer Ressentiments mit „Antisemitismus“-Inquisition, es ging auch um (bzw gegen) den Vortragenden und die Thematik… So wie bei den Attacken von Trump und seinen Anhängern gegen Alexandria Ocasio-Cortez und Ilhan Omar; Ocasio hat gar nichts moslemisches, hat nichts über die “jüdische Lobby” gesagt, wird dennoch auch angefeindet.

Ein dünn verhüllter Rassismus kam auch gegenüber Bilal Hassani zum Vorschein. Er hat Frankreich heuer beim Song Contest (in Israel) vertreten. Ist marokkanischer Herkunft und eine Art Drag Queen. Mit seiner Nominierung in Frankreich begann es, er wurde von homophoben Trolls beleidigt, aber auch jenen, die ihn als nicht würdigen Vertreter Frankreichs sahen wegen seiner Herkunft. Bei Erdogan-Kritik “rutscht” auch gerne Antitürkisches und Fremdenfeindliches in Kommentare “hinein”, wird versucht diese Feindlichkeit über den Anteilnahme-Umweg zu relativieren (es ginge einem um Demokratie und Menschenrechte).158 Auf Youtube gibt es den Benutzernamen “brennendemoschee”159; ob es ihm nicht um brennende Menschen geht… “frenchlegioner” ist ein Nazianhänger, von Breivik, aber auch von Walid Shoebat. “amerasu0“ ist ein PI-aktivist, unterstützt(e) auch proNRW, pro Israel, postet von Grigat u.a. ein Video bei dessen “Kritischer Islamkonferenz”. Das was man auf Englisch “political punditry” nennt (politische Analytik), ist auf YouTube übrigens auch von Rechten dominiert, von Pat(rick) Condell bis “Carl von Akkad”.160

Beim Schuss-Attentat auf 2 Moscheen in Christchurch, NZL, heuer (~50 Tote) war der Täter ja ein Weiss-Suprematist/ Neonazi/Rechtsextremist aus Australien. Dieser Brenton Tarrant postete (auf 8chan) sein Manifest, mit dem Titel “The Great Replacement”. Bezog sich dabei vor allem auf Renaud Camus, der 2010 ein Buch mit diesem Titel herausbrachte (bei Antaios), behauptend dass ein “Bevölkerungsaustausch” im Gange sei, Frankreich von Nordafrikanern und Westasiaten “überrannt” werde. 2012 hat er Marine Le Pen in der französischen Präsidentenwahl unterstützt. Das “Konzept” des „grand remplacement“ ist mehr oder weniger dasselbe wie das der „white genocide conspiracy“, dass das weisse christliche Europa von Schwarz- und Nordafrikanern sowie Westasiaten (hauptsächlich Moslems) übernommen werde, kulturell und physisch. Es geht auf „Bat Yeor“ (Giselle Littman) sowie Jean Raspail zurück. Wurde von vielen rechten Parteien und Initiativen in Europa (hauptsächlich im westlichem) aufgegriffen oder ähnlich formuliert.

David und Giselle Littman mit Enkelin, 2009

R. Camus schrieb in seinem “La campagne de France” (2000 erschienen, in Englisch “Diary of 1994”), dass in einer Literatursendung eines französischen Radio-Senders die meisten Kritiker Juden seien und diese jüdische Autoren bevorzugt behandelten. Dieser Camus ist gleichzeitig ein grosser Israel-Untersützer und Alain Finkielkraut war einer jener Prominenter, die ihn (deshalb) gegen den “Antisemitismus”-Vorwurf verteidigten…161 Ein Dilemma für Manche. Jedenfalls: Es gibt diese Nähe, diese Nachbarschaft von „westliche Kultur in Gefahr“ (und diese wird in diesem Dikurs gewöhnlich als “liberal” affirmiert), „Multikulti ist Kulturrelativismus“, “weisses, christliches Europa in Gefahr“ oder „Diversität/Multikulti ist ein Codewort für weissen Genozid“. Die Querverbindungen von KKK-Leuten die vom „Genozid an Weissen“ faseln, über 1,2 Zwischenstationen zu Gisele Littman und ihrem “Eurabien“, oder zur „Gefährdung westlicher Werte“. Man sieht an diesem Camus auch wieder mal die “Einbettung” von Israel-Solidarität. Die unscharfe Abgrenzung zwischen „die antisemitischen und homophoben Muselmanen“ zu „die dunkelhäutigen Bedroher unserer Kultur und Rasse“.

Die Morde des Australiers waren rass(ist)isch motiviert, keine “Religionskritik”, und das gilt generell für Islamophobie. Also den Leuten aus moslemischen Kulturen/Ländern eine Andersartigkeit zusprechen, sie diffamieren über die (zT vermeintliche) Zugehörigkeit zu einer Religion/Ideologie, zB indem man aus ihrem Islam einen Islamismus macht. Trump sagte, “weisse Vorherrschaft” bzw das Bestreben danach sei „kein grosses Problem“; nun, er ist ein Teil dieses Problems, kein Schiedsrichter oder Analytiker. Und, es gibt Deutsche, die in gleichem Maß projüdisch sind wie gegen “Farbige”. Bei den Rechten, zB jenen in der Ukraine (s.o.) oder in Deutschland nach dem NS, zeigt sich ein scharfer Bruch in der Sicht auf die Juden; Israel lässt sich in das nationalistische Narrativ integrieren, Juden als Herrscher Israels ist das eine. Anders sieht es mit den “Diaspora”-Juden (zB jenen in der Ukraine) aus, da bleibt die Sicht auf eine “schädliche Minderheit” zT bestehen (ähnlich wie in Israel auf die “israelischen Araber”).162 Israel wiederum sieht Juden ausserhalb als gefährdete Minderheit.

Zu den “linken” Israelfreunden/Islamophoben. Die “Abgrenzung” der Grigats von den Straches geschieht, indem behauptet wird, die Rechten seien gar nicht proisraelisch (was insofern stimmt, als sie damit gewisse Ziele voran treiben wollen, aber sie haben den Charakter Israels erkannt) und gar nicht anti-moslemisch (was insofern stimmt, als Moslems bzw Islamismus oft politisch korrekter Platzhalter/Sündenbock sind für “allgemeinen” Rassismus), Juden seien viel gefährdeter/verhasster. Grigat faselt von „taktischer IL-Solidarität“ auf dieser Seite > die wahre kommt von ihm und seinesgleichen. Rechte IL-Fans bemängeln wiederum auch die „IL-Solidarität“ der (Pseudo-) Linken, beanspruchen ebenfalls Deutungshoheit darüber. Auch wird gerne behauptet, die Distanz zwischen den Rechten und Moslems/Islamismus sei nicht so gross. Und dass Weidel und Osten-Sacken unterschiedliche Feindbilder hätten.

März 17: Thomas Rammerstorfer, oberösterreichischer Grüner, der sich als „Antifaschist“ sieht, und als „Rechtsextremismus-Experte“ (von orf.at und “Falter” diesbezüglich promotet wird), hielt einen Vortrag über Extremismen und “demokratiefeindliche Bewegungen” an einem Linzer Gymnasium (BORG). Unter den Schülern war ein Sohn von FPÖ-Nationalratsabgeordneten Roman Haider, der informierte seinen Vater, der intervenierte, auch als gewählter Elternvertreter der Schule (darüber dass Rammerstorfer erwähnt hatte, dass bei der FPÖ Vertreter rechtsextremer Burschenschaften dabei seien). Es sei eine Frechheit, eine Nationalratspartei wie die FPÖ mit Extremismus in Zusammenhang zu bringen. Als der Vortragende zur Diskussion kommen wollte, wurde auf Weisung des Direktors abgebrochen. Aufregung über den Abbruch (v.a. bei Grünen und SPÖ OÖ). Landesschulrat-Präsident Enzenhofer sagte, wenn die FPÖ tatsächlich in Zusammenhang mit mörderischen Extremisten vom Schlage eines IS erwähnt worden sei, dann sei das nicht ausgewogen, und der Direktor habe zu Recht abgebrochen. Roman Haider sprach von einem „linksextremen Vortrag“. Ein anderer Sohn von ihm von ihm ist “übrigens” vom Bundesheer bestraft worden, weil er bei einer Veranstaltung im Parlament (Preisverleihung der FPÖ-nahen Dinghofer-Gesellschaft) in Bundesheeruniform und einer Burschenschafter-Schleife erschienen war.

Scheinheiligkeit auf beiden Seiten, die beiden, Rammerstorfer und Haider, haben einander verdient. Das kann man auch bezüglich Norbert Bolz und “Falter”-Klenk sagen. Bolz, deutscher Medienwissenschafter, wurde von Mitte-Rechts (CDU) zu rechts-aussen (nahe AfD), radikalisierte sich ab ca. 2013 über twitter, gegen „politische Korrektheit“, „rot-grünen Grundkonsens“,… Auch mit Rhetorik über „Antisemitismus“ (> Linke, Zuwanderer). Kam natürlich auf Broders “Achse des Guten”, wird von „Cicero“ gebracht. Auf Servus TV eine Diskussion über den ORF, mit Klenk als Gegenredner, Bolz mit Schaum in den Mundwinkeln; beide borniert, gefallen sich in ihren Rollen. In Teil III wird es wieder um Rechts-Links-Widersprüche gehen, bei Zionisten; ein Bild von Israel verbergen (und in Abrede stellen) oder aber stolz zeigen. Ein kleiner Vorgeschmack: www.youtube.com/watch?v=yCkFgmK1-dY&t=1s : Israel setzt gegen Palästinenser die sich gegen neue Siedlungen bzw ihre Enteignungen und Vertreibungen wehren, einmal nicht scharfe Munition ein, sondern u.a. Tränengas und eine speziell für Palästinenser entwickelte übelst riechende Flüssigkeit…

Die Kommentare (auf Englisch) darunter sind dominiert von Häme und Hass: „Scheisse zu Scheisse“, „Araber zurück nach Arabien“, „Lang lebe Israel“, „Europa sollte das gegen illegale Immigranten einsetzen“, oder: „Good job Israel. They already stink, so I’m not sure what the problem is.“. Kritisiert wird höchstens der Kommentar im Video bezüglich „excessive force“ (> „RT you pripaganda bastards”). Viele Bildschirm-Seiten nach unten ziehen sich solche Kommentare, von jüdischen und nicht-jüdischen Zionisten. Das ist die eine Spielart des Zionismus: Kommentare wie „skunk/sewer spray is to make these animals smell better“. Und die andere ist eben, Berichte über solche Einsätze als „antisemitische Diffamierung“ zurück zu weisen, die Thematisierung des Einsatzes und solcher Kommentare als „antisemitisch“, die Siedlungs (Verdrängungs-) Politik gegen die Palästinenser herunter zu spielen (nicht mehr: „Palästinenser raus“ oder „Es gibt keine Palästinenser“), sich in der Opferrolle zu verorten und Regenbogen-Flagge mit der israelischen zu kombinieren, von Homo-Rechten zu schwafeln, von „Antisemitismus“, usw. In dieser „linken“ Spielart des Zionismus werden Berichte über solches Vorgehen gegen Palästinenser auch angezweifelt (und RT als „antiisraelisch“,“antisemitisch“ deklariert), das Vorgehen das in der anderen Spielart bejubelt wird „Antisemitismus-Untersuchungen“ stürzen sich gewöhnlich auf Kommentare zu solchen Berichten/Videos und picken die „antisemitischen“ heraus und ignorieren den Kontext bzw die Grundlage dafür rundwegs, ebenso die proisraelischen.

Zur Verschleierung rechtsextremer Positionen ist dieser Artikel empfehlenswert. Nun soll der Scheinwerfer der Analyse auf die Entwicklungen zwischen den Rechten und Zionisten (auch nicht-jüdische) gerichtet werden (die auch nicht-zionistische Juden betreffen). Juden waren für Rechte das Andere (nicht zugehörig zu ihrer Nation und diese “zersetzend”), aber nun wegen Israel auch Träger eines bewundernswerten, superstarken Ethno-Nationalismus; und Verbündete gg Moslems. Es ist die Politik Israels, die antijüdische Gefühle in Europa und anderswo umgekehrt hat, hauptsächlich bei Rechten, ob aus religiösen oder politischen Überzeugungen. Mit Pro-Israel ist für Rechte auch ein Relaunch ihrer Identität möglich. Und, wenn Strache Israel/Palästina besucht, darf er überall hin reisen, im Gegensatz zu den Palästinensern.

„Rechtsextremes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ > gut oder schlecht für Zionisten? Denn das bedeutet in der Regel Islamophobie, Nationalismus, gg Multikulti, Pro-Israel, Bündnisse mit der israelischen Rechten163,… Ramzy Baroud: “Israel is unabashedly exploiting the unmitigated rise of global neo-fascism and populism. Worse, the once perceived to be anti-Semitic trends are now wholly embraced by the ‘Jewish State’, which is seeking to broaden its political influence but also its weapons market. Politically, far-right parties understand that in order for Israel to help them whitewash their past and present sins, they would have to submit completely to Israel’s agenda in the Middle East. And that is precisely what is taking place from Washington, to Rome to Budapest to Vienna … And, as of late, Brasilia.”

Daniel Pipes freut sich, dass Europa “sich auf seine Wurzeln besinnt”, FPÖ, BNP, VB, FN, PVV,… sollen Moslems Einhalt gebieten, schreibt von “Indigenous Europeans”.164 Kampf gegen Rechts? Broder lacht darüber. Nur wenn eine dieser Gruppierungen dann noch nicht ganz auf Pro-Israel-Linie ist165 oder doch wieder etwas antijüdisches/judenkritisches sagen…- die Hohmann-Grenze. Oder wenn einer doch “Kontakte zu Moslems” hat. In der Logik in der “kruden Allianzen” (im aktuellen wie im historischen Kontext) “geortet” werden, geht es ja nach dem Motto “Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist”. Aber bei Strache zB wird die Sache ja so hin gedreht, er sei geläutert, hätte seine Partei gesäubert, würde nun gg AS vorgehen, hätte einen Schritt in die richtige Richtung gemacht…bekommt Respekt und Anerkennung dafür, das Pro-Israel, Pro-Juden sage etwas GUTES über ihn aus, nicht etwas SCHLECHTES über Israel und den Diskurs der ihm nutzt.

Ja, Israel-Begeisterung der Rechten (und rechter Pseudoantifaschismus) wird als Läuterung bzw notwendige Schutzgewährung vor den Bösen dargestellt/aufgefasst… Als ein “positives Signal” wertete IKG-Chef Deutsch die „positiven Bekenntnisse zu Israel“ im Regierungsprogramm von FPÖ-ÖVP. „Israel kann es sich nicht leisten, einen Krieg zu verlieren“, wiederholte Deutsch die zionistischen Propaganda-Mantras. Israel brauche daher internationale Unterstützung. Für seine Besatzung? Dennoch sei der rechtsextreme Antisemitismus nicht ausgestorben. „Frage, ob man der neuen Seite der FPÖ trauen könne“, redet von NS-Erbe, Antisemitismus bei FPÖ, 2 Gesichtern, Straches Glaubwürdigkeit, „Er versucht nämlich, mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten zu tanzen“. Über die Moslemophobie oder den anderen Rassismus der FPÖ (> Aussagen zu David Alaba, Cesar Sampson,…) gar nichts166, die FPÖ wird stattdessen verdächtigt, nicht philosemitisch und proisraelisch genug geworden zu sein, mit den Moslems (weiter) unter einer Decke zu stecken.

“Mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten tanzen“ – kann man auch über die IKG sagen, nicht nur wegen Lasar und so…bzgl Israel und Minderheiten wird etwas Anderes verteidigt/gefordert/unterstützt als für sich in der Diaspora. Es werden gelegentlich Stellungnahmen gegen die FPÖ abgegeben, aber es wird ihr nicht in die Parade gefahren wenn sie sich zB mit einer Veranstaltung zum “moslemischen Antisemitismus” (Teil IV) profilieren möchte, im Gegenteil. Kritisierst du mein Israel nicht, vergebe ich dir deine Nazi-Vergangenheit und bist du kein Rechtsextremist mehr, diese Absolution wird immer wieder erteilt. Und der “altmodische” europäische Rechtspöbel ist fein raus. Auf anderen Ebenen ist es ähnlich: Die iranischen Mujahedin-e Kalq (MEK) waren früher nicht nur gg die USA, auch gg IL, gg den Schah, für Saddam, nun… Jene die sich das Pro-Israel gross auf die Fahne heften, geben in der Regel auch vor, sich mit dem NS und dem Holokaust auseinandergesetzt zu haben, Lehren aus ihm gezogen zu haben, dieser Ideologie entgegen zu treten…das Gegenteil ist aber der Fall. „Pro-Israel“ dient zur Rechtfertigung bzw Garnierung rechter Politik/Haltungen.167 Und, die Avancen der Rechtspopulisten in West- und Osteuropa werden von zionistischer Seite sehr wohl “erwidert”, man muss nur an die israelischen Berater von Vadim Tudor (s.o.) denken.

Die Zeitschrift „Datum“ brachte mal einen Artikel über Funktionäre des FPÖ-Jugendverbandes RFJ, denen Kritik an israelischen Militäraktionen schwer angekreidet wird, viel mehr als verhetzende Aussagen über Immigranten; ein ander’ Mal über die Geschäfte, die Österreicher, die mit dem bösen Iran machen. „Malmö“ schreibt über „Antisemitismus“ bei den mexikanischen Zapatisten, aber über Trump und seinen überbordenden Rassismus… “Danny” Leder, “Kurier”-Korrespondent in Frankreich, läuft immer zu grosser Form auf, wenn er über Juden als Opfer der Moslems in Frankreich schreibt. „Wenn Juden und Muslime für die FN stimmen, sind vielfach die selben Gründe wie für die restliche Bevölkerung ausschlaggebend, also etwa die aktuelle Jobkrise oder die Angst vor Kriminalität. Aber ein Teil der jüdischen Wähler sehen in der FN auch eine Antwort auf die oben beschriebene Bedrohung durch radikalisierte junge Muslime. Während auf Seiten der muslimischen Wähler ein Teil, nicht zuletzt aus Aversion gegen Israel, die Judenfeindschaft von Jean-Marie Le Pen attraktiv finden.“ Die Juden Frankreichs seien ggü Vereinnahmungsversuchen der FN standhaft geblieben, Rassismus unter ihnen sei ein Anathema. Dieudonne Mbala Mbala wird dagegen als im Bunde mit FN, Nazis, Islamisten gg Juden dargestellt.

Ex-IKG-Chef Ariel Muzicant (heute EJC) über die neue FPÖ: „Dessen kann man sich leider nicht erwehren. Die sind einfach draufgekommen, dass es nicht mehr fesch ist, Antisemit zu sein, und versuchen jetzt, diesen braunen Fleck auf der weißen Weste loszuwerden. Gott soll mich behüten vor solchen Freunden“. Fast genau so hat Strache formuliert, als er auf die Unterstützung von Seiten der Neonazis wie Honsik angesprochen wurde… er könne sich gegen eine solche Unterstützung nicht wehren (und hat das selbst als klare Abgrenzung zu Honsik gewertet). Und weiter: “Eine Partei, die rechts vom Zulässigen steht, die fließende Verbindungen zum Rechtsextremismus und Nationalsozialismus und gleichzeitig mit dem Iran Verbindungen hat und ein Naheverhältnis zu einem Herrn Friedmann168, hat, der regelmäßig in den Iran fährt, vom Iran bezahlt und ausgehalten wird.” Es gibt genug Verbindung von westlichen (auch österreichischen) Rechten zu Israel/ dem Zionismus, anstatt dies zu thematisieren, wird verlangt dass die Rechten noch zionistischer werden… “Auf der einen Seite schimpft man gegen die Moslems in Wien, auf der anderen Seite versucht man mit irgendwelchen Mullahs Geschäfte zu machen.”. Da ist sogar etwas dran, Rechte/Rechtssextreme reden manchmal im heimischen Zhg von „Kanaken“ und dergleichen, sehen die Dinge bzgl deren Herkunftsländern anders.

In diesem Zusammenhang müssten aber auch jene Rechten (wie Orban) thematisiert werden, die Israel unterstützen (teilweise glorifizieren), auf Juden in ihren Ländern (der “Diaspora”) aber eine ganz andere Sicht haben. Und, jene islamophoben Israel-Freunde, die bei Saudi-Arabien plötzlich ganz “still” werden… Anlässlich einer der erwähnten Antisemitismus-Konferenzen schlug Muzicant alarmistische Töne an169, streute der Kurz-Strache-Regierung Blumen (In Sachen “Antisemitismus” sei die österreichische Situation „Gott sei Dank eine der besten in Europa“)170, nannte als Quelle des AS in Österreich Flüchtlinge, Israel-Feindlichkeit sowie (“einen immer stärker werdenden”) Rechtsextremismus. Die Rechtsextremen von Ungarn bis Schweden sind aber alle pro-Israel, das kehrte er unter den Tisch, und das ist ja, was zählt (nur nicht die alarmierende Situation der Palästinenser zB im Jordantal oder Hebron thematisieren); mit dem Verweis auf Flüchtlinge (vielleicht hat er auch Immigranten generell erwähnt) sandte der EJC-Vizepräsident wieder Signale an die FPÖ > Sucht euch andere Feindbilder, so lange ihr die habt, ist es OK.171

Mit Kurz und Strache gemeinsam Anti-Rassismus desavouieren… Muzicant war vor 00/01 ziemlich moderat, schlug dann (einem Trend folgend) einen rechtszionistischen Kurs ein, einen sehr chauvinistischen. Juden stellt er, entgegen den Realitäten, als ganz schlimm bedroht dar, über Strache in Jerusalem und dergleichen schweigt er sich aus, ebenso wie (meistens) über die Feindbilder der FPÖ (und Vieler in ÖVP,…), kritische (realistische) Thematisierung von Israel/Palästina gestattet er keine. Der FC-Israel-Fanklub-Chef in Österreich wird Kritik an Israel nicht aussprechen selbst wenn er dort etwas kritisch sehen würde. Aber Journalisten fragen ihn ja immer wieder nach Einschätzungen zum “Nahost-Konflikt”…und Musikant sitzt in DÖW, Wiesenthal-Institut, Mauthausen-Komitee. 2006 Muzicant im Interview mit Chili TV, z Zt des “Libanon-Kriegs”: “Die Türken (in Österreich) sind weniger aufgehetzt (als die Araber) durch Al-Jazeera und ähnliches, während die hauptsächlich aus Nordafrika stammenden Araber aus Frankreich durch die Beeinflussung der arabischen Medien aufgehetzt werden. In Frankreich leben sie in Vororten, wo sie wie in Ghettos gehalten werden, weder sozialisiert noch integriert sind und einer sehr großen jüdischen Bevölkerung gegenüber stehen”…Allein über den ersten Satz (und seine Konnotationen) müsste man eigentlich ausführlich reden.

Weiter: “Zu den Moslems in Österreich haben wir eine hervorragende Beziehung. Wenn es Probleme beim Schächten gab oder wenn die FPÖ ihre üblichen Hasstiraden losgelassen hat, dann waren wir es, die aufgestanden sind, um diese Attacken gegen Moslems zu bekämpfen. Unabhängig davon, dass es auch hierzulande 5.000 bis 10.000 Moslems gibt, die mit Hasstiraden gegen Israel herum marschieren”…Die IKG unter Muzikant hat etwa Veranstaltungen von “stopthebomb” (wo es Kriegsaufrufe ggü Iran gab) mitveranstaltet und unterstützt. Und er sagt den Österreichern zB, dass Türken und Araber aufgehetzt sind. Jene, die ggü dem Schicksal der Palästinenser nicht gleichgültig sind (ob moslemisch oder nicht) werden von Muzicant gleich diffamiert. Den Hass sieht er, bzgl Österreich und generell, nur auf der einen Seite…hängt den Hass und die Vorurteile immer der Gegenseite um, man selbst sei so gutwillig und tolerant und friedenswillig, seine Verachtung zeigt er, indem er den Moslems hier und dort Verhetzung und dergleichen unterstellt (siehe oben & unten)172…”Ich bin überzeugt davon, dass irgendwann der Tag kommt, an dem es den Müttern wichtiger ist, dass ihre Kinder leben und eine Zukunft haben. In Israel ist das so. In den arabischen Ländern und vor allem unter den Palästinensern ist scheinbar ‘das sich Umbringen’ und möglichst viele junge Frauen mit in den Tod zu reißen eine ganz tolle Tat.”…Zu der solchen Aussagen zu Grunde liegenden Denkweisen im nächsten Teil einiges. Es ist sein Chauvinismus, seine Aufgehetztheit; es gibt aber auch Juden/Zionisten, die zu ihrer Verachtung stehen (siehe die Kommentare zum “Sprühattacken”-Video).

“Die Israelis sind aus dem Gazastreifen abgezogen und haben den Palästinensern die ganzen Gewächshäuser überlassen. In der Hoffnung, dass sie dort Jobs schaffen. Sie haben von dort Raketen geschossen und jetzt ist alles kaputt. Wenn sie schießen, schießen wir zurück. Man hat das Gefühl, die Palästinenser müssten ehrenhalber einmal einen Krieg gewinnen, damit sie Frieden machen können. Nur das Risiko können die Israelis nicht eingehen…”…Einen Abzug nach 38 Jahren Besatzung als grosszügig darzustellen…das Elend Gazas begann mit der Nakba, als Palästinenser aus vielen Teilen des südlichen Palästinas dorthin flüchteten, und es hörte mit dem Abzug der Siedler und Soldaten nicht auf… “…werden die Israelis solange hinhauen, bis die Bombardierung Nordisraels aufhört und die Menschen in Haifa nicht in ständiger Terrorangst leben müssen. Sensibel kann man vorgehen, wenn man in Mitteleuropa lebt. Im Nahen Osten wird ein sensibles Vorgehen als Schwäche ausgelegt“…Darüber könnte man auch lange analysieren, momentan nur soviel: es ist Muzicants Art zu zeigen, dass er von dieser Region, diesem Konflikt nichts versteht (oder absichtlich verdreht), und seine Art, Verachtung zu zeigen.173

“Wenn die säkularen und geistlichen Führer der Muslime nicht gegen die Sympathisanten des Terrorismus vorgehen, werden wir uns in einigen Jahren in einem furchtbaren Kulturkrieg befinden, der sich auch auf den Straßen abspielen wird. Die europäischen Bevölkerungsteile werden es nämlich nicht akzeptieren, dass immer wieder Terroristen aus den Reihen der islamischen Glaubensgemeinschaft Terrorakte verüben”…die Führer der Muslime, die europäischen Bevölkerungsteile…”Zunächst wirkt der Underdog-Effekt – die Palästinenser werden als die armen Schwachen wahrgenommen und die Israelis als die bösen Starken…”…>jene die sich auf Seite Israels stellen weil diese als SIEGER (über Araber/Orientale) wahrgenommen werden, und auch jene die sie als underdog ggü Arabern/Moslems wahrnehmen (man muss nur einmal die Kommentare auf “DerStandard” lesen, oder nachlesen wie man in Apartheid-Südafrika Israel gesehen hat – bzw seine Nostalgiker heute noch174)…”Ich bin Österreicher und Jude und kann die israelische Politik nicht bestimmen”…”Eine Anerkennung bringt den Palästinensern gar nichts – außer dass ein paar Extremisten auf der israelischen Seite Gegenmaßnahmen verlangen werden. Und wenn nach der Anerkennung real nichts passiert, wird es unter den Palästinensern zu massivem Frust kommen. Und Frust hat sich dort noch immer in Gewalt entladen”…darin steckt auch so viel Verdrehung, dass man kaum glauben kann, dass er das wirklich glaubt. Wiegesagt, der Fanklub-Chef wird immer versuchen, seinen Verein in ein günstiges Licht zu stellen…(über Friedenswillen) “Wie ich höre, sind 80 bis 90 Prozent der Israelis dieser Meinung. Ähnliches höre ich aber nicht von der palästinensischen Seite“…wo er Sachen hört Israel/Palästina betreffend…und was er daraus macht. Der Besatzer, der kann leicht sagen, ich bin für den Frieden, fürs Verhandeln, wenn man dies endlos hinaus zieht, ohne substantielle Zugeständnisse. Israelis oder andere Juden können (zB) in Tel Aviv demonstrieren, auch für Frieden mit den Palästinensern, wenn Palästinenser (zB) in Hebron auf die Strasse gehen, müssen sie damit rechnen, niedergeschossen zu werden. Aber selbst unter diesen Prämissen stimmt das mit den 80, 90 % bei weitem nicht.

“…die Zivilbevölkerung in Gaza kriegt keine Bomben auf den Kopf; Das war die Antwort auf Tausende Raketen, die auf Israel abgefeuert wurden. Das war eine Reaktion, keine Aktion”…Nur eines dazu: Eine Rakete (italienisch rocchetta) ist ein Flugkörper mit Rückstossantrieb (Raketenantrieb). Raketen werden als militärische Waffe, in der Raumfahrt oder als Feuerwerkskörper eingesetzt. Das was von palästinensischen Milizen aus dem Gaza-Streifen nach Israel “hinein”geschossen wird, sind keine Raketen…”Es waren 23 000 Israelis in den vergangenen 60 Jahren. Es gab sicher mehr Araber unter den Opfern, aber keiner der Kriege wurde von den Israelis begonnen.”…das stimmt natürlich auch nicht…”Palästinensische Kinder rennen herum und rufen: ‘Tod allen Juden!'”… Anhänger von Liebermans Partei YB (und vieler anderer Parteien) skandieren u.a. in Wahlkämpfen Slogans wie „Tod den Arabern!“. Davor verschliesst Muzikant natürlich auch die Augen. Bei ihm ist ein komplettes Ausblenden des Rassismus’ und der Hetze der (pro)zionistischen Seite festzustellen, ein komplettes Ausblenden dessen was die israelische Politik für Palästinenser bedeutet, dafür jede Menge Verharmlosung dazu.175 Sein feuriger Zionismus kommt immer auf zivilisiert-friedlich daher; aber in der Sache…

Ein “Profil”-Interview 2010/11, wiederum seeehr viele Kommentare zu “Israel” und “seiner Region”, die viel über ihn aussagen, in denen er wieder ein grosses Repertoire von Ressentiments ausspie: Muzikant sieht den Arabischen Frühling (die Bemühungen der Menschen in den arabischen Ländern um Demokratisierung) „mit Sorge“, wie Zionisten generell. „Der ägyptische Präsident Mubarak war zwar kein Freund, aber ein vertragstreuer Partner Israels. Die Frage ist, ob diese Vertragstreue jetzt auch weiterhin eingehalten wird“. Normalerweise führten Demokratien zu weniger Kriegen, „aber bei dem, was wir jetzt sehen, sind wir von Demokratie noch Lichtjahre entfernt“. Und es hat laut Muzicant im Nahen Osten immer die Strategie gegeben: „Wenn es mir schlecht geht, führe ich Krieg gegen Israel, um von meinen eigenen Problemen abzulenken.“ Diese Möglichkeit sei auch jetzt „so unwahrscheinlich nicht“. Zu den Revolutionen in mehreren arabischen Ländern, die entgegen allgemeinen Erwartungen nicht unter der Fahne der Islamisten stattfanden, meinte Muzicant: „Warten Sie bis zu den ersten Wahlen. Dann haben Sie überall 35 Prozent Islamisten in den Regierungen.“ Zugleich bekräftigte Muzicant seine Kritik an der Unterstützung eines Palästinenserstaates durch SPÖ, Grüne, FPÖ und BZÖ. Er werfe ihnen vor, „dass sie gar nicht wissen, wofür sie hier eigentlich eintreten.“ Viele österreichische Politiker seien ahnungslos, was das betrifft. „Sie brauchen nur einmal schauen, was die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen anrichtet: fast keine Pressefreiheit mehr, Menschenrechtsverletzungen, die niemanden aufregen. Wenn Sie von einem palästinensischen Staat reden, dann kann mir niemand garantieren, dass das nicht genauso in der Westbank passiert“, unkte Musikant, als ob es ihm um die Menschenrechte der Palästinenser gehen würde. “Die Araber haben drei Kriege begonnen – 1948, 1967 und 1973 – und alle drei verloren. Die Konsequenz verlorener Kriege sind Grenzverschiebungen, das ist nun einmal so..Ich bin dagegen, dass es am Ende heißt, es dürfen etwa in Hebron, von wo 1929 viele Juden blutig vertrieben wurden, keine Juden leben. Es kann auch nicht sein, dass die Waffenstandslinien von 1967 die Grundlage des palästinensischen Staats wären und keine Juden in Ostjerusalem leben dürfen.” “Selbst die Theorie ist schon schlecht, aber selbst wenn sie gut wäre, wird in der Praxis etwas ganz anderes geschehen.”

Gerade war das Problem mit dem Palästinenser-Staat noch gewesen dass dieser ungünstig für die jüdischen Siedler (bzw Israel) sein würde, dann geht es um dortige Demokratie, macht er sich darüber “Sorgen”…Was Mubarak für die Ägypter war, spielt keine Rolle, nur, was sein Sturz möglicherweise für Israel bedeuten könnte. Diese Haltung zum Arabischen Frühling (der gescheitert ist, aber gezeigt hat, dass die Bevölkerungen dieser Länder bereit sind, für ihre Demokratisierungen zu kämpfen) gibt Aufschluss über die zionistische “Unterstützung” der iranischen Demokratie-Bewegung (bzw Vereinnahmung, so wie im Film “Iranium”)… “Die Konsequenz verlorener Kriege sind Grenzverschiebungen, das ist nun einmal so.” – Ja, als Nazi-Deutschland Polen überfiel (auch, weil es dort Deutsche gab), verleibte es sich einen grossen Teil dessen Territoriums ein, die SU unter Stalin die baltischen Staaten, Rest-Jugoslawien unter Milosevic versuchte das mit Teilen Kroatiens und Bosniens, Putin hat die Krim Russland einverleibt, Irak unter S. Hussein wollte Kuwait kassieren,… Etwas zu besetzen und annektieren ist eine Sache, glücklicherweise hat das in der Geschichte nicht immer Bestand.

Komisch, dass jene die die irakische Invasion von Kuwait unbedingt mit einer amerikanischen Militärintervention “abgegolten” haben wollten (nicht weil es ihnen um Kuwait und die Kuwaiter ging…), (in der Regel) die Resultate des israelischen Angriffskriegs auf Jordanien, Ägypten, Syrien mit der selben Vehemenz einfrieren möchten. Ja, Kuwait hat diesen Krieg im Sommer 1990 verloren und Saddam Hussein wurde auch deshalb dann zu einem “neuen Hitler” gemacht… In dem Satz mit den “verlorenen Kriegen” steckt ja auch ein gewisser Hohn, ein gewisses Feixen…das werden wir uns auch im nächsten Teil genauer ansehen. Und dann die Aussagen über die besetzten Gebiete… Er verdreht das Problem mit der Besatzung, mit den Siedlungen, mit der ethnischen “Säuberungen”. Bewusst oder aus Ahnungslosigkeit (man kann davon ausgehen, dass seine “Quellen” nicht die objektivsten sind). Es ist dies so geläufig, dass man sich fragen muss, ob da Einer vom Anderen nachbetet/abschreibt. Netanyahu-Sprecher Gendelman: „Are Jewish communities in judea&Samaria the obstale[sic] to peace or is it the PA’s demand for ethnic cleansing[!]?“. Avigdor Lieberman: “Die Siedlungen ein Problem? Palästina darf nicht judenrein werden”. Eldad Beck, ein Israeler in Berlin, verteidigt ebenfalls die Siedlungen, mit dieser Rhetorik. Diese seien nicht das Hauptproblem von Nahost, erzählt das Märchen vom Siedlungsstop unter Friedensfürst Netanyahu (sei schwierige Situation wg Regierungspartner YB), IL habe “unglaubliche Kompromisse” gemacht, habe mit Gaza und Sinai “schon 2x gezeigt dass Siedlungen nicht das Problem” seien,…

Das ist so, wie wenn ein mehrfacher Entführer damit protzt, dass er schon 2x seine Opfer wieder freigelassen hat…anstatt sich damit auseinander zu setzen, dass er diese Entführungen 176 begangen hat. Wir werden im nächsten Teil noch eingehender zu Israel kommen, hier nur soviel: Israel vertreibt Palästinenser, um neue Siedlungen zu schaffen oder bestehende auszubauen. Palästinenser dürfen dort nicht leben, höchstens untergeordnete Arbeiten verrichten. Israel kontrolliert de facto 100% des historischen Palästinas, auch den Gaza-Streifen. Juden sind überall in einer privilegierten Position ggü Nicht-Juden. Es ist Israel, das kein Zusammenleben mit Palästinensern auf gleicher Ebene will/duldet, da nutzen auch keine Nebelgranaten. Die Siedlungen sind nur für Juden, existieren auf Kosten der Palästinenser, und dann kommt das Gezeter mit “judenrein“, die Umdrehung der Apartheid-Realität in IL/Palästina,… Das ist das, was Awraham Burg thematisiert hat (am Ende des Teil I darüber). Der Siedler Baruch Goldstein, der 1994 30 Palästinenser mit seinem “Galil”-Sturmgewehr tötete, liess sich auch mit einem Nazi-Judenstern ablichten. Er sorgte ja nur dafür, dass Hebron nicht judenrein wird.

Die Verwendung “judenrein” in diesem Kontext kam auch von Netanyahu… Muzicant reagierte 2012 erbost auf die Haltung der österreichischen Parlamentsparteien, die – mit Ausnahme der ÖVP… – den palästinensischen Anspruch auf Anerkennung als Staat und UNO-Mitgliedschaft befürwortet haben. Darüber im Israel-Apartheid-Artikel schon etwas. John Bunzl, Nahost-Experte am Österreichischen Institut für Internationale Politik, hat Muzicants Kommentar kommentiert. Dessen Wortwahl erinnere ihn an die Diktion und Demagogie der israelischen Rechten; die Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die politischen Parteien sei “tagespolitisch legitim und aus diplomatischer Sicht richtig”. Dass die Palästinenser einen Antrag auf Mitgliedschaft in der UN gestellt hätten, entspreche einem “Schritt der Verzweiflung” und habe keine “antisemitischen” Motive, wie sie in der Stellungnahme der Israelitischen Kultusgemeinde Wien unterstellt werden. Auch Doron Rabinoviczi kritisiert, im “Standard”, die Muzicant-Tirade, wies auf jene Israelis hin, die für eine 2-Staaten-Lösung bzw die Anerkennung einer palästinensischen Unabhängigkeit sind, wie Yehuda Bauer, Amos Oz.177

Im Zusammenhang damit sei auch darauf hingewiesen: Wer stellt die Verbindung Juden-Israel her? Die “Antisemiten” oder die IKG, wie mit dieser Stellungnahme zur österreichischen Aussenpolitik… wenn es um Anerkennung von Rest-Palästina als Staat neben Israel geht,… Als Muzicant, der ja nun als EJC-Vizechef gg IL-Kritik wirkt, vor einigen Jahren als IKG-Chef abtrat, gab es in den österreichischen Medien nur Hagiographien, im “Standard” ein Interview, mit eigentlich nur einer kritischen Frage, nach seinen “Attacken” auf die FPÖ. Zu fragen wäre nach den Anlässen gewesen, bei denen er der FPÖ nicht entgegentrat, und nach seiner eigenen Hetze, wie in den genannten Interviews. In der österreichischen Öffentlichkeit kommen zu ihm nur entweder vulgäre mehr oder weniger direkt antijüdische Attacken wie jene von Haider 01, einen “Spass” mit seinem Namen, als ob es nichts Anderes an ihm auszusetzen gäbe; oder eben einen Glassturz über ihn, und gerade noch höflich nach der “Meinung”/”Expertise” zu “Nahost” gefragt, die unwidersprochen hingenommen werden. Muzicant ist dort zu kritisieren, wo es angebracht ist, also bei seinen chauvinistischen Verdrehungen im Kontext mit Israel/Palästina und seinem diesbezüglichen Lobbyismus.

Es gab ja nicht nur Lasar in der FPÖ, ein anderer prominenter Jude war Peter Sichrovsky, linker” “Standard”-Ressortleiter, dann FPÖ-Generalsekretär und -Abgeordneter. Beim Fussballmatch der Auswahlen Österreichs und Israels 2001 (als ORF-Reporter Huber u.a. mit Steinen beworfen wurde) war er neben Vizekanzlerin Riess-Passer auf der Ehrentribüne, jubelte bei Andreas Herzogs spätem Ausgleichstor frenetisch. 2005 verkündete er, jahrelang für den Mossad spioniert zu haben; als dies (den Gesetzen entsprechend) für ihn Konsequenzen zu haben drohte, widerrief er diese Aussagen wieder. Heute ist er bei den Kommenaren unter den Artikeln des “Standard” unter seinem Klarnamen zionistisch-chauvinistisch unterwegs. Als er zur FPÖ ging, wurde er von Muzicant kritisiert; das war zur Zeit der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Schüssel, als die Annäherungen zwischen den Rechten und Israel noch nicht so weit gediehen waren. Sichrovsky nannte Muzicant darauf hin einen “Berufsjuden“, der seinen toten Verwandte ausnütze, um im TV zu erscheinen, “unendlich geldgierig” und “unendlich reich” sei.

Eine Jillian Becker beschrieb die RAF als “Hitler’s Children” (so genanntes Buch 1977; > Täterenkel, -erben), es gibt weitere ähnliche Einstufungen. Diese Becker ist eine Jüdin aus Südafrika, die nach GB, dann USA ging, als “anti-kommunistisch“ eingestuft wird, was eine Art Black Box war, in der alles Mögliche versteckt werden konnte, bei ihr ist es eine Form des „Westismus“, der mit dem Ende des Kalten Kriegs etwas umdeklariert wurde. Sie attackierte nicht nur die Baader-Meinhof-Gruppe, sondern auch weisse Apartheid-Gegner wie Nadine Gordimer (die ebenfalls Jüdin war), ein Zustand in ihrem Herkunfts-Land der sie kalt liess. Und ist dem rechten Zionismus verbunden; war angeblich mit der israelischen Armee 82 bei der Invasion im Libanon dabei, schrieb dann ein Buch gg die PLO (das Apologie-Buch zum Krieg), erschienen bei Weidenfeld & Nicolson. Und sie gibt sich als „Terrorismus-Expertin“ aus, war 1984 bei einer “Terrorismus-Konferenz” von/mit Netanyahu (“Jonathan Institute”), B. Lewis, G. Schultz, C. Krauthammer,…; gründete das “Institute for the Study of Terrorism” (IST). Ist in der britischen konservativen “Freedom Association” aktiv.

Aber wie verläuft die Kontinuitätslinie wirklich? Die NS-Vergangenheit Kiesingers, Schleyers,… und die Verdrängung, gegen die sich die 68er-Bewegung engagierte… Aus ehemaligen Nazis wurden grosse USA-Freunde, ob von Braun, Gehlen oder Franz J. Strauss, der es in der Wehrmacht nur bis zum Oberleutnant gebracht hatte. Jene, die der damaligen radikalen Linken ihren Antizionismus vorwerfen, wollen darüber hinweg täuschen dass es auf der Gegenseite die Kontinuitätslinie vom NS in die an die USA angelehnte BRD, zur Israel-Begeisterung, zum Westismus gab.178 Franz J. Strauss 1969: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen!“. Der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der CSU wollte eine deutsche Atombombe.179 Im BT-Wahlkampf 1980 (als er Spitzenkandidat von CDU/CSU war) rück-beschimpfte er linke Demonstranten/Gegner als „Nazis“ bzw versuchte, sie zu belehren wer das wirklich sei. Seine Unterstützung von Apartheid-Südafrika und Israel war nur logisch angesichts seiner Weltanschauung.

Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Österreich und der BRD wurde dadurch behindert, dass die Justiz und die Politik in diesen Staaten von ehemaligen „NS-Juristen“ infiltriert war. In der BRD waren das zB Globke, Filbinger, Rehse, Fränkel, in Österreich zB Hermann Hiltscher: Nazi der ersten Stunde, Ermittlungsrichter am NS-Volksgerichtshof, 45 zwangspensioniert, dann mit Hilfe von ÖVP und Katholischer Kirche ans Oberlandesgericht Wien gebracht, wo er bis 1968 wirkte. Es gab aber zB auch Heinrich Gross oder Taras Borodajkewicz, in anderen Bereichen. Anscheinend war da doch ein „kleines Durchlüften“ notwendig. Der Autor und Literaturwissenschafter Hans E. Holthusen publizierte 1966 im „Merkur“ seinen Erinnerungsbericht „Freiwillig zur SS“180; er trat 1983 aus der Berliner Akademie der Künste aus, nachdem die Akademiemitglieder Günter Grass und Heinrich Böll sich seiner Meinung nach zu stark politisch engagiert hatten, etwa durch ihre Kritik am NATO-Doppelbeschluss… Die antikommunistische Guerilla, die es in der Nachkriegszeit überall in Osteuropa gab, besonders die in Rumänien und Bulgarien, war stark mit ehemaligen Faschisten und NS-Kollaborateuren durchsetzt.

Zu Daniel Cohn-Bendit, der ein Softcore-Zionist wurde, kamen 1968 bei seiner Ausweisung aus Frankreich nach Westdeutschland Rufe wie „Cohn-Bendit nach Dachau“. Ulrike Meinhof, eine radikale Kritikerin an der BRD, stellte zB Nachforschungen über NS-Täter Karl Wolff (der in der BRD „aufgegangen“ war) oder das Verhalten von Bundespräsident Lübke in der NS-Zeit an. Nach dem Sieg Israels in seinem Angriffs-/Eroberungskrieg 1967 (den Medien der BRD als Blitzkrieg feierten) bekräftigte Meinhof noch ihre Solidarität mit Israel, verband dies mit Kritik an der neorechten IL-Soli, war anscheinend für einen Rückzug Israels auf die Vorkriegsgrenzen181; Klaus R. Röhl von dem sie sich in diesem Jahr trennte, sah die Gründung Israels als Besetzung eines fremden Landes. Das Olympia-Attentat 72 lobte sie vom Gefängnis aus, auch seine Austragung in der BRD, nannte dabei Dayan den „Himmler Israels“, kritisierte den Befreiungsversuch, die „Instrumentalisierung“ der Sportler durch Israel > dafür bekommt sie, bis heute, besonders viel Kritik.

Nach ihrer Festnahme 72 wurde sie zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht, dort wurde von Anwesenden Bedauern geäussert, „keinen Hitler mehr zu haben“ (Quelle: Diewald-Kerkmann). Derartige Kommentare von Stuttgartern wurden auch von TV-Kameras aufgezeichnet, anlässlich des Selbstmordes on Baader & Co 77. Hermann Witter war bei der NSDAP und deren Berufsverbänden, durfte dann auch Schäden von NS-Opfern begutachten (> das war genau jene BRD, die Meinhof & Co bekämpften), sollte auch Meinhof begutachten, einweisen, untersuchen, behandeln… SS-Untersturmführer Hanns M. Schleyer war einer wenigen Ex-Nazis unter den Opfern der RAF; Stefan Wisniewski: „Er musste nie für die Nazizeit bezahlen oder Rechenschaft ablegen“. Nun, er machte als Wirtschafts-Manager weiter. Anne Ameri-Siemens beschäftigt(e) sich nicht mit den Untaten von Schleyer in Tschechien, sondern mit jenen der RAF (Film „Wer gab euch das Recht zu morden?“). Tja, und Alex. Strassner, Jg 74, bayerischer Politologe, bei Oberreuter gelernt182, ist auch so ein „Experte für Terrorismus“, wird in vielen de.wiki-Artikeln rund um die RAF promotet.

Der ehemalige RAF-Mann Dellwo (in der „Taz“) war 2009 einer jener, die sich empörten dass Antiimperialisten in Hamburg die von „Anti“deutschen organisierte Vorführung des Films „Warum Israel“ von Lanzmann störten (um an die tägliche Schikanierung der Palästinenser durch dieses Israel zu erinnern sowie ihre von deutschen IL-Fans unter Beschuss genommenen Räumlichkeiten zu verteidigen). Dellwo war dabei in Gesellschaft mit Broder („Judenboykott“), Lanzmann selbst, „Die Welt“, BAK Schalom,… Lars C. Ehlers alias Lars Quadfasel, ein „Anti“deutschen-Führer, zeigte einen Antifaschisten183 an, weil ihn dieser bei einem Gerangel vor dem Kino geschlagen und bedroht habe; die Justiz liess ein Verfahren wegen „gefährlicher Körperverletzung“ zu, aufgrund des öffentlichen Drucks. Nicht nur Dellwo hat sich gedreht (angepasst), bei „Jungle World“ und „konkret“ schreiben dieselben Leute (z.B. Oliver Tolmein), die einst dem Antiimperialismus der RAF noch ein ziviles Sprachrohr boten, heute gegen „Antiamerikanismus“.

Der israelische Gesandte in der BRD, Meroz, warf in seinen Memoiren den Grünen „Antisemitismus“ vor, was darauf zurück zu führen ist, dass diese damals aus dem kultur-(und menschenrechts-) relativistischen BRD-Konsens bezüglich Israel-Palästina etwas ausscherten. Was sich behauptet hat, ist die von Strauss oder Gehlen begründete Zusammenarbeit dieser Staaten, bzw, diese „Denkrichtung“ hat sich in der BRD durchgesetzt. Beate Klarsfeld ging gegen alte Nazis vor, ohrfeigte Kiesinger, doch an diesem Konsens und rechten Israel-Fans in Deutschland hat sie nichts auszusetzen – so wie anscheinend an Pinochet nur wegen dessen Schutz für Altnazis, nicht wegen dieser Diktatur an sich.

Zum Abschluss nochmals Südafrika. Apartheid-Premier Hendrik Verwoerd sorgte 1960 dafür, dass südafrikanische Medien den Beginn der Krise im Congo nach dessen Unabhängigkeit von Belgien auch grosszügig ausschlachten, dahingehend dass es in Südafrika ähnlich laufen würde bei einem Ende der Apartheid – was er auf die damalige Kritik an der Apartheid (auch aus dem Westen, auch aus GB) „hin-lenkte“. Das ist die Rhetorik, die von/in Israel ggü der Möglichkeit von Entgegenkommen ggü den Palästinensern dominiert (allen voran bei Netanyahu), von Israelfreunden bzgl des Arabischen Frühlings,… Donald Trump zeigt seine ganze Bösartigkeit und Dummheit mit einem Tweet Ende Aug. 18 nach dem auf „seinem“ Fox News ein Bericht über angebliche Enteignungen von weissen Landwirten in Südafrika gelaufen war, in dem die Regierung Südafrikas als „rassistisch“ bezeichnet wurde. Er habe Aussenminister Pompeo angewiesen, „Enteignungen von Bauern“ sowie die „grossangelegte Tötung von Farmern“ in Südafrika genau zu beobachten.

Ein Blick in Youtube: Benutzer „israelmuse“: Neben dem Üblichen über “Terror” und “Antisemitismus” auf diesem Hass-Propaganda-Kanal (gleichnamige Website,…) auch Verehrung des Meir Kahane, der „zutreffenderweise“ eine „Anti-Israel“-Politik des ANC voraus gesagt habe… Israel hat das rassistische Apartheid-Regime Südafrikas unterstützt, man selbst gehört zu den offenen Faschisten des Kahanismus…aber Israel ist im Endeffekt das „Opfer“. Dann gibt es dort noch ein Video über einen „israelische Elitesoldaten“ der weisse Farmer in Südafrika trainiere. Stolz – es gibt auch jene Zionisten, die so etwas als „antisemitisch“ in Abrede stellen…184 „Christo Joubert”, Youtuber aus RZA: “They are a lot of White South Africans that and will support the Jews. Israel. They stood up for us and they still do. We will gladly fight along with them…“ > Apartheid & Apartheid. Und jene die sonst unter solchen Videos unterwegs sind mit „AS“-Moralisierungen, sind da still… diese Unterstützung von Rechts wird vom Zionismus immer stillschweigend GENOMMEN. „truthreconciliation1“ könnte aus dem Walusz-Umfeld sein (polnisch-osteuropäische Bezüge), verherrlicht den Mord an Chris Hani, propagiert die „Unabhängigkeit des Kaps von Südafrika”185, hetzt gegen das demokratische Südafrika, verherrlicht Israel (keine Analysen von Schwarz-Friesel & Konsorten darüber, keine Politiker-Worte von Sobotka), hetzt gg Richter Goldstone,… Lange könnte man diesbezügliche Benutzerkanäle und Videos analysieren.

Dieter Gerhardt, über den hier schon die Rede war, ist als Kind aus Deutschland nach Südafrika eingewandert, sein Vater war ein Nazi-Sympathisant und daher186 interniert, in einem Lager in Koffiefontein (heute Provinz Free State), das während des 2. WK für solche Sympathisanten eröffnet wurde, südafrikanische (v.a. burische) und aus Europa zugewanderte (v.a. Deutsche), hinzu kamen etwa 2 000 italienische Kriegsgefangene187, einige deutsche. Unter den etwa 800 Südafrikanern die interniert waren, war auch der spätere Premierminister (in der Apartheid-Zeit) Johannes „John“ Vorster. Bald nach diesem Krieg, durch den Wahlsieg der Nationalen Partei 1948, kam diese politische Richtung unter den Buren/Afrikaanern ja an die Macht in Südafrika, begründete die Apartheid-Politik (mit engen Beziehungen zu Israel). Dieter Gerhardts Vater war am Aufbau der „Sicherheits“ (Unterdrückungs) – Strukturen dieses Apartheid-Staates involviert.

Gerhardt selbst ging zur Marine, stieg dort ab den späten 1950ern auf; und, aus innerer Opposition zu diesem Regime spionierte er (wahrscheinlich ab Anfang der 1960er188 für den Ostblock. Der Kontext war die Verbindung der kommunistischen Partei Südafrikas (CPSA bzw dann SACP) mit dem ANC bzw mit dem Anti-Apartheid-Kampf, im Inneren; die Allianzen des Regimes im Äusseren bzw die Frontstellung ggü den Unabhängigkeitsbewegungen in den Nachbarstaaten, die überwiegend kommunistisch ausgerichtet waren. Gerhardt protestierte damit gegen seinen Vater und das Apartheid-Regime – jeweils Kontinuitäten aus dem Nazi-Reich! Er gab Informationen über das südafrikanische Militär (die SADF), sein Atomprogramm (auch über die diesbezügliche Kollaboration mit Israel) und weitere westliche Helfer/Verbündete an die SU (die ja auch im südlichen Afrika indirekt engagiert war), zT auch an die Öffentlichkeit.

1983 wurde er enttarnt, in der USA mit seiner Frau verhaftet, an Südafrika ausgeliefert. Die Verhöre führte hauptsächlich der (ebenfalls deutschstämmige) Polizei-Offizier Lothar Neethling durch, das Gerichts-Verfahren fand hinter verschlossenen Türen statt (hauptsächlich um ausländische Helfer der Apartheid nicht zu blamieren…); Richter Munnik verurteilte ihn (83) zu lebenslänglicher Haft (Ruth Gerhardt zu 10 J), wollte eigentlich die Todesstrafe für ihn. Als Frederik W. de Klerk 1989 Präsident Südafrikas wurde, begann der bald mit Reformen, liess Anfang 1990 politische Gefangene (darunter Nelson Mandela) frei, begann den Verhandlungsprozess. Gerhardt wurde vom ANC, nicht aber von dem Regime als politischer Gefangener gesehen; seine Freilassung zog sich bis Februar 1994, also fast bis zu den ersten freien Wahlen.189

Politischer Gefanener/ Kalter-Krieg-Spion/ Verräter sind nicht nur (pseudo-) moralische, sondern auch juristische Kategorien. Manche (zB auf en.wiki, Artikel über Gerhardt) wollen sein Wirken so darstellen, als ob er etwas getan hätte, das immer und überall ein Verbrechen darstellt (so wie ein ziviler Mord), als ob die Apartheid-Politik der südafrikanischen Regierungen von 1948 bis etwa 1994 hierfür belanglos seien… „Verrat“ war aber der übliche Vorwand für dieses Regime (und nicht nur dieses!), Leute zu verurteilen und einzusperren die gegen die Apartheid kämpften. Der Kontext einer Verurteilung ist entscheidend, so wie bei Stephen Biko oder Sophie Scholl, denen man ebenfalls „Verrat“ vorwarf. Andere versuchen herauszustreichen, dass er Geheimnisse andere Staaten betreffend auch weiter gegeben hat, wie sei dies mit Opposition zur Apartheid zu erklären. Was man hier auch schön sieht: der Zionismus hat sich mit den in Koffiefontein Internierten verbündet, nicht ihren Gegnern…und die Allianzen und Sympathien gehen bis heute weiter.

PS: Bücher von Jeffrey Herf brauchen eigentlich nicht weiter besprochen werden; aber wenn man schon in der “SZ” auf eine unkritische Kritik (hier darüber) über sein neuestes Propaganda-Werk stösst (“Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche radikale Linke 1967-1989”): Diese “Thematik” überschneidet sich natürlich mit den hier in den letzten 2 Abschnitten behandelten (Hitlers children, Südafrika); nachdem es dort auch um die DDR geht, liesse sich noch ein Hinweis auf die Afrika-Politik von BRD und Israel einerseits und DDR/SU andererseits anbringen, nicht zuletzt die bzgl der Republik Südafrika (bis 1961 Südafrikanische Union).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Passenderweise war in dieser Ausgabe etwas von Grigat über „Antisemitismus“ (Israel-Kritik) in der KPÖ…
  2. Ein Ausschnitt davon hier
  3. “Symbiose” (von altgriechisch σύν sýn, deutsch ‚zusammen‘ sowie altgriechisch βίος bíos, deutsch ‚Leben‘) bezeichnet die Vergesellschaftung von Individuen zweier unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist
  4. Ob diejenigen, die das betrifft, sich bei dieser Feststellung angegriffen oder geschmeichelt fühlen?
  5. An dieser Stelle: der Rassismus und die Hetze der „Anti“deutschen stellte jenen der klassischen Rechten in den Schatten, zB an Unis (Studierende und Lehrende) in Österreich jenen von RFS
  6. Sagte auch, sie seien so gut ausgebildet; die Besetzung ist kein Faktor, nein, nicht die von Gaza oder des Westjordanlands; stattdessen kehrt sie ihre Bildung hervor, es hat gerade noch gefehlt, dass sie Israel dafür verantwortlich macht
  7. Und ausgerechnet er nannte den türkischen Präsidenten Recep Erdogan einen „antisemitischen Strassenrowdy”, nach dem “Charlie Hebdo”-Massaker, kritisierte auch Europa in diesem Zusammenhang scharf, hier lasse “man” Erdogan „und seine Bande genau so gewähren lasse wie die Antisemiten in den 30er-Jahren“ – Europa an sich ist also nicht antisemitisch gewesen, nur jene die man gewähren liess, darüber stand quasi noch eine Instanz
  8. Eine Wahlwerbung seiner Partei Yisrael Beitenu: www.youtube.com/watch?v=o32cws8IcWY
  9. Ende ’18 Eskalation der Scharmützel zwischen dem belagertem Gaza-Streifen und dem Belagerer Israel, in typischer Ungleichheit der Waffen, die intensivsten Angriffe seit dem „Krieg“ 2014. Israels Militärminister Lieberman trat aufgrund der Waffenruhe mit der Hamas-Regierung in Gaza, zurück, das sei eine „Kapitulation vor dem Terror“. Netanyahu hat seinen geplanten Wien-Besuch bei der EU-Konferenz „gegen Antisemitismus“ wegen der innenpolitischen Turbulenzen abgesagt
  10. In diesem Zusammenhang: “Schwarze”/”Braune” wurden und werden gar nicht als ebenbürtige Opposition zu Hitler angesehen, niemand (Deu,..) findet was am Rassismus im Film “Casablanca”
  11. Auf en.wikipedia wird “Ahimeir” in “seinem Artikel weissgewaschen, u.a. wird am Ende ein Interview von dessen Sohn mit der „Jerusalem Post“ angeführt, “Hitchens is a known anti-Israel writer who takes my father’s writing completely out of context. Fascism in 1928 can’t be viewed in the context of the 1930s. Of course he would not be a fascist in view of how it developed.” Gut, die Ahimeirs wollen keine Faschisten mehr sein; abgesehen davon, dass sich der Faschismus in Europa nicht zuletzt gg Juden entwickelte/richtete, was stört(e) sie daran?
  12. Ein “Terror-Experte” von der Rand Corporation namens Bruce Hoffmann schrieb eine Weisswaschung der Irgun/IZL, die auch im en.Wikipedia-Artikel über den Anschlag eingearbeitet wurde. Dass dieser Hoffmann jüdisch ist, darf dort nicht erwähnt werden, man will ihn als “Experten” präsentieren. Das ist eben auch etwas, was nur “in eine Richtung” läuft. Zu doppelten Standards: Eine VICE-Doku “Settlers, Olives, and Occupation: Voices from the West Bank”, unter den gehässigen Youtube-Kommentaren: “Vice tries to have a non biased news report. Then uses a Palestinian born film maker. LMAO”, „Oh look. Another pro Islamist puff piece. Why does Vice carry water for these people? oder „It is not west bank, it is Judea and Samaria.“
  13. Die beiden Terroristen, wahrscheinlich ägyptische Juden die dazu angestiftet wurden, wurden im Jahr darauf in Ägypten hingerichtet. 1975 wurden ihre Überreste nach Israel überführt, wo sie ein Heldenbegräbnis bekamen, auf Briefmarken geehrt wurden (als “Märtyrer”)
  14. Kahanistische Gruppen (auch Lehava ist so eine) waren zeitweise verboten von Israel, weil sie mit ihrem offenen Rassismus ein schlechtes Image schufen. Dass der Kahanismus in den Siedlungen überproportional präsent ist, davon zeugt auch der Hebron-Massenmörder von 1994, Baruch Goldstein. Das Konzept bzw der Name einer Defense League von der JDL haben viele westliche Gruppen und Initiativen übernommen, von der EDL bis zum Youtube-Kanal “Anonymous Defence League – STOP George Soros”
  15. Jeannee und die Leserbriefe sind in der “Krone” am unappetitlichsten
  16. Wobei es bzgl Israel ein “Nativismus” der Einwanderer über die “Eingeborenen” ist, also eigtl das Gegenteil von dem was diese wollen
  17. Grigat über „AS“: „Ebensowenig, wie der heutige Antisemitismus auch nur irgendetwas mit dem tatsächlichen Verhalten von Juden und Jüdinnen zu tun hat, hat der Antizionismus als Platzhalter und Ausdruck dieses Antisemitismus unmittelbar etwas mit dem Verhalten der jeweiligen israelischen Politik zu tun. Der Antisemitismus wie der Antizionismus speisen sich aus dumpfen Ressentiments – Ressentiments gegen Zivilisation und Individualität, gegen Intellektualität und Liberalität, gegen Ausschweifung und Freizügigkeit, gegen Bürgerlichkeit im ursprünglichen Sinne und gegen Kommunismus im einzig emanzipativen Sinne, nämlich der Herstellung der Möglichkeit individuellen Glücks als absoluter Gegensatz zum völkischen Identitätswahn
  18. Bzw, die Apartheid in Südafrika war gar nicht so schlimm bzw sie war eigentlich richtig
  19. Da geht es um westliche wie männliche Vorherrschaft
  20. Und gleichzeitig ausgeübt
  21. Die “Neue Zürcher Zeitung” schrieb 09 unhysterisch und ausgewogen zur damaligen Antirassismuskonferenz; u.a., dass arabische Staaten gg die Ahmadinejad-Tiraden seien, weil diese die westliche Israel-Solidarität stärkten; 2 jüdische und 1 iranische NGO wurden damals wegen Rassismus ausgeschlossen
  22. Es also nicht wirklich eine Läuterung gegeben hat, eher ein Gehen mit der Zeit
  23. Und wenn man noch eine Stellungnahme von Belafonte für die Palästinenser findet, kann der Rassist diesem auch “AS” unterstellen #Täter-Opfer-Umkehr
  24. Israel nimmt eine solche Manipulation aber auch vor
  25. Wo es eine Aussicht auf das frühere Dorf Deir Yassin gibt…
  26. Der Ausschluss der “Braunen” usw ist schon OK
  27. “Israel is a prized ally as a heavily militarized ‘white’ outpost near much of the world’s oil”
  28. Von seinen Aussagen über den Islam zu schweigen
  29. Verteidigte auf seiner Homepage den Irak-Krieg 03 gg den Chilcot-Bericht, wiederum ausblendend wer Saddam früher stützte usw
  30. Leuten wie er müssen bei Kommentaren zu israelischen Aktionen gegen Gaza aufpassen, dass sie nicht in Begeisterung dahin schwelgen
  31. Zwischen Pro-Israel und Anti-Islam findet sich bei Rebel Media auch Hetze gegen Obama oder Umweltschützer…
  32. Als nun eine Halb-Inderin zum “Nürnberger Christkind” gekürt wurde, kommentierte etwa der AfD Kreisverband München-Land “Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen”. Nicht Religion verbindet, sondern Hautfarbe/Rasse trennt hier… Nicht Integration wird anerkannt, sondern eine Bedrohung gesehen
  33. Dieser Michael Ben-Ari protestierte beim Besuch von Papst Franziskus I. in Israel/Palästina 2014 gemeinsam mit anderen Rechtsradikalen mit Schildern, auf denen in Hebräisch Parolen wie „Das verfluchte Christentum“ oder „Unreiner Papst, verlass unser heiliges Land!“ zu lesen waren
  34. Die Kandidaten Rosenkranz und Gehring nahmen im österreichischen BP-Wahlkampf ’10 gg die “Islamisierung Österreichs” Stellung; viele die gegen Rosenkranz demonstrierten bzw Stellung bezogen, haben die selben Feindbilder wie sie
  35. Der rechte Historiker Lothar Höbelt war führender Exponent in einem Unterstützungskomitee für Rosenkranz bei der Wahl; er redet(e) auch im Akademikerbund, man kann davon ausgehen, dass er liberaler ist als Grigat und Konsorten…
  36. In der Türkei sind Andere die “Sündeböcke”
  37. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse, Rainer Zitelmann (Hg.): Die Schatten der Vergangenheit
  38. Heinsohn hat im “Zeit”-Artikel „Finis Germaniae“ (05) eigentlich mindestens genau so rassistisch-westistisch argumentiert
  39. Jörg Grünewald (siehe Teil 1) hat da in dem einen oder anderen Punkt ähnliche Ansichten, obwohl bei einer anderen Partei; zu einem watteweichen Warnschuss bzgl seines Wirkens auf de.wikipedia kommentierte er zB: “Ich hab dafür kein Verständnis aus Gründen, die ich ggf. morgen benennen werde (anders als diverse Trolle habe ich einfach aushnamsweise mal als Vollererwerbstätiger keine Zeit für so einen Scheiß, und wenn ihr mich sperrt, prima, toll, alle Macht dem Präkariat (sic), das 24/7 vor dem Bildschirm sitzt. Laila tov”
  40. Es stellt sich die Frage, wie Maassen die Schlechten bei den „echten Deutschen“ definiert (die Linken?), und wie die Echtheit bei Deutschen > Juden aus Osteuropa wie Broder? christliche Schwarzafrikaner? Solche wie Mbarek, die halb halb sind? CDU-Politikerin aus Chemnitz Veronika Bellmann sagte, auch säkulare Muslime hätten in der Partei nichts verloren
  41. Ernst Elitz verteidigte im „Cicero“ die Erklärung teilweise
  42. Broderismus (über)trifft des öfteren auch den Stammtisch
  43. Der Antisemitismus- und NS-Forscher Wolfgang Benz sagte dem “Tagesspiegel”, Gauland habe ähnlich argumentiert wie Adolf Hitler in einer Rede von 1933. Aber Benz wird von zionistischen Kreisen auch angegriffen
  44. Oktober 19, ein dt. Nazi, beschoss auch einen Dönerladen, hauptsächlich aber eine Synagoge, zum jüdischen Feiertag Yom Kippur, einige Gemeinsamkeiten mit Christchurch, erschoss vor der Synagoge eine Passantin und wenig später den Gast eines Dönerimbisses, Opfer 2 „Bio-Deutsche“, offenbar überlegte er eine Moschee oder eine linke Einrichtung anzugreifen, entschied sich dann aber für die Synagoge. Juden hier als Gegensatz/Bedrohung zu „Weissen“ und „Westen“ gesehen. n-tv auf seiner hp: “Antisemitismus-Forscher Matthias Becker von der Technischen Universität Berlin sagte uns jedoch, es sei zu kurz gegriffen, in der Gamer-Szene die Hauptursache für solche Gewalttaten auszumachen.”, bringt dazu Foto v. Demo mit israelischer Flagge, „Wie Antisemitismus durch Bildung bekämpft werden kann und wie verbreitet Judenfeindlichkeit in Deutschland aktuell ist, hören Sie im Podcast.“
  45. “rosenkohl” ist ein typischer Vertreter der “Gegenrichtung” der zionistischen Deutsch-Wikipedianer, der heuchlerischen Pseudo-Antifaschisten
  46. Wahrscheinlich aller mit Likud verbündeten
  47. Es gehe bei AfD oder FPÖ hauptsächlich gegen Juden, USA, Frauen, nicht um Islamophobie/Moslemophobie…
  48. der-semit.de/juden-in-der-afd-eine-veralberung-des-waehlers/
  49. Jene, die dabei sind, Querfronten zu sehen bzw zu konstruieren
  50. Eine Partei, die Neonazis den Weg in die Mitte der Gesellschaft ebnet
  51. Martin Sellner von den österreichischen Identitären hat einst die Synagoge in Baden bei Wien beschmiert mit Hakenkreuz/Swastika, ist „nicht mehr antisemitisch“, aber „weiterhin patriotisch“. Vor 2 oder 3 Jahren gab es eine gemeinsame Veranstaltung von “Institut für Staatspolitik”, dem Antaios-Verlag, AfD, Identitären, mit Sellner; der ist eines der Verbindungsglieder zwischen FPÖ und Neonazis
  52. Greenberg ist mit dem Israeli Tal Silberstein verbunden, der dem Ex-Bundekanzler Kern (SPÖ) nahe steht
  53. Für Haider gab es ein Einreiseverbot nach Israel; ungefähr selbe Zeit spielte FC Kärnten, dessen Präsident er war, im Fussball-Europacup gegen einen israelischen Klub (Maccabi oder Hapoel Tel Aviv oder Haifa). Dessen Präsident, ein reicher Unternehmer, lud Haider als “seinen persönlichen Gast” nach Israel ein. Gut möglich dass dieser rechts von Haider stand
  54. Zwischen 00 und 05 war Haider nicht mehr FPÖ-Chef gewesen, aber dennoch der “heimliche” Führer
  55. Auf der Website des Freiheitlichen Akademikerverbandes Salzburg stand zB etwas über „Neger“ und ihrem „Hass auf uns Weisse“; der Sänger Cesar Sampson (Wurzeln in der Karibik) der Österreich mal beim Song Contest vertrat, wurde in der Zeitschrift „Aula“ als „Quotenmohr“ bezeichnet;…
  56. Leider wird mit den osmanischen Deportationen und Massakern an Armeniern und anderen Christen im 1. WK gerne so umgegangen; je nach aktuellem politischen Bedarf, so von Israel oder USA
  57. Der ist auch nach Japan zum Yazukuni-Schrein gereist
  58. Eine israelische staatliche Behörde!
  59. “Islamkritiker” und Philozionisten suchen mit Juden auch gerne eine Opfergemeinschaft
  60. Auch der damalige ÖVP-Chef Spindelegger kritisierte damals Darabos
  61. Muzicant soll Netanyahu nach Karas Treffen mit Strache in einem offenen Brief aufgefordert haben, Kara zu „feuern“
  62. Dies wurde auch umgesetzt, es gibt das Angebot der Doppelstaatsbürgerschaft für Nachfahren jener Menschen, die vor den Nazis flüchten mussten
  63. Die FPÖ gehe „den Weg für unser Heimatland Österreich, den Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch, konsequent weiter, wie es die Menschen von uns auch erwarten“
  64. „Stenzel und ich haben vor einer gefährlichen Entwicklung, wo Menschen aus Regionen kommen, die antisemitische Gedanken mitnehmen und oftmals auch den Staat Israel vernichten wollen, gewarnt, wo wir Angst haben müssen, dass ein neuer Antisemitismus entsteht. Wir haben eine besondere Verantwortung, dass nie wieder Juden aber auch andere Menschen hier in Wien aufgrund ihrer Religion Angst haben müssen und attackiert werden.“
  65. Dazu in diesem Artikel Einiges
  66. Siehe auch Grigats Buch über AfD & FPÖ. Und dass es in seinem Vortrag auch darum ging, dass sich “religiöse und ideologisch bedingte Lebensentwürfe auch gegen den Willen der Mehrheitskultur und -bevölkerung durchsetzen”, davon gilt es auch abzulenken
  67. Auf Puls 4 war Höbart in einer Diskussion mit dem Grünen Marco Schreuder, fragt sich wer schlimmer ist
  68. Daneben sind Rechtsparteien aber auch in der ECR zu finden (PiS, SD, Vox, FdI,…), EFD, EPP/EVP (Fidesz suspendiert) sowie Fraktionslose (wie Jobbik)
  69. Manche, die Winters Islamophobie bejubelten (“Meinungsfreiheit”), jaulten nun auf
  70. Dieter Egger hängt der „Exiljuden”-Sager auch bis heute nach, über Türken konnte er sagen, was er wollte
  71. Anne-Catherine Simon zB war Mitarbeiterin vom FPÖ-EP-Abgeordneten Kronberger, als Journalistin der Wiener „Presse“ seiert sie, dass „Kritik“ am Islam abgewürgt werde, preist dabei David Littman,…
  72. Seine Bestellung ist Ausdruck des “bilateralen” Verhältnisses unter Kurz und Netanyahu
  73. Einen solchen gab es infolge 2. Intifada ab 2000 und Anschläge in USA 2001 bei grossen Teilen des Judentums, das sich als liberal verstand. Zum Beispiel auch beim Internet-Portal “Hagalil”, eines der Leitorgane der deutschsprachigen Zionisten
  74. Z. B.: “Die FPÖ hat zu Recht erkannt, dass es ein Integrationsproblem bei Muslimen gibt. Imame sollen auf Deutsch predigen, wer Hass verbreitet, muss rausfliegen oder in den Häf’n – einverstanden. Wir müssen die Radikalen und den Rest auseinanderdividieren. Doch indem Strache verallgemeinert, tut er genau das Falsche. Wir haben kein Ausländerproblem, der Islam hat ein Islamproblem.”
  75. Brauer sagte auch “Berührungsängste habe auch ich keine. Ich hätte mich selbst mit Osama Bin Laden an einen Tisch gesetzt.” Auch so eine Andeutung
  76. In dem “kannst alles haben” steckt ja auch die Verfügungsgewalt über die Palästinenser und ihr Land. Sein Auftritt damals war auf seine Wirkung auf österreichische Zuseher abgestimmt, er begann ja auch mit “Ich hör die Zuschauer schon schnarchen”
  77. Holokaust-Überlebende aus bzw mit Wurzeln in Osteuropa, in Öst/Deu verblieben bzw sogar hin gegangen, Israel-Verbindung aber nicht Lebensmittelpunkt dorthin, wurden bezüglich “Israel” und “Islam” in gewisser Hinsicht blindwütig, und “Antisemitismus” wird bei ihnen rein über die Haltung zu Israel definiert (bzw es wird eine positive Affirmation davon verlangt)
  78. Die Mossab Yousefs und Hamed Abdelsamads und auch die Basssam Tibis sollen in ihrer Ecke bleiben
  79. CSU; Der Schutz Israels sei „nicht nur eine deutsche Verantwortung, sondern eine europäische Verantwortung“; zugleich sprach er sich mit Blick auf die israelische Politik im Nahost-Konflikt dafür aus, Meinungsverschiedenheiten „innerhalb Israels“ zu berücksichtigen
  80. Netanyahu: „Wir sind entschlossen, unsere Grenzen gegen illegale Einwanderer zu schützen. Das haben wir getan und das werden wir auch weiterhin tun.“ Es geht hier aber um die Legalisierung einer Einwanderung im bescheidenen Maß
  81. Anne Bayefski ist ebenfalls eine Anti-UN-Zionistin
  82. Von der “Kronen Zeitung” gefeatured
  83. Übrigens, die ÖVP-FPÖ-Regierung hat neue Regeln gegen Hass im IT angekündigt. Am selben Tag veröffentlichte die FPÖ auf Facebook und anderen Kanälen einen Werbespot, in dem eine stereotyp gezeichnete und finster lachende Comicfigur namens “Ali” plant, die Krankenkasse(n) über das Ohr zu hauen…in der Werbung ging es um Fotos auf E-Cards (“Ali” will sich in dem Film mit der E-Card seines Cousins “Mustafa” die Zähne richten lassen”)
  84. Israel zeigte an den Diskussionen über Waldheims Vergangenheit zunächst wenig Interesse, es war damals mit der Niederschlagung des Aufstands der Palästinenser gegen die Besatzung beschäftigt, mit Partisanen-Bekämpfung gewissermaßen
  85. Wie selektiv die Aufregung über Omar bzw ihre Andeutung dass Pro-Israel-Positionen gekauft werden, ist, zeigt sich an Steve King, Congress-Abgeordneter (RP) aus Iowa. King ist nicht nur Gegner von Einwanderung und “Multikulturalismus”, er ist einer der offen die Interessen von “Weissen” in der USA (und anderswo!!) von jenen “Anderer” trennt (sieht Juden als Teil der Anderen), dabei auch mit europäischen Rechtsextremisten zusammenarbeitet. Der hatte heuer in einem Interview mit der „New York Times“ die Vorherrschaft von Weissen verteidigt und gefragt, seit wann Begriffe wie „weisser Nationalist“ oder „westliche Zivilisation“ in den USA “beleidigend” seien. Dass er “Westen” und “Weisse” in eine Beziehung zu einander setzt (tut er immer wieder), ist dabei ja auch bedeutend (also nicht “Werte” und so…). Trump, der sich über Omar empörte und sie zum Rücktritt aufforderte, reagierte gar nicht auf diese Aussagen von King, auf Nachfrage sagte er, er hätte davon nichts mitbekommen… King zeigt auch gern die Konföderierten-Flagge, obwohl Iowa Teil des Nordens bzw der Union war. Zu Obamas Wahl fragte er, wie denn dessen Äusseres auf den Rest der Welt wirke. Etwas Ähnliches hat die rechtsextreme israelische Politikerin Anastasia Michaeli-Samuelson (eine blonde Konvertitin zum Judentum) zur Sängerin Liel Kolet (aus einer Familie indischer Juden) bzw deren möglicher Teilnahme am Song Contest für Israel gesagt… Vergleiche dazu auch den Hitler-Spruch über Weisse, Kultur, Zivilisation, Überlegenheit
  86. Sie würde doch nicht alle Kriterien erfüllen…
  87. Duke ist im Gegensatz zu anderen Rechten kein Israelfreund/Zionist, auch nicht ausgeprägt islamophob; jene die sich ereifern dass Kenneth O’Keefe in Dukes Radio-Show auftrat, haben kein Problem mit dem (vergleichbaren) Rassismus von Geert Wilders oder David Littman
  88. Kein USA-Nationalismus…
  89. In einem Werbefilm von Bush jun. im Präsidenten-Wahlkampf 04 wurde die Olympia-Teilnahme in diesem Jahr von Afghanistan und Irak thematisiert (die er “befreit” hatte), das war auch Linie seiner Verteidiger: die USA im Allgemeinen, Bush im Besonderen, seien eigentlich Freunde dieser Länder,…
  90. UN-Abstimmung zur Anerkennung von Jerusalem/Quds/Jebus als HS Israels: Netanyahu attackiert im Vorhinein die UN, Trump droht mit Entzug von Finanzhilfen an Länder die dagegenn stimmen, 128 der 193 Länder stimmten für eine Resolution, die die USA aufforderte, die Entscheidung zurückzunehmen. Der Kommentar von Yahoo-Huch zeigt deutlich die Verlogenheit des Deutsch-Zionismus („Resolution von Diktaturen initiiert, amerikanisch-israelische Freundschaft, Antisemitismus,…”). Es folgten weitere rechte Regierungen mit einem Schritt wie Trump, und jene die Länder wie Guatemala als “Shithole” sehen (s.o.), streuten diesen nun Rosen
  91. Er habe die Absicht, “den radikalislamischen Terrorismus vom Erdboden auszulöschen“ – und unterstützt Saudi-Arabien fanatisch, schwächt die Moderaten unter den Herrschenden im Iran, schert Moslems immer wieder über einen Kamm
  92. Macron warnt vor Zuständen wie in den 1930ern, nennt Orban oder die PiS in Polen, aber nicht Trump (dem ggü er Appeasement übt) oder Bolsonaro, Netanyahu, Saud…
  93. Fanden aber weiterhin nichts an den fast 200 Getöteten an der Grenze vom Gaza-Streifen zu Israel zur selben Zeit, bei den Grenzprotesten 18/19
  94. Andererseits waren Juden auch “führend” unter Obamas Unterstützern, wie Sarah Silverman. Sie pries Obama unter Juden als Unterstützer Israels an
  95. Diese Verschwörungstheorie korrespondiert mit jener wonach Heather Heyer in Charlottesville nicht getötet wurde, sondern an einem Herzanfall starb
  96. Schrieb dort ins Gästebuch: „Es ist eine Ehre, mit all meinen Freunden hier zu sein…So großartig + werde nie vergessen“
  97. www.trend.infopartisan.net/trd0716/t460717.html
  98. Auch Greg Johnson von Counter Currents publishing, antijüdisch und weiss-rassistisch (> Konzept weisser Ethnostaat) ist mit diesem Spencer verfeindet
  99. Molyneux: “Believing in ‘Universal Human Rights’ Makes Christians Vulnerable to Migrants”
  100. Er ist wie sein Schwiegervater Immobilienmogul und betreibt zusätzlich eine Zeitung. Seine Bestellung wurde in Frage gestellt aufgrund eines Anti-Nepotismus-Gesetzes aus 1967 und Unvereinbarkeitsregeln
  101. Passend dazu hat Israel-Lobbyist Joseph Lieberman bei der Absegnung der Ernennung im Congress eine Rolle gespielt
  102. Hat zB der „New York Times“ gesagt: „Ich denke, dass Israel unter gewissen Umständen das Recht hat, einen Teil, aber wahrscheinlich nicht alles, vom Westjordanland zu behalten.“
  103. Das sind jene Entscheidungen zugunsten Israels, die S. Kurz an Trump gelobt hat…
  104. McCain 08 oder Bush 04 wurden noch von Anderen aus der Israel-Lobby führend unterstützt
  105. Das Foto unten stammt von dieser Gelegenheit
  106. “Anti”deutsche missbrauchen seit einigen Jahren das Gedenken an das Ende des 2.WK bzw die Befreiung Österreichs am 8. Mai, zu anti-palästinensischen, usa-imperialistischen und pseudo-antifaschistischen „Feiern“
  107. Nachfolger Straches als FPÖ-Chef, anders als dieser bezweifelt er nicht, dass die Erderwärmung menschengemacht ist
  108. Konservative Südstaatler
  109. Was jedenfalls der jüdische Reporter George Seldes meinte. Mehr über diesen Themenkreis im Abschnitt mit Jillian Becker
  110. Die Propagandalüge „Jordan is Palestine“ wird häufig von Zionisten vorgebracht, zB auf Youtube vom evangelikalen Kanal “Last Days Now!”. Es gibt aber auch jene (Philo-)Zionisten die auch Jordanien als eigtl zu Israel gehörig sehen…
  111. Die Nationaal-Socialistische Beweging, Anton Mussert
  112. Die diesbezüglichen Details würden den Rahmen dieses Artikel sprengen. 2 Anmerkungen dazu: Die Katholieke Nationale Partij (KNP) war eine der Parteien, die sich gegen die Unabhängigkeit engagierten; nach der Unabhängigkeit Indonesiens engagierte sie sich für Minderheiten unter Indonesiern wie Molukken und Papua. Zu Raymond Westerling etwas bei Christopher Othen
  113. Äusserlich war das auch so, Antijudaismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit wurden in ihr “Gegenteil” umgedreht
  114. Es wird ja immer nur zurückgeschossen…
  115. Gerede über “Kameltreiber” (wie immer das auf Norwegisch heisst) und so kommt im Umkreis der FrP nur “inoffiziell” vor
  116. Und inzwischen auch Regierungs-Beteiligung hatte
  117. “Three windows of the hair salon of a well-known homosexual was smashed, with circumstances suggesting a hate crime”
  118. Von Broders Anti-Südländer-Tirade im Griechenland-Kontext (die nicht isoliert da steht) zu Jeannees Hohelied 2014 an den deutschen Fussball bzw dt. Tugenden, mit Nazi-Anspielungen (wurde entschärft) ist es eigentlich nicht so weit. Broder und Jeannee sind auch in vielen anderen Punkten auf Linie: Gewalt und Hass in Sprache (“Pöbel-Journalisten”; bei Jeannee zB “Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben”), Pro-USA-Ausrichtung (J. attackierte zB den Schuh-Werfer auf Bush, im Lateinamerika-Kontext sind jene die Guten die pro USA sind; schliesst natürlich nichts Progressives an der USA mit ein, im Gegenteil), ob Jeannee proisraelisch ist, wie Richard Nimmerrichter (“Staberl“)?, frauenfeindliche Note, Stolz auf seinen “Mut“, zu schreiben, was Andere nur zu denken wagen würden; Jeannee blies ORF-Wehrschütz verbal einen weil dieser bekennender und unterdrückter FPÖ-ler sei, er kritisiert die FPÖ auch gelegentlich, wenn sie dem Grossbürger zu “unterschichtig” ist
  119. Und weiter: “Es sind Politiker, Blogger, Publizisten, die das Klima angeheizt haben, in dem einer wie Anders Behring Breivik erst auf die Idee kommen konnte, dass der ‘bloße’ politische oder publizistische Kampf gegen die als elementar bedrohlich imaginierte Moslemgefahr nicht mehr ausreicht. Es ist wie eine groteske Spiegelung: Was sie immer den normalen Muslimen angedichtet haben, dass diese ‘irgendwie verantwortlich’ seien für die Gewaltakte islamistischer Terror-Sekten, das haben sie jetzt selbst geschaffen: Spinner, die bereit sind, der Flausen wegen, die sie ihnen in den Kopf gesetzt haben, Dutzende von Menschen zu ermorden. Wenn der Begriff vom ‘geistigen Mittäter’ je einmal Sinn gemacht hat, dann hier. Wird das in diesem Milieu wenigstens Nachdenkprozesse auslösen? Henryk M. Broder, der antiislamische Autor, von dem einige Textstellen in Behring Breiviks Manifest affirmativ zitiert werden, wehrt auf unfassbar kaltschnäuzige Weise in der Welt jede Mitverantwortung seines Milieus ab. Breivik habe sich im Gegenteil die Dschihadisten zum Vorbild genommen, so die wirre Logik. Was will uns Broder, den manche gute Bürger selbst heute noch für einen preiswürdigen Schriftsteller halten, damit sagen? Dass der islamfeindliche Terrorist gewissermaßen ein verkappter Moslem war? Wenigstens auf ‘Politically Incorrect’, dem Quasi-Zentralorgan der Moslemhasser, gab man sich im ersten Schrecken nachdenklicher: ‘Was er schreibt, sind großenteils Dinge, die auch in diesem Forum stehen könnten.’ Und dann wird spekuliert, ob der Mann, der doch aus ihrer Sicht ganz vernünftiges Zeug geschrieben habe, ‘an einer psychischen Krankheit leidet, die seither schlimmer geworden ist?'”
  120. Ob aus der Karibik oder Schwarzafrika
  121. Wobei Maghrebiner schon zuvor in der “Zielscheibe” der FN waren
  122. Konkret um die Ramallah-Lynchungen 2000, Filmmaterial, Brief eines RAI-Journalisten an die Zeitung der palästinensischen Autonomiebhörde
  123. Siehe es.dreamstime.com/im%C3%A1genes-de-archivo-libres-de-regal%C3%ADas-perrito-del-doodle-del-yanqui-image14561859
  124. Aber auch die Wiedereingliederung Gibraltars
  125. Genau so wie Apartheid-Südafrika
  126. Was die Grigats gerne verschleiern würden; Andere stehen stolz dazu
  127. Während manche Juden im Widerstand gegen Pinochet eine herausragende Rolle spielten, genau so wie im Apartheid-Regime Südafrikas
  128. So wie zB bei der Kommunalwahl in London im Mai 16. Im Kampf um die Nachfolge von Boris Johnson als Bürgermeister der Hauptstadt traten (u.a.) der Jude Zac(harias) Goldsmith (CUP) und der Moslem Sadiq Khan (LP) an. Goldsmith & Co versuchen, Khan in die islamistische Ecke zu drängen
  129. Anders herum aber auch
  130. Wie schon erwähnt, internationale Zusammenarbeit und Zusammenschlüsse der europäischen Rechten ist eine komplizierte Sache, ist dauernd im Wandel begriffen. Stephen Bannon hat das “Movement” gegründet, eine solche Vereinigung; daneben will er eine inter-kontinentale Vereinigung, mit Trump, Netanyahu, Bolsonaro,… Salvini will eine „Allianz der europäischen Völker“. 2016 haben rechtsextreme Gruppen die Initiative „Festung Europa“ gegründet (Pegida,…). Salvini (Lega), Orban (Fidesz), Le Pen (RN) waren Sieger der EP-Wahl 19 in ihren Ländern
  131. Als Orban nach Israel reiste, war Köves an seiner Seite, aber niemand von MAZSIHISZ
  132. Das klassische Israel-Bild
  133. Ein Admiral ohne Flotte regierte ein Land ohne Küste als Königreich ohne König
  134. Unter Horthy war Ungarn 41-44 an Seite der Achsenmächte, steuerte Truppen an diverse Fronten bei; in dieser Zeit gab es die ersten Deportationen von Juden. 1944/45 die nazideutsche Invasion, Kollaborationsregierung der Pfeilkreuzler unter Szalasi, massive Judendeportationen. Dann die Rote Armee
  135. 972mag.com/tapping-the-hidden-spring-of-anti-semitism-in-orbans-hungary/138149/
  136. Über solche “Konferenzen” könnte man zB einen eingehenden Artikel schreiben
  137. Dann wäre das als Beleg für “antisemitische Querfronten” ausgewälzt worden
  138. An dieser Stelle: Die genannten “Doppelstandards” gibt es auch bei Moslems, etwa wenn sich über die Rohingya-“Sache” in Birma gross empört wird, aber vor den Diskriminierungen von Nicht-Moslems in Pakistan (zB) die Augen davor verschlossen werden oder ihnen beigepflichtet wird. So sehr der middleeastmonitor auch Wichtiges aufzeigt, dieser Artikel geht am Entscheidenden vorbei…The Israelification of India…or it’s Pakistanization?
  139. Lendvai spricht (bzw schreibt) immerhin von “arroganter Siedlungspolitik” Israels, schätzt diese (bzw ihre Folgen) aber im Endeffekt nicht richtig ein
  140. Der polnische Jude Adam Michnik (Dissident in kommunistischer Zeit, dann Zeitungs-Herausgeber) kritisierte die “hartnäckige Kategorisierung Polens als ‘antisemitische Nation’, die einst auch ein Alibi für den Betrug des Westens an Polen in Jalta war”
  141. Es gab die Bermans, 2 Brüder, einer (Jakub) wurde nach dem 2. WK Funktionär (Minister) im kommunistischen System, der andere (Adolf) war Zionist und ging nach Palästina, wurde dort Abgeordneter für Mapam und andere Linksparteien
  142. Diese Ansichten gehen grossteils auf Ante Ciliga zurück, wie Tudjman ein Kroate der sich vom Kommunismus abwandte. Ciliga stammte aus dem damals österreichischen Istrien, war einer der frühen Führer der SKJ (kommunistische Partei Jugoslawiens), obwohl er nach dem 1. WK eigentlich Italiener war (als Istrier), lebte dann in der SU, wo er sich vom Kommunismus abwandte; bei einer Einreise nach Ustascha-Kroatien wurde er (dennoch) gefangen genommen und in das Lager Jasenovac gebracht. Er lernte dort Juden kennen. Dann ging er ins westliche Exil, war ein Gegner des kommunistischen YU, Anhänger des kroatischen Nationalismus, kritisierte aber Ustascha-Führer Pavelic für die Bindung an die Achse
  143. Zu Raed Arafat und Ilan Laufer im 4. Teil des AS-Artikels
  144. Der „Erfolg“ der von deutscher Seite gewünschten, ja geforderten Deportation jüdischer Menschen aus den verschiedenen Ländern in Hitlers Machtbereich hing wesentlich vom Antisemitismus vor Ort ab
  145. Aber, da gibt es ja dann den heroischen “Gegenwehr”-Mythos, man verteidigt sich nur
  146. An dieser Stelle sei aber auch gesagt dass islamistische Anschläge wie der in Mumbai/Bombay 2011 das “ihrige” zum Erstarken von Islamophobie und Hindu-Nationalismus unter Indern beitrugen…
  147. © Culcha Candela
  148. Ein “aber” ist hier eigentlich nicht angebracht
  149. Im Endeffekt war er weniger scheinheilig und hetzerisch als Viele aus diesem “Milieu” und hat ein paar scharfe Analysen gemacht
  150. Entspricht den Rechts-Zionisten, die die OUN und Bandera nicht wirklich gut finden können
  151. Die während Irak-Kriegs 03, von diesen deutschnationalen “Anti”deutschen frenetisch begrüsst, unter Beschuss kam, weil auch von Kriegsgegnern verwendet
  152. Jene, die jugoslawische Partisanen des 2. WK als Freiheitskämpfer sehen, können sich genau so positiv auf “Israel” beziehen wie jene die diese in Täterrolle verorten und Israel für seine Partisanen-Bekämpfung bewundern
  153. Das DÖW hat mal eine Anzeige gg “Zur Zeit” gemacht, wg einem “antisemitschen” Artikel, ist zur anti-islamischen Linie der FPÖ sehr zurückhaltend
  154. Sowohl Broders/achgut als auch cafe critique titulieren sich als „liberal“
  155. Auf Youtube schreibt einer zum Film “Breakfast Club”: “If The Breakfast Club was made today, there would be a gay student, a trans, an atheist, a Black and a Hispanic… and maybe, just maybe… one white student.” Übrigens waren die Schauspieler in dem Film, nicht die Charaktere, durchwegs Juden
  156. Der ist auch für die Todesstrafe, bringt Apologetiken der Sklaverei (die Andere auch abwälzen möchten)
  157. Übrigens, bei Ashkan Dejagah gab es auch diese fliessende Grenze, bei den Reaktionen um eine Absage eines Länderspiels mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft in Israel. Der Doppelstaatsbürger fürchtete bei einem Antreten negative Konsequenzen für sich und seine Familie, aufgrund des Verhältnisses zwischen Iran und Israel. Es gab Aufregung, von ZdJ-Chefin Knobloch („privaten Judenboykott”, “soll aus deutschem Team entfernt werden”) abwärts, und in IT-Foren gab es eben auch die Kommentare, es gäbe ohnehin zu viele “Kanaken” im deutschen Team, er solle deshalb entfernt werden… Dejagah hat sich mit der Absage wenigstens die rassistischen Sprechhöre der israelischen Fans erspart > Teil IV, Abschnitt “Antisemitismus und Fussball”. Auch bei Forderungen, das iranische Team von der WM 06 in Deutschland auszuschliessen (“wegen Ahmadinejad”) gab es diesen “Fluss”, diese Doppelbödigkeit und Heichelei
  158. Siehe zB Andreas Becker und seinen Leserbrief  an “11 Freunde”
  159. Mit einer Zahl am Ende
  160. Hinzu kommen reine Propaganda-Kanäle wie “speedy” oder “prager university”
  161. In Frankreich gibt es einige antiislamische Intellektuelle, die gleichzeitig der Rechten und Zionisten nahestehen, wie Alexandre Del Valle
  162. Weshalb sich manche Juden in verschiedenen Ländern eine Israel-Verbindung “andichten”, aber nicht nur aus diesem Grund
  163. Die rechts von Likud haben da in der Regel wenig “Genierer”
  164. Der “Anti-Amerikanismus” (bzw die Haltung zur USA) der von den Grigats dann zur Relativierung/Verdrehung aufgebracht wird, spielt hier gar keine Rolle
  165. Die IKG hob bzgl der FPÖ hervor, dass Vilimsky gegen eines der “Rasenmähen” in Gaza “protestiert” hatte…
  166. Oder zum Rassismus im Zuge von Pro-Israel, zB in Österreich…fehlende Distanz zum rechtsextremistischen Pöbel aus der prozionistischen Ecke
  167. Abgesehen davon, der Zionismus ist keineswegs die Gegenthese zu Nationalsozialismus und Holokaust (> I)…
  168. Muzicant liess die Kinder des antizionistischen Rabbiners (?) M. Arye Friedmann aus einer jüdischen Schule ausschliessen – während er Lasar oder Sichrovsky “unangetastet” liess. Es wird im nächsten oder übernächsten Teil nochmal darum gehen, wie er jüdische Anhänger eines echten Ausgleichs mit Palästinensern (v.a. in “seiner” Gemeinde) ausgrenzt und abkanzelt
  169. “Antisemitische Vorfälle…Die Situation der Juden in Europa ist schlimm…60 bis 70 Prozent der Juden überlegten, Europa zu verlassen…Es ist höchste Zeit zum Handeln…es geht so nicht weiter“…
  170. Behielt sich gewissermaßen Vorbehalte gegen die FPÖ vor, “Distanzierung vom Antisemitismus noch nicht glaubwürdig genug, nicht komplett“, bei Strache anscheinend schon
  171. NR-Wahl 08: Muzicant: „Sage überall im Ausland dass rechte (FPÖ-) Wähler keine Nazis sind”
  172. Wie man liest, leugnet Rabbiner Schlomo Hofmeister (IKG) nicht nur die Existenz der Besatzungs- und Siedlergewalt gegen die Palästinenser, sondern die Existenz der Palästinenser an sich
  173. An einer anderen Stelle: “Sie und andere Träumer gehen immer davon aus, dass man mitteleuropäische Konzepte auf den Nahen Osten übertragen kann”…so wie den Zionismus
  174. Die IKG unterhält ein “forum gegen antisemitismus” (fga), das zB die Kommentare auf derstandard.at überwacht, natürlich nur bzgl Israel-Kritik
  175. Auch Brauer (s.o.) hat so etwas wie “Tod den Juden” vorwurfsvoll gesagt, sogar auf Arabisch. Dafür und für Wörter wie “Sharmouta” reichen dann sogar die Arabisch-Kenntnisse, so weit lässt man sich mit den Palästinensern ein
  176. > Besetzungen
  177. Es geht schon auch um die Umstände einer Unabhängigkeit Palästinas. Barak hat 2000 ein Angebot gemacht, das als “grosszügig” dargestellt wurde, aber alles andere als das war, Netanyahu hat mal eine Art “Angebot” dieser Art gemacht, war zu keinem echten Siedlungsstopp bereit, wäre bereit für endlose “Verhandlungen”, aus der Position des Besatzers heraus, kaum zu Zugeständnissen (eher zu Almosen), während seine Partner, wie Bennett und Lieberman, nicht mal dazu bereit sind
  178. Ein Detail dazu: Die Bereitschaftspolizei W-Berlins hatte bis 1970 auch paramilitärische Aufgaben, als Reserve der Alliierten, das Personal war zu einem grossen Teil früher in der Wehrmacht, Einsatzkonzepte stammten aus der Weimarer Republik, sie wurden für den Kalten Krieg umgemodelt; beim Besuch des iranischen Schahs 1967 gab es Gewalt wie in den 1930ern
  179. Ulrike Meinhof schrieb 1961 in „Konkret“ dazu den Artikel „Hitler in Euch“
  180. Worauf ihm der unter dem NS verfolgte Hans Mayer („Jean Améry“) antwortete
  181. > Muzicant, Träumer
  182. Die CSU-Inzucht in Bayern: Oberreuter darf im BR Wahlen kommentieren, einem Sender der natürlich auch dieser Partei nahe steht
  183. Dieser sagte: „Dem Richter hat es schlicht und ergreifend an Mut für eine politisch nicht opportune Entscheidung gefehlt. Deutschland steht im sogenannten Krieg gegen den Terror fest an der Seite der USA und Israels und weltweit auf Platz drei der Rüstungsexporteure. Wer wagt sich heutzutage noch in die Schusslinie, wenn aberwitzige Antisemitismus-Vorwürfe als Munition benutzt werden, um Kriegsgegner mundtot zu machen?“
  184. ZB anlässlich Netanyahus offensiver Politik in Schwarzafrika…
  185. Die westliche Kap-Region ist vermutlich noch die weisseste Gegend Südafrikas, wird von der Democratic Alliance auch so behandelt
  186. Unter der probritischen südafrikanischen Regierung
  187. Südafrika stand GB bzw den Alliierten in diesem Krieg militärisch bei
  188. Als die Situation im südlichen Afrika eskalierte, u.a. mit dem Beginn der Entkolonialisierung der Region; Gerhardt: “Die finale wekroep vir my was die doodslag van talle swart mense….“
  189. Anscheinend hat auch Boris Jelzin für ihn interveniert

Aspekte des Films „Rosemary’s Baby“

Vorlage war der Roman von Ira Levin, der 1967 heraus kam.1 Eine junge Braut scheint vom Teufel schwanger geworden zu sein, durch Satanismus und Hexerei in ihrem Umfeld, Opfer einer Verschwörung. Zumindest gewinnt sie diesen Eindruck, bis sie sich sicher ist. Der Horror speist sich aus dem Übernatürlichen/Metaphysischen, aber auch aus dem Psychologischen und der Uneindeutigkeit…2 Der Regisseur/Produzent William Castle hat das Buch anscheinend gelesen, wollte es verfilmen, Paramount-Produktionschef Robert Evans war grundsätzlich einverstanden, zweifelte aber ob Castle der Richtige dafür war. Evans war damals dabei, Roman Polanski aus Frankreich in die USA zu locken, dessen “Tanz der Vampire” gerade in die Kinos gekommen war. Evans wollte ihn „Downhill Racer“ filmen lassen, gab ihm auch „Rosemary’s Baby“ (Rosemaries Baby) zu lesen.3 Der Rest ist bekannt, „Rosemary’s Baby“ wurde mit Polanski als Regisseur (der auch das Drehbuch schrieb) verfilmt, noch 1967, mit Castle als Produzent, von Paramount Pictures. Kam 1968 in die Kinos, Premiere war im Mai dieses Jahres beim Cannes-Filmfestival.4

 

Produzent Castle (Schloss) hatte einen “Cameo”, bei der Telefonzelle, als Rosemary Dr. Hill kontaktiert. Als Rosemary mit dem erblindeten Schauspieler Baumgart telefonierte, tat sie das mit Tony Curtis/Bernard Schwartz, wovon Farrow im Vorhinein nichts wusste.5 Die Szene mit dem Überqueren einer befahrenen Strasse in New York wurde improvisiert, Farrow und ein Kamerateam stürzten sich auf Anweisung Polanskis ins Verkehrsgetümmel. Farrow sang auch den Titelsong, das dafür komponierte “Wiegenlied” (“Lullaby”) des polnischen Jazzers (und Arztes) Kryzstof Komeda, selber. Komeda verletzte sich einige Monate nach der Fertigstellung des Films, wobei, darüber gibt es unterschiedliche Angaben, jedenfalls zog er sich eine Hirnblutung zu. Er starb 1969 in Polen, mit 37.6 Unter den Szenen, die rausgeschnitten wurden, ist ein Theaterbesuch Rosemarys mit einer Freundin vor dem Aufsuchen Hills, bei einer Aufführung von “The Fantasticks”, mit Joan Crawford.

S. Hatami-Foto von der Theateraufführung mit Van Johnson & Joan Crawford

Product Placements gab es für “Pall Mall” (Marke von British-American Tobacco) und, auch im Roman, für Vidal Sassoon, britischer Jude, Friseur-Unternehmer in New York. Er hat Farrow während der Dreharbeiten tatsächlich die Haare geschnitten, wie Rosemary im Film. Er nahm auf zionistischer Seite (Haganah) 1948 am Ersten Arabisch-Israelischen Krieg bzw der Nakba teil, stellte dies als „Verteidigung des Landes” dar. Als im August 1967 in der USA die Dreharbeiten für „Rosemary’s Baby“ begannen, war Israel seit einigen Wochen (etwas mehr als 2 Monate) vergrössert, durch die Besetzung weiteren palästinensischen Landes, ägyptischen und syrischen. Die Weltpolitik war damals natürlich vom Kalten Krieg dominiert. Roman und Film spielen 1965/66, thematisieren auch den Besuch von Papst Paul VI. (Giovanni Montini) im Oktober ’65 in der USA. Montini, Bischof von Mailand, wurde während des 2. Vatikanischen Konzils Papst, unternahm als erster Papst der Neuzeit Auslandsreisen. Traf 1965 in der USA auch mit Präsident Lyndon Johnson zusammen.7 Sein Tod im August 1978 war der Auftakt zum Dreipäpstejahr.

Montini & Johnson

“Rosemary’s Baby” ist ein Kunstwerk durch das Spiel mit Ängsten. Der verstörendste Horror in dem Film hat eigentlich nichts mit Hexerei oder Übernatürlichem zu tun, sondern mit Psychologie.8 Wie Guy mit den Nachbarn gemeinsame Sache gegen seine Frau macht, sich ein Ring von Verschwörern um sie bildet (Dr. Sapirstein,…), Rosemary während ihrer Schwangerschaft leidet… Und, ein Verrat anderer Art, durch Dr Hill, an den sie sich wendet als sie flieht. Der ihr zunächst Verständnis vormacht, als sie vom „Plot gegen mich und mein Baby“ erzählt, sie im Sicheren wiegt. Sie träumt beim Schlaf in Hills Praxis von den guten Leuten und ihrem Kind, davon, den bösen entronnen zu sein. Dr. Hill (Charles Grodin) “entscheidet”, dass Rosemary Wahnvorstellungen hat und schickt Sapirstein und Guy zu ihr. Rosemarys Rede über den Hexenzirkel und ihr Baby mag sich für ihn nach Wahnsinn anhören, aber sie hat Angst vor diesen Leuten, und er macht ihr Verständnis vor, liefert sie diesen dann aus, während sie schläft… Hill ist nicht Teil des Hexenzirkels, glaubt wahrscheinlich, das Beste (für sie) zu tun, als er sie verrät an ihr Umfeld (den Hexen- bzw Satanszirkel), sorgt dafür dass sie das Baby nicht in einem Krankenhaus bekommt, sondern im Kreis dieses Zirkels. Man kann Hills Verhalten aber auch so interpretieren, dass er nicht an Rosemarys Geschichte glaubte, sie für Hirngespinste hielt, und sie Hirngespinste waren…sich im Film Wahres und (von Rosemary) Phantasiertes vermischten, bis zum Ende. Dann wären Hill, Sapirstein,… die Vertreter der Vernunft. Aber selbst dann, eine Hochschwangere an Leute “auszuliefern”, vor denen sie grosse Angst hat, nachdem sie sich an Einen um Hilfe gewandt hat…

Die Polizei kommt übrigens im Film nur am Anfang, beim “Selbstmord” von Terry, vor. Sie aufzusuchen ist für Rosemary kein Thema; nun, es hätte ihr dort auch ähnlich ergehen können wie bei Dr. Hill. Hat Rosemary paranoide Verschwörungs-Phantasien oder erkennt sie die Realität – dass sie Opfer einer satanistischen Verschwörung ist? Dieser Verdacht auf etwas Böses, der sich sukzessive bestätigt, mit dem man alleine dasteht…erinnert an “Biedermann und die Brandstifter” (Drama, Max Frisch, Uraufführung 19589). Die Nachbarn sind zu freundlich und hilfsbereit; obwohl der Verdacht (auf etwas Schlimmes) immer konkreter wird, werden Erklärungen geliefert, wird versucht, Ängste zu zerstreuen. Das Spannungsfeld zwischen Paranoia und Hellsichtigkeit gibt es auch in den Filmen “Vier im rasenden Sarg” („Race with the Devil”) oder „Arlington Road“, in anderer Form auch in „Shutter Island“. Der Grat zwischen Erkenntnis und Wahn… In „Arlington Road“ geht es dabei ja auch um Nachbarn. Verschwörungstheorien haben aber auch etwas von Horror, wie man merkt wenn man zB “Das Lexikon der Verschwörungstheorien” von Robert A. Wilson liest.

Nachdem Rosemary mit einer in ein Mousse au Chocolat gemischten Droge dafür “vorbereitet” wurde, wird sie in der Nacht vom Teufel bzw Incubus geschwängert, unter “Anleitung” der Verschwörer.10 Wahrscheinlich, weil sie nicht das ganze Mousse gegessen hat (s.u.), bekommt sie etwas davon mit. “This is no dream! This is really happening!”. Die Wahrnehmung bzw der Bewusstseinszustand der in dieser Szene dargestellt wird, ist eigentlich typisch für einen LSD-Horrortrip, von der Vermischung von Traum (bzw Phantasie) und Wirklichkeit, von den Horrorvorstellungen. Aber auch die ganze “Paranoia” (?) ggü ihrer Umgebung über einen längeren Zeitraum. Dieses Mittel ging damals den Weg von der medizinisch-psychiatrischen Verwendung in den Untergrund. Der Film enthält einiges zum Gruseln, Nacktheit in 2 oder 3 Szenen, wenig Gewalt, und etwas Drogen-Gebrauch: Auf der Party wird ein Joint geraucht. Gegen Ende nimmt Rosemary die ihr verabreichten Beruhigungs-/Schlaf-Tabletten nicht ein, sammelt sie nicht um jemand Anderen damit ausser Gefecht zu setzen, wie in “Mysery” oder “Todesstille”11, sondern um der Verschwörung auf die Spur zu kommen.

Das Rosemary zur “Unterstützung” der satanischen Schwangerschaft verordnete Tannis hat etwas von einer fiktiven Droge. Vorbild dafür soll Mönchspfeffer sein. Vermeintlich ist Tannis, das Rosemary auch in den von der Nachbarin zubereiteten Drinks zu sich nehmen muss, eine natürliche Alternative zu den chemischen Mitteln, die der Medizinbetrieb sonst so bereit hält. Rosemarys Umgang mit dem Anhänger mit der Tanniswurzel spiegelt die Beziehungen zu den Leuten des Hexenzirkels (die Castevetes, deren Freunde, darunter Sapirstein, ihr Mann Guy) wieder. Als ihr bewusst wird (oder sie sich einbildet), dass ihr Mann und die Nachbarn gegen sie konspirieren, schmeisst sie den Anhänger vor dem Haus durch ein Kanalgitter.12 Bin mir nicht sicher, ob der Tannis-Anhänger ein “MacGuffin” ist, wie etwa das veruntreute Geld in „Psycho“.

Rosemary deckt am Ende ja Alles auf, bekommt die Bestätigung für ihren schrecklichen Verdacht. Das Kind, das sie austrug, sieht man nicht (man hört Rosemarys Kommentar über seine Augen), und es wird offen gelassen, ob sie es annimmt, Teil der Satanisten-Gruppe wird (dies wird angedeutet). Ein mehrdeutiger Ausgang; wie zB bei “Memento” (Hat Teddy mit seiner Erklärung Recht oder nicht?) oder “Sopranos”. Und die Interpretation, dass die ganze Verschwörung Rosemarys Phantasie bzw Wahnsinn entsprang, ist auch nicht illegitim.

Die Verbindung von Sexualität, Fortpflanzung/Schwangerschaft und Horror: Bei einem Besuch von Minnie Castevet und deren Freundin Lara-Louise in ihrer Wohnung erzählt Rosemary auf eine Frage nach ihrem Befinden, sie habe den ersten Tag ihrer Periode. Und während die 2 alten Besucherinnen zu häkeln anfangen, wird ein bisschen über Menstruation geredet, zumindest steuert Lara-Louise ihre Erfahrungen bei. So wie das Drehbuch überhaupt nahe bei der Romanvorlage ist, hat Polanski auch diese Szene übernommen. Man kann sich fragen, wie die Bloggerin Cassandra Parkin, was mit der Szene gesagt werden soll. “The only reason I can think for its existence is to establish that Ro’s in tune with her cycle, in step with the times, happy to discuss her body; in fact, part of the sisterhood.” Es ist dieser Besuch, bei dem Rosemary das Amulett von Minnie bekommt.

Einige Tage später dann der (zum Satanismus) “bekehrte” Guy: “Let’s have a baby”. Er habe auch die richtige Zeit dafür herausgefunden, 4./5. Oktober, hat diese Tage im Wandkalender markiert. Vermutlich ist der Roman hier expliziter, weiss Guy dort von Rosemarys Ovulation/Follikelsprung/Eisprung in dieser Zeit. Dann die Schwängerung durch den Teufel nach dem Mousse, die sie zT mitbekommt (oder phantasiert?). Guy sagt ihr danach ja, dass er sie im Schlaf/Ohnmacht/Rausch “bestiegen” (und gekratzt) hat. 13 Die eigentlich folgenden Szenen sind auch heraus geschnitten worden. Rosemary ist verstimmt darüber, fährt für ein paar Tage zur Hütte von Hutch nahe New York City, um allein zu sein. Nach ihrer Rückkehr wartet sie auf ihre Regelblutung, Guy wettet mit ihr dass sie schwanger ist. Nach einem Besuch bei Dr. Hill, das sieht man wieder im Film, erfährt sie von der Schwangerschaft, sie soll auch zu einer weiteren Blutabnahme kommen, zeichnet diesen Termin im Kalender als “Blood” ein. Gibt Guy, als er nach Hause kommt, eine Münze, da er die Wette gewonnen hat.

Der Gynäkologe Sapirstein, der ihr aufgedrängt wird, ist ja Teil der satanistischen Verschwörung. Das Teufelskind wächst in ihr heran, der Horror nimmt seinen Lauf. Rosemary hat fürchterliche Schmerzen im ersten Drittel der Schwangerschaft; isst rohes Tier-Fleisch. Sehen tut man Blut nur da und ein bisschen durch das Kratzen des Teufels mit seinen Klauen bei der Begattung Rosemarys. Blut wird thematisiert, aber spärlich inszeniert in dem Film. Man denke an das fontänenartige Spritzen bei Kriegsverletzungen in Filmen wie “Der Soldat James Ryan”, das Herunter-Rinnen des Menstruationsblutes in “Carrie”, die Übertragung des weiblichen Blutmysteriums auf das Männliche in Jesus-Filmen wie “Die letzte Versuchung Christi”, die ins Komische gezogene Vampir-Thematik in Polanskis “Tanz der Vampire”, die grosse Rolle die es in “Pulp fiction” spielt… weitere symbolischen und historischen Codierungen von Blut findet man in “Winnetou” (Blutsbruderschaft) oder “Der Pate” (Blutrache). In “Rosemarys Baby” geht es ja auch darum, dass Andere über den Körper einer Frau verfügen. Es war die Zeit, als sich die Antibabypille durchsetzte, Zeit der Emanzipation der Frau – der Körper der Frauen fängt an ihnen wirklich zu gehören. Rosemary ist aber nicht die unterworfene Frau, sie wehrt sich.14

Rosemary ist zwar Hausfrau, gutmütig, vielleicht gutgläubig, aber nicht dumm und hilflos. Maria „Mia“ Farrow bekam ja für den Film keinen Oscar, was mit Francis “Frank” Sinatra zu tun haben soll. Für den Golden Globe wurde sie immerhin nominiert. Ruth Gordon bekam 1969 den Oscar als beste Nebendarstellerin des abgelaufenen Jahres. Wie Rosemary Woodhouse ist Farrow katholisch, aber kein “Landei” wie diese, wuchs in Beverly Hills auf, in einem Schauspieler-Elternhaus. Farrow gelang mit dem Film, einem ihrer ersten, der Durchbruch in Hollywood. Seit 1966 mit Frank Sinatra verheiratet, hatte sie diesem eigentlich versprochen, ihre Schauspiel-Karriere aufzugeben bzw zurückzustecken. Dann nahm sie doch diese Rolle an, und die Dreharbeiten dauerten auch noch länger als erwartet. Sinatra hatte ihr die Rolle in “Der Detektiv” gegeben, der nun gedreht werden sollte. Im November 1967, als Farrow noch “Rosemarys Baby” drehte, reichte Sinatra die Scheidung ein. Im August 1968 wurde diese rechtskräftig. Farrow nannte später den Altersunterschied den Grund für die Differenzen; die Beiden blieben Freunde.15

Ihr nächster Partner, der klassische Musiker André Previn, soll Farrow als “hysterisch” bezeichnet haben. Eher so wie Jaqueline de Belfort in „Tod auf dem Nil”, bei dessen Filmen 1977 sie noch mit Previn zusammen war, oder wie Rosemary Woodhouse? 1980 wurde Farrow die Lebensgefährtin von Heywood “Woody” Allen (der seinen Namen von Allan Konigsberg auf diesen geändert hat). Mit Previn hatte sie drei Kinder (plus drei adoptierte), mit Allen ein biologisches und 7 adoptierte. Die meisten der Filme in der Zeit ihrer Partnerschaft mit Allen waren von diesem, etwa “Hannah und ihre Schwestern”. Nach der Trennung 1992 begann Allen eine Beziehung zu Farrows Adoptivtochter Soon-Yi Previn, heiratete diese. Und zum Sorgerechtsstreit um die gemeinsamen Kinder kamen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Dylan Farrow an ihren Adoptivvater Allen. Ronan Farrow, zur Zeit der Beziehung mit Allen gezeugt und geboren und als dessen Kind angesehen, soll das Kind von Frank Sinatra sein, mit dem Farrow ja “freundschaftlich” verbunden blieb.16 Mias Kinder…

John Cassavetes spielte Rosemarys Ehemann Guy Woodhouse, der für seine Schauspieler-Karriere17 einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Dass bzw wie Guy von den Castevetes überzeugt wird, bei ihrem Satanskult mitzumachen, wird nur angedeutet; er ist jedenfalls schnell eingeweiht und überzegt. Cassavetes konnte aufgrund dieser Rolle seine Independent-Filmprojekte verwirklichen, u.a. “Eine Frau unter Einfluss” mit seiner Frau Gena Rowlands und Peter Falk, 1974.18 Auch so eine Fügung/Koinzidenz im “echten Leben”. Ira Levin ist auch der Autor von “Deathtrap”/”Todesfalle”, des am längsten gespielten Theaterstücks am Broadway, die Geschichte eines alternden Theaterautors, der plant, einen jungen Rivalen zu töten und dessen neues Stück (“Deathtrap”) zu stehlen. 1982 wurde es in Hollywood mit Michael Caine und Christopher Reeve verfilmt. Und natürlich sind wir an den Mephisto bzw den Faust-Stoff erinnert.

Mephistopheles (kurz: Mephisto), der Teufel im “Faust”, der mit Johann G. Faust einen Pakt eingeht. Etwa 150 Jahre nach Goethe, 1936, brachte Klaus Mann im niederländischen Exil “Mephisto – Roman einer Karriere” heraus.19 Darin geht es ja um einen Schauspieler, “Hendrik Höfgen”, der unschwer als “Platzhalter” für Gustaf Gründgens zu erkennen war. Der faustische Pakt hier war das Arrangement mit den nationalsozialistischen Machthabern in Deutschland, die Höfgen/Gründgens eine steile Schauspieler-Karriere ermöglicht(e). Manns Schwester Erika war kurz mit Gründgens verheiratet gewesen.20 1940 wurde, hauptsächlich in Potsdam-Babelsberg, “Jud Süss” gedreht. Die Rolle des Joseph Süss Oppenheimer hatte u.a. Gustaf Gründgens abgelehnt. In “Jud Süß – Film ohne Gewissen” (2010), dem Film über den Film, redet der von Armin Rohde gespielte “Heinrich George” (Georg Schulz), der in “Jud Süss” Herzog Karl Alexander von Württemberg gespielt hat, zu Jud Süss – Darsteller Marian/Hasch(k)owetz (in dem Film von ’10 gespielt von Moretti/Bloeb) auch über das Verkaufen der Seele des Schaupielers an den Teufel um der Karriere willen.

Roman Polanski erwog für die Rolle der Rosemary auch Tuesday Weld und seine Verlobte Sharon Tate. Was mit der passierte, stellt den Horror im Film ja leicht in den Schatten. 1965 drehte Tate “Eye of the devil”/ “Die schwarze 13”, einen Horrorfilm. 1966 kamen Polanski und Tate bei den Dreharbeiten für „The Fearless Vampire Killers“/ “Tanz der Vampire” in Hollywood (Innenaufnahmen) und Italien (Aussenaufnahmen) zusammen. Damals wurde Charles Manson gerade aus einem Gefängnis entlassen, trieb sich danach in San Francisco herum bzw dessen Hippie-Viertel Haight Ashbury. “1966” erinnerte an “666”, das “Untier” mit dieser Zahl aus der biblischen Offenbarung des Jochanan/ Johannes. Anton LaVey gründete damals in San Francisco die “Church of Satan”, erklärte 1966 zum “Jahr 1” – so hat auch Levin dieses Jahr von den Satanisten in seinem Roman deklarieren lassen. Später kam das (falsche) Gerücht auf, La Vey habe bei “Rosemarys Baby” als Berater mitgearbeitet. Und Manson, der sich sowohl zu Jesus als auch zum Teufel erklärte, stellte seine “Familie” zusammen, die eine Landkommune im San Fernando Valley bezog.

Nachdem der Musikproduzent “Terry” Melcher (Sohn von Doris Day) Manson nicht als Musiker herausbringen wollte, entzündete sich dessen Hass auf ihn und das Showbusiness-Establishment. Im März ’69 fuhr Manson zum Haus am Cielo Drive in Beverly Hills in dem Melcher gewohnt hatte (wahrscheinlich, um ihn zur Rede zu stellen), und wo nun Polanski/Tate (inzwischen verheiratet) wohnten, wurde vom iran-stämmigen Fotografen Sharokh Hatami weggeschickt, der dort zu Besuch war. Danach begannen die Morde der “Manson Family” im Raum Los Angeles, mit den von Manson angeordneten im Sommer 69 an der hoch schwangeren Sharon Tate und 4 Freunden/Gästen in der Villa in Beverly Hills als grausamer Höhepunkt.21 Wobei nicht ganz klar ist ob Manson im Glauben war, dass Melcher noch immer dort lebte oder ob das keine entscheidende Rolle mehr spielte. Polanski war damals in Grossbritannien. Zu dieser Zeit war die USA an zwei Kriegen beteiligt: in Vietnam gegen Vietcong und Nord-Vietnam, und “zu Hause” mit sich (Vertreter der bisherigen Gesellschaftsordnung gegen ihre Herausforderung). Und die “Manson Family” agierte genau so faschistisch wie das damalige Nixon-Regime. Was für die Einen die Perversion von Flower Power war, war für die Anderen sein wahres Gesicht.22

Christopher Othen schrieb über einige Querverbindungen in dieser Ära: Im Dezember 1969 in Altamont (ebenfalls California) das Rockmusik-Festival mit den Rolling Stones, Ike & Tina Turner, Grateful Dead, Jefferson Airplane, Crosby, Stills, Nash and Young,… Neben drei anderen Menschen, die an diesem Tag verunglückten, wurde ein Zuschauer vor der Bühne von einem der als Sicherheitskräfte eingesetzten Hell’s Angels erstochen. Einer der Hell’s Angels bei diesem Konzert war William Fritsch – Freund von “Bobby” Beausoleil, dem ersten aus der Manson Family der verhaftet wurde (August 69). Beide kommen im “Okkultfilm” “Lucifer Rising” von Kenneth Anger vor, der 1972 fertig war, aber erst 1980 vertrieben wurde, nachdem Beausoleil aus dem Gefängnis den Soundtrack gemacht hatte. Crowley-Anhänger Anger kannte die Rolling Stones, die in Altamont gerade spielten, als unter der Bühne die tödlichen Randale ausbrachen, soll die Inspiration für den Song “Sympathy for the devil” geliefert haben, neben dem Roman “Der Meister und die Margarita” von Michail Bulgakov.

Prominente im Raum L.A. bekamen nach den Tate-Morden Angst und trafen Vorkehrungen, darunter Frank Sinatra. Dann die Verhaftungen und Aufdeckungen dazu, der „Haupt“-Prozess 1970/71. Todesurteile der Geschworenen für Manson, Atkins, Krenwinkel, van Houten, die später umgewandelt wurden. Staatsanwalt Vincent Bugliosi: “Die ‘Familie’ hatte immer gesagt, der Tod sei was Schönes, sie hätten den Getöteten einen Gefallen getan usw, ich habe Manson aber im Prozess 9 Monate hart für sein Leben kämpfen gesehen und bei der Verlesung des Urteils zittern.” Manson saß dann im selben Gefängnis ein wie der Musikproduzent Philip Spector und Sirhan Sirhan, der 1968 Richard Nixons Herausforderer Robert Kennedy tötete. Es gibt 4 ungeklärte Mordfälle aus LA 1968/69, die auch aufs „Konto“ der Manson-Familie gehen könnten, Hippies die in Kontakt mit der „Familie“ standen… Darunter war Marina Habe, die nahe des Mulholland Drive erstochen gefunden wurde, von Thomas Noguchi begutachtet wurde, der auch die Autopsien von Sharon Tate, Robert Kennedy, “Marilyn Monroe” (Norma J. Mortenson), Natalie Wood und anderen Prominenten machte.23

Tate am Set von RB

Noch einmal zu Shahrokh Hatami (Chatami): Er war ein Freund von Polanski und Tate, fotografierte und filmte auch bei den Dreharbeiten von “Rosemarys Baby”. Dabei entstand der Kurzfilm “Mia and Roman”, der der DVD-Ausgabe von “Rosemary’s Baby” aus 2000 beinhaltet ist. Hatami sagte im Prozess gegen die Mörder Tates aus.24 Hatami hat hauptsächlich für “Life” fotografiert25, nicht zuletzt in seinem Heimatland Iran und weiteren Ländern dieser Region. Er war beim Sturz von Premierminister Mossadegh (durch dem Schah Mohammed R. Pahlevi verbundene Kräfte) dabei und auch beim Sturz dieses Schahs, war in dem Flugzeug, das Ruhollah Khomeini in den Iran brachte, jener schiitische Geistliche, der die Revolution an sich riss. Auf seiner Homepage finden sich viele seiner Aufnahmen.

Roman Polanski ist in Frankreich in einer jüdisch-polnischen Familie geboren, die zurück nach Polen ging (Krakau/Krakow), überlebte die deutsche Besetzung und den Holocaust. In der Nachkriegszeit kam er durch Andrzej Wajda zum Film; als es unter dem kommunistischen Machthaber Gomulka politisch “ungemütlich” wurde, konnte er emigrieren, 1963, ging wieder nach Frankreich. Machte dort Filme wie “Cul de sac” (“Wenn Katelbach kommt”). Mit “Tanz der Vampire” 66/67 der Durchbruch, die Frau, und das “Ticket” nach Hollywood. Dort behauptete er sich mit “Rosemarys Baby”. Der erste Film nach dem Mord an seiner Frau war “Macbeth” (1971), eine Adaption des Shakespeare-Stücks.26 Der nächste wichtige Film war “Chinatown”, 1976 kam sein letzter Hollywood-Film heraus, “The Tenant”/”Der Mieter”, in dem Polanski auch wieder eine Rolle spielt, neben Isabelle Adjani und Melvyn Douglas.27 Dann 1977 die Sache mit der 13-Jährigen, die er für Aufnahmen buchte, dann in Jack Nicholsons Villa am Mulholland Drive vergewaltigte. Der Mulholland Drive liegt oberhalb von Hollywood, der so genannte Film von David Lynch aus 2001 handelt auch von den Mechanismen und Intrigen der Filmindustrie dort. Und, Nicholson hätte “Guy Woodhouse” spielen können, machte dann “Easy Rider”. Zuerst wurde die Villa von Jacqueline Bisset erwogen, die die für Mia Farrow gedachte Rolle in Sinatras Film “The Detective” (1968) bekam. Wieder so Querverbindungen, Zufälle.

Und: “Schmeckt eigenartig…kalkiger Beigeschmack”28 sagt “Rosemary”, als sie das mit einem Mittel versetzte Mousse isst, dass sie gefügig machen soll. Polanski gab Samantha “Quaalude”, das geschmacklos ist, wenn man es nicht lutscht, aber eben auch gefügig macht. Es gelang ihm, sich nach Frankreich abzusetzen. Anscheinend ist er auch immer französischer Staatsbürger geblieben. Gut 10 Jahre hat er in Hollywood gewirkt. Sein erster Film nach seiner Rückkehr war “Tess” mit Nastassja Kinski. 1981 spielte er Theater, in “Amadeus” von Peter Shaffer, das Stück auf dem der (Hollywood-) Film von 1984 basiert. 1988 machte er “Frantic”, mit seiner neuen Partnerin Emmanuelle Seigner. Mit “Der Pianist” kehrte er Anfang des neuen Jahrtausends gewissermaßen an seine Wurzeln zurück, bekam einen Oscar für die beste Regie, den er nicht entgegen nehmen konnte, da er bei einer Einreise in die USA verhaftet werden würde. 09 wurde er bei einem Aufenthalt in der Schweiz aufgrund des amerikanischen Haftbefehls vorübergehend verhaftet, dann aber nicht ausgeliefert. Polanski bezeichnete kürzlich die “#MeToo-Bewegung” als eine Form von Massenhysterie.

Die “Rosemary”-Dreharbeiten fanden zwischen August und Dezember 1967 grösstenteils in den Paramount Studios in Los Angeles statt, wo die Innenräume der beiden Wohnungen sowie die Flure des Dakota Buildings in New York aufgebaut waren. Die wenigen Außenaufnahmen entstanden vor dem Dakota-Gebäude (das im Film nicht so heisst, sondern „Bramford House“) in Manhattan, New York City, wo der Grossteil des Films spielt. Im Film macht Woodhouse Hill vor, sie würden nach Kalifornien ziehen, als Ausrede wegen des Gynäkologen-Wechsels. New York, der Schauplatz, Kalifornien Sitz der Filmindustrie. Dabei war NY Anfang des 20. Jh Sitz der US-amerikanischen Filmindustrie. Erst die Zerschlagung des “Edison Trusts” 1912 bewirkte die Verlagerung der Industrie in die Umgebung von LA. Im Dakota Building in New York lebten in den 1970ern Ex-Beatle John Lennon und Yoko Ono. Lennon hatte den Song “Helter Skelter”, den Charles Manson (dann in Kalifornien) in seinem rassistischen Sinn interpretierte bzw verwendete, 1968 mit geschrieben. Im Dezember 1980 wurde er ja dort, vor der Eingangstüre, von einem “Verrückten”, namens Mark Chapman (dem er ein paar Stunden davor ein Autogramm gegeben hatte), erschossen.29 “…In jedem Mietshaus passieren schlimme Dinge”, so Rosemary zu Hutch, als er ihr und Guy vom Bramford House erzählt bzw davor warnt.

“Rosemarys Baby”, inzwischen über 50 Jahre alt, stand mit am Beginn des neuen Hollywood. 1976 gab es eine Art Fortsetzung, den TV-Film “Look what happened to Rosemary’s Baby” mit Ray Milland (> “Lebendig Begraben”). Sam O’Steen, einer der beiden Filmeditoren/Cutter des Originals, führte dabei Regie. 1997 brachte Ira Levin eine Roman-Fortsetzung heraus, “Rosemary’s Sohn”, über das Teufelskind. 2014 lief auf NBC unter dem Titel “Rosemary’s Baby” eine Miniserie, die von Agnieszka Holland inszeniert wurde, mit Zoë Saldaña und Patrick Adams. Anspielungen auf das Original gibt es in vielen Filmen, Serien, Romanen… aber noch kein Remake.

Monstrous Mothers and Patriarchal Evil in Rosemary’s Baby

Vermaledeit unter den Weibern. Marginalien zu Polanskis Grusical “Rosemaries Baby”

Rosemary’s Baby Wiki (Über die Serie)

James Munn: This Is No Dream: Making Rosemary’s Baby (2018)

Birgit Neger: Moderne Hexen und Wicca. Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute (2009)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Mehrere von Levins Romanen wurden in bzw von Hollywood verfilmt, darunter “Kuss vor dem Tode”, “Die Frauen von Stepford”, “Boys from Brazil”
  2. Und das ist vermutlich das, was die Verfilmung von anderen Horrorfilm/ -thrillern, wie “Das Omen” oder “Poltergeist” unterscheidet
  3. Es heisst, zuerst wurde Alfred Hitchcock gefragt, ob er die Filmrechte für den Roman haben wolle
  4. Roman Polanski war mit Sharon Tate dort
  5. Durch das Gespräch wird sie sicher, dass Guy in der Satanismus-Sache mit drinnen hängt, flieht, zunächst zu Sapirstein, kommt drauf dass auch dieser involviert ist, sucht Hill auf
  6. Polanski hatte Komeda in die USA geholt, die beiden haben bei mehreren Filmen zusammen gearbeitet
  7. Sidney Blackmer spielte “Roman Castevet”, den Ober-Satanisten; er hat Theodore Roosevelt im Film und auf der Bühne 10x gespielt, den vielleicht rassistischsten und imperialistischsten USA-Präsidenten
  8. Dies dürfte kennzeichnend für Ira Levin sein
  9. Als Hörspiel schon zuvor
  10. Den Teufel sieht man dabei teilweise
  11. Oder um sich umzubringen, wie der von Ruth Gordon gespielte Charakter in “Harold und Maude”
  12. Danach kommt sie noch drauf, dass auch der Frauenarzt Sapirstein beteiligt ist, und das auch durch den Tannis-Geruch
  13. Vergewaltigung in der Ehe war damals kein Delikt, und eigentlich war das Delikt Vergewaltigung durch Satan
  14. Ein Artikel auf/in “Vanity Fair”: The Devil Inside: Watching Rosemary’s Baby in the Age of #MeToo
  15. Als Rosemary auf der Couch in der Wohnung liegt und Minnie und ihre Freundin anläuten (siehe oben), liest sie “Yes I Can” von “Sammy” Davis, Sinatras langjährigem Partner. Auch der Kinsey-Report findet sich in den Bücherregalen der Woodhouse’
  16. “Er hat die Augen seines Vaters” – Kommentar von Roman Castevet über Rosemarys Baby im Film, meint den Teufel und nicht Guy
  17. Er ist hauptsächlich Theaterschauspieler
  18. ’72 hat Cassavetes mit diesem in einem “Columbo” gespielt
  19. In Deutschland erstmals 1956 in der DDR verlegt
  20. Nach dem Krieg versuchte Gründgens’ Adoptivsohn das Verbot des Romans in der BRD durchzusetzen. Er wurde 1981 durch István Szabó verfilmt
  21. Danach wurden noch Leno und Rosemary LaBianca ermordet
  22. Auch die “Zodiac-Morde” fanden in der späten Flower Power-Ära in Kalifornien statt, diese sogar in Raum San Francisco, bald nach dem Sommer der Liebe 1967
  23. Marinas Vater Hans Habe war ein Jude aus Österreich, der im Militär der USA zurück kehrte. Er war einer jener, die in Fort Ritchie (siehe hier) für künftige Propaganda- und Verhörtätigkeiten ausgebildet wurden. Bereits ab 1944 war er zuständig für die Herausgabe neuer Zeitungen in Deutschland, zusammen u.a. mit Stefan Heym, einem anderen “Ritchie Boy”, und Ernst Cramer, später im Springer-Konzern
  24. Wahrscheinlich auch in jenem gegen den eigentlichen Mörder, “Tex” Watson, der einen eigenen Prozess hatte. Dieser hat übrigens, wie sein “Guru” Manson, massenhaft Zuschriften von Frauen ins Gefängnis bekommen, beide durften intime Besuche empfangen
  25. Das Time & Life Building in NY kommt im Film ja auch vor, dort wollte Rosemary Hutch treffen
  26. Es wurde von Hugh Hefner und Playboy Productions finanziert und enthielt auch Einiges an Nacktheit sowie Gewalt
  27. Teil 3 von Polanskis “Wohnungs”-Trilogie, nach “Ekel” und “RB”
  28. “It has an undertaste… a chalky undertaste”
  29. Beim Warten auf Polizei und Rettung soll Chapman in einer Ausgabe von Jerome Salingers „Der Fänger im Roggen“ geblättert haben, während Ono den Kopf ihres Mannes in ihrem Schoß hielt. John Hinckley, der aufgrund des Films “Taxi driver” eine Obsession für Jodie Foster entwickelte, in deren Zuge er 1981 in New York versuchte, USA-Präsident Reagan zu erschiessen, hat anscheinend auch eine Vorliebe für diesen Roman gehabt

Grönland und der dänische Kolonialismus

Hier geht es um um Grönland (Grønland, Kalaallit Nunaat), daneben auch um die anderen, ehemaligen dänischen Kolonien, ein eher unbekanntes Thema. Grönland…Arktis, Eskimos, Wikinger, Kolonialismus, Klimawandel, Atomwaffen, Handball,… Die nordamerikanische Arktis (> Alaska, Nord-Canada, Grönland) wurde ja einst von Asien aus (seeehr lange bevor dieser Teil Asiens russisch wurde) bevölkert, in mehreren Wellen. Auf Grönland hauptsächlich die Küsten, da der grösste Teil der Insel mit Eis bedeckt ist. Die nordgermanischen Wikinger entdeckten Grönland von Skandinavien aus, nannten die Insel so, aber erst Jahrhunderte später wurde sie von dort aus in Besitz genommen, wurde schliesslich dänisch. Die Gebiete, die vom dänischen Überseereich noch übrig sind, Grönland und die Färöer-Inseln, haben längst Autonomie innerhalb Dänemarks. Das eigentliche Dänemark und die beiden Aussengebiete zusammen werden als Rigsenheden (Reichseinheit) oder Rigsfællesskabet bezeichnet. Bei Grönland ist mittlerweile auch die Unabhängigkeit ein grosses Thema!

Grönland ist mit über 2 Millionen km² viel grösser als das eigentliche Dänemark (Kern-Dänemark), 51 mal so gross1, Grönland macht fast 98% der Fläche von Gesamt-Dänemark (der Rigsenheden) aus (die Färöer 0,06%); bei der Bevölkerung ist es umgekehrt, da leben 98% in Kern-Dänemark. Grönland ist die grösste Insel der Welt, die nicht als Kontinent gilt, vor Neuguinea. Australien gilt als Kontinent, wie Eurasien, Amerika, Afrika, Antarktis – sind schliesslich auch nur grosse Inseln2. Grönland macht etwa ein Drittel der Fläche Australiens aus. Grösste Insel, die ein unabhängiger Staat ist, ist übrigens Madagaskar. Gesamt-Dänemark, also Dänemark mit Grönland und Färöer, ist das 12tgrösste Land der Welt, ein Rang den Grönland auch alleine einnehmen würde.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit, vor circa 15 000 Jahren, gab es eine Landverbindung zwischen dem Nordosten von Asien/Sibirien und dem Nordwesten von Amerika (dem späteren Alaska). Über diese kamen, in mehreren Wellen, jene Völker auf diesem Weg nach Amerika, die dann “Indianer” oder auch “Eskimos” genannt wurden. Auch Tiere kamen. Sie wanderten weiter innerhalb des amerikanischen Raums, hauptsächlich an der südlichen Küste Alaskas entlang, Manche blieben im hohen Norden Amerikas bzw breiteten sich dort aus, im späteren Alaska, ins spätere Nunavut, und bis nach Grönland.3 Einwanderungs-Wellen von Paläo-Eskimos vom kontinentalen Nordamerika führten also auf (das heutige) Grönland, v.a. über Umingmak Nuna/Ellesmere Island in den Norden von Grönland/Kalaallit Nunaat, von wo sie weiter wanderten.

Im Süden der Insel, um die im 18. Jh gegründete Siedlung Saqqaq, wo Einiges ausgegraben wurde, entstand eine Paläo-Eskimo-Kultur, ungefähr ab 2500 vC. Ein Überleben mit Treibholz, Steinen, Walrosselfenbein, Pelzen, Leder, Schamanismus. Neue aus Nord-Asien stammende Einwanderer brachten ab etwa 500 vC eine neue Kultur hervor, heute “Dorset-Kultur” genannt, nach dem Fundort in Nunavut, Canada. Die Menschen dieser Kultur brachten fortgeschrittenere Werkzeuge zu Stande, für die Jagd,… Die im Norden Amerikas (Grönland gehört auch zu Amerika…) gebliebenen oder dort gewanderten nord-asiatischen/sibirischen Völker bilde(te)n also ineinander übergehende bzw zusammen hängende Kulturen, im Arktis-Raum. Dieser schliesst auch das nordöstliche Sibirien, den Ursprungsraum der frühen Völker des amerikanischen Nordens, mit ein, hauptsächlich das heutige Tschukotka, mit ethnisch und kulturell verwandten Völkern.4

Schnitt, nach Skandinavien. Im Süden der Skandinavischen Halbinsel breiteten sich im der späten Antike und frühen Mittelalter die Nordgermanen aus, wanderten von dort nach Jütland und die östlich davon liegenden Inseln (das spätere Dänemark) sowie nach Mitteleuropa. Im dem später Skandinavien genannten Nordeuropa bildeten sie im Früh-/Hoch-Mittelalter regionale Reiche5, brachen zu Eroberungszügen (und Handelsmissionen) auf, nach Gross-Britannien, Russland, Island, Irland, Frankreich, Baltikum, Grönland, Amerika,… Zumindest die ersten drei genannten Gebiete (mit ihren späteren und deutschen Namen) haben durch die Wikinger eine entscheidende Prägung erhalten.6 Die “Wikinger-Zeit” ging etwa vom 8. zum 11. Jh, und Wikinger waren nur ein Teil der nordgermanischen Bevölkerung, Jene die Seefahrer und Krieger geworden waren. Es gab kein vereintes Wikinger-Grossreich, sondern Kleinkönigreiche und Raub-/Eroberungszüge. Im 10. Jh vereinte ein Gorm Kleinreiche auf Jütland und den “anschliessenden” Ostsee-Inseln zu einem dänischen Reich, im westlichen Teil der skandinavischen Halbinsel begründete Harald Harfagr in dieser Zeit Norwegen, im östlichen Teil vereinte Erik Segersäll die schwedischen Teilreiche.

Das Ende der “Wikingerzeit” wird allgemein mit 1066 angesetzt: England, das Land der Angeln (die die davor dominierenden Kelten, die auch irgendwann eingewandert waren, “überlagerten” oder “an den Rand schoben”), wurde in dieser Wikinger-Zeit von den Genannten (Dänen und Norweger) immer wieder “heimgesucht”. Mit dem Sieg von Stamford Bridge bei York 1066 über die Norweger wehrten die Engländer die Skandinavier endgültig ab. Wobei: Wenige Wochen später fielen ja die Normannen in England ein und die stammten ja auch aus Skandinavien. “Normannen” bezeichnet sowohl allgemein die Nordgermanen als auch die in Nord-Frankreich “sesshaft gewordenen” und von dort aus aktiven Wikinger/Nordgermanen. In Bezug auf England sind immer die französisierten Normannen gemeint. Nachdem vermutlich aus Norwegen (bezeichnet für die damalige Zeit eine Region, keinen Staat) stammende Wikinger unter Rollo im frühen 10. Jh im Westfrankenreich einfielen, bekamen sie von dessen Herrscher, Karl dem Einfältigen, die Normandie als Lehen zugesprochen, wurden so in das Westfrankenreich eingebunden. Nach der Schlacht bei Hastings dominierten diese französisierten Normannen gut 500 Jahre England.

Um das Jahr 1000 herum segelten nordgermanischen Wikinger, von Norwegen aus, in den Nord-Atlantik, nach Island und Amerika. Unter Erik “dem Roten” (Eirik Raude), Sohn des Thorvald, erreichten sie, von Island kommend, um 980 die Insel, die sie “Grønland” nannten (grünes Land/Grünland).7 Eirik soll auch in die Levante gesegelt sein. Sein Sohn Leif Eirikson soll dann weiter an (zu) den Küsten und vorgelagerten Inseln Nordamerikas gefahren sein, am späteren Newfoundland (auch eine Insel) gelandet sein, die Region “Vinland” genannt haben. Die Wikinger stiessen über Grönland nach (bzw in) Amerika vor, die Eskimos gingen den umgekehrten Weg. Island, Grönland, Vinland: nur der letztere Name hat sich nicht gehalten für das betreffende Gebiet. Weil die Verbindung (sofern sie überhaupt bestand) dorthin abgerissen ist, in Vergessenheit geriet.8 Island wurde nach der Entdeckung durch die Nordgermanen aus Norwegen von diesen besiedelt, die Verbindung nach Grönland (das von den anderen Siedlern “Kalaallit Nunaat” genannt wurde/wird) riss dann zwar für einige Jahrhunderte ab, wurde aber später erneuert.

E(i)rik und seine Männer gründeten wahrscheinlich ab 986 Siedlungen auf Grönland, an der Südwestspitze (in geschützten Fjorden), bis heute so etwas wie der Siedlungsschwerpunkt. Die meisten Siedler kamen aus Norwegen, manche davon hatten sich zwischenzeitlich auf Island nieder gelassen (das am Weg lag), wenige aus Schweden oder Dänemark. Man brachte verschiedene Nutz-Tiere auf die Insel, hauptsächlich Schafe, jagte dort verbreitete, wie Robben verschiedener Arten. Diese aus Norwegen Stammenden waren, wenn man so will, die ersten Europäer, die Amerika erforschten und besiedelten. Diese “Grænlendingar” (Grönländer) hielten die Verbindung zu Norwegen aufrecht bzw Norwegen zu ihnen, schliesslich war in der Mitte (zwischen diesen Ländern) liegende Island auch eine norwegische “Kolonie”.9 1261 akzeptierten die Siedler auf Grönland die Oberherrschaft des norwegischen Königs über die Insel. Und die norwegischen Grænlendingar trafen auf die Proto-Eskimos (auch Tuniit genannt) der späten “Dorset-Kultur”, die im nördlichen und auch im westlichen Teil der Insel lebten. Die Wikinger nannten die Tuniit in Grönland “Skraelingar”, “Schwächlinge”. In dieser ersten Phase des Kontaktes (etwa 10.-15. Jh) soll es viel mehr feindliche Begegnungen dieser Völker gegeben haben als dann in der zweiten, ab dem 18. Jh.

Im 14. Jh kamen neue Einwanderer, die Proto-Inuit der Thule-Kultur, zunächst in den Norden Grönlands, der dem restlichen Amerika am nächsten liegt, wanderten dann in den Süden.10 Die so genannte Thule-Kultur entwickelte sich rund um die (später so genannte) Bering-Strasse, ab etwa 200 vC, nach bzw durch Wanderungen in diesem Raum. Und verbreitete sich durch neue Wanderungen, im Arktis-Raum, wobei es zu “Überlagerungen” älterer (Proto-)Eskimo-Kulturen kam. Es bildeten sich, bis in die frühe Neuzeit, die Inuit, Aleut, Yupik,… aus. Diese Proto-Inuit/Thule waren gezwungenermaßen gute Jäger. Der retrospektiv gegebene Name “Thule” stammt aus der griechischen Mythologie, wurde von Vielen später aufgegriffen. Er steht für eine im äussersten Norden der Welt gelegene Insel, auch Island wurde damit in Verbindung gebracht. Nordische Rassentheorien etablierten sich darauf. Der Däne Knud Rasmussen griff den Namen “Thule” am Anfang des 20. Jahrhunderts auf, als er im bis dahin unkolonialisierten Nord-Grönland eine Missions- und Handelsstation gründete. Dort entstand später ein US-amerikanischer Militärstützpunkt.

1380 ging das Königreich Norwegen eine Personalunion mit Dänemark ein, 1397 entstand die Kalmarer Union, ein skandinavisches Grossreich aus Schweden, Dänemark, Norwegen. Dänemark hatte im 13. Jh neu expandiert, im Ostseeraum, etwa einen Teil des späteren Estlands erobert; im 14. Jh verlor Dänemark diese Gebiete wieder, an den Deutschen Orden oder die Hanse. Obwohl streng genommen der norwegische König 1380 den dänischen Thron erbte (ihn zu seinem dazu bekam), dominierte die dänische Reichshälfte bald die Union mit Norwegen, spielte in der Kalmarer Union eine führende Rolle. Norwegens Aussenbesitzungen waren Island, Färöer, Shetland und Grönland, Schweden brachte Finnland als “Beute” in die Union ein. Die norwegischen Siedlungen im Südwesten von Grönland/Kalaallit Nunaat bestanden kontinuierlich vom 10. bis zum 15. Jh, wurden dann aufgegeben. Man weiss nicht genau warum, wahrscheinlich wegen Konflikten mit den Inuits und kälterem Klima. Mitte des 15. Jh kam das Haus Oldenburg in Dänemark auf den Thron, das über einen Zweig bis heute in Dänemark herrscht, seit Langem aber nur mehr repräsentativ.11

1523 fiel die Kalmarer Union durch das Ausscheiden Schwedens (unter den Wasa wieder unabhängig) auseinander, damit war Norwegen vollends ein Mündel von Dänemark. Von den Gebieten, die Norwegen/Norge/Noreg mit eingebracht hatte, war Grönland aufgegeben worden, die Shetland-Inseln kamen in der frühen Neuzeit unter schottische Herrschaft, blieben Island und die Färöer-Inseln. Die lutherische/evangelische Reformation wurde 1536 von König Christian III. in Dänemark-Norwegen eingeführt. In der frühen Neuzeit wurden für Dänemark/Danmark dann Auseinandersetzungen mit Schweden bestimmend. Bis ins 17. Jh erstreckte sich Dänemark ins spätere Süd-Schweden hinein, die der Insel Seeland ggü liegenden betreffenden Gebiete wurden später als Skåneland zusammen gefasst.12 Der Øresund wurde die Grenze zwischen Schweden und Dänemark. Ausserdem kämpften beide Königreiche um die Oberherrschaft in Skandinavien sowie im baltischen Raum. Der dänische König Fredrik III. begründete um 1660 den Absolutismus in Dänemark-Norwegen, was die dänische Dominanz über Norwegen weiter stärkte. Und in dieser Zeit wurde Grönland, die ehemalige norwegische “Kolonie”, für Dänemark ein Thema13. Die Insel, die nach dem Abzug der Norweger die Inuit für sich hatten. Aber nicht nur für Dänemark – neben dänisch-norwegischen Schiffen segelten auch niederländische, deutsche, englische, französische zur Insel, Walfänger-Schiffe die an die Ost-Küsten kamen um Trinkwasser-Vorräte aufzufüllen, auch um mit den Inuit/Eskimos Handel zu treiben.14

Dänemark erhob, als “Herrscher über Norwegen”, Ansprüche auf Grönland/ Kalaallit Nunaat. Nahm in den 1660ern den Eisbären, als Symbol Grönlands, in sein Wappen auf, das ihn bis heute beinhaltet. Die alten norwegischen Aufzeichnungen über die Grönland-Expeditionen und -Siedlungen wurden in dieser Zeit von Trondheim nach København/ Kopenhagen gebracht; sie verbrannten wahrscheinlich beim dortigen Stadtbrand 1728. Der evangelische Pfarrer Hans Poulsen Egede, eigentlich ein Norweger, aber dieses Land war damals eben abhängig von Dänemark15, wird als derjenige angesehen, der die skandinavischen “Kontakte” zu Grönland wiederherstellte. Von 1711 an bemühte er sich um Unterstützung von König Fredrik IV. für eine Forschungsreise dorthin; Egede glaubte, wie viele Andere, daran, dass sich möglicherweise Nachfahren der frühen norwegischen Siedler auf der Insel gehalten hatten. Ihm ging es darum, diesen die Reformation zu vermitteln, schliesslich hätten sie diese durch ihre Abwesenheit aus Europa verpasst, wären noch katholisch. Fredrik gewährte die Unterstützung, schliesslich hatte er auch ein Interesse an einer dänischen Herrschaft über Kalaallit Nunaat/ Grönland. 1721 stach ein dänisch-norwegisches Schiff mit Hans Egede zu der nordamerikanischen Insel, mit missionarischen und merkantilen Aufträgen, landete am 3. Juli des Jahres an der Westküste. Man fand keine Wikinger mehr vor, dafür Inuit.

Seit damals besteht eine dänische Präsenz auf der Insel. Zunächst eher in Form von Handelsstationen als permanenten Siedlungen, im Südwesten Grönlands wieder. Egede missionierte unter den Inuit, leitete ihre Abkehr vom Schamanismus ein. Egede lernte ihre Sprache, Kalaallisut, übersetzte Teile der Bibel in sie. Es heisst, er übersetzte sehr frei, “gezwungenermaßen”, um den Texten den Inuits gegenüber einen Sinn zu gebe.16 Auch deutsche (evangelische) Missionare kamen ab dem 18. Jh mit den Dänen auf Grönland17, gingen zT auch Partnerschaften mit Inuits ein. Zusammen mit Major Claus Paarss18 gründete Egede 1728 im Fjord Ameralik im Südwesten die Missionsstation “Godt-Haab” (“Gute Hoffnung”), aus der die Stadt Godthåb wurde, die Hauptstadt der Insel wurde, heute Nuuk heisst. Der Pfarrer Egede verliess Grönland nach 15 Jahren, liess seinen Sohn Paul in der Mission zurück, und kümmerte sich in Dänemark weiter um die “grönländische Sache”. Zwei Inuit-Kinder wurden 1730 nach Kopenhagen zur Krönung von Christian VI. geschickt, kehrten 1733 zurück, mit Pocken infiziert. Die folgende Epidemie tötete einen grossen Teil der Inuit im Südwesten, auch einige Dänen, darunter Egedes Frau.

Dänische Walfänger begannen, dauerhafte Stützpunkte anzulegen. Dänemark, bzw das Königreich Dänemark-Norwegen, erliess 1776 ein Handelsmonopol für Rohstoffe und Produkte von der grönländischen Süd- und Westküste für seine Handelsgesellschaft Den Kongelige Grønlandske Handel (KGH), verbot “ausländischen” Fischern und Jägern den Zugang – was sich vor allem gegen die im 18. Jh dort aktiven Niederländer richtete bzw diese traf. Der KGH übernahm auch die Verwaltung und weitere Missionstätigkeit. Von der dänischen “Wiederentdeckung” Grönlands war es kein grosser Schritt zur wirtschaftlichen Nutzung der Insel, ihrer Quasi-Inbesitznahme. Die Norwegen “zuliegende” Ostküste wurde von Schiffen aus dem norwegischen Teil des Königreichs angefahren, beim Robben- und Walfang. Weiter nördlich auf der Westküste, auf der Insel Qeqertarsuaq/Disko (in der Baffin Bay) entstand die Station/Siedlung Godhavn (inzwischen wie die Insel Qeqertarsuaq genannt).

Island und die Färöer-Inseln, die Dänemark durch die Vereinigung mit Norwegen übernommen hatte, sowie das eigentliche Norwegen wurden von Dänemark nicht als Kolonien gesehen, wurden von keiner der beiden für aussereuropäische Gebiete zuständigen Kolonial-Kompanien verwaltet, auch Grönland nicht, das eigentlich ausserhalb Europas liegt (Island möglicherweise auch) und im 18. Jh dänisch neu kolonialisiert wurde, nach einem früheren norwegischen Ansatz. In der Neuzeit, als es mit dem dänischen Kolonialismus los ging, waren längst nicht mehr dänisch: England, Teile des späteren Estlands (das nördliche Livland), Kurland (später Teil von Lettland), Skaneland. Die genannten im 18. Jh dänischen Gebiete wurden als Teile Dänemarks gesehen (unter direkter Königsherrschaft stehend), nicht als Kolonien; es gab dafür die Bezeichnung Helstaten (Gesamtstaat). Die Bewohner dieser dänisch kontrollierten Gebiete in Europa oder der Nähe Europas wurden im Gegensatz zu jenen der Kolonien als dänische Untertanen (so etwas wie Bürger gab es damals noch nicht) gesehen. Es gab damals also Dänen, Norweger, Sami (Lappen), Isländer, Färinger, Deutsche, Nordfriesen und Inuit (Grönländer) in Dänemark. In allen diesen Gebieten war Fischfang wirtschaftlich wichtig.

Weniger bekannt ist, dass Dänemark (bzw seine Schiffe) auch in ausser-europäischen (bzw nicht-nördlichen) Gewässern unterwegs war, sich dort Gebiete aneignete, eine der europäischen Kolonialmächte war. Dänemark hatte Kolonien in Europa, Amerika, Afrika, Asien. Dies begann im 17. Jh, nach den Verlusten der Gebiete auf der skandinavischen Halbinsel…19 Die Aneignung südlicher ausser-europäischer Gebiete begann vor jener Grönlands, wird aber hier danach behandelt. Im 17. Jh entstanden die Ostindien-Kompanie (zuständig für Asien) und die Westindien-Kompanie (zuständig für Amerika und Afrika). Wobei es sich bei diesen Besitzungen eigentlich nur bei Dänisch-Westindien (1666-1917) wirklich um eine Kolonie im eigentlichen Verständnis handelte (auch mit Niederlassung von Dänen dort), die anderen waren eher Handels-Stützpunkte.

Die dänische Ostindien-Kompanie (Ostindisk Kompagni) war eine Handelsgesellschaft, die das dänische Ex- und Importmonopol für Indien und China besaß. Die erste Ostindien-Kompanie bestand von 1616 bis 1650; nach einer 20-jährigen Unterbrechung existierte die zweite Ostindien-Kompanie von 1670 bis 1729; 1732–1843 bestand eine Nachfolgegesellschaft, die Dänische Asien-Kompanie (Det Kongelige Octroyerede Danske Asiatiske Kompagni bzw Asiatisk Kompagni). Die Ostindien-Kompanie bzw Asien-Kompanie errichtete in Indien einige Stützpunkte: Tharangambadi, unter dem Namen Trankebar (Tranquebar), auch “Dänisch Indien”, an der Südost-Küste Indiens, im Tamilen-Gebiet, bestand 1620 bis 1845, dient hauptsächlich dem Gewürzhandel20. 1620 erwarb die Dänische Ostindien-Kompanie den Ort vom Raja von Thanjavur und gründete das Fort Dansborg. Die andere 2 Stützpunkte in Indien wurden grossteils von dort administriert. Diese waren zum Einen einer in Serampore im westlichen Bengalen (1755-1845); in der Nähe davon gab es das französische Chadarnagar, das niederländische Chinsurah, das portugiesische Bandel, und dort in Bengalen stiegen die Briten im 18. Jh auch in Indien ein. Zum Anderen die Nicobaren-Inseln (Nikobaren), vor der Bucht von Bengalen, auch “Neu-Dänemark” genannt, wie die in der Nähe liegende Andamanen von Austronesiern besiedelt, 1756-1848/68. Im 19. Jh kassierte Grossbritannien alle diese Gebiete, zT durch Kauf.

Fort Dansborg in Tranquebar

Die dänische Westindien-Kompanie (Vestindisk kompagni) wurde 1671 gegründet, später in “Westindien-Guinea-Kompanie” (Vestindisk-Guineisk kompagni) umbenannt, 1754 in Rentekammeret Vestindisk-guineisk renteskriverkontor, 1760 in Vestindisk-guineiske rente- og generaltoldkammer. Sie war die Kompanie für den Handel mit den dänischen Kolonien an der sogenannten Goldküste (heute Ghana) und in der Karibik (Dänisch-Westindien, heute die Amerikanischen Jungferninseln). Zu den Jungfern/Virgin-Inseln, dem ehemaligen Dänisch Westindien, etwas mehr, da sie nach Grönland die zweitwichtigste Kolonie waren.21 In die de jure spanische Karibik drangen im 17. Jh andere europäische Mächte ein. Die betreffenden drei Inseln (Tortola,…) waren von den Spaniern Las Virgenes benannt worden, liegen am Übergang von den Grossen zu den Kleinen Antillen, am Rand der Karibik, dem Atlantik zu. Sie wurden auch zunächst nicht berührt, im Gegensatz zum benachbarten Puerto Rico (dessen Nebeninseln auch als Teil der Virgenes gesehen werden). Dänen kamen im 17. Jh zunächst an Board niederländischer oder englischer Schiffe in die Karibik, dann auf eigenen. Was dort noch von keiner anderen europäischen Macht beansprucht worden war, nahm man sich. Das war zunächst die Virginen/Jungfern-Insel Sankt Thomas (wahrscheinlich von den Niederländern so genannt), 1666; dann, nach einer vorüber gehenden Aufgabe, 1672 wirklich.

Zu diesem Zeitpunkt lebten wahrscheinlich noch “Indianer” (Caraib) in dem Archipel. 1683 nahm Dänemark-Norwegen auch die Nachbarinsel Sankt Jan in Beschlag. In dieser frühen dänischen Kolonialzeit in der Karibik (und in Afrika) mischte auch Brandenburg-Preussen etwas mit. Die kurbrandenburgische Marine bzw die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie22 pachteten einen Teil von Sankt Thomas, nahmen die zwischen St. Thomas und Puerto Rico liegende Krabbeninsel in Besitz. Dänisch-Westindien/ Dansk Vestindien umfasste also zunächst St. Thomas und St. Jan. Die anderen, östlichen Virgins/Jungferninseln schnappte sich (im 17. Jh) Grossbritannien. Die Dänen errichteten Zuckerrohr-Plantagen auf ihren Inseln, deportierten Sklaven aus Afrika dorthin (oder kauften als Sklaven entführte/deportierte Afrikaner), zur Arbeit auf diesen Plantagen. Dies wurde im gesamten Karibik-Raum von Europäern aufgezogen. Die Verarbeitung des Rohzuckers des Dänischen “Westindiens” erfolgte zT auf den Inseln selbst, zT in Dänemark. Ende des 17., Anfang des 18. Jh drängten die Dänen die Brandenburger aus der Karibik und auch Afrika (Goldküste, s.u.) heraus, wo man in einer Art Symbiose gewirkt hatte.

Die Krabben-Insel wurde vorübergehend (Ende 17. Jh) auch dänisch, dann wieder spanisch (gehört heute zu Puerto Rico). Dafür wurde 1733 die relativ weit südlich liegende Insel Saint Croix / Sankt Croix von Frankreich gekauft, komplettierte Dänisch-Westindien (zusammen mit vielen kleinen Nebeninseln der 3 Hauptinseln). 1754 wurde dieses eine staatliche/königliche Kolonie, ging die Kolonie von der dänischen Handelskompanie an die dänische Krone über (s. o.). St. Thomas war so etwas wie die Hauptinsel, sein Hafen Charlotte Amalie / Amalienborg23 war Umschlagplatz, dort kamen die versklavten Menschen aus Afrika an, dort wurde Rohzucker, raffinierter Zucker und Rum gehandelt. Dänemark konnte Sklaven aus seinen eigenen Goldüsten-Stützpunkten (s.u.) importieren, war diesbezüglich also gewissermaßen autark… 1974 wurde an der norwegischen Küste das Wrack der “Fredensborg” entdeckt, eines dänischen Sklavenschiffs aus dem 18. Jh. Aufschlussreich war die Auswertung der dort gefundenen Aufzeichnungen: Das Schiff machte nur eine Reise, eine lange, die transatlantische Dreiecksroute zwischen Europa, Afrika und Amerika. An der Dänischen Goldküste wurden 265 versklavte Afrikaner sowie andere Waren aufgeladen. 24 davon starben auf der Fahrt in die Karibik, die Überlebenden wurden auf einer Auktion auf St Croix verkauft.24 Das Leben eines versklavten Zuckerrohr-Arbeiters bedeutete harte, endlose Arbeit ohne Lohn, drakonische Strafen, körperliche Ausbeutung die auch sexuell sein konnte, und eine Lebenserwartung von etwa 25 Jahren.

Wie auch anderswo im Karibik-Raum gelang es Versklavten immer wieder, zu entkommen, sich irgendwo ins Landesinnere durchzuschlagen, in unzugänglichere Gebiete, wo diese “Maroons” dann Gemeinschaften bildeten. Es gab auf den dänisch-westindischen Inseln immer ein deutliches demografisches Übergewicht der versklavten “Schwarzen” gegenüber den “weissen” Herren; auf St Thomas im Jahr 1725 zB 324 Weisse und 4 490 Schwarze. Und, viele Soldaten schickte Dänemark nie auf die Inseln; zusätzlich zu ihnen gab es noch eine “weisse” Bürgermiliz. Ein grosser Teil der Plantagen-Besitzer und Händler, der Weissen also, war nicht dänisch, waren Niederländer, Franzosen oder Briten, meist von anderen Karibik-Inseln immigriert. 1733 ein Sklavenaufstand auf St. Jan; die kleine dänische Garnison wurde gestürmt, Soldaten und Sklavenhalter getötet, Gebäude und auch Felder in Brand gesetzt. Anderen Weissen gelang es, von der Insel zu flüchten. Dänische Offizielle baten die Franzosen in der Karibik (Martinique,…) um Hilfe, deren Truppen (mit schweizerischen Freiwilligen/Söldnern) schlugen den Aufstand nieder. Von November 1733 an war die Insel ungefähr ein dreiviertel Jahr in der Hand der Versklavten, die die Dänen aus ihren Stützpunkten in der Goldküste geholt hatten.

Während der napoleonischen Kriege in Europa waren die 3 Inseln Anfang des 19. Jh für einige Jahre unter Herrschaft der Briten, damals Weltmacht Nr. 1. 1803 das Ende der Einfuhr von Sklaven in der dänischen Karibikkolonie (und der Ausfuhr aus den dänischen Afrika-Kolonien). 1848 eine Aufruhr unter bzw eher Aufstand der Sklaven auf St. Croix, genauer gesagt in Frederiksted, wo 8000 versklavte Afrikaner das Fort Frederik umzingelten und ihre Freiheit verlangten.25 Der Gouverneur von Dänisch-Westindien, Peter von Scholten, mit der Möglichkeit eines grossen Sklavenaufstands konfrontiert, den er zumindest mit seinen Truppen nicht niederschlagen konnte, verfügte die Abschaffung der Sklaverei. Die Plantagenarbeiter bekamen de jure die Freiheit, wurden bezahlte Arbeitskräfte, allzu viel änderte sich aber nicht für sie. Niemand kümmerte sich um ihre Repatriation nach Afrika (an der “Goldküste” bekamen die Briten das Sagen), im Karibikraum hätten sie nur auf andere von Europäern beherrschte Inseln “gehen” können. Mit dem Ende der Sklavenarbeit war die Zucker-Pflanzerei nicht mehr profitabel und Dänemark verlor das Interesse an seiner Karibik-Kolonie.

Briefmarke Dansk Vestindien 1905

1867 sowie 1902 wurde der Verkauf der Inseln an die USA bereits ziemlich konkret ausgehandelt, kam aus verschiedenen Gründen aber nicht zu Stande. Dann brach der “Erste Weltkrieg” in Europa aus, und die USA wollten den Archipel als weiteren Marine-Stützpunkt, oder ihn zumindest als solchen Anderen vorenthalten, durch eine Inbesitznahme. 1916 wurde der Kaufvertrag unterschrieben, im Dezember dieses Jahres durch ein Referendum in Dänemark “abgesegnet”, dann auch vom dänischen Parlament. Der Preis war 25 Millionen Dollar.26 Im Jänner 1917 trat der Kaufvertrag in Kraft. Am 31. März 1917 nahm die USA Besitz vom bisherigen Dänisch-Westindien, nannten es in US Virgin Islands um. Henri Konow, Marine-Offizier, war 1916/17 letzter dänischer Gouverneur der Inseln, wurde später Minister (in Dänemark). Fast alle Dänen verliessen die Inseln. Vom “dänischen Kolonialreich” war damit nur noch Grönland verblieben.

Die westlichen Virgin Islands werden von der USA als Aussengebiet gehalten, wie Guam oder das benachbarte Puerto Rico. Waren zunächst unter Verwaltung der Marine, dann ziviler, wurden 1954 ein unincorporated territory (nicht-inkorporiertes Territorium der USA) unter “Aufsicht” des USA-Innenministeriums, mit etwas Selbstverwaltung. Die meisten Zuckerrohrfarmen machten in den 1960ern zu, Melasse für Rum muss aus Puerto Rico importiert werden. Wie sehr Vieles. Eine Erdölraffinerie wurde errichtet. Auf den U.S. Virgin Islands leben heute etwa 100 000 Menschen, hauptsächlich Schwarze, Nachfahren der Sklaven, Englisch wurde ihre Sprache, bzw eine Kreolsprache mit Englisch als Basis. Sie haben keine Entkolonialisierung erlebt, die dänische Virginen wurden an die USA verkauft, samt Bevölkerung. Diese wurde auch von der USA nicht ansatzweise als gleichwertige/gleichrangige Bürger angenommen. Terence “Positive” Nelson, Abgeordneter im Inselparlament in Charlotte Amalie: „Es ist eine Kolonie, eine moderne Kolonie, so werden wir behandelt. Sie machen Gesetze und Verordnungen dort im Kongress in Washington, die uns zum Beispiel das Fischen in unseren eigenen Gewässern unmöglich machen. Sie nehmen wenig Rücksicht auf unsere Erwerbsmöglichkeiten.“

Von den ehemaligen dänischen Kolonien sind die nunmehrigen US Virgin Islands das einzige Gebiet, das nach wie vor unter einer (Art) Kolonialherrschaft steht. Eines der USA-Aussengebiete eben, und eines der Gebiete im Kontinent Amerika, die nicht unabhängig sind.27 Das dänische Erbe auf den Virgin Islands? Viele Gebäude stammen noch aus dieser etwa 250-jährigen Kolonialzeit, Burgen, Kirchen, Zuckermühlen,… auch Friedhöfe. Strassennamen. Viele Virgin Islanders tragen die Nach-Namen Jener, die ihre Vorfahren einst als Sklaven hielten, wie anderswo. Einige dänische Wörter finden sich jenem Englisch, das auf den Inseln gesprochen wird, zum Beispiel “Velkommen”. Der Danebrog, die dänische Nationalflagge, findet sich im Wappen der Amerikanischen Jungferninseln. Einst kamen Sklavenschiffe auf die Inseln, heute Kreuzfahrtschiffe. In Frederiksted auf St. Croix wird die Vergangenheit der dänischen Kolonialphase geschichtlich aufbereitet für Besucher (die oft Dänen sind), die Sklaverei und der Widerstand dagegen. Auch dänische Touristen kommen, auch per Direktflug, verstärkt in den letzten 20 Jahren. US-Amerikaner kommen besonders seit dem Umsturz auf Cuba.

Fort Frederik St. Croix

Ebenfalls von der Westindien-Kompanie und ihren Nachfolge-Gesellschaften unterhalten wurden verschiedene Stützpunkte an der Goldküste Westafrikas, die sich weitgehend mit der Küste des heutigen Ghanas deckt. Diese Festungen und Handelsstationen wurden/werden zusammenfassend als “Dänische Goldküste” (Danske Guldkyst), auch als “Dänisch-Guinea” (Dansk Guinea) bezeichnet. Es begann dort mit der Übernahme schwedischer Stützpunkte, Mitte des 17. Jh. Diese Svenska Guldkusten bestand nicht einmal 15 Jahre. Auch Portugiesen, Niederländer, Deutsche (Brandenburg-Preussen), und natürlich Engländer/Briten sicherten sich an dieser Küste Stützpunkte, nicht zuletzt für den Sklavenhandel. Im 18. Jh wurden auch hier die dänischen Besitzungen verstaatlicht, wie bei den Jungferninseln. Fort Christiansborg (heute Osu Castle) in Accra war das wichtigste der Forts – die Drehscheibe für den dänischen Sklavenhandel. Die meisten Virgin Islander dürften Wurzeln an der Goldküste oder dem “dahinter” liegenden Landesinneren haben, in Ghana. Bei Fort Frederiksborg in Kpompo wurde auch etwas Plantagenwirtschaft versucht, bald aufgegeben. 1850 verkaufte Dänemark seine Stationen an der Goldküste an GB, nachdem Konflikte mit der Landesbevölkerung, den Akan, ausgebrochen waren. GB war nun der alleinige Herr an der Küste, die British Gold Coast wurde dann ins Hinterland ausgedehnt.

Einer der dänischen Seefahrer/Kapitäne, die die Kolonien in der Karibik und Indien anfuhren, war Vitus Bering. 1703 wurde er vom russischen Zar/Kaiser Peter I. als Seekapitän der neugebildeten russischen Marine in Kronstadt eingestellt. Aber der Reihe nach. Vom 16. bis ins 18. Jh breitete sich Russland von seinem Kerngebiet im östlichen Europa bis zum Pazifik aus, in Sibirien/ Nordasien, auf die Inseln im Nordpolarmeer/Arktischen Ozean; ausserdem auch in den Kaukasus, in Zentralasien, und auch in Europa. Tschukotka, der Nordost-Zipfel Sibiriens, wurde ab Mitte des 17. Jh von Kosaken erschlossen bzw unterworfen, die Kamtschatka-Halbinsel etwa kam später dran (18. Jh). Die russische Ausbreitung im nördlichen Asien ging über in jene auf dem amerikanischen Kontinent, und hier spielte ja Bering die entscheidende Rolle. Zar Peter “der Grosse” beauftragte am Ende seines Lebens den dänischen Seefahrer in russischen Diensten, den Weg nach Amerika abzuklären.

Bering unternahm von Kamtschatka aus zwei Schiffs-Expeditionen (1728, 1733), die zweite28 war erfolgreich, 1741 entdeckten er und die restliche Besatzung Alaskas Küste und vorgelagerte Inseln, legten auch an. Ab den 1740ern begann das Russische Reich mit der Inbesitznahme des Gebietes, das später “Alaska” genannt wurde, im Rahmen der europäischen Aufteilung Amerikas, wobei die Ansprüche erst 1799 mit der Gründung der Russisch-Amerikanische Kompanie “offiziell” wurden. Das Gebiet wurde mit dem 55. Breitengrad als Südgrenze definiert, die nächste europäische Macht, Spanien, war viel weiter südlich. Für den Osten wurde keine Grenze festgelegt, das britische Ruperts Land war noch weit weg. Die einheimischen Völker in Nordwestamerika/Ost-Beringia/Alaska waren/sind v.a. die Tlingit, Yupik, Aleut/Unangan, Athabaskan (u.a. Denaina), ethnisch-sprachlich-kulturell mit jenen im westlichen Beringia (nun russisches Nordost-Sibirien) und im mittleren und westlichen Norden Amerikas (darunter Kalaallit Nunaat) eng verwandt.

In der späten Neuzeit tat sich in Dänemark Wichtiges. Während der napoleonischen Zeit blieb das Königreich bis zur zweiten Seeschlacht von Kopenhagen (1807) neutral, kooperierte danach mit Frankreich, und musste nach dessen Niederlagen im 6. Koalitionskrieg 1814 in den Kieler Friedensvertrag einwilligen. Darin wurde Helgoland Grossbritannien zugesprochen und Norwegen an Schweden. Die Kolonien und Aussengebiete (Färöer, Island, Grönland, Dänisch-Westindien, Dänische Goldküste, “Dänisch-Ostindien”) behielt bzw bekam Dänemark. Für Norwegen stellte das einen Verlust dar. Seit 1380 mit Dänemark verbunden, hatte man die Färöer und Island in die “Union” (mit dänischer Dominanz) eingebracht, und in Grönland war man auch lange vor den Dänen gewesen, diese Insel wurde auch in dänisch-norwegischer Zeit eigentlich von Norwegen aus “bewirtschaftet”. 1814 wurde Norwegen nicht nur in eine neue Union, mit Schweden, hineingezwungen, es verlor auch diese 3 Nord-Atlantik-Inseln, an Dänemark. Im nun dänischen Island entstand im 19. Jh eine Unabhängigkeits-Bewegung; die Färöer-Inseln waren dafür zu klein und isoliert, in Grönland/ Kalaallit Nunaat/ Grønland/ Greenland/ Groenland gab es die dänisch-norwegischen Siedler und die Inuit, und für keine der beiden Gruppen war Unabhängigkeit damals ein Thema (aus unterschiedlichen Gründen nicht).

Grönland 19. Jh

1848/49 bekam Dänemark, der Zeit gemäß, seine erste Verfassung, begann der Übergang von der absoluten zu einer konstitutionellen Monarchie, die Machtverschiebung vom Königspalast zum Parlament. Mitte 19. Jh verlor Dänemark ja seine Kolonien in Afrika (Goldküste) und Asien (Indien), jeweils an GB, jene in der Karibik/Westindien blieben noch (auch dort war GB der Nachbar, wenn auch nicht der Erbe dann) – dort wurde in jenen Jahren die Sklaverei abgeschafft, was der Erhaltung/Behaltung dieser Kolonie auch die Grundlage entzog. 1863 starb mit König Fredrik VII. die in Dänemark regierende Linie des Hauses Oldenburg aus, und es kam ein Vertreter seiner im 19. Jh entstandenen Seitenlinie Schleswig-Holstein-Söderburg-Glücksburg (meistens zu “Glücksburg” abgekürzt29) auf diesen Thron. Und zwar Christian, der sowohl Fredriks Onkel als auch sein Cousin war. Juniorlinien des dänischen Königshauses bekamen 1863 die Krone Griechenlands und 1905 jene Norwegens. In Dänemark gab es in der Regel patronymische Nachnamen, die sich von Generation zu Generation veränderten, der Vorname des Vaters und ein -sen (früher -søn, zeitweise auch -datter). Nachdem 1828 ein Versuch, feste Nachnamen einzuführen, gescheitert war, wurden 1856 die Patronyme eingefroren (vererbbar gemacht).30 Auch das war eine wichtige dänische Entwicklung dieser Zeit; und die Inuit in Grönland bekamen in der Regel dänische Namen.

Dänemark besteht aus der Halbinsel Jütland/Jylland und 474 Inseln31 in der Ostsee. Von der skandinavischen Halbinsel wurde Dänemark ja im 17. Jh von Schweden herausgedrängt, endgültig aber mit dem “Verlust” Norwegens im 19. Jh. Die Abgrenzung Jütlands nach Süden zu Deutschland war lange umstritten, im Kontext der deutschen Reichs-Neugründung im 19. Jh wurde diese letzte dänische Grenzfrage im 19. Jh virulent. 1864 kämpften Heere des Deutschen Bundes gegen Dänemark um Nord-Schleswig (Südjütland), waren siegreich. Preussen bekam ganz Schleswig, bildete 1866 die Provinz Schleswig-Holstein, die so bis 1920 bestand, ab 1871 im Rahmen des Deutschen Reichs. Die dänisch-deutsche Grenze verlief in dieser Zeit knapp südlich von Kolding. 1905 wurde Norwegen wieder unabhängig, wurde die Union mit Schweden aufgelöst. Norwegischer König wurde ein dänischer Prinz, Christian C. af Slesvig-Holsten-Sønderborg-Glücksborg, als Haakon VII. Sein Vater wurde 1906 König von Dänemark, 1905 war noch Haakons Grossvater dänischer König. Im wieder unabhängigen Norwegen wurde diskutiert, ob Grönland, Island, die Färöer nicht eigentlich zu Norwegen gehörten.

Und wie ging es im Norden Nordamerikas weiter, dem Gebiet südlich von Grönland? Grossbritannien expandierte über sein Ruperts Land in den Norden und Westen, 1783 entstand das North-Western Territory (nordwestlich von Ruperts Land), das stetig wuchs, zum russischen Alaska und zum dänischen Grönland hin. Wobei die Briten den Archipel nördlich der Hudson Bay/ Kangiqsualuk ilua bzw des nordamerikanischen Festlands (die Inseln die zwischen Grönland/ Kalaallit Nunaat und dem Festland liegen, wie Baffin- und Ellesmere Island) zu den British Arctic territories zusammenfassten; diese Aneignung begann schon im 16. Jh, mit den Entdeckungsreisen des Engländers Martin Frobisher, der Inuit-Leute von dort nach England verschleppte. Die Abgrenzung des britischen North-Western Territory im Nordwesten zu Russisch-Amerika (Alaska) wurde 1825 fest gelegt, in einem Abkommen der Regierungen von König George IV. und Aleksandr I.32 1867 wurde Russisch-Amerika an die USA verkauft, in den bestehenden Grenzen. Einige Monate später schlossen die Briten einige ihrer Nordamerika-Kolonien zum Dominion of Canada zusammen.

1870 wurden weitere britische Gebiete an dieses Canada angeschlossen, Rupert’s Land und North-Western Territory, die zusammen zu den North-West Territories wurden. British Columbia folgte 1871, 1880 die Arctic Islands (territories; an die North-West Territories angeschlossen).33 Ende des 19. Jh wurde das Yukon Territory herausgelöst aus den North-West Territories, in Zusammenhang mit Goldfunden dort, angrenzend an Alaska. Im stark besiedelten Südosten der North-West Territories, zum Gebiet zwischen den Seen und der Bucht hin, wurden verschiedene weitere Gebiete herausgelöst, heutige Provinzen; der hier relevante äusserste Norden Canadas, das Gebiet westlich (Festland) und nördlich (Inseln) der Bucht, Gebiet der Inuit, blieb die North-West Territories. Teilweise wurden die Ureinwohner von den Europäern (beginnend mit den Franzosen) in den subarktischen Norden verdrängt, später auch von Briten und Canada, “ihre” Inuit, um Ansprüche auf das Land zu unterstreichen.34 Im früheren 19. Jh noch waren Grossbritannien und USA, Russland, Spanien und dann Mexiko in Nord-Amerika, hinzu kamen das dänische Grönland und Saint Pierre et Miquelon vor Newfoundland (Canada), der letzte Rest des einst riesigen Nouvelle-France. GB (> Canada) und USA kassierten schliesslich alles, ein “Prozess”, der sich essentiell von den 1840ern bis zu den 1860ern abspielte.

In Grönland gab es nach dem zweiten Kolonialisierungsversuch aus Skandinavien anfangs keine autarken Siedlungen wie zuvor die der norwegischen Wikinger, sie blieben von Dänemark-Norwegen abhängig; seit 1814 ist die Insel nur mehr an Dänemark gebunden. Das koloniale Element unter den Insel-Dänen wurde dann aber doch stärker, auf Kosten des händlerischen. Siedlungen/Städte entstanden an den eisfreien Küsten Grönlands, also hauptsächlich an der Südwest-Küste. Allmählich zogen auch Inuits in die Städte. Im 19. Jh gab es noch eine Einwanderung von Inuit ins nördliche Grönland, von den kanadischen Inseln. Der Norden Grönlands war und ist (auch von Inuits) sehr dünn besiedelt; Nordost-Grönland wurde im späten 18., frühen 19. Jh entvölkert, aufgrund der Auswirkungen der Vulkanausbrüche der Laki-Krater in Island 1783-85. Dänisches Recht galt in Grönland nur für Dänen. Der deutsche Forscher, Jurist und Künstler “Carl L. Giesecke” (Johann G. Metzler), in Wien in der selben Freimaurer-Loge wie Wolfgang A. Mozart, reiste 1806 als Mineraloge nach Grönland, verfasste später das geologisch-mineralogische Standardwerk „Mineralogiske Rejse i Grenland“. Die Dänen benannten Berge auf der Insel nach ihm.

Die Inuit erfuhren spätestens ab Beginn des 19. Jh einen grundlegenden Umbruch der Lebensbedingungen, der einen Umbruch ihrer Lebensweise zur Folge hatte. In Grönland/Kalaallit Nunaat eben so wie in Alaska (USA) und Canada (dort gab es sie v.a. in den North-West Territories), aber auch (ihre “Verwandten”) im östlichen Russland. Überall waren sie unter Formen europäischer Kolonialherrschaft gekommen, wurden in der einen oder anderen Hinsicht entwurzelt. Selbständigkeit und Unabhängigkeit wandelte sich zu weitgehender Abhängigkeit von den Kolonialherren und “ihren” Gütern, von Kleidung über Nahrungsmittel bis Waffen; und die damit verbundene Kultur musste angenommen werden. Die Inuit und die anderen Eskimo-Völker mussten sich in einem monetären Wirtschafts-System behaupten, für das sie als Jäger und Fallensteller mit geringer “Produktivität” schlechte Voraussetzungen mitbrachten. Aus der (profitablen) Fischerei-Industrie in diesen Gebieten werden die Eskimo-Völker heraus gehalten. In Grönland haben die Dänen, anders als in der Karibik, keine Sklaverei aufgezogen, da es keine bewirtschaftbare Flächen gab.

Es kam zu einem Wandel von nomadischer zu sesshafter Lebensweise. Das Inuktitut-Wort „ᐃᒡᓗ“ (Iglu) bedeutet eigentlich allgemein „Behausung“, bezeichnet nicht nur Schneehäuser, sondern auch Erdhütten, Holzhäuser, Zelte (im Sommer in manchen Gegenden des Eskimo-Siedlungsraums), die ebenfalls traditionelle Behausungen waren/sind. Schnee-Iglus waren Winterbehausungen, also für einige Monate, oder provisorische Unterkünfte, v.a. bei Jagden. Seit Mitte des 20. Jh leben kaum noch Angehörige von Eskimo-Völkern in solchen Iglus, sondern in Häusern aus Ziegeln, Beton,… oder in Holzhütten. Iglus werden noch hauptsächlich bei Jagdausflügen gebaut, oder für Touristen. Eben so tragen Inuits und andere Eskimo heutzutage oft industriell gefertigte Anoraks – auch wenn das Wort aus der Inuit-Sprache Kalaallisut kommt und ursprünglich die traditionelle Inuit-Bekleidung aus Robbenfell bezeichnete (die eben auch grossteils abgelöst wurde). Meeresgetier ist noch wie früher die wichtigste Nahrung für Inuits, oft aber wird dieses gekühlt in Geschäften gekauft (von internationalen Fangflotten gefischt) anstatt selbst gefangen mit dem Fisch-Speer. Die traditionellen Natur-Religionen des Arktisraums sind längst weitgehend verdrängt, die Eskimo-Völker wurden christianisiert. 1922 kam der (als solcher deklarierte) Dokumentationsfilm “Nanook of the North” (dt. “Nanuk, der Eskimo”) des US-Amerikaners Robert J. Flaherty heraus, über die Inuit in Kanada (im nördlichen Quebec gedreht), als die traditionelle Lebensweise schon im Umbruch begriffen war; Vieles in dem Film war gestellt.

Inuit Alaska, 1924

Vom 18. Jh an (1728) war Grönland von den Dänen in Nord Grønland (mit Godhavn) und Syd-Grønland (mit Godthaab) geteilt. 1911 wurde die Verwaltung von der königlichen Handelsgesellschaft KGH an das Innenministerium transferiert, und je ein Landsråd für die beiden Teilgebiete eingeführt35 Diese wurden indirekt, von den lokalen Räten gewählt, die ab 1862 entstanden. Die lokalen Räte hatten eben so nur beratende Funktion wie die beiden “Landesräte”. Es hatten auch (zunächst) nur Inuit das Wahlrecht, nicht die Insel-Dänen.36 Und die Entscheidungen wurden in Kopenhagen getroffen. Die beiden Teilgebiete Süd- und Nord-Grönland wurden von Inspektoren geführt, die 1925 zu Gouverneuren “aufgewertet” wurden. Ab 1925 durften auch alle männlichen Bewohner Grönlands, also auch ansässige Dänen, für eines der Inselparlamente kandidieren. Diese wurden aber als eine Angelegenheit der Inuit/Grönländer gesehen. Und, in diesem Jahr wurde auch eine eigene Grönland-Verwaltungsbehörde in der dänischen Regierung geschaffen (hauptsächlich dem Innenministerium unterstellt).

Ein wenig etwas zur Erforschung des Arktis-Raums: Diese begann Mitte des 19. Jh, ging ins frühe 20. Jh. Baffin Island, Grönland und Spitsbergen wurden bis dahin noch häufig mit einander verwechselt (von Seefahrern), und dass die Frobisher-“Meeresstrasse” eine Bucht ist (von Baffin Island) musste auch erst verifiziert werden.37 Der Engländer William Baffin (16./17. Jh) war einer der frühen Seefahrer, die sich an die Nordwestpassage heran wagten, sie beschrieben. Baffin starb im Dienste der BEIC in Persien, wo die Portugiesen die Gegner waren. Die Briten benannten die grösste Insel des Kanadisch-Arktischen Archipels nach ihm, als sie dort Herren waren. Auch Grönland wurde in der späten Neuzeit Ziel von Forschungsreisen, zumal in der Kleinen Eiszeit (in etwa frühe Neuzeit) Eisberge seine Ostküste unerreichbar gemacht hatten. Der britische Seefahrer und Offizier John Franklin scheiterte 1845-48 bei seiner letzten Forschungsreise, auf der er die Nordwestpassage auffinden/durchqueren wollte, also den Seeweg vom Atlantik bzw dem amerikanischen Kontinent zum Pazifik bzw Asien, über den arktischen Archipel und die Beringstrasse. Franklins 2 Schiffe fuhren von Europa über Grönland in die nord-amerikanische Arktis, im damals britischen Rupert’s Land starben alle Beteiligten.38

Upernavik (Westküste Grönland), um 1900

Die erste Gesamtdurchfahrt der Nordostpassage (Verbindung Westeuropa-Ostasien am Nordweg, entlang der Küste Sibiriens, bis zur Beringstrasse/Tschuktschensee), gelang, mit einer Überwinterung, dem schwedischen Finnen Adolf E. Nordenskiöld 1878/79. Der Norweger Fridtjof Nansen, der sich später für die Unabhängigkeit Norwegens von Schweden einsetzte, und 5 Weitere durchquerten 1888 Grönland auf Skiern. 1906 gelang schliesslich die Durchfahrt der Nordwestpassage, einem anderen Norweger, Roald Amundsen39. Der Amerikaner Robert Peary will, als erster Mensch, den Nordpol betreten haben. Peary erforschte um die Jahrhundertwende den nördlichen Teil Grönlands; bis dahin wurde spekuliert, dass sich die Insel im Norden über den Nordpol zieht. Wenigstens das hat Peary widerlegt, und damit den Grundstein für amerikanische Ansprüche auf Grönland gelegt – die mit dem Kauf der westlichen Jungferninseln aufgegeben wurden. Peary tastete sich in mehreren Expeditionen an den Nordpol heran40, wobei es auch ungewiss ist, wie weit er vor jener 1908/09 kam. Nansen kam zB 1895 schon ziemlich weit heran.41

1908 startete Peary eine weitere Polarexpedition, nach deren Abschluss er das Erreichen des Nordpols am 6. April 1909 vermeldete. Er reiste mit seinem Team über Ellesmere Island/ Umingmak Nuna auf die nördliche Polkappe, machte den Schlussabschnitt der Reise mit dem Afro-Amerikaner Matthew Henson und den Inuit Egingwah, Seeglo, Ootah und Ooqueah42 als Helfern, die er nicht als gleichrangig sah (das geht aus überlieferten Äusserungen von ihm klar hervor).43 Kurze Zeit bevor Peary und seine Helfer aufbrachen, kehrte Frederick Cook aus der Arktis zurück. Cook, der mit Peary einst zusammen in Grönland gewesen war, behauptete, am 21. April 1908 am Nordpol gewesen zu sein (Peary brach im Juli ’08 auf). Mangels entsprechender Beweise und aufgrund seines Schwindels bezüglich seiner “Erstbesteigung” des Mount McKinley/ Denali wurde Cook jedoch nur von wenigen Fachleuten, darunter seinem Freund Roald Amundsen, anerkannt. Dann kam Peary mit seiner Behauptung des Erreichens des Nordpols, die ihm im Laufe der Zeit immer weniger Menschen glaubten.44 Aber er hatte die mächtige National Geographic Society auf seiner Seite.

Für Roald Amundsen war Pearys Arktis-Expedition ein Ansporn, er setzte sich den Südpol als Ziel; 1910-12 reiste er zur Antarktis, durchquerte sie, erreichte 1911 den Südpol (mit Hundeschlitten), im Wettlauf mit dem Briten Scott  (mit Ponys), der erst ’12 ankam, am Rückweg starb. 1926 gelang Amundsen mit dem Italiener Umberto Nobile und Anderen die Überfliegung des Nordpols. Amundsen verschwand 1928 auf der Suche nach Nobile in der Arktis, der dort abgestürzt war. 1937 flog eine Gruppe sowjetrussischer Wissenschaftler unter Leitung von Iwan Papanin zum Nordpol, betrat sein Umfeld, 1948 kam eine andere (ebenfalls hin geflogen) unter Aleksandr Kuznetsov zum Pol. Der erste Mensch, der den Pol nachweislich auf dem Weg über das Eis erreichte, war der US-Amerikaner Ralph Plaisted, 1968, mit drei Anderen, auf Schneemobilen. Ein Jahr später kam der Brite Walter Herbert mit Hundeschlitten zum Nordpol. Der Deutsche Alfred Wegener, der das Modell der Kontinentalverschiebung aufstellte, machte vier Grönland-Expeditionen mit, 1912–1913 eine Durchquerung. Man nahm Ponys bzw Island-Pferde als Lastenträger, ausserdem einen Hund, alle in Island gekauft und getestet. Vor Erreichen der Westküste (bzw dem Ort Upernavik) hatte man alle Pferde sowie den Hund geschlachtet, am Lagerfeuer gegrillt und gegessen. Der grönländisch-dänische Polarforscher Knud Rasmussen (teilweise Inuit-Herkunft) nahm sich von den 1900ern bis zu den 1930ern den unbekannten Norden von Grönland/Kalaallit Nunaat vor, gründete dort eine Missions- und Handelsstation namens “Thule”.45

Tja, und auch der Untergang der „Titanic“ 1912 in nordamerikanischen Gewässern hatte einen Bezug zu Grönland. Das Schiff krachte dort gegen einen Eisberg, den die Strömung aus Grönland südwärts getrieben hatte – wodurch einige Nietstellen zwischen Stahlplatten im Schiffsrumpf aufgedrückt wurden, Lecks bildeten. Das war also kurz vor dem “1. Weltkrieg” (wie der “2.” ein Krieg der westlichen Mächte gegen einander, mit Einbeziehung “nicht-weisser” Völker und Territorien). Und während diesem verkaufte Dänemark, wir erinnern uns, seine Jungferninseln an die USA. Island wurde 1918 unabhängig in Personalunion mit DK, erklärte sich 1944 zur Republik. Blieben Färöer und Grönland an Aussengebieten. In dem Krieg 1914-18 bzw danach wurde die Grenze Dänemarks zu Deutschland neu festgelegt, seine einzige Landgrenze, damit seine heutigen Grenzen (auch wenn das Königreich als Ganzes dann im 2. WK, von 1940 bis 1945, unter deutscher Besatzung war). Auch wenn im 1. WK im dänisch-deutschen Grenzgebiet nicht gekämpft wurde, die deutschen Behörden misstrauten den dänischen Nordschleswigern, etwa 300 wurden vorsorglich interniert,… – Entsprechendes kam auch anderswo in diesem Krieg vor. Nordschleswig (dän. Nordslesvig, auch Sønderjylland/ Südjütland) kam nach diesem Krieg infolge der deutschen Niederlage ohne Kampf zurück an Dänemark, nachdem eine Volksabstimmung 1920 das demographische Übergewicht der Dänen dort bestätigt hatte; 1921 trat die Grenzänderung in Kraft.

In der Zwischenkriegszeit kam es zu einem Streit zwischen Dänemark und Norwegen um einen Teil Grönlands: Norweger hatten im späten 19. Jh, noch als schwedische “Kolonie”, begonnen, an der Ost-Küste von Grönland zu jagen (Moschusochsen, Schneehasen, Wale,…). Nachdem es 1905 seine Unabhängigkeit wieder gewann, zweifelte Norwegen (Regierungsmitglieder,…) den “Besitztitel” Dänemarks über Grönland/ Kalaallit Nunaat an, sich darauf berufend dass dieser eigentlich erst durch durch Abtrennung Norwegens von Dänemark 1814 zu Stande gekommen ist. Norwegen weigerte sich, die dänische Oberhoheit über die unbesiedelten Gebiete Grönlands anzuerkennen, sah dieses Land als Niemandsland. 1919 kam es in Oslo zu einer Unterredung zwischen dem damaligen norwegischen Außenminister Ihlen und dem dänischen Botschafter in Norwegen; darin protestierte der Däne gegen die norwegischen Fischerei- und Jagdaktivitäten in Ost-Grönland. Ihlen sagte die norwegische Anerkennung der dänischen Souveränität über ganz Grönland zu. Diese war also noch nicht gefestigt/unumstritten. 1921 erklärte Dänemark ganz Grönland und die Hoheitsgewässer darum herum zu seinem Hoheitsgebiet. Norwegen blieb bei seinen Ansprüchen auf den Osten Grönlands, der einst von ihm aus kolonialisiert worden war, der von ihm aktuell genutzt wurde; nur die von Dänemark besiedelte und genutzte Südwest-Küste anerkannte es als dänisch. Und errichtete 1922 eine Station namens “Myggbukta” (Mückenbucht).

1924 einigten sich Vertreter der beiden Staaten, unterzeichneten einen Vertrag, Norwegen wurde das Recht auf die Nutzung der unbewohnten Teile Ost-Grönlands eingeräumt, aber nicht exklusiv. Die Frage der Souveränität wurde offen gelassen. Als Dänemark aber 1930 eine Expedition in die „norwegischen“ Gebiete ankündigte, eskalierte der Streit erneut. Aus Norwegen kamen “postwendend” mehrere Forschungsexpeditionen und Fangflotten nach Ostgrönland. Man begann 1931 dort mit dem Bau von Hütten, um dort Besiedelung zur Tatsache zu machen. Es kam ein Walfänger, der das Gebiet beanspruchte, dann gleich von der norwegischen Regierung unterstützt wurde.46 Norwegen beanspruchte nun das mittlere Ost-Grönland, das eine terra nullius gewesen sei, nannte es “Eirik Raudes Land”, nach jenem Wikinger, der gut 1000 Jahre zuvor dort gelandet war, die europäische Präsenz dort begründet hatte. In das beanspruchte Gebiet wurde anscheinend kein Militär geschickt, obwohl der private Anspruch gleich “verstaatlicht” wurde. Das Territorium hatte eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 460 Kilometern, war im (vereisten) Landesinneren nicht klar definiert/abgegrenzt. 1932 kam noch ein Gebiet südlich davon dazu, dieses wurde “Fridtjof Nansen Land” genannt.

In Norwegen regierte damals die Bondepartiet (Bauernpartei), mit Vidkun Quisling als Verteidigungsminister.47 König Norwegens war Haakon VII., jener Dänemarks Christian X., sein Bruder.48 Während der “Besetzung” 1931-33 war ein Helge Ingstad als Sysselmann (Gouverneur bzw Vertreter der norwegischen Regierung) verantwortlich für Eirik Raudes Land und Fridtjof Nansen Land. 1933 einigten sich Dänemark und Norwegen, die Sache vor den Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Und dieser entschied gegen Norwegen – das das Urteil anerkannte und aus Ost-Grönland abzog.49 Norwegen gab seine Ansprüche auf (Teile von) Grönland/ Kalaallit Nunaat 1933 auf. Dänemark nannte die umstritten gewesene Region “König-Christian X-Land”.

Norwegen war in der Zwischenkriegszeit überhaupt “imperialistisch” ausgerichtet, bestrebt, sich diverse “in Frage kommende” Aussengebiete einzugliedern. Hat damals diverse unbewohnte Inseln und Gebiete im Arktis- und Antarktis-Raum angeeignet, die bis heute zu ihm gehören, wie den Svalbard-Archipel. Norwegen beanspruchte auch die Sverdrup-Inseln, zwischen Ellesmere Island und Grönland; der Norweger Otto Sverdrup hatte diese Ende des 19. Jh von Grönland aus erforscht – und auch für sein Land reklamiert. Das unabhängige Norwegen zeigte daran aber kein Interesse, bis 1928. Wobei es die Sverdrup-Inseln (bzw den Anspruch darauf) eigentlich als Faustpfand gegenüber Grossbritannien einsetzte, für die Anerkennung der Ansprüche auf die Inseln Jan Mayen (Arktis) und Bouvet (Antarktis). Die Sverdrups lagen “bei” Canada, aber erst mit dem Westminster-Statut von 1931 bekam dieses von GB weitgehende Unabhängigkeit (zusammen mit Australien, Neuseeland, Südafrika). 1930 gab Norwegen die Ansprüche auf die Sverdrup-Inseln auf, im Gegenzug anerkannte GB die norwegische Souveränität über die Mayen und Bouvet.

Dänemark und Norwegen waren im 2. WK von Nazi-Deutschland besetzt, von 1940 bis 1945, aber beide nur vergleichsweise „oberflächlich“. Grönland wurde nicht von der Wehrmacht besetzt, die Kontrolle Dänemarks über diese Insel riss somit 1940 ab. Dagegen besetzten Truppen der USA 1941 Grønland/Kalaallit Nunaat. Es ging dabei darum, einem möglichen deutschen “Heranrücken” an Nordamerika entgegen zu wirken. Der dänische Botschafter in der USA, Henrik Kauffmann, sagte sich 1940 von der bis 1943 (unter deutscher Besetzung) amtierenden dänischen Regierung los und “gestattete” der USA 1941 die Besetzung Grönlands. Kauffmann tat sich mit den Gouverneuren für Nordgrönland, Eske Brun, und für Südgrönland, Aksel Svane, zusammen. 1941 reiste Svane in die USA aus und Brun zog von Godhavn/Qeqertarsuaq nach Godthaab/Nuuk um, wurde quasi Verwalter für ganz Grönland, wobei die USA nun die entscheidende Macht war; die beiden Landesräte hatte ohnehin auch in Friedenszeiten wenig zu sagen. Noch 1941 zwangen die USA Brun und Svane ein “Verteidigungsabkommen” auf, durch das in Grönland zahlreiche amerikanische Militärstützpunkte errichtet wurden. In der Hauptsache waren das die Luftwaffenbasen “Bluie West-1” in Narsarsuaq im Süden und “Bluie West-8” in Søndre Strømfjord (Kangerlussuaq; Südwesten). Aus ihnen wurden zivile Flughäfen, die bis heute in Gebrauch sind, die wichtigsten Grönlands neben jenem von Nuuk. Auch entstand, im Nordwesten, in Thule, eine Wetterstation (“Bluie West-6”).

Norwegen stand 40-45 unter Herrschaft von “Reichskommissar” Josef Terboven, 42-45 gab es eine Regierung unter Quisling dazu (bzw darunter).50 Gustav Smedal und Adolf Hoel, zwei Aktivisten in Quislings Nasjonal Samling, waren engagiert in der Grønlandssaken, der Sache bzw dem Streit um Grönland zwischen Dänemark und Norwegen, den sie als nicht beigelegt sahen bzw wieder aufnehmen wollten. Die beiden norwegischen Nationalisten waren diesbezüglich auch im Norges Ishavskomité aktiv, Smedal der Jurist und Hoel der Geologe (Erforscher des Svalbard-Archipels), und richteten ihr Anliegen an die Nazi-Besatzer sowie das norwegische Kollaborationsregime unter Quisling, der ja im diesbezüglichen Streit 1931-33 engagiert gewesen war. Vidkun Quisling war auch für eine “Rückgabe” Grönlands an Norwegen für den Fall eines deutschen Sieges im Krieg, vor und nach der US-amerikanischen Besetzung Grönlands im April 41. Die Deutschen hatten allerdings kein Interesse daran, auf Grönland eine weitere Front zu eröffnen.

Die Führung des “nationalsozialistischen” Deutschen Reichs “begnügte” sich im Arktis–Subarktis-Raum mit Versuchen, Wetterstationen auf Grönland sowie diversen zu Norwegen gehörenden Gebieten/Inseln zu errichten, 1941-44, Aktionen die unter verschiedenen Tarnnamen liefen. „Unternehmen Haudegen“ auf Spitzbergen (Svalbard-Archipel) wurde bekannt, da die Männer in der 1944 errichteten Station das Kriegsende gewissermaßen verpassten, im September 45 von einem norwegischen Fischereischiff “evakuiert” wurden. Alle Versuche bezüglich Grönland konzentrierten sich auf die Ostküste, misslangen schliesslich, wurden von US-Streitkräften aufgebracht, zum Teil in Kämpfen, zT gelang ein(e) Rückzug/Evakuierung, auch dänische Soldaten waren an der Seite der Amerikaner dabei. Kauffmann, Brun und Svane, die dänischen “Statthalter” für Grönland unter USA-Herrschaft, erlaubten den Besatzern die Ausbeutung von Kryolith-Vorkommen aus der Mine in Ivigtut im Südwesten, ein Mineral das zum Giessen und Schleiffen verwendet wird. Viel mehr an “Reichtümern” hatte die Insel nicht zu bieten. Im Gegenzug wurde Grönland/ Kalaallit Nunaat von USA und Canada mit diversen Gütern versorgt.

Gefangennahme von Teilnehmern des “Unternehmens Edelweiß II” am 4. Oktober 1944

Grönland war zur Zeit des Krieges in Europa und im Pazifik-Raum die Kolonie eines besetzten Landes, wurde von einem anderen Land besetzt, hinzu kamen die erneuerten norwegischen Ansprüche, seine militärische Nutzung als Luft- und See- Hafen durch Briten und Kanadier. Wobei der Grossteil seiner Bevölkerung, die Inuit, mit dem Ganzen gar nichts zu tun hatten, von allen Seiten einfach ignoriert wurden, in diesem Krieg der Europäer bzw Westmächte gegen einander. Die Insel wurde während dieses Krieges strategisch wichtig, aber davon hatte die Bevölkerung eigentlich nichts (Positives). Der Krieg leitete jedenfalls das Ende der Isolation Grönlands ein, die Dänemark aus wirtschaftlich-strategischen Gründen “verhängt” hatte. Von Albert Speer heisst es, dass er am Kriegsende erwog, per Flugzeug nach Grönland zu flüchten. Er liess sich aber dann in Schleswig-Holstein von britischen Soldaten festnehmen, beim endgültigen Untergang des “Dritten Reichs” dort. Die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland wurde wieder zurückgesetzt, Nordschleswig ging zurück, die Grenze verlief wieder südlich von Apenrade/Aabenraa, nicht mehr südlich von Kolding. Dänemark versuchte nach dem Krieg sogar, Süd-Schleswig von Deutschland zu bekommen. Was ein Dreh- und Angelpunkt für Flüchtlinge/Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten geworden war.

Grönland hatte im 2. WK strategische Bedeutung gehabt (bekommen), behielt sie danach im Kalten Krieg (der ja losging kaum dass der Krieg vorbei war), da es auf der kürzesten Linie zwischen den Supermächten USA und UdSSR (SU) lag, mitten im Nordatlantik51, sich auch als “Beobachtungsposten” eignete in den Augen von Strategen. Die USA zogen 1945 wieder aus Grönland ab, die dänische Herrschaft wurde wieder hergestellt. Truppen der SU (Rote Armee) waren am Ende des 2. WK auf Bornholm. 1946 bot die USA aber Dänemark an, Grönland/Kalaallit Nunaat zu kaufen, wie einst die Virgin Islands, für 100 Millionen Dollar, was die dänische Regierung ablehnte. Damals, 1917, im Rahmen des Kaufes von Dänisch-Westindien, hatte die USA ihre “Ansprüche” auf Grönland aufgegeben. Dänemark war 1949 Mitbegründer bzw Gründungsmitglied der NATO. Und die USA behielten ihr gepolitisches Interesse an der dänischen Kolonie. Der Gouverneur von Nordgrönland, Brun, hatte im Krieg zusammen mit den US-Behörden Grönland verwaltet, behielt eine pro-amerikanische Ausrichtung. 1947 wurde er Vizepräsident der Grönland-Verwaltung, 1949 ihr (letzter) Präsident, als Nachfolger von Oldenow.

Die USA drängte in den späteren 1940ern auf Einflussnahme und einer neuen Nutzung von Militärbasen und Wetterstationen in Grönland, verpackte militärische Absichten in Forschungsaktivitäten, auf Gebieten wie Meteorologie, Geologie, Glaziologie – sowohl inhaltlich als auch vom Aufbau einer Präsenz dort. 1951 willigte die dänische Regierung ein, den USA-Militärstützpunkt in Thule/Umanaq im Norden Grönlands wieder beleben zu lassen. Nun wurde dort nicht nur die Wetterstation wiederbelebt, sondern ein Luftwaffen-Sützpunkt errichtet, 1951 bis 1953. Weichen (bzw aufgegeben werden) mussten dafür die Siedlungen Thule/Umanaq/Dundas und Pituffik. Die (Inuit-) Bewohner wurden in die Qaanaaq-Region in der Nähe umgesiedelt, wo nun eine Stadt dieses Namens errichtet wurde, inoffiziell auch “neues Thule” genannt. Den Namen “Thule” trägt seither nur mehr die Thule Air Base, Qaanaaq ist die nächst gelegene Ortschaft, Umanaq und Pituffik gibt es nicht mehr. Die Zwangsumsiedlung führte zu einem jahrzehntelangen Rechtsstreit der betroffenen Inuit mit dem dänischen Staat, bei dem der Politiker Ûssarĸak K’ujaukitsoĸ (Siumut), der aus Umanaq stammte, eine wichtige Rolle spielte. Es heisst, schwerverwundete US-Soldaten wurden aus dem Korea-Krieg zum Streben auf Thule gebracht.

Manche sagen, die eigentliche Kolonisierung Grönlands begann erst in dieser Zeit, was auch mit dem geostrategischen Interesse zu tun hatte, aber auch mit einer stärkeren Anbindung an die “Aussenwelt”, durch Flugzeuge und Eisbrecher. Jedenfalls war es mit der Isolation Grönlands spätestens nach dem Krieg, wenn nicht schon während dessen, zu Ende. Es entwickelte sich auch eine Anbindung an das eigentlich näher (als Skandinavien) liegende Nordamerika. Nach dem 2. WK begann allgemein die Entkolonialisierung nicht-europäischer Gebiete von europäischen Mächten, bis 1965 lief sie grösstenteils. Grönland war (ist) ein Sonderfall, da in Nordamerika, und unwirtlich und in US-amerikanischem militärischen Interesse,… Die UNO nahm das dänisch beherrschte Grönland bald auf ihre Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung, wie zB auch Guam. 1946 sprachen sich die beiden “Landesräte” (Teilparlamente) Grönlands für graduelle Reform, keinen “radikalen Wechsel” aus. Die dänische Regierung setzte 1948 eine Kommission ein, die über die Zukunft der Insel “nachdenken” sollte. Diese gab 1950 den Abschlussbericht ab, aufgrund dessen es bald zu gravierenden Änderungen kam.

Eine dänische Verwaltungsreform für Grönland 1950/51 schuf die beiden Teil-Kolonien Süd- und Nord-Grönland ab, nun gab es nur noch einen Gouverneur und einen Landsråd, die Verwaltung wurde in Godthaab/Nuuk zentralisiert, das Hauptstadt wurde. Der Landsråd wurde nun direkt gewählt; 1948 war das Frauenwahlrecht für die beiden Räte eingeführt worden, dennoch wurden bis 1979 nur ganz wenige Frauen gewählt, wie auch ganz wenige Dänen. Grönländische Parteien entstanden erst in den 1970ern, bis dahin wurden Personen gewählt. Entschieden wurde einstweilen weiter in Kopenhagen, nun im Grønlandsdepartement, das dem Premierminister unterstand. Das Monopol der KGH für den Handel mit Grönland wurde abgeschafft. Es blieben aber die Fremdbestimmung und die ungleichen Gesetze für (bzw die ungleiche Stellung von) Dänen und Inuit. Bis zur Verfassungsreform von 1953. Mit dieser wurde auch die Thronfolge geändert, womit die älteste der drei Töchter von König Frederik IX., Margrethe, Kronprinzessin werden konnte. Die sozialdemokratische Mehrheit (Regierung Hedtoft-Hansen) im dänischen Parlament, dem Folketing52, leitete damals aber auch grundlegende Änderungen Grönland betreffend ein.

Grönland/ Grønland/ Kalaallit Nunaat wurde 1953 von einer dänischen Kolonie zu einer Übersee-Provinz “umgewandelt”, war jetzt Teil Dänemarks. Und ein Amt davon. Amter waren die Verwaltunsgeinheiten Dänemarks, seit 1662, ihre Zahl bzw ihre Zuschnitte änderten sich immer wieder. 2007 wurden sie abgeschafft bzw umgewandelt. Mit dieser “Erhebung” Grönlands wurden seine Einwohner auch dänische Staatsbürger, also jene die das noch nicht waren, und das waren die Inuit. Der Landsråd, das Parlament, blieb, wurde nicht aufgewertet mit Selbstverwaltunsgaufgaben bzw einer Regierung, war aber jetzt ein Provinzparlament. Als ein(e) Amt/Provinz durfte Grönland ab ’53 auch (zwei) Abgeordnete in das dänische Parlament entsenden. Die Färöer(-Inseln)53, das andere Aussengebiet, bekam 1948 Selbstverwaltung/Autonomie, die 2005 aufgewertet wurde.

Dänemark liess die grönländischen Inuit bis 1953 vereinfacht gesagt links liegen. Das Ende dieser Politik, die Einbindung in dänische Angelegenheiten, brachte für diese aber auch Nachteile. Bis dahin wurden sie von der dänischen Kolonialisierung ihrer Insel sehr wohl berührt, ihr traditioneller Lebensstil war schon Anfang des 20. Jh mehr Folklore bzw anthropologisches Anschauungsmaterial als Realität (wie auch in Alaska und Canada), aber sie wurden in vieler Hinsicht in Ruhe gelassen, auch von Amerikanern oder Nazis, wenn diese Wetterstationen auf der Insel errichteten. Mit dem Ende des Kolonialstatus setzte nun eine Politik der “Dänifizierung”, der aufgezwungenen kulturellen Assimilation, ein. Die dänische Sprache wurde in allen Bereichen verlangt bzw promotet; Grönland-Inuit die studieren wollten, mussten nach “Kern-Dänemark” gehen; viele Kinder wurden dort in Internate gebracht. Es war ähnlich wie in Australien mit den “Aborigines”. Diese Politik erreichte aber auch das Gegenteil ihres Zwecks, nämlich eine Rückbesinnung der Inuit/Grönländer auf ihre kulturellen Wurzeln sowie das Aufkommen des Verlangens nach Autonomie und Unabhängigkeit. Die „Unterentwicklung“ Grönlands versuchte Dänemark mit einer Industrialisierung wett zu machen, die Insel war ja jetzt ein Teil Dänemarks, wenn auch vom Rest “etwas” abgeschnitten. In diese Zeit fällt auch der Bau des Wohnhauses “Blok P” in Godthåb/Nuuk, 1965/66, im Zuge der “Modernisierungs”-Bemühungen für Grönland/Kalaallit Nunaat. Etwa 1% der Bevölkerung der Insel wohnte in seinen 320 Wohnungen. Der Blok sollte Leute von ihren “Siedlungen” an der Küste weg bringen, urbanisieren.54

Über Niels Bohr und seine „Verbindungen“ zu den Atomwaffenprojekten Nazi-Deutschlands wie der USA Einiges im Artikel über die deutsche Atombombe. Dänemark verfügt über keine Atomwaffen, ist Unterzeichner bzw Mitglied des Atomwaffensperrvertrags (NPT; 1968/70). Es ist unter dem “nuklearen Schirm” der NATO bzw der USA; und die USA hat im dänischen Grönland immer wieder Atomwaffen stationiert. Und, 1955/56 wurde in einem Fjord im Süden, beim Dorf Narsaq, Uran gefunden. Hier kommt wieder Bohr “ins Spiel”. Der Physik-Nobelpreisgewinner von 1922 war nach dem Krieg ein Verfechter der friedlichen Nutzung der Kernenergie, kam einige Wochen nach den ersten Funden bei Narsaq auf die Insel, hoffte dass damit die Versorgung für dänische Atomkraftwerke gegeben sei. Dänemark hat dann keine AKWs gebaut, aber das Uran in Grönland ausgebeutet – bis 1988, als das grönländische Parlament ein Moratorium bezüglich der Förderung von uran-haltigen Mineralien beschloss.

Dänemark erlaubte der USA 1951 nicht nur die Benutzung und den Ausbau von Thule, sondern auch die Errichtung weiterer Militärstützpunkte in Grönland. Nicht weit von der Thule Air Base, im Nordwesten Grönlands, entstand Camp Century, 1958/59. Dänemarks Ministerpräsident Hans C. Hedtoft-Hansen (47-50, 53-55) gestattete der USA zudem 1957, Atomwaffen auf der Thule Air Base zu stationieren. Aber davon wussten sogar in der dänischen Regierung nur Wenige. Camp Century war von 1959 bis 1967 in Betrieb, es bestand aus langen Tunneln im Eis (8 Meter unter der Oberfläche), besaß einen Kernreaktor zur Energieversorgung, ein Krankenhaus, Geschäfte, ein Kino, eine Kapelle, konnte bis zu 200 Soldaten beherbergen. Und sollte zu einem gigantischen Projekt erweitert werden, Project Iceworm, unterirdische Abschussvorrichtungen für Atomraketen in Grönland. Doch die Amerikaner realisierten, Iceworm würde nicht funktionieren. Das Eis bewegt sich ständig und macht es unmöglich, dauerhafte unterirdische Anlagen zu errichten. Ab 1964 wurde Camp Century nur noch gelegentlich genutzt, 1967 kapitulierte das Militär der USA vor Mutter Natur und zog von dort ab, man nahm immerhin die Reaktionskammer des Reaktors mit, der grösste Teil des Restes wurde zurück gelassen, darunter auch nukleare Abfälle.

Bau Camp Century

In dänischen Behörden war man neugierig, was in der “Stadt unter dem Eis” vor sich ging, erfuhr aber nichts. Man setzte daher einen Dänen, der als Soldat auf die nahe Thule-Luftwaffenbasis arbeiten durfte, darauf an. Erik Jørgen-Jensen, 1960 bis 63 dort tätig, teilte seine Beobachtungen regelmäßig an seine Kontakte im dänischen Militärgeheimdienst DDIS in Kopenhagen mit. Erst 1997 wurde dies öffentlich bekannt, v.a. in Dänemark. Ebenfalls mit Atomwaffen der USA in Grönland hatte der Absturz eines B52-Kampfflugzeugs am 21. Januar 1968 zu tun. Der Bomber hatte vier Wasserstoffbomben an Bord, flog eine “Chrome Dome”-Mission (mehr dazu unten) über der Baffin Bay (die Grönland von Canada trennt), nahe der Thule-Basis. Es gab ein Bordfeuer, der Notausstieg von 6 der 7 Crewmitgliedern gelang, mit Fallschirmen55.

US-Truppen Grönland

Der Flieger mit den Bomben stürzte in das Eismeer vor der Küste Grönlands, die 4 Bomben detonierten, wobei es zu keiner vollen Nuklearexplosion kam. Dennoch wurde ein grosses Gebiet an Eis und Meer radioaktiv verstrahlt – und auch Angehörige der amerikanischen und dänischen Bergungstrupps. Die Wasserstoffbomben wurden im Eismeer geborgen, heisst es. Doch es halten sich Meldungen, Berichte, Gerüchte, wonach eine Bombe (teilweise) nicht aufzufinden war. Dass es später noch grosse Suchaktionen nach der vermissten vierten Bombe gab, teilweise, dass diese später (1979 wird genannt) gefunden wurde. Der Unfall liess sich jedenfalls nicht vertuschen und er führte zeitweise zu Spannungen zwischen USA und Dänemark. Wobei die Haupt-Betroffenen die in der Gegend lebenden Inuit waren/sind. Teilweise bekamen sie Entschädigung. Die amerikanische Luftwaffenbasis Thule, mit seinem “aufgemotzten” Ballistic Missile Early Warning System, macht Grönland natürlich weiter verwundbar, zu einer Art Zielscheibe gegebenenfalls.

Der “Broken Arrow” – Unfall bei Thule 1968 führte zur Einstellung der “Operation Chrome Dome“, einer Nuklearkrieg-Strategie der USA (ab 1960 implementiert), die eine ständige Präsenz von nuklearwaffen-bestückten amerikanischen Kampffliegern vorsah. Die vor Grönland möglicherweise “verschwundene” H-Bombe wird als eine von elf verschollenen Nuklear-Bomben der USA gesehen. Relativ bekannt ist auch noch der Fall des U-Boots “USS Scorpion” ein paar Monate später (Mai 68), das im Atlantik sank, was 99 Seeleute/Soldaten tötete; 2 nukleare Torpedos gingen dabei verloren.56 Es war einer von 4 rätselhaften bzw nicht ganz geklärten U-Boot-Unfällen oder -Verschwinden in diesem Jahr, die anderen waren das israelische “INS Dakar”, das französische “Minerve” und das sowjetische “K-129”. Beim Absturz einer B-52 (ebenfalls auf “Chrome Dome”-Flug) ins Mittelmeer vor Palomares (Spanien) 1966 kam es wie in der Baffin Bay 68 zu einer Detonation, dort wurden die 4 Wasserstoff-Bomben (bzw ihre Überreste) aber gefunden.

1972 wurde Margrethe af Slesvig-Holsten-Sønderborg-Glücksborg nach dem Tod ihres Vaters neue dänische Königin (Margrethe II.), ist es seither.57 Ihre britische Kollegin Elizabeth II. ist noch 20 Jahre länger Königin, Margrethe ist dahinter der/die am zweitlängst dienende Monarch(in) Europas, und Dänemark wird als älteste Monarchie Europas gesehen. Aber seit mittlerweile 170 Jahren liegt ja die Macht bei den Regierungen, die sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützen müssen. 1973 trat Dänemark, mit Grönland, der EWG/EG/EU bei, einem Referendum im Jahr davor folgend. Bei dieser Abstimmung gab es dänemark-weit über 63% Zustimmung für den Beitritt, in Grönland aber eine klare Mehrheit (70%) dagegen. Und gut 90% der Grönländer sind Inuit. Das Votum kam wohl aus Sorge um die Fischerei vor den Küsten der “Insel”, die den Inuit ohnehin schon grossteils “weggenommen” wurde. Und aus Unbehagen, darüber, dass im Fall eines Beitritts zur EWG/EEC nicht nur in Kopenhagen über Grönland entschieden würde, der Einfluss von Aussen noch wachsen würde.

Aber, da Grönland damals einfach eine (überseeische) Provinz Dänemarks war und keine substantielle Selbstverwaltung hatte58, wurde es als Teil Dänemarks Teil der EWG. Die Färöer hatten Selbstverwaltung und brauchten so nicht zusammen mit (dem Rest von) Dänemark in die EWG gehen. Grönland war nicht das einzige nicht-europäische Gebiet in der EWG/ EG/ EU. Diese Entwicklung brachte dem politischen Aktivismus unter den Inuit Grönlands, die für Rückbesinnung auf eigene Werte und Selbstverwaltung war, in den 1970ern Zulauf. Dieser Aktivismus wurde hauptsächlich in der sozialdemokratischen Siumut (kalaallisut “Vorwärts”) organisiert, die 1971 als Bewegung, 1977 als Partei gegründet wurde. Die Befürchtungen vor Überfischung durch Fangflotten verschiedener europäischer Länder bewahrheiteten sich auch. Die dänische Regierung unter Anker Jørgensen (Sozialdemokraten) bzw ihre parlamentarische Mehrheit willigte in ein Referendum in Grönland über Autonomie (bzw Devolution) ein, das im Jänner 1979 statt fand. Etwas über 70% der Stimmberechtigten waren dafür.59

So bekam Grönland 1979 Autonomie innerhalb Dänemarks. Eine eigene Regierung, eine Aufwertung des Parlaments (umbenannt in Grønlands Landsting bzw Kalaallit Nunaanni Inatsisartut), die Selbstverwaltung in vielen Belangen, darunter Bildung, Fischerei und die Kontrolle über die eigenen Bodenschätze. Die dänische Regierung behielt natürlich auch die Souveränitätsrechte, die Aussen- und Verteidigungspolitik. Das dem dänischen Premierminister unterstehende Grønlands-Department wurde aufgelöst. Und statt dänischen Gouverneuren gab es nun Hochkommissare (Rigsombudsmand) in Grönland. Im Zuge der Autonomie kam es auch zu einer Aufwertung der Inuit-Sprachen und einer Abwertung des Dänischen, auch dies ein Ausdruck des anti-kolonialistischen Geistes. Die Sprache der Inuit Grönlands gibt es in mehreren regionalen Varianten, sie gehört zu den Eskimo–Aleut-Sprachen, ist mit den anderen in Canada, USA und Russland verwandt, am engsten natürlichen mit den anderen Inuit-Sprachen, wie Inuktitut. Die wichtigste Inuit-Sprache (oder Dialekt…) ist das im Westen verbreitete Kalaallisut, Sprache der Kalaallit, der Inuit in West-Grönland. Daneben gibt es noch die im Osten verbreiteten Tunumiit und ihre Sprachvariante sowie die Inughuit im Norden mit ihrem Inuktun oder Avanersuarmiutut. Es kam (ab) 1979 zu einer Grönlandisierung/Inuitisierung von Ortsnamen, die Hauptstadt Godthåb wird seither nur noch mit ihrem Inuit-Namen Nuuk genannt.

1979 gewann die antikolonialistische und euroskeptische Siumut die erste Wahl zum Landsting. Ihr Spitzenmann Jonathan Motzfeldt, ein lutheranischer Priester, einer der treibenden Kräfte für die Gewinnung der Autonomie, wurde Premierminister, blieb dies nach weiteren Wahlsiegen bis 1991. Das unter dänischer Herrschaft seit dem 18. Jh in Grönland verbreitete lutheranische (evangelische) Christentum hat sich unter den Inuit klar durchgesetzt, der traditionelle Schamanismus ist nur noch rudimentär vorhanden. Grönland war lange der Diözese Kopenhagen zugehörig, wurde 1993 eine eigene Diözese, mit einem Inuit als Bischof. Eine der vordringlichen Ziele der ersten grönländischen Regierung unter Motzfeldt war der Austritt aus der E(W)G. Dazu wurde ein(e) Volksabstimmung/Referendum angesetzt, 1982, bei der 53% für einen Austritt stimmten. 1982 bis 1984 wurde zwischen Nuuk, Kopenhagen und Brüssel über die Bedingungen verhandelt, 1985 wurde der Austritt vollzogen, trat der “Grönland-Vertrag” in Kraft. Grönland trat in eine “spezielle Beziehung” mit der EG (der Dänemark natürlich “treu” blieb), wird zB weiter als Übersee-Territorium der EU gesehen. Grönländer mit ihrer dänischen Staatsbürgerschaft blieben Bürger der EG/EU.60

Die heutige grönländische Flagge wurde 1985 angenommen; andere damals in Erwägung gezogene Entwürfe/Vorschläge beinhalteten alle das skandinavische Kreuz. Was die Wirtschaft Grönlands betrifft: Die Meerestiere vor seinen Küsten waren und sind Grönlands grösster Schatz. Es kommen sogar noch Wale vor die Küsten, trotz der jahrzehntelangen Jagden. Fischerei dominiert die Wirtschaft klar, ist nun zu einem grossen Teil in den Händen der Grönländer. Die Skandinavier haben übrigens verschiedene (Land-) Tiere nach Grönland gebracht (Schafe, Rentiere, Hunde,…), die dort heimisch wurden. Auch in der Fischerei mussten sich die Inuit auf industrielle Lebens- und Arbeitsbedingungen umstellen. Ob die Selbstmorde und der Alkoholismus unter ihnen damit zu tun haben? Die dänische Handelsgesellschaft für Grönland, KGH, kam 1979 unter Kontrolle der grönländischen Regierung, 1986 wurde aus ihr die Kalaallit Niuerfiat (KNI; “grönländischer Handel”), als Firmen- und Markennamen wählte man 1990 “Royal Greenland”. KNI ist zu 100 % in “staatlichem” Besitz Grönlands, hat eine eigene Fangflotte sowie Verarbeitungs-/ Produktionsstätten in Grönland, Europa und Canada.61

Die Besiedlung von Grönland/Kalaallit Nunaat ist wie erwähnt klar auf die Südwest-Küste konzentriert, wo sich auch die Hauptstadt Nuuk (früher Godthab) befindet; der Südosten und der Nordwesten sind spärlicher besiedelt; der extrem “unwirtliche” Nordosten und das Landesinnere nicht. Schon seit frühesten Kolonialzeiten konzentrierte sich die Besiedlung auf den Südwesten (wo die Küsten grossteils eisfrei sind), also auf die Amerika zugeneigte und Europa abgeneigte Seite. Von den etwa 56 000 Einwohnern Grönlands sind etwa 90% Inuit und 10% ethnische Dänen.62 Die grönländischen Inuit sind in der Regel evangelisch, zweisprachig, haben dänische Namen63 und leben nur noch in Ausnahmefällen traditionell. Es gab und gibt eine Auswanderung von Grönland-Inuit ins eigentliche Dänemark, und eine von Dänen nach Grönland. Etwa 15 000 Inuit leben in Dänemark ausserhalb Grönlands, in der Diaspora gewissermaßen, manche temporär, manche schon seit Generationen. Auch in Canada gibt es eine solche Binnenmigration von Inuit (und anderen “Indigenen”) – und solange Grönland nicht unabhängig ist (von DK), ist es eine Binnenmigration. Die Grönland-Dänen leben hauptsächlich in Nuuk, sind schon lange nimmer die Oberschicht.

Noch ist Grönland wirtschaftlich von Dänemark abhängig, es heisst fast die Hälfte des grönländischen Budgets, rund 500 Millionen Euro, kommt jährlich aus Kopenhagen. Ausser dem Verkauf eines Teils seines Fischfangs hat Grönland einstweilen nur den Tourismus als zuverlässige Einnahmequelle. Viele Kreuzfahrtsschiffe legen an. Aber: der Klimawandel soll die Ausbeutung von Bodenschätze unter dem Eis, das 80% Grönlands bedeckt, zulassen, jenen die sich darunter befinden oder vermutet werden: Öl, Uran, Erze sowie seltene Erden, die zur Produktion von Elektronikprodukten, Elektro- und Hybridautos verwendet werden. Dabei soll China eine wichtige Rolle spielen, zum Unmut vieler westlicher Mächte. Für Grönland sollte sich dadurch der Verzicht auf dänische Zuschüsse und damit die Unabhängigkeit ausgehen. Aber in diesem Szenario würde sich Grönland/Kalaallit Nunaat stark verändern. Die Erderwärmung ist für das Land nicht nur eine Chance, auch eine Gefahr, in mehrerer Hinsicht. Die Existenz der verlassenen USA-Militärbasis “Camp Century” wurde ja erst 1997 bekannt. Noch immer ist nicht ganz klar, was genau dort unter dem Eis liegt, aber neben tausenden Tonnen “gewöhnlicher” Müll und Schrott sollen es auch grosse Mengen Dieselöl, gefrorenes Abwasser, krebserregende Chlorverbindungen und gefrorenes, schwach radioaktives Kühlwasser aus dem Reaktor sein.64 Berechnungen zufolge65 dürfte die Anlage in etwa 70 Jahren an die Oberfläche kommen.

A propos Klimawandel: Es ist ein Däne, der eine Art Prophet der Klimawandel-Skeptiker wurde, der Statistiker Björn Lomberg. 2010 vollzog er dann eine halbe Kehrtwende, anerkannte die Existenz des Klimawandels und das Anliegen des Engagements dagegen, gefällt sich aber weiter in der Rolle des Gegenschwimmers. Die Klimakrise ist in Australien ein entscheidendes/bestimmendes politisches Thema geworden, nach dem die Rechte (Liberal Party und Partner) sie lange weg leugnete, eine Auseinandersetzung mit dem Klimawandel als ideologisch unzumutbar/unvereinbar/unmöglich/… sah. Die LP ist dabei, sich umzustellen, wobei sie in manchen Wahlkreisen nach wie vor den Kopf in den Sand steckt. In der Republican Party (USA) oder bei der AfD (wo die Klimawandel-Skeptiker von Broder Feuerschutz bekommen) wird das noch etwas dauern. Die globale Erwärmung betrifft ja nicht nur Kalaallit Nunaat sondern die gesamte Arktis-Region, auch die Nordpol-Eiskappe. Wenn das Eis dort taut, wird der Zugang zu den am Meeresgrund vermuteten Bodenschätzen frei bzw einfacher. Die Arktis-Anrainerstaaten bringen sich bereits in Stellung dafür, Canada, Russland,…oder Dänemark, das über sein Aussengebiet Grönland Gebietsansprüche in der Arktis erhebt. Ende ’14 legte Dänemark im Streit um den Nordpol nach: Neue Messdaten Grönland betreffend sollten den Gebietsanspruch des skandinavischen Staates beweisen.

Jonathan Motzfeldt 07

Jonathan Motzfeldt (1938 – 2010) war grönländischer Premier von 1979 bis 1991, eher er aufgrund eines Alkohol-Problems zurücktreten musste. Sein Parteikollege Lars E. Johansen folgte ihm, und 1997 bis 2002 war wieder Motzfeld Regierungschef. Dann kam es wieder zu einem Personenwechsel, aber erst 09 zu einem Machtwechsel, nachdem die Inuit Ataqatigiit (IA) mit Kuupik Kleist die Wahlen gewann. Nach einer Periode “Unterbrechung” ist die Siumut wieder an die Macht zurück gekehrt. Die Atassut war viele Jahrzehnte die wichtigste Partei hinter Siumut und die Opposition zu die von ihr gebildete Regierung, sie verlor seit 2002 sukzessive. Die Atassut ist gegen eine Unabhängigkeit Grönlands, sie war sogar gegen Autonomie Grönlands innerhalb Dänemarks, gegen den Austritt aus der EG, für Anbindung an die NATO, ausserdem für Privatisierungen. Einer ihrer ersten Führer, Lars Chemnitz, ein Grönland-Däne (in Nuuk geboren), verliess Grönland in den 1990ern und ging nach Dänemark. Zwischen Siumut und Atassut haben sich in den letzten 17 Jahren (seit der Wahl 2002) Inuit Ataqatigiit und die DemokraterneDemokraatit geschoben. Die IA ist wie die Siumut zumindest für grössere Unabhängigkeit des Landes von Dänemark, die Demokraten wie Atassut dagegen. Gegen Unabhängigkeit bzw Separatismus ist auch Samarbejdspartiet/ Suleqatigiissitsisut, gewissermaßen eine Abspaltung von den Demokraten.

2008 ein Referendum über eine Erweiterung der Autonomie, mehr Kompetenzen für das eigene Parlament, es gab eine Zustimmung. Somit darf Grönland seit 2009 über fast alle seine Belange selbst bestimmen, bekommt dafür weniger Geld aus Kopenhagen, wo fast nur noch Aussen- und “Verteidigungs”politik verbleiben.66 Auch in diesen Bereichen wird von Dänemark aber nun erwartet, sie nicht über die Grönländer bzw ihre gewählten Vertreter hinweg zu regeln. Und Grönland bekam das Recht auf die volle Unabhängigkeit! Dänisch wurde ’09 als offizielle Sprache des Landes gestrichen. Es bleibt aber wichtig in Grönland bzw für Grönländer. Kalaallisut (“West-Grönländisch”) wurde 09 offizielle Sprache. Auch Englisch wurde in Grönland wichtig, zur internationalen Verständigung und mit den Nachbarn in Nordamerika. Auch die Verwaltungsstruktur wurde 2009 geändert. Von 1950/51 bis 2008 war Grönland in 3 Bezirke/Amter unterteilt, West-, Ost-, Nordgrönland. Mit der Einführung der Autonomie 1979 wurden die Namen grönlandisiert, auf Kitaa, Tunu, und Avannaa. Die Amter waren in Gemeinden/Kommuner unterteilt, ab 1979 18. Mit den Reformen 2008/09 wurden statt der 3 Amter 4, dann 5 Kommuner als oberste Verwaltungseinheit eingeführt. Hinzu kommt der Nationalpark im Nordosten, 1974 geschaffen, das grösste Territorium, gleichzeitig das am wenigsten besiedelte. Die Thule Air Base liegt exterritorial in der Kommune Avannaata (Norwesten). Unter den Kommuner gibt es jetzt 18 Distriket (die früheren Gemeinden), darunter die eigentlichen Gemeinden.

Grönland ist weiterhin eine europäische Kolonie, in Amerika; oder ein Gebiet das unter der Souveränität eines europäischen Staates steht, aber nicht in Europa liegt. Island gehört geographisch eigentlich auch nicht zu Europa, die Färöer liegen am Rande Europas – wie Türkei, Russland, Teile Spaniens, Zypern,… Auch Norwegen hat einige Aussengebiete, die ausserhalb Europas und Skandinaviens liegen. Dänemark selbst wird auch als Übergang von Mitteleuropa nach Skandinavien gesehen anstatt als Teil Skandinaviens. Die beiden autonomen dänischen Aussenbesitzungen werden manchmal in die Reihe der 5 souveränen skandinavischen Länder gestellt. Wie auch das finnische Autonomiegebiet Aaland/Åland. Die Region Lappland/ Sapmi, die sich auf 3 Länder verteilt (oder 4, mit Russland), hat eine eigene Flagge, die Lappen/Samen-Aktivisten entwarfen. Von den 3 baltischen Staaten hat Estland die stärksten Beziehungen zu Skandinavien (genauer zu Finnland), Lettland hat relativ enge zu Schweden.

Dann gibt es im nordwestlichen Russland, Gebieten die unter Zar Peter “dem Grossen” russisch wurden, Gebiete bzw Völker mit Bezügen zu Skandinavien, Völker die zT schon assimiliert wurden; Ingermanland, Karelien oder die Wepsen haben inoffizielle Flaggen als Symbole die das skandinavische/nordische Kreuz beinhalten. Auch die Shetland-Inseln haben eine solche Flagge, offiziell. Auch nicht-autonome Verwaltungseinheiten skandinavischer Länder, wie Skåne in Schweden, haben Symbole/Flaggen mit dem nordischen Kreuz. Für die Normandie gibt es eine inoffizielle Flagge mit dem nordischen Kreuz, die 1937 designed wurde eingedenk der normannischen Vergangenheit und die von der Autonomiebewegung Mouvement normand verwendet wird. Und die Wirmer-Flagge in Deutschland, von Josef Wirmer, im Widerstand gegen den NS engagiert, nach skandinavischem Vorbild als deutsche Nationalflagge entworfen und 1948/49 als solche für Westdeutschland erwogen, dann in modifizierter Form Parteifahne der CDU, seit etwa 2010 von rechtsextremen Gruppierungen verwendet.

Zur Verbindung von Grönland mit Island gehören Eisschollen, die von der Ostküste Grönlands nach Island treiben. Manchmal treiben Eisbären darauf. In Island werden diese in der Regel abgeschossen. In Amerika sind auch nach der Entkolonialisierung einige Gebiete abhängig geblieben, von europäischen Staaten oder der USA, vom äussersten Norden (Grönland/Kalaallit Nunaat) bis zum äussersten Süden (Falkland/Malvinas), und Einiges dazwischen, hauptsächlich in der Karibik. Grönland ist im Wartestand zur Unabhängigkeit, sie wird wahrscheinlich kommen, und das in gar nicht so ferner Zukunft. Bei Tibet oder Schottland ist das, aus verschiedenen Gründen, sehr ungewiss. Anders als Hongkong oder Guam ist Grönland kein nicht-souveränes Gebiet das bei Olympischen Spielen unabhängig auftritt, ein NOK hat. Aber im Handball ist es unabhängig geworden, seit Ende der 1990er. Die Vorliebe für diesen Sport ist etwas von Dänemark Übernommenes. Sowohl Inuit als auch Grönland-Dänen spielen es. Grönland gehört im Handball zum panamerikanischen Kontinentalverband (PATHF), nicht zum europäischen. Der Neffe von Ex-Premier Motzfeldt, Hans Peter, war einer der wichtigsten grönländischen Handballer bislang.67

Dänemark unterdrückt die Unabhängigkeits-Bewegung (Parteien,..) nicht, auch nicht die Grönland-Inuit an sich (nicht mehr). Es sieht nicht danach aus, dass Dänemark die Unabhängigkeit Grönlands verhindern will…oder doch? Reichtum an Bodenschätzen durch den Klimawandel, die strategische Lage zur Arktis hin (wo ebenfalls durch Eisschmelze Reichtümer erhofft werden), und die neorechten Strömungen in Europa, auch in Dänemark stark… Andererseits, die rund 500 Millionen Euro, die jährlich aus Kopenhagen kommen, im Falle der Unabhängigkeit Grönlands anderwärtig verwendet würden. Grönland ist, von der Besiedlung her, nicht “weiss” geworden (weil zu unwirtlich), ist nicht näher an Dänemark heran gerückt, ist bei Nord-Amerika geblieben, und wurde von Dänemark auch nicht weiter eng an sich gebunden (weil als nicht wichtig genug gesehen).

Die Dänen dort dürften mehrheitlich den Verbleib Grönlands bei Dänemark bevorzugen, somit die Parteien Atassut und Demokraten. Im Falle der Unabhängigkeit (der wohl eintreten wird) wird es eben Dänen in Grönland/ Kalaallit Nunaat geben, einer ehemalige Kolonie, wie auch in Deutschland (Süd-Schleswig, auch ein ehemals dänisches Gebiet) oder Auswanderer in USA oder Canada (bzw ihre Nachfahren; wie Viggo Mortensen oder Leslie Nielsen), die dann Teil der dänischen Diaspora sind. Gewisse Bindungen Grönlands an Dänemark würden ohnehin bleiben, aber dann kann die grönländische Mehrheitsbevölkerung diese festlegen. Grönland-Dänen wären auch nicht in einer Situation wie die in Algerien gebliebenen Franzosen, da es keinen Unabhängigkeits-Kampf (bzw Unterdrückung der Unabhängigkeit) gab/gibt. Eher wären sie mit den Franko-Kandiern zu vergleichen, oder den in Schottland lebenden Engländern nach einer Unabhängigkeit Schottlands. Oder doch eher mit den Russen im Baltikum nach dem Ende der SU?

Die dänische “Fortschritts-Partei” (FrP) wurde 1972 von Mogens Glistrup gegründet, konzentrierte sich anfangs auf wirtschaftsliberalen Populismus (Forderung nach radikalen Steuersenkungen,…) und Kalte-Krieg-Rhetorik, in den 1980ern kam die Einwanderung bzw die Ausländer als Thema hinzu. Der Libertarismus wurde immer weniger und der Nationalismus immer mehr68. 1995 spaltetet sich eine Gruppe unter Pia Kjaersgaard von der FrP ab und konstituierte sich als “Dänische Volkspartei” (DF), nicht aus inhaltlichen Gründen, wurde die grössere Partei der beiden. Im November 2001 wurde die DF Dritte bei der dänischen Parlamentswahl; sie sicherte die parlamentarische Unterstützung der Minderheitsregierungen von Anders Fogh Rasmussen und Lars Løkke Rasmussen (beide Venstre/V), von 2001 bis 2011 und seit 2015. Nach dem Wahlerfolg 2015 (zweitstärkste Kraft) wurde Kjaersgaard Parlamentspräsidentin.69 Auch für die dänischen Rechtsparteien DF und FRP scheint Grönland (und seine Dänen) kein Anliegen zu sein. Die DF bezeichnet sich inzwischen als „nativistisch“, als Vertreterin der eingeborenen Einwohner gegen Immigranten. So hätten die Akan an der Goldküste oder die Inuit in Grönland vielleicht auch auftreten sollen, gegen die Kolonisatoren.

Die “verlorenen” Kolonien sind im dänischen politischen Diskurs noch weniger ein Thema. Die US Virgin Islands, vor etwas mehr als 100 Jahren abgegeben, an eine andere Kolonialmacht, mit einer Bevölkerung, die aus Afrika (grossteils Goldküste) entwurzelt worden ist, sind wahrscheinlich die einzige der ehemaligen Kolonien, die ein nennenswertes dänisches Erbe haben (siehe oben). 2017 dort die 100-Jahr-Feier der Übergabe an die USA, der dänische Ministerpräsident Lars L. Rasmussen kam, zeigte etwas Reue für die diesbezügliche dänische Vergangenheit. Eine offizielle Entschuldigung sprach er nicht aus, um sich nicht auf Entschädigungsforderungen einzulassen. Er bot immerhin ein Stipendien-Programm für Studenten von den amerikanischen Virgin Islands in Dänemark an. Eine Auseinandersetzung mit der eigenen kolonialistischen Vergangenheit, die gar nicht so unbedeutend war, ist aber kein wirkliches Thema in Dänemark. Chauvinismus funktioniert auch in Dänemark längst so, “Wir sind ihnen überlegen weil wir so tolerant sind” et cetera.70 Die dänische Marine, die einst Menschen aus Afrika in die Karibik brachte, um sie auf Plantagen Sklavenarbeit verrichten zu lassen, unternimmt heute im Roten Meer vor Afrika Einsätze gegen Piraten.

Grönland wählte 2018 ein neues Parlament. Sieben Parteien traten an, fünf von ihnen wollen die Unabhängigkeit von Dänemark. Siumut siegte vor Inuit Ataqatigiit; die beiden Grossparteien bekamen zusammen nur mehr etwas über 50% der Stimmen. Dahinter die Demokraatit. Sie und Atassut, die anderen Unabhängigkeits-Skeptiker, bekamen zusammen etwa ein Viertel der Stimmen – wahrscheinlich ein guter Gradmesser für die Stimmung in der Bevölkerung. Es gibt die Grönländer, die nicht sicher sind, ob es das Land ohne “Hilfe” aus Dänemark schaffen kann. Siumut-Chef Kim Nielsen bildete wieder eine Regierung, mit Atassut und der Kleinpartei Nunatta Qitornai. Die Färöer/ Færøerne/ Føroyar, 18 Inseln (Streymoy, Eysturoy,…), bekamen 1948 Autonomie, damit dürfte es sich haben. Und die fussballerische Unabhängigkeit.71 Die Färöer hat Dänemark ja wie Grönland durch die Vereinigung mit Norwegen “kassiert”, beide liegen eigentlich näher bei Norwegen. Die Bevölkerung dort stammt aus Skandinavien, die Inseln sind kleiner, haben “keine Geschichte” vor der “Kolonialisierung”, hätten es in jeder Hinsicht schwieriger, sich zu behaupten,.. eine Unabhängigkeit würde nicht viel Sinn machen. Sie wählen ebenfalls 2 Abgeordnete in das (die?) Folketing, wie Kalaallit Nunaat.

Was am Weg zu einer Unabhängigkeit Grönlands eine Rolle spielen wird, ist die US-amerikanische Militärpräsenz. Manche grönländische Politiker setzen sich für eine Neuverhandlung des Abkommens von 1951 ein, das dieser Militärpräsenz zu Grunde liegt, und das von Dänemark für Grönland abgeschlossen wurde. Eine von der Naalakkersuisut (Regierung von Grönland) eingesetzte Kommission für Selbstverwaltung (1999–2003) sprach sich dafür aus, die Thule Air Base unter die Aufsicht der United Nations zu stellen. Die USA sind daran interessiert, den Stützpunkt zu behalten, aufgrund der strategischen Lage Grönlands, und, WikiLeaks zufolge, auch wegen der Natur-Resourcen/Bodenschätze des Landes, hauptsächlich Erdöl… Die Inuit sind Nordländer, aber vermutlich nicht weiss genug, als gleichberechtigte “Westler” behandelt zu werden, zumindest nicht von einer Trump-Regierung. Der Stützpunkt liegt nahe Qaanaaq, der nördlichsten Stadt Grönlands und der Welt, in der “Kommune” Avannaata (Nordwesten), die nicht viel kleiner als Frankreich ist (und etwas über 10 000 Einwohner hat).72

1993 bis 2019 gab es viele Regierungen in Dänemark unter 3 Rasmussens (einem Sozialdemokraten, 2 von Venstre), dazwischen (2011-15) regierte Helle Thorning-Schmidt (Sozialdemokratin), als erste und bislang einzige weibliche Premierministerin des Landes. Der Hauptcharakter in der dänischen TV-Serie “Borgen” (2010-13), Birgitte Nyborg, hat etwas von Thorning, obwohl die Serie geschaffen wurde bevor diese Regierungschefin wurde. Der Serienname bezieht sich übrigens auf “die Burg”, Christiansborg Palast in Kopenhagen, Amtssitz des dänischen Premierministers, ausserdem des Parlaments und des Obersten Gerichtshofs. In der vierten Folge von “Borgen”, “100 Tage”, geht es auch um Grönland und die USA-Präsenz dort. Darin bekommt die TV-Journalistin Katrine, die mit dem Spin-Doctor der Premierministerin befreundet ist, Wind davon dass das USA-Militär die Thule-Basis für Transporte illegaler (afghanischer) Gefangener verwenden. Nyborg (Sidse Babett Knudsen) geht der Sache nach, besucht Grönland, lernt das Land etwas kennen, während Katrine unter Druck gesetzt wird. Im Roman “Fräulein Smillas Gespür für Schnee” von Peter Hoeg (1992; 1997 verfilmt) steht das Verhältnis von Grönland und Dänemark (in Person der Smilla Q. Jaspersen) im Mittelpunkt, während er vordergründig Kriminalroman ist. Smilla hat(te) einen dänischen Vater und eine grönländische Inuit als Mutter…und hat ein Gefühl für Schnee.

Innaarsuit (NW-Grönland)

Nächster Nachbar Grönlands ist Ellesmere Island/ Umingmak Nuna, das zum kanadischen Territorium Nunavut gehört, wie auch Baffin-Island/Qikiqtaaluk, das etwas weiter südlich und getrennt durch die Baffin Bay von Grönland liegt. Der Ort Alert auf Umingmak Nuna liegt “gegenüber” von Qaanaaq. Im Osten sind die nächsten Inseln schon etwas entfernt, Island, Spitsbergen,… Ellesmere/Umingmak ist von der Nordwestspitze Grönlands durch die Nares-Strasse getrennt, dort liegt Hans Island/ Tartupaluk (und noch zwei weitere kleine Inseln). Dänemark beansprucht sie, über seine Souveränität über Grönland, eben so wie Canada, Inuit von beiden Seiten jagen und fischen dort, vor allem hat die Insel Hans aber eine Bedeutung für Schiffsverkehr und Rohstoffsuche, liegt nahe der Thule-Militärbasis. Dänemark und Canada teilen sich zur Zeit gewissermaßen die Souveränität über das Inselchen. Die Baffin-Bucht ist normalerweise nicht schiffbar, wegen des Eises. Baffin Island/Qikiqtaaluk ist die 5tgrösste Insel der Welt, die grösste kanadische; sie wurde von Eskimos besiedelt, von Wikingern angefahren, von den Briten in Besitz genommen, sie gehörte zur Hälfte zum North-Western Territory, zur anderen zum British Arctic Territory.

Und nun auch zu Nunavut, dem kanadischen Territorium, das Grönlands Nachbar ist. Nunavut (ᓄᓇᕗᑦ) wurde 1999 aus den NW Territories heraus gelöst73, es umfasst den Grossteil des kanadischen arktischen Archipels (wie Baffin Island, wo die Hauptstadt Iqaluit liegt), Inseln in der Hudson Bay, etwas Festland. Canada besteht sonst überwiegendst aus Festland, mit ein paar Inseln im Osten. Nunavut ist die fünft-grösste Verwaltungseinheit global, mit über 2 Mio qkm (20% der Fläche von Canada), ist circa so gross wie Mexico, und noch einmal halb so dünn besiedelt wie Grönland.74 Es ist die grösste kanadische Verwaltungseinheit (es ist ein Territorium, keine Provinz) und jene mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Die etwa 35 000 Einwohner sind v.a. Inuit. Möglicherwiese sind auch dort die Wikinger hin gekommen, in Kontakt mit den (Proto-) Inuit getreten. 1953-55 wurden Inuit aus Quebec (Nunavik) dorthin deportiert, diese sind zT verhungert.

Rund um den Nordpol, in den Anrainerstaaten des Arktischen Ozeans/ Nordpolarmeers, leben zu einem guten Teil (nicht in den europäischen Teilen) Völker, die Vieles mit einander gemeinsam haben. Dieses Gebiet erstreckt sich vom Osten des asiatischen Teils Russlands nach Nordamerika, bis Grönland. “Eskimo” wird als Sammelbezeichnung für die indigenen Völker im nördlichen Polargebiet verwendet. Ursprünglich wurden damit von Cree- und Algonkin-Indianern die (mit ihnen nicht verwandten) Völker im nördlichen Polargebiet bezeichnet, u.a. die Inuit, soll „Schneeschuhflechter“ bedeuten. Die beiden Hauptgruppen sind die Inuit, im Gebiet von östlichem Beringia bis Grönland (also in Nordamerika), und die Yupik in Nordost-Sibirien bzw -Asien sowie Alaska. Verwandt sind die Aleuten in Alaska. Yupik gibt’s in Alaska und Tshukotka, Aleut/Unangan in Alaska und Kamtschatka (die Aleuten-Inseln sind zwischen diesen beiden Regionen geteilt), diese beiden Völker überbrücken gewissermaßen die Beringstrasse. Verwandt, ethnisch und kulturell, sind auch die Tschuktschen östlich der Beringstrasse, gegenüber Alaska, in Tschukotka. Dieses Gebiet kam im 17./18. Jh unter Herrschaft der Russen, wurde 1930 (SU) ein Autonomer Kreis, blieb das bis heute. In dem Gebiet, das ungefähr so gross wie Alaska ist, machen Tschuktschen nur mehr etwa ein Viertel der Bevölkerung aus. Der russisch-israelische Oligarch Roman Abramowitsch war von 2000 bis 2008 Gouverneur von Tschukotka, ungewollt.

Das prinzipielle Siedlungsgebiet der Inuit ist also auf den kanadischen Norden (Nunavut, Northwest Territories, Yukon), Alaska (USA) sowie Grönland (noch zu Dänemark) aufgeteilt. In Grönland und Nunavut bilden sie die Mehrheit. Nur Grönland hat von diesen Gebieten die Aussicht, unabhängig zu werden. Die Inuit sind auf mehrere Staaten aufgeteilt, wie Chinesen, Deutsche oder Somalis; es schaut danach aus, dass sie einen eigenen, unabhängigen bekommen werden. Traditionell lebt nur noch ein Teil der Inuits und anderer Eskimo-Völker.75 Mit 90% „Indigenen“-Anteil an der Bevölkerung stünde Kalaallit Nunaat klar an der Spitze in Amerika, vor Bolivien (dort gibt es v.a. Quechua/Inka), Guatemala (Maya), Peru (Inka), Ecuador (Inka). Siedlungs-(bzw Siedlungsrest-) Schwerpunkte der Indigenen in Amerika sind der hohe Norden (Arktis und Subarktis, darunter Grönland, Eskimo-Völker), das mittlere Mittelamerika (Süd-Mexico, Guatemala, Belize,…v.a. Maya) und der Nord-Anden-Raum im Nordosten Südamerikas (Peru, Bolivien,… v.a. Inka). In den meisten Ländern Süd- und Mittelamerikas dominieren Mischlinge mit meist indianischem Einschlag, in manchen machen “reine” Indigene einen stattlichen Bevölkerungsanteil aus, etwa in Mexico, Chile, Paraguay, Honduras, Belize. Bei der Bestimmung des Bevölkerungsanteils kommt es darauf an, welchen Parameter man heran zieht, Rasse, Kultur, Sprache,…76 Mancherorts gibt es, verschieden starke, „indianische“ Sezessionsbewgungen, der Mapuche in Chile, der Lakota in der USA, der Zapoteken in Mexico,… In Bolivien gibt es die meisten „Indios“, und die stärkste Wiederbelebung ihrer Kultur und Macht, seit Evo Morales. In Guatemala ist bezüglich einer echten Gleichberechtigung ein Ringen im Gange.

Literatur & Links

Knud Rasmussen: Myter og Sagn fra Grønland 1-3. 1: Østgrønlændere (1921). 2: Vestgrønland (1924). 3: Kap York-distriktet og Nordgrønland (1925)77

Eva Heinzelmann, Stefanie Robl, Thomas Riis (Hg.): Der dänische Gesamtstaat – ein unterschätztes Weltreich? (2006)

Sverker Sörlin (Hg.): Science, Geopolitics and Culture in the Polar Region: Norden Beyond Borders (2013)

Erik Beukel, Frede P. Jensen, Jens Elo Rytter: Phasing Out the Colonial Status of Greenland, 1945-54: A Historical Study (2010)

Axel Kjær Sørensen: Denmark-Greenland in the Twentieth Century (2009)

John Steckley: White Lies About the Inuit (2007)

Thomas S. Umlauft: Das Normannische Grönland (2009). Geschichte-Diplomarbeit Universität Wien bei Meta Niederkorn

Jean Malaurie: Der Ruf des Nordens: Auf den Spuren der Inuit (2001)

Jörg-Peter Findeisen: Dänemark − von den Anfängen bis zur Gegenwart (1999)

Erling Porsild: Greenland at the Crossroads. In: Arctic
Vol. 1, No. 1 (Spring, 1948), S 53-57

Rauna Kuokkanen: The pursuit of Inuit sovereignty in Greenland. In: Northern Public Affairs, July 2017, S 46-49

Manuela Holzmayer: Schneemobil versus Hundeschlitten (2012). Soziologie-Diplomarbeit Universität Wien bei Verena Träger

Niklas Thode Jensen und Gunvor Simonsen: Introduction: The historiography of slavery in the Danish-Norwegian West Indies, c. 1950-2016. In: Scandinavian Journal of History, 41:4-5 (2016), S 475-494

Martin Breum: The Greenland Dilemma: The quest for independence, the underground riches and the troubled relations with Denmark (2015)

Daniel P. Hopkins: Peter Thonning, the Guinea Commission, and Denmark’s Postabolition African Colonial Policy, 1803-50. In: The William and Mary Quarterly, Third Series, Vol. 66, No. 4, Abolishing the Slave Trades: Ironies and Reverberations (Oct., 2009), S 781-808

Jens Dahl: Greenland: Political Structure of Self-Government. In: Arctic Anthropology Vol. 23, No. 1/2 (1986), S 315-324

Jonathan Søborg Agger und Lasse Wolsgaard: All Steps Necessary: Danish Nuclear Policy, 1949-1960. In: Contemporary European History Vol. 15, No. 1 (Feb., 2006), S 67-84

Johannes Dörflinger: Die Nordwestpassage-Theorien von 1731–1823 (1969). Geschichte-Dissertation Universität Wien bei Günther Hamann

Isidor Paiewonsky: Eyewitness Accounts of Slavery in the Danish West Indies. St. Thomas, US Virgin Islands (1987)

Kirsti Laura W. Langsholdt: Å gjenerobre gammelt norsk land. Norsk ekspansiv nasjonalisme i Grønlandssaken og Nasjonal Samlings Austrveg-prosjekt (2016). Geschichte-Diplomarbeit Universität Oslo (Norwegisch/Bokmal)

José Mailhot: Au pays des Innus: Gens de Sheshatshit (1999)

Cindy Vestergaard: Going non-nuclear in the nuclear alliance: the Danish experience in NATO. In: European Security, 23:1 (2014), S 106-117

Hurst Hannum: Autonomy, Sovereignty, and Self-Determination: The Accommodation of Conflicting Rights (Procedural Aspects of International Law) (1996)

Finn H. Eriksen: Grønlandssaken: Dansk grønlandspolitikk og norske reaksjoner 1909- 1933 (2010). Geschichte-Diplomarbeit Universität Oslo (Norwegisch/Bokmal)

Jean Malaurie: Les Derniers rois de Thulé: avec les Esquimaux polaires, face à leur destin (1955)

Einar-Arne Drivenes, Harald Dag Jølle, Ketil Zachariassen (Hg.): Norsk polarhistorie (2004)

Robert Bohn (Hg.): Deutschland, Europa und der Norden: ausgewählte Probleme der nord-europäischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert (1993)

‘You can’t live in a museum’: the battle for Greenland’s uranium

Hanne Petersen: Privileges, Rights and Advantages: Inuit, Danish and European Subjects in the Making. In: Scandinavian Studies in Law, Volume 53 (2008), S 205-218

Zu Frobishers Entdeckungsfahrten

Hans Rüesch: Top of the World (1950)78

Rudolf Trebitsch: Bei den Eskimos in Westgrönland. Ergebnisse einer Sommerreise im Jahre 1906 (1910)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Die DR Congo (Kongo) ist sogar 77 mal so gross wie Belgien, das dort Kolonialmacht war
  2. Afrika hängt über Sinai-Gaza eigentlich an Eurasien dran, da der Suezkanal nicht natürlich ist, eben so wenig wie der Panamakanal
  3. Dass die Erstbesiedlung Amerikas über die Beringia-Landbrücke erfolgte, davon wird eigentlich erst nach den Ausgrabungen in Clovis (New Mexico, USA) in den 1930ern ausgegangen. Die “Clovis-Kultur” war die erste prähistorische Kultur auf dem amerikanischen Kontinent
  4. “Beringia” bezeichnet heute Tschukotka/ Nordost-Sibirien, das Beringmeer bzw die Beringstrasse (früher eine Landverbindung dort) sowie Alaska/Nordwest-Amerika, umfasst Land und Meer
  5. Im Norden Skandinaviens die Lappen, im Osten die mit ihnen verwandten Finnen
  6. Die im späteren Russland aktiven Wikinger werden Waräger genannt
  7. Gesichtet wurde sie zuvor schon von einem Seefahrer namens Gunnbjörn
  8. Die nächsten Europäer, die an die Küste (des betreffenden Teil) Nordamerikas kamen, waren die Franzosen, gut 500 Jahre nach den “Proto-Norwegern”
  9. Dorthin kamen auch Kelten aus Irland/Eire
  10. Wikipedia teilt die Inuit-Geschichte in Prä-Dorset-Kultur (Saqqaq,…), Dorset-Kultur, Thule-Kultur, und in „Historische Periode der Inuit“ (> Kontakte mit Europäern). Auch anderswo wird von einer “Pre-contact history” gesprochen
  11. Ausserdem herrschte die Oldenburger Hauptlinie in Deutschland regional; 1751 kam die Neben-Linie Schleswig-Holstein-Gottorp (oder: Gottorf) auf den schwedischen Thron, bis 1818; 1762 wurde der dann “Peter III.” Genannte russischer Zar, auch er gehörte zur Gottorper Linie, seine Nachkommen regierten unter dem Namen Romanow-Holstein-Gottorp bis 1917 in Russland
  12. Schonen (Skåne), Blekinge und Halland (das eigentliche Herkunftsgebiet der Dänen), fielen 1658 an Schweden, auch Bornholm zunächst, gelangte aber schon zwei Jahre später wieder an Dänemark. Die Bezeichnung “Skandinavien” leitet sich von “Skane” ab
  13. Zur Zeit des Beginns des dänischen Kolonialismus’, siehe unten
  14. Es ist nicht ganz klar, wann die “Wiederentdeckung” Grönlands durch Europa “begann”. Zeitweise, im Rahmen der Kleinen Eiszeit, dürfte die Ostküste durch südwärts driftende Eisberge unerreichbar gewesen sein. Unter König Christian IV. gab es Anfang des 17. Jahrhunderts drei dänische Grönland-Expeditionen
  15. Oder ein Norweger dänischer Herkunft?
  16. Zum Beispiel im Vaterunser, wo es heisst „Unser tägliches Brot gib uns heute“: die Inuit kannten damals kein Brot. Egede übersetzte „Unseren täglichen Seehund gib uns heute“
  17. Ab 1733 kamen zB Missionare der Herrnhuter Brüdergemeinde, einer Glaubensgemeinschaft die aus Mähren stammte und sich in Sachsen niedergelassen hatte
  18. Wurde erster dänischer Gouverneur Grönlands, bzw der dänischen Einrichtungen dort, schlug eine Meuterei seiner Soldaten nieder
  19. Vergleiche Frankreichs Dritte Republik, entstanden nach der Niederlage gegen Deutschland, mit dem Verlust von Elsass und Lothringen, und die forcierte Kolonialpolitik ihrer frühen Jahre
  20. Es wurde auch etwas lutheranische Mission betrieben
  21. Wenn man alle nicht-europäischen Aussen-Gebiete als Kolonien betrachtet
  22. BAC; ab 1692 „Brandenburgisch-Afrikanische-Amerikanische Compagnie“ (BAAC)
  23. Nach einer Königsgemahlin benannt
  24. Bei der Rückreise nach Europa kam die “Fredensborg” vor der norwegischen Küste in einen Sturm und sank
  25. Das sind nicht jene Freiheiten, von denen Abendlandretter wie Andreas Koller (“Salzburger Nachrichten”) schreiben, dass unsere Vorfahren jahrhunderte-lang darum gekämpft haben, sie “Wesenskern der westlichen Welt” seien. Das waren auch nicht seine Vorfahren. Dass es ein 1848 auf St. Croix gab, weiss er nicht. Man darf getrost davon ausgehen, dass er nicht weiss, wo St. Croix liegt bzw was das ist
  26. Als die USA von Frankreich 1803 den westlichen Rest von Louisiane kauften, zahlten sie 15 Millionen $; für die Teile der mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua die sie 1854 kauften (Gadsen Purchase/Venta de la Mesilla), 10 Mio.; für Alaska von Russland 1867 7,2 Mio. Diese Zahlen sagen nicht allzu viel aus, vielleicht etwas über Inflation und dergleichen
  27. Wie auch Grönland/Kalaallit Nunaant im hohen Norden, nach wie vor dänische Kolonie. Grönland und die Virgins…die beiden dänischen Kolonien in Amerika, grösser könnte der Unterschied nicht sein
  28. Die also in jenem Jahr begann, als auf St Jan/St John der Sklavenaufstand ausbrach
  29. Dänisch Slesvig-Holsten-Sønderborg-Glücksborg (oder Lyksborg); bei Oldenborg wird im Dänischen aus “burg” auch “borg”
  30. In Schweden, Norwegen, Island war es ähnlich
  31. Die grössten: Seeland/Sjaelland mit Kopenhagen/København, Fünen/Fyn, Lolland, Bornholm, Vendsyssel-Thy/Nordjütische Insel (durch Limfjord vom restlichen Jütland abgeschnitten)
  32. 1858 wurde British Columbia, eine andere britische Kolonie, geschaffen, aus dem North-Western Territory herausgelöst: der “Pfannenstiel” Alaskas grenzte dann an BC, die “Pfannenschüssel” an das NWT
  33. 1873 die Prince Edward Islands im Osten
  34. Um Canada wird es in einem der nächsten Artikel gehen, auch hier ein “Zusammenspiel” von Inuits und anderen “Ureinwohnern” sowie Wikingern und anderen Europäern
  35. Diese Änderungen wurden anscheinend 1908 beschlossen und 1911 eingeführt; 1908 wurden auch die Gemeinden neu organisiert bzw aufgeteilt
  36. Ja, es gab unterschiedliche Gesetze für Inuit und Dänen
  37. Baffin Island/Qikiqtaaluk, eine der arktischen Inseln Canadas, liegt Grönland/Kalaallit Nunaat auf seiner Westseite gegenüber, durch die Baffin Bay/ Baffin-Bucht getrennt
  38. Ihr Schicksal wurde durch spätere Expeditionen weitgehend aufgeklärt, Überreste bei der Insel Qikiqtaq gefunden; Inuit berichteten von Kannibalismus in der Gruppe
  39. Für den Seemann und Naturforscher war Nansen ein Vorbild. Er fand in Canada Überreste von Franklin und seiner Expedition, studierte Überlebenstechniken der Inuit in der Kälte für den Süd-Pol, lernte dort Hundeschlitten, Iglu und Fellbekleidung kennen
  40. Verlor dabei acht Zehen durch Erfrierung
  41. Peary gelang 1905/1906 nach eigenen Angaben ein Vorstoss bis 280 km vorm Pol, will bei dieser Expedition am Horizont vor der Ellesmere-Insel eine noch unbekannte Landmasse gesehen haben, die er “Crocker Land” nannte; die “Crocker Land Expedition” 1913 brachte keinen Fund, bestätigte dass Peary diese Insel erfunden hat
  42. Die 4 Inuit sollen einigen Angaben nach Grönländer gewesen sein; Nachnamen?
  43. Es gab/gibt bei all diesen Forschungsreisen eine gehörige Portion Eurozentrismus, man denke auch an die Rolle der Sherpa bei der Besteigung des Mount Everest/ Sagarmatha in Nepal, die topographischen Benennungen durch Europäer/Westler, die Proklamation von “Entdeckungen” von Gebieten, die den dort Lebenden ja bekannt waren,…
  44. Er hat den Navigator und Andere nicht mitgenommen im letzten Teil, im Routenbuch waren keine entsprechenden Einträge, die Kleingruppe müsste riesige Tagesetappen zurück gelegt haben, er wartete bei der Rückkehr Cooks Nordpolbeschreibung ab bevor er sich äusserte, die angeblich am Pol gemachten Fotos lassen den Aufnahmeort nicht bestimmen (obwohl Peary das Wissen hatte, wie anhand von Fotos und des Aufnahmedatums der Ort der Aufnahme bestimmt werden kann)
  45. Diese Gegend im Nordwesten von Grönland war/ist von Inughuit-Inuit bewohnt. Sie nannten den Ort Umanaq. Es gab verschiedene euro-amerikanische Expeditionen dorthin im 19. Jh, u.a. von Peary
  46. Nicht viel anders war es auf den Falklands/Malvinas 51 Jahre später
  47. Ziemlich nach Ende dieses Territorialstreits 1933 gründete er die Nasjonal Samling mit
  48. Speziell im 1. WK waren die Monarchen der verfeindeten Länder grösstenteils mit einander verwandt… so dass die Könige Grossbritanniens und Belgiens sich veranlasst sahen, den Namen ihrer deutschstämmigen Dynastie (Sachsen-Coburg-Gotha in beiden Fällen) zu ändern. Auch die “Sixtus-Affäre” steht mit dieser Tatsache in Zusammenhang
  49. Dänemark brachte auch die Unterredung von 1919 vor, aber mir ist nicht bekannt, inwiefern diese zu belegen und ausschlaggebend war
  50. König Haakon beugte sich nicht den Forderungen der Besetzer, wich dann mit Familie, Hofstaat, Regierung und Teilen der Parlaments-Abgeordneten von Oslo immer weiter in den Norden aus, bis die britische “HMS Devonshire” im Juni ’40 461 Norweger von Tromsö nach GB brachte, darunter den König und Ministerpräsident Nygaardsvold. Die norwegische Exilregierung liess in Ontario, Canada (Flyvåpnenes Treningsleir/ “Lille Norge”), eine norwegische Exilarmee für den Kriegseinsatz ausbilden, eigentlich für den Kampf in Nord-Norwegen
  51. Gut, nicht ganz so mittig wie Island
  52. Dessen zweite Kammer mit dieser Reform abgeschafft wurde
  53. Dänisch Færøerne, färöisch Føroyar
  54. Das Gebäude wurde 2012 abgerissen
  55. Einer trieb danach 21 Stunden auf einer Eisscholle, bevor er gefunden wurde, eingewickelt in seinen Fallschirm
  56. Möglicherweise ist einer der Torpedos explodiert, was der Grund für den Unfall sein könnte
  57. In Norwegen “herrscht” auch nach wie vor die “Geschwisterlinie” des dänischen Königshauses. In Griechenland stellte eine Seitenlinie des dänischen Hauses von 1863 bis 1973 mit einer Unterbrechung die Könige, in Island die dänischen Könige in Personalunion 1918 bis 1944. In Deutschland herrschte das Stammhaus Oldenburg regional bis 1918 (dem Ende der Monarchie dort), in Russland wurden die Romanovs (in die eine Oldenburger Seitenlinie eingeheiratet hatte) ja 1917 entthront, in Schweden eine solche Seitenlinie 1818. In Grossbritannien ist der Ehepartner der Monarchin aus dem griechischen Königshaus, in Spanien die Mutter des Königs. Die (lange entthronte) deutsche „Hauptlinie“ (Oldenburg) ist eigentlich unbedeutend, im Vergleich zu ihren entfernten Verwandten, ähnlich ist es zB auch mit der Familie Sachsen-Coburg-Gotha
  58. Und nur 2 Abgeordnete im Folketing, was aber der Bevölkerungsstärke entspricht
  59. 1978 hat es in Grönland ein Referendum über ein Verbot oder eine “Rationierung” von Alkohol (wie es sie in skandinavischen Ländern gab und gibt) gegeben, ersteres wurde knapp abgelehnt, die erschwerte Abgabe wurde angenommen – eine solche war von 1979 bis 1982 in Kraft
  60. Der grönländische Austritt war der erste aus EWG/EG/EU vor jenem von GB, der seit 2016 ausgehandelt wird
  61. Wie das Fischfang-Unternehmen KNI sind auch Air Greenland und die Reederei Arctic Umiaq grossteils in der Hand der grönländischen Regionalregierung
  62. Es gibt wenige Menschen in Grönland die zu keiner der beiden Gruppen gehören, Einwanderer aus Island in 3-stelliger Zahl sind darunter. Mischlinge aus Inuit und Dänen gehen entweder in den Einen oder den Anderen auf, bilden keine eigene Gemeinschaft, wie die Cape Coloureds in Südafrika oder die Metis in Canada
  63. Auch deutsche sind darunter, aufgrund der deutschen Beteiligung an der Kolonialisierung/Missionierung des Landes. Der langjährige grönländische Premier Jonathan Motzfeldt stammt väterlicherseits von einem Einwanderer aus der Lüneburger Heide ab
  64. Siehe dazu: www.cbc.ca/news/canada/north/climate-change-cold-war-era-military-base-greenland-1.3707844
  65. William Colgan, Horst Machguth
  66. Bezüglich der Uran-Förderung lief 2013 ein informelles Moratotorium aus. Grönland kontrolliert die Gewinnung, Dänemark die Weitergabe/Proliferation
  67. Der Fussball-Verband Grönlands ist nicht FIFA-Mitglied, die Nationalmannschaft ist daher anders als jene im Handball bislang nur inoffiziell unterwegs, anders als zB jene der Färöer. Und im Eishockey, gibt es da vielleicht grosses Entwicklungspotential?
  68. Auch die norwegische FrP entwickelte sich so
  69. Irgendein Politiker hat mal gesagt, sie werde nie stubenrein für die dänische Politik sein; nun, inzwischen ist sie es anscheinend
  70. Dieser Diskurs beherrscht(e) auch die „Karikaturen-Krise“ 05/06, die ja vom „Jyllands Posten“ ausging, deren Kulturchef Mohammed-Karikaturen in Auftrag gab, um “Selbstzensur bei islamischen Themen auf die Probe zu stellen” – beziehungsweise, um gewisse Reaktionen zu bekommen. Natürlich war die “Aufregung”, die folgte, unnötig und unberechtigt
  71. Eine färöische Nationalmannschaft trug 1930 erste inoffizielle Länderspiele aus, 1988 folgten nach dem FIFA-Beitritt die ersten offiziellen Spiele, 1990 der Sieg im ersten Bewerbsspiel, gegen Österreich in Landskrona (Schweden), ein Qualifikations-Match für die EM 92, in der Gruppe in der auch die Teams von Jugoslawien und Dänemark waren. Ende 08 hat ein österreichisches Team unter Karel Brückner in der WM-Quali auf den Färöern nur Unentschieden gespielt, 2010 RB Salzburg in der CL-Quali gg HB Thorshavn verloren
  72. Es gibt einen isländischen Professor, Gudmundur Alfredsson, der sagt, Grönland wäre als Teil der USA besser dran
  73. Die erste Änderung kanadischer Verwaltungsgrenzen seit 1949, der Aufnahme von Newfoundland/ Terre Neuve/ Ktaqamk/ Vinland
  74. Die grössten Verwaltungseinheiten der Welt sind: Sacha/Jakutien (Russland; auch dünn besiedelt), Western Australia (Australien), Krasnojarsk Kraj (Russland), Grönland (Dänemark), Nunavut (Canada), Queensland (Australien), Alaska (USA), Sinkiang (China), Amazonas (Brasilien), Quebec (Kanada),…
  75. In Europa sind die Samen im Norden Skandinaviens eines der letzten Natur-Völker, zumindest sind sie das noch teilweise
  76. Zum Teil werden jene “Indianer”, die sich vom Lebensstil an die Weissen assimiliert haben, nicht als solche gewählt
  77. Dänisch
  78. Der Roman des Schweizers Rüesch kam 1953 auf Deutsch als “Die Nacht der langen Schatten” heraus. Der gleichnamige Film (1960, englischer Originaltitel “The Savage Innocents”) mit Anthony Quinn als Eskimo diente wiederum “Bob Dylan” als Inspiration für seinen Song “Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn)” (1967), der 1968 erstmals veröffentlicht wurde, von Manfred Mann, von Dylan erstmals 1970

Agana 1944 und was damit zusammen hängt

Die Sache 

Agana (heute Hagatna) ist die Hauptstadt der Insel Guam1. Dort ereigneten sich zu Weihnachten 1944 “Unruhen” innerhalb US-amerikanischer Truppen, die die Insel einige Monate zuvor von den Japanern zurückerobert hatten, im Pazifikkrieg; die Agana race riot.

Dazu ist zu sagen, dass es in den Streitkräften der USA damals noch immer getrennte Einheiten für Weisse und Schwarze gab. Im 2. WK gab es erstmals Schwarze in Kampfeinheiten, eigenen. Spannungen zwischen weissen und schwarzen Marines begannen im August ’44. Die dort praktizierte Rassentrennung war natürlich eine hierarchische, die Schwarzen standen deutlich unter den Weissen, in vieler Hinsicht. Ein schwarzer Marine verglich die Zustände in den militärischen Lagern auf der Insel mit einer Stadt “tief im Süden” (der USA). Ein Streitpunkt war(en) (bzw ergab sich aus) die einheimischen Frauen Guams bzw seiner Hauptstadt Agana (Agaña), die die US-amerikanischen Soldaten gelegentlich “aufsuchten”, ob gegen Bezahlung oder nicht. Nachdem bereits mehrmals weisse Soldaten (hauptsächlich der 3. Marines Division) versucht hatten, ihre schwarzen Kollegen (von der Marine 25th Depot Company) davon abzuhalten, die Stadt und ihre Frauen zu besuchen2, eskalierte zu Weihnachten 44 der Konflikt.

In einem Streit um eine Guamer Frau erschoss ein weisser Marine einen schwarzen in Agana. Anscheinend war das am 24. Dezember. Am nächsten Tag beschossen weisse Marines schwarze in der Stadt. Dies führte fast zu einem grösseren internen Kampf, nachdem die zum Militärlager zurückgekehrten Afro-Amerikaner LKWs entwendeten und in die Stadt fuhren. Die Militärpolizei, die nun einschritt, hielt sie davon ab, durch Strassensperren. Aber im Lager brachen nun Feuergefechte aus, zwischen Weissen und Schwarzen. Es gibt wenige Informationen über die rassischen “Unruhen” im US-Militär auf Guam 44; und darüber, wieviele Todes-Opfer es an diesem 25. Dezember gab. Es folgten jedenfalls Militärgerichts-Verfahren (anscheinend fast nur gegen Schwarze), Verurteilungen, 1946 Begnadigungen.

Jener in Agana war beileibe nicht der einzige Konflikt dieser Art in den Streitkräften der USA, auch nicht in diesem Krieg.

Am Militärstützpunkt Fort Lawton (Bundesstaat Washington) lebten 1944 US-amerikanische Soldaten (schwarze und weisse), deutsche und italienische Kriegsgefangene “zusammen”. Es kam zu einem Streit zwischen Afro-Amerikanern und Italienern, einem Kampf (1 toter Italiener), die (weisse) Militärpolizei griff ein, ein Militärgericht (mit weissen Offizieren) verurteilte Afro-Amerikaner… Camp Claiborne lag ausserhalb Alexandria (Louisiana). Auch dort US-amerikanische Soldaten und deutsche Kriegsgefangene. Und blatante Bernachteiligung der nicht-weissen Amerikaner, strikte Rassentrennung (auch in der baptistischen Kirche). Und Gegenwehr der Betroffenen, in Form einer Art Meuterei, die 1944 begann, wieder “Gegenreaktionen” nach sich zog,… Darüber hier; zu Beobachtungen zur Behandlung von Kriegsgefangenen aus Nazi-Deutschland oder aber Afro-Amerikanern etwa in Huntsville unten im Rassismus-Abschnitt mehr.

In einer Marine-Basis in Port Chicago (California) kam es im Juli 1944 in einem Munitionsdepot während des Beladen eines Schiffes für den Pazifikkrieg zu einer Explosion, die 320 Soldaten sowie Zivilisten tötete und Hunderte weitere verletzte. Die meisten davon waren wiederum Afro-Amerikaner, warum auch immer… Einen Monat später führten unsichere Arbeitsbedingungen beim Laden von Munition zu einer Meuterei von Marine-Soldaten in Port Chicago. 50 “Meuterer” wurden dafür (von einem Kriegsgericht) zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt; sie waren dann etwa eineinhalb Jahre inhaftiert. Infolge der Sache wurde die Rassentrennung in den Streitkräften etwas diskutiert. “Trennung” bedeutete (auch) hier kein gleichberechtigtes Nebeneinander, sondern zB die Delegation schwieriger und gefährlicher Aufgaben an jene, die in der Hierarchie unten standen. Verantwortliche für die Munitionsexplosion bzw die Arbeitsbedingungen wurden keine zur Verantwortung gezogen.

Abseits des Kriegsgeschehens, aber in Zusammenhang mit ihm, gab es 1943 in Detroit rassische Unruhen, die etwa 3 Tage dauerten. Auslöser waren soziale Spannungen durch die Umwidmung der Automobilindustrie der Stadt für Rüstungsprojekte, sowie der Zustrom Hunderttausender in die Stadt in den Jahren davor (Weisse und Schwarze). Die Nationalgarde von Michigan schlug die Unruhen nieder.

Während das Militär der USA die faschistischen Achsenmächte bekämpfte, gab es nicht nur “zu Hause” (in der USA) einen nicht zu übersehenden Rassismus (der hauptsächlich Afro-Amerikaner betraf), sondern auch in diesen Streitkräften. Der Sänger Harry Belafonte (Harold Bellanfanti), einer der Afro-Amerikaner, die im 2. Weltkrieg, in eigenen Einheiten, teilnahmen (er in der Marine): “Es ging für uns Schwarze nicht nur um Hitler und Europa, sondern auch um die USA”. Dort gab es auch nach diesem Krieg vielerorts noch Rassentrennung. Und Lynchjustiz. Der (1915 neu geründete) Ku Klux Klan wollte unter den Grand Wizards James Colescott und Samuel Green mit Nazi-Deutschland zusammenarbeiten – bis Pearl Harbor. Zu dieser Zeit wurde auch der pro-nazi German American Bund aufgelöst, mit dem der KKK zusammenarbeitete. Der “Klan” war damals nicht nur in den Südstaaten der USA (womit eigentlich der Südosten gemeint ist) aktiv, sondern zB auch in Detroit, bei den Unruhen von 1943. Der Urenkel vom wichtigsten Führer des ersten, originalen Klans, Nathan B. Forrest III (aus Tennessee), war General im USA-Militär in diesem Krieg, wurde ’43 über Kiel abgeschossen. Sein Kriegseinsatz sagt nichts über seine Haltung zu Nicht-Weissen aus (sein Vater war jedenfalls noch ein hohes KKK-Tier), nur dass er bereit war, für die globalen Machtinteressen der (weissen) USA zu kämpfen.3

Auch bei (bzw in) anderen Mächten diesen Kriegs gab es interne Konflikte, im Land und in der Armee. Auch in Nazi-Deutschland, man denke etwa an den militärischen Widerstand. Und, bei einem derart rassistisch ausgerichteten Regime gestalteten sich auch die Beziehungen zu Verbündeten “schwierig”, auch zu den engsten, Italien und Japan. In der Sowjetunion gab es Teile mehrerer Völker, die versuchten im Zuge des Krieges von der stalinistischen Herrschaft loszukommen, nicht zuletzt bei den Ukrainern. Bei den Briten waren es hauptsächlich verschiedene Kolonialvölker, die “ausscherten”. Ein Teil der Inder etwa. Oder die Srilanker, die auf Cocos Island meuterten. Dieser Konflikt weist eigentlich Ähnlichkeiten mit dem auf Guam auf: Hilfstruppen, die als rassisch minderwertig gesehen und erniederigend behandelt wurden, die sich wehrten, am Ende wurde aber die alte Ordnung wieder hergestellt. Die Afro-Amerikaner auf Guam stellten aber nicht ihre “Mission” dort, den Kampf für ihre Herren dort gegen die Japaner, in Frage. Die Kokos-Inseln liegen wie Guam “zwischen” Asien und Ozeanien, auch auf Neuguinea4 oder Timor trifft das zu.

Die Sache in Agana war eigentlich weder Meuterei noch Desertion noch Befehlsverweigerung, auch die erwähnten Ereignisse in Fort Lawton, Long Binh und Houston gehören in eine andere Kategorie, bei Camp Clairborne und Port Chicago handelte es sich um Meutereien.

1948 wurde die Rassentrennung (Segregation) in den US-Streitkräften von Präsident Harry Truman aufgehoben. Im Korea-Krieg gab es erstmals gemischte weiss-schwarze Einheiten im USA-Militär, theoretische Gleichberechtigung gab’s ab dem Vietnam-Krieg.

Die Gewalt unter US-Truppen auf Guam 1944 führt in den folgenden Kapiteln zur Geschichte Guams, zum 2. Weltkrieg bzw dazu relevanten Aspekten (Pazifik-Krieg, Kriegsende,…), zur Geschichte von Unruhen bzw gewaltsamen Auseinandersetzungen in der USA, schliesslich zum Thema Rasse und Rassismus in der USA.

Guam

Guam und die anderen Marianen-Inseln gehören zu Mikronesien, dem nördlichen Teil Ozeaniens. Der Begriff hat eine geografische wie eine ethnisch-linguistische Bedeutung.5 Guam und die nördlich “anschliessenden” Inseln Rota, Saipan, Tinian,… liegen nach Ost-Asien hin “offen”. Sie wurden vom portugiesischen Seefahrer in (damals) spanischem Dienst, Fernão de Magalhães/ Ferdinand Magellan 1521 entdeckt und besucht; zusammen mit jenem Archipel, der dann Filipinas benannt wurde. Es folgte die spanische Inbesitznahme, die Inselgruppe wurde Marianas (Marianen) genannt, nach der Königsgattin Maria Anna (Mariana) von Habsburg.6 Ab dem 17. Jh wurden die Marianas/Marianen von Spanien besiedelt (Kirchenleute, Händler, Soldaten,…), auch mit Leuten von den Filipinas/Philippinen.

Spanische Karte von Guam aus dem 18. Jh

Die Bevölkerung Guams und der anderen Marianen-Inseln wurde durch etwas (biologische) Vermischung mit Filipinos/Philippinos und kultureller Prägung durch die Spanier zu Chamorros7. “Häuptling” Matå’pang war einer der Anführer der Chamorros, die bis ins 17. Jh Widerstand leisteten, um die Beibehaltung der althergebrachten Kultur kämpften. Ein Kampf, der verloren ging.8 In der Rassen-Hierarchie der Spanier auf den Marianen standen Peninsulares ganz oben, das waren in Spanien geborene Spanier; es folgten Criollos, auf den Marianen geborene Spanier; dann Mestizos (Personen die von Partnerschaften9 von Chamorros und Spaniern abstammten), Filipinos, und ganz unten Chamorros, die “Urbevölkerung” der Inseln. Eingeschleppte Pocken töteten viele von diesen. Die Chamorros durften ihre Gobernadorcillos (Bürgermeister) wählen, ihre eigenen Angelegenheiten (im engsten Sinn) selbst verwalten. Die Marianen wurden zusammen mit den Philippinen verwaltet. Spanische Schiffe kamen aus Amerika (in der Regel aus Acapulco, Mexico, Neu-Spanien) in die pazifische Region, hielten am Weg zu den grösseren und wichtigeren Philippinen (Manila) auf den Marianen, wurden Manila-Galeonen genannt. Die Spanier bauten auf Guam Festungsanlagen, die zT heute noch stehen, wie das Fort Nuestra Señora de la Soledad in Umatac.

Indias orientales españolas (Spanisch Ost-Indien) war der Überbegriff für die spanischen Kolonien im ostasiatisch-pazifischen Raum. Neben Philippinen und Marianen schlossen diese Indias orientales auch die südlich an die Marianen angrenzenden Carolinas/ Karolinen (Yap, Palau/Palaos,…) mit ein. Diese wurden auch im 16. Jh von Spanien entdeckt und in Besitz genommen, wurden zeitweise Nuevas Filipinas genannt. Zeitweise, in der frühen Neuzeit, wurden auch die Molukken/Moluccas/Maluku, Sulawesi/ Celebes und Formosa/ Taiwan bzw Teile davon von Spanien beherrscht und in sein Ostindien inkludiert. Dieses Kolonialreich hatte etwa 350 Jahre bestand, von Mitte des 16. Jh bis Ende des 19. Es stand an Bedeutung für Spanien klar im Schatten von jenem in Amerika, war wahrscheinlich etwas wichtiger als die Kolonien in Afrika. Die Gebiete von Spanisch Ost-Indien wurden als Teil des Vizekönigreichs Nueva España/ Neu-Spanien (mit dem Zentrum Mexico Stadt) verwaltet, waren (seit 1565) im Generalkapitanat Philippinen (Capitanía General de las Filipinas) zusammengefasst. Anfang des 19. Jh verlor Spanien ja infolge der Napoleonischen Kriege in Europa10 den allergrössten Teil dieses Vizekönigreichs, seine Amerika-Kolonien, behielt nur Puerto Rico und Cuba, auf der Atlantik-Seite bzw in der Karibik.11

Der Verlust von Mexico veranlasste Manche in der spanischen Regierung, die Aufgabe von Guam, der anderen Marianen, sowie der Karolinen zu erwägen. Diese Gebiete waren einst, wie die Philippinen, von ihnen von Mexico (Mexiko) aus erobert, dann verwaltet und bewirtschaftet worden. Die Kolonien in Mikronesien wurden dann aber (noch) stärker mit den Philippinen verbunden, verwaltungsmäßig, wirtschaftlich,… Vor “Einführung” des Flug-Verkehrs, nach der Fertigstellung des Suez-Kanals und vor jener des Panama-Kanals, also im späteren 19. Jh, war dieses spanische Ostindien vom “Mutterland” lange Schiffsreisen entfernt. Guam wurde im 19. Jh als Walfänger-Station wichtig. Cuba (Kuba) und Puerto Rico waren näher bei Spanien und auch abgesehen davon die wichtigeren Kolonien. Die Sklaverei hat Spanien dort erst 1873 (Puerto Rico) bzw 1886 (Cuba) abgeschafft. Bis in die 1860er wurden Afrikaner dort hin verschleppt, zur Zwangsarbeit hauptsächlich auf Zuckerrohr-Plantagen.12 Seine anderen Amerika-Kolonien hatte Spanien Anfang des Jahrhunderts verloren, bevor eine Sklaverei-Abschaffung auf “den Tisch kam”. Darüber hinaus wurde die Peonage betrieben, eine der Sklaverei sehr nahe kommende Form der unfreien Arbeit. Auf Guam wurde das auch nicht für Chamorro praktiziert, da die Spanier dort kaum Plantagenwirtschaft betrieben. Was auch damit zu tun hatte, dass die Region immer wieder von Taifunen heimgesucht wird.

Mitte des 19. Jh waren waren die Indianer-Völker in der Osthälfte des Landes unterworfen, wurde die kontinentale Ausbreitung der USA komplettiert durch Aneignungen mexikanischen Territoriums.13 Wahrscheinlich ist der Beginn des Imperialismus der USA mit der Eroberung grosser Teile Nord-Mexicos anzusetzen. Der Westen der USA war ein “wilder”, in dem die Indianer noch unterworfen werden mussten. Was in der zweiten Hälfte des 19. Jh geschah, mit dem Wounded Knee-Massaker weitgehend zum Abschluss kam. Am Weg vom Gadsen-Kauf (eines weiteren Teil Mexicos) zu Wounded Knee (1890) war der Kauf Alaskas von Russland (1867) gewissermaßen eine Zwischenstation. Und auch durch den Guano Islands Act von 1856 wurde das US-amerikanische Staatsgebiet vergrössert.14 Hinzu kam die “Öffnung” Japans, die Beteiligung an der “Öffnung” Chinas,… In dieser Phase, dem späteren 19. Jh, kamen aus/in der USA, als Unterpfand dieses Imperialismus, Manifestationen eines Auserwähltheitsanspruchs, der sich nur auf bestimmte Bevölkerungsteile als “Träger” dieses Staates bezogen, die herrschenden Anglosachsen (und an sie Assimilierte).

Beim Historiker John Fiske gab es das Konzept einer “angelsächsischen (rassischen) Überlegenheit”, beim protestantischen Geistlichen Josiah Strong die Verbindung dieses Anglo-Saxonism mit pseudo-christlichen Ideen, ein US-amerikanischer Imperialismus sei eine Missionierung, bedeute eine Zivilisierung für die Welt. Beim Politiker Theodore Roosevelt (zum Teil niederländischer Herkunft, aber das waren/sind zB die genannten “Assimilierten”/Aufgenommenen) gab es auch diesen rassi(sti)schen Imperialismus, und er war entscheidend an seiner Umsetzung beteiligt. Der Politiker der Republican Party und Militär hat mit seiner Meinung über Nicht-Weisse nicht hinter dem Berg gehalten. Die Sklaverei (von Afrikanern) sei deshalb ein Verbrechen, weil sie Afrikaner nach Amerika brachte. 1886 in einer Rede in New York über “Indianer”, die verbliebenen in der USA: “I don’t go so far as to think that the only good Indians are dead Indians, but I believe nine out of ten are, and I shouldn’t like to inquire too closely into the case of the tenth. The most vicious cowboy has more moral principle than the average Indian.” Das war vier Jahre vor dem Wounded Knee-Massaker, als es fast keinen Widerstand mehr von den Indianern gegen die USA gab, diese schon unterworfen waren.15

Als Vize-Marineminister war er entscheidend an der Vorbereitung des Kriegs gegen Spanien um dessen Kolonialgebiete in der Karibik und im Pazifik beteiligt, dann auch als Offizier in diesem Krieg. Das Ende des 19. Jh war in der USA gekennzeichnet vom Beginn der “Progressiven Ära”, die auf das Gilded Age folgte, eine Ära die von aussenpolitisch-militärischen Erfolgen, Wirtschaftswachstum, Technisierung, wissenschaftlichen Innovationen, Einwanderung gekennzeichnet war. Der Spanisch-Amerikanische Krieg 1898 war so etwas wie die Einleitung zur letzten Phase der Expansion der USA, gleichbedeutend mit ihrem Aufstieg zur Weltmacht/Weltpolizist. Es war der erste grössere Krieg der USA nach Abschluss der Festland-Expansion und nach dem Bürgerkrieg (oder: Sezessionskrieg), er war relativ kurz und leicht.

Der Krieg USA-Spanien 1898 in und um Cuba, Puerto Rico, Guam, Philippinen dauerte 10 Wochen. Präsident William McKinley startete ihn nach dem Sinken des Kriegsschiffes „USS Maine“ im Hafen von Havanna, das den Spaniern in die Schuhe geschoben wurde.16 Die “Maine” war ab 1897 in den Gewässern der damals spanischen Kolonie Cuba eingesetzt worden, im Jänner 1898 ging sie vor Havanna vor Anker, um durch ihre Anwesenheit Druck auf die Spanier auszuüben. Die Hearst- und Pullitzer-Presse hatten lange für diesen Krieg getrommelt, wie auch viele Politiker, brachte “Mitgefühl” für die Untertanen der Spanier zum Ausdruck, die wirtschaftlichen und strategischen Gründe oft hinter dem Berg haltend. Es ist diese Rhetorik, die US-amerikanische Militäraktionen praktisch immer begleitet, ob Panama 1989 oder Irak 2003…es geht um Hilfe für die Menschen dort.

Von den verbliebenen spanischen Kolonien war Cuba am wichtigsten, dann kam Puerto Rico, die Marianen und die anderen Pazifikgebiete, dann die Afrika-Kolonien; sowohl für Spanien als auch für die USA, die es darauf abgesehen hatten. Das Generalkapitanat Philippinen, also die eigentlichen Philippinen, die Marianen, und die Carolinen, wurde ab 1821 (Ende Neuspanien) direkt von Madrid aus verwaltet. Diese Gebiete wurden von Spanien im 19. Jh “vernachlässigt”. Auf den Philippinen gab es eine Unabhängigkeits-Bewegung (wie auf Cuba), gelegentliche Aufstände17, und eine starke spanische Präsenz nur auf der “Hauptinsel” Luzon. Die Marianen (mit ihrer Hauptinsel Guam) hatten die letzte Botschaft aus Spanien im April 1898 erhalten, einen Monat bevor die USA den Krieg erklärten. “Teddy” Roosevelt verliess seinen Vizeminister-Posten, um als Colonel/Oberst in den Krieg auf Cuba zu ziehen; die Schlacht bei den Hügeln von San Juan im Sommer 1898, mit seinen “Rough Riders”, war eine entscheidende am dortigen Kriegsschauplatz Cuba. In der USA erfreute man sich daran, dass “Nordstaatler und Südstaatler”, “Weisse und Schwarze” in diesem Krieg zusammen kämpften. Einige Konföderierten-Generäle, wie Joseph Wheeler, hatten diesen Rang nun in der “Bundesarmee” inne. Afro-Amerikaner kämpften in eigenen Einheiten; Führer der Afro-Amerikaner wie Booker Washington waren grossteils überzeugt, dass sie die richtige Seite unterstützten mit dem Krieg (nicht zuletzt die Schwarzen auf Cuba gegen weisse Spanier)18.

Roosevelt mit seinen Rough Riders in Cuba 1898

In den Kriegsschauplatz Pazifik (Philippinen, Guam) stach die USA-Flotte von Kalifornien aus, fuhr über Hawaii (das von der USA noch nicht ganz in Besitz genommen war). Auf den Philippinen begannen im Mai 1898 die Kämpfe mit den Spaniern (unter den am Ende rasch wechselnden Generalgouverneuren, wie Basilio Augustin) und ihren philippinischen Hilfstruppen, gingen bis August. Am 20. Juni kam der Kreuzer “USS Charleston” unter Kapitän Henry Glass mit einigen Begleitschiffen vor Guam an, fuhr den Hafen Apra an. Die “Charleston” feuerte eine Runde auf das Fort Santa Cruz, ohne eine “Antwort” zu bekommen. Es heisst, es erschienen dann zwei einheimische Offizielle, nicht wissend dass ein Krieg erklärt worden war, im Glauben, das “Feuer” sei ein Salut gewesen. Am nächsten Tag schickte Glass Soldaten auf die Insel, um die spanischen Infanteristen (54 sollen es gewesen sein) und den spanischen Statthalter gefangen zu nehmen. Sie wurden von der “Charleston” als Kriegsgefangene auf die Philippinen gebracht (wo die Eroberung alles andere als unblutig verlief). Keine Soldaten wurden zurück gelassen, bis die “USS Bennington”, ein anderes Kriegschiff erschien. Und das war erst Anfang 1899.19 Die Einnahme der Insel war deshalb so gewaltlos, weil sie für Spanien ziemlich unwichtig war. Im Dezember 1898 wurde Guam von der USA (Präsident McKinley) bereits der Kontrolle seiner Marine unterstellt.

Die “USS Charleston” bei der Anfahrt auf Agana

Im Dezember 1898 wurde in Paris ein Vertrag zwischen der USA und Spanien abgeschlossen, darin musste Spanien Cuba, Puerto Rico, Philippinen und Guam (ohne die restlichen Marianen) an die USA abtreten. Der Vertrag trat Anfang 1899 in Kraft, nach den Ratifikationen durch die beiden Parlamente. Er beinhaltete eine Entschädigungszahlung der USA. Die Kriegsniederlage und der Verlust seiner Kolonien in der Karibik und im Pazifik, nach fast 400 Jahren, verursachte ein nationales Trauma für Spanien, das sich nun endgültig von der Vorstellung, noch eine Grossmacht zu sein, verabschieden musste. Wie erwähnt war Cuba (Kuba) für Spanien die bei weitem wichtigste dieser Kolonien gewesen. Die restlichen Marianen sowie die Karolinen blieben vorerst spanisch. Daneben “besaß” Spanien nun “nur” noch einige Gebiete in Afrika: Rio Muni, Bioko (Fernando Pó) und Annobon in Zentral-/Westafrika (die Spanien Ende des 18. Jh von Portugal übernommen hatte), wurden im 20. Jh zu Spanisch-Guinea vereinigt; Gebiete im Norden (Ceuta, Melilla,…) und Süden (Ifni, Juby) von Marokko (Spanisch-Marokko); die West-Sahara (kurz vor dem Spanisch-Amerikanischen Krieg erobert; Spanisch-Sahara); und die vor Afrika liegenden Kanaren.20

Es war die Zeit von König Alfons(o) XIII., Sohn einer Habsburgerin, der eine Mountbatten geheiratet hatte. Dieser letzte spanische König (1886-1931) vor Juan Carlos (dessen Grossvater er war) hielt Spanien dann im 1. WK neutral, unterstützte die De Rivera-Diktatur, versuchte mit aller Gewalt, wenigstens die spanische Herrschaft im Norden Marokkos zu behaupten, im Rif-Krieg (1920–1926), weshalb er auch “Alfonso el Africano” genannt wurde.21 Dieser Rifkrieg prägte Francisco Franco; der rechte Putschversuch gegen die Zweite Republik unter ihm 1936 (aus dem sich der Bürgerkrieg entwickelte) wurde dann auch von Marokko aus begonnen.

Der Spanier Julio Cervera, der in Puerto Rico gekämpft hatte, veröffentlichte danach ein Pamphlet, in dem er die auf Puerto Rico Einheimischen für die dortige Niederlage gegen die USA verantwortlich machte.22 Nach den Verlusten im Krieg gegen die USA machte die “Beibehaltung” der restlichen Pazifik-Kolonien (nördliche Marianen, Carolinen mit Palau) für Spanien keinen Sinn mehr. Das Königreich verkaufte sie daher 1899 an das Deutsche Reich.23 Das sie seinem Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea angliederte. Im 1. WK besetzte Japan die deutschen Gebiete in Ostasien und Ozeanien, bekam die ozeanischen Gebiete in Versailles zT als Mandatsgebiet zugesprochen24. Im Zweiten Weltkrieg eroberten USA-Truppen diese Inseln, bekamen sie danach zugesprochen. Das betraf also die Nord-Marianen, Karolinen (mit Palau), Marshall-Inseln. Die nördlichen Marianen sind, genau wie die südlichste Insel des Marianen-Archipels, Guam, noch immer amerikanisch, als Aussengebiete (Unincorporated United States possessions). Die Carolinen wurden getrennt, in Vereinigte Staaten von Mikronesien und Palau, beide sind nun unabhängig, assoziiert mit der USA. Die USA wurde und ist dominierende Macht in der Region Mikronesien25, so dass sie zB auf dem Bikini-Atoll (Marshall-Inseln) nach dem 2. WK in Ruhe Atomwaffenversuche durchführen konnte. So wie auch andere Westmächte in dieser Zeit im Pazifik Atomwaffenversuche machten.

Guam ist also seit 1898 getrennt von den anderen Marianen-Inseln (mit denen es unabhängig von den Spaniern viel gemeinsam hat), blieb das auch nachdem die Nord-Marianen im 2. WK auch US-amerikanisch wurden. Guam wurde eine grosse Marinebasis für die USA. Apra blieb der wichtigste Hafen (auch für zivile Schiffe), wurde ausgebaut. Da Schiffe nicht genug Kohle für die Fahrt von Hawaii auf die Philippinen mitnehmen konnten, wurde Apra hier Zwischenstation. In Piti entstand bald eine Marine-Schiffs-Werft, in Sumay eine Kaserne,… Wie schon unter den Spaniern war/ist Guam eine wichtige Zwischenstation für Schiffe auf dem Weg von und zu den Philippinen/Pilipinas. Kokosnüsse wurden unter der USA auf Guam verstärkt angebaut.

Begleitet wurde die Inbesitznahme von einer Rhetorik, die schon vor dem Krieg gegen Spanien ertönte, nun zB vom ersten Militär- (Marine-) Gouverneur der USA für Guam, Richard Leary, kam: Die Kolonisierung Guams erfolge zum Schutz der (dort) Bedürftigen, mit Hilfe für die Bedürftigen,… Die “New York Times” jubelte 1900: “No more Slavery in Guam. Capt. Leary Ordered Its Abolition on Washington’s Birthday”.26 Es ist die protzende Rhetorik, die Eroberungen und Machtübernahmen generell begleitet. Nicht viel anders, wenn Daesh/IS irgend ein Gebiet übernimmt. Das Diktat über das Leben Anderer wird als Barmherzigkeit und Grosszügigkeit dargestellt.

Die Aufteilung des USA-Festlandes in Bundesstaaten war zum Zeitpunkt der amerikanischen Eroberung Guams noch nicht komplett, das war sie erst 1912, als Arizona 48. Bundesstaat wurde. Von den später angeeigneten und ausserhalb des geschlossenen Staatsgebiets gelegenen Gebieten wurden nur Alaska und Hawaii Bundesstaaten, 1959. Für Guam kam das damals schon gar nicht in Frage, als weit entfernte Insel, von Nicht-Weissen bewohnt, die nicht Englisch-sprachig und katholisch waren. Bei Cuba und Philippinen war die Sache ähnlich. Der Krieg gegen Spanien war der erste der USA, dessen Beute weder damals noch später zu Bundesstaaten “aufgewertet” wurde. Der US Supreme Court musste sich 1901 bis 1904 immer wieder mit dem Status der neuen Gebiete befassen (die “Insular Cases”), nannte sie schliesslich “unincorporated territories”, in denen die Verfassung der USA nicht vollständig galt, die nicht für Bundesstaatlichkeit vorgesehen waren, deren Bewohner (vorerst) nicht USA-Staatsbürger werden sollten.

Strategisch wichtig waren diese Gebiete aber, wirtschaftlich auch zum Teil. Die Bevölkerung Guams, die Chamorros, bekamen keine Selbstregierung. Ab 1917 durfte zeitweise ein Kongress von Notabeln Guams zusammentreten, der den amerikanischen Militärgouverneur beraten durfte. Militärgouverneur Willis Bradley liess ab 1931 eine Art Inselparlament (Guam Congress) wählen, daneben auch Bürgermeister.27 Es kamen viele Einschränkungen für die Guamesen: ihrer Sprache und Bräuche etwa. Und, es sollen auch Partnerschaften mit Amerikanern, die nun auf die Insel kamen, verboten worden sein… Manche Guamesen bzw Chamorros von dort wanderten auf die nördlichen, japanischen Marianas aus, da sich diese wirtschaftlich anders entwickelten.

Etwas ganz Anderes: die tiefste Meeres-Stelle überhaupt ist ja der Marianen-Graben. Dieser liegt östlich der Marianen-Inseln, wurde nach der Inselgruppe benannt. Ab Ende des 19. Jh wurde der Meeresgraben von Schiffen ausgelotet; 1875, also noch in spanischer Zeit, von der Besatzung der britischen “HMS Challenger”, die eine Stelle mit über 8000 Meter Tiefe maß. 1899 wurde von dem US-amerikanischen Schiff „Nero“ per Drahtlotung eine Meerestiefe von 9 660 Meter ermittelt. 1960 tauchte der Schweizer Jacques Piccard mit seinem Tauchboot auf über 10 000 m, fast die Maximaltiefe.

Auf Cuba hat es im 19. Jh Unabhängigkeits-Bestrebungen ggü Spanien gegeben. Von 1868 bis 1878 gab es einen grösseren Aufstand, der als „10-Jahres-Krieg“ bezeichnet wird. Es standen sich gegenüber: Tabak-Pflanzer aus dem Osten der Insel, die für Unabhängigkeit und Sklavenbefreiung kämpften, und die Zuckerpflanzer aus dem Westen, die die spanischen Truppen unterstützten (und die Sklaverei beibehalten wollten). Die weisse/spanische Bevölkerung im Westen war dominiert von „Criollos“ (auf Cuba Geborene/Eingewurzelte), jene im Osten von „Peninsulares“ (Einwanderern aus Spanien). Es gab aber auch Zucker-Pflanzer, die gegen Sklaverei und für Unabhängigkeit waren (wie Carlos M. de Céspedes) und Unabhängigkeits-Befürworter, die die Sklaverei beibehalten wollten. Es folgten weitere Aufstände, 1879-80, und jener der 1895 begann und bis zur amerikanischen Eroberung 1898 lief, unter Jose Martí.28

Marti (1853-95), ein Weisser, hatte zur USA eine äusserst ambivalente Haltung – die vielleicht das Verhältnis zwischen Cuba und USA antizipierte. Unter US-amerikanischer Herrschaft ab 1898 wurden (bzw blieben!) die früher versklavten Afro-Cubaner zu Lohnarbeitern, ohne dass sich dadurch ihre soziale Lage entscheidend besserte. Und, es wurden Formen von Peonage betrieben. 1902 wurde Cuba von der USA in die Unabhängigkeit entlassen29, doch der Inselstaat war, wie die gesamte mittelamerikanisch-karibische Region, dem “grossen Bruder” ausgeliefert. Die Bucht von Guantanamo behielt sich die USA; und zwischen 1902 und 1959 ankerten immer wieder US-Kriegsschiffe im Hafen von Havanna, um nicht genehme Regierungen abzusetzen oder wirtschaftspolitische Entscheidungen zugunsten der USA zu erzwingen. In der Guanatanmo-Bucht wurde ein amerikanischer Militärstützpunkt errichtet, 2002 dort die Einrichtung des berüchtigten Gefangenenlagers.

Keinem der vier von den Spaniern eroberten Gebiete wurde eine echte Unabhängigkeit gewährt. Und keines dieser Gebiete, mit nicht-weisser und nicht-englischsprachiger Bevölkerung, bekam einen Status als Bundesstaat der USA; Einwanderer von dort in das Festland der USA wurden und werden auch nicht als Binnenwanderer gesehen. Auf den Philippinen gab es bald einen Aufstand gegen die USA-Herrschaft. Der Aufstand gegen die Spanier hatte ja 1896 begonnen, war (wie die Unabhängigkeitsbestrebungen in Cuba und Puerto Rico) von der USA paternalistisch “unterstützt” und zur Rechtfertigung ihres Eroberungskriegs heran gezogen worden… Nach der Niederlage der Spanier in der Bucht von Manila riefen die Unabhängigkeits-Aktivisten, die die Amerikaner bei ihrer Eroberung zT unterstützt hatten, nun, 1898, die Unabhängigkeit der Philippinen (als Republik) aus. Dies waren die Militärherrscher der USA nicht zu akzeptieren bereit, und die Unterdrückung der Unabhängigkeit führte 1899 zu einem neuen Aufstand, der von den Amerikanern bis 1902 niedergeschlagen wurde. Nach diesem Krieg wurden die “Rebellen”-Führer wie Emilio Aguinaldo und Apolinario Mabini von der USA auf Guam exiliert. Die amerikanische Herrschaft 1898-1946 wurde von der japanischen (1941-45) unterbrochen. Die kommunistische Hukbalahap-Miliz unter Luis Taruc kämpfte gegen die Japaner, dann (46-54) gegen den (mit der USA verbündeten) philippinischen Staat.30

Der Krieg 1898 verstärkte das Selbstbild der USA enorm, als “Verteidiger der Demokratie”, als “Gerechte im Dienst des gerechten Anliegens”31 – trotz imperialistischer eigennütziger Expansion, Jim-Crow-Gesetzen im Süden bzw Südosten der USA,… Der Marine-Offizier und Historiker Alfred T. Mahan begründete mit seinem 1890 veröffentlichten Buch “The Influence of Sea Power upon History” die moderne USA-Marine-Doktrin der Seeüberlegenheit. Der Sieg über Spanien war so etwas wie der Eintritt der USA in die Weltpolitik, der endgültige Aufstieg zur Grossmacht. Präsident McKinley annektierte noch 1898 Hawaii, wo es schon einige Jahrzehnte mitmischte, angestachelt von dem Nationalismus, der im Zuge des Krieges aufkam. Und Theodore Roosevelt kehrte als Kriegsheld aus Cuba in die Politik zurück, wurde 1899 Gouverneur von New York. Der britische Autor Rudyard Kipling war während eines USA-Aufenthalts mit “Teddy” Roosevelt persönlich bekannt geworden, schrieb nach dem Krieg das “Gedicht” “The White Man’s Burden” (Des weissen Mannes Bürde bzw Last). Um die Jahrhundertwende, zum Höhepunkt der westlichen/ europäischen Weltherrschaft. Der Literatur-Nobelpreisträger von 1907 wollte den damaligen Gouverneur zu einer weiteren imperialen Ausdehnung der USA motivieren, diese einmahnen. Die Kolonialisierung Nicht-Weisser sei ein humanitärer Akt, eine Wohltat für die Welt.32

Ob „Teddy“ Roosevelt diese Ermunterung nötig hatte? Zu Beginn des 20. Jh erklärte er, “It is manifest destiny for a nation to own the islands which border its shores.” Diese „offensichtliche Bestimmung“ gestand er natürlich nicht allen Nationen zu, im Gegenteil… 1901 wurde Roosevelt Vizepräsident unter McKinley, nach dessen Wiederwahl; nach etwa einem halben Jahr nach dem Mordanschlag (durch einen polnischen Anarchisten) auf diesen rückte er zum Staatspräsidenten auf, herrschte bis 1909. Die Republikanische Partei wurde in dieser Zeit allmählich die rechte Partei der USA, die Demokraten wurden “links”, aber das auszuführen, würde jetzt zu weit (weg) führen. 1904 verkündete Roosevelt seine “Corollary” (Zusatz) zur Doktrin eines seiner Amtsvorgänger, James Monroe, von 1823, die beanspruchte, den amerikanischen “Doppelkontinent” gegenüber europäischer “Einmischung” frei zu halten. De facto beanspruchte die USA damit eine Hegemonie über Lateinamerika und Karibik. Dies formulierte Roosevelt in seiner Ergänzung auch offen so, und er setzte diese Auffassung von “Schiedsrichterfunktion” und “Interventionsrecht” der USA im südlicheren Amerika auch um. Eine Politik des Isolationismus hat die USA eigentlich nie betrieben, es änderten sich aber immer wieder die Auffassungen von “eigenen Angelegenheiten”.

Diese Verkündigung Roosevelts kam nach der “Venezuela-Krise” von 1902/03.33 Venezuelas Präsident Cipriano Castro weigerte sich, Auslandsschulden des Landes zu bezahlen; darauf hin verhängten Grossbritannien, Deutsches Reich und Italien eine Seeblockade gegen das Land. Castro nahm an, dass die USA aufgrund der Monroe-Doktrin eine solche Intervention europäischer Mächte in Amerika nicht hinnehmen würde. Doch Teddy Roosevelt hatte, welche Überraschung, kein Problem damit. Nur gegen eine Inbesitznahme von Territorium auf dem amerikanischen Kontinent sei man, hiess es damals von der US-amerikanischen Regierung. In Roosevelts “corollary” hiess es dann auch, die USA würden Ansprüche europäischer Staaten gegenüber südamerikanischen helfen durchzusetzen, quasi in deren Namen. Und, Roosevelt dehnte den Hegemonienaspruch der USA 1904 auf die ganze “westliche Hemissphäre” aus. Natürlich nur zum Wohle Aller.

Roosevelt beanspruchte eine Führungsrolle für die USA in der Welt34, erklärte dazu, dass er “sanft sprechen und einen grossen Stock” tragen würde. Dieser Stock war die Marine der USA. 1907 schickte er die “Great White Fleet” auf eine Weltumfahrt, als Machtdemonstration, einen Verband von Marineschiffen, der 1909 zurück kam. “Teddy” Roosevelt sagte, er lehne “Imperialismus” ab, wolle sich stattdessen “Expansionismus” zu eigen machen. Er begann dann mit den „Bananen-Kriegen“ (Banana Wars), militärischen Interventionen im zirkum-karibischen Raum, meist durch das Marine Corps, teilweise in Form von Kanonenbootpolitik. Teilweise wird der Spanisch-Amerikanische Krieg auch schon dazu gerechnet, der den Karibik-Raum geopolitisch veränderte.

Der Ausdruck stammt von einem Lester Langley aus den 1980ern. Im Krieg gegen Spanien 1898 musste die USA ein Kriegsschiff noch aus Kalifornien über Kap Hoorn in die Karibik schicken. 1903 “erzwang” die USA unter Roosevelt von Kolumbien die Abtrennung von dessen Departemento del Istmo, wo ein Kanal gebaut werden sollte. Ein Bau-Abkommen zwischen Kolumbien und USA war 1903 vom kolumbianischen Parlament abgelehnt worden. Darauf hin unterstützte man in dieser Provinz eine “Unabhängigkeits-Bewegung”, und schon erklärte “sich” diese als “Panama” unabhängig. Gegen eine Intervention Kolumbiens kreuzten amerikanische Kriegsschiffe auf… Anderswo ging es auch um Bananen, bzw die Interessen der United Fruit Company.

US Marines Nicaragua 1926 mit erbeuteter Sandinisten-Fahne

Bis in die 1930er, zu Franklin D. Roosevelts „Nachbarschaftspolitik“ gingen diese Interventionen im zirkumkaribischen Raum, dem „Hinterhof“ der USA, aus wirtschaftlichen und strategischen Interessen. Danach hat die USA dort und in Lateinamerika meist nicht mehr direkt militärisch eingegriffen, aber umso mehr über Klientelpolitik, Geheimdienstaktionen, Wirtschaftskriege,… Es handelte sich bei den “Bananen-Kriegen” nach der erzwungenen Panama-Abtrennung von Kolumbien meist um Interventionen ohne territoriale Akquisition. Es kamen aber im 20. Jh u.a. noch die Virgin Islands (damals Dansk Vestindien) zur USA, wenn auch nicht als Bundesstaaten. Anderswo wurden “nur” Militär-Stützpunkte errichtet, Marionetten-Regime eingesetzt oder wirtschaftlicher Einfluss gesichert. Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson waren beides Interventionisten, Roosevelt begründete dies machtpolitisch, Wilson (der erste Südstaatler als Präsident nach Sezession/Bürgerkrieg) pseudo-ethisch.35 Noch heute gibt es diese zwei Varianten, Trump vertritt auch die ehrliche, Bush jun. noch die verlogene. Wilson liess während der Mexikanischen Revolution bzw dem Mexikanischen Bürgerkrieg (ca. 1910-1920) auch wieder dort intervenieren. Und zwar 1914 in Veracruz an der Karibik-Küste, nach dem so genannten „Tampico-Zwischenfall“, bzw mit ihm als Vorwand.36 In den 1. WK führte Wilson die USA dann „gegen Despotismus und für Demokratie“. Es war der endgültige Aufstieg zur Weltmacht.

Agana vor dem 2. WK

1940 zog ein verheerender Taifun über Guam, die Marianen, Mikronesien,…Am 7. Dezember 1941 der Angriff des japanischen Militärs auf den US-Marinehafen Pearl Harbor auf Oahu, Hawaii. Stunden später griffen Japaner Guam, ein anderes USA-Aussengebiet, an, in der “ersten Schlacht um Guam”, nahmen die Insel in wenigen Tagen ein. Der amerikanische Militär-Gouverneur McMillin wurde gefangen genommen, der zuvor angesichts der Spannungen die meisten Amerikaner evakuieren hatte lassen. Die Guamesen/Chamorros wurden sich selbst überlassen, anscheinend auch jene, die im Militär der USA dienten…37 Die japanische Herrschaft (zweiundeinhalb Jahre) brachte für Guam eine Wiedervereinigung mit den anderen, nördlicheren Marianen-Inseln, die ja seit dem 1. WK japanisch waren. Chamorros wurden nun von dort nach Guam gebracht, u.a. um zu übersetzen. Die guamesischen Chamorros wurden als Kriegsgefangene, als Unterworfene behandelt, die nord-marianischen halfen diesen Besatzern (gewissermaßen) – dies verstärkte die Kluft zwischen den Chamorros auf der südlichsten Marianen-Insel und jenen auf den nördlicheren, ist bis heute ein Thema!

Die Schlacht von Midway (eine der “Guano-Inseln”) im Juni 1942 wird ja das “Stalingrad des Pazifikkriegs” genannt, da es dort eine Kriegswende einleitete. Im Juli/August 1944 die “zweite Schlacht um Guam”, die Amerikaner eroberten Guam zurück (u.a. mit Flächenbombardements), die japanischen Verteidiger leisteten fast drei Wochen lang erbitterten Widerstand.38 Ihr Kommandeur Hideyoshi Obata beging rituellen Selbstmord (Seppuku). Am “Liberation Day” wird bis heute dem Beginn der Kämpfe am 21. Juli gedacht. Einzelne japanische Soldaten, die sich der Gefangennahme entziehen konnten, verübten nach der Rückeroberung der Insel durch die Amerikaner noch verschiedentlich Anschläge oder versteckten sich. Die nördlichen Marianen nahmen US-Truppen schon zuvor von Japan ein. Guam wurde noch während der Kampfhandlungen, wie zuvor schon Saipan oder Tinian, mit amerikanischen Militärstützpunkten “übersät”.

Japanische Kriegsgefangene Guam

1945 kam die „USS Indianapolis“, eines der USA-Kriegsschiffe, die 1941 nicht in Pearl Harbor waren, auf die Marianen. Die „Indianapolis“ hatte im Frühling ’45 die US-amerikanische Landung auf den japanischen Inseln Iwo Jima und Okinawa unterstützt, die letzten Kriegshandlungen vor den Atombombenabwürfen. Anschliessend brachte sie Teile der Atombombe „Little Boy“ auf die Marianen-Insel Tinian, wo diese getestet wurde. Danach fuhr die „Indianapolis“ nach Guam, Militärpersonal absetzen, anderes aufnehmen; am Weg zu den Philippinen wurde sie dann noch nahe Guam versenkt, im Juli 45, von einem japanischen U-Boot; es gab 800 Tote, durch Ertrinken, Hai-Angriffe,… Es war dies die grösste Marine-Opferzahl von einem Schiff in der USA-Geschichte; Gerettete wurden nach Guam gebracht. Im August 45 startete die „Enola Gay“ von Tinian, warf die Atombombe dann über Hiroshima ab. Die Marianen, gerade von Japan erobert, hatten sich als “unsinkbarer” Flugzeugträger bewährt, gegen Japan.

Die maximale geographische Ausdehnung direkter US-amerikanischer Kontrolle war nach dem 2. WK gegeben, nach der Kapitulation des “Grossdeutschen Reichs” und dann Japans, und vor der Unabhängigkeit der Philippinen 1946. Man kann aber auch die Phase nach Ende des Kalten Kriegs, als die USA (damals von Clinton regiert) auch Russland (unter Jelzin) gewissermaßen “kontrollierte”, als Höhepunkt amerikanischer Machtausübung sehen. Seit Franklin Roosevelt sind US-Präsidenten (zumindest) so etwas wie Welt-Mit-Beherrscher. Wie erwähnt, kamen Ende des 19., Anfang des 20. Jh einige Gebiete unter Kontrolle der USA, die nicht Bundesstaaten wurden, Gebiete die zum “kontinentalen” Staatsgebiet keine Verbindung haben und eine nicht-weisse Bevölkerungsmehrheit (oder fast unbewohnt sind, wie die “Guano-Inseln”). Es gibt unterschiedliche Status und Bezeichnungen (Insular Areas, Outlying territories, Commonwealth, Incorporated territory, Unincorporated territory, dependent territory,…). Manche wurden aufgegeben über die Jahrzehnte hindurch, wie die Panamakanal-Zone, Palau, Philippinen, Mikronesien, Cuba; in der Regel verblieben dort US-Militär-Basen. Andere Eroberungen, wie Puerto Rico, Guam und (nördliche) Marianen wurden behalten.

Infolge des 2. WK kam es also zu einer Art “Wiedervereinigung” von Guam und den anderen Marianen, da beide Gebiete nun unter USA-Herrschaft standen, sie blieben aber dennoch getrennt. Auch die Nord-Marianen wurden nach diesem Krieg von der USA (weiter) militärisch intensiv genutzt. In der Bevölkerung Guams (Chamorros, Philippinos, Mischlinge, Weisse) gab es nun Verlangen nach Selbstregierung und Aufwertung des Status innerhalb der USA, auch vom Inselparlament. 1949 unterschrieb USA-Präsident Harry Truman den Organic Act, ein Gesetz39, das Guam (seinem Parlament) Autonomie für “innere Angelegenheiten” einräumte. Statt eines amerikanischen Militärgouverneurs gab es nun einen (ernannten) zivilen amerikanischen Gouverneur. Die (nicht-weissen) Guamer/Guamesen bekamen die Staatsbürgerschaft der USA; durften aber nicht an US-amerikanischen Wahlen teilnehmen. Seit 1946 steht Guam auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung, die UN nahm und nimmt die Entkolonialisierungsfrage relativ ernst. Wie bei Puerto Rico gab und gibt es auf Guam die drei Optionen Verlangen nach Bundesstaatlichkeit (oder anderer Formen stärkerer “Integration” in der USA), nach Selbstständigkeit (Unabhängigkeit), Beibehaltung des jetzigen Status. Man kann die „Erhebung“ zur Bundesstaatlichkeit als Akt der Gleichberechtigung sehen oder aber als (“verbindlichere”) Annexion.

1949 wurde eine Commercial Party gegründet, als erste Guamer Partei. Vor der Wahl 1950 wurde sie in Popular Party umbenannt. Bei den folgenden Wahlen gewann sie fast alle Sitze im Parlament Guams. 1956 spaltete sich ein Teil als Territorial Party ab, was an der Dominanz der PP zunächst nichts änderte. Nachdem sie sich mit der US-amerikanischen Democratic Party verbunden hatte, wurde sie 1964 zur Democratic Party of Guam. Die Territorial Party gewann die Wahl 1964, danach kehrte die Dominanz der Democratic Party zurück. 1966 wurde sie zur Republican Party of Guam, nachdem sie sich mit den amerikanischen Republikanern zusammengeschlossen hatten. Seither gleicht das Parteiensystem auf der Insel dem US-amerikanischen. Anscheinend spielt die ethnische Zugehörigkeit keine bestimmende Rolle bei dieser Dichotomie, eher die Klassen-Zugehörigkeit. Inzwischen sind längst nicht mehr alle Guamer/Guamesen Chamorro, es sind inzwischen unter 40%. Hat mit der Einwanderung zu tun, aber auch mit der Auswanderung von chamorrischen Guamern, eine Diaspora gibt es in anderen Teilen der USA (Hawaii, California,…).

Die Einwanderung von Philippinos begann schon zur spanischen Zeit, heute stammen über 25% der Guamer von diesem Archipel in der Nachbarschaft, mit dem Vieles verbindet. Weisse, überwiegendst eingewanderte Amerikaner, machen unter 10% aus. Dann gibt es noch eingewanderte Ozeanier (v.a. von der ehemaligen Carolinen-Insel Chuuk, heute bei den Föderierten Staaten von Mikronesien) und Asiaten, sowie Mischlinge. Die Chamorros sind ähnlich wie die Philippinos zuerst hispanisiert, dann anglifiziert worden. Englisch ist die wichtigste Sprache geworden, hat Chamorro teilweise sogar im privaten Bereich verdrängt. Filipino spielt eine gewisse Rolle, Spanisch dagegen gar nicht mehr. Nur mehr Familiennamen erinnern an diese 400-jährige Kolonialherrschaft. Und die Dominanz der Katholischen Kirche. Durch die vielen US-Militär-Einrichtungen auf der Insel gibt es einen ständigen “Zufluss” und “Abfluss” von Amerikanern aller Bevölkerungsgruppen. Chamorros verpflichten sich überproportional oft zum USA-Militär, verlassen auch so ihre Insel öfters. Die Insel besitzt für die USA nach wie vor eine grosse strategische Bedeutung, blieb v.a. Marine-Stützpunkt.

In den frühen 1960ern wurde der Hafen Apra für atombetriebene U-Boote ausgebaut, die mit strategischen Mittelstreckenraketen bestückt werden. Während des Vietnam-Kriegs, in dem die USA ab 1964 (ein USA-Kriegsschiff, im Tonkin-Golf angeblich von einem nord-vietnamesischen Schiff angegriffen) massiv involviert war (bis 1973), war Guam wieder Aufmarsch- oder Zwischenstation v.a. für Kriegsschiffe. Wie auch die Philippinen, dort v.a. die Marinebasis in der Bucht von Subic auf Luzon, von den Spaniern einst gebaut. Im Juli 1969 reiste USA-Präsident Nixon, nach der Mondlandung, während des Vietnam-Kriegs40 um die halbe Welt, absolvierte Staatsbesuche in Asien, reiste dann über Europa heim. Bei einem Stop in Guam sprach er über die neue Asien-Politik der USA und die Weltpolitik, formulierte dort seine “Nixon-Doktrin”. Demnach erwarteten die Vereinigten Staaten künftig von ihren Verbündeten, ihre militärische Verteidigung – vor allem finanziell – in die eigene Hand zu nehmen. In Vietnam sollten die Süd-Vietnamesen allmählich mehr Verantwortung bei der Kriegführung übernehmen.41 1972 kam Richard Nixon wieder zu Besuch auf Guam, hielt eine Rede. Das war im Jahr seiner Wiederwahl, die er gewann, nachdem er in das Hauptquartier der Demokratischen Partei (des Democratic National Comittee) im Watergate-Gebäude in Washington einbrechen lassen hatte.42 Am Ende des Vietnam-Kriegs 1975 flüchteten Offizielle Süd-Vietnams über Guam in die USA.

Seit 1970/71 darf die Bevölkerung Guams ihre Gouverneure wählen, die also im Zusammenspiel mit Inselparlament (Legislature of Guam/ Liheslaturan Guåhan) regieren. Zum ersten Mal seit 500 Jahren, dem Auftauchen der ersten Europäer dort und der folgenden Kolonialisierung (Spanier, Amerikaner, Japaner), konnten die Guamesen zumindest über ihre eigensten Angelegenheiten wieder selbst bestimmen. Wenn auch nicht über vieles Andere und wenn auch die Chamorros weniger als die Hälfte der Inselbevölkerung ausmach(t)en. Carlos Garcia Camacho (1924 – 1979), ein Republikaner, war letzter ernannter Governor von Guam (1969-1971) und erster gewählter (1971-1975). Seit 1972 darf Guam einen nicht stimmberechtigten Delegierten in den Congress der USA wählen. Zu den Conventions der Grossparteien dürfen Mitglieder dieser Parteien auf Guam Delegierte wählen, die dort stimmberechtigt sind.

Die Nördlichen Marianen wurden ja 1898 von Guam getrennt; als diese Trennung in Versailles 1919 “bestätigt” wurde, gab es in der Marine der USA längst Ansprüche auf diese Inseln. Der Anteil der Chamorros an der Bevölkerung ist dort noch weiter geschrumpft als auf der südlichsten Marianen-Insel Guam; sie machen weniger als ein Viertel aus, Philippinos sind die grösste Ethnie, dann gibt es grosse Gruppen an Asiaten (Chinesen,…), Ozeaniern (Carolinier,…), Mischlingen, einen kleinen Anteil an Weissen. Die Nord-Marianen haben inzwischen einen ähnlichen Status und das selbe politische System wie Guam, mit gewählten Gouverneur und Parlament, nicht-stimmberechtigtem Delegierten im Congress, die Bürger sind (seit 1986) Staatsbürger der USA, dürfen aber nicht an seinen Präsidenten-Wahlen teilnehmen. 1947 bis 1994 waren die Nord-Marianas mit den Föderierten Staaten von Mikronesien, Marshall-Inseln und Palau zum (von der USA verwalteten) UN-Trust Territory of the Pacific Islands (TTPI) zusammengefasst. 1978 bekamen die N-Marianen den Status eines mit der USA assoziierten Staates (Commonwealth, wie Puerto Rico, früher Philippinen), nachdem sie jahrzehntelang von der Marine, dann vom Innenministerium der USA verwaltet wurden. Anders als Guam hat es hier auch die deutsche und japanische Kolonialphase gegeben, die geprägt haben.

Nachdem Guam und die nördlichen Marianen-Inseln infolge des 2. WK beide unter US-amerikanischer Herrschaft “vereint” waren, begann der Diskurs über eine Wiedervereinigung, der hauptsächlich von den Chamorros auf den Inseln getragen wurde. Auf den Marianen gab es ebenfalls eine Popular Party (PP) und eine Territorial Party (TP); die PP war für die Wiedervereinigung mit Guam (und ging in der DP auf), die TP für eine engere Anbindung an die USA (und ging in der RP auf). Als 1957 sowohl auf Guam als auch auf den Nord-Marianen die jeweilige Popular Party die Wahlen gewann, wurde die Wiedervereinigungs-Thematik in beiden Parlamenten ernsthaft diskutiert. Jenes von Guam nahm 1958 eine Resolution bezüglich der Wiedervereinigung mit den Nord-Marianen an, die an den USA-Congress gerichtet wurde. Es scheint, dass dieser Irredentismus aber auf den nördlichen Marianen eine wichtigere Rolle spielt(e). 1958, 1961, 1963 gab es inoffizielle Referenden, in denen die Bevölkerung ein Zusammengehen mit Guam befürwortete. Diese Resultate wurden auch dem UN Special Committee on Decolonization weitergeleitet. Die Wiedervereinigung der Marianen war sowohl für jene auf diesen Inseln anstrebenswert, die die “Aufwertung” zu einem Bundesstaat der USA anstrebten43, als auch für jene die die Unabhängigkeit befürworteten, und für jene die für die Beibehaltung eines “losen” Verhältnisses mit der USA waren.

Im November 1969 lehnte die Bevölkerung Guams aber eine Wiedervereinigung mit 3 720 zu 2 688 Stimmen ab. Nur 32% der etwa 20 000 Wahlberechtigten stimmten ab, zur Fragestellung “Should all of the islands of the Marianas be politically reintegrated within the framework of the American Territory of Guam, such as a new territory to be known as the Territory of the Marianas?”. 5 Tage später stimmte die Bevölkerung der Nord-Marianen ab. Hier gab es eine viel höhere Beteiligung, gab es mehr Wahlmöglichkeiten. Die Wiedervereinigung bekam eine klare Mehrheit, die Option “Unabhängigkeit” bekam ganze 19 Stimmen. Wie ist das Nein auf Guam zu erklären? Auf Guampedia findet sich eine Analyse dazu. Das Verhalten der Nord-Marianer im 2. WK an Seite der japanischen Besatzer wurde nicht vergessen. Anders gesagt: Man hat sich kolonialhistorisch anders entwickelt. Wie Äthiopier und Eritreer. Dann gab es kaum eine Werbung für das Referendum – daher auch die geringe Beteiligung. Weiters: Guam war und ist besser entwickelt, reicher, von daher fürchteten Viele auf der Insel, dass die Nord-Marianen mit ihrem Geld aufgebaut werden müssten. Daneben war bereits das Rennen für die erste Gouverneurs-Wahl, 1970, eröffnet, und im Wahlkampf der drei DP-Kandidaten hat das Team von Ricardo Bordallo (Gouverneur 1975-79, 83-87) indirekt gegen eine Wiedervereinigung Stellung genommen, aus wahltaktischen Gründen (um sich von den Konkurrenten abzugrenzen).

In einem Referendum 1970 haben sich die Nord-Marianer für engere Bindungen an die USA ausgesprochen, gegen die Unabhängigkeit. Auf Guam gab es 1976 und 1982 weitere Referenden über den Status, in denen die Unabhängigkeits-Option ebenfalls keine Rolle spielte. Zuspruch bekam eine engere Bindung an die USA, deutlich mehr als die Aufwertung zum Bundesstaat und die Beibehaltung des Status. Ansonsten wurde auf Guam immer wieder über die Legalität des Glücksspiels abgestimmt. Im Fussball sind Beide schon unabhängig. Sowohl Guam als auch die Nord-Marianen haben einen eigenen Fussballverband und ein Fussball-Nationalteam. Beide gehören dem asiatischen Verband (AFC), nicht dem ozeanischen (OFC), an.44 Zur Zeit ist weder für Guam noch die Nord-Marianen die Vereinigung eine Option noch die Unabhängigkeit noch die Bundesstaatlichkeit. Die demographische Situation spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Für einen Bundesstaat sind die Inseln wohl zu wenig “weiss”. Dass die Chamorro-Anliegen für die Zukunft ausschlaggebend sind, nach Jahrhunderten der Kolonial-/Fremdherrschaft, dazu ist diese Urbevölkerung wahrscheinlich schon zu weit zurückgedrängt worden.

Und solange die Inseln für die USA militärisch oder wirtschaftlich eine Bedeutung haben, werden sie an diese gebunden sein. Die Region Mikronesien45 ist ganz in der Hand der Amerikaner. Der Pazifik, heisst es, rückt zunehmend ins Zentrum des Weltgeschehens. Dort stehen sich die beiden Weltmächte USA und China gegenüber. Und Nordkorea drohte (jedenfalls 2017) mit Angriffen auf Guam, sowie das US-Festland und Hawaii. Nachdem Trump mit “Feuer und Wut” gedroht hatte, im Atom-/Raketenstreit. Und weil Angriffe der USA auf Nordkorea wohl über Guam laufen würden, “Amerikas Tor zu Asien”. Guams damaliger Gouverneur Calvo (RP) stellte sich damals gleich hinter die USA. de.wikipedia weiss: „Die Verbindungen zu den USA werden in der Bevölkerung weitgehend positiv bewertet, auch sind die Militärstützpunkte für die Wirtschaft von Guam wichtig. Unter den Einwohnern ist die US-amerikanische Kultur weit verbreitet.“ Der zweite Satz stimmt sogar irgendwie. Ein Viertel der Inselfläche gehört dem USA-Militär; wichtig sind der Hafen von Apra mit den Atom-U-Booten und die “Andersen” Luftwaffen-Basis im Norden der Insel.

Massive Konflikte zwischen diesem Militär und der Bevölkerung hat es, anders als auf dem japanischen Okinawa, noch nicht gegeben. Auch weil diese Bevölkerung in diesen Streitkräften ja zum Teil mitmacht.46 Rund um die Militäreinrichtungen (bzw für diese) gibt es Prostitutionsangebote, und es gibt auf der Insel einen diesen zugrunde liegenden “Frauenhandel”. Darüber hinaus gibt es aber auch immer wieder Berichte über andere Ausbeutung ausländischer Arbeiter auf Guam, auch durch Chamorros. Die Bedeutung des amerikanischen Militärs für Guam zeigt sich auch dadurch: Die US-Navy hat vor einigen Jahren Guam mit toten Mäusen “bombardiert”, um den bedrohten Vogelbestand der Insel vor der Braunen Nachtbaumnatter zu retten, eine Schlangenart die das Militär selbst vor Jahrzehnten (wahrscheinlich im 2. WK) eingeschleppt hatte. Die toten Mäuse dienten als Köder und wurden mit Paracetamol versehen, das für Schlangen bereits in geringen Dosen tödlich ist. Guams “anderes” wirtschaftliches Standbein ist die Tourismus-Industrie, besonders Japaner und Koreaner kommen gerne, aber auch US-Amerikaner, Philippinos,…

Ein Motto für Guam ist “Where America’s Day Begins”, was sich auf die Nähe zur globalen Datumsgrenze bezieht, darauf, dass Guam das erste US-amerikanische Gebiet auf der “asiatischen” (bzw der westlichen) Seite dieser Grenze ist. Diese Datumsgrenze ist eigentlich ein zutiefst eurozentrisches “Konzept”, ein Erbe des europäischen Kolonialismus. 1884 wurde der Nullmeridian durch den Londoner Stadtteil Greenwich gezogen, der “Gegenbogen” auf der anderen Erdseite (180. Längengrad bzw 180° Greenwich) wurde als Datumsgrenze fest gelegt. Der “Anfang” in der Hauptstadt der damaligen Weltmacht Nr. 1 (bzw durch sie)47, das “Ende” auf der anderen Seite der Welt, dort können ruhig miteinander vernetzte (Insel-) Gebiete zerteilt werden. Infolge dessen wurden auch Zeitzonen eingeführt. Bis dahin war die Datumsgrenze von den europäischen Kolonialmächten individuell (“willkürlich”) festgelegt worden, auch immer irgendwo durch den Pazifik.

So führten die Spanier die Datumsgrenze westlich der Philippinen, weil sie diese von Mexico (Mexiko) aus bewirtschafteten. Nach der Unabhängigkeit von Nueva España als Mexico 1821 verschob Spanien (in den 1840ern) die Datumsgrenze nach Osten, schloss die Philippinen gewissermaßen an Asien an, trennte sie von Amerika ab. Alaska lag, so lange es zu Russland gehörte, auf der asiatischen Seite (wie das gegenüberliegende Sibirien), also westlich der Datumsgrenze. Mit dem Verkauf an die USA gelangte es auf die amerikanische (östliche) Seite. Mikronesien (liegt südlich von Russlands Fernem Osten) liegt grösstenteils auf der asiatischen Seite der Datumslinie, diese verläuft quer durch Polynesien. Das zur mikronesischen Region gehördende Kiribati war durch die Datumsgrenze “geteilt”. 1994/95 entschied sich der Staat, komplett zur asiatisch-ozeanischen Seite zu gehören, diese bekam dadurch eine erhebliche Ausbuchtung. Man wird sehen, ob aus der “Rückseite der Welt”, dem Pazifik-Raum, nicht einmal eine Vorderseite wird.

Der zweite Weltkrieg und sein Ende 

Um zurück zu kommen auf den Aufstand in Agana 1944, und den Krieg, in dem die USA diese südlichste Marianen-Insel von Japan zurückeroberte, im Rahmen des Pazifikkriegs: An diesem Kriegsschauplatz und überhaupt ging der Krieg ja durch die amerikanischen Atombombenabwürfe auf Japan im August 1945 (die, siehe oben, zu den Marianen ja auch einen Bezug haben) und die darauf folgende japanische Kapitulation zu Ende (und bald in einen Kalten Krieg zwischen den Alliierten dieses Kriegs über). Über die Details dieses Endes lassen sich einige interessante (und hierfür relevante) Beobachtungen machen, auch über die amerikanische Einbindung in diesen Krieg.

Bis Pearl Harbor 1941 gab es grosse Debatten in der USA um den Kriegseintritt; zuvor gab es in diesem Jahr unter Franklin Roosevelt bereits Verhandlungen mit GB, die als erste alliierte Konferenzen gelten. Das US-amerikanische Heer wurde hauptsächlich in den Pazifik (gegen Japan) geschickt, dann auch nach Nord-Afrika, von wo nach Italien übergesetzt wurde, und natürlich in die französische Normandie. Japan führte in den 1930ern und 1940ern Kriegszüge in der ostasiatisch-pazifischen Region, ging ein Bündnis mit den faschistischen Mächten Europas ein. Obwohl der Angriff auf Pearl Harbor verheerend war, war es den Japanern auf Hawaii nicht gelungen, die US-amerikanischen Flugzeugträger im grossen Stil zu zerstören, was sich bei Midway 1942 für sie rächen sollte. Die USA blieben materialmäßig trotz der Verluste in Pearl Harbor im „Pazifikkrieg“ überlegen. 1940 war bereits die Wehrpflicht eingeführt worden, von daher waren die Amerikaner ohnehin von dem Krieg betroffen. Japanische Amerikaner und Andere waren wiederum von Internierungen betroffen.

Aber der 2. WK kam auch auf das Territorium der USA. Nicht nur durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Aussengebiet Hawaii (das damals noch kein Bundesstaat war) und die Kämpfe mit den Japanern auf den amerikanischen “Guano”-Inseln (wie Midway, Wake,…), die erwähnte Rückeroberung der Philippinen und Guam 1944, die Eroberung der Nord-Marianen. Die deutsche Kriegsmarine tastete sich 1941/42 mit U-Booten an die US-amerikanische Ostküste heran, griff dort Schiffe an (“Unternehmen Paukenschlag”). ’42 konnte sich Saboteure von einem U-Boot an Land setzen, diese wurden in New York festgenommen. 1943 wurde auch einmal versucht, deutsche Gefangene am Festland zu befreien. In einem Fall kam es zu Kämpfen auf amerikanischem Boden während des Zweiten Weltkriegs.

Die Japaner nahmen im Juni 1942 zwei Inseln der zu Alaska (auch noch kein Bundesstaat) gehörenden Aleuten ein; 1943 wurden Attu und Kiska zurück erobert. Und dann gab es die japanischen Ballonbomben/ Brandballons/ Fu-gō heiki, Gasballons die Bomben von Japan über den Pazifik nach Amerika trugen. Etwa 9 000 solcher Ballons wurden an der Ostküste der japanischen Insel Honshū gestartet, von November 1944 (als das Bombardement Japans durch amerikanische Kampfflugzeuge begann) bis April 1945. Etwa 300 Ballons kamen an die Westküste der USA sowie Canadas, man fand sie dort vielerorts. Im Mai 1945 tötete einer in Oregon sechs Menschen, die die einzigen Kriegsopfer am Festland bzw in Bundesstaaten der USA wurden.48 Die letzte scharfe Ballonbombe wurde 1955 gefunden, eine durch Verwitterung entschärfte noch 1992, in Alaska. Entsprechendes gibt es ja, Jahrzehnte nach Kriegsende, auch in Europa.

Der blutigste bzw tödlichste Tag für das US-Militär in diesem Krieg (und überhaupt!) war aber fern von “zu Hause”, nach der Landung in der Normandie, am 6. Juni 1944, als etwa 2 500 Soldaten getötet wurden, von Wehrmachts-Angehörigen. Die Normandie-Offensive ging dann noch weitere 1 1/2 verlustreiche Monate weiter. Nach der amerikanischen Landung auf der japanischen Insel Okinawa im April ’45 tobte dort bis Juni eine Schlacht zwischen Angreifern und Verteidigern, bei der etwa 14 000 Amerikaner und um die 100 000 Japaner getötet wurden. Besonders verlustreich war auch die Maas-Argonnen-Offensive 1918 im 1. WK (eineinhalb Monate), Gegner ebenfalls Deutsches Reich.

Die Schlacht von Okinawa kam, als USA-Truppen bereits die Philippinen zurückerobert hatten (eingeleitet mit der Landung auf Leyte 1944), nach der Landung auf der japanischen Insel Iwojima (Anfang ’45, mit dem fotografierten Hissen der USA-Flagge nach der Schlacht). In dieser Endphase des Kriegs flogen (meist) Freiwillige der japanischen Luftwaffe Kamikaze-Selbstmordangriffe gegen Kriegsschiffe der USA (und ihrer Verbündeten). Im August 45 die Atombomben-Einsätze (anstatt einer Invasion auf den japanischen Hauptinseln), ausserdem der Kriegseintritt der SU an der Pazifikfront gegen Japan, die Besetzung von Süd-Sachalin und den nördlichen Kurilen sowie die Invasion in der Mandschurei. Mit der Kapitulation Japans im September war der Krieg eigentlich zu Ende. In Europa war er das schon seit Mai, mit den Kapitulationen Nazi-Deutschlands.

Letzte bedeutende Schlacht in Europa war jene um Berlin (Apr/Mai 45). Einzelne Verbände der Wehrmacht, wie die 8. Armee, kämpften noch einige Tage über die Gesamt-Kapitulationen hinaus gegen sowjetische Truppen (in Ungarn, Tschechoslowakei); dies vor allem in dem Bestreben, Militärverbände und Zivilisten noch in die Westgebiete zu transportieren. Darüber hinaus waren manche Einheiten noch selbstständig aktiv: in Norwegen, Teilen Frankreichs, auf den britischen Kanalinseln, in Lettland. Die “Werwolf”-Kampfgruppen des untergehenden NS-Regimes waren dagegen mehr Mythos bzw Propagandaphänomen als von militärischer Bedeutung (“Untergrundkampf”), gingen hauptsächlich gegen Deutsche vor, die mit Alliierten zusammenarbeiteten.

Scharmützel gab es in Europa über die Kapitulationen hinaus, Stellvertreter-Kämpfe, Rückzugsgefechte, Frontwechsel. In Poljana (Slowenien/Jugoslawien) kämpften Kollaborateure der Achsenmächte in YU (v.a. kroatische und slowenische) mit zurückweichender Wehrmacht Mitte Mai gegen die Tito-Partisanen und britische Verbände. Infolge des Sieges der alliierten Seite dort (15. Mai) kam es zu den Repatriierungen der “Kollaborateure” bei Bleiburg und Vorstössen jugoslawischer Partisanen nach Kärnten. Danach kämpften auf der niederländischen Insel Texel noch georgische Kollaborateure der Wehrmacht gegen ihre bisherigen Meister. Es gab am Kriegsende Fluchtbewegungen, hauptsächlich aus Ost- nach West-Europa, blutige Abrechnungen, Besetzungen,…

1944 gab es die “Haudegen”-Expedition der Wehrmacht, die Errichtung einer Wetterstation auf Spitzbergen im norwegischen Svalbard-Archipel, eine von mehreren im Arktis-Gebiet. Im Mai 1945 verloren die Soldaten den Funkkontakt. Am 4. September wurden sie von norwegischen Robbenjägern gefunden, zwei Tage nach der Kapitulation Japans; es war die letzte Wehrmachts-Einheit die sich ergab. Mancherorts ging ein Konflikt beinahe nahtlos in einen anderen über. Der Chinesische Bürgerkrieg, der aufgrund der japanischen Invasion pausiert hatte, ging im Juli 45 wieder los. Die polnische Widerstandsarmee Armia Krajowa löste sich offiziell im Jänner 45 auf, als die Rote Armee Polen von den Deutschen befreite. Doch viele Einheiten griffen wieder zu den Waffen, als sich abzeichnete, dass die Sowjetunion Polen keine echte Selbstbestimmung gestattete. Vorboten des Kalten Kriegs.

Im Pazifikraum (Ostasien-Ozeanien-Westküste Amerika) gab es auch Scharmützel über die japanische Kapitulation hinaus, und auch das “Übergehen”  dieses Krieges in neue Konflikte. Und das Auftauchen japanischer “Aushalter” lange nach Kriegsende. Auf den Philippinen kam es nach der Wiederherstellung amerikanischer Herrschaft 44/45 die Gewährung der Unabhängigkeit 46 und den Guerilla-Kampf der kommunistischen “Huks”. Abgesehen davon hatten sich vielerorts japanische Soldaten versteckt, die oft weiterkämpften, im Laufe der Jahre auftauchten. Shōichi Shimada war auf der Insel Lubang verblieben, führte einen einsamen Kampf; 1954 wurde er bei einem Gefecht mit philippinischen Soldaten getötet.

Andere Japaner schlossen sich nach dem grossen Krieg den nationalen Unabhängigkeitsbewegungen gegen europäische Kolonialmächte an, v.a. in Vietnam und Indonesien. Murata Susumu wurde 1953 auf der Marianen-Insel Tinian in einer Hütte festgenommen; er wusste noch nichts vom Kriegsende. Berühmt wurde der Fall des japanischen Unteroffiziers Shōichi Yokoi, der erst am 24. Januar 1972 auf Guam entdeckt wurde. Am 10. August 1944 hatten die Amerikaner die Kontrolle über Guam wieder; aber es gab noch Monate darüber hinaus Widerstand von versprengten Truppen. Die sich v.a. in Höhlen in den Hügeln der Insel versteckten. Im Dezember 45 wurden 3 Marines bei einem Angriff (wahrscheinlich dem letzten “organisierten”) getötet.

Shoichi Yokoi Guam 1972

Auch Shōichi Yokoi war Teil einer Kleingruppe, von anfangs 10. Sie überlebten durch Fischen, Jagen und gelegentlichen Diebstählen von Guamesen. Vom Kriegsende erfuhren die Männer 1952 durch ein abgeworfenes Flugblatt. Sie entschieden sich aber gegen eine Kapitulation, da sie eine solche als unehrenhaft empfanden. Dann “übersiedelten” Sieben in einen anderen Teil der Insel – vielleicht waren die 2 japanischen Holdouts, die 1960 gefunden wurden, aus dieser Gruppe. Yokois letzter Kamerad starb 1964, bei einer Flut. 8 Jahre lebte er alleine, in einer getarnten Höhle, jagte in der Nacht, lernte sich in der Situation zu helfen, wurde gewissermaßen ein Waldmensch. 1972 wurde er von zwei Fischern gefunden. Er dachte sie seien hinter ihm her, so griff er sie an, sie überwältigten ihn aber. Und übergaben ihn der Polizei. Seine Heimkehr nach Japan wurde dort im Fernsehen übertragen, war eine grosse Sache. Er selbst soll gesagt haben: “Es ist mir sehr peinlich, lebend zurückzukehren.” Er war aber nicht der letzte japanische Soldat aus dem 2. WK, der aus seinem Versteck auftauchte.

Hiroo Onoda wurde 1974 auf den Philippinen (Lubang) gefunden. Im Dezember 1944, als die US-amerikanische Rückeroberung im Gange war, wurde er auf die Insel “versetzt”, sollte dort in einer Einheit Widerstand leisten. Einige Monate später zogen sich die vier Überlebenden der Einheit in Berge zurück, kämpften einen Guerilla-Krieg. Auch hier wurden Flugblätter abgeworfen, um japanische Holdouts über das Kriegsende zu informieren. Ab 1972 war Onoda alleine. Er traf 1974 einen japanischen Weltenbummler, dem er sich anvertraute. Dieser musste Onodas früheren Kommandanten in Japan aufspüren, der dann auf die Insel kam – um ihn aus dem Dienst zu entlassen, beinahe 30 Jahre nach Kriegsende. Onodas Gruppe hatte um die 30 philippinische Soldaten getötet, über die Jahre, aber er wurde vom philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos begnadigt. Marcos hatte im Weltkrieg auf amerikanischer Seite gegen die Japaner gekämpft; 1972 hatte er die Demokratie suspendiert und das Kriegsrecht ausgerufen.49 Einige Monate später tauchte dann noch Teruo Nakamura in Indonesien auf, ein Angehöriger der Urbevölkerung Taiwans, das 1895 bis 1945 unter japanischer Herrschaft stand.

Waren die Gefechte bzw Angriffe der versprengten japanischen Weltkriegs-Soldaten (die also bis in die 1970er hinein gingen) noch “Nachhutgefechte” dieses Kriegs? Wäre eine mehr als gewagte Interpretation, aber andererseits: Wo ist die Grenze zu ziehen? Es gab sogar noch später Aufgetauchte… Shigeyuki Hashimoto and Kiyoaki Tanaka hatten sich nach der japanischen Kapitulation in Malaysia dem Unabhängigkeitskampf gegen GB angeschlossen, dann einem Aufstand bzw Guerilla-Kampf der kommunistischen Partei Malaysias (PKM) – der 1989 zu Ende ging. Im Jänner 1990 kehrten die Beiden nach Japan zurück. Und Ishinosuke Uwano war auf Sachalin in sowjetische Gefangenschaft geraten, war in diversen Lagern, 1958 riss der Kontakt seiner Familie zu ihm ab. 2006 tauchte er in der Ukraine auf. Das stellt locker Rudolf Hess in den Schatten, der inhaftiert wurde, als es noch keinen Kalten Krieg gab, gestorben ist, als dieser schon fast zu Ende war. Im 1. WK hatte es einen deutschen Hauptmann gegeben, Hermann Detzner, der sich zu Kriegsbeginn im Busch von (Deutsch-)Neuguinea versteckte und schlappe 4 Jahre aushielt.

Für Japan, unter Tenno Hirohito, bedeutete die Kriegsniederlage 45 natürlich einen tiefen Bruch, brachte einen Machtverlust des Tenno, einen inneren und äusseren Kurswechsel, eine Besetzung durch die USA, Gebietsverluste,… es bekam aber nach einer Änderung der Weltlage die Souveränität zurück, wurde Verbündeter bzw Teil des Westens. Die Japaner waren für Hitler Verbündete und gleichzeitig Vorhut einer “gelben Gefahr”50; so weit ist das wahrscheinlich gar nicht von ihrer nachmaligen Wahrnehmung im Westen entfernt. Shiro Ishii war ein japanischer Mediziner, der in der „Einheit 731“ seiner Armee wirkte, die im Chinesisch-Japanischen Krieg 1937-45 in der Mandschurei Lebend-Menschen-Versuche für biologischen Waffen vornahm; 1948 schloss die USA (auf Initiative des Generalmajors Charles Willoughby) mit Ishii und anderen aus der Einheit ein geheimes Abkommen, in dem sie im Gegenzug für aus den Menschenversuchen gewonnene Daten zur biologischen Kriegführung Immunität gegen Verfolgung als Kriegsverbrecher zusicherten. Parallelen also zu Deutschland.51 Der Spanische Bürgerkrieg ging wenige Monate vor Beginn des 2. WK zu Ende, brachte die Diktatur unter Francisco Franco. Der Hitler dann etwas Hilfe zukommen liess (Division Azul), so wie dieser ihm zuvor (Legion Condor). Und bald nach dem Sieg über Hitler begann die USA, Franco zu stützen; 1953 entstanden US-Militärbasen in Spanien, und solange Spanien im US-amerikanischen geopolitischen System blieb, konnte es jede Art von Hilfe gegen eine Rebellion von Innen oder Regimewechsel von Aussen erwarten.

Es gibt noch etwas, dass Guam mit diesem Krieg verbindet: Methamphetamin. Im 2. WK wurde es in den Armeen Deutschlands („Pervitin“) und Japans (“Philopon”) eingesetzt. Nicht zuletzt bei japanischen Kamikaze-Piloten, im Pazifikkrieg. In Japan gab es nach dem Krieg eine Meth-Welle, die Mitte der 50er abebbte, aufgrund von Gesetzesänderungen. Sie schwappte aber über, in andere Länder des Pazifik-Raums, kam über die Philippinen, Guam, die Marshall Islands, Hawaii in die Festland-USA, an deren West-Küste.

Unruhen und Ähnliches in der USA

Abzugrenzen von Aggressionen nach Aussen, im Rahmen von Expansion oder auch nicht. Innere Konflikte, die mit Gewalt ausgetragen wurden, so wie jener im Militär auf Guam im 2. WK nach der Rückeroberung (> 1. Abschnitt). Konflikte wo der Staat bzw seine bewaffneten Kräfte eine Konfliktpartei war, auch solche die gewissermaßen an ihm vorbei liefen. Innere Gewalt hat es nach dem Ende der Expansion und dem Bürgerkrieg immer wieder gegeben. Der erste (quasi-) militärische Angriff auf die USA seit Pearl Harbor 1941, der am 11. September 2001 (die 4 gekaperten Flugzeuge), gehört nicht in diese Kategorie, da er zwar Gewalt in der USA beinhaltet, aber eben von Aussen gekommen ist.

* Die Unterwerfung der “ur-“amerikanischen Bevölkerung, der “Indianer”, begann zu Kolonialzeiten, ging bis Ende des 19., Anfang des 20. Jh.52

* Die Sklaverei muss an sich als Aggression aufgefasst werden; inner-amerikanische Konflikte ergaben sich hier aus dem Widerstand versklavter Afro-Amerikaner. Am bekanntesten ist die Sklaven-Rebellion unter “Nat” Turner 1831 in Virginia, mit etwa 50 Toten bevor die Repressalien bzw die Niederschlagung begannen. Zu dieser Zeit begann übrigens im Norden der USA die Industrialisierung, begannen sich Norden und Süden der USA auseinander zu entwickeln.

* Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg (1846-48) endete mit dem Vertrag von Guadelupe Hidalgo im Februar 1848, mit dem Mexico fast ganz Alta California und einen Teil von (Santa Fe de) Nuevo Mexico an die USA abtreten musste.53 Doch bereits im Jänner 1848 begann der California Gold Rush, begannen US-Amerikaner also, Gold in Kalifornien zu fördern, als das Land de facto aber noch nicht de jure ihnen gehörte. Infolge des “Goldrauschs” wurde California rasch ein US-Bundesstaat (1850).54 In diesem lebten zum Zeitpunkt der “Übernahme” etwa 100 000 Mexikaner, “Weisse”, “Indianer” (der grösste Teil davon!) und “Mischlinge”.55 Diese beteiligten sich auch an der Goldsuche, viele mit Erfolg. Diese Mexikaner in Kalifornien waren damals “das Andere”. Zwischen 1848 und 1860 wurden über 150 mexikanische Kalifornier gelyncht, von weissen Amerikanern, darunter frischen Einwanderern aus Europa. Von einem der Opfer ist der Name bekannt, Josefa Segovia; sie wurde schuldig befunden, einen Amerikaner getötet zu haben, der in ihr Haus einbrach.56

* Wahltag in Louisville, Kentucky 1855, Massaker von Anhängern der American Party (“Know Nothing Party”), WASPs, an irischen und deutschen Einwanderern, Anhänger der Democratic Party, 22+ Tote. Einwanderer sind entgegen dem US-Mythos vom “Schmelztiegel der Nationalitäten” nie populär gewesen. Auch dann nicht, wenn sie dringend gebraucht wurden.

* Die Church of Jesus Christ of Latter-day Saints bzw Mormonen-Kirche hat eine Entstehungsgeschichte, die mit viel Gewalt verbunden ist.57 Die Latter-day Saints bzw Mormonen waren (ab den 1820ern) die erste in der USA entstandene Kirche. Ab 1831 wanderten Joseph Smith und seine Anhänger in den Westen Amerikas, wie viele Andere damals. Auf diesem Weg gab es viele “Auseinandersetzungen”, mit anderen Siedlern oder Behördenvertretern oder aber Indianern. 1838 in Missouri mit nicht-mormonischen Siedlern (Amerikanern). 1844 wurden Joseph Smith und sein Bruder in Illinois gelyncht. Brigham Young führte den „Exodus“ weiter; der Zug kam 1847 in das Gebiet der Ute-Indianer, noch Teil von Alta California, Mexico, aber im laufenden Krieg (1846-48) gerade dabei an die USA verloren zu werden – wie das Gebiet um Coloma, wo dann Gold gefunden wurde (s.o.). Young wurde Gouverneur des Utah-Territoriums (bestand 1850-1896). Es gab in dieser Phase und auch danach bei den Mormonen Ansätze von Separatismus gegenüber der USA, jedenfalls aber eine Sonderentwicklung, religiös begründet, ethnisch waren sie so WASP wie nur möglich.

1857 wollte USA-Präsident James Buchanan (DP) Young als Gouverneur von Utah absetzen und Kontrolle über das Territorium herstellen. In Washington befürchtete man, dass sich Utah unter Young zu einer Mormonen-Theokratie entwickelte, schickte eine Militär-“Expedition”. Daraus ergab sich dort 1857/58 eine Art Besatzungssituation. Im September 1857 entluden sich Spannungen, als Angehörige einer Mormonen-Miliz im südlichen Utah ungefähr 100 Siedler töteten, die nach Kalifornien ziehen wollten. 1858 wurde nach Verhandlungen zwischen der Regierung und der Mormonen-Führung Young als Gouverneur abgesetzt, Utah enger an die USA gebunden und die “Aufständischen” von Buchanan begnadigt, ausser die an dem Massaker Beteiligten. Utah wurde 1896 Bundesstaat. Die allerletzten Auseinandersetzungen, die als Teil der Indianerkriege (Indian wars) gelten, ereigneten sich auch in Utah, bildeten den Abschluss der “Ute-Kriege”. 1923 war das, zwischen einer Gruppe von Ute und Paiute unter einem Posey und der USA-Armee, dauerte einige Tage, bewirkte einen Massenexodus von Ute/Paiute innerhalb Utahs – dem Staat der ihnen seinen Namen verdankt.58

* Die Cortina-Kriege: Juan Cortina (1824 – 1894), ein weisser Mexikaner, lebte in Tamaulipas, war dort Gouverneur (1843, 1844/45). Tamaulipas grenzte an Coahuila y Texas, Cortina erlebte die amerikanische Inbesitznahme von Texas (1835-1845), bei der Tamaulipas auch einen Teil an das amerikanische Texas verlor. Nach dem Krieg 1848 musste dann noch ein umstrittenes Grenzgebiet von Tamaulipas an Texas abgetreten werden. Ende der 1850er stellte Cortina paramilitärische Verbände auf, drang mit ihnen in den USA-Bundesstaat Texas ein, griff ihm im Rio Grande-Tal Angloamerikaner an, die in jenem Gebiet siedelten, das Cortinas Familie gehört hatte. Es gab dort Kämpfe mit bewaffneten Gruppen (United States Army, Texas Rangers, lokale Milizen); der “Erste Cortina-Krieg” ging von 1859 bis 1860, die Mexikaner wurden zurückgeschlagen, über den Rio Grande. 1861 der zweite Versuch und der daraus folgende zweite “Krieg”. Der USA-Bürgerkrieg (oder: Krieg zwischen USA und CSA) hatte gerade begonnen, und Cortina überquerte wieder mit einer Miliz den Rio Grande, nach Texas, das sich den Konföderierten Staaten angeschlossen hatte. Die Mexikaner bekamen es so mit CSA-Truppen zu tun, diese wurden von Santos Benavides geführt, einem Tejano, also mexikanischen Texaner. Es gab dann, speziell um die Jahrhundertwende, noch viele Scharmützel an der mexikanisch-amerikanischen Grenze.

*  Den blutigsten Tag in der amerikanischen Militätgeschichte überhaupt gab es in diesem Bürgerkrieg (1861-65): die Schlacht von Antietam (Maryland) am 17. September 1862, als über 3 600 Soldaten beider Seiten getötet wurden. Es gab auch mehrere Massaker in diesem Krieg. Im Oktober 1862 eines in Gainesville (Texas), an dort lebenden Zivilisten, die verdächtigt wurden, “Unionisten” zu sein, also Sympathisanten/Unterstützer der USA bzw der Bundestruppen. 41 solche wurden gehängt, nach Aburteilungen durch ein “Bürgergericht”, 2 weitere bei Fluchtversuchen erschossen. 1863 veranstalteten CSA-Truppen in Lawrence (Kansas) ein Massaker, töteten 164 Zivilisten. Um den “roten Faden” dieses Artikel aufzunehmen: Kriegsziel der Südstaaten war ja eigentlich die Behauptung der Unabhängigkeit/Souveränität. Der Autor Edward Pollard aus Virgina aber wälzte Pläne für die USA und die CSA für den Fall eines Siegs der zweiteren. Die Industrie im Norden sollte zerschlagen werden, die CSA sollte in den Karibikraum expandieren, ein auf Sklaverei basierendes Imperium errichten (mit einer weissen englischsprachigen Herrenschicht).59

* Unfälle: Auf dem Mississippi-Dampf-Schiff „Sultana“ 1865 eine Explosion, anschliessender Untergang,  1 168 Tote, kurz nach Ende des Bürgerkriegs und der Ermordung von Präsident Lincoln; Brand im Iroquois-Theater in Chicago 1903, forderte 602 Menschenleben; Gasexplosion in New London (Texas) 1937, 295 Opfer; 1913 Grubenunglück in New Mexico durch Dynamit-Verwendung; Italian Hall in Calumet (Michigan) 1913 Massenpanik; American Airlines Flugzeug 1979 Absturz (Wartungsfehler); 1963 Zug-Busunfall Chualar (California);…

* Lynchmorde an Afro-Amerikanern, das Wirken des Ku Klux Klan. Nach einer Schätzung des Tuskegee Institute sind allein in der Zeit von 1882 bis 1968 über 4 700 Menschen in der USA gelyncht worden, hauptsächlich in den Südstaaten, ungefähr drei Viertel davon Afro-Amerikaner. Mit “Lynchen” sind natürlich Hinrichtungen/Tötungen aus Selbstjustiz/Standrecht gemeint; aber jemanden aus rassistischen Gründen ein Verbrechen zu unterstellen/umzuhängen (und ihn dafür zu töten) und jemanden aus rassistischen Gründen zu töten – das ist nicht immer so klar abzugrenzen.

Der bereits erwähnte Nathan B. Forrest war Sklavenhändler u.a. in Tennessee, CSA-General im Bürgerkrieg60, beteiligt beim Massaker 1864 in Fort Pillow (TN) an USA-Truppen (hauptsächlich Schwarzen). Nach dem Krieg Begnadigung, zurück zur Baumwollplantage, Misshandlung von Schwarzen dort, stiess 1867 zum 2 Jahre zuvor gegründeten KKK. Der Klan kämpfte gewissermaßen gegen den Ausgang des Kriegs, die Herrschaft des Nordens, drangsalierte Afro-Amerikaner, hatte im Südosten der USA viele mehr oder weniger autonome lokale Verbände. Forrest wurde Grand Wizard des Klans, bis 1869. 1871 wurde er, im Rahmen der Reconstruction, aufgelöst. Nach Forrest, der der Democratic Party angehörte, sind noch immer Plätze u.a. in der USA benannt. Das Lynchen an Afro-Amerikanern erreichte um 1900 einen Höhepunkt.

In dieser Zeit tauchten in der USA auch Berichte über Folterungen auf den Philippinen auf, von US-Soldaten an Philippinos.61 Wie erwähnt hatten sich die Philippinos gegen die Spanier aufgelehnt; nach der amerikanischen Eroberung (die auch mit diesem Aufstand gerechtfertigt wurde) und der Errichtung einer neuen Fremdherrschaft flammte der Aufstand neu auf62, richtete sich gegen die Amerikaner, wurde zu einer Art Krieg (1899-1902). Vor diesem Hintergrund wurden Philippinos gefoltert. Präsident Theodore Roosevelt hat sich in dieser Zeit zu Lynchmorden in der USA an Schwarzen und Folter auf den Philippinen geäussert. So 1902 bei einer Rede auf dem Arlington Friedhof in Virgina, verurteilte und relativierte gleichzeitig die Gräuel, rief nicht zu einem Ende des Lynchens in der USA auf, sondern zu einem Ende der Kritik am amerikanischen Militär.

24. Infanterie-Division der Armee der USA, Philippinen 1902

Der Krieg ging zu Ende, als die USA (mit dem Philippine Organic Act) den Philippinen 1902 etwas Selbstverwaltung zugestand. Einige Senatoren, weisse Demokraten aus dem Süden, blockierten das Gesetz einige Zeit, da sie Roosevelts Äusserungen über die Süd-USA und die Philippinen als ein Schuldeingeständnis sahen. 1903 tadelte er, in einem Brief, Teilnehmer von Lynchmobs etwas, und führte aus, dass der “schwarze Mann in manchen Fällen schuldig war, an grausamen Verbrechen”63. Die “schwarzen” US-Amerikaner die auf die Philippinen geschickt wurden, um den dortigen Aufstand niederzuschlagen64, waren auch dort Rassismus von ihren Landsleuten ausgesetzt, innerhalb der Armee. Nicht anders als “zu Hause”. In dieser Zeit, zwischen 1899 und 1902 wurden 381 Afro-Amerikaner in der USA gelyncht. Nun waren sie Fusssoldaten, Ausführende in einem Krieg, der auf der selben rassistischen Ideologie basierte, wie jene die sie in Amerika erfuhren. Philippinos wurden von weissen Amerikanern so charakterisiert/eingestuft, wie auch die Afro-Amerikaner: minderwertig, unbeholfen, unreif. Die selbe Konstellation gab es in Vietnam, Irak,…

KKK-Parade Washington 1926

Der Ku Klux Klan wurde ja nach einem Film 1915 neu gegründet65, nahm seine Tätigkeit wieder auf, der aber in der Zwischenzeit (seit seiner Auflösung) auch nachgegangen worden war. Einer der Führer des 2. Klans, David Stephenson (Grand Dragon in Indiana), wurde in den 1920ern wegen Mord und Vergewaltigung einer (weissen) Frau verurteilt (und dann vorzeitig freigelassen). Imperial Wizard Hiram Wesley trat 1939 zurück, nachdem er von Anti-Katholizismus (seinem und dem des KKK) abgerückt war.66 1939 kam auch das Lied “Strange Fruit” von Billie Holiday heraus, komponiert von Abel Meeropol (Jude russischer Herkunft aus New York). Gelynchte Menschen auf Bäumen im Süden der USA, sonderbare Früchte des Baums die da herunterhängen. Der 2. Klan, unter James Colescott dann, musste 1944 aufgrund von Steuerzahlungsforderungen des Staates aufgelöst werden – nicht wegen seiner Ideologie, seinen Aktivitäten. Ab den 1950ern gibt es lokale/regionale Neugründungen.

Emmett Till, 14 Jahre, wurde 1955 in Mississippi gelyncht, nachdem er eine weissen Frau im Geschäft von deren Familie “angemacht” hatte (Pfiff ausgestossen,…), nicht vom KKK, von Leuten die in der Mitte der Gesellschaft waren67, Verwandten und Freunden der Frau; sie wurden freigesprochen. 1981 wurde Michael Donald in Alabama von Mitgliedern des Ku Klux Klan gelyncht, nachdem ein Afroamerikaner des Mordes an einem (Weissen) freigesprochen wurde. Dieser Lynchmord gilt als der letzte (derartige) in der USA.

* In Opelousas (Louisiana) gab es 1868 ein Pogrom an Afro-Amerikanern (über 300 Tote), kurz nach der Aufhebung der Sklaverei also, im Zuge des Bemühens die ehemaligen Sklaven an der Ausübung der ihnen theoretisch zugestandenen politischen Rechte zu hindern.

* 1871 ein Massaker an Chinesen in Los Angeles, etwa 20 Tote

* 1887 in Thibodaux (Louisiana) ein Streik bzw Aufstand von Zuckerrohr-Arbeitern, ehemaligen Sklaven, die Niederschlagung…die Angaben über Opferzahlen reichen von 30 bis 100; die Arbeiter kehrten zu den Bedingungen ihrer Arbeitgeber wieder auf die Plantagen zurück

* Der Johnson County War in Wyoming, 1889-93, ein Konflikt um Weideland; es gab viele weitere solcher Landfehden

*  Casey’s Armee: ein Arbeitslosenmarsch 1894, Tausende Teilnehmer, geführt von Jacob Casey (einem Geschäftsmann!), „Jack London“ war dabei, sollte von Ohio nach Washington DC gehen, wurde in Montana aufgelöst von „Sicherheitskräften“, zuvor schon wurden die Führer verhaftet

* Naturkatastrophen: ein Hurrikan über Texas 1900 (ca 10 000 Tote; im Jahr davor ein ähnlich verheerender, der die Karibik betraf und auch Puerto Rico, das als Teil USA zu sehen ist oder auch nicht), Erdbeben San Francisco/Kalifornien 1906, 1899 Überflutung Pennsylvania, Hitzewelle 1980, 1918 Waldbrand in Minnesota, 1927 Mississippi-Flut, Mount St. Helens Vulkanausbruch 1980 „Katrina“ 2005,

* Gewalt gegen Einwanderer aus Griechenland in South Omaha (Nebraska) 1909

* Houston 1917: Nachdem Präsident Wilson 1917 entschieden hatte, auf Seiten der Entente in den Krieg in Europa einzutreten (> “Lusitania”, Zimmermann-Telegramm,)68, wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt, erstmals seit dem Bürgerkrieg, für Männer zwischen 21 und 30 Jahren ein. Auch etwa 300 000 Afro-Amerikaner wurden eingezogen, ausserdem meldeten sich etwa 50 000 von ihnen freiwillig. Das 3. Battailon des 24. Infanterie-Regiments, ausschliesslich mit afro-amerikanischen Soldaten, wurde zur Grundausbildung in New Mexico versammelt, dann nach Houston, Texas, verlegt. Dort wurde Rassentrennung gelebt, und daher hatten die Einwohner Probleme mit dem Auftauchen afro-amerikanischer Soldaten (die für die USA kämpfen sollten). Zumal viele der Soldaten (jene die nicht aus dem Südosten sammten) strikte Rassentrennung nicht gewohnt war, und sich an ihrer Behandlung durch weisse Houstoner störten.

Als die Polizei von Houston eine schwarze Frau gewaltsam verhafteten, waren gerade schwarze Soldaten in der Nähe. Soldaten versuchten die Frau zu beschützen. Ein Polizist schoss auf einen der Soldaten. Ähnlich wie in Agana verbreitete sich die Nachricht von der gewaltsamen Auseinandersetzung in der Stadt zum Battailon. In dieser Situation ordneten die Kommandierenden des Battailons (alles Weisse) die Entwaffnung der Soldaten an. Stattdessen marschierte ein Grossteil der Soldaten mit ihren Waffen und weiteren, die sie im Lager fanden, in die Stadt. Dort kam es zu einer stundenlangen Schiesserei mit Polizisten… 19 Tote zählte man am Abend. Kriegsrecht wurde in der Stadt verhängt, die als “Anführer” bzw “Aufrührer” des Battailons Gebrandmarkten vor ein Kriegsgericht gestellt. 19 Soldaten wurden zum Tode verurteilt und aufgehängt, 63 bekamen lange Gefängnisstrafen. Die ersten toten Amerikaner gab es also (im eigenen Land), bevor die USA unter dem Rassentrennungsbefürworter Wilson in den Krieg in Europa eintrat, um (wie dann auch ab 1941 und viele weiter Male) das Böse in der Welt draussen zu bekämpfen.69

Diese “Houston Riot” wurde dahingehend diskutiert, welche Gefahr von schwarzen Soldaten ausgehe, nicht bezüglich des rassistischen Verhaltens von Polizisten der Stadt, der Verhältnisse im Süden/Südosten der USA, der Stellung der Afro-Amerikaner in diesem Land für das sie kämpfen sollten,… Aus Afro-Amerikanern in den Streitkräften der USA wurden für den Krieg in Europa zwei Infanterie-Divisionen gebildet, der Grossteil kam aber nicht diese Kampfeinheiten (Combat units), sondern in Arbeitseinheiten (support units), wo sie keine Waffen bekamen, aber harte Arbeit wie Entladen von Kriegsschiffen und Strassenbau leisten mussten, streng separiert von den weissen “Kameraden”. Malcolm X / Malik Shabazz hat ja nach der westlichen Intervention im Congo 1960, die mit der Gewalt an (weissen) Frauen dort begründet wurde, gesagt, wenn diese Mächte in Afrika für Weisse intervenierten, könnten afrikanische Armeen eigentlich in der USA anlässlich von Gewalt gegen Schwarze dort intervenieren. In Houston engagierten sich immerhin schwarze US-Soldaten für schwarze Zivilisten. Abgesehen davon, die Sache hätte sich eigentlich auswachsen können, bzw wie ein Lauffeuer verbreiten in der USA. Wilson erhielt 1919 den Friedensnobelpreis „für seine Verdienste um die Beendigung des Ersten Weltkriegs“.

* Nach diesem Krieg kam es in Tulsa (Oklahoma) zu Spannungen zwischen Weiss und Schwarz, die sich entluden. Dort gab es eine auf JimCrow-Gesetzen basierende Rassendiskriminierung. 1921 wurde ein schwarzer Schuhputzer beschuldigt, eine weisse Fahrstuhlführerin sexuell angefallen zu haben. Ein “weisser” Mob stürmte das Gerichtsgebäude/Gefängnis, wollte die Übergabe des Beschuldigten, um ihn zu lynchen. Eine Gruppe Afro-Amerikaner, möglicherweise Veteranen des 1. WK eilte hin, um ihn zu retten. Es folgte ein “Vorgehen” eines weissen Mobs gegen diese Afro-Amerikaner und ihre Wohngegenden, mit Unterstützung der Polizei von Tulsa, das 2 Tage ging. Die meisten der 100–300 Toten waren Afro-Amerikaner.

* Im selben Jahr auch ein ganz anderer Konflikt in der USA: Die “Schlacht am Blair Mountain”, in Logan County (West Virginia). Ein Arbeitskampf, zwischen Arbeitern von Kohle-Bergwerken in den Appalachen und den Besitzern dieser Bergwerke (von den Behörden unterstützt), der bereits Jahre zuvor begann. Der grösste Arbeiteraufstand in der Geschichte der USA, einer der schärfsten Konflikte in diesem Land seit dem Bürgerkrieg. Fünf Tage lang Ende August, Anfang September 1921 standen sich 10 000 bewaffnete Bergarbeiter und 3000 Polizisten, Soldaten, Streikbrecher, Abgehöriger privater Sicherheitsdienste,… gegenüber. Es ging um (bzw gegen) den Versuch, die Kohlearbeiter der Region gewerkschaftlich zu organisieren; Anführer der “Aufständischen” war William “Bill” Blizzard von den United Mine Workers. Ungefähr 100 Menschen wurden getötet, viele wurden verhaftet.

* “Bonus Army” wurde 1932 in der USA ein Protestmarsch von etwa 43 000 Menschen genannt (1. WK-Veteranen, ihre Familien, weitere Angehörige), die sich in der Hauptstadt Washington versammelten, um auf die Auszahlung von “Gutscheinen” (Boni in Form von Zertifikaten) zu drängen die sie für ihren Militärdienst bekommen hatten. Die von Walter Waters Geführten nannten sich “Bonus Expeditionary Force”. Sie “belagerten” das Capitol-Gebäude. Der Militärheld Smedley Butler (Spanisch-Amerikanischer Krieg, „Bananenkriege“, 1. WK) sprach den Protestierenden Solidarität zu. Als die Polizei die Demonstration auflösen wollte, kam es zu Gewalt, zwei toten Demonstranten. Nun liess Präsident Herbert Hoover Militär in die Hauptstadt kommen. Armee-Stabschef Douglas MacArthur (mit Dwight Eisenhower als Adjutant) organisierte diesen Aufmarsch (Kavallerie, Infanterie), auch eine Panzereinheit unter George Patton kam. Dieser Angriff, der die ehemaligen Soldaten aus der Stadt vertrieb, forderte 4 Tote.  Der genannte Smedley Butter war nach seiner Militärkarriere Polizeichef von Philadelphia. 1934 behauptete er, dass rechtsgerichtete Geschäftsleute und Faschisten wie KKK und American Liberty League 1933 einen Staatsstreich gegen Präsident Franklin Roosevelt und seine Regierung geplant hatten. Unzufriedene Militär-Veteranen sollten dazu benutzt werden. Und Butler hätte Führer der USA werden sollen. Butler schrieb bald danach ein kritisches Buch über die Kriege der USA, an denen er teil genommen hatte.

* Der Bezirk/County McMinn in Tennessee wurde um den 2. WK herum von der Cantrell-Familie “geführt”. Anlässlich der Vorwahl für die Sheriffswahl von McMinn County 1946 entzündeten sich lange bestehende Spannungen. Vor allem in der dort gelegenen Stadt Athens, wo es zur “Schlacht von Athens” kam. Wieder beteiligt waren zurückgekehrte Soldaten des 2. WK, die sich gegen Wähler-Einschüchterung und Ähnliches wehrten, sich mit den Polizisten ein Schussgefecht lieferten.

* Interessanterweise gibt es in den zur USA gehörenden Gebieten, die nicht Bundesstaaten sind, Bestrebungen diese zum 51. Staat zu machen, aber auch Unabhängigkeitsbestrebungen. Kandidaten für den Bundesstaat-Status und für die Sezession sind Puerto Rico, Guam, die Northern Mariana Islands, U.S. Virgin Islands70, American Samoa (Ost-Samoa); der District of Columbia nur für Ersteres, die Guano-Inseln für keine der beiden Möglichkeiten. Gebiete ausserhalb des geschlossenen Staatsgebietes, die dann Bundesstaaten wurden, sind ja Hawaii und Alaska. In beiden Staaten gibt es auch Sezessionsbewegungen, in Hawaii werden diese von der “Urbevölkerung” getragen, zielen auf eine Restauration des Königreichs Hawaii (Aupuni Mōʻī o Hawaiʻi) ab. Ansonsten hat es bei Indianer-Völkern immer wieder Unabhängigkeits-Aktivismus gegeben, zur Zeit am konkretesten bei den Lakota. Auch bei Afro-Amerikanern gab es Ansätze, Tendenzen dazu, von den Repatriierungs-Bemühungen nach Afrika bis zur Nation of Islam. Die Mormonen und Utah wurden schon erwähnt.

Kalifornien, der Westen des mexikanischen Alta California, liegt am Rand der USA, könnte als unabhängiger Staat bestehen71, und hat Ansätze einer eigenen nationalen Identität (historisch-ethnisch-kulturell-…), nicht nur da WASP’s dort nicht in der Mehrheit sind. 2015 wurde die Yes California Independence Campaign gegründet (an frühere Initiativen anknüpfend72); sie bekam durch den Sieg von Donald Trump durch die Präsidentschaftswahl im November ’16 grösseren Zulauf. Hillary Clinton war dort mehr als 4,2 Millionen Wählerstimmen vor Trump gelegen, wenn man so will 4 der 3 Millionen Stimmen die Clinton insgesamt mehr als Trump bekam. Yes California will die Abspaltung Kaliforniens von der USA, mittels eines Referendums, für dessen Abhaltung sie Unterschriften sammelte. Die Kampagne durfte Unterschriften sammeln, nachdem Kaliforniens Innenminister dafür im Jan. 17 grünes Licht gab. Im April stoppte die Kampagne diese Initiative, im Zusammenhang mit der möglichen russischen Einflussnahme in diese Präsidentenwahl und den Russland-Verbindungen von Kampagnen-Leiter Louis Marinelli, einem New Yorker (italienischer Herkunft) der in Russland lebt, ehemaliger Republikaner ist und angab, 2016 für Trump gestimmt zu haben.

Die Abhaltung eines Referendums und eine Mehrheit dabei wäre jedenfalls für einen (“geregelten”) Austritt nicht genug; der Congress müsste dazu auch einen entsprechenden Verfassungszusatz annehmen, wofür eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig ist. Die Kampagne zur Abspaltung Californias vom Rest der USA wird von der California National PartyPartido Nacional de California (CNP) unterstützt, die 2014 gegründet wurde. Latinos/Hispanics/Chicanos, also Menschen lateinamerikanischer Herkunft, machen einen bedeutenden Teil der Bevölkerung Kaliforniens aus, wahrscheinlich die Mehrheit. Wobei Californios, also Nachfahren der mexikanischen Einwohner von Alta California, nur einen kleinen Teil davon ausmachen, die meisten Latinos in Kalifornien sind Einwanderer aus Mexico oder Nachfahren solcher. Und hier kommen wir zu einem anderen Punkt: Neben dem “Calexit” (kalifornischer Separatismus) gibt es noch einen Irredentismus Kalifornien betreffend. Jene Gebiete der USA, die Mitte des 19. Jh von Mexico abgetrennt wurden (Kalifornien einer der Bundesstaaten), werden von manchen Mexikanern noch immer oder wieder beansprucht. Wobei sich die Urheimat der (von den Spaniern unterworfenen) Azteken, Aztlán, im Südwesten der USA befunden haben soll, was diese Ansprüche unterstreicht.73 Bei Samoa und Virgin ist es ja so, dass die USA nur die eine Hälfte dieses Gebiets bekommen haben, bei den Marianen anfangs auch, wobei West-Samoa zwar unabhängig ist, die östlichen Virgin Islands aber britisch. In Texas gibt es seit den 1990ern auch eine Unabhängigkeits-Bewegung74, wie Kalifornien einer der grössten Bundesstaaten, dort kommt die Idee zur Trennung daraus dass man sich als konservativer als der Rest der USA sieht, konträr zum überdurchschnittlich liberalen Kalifornien!

Dort gibt es aber (noch) keine Konflikte, anders als bei Puerto Rico – nun zum eigentlichen Punkt. Dort gab es ja, wie auf Cuba und Philippinen eine Unabhängigkeitsbewegung gegen die Spanier vor der USA-Eroberung. Für die Unabhängigkeit von Puerto Rico von der USA kämpfte früher die Partido Nacionalista de Puerto Rico (PNPR), ab 1930 von Pedro Albizu Campos geführt. Bevor Puerto Rico Ende der 1940er, Anfang der 1950er Selbstverwaltung bekam (und den jetzigen Status), führte staatliches amerikanisches Vorgehen gegen die PNPR75 zu Gegenwehr dieser, zur Aufnahme eines gewaltsamen Kampfes. Dieser wurde auch in die “Kern-USA” getragen; 1950 versuchten PNPR-Aktivisten USA-Präsident Truman zu töten, 1954 gab es ein Schuss-Attentat der Organisation auf den Congress in Washington. Während die PNPR (auch nach dem Tod von Albizu) bis heute aktiv ist, übernahm in den 1970ern eine andere Guerilla-Organisationen, die FALN (Fuerzas Armadas de Liberación Nacional Puertorriqueña), die führende Rolle im Unabhängigkeits-Kampf.76 Der Unabhängigkeits-Kampf wird heute von einer Partei geführt, der PIP, die keinen grossen Zuspruch bekommt.77

* In der damals amerikanischen Panamakanal-Zone gabs 1964 Unruhen gegen die US-Herrschaft, die blutig niedergeschlagen wurden; die Unruhe entzündete sich am Hissen von Flaggen (der amerikanischen und der panamaischen), als Ausdruck der Zugehörigkeit bzw Hoheit. Dieses Gebiet ist eines jener, das die USA nach langer Herrschaft abgegeben haben, de-facto-Staatschef Torrijos handelte mit US-Präsident Carter 1977 die Rückgabe der Kanalzone aus (die als solche schon 1979 aufgelöst wurde), die 1999/2000 vollzogen wurde – im Rückgabevertrag wurde der USA ein Interventionsrecht im Falle von “Gefahr für die Neutralität” des Kanals eingeräumt.

* Die Intervention der USA im Krieg zwischen Nord- und Süd-Vietnam ging von 1964 bis 1973, ab dem Tonkin-Golf-“Zwischenfall”, zuvor waren aber schon 20 000 US-Soldaten in Süd-Vietnam… Der Truppenaufmarsch der USA (auf See) nach Vietnam lief wie erwähnt grossteils über Guam. Eine wachsende Antikriegsbewegung, Teil der dortigen 68er-Bewegung, und die Wehrpflicht machten den Vietnam-Krieg trotz der grossen Distanz sehr präsent in der USA.78 In diesem Krieg gab es ja theoretische Gleichberechtigung zwischen Weissen und Nicht-Weissen in den Streitkräften der USA, die Integration im Militär begann damals, parallel zur allgemeinen Emanzipation der Afro-Amerikaner in der USA (Bürgerrechtsgesetze wie auch Rassenunruhen in den 1960ern). Die 1940 eingeführte Wehrpflicht lief 1947 aus, wurde im beginnenden Kalten Krieg 1948 wieder eingeführt und 1973 (mit dem Abzug aus Vietnam) erneut ausgesetzt.79 Es gab auch in diesem Krieg einen überproportional hohen Anteil von Afro-Amerikanern im USA-Militär, die Todesrate war noch höher, die Offiziersrate wesentlich geringer (in allen früheren Kriegen waren diese Zahlen noch extremer)…80

Vor allem in der Freizeit gab es eine Trennung zwischen Schwarz und Weiss im USA-Militär in Vietnam. Mit zunehmender Kriegsdauer kamen dort rassische Konflikte auf. Martin L. King, der ja für ein Miteinander von “Weiss” und “Schwarz” kämpfte (und Andere), sagte(n), die USA-Intervention sei ein Rassenkrieg in der das Establishment der USA „schwarze Söldner benutze um braune Menschen zu töten”.81 Mir ist nicht bekannt, ob es wirklich Versuche des Vietcong (FNL) oder des nord-vietnamesischen Staates gab, afro-amerikanische Soldaten zum Überlaufen zu bewegen. Im Film „Dead Presidents“ (1995) wird so etwas (mittels Flugblätter) dargestellt. Der afro-amerikanische Autor und Amateurhistoriker Wallace Terry (1938 – 2003) brachte 1984 “Vietnam, Bloods: An Oral History of the Vietnam War” heraus, das Grundlage für diesen Film war.82 Auch Muhammed Ali hat es klar ausgedrückt (siehe unten), eine Verbindung zwischen Rassismus und Diskriminierung zu Hause, in jener Nation, für die diese Afro-Amerikaner kämpfen sollten, und diesem Krieg hergestellt. Die “Kongo-Krise” endete etwa da, als das USA-Mitmischen in Vietnam (und damit der Vietnam-Krieg) richtig losging. Malcolm X hat einen Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Afro-Amerikaner in der USA und westlichem Eingreifen im Congo/Kongo hergestellt (siehe oben)83, Andere auch einen zwischen diesen inneren Zuständen und dem Wirken als Weltpolizei allgemein.

Die grosse Meuterei oder Kriegsdienstverweigerung gab es aber nicht, wie auch nicht in den Weltkriegen84, dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, Irak,… wo ebenfalls das Potential dazu gegeben war. Und es kam auch zu keiner “Fraternisierung” (Überlaufen) zwischen Afro-Amerikanern (“Niggern”) und “Schlitzaugen” oder “Kameltreibern”. Ansätze von Meutereien gab es aber, wie wahrscheinlich nie vorher und danach in den US-Streitkräften. Und das nicht nur unter jenen, die auch nach Vietnam kamen. 43 schwarze Soldaten die in Fort Hood (Texas) stationiert waren, verweigerten rund um den Wahl-Parteitag der Democratic Party 1968 in Chicago den Einsatz gegen Anti-Kriegs-Demonstranten (denen es u.a. um bzw gegen Kriegs-Präsident Johnson ging). Natürlich übten auch Weisse im Militär Proteste aus. Flugblätter und Ähnliches gegen den Krieg zirkulierten auf fast allen Militärstützpunkten in der USA. In South Carolina verweigerte 1967 ein Militärarzt namens Howard Levy, bei den Green Berets dienende Sanitäter auszubilden, wurde dafür von einem Kriegsgericht verurteilt. Oder, zu Weihnachten 1969 gab es eine Antikriegsdemonstration von (etwa 50) US-Soldaten in Saigon.85 Die damals ausufernde Drogeneinnahme von Soldaten war vielleicht auch eine Art Protest, jedenfalls eine Flucht. Manche Soldaten wachten nach Abrüsten/Rückkehr/Verwundung auf, wie Ron(ald) Kovic, der der Organisation Vietnam Veterans Against the War angehört.

Einberufungszentrum Oakland bei San Francisco, 1967

Ja, und die innere Gewalt die in diesem Punkt hauptsächlich behandelt werden soll, ereignete sich im Militärgefängnis im US-Militär-Stützpunkt in Long Binh nahe Saigon. die Basis bestand 65-7586, das Gefängnis war das grösste amerikanische in diesem Krieg, und etwa 90% der Insaßen waren Afro-Amerikaner. Ein Gary Payton etwa verliess nach einer rassistischen Beschimpfung durch einen Vorgesetzten seinen Posten, wurde dafür (dort) eingesperrt. Und 1968 kam es in Long Binh zu einem Aufstand der Schwarzen in dem Gefängnis, die Militärpolizei hielt dagegen, am Ende zählte man einen toten weissen Gefangenen, 4 entkommene Gefangene87. Folgen waren eine “Verstärkung” des Lagers, Strafen für die Beteiligten.

Das Long Binh-Gefängnis nach der Auflehnung

* Militante Indianer-Aktionen nach Abschluss der Unterwerfung der Ureinwohner wurden einige von AIM unternommen. So wie jene 1973 in Wounded Knee.

* 1992 die rassischen Unruhen in Los Angeles (Einsatz der Nationalgarde,…), wie in den 1960ern in verschiedenen Teilen der USA

* In Waco (Texas) 1993 Belagerung und Schiesserei zwischen der Branch Davidians Sekte und staatlichen Kräften (82 Tote). 1997 in San Diego (Kalifornien) Gruppenselbstmord einer anderen Sekte, der Heaven’s Gate. Auch beim Massen-Selbst(?)-Mord 1978 in Guyana waren so ziemlich alle Beteiligten/Betroffenen US-Amerikaner. Ausserhalb der USA ereignete sich auch der Flugzeugabsturz über Lockerbie (Schottland/Grossbritannien) 1988, auch hier waren hauptsächlich Amerikaner betroffen. Beim Untergang der „Titanic“ 1912 war das teilweise der Fall. Beim Anschlag nicht geklärter Provenienz auf die Truppenunterkünfte der Multinational Force in Lebanon (MNF) am Flughafen Beirut 1983 waren die meisten Getöteten Amerikaner, beim israelischen Angriff auf die „USS Liberty” 1967 alle.

* Zu nennen wären noch diverse Gewaltakte aus dem Bereich Terror/Massaker/Amoklauf. Die Ereignisse vom 11. 9. 01 sind wie gesagt von Aussen gekommen, war keine innere Gewalt (es sei denn, die Dinge waren doch anders). Aber: 1910 der Anschlag auf das Gebäude der „Los Angeles Times“ durch einen Gewerkschaftsaktivisten, auf das Verwaltungsgebäude in Oklahoma City 1995 durch einen Rechtsextremisten, oder auf eine Disco in Orlando 2016 durch einen Islamisten waren politische “innere” Anschläge. Jene in Bath Town 1927 (Michigan, Schule, Andrew Kehoe), Austin 1966 (Turm Uni-Gelände), San Ysidro 1984 (McDonalds-Filiale), Columbine (Colorado) 1999, Las Vegas 2017,… waren unpolitische. Wobei: Wo verläuft dort die Grenze, was ist die Definition? Die Washington Sniper 2002 waren vielleicht im Graubereich dazwischen. Gewalt von Abtreibungsgegnern ist sehr politisch. Die Morde der “Manson-Familie” waren das auch, “indirekt”. Jene von “Ted” Bundy, der 1974-78 mindestens 35 Frauen tötete88 (dafür selbt vom Staat getötet wurde), eigentlich nicht. Und der Aufstand im Gefängnis von Attica 1971?

Rassismus in der USA

Die „Frontier“ war bei der Entstehung der USA, der Ausbreitung der europäischen Siedler, die Grenze zwischen „Wildnis“ und „Zivilisation“. Jenseits dieser Grenze hauptsächlich die (aus Asien stammenden) “Indianer”, aber auch hinter dieser “Front”, und die als Sklaven geholten Afrikaner. Diese Afro-Amerikaner waren schon im USA-Unabhängigkeitskrieg (gegen GB) in der ersten Armee der USA, der Continental Army, dabei, seither (in wachsender Zahl) in allen weiteren, von der “Indianer“-Unterwerfung über die „Weltkriege“ und darüber hinaus. Sie wurden benötigt, aber man fürchtete lange, dass sie die mit Militärdienst verbundene(n) Waffen und Ausbildung einsetzten, ihre Rechte zu Hause zu erkämpfen. “Buffalo Soldiers” war ursprünglich die Bezeichnung für ein afro-amerikanisches Regiment 1866, die ihr von Indianern gegeben wurde, später Synonym für afro-amerikanische Soldaten/Einheiten in USA-Streitkräften. Theoretische Gleichberechtigung gab es wie erwähnt ab dem Vietnam-Krieg. Was die Kluft zwischen Norden und Süden der USA, die sich ab den 1830ern auftat, betrifft, ich habe kürzlich “Die Kultur der Niederlage” von Wolfgang Schivelbusch gelesen, wo dies, als Hintergrund zur Niederlage von 1865, analysiert wird. Der Autor weist darauf hin, dass die Afro-Amerikaner auch in der Nord-USA lange um Bürgerrechte kämpfen mussten, es dort möglicherweise mehr Rassismus gab als im Süden.

Unter Präsident Woodrow Wilson (DP) intervenierten die USA im 1. Weltkrieg und bestimmten die Nachkriegsordnung in Europa maßgeblich mit; Basis dafür war sein im Jänner 1918 vorgestelltes 14-Punkte-Programm, das v. a. ein “Selbstbestimmungsrecht der Völker” und sowie die Schaffung eines Völkerbundes vorsah – im weissen Weltsystem. Wilson betrieb der afroamerikanischen Minderheit gegenüber wie gesagt eine rassistische Politik, verteidigte Rassentrennung generell, hielt eigene Einheiten im Militär für sie mit weissen Kommandeuren aufrecht. Als der Völkerbund 1919 eine Resolution zur Gleichheit der Rassen (von Japan eingebracht) verabschieden wollte, scheiterte dies hauptsächlich am Widerstand der USA-Regierung unter Wilson. Darüber hinaus waren/sind die auf ihn zurückgehenden Grenzziehungen in vielen Fällen fragwürdig. Aber auch unter dem fortschrittlicheren Franklin Roosevelt noch gab es in der USA einen dreisten Rassismus. Jesse Owens wurde nach seinen 4 Leichtathletik-Goldmedaillien bei Olympia in Berlin vor Hitler im Gegensatz zu weissen amerikanischen Medaillien-Gewinnern nicht von Roosevelt ins Weisse Haus eingeladen.

Aufschlussreich ist auch der Blick darauf, wie Kriegsgefangene aus Nazi-Deutschland oder aber Afro-Amerikaner im bzw. nach dem 2. Weltkrieg in der USA behandelt wurden. Etwa in Fort Hunt (Virginia) – dort wurden nach dem 2. WK auch deutsche Wissenschafter befragt, die in die USA kommen wollten. Die USA nahmen ab 1942 ihren Anteil an den Alliierten-Kriegsgefangenen der Achsenmächte auf. Kriegsgefangenen-Lager, hauptsächlich für deutsche und italienische Soldaten, entstanden in mehreren Bundesstaaten. Am Kriegsende befanden sich etwa 500 000 Gefangene in der USA, 380 000 davon Deutsche. Ab 1943 wurden die Kriegsgefangenen auch zu Arbeiten eingesetzt, hauptsächlich in der Landwirtschaft (auf Farmen). In Huntsville (Texas) gab es etwa so ein Lager. Die Journalistin Heather Tirado-Gilligan hat darüber einen empfehlenswerten Artikel geschrieben. Mit dem Arbeitseinsatz der Deutschen auf den Feldern brach das Eis zwischen den Gefangenen und den Einheimischen, schreibt sie. Die Deutschen arbeiteten dort Seite an Seite mit Afro-Amerikanern auf den Baumwoll-Feldern. Sogar “Nazi-Gefangene” waren schockiert darüber, wie Afro-Amerikaner in Texas von den Einheimischen (Weissen) und Behördenvertretern behandelt wurden, so Tirado. Dies trotz dem Rassismus der Nazi-Ideologie in deren Namen Deutschland beherrscht und der Krieg geführt wurde.

Und die vormaligen “Landser” durften in “whites-only” Cafeterias essen, im Gegensatz zu den schwarzen Amerikanern. Die im Lager die niedrigsten Tätigkeiten durchführen “durften”. Die Deutschen und die Afro-Amerikaner kamen aber mit einander aus; deutsche Soldaten hatten auch erlebt, heisst es, dass afroamerikanische Soldaten sie vor Übergriffen weisser amerikanischer Soldaten beschützt hatten. In Huntsville gab es auch ein Umerziehungsprogramm für die Deutschen. In dem die Bedeutung von “Demokratie” erklärt wurde, die Befreiung von “Konzentrationslagern” in Filmen gezeigt wurde,… Die Behandlung der Afro-Amerikaner die sie dort erlebten, war auch ein gutes Stück Erziehung, Lehre, Erfahrung. Was vielleicht nicht ganz zu Allem passte, was in Vorträgen oder Filmen kam. Zu diesem Themenkreis hat Matthias Reiss Einiges publiziert.89 In Fort Ritchie (Maryland) wurden deutschsprachige Amerikaner sowie Juden, die aus dem “Grossdeutschen Reich” fliehen mussten, dafür ausgebildet, nach der Invasion dort Befragungen durch zu führen. Ein Afro-Amerikaner war darunter, William Warfield. Trotz seiner sehr guten Deutsch-Kenntnisse kam er dann nie zum Einsatz in Deutschland.90

Umerziehungs-Material für Deutsche in Huntsville

Afro-Amerikanische Soldaten kämpften im 2. WK, je nach Sicht, gegen die Kräfte des Faschismus in Europa oder für den US-amerikanischen Imperialismus. In eigenen Einheiten wie gesagt, am meisten Renommé bekamen wohl die Tuskegee airmen. Walter Manning war ein afroamerikanischer Kampfpilot, der im Frühling 1945 südlich von Linz abstürzte. Er wurde in ein Gefängnis im Fliegerhorst Hörsching gebracht, dann von Nazi-Funktionären und dem regionalen Mob aus seiner Zelle geholt, schwer misshandelt und schliesslich erhängt wurde, mit einem Schild mit den Worten „Wir wehren uns!“ um den Hals. Wenig später rückten Bodentruppen der US-Streitkräfte ein. Hier gab es keine Suche nach den Verantwortlichen. Wehrmachts-General Anton Dostler hingegen wurde in Italien (im Dezember 45) von US-Truppen kriegsrechtlich erschossen, da er 15 amerikanische Kriegsgefangene töten hatte lassen. Bei Manning war es ja so: Nicht-Weisse in den Reihen der Armeen der Alliierten, ob Afro-Amerikaner oder asiatische Sowjetbürger oder französische Kolonialtruppen aus Afrika, wurden von Nazi-Deutschland (wie auch solche Soldaten in den Reihen der Entente-Heere im 1. WK) als Verletzung von Spielregeln gesehen, als Gefährdung des Ab